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                    Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

IT-Grundschutzhandbuch
Standard-Sicherheitsmaßnahmen
Version: Januar 2000

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Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Der Präsident Vorwort Das vorliegende IT-Grundschutzhandbuch enthält Standardsicherheitsmaßnahmen, Umsetzungshinweise und Hilfsmittel für zahlreiche IT-Konfigurationen, die typischerweise im heutigen IT-Einsatz anzutreffen sind. Dieses Informationsangebot soll zur zügigen Lösung häufiger Sicherheitsprobleme dienen, die Anhebung des Sicherheitsniveaus von ITSystemen unterstützen und die Erstellung von IT-Sicherheitskonzepten vereinfachen. Die im IT-Grundschutzhandbuch zusammengestellten Standardsicherheitsmaßnahmen orientieren sich dabei an einem Schutzbedarf, der für die meisten IT-Systeme zutrifft. Damit kann für die überwiegende Zahl der IT-Systeme der bislang arbeitsintensive Prozess der Erstellung eines IT-Sicherheitskonzeptes erheblich vereinfacht werden, da aufwendige und oft komplexe Analysen von Bedrohungen und Eintrittswahrscheinlichkeiten entfallen. Mit Verwendung des Handbuchs bedarf es lediglich eines Abgleichs des Maßnahmen-Solls mit dem Maßnahmen-Ist, um Sicherheitsdefizite zu ermitteln und passende Sicherheitsmaßnahmen zu identifizieren. Das IT-Grundschutzhandbuch ist als "weiterentwicklungsfähiges Werk" angelegt. Durch eine halbjährliche Fortschreibung sollen Verbesserungsvorschläge, Erweiterungen sowie die Weiterentwicklung der IT berücksichtigt werden. Für die von den Anwendern des IT-Grundschutzhandbuchs übersandten Beiträge, die bei der Fortschreibung der vorliegenden Version berücksichtigt wurden, möchte ich mich bedanken. Dr. Dirk Henze __________________________________________________________________________________________ IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2000 IT-Grundschutzhandbuch __________________________________________________________________________________________ Dankesworte Für die Mitarbeit bei der Weiterentwicklung des IT-Grundschutzes und die engagierte Unterstützung bei der Fortschreibung der Version 2000 des IT-Grundschutzhandbuchs wird an dieser Stelle folgenden Beteiligten gedankt: - Gesamtkoordination Frau Isabel Münch, BSI - Redaktionelle Bearbeitung und Hotline Herr Fabian Schelo, BSI - Baustein Behandlung von Sicherheitsvorfällen Frau Isabel Münch, BSI Herr Dr. Hartmut Isselhorst, BSI - Baustein Faxserver Herr Thomas Biere, BSI Herr Dr. Harald Niggemann, BSI - Überarbeitung Baustein Unix Herr Alexander Geschonneck, HiSolutions Software GmbH - Kapitel 2.4.3 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz Herr Dr. Harald Niggemann, BSI Herr Rainer Belz, BSI - Kapitel 2.5 Vorgehensweise Basis-Sicherheitscheck Herr Dr. Harald Niggemann, BSI Herr Rainer Belz, BSI - Qualitätssicherung Herr Achim Klabunde, DeTeMobil Herr Dr. Harald Niggemann, BSI Darüber hinaus sei allen gedankt, die sich durch konstruktive Kritik und praktische Verbesserungsvorschläge an der Verbesserung des IT-Grundschutzhandbuchs beteiligt haben. __________________________________________________________________________________________ 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2000 IT-Grundschutzhandbuch __________________________________________________________________________________________ Bei der Fortschreibung und Weiterentwicklung vorhergehender Versionen des IT-Grundschutzhandbuchs haben die nachfolgend aufgezählten Personen und Institutionen mitgewirkt. Auch ihnen sei hiermit Dank ausgesprochen: - Bundesbeauftragter für den Datenschutz Herr Alke, Herr Ernestus, Herr Biermann - Bundeskriminalamt, Wiesbaden - Bundesministerium des Innern, Bundesgrenzschutz Herr Walder - Bundesministerium der Finanzen Herr Polcyk - Daimler-Benz Aerospace AG Herr Anton - Daimler-Benz AG Herr Heinle, Hr. Schlette - DeTeMobil Herr Achim Klabunde - Evangelische Kirche von Westfalen, Das Landeskirchenamt Herr Huget - Flughafen Düsseldorf GmbH Herr Andreas Peters - GUIDE SHARE EUROPE Arbeitskreis "DATENSCHUTZ und DATENSICHERHEIT" - Henkel KGaA Herr Rhefus - INFODAS Herr Dr. Weck - Ingenieurbüro Mink - Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein Herr Kuhr - Landesbeauftragter für den Datenschutz Saarland Herr Simon - Fa. Oracle - Röhm GmbH Chemische Fabrik Datenschutzbeauftragter Herr Güldemeister - Stadtverwaltung Wesel - Universität GH Essen, FB Wirtschaftinformatik Herr Prof. Dr. Voßbein - Universitätsklinikum der TU Dresden Klinik für Orthopädie Herr Frank Heyne - Verband der Chemischen Industrie e. V. - Zentrale Datenverarbeitungsstelle für das Saarland Herr Müller Folgende Autoren haben durch die Erstellung von Bausteinen ihr Fachwissen in das ITGrundschutzhandbuch einfließen lassen. Ihnen gebührt besonderer Dank, da ihr Engagement die Entstehung und Weiterentwicklung des IT-Grundschutzhandbuchs erst ermöglicht hat. Bundesministerium des Innern: Herr Jörg-Udo Aden, Herr Hartmut Wettmann Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: Herr Peter Belkin, Herr Thomas Biere, Herr Uwe Dornseifer, Herr Günther Ennen, Herr Olaf Erber, Herr Frank W. Felzmann, Herr Michael Förtsch, Herr Dr. Kai Fuhrberg, Herr Dr. Bernhard Geib, Herr Dr. Dirk Häger, Herr Dr. Hartmut Isselhorst, Herr Rolf Köster, Herr Manfred Kramer, Herr Wilhelm Merx, Frau Isabel Münch, Herr Robert Rasten, Herr Fabian Schelo, Herr Heiner Schorn, Herr Dr. Ernst Schulte-Geers, Herr Carsten Schulz, Herr Bernd Schweda, Frau Katja Vogel, Herr Frank Weber, Herr Dr. Stefan Wolf __________________________________________________________________________________________ 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2000 IT-Grundschutzhandbuch __________________________________________________________________________________________ Inhaltsverzeichnis Einleitung 1 1.1 1.2 1.3 IT-Sicherheitsmanagement Überblick über den IT-Sicherheitsprozeß Initiierung des IT-Sicherheitsprozesses Verantwortlichkeiten und Befugnisse im IT-Sicherheitsprozeß 2 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 Anwendung des IT-Grundschutzhandbuchs Anwendung des IT-Grundschutzhandbuchs Schutzbedarfsfeststellung Gebrauch des IT-Grundschutzhandbuchs Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung 2.4.1 Hinweise für die Schutzbedarfsfeststellung 2.4.2 Hinweise für die Abbildung realer IT-Systeme in den "IT-Grundschutz-Baukasten" 2.4.3 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz Vorgehensweise Basis-Sicherheitscheck 3 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 3.6 3.7 3.8 IT-Grundschutz übergeordneter Komponenten Organisation Personal Notfallvorsorge-Konzept Datensicherungskonzept Datenschutz Computer-Virenschutzkonzept Kryptokonzept Behandlung von Sicherheitsvorfällen 4 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5 Infrastruktur Gebäude Verkabelung Räume 4.3.1 Büroraum 4.3.2 Serverraum 4.3.3 Datenträgerarchiv 4.3.4 Raum für technische Infrastruktur Schutzschränke Häuslicher Arbeitsplatz 5 5.1 5.2 5.3 5.4 5.5 5.6 5.99 Nicht vernetzte Systeme DOS-PC (ein Benutzer) Unix-System Tragbarer PC PCs mit wechselnden Benutzern PC unter Windows NT PC mit Windows 95 Allgemeines nicht vernetztes IT-System __________________________________________________________________________________________ 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2000 IT-Grundschutzhandbuch __________________________________________________________________________________________ 6 6.1 6.2 6.3 6.4 6.5 6.6 6.7 6.8 Vernetzte Systeme Servergestütztes Netz Unix-Server Peer-to-Peer-Netz Windows NT Netz Novell Netware 3.x Novell Netware 4.x Heterogene Netze Netz- und Systemmanagement 7 7.1 7.2 7.3 7.4 7.5 Datenübertragungseinrichtungen Datenträgeraustausch Modem Firewall E-Mail WWW-Server 8 8.1 8.2 8.3 8.4 8.5 Telekommunikation TK-Anlage Faxgerät Anrufbeantworter LAN-Anbindung eines IT-Systems über ISDN Faxserver 9 9.1 9.2 9.3 Sonstige IT-Komponenten Standardsoftware Datenbanken Telearbeit Kataloge zu Maßnahmen und Gefährdungen Maßnahmenkataloge Gefährdungskataloge M1 M2 M3 M4 M5 M6 G1 G2 G3 G4 G5 Infrastruktur Organisation Personal Hardware/Software Kommunikation Notfallvorsorge Höhere Gewalt Organisatorische Mängel Menschliche Fehlhandlungen Technisches Versagen Vorsätzliche Handlungen Anhang - Hilfsmittel - Faxvordruck für: - Änderungsvorschlag - Erfahrungsbericht - Schadensmeldung - Meldebogen für Computer-Viren - KBSt-Empfehlung 2/95 - Bezugsdokumente - BSI-Tool IT-Grundschutz - BSI-Tool sichere Unix-Administration - Index - Registrierungsbogen __________________________________________________________________________________________ 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
Neues __________________________________________________________________________________________ Neues in Version 2000 des IT-Grundschutzhandbuchs Rechtschreibung In das Handbuch neu aufgenommene Seiten wurden nach den Regeln der Rechtschreibreform abgefasst. Erfolgte für ein auszutauschendes Blatt eine inhaltliche Änderung auf nur einer Seite, so wurde auch für die andere Seite des Blattes die neue Rechtschreibung angewandt. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass mit dem Ablauf der Übergangszeit zum 31. August 2005 eine vollständige Überarbeitung des Werkes erfolgen muss. Um die Blattzahl der Ergänzungslieferung durch die Anwendung der neuen Rechtschreibung nicht unnötig zu erhöhen, wurde darauf verzichtet, Änderungen bis ins letzte Detail durchzuführen. Dies hat jedoch zur Folge, dass z. B. die Schreibweise einer Maßnahmenüberschrift im Inhaltsverzeichnis von der Schreibweise im Maßnahmenkatalog abweichen kann. Marginalien Auf den auszutauschenden Seiten wurden in der Bemerkungsspalte Marginalien eingefügt. Mit Hilfe dieser Randbemerkungen soll in Form von Stichwörtern auf die Thematik des Dokumentenabschnittes hingewiesen werden. Fußzeilen Seiten, die neu in das Handbuch aufgenommen oder inhaltlich aktualisiert wurden, sind durch die Fußzeile "Stand Januar 2000" gekennzeichnet. Wurde auf einer Seite lediglich die Rechtschreibung an die neuen Regeln angepasst oder Marginalien hinzugefügt, so lautet die Fußzeile wie bisher "Stand Juli 1999". Auf diese Weise ist anhand der Fußzeilen direkt erkennbar, welche Seiten sich inhaltlich geändert haben. WWW-Seiten zum IT-Grundschutz Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ist auch über das Internet erreichbar. Den aktuellen Sachstand zum IT-Grundschutz können Sie über die Seite http://www.bsi.bund.de/gshb abrufen. Auf diesen Seiten ist ein Forum eingerichtet, um aktuelle Informationen zum ITGrundschutzhandbuch zeitnah zu präsentieren. Aktualisierung und Überarbeitung Strukturelle Veränderungen wurden in der aktualisierten Ausgabe nicht durchgeführt. Die Nummerierung bestehender Gefährdungen und Maßnahmen blieb erhalten, sodass ein im Vorjahr auf Basis des IT-Grundschutzhandbuchs erstelltes Sicherheitskonzept fortgeschrieben werden kann. Es empfiehlt sich dennoch, die ausgewählten Maßnahmen bei der Bearbeitung komplett zu lesen, um Ergänzungen berücksichtigen zu können und um ggf. das Wissen zur IT-Sicherheit aufzufrischen. Eine detaillierte Darstellung der durchgeführten Änderungen kann dem Winword-Versionsvergleich entnommen werden, der sich auf der CD-ROM im Verzeichnis .../VGL befindet. Bedarfsorientierte Weiterentwicklung Aufgrund der jährlichen Bedarfsabfrage bei registrierten Anwendern wurde das Handbuch bedarfsorientiert weiterentwickelt. Insgesamt wurden für die Version 2000 folgende Bausteine neu entwickelt: 3.8 Behandlung von Sicherheitsvorfällen 8.5 Faxserver __________________________________________________________________________________________ 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
Neues __________________________________________________________________________________________ Inhaltlich überarbeitet wurden die Bausteine: 5.2 Unix-System 6.2 Unix-Server 8.2 Faxgerät Modellierung einer IT-Anlage Eine IT-Anlage ist die Gesamtheit von technischen Komponenten, die gemeinsam der Informationsverarbeitung dienen. In Abschnitt 2.4.3 wird beschrieben, wie die Verbindung zwischen den Komponenten einer bestehenden IT-Anlage und den Bausteinen des IT-Grundschutzhandbuchs hergestellt wird. Dies ist beispielsweise für die Durchführung eines Basis-Sicherheitschecks erforderlich. Basis-Sicherheitscheck Das Kapitel 2.5 Vorgehensweise Basis-Sicherheitscheck wurde neu in das Handbuch aufgenommen. Der Basis-Sicherheitscheck ist ein Organisationsinstrument, welches überwiegend mittels Interviewtechnik einen schnellen Einstieg in die IT-Sicherheitsproblematik bietet. Durch einen Soll-IstVergleich wird ein Überblick über das IT-Sicherheitsniveau einer bestehenden IT-Anlage gewonnen und Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt. Neue Hilfsmittel Der CD-ROM zum IT-Grundschutzhandbuch wurden weitere neue Hilfsmittel hinzugefügt. Eine Übersicht hierzu befindet sich im Anhang. CD-ROM Eine überarbeitete elektronische Version wird ca. 6 Wochen nach der Veröffentlichung der gedruckten Fassung vorliegen. Interessenten übersenden einen mit 3 DM frankierter Rückumschlag (Format C 5) an folgende Adresse: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik z. Hd. Herrn Schelo Postfach 20 03 63 53133 Bonn Management-Report Auf den letzten Seiten des Handbuchs ist eine Liste registrierter Anwender des ITGrundschutzhandbuchs abgedruckt worden. Sie stellt im Überblick dar, in welchen Branchen und in welchen Firmen bzw. Behörden IT-Grundschutz angewendet wird. __________________________________________________________________________________________ 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
1999 IT-Grundschutzhandbuch __________________________________________________________________________________________ Einleitung IT-Sicherheit Ziel des IT-Grundschutzes - Zuständigkeit Verantwortung Kosten Kontrolle Ziel des IT-Grundschutzes ist es, durch geeignete Anwendung von organisatorischen, personellen, infrastrukturellen und technischen Standard-Sicherheitsmaßnahmen ein Sicherheitsniveau für IT-Systeme zu erreichen, das für den mittleren Schutzbedarf angemessen und ausreichend ist und als Basis für hochschutzbedürftige IT-Anwendungen dienen kann. Dazu werden im IT-Grundschutzhandbuch Maßnahmenbündel für typische IT-Konfigurationen, Umfeld- und Organisationsbedingungen empfohlen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat für die Erstellung überschlägige Risikobetrachtungen aufgrund bekannter Gefährdungen und Schwachstellen vorweggenommen und dafür geeignete Maßnahmenbündel erarbeitet. Daher muß der Anwender des IT-Grundschutzhandbuchs diese aufwendigen Analysen für den IT-Grundschutz nicht mehr wiederholen, er muß lediglich dafür Sorge tragen, daß die empfohlenen Maßnahmen konsequent und vollständig umgesetzt werden. Damit wird gleichzeitig erreicht, daß IT-Sicherheit für den mittleren Schutzbedarf arbeitsökonomisch umgesetzt werden kann, zumal individuelle Sicherheitskonzepte auf das IT-Grundschutzhandbuch verweisen können. IT-Grundschutz wird somit zu einer gemeinsamen Verständigungsbasis für Maßnahmen für den mittleren Schutzbedarf. Grenzen des IT-Grundschutzes Die für den IT-Grundschutz statthaften pauschalen Ansätze von Maßnahmenempfehlungen sind jedoch nicht ohne weiteres für hochschutzbedürftige IT-Systeme ausreichend. In solchen Fällen können individuelle Sicherheitsuntersuchungen detaillierte Ergebnisse erzielen, insbesondere bei der Auswahl geeigneter Sicherheitsmaßnahmen unter Beachtung von Kosten- und Wirksamkeitsaspekten. Solche Analysen können über die IT-Grundschutzmaßnahmen hinaus zusätzliche oder qualitativ wirksamere Maßnahmen herausarbeiten. Grundsätzlich sollte bei hochschutzbedürftigen IT-Anwendungen neben der Realisierung des IT-Grundschutzes auf individuelle Sicherheitsuntersuchungen nicht verzichtet werden. Einführung eines IT-Sicherheitsprozesses Das einmalige Erstellen eines IT-Sicherheitskonzepts, auch auf der Basis des IT-Grundschutzhandbuchs, ist für eine umfassende IT-Sicherheit nicht ausreichend. Vielmehr ist es erforderlich, den IT-Sicherheitsprozeß durch einen Regelkreislauf bestehend aus der Konzeption, der Realisierung und der Kontrolle von IT-Sicherheitsmaßnahmen zu gestalten. Diese Aufgabe ist von fundamentaler Bedeutung und muß durch die Behörden-/Unternehmensleitung initiiert werden. Zur Unterstützung widmet sich Kapitel 1 des Handbuchs diesem Thema mittels eines Aktionsplans. Aufbau des IT-Grundschutzhandbuchs Das IT-Grundschutzhandbuch gliedert sich in mehrere Teile. Im ersten Teil werden in Übersichtskapiteln die Gefährdungslage und die Maßnahmenempfehlungen für den IT-Grundschutz knapp umrissen. Sie dienen der Leitungsebene zur Orientierung und bilden den Rahmen der empfohlenen Maßnahmenbündel. Die folgenden Teile führen in Katalogen die Maßnahmen und Gefährdungen ausführlich aus. Sie dienen dem Vergleich des Sicherheits-Istzustandes mit den Maßnahmen- __________________________________________________________________________________________ 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1999 IT-Grundschutzhandbuch __________________________________________________________________________________________ empfehlungen und der Realisierung und Kontrolle der erforderlichen IT-Sicherheitsmaßnahmen. Ergänzende Informationen befinden sich im Anhang des Handbuchs. Notwendige oder weiterführende Hilfsmittel runden das Handbuch ab. Sie sind aus ökonomischen und ökologischen Gründen auf der beiliegenden CD-ROM gespeichert. Anwendungsweise des Handbuchs Hilfestellung zur Anwendungsweise bietet Kapitel 2: Zuerst sind die IT-Systeme mittels einer Schutzbedarfsanalyse zu ermitteln, für die der IT-Grundschutz umgesetzt werden soll, und solche, für die über den IT-Grundschutz hinaus eine individuelle Sicherheitsuntersuchung notwendig ist. Dann werden die einzelnen IT-Systeme in den IT-Grundschutz-"Baukasten" abgebildet. Anschließend braucht der Anwender nur noch die Maßnahmenempfehlungen der Übersichtskapitel und der Kataloge mit den schon realisierten IT-Sicherheitsmaßnahmen zu vergleichen. Festgestellte Differenzen werden in einem IT-Sicherheitskonzept dokumentiert und mittels eines Realisierungsplans umgesetzt. Fortschreibung Die vorliegende Version des Handbuchs kann nicht sämtliche IT-Konfigurationen abdecken. Das BSI plant, das IT-Grundschutzhandbuch jährlich zu aktualisieren und bedarfsgerecht zu erweitern. Jeder Leser wird gebeten, mittels beiliegender Fax-Vordrucke (s. Anhang) seinen Bedarf an Erweiterung des Handbuchs, Verbesserungsvorschläge und anonyme Schadensmeldungen dem BSI mitteilen. Darüber hinaus führt das BSI jährlich eine Fragebogenaktion durch, in der die Verbesserungsmöglichkeiten und aktuellen Themen für den IT-Grundschutz erfragt werden. Registrierung Um das IT-Grundschutzhandbuch bedarfsgerecht weiterentwickeln zu können, benötigt das BSI den Erfahrungsaustausch mit den Anwendern des Handbuchs. Hierzu ist dem Handbuch auf der letzten Seite ein Faxvordruck zur freiwilligen Registrierung beigefügt. Registrierte Anwender können auf diesem Weg direkt über aktuelle Themen des IT-Grundschutzes informiert werden. Eine Liste derjenigen registrierten Anwender, die einer Veröffentlichung zugestimmt haben, ist am Ende des Handbuchs abgedruckt. Sie zeigt auf, daß IT-Grundschutz schon in weiten Teilen der Wirtschaft Anklang gefunden hat. Hotline Das BSI versucht, seinem gesetzlichen Auftrag der Förderung der IT-Sicherheit auch dadurch nachzukommen, daß es für Fragen und Auskünfte in offener, unbürokratischer und anwenderfreundlicher Weise zur Verfügung steht. Als Dienstleistung im Rahmen des IT-Grundschutzes ist dazu eine kostenlose Hotline eingerichtet worden, die zu den üblichen Bürozeiten verfügbar ist. Auch Anregungen und Verbesserungsvorschläge zum IT-Grundschutzhandbuch können dort weitergegeben werden. Die Hotline ist erreichbar unter: IT-Grundschutz-Hotline: Tel.: 0228-9582-369 E-Mail: gshb@bsi.de X.400: c = de, a = bund400, p = bsi, s = gshb __________________________________________________________________________________________ 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ 1 IT-Sicherheitsmanagement 1.1 Überblick über den ITSicherheitsprozeß IT-Sicherheit - Zuständigkeit Verantwortung Kosten Kontrolle Funktionen in der öffentlichen Verwaltung und in der Wirtschaft werden in der modernen Informations- und Kommunikationsgesellschaft zunehmend durch den Einsatz von Informationstechnik (IT) unterstützt. Viele Arbeitsprozesse werden elektronisch gesteuert, und große Mengen von Informationen werden in Form von Daten digital gespeichert, elektronisch verarbeitet und in lokalen und öffentlichen Netzen übermittelt. Die Wahrnehmung mancher öffentlicher oder privatwirtschaftlicher Aufgaben ist ohne IT überhaupt nicht, die Erfüllung anderer Aufgaben nur noch teilweise möglich. Damit sind viele Institutionen in Verwaltung und Wirtschaft von dem einwandfreien Funktionieren der eingesetzten IT abhängig; ein Erreichen der Behörden- und Unternehmensziele ist nur bei ordnungsgemäßem und sicheren ITEinsatz möglich. Aufgrund dieser Abhängigkeit ist IT-Sicherheit als integraler Bestandteil der originären Aufgabe anzusehen. Die Verantwortung für eine sichere und ordnungsgemäße IT-gestützte Aufgabenerfüllung ist somit gleichermaßen in der Linie zu delegieren wie die Verantwortung für die originäre Aufgabe selbst. Ebenso wie für die originäre Aufgaben verbleibt die letztendliche Verantwortung für ITSicherheit beim Management. Die für IT-Sicherheit notwendigen betriebsweiten konzeptionellen Aufgaben, die Organisation, die Zuweisung von Verantwortlichkeiten sowie die nötigen Kontrollen werden von einer dafür eingerichteten Organisationseinheit, dem IT-Sicherheitsmanagement-Team, realisiert. Motivation Pressemeldungen der letzten Jahre verdeutlichen, daß durch mangelnde IT-Sicherheit immer wieder beträchtliche Schäden in Behörden und Wirtschaftsunternehmen entstehen. Die Dunkelziffer solcher Schäden ist noch um einiges höher anzusetzen, da der weitaus größere Teil behörden- bzw. firmenintern verschwiegen wird. Einige der bekannt gewordenen Vorkommnisse sind: Datum März 1993 Mai 1993 Feb. 1994 Feb. 1995 Mitte 1995 Mitte 1996 April 1998 Art des Schadens Durch den Michelangelo-Virus werden diverse Daten auf PCs gelöscht Hackereinbruch in den Rechner einer Wirtschaftsauskunftei Hackereinbruch im Datennetz INTERNET Anschlag auf Datenkommunikationsleitungen des Frankfurter Flughafens Ein namhafter Hersteller verteilt mit Originalsoftware die ersten Makro-Viren Brand in der zentralen DV-Abteilung einer großen französischen Bank Ausfall eines zentralen Computersystems am Flughafen Düsseldorf Schadenshöhe Geschätzter Schaden über 1,0 Million DM Vertrauens- und Imageverlust unbekannt unbekannt unbekannt unbekannt unbekannt __________________________________________________________________________________________ 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ Angesichts dieser Vorkommnisse wird klar, daß es nicht ausreichen kann, nur die Schäden und ihre Folgen zu beseitigen oder intuitiv auf erkannte Gefahren zu reagieren. Zur Wahrung des ordnungsgemäßen und sicheren IT-Einsatzes ist ein systematischer Weg zu beschreiten, der zu einem ganzheitlichen und vollständigen Ergebnis führt. Zur Erreichung des notwendigen Zieles "ausreichende und angemessene IT-Sicherheit" wird daher der Behörden- bzw. Unternehmensleitung der folgende Aktionsplan vorgeschlagen. Er beinhaltet die wesentlichen Schritte, die für einen kontinuierlichen IT-Sicherheitsprozeß notwendig sind. Planung 1 . E n tw ic k lu n g e in e r IT -S ic h e rh e its p o litik 2 . E rs te llu n g e in e s IT -S ic h e rh e its k o n ze p te s Realisierung 3 . R e a lis ie ru n g d e r IT -S ic h e rh e its m a ß n a h m e n 4 . S c h u lu n g u n d S e n s ib ilis ie ru n g Aufrechterhaltung 5 . IT -S ic h e rh e it im la u fe n d e n B e trie b Aktionsplan für den IT-Sicherheitsprozeß Da mit der allgemeinen Verantwortung für das zielgerichtete und ordnungsgemäße Funktionieren einer Organisation auch die Gewährleistung der IT-Sicherheit dem Management obliegt, muß die Leitungsebene den IT-Sicherheitsprozeß initiieren und kontrollieren. Grundregeln: - Die Initiative für IT-Sicherheit geht vom Management aus. - Die Verantwortung für IT-Sicherheit liegt beim Management. - Nur wenn sich das Management um IT-Sicherheit bemüht, wird die Aufgabe "IT-Sicherheit" wahrgenommen. __________________________________________________________________________________________ 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ Aktionsplan zur Initiierung des IT-Sicherheitsprozesses 1. Entwicklung einer IT-Sicherheitspolitik Die Entwicklung der IT-Sicherheitspolitik verläuft in drei Schritten: zunächst wird das für die Institution notwendige und angemessene IT-Sicherheitsniveau bestimmt. Dies hängt von den Sicherheitszielen dieser Institution und dem Aufwand, der für IT-Sicherheit betrieben werden kann, ab. Danach wird das IT-Sicherheitsmanagement-Team etabliert, daß das Erreichen und Halten des angestrebten IT-Sicherheitsniveaus zur Aufgabe hat. Das IT-Sicherheitsmanagement-Team erarbeitet dann die IT-Sicherheitspolitik. 2. Erstellung des IT-Sicherheitskonzepts Zur Umsetzung der IT-Sicherheitsziele wird durch detaillierte Risikoanalysen für hochschutzbedürftige IT-Anwendungen und durch Anwendung des vorliegenden IT-Grundschutzhandbuchs ein IT-Sicherheitskonzept erstellt. 3. Realisierung der IT-Sicherheitsmaßnahmen Mittels Prioritätensetzung, Benennung von Verantwortlichen und Realisierungsplanung sind die notwendigen IT-Sicherheitsmaßnahmen unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Zeit und Ressourcen zu realisieren. 4. Schulung und Sensibilisierung Ein bedarfsorientiertes Schulungskonzept ist zu erstellen, um alle Ebenen der Organisation, vom Management bis zu den IT-Benutzern, für IT-Sicherheitsmaßnahmen zu sensibilisieren und die notwendigen Erklärungen zum sachgemäßen IT-Gebrauch und der Einhaltung der IT-Sicherheitsmaßnahmen zu liefern. 5. IT-Sicherheit im laufenden Betrieb Der IT-Sicherheitsprozeß endet nicht mit der Umsetzung von Maßnahmen, sondern es bedarf periodischer Kontrollen, die bei Veränderungen auch die Aktualisierung des Sicherheitskonzeptes veranlassen. Auch die Reaktionen auf sicherheitsrelevante Ereignisse müssen geregelt werden, um den Schaden zu begrenzen und Wiederholungen zu vermeiden. Aufgabenbereiche des IT-Sicherheitsmanagement-Teams Das IT-Sicherheitsmanagement-Team soll den IT-Sicherheitsprozeß koordinieren und steuern. Die personelle Ausstattung richtet sich dabei nach der Größe der Behörde bzw. des Unternehmens und nach dem Umfang der IT-Unterstützung. Sie reicht von Teilzeitarbeit bis zu einer Gruppe von mehreren Personen. Die wahrzunehmenden Aufgaben sind: Konzeption der IT-Sicherheit - Definition und Aktualisierung der IT-Sicherheitsziele in der Behörde bzw. im Unternehmen in Abstimmung mit der Leitungsebene. - Erstellung bzw. Aktualisierung des IT-Sicherheitskonzepts, insbesondere in der Entscheidungsvorbereitung für die Leitungsebene bei der Schutzbedarfsfeststellung, der Risikoentscheidung, der Risikobewertung sowie der Auswahl von Maßnahmen. - Entwicklung eines Realisierungsplanes zur Umsetzung der aus dem IT-Sicherheitskonzept resultierenden Maßnahmen. __________________________________________________________________________________________ 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ - Konzeption von Schulungen, da durch nicht ausreichend ausgebildete und motivierte IT-Benutzer Schäden verursacht werden können. - Konzeption und Einführung eines Meldesystems für sicherheitsrelevante Informationen. Beispiele: Schadensmeldungen, Personalwechsel, Effizienzmängel von IT-Sicherheitsmaßnahmen, Änderungen der eingesetzten IT. Koordination des IT-Sicherheitsprozesses - Abstimmung und Festlegung des Ressourcen- und Personaleinsatzes zur Erstellung und Umsetzung des IT-Sicherheitskonzepts. - Organisation und Koordination von IT-Sicherheitsmaßnahmen im laufenden Betrieb, auch der sich aus der Aktualisierung des IT-Sicherheitskonzepts ergebenden Maßnahmen. Kontrolle des IT-Sicherheitsprozesses - Wahrnehmung einer übergeordneten Kontrollfunktion im Hinblick auf Angemessenheit und Wirksamkeit anhand von Rückmeldungen und Kontrollen vor Ort. Umsetzungsbeispiele Zur Etablierung eines IT-Sicherheitsmanagement-Teams werden einige Lösungsmöglichkeiten beschrieben, die sowohl in der Bundesverwaltung als auch in Wirtschaftsunternehmen gewählt wurden. Kleine Behörde/Mittelständisches Unternehmen ohne Außenstellen: Die oben genannten Aufgabenblöcke Konzeption, Koordination und Kontrolle werden durch eine Person gleichzeitig wahrgenommen. In einigen Fällen wird diese Aufgaben mit der Aufgabe des Datenschutzbeauftragten vereint durchgeführt. Größere Behörde/größeres Unternehmen ohne Außenstellen: Die genannten Aufgabenblöcke werden innerhalb einer Gruppe wahrgenommen, die bis zu fünf Personen umfaßt. Organisatorisch wird diese Gruppe oft als Stabsstelle geführt. Eine Trennung von den Aufgaben des Datenschutzbeauftragten wird teilweise vollzogen. Größere Behörde/größeres Unternehmen mit Außenstellen: Die Aufgaben werden zentral von einer kleinen Gruppe koordiniert. Insbesondere werden zentral die Definition der IT-Sicherheitsziele, die Konzeption der Schulung und die Koordination des IT-Sicherheitsprozesses durchgeführt. Dezentral werden in den einzelnen Außenstellen die Erstellung des jeweiligen Teil-IT-Sicherheitskonzepts, die Umsetzung der betreffenden Anteile der Maßnahmen und die Rückmeldungen von Kontrollergebnissen und Veränderungen durchgeführt. Hierbei werden in den Außenstellen diese dezentralen Aufgaben oft von einer Person wahrgenommen. Von besonderer Bedeutung ist bei der Erstellung von Teil-IT-Sicherheitskonzepten die zentrale Koordination, um ein einheitliches GesamtIT-Sicherheitskonzept zu erhalten. Teilweise werden Kontrollen in den Außenstellen gemeinsam von den zentral und dezentral Verantwortlichen durchgeführt. __________________________________________________________________________________________ 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ 1.2 Initiierung des IT-Sicherheitsprozesses Der im vorhergehenden Kapitel in Kurzform dargestellte Aktionsplan zur Initiierung des IT-Sicherheitsprozesses wird nachfolgend ausführlich dargestellt. Hat die Behörden- bzw. Unternehmensleitung entschieden, diesem Aktionsplan zu folgen, können diese ausführlichen Erläuterungen für die Umsetzung beachtet werden. Aktion 1: Entwicklung einer IT-Sicherheitspolitik Die Entwicklung der IT-Sicherheitspolitik verläuft in drei Schritten: Zunächst wird festgestellt, welches IT-Sicherheitsniveau für die Organisation angemessen ist. Danach wird das IT-Sicherheitsmanagement-Team gebildet, das das Erreichen und Halten dieses Sicherheitsniveaus zum Ziel hat. Das IT-Sicherheitsmanagement-Team entwickelt dann die IT-Sicherheitspolitik der Organisation. Aktion 1.1: Bestimmung des IT-Sicherheitsniveaus Hundertprozentige Sicherheit ist nie zu erreichen, weder im täglichen Leben noch bei der IT-Sicherheit. Die im jeweiligen Fall als ausreichend angesehene Sicherheit ergibt sich aus dem Wert der zu schützenden Güter, den Gefährdungen, denen diese Güter ausgesetzt sind, sowie einer durch andere Faktoren bestimmten Risikobereitschaft der Institution. Mit Hilfe des IT-Grundschutzes kann ein definiertes IT-Sicherheitsniveau als Basis erreicht werden, die obere Grenze des IT-Sicherheitsniveaus wird bestimmt von dem maximalen finanziellen und personellen Aufwand, den die Institution für ITSicherheit betreiben kann bzw. will. Um das für die jeweilige Institution notwendige und angemessene IT-Sicherheitsniveau festzustellen, verschafft man sich zunächst einen Überblick über den Wert der zu schützenden Güter. Im Rahmen der IT-Sicherheit ist das vordringlich die Bedeutung der IT für die Aufgabenerfüllung. Der intuitiv häufig in den Vordergrund gestellte Wert der IT selbst macht meistens nur einen geringen Teil des Gesamtwertes aus, die strategische und operative Bedeutung der IT liegt oft weit höher. Daher ist es wichtig, sich über den Wert der IT selbst hinaus klarzumachen, wie stark die Aufgabenerfüllung innerhalb der Institution von der eingesetzten IT abhängt. Fragen für die Beurteilung der Abhängigkeit der gesamten Institution von der eingesetzten IT sind: - Werden mit der eingesetzten IT Informationen verarbeitet, deren Vertraulichkeit besonders zu schützen ist? - Hängen wesentliche Entscheidungen von der Richtigkeit, Aktualität und Verfügbarkeit von Informationen ab, die mit IT verarbeitet werden? - Gibt es wichtige und/oder sehr wichtige Aufgaben in der Institution, die nur mit Unterstützung von IT erledigt werden können? - Gibt es Massenaufgaben in der Institution, deren Erledigung nur mit IT-Einsatz möglich ist? Um einen Einblick in die für eine Institution spezifische Gefährdungslage zu erhalten, sollte man besonders solche Gefährdungen betrachten, die in einem besonderen Anreiz für einen potentiellen Täter begründet liegen (Bsp.: Es werden besonders vertrauliche Informationen verarbeitet, deren Weitergabe einem potentiellen Täter einen großen finanziellen Vorteil verschaffen kann). Häufig liegt der Grund für einen vorsätzlichen Angriff genau in der strategischen und operativen Bedeutung der IT für die Institution. Neben diesen aus vorsätzlichen Handlungen resultierenden Gefährdungen bedrohen erfahrungsgemäß auch Nachlässigkeit, Hardware-/Softwarefehler sowie höhere Gewalt die IT. Weitere Faktoren, die die generelle Risikobereitschaft einer Behörde oder eines Unternehmens beeinflussen, sind Gesetze, Richtlinien, interne Vorschriften etc., deren Einhaltung gewährleistet sein muß. __________________________________________________________________________________________ 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ Aufgrund dieser Überlegungen kann nun festgelegt werden, welches das für die jeweilige Institution notwendige und angemessene IT-Sicherheitsniveau ist. Nachstehend sind einige Beispielkriterien für eine solche Einschätzung aufgeführt. Die Aussagen, die der Bedeutung der IT für die Aufgabenerfüllung, der spezifischen Gefährdungslage und den Gesetzesvorgaben für die Institution am nächsten kommen, bestimmen das zu erreichende IT-Sicherheitsniveau. Maximal: - Der Schutz vertraulicher Informationen muß gewährleistet sein und in sicherheitskritischen Bereichen strengen Vertraulichkeitsanforderungen genügen. - Die Informationen müssen im höchsten Maße korrekt sein. - Die zentralen Aufgaben der Institution sind ohne IT-Einsatz nicht durchführbar. Knappe Reaktionszeiten für kritische Entscheidungen fordern ständige Präsenz der aktuellen Informationen, Ausfallzeiten sind nicht akzeptabel. Insgesamt gilt: Der Ausfall der IT führt zum totalen Zusammenbruch der Institution oder hat schwerwiegende Folgen für breite gesellschaftliche oder wirtschaftliche Bereiche. Hoch: - Der Schutz vertraulicher Informationen muß hohen gesetzlichen Anforderungen genügen und in sicherheitskritischen Bereichen stärker ausgeprägt sein. - Die verarbeiteten Informationen müssen korrekt sein, auftretende Fehler müssen erkennbar und vermeidbar sein. - In zentralen Bereichen der Institution laufen zeitkritische Vorgänge oder es werden dort Massenaufgaben wahrgenommen, die ohne IT-Einsatz nicht zu erledigen sind; es können nur kurze Ausfallzeiten toleriert werden. Insgesamt gilt: Im Schadensfall tritt Handlungsunfähigkeit zentraler Bereiche der Institution ein; Schäden haben erhebliche Beeinträchtigungen der Institution selbst oder betroffener Dritter zur Folge. Mittel: - Der Schutz von Informationen, die nur für den internen Gebrauch bestimmt sind, muß gewährleistet sein. - Kleinere Fehler können toleriert werden, Fehler, die die Aufgabenerfüllung erheblich beeinträchtigen, müssen jedoch erkenn- oder vermeidbar sein. - Längere Ausfallzeiten, die zu Terminüberschreitungen führen, sind nicht zu tolerieren. Insgesamt gilt: Schäden haben Beeinträchtigungen der Institution zur Folge. Niedrig: - Vertraulichkeit von Informationen ist nicht gefordert. - Fehler können toleriert werden, solange sie die Erledigung der Aufgaben nicht völlig unmöglich machen. - Dauernder Ausfall ist zu vermeiden, längere Ausfallzeiten sind jedoch hinnehmbar. Insgesamt gilt: Schäden haben nur eine unwesentliche Beeinträchtigung der Institution zur Folge. __________________________________________________________________________________________ 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ Diese Einschätzung kann intuitiv erfolgen, eine genaue, objektive Einschätzung ist an dieser Stelle (ohne genaue Betrachtung der eingesetzten Werte und des drohenden Risikos) ohnehin schwer zu erreichen. Wichtig ist zu beachten, daß das gewählte IT-Sicherheitsniveau nur mit einem entsprechenden Aufwand zu erreichen ist. Das nachstehende Diagramm soll verdeutlichen, wieviel Aufwand in Relation zu dem angestrebten IT-Sicherheitsniveau zu betreiben ist. Dieser Aufwand bietet eine Orientierung für die personellen, zeitlichen und monetären Ressourcen, die zur Realisierung der IT-Sicherheitsziele notwendig sind. Eine Orientierung für den monetären Aufwand kann der in der Privatwirtschaft betriebene Aufwand von durchschnittlich 5% der IT-Investitionssumme pro Jahr für IT-Sicherheit bieten. ]QhY]Q\ X_SX ]YddU\ ^YUTbYW 7be^TcSXedj UbX‰Xd ]QhY]Q\ __________________________________________________________________________________________ 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ Aktion 1.2: Etablierung des IT-Sicherheitsmanagement-Teams Die anfallenden Aufgaben, um das angestrebte IT-Sicherheitsniveau zu erreichen und zu erhalten, müssen von einer Instanz oder Person innerhalb der Institution koordiniert und verantwortlich geregelt werden. Diese Instanz (oder Person) wird als "IT-Sicherheitsmanagement-Team" der Institution bezeichnet. Die genaue Ausprägung dieser Instanz ist von der Größe der Institution, den vorhandenen Ressourcen und dem IT-Sicherheitsniveau abhängig. Eine ausführliche Beschreibung der verschiedenen Möglichkeiten findet sich im Kapitel 1.3 "Verantwortlichkeiten und Befugnisse im IT-Sicherheitsprozeß". Nur wenige, entweder sehr große Institutionen oder Institutionen mit einem hohen Bedarf an ITSicherheit werden die Möglichkeit haben, hauptamtliche Stellen für das IT-SicherheitsmanagementTeam bereitstellen zu können; im allgemeinen werden diese Aufgaben neben den originären Aufgaben wahrzunehmen sein. Wenn möglich sollten die verantwortlichen Personen des IT-Sicherheitsmanagement-Teams während der Konzeptionsphase (Schritt 1 und 2 des Aktionsplans) weitgehend von ihren sonstigen Aufgaben freigestellt werden. Die Entscheidung, ob diese Freistellung auch nach der Konzeptionsphase noch sinnvoll ist, ist davon abhängig, ob und in welchem Maße das IT-Sicherheitsmanagement-Team Beratungs-, Kontroll- und Revisionsaufgaben im laufenden Betrieb auszuführen hat. Die endgültige Entscheidung hierüber sollte erst nach Vollendung des IT-Sicherheitskonzepts getroffen werden; aus diesem ergibt sich der genaue Bedarf der Institution an IT-Sicherheit, und die ausgewählten Sicherheitsmaßnahmen machen eine Einschätzung der nötigen Kontrollen möglich. Grundregel: Das Wichtigste bei der Einrichtung des IT-Sicherheitsmanagement-Teams ist: - die Gesamtverantwortung für die ordnungsgemäße und sichere Aufgabenerfüllung (und damit für die IT-Sicherheit) verbleibt bei der Leitungsebene, und - die Verantwortung für die IT-Sicherheit am einzelnen Arbeitsplatz ist genauso in der Linie zu delegieren wie die Verantwortung für die originäre Aufgabe. Aktion 1.3: Umsetzung des angestrebten IT-Sicherheitsniveaus in die IT-Sicherheitspolitik Zur Entwicklung der IT-Sicherheitspolitik werden zunächst die spezifischen IT-Sicherheitsziele der Institution erarbeitet, die mit dieser Politik erreicht werden sollen. Mögliche IT-Sicherheitsziele einer Institution könnten sein: - Hohe Verläßlichkeit des Handelns, besonders in puncto Rechtzeitigkeit (hier ist die Verfügbarkeit der IT gefordert), Richtigkeit (das betrifft die Integrität der IT) und Vertraulichkeit, - Gewährleistung des gutes Rufs der Institution in der Öffentlichkeit, - Erhaltung der in Technik, Informationen, Arbeitsprozesse und Wissen investierten Werte, - Sicherung der hohen, möglicherweise unwiederbringlichen Werte der verarbeiteten Informationen, - Sicherung der Qualität der Informationen, z. B. wenn sie als Basis für weitreichende Entscheidungen dienen, - Gewährleistung der aus gesetzlichen Vorgaben resultierenden Anforderungen (GG, BDSG, SGB, GoB, GoS, GoBS, ...), - Reduzierung der im Schadensfall entstehenden Kosten (sowohl durch Schadensvermeidung wie Schadensverhütung), - Sicherstellung der Kontinuität der Arbeitsabläufe innerhalb der Organisation. __________________________________________________________________________________________ 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ Diese (allgemeinen) IT-Sicherheitsziele haben Gültigkeit für die meisten Institutionen, die mit ITUnterstützung arbeiten. Um die spezifischen Sicherheitsziele einer Institution zu ermitteln, ist es unumgänglich, diese Ziele für die in der Institution durchgeführten Arbeiten und Projekte zu formulieren. Beispiel: Bei der Verarbeitung von Daten in der Personalabteilung, die unter das Datenschutzgesetz fallen, müssen die dort beschriebenen Anforderungen an Vertraulichkeit und Integrität sichergestellt sein. Die Ergebnisse dieser Überlegungen sollten in einem Papier zur IT-Sicherheitspolitik formuliert werden. Es ist wichtig, daß die Leitungsebene bei der Initiierung des IT-Sicherheitsprozesses den Stellenwert und die Wichtigkeit der IT-Sicherheit in der gesamten Institution bekannt macht. Die ITSicherheitspolitik sollte erläutern, welches IT-Sicherheitsniveau die Institution anstrebt, und wie sich dieses Sicherheitsniveau aus den Aufgaben und Pflichten der Institution ableitet. Weiterhin sollten die angestrebten IT-Sicherheitsziele sowie der Weg dahin vorgestellt werden. Schließlich sollten alle Mitarbeiter darauf aufmerksam gemacht werden, daß nicht nur bei der Aufgabenerfüllung allgemein, sondern auch bei der Erfüllung der Aufgabe "IT-Sicherheit" von ihnen engagiertes, kooperatives sowie verantwortungsbewußtes Handeln erwartet wird. Im Einzelnen sollte das Papier zur IT-Sicherheitspolitik die folgenden Informationen beinhalten: - Stellenwert der IT-Sicherheit, sowie - Bedeutung der IT für die Aufgabenerfüllung, - das angestrebte Sicherheitsniveau der Institution und - die Sicherheitsziele für die eingesetzte IT, - Bericht über die Einrichtung des IT-Sicherheitsmanagement-Teams, - Bekanntgabe des IT-Sicherheitsbeauftragten und - Darstellung der Verantwortung der Mitarbeiter für IT-Sicherheit (die Verantwortung für ITSicherheit wird genauso in der Linie delegiert wie die originäre Aufgabe selbst). Später, entsprechend zu dem jeweiligen Stand der IT-Sicherheitsuntersuchungen, sollten außerdem die folgenden Punkte ergänzt werden: - Pläne zu Umsetzung der ausgewählten IT-Sicherheitsmaßnahmen, - Konzeption von Schulungsmaßnahmen, - Kontrolle und Revision der IT-Sicherheit im laufenden Betrieb, und - Reaktionen auf sicherheitsrelevante Ereignisse. Dieses Papier kann seine Funktion nur dann erfolgreich erfüllen, wenn es in der ganzen Institution bekannt ist. Niemand sollte die Chance haben, es nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen! Genauso wichtig ist, daß die Leitungsebene deutlich macht, daß sie in vollem Umfang hinter diesem Papier und den darin festgehaltenen Zielen steht. __________________________________________________________________________________________ 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ Aktion 2: Erstellung eines IT-Sicherheitskonzepts Um die in der IT-Sicherheitspolitik beschriebenen IT-Sicherheitsziele in die Tat umsetzen zu können, muß ein Ansatz zur Untersuchung der Risiken entwickelt werden, der den speziellen Anforderungen der Institution genügt. Dieser Ansatz sollte die Sicherheitsbemühungen dort konzentrieren, wo sie erforderlich sind, und so einen Weg finden, alle Risiken in möglichst zeit- und kostensparender Weise zu reduzieren. Es ist weder zeit- und kostengünstig, für jedes noch so geringe Risiko eine detaillierte Analyse durchzuführen, noch ist es sinnvoll, ernsthafte Risiken nur "nebenbei" zu behandeln. Um die richtige Balance zwischen diesen Extremen zu finden, bietet sich der folgende Weg an: Ausgehend von den IT-Systemen werden zunächst die IT-Anwendungen identifiziert. Nach Ableitung des Schutzbedarfs der IT-Anwendungen und Informationen wird der Schutzbedarf des IT-Systems, auf denen diese IT-Anwendungen und Informationen verarbeitet werden, ermittelt (Maximum-Prinzip, vgl. Kapitel 2.2). Dieser Schutzbedarf gibt an, wie wichtig es ist, das IT-System vor Schäden zu bewahren. Hält sich dieser potentielle Schaden in vertretbarem Rahmen, so wird für dieses IT-System die Anwendung des IT-Grundschutzes (vgl. Kapitel 2.3) empfohlen. Ist jedoch ein höherer Schaden zu befürchten, so sollten die Risiken mit Hilfe des Verfahrens der Risikoanalyse detailliert untersucht und gezielt reduziert werden. Durch diese Vorgehensweise, die die Vorteile von IT-Grundschutz (zeitsparende Auswahl kostengünstiger IT-Sicherheitsmaßnahmen) und Risikoanalyse (detaillierte Analyse, um die hohen ITSicherheitsrisiken wirksam zu reduzieren) miteinander kombiniert, ist es möglich, effektive und angemessene IT-Sicherheitsmaßnahmen zeit- und kostengünstig auszuwählen, und gleichzeitig die hochschutzbedürftigen IT-Systeme in geeigneter Weise zu schützen. Unabhängig davon, für welche Vorgehensweise man sich entscheidet, jeder dieser Wege liefert eine Reihe von Maßnahmen, die die Sicherheitsrisiken auf ein akzeptables Maß reduzieren sollen. Bevor diese Maßnahmen umgesetzt werden, sollte die Leitungsebene entscheiden, ob die Kosten für die Realisierung der Maßnahmen im richtigen Verhältnis zu der Reduzierung der Risiken stehen, und ob die Risiken auf ein akzeptables Maß reduziert werden. Nach der Realisierung der ausgewählten Sicherheitsmaßnahmen wird immer ein Restrisiko verbleiben, da hundertprozentige Sicherheit nicht effizient erreichbar ist. Nachdem dieses Restrisiko ermittelt wurde, ist es Aufgabe der Leitungsebene, zu entscheiden, ob dieses Restrisiko akzeptabel ist. Falls nicht, müssen weitere Sicherheitsmaßnahmen ausgewählt werden, die das Restrisiko auf ein akzeptables Maß reduzieren. Aktion 3: Realisierung der im IT-Sicherheitskonzept ausgewählten Maßnahmen Nachdem alle IT-Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz gegen die erkannten Risiken identifiziert wurden, muß ein Plan zur Realisierung dieser Maßnahmen erstellt werden. Dieser Plan sollte alle kurz-, mittel- und langfristigen Aktionen beinhalten, die zur Umsetzung der ausgewählten Sicherheitsmaßnahmen nötig sind. Im einzelnen sollte dieser Plan enthalten: - eine Liste der zu realisierenden Sicherheitsmaßnahmen für jedes IT-System, - die in diesem Zusammenhang anfallenden Kosten in Form von Investitionen, Arbeitsaufwand, Schulungen etc., - einen detaillierten Arbeitsplan zur Umsetzung der Maßnahmen, der auch Prioritäten, Budget sowie einen Zeitplan beinhaltet, - eine Liste der Aktionen, Projekte etc., die zur Realisierung der Maßnahmen nötig sind, - Möglichkeiten der Kontrolle, wie: __________________________________________________________________________________________ 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ - gezielte Zuweisung von Verantwortlichkeiten und Ressourcen und - Definitionen von Kontrollmechanismen für die Implementierung sowie - Sensibilisierungs- und Schulungsveranstaltungen, die im Zusammenhang mit der Umsetzung von Maßnahmen nötig sind. Bei der Umsetzung dieses Planes ist unbedingt zu beachten, daß Verantwortlichkeiten und Ressourcen rechtzeitig zugewiesen werden, daß die Kosten sich in dem vorher abgeschätzten Rahmen halten, daß die Maßnahmen korrekt umgesetzt werden, und daß der vorgegebene Zeitplan eingehalten wird. Sollten sich durch die Maßnahmen einschneidende Veränderungen, z. B. im Arbeitsablauf, ergeben, so sollte ihre Umsetzung unbedingt an ein Schulungsprogramm gekoppelt werden (vgl. auch Aktion 4). Weiterhin ist zu beachten, daß die meisten technischen Sicherheitsmaßnahmen ein geeignetes organisatorisches Umfeld brauchen, um vollständig wirksam zu sein. Verantwortlich für die Erstellung des institutionsweiten Realisierungsplans ist normalerweise der ITSicherheitsbeauftragte, für die Ausarbeitung des detaillierten Realisierungsplans einzelner Institutionseinheiten sowie dessen Umsetzung ist der jeweilige Bereichs-IT-Sicherheitsbeauftragte zuständig (eine genauere Beschreibung der Zuständigkeiten befindet sich im Kapitel 1.3 "Verantwortlichkeiten und Befugnisse im IT-Sicherheitsprozeß"). Aktion 4: Konzeption von Schulungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen Das Schulungs- und Sensibilisierungsprogramm sollte alle Ebenen der Institution betreffen, von den Top-Managern bis hin zu den IT-Benutzern. Dieses Programm sollte die institutionsweite IT-Sicherheitspolitik erklären und sicherstellen, daß die Richtlinien und Vorschriften zur IT-Sicherheit verstanden werden. Nur durch Verständnis und Motivation ist zu erreichen, daß die Vorgaben eingehalten werden. Im einzelnen sollte das Schulungs- und Sensibilisierungsprogramm die folgenden Punkte behandeln: - die IT-Sicherheitsziele und -politik der Institution sowie deren Erläuterung, - die Gründe, warum IT-Sicherheit für die Institution wichtig ist, - Verantwortlichkeiten, Stellenbeschreibungen und Vorgehensweisen in Zusammenhang mit ITSicherheit, - die Ergebnisse der Schutzbedarfsfeststellung, deren Erklärung und den daraus resultierenden Ansatz zur Risikominderung (IT-Grundschutz oder Risikoanalyse), - die Pläne zur Implementation und Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen, - die Auswirkungen von sicherheitsrelevanten Ereignisses, für IT-Nutzer und für die Institution, - die Notwendigkeit, von Sicherheitsverstößen zu berichten, und - die Konsequenzen, falls sich jemand nicht an die Sicherheitsvorgaben hält. Das Schulungs- und Sensibilisierungsprogramm sollte jeden innerhalb der Institution auf seine Verantwortlichkeit für IT-Sicherheit hinweisen. Der erste und wichtigste Schritt hierbei ist, der Leitungsebene ihre Verantwortung für IT-Sicherheit deutlich zu machen. Die Verantwortung für das Schulungs- und Sensibilisierungsprogramm und dessen Einhaltung wird genauso in der Linie delegiert, wie die Verantwortung für die Aufgabenerfüllung und die IT-Sicherheit. Die institutionsweite Planung dieser Veranstaltungen sollte der IT-Sicherheitsbeauftragte übernehmen; ggf. liefern Bereichs-IT-Sicherheitsbeauftragte Informationen, wann und wo solche Veranstaltungen nötig sind. __________________________________________________________________________________________ 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ Ziel dieses Programms ist es, jedem Mitarbeiter, der mit IT arbeitet, zu verdeutlichen, daß ITAnwendungen und Informationen wertvoll sind, und ein Verlust von Vertraulichkeit, Integrität oder Verfügbarkeit schwerwiegende Konsequenzen für die Institution und ihre Mitarbeiter haben kann. Die Schulungs- und Sensibilisierungsveranstaltungen sollten in regelmäßigen Zeitabständen wiederholt werden, um das vorhandene Wissen aufzufrischen und neue Mitarbeiter zu informieren. Darüber hinaus sollte jeder neue, beförderte oder versetzte Mitarbeiter soweit in IT-Sicherheit geschult werden, wie es der neue Arbeitsplatz verlangt. Das Wichtigste an diesem Schulungs- und Sensibilisierungsprogramm ist jedoch, daß es rechtzeitig geplant und auch umgesetzt wird. Schulungen zu Sicherheitsmaßnahmen nützen nicht mehr viel, wenn sie Jahre nach Einführung dieser Maßnahmen stattfinden. Aktion 5: IT-Sicherheit im laufenden Betrieb Dieser bedeutende Aspekt der IT-Sicherheit wird häufig vernachlässigt. Allzu häufig findet man veraltete, nicht umgesetzte IT-Sicherheitskonzepte, die Paßwörter am Bildschirm klebend oder durch Keile offen gehaltene Brandschutztüren. Daher ist es notwendig zu prüfen, ob die ausgewählten Sicherheitsmaßnahmen eingesetzt werden, ob sie korrekt eingehalten werden, ob sie den Anforderungen im laufenden Betrieb genügen, und ob sie bei Änderungen nach wie vor relevant sind oder ebenfalls verändert werden müssen. Auch auf sicherheitsrelevante Ereignisse muß angemessen reagiert werden. Die verschiedenen Aufgabenfelder zur Aufrechterhaltung der IT-Sicherheit werden nachfolgend kurz beschrieben. Verantwortlich sind jeweils (falls vorhanden) die Bereichs-IT-Sicherheitsbeauftragten; der IT-Sicherheitsbeauftragte ist für die institutionsweite Planung dieser Aktivitäten zuständig. Aufrechterhaltung des erreichten IT-Sicherheitsniveaus: Das nach der Umsetzung der im IT-Sicherheitskonzept ausgewählten Maßnahmen erreichte ITSicherheitsniveau läßt sich nur aufrechterhalten, wenn - die Aufrechterhaltung der Sicherheitsmaßnahmen im laufenden Betrieb durch organisatorische Regelungen ermöglicht wird, - die Verantwortungen für diese Aufrechterhaltung klar zugewiesen werden, - die Maßnahmen regelmäßig daraufhin geprüft werden, ob sie wie gedacht funktionieren, - Maßnahmen verstärkt werden, falls sich neue Schwachstellen zeigen, und - die Maßnahmen angepaßt werden, falls es personelle oder organisatorische Änderungen bzw. Änderungen im Hardware- oder Softwarebereich gibt. Kontrolle der eingesetzten Sicherheitsmaßnahmen: Um die nötige IT-Sicherheit zu erreichen, muß sichergestellt sein, daß alle Maßnahmen so eingesetzt werden, wie es in dem Plan zur Umsetzung der Sicherheitmaßnahmen beschrieben ist. Dies muß für alle IT-Systeme und Projekte sowohl während der Planungsphase wie im laufenden Betrieb gewährleistet sein. Es muß geprüft werden, ob die richtigen Sicherheitsmaßnahmen vollständig umgesetzt wurden, ob sie korrekt umgesetzt wurden, und es sollte von Zeit zu Zeit getestet werden, ob sie korrekt eingesetzt bzw. eingehalten und ob sie akzeptiert werden. Dabei können Stichproben hilfreich sein. __________________________________________________________________________________________ 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ Darüber hinaus sollten Kontrollen in regelmäßigen Abständen stattfinden. Hierzu zählt auch das Auswerten von Protokollen etc., die häufig im Rahmen von Sicherheitsmaßnahmen automatisch erstellt werden. Die Ergebnisse dieser Kontrollen sollten dem IT-Sicherheitsbeauftragten und dem ITSicherheitsmanagement-Team mitgeteilt werden, damit im Fall von Problemen wirkungsvoll reagiert werden kann. Überprüfung der Zielsetzung und Reaktion auf Änderungen: Durch die Überprüfung der Zielsetzung sollte die Leitungsebene ein klares Bild bekommen - von dem, was durch die IT-Sicherheitsmaßnahmen erreicht wurde, verglichen mit den in der ITSicherheitspolitik beschriebenen Zielen, und - ob das Erreichte den Sicherheitsanforderungen der Institution genügt und die Aktivitäten im Rahmen IT-Sicherheit Erfolg hatten. Falls sich bei dieser Überprüfung herausstellt, daß das tatsächliche Risiko von dem im IT-Sicherheitskonzept akzeptierten Restrisiko abweicht, so sollten Ressourcen bereitgestellt werden, um diesen Zustand zu ändern. Außerdem sollte sichergestellt werden, daß auf alle sicherheitsrelevanten Änderungen angemessen reagiert wird. Dazu gehören zum Beispiel: - Änderungen in der Aufgabenstellung oder in der Wichtigkeit der Aufgabe für die Institution, - räumliche Änderungen, wie z. B. nach einem Umzug, - Änderungen in der Bewertung der eingesetzten IT, der notwendigen Vertraulichkeit, Integrität und/oder Verfügbarkeit, und - Änderungen in Bedrohungen und/oder Schwachstellen. Diese Änderungen haben einen signifikanten Einfluß auf die Sicherheitsrisiken und sollten so früh wie möglich festgestellt werden, um rechtzeitige Reaktionen zu erlauben. Reaktionen auf sicherheitsrelevante Ereignisse: Trotz noch so wirksamer Sicherheitsmaßnahmen ist es unvermeidlich, daß es Ereignisse gibt, die Sicherheitsprobleme aufdecken oder nach sich ziehen. Auf jedes dieser Ereignisse sollte so schnell und effektiv wie möglich reagiert werden. Außerdem sollte aus solchen Vorkommnissen gelernt werden, wie man diese und ähnliche Probleme in Zukunft vermeidet. Man kann Nutzen aus solchen Ereignissen ziehen, indem man Schwachstellen identifiziert und Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, wo es nötig ist. Der IT-Sicherheitsbeauftragte kann ein Schema entwickeln, in dem festgeschrieben wird, wie auf sicherheitsrelevante Ereignisse reagiert werden soll und welche Meldewege einzuhalten sind, um die Reaktionszeit und den Schaden zu begrenzen. __________________________________________________________________________________________ 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ 1.3 Verantwortlichkeiten und Befugnisse im IT-Sicherheitsprozeß IT-Sicherheit ist für jedes IT-Projekt, jedes IT-System und alle IT-Nutzer innerhalb einer Institution von besonderer Bedeutung. Dieser abteilungsübergreifende Charakter des IT-Sicherheitsprozesses macht es notwendig, die Rollen und Verantwortlichkeiten klar zu definieren. Nur so kann gewährleistet werden, daß alle wichtigen Aspekte berücksichtigt und sämtliche anfallenden Aufgaben effizient erledigt werden. Obwohl dieses Ziel auf verschiedenen organisatorischen Wegen erreicht werden kann, die von der Größe, Beschaffenheit und Struktur der jeweils betrachteten Institution abhängen, sind zwei Funktionen in jedem Fall wahrzunehmen: - das IT-Sicherheitsmanagement-Team (siehe auch Aktion 1.2 des Aktionsplans), welches die abteilungsübergreifenden Belange regelt und Pläne, Vorgaben und Richtlinien erarbeitet, sowie - der IT-Sicherheitsbeauftragte, der für alle IT-Sicherheitsfragen in der Institution verantwortlich ist. Sowohl das IT-Sicherheitsmanagement-Team als auch der IT-Sicherheitsbeauftragte müssen klar definierte Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Befugnisse haben, um diese Aufgabe erfolgreich erfüllen zu können. Das Management der Institution muß sicherstellen, daß der IT-Sicherheitsbeauftragte die notwendige Unterstützung von den IT-Benutzern erhält, die Pflichten des IT-Sicherheitsbeauftragten werden von dem IT-Sicherheitsmanagement-Team festgelegt. An dieser Stelle sei deutlich darauf hingewiesen, daß es sich bei den oben beschriebenen Aufgaben um Funktionen handelt, die nicht unbedingt von mehreren Personen wahrgenommen werden müssen. Die genaue personelle Ausgestaltung richtet sich nach der Größe und den Sicherheitsanforderungen der jeweiligen Institution. Auf der anderen Seite sei betont, daß IT-Sicherheit leider nicht zum Nulltarif zu haben ist. Die verantwortlichen Personen müssen soweit von ihren sonstigen Pflichten entbunden werden, daß sie der Aufgabe "IT-Sicherheit" genügend Zeit widmen können. Das hat sich bereits dann mehr als bezahlt gemacht, wenn es keine schädigenden Vorkommnisse aufgrund mangelnder Sicherheitsvorsorge mehr gibt. Die nachfolgenden Abbildungen zeigen drei Möglichkeiten für die Organisation des IT-Sicherheitsmangements. Die erste Abbildung beschreibt die Organisation des IT-Sicherheitsmanagements in einer großen Organisation und zeigt die Beziehungen zwischen dem Management, dem IT-Sicherheitsmanagement-Team, dem IT-Sicherheitsbeauftragten, den BereichsIT-Sicherheitsbeauftragten (für Abteilungen oder für Außenstellen), dem IT-Koordinierungsausschuß und den IT-Anwendern auf. Die zweite Abbildung zeigt eine mögliche Lösung in einer mittelgroßen Institution auf, in der das ITSicherheitsmanagement-Team und der IT-Sicherheitsbeauftragte zusammengefaßt wurden. Er arbeitet mit dem IT-Koordinierungsausschuß zusammen. Die dritte Abbildung zeigt eine Organisationsstruktur für das IT-Sicherheitsmanagement für eine kleine Institution auf. Sämtliche Aufgaben für IT-Sicherheit werden vom IT-Sicherheitsbeauftragten wahrgenommen, die Notwendigkeit für einen IT-Koordinierungsausschuß gibt es nicht. __________________________________________________________________________________________ 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ M anagem ent IT -S ic h e rh e itsm a n a g e m e n tT eam IT - K o o rdin ie rung s ausschuß IT -S ic h e rh e itsb e a u ftra g te r V e rtre te r d e r IT -A n we n d e r B e re ich sIT -S ic h e rh e itsb e a u ftra g te r b e ste llt / w e ist a n ist M itg lie d vo n IT -A n w e n d e r Abb. 1:Beispiel zur Organisation des IT-Sicherheitsmanagements in einer großen Institution M anagem ent IT - K o o rd in ie run g s ausschuß V e rtre te r d e r IT -A n w e n d e r IT -S ic h e rh e itsb e a u ftra g te r IT -A n w e n d e r Abb. 2: Beispiel zur Organisation des IT-Sicherheitsmanagements in einer mittelgroßen Institution __________________________________________________________________________________________ 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ M anagem ent IT -S ich er h eitsb ea u ftra g te r IT - An w e n d e r Abb.: Beispiel zur Organisation des IT-Sicherheitsmanagements in einer kleinen Institution Aufgaben des IT-Sicherheitsmanagement-Teams Das IT-Sicherheitsmanagement-Team sollte aus Personen bestehen, die in der Lage sind, IT-Sicherheitsziele zu definieren, eine IT-Sicherheitspolitik zu formulieren, mit der diese zu erreichen sind, die Pflichten des IT-Sicherheitsbeauftragten festzulegen, sowie die erreichten Ergebnisse kritisch zu überprüfen. Sollte es in der Institution bereits ein ähnliches Komitee geben, könnten dessen Aufgaben entsprechend erweitert werden; wird IT-Sicherheit als sehr wichtig eingeschätzt, ist jedoch eine separate Einrichtung des IT-Sicherheitsmanagement-Teams mit genauer Zuweisung von Ressourcen vorzuziehen. Die detaillierten Aufgaben des IT-Sicherheitsmanagement-Teams sind: - IT-Sicherheitsziele festzulegen und eine Politik zu entwickeln, diese Ziele zu erreichen, - die Pflichten des IT-Sicherheitsbeauftragten festzulegen, - bei der Erstellung des IT-Sicherheitskonzepts beratend zu unterstützen, sowie zu überprüfen, ob die IT-Sicherheitsziele erreicht werden, - einen Realisierungsplan der im IT-Sicherheitskonzept ausgewählten Sicherheitsmaßnahmen zu entwickeln, - die Implementierung dieser Sicherheitsmaßnahmen zu überwachen, - die Sensibilisierung für IT-Sicherheit in der gesamten Institution zu fördern, - die Effektivität von Sicherheitsmaßnahmen im laufenden Betrieb zu kontrollieren, - den IT-Koordinierungsausschuß und das Management in IT-Sicherheitsfragen zu beraten, sowie - die Ressourcen (Personen, Geld, Wissen etc.) festzulegen, die im IT-Sicherheitsprozeß verbraucht werden dürfen. Um seine Aufgaben effektiv erfüllen zu können, sollte das IT-Sicherheitsmanagement-Team je ein Mitglied haben mit Wissen und Erfahrung in IT-Sicherheit, technischen Kenntnissen über IT-Systeme, sowie Erfahrung mit Organisation und Verwaltung. Weiterhin sollten die folgenden Personen teilnehmen: der IT-Sicherheitsbeauftragte, ein Vertreter aus dem IT-Koordinierungsausschuß und ein Vertreter der IT-Nutzer. Nur so ist gewährleistet, daß eine praktikable IT-Sicherheitspolitik festgelegt und umgesetzt wird. __________________________________________________________________________________________ 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ Aufgaben des IT-Sicherheitsbeauftragten Da die Verantwortung für IT-Sicherheit genauso in der Linie delegiert wird wie die Verantwortung für die Aufgabenerfüllung selbst, besteht bei unklarer Zuweisung die Gefahr, daß IT-Sicherheit grundsätzlich zu einem "Problem anderer Leute" wird. Damit wird die Verantwortung für IT-Sicherheit so lange hin und her geschoben, bis keiner sie mehr hat. Um dies zu vermeiden, sollte die Verantwortung für IT-Sicherheit einer Person, dem IT-Sicherheitsbeauftragten, direkt übertragen werden. Dieser sollte sich um alle Belange der IT-Sicherheit innerhalb der Institution kümmern. Vielleicht gibt es bereits eine geeignete Person in der Institution, die zusätzlich zu den übrigen Aufgaben diese Pflichten übernehmen kann. Aufgrund der Wichtigkeit der IT-Sicherheit für die ordnungsgemäße Aufgabenerfüllung ist die bessere Lösung jedoch, eine gesonderte Stelle für den ITSicherheitsbeauftragten einzurichten. Das ist besonders dann der Fall, wenn die Sicherheitsanforderungen oder schlicht die Größe der Institution entsprechenden Aufwand erfordern und die Ressourcen der Institution das zulassen. Zu den Pflichten des IT-Sicherheitsbeauftragten gehört: - verantwortlich an der Erstellung des IT-Sicherheitskonzepts mitzuwirken, - im gesamten IT-Sicherheitsprozeß dem IT-Sicherheitsmanagement-Team und damit der Leitungsebene zu berichten, - Wege für den Informationsfluß von den Bereichs-IT-Sicherheitsbeauftragten festzulegen und diese Informationen in geeigneter Weise einzuarbeiten, - die Verantwortung und Übersicht über die Realisierung der ausgewählten IT-Sicherheitsmaßnahmen zu haben, - Schulungs- und Sensibilisierungsveranstaltungen zu planen und zu koordinieren, - die IT-Sicherheit im laufenden Betrieb (z. B. durch Prüfungen der Einhaltung von IT-Sicherheitsmaßnahmen) zu gewährleisten, und - die Untersuchungen von evtl. auftretenden sicherheitsrelevanten Ereignissen zu leiten. Zur Erfüllung dieser Aufgaben ist es wünschenswert, daß der IT-Sicherheitsbeauftragte Wissen und Erfahrung in den Gebieten IT-Sicherheit und IT hat. Da diese Aufgabe eine Vielzahl von Fähigkeiten erfordert, sollte bei der Auswahl außerdem darauf geachtet werden, daß die folgenden Qualifikationen vorhanden sind: - Identifikation mit den Zielsetzungen der IT-Sicherheit und Einsicht in die Notwendigkeit von ITSicherheit. - Kooperations- und Teamfähigkeit (wenige andere Projekte erfordern soviel Fähigkeit zum und Geschick im Umgang mit anderen Personen: die Leitungsebene muß in zentralen Fragen des ITSicherheitsprozesses immer wieder eingebunden werden, Entscheidungen müssen gefordert werden und die IT-Nutzer müssen - evtl. mit Hilfe der Bereichs-IT-Sicherheitsbeauftragte - in den ITSicherheitsprozeß mit eingebunden werden). - Erfahrungen im Projektmanagement, idealerweise im Bereich der Systemanalyse (das sind die Schwerpunkte, die auch bei dem Projekt "IT-Sicherheit" und besonders in der Risikoanalyse verstärkt eine Rolle spielen). __________________________________________________________________________________________ 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
1 IT-Sicherheitsmanagement __________________________________________________________________________________________ Aufgaben des Bereichs-IT-Sicherheitsbeauftragten Die verschiedenen IT-Systeme und IT-Anwendungen einer Institution haben oft verschiedene ITSicherheitsanforderungen, -gegebenheiten, -maßnahmen sowie -vorkommnisse. Diese Informationen werden von den Bereichs-IT-Sicherheitsbeauftragten an den IT-Sicherheitsbeauftragten der Institution weitergeleitet. Auf der anderen Seite setzt der Bereichs-IT-Sicherheitsbeauftragte die Vorgaben des IT-Sicherheitsbeauftragten für die einzelnen IT-Systeme um. Der Bereichs-IT-Sicherheitsbeauftragte ist verantwortlich für alle Sicherheitsbelange der IT-Systeme in seinem Bereich (z. B. Abteilung, Außenstelle, IT-System). Seine genauen Aufgaben sind: - Meldungen an den IT-Sicherheitsbeauftragten, Umsetzung von dessen Vorgaben sowie Ansprechpartner der IT-Nutzer, - Mitwirkung bei der Erstellung des IT-Sicherheitskonzepts (Lieferung der jeweils nötigen Informationen über IT-Systeme, Ergebnisse von IT-Benutzerbefragungen etc.), - Erarbeitung eines detaillierten Plans zur Realisierung der ausgewählten IT-Sicherheitsmaßnahmen, - Umsetzung dieses Plans, und dabei Anpassung der ausgewählten IT-Sicherheitsmaßnahmen an örtliche Gegebenheiten, falls nötig, - Information des IT-Sicherheitsbeauftragten über Schulungs- und/oder Sensibilisierungsbedarf von IT-Benutzern, - Regelmäßige Prüfung der Wirksamkeit und IT-Sicherheitsmaßnahmen im laufenden Betrieb und genauen Einhaltung der eingesetzten - Meldung an den IT-Sicherheitsbeauftragten bei sicherheitsrelevanten Ereignissen, Änderungen etc. Je nach Größe des zu betreuenden Bereiches kann die Aufgabe des Bereichs-IT-Sicherheitsbeauftragten von einer Person übernommen werden, die bereits mit ähnlichen Aufgaben betraut ist, z. B. dem (falls vorhanden) Bereichs-IT-Beauftragten. Auf jeden Fall ist bei der Auswahl des Bereichs-ITSicherheitsbeauftragten darauf zu achten, daß er die Aufgaben, Gegebenheiten und Arbeitsabläufe in dem zu betreuenden Bereich gut kennt. Detaillierte IT-Kenntnisse sind von Vorteil, da diese die Gespräche mit IT-Benutzern vor Ort erleichtern und bei der Suche nach IT-Sicherheitsmaßnahmen für die speziellen IT-Systeme von Nutzen sind. Weiterhin sollte der Bereichs-IT-Sicherheitsbeauftragte Kenntnisse im Projektmanagement haben (diese können zum Beispiel durch Schulungen erworben werden), die bei der Organisation von ITBenutzerbefragungen und der Erstellung von Plänen zur Umsetzung und Kontrolle von IT-Sicherheitsmaßnahmen hilfreich sind. Die Zusammenarbeit mit den IT-Benutzern verlangt viel Geschick, da diese zunächst von der Notwendigkeit der (für sie manchmal etwas lästigen) IT-Sicherheit überzeugt werden müssen. Mindestens genauso heikel ist die Befragung der IT-Nutzer nach sicherheitskritischen Vorkommnissen und Schwachstellen. Um den Erfolg dieser Befragungen zu garantieren, müssen die IT-Nutzer davon überzeugt werden, daß ehrliche Antworten nicht zu Problemen für sie selbst führen. __________________________________________________________________________________________ 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.1 Anwendung des IT Grundschutzhandbuchs __________________________________________________________________________________________ 2 Anwendung des IT-Grundschutzhandbuchs Risikoanalyse IT-Grundschutz In diesem Kapitel wird zunächst die Stellung des ITGrundschutzes im Verfahren der IT-Sicherheitskonzeption dargestellt. Darüber hinaus wird erläutert, wie anhand einer Schutzbedarfsfeststellung die IT-Systeme ermittelt werden IT-Sicherheitskonzept können, für deren Sicherheit IT-Grundschutz ausreichend ist. Anschließend wird die Vorgehensweise zur Erreichung eines IT-Grundschutzes und die Nutzung des Handbuches aufgezeigt. Den Abschluß bildet ein Kapitel, das praktische Hinweise und Hilfen für den Einsatz des Handbuchs formuliert. 2.1 IT-Grundschutz als Bestandteil eines IT-Sicherheitskonzeptes Mit dem IT-Grundschutz wird das Ziel verfolgt, den analytischen Arbeitsaufwand für die Erstellung eines IT-Sicherheitskonzeptes auf die hochschutzbedürftigen IT-Systeme zu konzentrieren und somit angemessen zu begrenzen. Das geschieht, indem für IT-Systeme mit mittlerem Schutzbedarf der Untersuchungsaufwand aufgrund einer pauschalisierten Gefährdungslage und Betrachtungsweise sowohl bei der Risikoanalyse als auch bei der nachfolgenden Auswahl von Sicherheitsmaßnahmen minimiert wird. Zur Erreichung eines "IT-Grundschutzes" ist für diese IT-Systeme lediglich die Umsetzung der in diesem Handbuch empfohlenen Maßnahmen erforderlich. Für IT-Systeme mit hohem Schutzbedarf bleibt neben dem IT-Grundschutz prinzipiell die Durchführung einer detaillierten Risikoanalyse (z. B. nach dem IT-Sicherheitshandbuch) erforderlich. Für die Unterscheidung zwischen mittlerem und hohem Schutzbedarf wird in Kapitel 2.2 eine diesbezügliche Vorgehensweise (Schutzbedarfsfeststellung) vorgestellt. Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht, daß beide Vorgehensweisen - sowohl IT-Grundschutz als auch detaillierte Risikoanalyse - bei der Erstellung eines IT-Sicherheitskonzeptes zum Einsatz kommen können. __________________________________________________________________________________________ 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.1 Anwendung des IT Grundschutzhandbuchs __________________________________________________________________________________________ Prinzipiell sollten die hochschutzbedürftigen IT-Anwendungen vorrangig angegangen werden, da sich hier die größten Risiken für eine Behörde/ein Unternehmen ergeben können. Hierzu ist eine detaillierte Risikoanalyse zu empfehlen, denn eine Abwägung von Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit eventuell kostenintensiver Sicherheitsvorkehrungen erfordert eine individuelle und situationsbedingte Betrachtungsweise (siehe auch KBSt-Empfehlung 2/95 im Anhang). Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß in der Bundesverwaltung die den IT-Einsatz prüfenden Stellen für ITAnwendungen mit hohem Schutzbedarf nachdrücklich detaillierte Risikoanalysen im Rahmen von ITSicherheitskonzepten fordern. Bestehen solche Verpflichtungen nicht - wie bei privatwirtschaftlichen Organisationen - oder fehlt es an Zeit oder Erfahrung für die Erstellung von detaillierten Risikoanalysen, so bietet sich als zunächst aufwandsersparende Alternative an, zuerst die Maßnahmen des IT-Grundschutzhandbuchs zügig umzusetzen, um in kurzer Zeit ein "Sicherheitsfundament" zu errichten - auch für solche IT-Anwendungen und Informationen mit hohem Schutzbedarf. In einer daran anschließenden detaillierten Risikoanalyse können dann mit der im IT-Grundschutz gewonnenen Erfahrung die zusätzlich erforderlichen Maßnahmen ermittelt werden. Solche Maßnahmen können ggf. IT-Grundschutzmaßnahmen ersetzen oder ergänzen. Welcher Weg beschritten wird - zuerst eine Risikoanalyse oder die Realisierung des IT-Grundschutzes - ist individuell vom Management zu entscheiden. __________________________________________________________________________________________ 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ 2.2 Schutzbedarfsfeststellung Bei der Erstellung eines IT-Sicherheitskonzepts ist die erste und wichtigste Aufgabe festzustellen, welcher Schutz für die IT-Systeme, IT-Anwendungen und Informationen ausreichend und angemessen ist. Dazu wird der Schutzbedarf ermittelt. Er gibt an, welche möglichen Schäden beim IT-Einsatz entstehen können, und wie wichtig es daher ist, den Eintritt solcher Schäden zu verhindern. Schutzbedarfsfeststellung Vertrauliche Information über Herrn M In Phase 1 werden hierzu zunächst alle vorhandenen und geplanten IT-Systeme erfaßt. Dann werden in Phase 2 die IT-gestützten Fachaufgaben betrachtet. Die zur Aufgabenerfüllung erforderlichen IT-Anwendungen und die zugehörigen Informationen werden - sortiert nach den IT-Systemen - erfaßt. In Phase 3 werden die Schäden ermittelt, die beim Verlust von Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit entstehen können. Diese Schäden werden für jedes IT-System in ihrer Gesamtheit betrachtet. Aus diesen Schäden und ihren Folgen leitet sich der Schutzbedarf für die eingesetzte IT ab. Die Entscheidung, ob für ein betrachtetes IT-System der IT-Grundschutz ausreichend ist oder ob zur Ermittlung geeigneter IT-Sicherheitsmaßnahmen eine Risikoanalyse durchzuführen ist, hängt von dem ermittelten Schutzbedarf ab: Liegen die für ein IT-System insgesamt ermittelten möglichen Schäden im niedrigen bis mittleren Bereich, so ist die Realisierung von IT-Grundschutz für dieses IT-System ausreichend. Sind hohe Schäden zu erwarten, so ist die Durchführung einer Risikoanalyse, zum Beispiel nach dem IT-Sicherheitshandbuch, erforderlich. Hinweis: Da anhand der Feststellung des Schutzbedarfs über die weitere Vorgehensweise der ITSicherheitskonzeption entschieden wird, ist dieser Schutzbedarfsfeststellung große Bedeutung beizumessen. Entsprechend sorgfältig und gründlich muß sie durchgeführt werden. Werden bei der Schutzbedarfsfeststellung bereits Fehler gemacht, so pflanzen sich diese im weiteren Verfahren fort und sind kaum noch zu korrigieren. Im folgenden werden die einzelnen Phasen zur Schutzbedarfsfeststellung beschrieben: Phase 1: Erfassung der IT-Systeme Zunächst werden die vorhandenen und geplanten IT-Systeme aufgelistet. Hierbei steht die technische Realisierung eines IT-Systems im Vordergrund, z. B. stand-alone PC, Windows NT-Server, PC-Client unter Windows 95, Unix-Server, TK-Anlage. An dieser Stelle soll nur das System als solches erfaßt werden (z. B. Unix-Server), nicht die einzelnen Bestandteile/Objekte, aus denen das IT-System zusammengesetzt ist (also nicht: Rechner, Tastatur, Bildschirm, Drucker etc.). __________________________________________________________________________________________ 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Bei dieser Erfassung ist es sinnvoll, zusätzliche nützliche Informationen zu erfassen, die die nachfolgende Arbeit erleichtern werden: - Vergabe einer laufenden Nummer, - Bezeichnung und Art des IT-Systems, - Installationsort des IT-Systems, - Vernetzung des IT-Systems, - Typ des IT-Systems (stand-alone, Client, Server, ...), - Status des IT-Systems (in Betrieb, im Test, in Planung) und - Benutzer des IT-Systems. Unter der Rubrik "Vernetzung des IT-Systems" können folgende Informationen erfaßt werden: - für stand-alone IT-Systeme sind keine Angaben zu machen, - für einen Client ist anzugeben, an welches Netzsegment er angeschlossen ist und welche Netzwerkressourcen (Server, Printer, etc.) er typischerweise nutzt, - für einen Server ist anzugeben, an welches Netzsegment er angeschlossen ist, zu welchem logischen Netz er gehört und welche Netzdienste (zum Beispiel Internet-Zugang, FTP, E-MailService) er anbietet und - für sonstige IT-Systeme ist anzugeben, mit welchen IT-Systemen sie vernetzt sind. Diese Auflistung kann in einer Tabelle erfolgen. Ein Beispiel soll dies veranschaulichen: Tabelle vorhandener und geplanter IT-Systeme Nr. Bezeichnung und Art Ort Typ Vernetzung Status Benutzer 1 PERSO, Unix-System Haus 1 Server Token-Ring 1 Personalnetz keine Dienste im Test Abt. 1 2 TK, TK-Anlage Haus 2 stand-alone --- in Betrieb alle 3 ENTE, Windows NTSystem Haus 2 Server Ethernetsegment 2 in Betrieb Hausnetz Internet, FTP Abt. 6 4 PC-6.3-1, DOS-PC Haus 2 Client Ethernetsegment 2 in Betrieb Server Nr. 3 Ref. 6.3 5 PC-6.3-2, DOS-PC Haus 2 Client Ethernetsegment 2 in Betrieb Server Nr. 3 Ref. 6.3 6 PC-5.4-1, DOS-PC Haus 3 stand-alone --- Ref. 5.4 geplant __________________________________________________________________________________________ 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Hinweis: Sollte eine so große Anzahl von IT-Systemen vorhanden sein, daß eine vollständige Erfassung nicht angemessen erscheint, so kann man gleiche IT-Systeme zu Gruppen zusammenfassen, wenn von Anwendungsstruktur und -ablauf vergleichbare IT-Anwendungen auf diesen IT-Systemen laufen. Dies gilt insbesondere für PCs, die oft in großer Anzahl vorhanden sind. Phase 2: Erfassung der IT-Anwendungen und der zugehörigen Informationen Ziel ist es, die jeweils wichtigsten auf dem betrachteten IT-System laufenden oder geplanten ITAnwendungen festzustellen. Zu jedem IT-System sollten die Grundwerte der IT-Sicherheit - Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit - betrachtet werden. Vertraulichkeit soll sicherstellen, daß der Zugriff auf bestimmte Daten und Informationen nur berechtigten Benutzern ermöglicht wird. Integrität bezeichnet die Korrektheit, Manipulationsfreiheit und Unversehrtheit von Daten und Informationen. Verfügbarkeit charakterisiert ein IT-System, dessen Daten und Informationen, Prozesse und IT-Anwendungen zur rechten Zeit bereitstehen. Um den Schutzbedarf eines IT-Systems zu bestimmen, müssen zuerst diejenigen IT-Anwendungen des jeweiligen IT-Systems benannt werden, - deren Daten/Informationen und Programme den höchsten Bedarf an Vertraulichkeit besitzen, - deren Daten/Informationen und Programme den höchsten Bedarf an Integrität besitzen, - die die kürzeste tolerierbare Ausfallzeit haben. Dazu sollten alle oder zumindest die wichtigsten IT-Anwendungen eines IT-Systems aufgelistet und nach den drei oben genannten Kriterien vorsortiert werden. Eine genauere Sortierung wird nach der Ermittlung von Schäden und der Ableitung des Schutzbedarfs in Phase 3 erarbeitet. Zur Vorsortierung kann evtl. auf bereits vorhandene IT-Sicherheitskonzepte und die dort vorgenommenen Bewertungen zurückgegriffen werden. In jedem Fall sollten auch die Benutzer bzw. die für die IT-Anwendungen Verantwortlichen nach ihrer Einschätzung befragt werden. Die Ergebnisse können wiederum in einer Tabelle beschrieben werden. Beispiel: Liste von IT-Anwendungen je IT-System Nr. Bezeichnung und Art IT-Anwendungen (grob absteigend vorsortiert) 1 PERSO, Unix-System Personaldatenverarbeitung 2 TK, TK-Anlage Gebührenabrechnung, Telefonie 3 ENTE, Windows NT- Reisekostenabrechnung, System Dokumentenverwaltung 4 PC-6.3-1, DOS-PC Reisekostenabrechnung 5 PC-6.3-2, DOS-PC Dokumentenverwaltung 6 PC-5.4-1, DOS-PC Inventarliste Bestellwesen ... __________________________________________________________________________________________ 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ IT-Sicherheitskonzeption für deutsche Bundesbehörden Für deutsche Bundesbehörden kann vorausgesetzt werden, daß sie in IT-Rahmenkonzepten die eingesetzte IT und die darauf ablaufenden IT-Anwendungen vollständig dargestellt haben. Diese Informationen können für die hier vorgestellte Schutzbedarfsfeststellung arbeitsökonomisch übernommen werden. Auf dieser Grundlage kann wie folgt vorgegangen werden: Bei der Erfassung der vorhandenen und geplanten IT-Systeme (Phase 1) werden die notwendigen Informationen dem IT-Rahmenkonzept (oder dem fortzuschreibenden IT-Sicherheitskonzept) entnommen. Ggf. sollten sie für die Schutzbedarfsfeststellung präzisiert oder ergänzt werden, damit sichergestellt ist, daß die Erfassung der IT-Systeme vollständig ist. In Phase 2 werden die im IT-Rahmenkonzept beschriebenen IT-Anwendungen und die von ihnen verarbeiteten Informationen den einzelnen IT-Systemen zugeordnet. Zur Vorbereitung der Phase 3 kann zur besseren Einschätzung und Bewertung möglicher Schäden die Aussage getroffen werden, wie wichtig die IT-Anwendungen und Informationen für die Erledigung der entsprechenden Fachaufgabe sind, wie sehr also die Erfüllung der Fachaufgabe der Behörde vom sicheren IT-Einsatz abhängig ist. Für diese Einschätzung kann die nachfolgende Tabelle als Orientiertung dienen: Der IT-Einsatz ist für die Erfüllung der Fachaufgabe: unterstützend Die Fachaufgabe ist bei geringem Mehraufwand mit anderen Mitteln (z. B. manuell) zu erfüllen. wichtig Die Fachaufgabe ist nur mit deutlichem Mehraufwand mit anderen Mitteln zu erfüllen. wesentlich Die Menge der anfallenden Vorgänge/Informationen läßt lediglich ein fragmentarisches Erfüllen der Fachaufgabe mit den verfügbaren Ressourcen zu. hochgradig notwendig Die Fachaufgabe kann ohne IT-Einsatz überhaupt nicht durchgeführt werden. Für die Erfassung der notwendigen Informationen kann das als Hilfsmittel beigefügte "Formular Schutzbedarfsfeststellung" benutzt werden. Für die Schutzbedarfsfeststellung muß sichergestellt werden, daß zumindest die IT-Anwendungen, die einen hohen Schutzbedarf besitzen, erfaßt werden. Nur so kann erreicht werden, daß der Schutzbedarf der IT-Systeme korrekt ermittelt und die Entscheidung für IT-Grundschutz oder Risikoanalyse korrekt gefällt wird. Falls Unsicherheiten bestehen, ob sämtliche dieser hochschutzbedürftigen ITAnwendungen damit erfaßt sind, empfiehlt es sich, die IT-Anwendungen auf diesem IT-System vollständig zu erfassen. Auch unter dem Aspekt, daß IT-Anwendungen durch Informationsaustausch gegenseitig abhängig sind und daher Sicherheitsanforderungen einer IT-Anwendung u. U. auf eine andere übertragen werden müssen, oder daß Kumulationseffekte auftreten können, ist der vollständige Überblick oder die vollständige Erfassung aller IT-Anwendungen und der zugehörigen Informationen von Bedeutung. __________________________________________________________________________________________ 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Phase 3: Schutzbedarfsfeststellung für jedes IT-System In dieser Phase soll die Frage beantwortet werden, welche Schäden zu erwarten sind, wenn Vertraulichkeit, Integrität oder Verfügbarkeit einer IT-Anwendung und/oder der zugehörigen Informationen ganz oder teilweise verloren gehen. Die zu erwartenden Schäden bestimmen den Schutzbedarf. An dieser Stelle ist eine Einteilung des Schutzbedarfs in drei Kategorien ausreichend: Schutzbedarfskategorien "niedrig bis mittel" Die Schadensauswirkungen sind begrenzt und überschaubar. Maßnahmen des IT-Grundschutzes reichen im allgemeinen aus. "hoch" Die Schadensauswirkungen können beträchtlich sein, IT-Grundschutzmaßnahmen alleine sind ggf. nicht ausreichend. Die weitergehenden Maßnahmen sollten auf Basis einer individuellen Risikoanalyse ermittelt werden. "sehr hoch" Die Schadensauswirkungen können ein existentiell bedrohliches, katastrophales Ausmaß erreichen. IT-Grundschutzmaßnahmen alleine reichen i. a. nicht aus. Die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen müssen individuell auf der Grundlage einer Risikoanalyse ermittelt werden. Schutzbedarfsfeststellung anhand von Schäden und ihren Folgen Ausgehend von der Vorstellung, daß Vertraulichkeit, Integrität oder Verfügbarkeit einer IT-Anwendung oder der zugehörigen Informationen verloren gehen, werden die maximalen Schäden und Folgeschäden betrachtet, die aus einer solchen Situation entstehen können. Unter der Fragestellung "Was wäre, wenn ... ?" werden aus Sicht der Anwender realistische Schadenszenarien entwickelt und die zu erwartenden materiellen oder ideellen Schäden beschrieben. Es ist unbedingt erforderlich, die Verantwortlichen und die Benutzer der betrachteten IT-Anwendung nach ihrer Einschätzung zu befragen. Sie haben i. a. eine gute Vorstellung darüber, welche Schäden entstehen können. __________________________________________________________________________________________ 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Schadenskategorien für Schäden und ihre Folgen Um die möglichen Schäden besser einschätzen zu können, werden nachfolgend einige typische Schadenskategorien erläutert. Sie werden ergänzt um spezifische Fragestellungen, die bei der Bewertung der möglichen Schäden bzw. Folgeschäden berücksichtigt werden können. Diese Anregungen können nicht vollständig sein. In jedem Fall müssen Überlegungen, die die individuelle Aufgabenstellung und Situation der Institution berücksichtigen, diese Aufzählungen ergänzen. Es muß daher überlegt werden, ob - über diese Fragen hinaus - weitere Schäden denkbar sind, und damit weitere Anforderungen an die Sicherheit des IT-Einsatzes formuliert werden müssen. Verstoß gegen Gesetze/Vorschriften/Verträge Aus dem Verlust der Vertraulichkeit, der Integrität und der Verfügbarkeit können derlei Verstöße resultieren. Die Schwere des Schadens ist dabei oftmals abhängig davon, welche rechtlichen Konsequenzen daraus für die Institution entstehen können. Beispiele für relevante Gesetze sind: Grundgesetz, Bürgerliches Gesetzbuch, Strafgesetzbuch (2. Wirtschaftskriminalitätsgesetz), Bundesdatenschutzgesetz und Datenschutzgesetze der Länder, Sozialgesetzbuch, Handelsgesetzbuch, Personalvertretungsgesetz, Betriebsverfassungsgesetz, Urheberrechtsgesetz, Patentgesetz. Beispiele für relevante Vorschriften sind: Verwaltungsvorschriften, Verordnungen und Dienstvorschriften. Beispiele für Verträge: Dienstleistungsverträge im Bereich Datenverarbeitung, Verträge zur Wahrung von Betriebsgeheimnissen. Fragen: Verlust der Vertraulichkeit Erfordern gesetzliche Auflagen die Vertraulichkeit der Daten? Ist im Falle einer Veröffentlichung von Informationen mit Strafverfolgung oder Regreßforderungen zu rechnen? Sind Verträge einzuhalten, die die Wahrung der Vertraulichkeit bestimmter Informationen beinhalten? Verlust der Integrität Erfordern gesetzliche Auflagen die Integrität der Daten? In welchem Maße wird durch einen Verlust der Integrität gegen Vorschriften/Gesetze verstoßen? Verlust der Verfügbarkeit Sind im Falle des Ausfalls einer schutzbedürftigen IT-Anwendung auf dem betrachteten IT-System Verstöße gegen Vorschriften oder sogar Gesetze die Folge? Wenn ja, in welchem Maße? Schreiben Gesetze die dauernde Verfügbarkeit bestimmter Informationen vor? Gibt es Termine, die bei Einsatz des IT-Systems zwingend einzuhalten sind? Gibt es vertragliche Bindungen für bestimmte einzuhaltende Termine? __________________________________________________________________________________________ 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Beeinträchtigung des informationellen Selbstbestimmungsrechts Bei der Implementation und dem Betrieb von IT-Systemen und IT-Anwendungen besteht die Gefahr einer Verletzung des informationellen Selbstbestimmungsrechts bis hin zu einem Mißbrauch personenbezogener Daten. Beispiele für die Beeinträchtigung des informationellen Selbstbestimmungsrechts sind: - Unzulässige Erhebung personenbezogener Daten ohne Rechtsgrundlage oder Einwilligung, - Unbefugte Kenntnisnahme bei der Datenverarbeitung bzw. der Übermittlung von personenbezogenen Daten, - Nutzung von personenbezogenen Daten zu einem anderen, als dem bei der Erhebung zulässigen Zweck, - Verfälschung von personenbezogenen Daten in IT-Systemen oder bei der Übertragung. Die folgenden Fragen können zur Abschätzung möglicher Folgen und Schäden herangezogen werden: Fragen: Verlust der Vertraulichkeit Welche Schäden können für den Betroffenen entstehen, wenn seine personenbezogenen Daten nicht vertraulich behandelt werden? Werden personenbezogene Daten für unzulässige Zwecke verarbeitet? Ist es im Zuge einer zulässigen Verarbeitung personenbezogener Daten möglich, aus diesen Daten z. B. auf den Gesundheitszustand oder die wirtschaftliche Situation einer Person zu schließen? Welche Schäden können durch den Mißbrauch der im IT-System gespeicherten personenbezogenen Daten entstehen? Verlust der Integrität Welche Schäden würden für den Betroffenen entstehen, wenn seine personenbezogenen Daten im ITSystem unabsichtlich verfälscht oder absichtlich manipuliert würden? Wann würde der Verlust der Integrität personenbezogener Daten frühestens auffallen? Verlust der Verfügbarkeit Können bei Ausfall des IT-Systems oder bei einer Störung einer Datenübertragung personenbezogene Daten verlorengehen oder verfälscht werden, so daß der Betroffene in seiner gesellschaftlichen Stellung beeinträchtigt wird oder gar persönliche oder wirtschaftliche Nachteile zu befürchten hat? Beeinträchtigung der persönlichen Unversehrtheit Die Fehlfunktion eines IT-Systems oder einer IT-Anwendung kann unmittelbar die Verletzung, die Invalidität oder den Tod von Personen nach sich ziehen. Die Höhe des Schadens ist am direkten persönlichen Schaden zu messen. Beispiele für solche IT-Systeme sind: - medizinische Überwachungsrechner, - medizinische Diagnosesysteme, - Flugkontrollrechner und - Verkehrsleitsysteme. __________________________________________________________________________________________ 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Fragen: Verlust der Vertraulichkeit Kann durch das Bekanntwerden personenbezogener Daten eine Person physisch oder psychisch geschädigt werden? Verlust der Integrität Können durch manipulierte Programmabläufe oder Daten Menschen gesundheitlich gefährdet werden? Verlust der Verfügbarkeit Bedroht der Ausfall einer IT-Anwendung oder des IT-Systems unmittelbar die persönliche Unversehrtheit von Personen? Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung Gerade der Verlust der Verfügbarkeit eines IT-Systems oder der Integrität der Daten kann die Aufgabenerfüllung in einem Unternehmen oder in einer Behörde erheblich beeinträchtigen. Die Schwere des Schadens richtet sich hierbei nach der zeitlichen Dauer der Beeinträchtigung und nach dem Umfang der Einschränkungen der angebotenen Dienstleistungen. Beispiele sind: - Fristversäumnisse durch verzögerte Bearbeitung von Verwaltungsvorgängen, - verspätete Lieferung aufgrund verzögerter Bearbeitung von Bestellungen, - fehlerhafte Produktion aufgrund falscher Steuerungsdaten, - unzureichende Qualitätssicherung durch Ausfall eines Testsystems. Fragen: Verlust der Vertraulichkeit Gibt es Daten, deren Vertraulichkeit die Grundlage für die Aufgabenerfüllung ist (z. B. Strafverfolgungsinformationen, Ermittlungsergebnisse)? Verlust der Integrität Können Datenveränderungen die Aufgabenerfüllung dergestalt einschränken, daß die Institution handlungsunfähig wird? Entstehen erhebliche Schäden, wenn die Aufgaben trotz verfälschter Daten wahrgenommen werden? Wann werden unerlaubte Datenveränderungen frühestens erkannt? Können verfälschte Daten in einer IT-Anwendung zu Fehlern in anderen IT-Anwendungen führen? Verlust der Verfügbarkeit Kann durch den Ausfall eines IT-Systems oder Teilsystems die Aufgabenerfüllung der Institution so stark beeinträchtigt werden, daß die Wartezeiten für die Betroffenen nicht mehr tolerabel sind? Sind von dem Ausfall dieser IT-Anwendung andere IT-Anwendungen betroffen? Ist es für die Institution bedeutsam, daß der Zugriff auf IT-Anwendungen nebst Programmen und Daten ständig gewährleistet ist? __________________________________________________________________________________________ 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Negative Außenwirkung Durch den Verlust eines der Grundwerte Vertraulichkeit, Integrität oder Verfügbarkeit in einem ITSystem können verschiedenartige negative Außenwirkungen entstehen, zum Beispiel: - Ansehensverlust einer Behörde/eines Unternehmens, - Vertrauensverlust gegenüber einer Behörde/einem Unternehmen, - Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Beziehungen zusammenarbeitender Unternehmen, - verlorenes Vertrauen in die Arbeitsqualität einer Behörde/eines Unternehmens, - Einbuße der Konkurrenzfähigkeit. Die Höhe des Schadens orientiert sich an der Schwere des Vertrauensverlustes oder des Verbreitungsgrades der Außenwirkung. Ursachen für diese Schäden können vielfältiger Natur sein: - Handlungsunfähigkeit einer Behörde durch IT-Ausfall, - fehlerhafte Veröffentlichungen durch manipulierte Daten, - Fehlbestellungen durch mangelhafte Lagerhaltungsprogramme, - Nichteinhaltung von Schweigepflichten, - Weitergabe von Fahndungsdaten an interessierte Dritte, - Zuspielen vertraulicher Informationen an die Presse. Fragen Verlust der Vertraulichkeit Welche Konsequenzen ergeben sich für die Institution durch die unerlaubte Veröffentlichung der im IT-System gespeicherten schutzbedürftigen Daten? Kann der Vertraulichkeitsverlust der im IT-System gespeicherten Daten zu einer Schwächung der Wettbewerbsposition führen? Entstehen bei Veröffentlichung von vertraulichen, im IT-System gespeicherten Daten Zweifel an der amtlichen Verschwiegenheit? Können Veröffentlichungen von Daten des IT-Systems zur politischen oder gesellschaftlichen Verunsicherung führen? Verlust der Integrität Welche Schäden können sich durch die Verarbeitung, Verbreitung oder Übermittlung falscher oder unvollständiger Daten ergeben? Wird die Verfälschung von Daten öffentlich bekannt? Entstehen bei einer Veröffentlichung von verfälschten Daten Ansehensverluste? Können Veröffentlichungen von verfälschten Daten zur politischen oder gesellschaftlichen Verunsicherung führen? Können verfälschte Daten zu einer verminderten Produktqualität und damit zu einem Ansehensverlust führen? __________________________________________________________________________________________ 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Verlust der Verfügbarkeit Schränkt der Ausfall des IT-Systems die Informationsdienstleistungen für Externe ein? Wird der (vorübergehende) Ausfall des IT-Systems extern bemerkt? Finanzielle Auswirkungen Unmittelbare oder mittelbare finanzielle Schäden können durch den Verlust der Vertraulichkeit schutzbedürftiger Daten, die Veränderung von Daten oder den Ausfall eines IT-Systems entstehen. Beispiele dafür sind: - unerlaubte Weitergabe von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen, - Manipulation von finanzwirksamen Daten in einem Abrechnungssystem, - Ausfall eines IT-gesteuerten Produktionssystems und dadurch bedingte Umsatzverluste, - Einsichtnahme in Marketingstrategiepapiere oder Umsatzzahlen, - Ausfall eines Buchungssystems einer Reisegesellschaft, - Zusammenbruch des Zahlungsverkehrs einer Bank, - Diebstahl oder Zerstörung von Hardware. Die Höhe des Gesamtschadens setzt sich zusammen aus den direkt und indirekt entstehenden Kosten, z. B. durch Sachschäden, Schadenersatzleistungen, Kosten für zusätzlichen Aufwand (z. B. Wiederherstellung). Fragen Verlust der Vertraulichkeit Kann die Veröffentlichung vertraulicher Informationen Regreßforderungen nach sich ziehen? Gibt es im IT-System Daten, aus denen ein Dritter (z. B. Konkurrenzunternehmen) finanzielle Gewinne ziehen kann? Sind auf dem IT-System Forschungsdaten gespeichert, die einen erheblichen Wert darstellen? Was passiert, wenn sie unerlaubt kopiert und weitergegeben werden? Können durch vorzeitige Veröffentlichung von schutzbedürftigen Daten finanzielle Schäden entstehen? Verlust der Integrität Können durch Datenmanipulationen finanzwirksame Daten so verändert werden, daß finanzielle Schäden entstehen? Kann die Veröffentlichung falscher Informationen Regreßforderungen nach sich ziehen? Können durch verfälschte Bestelldaten finanzielle Schäden entstehen (z. B. bei Just-in-Time Produktion)? Können verfälschte Daten zu falschen Geschäftsentscheidungen führen? Verlust der Verfügbarkeit Wird durch den Ausfall des IT-Systems die Produktion, die Lagerhaltung oder der Vertrieb beeinträchtigt? __________________________________________________________________________________________ 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Ergeben sich durch den Ausfall des IT-Systems finanzielle Verluste aufgrund von verzögerten Zahlungen bzw. Zinsverlusten? Wie hoch sind die Reparatur- oder Wiederherstellungskosten bei Ausfall, Defekt, Zerstörung oder Diebstahl des IT-Systems? Kann es durch Ausfall des IT-Systems zu mangelnder Zahlungsfähigkeit oder zu Konventionalstrafen kommen? Wieviele wichtige Kunden wären durch den Ausfall des IT-Systems betroffen? Gesamtsicht der Schäden je IT-System Um den Schutzbedarf eines IT-Systems festzustellen, müssen nun die ermittelten Schäden für jedes IT-System in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Im Wesentlichen bestimmt der Schaden bzw. die Summe der Schäden mit den schwerwiegensten Auswirkungen den Schutzbedarf eines IT-Systems (Maximum-Prinzip). Beachtung von Abhängigkeiten und Kumulationseffekten Bei der Betrachtung der möglichen Schäden und ihrer Folgen muß auch beachtet werden, daß ITAnwendungen Arbeitsergebnisse anderer IT-Anwendungen als Input nutzen können. Diese Informationen können dabei auch auf anderen IT-Systemen erarbeitet worden sein. Eine - für sich betrachtet - weniger bedeutende IT-Anwendung kann wesentlich an Wert gewinnen, wenn eine andere wichtige IT-Anwendung auf ihre Ergebnisse angewiesen ist. In diesem Fall muß der ermittelte Schutzbedarf auch für die abhängigen IT-Anwendungen und Informationen sichergestellt werden. Handelt es sich dabei um IT-Anwendungen verschiedener IT-Systeme, dann müssen Schutzbedarfsanforderungen des einen IT-Systems auch auf das andere übertragen werden. Werden mehrere IT-Anwendungen/Informationen auf einem IT-System verarbeitet, so ist zu überlegen, ob durch Kumulation mehrerer (z. B. kleinerer) Schäden auf einem IT-System ein insgesamt höherer Gesamtschaden entstehen kann. Zutreffendenfalls erhöht sich der Schutzbedarf des ITSystems entsprechend. Beispiel: Auf einem Netz-Server befinden sich sämtliche für den Schreibdienst benötigten IT-Anwendungen einer Institution. Der Schaden bei Ausfall einer dieser IT-Anwendungen wurde als gering eingeschätzt, da genügend Ausweichmöglichkeiten vorhanden sind. Fällt jedoch der Server (und damit alle IT-Anwendungen) aus, so ist der dadurch entstehende Schaden deutlich höher zu bewerten. Die Aufgabenerfüllung innerhalb der notwendigen Zeitspanne kann u. U. nicht mehr gewährleistet werden. Daher ist auch der Schutzbedarf dieser "zentralen" Komponenten entsprechend höher zu bewerten. Entscheidung für IT-Grundschutz oder Risikoanalyse Anhand der Einschätzung der ermittelten Schäden kann nun über die weitere Vorgehensweise entschieden werden: Sind nur niedrige oder mittlere Schäden ermittelt worden, dann bietet die Realisierung von IT-Grundschutz einen ausreichenden Schutz. Wurde dagegen mindestens ein hoher potentieller Schaden ermittelt, dann sollte zusätzlich zum IT-Grundschutz eine Risikoanalyse durchgeführt werden. Orientierungshilfe Zur Orientierung, welchen Schutzbedarf ein potentieller Schaden und seine Folgen erzeugen, sollten folgende Tabellen benutzt werden. Sie wurden bei der Erstellung des IT-Grundschutzhandbuches benutzt, um angemessene und ausreichende Maßnahmen auszuwählen, die als IT-Grundschutz empfohlen werden. __________________________________________________________________________________________ 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Schutzbedarf "niedrig bis mittel" 1. Verstoß gegen Gesetze/Vorschriften/Verträge - Verstöße gegen Vorschriften und Gesetze mit geringfügigen Konsequenzen - Geringfügige Vertragsverletzungen mit maximal geringen Konventionalstrafen 1. Verstoß gegen Gesetze/Vorschriften/Verträge - Verstöße gegen Vorschriften und Gesetze mit geringfügigen Konsequenzen - Geringfügige Vertragsverletzungen mit maximal geringen Konventionalstrafen - Eine Beeinträchtigung des informationellen Selbstbestimmungsrechts würde durch den Einzelnen als tolerabel eingeschätzt werden. - Ein möglicher Mißbrauch personenbezogener Daten hat nur geringfügige Auswirkungen auf die gesellschaftliche Stellung oder die wirtschaftlichen Verhältnisse des Betroffenen. - Eine Beeinträchtigung erscheint nicht möglich. 2. Beeinträchtigung des informationellen Selbstbestimmungsrechts 3. Beeinträchtigung der persönlichen Unversehrtheit 4. Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung 5. Negative Außenwirkung 6. Finanzielle Auswirkungen - Die Beeinträchtigung würde von den Betroffenen als tolerabel eingeschätzt werden. - Die maximal tolerierbare Ausfallzeit des IT- Systems ist größer als 48 Stunden. - Eine geringe bzw. nur interne Ansehens- oder Vertrauensbeeinträchtigung ist zu erwarten. - Der finanzieller Schaden ist kleiner als 25.000,- DM. Schutzbedarf "hoch" - Verstöße gegen Vorschriften und Gesetze mit erheblichen 1. Verstoß gegen Gesetze/Vorschriften/Verträge Konsequenzen - Vertragsverletzungen mit hohen Konventionalstrafen - Eine erhebliche Beeinträchtigung des informationellen 2. Beeinträchtigung des informationellen Selbstbestimmungsrechts des Einzelnen erscheint möglich. Selbstbestimmungsrechts - Ein möglicher Mißbrauch personenbezogener Daten hat erhebliche Auswirkungen auf die gesellschaftliche Stellung oder die wirtschaftlichen Verhältnisse des Betroffenen. - Eine Beeinträchtigung der persönlichen Unversehrtheit kan 3. Beeinträchtigung der persönlichen nicht absolut ausgeschlossen werden. Unversehrtheit 4. Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung 5. Negative Außenwirkung 6. Finanzielle Auswirkungen - Die Beeinträchtigung würde von einzelnen Betroffenen als nicht tolerabel eingeschätzt. - Ein IT-Systemausfall ist nur bis zu einem Tag tolerabel. - Eine breite Ansehens- oder Vertrauensbeeinträchtigung ist erwarten. - Der finanzielle Schaden liegt zwischen 25.000,- DM und 5.000.000,-DM. __________________________________________________________________________________________ 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Schutzbedarf "sehr hoch" - Fundamentaler Verstoß gegen Vorschriften und Gesetze 1. Verstoß gegen Gesetze/Vorschriften/Verträge - Vertragsverletzungen, deren Haftungsschäden ruinös sind - Eine besonders bedeutende Beeinträchtigung des infor2. Beeinträchtigung des informationellen mationellen Selbstbestimmungsrechts des Einzelnen Selbstbestimmungsrechts erscheint möglich. - Ein möglicher Mißbrauch personenbezogener Daten würde für den Betroffenen den gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Ruin bedeuten. - Gravierende Beeinträchtigungen der persönlichen 3. Beeinträchtigung der persönlichen Unversehrtheit sind möglich. Unversehrtheit - Gefahr für Leib und Leben - Die Beeinträchtigung würde von allen Betroffenen als 4. Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung nicht tolerabel eingeschätzt werden. - Ein IT-Systemausfall ist nur bis zu einer Stunde tolerabel. - Ein landes- bzw. bundesweite Ansehens- oder Vertrauens5. Negative Außenwirkung beeinträchtigung, evtl. sogar existenzgefährdender Art, ist denkbar. Der finanzielle Schaden ist größer als 5.000.000,- DM. 6. Finanzielle Auswirkungen Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß diese sechs Schadenskategorien nicht vollständig sein könnten. Für alle Schäden, die sich nicht in diesen Kategorien abbilden lassen, muß ebenfalls eine Aussage getroffen werden, wo die Grenze zwischen "niedrig bis mittel", "hoch" oder "sehr hoch" zu ziehen ist. Darstellung der Ergebnisse Die Ergebnisse der Schutzbedarfsfeststellung können in einer Tabelle festgehalten werden. Darin sollte verzeichnet sein, welchen Schutzbedarf jedes IT-System bezüglich Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit hat. Besonderer Wert ist auf die Begründung der Einschätzungen zu legen, damit diese auch für Außenstehende nachvollziehbar sind. __________________________________________________________________________________________ 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Eine solche Tabelle könnte beispielsweise wie folgt aussehen: Schutzbedarfsfeststellung Nr. 1 2 3 4 5 6 Bezeichnung PERSO TK ENTE PC-6.3-1 PC-6.3-2 PC-5.4-1 Grundwert Schutzbedarf Begründung Vertraulichkeit hoch Personaldaten sind besonders schutzbedürftige personenbezogene Daten, deren Bekanntwerden die Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Integrität mittel Der Schutzbedarf ist nur "mittel", da Fehler rasch erkannt und die Daten nachträglich korrigiert werden können. Verfügbarkeit mittel Ausfälle bis zu 72 Stunden können auf Papierbasis überbrückt werden. Vertraulichkeit mittel Ein Bekanntwerden der Daten beeinträchtigt die Betroffenen nur unerheblich. Integrität hoch Da die Rechnungslegung aufgrund der Gebührendaten erfolgt, können Verfälschungen zu finanziellen Schäden über 40.000,DM führen. Verfügbarkeit hoch Aufgrund des direkten Kundenkontaktes darf die TK-Anlage maximal einen Tag ausfallen, da sonst erhebliche Ansehensverluste und finanzielle Einbußen zu erwarten sind. Vertraulichkeit mittel Ein Bekanntwerden dieser personenbezogenen beeinträchtigt die Betroffenen nur geringfügig. Integrität mittel Fehlerhafte Rechnungen aufgrund fehlerhafter Daten können nachträglich überprüft und korrigiert werden. Schäden aufgrund verfälschter Daten sind im allg. kleiner als 25.000,- DM. Verfügbarkeit mittel Ein Ausfall bis zu einer Woche kann manuell überbrückt werden. Vertraulichkeit mittel Ein Bekanntwerden dieser personenbezogenen beeinträchtigt die Betroffenen nur geringfügig. Integrität mittel Fehlerhafte Rechnungen aufgrund fehlerhafter Daten können nachträglich überprüft und korrigiert werden. Schäden aufgrund verfälschter Daten sind im allg. kleiner als 25.000,- DM. Verfügbarkeit mittel Für eine Übergangszeit von etwa einer Woche kann auf Papierbasis weitergearbeitet werden. Vertraulichkeit mittel Es werden keinerlei vertrauliche Daten verarbeitet. Integrität mittel Fehlerhafte Daten der Dokumentenverwaltung werden erkannt und können nachträglich bereinigt werden. Verfügbarkeit mittel Für eine Übergangszeit von etwa einer Woche kann auf Papierbasis weitergearbeitet werden. Vertraulichkeit mittel Es werden nur Daten verarbeitet, die einen maximal mittleren Vertraulichkeitsanspruch besitzen. Integrität mittel Schäden aufgrund verfälschter Daten sind im allg. kleiner als 25.000,- DM. Verfügbarkeit mittel Für eine Übergangszeit von etwa einer Woche kann auf Papierbasis weitergearbeitet werden. Daten Daten ... __________________________________________________________________________________________ 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.2 Schutzbedarfsfeststellung __________________________________________________________________________________________ Hinweis: Sind die meisten IT-Anwendungen auf einem IT-System nur mittelschutzbedürftig und sind nur eine oder wenige hochschutzbedürftig, so ist unter Kostengesichtspunkten zu prüfen, diese hochschutzbedürftigen auf ein isoliertes IT-System auszulagern. Eine solche Alternative kann als Management-Entscheidungsvorlage erarbeitet werden. Ein Ergebnis der Schutzbedarfsfeststellung ist eine Auflistung aller IT-Systeme, für die der ITGrundschutz angewendet werden kann. Um den zu leistenden Aufwand für die nun folgende Realisierung des IT-Grundschutzes so gering wie möglich zu halten, ist es sinnvoll, gleichartige ITSysteme dieser Liste zu Gruppen zusammenzuführen. Hilfsmittel: Für die Durchführung der Schutzbedarfsfeststellung wurden als Hilfsmittel Formblätter entwickelt, die auf der CD-ROM im Verzeichnis ...\HILFSMI\06SCHUTZ.DOC zu finden sind. __________________________________________________________________________________________ 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.3 Gebrauch des IT-Grundschutzhandbuchs __________________________________________________________________________________________ 2.3 Gebrauch des IT-Grundschutzhandbuchs In diesem Kapitel wird die Anwendungsweise des ITGrundschutzhandbuchs dargestellt, die für die Erstellung eines IT-Grundschutz-Maßnahmenkonzeptes empfohlen wird. Vorausgesetzt sei, daß die Schutzbedarfsfeststellung abgeschlossen ist und damit die IT-Systeme identifiziert sind, für die der IT-Grundschutz zu konzipieren ist. Für ein solches ausgewähltes IT-System wird aufgezeigt, mittels welcher Aktionen die Liste der für den ITGrundschutz noch zu realisierenden Maßnahmen ermittelt wird. Eine graphische Darstellung des Ablaufes ist dem Bild auf der nachfolgenden Seite zu entnehmen. Aktion 1: Abbildung des IT-Systems durch vorhandene Bausteine Das IT-Grundschutzhandbuch ist nach einem "Baukastensystem" aufgebaut. Die einzelnen "Bausteine", also die entsprechenden Kapitel/Unterkapitel des Handbuches, mit denen ein reales ITSystem nachgebildet werden kann, sind in drei Gruppen zusammengefaßt: - Kapitel 3 beinhaltet übergeordnete oder grundlegende Komponenten wie Organisation, Personal, Notfallvorsorge-Konzept, Datensicherungskonzept, - Kapitel 4 beinhaltet Bausteine der Infrastruktur wie Gebäude und Serverraum und - Kapitel 5 ff. beinhalten IT-spezifische Bausteine wie PC, LAN, TK-Anlage und Standardsoftware. Die in dieser Aktion zu leistende Aufgabe besteht darin, das reale IT-System durch die vorhandenen Bausteine möglichst genau nachzubilden. Wurde bereits ein IT-Grundschutz-Maßnahmenkonzept für das IT-System erstellt, sollte überprüft werden, ob in der aktuellen fortgeschriebenen Version des IT-Grundschutzhandbuchs neue Bausteine beschrieben werden, die zusätzlich zur Abbildung des IT-Systems genutzt werden können und damit zusätzlich bearbeitet werden sollten. Weitere Erläuterungen zur Abbildung realer IT-Systeme in IT-Grundschutz-Bausteine werden in Kapitel 2.4 gegeben. __________________________________________________________________________________________ 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.3 Gebrauch des IT-Grundschutzhandbuchs __________________________________________________________________________________________ Aktion 1 Abbildung des IT-Systems durch vorhandene Bausteine 3.1 Teil 1 Kapitel 2.4 XYZABC-PC System x x 3.2 x x 3.3 e x 3.4 Durchführung der Aktionen 2 bis 4 für alle ausgewählten Bausteine 3.1 Organisation Aktion 2 Lesen des jeweiligen Bausteins optional Schutzbedarfsfeststellung Schutzbedarf niedrig bis mittel IT-Grundschutz Schutzbedarf hoch bis sehr hoch Einlesen in die Gefährdungslage Detaillierte Risikoanalyse z.B. nach ITSicherheitshandbuch Gefährdungskatalog G 3.1 G 3.2 G 3.3 Aktion 3 Soll-Ist-Vergleich mit empfohlenen Maßnahmen Bedrohungsanalyse Lesen der Maßnahmen- Risikobetrachtung Beschreibungen IT-Sicherheitskonzept IT-Grundschutzmaßnahmen Maßnahmenkatalog individuelle Aktion 4 Maßnahmen Soll-Ist-Vergleich zwischen vorhandenen und empfohlenen Maßnahmen M 1.1 M 1.2 M 1.3 Teilergebnis Liste der für den IT-Grundschutz noch zu realisierenden Maßnahmen des jeweiligen Bausteins Gesamtergebnis Zusammenstellung aller Teilergebnisse der einzelnen Bausteine zum IT-Grundschutz-Maßnahmenkonzept Bild: Anwendungsweise des IT-Grundschutzhandbuches __________________________________________________________________________________________ 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.3 Gebrauch des IT-Grundschutzhandbuchs __________________________________________________________________________________________ Aktion 2: Lesen des jeweiligen Bausteins Nun werden die in Aktion 1 ausgewählten Kapitel (= Bausteine) bearbeitet. Jedes dieser Kapitel ist gleichermaßen aufgebaut: nach einer einführenden Beschreibung folgt eine Aufzählung pauschal für den IT-Grundschutz angenommener Gefährdungen und die Empfehlung der hiergegen wirkenden Maßnahmen. Maßnahmen und Gefährdungen werden folgendermaßen unterteilt: Maßnahmen Gefährdungen M 1 Infrastruktur G 1 Höhere Gewalt M 2 Organisation G 2 Organisatorische Mängel M 3 Personal G 3 Menschliche Fehlhandlungen M 4 Hardware/Software G 4 Technisches Versagen M 5 Kommunikation G 5 Vorsätzliche Handlungen. M 6 Notfallvorsorge Eine ausführliche Beschreibung der Maßnahmen und Gefährdungen ist in den Katalogen des ITGrundschutzhandbuchs enthalten, nachzuschlagen unter: Beispiel: G 2.1 Gefährdung XYZ · º¶lfd. Nr. 1 · º¶¶¶¶¶Katalog G 2 M 3.4 Maßnahme ABC · º¶lfd. Nr. 4 · º¶¶¶¶¶Katalog M 3 Für die Sensibilisierung und zum Verständnis der empfohlenen Maßnahmen ist es ratsam, die Gefährdungslage und die einzelnen Gefährdungen in den entsprechenden Katalogen zu lesen. Aktion 3: Lesen der Maßnahmenbeschreibungen Unbedingt notwendig innerhalb der Bearbeitung eines Kapitels ist es, die empfohlenen Maßnahmen und die dazu existierenden Maßnahmenbeschreibungen in den Katalogen sorgfältig zu lesen. Dies ist erforderlich, um den angestrebten Soll-Ist-Vergleich durchführen zu können. Desweiteren kann dies als Informationsgewinn über IT-Sicherheitsmaßnahmen genutzt werden. Neben der eigentlichen Empfehlung, wie die einzelnen Maßnahmen umzusetzen sind, werden Verantwortliche beispielhaft genannt, die die Initiierung als auch Umsetzung der Maßnahmen typischerweise bewerkstelligen sollen. Weiterhin werden ergänzende Kontrollfragen angeführt, die zur Beurteilung der umgesetzten Maßnahmen und für Revisionszwecke hilfreich sein können. Hinweis: Unmittelbar mit dem Baustein in Zusammenhang stehende Maßnahmen anderer Kapitel (Bausteine) werden zusätzlich genannt. Diese Redundanz soll sicherstellen, daß selbst bei einer unvollständigen Baustein-Auswahl die wesentlichen Maßnahmen (auch anderer Bausteine) beachtet werden. __________________________________________________________________________________________ 20 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
2.3 Gebrauch des IT-Grundschutzhandbuchs __________________________________________________________________________________________ Aktion 4: SOLL-IST-Vergleich zwischen vorhandenen und empfohlenen Maßnahmen Das SOLL besteht aus den in den einzelnen Bausteinen empfohlenen Maßnahmen. Der Vergleich mit den vorhandenen Maßnahmen ergibt als Resultat die Maßnahmen, die es noch für den IT-Grundschutz umzusetzen gilt. Für die Errichtung eines IT-Grundschutzes sollten alle im Baustein vorgeschlagenen IT-Grundschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Empfohlene Maßnahmen, die mit dem Hinweis "(optional)" gekennzeichnet sind, können nicht pauschal als angemessene IT-Grundschutzmaßnahmen angesehen werden. Bei diesen Maßnahmen ist es erforderlich zu entscheiden und zu begründen, ob diese angemessen und wirtschaftlich sind. Rahmenbedingungen werden in den Maßnahmenbeschreibungen genannt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß bei bestimmten Einsatzumgebungen zum IT-Grundschutz empfohlene Maßnahmen nicht umgesetzt werden können oder sollten. Diese Abweichung von der Empfehlung ist dann zu dokumentieren und zu begründen. An dieser Stelle können auch die über den IT-Grundschutz hinaus vorhandenen IT-Sicherheitsmaßnahmen herausgearbeitet und dokumentiert werden. Resümee: Die beschriebene Anwendungsweise liefert als Ergebnis eine Liste von Maßnahmen, die es für die Erreichung des IT-Grundschutzes noch umzusetzen gilt. Sinnvollerweise wird auf Veranlassung des IT-Sicherheitsmanagement von der Behörden- bzw. Unternehmensleitung anschließend entschieden, welche der fehlenden Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Für die Erstellung eines Realisierungsplans bedarf es der Ergänzung der anzustrebenden Realisierungszeitpunkte und der Zuständigkeiten. Wenn finanzielle oder zeitliche Engpässe die anzustrebende vollständige Umsetzung aller fehlenden Maßnahmen behindern, gibt die in den Bausteinen ausgewiesene Priorität einer Maßnahme einen Anhaltspunkte für die anzustrebende Reihenfolge bei der Umsetzung fehlender Maßnahmen. Folgende Prioritätsstufen wurden vergeben: - "1" bedeutet: diese Maßnahme ist besonders wichtig. - "2" bedeutet: diese Maßnahme ist wichtig. - "3" bedeutet: diese Maßnahme ist von nachgeordneter Bedeutung. Beispiel aus dem Baustein Organisation: - M 2.2 (2) Betriebsmittelverwaltung (2) bedeutet Umsetzungspriorität 2 Hinweis: Der Zusammenhang zwischen den für den IT-Grundschutz angenommenen Gefährdungen und den empfohlenen Maßnahmen ist den im Katalogteil vorhandenen Maßnahmen-Gefährdungs-Tabellen zu entnehmen. Um die Dokumentation der Ergebnisse zu vereinfachen, sind auf der CD-ROM (Verzeichnis FORMULAR) für jeden Baustein Formblätter enthalten, in die systematisch die erzielten Ergebnisse und Entscheidungen eingetragen werden können. Ein Beispielergebnis ist auf der nachfolgenden Seite abgedruckt: __________________________________________________________________________________________ 21 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
IT-Grundschutzerhebung Bezeichnung des IT-Systems: Nr. 3 PC-LAN Angaben erfaßt am: Kap. 6.1 Priorität M 1.29 (2) M 1.32 (1) M 2.03 (2) 04.-08.03.1997 Lokation: Haus 2 Benutzer: Referat 6.2 erfaßt durch: Herr Meyer befragte Benutzer: -"Herr Schulz -"Herr Schmitt Baustein Servergestütztes Netz Ja teil- Nein verantwort Bemerkungen / Begründung für Nicht-Umsetzung Kosten- X schätzung 0,- DM X 0,- DM X im Rahmen des bis weise Geeignete Aufstellung eines IT-Systems (optional) Geeignete Aufstellung von Konsole, Geräten mit austauschbaren Datenträgern und Druckern Datenträgerverwaltung Umsetzung Frau Müller lich IT-Betriebs notwendig M 2.04 (2) Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten X M 2.09 (2) Nutzungsverbot nicht freigegebener Software X M 2.10 (3) Überprüfung des Software-Bestandes M 2.13 (2) M 2.22 (2) Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln Hinterlegen des Paßwortes M 2.25 (2) Dokumentation der Systemkonfiguration M 2.26 (1) Ernennung eines Administrators und eines Vertreters M 2.30 (2) Regelung für die Einrichtung von Nutzern / Nutzergruppen Auf die Umsetzung der Maßnahme wird verzichtet, --- da die Wartung bzw. Reparatur ausschließlich durch eigene Mitarbeiter erfolgt. 01.10.1998 0,- DM Hr. Meyer 1 Tag/Jahr X 01.01.1999 0,- DM Fr. Schulz 2 Tage/Jahr X 10000.- DM X 01.07.1998 Fr. Müller Das Hinterlegen des Paßwortes wird empfohlen, es wird jedoch nicht konsequent durchgeführt. 0,- DM 2 Tage/Jahr Regelung wird angestrebt. X 0,- DM 3 Tage/Jahr X 01.07.1998 Fr. Müller Es ist zwar ein Administrator, aber kein 0 ,- DM Stellvertreter benannt. X 0,- DM 2 Tage
2.4 Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung __________________________________________________________________________________________ 2.4 Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung In diesem Kapitel sollen Hinweise und Hilfen gegeben werden, wie die praktische Umsetzung des ITGrundschutzes, insbesondere die Erstellung des auf dem IT-Grundschutzhandbuch basierenden Teils eines ITSicherheitskonzepts, erfolgen kann. 2.4.1 n lfe Hi s Tip e eis w in -H ie tw ß u ew -G Hinweise für die Schutzbedarfsfeststellung Bei der Schutzbedarfsfeststellung besteht die schwierige Aufgabe, jedes IT-System anhand der bei einem Sicherheitsvorfall möglicherweise entstehenden Schäden und Folgeschäden in die Schutzbedarfsklassen "niedrig bis mittel", "hoch" oder "sehr hoch" einzuordnen. Falls eine große Zahl von IT-Systemen in Betrieb ist, kann es zweckmäßig sein, das StellvertreterPrinzip anzuwenden. Dazu werden IT-Systeme mit gleicher Funktion innerhalb der Aufgabenstellung und gleichen organisatorischen Rahmenbedingungen in eine gemeinsame Klasse eingruppiert. Anschließend sollten aus jeder gebildeten Klasse einige Stichproben ausgewählt werden, deren Schutzbedarf dann stellvertretend für die übrigen Mitglieder der Klasse betrachtet wird. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, über geeignete Hilfsmittel direkt diejenigen IT-Systeme zu identifizieren, die einen höheren Schutzbedarf haben. Dazu bieten sich unterschiedliche Vorgehensweisen an: Je IT-System muss untersucht werden, welche Folgeschäden bei Verlust einer der drei Grundwerte Verfügbarkeit, Integrität und Vertraulichkeit erwartet werden. Als Orientierungshilfe dafür können die Tabellen aus Kapitel 2.2 herangezogen werden. Diese sollten aber immer an die konkreten Gegebenheiten der jeweiligen Organisation angepasst werden. Diese Prüfung kann vollzogen werden, indem je IT-System 1. die relevanten Benutzer persönlich durch das IT-Sicherheitsmanagement auf mögliche Schäden hin befragt werden oder 2. die relevanten Benutzer einen Fragebogen beantworten, der - vom IT-Sicherheitsmanagement entwickelt - konkret die Aussagen der Tabelleninhalte abfragt. Der praktische Einsatz des IT-Grundschutzhandbuchs zeigt, dass es bei Behörden bzw. Unternehmen mit weniger als 50 zu befragenden Benutzern sinnvoll ist, auf Methode 1 zurückzugreifen, damit das IT-Sicherheitsmanagement individuell vor Ort zu einer Entscheidung gelangen kann. Methode 2 scheint sinnvoll, wenn die Anzahl der zu befragenden Personen die Möglichkeiten des ITSicherheitsmanagements übersteigt. Es muss dann anhand der Fragebogen eine Entscheidung getroffen werden, die sich lediglich an den in den Tabellen vorgegebenen Aussagen orientieren kann. Für die Schutzbedarfsfeststellung und für die Erhebung des Sicherheits-IST beim PC-Einsatz ist auf der CD-ROM als Hilfsmittel ein Vordruck - PC-Fragebogen - beigefügt (Verzeichnis ...\HILFSMI\06SCHUTZ.DOC). __________________________________________________________________________________________ 23 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung __________________________________________________________________________________________ 2.4.2 Hinweise für die Abbildung realer IT-Systeme durch die Bausteine des IT-Grundschutz-Baukastens Um die Abbildung eines IT-Systems mit Hilfe einzelner Kapitel ("Bausteine") des ITGrundschutzhandbuchs vornehmen zu können, ist die Kenntnis der bislang vorhandenen Bausteine notwendig. Daher werden nachfolgend die Inhalte der einzelnen Bausteine kurz umrissen. Kurzdarstellung vorhandener Bausteine 3.1 Organisation In diesem Baustein werden die für die IT-Sicherheit grundlegend notwendigen organisatorischen Regelungen angeführt. Beispiele sind Festlegung der Verantwortlichkeiten, Datenträgerverwaltung und Regelungen zum Passwortgebrauch. Sie gelten für jedes IT-System. 3.2 Personal Der Baustein "Personal" beschreibt die Maßnahmen im Personalbereich, die zum Erreichen von IT-Sicherheit zu beachten sind. Beispiele sind Vertretungsregelungen, Schulungsmaßnahmen und geregelte Verfahrensweise beim Ausscheiden von Mitarbeitern. Sie gelten unabhängig von der Art des IT-Systems. 3.3 Notfallvorsorge-Konzept In diesem Baustein wird eine Vorgehensweise dargestellt, wie ein Notfallvorsorge-Konzept erstellt werden kann. Dieser Baustein sollte insbesondere für größere IT-Systeme berücksichtigt werden. 3.4 Datensicherungskonzept Dieser Baustein stellt dar, wie ein fundiertes Datensicherungskonzept systematisch erarbeitet werden kann. Dieser Baustein ist insbesondere für größere IT-Systeme oder IT-Systeme mit großem Datenbestand gedacht. 3.5 Datenschutz Die Rahmenbedingungen für einen praxisgerechten Datenschutz und die Verbindung zur ITSicherheit über den IT-Grundschutz werden in dem Baustein dargestellt. Das Kapitel Datenschutz wurde federführend vom Bundesbeauftragten für den Datenschutz gemeinsam mit dem Arbeitskreis Technik der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder erstellt. 3.6 Computer-Virenschutzkonzept Ziel eines Computer-Virenschutzkonzeptes ist es, ein geeignetes Maßnahmenbündel zusammenzustellen, bei dessen Einsatz das Auftreten von Computer-Viren auf den in einer Organisation eingesetzten IT-Systemen verhindert bzw. möglichst früh erkannt wird, um Gegenmaßnahmen vornehmen zu können und evtl. mögliche Schäden zu minimieren. 3.7 Kryptokonzept Dieser Baustein beschreibt eine Vorgehensweise, wie in einer heterogenen Umgebung sowohl die lokal gespeicherten Daten als auch die zu übertragenen Daten wirkungsvoll durch kryptographische Verfahren und Techniken geschützt werden können. 3.8 Behandlung von Sicherheitsvorfällen Um die IT-Sicherheit im laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten, ist es notwendig, die Behandlung von Sicherheitsvorfällen (Incident Handling) konzipiert und eingeübt zu haben. Als Sicherheitsvorfall wird dabei ein Ereignis bezeichnet, das Auswirkungen nach sich ziehen kann, die einen großen Schaden anrichten können. Um Schäden zu verhüten bzw. zu begrenzen, sollte die Behandlung der Sicherheitsvorfälle zügig und effizient ablaufen. __________________________________________________________________________________________ 24 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung __________________________________________________________________________________________ 4.1 Gebäude Hier werden die Maßnahmen genannt, die in jedem Gebäude, in dem Datenverarbeitung stattfindet, zu beachten sind. Es sind Maßnahmen zur Stromversorgung, zum Brand- und Gebäudeschutz sowie organisatorische Maßnahmen wie die Schlüsselverwaltung. 4.2 Verkabelung Im Baustein "Verkabelung" werden Maßnahmen empfohlen, die für die Verkabelung eines Gebäudes mit Versorgungs- und Kommunikationsleitungen relevant sind. Beispiele sind: Brandabschottung von Trassen, Auswahl geeigneter Kabeltypen und Dokumentation der Verkabelung. 4.3.1 Büroraum Im Kapitel "Büroraum" sind alle Maßnahmen zusammengefasst, die im Zusammenhang mit dem IT-Einsatz in einem Büro zu beachten sind. Beispiele sind: Geschlossene Fenster und Türen und die Beaufsichtigung von Fremdpersonen. 4.3.2 Serverraum Hier werden die Maßnahmen genannt, die bei Nutzung eines Raumes, in dem ein Server (für ITSysteme oder TK-Anlagen) aufgestellt ist, beachtet werden müssen. Beispiele sind: Vermeidung von Wasserleitungen, Klimatisierung, lokale unterbrechungsfreie Stromversorgung und Rauchverbot. 4.3.3 Datenträgerarchiv Wird ein Raum als Datenträgerarchiv genutzt, so sind bestimmte Randbedingungen für die ITSicherheit einzuhalten. Diese werden als Maßnahmen für den IT-Grundschutz formuliert. Beispiele sind: Handfeuerlöscher, Verwendung von Sicherheitstüren und Rauchverbot. 4.3.4 Raum für technische Infrastruktur Auch für Räume, in denen technische Infrastruktur installiert wird, wie im Postkabeleingangsraum, Verteilerraum, Niederspannungsverteilerraum, müssen im Sinne der ITSicherheit bestimmte Maßnahmen ergriffen werden, die in diesem Kapitel genannt werden. 4.4 Schutzschränke Für die sichere Aufbewahrung von Datenträgern oder Hardware können Schutzschränke die Schutzwirkung von Räumen (Serverraum, Datenträgerarchiv) zusätzlich erhöhen. Ggf. kann ein spezieller Serverschrank auch als Alternative zu einem Serverraum eingesetzt werden. Die für die Beschaffung, die Aufstellung und die Nutzung eines Schutzschrankes erforderlichen Maßnahmen werden in diesem Baustein beschrieben. 4.5 Häuslicher Arbeitsplatz In diesem Baustein werden die Maßnahmen beschrieben, die erforderlich sind, um einen häuslichen Arbeitsplatz mit einem adäquaten Sicherheitsstandard einzurichten, so dass dieser für dienstliche Aufgaben genutzt werden kann. 5.1 DOS-PC (ein Benutzer) In diesem Baustein werden die Maßnahmen genannt, die beim Einsatz eines handelsüblichen PCs beachtet werden müssen, der standardmäßig nur von einem Benutzer betrieben wird. Beispiele sind: Passwortschutz, Einsatz eines Viren-Suchprogramms, regelmäßige Datensicherung. 5.2 Unix-System Betrachtet wird ein IT-System unter dem Betriebssystem Unix, dass entweder ohne Verbindung zu anderen Rechnern oder als Client in einem Netz betrieben wird. Terminals oder PCs, die als Terminal betrieben werden, können angeschlossen sein. Hierzu werden sowohl organisatorische wie auch Unix-spezifische Maßnahmen genannt. __________________________________________________________________________________________ 25 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung __________________________________________________________________________________________ 5.3 Tragbarer PC Ein tragbarer PC (Laptop) erfordert gegenüber dem normalen PC zusätzliche IT-Sicherheitsmaßnahmen, da er aufgrund der mobilen Nutzung anderen Gefährdungen ausgesetzt ist. Beispiele für zusätzliche Maßnahmen sind: geeignete Aufbewahrung im mobilen Einsatz und der Einsatz eines Verschlüsselungsproduktes. 5.4 PCs mit wechselnden Benutzern In diesem Baustein werden die Maßnahmen genannt, die beim Einsatz eines handelsüblichen PCs beachtet werden müssen, der standardmäßig von mehreren Benutzer betrieben wird. Beispiele sind: PC-Sicherheitsprodukt, Passwortschutz, Einsatz eines Viren-Suchprogramms, regelmäßige Datensicherung. 5.5 PC unter Windows NT In diesem Baustein werden Maßnahmen genannt, die für nicht vernetzte PCs mit dem Betriebssystem Windows NT (Version 3.51 oder 4.0) erforderlich sind. Auf sicherheitsspezifische Aspekte einzelner Windows NT-Anwendungen wird nur am Rande eingegangen. 5.6 PC mit Windows 95 Nicht vernetzte PCs mit dem Betriebssystem Windows 95 können als Stand-alone-Systeme bzw. als Clients in einem Netz für einen oder für mehrere Benutzer eingerichtet werden. Für beide Betriebsvarianten werden die erforderlichen Maßnahmen in diesem Baustein genannt. 5.99 Allgemeines nicht vernetztes IT-System Für die noch nicht im IT-Grundschutzhandbuch betrachteten IT-Systeme wie z. B. OS/2 kann der generische Baustein 5.99 angewendet werden. 6.1 Servergestütztes Netz In diesem Baustein werden die notwendigen Maßnahmen erläutert, die beim Betrieb eines servergestützten Netzes beachtet werden müssen. Diese Betrachtungen sind unabhängig von den Server- und Client-Betriebssystemen. Die bezüglich der Betriebsysteme zu ergreifenden Maßnahmen befinden sich in den spezifischen Bausteinen der Kapitel 5 und 6. 6.2 Unix-Server Es werden IT-Systeme betrachtet, die als Server Dienste in einem Netz anbieten und unter dem Betriebssystem Unix betrieben werden. Für diese IT-Umgebung werden Maßnahmen genannt, die IT-Sicherheit ermöglichen. Diese Maßnahmen sind Unix-spezifisch und müssen durch Kapitel 6.1 ergänzt werden. 6.3 Peer-to-Peer-Netz Beschrieben wird, wie ein Peer-to-Peer-Netz für den IT-Grundschutz ausreichend sicher betrieben werden kann. Themen sind die Konzeption eines solchen Netzes unter Sicherheitsgesichtspunkten, Administrationsmöglichkeiten und funktionelle Einschränkungen. Grundlagen bilden die Betriebssysteme Windows für Workgroups 3.11, Window 95 und Windows NT. 6.4 Windows NT Netz In diesem Baustein wird die Konzeption und der Betrieb eines sicheren Windows NT Netzes beschrieben. Hierbei handelt es sich überwiegend um Windows NT-spezifische Maßnahmen, die um die allgemeinen Maßnahmen aus Kapitel 6.1 ergänzt werden müssen. __________________________________________________________________________________________ 26 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung __________________________________________________________________________________________ 6.5 Novell Netware 3.x Gegenstand dieses Kapitels ist ein Novell 3.x Netz in einer Client-Server-Funktionalität. Damit ist dieses Kapitel die betriebssystemspezifische Ergänzung des Kapitels 6.1 "Servergestütztes Netz". Behandelt werden die Installation, die Einrichtung, der Betrieb und die Revision von Novell Netware Servern. 6.6 Novell Netware 4.x Gegenstand dieses Kapitels ist ein Novell 4.x Netz in einer Client-Server-Funktionalität. Damit ist dieses Kapitel die betriebssystemspezifische Ergänzung des Kapitels 6.1 "Servergestütztes Netz". Die erforderlichen Maßnahmen für die Bereiche Installation, Einrichtung und Betrieb eines Novell 4.x Netzes werden beschrieben. Hierbei wird insbesondere auch auf den Verzeichnisdienst NDS (Netware Directory Services) eingegangen. 6.7 Heterogene Netze Mit Hilfe des Bausteins wird die Analyse und Weiterentwicklung eines bestehenden bzw. die Planung eines neuen heterogenen Netzes ermöglicht. Für einen sicherer Betrieb des heterogenen Netzes wird u. a. aufgezeigt, wie eine geeignete Segmentierung des Netzes vorgenommen wird, wie ein Netzmanagement-System geplant und umgesetzt wird und wie ein Audit und die Revision des Netzes erfolgen kann. Daneben werden Aspekte wie die redundante Auslegung von Netzkomponenten und Sicherung von Konfigurationsdaten im Rahmen der Notfallplanung behandelt. 6.8 Netz- und Systemmanagement Mittels eines Managementsystems kann eine zentrale Verwaltung aller in einem lokalen Netz angesiedelten Hard- und Softwarekomponenten durchgeführt werden. Für den erfolgreichen Aufbau eines Netz- und Systemmanagementsystems werden in diesem Baustein die erforderlichen Schritte beschrieben, beginnend mit der Konzeption über die Beschaffung bis hin zum Betrieb. 7.1 Datenträgeraustausch Beschrieben werden die Maßnahmen, die bei einem Datenträgeraustausch beachtet werden sollten. Technische Maßnahmen wie Verschlüsselung werden ebenso betrachtet wie die richtige Auswahl der Versandart. Die Maßnahmen zielen insbesondere auf den Fall, dass der Datenträgeraustausch regelmäßig stattfindet. 7.2 Modem Dargestellt werden in diesem Baustein Maßnahmen, die im Zusammenhang mit dem Einsatz eines Modems zu beachten sind. Dies sind insbesondere Callback-Mechanismen und Verschlüsselung. Auch Hinweise zur Absicherung der Fernwartung über Modem werden gegeben. 7.3 Firewall Die Vernetzung vorhandener Teilnetze mit globalen Netzen wie dem Internet erfordert einen effektiven Schutz des eigenen Netzes. Um dies mit Hilfe einer Firewall zu gewährleisten, bedarf es der Formulierung von Sicherheitszielen, die schließlich durch eine korrekte Installation und Administrierung der Firewall umgesetzt werden. 7.4 E-Mail Für eine sichere E-Mail-Kommunikation werden hier die erforderlichen Maßnahmen sowohl auf Seiten des Mailservers als auch auf Seiten des Mailclients aufgeführt. Außerdem werden die von den Benutzern einzuhaltenden Sicherheitsbestimmungen vorgestellt. __________________________________________________________________________________________ 27 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung __________________________________________________________________________________________ 7.5 WWW-Server Ein WWW-Server ist ein IT-System, das über eine Informationsdatenbank WWW-Clients Dateien zur Verfügung stellt. Ein WWW-Client, auch Browser genannt, zeigt die Informationen eines WWW-Servers auf dem Benutzerrechner an. Die Sicherheit der WWW-Nutzung beruht auf der Sicherheit des WWW-Servers, des WWW-Clients und der Kommunikationsverbindung zwischen beiden. Die für eine sichere WWW-Nutzung erforderlichen Maßnahmen werden im Baustein WWW-Server beschrieben. 8.1 TK-Anlage In diesem Baustein wird eine ISDN-basierende Telekommunikationsanlage betrachtet. Sie ist in der heutigen Ausprägung als IT-System zu betrachten, bei deren Administration eine Reihe von Maßnahmen beachtet werden müssen, um den sicheren Betrieb der TK-Anlage zu gewährleisten. 8.2 Faxgerät Die Informationsübermittlung per stand-alone Faxgerät eröffnet ein neues Feld von Gefährdungen. Dargestellt werden daher die notwendigen Maßnahmen, mit denen für die Faxnutzung ein IT-Grundschutz realisiert werden kann. Dies sind zum Beispiel die Entsorgung von Fax-Verbrauchsgütern, die geeignete Aufstellung des Faxgerätes und die ggf. notwendigen Absprachen von Absender und Empfänger. 8.3 Anrufbeantworter Moderne Anrufbeantworter mit Fernabfragemöglichkeiten können als IT-Systeme aufgefasst werden, in denen Sprachinformationen gespeichert werden. Sie sind der Gefährdung ausgesetzt, dass die Fernabfrage missbraucht wird. Dargestellt werden IT-Grundschutz-Maßnahmen für Anrufbeantworter, auch speziell zu dieser Gefährdung. 8.4 LAN-Anbindung eines IT-Systems über ISDN Die Anbindung eines IT-Systems über eine ISDN-Adapterkarte mit S0-Schnittstelle an ein entfernt stehendes lokales Netz (LAN) wird in diesem Baustein betrachtet. Vorausgesetzt wird, dass innerhalb dieses LAN ein Router vorhanden ist, der über eine S2M-Schnittstelle mit dem öffentlichen Netz verbunden ist. 8.5 Faxserver In diesem Baustein werden für die Informationsübertragung per Fax als technische Basis ausschließlich Faxserver betrachtet. Ein Faxserver in diesem Sinne ist eine Applikation, die auf einem IT-System installiert ist und in einem Netz für andere IT-Systeme die Dienste Faxversand und/oder Faxempfang zur Verfügung stellt. 9.1 Standardsoftware Es wird eine Vorgehensweise beschrieben, wie der Lebenszyklus von Standardsoftware, d. h. Anforderungskatalog, Auswahl, Testen, Freigabe, Installation und Deinstallation, gestaltet werden kann. Insbesondere werden Aspekte wie Tests der Funktionalität und Sicherheitseigenschaften, Installationsanweisungen und Freigabeerklärung erläutert. 9.2 Datenbanken Die für die Auswahl einer Datenbank, deren Installation und Konfiguration sowie für den laufenden Betrieb erforderlichen Maßnahmen wie z. B. Erstellung eines Datenbankkonzeptes, Regelung zur Einrichtung von Datenbankbenutzern/-benutzergruppen oder Richtlinien für Datenbank-Anfragen werden in diesem Kapitel beschrieben. __________________________________________________________________________________________ 28 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung __________________________________________________________________________________________ 9.3 Telearbeit Die aus organisatorischer und personeller Sicht erforderlichen Regelungen für die Einrichtung von Telearbeitsplätzen werden in diesem Baustein beschreiben. Weiterhin werden die sicherheitstechnischen Anforderungen an die Telearbeit formuliert, die durch den Einsatz geeigneter IT-Komponenten realisiert werden müssen. Abbildung realer IT-Systeme Um nun ein reales IT-System durch diese Bausteine abzubilden, kann wie folgt vorgegangen werden. 1. Zunächst bestimmt man die übergeordneten Bausteine (Teil 1, Kapitel 3), die für jedes ITSystem anzuwenden sind. Hier sind insbesondere "Organisation" und "Personal" zu betrachten. Bei größeren IT-Systemen sind unter Anderem die Ausführungen zu "NotfallvorsorgeKonzept", "Datensicherungskonzept" und "Standardsoftware" zu beachten. 2. Anschließend werden die Bausteine der Infrastruktur (Teil 1, Kapitel 4) ausgewählt, die für den Betrieb des IT-Systems benötigt werden. Es sind insbesondere "Gebäude", "Verkabelung" und die eingesetzten Räume auszuwählen. 3. Zum Abschluss werden die Bausteine aus den verbliebenen Kapiteln des ersten Teils des Handbuchs ausgewählt, die dem technischen Anteil des IT-Systems am nächsten kommen. Hinweis: Viele der empfohlenen Maßnahmen lassen sich auch auf andere IT-Systeme übertragen, wenn sie nicht betriebssystemspezifisch festgelegt sind. An dieser Stelle gilt es insbesondere die passenden Kapitel für vorhandene Server und Clients auszuwählen. Abbildung einer vorhandenen IT-Anlage Falls anstelle von einzelnen IT-Systemen eine komplexe IT-Anlage betrachtet werden soll, wird die in Kapitel 2.4.3 beschriebene Vorgehensweise empfohlen. Beispiele: In den nachfolgenden Tabellen ist für einige IT-System aufgeführt, welche Bausteine für die Abbildung typischerweise genutzt werden können. Legende: X: zu beachten (X): zu beachten, falls im IT-System vorhanden X1: Ein Schutzschrank kann ggf. den Schutzraum ersetzen e: empfehlenswert __________________________________________________________________________________________ 29 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung __________________________________________________________________________________________ Stand-alone-Systeme / Clients IT-Systeme Baustein DOS-PC Ein User UnixSystem Tragbarer PC PC Multi-User Windows NT - PC Windows 95 - PC 3.1 Organisation X X X X X X 3.2 Personal X X X X X X 3.3 Notfallvorsorge-Konzept 3.4 Datensicherungskonzept e e e e e e 3.6 Computer-Virenschutzkonzept e e e e e 3.7 Kryptokonzept 3.8 Behandlung von Sicherheitsvorfällen 4.1 Gebäude X X X X X X 4.2 Verkabelung e e e e e e X X X X X X (X) (x) (X) (X) (X) (X) 4.3.1 Büroraum 4.3.2 Serverraum 4.3.3 Datenträgerarchiv (X) 4.3.4 Raum für technische Infrastruktur 4.4 Schutzschränke 4.5 Häuslicher Arbeitsplatz 5.1 DOS-PC (ein Benutzer) 5.2 Unix-System X (X) X X 5.3 Tragbarer PC 5.4 PCs mit wechselnden Benutzern (X) 5.5 PC unter Windows NT (X) 5.6 PC mit Windows 95 (X) 5.99 Allgemeines nicht vernetztes ITSystem 6.1 Servergestütztes Netz 6.2 Unix-Server 6.3 Peer-to-Peer-Netz 6.4 Windows NT Netz 6.5 Novell Netware 3.x 6.6 Novell Netware 4.x 6.7 Heterogene Netze 6.8 Netz- und Systemmanagement X X X 7.1 Datenträgeraustausch (X) (X) (X) (X) (X) (X) 7.2 Modem (X) (X) (X) (X) (X) (X) (X) (X) (X) (X) (X) (X) e e e e e e (X) (X) (X) (X) (X) (X) 7.3 Firewall 7.4 E-Mail 7.5 WWW-Server 8.1 TK-Anlage 8.2 Faxgerät 8.3 Anrufbeantworter 8.4 LAN-Anbindung eines ITSystems über ISDN 8.5 Faxserver 9.1 Standardsoftware 9.2 Datenbanken 9.3 Telearbeit __________________________________________________________________________________________ 30 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung __________________________________________________________________________________________ IT-Systeme Stand-alone-Systeme Stand-alone-Systeme / Clients / Clients Baustein Telearbeit X X Allgemeines nicht vernetztes IT-System X X 3.1 3.2 Organisation Personal 3.3 Notfallvorsorge-Konzept 3.4 Datensicherungskonzept e e 3.6 Computer-Virenschutzkonzept X e 3.7 Kryptokonzept e 3.8 4.1 Behandlung von Sicherheitsvorfällen Gebäude 4.2 Verkabelung X e X 4.3.1 Büroraum 4.3.2 Serverraum (X) 4.3.3 Datenträgerarchiv 4.3.4 Raum für technische Infrastruktur 4.4 Schutzschränke 4.5 Häuslicher Arbeitsplatz X 5.1 DOS-PC (ein Benutzer) (X) 5.2 Unix-System (X) 5.3 Tragbarer PC 5.4 5.5 PCs mit wechselnden Benutzern PC unter Windows NT (X) 5.6 PC mit Windows 95 (X) 5.99 Allgemeines nicht vernetztes ITSystem Servergestütztes Netz (X) X 6.1 6.2 Unix-Server 6.3 Peer-to-Peer-Netz 6.4 Windows NT Netz 6.5 Novell Netware 3.x 6.6 Novell Netware 4.x 6.7 Heterogene Netze 6.8 Netz- und Systemmanagement 7.1 Datenträgeraustausch (X) (X) 7.2 Modem (X) (X) 7.3 Firewall 7.4 E-Mail (X) (X) 7.5 WWW-Server 8.1 TK-Anlage 8.2 Faxgerät (X) 8.3 Anrufbeantworter (X) 8.4 LAN-Anbindung eines ITSystems über ISDN 8.5 Faxserver 9.1 Standardsoftware 9.2 Datenbanken 9.3 Telearbeit X e e (X) (X) X __________________________________________________________________________________________ 31 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung __________________________________________________________________________________________ IT-System Baustein Server / Netze Unix-Netz X X Peer-to-Peer- Windows NT Netz unter Netz Netz Novell Netware 3.x X X X X X X Netz unter Novell Netware 4.x X X 3.1 3.2 Organisation Personal 3.3 Notfallvorsorge-Konzept e e e e 3.4 Datensicherungskonzept X e X X X 3.6 Computer-Virenschutzkonzept e X X X X 3.7 Kryptokonzept e e e e e 3.8 e e e e e 4.1 Behandlung von Sicherheitsvorfällen Gebäude X X X X X 4.2 Verkabelung X X X X X 4.3.1 Büroraum X X X 4.3.3 Datenträgerarchiv (X) (X) (X) (X) (X) 4.3.4 Raum für technische Infrastruktur 4.4 Schutzschränke X1 X1 X1 X1 X1 X X X (X) (X) (X) 4.3.2 Serverraum X 4.5 Häuslicher Arbeitsplatz 5.1 DOS-PC (ein Benutzer) 5.2 Unix-System 5.3 Tragbarer PC 5.4 5.5 PCs mit wechselnden Benutzern PC unter Windows NT 5.6 PC mit Windows 95 5.99 6.1 Allgemeines nicht vernetztes ITSystem Servergestütztes Netz X 6.2 Unix-Server X 6.3 Peer-to-Peer-Netz X X 6.4 Windows NT Netz 6.5 Novell Netware 3.x 6.6 Novell Netware 4.x 6.7 Heterogene Netze (X) (X) (X) (X) (X) 6.8 Netz- und Systemmanagement (X) (X) (X) (X) (X) 7.1 Datenträgeraustausch (X) (X) (X) (X) (X) 7.2 Modem (X) (X) (X) (X) (X) 7.3 Firewall (X) (X) (X) (X) (X) 7.4 E-Mail (X) (X) (X) (X) (X) 7.5 WWW-Server (X) (X) (X) (X) (X) 8.1 TK-Anlage (X) (X) (X) (X) (X) 8.2 Faxgerät 8.3 Anrufbeantworter 8.4 LAN-Anbindung eines ITSystems über ISDN 8.5 Faxserver 9.1 Standardsoftware 9.2 Datenbanken 9.3 Telearbeit X X e e e e e (X) (X) (X) (X) (X) __________________________________________________________________________________________ 32 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Hinweise und Hilfen für die praktische Umsetzung __________________________________________________________________________________________ IT-System Baustein Kommunikationssysteme Firewall TK-Anlage Faxgerät Anrufbeantworter 3.1 3.2 Organisation Personal X X X X 3.3 Notfallvorsorge-Konzept e e 3.4 Datensicherungskonzept X X 3.6 Computer-Virenschutzkonzept e 3.7 Kryptokonzept X 3.8 e e 4.1 Behandlung von Sicherheitsvorfällen Gebäude X X X X 4.2 Verkabelung X X e X 4.3.3 Datenträgerarchiv 4.3.4 Raum für technische Infrastruktur 4.4 Schutzschränke 4.5 Häuslicher Arbeitsplatz 5.1 DOS-PC (ein Benutzer) 5.2 Unix-System 5.3 Tragbarer PC 5.4 5.5 PCs mit wechselnden Benutzern PC unter Windows NT X X e e X 4.3.1 Büroraum 4.3.2 Serverraum X X Faxserver X X X (X) (X) (X) X1 X X1 X1 (X) 5.6 PC mit Windows 95 5.99 6.1 Allgemeines nicht vernetztes ITSystem Servergestütztes Netz 6.2 Unix-Server 6.3 Peer-to-Peer-Netz 6.4 Windows NT Netz (X) 6.5 Novell Netware 3.x (X) 6.6 Novell Netware 4.x (X) X X (X) 6.7 Heterogene Netze (X) 6.8 Netz- und Systemmanagement (X) 7.1 Datenträgeraustausch (X) (X) 7.2 Modem (X) (X) 7.3 Firewall X 7.4 E-Mail 7.5 WWW-Server 8.1 TK-Anlage 8.2 Faxgerät 8.3 Anrufbeantworter 8.4 LAN-Anbindung eines ITSystems über ISDN 8.5 Faxserver 9.1 Standardsoftware 9.2 Datenbanken 9.3 Telearbeit (X) (X) (X) X X (X) X (X) X X e e __________________________________________________________________________________________ 33 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz __________________________________________________________________________________________ 2.4.3 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz Durch einen Vergleich des im IT-Grundschutzhandbuch dargestellten Soll-Zustands mit dem IstZustand einer bestehenden IT-Anlage kann das IT-Sicherheitsniveau dieser IT-Anlage geprüft bzw. bewertet werden. Weiterhin werden Möglichkeiten zur Verbesserung und zur Vervollständigung der IT-Sicherheit aufgezeigt. Diese ergeben sich durch die Empfehlungen, die in den nicht oder nur teilweise umgesetzten Maßnahmen enthalten sind. Unter einer IT-Anlage ist dabei die Gesamtheit von technischen Komponenten zu verstehen, die der Aufgabenerfüllung im Bereich der Informationsverarbeitung dienen. Dies umfasst beispielsweise einzelne IT-Systeme, wie Server- und ClientComputer, aktive Netzkomponenten und Software. Um das IT-Grundschutzhandbuch auf eine IT-Anlage anwenden zu können, ist es erforderlich, die Verknüpfung zwischen den relevanten Bausteinen des IT-Grundschutzhandbuchs und den Komponenten des vorliegenden Gesamtsystems herzustellen. Dies geschieht, indem die IT-Anlage, die sich in der Regel aus mehreren IT-Netzen und vielen IT-Systemen zusammensetzt, mit Hilfe der Bausteine des IT-Grundschutzhandbuchs nachgebildet ("modelliert") wird. Es ist zweckmäßig, dabei in sechs Schritten vorzugehen, die im Folgenden beschrieben werden. Die in diesem Abschnitt aufgeführte Tabelle (siehe unten) stellt eine Übersicht dar, welche Bausteine in den einzelnen Schritten für die Modellierung herangezogen werden sollten. Eine kurze Beschreibung, welche Sicherheitsaspekte in den einzelnen Bausteinen behandelt werden, findet sich in Abschnitt 2.4.2. Auf diese Kurzbeschreibungen kann bei der Nachbildung der IT-Anlage zurückgegriffen werden. Im Folgenden wird für jeden Schritt der Nachbildung kurz eine geeignete Vorgehensweise beschrieben. Das hier vorgestellte Verfahren ist darauf ausgerichtet, den Arbeitsaufwand zu minimieren und möglichst wenig Redundanzen zu erzeugen. Schritt 1: Übergeordnete Aspekte der IT-Sicherheit Im ersten Schritt werden alle Aspekte des Gesamtsystems modelliert, die den technischen Komponenten der IT-Anlage übergeordnet sind. Im Vordergrund stehen dabei Konzepte und die von diesen Konzepten abgeleiteten Regelungen. Diese Aspekte sollten für die gesamte IT-Anlage einheitlich geregelt sein, so dass die entsprechenden Bausteine nur einmal für die gesamte IT-Anlage anzuwenden sind. Abhängig von der Struktur des Gesamtsystems kann es jedoch in bestimmten Fällen zweckmäßig sein, Bausteine aus dem Bereich Übergeordnete Aspekte mehrfach anzuwenden. Wenn beispielsweise Teile der vorliegenden IT-Anlage einer anderen Organisation(seinheit) zugeordnet sind und daher anderen Rahmenbedingungen unterliegen, sollte der Baustein 3.1 Organisation und der Baustein 3.2 Personal für jede Organisation(seinheit) getrennt herangezogen werden. Dies sollte auch dann gemacht werden, wenn Teile der IT-Anlage im Outsourcing betrieben werden. Denkbar ist auch, dass für bestimmte Teile der IT-Anlage - beispielsweise aufgrund von speziellen Sicherheitsanforderungen - Sonderregelungen in Kraft sind, die unabhängig von den allgemeinen Regelungen fortgeschrieben werden. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, einzelne Bausteine aus Kapitel 3 einmal organisationsweit und einmal auf die Sonderregelungen anzuwenden. Schritt 2: Sicherheit der Infrastruktur Die für die vorliegende IT-Anlage relevanten baulichen Gegebenheiten werden mit Hilfe der Bausteine aus Kapitel 4 Infrastruktur modelliert. Jeder Komponente wird dabei der entsprechende Baustein aus dem IT-Grundschutzhandbuch zugeordnet. Der Baustein 4.2 Verkabelung sollte in der Regel einmal pro Gebäude herangezogen werden. Falls bestimmte Bereiche - beispielsweise Serverraum oder Leitstand - in Bezug auf die Verkabelung Besonderheiten aufweisen, kann es jedoch zweckmäßig sein, den Baustein 4.2 an diesen Stellen gesondert anzuwenden. __________________________________________________________________________________________ 34 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz __________________________________________________________________________________________ Es ergibt sich in der Regel das Problem, dass eine große Anzahl nahezu identischer Räume (z. B. Büroräume) oder Schutzschränke nachzubilden ist. Dabei ist es weder praktikabel noch notwendig, jede einzelne Komponente zu betrachten. Vielmehr sollten die Räume, Schränke, etc. geeignet in Klassen aufgeteilt werden, die jeweils möglichst gleichartige Komponenten enthalten. Anschließend werden aus jeder dieser Klassen stichprobenartig Komponenten ausgewählt, die dann stellvertretend für die gesamte Klasse betrachtet werden. Schritt 3: Sicherheit der IT-Systeme Sicherheitsaspekte, die sich auf IT-Systeme, d. h. auf Server- und Client-Computer, Hosts, Terminals, etc. beziehen, werden in diesem Schritt abgedeckt. Hierzu werden in der Regel Bausteine aus den Kapiteln 5 und 6 herangezogen. Für Stand-alone-Systeme und Client-Computer muss üblicherweise nur der jeweilige systemspezifische Baustein, z. B. Baustein 5.6 PC mit Windows 95, betrachtet werden. Für Server-Computer dagegen ist zusätzlich zum systemspezifischen Baustein immer auch der Baustein 6.1 Servergestütztes Netz heranzuziehen. Der Baustein 5.99 Allgemeines nicht vernetztes IT-System kann für IT-Systeme herangezogen werden, für die kein systemspezifischer Baustein im IT-Grundschutzhandbuch enthalten ist. Falls das betreffende IT-System Dienste im Netz zur Verfügung stellt, wird zusätzlich die Anwendung von Baustein 6.1 empfohlen. Insbesondere bei den Client-Computern wird in der Regel eine große Anzahl nahezu identischer ITSysteme vorhanden sein, die auch einheitlich administriert werden. Hier sollten - analog zu der in Schritt 2 beschriebenen Vorgehensweise - die IT-Systeme in Klassen zusammengefasst werden. Dabei enthält jede Klasse möglichst gleichartig aufgebaute und konfigurierte IT-Systeme. Aus jeder dieser Klassen werden danach einige der darin enthaltenen IT-Systeme als Stichproben ausgewählt und durch den bzw. die entsprechenden Bausteine des IT-Grundschutzhandbuchs nachgebildet. Dieselbe Vorgehensweise kann auch bei mehreren, gleich konfigurierten Servern angewandt werden. Enthält eine Klasse nur wenige IT-Systeme, so reicht es aus, ein einzelnes IT-System als Stellvertreter zu betrachten. Die Frage, inwieweit die Komponenten im Detail übereinstimmen müssen, damit sie in dieselbe Klasse eingeordnet werden können, lässt sich streng genommen erst dann beantworten, wenn alle relevanten Maßnahmen des IT-Grundschutzhandbuchs im Hinblick auf die Unterschiede geprüft wurden. Als Faustregel gilt jedoch, dass qualitative Unterschiede (z. B. Computer hat CD-ROMLaufwerk / hat kein CD-ROM-Laufwerk) in der Regel eine höhere Sicherheitsrelevanz haben als quantitative Unterschiede (z. B. Computer hat 64 MB statt 32 MB Hauptspeicher). Schritt 4: Sicherheit im Netz In diesem Schritt werden Sicherheitsaspekte im Netz behandelt, die nicht an bestimmten IT-Systemen (z. B. Servern) im Netz festgemacht werden können. Vielmehr geht es um Sicherheitsaspekte, die sich auf die Netzverbindungen und die Kommunikation zwischen den IT-Systemen beziehen. Die konkrete Modellierung ist in der Praxis oft schwieriger als in Schritt 3, da sicherheitsrelevante Komponenten leicht übersehen werden können. Es wird empfohlen, anhand eines Netztopologie-Plans der Behörde bzw. des Unternehmens vorzugehen. Dieser sollte eine graphische Übersicht über die Struktur des Gesamtnetzes aus der Sicht der Schicht 2 und/oder Schicht 3 des ISO/OSI-Modells enthalten (Informationen zum ISO/OSI-Modell finden sich in Maßnahme M 5.13 Geeigneter Einsatz von Elementen zur Netzkopplung). Im Netztopologie-Plan sollten außerdem alle Schnittstellen des Gesamtnetzes nach außen und alle Weitverkehrsverbindungen eingezeichnet sein. Um die Komplexität zu verringern, ist es sinnvoll, bei der Untersuchung statt des Gesamtnetzes Teilbereiche jeweils einzeln zu betrachten. Bei der Aufteilung in Teilnetze sind folgende Anforderungen zu berücksichtigen: __________________________________________________________________________________________ 35 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz __________________________________________________________________________________________ - Jedes einzelne Teilnetz sollte im Hinblick auf Netztechnik, Protokolle, Dienste und IT-Systemtypen möglichst homogen sein. Dies ermöglicht eine geschlossene Untersuchung der Sicherheitsaspekte innerhalb der Teilnetze. - Es sollten möglichst wenig verschiedene Kommunikationsarten zwischen den Teilnetzen zum Einsatz kommen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Untersuchungsumfang innerhalb der Teilnetze zwar minimiert wird, dies aber durch einen erhöhten Untersuchungsaufwand bei der Betrachtung der Kommunikationsbeziehungen zwischen den Teilnetzen überkompensiert wird. - Komponenten, die nur über eine Weitverkehrsverbindung miteinander verbunden sind, sollten nicht demselben Teilnetz zugeordnet werden, d. h. Teilnetze sollten sich nicht über mehrere Standorte oder Liegenschaften erstrecken. Dies ist sowohl aus Gründen der Übersichtlichkeit als auch im Hinblick auf eine effiziente Projektdurchführung wünschenswert. In der Praxis werden diese Anforderungen nur selten vollständig miteinander vereinbar sein. So können z. B. auf den einzelnen Schichten des ISO/OSI-Modells durchaus unterschiedliche Aufteilungen von Netzen sinnvoll sein. Die Aufteilung auf den unteren Schichten ist in der Regel durch die Anordnung der aktiven Netzkoppelelemente vorgegeben. Auf der Anwendungsschicht dagegen muss berücksichtigt werden, welche Clients mit welchen Servern kommunizieren. Es ist nicht möglich, eine grundsätzliche Empfehlung darüber zu geben, welche Aufteilung in Teilnetze zu bevorzugen ist, falls die oben angegebenen Anforderungen bei der vorliegenden IT-Anlage grundsätzlich nicht vereinbar sind. Stattdessen sollte im Einzelfall entschieden werden, welche Aufteilung des Gesamtnetzes im Hinblick auf die anzuwendenden Bausteine des ITGrundschutzhandbuchs am praktikabelsten ist. Neben der Struktur der Teilnetze sind die Schnittstellen des Gesamtnetzes nach außen besonders sicherheitsrelevant. Dieser Bereich umfasst sowohl Anbindungen an öffentliche Netze (z. B. Internet, Telekommunikationsnetz) als auch Weitverkehrsverbindungen zwischen verschiedenen Standorten oder Liegenschaften (z. B. Standleitungen). Insgesamt sind in Schritt 4 folgende Bereiche mit den Bausteinen des IT-Grundschutzhandbuchs nachzubilden: - Die nach dem o. a. Verfahren identifizierten Teilnetze der IT-Anlage. Relevant für die Modellierung ist beispielsweise der Baustein 6.3 Peer-to-Peer-Netz. - Die Kommunikationsbeziehungen zwischen den Teilnetzen. Hier sind beispielsweise der Baustein 6.7 Heterogene Netze und der Baustein 6.8 Netz- und Systemmanagement zu betrachten. - Die Schnittstellen des Gesamtnetzes nach außen. Für diesen Bereich sind z. B. der Baustein 7.3 Firewall und der Baustein 7.5 WWW-Server relevant. Schritt 5: Sicherheit in Anwendungen Den vorletzten Schritt in der Modellierung einer IT-Anlage stellt die Nachbildung der Anwendungen dar. Moderne Anwendungen beschränken sich nur selten auf ein einzelnes IT-System. Insbesondere behörden- bzw. unternehmensweite Kernanwendungen sind in der Regel als Client-Server-Applikation realisiert. In vielen Fällen greifen Server selbst wieder auf andere, nachgeschaltete Server, z. B. Datenbank-Systeme, zu. Die Nachbildung der Anwendungen muss daher unabhängig von den ITSystemen und Netzen erfolgen. Hierbei sind insbesondere die Bausteine 9.1 Standardsoftware und 9.2 Datenbanken des IT-Grundschutzhandbuchs heranzuziehen. __________________________________________________________________________________________ 36 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz __________________________________________________________________________________________ Bei fehlender Vernetzung oder auch aus Gründen der IT-Sicherheit werden die von den Anwendungen verarbeiteten Daten oftmals mit Hilfe von Datenträgeraustausch transportiert. Die Modalitäten richten sich dabei in der Regel nach den Anwendungen auf Seiten des Absenders und Empfängers. Entsprechend sollte der Baustein 7.1 herangezogen werden, wenn eine Anwendung als Datenquelle für einen Datenträgeraustausch dient oder auf diesem Weg eingegangene Daten weiterverarbeitet. Schritt 6: Prüfung auf Vollständigkeit Im letzten Schritt sollte überprüft werden, ob die Modellierung des Gesamtsystems vollständig ist und keine Lücken aufweist. Es wird empfohlen, hierzu erneut den Netztopologieplan oder eine vergleichbare Übersicht über die IT-Anlage heranzuziehen und die einzelnen Komponenten systematisch durchzugehen. Jede Komponente sollte entweder in eine Klasse eingruppiert oder einzeln modelliert worden sein. Wichtig ist, dass nicht nur alle Hard- und Software-Komponenten in technischer Hinsicht nachgebildet sind, sondern dass auch die zugehörigen organisatorischen, personellen und infrastrukturellen Aspekte vollständig abgedeckt sind. Falls das Gesamtsystem in den vorangegangenen Schritten in Teilsysteme aufgeteilt wurde (z. B. in Schritt 1 Aufteilung aufgrund unterschiedlicher organisatorischer Zuständigkeiten, in Schritt 4 Aufteilung in verschiedene Teilnetze, etc.), sollte geprüft werden, ob - jedes Teilsystem vollständig nachgebildet wurde und - durch die Summe aller Teilsysteme das Gesamtsystem vollständig dargestellt wird. Falls sich bei der Überprüfung Lücken in der Modellierung zeigen, sind die entsprechenden fehlenden Bausteine hinzuzufügen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass wichtige Bestandteile des Gesamtsystems bei der Anwendung des IT-Grundschutzhandbuchs nicht berücksichtigt werden, weil sie in der Nachbildung nicht enthalten sind. Die folgende Tabelle enthält eine Zusammenfassung, in welchem Schritt der zuvor beschriebenen Vorgehensweise die einzelnen Bausteine des IT-Grundschutzhandbuchs für die Modellierung einer bestehenden IT-Anlage herangezogen werden sollten. Legende: X: Der Baustein sollte in der Regel in dem im Spaltenkopf genannten Schritt der Vorgehensweise für die Nachbildung einer IT-Anlage berücksichtigt werden. #: Neben den technischen IT-Sicherheitsaspekten werden in diesem Baustein übergeordnete Gesichtspunkte behandelt, die behörden- bzw. unternehmensweit geregelt sein sollten. __________________________________________________________________________________________ 37 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz __________________________________________________________________________________________ Baustein Schritt 1: Übergeordnete Aspekte 3.1 3.2 3.3 3.4 3.6 3.7 3.8 Organisation Personal Notfallvorsorge-Konzept Datensicherungskonzept Computer-Virenschutzkonzept Kryptokonzept Behandlung von Sicherheitsvorfällen 4.1 Gebäude 4.2 Verkabelung 4.3.1 Büroraum 4.3.2 Serverraum 4.3.3 Datenträgerarchiv 4.3.4 4.4 4.5 5.1 5.2 5.3 Raum für technische Infrastruktur Schutzschränke Häuslicher Arbeitsplatz DOS-PC (ein Benutzer) Unix-System Tragbarer PC 5.4 5.5 5.6 5.99 PCs mit wechselnden Benutzern PC unter Windows NT PC mit Windows 95 Allgemeines nicht vernetztes ITSystem Servergestütztes Netz Unix-Server Peer-to-Peer-Netz Windows NT Netz Novell Netware 3.x Novell Netware 4.x Heterogene Netze Netz- und Systemmanagement Datenträgeraustausch Modem Firewall E-Mail WWW-Server TK-Anlage 6.1 6.2 6.3 6.4 6.5 6.6 6.7 6.8 7.1 7.2 7.3 7.4 7.5 8.1 8.2 Faxgerät Schritt 2: Sicherheit der Infrastruktur Schritt 3: Sicherheit der IT-Systeme Schritt 4: Sicherheit im Netz Schritt 5: Sicherheit in Anwendungen X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X X # # # # # X X X X X X X # 8.3 Anrufbeantworter X 8.4 LAN-Anbindung eines ITSystems über ISDN X 8.5 Faxserver 9.1 Standardsoftware X 9.2 Datenbanken X 9.3 Telearbeit # X X __________________________________________________________________________________________ 38 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz __________________________________________________________________________________________ Beispiel: Bundesamt für Organisation und Verwaltung (BOV) Im Folgenden wird anhand einer fiktiven Behörde, dem BOV, beispielhaft beschrieben, wie eine ITAnlage mit Hilfe der Bausteine des IT-Grundschutzhandbuchs modelliert werden kann. Ausgangspunkt ist der folgende Übersichtsplan, der grob die Netztopologie des BOV darstellt. P rim ä rer D o m ä ne n-C on trolle r E xch a ng e-S erve r (W in d ow s N T ) (W in d ow s N T ) F ile-S erver (N o ve ll N etw a re ) K o m m u nikatio nsS e rve r (U n ix) B a cku p D o m ä ne n-C on trolle r (W in d ow s N T ) Intern e t R o ute r S w itch IP IP S w itch F ire w a ll R o ute r S tan d leitu n g R o ute r S w itch S e rve r fü r P e rso n alve rw a ltu ng (W in d ow s N T ) 1 5 C lie nt-C o m pu ter (W in d ow s N T ) 7 5 C lie nt-C o m pu ter (W in d ow s N T ) L ie ge n sch a ft B o n n 4 0 C lie nt-C o m pu ter (W in d ow s N T ) L ie ge n sch a ft B e rlin Das BOV ist eine Behörde mit 150 Mitarbeitern, von denen 130 an Bildschirmarbeitsplätzen arbeiten. Räumlich besteht eine Aufteilung des Bundesamts in die Hauptstelle Bonn und eine Außenstelle in Berlin, wo unter anderem die Teilaufgaben Grundsatz, Normung und Koordinierung wahrgenommen werden. Von den insgesamt 130 Mitarbeitern mit IT-gestützten Arbeitsplätzen sind 90 in Bonn und 40 in Berlin tätig. Um die Dienstaufgaben leisten zu können, sind alle Arbeitsplätze vernetzt worden. Die Außenstelle Berlin ist über eine angemietete Standleitung angebunden. Alle zu Grunde liegenden Normen und Vorschriften sowie Formulare und Textbausteine sind ständig für jeden Mitarbeiter abrufbar. Alle relevanten Arbeitsergebnisse werden in eine zentrale Datenbank eingestellt. Entwürfe werden ausschließlich elektronisch erstellt, weitergeleitet und unterschrieben. Zur Realisierung und Betreuung aller benötigten Funktionalitäten ist in Bonn ein IT-Referat installiert worden. Schritt 1: Übergeordnete Aspekte der IT-Sicherheit Das BOV setzt sich aus zwei Organisationseinheiten zusammen, die den beiden Liegenschaften Berlin und Bonn zugeordnet sind. Der Baustein 3.1 Organisation wird daher für jede dieser beiden Liegenschaften einmal angewandt. Für das gesamte Bundesamt ist jedoch nur ein Personalreferat zuständig, so dass der entsprechende Baustein 3.2 Personal einmal herangezogen wird. Der gesamte Datenbestand des BOV wird zentral an einem Fileserver (Novell Netware) gesichert. Aus datenschutzrechtlichen Gründen gibt es jedoch eine Ausnahme: Die Personaldaten, die auf einem eigenen Server verarbeitet werden, werden dort lokal gesichert. Die Regelungen für die zentrale Datensicherung und für die Sicherung der Personaldaten werden in verschiedenen Dokumenten gepflegt. Die Lagerung und Archivierung der entsprechenden Datenträger erfolgt separat. Obwohl __________________________________________________________________________________________ 39 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz __________________________________________________________________________________________ grundsätzlich darauf hingewirkt werden sollte, dass ein einheitliches Datensicherungskonzept für das gesamte Bundesamt erstellt wird, wird der Baustein 3.4 Datensicherungskonzept im vorliegenden Fall zweimal angewandt, einmal für die Datensicherung am Fileserver und einmal für die Datensicherung am Server für die Personalverwaltung. Hierdurch wird den bestehenden getrennten Regelungen im BOV Rechnung getragen. Für die Bereiche Notfallvorsorge, Computer-Virenschutzkonzept und Behandlung von Sicherheitsvorfällen bestehen jeweils einheitliche, organisationsweite Regelungen. Diese Aspekte werden daher durch je einen der Bausteine 3.3, 3.6 und 3.8 modelliert. An zwei Stellen innerhalb der Behörde kommt Verschlüsselung zum Einsatz. Zum einen werden die Vertraulichkeit und Integrität der auf der Weitverkehrsverbindung übertragenen Daten durch die eingebaute Verschlüsselungsfunktion der beiden WAN-Router geschützt. Außerdem wird der gesamte Netzverkehr im Subnetz des Servers für die Personalverwaltung und der 15 Client-Computer verschlüsselt. Hierdurch wird verhindert, dass Unbefugte durch Mitlesen des Netzverkehrs Personaldaten einsehen können. Der Einsatz der Verschlüsselung wird durch ein behördenweites Kryptokonzept geregelt, Baustein 3.7 wird daher einmal angewandt. Insgesamt ergibt sich für den Bereich Übergeordnete Aspekte folgende Zuordnung von Bausteinen zu Komponenten: 3.1 3.2 3.3 3.4 3.6 3.7 3.8 Organisation - Liegenschaft (Organisationseinheit) Berlin - Liegenschaft (Organisationseinheit) Bonn Personal - gesamtes Bundesamt Notfallvorsorge-Konzept - gesamtes Bundesamt Datensicherungskonzept - Datensicherung am Fileserver - Datensicherung am Server für die Personalverwaltung Computer-Virenschutzkonzept - gesamtes Bundesamt Kryptokonzept - gesamtes Bundesamt Behandlung von Sicherheitsvorfällen - gesamtes Bundesamt Schritt 2: Sicherheit der Infrastruktur Auf jeder der beiden Liegenschaften befindet sich ein Gebäude, das sich im Bundesbesitz befindet. Daher sind die Bausteine aus dem Bereich Sicherheit der Infrastruktur zunächst grundsätzlich einzeln auf die beiden Liegenschaften anzuwenden. Dies gilt insbesondere für die Bausteine 4.1 Gebäude und 4.2 Verkabelung. Beim Baustein 4.2 ist zusätzlich die elektrotechnische Verkabelung von der datentechnischen Verkabelung zu unterscheiden. (Die datentechnische Verkabelung ist erst nachträglich in den Gebäuden erfolgt, daher existiert kein einheitliches Konzept für diese beiden Komponenten.) Insgesamt wird der Baustein 4.2 also viermal herangezogen. Aufgrund von organisationsweiten Regelungen im Hinblick auf Beschaffung und Arbeitsergonomie sind die Büroräume in Berlin und Bonn einheitlich ausgestaltet. Alle Büroräume werden daher zu einer einheitlichen Klasse zusammengefasst, aus der drei Räume als Stichproben ausgewählt werden. Auf diese drei Stichproben wird jeweils der Baustein 4.3.1 angewandt. __________________________________________________________________________________________ 40 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz __________________________________________________________________________________________ Die zentrale Datenverarbeitung im BOV erfolgt in Bonn. Hierfür existiert ein Serverraum, der auch das Datenträgerarchiv beinhaltet. Baustein 4.3.2 und 4.3.3 werden also jeweils einmal für die Liegenschaft Bonn herangezogen. 4.1 Gebäude - Gebäude der Liegenschaft Berlin - Gebäude der Liegenschaft Bonn 4.2Verkabelung - Liegenschaft Berlin, Elektroverkabelung - Liegenschaft Berlin, Datenverkabelung - Liegenschaft Bonn, Elektroverkabelung - Liegenschaft Bonn, Datenverkabelung 4.3.1 Büroraum - Stichprobe 1 aus der Klasse der Büroräume - Stichprobe 2 aus der Klasse der Büroräume - Stichprobe 3 aus der Klasse der Büroräume 4.3.2 Serverraum - Serverraum in der Liegenschaft Bonn 4.3.3 Datenträgerarchiv - Datenträgerarchiv in der Liegenschaft Bonn Schritt 3: Sicherheit der IT-Systeme In der Liegenschaft Bonn befindet sich ein Kommunikations-Server (Unix), der u. a. für die IntranetFunktionalität innerhalb des Bundesamtes genutzt wird. Dieser Server wird modelliert durch die Bausteine 6.1 Servergestütztes Netz und 6.2 Unix-Server. Weiterhin sind insgesamt drei Server mit dem Betriebssystem Windows NT vorhanden, die nahezu gleich konfiguriert sind. Dies sind: Ein Primärer Domänen-Controller, ein Exchange-Server (beide in Bonn) und ein Backup Domänen-Controller in der Liegenschaft Berlin. Diese Server unterliegen auch einem einheitlichen Administrationskonzept, sie können daher zu einer Klasse zusammengefasst werden. Diese Klasse wird modelliert durch die Bausteine 6.1 Servergestütztes Netz und 6.4 Windows NT Netz. Weiterhin existiert ein Server unter Windows NT, der ausschließlich für die Datenhaltung der Personalverwaltung genutzt wird. Für diesen Server gibt es ein besonderes Administrationskonzept im Hinblick auf den hohen Schutzbedarf der Grundwerte Vertraulichkeit und Integrität. Die Modellierung erfolgt daher getrennt von den drei vorgenannten Servern, jedoch ebenfalls mit Hilfe der Bausteine 6.1 und 6.4. Speziell für die Bereitstellung von häufig genutzten Dateien wird ein Fileserver unter Novell Netware 4.11 betrieben. Hierfür werden die Bausteine 6.1 und 6.6 Novell Netware 4.x jeweils einmal herangezogen. Alle 130 Client-Computer werden unter dem Betriebssystem Windows NT Workstation 4.0 betrieben und einheitlich installiert und konfiguriert. Hierfür kommt ein Systemmanagement-Tool zum Einsatz, das von Bonn aus gesteuert wird. Alle 130 Client-Computer werden daher in einer einzigen Klasse zusammengefasst, aus der vier Stichproben ausgewählt werden. Die Modellierung erfolgt durch den Baustein 5.5 PC unter Windows NT. Aus Gründen der Übersichtlichkeit ist die folgende Zusammenfassung nach IT-Systemen sortiert, abweichend von der Darstellung in den anderen Schritten der Modellierung. __________________________________________________________________________________________ 41 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz __________________________________________________________________________________________ Stichproben 1 bis 4 aus der Klasse der 130 Client-Computer - Baustein 5.5 PC unter Windows NT Kommunikations-Server (Unix) - Baustein 6.1 Servergestütztes Netz - Baustein 6.2 Unix-Server Klasse (Primärer Domänen-Controller, Exchange-Server, Backup Domänen-Controller) - Baustein 6.1 Servergestütztes Netz - Baustein 6.4 Windows NT Netz Server für Personalverwaltung - Baustein 6.1 Servergestütztes Netz - Baustein 6.4 Windows NT Netz Fileserver - Baustein 6.1 Servergestütztes Netz - Baustein 6.6 Novell Netware 4.x Schritt 4: Sicherheit im Netz In beiden Liegenschaften liegt eine heterogene Netzlandschaft vor, z. B. existieren unterschiedliche Netzkoppelelemente und LAN-Protokolle. Da der Anwendungsbereich eines Bausteins im Bereich Sicherheit im Netz keine WAN-Verbindungen umfassen sollte, wird der Baustein 6.7 Heterogene Netze jeweils einmal für die beiden Liegenschaften herangezogen. Aus Sicherheitsgründen sieht die Gesamtkonzeption keine Peer-to-Peer-Funktionalitäten im Netz vor. Der entsprechende Baustein des IT-Grundschutzhandbuchs kommt daher nicht zur Anwendung. Für die Installation und Konfiguration der Client-Computer wird ein Systemmanagement-Tool eingesetzt, das auf dem Exchange-Server in Bonn betrieben wird. Für alle Client-Computer ist die gleiche Konfiguration vorgesehen. Es ist deshalb ausreichend, das behördenweite Systemmanagement durch eine Anwendung des Bausteins 6.8 Netz- und Systemmanagement auf das in Bonn installierte Tool zu modellieren. Die Anbindung der Liegenschaft Bonn an das Internet erfolgt über eine Firewall. Diese Anbindung wird nicht für den Internet-Auftritt genutzt, sondern dient lediglich dazu, dass die Client-Computer in Bonn Informationen aus dem Internet abrufen und E-Mail versenden können. Hinter der Firewall befindet sich ein Router, der vom Internet Service Provider (ISP) zur Verfügung gestellt und administriert wird. Das BOV hat keine Administratorrechte auf diesem Router. Die Firewall wird modelliert durch den entsprechenden Baustein 7.3. Da der Internet-Router nicht vom BOV administriert wird, wird von einer Modellierung abgesehen. Nichtsdestotrotz ist der Provider vertraglich zum sicheren Betrieb der Internet-Anbindung zu verpflichten. Es sollten Nachweise über die Durchführung geeigneter IT-Sicherheitsmaßnahmen verlangt werden. Die WAN-Verbindung der Liegenschaften Berlin und Bonn ist durch die Server-Server- und ServerClient-Kommunikation ausgelastet. Eine Anbindung der Client-Computer in Berlin an das Internet über diese WAN-Verbindung kann daher im Hinblick auf die Verfügbarkeit der übrigen Netzdienste nicht erfolgen. Insbesondere sind nur die Benutzer in der Liegenschaft Bonn in der Lage, E-Mails zu empfangen und zu versenden. Entsprechend wird der Baustein 7.4 E-Mail einmal für die gesamte Liegenschaft Bonn angewandt. Auf dem Kommunikations-Server in Bonn ist ein WWW-Dienst installiert, der Webseiten im Intranet zur Verfügung stellt. Dies wird durch den Baustein 7.5 WWW-Server nachgebildet. Für die Telekommunikation sind in Berlin und Bonn unterschiedliche ISDN-TK-Anlagen in Betrieb. Diese werden auch von unterschiedlichen Personen betreut. Der Baustein 8.1 TK-Anlage ist daher zweifach anzuwenden. __________________________________________________________________________________________ 42 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.4 Modellierung einer IT-Anlage nach IT-Grundschutz __________________________________________________________________________________________ In Bonn sind zwei Faxgeräte im Einsatz, die jedoch einheitlich verwaltet werden. Diese beiden Geräte werden daher in einer Klasse zusammengefasst. Das Faxgerät in der Liegenschaft Berlin wird jedoch anderweitig verwaltet. Der Baustein 8.2 wird daher einmal auf die Klasse der Faxgeräte in Bonn und einmal auf das Faxgerät in Berlin abgebildet. 6.7 6.8 7.3 7.4 7.5 8.1 8.2 Heterogene Netze - IT-Netz in der Liegenschaft Berlin - IT-Netz in der Liegenschaft Bonn Netz- und Systemmanagement - Systemmanagement-Tool, Betrieb in Bonn Firewall - Anbindung der Liegenschaft Bonn an das Internet E-Mail - E-Mail-Nutzung in der Liegenschaft Bonn WWW-Server - Intranet in der Liegenschaft Bonn TK-Anlage - TK-Anlage in der Liegenschaft Berlin - TK-Anlage in der Liegenschaft Bonn Faxgerät - Klasse (zwei Faxgeräte in Bonn) - Faxgerät in Berlin Schritt 5: Sicherheit in Anwendungen Für die Nutzung von Büro-Anwendungen gibt es im BOV ein behördenweites Konzept. Die Software wird zentral über das Systemmanagement-Tool verteilt und gewartet. Die Kernanwendungen (Datenbank-Applikationen) wurden eigens für das BOV entwickelt und werden kontinuierlich fortgeschrieben. Auch die zugehörigen Server- und Client-Komponenten werden über das Systemmanagement-Produkt gewartet. Der Baustein 9.1 Standardsoftware ist somit zweifach anzuwenden, nämlich einmal für die Büro-Anwendungen und einmal für die Datenbank-Applikationen. Die Datenbanksoftware ist auf dem Kommunikations-Server (Unix) in der Liegenschaft Bonn installiert. Von dort aus erfolgt auch die Wartung und Überwachung der Anwendung. ClientComputer in der Liegenschaft Berlin greifen über die WAN-Verbindung auf diesen Server zu. Entsprechend ist der Baustein 9.2 Datenbanken einmal für die Liegenschaft Bonn heranzuziehen. 9.1 Standardsoftware - Büro-Anwendungen (behördenweit) - Kernanwendungen (Datenbank-Applikationen, behördenweit) 9.2 Datenbanken - Datenbanksoftware auf dem Kommunikations-Server Schritt 6: Prüfung auf Vollständigkeit Bei dem gewählten Beispiel kann die Vollständigkeit der Modellierung anhand des Übersichtsplans und der tabellarischen Zuordnungen sofort nachvollzogen werden. Bei großen IT-Anlagen, die komplex strukturiert sind oder viele verschiedene IT-Systeme oder Außenanbindungen haben, ist die Prüfung auf Vollständigkeit jedoch ein substantieller Arbeitsschritt. __________________________________________________________________________________________ 43 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.5 Vorgehensweise Basis-Sicherheitscheck __________________________________________________________________________________________ 2.5 Vorgehensweise Basis-Sicherheitscheck Die Struktur der Informationstechnik in einer Behörde oder einem Unternehmen ist in der Regel durch eine gewachsene Vernetzung gekennzeichnet. Aspekte der IT-Sicherheit sind daher oftmals nicht von Anfang an systematisch berücksichtigt, sondern nachträglich in das Gesamtkonzept integriert worden. Hier ist es wünschenswert, als Einstieg in die systematische IT-Sicherheitskonzeption ein Verfahren heranzuziehen, das den bestehenden Strukturen und den bereits etablierten Sicherheitsmaßnahmen Rechnung trägt. 2UJDQLVDWLRQ 3HUVRQDO )LUHZDOO 6HUYHUUDXP 0RGHP 8QL[6\VWHP Der Basis-Sicherheitscheck ist ein Organisationsinstrument, welches einen schnellen Einstieg in die IT-Sicherheitsproblematik einer bestehenden IT-Anlage bietet. Dazu wird überwiegend Interviewtechnik eingesetzt. Der Begriff IT-Anlage umfasst dabei alle technischen Komponenten, die gemeinsam der Aufgabenerfüllung im Bereich der Informationsverarbeitung dienen. Zum Untersuchungsumfang beim Basis-Sicherheitscheck gehören jedoch auch die organisatorischen, personellen und infrastrukturellen IT-Sicherheitsaspekte. Der Basis-Sicherheitscheck dient dazu, - einen Überblick über das IT-Sicherheitsniveau des betrachteten Bereichs zu gewinnen, - den Status Quo in Bezug auf den Umsetzungsgrad von Sicherheitsmaßnahmen des IT-Grundschutzhandbuchs festzustellen, - Verbesserungsmöglichkeiten durch noch umzusetzende IT-Sicherheitsmaßnahmen aufzuzeigen, - Sofortmaßnahmen für den Schutz der IT-Anlage zu planen und - Schwerpunkte für weitergehende IT-Sicherheitsanalysen zu ermitteln. Ein Basis-Sicherheitscheck liefert wichtige Erkenntnisse für die Erstellung einer Sicherheitsleitlinie und gibt Aufschluss über Schwachstellen und Risiken. Der Basis-Sicherheitscheck ist geeignet, allgemein gehaltene IT-Sicherheitskonzepte und Verfahrensanweisungen auf ihre Effizienz und Praxis-Tauglichkeit zu überprüfen und ggf. zu konkretisieren. Das IT-Sicherheitsmanagement prüft, ob der Basis-Sicherheitscheck ein geeigneter Ansatz für die vorliegende Problematik ist, und erarbeitet ggf. Vorschläge zum Untersuchungsumfang, d. h. welche Bereiche der IT-Anlage in die Untersuchung einbezogen werden. Da die Durchführung eines BasisSicherheitschecks Personal bindet, sollte die Leitungsebene beteiligt werden und die Projektdurchführung anordnen. Schritt 1: Vorarbeiten Zunächst ist es notwendig, sich mit den einzusetzenden Unterlagen und Arbeitsmitteln vertraut zu machen. Ein idealer Einstieg ist das Lesen von Kapitel 1 und Kapitel 2 des IT-Grundschutzhandbuchs. Dabei sollte ein grundlegendes Verständnis des allgemeinen Wirkungszusammenhangs zwischen Gefahren für die IT-Grundwerte und konkreten Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der IT-Anlage erarbeitet werden. Bei einem Basis-Sicherheitscheck wird die Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen geprüft. Die Gefährdungslage fließt nicht in die Untersuchung ein. Abhängig von der Größe einer Behörde bzw. eines Unternehmens und der vorhandenen Technik kann es Teilbereiche in Maßnahmen geben, die nicht relevant sind und daher weggelassen werden können. __________________________________________________________________________________________ 44 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.5 Vorgehensweise Basis-Sicherheitscheck __________________________________________________________________________________________ Die vorhandenen Unterlagen des IT-Grundschutzhandbuchs sollten daher dahingehend geprüft werden, ob eine Anpassung der Dokumente und Tabellen notwendig ist. Soweit die Projektierung IT-gestützt durchgeführt werden soll, sind geeignete Dateiformate auszuwählen. Dabei ist sicherzustellen, dass alle betroffenen Mitarbeiter über die nötige Hard- und Softwareausstattung verfügen. Im Auftrag des BSI wurde das IT-Grundschutz-Tool zur Erstellung von IT-Sicherheitskonzepten entwickelt, mit dem sich die Ergebnisse des Basis-Sicherheitschecks erfassen und aufbereiten lassen. Von Anfang an sollten Überlegungen bezüglich der Bewältigung des Projektmanagements und zur späteren Revision angestrengt werden. Dabei ist der Aufwand für allgemeine organisatorische Belange nicht zu unterschätzen: Der Projektablaufplan muss erstellt, Kontakt zur Leitungsebene hergestellt, Freigaben für Arbeitszeitbedarf der Projektmitglieder erwirkt, Projektbesprechungen angesetzt, die Bereitstellung von Besprechungsräumen sichergestellt, Termine mit Ansprechpartnern koordiniert werden usw. Sorgfältige Vorarbeiten helfen dabei, einen möglichst reibungslosen Projektverlauf zu erreichen. Es ist erforderlich, alle hausinternen Papiere, z. B. Organisationsverfügungen, Arbeitshinweise, Sicherheitsanweisungen, Manuals und “informelle” Vorgehensweisen, die die IT-sicherheitsrelevanten Abläufe regeln, zu sichten. Weiterhin ist zu klären, wer gegenwärtig für deren Inhalt zuständig ist, um später möglichst genau die Ansprechpartner für durchzuführende Interviews bestimmen zu können. Als Nächstes sollte festgestellt werden, ob und in welchem Umfang externe Stellen bei der Projektbewältigung beteiligt werden sollen, beispielsweise externe Rechenzentren, vorgesetzte Behörden, Firmen, die Teile des IT-Betriebes in Outsourcing bewältigen, oder Baubehörden, die für infrastrukturelle Maßnahmen zuständig sind. Schritt 2: Bildung einer Projektgruppe Es hat sich in der Praxis bewährt, den Basis-Sicherheitscheck in einer Projektgruppe mit zwei bis vier Mitgliedern durchzuführen. Der Projektleiter sollte der IT-Sicherheitsbeauftragte oder ein Mitglied des IT-Sicherheitsmanagements sein. Seine Aufgabe ist es, den Kontakt zum Management herzustellen und zu halten. Die Projektmitglieder müssen für die Durchführung des Projekts über genügend Arbeitszeit verfügen und ggf. von ihrer üblichen Tätigkeit freigestellt werden. Die fachliche Kompetenz der Mitglieder sollte mindestens die Bereiche Informationstechnik, IT-Sicherheit und Verwaltungsorganisation umfassen. Aufgrund der heute allseits präsenten Vernetzung von IT-Systemen bietet sich für den technischen Teil eine Person mit ausgeprägten Administrationskenntnissen an. Auf bestehende Arbeitsgruppen oder Ausschüsse für IT-Sicherheit oder IT-Koordinierung sollte zurückgegriffen werden, wobei darauf zu achten ist, dass kein Interessenkonflikt zwischen den üblichen Tätigkeiten eines Projektmitglieds und seiner Aufgaben während der Projektarbeit entsteht. Vor Beginn der eigentlichen Projektarbeit sollten alle Verständnisfragen innerhalb des Teams geklärt werden. Es sollte sichergestellt sein, dass in der Projektgruppe ausreichende Fachkenntnisse für die Beurteilung aller relevanten Gefährdungen und die technische Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen vorhanden sind. Gegebenenfalls ist die Zusammensetzung der Projektgruppe zu modifizieren oder zu erweitern. Schritt 3: Abschätzung des Projektumfangs Der Gesamtaufwand für die Durchführung eines Basis-Sicherheitschecks hängt sicherlich von der Größe und der Komplexität der betrachteten IT-Anlage ab. Bei Behörden mittlerer Größe und hohem IT-Durchdringungsgrad ist nach bisheriger Erfahrung des BSI ein Gesamtaufwand von ca. 200 bis 300 Personenstunden realistisch. Bei kontinuierlicher Bewältigung des Projektes sollte die Laufzeit ohne Vorbereitungen ca. zwei bis drei Kalenderwochen nicht überschreiten. Es ist davon auszugehen, dass sich der Gesamtaufwand in etwa wie folgt verteilt: __________________________________________________________________________________________ 45 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.5 Vorgehensweise Basis-Sicherheitscheck __________________________________________________________________________________________ 10 % Projektvorbereitung 10 % Vorerhebung und Schutzbedarfsfeststellung 40 % Interviewtätigkeit 20 % Auswertung und Aufbereitung der Zwischenergebnisse 20 % Abschlussbericht und Präsentationen Diese Abschätzungen beruhen auf Basis-Sicherheitschecks, die das BSI für Behörden unterschiedlicher Größe durchgeführt hat. Der Gesamtaufwand für die Durchführung des Projekts sollte abgeschätzt und der Leitungsebene zur Genehmigung vorgelegt werden. Schritt 4: Interne Bekanntgabe der Projektdurchführung Alle Mitarbeiter der Behörde bzw. des Unternehmens, die mit der zu untersuchenden IT-Anlage arbeiten oder anderweitig von der Projektdurchführung betroffen sind, sollten darüber informiert werden, dass ein Basis-Sicherheitscheck durchgeführt wird, warum er durchgeführt wird und was damit langfristig erreicht werden soll. Der Projektleiter sollte eine Vorlage für eine Bekanntgabe erarbeiten, die von der Behörden- bzw. Unternehmensleitung unterzeichnet wird. Darin sollten die Namen der Projektmitglieder und deren Aufgabe, sowie der Zeitraum und die Art der Untersuchung enthalten sein. Weiterhin sollten in dieser Bekanntgabe die Mitarbeiter dazu aufgefordert werden, am gemeinsamen Ziel eines hohen IT-Sicherheitsniveaus mitzuwirken. Gegebenenfalls sind elementare Bestandteile einer SicherheitsLeitlinie aufzunehmen. Die Bekanntgabe dient dazu, die Mitarbeiter im Hinblick auf die Zielsetzung zu motivieren und den Stellenwert, den die Leitungsebene der IT-Sicherheit in der Behörde bzw. dem Unternehmen beimisst, zu dokumentieren. Schritt 5: Vorerhebung In jeder Organisationseinheit sollte eine Vielzahl von Informationen über die IT-Anlage vorhanden sein. Dies können z. B. IT-Rahmenkonzepte, IT-Sicherheitskonzepte, IT-Bestandsverzeichnisse, Verfahrensbeschreibungen oder Ähnliches sein. Diese Informationen sollten zusammengetragen und für einen Überblick über die eingesetzte Informationstechnik und deren Vernetzung ausgewertet werden. Soweit noch nicht vorhanden, sollten unbedingt graphische Übersichten der Netzstruktur erstellt werden. Dies sollte in Absprache und mit Hilfe der IT-Verantwortlichen und der zuständigen Mitarbeiter erfolgen. Am besten geeignet als Ausgangspunkt für einen Basis-Sicherheitscheck ist ein sogenannter Netztopologieplan, in dem die vorliegende Netzstruktur, die aktiven Netzkomponenten, die relevanten Server und eingesetzten Betriebssysteme und die Netzübergänge dargestellt sind. Soweit noch nicht geschehen, sollte gemeinsam mit dem Management konkretisiert werden, wie die Zuordnung der Auswirkungen von Schadensereignissen zu Schutzbedarfsklassen geschehen soll. Insbesondere sind finanzielle Schäden einzuordnen, beispielsweise liegt die Orientierungshilfe des IT-Grundschutzhandbuchs zwischen 25 und 5.000 TDM bei hohem Schutzbedarf. In Regel ist es erforderlich, die in der Orientierungshilfe eingesetzten Wertezuweisungen an die Anforderungen der betrachteten Behörde bzw. des betrachteten Unternehmens anzupassen. Als Hilfsmittel für die Vorerhebung sind auf der CD-ROM zum IT-Grundschutzhandbuch im Verzeichnis \HILFSMI\BSC\ Fragebögen enthalten. Diese Fragebögen sollten – ggf. nach Anpassung an die vorliegenden Gegebenheiten an die entsprechenden Referatsleiter bzw. Systemverantwortlichen weitergeleitet werden. Wenn sichergestellt ist, dass alle Beteiligten über die geeignete Softwareausstattung verfügen, kann dies auch auf elektronischen Weg geschehen. Um den Projektzeitraum überschaubar zu halten, sollte ein Abgabetermin festgesetzt und der Rücklauf anhand einer Übersichtsliste kontrolliert werden. Ein Begleitschreiben, welches die Grundwerte und Schutz- __________________________________________________________________________________________ 46 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.5 Vorgehensweise Basis-Sicherheitscheck __________________________________________________________________________________________ bedarfskategorien kurz erläutert, sollte in Betracht gezogen werden. Falls mehrere Anwendungen auf einem System betrieben werden, ist für die Ermittlung des Schutzbedarfs die Anwendung mit dem höchsten Schutzbedarf ausschlaggebend. Zusätzlich zu der Erfassung von IT-Systemen und IT-Netzen werden in den Vorerhebungsfragebögen auch die Interviewpartner für die einzelnen Themenbereiche erfragt. Schritt 6: Modellierung der IT-Anlage In diesem Schritt werden die Komponenten der vorliegenden IT-Anlage auf die Bausteine des IT-Grundschutzhandbuchs abgebildet. Dies geschieht anhand der Informationen, die aus der Vorerhebung zurückfließen. Die Vorgehensweise für die Modellierung ist in Abschnitt 2.4.3 beschrieben und verläuft in sechs Schritten. Als Ergebnis liegt eine vollständige Nachbildung aller Komponenten des betrachteten Bereichs vor, wobei jeder Komponente i. Allg. mehrere Bausteine des IT-Grundschutzhandbuchs zugeordnet sind. Hinweise: Wenn mehrere identische oder nahezu identische Komponenten vorliegen, ist es nicht erforderlich, dass diese alle einzeln untersucht werden. Stattdessen sollte ein Stellvertreter oder – wenn es sich um viele Komponenten handelt – einige Stichproben betrachtet werden. Wenn beispielsweise zwei bauartgleiche Bürogebäude verwaltet werden, genügt es, eines mit dem Baustein 4.1 Gebäude zu untersuchen. Dies gilt natürlich auch für gleichartige Stand-alone-Systeme, Notebooks usw. Für identische IT-Systeme mit Netzanbindung ist es sowohl auf Seiten der Clients als auch der Server möglich, Klassen zu bilden. Grundlage hierfür ist eine im Wesentlichen einheitliche Hard- und Softwareausstattung, gleiche Konfiguration sowie ein einheitliches Administrationskonzept. Wie in Abschnitt 2.4.3 beschrieben, ist es für die Untersuchung der IT-Sicherheit im Netz meist erforderlich, das Gesamtnetz in einfach strukturierte Teilnetze zu unterteilen. Grundsätzlich können auch mehrere solcher Teilnetze gleichen Typs in eine Klasse zusammengefasst werden. Dies setzt jedoch voraus, dass das Administrationskonzept, die innere Struktur sowie die Schnittstellen zu anderen Teilnetzen und nach außen einheitlich sind. Falls für die Überprüfung innerhalb des Basis-Sicherheitschecks mehrere Komponenten zu Klassen zusammengefasst wurden, darf zum Abschluss nicht vergessen werden, im endgültigen Sicherheitskonzept wieder alle Komponenten aufzuführen oder zumindest die Zusammenfassung zu erläutern. Die durch die Vorerhebung angeforderten Übersichten zur Netztopographie und Netztopologie erleichtern abschließend die Vollständigkeitskontrolle, insbesondere in Bezug auf die eingesetzte Hardware und die aktiven Netzkomponenten. Weiterhin bieten diese Pläne bei der späteren Ortsbegehung eine räumliche Orientierung über die Standorte der physikalischen Netzkomponenten. Für jeden Baustein des IT-Grundschutzhandbuchs enthält die CD-ROM im Verzeichnis WORD20/FORMULARE entsprechende Interview-Fragebögen. Diese Fragebögen dienen später dazu, den Umsetzungsgrad der einzelnen Maßnahmen festzuhalten. Es hat sich bewährt, für jeden Ansprechpartner im Interview eine Mappe mit den entsprechenden Fragebögen zusammenzustellen. An dieser Stelle sollten auch Überlegungen einsetzen, welche Räumlichkeiten und technischen Installationen in Form einer Begehung durch Projektmitglieder besichtigt werden sollen. __________________________________________________________________________________________ 47 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.5 Vorgehensweise Basis-Sicherheitscheck __________________________________________________________________________________________ Schritt 7: Durchführung von Interviews Ziel dieses Schritts ist, für jede Maßnahme aus den herangezogenen Bausteinen den Umsetzungsstatus zu ermitteln. Mögliche Werte sind dabei: "ja" "nein" - Alle Empfehlungen in der Maßnahme sind vollständig und wirksam umgesetzt. Die Empfehlungen der Maßnahme sind größtenteils noch nicht umgesetzt. "teilweise" - Einige der Empfehlungen sind umgesetzt, andere noch nicht oder nur teilweise. "prinzipiell nicht" - Die Empfehlungen der Maßnahme werden nicht umgesetzt. Den entsprechenden Gefährdungen wird auf andere Weise entgegengewirkt (z. B. durch andere Maßnahmen, die nicht im IT-Grundschutzhandbuch aufgeführt sind), oder sie sind nicht relevant (z. B. weil Dienste nicht aktiviert wurden). In der Regel wird der Umsetzungsstatus der einzelnen Maßnahmen über Interviews mit den entsprechenden Ansprechpartnern festgestellt. Insbesondere im Bereich Infrastruktur bietet es sich an, zusätzlich gemeinsam mit dem Ansprechpartner stichprobenartig die zu untersuchenden Objekte vor Ort zu besichtigen. Für die anstehenden Interviews mit den Systemverantwortlichen und sonstigen Ansprechpartnern sollte ein Terminplan - ggf. mit Ausweichterminen - erstellt werden. Je nachdem, welche Hierarchieebene auf den Vorerhebungsbögen als verantwortlich gemeldet wurde, sollte überprüft werden, ob es sich dabei tatsächlich für alle Fragen des Bausteins um die kompetenten Ansprechpartner handelt. Häufig ist es vorteilhaft, mehrere Personen gleichzeitig in die Interviews einzubeziehen. Dies muss natürlich bei der Terminplanung berücksichtigt werden, vor allem wenn Ansprechpartner in anderen Organisationseinheiten tätig sind. Je nach Größe der Projektgruppe sollten für die Durchführung der Interviews Teams mit verteilten Aufgaben gebildet werden. Es hat sich bewährt, in Gruppen mit je zwei Personen zu arbeiten, ggf. notiert eine Person Anmerkungen zu den Antworten, die andere stellt die notwendigen Fragen. Es ist nicht zu empfehlen, bei den Interviews den Text der Maßnahmenempfehlung vorzulesen, da er für ein Zwiegespräch nicht konzipiert wurde. Deshalb ist die inhaltliche Kenntnis des Bausteins für den Interviewer notwendig, hilfsweise sollten vorher griffige Checklisten mit Stichworten erstellt werden. Um im Zweifelsfall Unstimmigkeiten klären zu können, ist es jedoch sinnvoll, den Volltext der Maßnahmen griffbereit zu haben. Während des Interviews die Antworten direkt in einen PC einzugeben, wird ebenfalls nicht empfohlen, da es alle Beteiligten ablenkt und für ungewollte Unterbrechungen der Kommunikation sorgt. Es schafft eine entspannte, aufgelockerte und produktive Arbeitsatmosphäre, das Interview mit einleitenden Worten zu beginnen und den Zweck des Basis-Sicherheitschecks kurz vorzustellen. Es bietet sich an, mit der Maßnahmenüberschrift fortzufahren und diese kurz zu erläutern. Besser als einen Monolog zu führen ist es, dem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, auf die bereits umgesetzten Maßnahmenteile einzugehen, und danach noch offene Punkte zu besprechen. Die Befragungstiefe richtet sich stets auf das Niveau von Standard-Sicherheitsmaßnahmen, darüber hinausgehende Aspekte hochschutzbedürftiger Anwendungen sollten erst nach Abschluss des Basis-Sicherheitschecks betrachtet werden. Zum Abschluss jeder Maßnahme sollte den Befragten mitgeteilt werden, wie das Ergebnis ausgefallen ist (Maßnahme erfüllt: ja/nein/teilweise/prinzipiell nicht), und die Entscheidung erläutert werden. __________________________________________________________________________________________ 48 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
2.5 Vorgehensweise Basis-Sicherheitscheck __________________________________________________________________________________________ Schritt 8: Auswertung der Interviews Bei der Auswertung der Interviews ist es wichtig, die durch die nicht bzw. teilweise nicht umgesetzten Maßnahmen möglicherweise vorhandenen Schadenspotentiale zu betrachten, zu bewerten und zu priorisieren. Das BSI hat für jede Maßnahme als Anhaltspunkt eine Umsetzungspriorisierung vorgegeben (1 = Maßnahme ist umgehend umzusetzen, 2 = Maßnahme ist möglichst zeitnah umzusetzen, 3 = Maßnahme ist in Abhängigkeit verfügbarer Ressourcen umzusetzen). Prinzipiell bedeutet jede Lücke eine Schwachstelle, die ein Risikopotential birgt, welches bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen zu einem Schaden führen kann. Es gilt festzustellen, welche Schwachstellen besonders gravierend sind, z. B. Gefahr für Leib und Leben bergen können. Weiterhin sind Schwachstellen zu identifizieren, die in Verbindung mit anderen Schwachstellen ein verstärktes Schadenspotential mit sich bringen. Auf Grundlage der Bewertung sollte eine Priorisierung vorgenommen werden, in die auch der Schutzbedarf des betroffenen IT-Systems mit einzubeziehen ist. Darüber hinaus ist in die Betrachtung einzubringen, ob im Verlauf der Interviews bereits Schadensfälle bekannt wurden, ggf. sind diese natürlich in der Priorisierung der noch zu veranlassenden Maßnahmen hoch einzustufen. Auf diese Weise ergibt sich eine Priorisierung für die Vervollständigung des IT-Grundschutzes, die sich u. U. von der vom BSI vorgeschlagenen Priorisierung unterscheidet, die jedoch die speziellen Gegebenheiten in der betrachteten Behörde bzw. im betrachteten Unternehmen berücksichtigt. Für die noch zu veranlassenden Maßnahmen sollte ein Zeitplan aufgestellt, die Verantwortlichen für die Umsetzung der Maßnahmen benannt und die entstehenden Kosten ermittelt werden. Zu beachten ist, dass für Anwendungen mit hohem und sehr hohem Schutzbedarf allein durch die Umsetzung der Standard-Sicherheitsmaßnahmen des IT-Grundschutzhandbuchs kein ausreichendes Schutzniveau garantiert werden kann. Das BSI empfiehlt hierbei, zusätzlich zum IT-Grundschutz eine Risikoanalyse durchzuführen. Falls der Basis-Sicherheitscheck die Grundlage für ein noch zu erstellendes IT-Sicherheitskonzept darstellen soll, ist der Einsatz des IT-Grundschutz-Tools zur Auswertung der Interviews zu empfehlen. Schritt 9: Ergebnispräsentation Die Ergebnisse des Basis-Sicherheitscheck sollten in anschaulicher Form zusammengeführt werden. In jedem Fall sollte eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse innerhalb eines ManagementReports erfolgen. Die Leitungsebene ist über die größten Risiken, die durch den Basis-Sicherheitscheck aufgedeckt wurden, zu informieren. Sie hat in Bezug auf Kostenverfügungen Entscheidungen zu treffen. Besonders kritisch sind Maßnahmenempfehlungen, die Baumaßnahmen bedingen und u. U. mehrjährigen Vorlauf benötigen. Je nach Risikolage sind Zwischenlösungen zu erwägen. Außerdem sollten langfristige Ziele und Perspektiven der zu verfolgenden IT-Sicherheitsleitlinie aufgezeigt werden. Abhängig von der Größe der Gesamtorganisation sollte zusätzlich eine Aufbereitung als Vortrag oder als Unterlage für ein Diskussions-Forum überlegt werden und eine Kurzform allen Mitarbeitern - z. B. über Intranet - zugänglich gemacht werden. Schließlich ist festzulegen, in welcher Form eine Umsetzungskontrolle stattzufinden hat und ggf. ob und wann erneut ein Basis-Sicherheitscheck durchgeführt werden soll. __________________________________________________________________________________________ 49 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
3 IT-Grundschutz übergeordneter Komponenten __________________________________________________________________________________________ 3 IT-Grundschutz übergeordneter Komponenten In diesem Kapitel werden übergeordnete oder grundlegende IT-Grundschutzmaßnahmen zu folgenden Themen vorgestellt. 3.1 Organisation 3.2 Personal 3.3 Notfallvorsorge-Konzept 3.4 Datensicherungskonzept 3.5 Datenschutz 3.6 Computer-Virenschutzkonzept 3.7 Kryptokonzept 3.8 Behandlung von Sicherheitsvorfällen __________________________________________________________________________________________ 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
3.1 Organisation __________________________________________________________________________________________ 3.1 Organisation Beschreibung In diesem Kapitel werden allgemeine und übergreifende Maßnahmen im Organisationsbereich aufgeführt, die als organisatorische Standardmaßnahmen zur Erreichung eines Mindestschutzniveaus erforderlich sind. Spezielle Maßnahmen organisatorischer Art, die in unmittelbarem Zusammenhang mit anderen Maßnahmen stehen (z. B. LAN-Administration), werden in den entsprechenden Kapiteln aufgeführt. Gefährdungslage In diesem Kapitel werden für den IT-Grundschutz die folgenden typischen Gefährdungen betrachtet: Organisatorischer Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.2 Unzureichende Kenntnis über Regelungen - G 2.3 Fehlende, ungeeignete, inkompatible Betriebsmittel - G 2.4 Unzureichende Kontrolle der IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 2.5 Fehlende oder unzureichende Wartung - G 2.6 Unbefugter Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten - G 2.8 Unkontrollierter Einsatz von Betriebsmitteln - G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen beim IT-Einsatz - G 2.10 Nicht fristgerecht verfügbare Datenträger Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.1 Vertraulichkeits-/Integritätsverlust von Daten durch Fehlverhalten der IT-Benutzer Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Organisation" vorgestellt: Organisation: - M 2.1 (2) - M 2.2 (2) - M 2.3 (2) - M 2.4 (2) - M 2.5 (1) - M 2.6 (1) - M 2.7 (1) - M 2.8 (1) - M 2.9 (2) - M 2.10 (2) Festlegung von Verantwortlichkeiten und Regelungen für den IT-Einsatz Betriebsmittelverwaltung Datenträgerverwaltung Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Aufgabenverteilung und Funktionstrennung Vergabe von Zutrittsberechtigungen Vergabe von Zugangsberechtigungen Vergabe von Zugriffsrechten Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Überprüfung des Software-Bestandes __________________________________________________________________________________________ 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
3.1 Organisation __________________________________________________________________________________________ - M 2.11 M 2.12 M 2.13 M 2.14 M 2.37 M 2.39 M 2.40 M 2.62 M 2.69 M 2.110 M 2.167 M 2.177 M 2.182 (1) (3) (2) (2) (2) (2) (2) (2) (2) (2) (2) (2) (2) Regelung des Passwortgebrauchs Betreuung und Beratung von IT-Benutzern (optional) Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln Schlüsselverwaltung "Der aufgeräumte Arbeitsplatz" Reaktion auf Verletzungen der Sicherheitspolitik Rechtzeitige Beteiligung des Personal-/Betriebsrates Software-Abnahme- und Freigabe-Verfahren Einrichtung von Standardarbeitsplätzen Datenschutzaspekte bei der Protokollierung Sicheres Löschen von Datenträgern Sicherheit bei Umzügen Regelmäßige Kontrollen der IT-Sicherheitsmaßnahmen ˆ __________________________________________________________________________________________ 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
3.2 Personal __________________________________________________________________________________________ 3.2 Personal Beschreibung In diesem Kapitel werden die übergeordneten IT-Grundschutzmaßnahmen erläutert, die im Bereich Personalwesen standardmäßig durchgeführt werden sollten. Beginnend mit der Einstellung von Mitarbeitern bis hin zu deren Ausscheiden ist eine Vielzahl von Maßnahmen erforderlich. Personelle Maßnahmen, die an eine bestimmte Funktion gebunden sind wie z. B. die Ernennung des Systemadministrators eines LAN, werden in den IT-spezifischen Kapiteln angeführt. Gefährdungslage In diesem Kapitel werden für den IT-Grundschutz die folgenden typischen Gefährdungen betrachtet: Höhere Gewalt: - G 1.1 Personalausfall Organisatorische Mängel - G 2.2 Unzureichende Kenntnis über Regelungen Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.1 Vertraulichkeits-/Integritätsverlust von Daten durch Fehlverhalten der IT-Benutzer - G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.42 Social Engineering Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Personal" vorgestellt: Personal: - M 3.1 - M 3.2 (1) (2) - (1) (1) (1) (2) (3) (3) M 3.3 M 3.4 M 3.5 M 3.6 M 3.7 M 3.8 Geregelte Einarbeitung/Einweisung neuer Mitarbeiter Verpflichtung der Mitarbeiter auf Einhaltung einschlägiger Gesetze, Vorschriften und Regelungen Vertretungsregelungen Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Geregelte Verfahrensweise beim Ausscheiden von Mitarbeitern Anlaufstelle bei persönlichen Problemen (optional) Vermeidung von Störungen des Betriebsklimas (optional) ˆ __________________________________________________________________________________________ 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
3.3 Notfallvorsorge-Konzept __________________________________________________________________________________________ 3.3 Notfallvorsorge-Konzept Beschreibung Die Notfallvorsorge umfaßt Maßnahmen, die auf die Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit nach (technisch bedingtem bzw. durch fahrlässige oder vorsätzliche Handlungen herbeigeführten) Ausfall eines IT-Systems ausgerichtet sind. Abhängig vom Zeitpunkt der Realisierung dieser Maßnahmen lassen sich vier Phasen der Notfallvorsorge unterscheiden: Phase 1: Planung der Notfallvorsorge In dieser Phase werden die individuell für ein IT-System geeigneten und wirtschaftlich angemessenen Maßnahmen identifiziert. Es wird festgelegt, welche Maßnahmen während des Betriebes eines IT-Systems (z. B. Rauchverbot, unterbrechungsfreie Stromversorgung, Wartung, Datensicherung) durchzuführen sind, damit ein Notfall verhindert bzw. der Schaden aufgrund eines Notfalls vermindert wird. Darüber hinaus wird in Notfallplänen, die Bestandteile eines Notfallhandbuchs sind, festgeschrieben, welche Maßnahmen bei Eintreten eines Notfalls durchgeführt werden müssen. Phase 2: Umsetzung der den IT-Betrieb begleitenden Notfallvorsorgemaßnahmen In Phase 2 werden die Notfallvorsorgemaßnahmen realisiert und aufrechterhalten, die schon vor Eintritt eines Notfalls durchgeführt sein müssen, um die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Notfalls zu verringern oder um eine zügige und wirtschaftliche Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit zu ermöglichen. Phase 3: Durchführung von Notfallübungen Von besonderer Bedeutung ist die Durchführung von Notfallübungen zeitgleich zu Phase 2, um die Umsetzung der im Notfall-Handbuch aufgeführten Maßnahmen einzuüben und deren Effizienz zu steigern. Phase 4: Umsetzung geplanter Maßnahmen nach Eintreten eines Notfalls Ist autorisiert entschieden worden, daß ein Notfall vorliegt, so sind die für diesen Fall geplanten und im Notfall-Handbuch niedergelegten Maßnahmen unverzüglich umzusetzen. Um eine unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten angemessene Notfallvorsorge betreiben zu können, müssen die entstehenden Kosten dem potentiellen Schaden (Kosten aufgrund mangelnder Verfügbarkeit im Notfall) gegenübergestellt und bewertet werden. Als Kosten sind zu betrachten: - Kosten für die Erstellung eines Notfallvorsorgekonzeptes, - Kosten für die Realisierung und Aufrechterhaltung der den IT-Betrieb begleitenden Notfallvorsorgemaßnahmen, - Kosten für Notfallübungen und - Kosten für die Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit. __________________________________________________________________________________________ 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
3.3 Notfallvorsorge-Konzept __________________________________________________________________________________________ In diesem Kapitel soll ein systematischer Weg aufgezeigt werden, wie ein Notfall-Handbuch erstellt und dessen Anwendung geübt werden kann. Damit sind Teile der Phase 1 und die Phasen 3 und 4 betroffen. Die in Phase 2 umzusetzenden Maßnahmen setzen eine individuelle Betrachtung des ITSystems und der Einsatzumgebung voraus. Diese Maßnahmen werden in den jeweiligen umfeld- und systemspezifischen Bausteinen dieses Handbuchs behandelt. Der Aufwand zur Erstellung eines Notfall-Handbuchs einschließlich der notwendigen begleitenden Maßnahmen ist beträchtlich. Daher kann dieses Kapitel insbesondere für - IT-Systeme mit hohen Verfügbarkeitsanforderungen, - größere IT-Systeme (Großrechner, große Unix-Systeme, umfangreiche Netze) oder - eine größere Anzahl räumlich konzentrierter IT-Systeme sinnvoll eingesetzt werden. Gefährdungslage In diesem Kapitel wird für den IT-Grundschutz die Gefährdung - G 1.2 Ausfall des IT-Systems stellvertretend für alle Gefährdungen betrachtet, durch die ein Ausfall herbeigeführt werden kann. Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Die Bearbeitung der Maßnahmen sollte in der angegebenen Reihenfolge geschehen, um systematisch ein Notfall-Handbuch zu erarbeiten. Notfallvorsorge: - M 6.1 (2) - M 6.2 (2) - M 6.3 (2) - M 6.4 (2) - M 6.5 (2) - M 6.6 (2) - M 6.7 (2) - M 6.8 (1) - M 6.9 (1) - M 6.10 (2) - M 6.11 (2) - M 6.13 (2) - M 6.14 (3) - M 6.15 (3) - M 6.16 (2) - M 6.12 (1) Erstellung einer Übersicht über Verfügbarkeitsanforderungen Notfall-Definition, Notfall-Verantwortlicher Erstellung eines Notfall-Handbuches Dokumentation der Kapazitätsanforderungen der IT-Anwendungen Definition des eingeschränkten IT-Betriebs Untersuchung interner und externer Ausweichmöglichkeiten Regelung der Verantwortung im Notfall Alarmierungsplan Notfall-Pläne für ausgewählte Schadensereignisse Notfall-Plan für DFÜ-Ausfall Erstellung eines Wiederanlaufplans Erstellung eines Datensicherungsplans Ersatzbeschaffungsplan Lieferantenvereinbarungen (optional) Abschließen von Versicherungen (optional) Durchführung von Notfallübungen ˆ __________________________________________________________________________________________ 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
3.4 Datensicherungskonzept __________________________________________________________________________________________ 3.4 Datensicherungskonzept Beschreibung Durch technisches Versagen, versehentliches Löschen oder durch Manipulation können gespeicherte Daten unbrauchbar werden bzw. verloren gehen. Eine Datensicherung soll gewährleisten, daß durch einen redundanten Datenbestand der IT-Betrieb kurzfristig wiederaufgenommen werden kann, wenn Teile des operativen Datenbestandes verloren gehen. Diskette 4 Diskette 3 Diskette 2 Diskette 1 11.10.96 Diskette 4 Diskette 3 Diskette 2 Diskette 1 18.10.96 Diskette 4 Diskette 3 Diskette 2 Diskette 1 25.10.96 3. Generation 2. Generation 1. Generation Die Konzeption einer angemessenen und funktionstüchtigen Datensicherung bedarf allerdings aufgrund der Komplexität einer geordneten Vorgehensweise. In diesem Kapitel wird ein Weg beschrieben, wie für ein IT-System ein Datensicherungskonzept erstellt werden kann. Gefährdungslage Für die mittels eines Datensicherungskonzepts zu schützenden Daten wird für den IT-Grundschutz folgende typische Gefährdung angenommen: Technisches Versagen: - G 4.13 Verlust gespeicherter Daten Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Datensicherungskonzept" vorgestellt, das vor allem für größere IT-Systeme oder IT-Systeme mit großem Datenvolumen sinnvoll ist. Die Bearbeitung der Maßnahmen sollte in der angegebenen Reihenfolge geschehen, um systematisch ein Datensicherungskonzept zu erarbeiten. Notfallvorsorge: - M 6.36 (1) - M 6.37 (2) - M 6.33 (2) - M 6.34 (2) - M 6.35 (2) - M 6.41 (1) Festlegung des Minimaldatensicherungskonzeptes Dokumentation der Datensicherung Entwicklung eines Datensicherungskonzepts (optional) Erhebung der Einflußfaktoren der Datensicherung (optional) Festlegung der Verfahrensweise für die Datensicherung (optional) Übungen zur Datenrekonstruktion Organisation: - M 2.41 (2) - M 2.137 (2) Verpflichtung der Mitarbeiter zur Datensicherung Beschaffung eines geeigneten Datensicherungssystems ˆ __________________________________________________________________________________________ 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
3.5 Datenschutz __________________________________________________________________________________________ 3.5 Datenschutz Beschreibung Aufgabe des Datenschutzes ist es, den einzelnen davor zu schützen, daß er durch den Umgang mit seinen personenbezogenen Daten in seinem Recht beeinträchtigt wird, selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner Daten zu bestimmen ("informationelles Selbstbestimmungsrecht"). Aufgrund der engen Verflechtung von Datenschutz und IT-Sicherheit sollte es Ziel eines IT-Grundschutzkapitels zum Thema "Datenschutz" sein, einerseits die Rahmenbedingungen für den Datenschutz praxisgerecht aufzubereiten und andererseits die Verbindung zur ITSicherheit über den IT-Grundschutz aufzubauen. Ein Vorschlag für ein solches IT-Grundschutzkapitel "Datenschutz" wurde federführend vom Bundesbeauftragten für den Datenschutz gemeinsam mit dem Arbeitskreis Technik der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder erstellt. Es richtet sich an die öffentlichen Stellen des Bundes und der Länder, die privaten Anbieter von Telekokmmunikationsdiensten und Postdienstleistungen. Dieser Vorschlag kann beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz per E-Mail angefordert werden unter der Adresse: heinz.biermann@bfd.bund400.de oder X.400: C=de, A=bund; P=bfd; S=biermann; G=heinz Darüber hinaus kann dieser Vorschlag auch auf dem Internet-Server des Bundesbeauftragten für den Datenschutz unter der Adresse www.bfd.bund.de nachgelesen werden. In Vorbereitung befindet sich darüber hinaus eine Download-Möglichkeit dieses Vorschlagkapitels, das für die Lose-Blattsammlung des IT-Grundschutzhandbuchs vorformatiert ist. ˆ __________________________________________________________________________________________ 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
3.6 Computer-Virenschutzkonzept __________________________________________________________________________________________ 3.6 Computer-Virenschutzkonzept Beschreibung Ziel eines Computer-Virenschutzkonzeptes ist es, ein geeignetes Maßnahmenbündel zusammenzustellen, bei dessen Einsatz das Auftreten von Computer-Viren auf den in einer Organisation eingesetzten IT-Systemen verhindert bzw. möglichst früh erkannt wird, um Gegenmaßnahmen vornehmen zu können und evtl. mögliche Schäden zu minimieren. Wesentlicher Aspekt des Schutzes vor Computer-Viren ist die konsequente Aufrechterhaltung der Maßnahmen und die ständige Aktualisierung technischer Gegenmaßnahmen. Diese Forderung begründet sich durch die permanent neu auftauchenden Computer-Viren oder deren Varianten. Auch durch die Weiterentwicklung von Betriebssystemen, Programmiersprachen und Anwendungssoftware müssen die sich hieraus ergebenden möglichen Angriffspotentiale für Computer-Viren beachtet werden und rechtzeitig geeignete Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Da in Behörden oder Unternehmen Rechner in zunehmendem Maße in lokale Netze integriert werden oder ein Anschluß an öffentliche Kommunikationsnetze erfolgt, werden über die Weitergabe über Disketten hinaus zusätzliche Schnittstellen geschaffen, über die eine Infektion mit Computer-Viren erfolgen kann. Dies erfordert es oftmals, daß eine permanente Kontrolle der eingesetzten Rechner auf Computer-Viren vorgenommen wird. Um für eine Gesamtorganisation einen effektiven Computer-Virenschutz zu erreichen, wird in diesem Kapitel die Vorgehensweise zur Erstellung und Realisierung eines Viren-Schutzkonzeptes in einzelnen Schritten erläutert. Maßnahmenempfehlungen zum Computer-Virenschutz für einzelne IT-Systeme finden sich in den entsprechenden Kapiteln 5 und 6. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz werden bezüglich Computer-Viren die folgenden typischen Gefährdungen betrachtet: Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.2 Unzureichende Kenntnis über Regelungen - G 2.3 Fehlende, ungeeignete, inkompatible Betriebsmittel - G 2.4 Unzureichende Kontrolle der IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 2.8 Unkontrollierter Einsatz von Betriebsmitteln - G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen des IT-Einsatzes - G 2.26 Fehlendes oder unzureichendes Test- und Freigabeverfahren Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen Vorsätzliche Handlungen: Manipulation an Daten oder Software - G 5.2 Trojanische Pferde - G 5.21 - G 5.23 Computer-Viren - G 5.43 Makro-Viren - G 5.80 Hoax __________________________________________________________________________________________ 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
3.6 Computer-Virenschutzkonzept __________________________________________________________________________________________ Maßnahmenempfehlungen Bei der Erstellung eines Computer-Viren-Schutzkonzepts (vgl. M 2.154 Erstellung eines ComputerVirenschutzkonzepts) muß zunächst ermittelt werden, welche der vorhandenen oder geplanten ITSysteme in das Computer-Viren-Schutzkonzept einzubeziehen sind (siehe M 2.155 Identifikation potentiell von Computer-Viren betroffener IT-Systeme). Für diese IT-Systeme müssen die für die Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen relevanten Einflußfaktoren betrachtet werden. Darauf aufbauend können dann die technischen und organisatorischen Maßnahmen ausgewählt werden. Hierzu ist insbesondere die Auswahl geeigneter technischer Gegenmaßnahmen wie Computer-Viren-Suchprogramme zu beachten (siehe M 2.156 Auswahl einer geeigneten Computer-Virenschutz-Strategie und M 2.157 Auswahl eines geeigneten Computer-Viren-Suchprogramms). Neben der Einrichtung eines Meldewesens (Vgl. M 2.158 Meldung von Computer-Virusinfektionen) und der Koordinierung der Aktualisierung eingesetzter Schutzprodukte (vgl. M 2.159 Aktualisierung der eingesetzten Computer-Viren-Suchprogramme) sind für die Umsetzung des Konzeptes eine Reihe von Regelungen zu vereinbaren (vgl. M 2.11 Regelungen zum Computer-Virenschutz), in denen zusätzlich notwendige Maßnahmen zum Virenschutz festgelegt werden. Eine der wichtigsten Vorbeugemaßnahmen gegen Schäden durch Computer-Viren ist die regelmäßige Datensicherung (siehe M 6.32 Regelmäßige Datensicherung). Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmebündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Als zusätzliche Literatur ist Band 2 der Schriftenreihe zur IT-Sicherheit des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik " Informationen zu Computer-Viren" zu empfehlen. Organisation: - M 2.154 (1) - M 2.155 (2) - M 2.156 (2) - M 2.157 (2) - M 2.158 (2) - M 2.159 (2) - M 2.160 (2) - M 2.9 (3) - M 2.10 (3) - M 2.34 (2) - M 2.35 (2) Erstellung eines Computer-Virenschutzkonzepts Identifikation potentiell von Computer-Viren betroffener IT-Systeme Auswahl einer geeigneten Computer-Virenschutz-Strategie Auswahl eines geeigneten Computer-Viren-Suchprogramms Meldung von Computer-Virusinfektionen Aktualisierung der eingesetzten Computer-Viren-Suchprogramme Regelungen zum Computer-Virenschutz Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Überprüfung des Software-Bestandes Dokumentation der Veränderungen an einem bestehenden System Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems Personal: - M 3.4 - M 3.5 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen (2) (2) Hardware/Software: - M 4.3 (2) Regelmäßiger Einsatz eines Viren-Suchprogramms - M 4.33 (2) Einsatz eines Viren-Suchprogrammes bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung - M 4.44 (2) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren - M 4.84 (2) Nutzung der BIOS-Sicherheitsmechanismen Notfallvorsorge: - M 6.23 (2) Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus - M 6.24 (2) Erstellen einer PC-Notfalldiskette - M 6.32 (1) Regelmäßige Datensicherung ˆ __________________________________________________________________________________________ 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
3.7 Kryptokonzept __________________________________________________________________________________________ Kryptokonzept ABC Beschreibung ABC 3.7 Dieser Baustein beschreibt eine Vorgehensweise, wie in einer heterogenen Umgebung sowohl die lokal gespeicherten Daten als auch die zu übertragenen Daten wirkungsvoll durch kryptographische Verfahren und 0100011101001000 Techniken geschützt werden können. Dazu wird beschrieben, wie und wo in einer heterogenen Umgebung kryptographische Verfahren und die entsprechenden Komponenten eingesetzt werden können. Da beim Einsatz kryptographischer Verfahren sehr viele komplexe Einflußfaktoren zu betrachten sind, sollte hierfür ein Kryptokonzept erstellt werden. In diesem Baustein wird daher beschrieben, wie ein Kryptokonzept erstellt werden kann. Beginnend mit der Bedarfsermittlung und der Erhebung der Einflußfaktoren geht es über die Auswahl geeigneter kryptographischer Lösungen und Produkte bis hin zur Sensibilisierung und Schulung der Anwender und zur Krypto-Notfallvorsorge. Dieser Baustein kann auch herangezogen werden, wenn nur ein kryptographisches Produkt für eines der möglichen Einsatzfelder ausgewählt werden soll. Dann können einige der im folgenden beschriebenen Schritte ausgelassen werden und nur die für das jeweilige Einsatzfeld relevanten Teile bearbeitet werden. Für die Umsetzung dieses Bausteins sollte ein elementares Verständnis der grundlegenden kryptographischen Mechanismen vorhanden sein. Ein Überblick über kryptographische Grundbegriffe findet sich in M 3.23 Einführung in kryptographische Grundbegriffe. Gefährdungslage Kryptographische Verfahren werden eingesetzt zur Gewährleistung von - Vertraulichkeit, - Integrität, - Authentizität und - Nichtabstreitbarkeit. Daher werden für den IT-Grundschutz primär die folgenden Gefährdungen für kryptographische Verfahren betrachtet: - G 4.33 Schlechte oder fehlende Authentikation - G 5.85 Integritätsverlust schützenswerter Informationen - G 5.27 Nichtanerkennung einer Nachricht - G 5.71 Vertraulichkeitsverlust schützenswerter Informationen Werden kryptographische Verfahren eingesetzt, sollten für den IT-Grundschutz zusätzlich folgende Gefährdungen betrachtet werden: Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.2 Unzureichende Kenntnis über Regelungen - G 2.4 Unzureichende Kontrolle der IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 2.19 Unzureichendes Schlüsselmanagement bei Verschlüsselung __________________________________________________________________________________________ 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
3.7 Kryptokonzept __________________________________________________________________________________________ Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.1 Vertraulichkeits-/Integritätsverlust von Daten durch Fehlverhalten der IT-Benutzer - G 3.32 Verstoß gegen rechtliche Rahmenbedingungen beim Einsatz von kryptographischen Verfahren - G 3.33 Fehlbedienung von Kryptomodulen Technisches Versagen: - G 4.22 Software-Schwachstellen oder -Fehler (hier: schwache Verschlüsselungsverfahren) - G 4.34 Ausfall eines Kryptomoduls - G 4.35 Unsichere kryptographische Algorithmen - G 4.36 Fehler in verschlüsselten Daten Vorsätzliche Handlungen: - G 5.81 Unautorisierte Benutzung eines Kryptomoduls - G 5.82 Manipulation eines Kryptomoduls - G 5.83 Kompromittierung kryptographischer Schlüssel - G 5.84 Gefälschte Zertifikate Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Darüber hinaus sind im Bereich kryptographische Verfahren im wesentlichen die folgenden Schritte durchzuführen: 1. Entwicklung eines Kryptokonzepts (siehe M 2.161) Der Einsatz kryptographischer Verfahren wird von einer großen Zahl von Einflußfaktoren bestimmt. Das IT-System, das Datenvolumen, das angestrebte Sicherheitsniveau und die Verfügbarkeitsanforderungen sind einige dieser Faktoren. Daher sollte zunächst ein Konzept entwickelt werden, in dem alle Einflußgrößen und Entscheidungskriterien für die Wahl eines konkreten kryptographischen Verfahrens und der entsprechenden Produkte berücksichtigt werden und das gleichzeitig unter Kostengesichtspunkten wirtschaftlich vertretbar ist. 2. Ermittelung der Anforderungen an die kryptographischen Verfahren Es muß ein Anforderungskatalog erstellt werden, in dem die Einflußgrößen und die Entscheidungskriterien beschrieben werden, die einem Einsatz von kryptographischen Verfahren zugrunde liegen (siehe M 2.162 Bedarfserhebung für den Einsatz kryptographischer Verfahren und Produkte und M 2.163 Erhebung der Einflußfaktoren für kryptographische Verfahren und Produkte). Kryptographische Verfahren können auf den verschiedenen Schichten des ISO/OSI-Schichtenmodells eingesetzt werden. Je nach den festgestellten Anforderungen oder Gefährdungen ist der Einsatz auf bestimmten Schichten zu empfehlen (siehe auch M 4.90 Einsatz von kryptographischen Verfahren auf den verschiedenen Schichten des ISO/OSI-Referenzmodells). 3. Auswahl geeigneter kryptographischer Verfahren (M 2.164) Bei der Auswahl von kryptographischen Verfahren steht zunächst die Frage, ob symmetrische, asymmetrische oder hybride Algorithmen geeignet sind, im Vordergrund und dann die Mechanismenstärke. Anschließend sind geeignete Produkte zu bestimmen. __________________________________________________________________________________________ 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
3.7 Kryptokonzept __________________________________________________________________________________________ 4. Auswahl eines geeigneten kryptographischen Produktes (M 2.165 Auswahl eines geeigneten kryptographischen Produktes) Nachdem alle Rahmenbedingungen bestimmt worden sind, muß ein Produkt ausgewählt werden, das die im Kryptokonzept dargelegte Sicherheitsfunktionalität bietet. Ein solches Produkt, im folgenden kurz Kryptomodul genannt, kann dabei aus Hardware, Software, Firmware oder aus einer diesbezüglichen Kombination sowie der zur Durchführung der Kryptoprozesse notwendigen Bauteilen wie Speicher, Prozessoren, Busse, Stromversorgung etc. bestehen. Ein Kryptomodul kann zum Schutz von sensiblen Daten bzw. Informationen in unterschiedlichsten Rechner- oder Telekommunikationssystemen Verwendung finden. 5. Geeigneter Einsatz der Kryptomodule (M 2.166 Regelung des Einsatzes von Kryptomodulen) Auch im laufenden Betrieb müssen eine Reihe von Sicherheitsanforderungen an ein Kryptomodul gestellt werden. Neben der Sicherheit der durch das Kryptomodul zu schützenden Daten geht es schwerpunktmäßig auch darum, das Kryptomodul selbst gegen unmittelbare Angriffe und Fremdeinwirkung zu schützen. 6. Die sicherheitstechnischen Anforderungen an die IT-Systeme, auf denen die kryptographischen Verfahren eingesetzt werden, sind den jeweiligen systemspezifischen Bausteinen zu entnehmen. So finden sich die Bausteine für Clients (inkl. Laptops) in Kapitel 5, die für Server in Kapitel 6. 7. Notfallvorsorge, hierzu gehören - die Datensicherung bei Einsatz kryptographischer Verfahren (siehe M 6.56), also die Sicherung der Schlüssel, der Konfigurationsdaten der eingesetzten Produkte, der verschlüsselten Daten, - die Informationsbeschaffung über sowie die Reaktion auf Sicherheitslücken. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Kryptokonzept" vorgestellt. Auf eine Wiederholung von Maßnahmen anderer Kapitel wird hier verzichtet. Organisation: - M 2.161 (1) - M 2.162 (1) - M 2.163 (1) - M 2.164 (1) - M 2.165 (1) - M 2.166 (1) - M 2.35 (1) - M 2.39 (2) - M 2.46 (2) Entwicklung eines Kryptokonzepts Bedarfserhebung für den Einsatz kryptographischer Verfahren und Produkte Erhebung der Einflußfaktoren für kryptographische Verfahren und Produkte Auswahl eines geeigneten kryptographischen Verfahrens Auswahl eines geeigneten kryptographischen Produktes Regelung des Einsatzes von Kryptomodulen Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems Reaktion auf Verletzungen der Sicherheitspolitik Geeignetes Schlüsselmanagement Personal: - M 3.4 (1) - M 3.5 (1) - M 3.23 (1) Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Einführung in kryptographische Grundbegriffe Hardware/Software: - M 4.85 (3) Geeignetes Schnittstellendesign bei Kryptomodulen (optional) - M 4.86 (2) Sichere Rollenzuteilung und Konfiguration der Kryptomodule - M 4.87 (2) Physikalische Sicherheit von Kryptomodulen (optional) - M 4.88 (2) Anforderungen an die Betriebssystem-Sicherheit beim Einsatz von Kryptomodulen __________________________________________________________________________________________ 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
3.7 Kryptokonzept __________________________________________________________________________________________ - M 4.89 (3) - M 4.90 (3) Abstrahlsicherheit (optional) Einsatz von kryptographischen Verfahren auf den verschiedenen Schichten des ISO/OSI-Referenzmodells Notfallvorsorge: - M 6.56 (2) Datensicherung bei Einsatz kryptographischer Verfahren Viele andere Bausteine enthalten Maßnahmen, die das Thema kryptographische Verfahren berühren und die als Realisierungsbeispiele betrachtet werden können. Dazu gehören z. B.: - M 4.29 Einsatz eines Verschlüsselungsproduktes für tragbare PCs - M 4.30 Nutzung der in Anwendungsprogrammen angebotenen Sicherheitsfunktionen - M 4.34 Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen - M 4.41 Einsatz eines angemessenen PC-Sicherheitsproduktes - M 4.72 Datenbank-Verschlüsselung - M 5.33 Absicherung der per Modem durchgeführten Fernwartung - M 5.34 Einsatz von Einmalpaßwörtern - M 5.36 Verschlüsselung unter Unix und Windows NT - M 5.50 Authentisierung mittels PAP/CHAP - M 5.52 Sicherheitstechnische Anforderungen an den Kommunikationsrechner - M 5.63 Einsatz von PGP - M 5.64 Nutzung von Secure Shell - M 5.65 Einsatz von S-HTTP - M 5.66 Verwendung von SSL __________________________________________________________________________________________ 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
3.8 Behandlung von Sicherheitsvorfällen __________________________________________________________________________________________ 3.8 Behandlung von Sicherheitsvorfällen Sicherheitsvorfälle: Feuer - Meldewege - Verhaltensmaßnahmen Beschreibung Um die IT-Sicherheit im laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten, ist es notwendig, die Behandlung von Sicherheitsvorfällen (Incident Handling) konzipiert und eingeübt zu haben. Als Sicherheitsvorfall wird dabei ein Ereignis bezeichnet, das Auswirkungen nach sich ziehen kann, die einen großen Schaden anrichten können. Um Schäden zu verhüten bzw. zu begrenzen, sollte die Behandlung der Sicherheitsvorfälle zügig und effizient ablaufen. Wenn hierbei auf ein vorgegebenes Verfahren aufgesetzt werden kann, können Reaktionszeiten minimiert werden. Die möglichen Schäden bei einem Sicherheitsvorfall können dabei sowohl die Vertraulichkeit oder Integrität von Daten als auch die Verfügbarkeit betreffen. Ein besonderer Bereich der Behandlung von Sicherheitsvorfällen ist dabei das Notfallvorsorgekonzept (vgl. Kapitel 3.3). In einem Notfallvorsorgekonzept wird konkret für bestimmte IT-Systeme der Ausfall kritischer Komponenten vorab analysiert und eine Vorgehensweise zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der Verfügbarkeit festgelegt. Sicherheitsvorfälle können zum Beispiel ausgelöst werden durch - Benutzerfehlverhalten, das Systemparametern führt, zu Datenverlust oder sicherheitskritischer Änderung von - Auftreten von Sicherheitslücken in Hard- oder Softwarekomponenten, - massenhaftes Auftreten von Computer-Viren, - Hacking von Internet-Servern, - Offenlegung vertraulicher Daten, - Personalausfall oder - kriminelle Handlungen (etwa Einbruch, Diebstahl oder Erpressung mit IT-Bezug). Alle Arten von Sicherheitsvorfällen müssen angemessen angegangen werden. Dies gilt sowohl für solche Sicherheitsvorfälle, gegen die man sich konkret rüsten kann, wie z. B. Computer-Viren, als auch solche, die die Organisation unerwartet treffen. In diesem Kapitel soll ein systematischer Weg aufgezeigt werden, wie ein Konzept zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen erstellt und wie dessen Umsetzung und Einbettung innerhalb eines Unternehmens bzw. einer Behörde sichergestellt werden kann. Der Aufwand zur Erstellung und Umsetzung eines solchen Konzepts ist nicht gering. Daher sollte dieses Kapitel vor allem bei größeren IT-Systemen und/oder solchen mit hoher Relevanz für die Behörde bzw. das Unternehmen beachtet werden. Gefährdungslage Sicherheitsvorfälle können durch eine Vielzahl von Gefährdungen ausgelöst werden. Eine große Sammlung von Gefährdungen, die kleinere oder größere Sicherheitsvorfälle verursachen können, findet sich in den Gefährdungskatalogen. __________________________________________________________________________________________ 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
3.8 Behandlung von Sicherheitsvorfällen __________________________________________________________________________________________ Ein großer Schaden kann durch diese Gefährdungen dann ausgelöst werden, wenn dafür keine angemessene Herangehensweise vorgesehen ist. In diesem Kapitel wird daher stellvertretend für alle Gefährdungen, die sich im Umfeld von Sicherheitsvorfällen ereignen können, folgende Gefährdung betrachtet: - G 2.62 Ungeeigneter Umgang mit Sicherheitsvorfällen Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Um ein effektives System zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen einzurichten, sind eine Reihe von Schritten zu durchlaufen. Diese sind in der Maßnahme M 6.58 Etablierung eines Managementsystems zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen beschrieben und werden durch die daran anschließenden Maßnahmen erläutert. Daher sollte mit der Umsetzung der Maßnahme M 6.58 begonnen werden. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Behandlung von Sicherheitsvorfällen" vorgestellt. Notfallvorsorge: - M 6.58 (1) - M 6.59 (1) - M 6.60 (1) - M 6.61 (1) - M 6.62 (1) - M 6.63 (1) - M 6.64 (1) - M 6.65 (1) - M 6.66 (2) - M 6.67 (2) - M 6.68 (2) Etablierung eines Managementsystems zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen Festlegung von Verantwortlichkeiten bei Sicherheitsvorfällen Verhaltensregeln und Meldewege bei Sicherheitsvorfällen Eskalationsstrategie für Sicherheitsvorfälle Festlegung von Prioritäten für die Behandlung von Sicherheitsvorfällen Untersuchung und Bewertung eines Sicherheitsvorfalls Behebung von Sicherheitsvorfällen Benachrichtigung betroffener Stellen Nachbereitung von Sicherheitsvorfällen Einsatz von Detektionsmaßnahmen für Sicherheitsvorfälle (optional) Effizienzprüfung des Managementsystems zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen ˆ __________________________________________________________________________________________ 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
4 IT-Grundschutz im Bereich Infrastruktur __________________________________________________________________________________________ 4 IT-Grundschutz im Bereich Infrastruktur In diesem Kapitel werden IT-Grundschutzmaßnahmen in den nachfolgend aufgezählten Bausteinen vorgestellt. 4.1 Gebäude 4.2 Verkabelung 4.3 Räume 4.3.1 Büroraum 4.3.2 Serverraum 4.3.3 Datenträgerarchiv 4.3.4 Raum für technische Infrastruktur 4.4 Schutzschränke 4.5 Häuslicher Arbeitsplatz __________________________________________________________________________________________ 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.1 Gebäude __________________________________________________________________________________________ 4.1 Gebäude Beschreibung Das Gebäude umgibt die aufgestellte Informationstechnik und gewährleistet somit einen äußeren Schutz. Weiterhin ermöglichen die Infrastruktureinrichtungen des Gebäudes erst den IT-Betrieb. Daher ist einerseits das Bauwerk, also Wände, Decken, Böden, Dach, Fenster und Türen zu betrachten und andererseits alle gebäudeweiten Versorgungseinrichtungen wie Strom, Wasser, Gas, Heizung, Rohrpost etc. Die Verkabelung in einem Gebäude wird in Kapitel 4.2 gesondert betrachtet, die TK-Anlage in Kapitel 8.1. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines Gebäudes werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.3 Blitz - G 1.4 Feuer - G 1.5 Wasser Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.6 Unbefugter Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung - G 4.2 Ausfall interner Versorgungsnetze - G 4.3 Ausfall vorhandener Sicherungseinrichtungen Vorsätzliche Handlungen: - G 5.3 Unbefugtes Eindringen in ein Gebäude - G 5.4 Diebstahl - G 5.5 Vandalismus - G 5.6 Anschlag __________________________________________________________________________________________ 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.1 Gebäude __________________________________________________________________________________________ Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Gebäude" vorgestellt: Infrastruktur: Stromversorgung - M 1.1 (2) - M 1.2 (2) - M 1.3 (1) - M 1.4 (3) - M 1.5 (3) Einhaltung einschlägiger DIN-Normen/VDE-Vorschriften Regelungen für Zutritt zu Verteilern Angepaßte Aufteilung der Stromkreise Blitzschutzeinrichtungen (optional) Galvanische Trennung von Außenleitungen (optional) Brandschutz - M 1.6 (2) - M 1.7 (2) - M 1.8 (2) - M 1.9 (1) - M 1.10 (2) Einhaltung von Brandschutzvorschriften und Auflagen der örtlichen Feuerwehr Handfeuerlöscher Raumbelegung unter Berücksichtigung von Brandlasten Brandabschottung von Trassen Verwendung von Sicherheitstüren (optional) Gebäudeschutz - M 1.11 (2) - M 1.12 (2) - M 1.13 (3) - M 1.14 (2) - M 1.15 (1) - M 1.16 (3) - M 1.17 (3) - M 1.18 (2) - M 1.19 (2) Lagepläne der Versorgungsleitungen Vermeidung von Lagehinweisen auf schützenswerte Gebäudeteile Anordnung schützenswerter Gebäudeteile (optional) Selbsttätige Entwässerung (optional) Geschlossene Fenster und Türen Geeignete Standortauswahl (optional, soweit Auswahlmöglichkeiten bestehen) Pförtnerdienst (optional) Gefahrenmeldeanlage (optional) Einbruchsschutz (optional) Organisation: - M 2.14 (2) - M 2.15 (2) - M 2.16 (2) - M 2.17 (2) - M 2.18 (3) Schlüsselverwaltung Brandschutzbegehungen Beaufsichtigung oder Begleitung von Fremdpersonen (optional) Zutrittsregelung und -kontrolle Kontrollgänge (optional) Notfallvorsorge: - M 6.17 (1) Alarmierungsplan und Brandschutzübungen ˆ __________________________________________________________________________________________ 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.2 Verkabelung __________________________________________________________________________________________ 4.2 Verkabelung Beschreibung Die Verkabelung von IT-Systemen umfaßt alle Kabel und passiven Komponenten (Rangier-/Spleißverteiler) der Netze vom evtl. vorhandenen Übergabepunkt aus einem Fremdnetz (Telefon, ISDN) bis zu den Anschlußpunkten der Netzteilnehmer. Aktive Netzkomponenten (Repeater, Sternkoppler, Bridges etc.) sind nicht Bestandteil dieses Kapitels. 230 V 2 5 7 P 8 0 Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz der Verkabelung werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.6 Kabelbrand Organisatorische Mängel: - G 2.11 Unzureichende Trassendimensionierung - G 2.12 Unzureichende Dokumentation der Verkabelung - G 2.13 Unzureichend geschützte Verteiler - G 2.32 Unzureichende Leitungskapazitäten Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.4 Unzulässige Kabelverbindungen - G 3.5 Unbeabsichtigte Leitungsbeschädigung Technisches Versagen: - G 4.4 Leitungsbeeinträchtigung durch Umfeldfaktoren - G 4.5 Übersprechen - G 4.21 Ausgleichsströme auf Schirmungen Vorsätzliche Handlungen: - G 5.7 Abhören von Leitungen - G 5.8 Manipulation an Leitungen Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Verkabelung" vorgestellt: Infrastruktur: - M 1.9 (1) - M 1.20 (3) - M 1.21 (2) - M 1.22 (3) - M 1.39 (3) Brandabschottung von Trassen Auswahl geeigneter Kabeltypen unter physikalisch-mechanischer Sicht (bei Verkabelung neuer Netze) Ausreichende Trassendimensionierung (bei Verkabelung neuer Netze) Materielle Sicherung von Leitungen und Verteilern (optional) Verhinderung von Ausgleichsströmen auf Schirmungen __________________________________________________________________________________________ 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.2 Verkabelung __________________________________________________________________________________________ Organisation: - M 2.19 (2) - M 2.20 (3) Neutrale Dokumentation in den Verteilern Kontrolle bestehender Verbindungen (optional) Kommunikation: - M 5.1 (3) Entfernen oder Kurzschließen und Erden nicht benötigter Leitungen - M 5.2 (2) Auswahl einer geeigneten Netz-Topographie (bei Verkabelung neuer Netze) - M 5.3 (2) Auswahl geeigneter Kabeltypen unter kommunikationstechnischer Sicht (bei Verkabelung neuer Netze) - M 5.4 (2) Dokumentation und Kennzeichnung der Verkabelung - M 5.5 (2) Schadensmindernde Kabelführung (bei Verkabelung neuer Netze) Notfallvorsorge: - M 6.18 (3) Redundante Leitungsführung (optional) ˆ __________________________________________________________________________________________ 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.3.1 Büroraum __________________________________________________________________________________________ 4.3 Räume 4.3.1 Büroraum Beschreibung Der Büroraum ist ein Raum, in dem sich ein oder mehrere Mitarbeiter aufhalten, um dort der Erledigung ihrer Aufgaben evtl. auch IT-unterstützt nachzugehen. Diese Aufgaben können aus den verschiedensten Tätigkeiten bestehen: Erstellung von Schriftstücken, Bearbeitung von Karteien und Listen, Durchführung von Besprechungen und Telefonaten, Lesen von Akten und sonstigen Unterlagen. Wird jedoch ein Büroraum überwiegend zur Archivierung von Datenträgern genutzt, ist zusätzlich Kapitel 4.3.3 Datenträgerarchiv zu beachten. Ist in einem Büroraum ein Server (LAN, TK-Anlage, o. ä.) aufgestellt, sind zusätzlich die Maßnahmen aus Kapitel 4.3.2 (Serverraum) zu beachten. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines Büroraums werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.6 Unbefugter Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen - G 2.14 Beeinträchtigung der IT-Nutzung durch ungünstige Arbeitsbedingungen Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.4 Diebstahl - G 5.5 Vandalismus Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Büroraum" vorgestellt: Infrastruktur: - M 1.15 (1) - M 1.23 (1) Geschlossene Fenster und Türen Abgeschlossene Türen Organisation: - M 2.14 (2) - M 2.16 (2) - M 2.17 (2) - M 2.18 (3) Schlüsselverwaltung Beaufsichtigung oder Begleitung von Fremdpersonen Zutrittsregelung und -kontrolle Kontrollgänge (optional) Personal: - M 3.9 Ergonomischer Arbeitsplatz (optional) (3) ˆ __________________________________________________________________________________________ 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.3.2 Serverraum __________________________________________________________________________________________ 4.3.2 Serverraum Beschreibung Der Serverraum dient in erster Linie zur Unterbringung eines Servers, z. B. eines LAN-Servers, eines UnixZentralrechners oder eines Servers für eine TK-Anlage. Darüber hinaus können dort serverspezifische Unterlagen, Datenträger in kleinem Umfang, weitere Hardware (Sternkoppler, Protokolldrucker, Klimatechnik) vorhanden sein. Im Serverraum ist kein ständig besetzter Arbeitsplatz eingerichtet; er wird nur sporadisch und zu kurzfristigen Arbeiten betreten. Zu beachten ist jedoch, daß im Serverraum aufgrund der Konzentration von ITGeräten und Daten ein deutlich höherer Schaden eintreten kann als zum Beispiel in einem Büroraum. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines Serverraumes werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.4 Feuer - G 1.5 Wasser - G 1.7 Unzulässige Temperatur und Luftfeuchte Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.6 Unbefugter Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung - G 4.2 Ausfall interner Versorgungsnetze - G 4.6 Spannungsschwankungen/Überspannung/Unterspannung Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.3 Einbruch - G 5.4 Diebstahl - G 5.5 Vandalismus Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Serverraum" vorgestellt: Infrastruktur: - M 1.3 (1) - M 1.7 (2) - M 1.8 (2) - M 1.10 (2) - M 1.15 (1) Angepaßte Aufteilung der Stromkreise Handfeuerlöscher Raumbelegung unter Berücksichtigung von Brandlasten Verwendung von Sicherheitstüren (optional) Geschlossene Fenster und Türen __________________________________________________________________________________________ 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.3.2 Serverraum __________________________________________________________________________________________ - M 1.18 M 1.23 M 1.24 M 1.25 M 1.26 M 1.27 M 1.28 M 1.31 (2) (1) (3) (2) (2) (2) (1) (3) Organisation: - M 2.14 (2) - M 2.16 (2) - M 2.17 (2) - M 2.18 (3) - M 2.21 (2) Gefahrenmeldeanlage (optional) Abgeschlossene Türen Vermeidung von wasserführenden Leitungen (optional) Überspannungsschutz (optional) Not-Aus-Schalter (optional) Klimatisierung (optional) Lokale unterbrechungsfreie Stromversorgung (optional) Fernanzeige von Störungen (optional) Schlüsselverwaltung Beaufsichtigung oder Begleitung von Fremdpersonen Zutrittsregelung und -kontrolle Kontrollgänge (optional) Rauchverbot ‰ __________________________________________________________________________________________ 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.3.3 Datenträgerarchiv __________________________________________________________________________________________ 4.3.3 Datenträgerarchiv Beschreibung Das Datenträgerarchiv dient der Lagerung von Datenrägern jeder Art. Im Rahmen des IT-Grundschutzes werden an den Archivraum hinsichtlich des Brandshutzes keine erhöhten Anforderungen gestellt. Der Brandschutz kann entsprechend den Bedürfnissen des IT-Betreibers durch die Behältnisse, in denen die Datenräger aufbewahrt werden, realisiert werden. Bei zentralen Datenträgerarchiven und Datensicherungsrchiven ist die Nutzung von Datensicherungsschränken (vgl. Kapitel 4.4) empfehlenswert, um den Brandschutz, den Schutz gegen unbefugten Zugriff und die Durchsetzung von Zugangsberechtigungen zu unterstützen. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines Datenträgerarchivs werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.4 - G 1.5 - G 1.7 - G 1.8 Feuer Wasser Unzulässige Temperatur und Luftfeuchte Staub, Verschmutzung Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.6 Unbefugter Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen Vorsätzliche Handlungen: - G 5.3 Einbruch - G 5.4 Diebstahl - G 5.5 Vandalismus Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Datenträgerarchiv" vorgestellt: Infrastruktur: - M 1.6 (2) - M 1.7 (2) - M 1.8 (2) - M 1.10 (2) - M 1.15 (1) - M 1.18 (2) - M 1.23 (1) - M 1.24 (3) - M 1.27 (2) Einhaltung von Brandschutzvorschriften und Auflagen der örtlichen Feuerwehr Handfeuerlöscher Raumbelegung unter Berücksichtigung von Brandlasten Verwendung von Sicherheitstüren (optional) Geschlossene Fenster Gefahrenmeldeanlage (optional) Abgeschlossene Türen Vermeidung von wasserführenden Leitungen (optional) Klimatisierung (optional) __________________________________________________________________________________________ 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.3.3 Datenträgerarchiv __________________________________________________________________________________________ Organisation: - M 2.14 (2) - M 2.16 (2) - M 2.17 (2) - M 2.18 (3) - M 2.21 (2) Schlüsselverwaltung Beaufsichtigung oder Begleitung von Fremdpersonal Zutrittsregelung und -kontrolle Kontrollgänge (optional) Rauchverbot ˆ __________________________________________________________________________________________ 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.3.4 Raum für technische Infrastruktur __________________________________________________________________________________________ 4.3.4 Raum für technische Infrastruktur Beschreibung In Räumen für technische Infrastruktur sind in der Regel solche Geräte und Einrichtungen untergebracht, die keine oder nur eine seltene Bedienung durch einen Menschen benötigen. In der Regel wird es sich um Verteiler interner Versorgungsnetze handeln (z. B. Postkabeleingangsraum, Hochspannungsübergaberaum, Mittelspannungsübergaberaum, Niederspannungshauptverteiler). Eventuell werden in diesen Räumen auch die Sicherungen der Elektroversorgung untergebracht. Auch die Aufstellung sonstiger Geräte (USV, Sternkoppler, etc.) ist vorstellbar. Selbst ein Netzserver kann, wenn er keinen eigenen Raum hat (Kapitel 4.3.2 Serverraum), hier untergebracht sein. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines Raums für technische Infrastruktur werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.4 Feuer - G 1.5 Wasser - G 1.7 Unzulässige Temperatur und Luftfeuchte Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.6 Unbefugter Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung - G 4.2 Ausfall interner Versorgungsnetze - G 4.6 Spannungsschwankungen/Überspannung/Unterspannung Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.3 Einbruch - G 5.4 Diebstahl - G 5.5 Vandalismus Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Raum für technische Infrastruktrur" vorgestellt: Infrastruktur: - M 1.3 (1) - M 1.6 (2) - M 1.7 (2) - M 1.8 (2) - M 1.10 (2) - M 1.15 (1) Angepaßte Aufteilung der Stromkreisen Einhaltung von Brandschutzvorschriften und Auflagen der örtlichen Feuerwehr Handfeuerlöscher Raumbelegung unter Berücksichtigung von Brandlasten Verwendung von Sicherheitstüren (optional) Geschlossene Fenster und Türen __________________________________________________________________________________________ 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.3.4 Raum für technische Infrastruktur __________________________________________________________________________________________ - M 1.18 M 1.23 M 1.24 M 1.25 M 1.26 M 1.27 M 1.31 (2) (1) (2) (2) (2) (2) (3) Organisation: - M 2.14 (2) - M 2.16 (2) - M 2.17 (2) - M 2.18 (3) - M 2.21 (2) Gefahrenmeldeanlage (optional) Abgeschlossene Türen Vermeidung von wasserführenden Leitungen (optional) Überspannungsschutz (optional) Not-Aus-Schalter (optional) Klimatisierung (optional) Fernanzeige von Störungen (optional) Schlüsselverwaltung Beaufsichtigung oder Begleitung von Fremdpersonen Zutrittsregelung und -kontrolle Kontrollgänge (optional) Rauchverbot ˆ __________________________________________________________________________________________ 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.4 Schutzschränke __________________________________________________________________________________________ 4.4 Schutzschränke Beschreibung Schutzschränke dienen zur Aufbewahrung von Datenträgern jeder Art oder zur Unterbringung von informationstechnischen Geräten ("Serverschrank"). Diese Schutzschränke sollen den Inhalt gegen unbefugten Zugriff und/oder gegen die Einwirkung von Feuer oder schädigenden Stoffen (z. B. Staub) schützen. Sie können als Ersatz für einen Serverraum oder ein Datenträgerarchiv (vgl. Kapitel 4.3.2 und 4.3.3) eingesetzt werden, wenn die vorhandenen räumlichen oder organisatorischen Gegebenheiten eigene Räume nicht zulassen. Darüber hinaus können Schutzschränke auch in Serverräumen oder Datenträgerarchiven eingesetzt werden, um die Schutzwirkung der Räume zu erhöhen. Sie sind auch zu empfehlen, wenn in einem Serverraum Server aus unterschiedlichen Organisationsbereichen aufgestellt sind, die dem jeweils anderen Administrator nicht zugänglich sein sollen. Da die Kosten für Schutzschränke nicht unerheblich sind, ist ein Kostenvergleich dringend empfehlenswert. Zu vergleichen sind die Kosten, die die Beschaffung und der Unterhalt eines Schutzschrankes verursachen, mit den Kosten, die für die Errichtung eines Serverraums bzw. Datenträgerarchivs und den Unterhalt der Räume anfallen würden. Um mit einem Schutzschrank einen mit den dedizierten Räumen vergleichbaren Schutz zu erreichen, sind eine Reihe von Maßnahmen, beginnend mit der geeigneten Auswahl bis zur Aufstellung und Nutzungsregelung, notwendig. Diese werden im vorliegenden Kapitel vorgestellt. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines Schutzschrankes werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.4 - G 1.5 - G 1.7 - G 1.8 Feuer Wasser Unzulässige Temperatur und Luftfeuchte (nur Serverschrank) Staub, Verschmutzung Organisatorische Mängel: - G 2.4 Unzureichende Kontrolle der IT-Sicherheitsmaßnahmen Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.21 Fehlbedienung von Codeschlössern Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung (nur Serverschrank) - G 4.2 Ausfall interner Versorgungsnetze (nur Serverschrank) - G 4.3 Ausfall vorhandener Sicherungseinrichtungen - G 4.4 Leitungsbeeinträchtigung durch Umfeldfaktoren Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.4 Diebstahl __________________________________________________________________________________________ 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.4 Schutzschränke __________________________________________________________________________________________ - G 5.5 G 5.16 G 5.17 G 5.53 Vandalismus Gefährdung bei Wartungs-/Administrierungsarbeiten durch internes Personal Gefährdung bei Wartungsarbeiten durch externes Personal Bewußte Fehlbedienung von Schutzschränken aus Bequemlichkeit Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Schutzschränke" vorgestellt. Es ist gruppiert nach den Maßnahmen, die im Aufstellungsraum des Schutzschrankes, für den Schutzschrank allgemein und für Serverschränke speziell realisiert werden müssen. Für den Raum, in dem der Schutzschrank aufgestellt werden soll, sind folgende Maßnahmen zu beachten: Infrastruktur: - M 1.7 (2) - M 1.8 (2) - M 1.15 (2) - M 1.18 (2) - M 1.24 (3) Handfeuerlöscher Raumbelegung unter Berücksichtigung von Brandlasten Geschlossene Fenster und Türen Gefahrenmeldeanlage (optional) Vermeidung von wasserführenden Leitungen (optional) Organisation: - M 2.6 (1) - M 2.14 (2) - M 2.16 (2) - M 2.17 (2) - M 2.18 (3) - M 2.21 (2) Vergabe von Zutrittsberechtigungen Schlüsselverwaltung Beaufsichtigung oder Begleitung von Fremdpersonen Zutrittsregelung und -kontrolle Kontrollgänge (optional) Rauchverbot (optional) Für die Beschaffung und den Einsatz eines Schutzschrankes sind folgende Maßnahmen umzusetzen: Infrastruktur: - M 1.1 (2) - M 1.18 (2) - M 1.40 (1) Einhaltung einschlägiger DIN-Normen/VDE-Vorschriften Gefahrenmeldeanlage (für den Schutzschrank) (optional) Geeignete Aufstellung von Schutzschränken Organisation: - M 2.6 (1) - M 2.14 (2) - M 2.95 (1) - M 2.96 (1) - M 2.97 (1) Vergabe von Zutrittsberechtigungen Schlüsselverwaltung Beschaffung geeigneter Schutzschränke Verschluß von Schutzschränken Korrekter Umgang mit Codeschlösser (falls vorhanden) Personal: - M 3.3 (1) - M 3.5 (2) - M 3.20 (1) Vertretungsregelungen Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Einweisung in die Bedienung von Schutzschränken __________________________________________________________________________________________ 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.4 Schutzschränke __________________________________________________________________________________________ Soll der Schutzschrank als Serverschrank eingesetzt werden, sind zusätzlich zu den oben genannten noch folgende Maßnahmen im bzw. für den Serverschrank zu realisieren: Infrastruktur: - M 1.25 (2) - M 1.26 (2) - M 1.27 (2) - M 1.28 (2) - M 1.31 (2) - M 1.41 (2) Überspannungsschutz (optional) Not-Aus-Schalter Klimatisierung (optional) Lokale unterbrechungsfreie Stromversorgung (optional) Fernanzeige von Störungen (optional) Schutz gegen elektromagnetische Einstrahlung (optional) Orsanisation: - M 2.4 (2) Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten ˆ __________________________________________________________________________________________ 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.5 Häuslicher Arbeitsplatz __________________________________________________________________________________________ 4.5 Häuslicher Arbeitsplatz Beschreibung Werden dienstliche Aufgaben in der häuslichen Umgeung und nicht in Räumen des Unternehmens bzw. der Behörde wahrgenommen, sind Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, die eine mit einem Büroraum vergleichbare Sicherheitssituation erreichen lassen. Bei einem häuslichen Arbeitsplatz kann nicht die infrastrukturelle Sicherheit, wie sie in einer gewerblichen oder behördichen Büroumgebung anzutreffen ist, vorausgesetzt werden. Besucher oder Familienangehörige haben oftmals Zutritt zu diesem Arbeitsplatz. In diesem Kapitel werden die typischen Gefährdungen und Maßnahmen für einen häuslichen Arbeitsplatz beschrieben. Dieser häusliche Arbeitsplatz kann zum Beispiel im Rahmen der Telearbeit, bei freien Mitarbeitern und für Selbständige eingesetzt werden. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz des häuslichen Arbeitsplatzes werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.4 Feuer - G 1.5 Wasser Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.6 Unbefugter Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen - G 2.14 Beeinträchtigung der IT-Nutzung durch ungünstige Arbeitsbedingungen - G 2.47 Ungesicherter Akten- und Datenträgertransport - G 2.48 Ungeeignete Entsorgung der Datenträger und Dokumente am häuslichen Arbeitsplatz Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.3 Unbefugtes Eindringen in ein Gebäude - G 5.69 Erhöhte Diebstahlgefahr am häuslichen Arbeitsplatz - G 5.70 Manipulation durch Mitbewohner und Familienangehörige - G 5.71 Vertraulichkeitsverlust schützenswerter Informationen __________________________________________________________________________________________ 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
4.5 Häuslicher Arbeitsplatz __________________________________________________________________________________________ Maßnahmenempfehlungen: Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Häuslicher Arbeitsplatz" vorgestellt. Infrastruktur: - M 1.1 (2) - M 1.7 (3) - M 1.15 (1) - M 1.19 (2) - M 1.23 (1) - M 1.44 (2) - M 1.45 (1) Organisation: - M 2.13 (1) - M 2.16 (2) - M 2.37 (2) - M 2.112 (2) Einhaltung einschlägiger DIN-Normen/VDE-Vorschriften Handfeuerlöscher (optional) Geschlossene Fenster und Türen Einbruchsschutz (optional) Abgeschlossene Türen Geeignete Einrichtung eines häuslichen Arbeitsplatzes Geeignete Aufbewahrung dienstlicher Unterlagen und Datenträger - M 2.136 (2) Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln Beaufsichtigung oder Begleitung von Fremdpersonen "Der aufgeräumte Arbeitsplatz" Regelung des Akten- und Datenträgertransports zwischen häuslichem Arbeitsplatz und Institution Einhaltung von Regelungen bzgl. Arbeitsplatz und Arbeitsumgebung Personal: - M 3.9 Ergonomischer Arbeitsplatz (optional) (3) ˆ __________________________________________________________________________________________ 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5 Nicht vernetzte Systeme __________________________________________________________________________________________ 5 Nicht vernetzte Systeme In diesem Kapitel wird der IT-Grundschutz für nicht vernetzte Systeme oder Systeme, die als Client in einem Netz eingesetzt werden können, definiert. Für die noch nicht im IT-Grundschutzhandbuch betrachteten IT-Systeme wie z. B. OS/2 kann der generische Baustein 5.99 angewendet werden. 5.1 DOS-PC (ein Benutzer) 5.2 Unix-System 5.3 Tragbarer PC 5.4 PCs mit wechselnden Benutzern 5.5 PC unter Windows NT 5.6 PC mit Windows 95 5.99 Allgemeines nicht vernetztes IT-System __________________________________________________________________________________________ 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
5.1 DOS-PC (ein Benutzer) __________________________________________________________________________________________ 5.1 DOS-PC (ein Benutzer) Beschreibung Betrachtet wird ein handelsüblicher IBM-kompatibler PC, der mit dem Betriebssystem DOS oder einem vergleichbaren betrieben wird. Dieser PC soll nicht an ein lokales Netz angeschlossen sein. Der PC verfügt über ein Diskettenlaufwerk, eine Festplatte und evtl. eine Maus. Ein eventuell vorhandener Drucker wird direkt am PC angeschlossen. Weiterhin kann eine graphische Benutzeroberfläche eingesetzt sein. Für die weiteren Betrachtungen wird vorausgesetzt, dass dieser PC nur von einem Benutzer betrieben wird. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines DOS-PC (ein Benutzer) werden folgende Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.1 - G 1.2 - G 1.4 - G 1.5 - G 1.8 Personalausfall Ausfall des IT-Systems Feuer Wasser Staub, Verschmutzung Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung - G 4.7 Defekte Datenträger Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.4 Diebstahl - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.23 Computer-Viren - G 5.43 Makro-Viren __________________________________________________________________________________________ 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5.1 DOS-PC (ein Benutzer) __________________________________________________________________________________________ Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "DOS-PC (ein Benutzer)" vorgestellt: Infrastruktur: - M 1.29 (3) Geeignete Aufstellung eines IT-Systems (optional) Organisation: - M 2.3 (2) - M 2.4 (2) - M 2.9 (3) - M 2.10 (3) - M 2.13 (2) - M 2.22 (2) - M 2.23 (3) - M 2.24 (3) Datenträgerverwaltung Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Überprüfung des Software-Bestandes Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln Hinterlegen des Passwortes Herausgabe einer PC-Richtlinie (optional) Einführung eines PC-Checkheftes (optional) Personal: - M 3.4 - M 3.5 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen (1) (1) Hardware/Software: - M 4.1 (1) Passwortschutz für IT-Systeme - M 4.2 (1) Bildschirmsperre - M 4.3 (2) Regelmäßiger Einsatz eines Viren-Suchprogramms - M 4.4 (3) Verschluss der Diskettenlaufwerkschächte (optional) - M 4.30 (2) Nutzung der in Anwendungsprogrammen angebotenen Sicherheitsfunktionen (optional) - M 4.44 (2) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren - M 4.84 (1) Nutzung der BIOS-Sicherheitsmechanismen Notfallvorsorge: - M 6.20 (2) - M 6.21 (3) - M 6.22 (2) - M 6.23 (2) - M 6.24 (3) - M 6.27 (3) - M 6.32 (1) Geeignete Aufbewahrung der Backup-Datenträger Sicherungskopie der eingesetzten Software Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus Erstellen einer PC-Notfalldiskette Sichern des CMOS-RAM Regelmäßige Datensicherung ˆ __________________________________________________________________________________________ 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5.2 Unix-System __________________________________________________________________________________________ 5.2 Unix-System Beschreibung Betrachtet wird ein Unix-System, das entweder im Standalone-Betrieb oder als Client in einem Netz genutzt wird. Es können Terminals, Laufwerke, Drucker und andere Geräte angeschlossen sein. Weiterhin kann eine graphische Benutzeroberfläche wie X-Windows eingesetzt sein. Entsprechend können dann auch X-Terminals und graphische Eingabegeräte angeschlossen sein. Bei den weiteren Betrachtungen wird davon ausgegangen, dass ein Unix-System üblicherweise von mehreren Personen benutzt wird. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines Unix-Systems werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.1 - G 1.2 - G 1.4 - G 1.5 - G 1.8 Personalausfall Ausfall des IT-Systems Feuer Wasser Staub, Verschmutzung Organisatorische Mängel: - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten - G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen beim IT-Einsatz - G 2.15 Vertraulichkeitsverlust schutzbedürftiger Daten im Unix-System Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.5 Unbeabsichtigte Leitungsbeschädigung - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems - G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung - G 4.6 Spannungsschwankungen/Überspannung/Unterspannung - G 4.7 Defekte Datenträger - G 4.8 Bekanntwerden von Softwareschwachstellen - G 4.11 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen NIS-Server und NIS-Client - G 4.12 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen X-Server und X-Client Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.4 Diebstahl - G 5.7 Abhören von Leitungen - G 5.8 Manipulation an Leitungen __________________________________________________________________________________________ 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
5.2 Unix-System __________________________________________________________________________________________ - G 5.9 G 5.18 G 5.19 G 5.20 G 5.21 G 5.23 G 5.40 G 5.41 G 5.43 G 5.89 Unberechtigte IT-Nutzung Systematisches Ausprobieren von Passwörtern Missbrauch von Benutzerrechten Missbrauch von Administratorrechten Trojanische Pferde Computer-Viren Abhören von Räumen mittels Rechner mit Mikrofon Mißbräuchliche Nutzung eines Unix-Systems mit Hilfe von uucp Makro-Viren Hijacking von Netz-Verbindungen Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Unix-System" vorgestellt. Für eventuell angeschlossene Rechner (DOS-PC, PC unter Windows NT oder Windows 95) sind die in Kapitel 5 beschriebenen Maßnahmen zu realisieren. Darüber hinaus sind folgende weitere Maßnahmen umzusetzen: Infrastruktur: - M 1.29 (3) Geeignete Aufstellung eines IT-Systems (optional) Organisation: - M 2.3 (2) - M 2.4 (2) - M 2.9 (2) - M 2.10 (3) - M 2.13 (2) - M 2.22 (2) - M 2.25 (1) - M 2.26 (1) - M 2.30 (1) - M 2.31 (1) - M 2.32 (2) - M 2.33 (2) - M 2.34 (1) - M 2.35 (1) Datenträgerverwaltung Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Überprüfung des Software-Bestandes Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln Hinterlegen des Passwortes Dokumentation der Systemkonfiguration Ernennung eines Administrators und eines Vertreters Regelung für die Einrichtung von Benutzern / Benutzergruppen Dokumentation der zugelassenen Benutzer und Rechteprofile Einrichtung einer eingeschränkten Benutzerumgebung Aufteilung der Administrationstätigkeiten unter Unix Dokumentation der Veränderungen an einem bestehenden System Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems Personal: - M 3.4 - M 3.5 - M 3.10 - M 3.11 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals (1) (1) (1) (1) Hardware/Software: Zugang zum Unix-System - M 4.2 (2) Bildschirmsperre - M 4.7 (1) Änderung voreingestellter Passwörter - M 4.13 (1) Sorgfältige Vergabe von IDs - M 4.14 (1) Obligatorischer Passwortschutz unter Unix __________________________________________________________________________________________ 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
5.2 Unix-System __________________________________________________________________________________________ - M 4.15 M 4.16 M 4.17 M 4.18 (2) (3) (2) (1) - M 4.105 (1) Gesichertes Login Zugangsbeschränkungen für Accounts und/oder Terminals Sperren und Löschen nicht benötigter Accounts und Terminals Administrative und technische Absicherung des Zugangs zum Monitor- und Single-User-Modus Erste Maßnahmen nach einer Unix-Standardinstallation Attributvergabe/Arbeiten mit dem Unix-System - M 4.9 (1) Einsatz der Sicherheitsmechanismen von X-Windows - M 4.19 (1) Restriktive Attributvergabe bei Unix-Systemdateien und -verzeichnissen - M 4.20 (2) Restriktive Attributvergabe bei Unix-Benutzerdateien und -verzeichnissen - M 4.21 (1) Verhinderung des unautorisierten Erlangens von Administratorrechten - M 4.22 (3) Verhinderung des Vertraulichkeitsverlusts schutzbedürftiger Daten im UnixSystem - M 4.23 (3) Sicherer Aufruf ausführbarer Dateien Protokollierung/Sicherheitscheck - M 4.25 (1) Einsatz der Protokollierung im Unix-System - M 4.26 (2) Regelmäßiger Sicherheitscheck des Unix-Systems - M 4.40 (2) Verhinderung der unautorisierten Nutzung des Rechnermikrofons - M 4.106 (2) Aktivierung der Systemprotokollierung Kommunikation: - M 5.17 (1) - M 5.18 (1) - M 5.19 (1) - M 5.20 (1) - M 5.21 (1) - M 5.34 (2) - M 5.35 (1) - M 5.36 (2) - M 5.64 (2) - M 5.72 (1) Einsatz der Sicherheitsmechanismen von NFS Einsatz der Sicherheitsmechanismen von NIS Einsatz der Sicherheitsmechanismen von sendmail Einsatz der Sicherheitsmechanismen von rlogin, rsh und rcp Sicherer Einsatz von telnet, ftp, tftp und rexec Einsatz von Einmalpasswörtern (optional) Einsatz der Sicherheitsmechanismen von UUCP Verschlüsselung unter Unix (optional) Nutzung von Secure Shell Deaktivieren nicht benötigter Netzdienste Notfallvorsorge: - M 6.20 (2) - M 6.21 (2) - M 6.22 (2) - M 6.31 (2) - M 6.32 (1) Geeignete Aufbewahrung der Backup-Datenträger Sicherungskopie der eingesetzten Software Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen Verhaltensregeln nach Verlust der Systemintegrität Regelmäßige Datensicherung ˆ __________________________________________________________________________________________ 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
5.3 Tragbarer PC __________________________________________________________________________________________ 5.3 Tragbarer PC Beschreibung Unter einem tragbaren PC (Laptop, Notebook) wird ein handelsüblicher IBM-kompatibler PC verstanden, der mit dem Betriebssystem DOS oder einem vergleichbaren betrieben wird. Er verfügt über ein Diskettenlaufwerk und eine Festplatte. Einrichtungen zur Datenfernübertragung (Modem) werden hier nicht behandelt (vgl. Kap. 7.2). Von besonderer Bedeutung ist, daß dieser PC aufgrund seiner Bauart, insbesondere mit interner Stromversorgung, mobil genutzt werden kann. Für den tragbaren PC wird vorausgesetzt, daß er innerhalb eines bestimmten Zeitraums nur von einem Benutzer gebraucht wird. Ein anschließender Benutzerwechsel wird berücksichtigt. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines tragbaren PC werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.1 - G 1.2 - G 1.4 - G 1.5 - G 1.8 Personalausfall Ausfall des IT-Systems Feuer Wasser Staub, Verschmutzung Organisatorische Mängel: - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten - G 2.8 Unkontrollierter Einsatz von Betriebsmitteln - G 2.16 Ungeordneter Benutzerwechsel bei tragbaren PCs Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems Technisches Versagen: - G 4.7 Defekte Datenträger - G 4.9 Ausfall der internen Stromversorgung Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.4 Diebstahl - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.22 Diebstahl bei mobiler Nutzung des IT-Systems - G 5.23 Computer-Viren - G 5.43 Makro-Viren __________________________________________________________________________________________ 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5.3 Tragbarer PC __________________________________________________________________________________________ Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Tragbarer PC" vorgestellt: Infrastruktur: - M 1.33 (1) - M 1.34 (2) - M 1.35 (3) Geeignete Aufbewahrung tragbarer PCs bei mobilem Einsatz Geeignete Aufbewahrung tragbarer PCs im stationären Einsatz Sammelaufbewahrung mehrerer tragbarer PCs (optional) Organisation: - M 2.3 (2) - M 2.4 (2) - M 2.9 (2) - M 2.10 (3) - M 2.13 (2) - M 2.22 (3) - M 2.23 (3) - M 2.24 (3) - M 2.36 (2) Datenträgerverwaltung Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Überprüfung des Software-Bestandes Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln Hinterlegen des Paßwortes Herausgabe einer PC-Richtlinie (optional) Einführung eines PC-Checkheftes (optional) Geregelte Übergabe und Rücknahme eines tragbaren PC Personal: - M 3.4 - M 3.5 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen (1) (1) Hardware/Software: - M 4.2 (1) Bildschirmsperre - M 4.3 (2) Regelmäßiger Einsatz eines Viren-Suchprogramms - M 4.4 (2) Verschluß der Diskettenlaufwerkschächte (optional) - M 4.27 (1) Paßwortschutz am tragbaren PC - M 4.28 (3) Software-Reinstallation bei Benutzerwechsel eines tragbaren PC (optional) - M 4.29 (1) Einsatz eines Verschlüsselungsproduktes für tragbare PCs (optional) - M 4.30 (2) Nutzung der in Anwendungsprogrammen angebotenen Sicherheitsfunktionen (optional) - M 4.31 (2) Sicherstellung der Energieversorgung im mobilen Einsatz - M 4.44 (2) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren Notfallvorsorge: - M 6.20 (2) - M 6.21 (3) - M 6.22 (2) - M 6.23 (2) - M 6.24 (3) - M 6.27 (3) - M 6.32 (1) Geeignete Aufbewahrung der Backup-Datenträger Sicherungskopie der eingesetzten Software Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus Erstellen einer PC-Notfalldiskette Sichern des CMOS-RAM Regelmäßige Datensicherung ˆ __________________________________________________________________________________________ 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5.4 PCs mit wechselnden Benutzern __________________________________________________________________________________________ 5.4 PCs mit wechselnden Benutzern Beschreibung Dieser Baustein sollte beim Einsatz von PCs mit wechselnden Benutzern beachtet werden. Betrachtet wird ein handelsüblicher IBM-kompatibler PC, der mit dem Betriebssystem DOS oder einem vergleichbaren betrieben wird. Für PCs, die mit anderen Betriebssystemen betrieben werden, sind die Maßnahmen analog anzupassen. DOS Wenn der PC an ein lokales Netz angeschlossen ist, sind die entsprechenden Bausteine aus Kapitel 6 umzusetzen. Der PC kann über Disketten- und CD-Laufwerke, eine Festplatte, eine Maus und andere Peripheriegeräte verfügen. Ein eventuell vorhandener Drucker wird direkt am PC angeschlossen. Weiterhin kann eine graphische Benutzeroberfläche eingesetzt sein. Für die weiteren Betrachtungen wird vorausgesetzt, dass mehrere Personen, die unterschiedliche Zugriffsrechte auf die gespeicherten Daten besitzen, diesen PC nutzen. PCs mit wechselnden Benutzern können z. B. in PC-Pools, für Schulungszwecke oder aufgrund organisationsinterner Gegebenheiten eingesetzt werden. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines PCs mit wechselnden Benutzern werden folgende typischen Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.1 - G 1.2 - G 1.4 - G 1.5 - G 1.8 Personalausfall Ausfall des IT-Systems Feuer Wasser Staub, Verschmutzung Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten - G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen - G 2.21 Mangelhafte Organisation des Wechsels zwischen den Benutzern - G 2.22 Fehlende Auswertung von Protokolldaten Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems - G 3.16 Fehlerhafte Administration von Zugangs- und Zugriffsrechten - G 3.17 Kein ordnungsgemäßer PC-Benutzerwechsel Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung - G 4.7 Defekte Datenträger __________________________________________________________________________________________ 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
5.4 PCs mit wechselnden Benutzern __________________________________________________________________________________________ Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.4 Diebstahl - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Passwörtern - G 5.21 Trojanische Pferde - G 5.23 Computer-Viren - G 5.43 Makro-Viren Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Für die Durchführung von Datensicherungen seiner persönlichen Daten ist jeder Benutzer selbst verantwortlich. Der Virenproblematik ist bei Rechnern mit wechselnden Benutzern ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Es sollte daher ein residentes Viren-Suchprogramm eingesetzt werden. Ansonsten ist sicherzustellen, dass eine Überprüfung auf Computer-Viren vor und nach jedem Benutzerwechsel vorgenommen wird. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "PCs mit wechselnden Benutzern" vorgestellt: Infrastruktur: - M 1.29 (3) Geeignete Aufstellung eines IT-Systems (optional) Organisation: - M 2.3 (2) - M 2.4 (2) - M 2.5 (2) - M 2.7 (2) - M 2.8 (2) - M 2.9 (2) - M 2.10 (3) - M 2.13 (2) - M 2.22 (3) - M 2.23 (3) - M 2.24 (3) - M 2.26 (1) - M 2.37 (2) - M 2.63 (1) - M 2.64 (2) - M 2.65 (1) - M 2.66 (2) Datenträgerverwaltung Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Aufgabenverteilung und Funktionstrennung Vergabe von Zugangsberechtigungen Vergabe von Zugriffsrechten Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Überprüfung des Software-Bestandes Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln Hinterlegen des Passwortes Herausgabe einer PC-Richtlinie (optional) Einführung eines PC-Checkheftes (optional) Ernennung eines Administrators und eines Vertreters "Der aufgeräumte Arbeitsplatz" Einrichten der Zugriffsrechte Kontrolle der Protokolldateien Kontrolle der Wirksamkeit der Benutzer-Trennung am IT-System Beachtung des Beitrags der Zertifizierung für die Beschaffung Personal: - M 3.4 - M 3.5 - M 3.10 - M 3.11 - M 3.18 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals Verpflichtung der Benutzer zum Abmelden nach Aufgabenerfüllung (1) (1) (1) (1) (1) __________________________________________________________________________________________ 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
5.4 PCs mit wechselnden Benutzern __________________________________________________________________________________________ Hardware/Software: - M 4.3 (2) Regelmäßiger Einsatz eines Viren-Suchprogramms - M 4.4 (3) Verschluss der Diskettenlaufwerkschächte (optional) - M 4.30 (2) Nutzung der in Anwendungsprogrammen angebotenen Sicherheitsfunktionen (optional) - M 4.41 (1) Einsatz eines angemessenen PC-Sicherheitsproduktes - M 4.42 (2) Implementierung von Sicherheitsfunktionalitäten in der IT-Anwendung (optional) - M 4.44 (2) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren - M 4.109 (2) Software-Reinstallation bei Arbeitsplatzrechnern Notfallvorsorge: - M 6.20 (2) - M 6.21 (3) - M 6.22 (2) - M 6.23 (2) - M 6.24 (3) - M 6.27 (3) - M 6.32 (2) Geeignete Aufbewahrung der Backup-Datenträger Sicherungskopie der eingesetzten Software Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus Erstellen einer PC-Notfalldiskette Sichern des CMOS-RAM Regelmäßige Datensicherung ˆ __________________________________________________________________________________________ 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
5.5 PC unter Windows NT __________________________________________________________________________________________ 5.5 PC unter Windows NT Beschreibung WINDOWS Betrachtet werden einzelne, nicht vernetzte PCs mit Festplatte (wie in Kapitel 5.1 beschrieben), die unter dem Betriebssystem Windows NT (Version 3.51 oder 4.0) betrieben werden. Die PCs können mit einem Diskettenlaufwerk ausgestattet sein. Auf sicherheitsspezifische Aspekte von einzelnen Windows NTAnwendungen wird nur am Rande eingegangen. NT Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz einzelner PCs unter dem Betriebssystem Windows NT werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.1 - G 1.2 - G 1.4 - G 1.5 - G 1.8 Personalausfall Ausfall des IT-Systems Feuer Wasser Staub, Verschmutzung Organisatorische Mängel: - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten - G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen beim IT-Einsatz - G 2.31 Unzureichender Schutz des Windows NT Systems Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems - G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung - G 4.7 Defekte Datenträger - G 4.8 Bekanntwerden von Softwareschwachstellen - G 4.23 Automatische CD-ROM-Erkennung Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.4 Diebstahl - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Passwörtern - G 5.21 Trojanische Pferde - G 5.23 Computer-Viren - G 5.43 Makro-Viren __________________________________________________________________________________________ 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5.5 PC unter Windows NT __________________________________________________________________________________________ - G 5.52 - G 5.79 Mißbrauch von Administratorrechten im Windows NT System Unberechtigtes Erlangen von Administratorrechten unter Windows NT Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Die in den folgenden Listen mit dem Zusatz "optional" gekennzeichneten Maßnahmen gehen zumindest teilweise über den Grundschutz hinaus, oder sie beziehen sich auf spezielle Einsatzumgebungen. Sie sind dann zu realisieren, wenn die betreffenden Einsatzbedingungen gegeben sind, insbesondere dann, wenn mehrere Benutzer mit demselben System arbeiten und gegeneinander geschützt werden sollen bzw. wenn die Kontrolle sicherheitskritischer Funktionen nicht beim Benutzer selbst liegt, sondern zentral verwaltet werden soll. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Nicht vernetzter Windows NT Rechner" vorgestellt. Infrastruktur: - M 1.29 (3) Geeignete Aufstellung eines IT-Systems (optional) Organisation: - M 2.3 (2) - M 2.4 (2) - M 2.9 (2) - M 2.10 (2) - M 2.13 (2) - M 2.22 (2) - M 2.23 (3) - M 2.24 (3) - M 2.25 (1) - M 2.26 (1) - M 2.30 (2) - M 2.31 (2) - M 2.32 (2) - M 2.34 (2) - M 2.35 (2) Datenträgerverwaltung Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Überprüfung des Software-Bestandes Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln Hinterlegen des Paßwortes Herausgabe einer PC-Richtlinie (optional) Einführung eines PC-Checkheftes (optional) Dokumentation der Systemkonfiguration Ernennung eines Administrators und eines Vertreters (optional) Regelung für die Einrichtung von Benutzern / Benutzergruppen (optional) Dokumentation der zugelassenen Benutzer und Rechteprofile (optional) Einrichtung einer eingeschränkten Benutzerumgebung (optional) Dokumentation der Veränderungen an einem bestehenden System (optional) Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems Personal: - M 3.4 - M 3.5 - M 3.10 - M 3.11 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters (optional) Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals (optional) (1) (1) (1) (1) Hardware/Software: - M 4.1 (1) Paßwortschutz für IT-Systeme - M 4.2 (1) Bildschirmsperre - M 4.3 (2) Regelmäßiger Einsatz eines Viren-Suchprogramms - M 4.4 (3) Verschluß der Diskettenlaufwerkschächte (optional) - M 4.15 (2) Gesichertes Login - M 4.17 (2) Sperren und Löschen nicht benötigter Accounts und Terminals - M 4.30 (2) Nutzung der in Anwendungsprogrammen angebotenen Sicherheitsfunktionen (optional) - M 4.44 (2) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren __________________________________________________________________________________________ 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5.5 PC unter Windows NT __________________________________________________________________________________________ - M 4.48 M 4.49 M 4.50 M 4.51 (1) (1) (2) (3) - M 4.52 (2) - M 4.53 (2) - M 4.54 M 4.55 M 4.56 M 4.57 M 4.75 M 4.76 M 4.77 M 4.84 M 4.93 (2) (2) (3) (2) (1) (3) (1) (1) (1) Notfallvorsorge: - M 6.20 (2) - M 6.21 (3) - M 6.22 (2) - M 6.23 (2) - M 6.27 (3) - M 6.32 (1) - M 6.42 (1) - M 6.44 (1) Paßwortschutz unter Windows NT Absicherung des Boot-Vorgangs für ein Windows NT System Strukturierte Systemverwaltung unter Windows NT (optional) Benutzerprofile zur Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Windows NT (optional) Geräteschutz unter Windows NT Restriktive Vergabe von Zugriffsrechten auf Dateien und Verzeichnisse unter Windows NT Protokollierung unter Windows NT (optional) Sichere Installation von Windows NT Sicheres Löschen unter Windows NT und Windows 95 Deaktivieren der automatischen CD-ROM-Erkennung Schutz der Registrierung unter Windows NT Sichere Systemversion von Windows NT Schutz der Administratorkonten unter Windows NT Nutzung der BIOS-Sicherheitsmechanismen Regelmäßige Integritätsprüfung Geeignete Aufbewahrung der Backup-Datenträger Sicherungskopie der eingesetzten Software Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus Sichern des CMOS-RAM Regelmäßige Datensicherung Erstellung von Rettungsdisketten für Windows NT Datensicherung unter Windows NT ˆ __________________________________________________________________________________________ 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5.6 PC mit Windows 95 __________________________________________________________________________________________ 5.6 PC mit Windows 95 Beschreibung Windows Betrachtet wird ein handelsüblicher PC, der mit dem Betriebssystem Windows 95 betrieben wird. Der PC verfügt über ein Diskettenlaufwerk, eine Fest- oder Wechselplatte, ein CD-ROM Laufwerk und eine Maus. Ein eventuell vorhandener Drucker wird direkt am PC angeschlossen. Für die weiteren Betrachtungen wird zugrunde gelegt, daß dieser PC auch von mehreren Benutzern betrieben werden kann. 95 Dabei gelten jedoch folgende grundlegende Überlegungen: Wesentliche Sicherheitseigenschaften von Windows 95 lassen sich erst in einem servergestütztem Netz realisieren. Wird ein Windows 95-Rechner als Einzelplatzrechner betrieben, so sollte von einem Mehr-Benutzer-Betrieb abgesehen werden, solange nicht unter Zuhilfenahme eines PC-Sicherheitsproduktes wichtige Funktionen wie z. B. Rechtekontrolle und Protokollierung realisiert werden können. Selbst bei Nutzung des Rechners durch nur einen Benutzer gelten dieselben Überlegungen, wenn die Benutzerumgebung durch einen Administrator mittels Systemrichtlinien eingeschränkt werden soll, da faktisch damit wieder ein Mehr-Benutzer-Betrieb entsteht. Fazit: Ein nicht vernetzter Windows 95-Rechner sollte nur von einem Benutzer und uneingeschränkt genutzt werden können. Eine Einschränkung des Benutzers ist nur dann sinnvoll, wenn damit das Navigieren im System erleichtert wird oder wenn Fehlbedienungen damit ausgeschlossen werden sollen. Wird dennoch ein Mehr-Benutzer-Betrieb realisiert, so ist dieser unter Sicherheitsgesichtspunkten nur in Kombination mit einem PC-Sicherheitsprodukt sinnvoll. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines PC mit Windows 95 werden folgende Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.1 - G 1.2 - G 1.4 - G 1.5 - G 1.8 Personalausfall Ausfall des IT-Systems Feuer Wasser Staub, Verschmutzung Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten - G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen beim IT-Einsatz - G 2.21 Mangelhafte Organisation des Wechsels zwischen den Benutzern - G 2.22 Fehlende Auswertung von Protokolldaten - G 2.36 Ungeeignete Einschränkung der Benutzerumgebung Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems - G 3.16 Fehlerhafte Administration von Zugangs- und Zugriffsrechten __________________________________________________________________________________________ 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5.6 PC mit Windows 95 __________________________________________________________________________________________ - G 3.17 - G 3.22 Kein ordnungsgemäßer PC-Benutzerwechsel Fehlerhafte Änderung der Registrierung Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung - G 4.7 Defekte Datenträger - G 4.23 Automatische CD-ROM-Erkennung - G 4.24 Dateinamenkonvertierung bei Datensicherungen unter Windows 95 Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.4 Diebstahl - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.21 Trojanische Pferde - G 5.23 Computer-Viren - G 5.43 Makro-Viren - G 5.60 Umgehen der Systemrichtlinien Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "PC mit Windows 95" vorgestellt. Die grundlegenden Überlegungen zu Anfang des Kapitels (s. o.) sollten dabei berücksichtigt werden. Die Maßnahmen unterteilen sich in die folgenden Kategorien: - Basismaßnahmen (diese sind im wesentlichen analog zu Kapitel 5.1 DOS-PC), - Maßnahmen für den Mehrbenutzerbetrieb und - Einschränkungen und - Einsatz im Netz. Als Basismaßnahmen sind folgende Maßnahmen umzusetzen: Infrastruktur: - M 1.29 (3) Geeignete Aufstellung eines IT-Systems (optional) Organisation: - M 2.3 (2) - M 2.4 (2) - M 2.9 (2) - M 2.10 (2) - M 2.13 (2) - M 2.22 (2) - M 2.23 (3) - M 2.24 (3) Datenträgerverwaltung Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Überprüfung des Software-Bestandes Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln Hinterlegen des Paßwortes Herausgabe einer PC-Richtlinie (optional) Einführung eines PC-Checkheftes (optional) Personal: - M 3.4 - M 3.5 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen (1) (1) __________________________________________________________________________________________ 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5.6 PC mit Windows 95 __________________________________________________________________________________________ Hardware/Software: - M 4.1 (1) Paßwortschutz für IT-Systeme - M 4.2 (1) Bildschirmsperre - M 4.3 (2) Regelmäßiger Einsatz eines Viren-Suchprogramms - M 4.4 (2) Verschluß der Diskettenlaufwerkschächte (optional) - M 4.30 (2) Nutzung der in Anwendungsprogrammen angebotenen Sicherheitsfunktionen (optional) - M 4.44 (2) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren - M 4.56 (1) Sicheres Löschen unter Windows NT und Windows 95 - M 4.57 (2) Deaktivieren der automatischen CD-ROM-Erkennung - M 4.84 (1) Nutzung der BIOS-Sicherheitsmechanismen Notfallvorsorge: - M 6.20 (2) - M 6.21 (3) - M 6.22 (2) - M 6.23 (2) - M 6.27 (3) - M 6.32 (1) - M 6.45 (1) - M 6.46 (1) Geeignete Aufbewahrung der Backup-Datenträger Sicherungskopie der eingesetzten Software Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus Sichern des CMOS-RAM Regelmäßige Datensicherung Datensicherung unter Windows 95 Erstellung von Rettungsdisketten für Windows 95 Sollen an dem Windows 95-Rechner mehrere Benutzer arbeiten, so ist eine Administration des Rechners und eine Benutzertrennung unumgänglich. In diesem Fall sind die folgenden Maßnahmen für den Mehrbenutzerbetrieb zusätzlich umzusetzen: Organisation: - M 2.26 (1) Ernennung eines Administrators und eines Vertreters - M 2.63 (2) Einrichten der Zugriffsrechte - M 2.103 (1) Einrichten von Benutzerprofilen unter Windows 95 Personal: - M 3.10 (1) Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters - M 3.11 (1) Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals - M 3.18 (1) Verpflichtung der PC-Benutzer zum Abmelden nach Aufgabenerfüllung Soll die Benutzerumgebung benutzerspezifisch mit bestimmten Einschränkungen versehen werden, so sind weiterhin die folgenden Maßnahmen zu ergreifen (die Maßnahmen M 2.64 und M 2.65 wirken nur in Verbindung mit M 4.41 oder M 4.42): Organisation: - M 2.64 (2) Kontrolle der Protokolldateien - M 2.65 (1) Kontrolle der Wirksamkeit der Benutzer-Trennung am IT-System - M 2.66 (2) Beachtung des Beitrags der Zertifizierung für die Beschaffung - M 2.104 (1) Systemrichtlinien zur Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Windows 95 Hardware/Software: - M 4.41 (1) Einsatz eines angemessenen PC-Sicherheitsproduktes - M 4.42 (2) Implementierung von Sicherheitsfunktionalitäten in der IT-Anwendung (optional) Ist der PC mit Windows 95 in einem Netz eingebunden, so ist zusätzlich folgende Maßnahme umzusetzen: Hardware/Software: - M 4.74 (1) Vernetzte Windows 95 Rechner ˆ __________________________________________________________________________________________ 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5.99 Allgemeines nicht vernetztes IT-System __________________________________________________________________________________________ 5.99 Allgemeines nicht vernetztes ITSystem Beschreibung Betrachtet wird ein IT-System, das mit keinem anderen IT-System vernetzt ist. Es kann mit einem beliebigen Betriebssystem ausgestattet sein. Das IT-System kann auf einer beliebigen Plattform betrieben werden, es kann sich dabei um einen PC mit oder ohne Festplatte, aber auch um eine Unix-Workstation oder einen Apple Macintosh handeln. Das IT-System kann über Disketten- und CDLaufwerke, eine Festplatte, eine Maus und andere Peripheriegeräte verfügen. Ein eventuell vorhandener Drucker wird direkt am IT-System angeschlossen. Weiterhin kann eine graphische Benutzeroberfläche eingesetzt sein. Dieses Kapitel bietet einen Überblick über Gefährdungen und IT-Sicherheitsmaßnahmen, die für nicht vernetzte IT-Systeme typisch sind. Dieser Überblick ist unabhängig vom eingesetzten Betriebssystem. Dafür sind die weiterführenden Kapitel des IT-Grundschutzhandbuchs (zum Beispiel Kapitel 5.2 Nicht vernetztes Unix-System) zu beachten. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines allgemeinen nicht vernetzten IT-Systems werden folgende Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.1 - G 1.2 - G 1.4 - G 1.5 - G 1.8 Personalausfall Ausfall des IT-Systems Feuer Wasser Staub, Verschmutzung Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten - G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems - G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems - G 3.16 Fehlerhafte Administration von Zugangs- und Zugriffsrechten Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung - G 4.7 Defekte Datenträger Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software __________________________________________________________________________________________ 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5.99 Allgemeines nicht vernetztes IT-System __________________________________________________________________________________________ - G 5.4 G 5.9 G 5.23 G 5.43 Diebstahl Unberechtigte IT-Nutzung Computer-Viren Makro-Viren Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Allgemeines nicht vernetzes IT-System" vorgestellt. Die Maßnahmen unterteilen sich in - Basismaßnahmen und - Maßnahmen für den Mehrbenutzerbetrieb. Abhängig vom eingesetzten Betriebssystem sind bei der Anwendung dieses Bausteins ggf. weitere Maßnahmen erforderlich. Als Basismaßnahmen sind folgende Maßnahmen umzusetzen: Infrastruktur: - M 1.29 (3) Geeignete Aufstellung eines IT-Systems (optional) Organisation: - M 2.3 (2) - M 2.4 (2) - M 2.9 (3) - M 2.10 (2) - M 2.13 (2) - M 2.22 (2) - M 2.23 (3) - M 2.24 (3) Datenträgerverwaltung Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Überprüfung des Software-Bestandes Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln Hinterlegen des Paßwortes Herausgabe einer PC-Richtlinie (optional) Einführung eines PC-Checkheftes (optional) Personal: - M 3.4 - M 3.5 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen (1) (1) Hardware/Software: - M 4.1 (1) Paßwortschutz für IT-Systeme - M 4.2 (1) Bildschirmsperre - M 4.3 (2) Regelmäßiger Einsatz eines Viren-Suchprogramms - M 4.4 (2) Verschluß der Diskettenlaufwerkschächte (optional) - M 4.30 (2) Nutzung der in Anwendungsprogrammen angebotenen Sicherheitsfunktionen (optional) - M 4.44 (2) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren - M 4.84 (1) Nutzung der BIOS-Sicherheitsmechanismen Notfallvorsorge: - M 6.20 (2) - M 6.21 (3) - M 6.22 (2) - M 6.23 (2) - M 6.24 (3) Geeignete Aufbewahrung der Backup-Datenträger Sicherungskopie der eingesetzten Software Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus Erstellen einer Notfalldiskette __________________________________________________________________________________________ 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
5.99 Allgemeines nicht vernetztes IT-System __________________________________________________________________________________________ - M 6.27 (3) - M 6.32 (1) Sichern des CMOS-RAM (bei PCs) Regelmäßige Datensicherung Sollen an dem IT-System mehrere Benutzer arbeiten, so ist eine Administration des Rechners und eine Benutzertrennung unumgänglich. In diesem Fall sind die folgenden Maßnahmen und Gefährdungen für den Mehrbenutzerbetrieb zusätzlich zu betrachten: Gefährdungslage Organisatorische Mängel: - G 2.21 Mangelhafte Organisation des Wechsels zwischen den Benutzern - G 2.22 Fehlende Auswertung von Protokolldaten Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.17 Kein ordnungsgemäßer PC-Benutzerwechsel Vorsätzliche Handlungen: - G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Paßwörtern - G 5.19 Mißbrauch von Benutzerrechten - G 5.20 Mißbrauch von Administratorrechten - G 5.21 Trojanische Pferde Maßnahmenempfehlungen Organisation: - M 2.5 (2) - M 2.7 (2) - M 2.8 (2) - M 2.63 (1) - M 2.64 (2) - M 2.65 (1) Aufgabenverteilung und Funktionstrennung Vergabe von Zugangsberechtigungen Vergabe von Zugriffsrechten Einrichten der Zugriffsrechte Kontrolle der Protokolldateien Kontrolle der Wirksamkeit der Benutzer-Trennung am IT-System Personal: - M 3.10 (1) - M 3.11 (1) - M 3.18 (1) Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals Verpflichtung der PC-Benutzer zum Abmelden nach Aufgabenerfüllung Hardware/Software: - M 4.7 (1) Änderung voreingestellter Paßwörter Wird durch das auf dem IT-System eingesetzte Betriebssystem keine Benutzertrennung ermöglicht, ist zusätzlich die folgende Maßnahme zu beachten: - M 4.41 (1) Einsatz eines angemessenen PC-Sicherheitsproduktes ˆ __________________________________________________________________________________________ 20 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6 Vernetzte Systeme __________________________________________________________________________________________ 6 Vernetzte Systeme In diesem Kapitel wird der IT-Grundschutz für vernetzte Systeme definiert. Als Grundlage dient Kapitel 6.1, das betriebssystemunabhängig notwendige Maßnahmen aufzeigt. Es wird ergänzt um die betriebssystemspezifischen Maßnahmen der Kapitel 6.2, 6.4, 6.5 und 6.6. Wird zusätzlich eine Peerto-Peer-Funktionalität benutzt, ist zusätzlich Kapitel 6.3 zu beachten. Werden heterogene Netze miteinander gekoppelt, ist das Kapitel 6.7 zusätzlich zu beachten. Die Maßnahmen zu den angeschlossenen Clients sind Kapitel 5 zu entnehmen. Folgende Kapitel sind vorhanden: 6.1 Servergestütztes Netz 6.2 Vernetzte Unix-Systeme 6.3 Peer-to-Peer-Netz 6.4 Windows NT Netz 6.5 Novell Netware 3.x 6.6 Novell Netware 4.x 6.7 Heterogene Netze 6.8 Netz- und Systemmanagement __________________________________________________________________________________________ 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.1 Servergestütztes Netz __________________________________________________________________________________________ 6.1 Servergestütztes Netz Beschreibung Betrachtet wird ein lokales Netz mit mindestens einem Server. Die Clients können PCs mit oder ohne Festplatte (wie in Kapitel 5.1 beschrieben) sein, aber auch Unix-Workstations oder Terminals. Dieses Kapitel bietet einen Überblick über Gefährdungen und IT-Sicherheitsmaßnahmen, die für lokale Netze typisch sind. Dieser Überblick ist jedoch unabhängig vom Netzbetriebssystem bzw. den Betriebssystemen der Clients. Dafür sind die weiterführenden Kapitel des IT-Grundschutzhandbuchs (zum Beispiel Kapitel 6.2 Vernetzte Unix-Systeme) zu beachten. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines servergestützten Netzes werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.1 - G 1.2 - G 1.4 - G 1.5 - G 1.8 Personalausfall Ausfall des IT-Systems Feuer Wasser Staub, Verschmutzung Organisatorische Mängel: - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten - G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen beim IT-Einsatz - G 2.32 Unzureichende Leitungskapazitäten Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.5 Unbeabsichtigte Leitungsbeschädigung - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems - G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems - G3.31 Unstrukturierte Datenhaltung Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung - G 4.6 Spannungsschwankungen/Überspannung/Unterspannung - G 4.7 Defekte Datenträger - G 4.8 Bekanntwerden von Softwareschwachstellen - G 4.10 Komplexität der Zugangsmöglichkeiten zu vernetzten IT-Systemen Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software __________________________________________________________________________________________ 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.1 Servergestütztes Netz __________________________________________________________________________________________ - G 5.4 G 5.7 G 5.8 G 5.9 G 5.18 G 5.19 G 5.20 G 5.21 G 5.23 G 5.24 G 5.25 G 5.26 G 5.27 G 5.28 G 5.43 Diebstahl Abhören von Leitungen Manipulation an Leitungen Unberechtigte IT-Nutzung Systematisches Ausprobieren von Passwörtern Missbrauch von Benutzerrechten Missbrauch von Administratorrechten Trojanische Pferde Computer-Viren Wiedereinspielen von Nachrichten Maskerade Analyse des Nachrichtenflusses Nichtanerkennung einer Nachricht Verhinderung von Diensten Makro-Viren Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Servergestütztes Netz" vorgestellt. Es wird vorausgesetzt, dass der Server in einem Serverraum (vgl. Kapitel 4.3.2) bzw. in einem Serverschrank (vgl. Kapitel 4.4) untergebracht ist. Die für die Netzbetriebssysteme umzusetzenden Maßnahmen sind den ergänzenden Kapitel des Handbuchs zu entnehmen. Dies gilt analog auch für die angeschlossenen Clients. Darüber hinaus sind folgende weitere Maßnahmen umzusetzen: Infrastruktur: - M 1.28 (2) - M 1.29 (3) - M 1.32 (1) Organisation: - M 2.3 (2) - M 2.4 (2) - M 2.9 (2) - M 2.10 (3) - M 2.13 (2) - M 2.22 (2) - M 2.25 (1) - M 2.26 (1) - M 2.30 (2) - M 2.31 (2) - M 2.32 (3) - M 2.34 (2) - M 2.35 (2) - M 2.38 (2) - M 2.138 (2) Lokale unterbrechungsfreie Stromversorgung Geeignete Aufstellung eines IT-Systems (optional) Geeignete Aufstellung von Konsole, Geräten mit austauschbaren Datenträgern und Druckern Datenträgerverwaltung Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Überprüfung des Software-Bestandes Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln Hinterlegen des Passwortes Dokumentation der Systemkonfiguration Ernennung eines Administrators und eines Vertreters Regelung für die Einrichtung von Benutzern/Benutzergruppen Dokumentation der zugelassenen Benutzer und Rechteprofile Einrichtung einer eingeschränkten Benutzerumgebung (optional) Dokumentation der Veränderungen an einem bestehenden System Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems Aufteilung der Administrationstätigkeiten Strukturierte Datenhaltung __________________________________________________________________________________________ 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
6.1 Servergestütztes Netz __________________________________________________________________________________________ Personal: - M 3.4 - M 3.5 - M 3.10 - M 3.11 (1) (1) (1) (1) Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals Hardware/Software: - M 4.1 (1) Passwortschutz für IT-Systeme - M 4.2 (1) Bildschirmsperre - M 4.3 (2) Regelmäßiger Einsatz eines Viren-Suchprogramms - M 4.7 (1) Änderung voreingestellter Passwörter - M 4.15 (2) Gesichertes Login - M 4.16 (2) Zugangsbeschränkungen für Accounts und / oder Terminals - M 4.17 (2) Sperren und Löschen nicht benötigter Accounts und Terminals - M 4.24 (2) Sicherstellung einer konsistenten Systemverwaltung - M 4.44 (2) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren - M 4.65 (2) Test neuer Hard- und Software Kommunikation: - M 5.6 (1) - M 5.7 (1) - M 5.8 (1) - M 5.9 (2) - M 5.10 (1) - M 5.13 (1) Obligatorischer Einsatz eines Netzpasswortes Netzverwaltung Monatlicher Sicherheitscheck des Netzes Protokollierung am Server Restriktive Rechtevergabe Geeigneter Einsatz von Elementen zur Netzkopplung Notfallvorsorge: - M 6.20 (2) - M 6.21 (3) - M 6.22 (2) - M 6.25 (1) - M 6.31 (2) - M 6.32 (1) Geeignete Aufbewahrung der Backup-Datenträger Sicherungskopie der eingesetzten Software Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen Regelmäßige Datensicherung Verhaltensregeln nach Verlust der Systemintegrität Regelmäßige Datensicherung ˆ __________________________________________________________________________________________ 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
6.2 Unix-Server __________________________________________________________________________________________ 6.2 Unix-Server Beschreibung Unix-Server sind Rechner mit dem Betriebssystem Unix, die in einem Netz Dienste anbieten, die von anderen ITSystemen in Anspruch genommen werden können. In diesem Kapitel werden ausschließlich die für einen Unix-Server spezifischen Gefährdungen und Maßnahmen beschrieben, daher sind zusätzlich noch diejenigen für servergestützte Netze aus Kapitel 6.1 zu betrachten. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines Unix-Servers werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Organisatorische Mängel: - G 2.15 Vertraulichkeitsverlust schutzbedürftiger Daten im Unix-System - G 2.23 Schwachstellen bei der Einbindung von DOS-PCs in ein servergestütztes Netz Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.10 Falsches Exportieren von Dateisystemen unter Unix - G 3.11 Fehlerhafte Konfiguration von sendmail Technisches Versagen: - G 4.11 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen NIS-Server und NIS-Client - G 4.12 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen X-Server und X-Client Vorsätzliche Handlungen: - G 5.40 Abhören von Räumen mittels Rechner mit Mikrofon - G 5.41 Missbräuchliche Nutzung eines Unix-Systems mit Hilfe von uucp - G 5.89 Hijacking von Netz-Verbindungen Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich Unix-Server vorgestellt. Einige Maßnahmen beziehen sich auf die Konfiguration der einzelnen Server, andere Maßnahmen müssen auf Servern und Clients eingesetzt werden, um wirksam zu werden. Für eventuell angeschlossene Clients sind die in Kapitel 5 beschriebenen Maßnahmen zu realisieren. Es ist sinnvoll, den Server in einem separaten Serverraum aufzustellen. Zu realisierende Maßnahmen sind in Kapitel 4.3.2 beschrieben. Steht kein Serverraum zur Verfügung, sollte ein Serverschrank verwendet werden, vgl. Kapitel 4.4. Darüber hinaus sind folgende weitere Maßnahmen umzusetzen: Infrastruktur: - M 1.28 (1) Lokale unterbrechungsfreie Stromversorgung Organisation: - M 2.33 (2) Aufteilung der Administrationstätigkeiten unter Unix __________________________________________________________________________________________ 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
6.2 Unix-Server __________________________________________________________________________________________ Hardware/Software: Zugang zum Unix-System - M 4.13 (1) Sorgfältige Vergabe von IDs - M 4.14 (1) Obligatorischer Passwortschutz unter Unix - M 4.18 (1) Administrative und technische Absicherung des Zugangs zum Monitor- und Single-User-Modus - M 4.105 (1) Erste Maßnahmen nach einer Unix-Standardinstallation Attributvergabe/Arbeiten mit dem Unix-System - M 4.9 (1) Einsatz der Sicherheitsmechanismen von X-Windows - M 4.19 (1) Restriktive Attributvergabe bei Unix-Systemdateien und -verzeichnissen - M 4.20 (2) Restriktive Attributvergabe bei Unix-Benutzerdateien und -verzeichnissen - M 4.21 (1) Verhinderung des unautorisierten Erlangens von Administratorrechten - M 4.22 (3) Verhinderung des Vertraulichkeitsverlusts schutzbedürftiger Daten im UnixSystem - M 4.23 (3) Sicherer Aufruf ausführbarer Dateien Protokollierung/Sicherheitscheck - M 4.25 (1) Einsatz der Protokollierung im Unix-System - M 4.26 (2) Regelmäßiger Sicherheitscheck des Unix-Systems - M 4.40 (2) Verhinderung der unautorisierten Nutzung des Rechnermikrofons - M 4.93 (1) Regelmäßige Integritätsprüfung - M 4.106 (1) Aktivieren der Systemprotokollierung - M 4.107 (2) Nutzung von Hersteller-Ressourcen Kommunikation: - M 5.16 (2) - M 5.17 (1) - M 5.18 (1) - M 5.19 (1) - M 5.20 (1) - M 5.21 (1) - M 5.34 (2) - M 5.35 (1) - M 5.36 (2) - M 5.38 (2) - M 5.64 (2) - M 5.72 (1) Übersicht über Netzdienste Einsatz der Sicherheitsmechanismen von NFS Einsatz der Sicherheitsmechanismen von NIS Einsatz der Sicherheitsmechanismen von sendmail Einsatz der Sicherheitsmechanismen von rlogin, rsh und rcp Sicherer Einsatz von telnet, ftp, tftp und rexec Einsatz von Einmalpasswörtern (optional) Einsatz der Sicherheitsmechanismen von UUCP Verschlüsselung unter Unix (optional) Sichere Einbindung von DOS-PCs in ein Unix-Netz Nutzung von Secure Shell Deaktivieren nicht benötigter Netzdienste Notfallvorsorge: - M 6.31 (2) Verhaltensregeln nach Verlust der Systemintegrität - M 6.32 (1) Regelmäßige Datensicherung ˆ __________________________________________________________________________________________ 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
6.3 Peer-to-Peer-Netz __________________________________________________________________________________________ 6.3 Peer-to-Peer-Netz Beschreibung Betrachtet werden vernetzte PCs die mit Windows für Workgroups (WfW), Windows 95 bzw. Windows NT betrieben werden. Berücksichtigt wird hier nur die reine Peer-to-Peer-Funktionalität dieser Betriebssysteme auf der Basis von Ressourcen-Sharing (Drucker, Festplatte). Auf sicherheitsspezifische Aspekte einzelner Anwendungen bei der Benutzung von Peer-to-PeerFunktionalitäten, zum Beispiel bezüglich Mail, Exchange, Schedule+, Direct-Data-Exchange (DDE) oder Remote Access Service (RAS), wird nur am Rande eingegangen. Peer-to-Peer Da Peer-to-Peer-Netze wesentlich geringere Sicherheitsfunktionalitäten als servergestützte Netze bieten, sollte auf die Verwendung von Peer-to-Peer-Funktionalitäten innerhalb servergestützter PCNetze verzichtet werden. Peer-to-Peer-Netze zur Anbindung von WfW an andere Rechner mit WfW, Windows 95 oder Windows NT sollten nur als Übergangslösung bis zur Ablösung von WfW betrachtet werden. In diesem Kapitel werden ausschließlich die für ein Peer-to-Peer-Netz spezifischen Gefährdungen und Maßnahmen beschrieben, daher sind zusätzlich noch die PC-spezifischen Bausteine aus Kapitel 5 zu betrachten. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz der Peer-to-Peer-Funktionalität unter Windows für Workgroups, Windows 95 bzw. Windows NT werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Organisatorische Mängel: - G 2.25 Einschränkung der Übertragungs- oder Bearbeitungsgeschwindigkeit durch Peerto-Peer-Funktionalitäten Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems - G 3.18 Freigabe von Verzeichnissen, Druckern oder der Ablagemappe - G 3.19 Speichern von Passwörtern unter WfW und Windows 95 - G 3.20 Ungewollte Freigabe des Leserechtes bei Schedule+ Vorsätzliche Handlungen: - G 5.45 Ausprobieren von Passwörtern unter WfW und Windows 95 - G 5.46 Maskerade unter WfW - G 5.47 Löschen des Post-Office __________________________________________________________________________________________ 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.3 Peer-to-Peer-Netz __________________________________________________________________________________________ Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Bei der Bearbeitung der originären Peer-to-Peer-Maßnahmen sollte zuerst anhand von Maßnahme M 2.67 Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Peer-to-Peer-Netz eine Sicherheitsstrategie ausgearbeitet werden, da diese die Grundlage für die weiteren Maßnahmen ist. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Peer-to-Peer-Netz " vorgestellt: Organisation: - M 2.67 (1) - M 2.68 (2) - M 2.94 (2) Personal: - M 3.19 (1) Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Peer-to-Peer-Netz Durchführung von Sicherheitskontrollen durch den Benutzer im Peer-to-Peer-Netz Freigabe von Verzeichnissen unter Windows NT Einweisung in den richtigen Einsatz der Sicherheitsfunktionen im Peer-to-PeerNetz Hardware/Software: - M 4.1 (1) Paßwortschutz für IT-Systeme - M 4.2 (2) Bildschirmsperre - M 4.7 (1) Änderung voreingestellter Paßwörter - M 4.45 (1) Einrichtung einer sicheren Peer-to-Peer-Umgebung - M 4.46 (1) Nutzung des Anmeldepaßwortes unter WfW und Windows 95 - M 4.58 (2) Freigabe von Verzeichnissen unter Windows 95 Kommunikation: - M 5.37 (2) Einschränken der Peer-to-Peer-Funktionalitäten bei Nutzung von Windows 95 oder Windows NT in einem servergestützten Netz (optional) WfW, Notfallvorsorge: - M 6.32 (2) Regelmäßige Datensicherung ˆ __________________________________________________________________________________________ 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.4 Windows NT Netz __________________________________________________________________________________________ 6.4 Windows NT Netz Beschreibung Betrachtet wird ein Windows NT Netz, das als ClientServer-System unter dem Betriebssystem Windows NT Version 3.51 oder 4.0 betrieben wird. Dieses Kapitel behandelt die Sicherheitsaspekte eines Windows NT Servers, die Client-spezifischen Maßnahmen sind Kapitel 5 zu entnehmen. Windows NT Netz Auf sicherheitsspezifische Aspekte von Windows NTAnwendungen, zum Beispiel bezüglich Mail, Schedule+, Direct-Data-Exchange (DDE) oder Remote Access Service (RAS), wird nur am Rande eingegangen. Zusätzlich zu den hier angegebenen Gefährdungen und Schutzmaßnahmen gelten noch die im Kapitel 6.1 für ein allgemeines servergestütztes Netz genannten Maßnahmen. Falls im Windows NT Netz die Peer-to-Peer Funktionalität von Windows NT genutzt wird, ist außerdem der Inhalt des Kapitels 6.3 zu berücksichtigen. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines servergestützten Netzes unter dem Betriebssystem Windows NT werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Organisatorische Mängel: - G 2.23 Schwachstellen bei der Einbindung von DOS-PCs in ein servergestütztes Netz - G 2.25 Einschränkung der Übertragungs- oder Bearbeitungsgeschwindigkeit durch Peer-to-Peer-Funktionalitäten - G 2.30 Unzureichende Domänenplanung - G 2.31 Unzureichender Schutz des Windows NT Systems Technisches Versagen: - G 4.10 Komplexität der Zugangsmöglichkeiten zu vernetzten IT-Systemen - G 4.23 Automatische CD-ROM-Erkennung Vorsätzliche Handlungen: - G 5.23 Computer-Viren - G 5.40 Abhören von Räumen mittels Rechner mit Mikrofon - G 5.43 Makro-Viren - G 5.52 Mißbrauch von Administratorrechten im Windows NT System - G 5.79 Unberechtigtes Erlangen von Administratorrechten unter Windows NT Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Bei der Bearbeitung der originären Windows NT Maßnahmen sollte zuerst anhand der Maßnahme M 2.91 Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Windows NT Client-Server Netz und zusätzlich, soweit Peer-to-Peer Funktionalität genutzt wird, auch der Maßnahme M 2.67 Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Peer-to-Peer-Netz eine Sicherheitsstrategie ausgearbeitet werden, da diese die Grundlage für die weiteren Maßnahmen ist. __________________________________________________________________________________________ 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.4 Windows NT Netz __________________________________________________________________________________________ Die eigentliche Planung des Windows NT Netzes sollte dann, wie in der Maßnahme M 2.93 Planung des Windows NT Netzes beschrieben, durchgeführt werden. Entsprechend den dabei erarbeiteten Vorgaben sollte zunächst ein Server installiert und mit einer kleinen Anzahl von Clients ausgetestet werden, um die festgelegten Strukturen optimieren und anpassen zu können, ehe sie in der Breite eingesetzt werden. Für die unter Windows NT vernetzten Systeme sind, neben den hier genannten Maßnahmen, die in Kapitel 6.1 beschriebenen Maßnahmen zu realisieren. Sinnvoll erscheint es, den File-Server in einem separaten Serverraum aufzustellen. Zu realisierende Maßnahmen sind in Kapitel 4.3.2 beschrieben. Alternativ ist die Verwendung eines Serverschrankes, vgl. Kapitel 4.4. Für angeschlossene Clients sind die in Kapitel 5 beschriebenen Maßnahmen zu realisieren. Soweit auch die Peer-to-Peer Funktionalität von Windows NT genutzt wird, sind außerdem die in Kapitel 6.3 genannten Maßnahmen zu realisieren. Die mit dem Zusatz "optional" gekennzeichneten Maßnahmen gehen zumindest teilweise über den ITGrundschutz hinaus, oder sie beziehen sich auf spezielle Einsatzumgebungen. Sie sind dann zu realisieren, wenn die betreffenden Einsatzbedingungen gegeben sind und/oder spezifische, durch diese Maßnahmen abgewehrte Bedrohungen zu erwarten sind. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Windows NT Netz" vorgestellt: Organisation: - M 2.91 (1) - M 2.92 (2) - M 2.93 (1) - M 2.94 (3) Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Windows NT Client-Server-Netz Durchführung von Sicherheitskontrollen im Windows NT Client-Server-Netz Planung des Windows NT Netzes Freigabe von Verzeichnissen unter Windows NT Hardware/Software: - M 4.40 (3) Verhinderung der unautorisierten Nutzung des Rechnermikrofons - M 4.48 (1) Paßwortschutz unter Windows NT - M 4.49 (1) Absicherung des Boot-Vorgangs für ein Windows NT System - M 4.50 (2) Strukturierte Systemverwaltung unter Windows NT (optional) - M 4.51 (3) Benutzerprofile zur Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Windows NT (optional) - M 4.52 (2) Geräteschutz unter Windows NT - M 4.53 (2) Restriktive Vergabe von Zugriffsrechten auf Dateien und Verzeichnisse unter Windows NT - M 4.54 (2) Protokollierung unter Windows NT - M 4.55 (2) Sichere Installation von Windows NT - M 4.56 (3) Sicheres Löschen unter Windows NT und Windows 95 - M 4.57 (2) Deaktivieren der automatischen CD-ROM-Erkennung - M 4.75 (1) Schutz der Registrierung unter Windows NT - M 4.76 (2) Sichere Systemversion von Windows NT - M 4.77 (1) Schutz der Administratorkonten und Windows NT - M4.93 (1) Regelmäßige Integritätsprüfung __________________________________________________________________________________________ 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.4 Windows NT Netz __________________________________________________________________________________________ Kommunikation: - M 5.36 (3) Verschlüsselung unter Unix und Windows NT (optional) - M 5.37 (3) Einschränken der Peer-to-Peer-Funktionalitäten bei Nutzung von WfW, Windows 95 oder Windows NT in einem servergestützten Netz - M 5.40 (1) Sichere Einbindung von DOS-PCs in ein Windows NT Netz - M 5.41 (2) Sichere Konfiguration des Fernzugriffs unter Windows NT - M 5.42 (2) Sichere Konfiguration der TCP/IP-Netzverwaltung unter Windows NT - M 5.43 (2) Sichere Konfiguration der TCP/IP-Netzdienste unter Windows NT Notfallvorsorge: - M 6.32 (1) - M 6.42 (2) - M 6.43 (3) - M 6.44 (1) Regelmäßige Datensicherung Erstellung von Rettungsdisketten für Windows NT Einsatz redundanter Windows NT Server (optional) Datensicherung unter Windows NT ˆ __________________________________________________________________________________________ 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.5 Novell Netware 3.x __________________________________________________________________________________________ 6.5 Novell Netware 3.x Beschreibung Betrachtet wird ein LAN mit PCs, die unter dem Netzbetriebssystem Novell Netware 3.x vernetzt sind. Die PCs können mit Festplatte, CD-ROM Laufwerk sowie Diskettenlaufwerken ausgestattet sein. An das Netz sind ggf. ein oder mehrere Netzdrucker als Warteschleifendrucker angeschlossen. Gegenstand dieses Kapitels ist das Novell 3.x Netz in einer Client-ServerFunktionalität. Damit ist dieses Kapitel die betriebssystemspezifische Ergänzung des Kapitels 6.1 "Servergestütztes Netz". Novell Netware 3.x Die Funktionalitäten des sog. Accounting werden nicht betrachtet. Bemerkung: Namen von Dateien und Programmen werden immer durch Großbuchstaben mit kursiver Schreibweise (z. B. SYS:PUBLIC\SYSCON.EXE) dargestellt. Gefährdungen und die hieraus abgeleiteten Maßnahmen wurden anhand der Versionen Novell 3.11 und 3.12 erarbeitet. Aufgrund verschiedener Patchlevel im Netzbetriebssystem ist es möglich, daß nicht alle Gefährdungen auf jede Variante von Novell Netware 3.x zutreffen. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz werden die folgenden typischen Gefährdungen betrachtet: Höhere Gewalt: - G 1.2 Ausfall des IT-Systems Organisatorische Mängel: - G 2.33 Nicht gesicherter Aufstellungsort von Novell Netware Servern - G 2.34 Fehlende oder unzureichende Aktivierung der Novell Netware Sicherheitsmechanismen - G 2.58 Novell Netware und die Datumsumstellung im Jahr 2000 Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung Vorsätzliche Handlungen: - G 5.23 Computer-Viren - G 5.43 Makro-Viren - G 5.54 Vorsätzliches Herbeiführen eines Abnormal End - G 5.55 Login Bypass - G 5.56 Temporär frei zugängliche Accounts - G 5.57 Netzanalyse-Tools - G 5.58 "Hacking Novell Netware" - G 5.59 Mißbrauch von Administrationsrechten im Novell Netware Netz __________________________________________________________________________________________ 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.5 Novell Netware 3.x __________________________________________________________________________________________ Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Für die vernetzten PCs sind die in Kapitel 5 beschriebenen Maßnahmen zu realisieren. Zu beachten ist, daß das hier vorgestellte Maßnahmenbündel, das nur die Besonderheiten des Netzbetriebssystems Novell Netware 3.x berücksichtigt, um die allgemeinen Netzsicherheitsmaßnahmen des Kapitels 6.1 "Servergestütztes Netz" ergänzt werden muß. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Novell Netware 3.x" vorgestellt. Infrastruktur: - M 1.28 (1) - M 1.42 (1) Lokale unterbrechungsfreie Stromversorgung Gesicherte Aufstellung von Novell Netware Servern Organisation: - M 2.98 (2) - M 2.99 (1) - M 2.100 (1) - M 2.101 (2) - M 2.102 (3) Sichere Installation von Novell Netware Servern Sichere Einrichtung von Novell Netware Servern Sicherer Betrieb von Novell Netware Servern Revision von Novell Netware Servern Verzicht auf die Aktivierung der Remote Console (optional) Hardware/Software: - M 4.66 (1) Novell Netware - Sicherer Übergang ins Jahr 2000 ˆ __________________________________________________________________________________________ 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.6 Novell Netware Version 4.x __________________________________________________________________________________________ 6.6 Novell Netware Version 4.x Beschreibung Betrachtet wird das Netzbetriebssystem Novell Netware 4.x Novell (mit dem Schwerpunkt auf Netware 4.11). Novell Netware Netware 4.x wird auf PC-Servern betrieben und stellt im wesentlichen die Infra-strukturdienste Authentisierung, Verzeichnisdienst, Dateidienst, Druckdienst und Protokolldienst in einem Netz zur Verfügung. Gegenstand dieses Kapitels ist das Novell 4.x Netz in einer Client-ServerFunktionalität. Damit ist dieses Kapitel eine betriebssystemspezifische Ergänzung des Kapitels 6.1 "Servergestütztes Netz". Zentraler Aspekt des Novell Netware 4.x-Betriebssystems ist die Verteilung der zentralen Datenbank des Verzeichnisdienstes NDS (Novell Directory Services) unabhängig von spezifischen Serversystemen über das LAN und der objektorientierte Ansatz zur Verwaltung aller Elemente im Betriebssystemumfeld in einer einheitlichen Umgebung. Die Funktionalitäten der Zusatzprodukte von Novell Netware wie z. B. DHCP, WEB Server und WAN Connectivity sind ebenfalls Bestandteil dieser Betrachtung. Bemerkungen: - Namen von Dateien und Programmen werden immer durch Großbuchstaben mit kursiver Schreibweise (z. B. SYS:PUBLIC\NWADMIN.EXE) dargestellt. - Gefährdungen und die hieraus abgeleiteten Maßnahmen wurden anhand der Version Novell 4.11 erarbeitet. Aufgrund verschiedener Patchlevel bzw. Entwicklungsunterschiede zwischen Netware 4.10 und Netware 4.11 im Netzbetriebssystem ist es möglich, dass nicht alle Gefährdungen auf jede Variante von Novell Netware 4.x zutreffen. Bei Bedarf wird darauf explizit hingewiesen bzw. im Text entsprechend unterschieden. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz von Novell Netware Version 4.x werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.2 Ausfall des IT-Systems Organisatorische Mängel: - G 2.33 Nicht gesicherter Aufstellungsort von Novell Netware Servern - G 2.34 Fehlende oder unzureichende Aktivierung der Novell Netware Sicherheitsmechanismen - G 2.42 Komplexität der NDS - G 2.43 Migration von Novell Netware 3.x nach Novell Netware Version 4 - G 2.58 Novell Netware und die Datumsumstellung im Jahr 2000 Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems - G 3.25 Fahrlässiges Löschen von Objekten - G 3.26 Ungewollte Freigabe des Dateisystems - G 3.27 Fehlerhafte Zeitsynchronisation - G 3.38 Konfigurations- und Bedienungsfehler __________________________________________________________________________________________ 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
6.6 Novell Netware Version 4.x __________________________________________________________________________________________ Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung Vorsätzliche Handlungen: - G 5.23 Computer-Viren - G 5.43 Makro-Viren - G 5.55 Login Bypass - G 5.56 Temporär frei zugängliche Accounts - G 5.57 Netzanalyse-Tools - G 5.58 "Hacking Novell Netware" - G 5.59 Missbrauch von Administrationsrechten im Novell Netware Netz Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Für die vernetzten PCs sind die im Kapitel 5 beschriebenen Maßnahmen zu realisieren. Zu beachten ist, dass das hier vorgestellte Maßnahmenbündel, das nur die Besonderheiten des Netzbetriebssystems Novell Netware 4.x berücksichtigt, um die allgemeinen Netzsicherheitsmaßnahmen des Kapitels 6.1 ergänzt werden muss. Darüber hinaus werden folgende weitere Maßnahmen vorgeschlagen: Infrastruktur: - M 1.28 (1) - M 1.42 (1) Lokale unterbrechungsfreie Stromversorgung Gesicherte Aufstellung von Novell Netware Servern Organisation: - M 2.102 (2) - M 2.147 (1) - M 2.148 (1) - M 2.149 (2) - M 2.150 (1) - M 2.151 (1) - M 2.152 (2) - M 2.153 (1) Verzicht auf die Aktivierung der Remote Console (optional) Sichere Migration von Novell Netware 3.x Servern in Novell Netware 4.x Netze Sichere Einrichtung von Novell Netware 4.x Netzen Sicherer Betrieb von Novell Netware 4.x Netzen Revision von Novell Netware 4.x Netzen Entwurf eines NDS-Konzeptes Entwurf eines Zeitsynchronisations-Konzeptes Dokumentation von Novell Netware 4.x Netzen Hardware/Software: - M 4.66 (1) Novell Netware - Sicherer Übergang ins Jahr 2000 - M 4.102 (2) C2-Sicherheit unter Novell 4.11 (optional) - M 4.103 (1) DHCP-Server unter Novell Netware 4.x (optional) - M 4.104 (2) LDAP Services for NDS (optional) - M 4.108 (2) Vereinfachtes und sicheres Netzmanagement mit DNS Services unter Novell NetWare 4.11 (optional) Notfallvorsorge: - M 6.55 (2) Reduzierung der Wiederanlaufzeit für Novell Netware Server ˆ __________________________________________________________________________________________ 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
6.7 Heterogene Netze __________________________________________________________________________________________ 6.7 Heterogene Netze Beschreibung Ein lokales Netz setzt sich aus der Verkabelung (d. h. den passiven Netzkomponenten Kabel und den Verbindungselementen) sowie den aktiven Netzkomponenten zur Netzkopplung zusammen. Generell können dabei unterschiedliche Verkabelungstypen wie auch unterschiedliche aktive Netzkomponenten in ein LAN integriert werden. Als aktive Netzkomponenten werden alle Netzkomponenten bezeichnet, die eine eigene (Netz-)StromVersorgung benötigen. Dazu gehören u. a. Repeater, Brücken, Switches, Router, Gateways. Als passive Netzkomponenten werden alle Netzkomponenten betrachtet, die keine eigene Netzstrom-Versorgung benötigen. Dazu gehören z. B. Kabel, Verteilerschränke, Patchfelder, Steckverbinder. Die Verkabelung wird bereits detailliert in Kapitel 4.2, die anwendungsbezogene Peripherie in den Kapiteln 5 und 6 behandelt, so daß im vorliegenden Baustein primär die aktiven Netzkomponenten, die ihnen zugrundeliegende Topologie, ihre Konfiguration, Kriterien zur Auswahl geeigneter Komponenten, die Auswahl von Übertragungsprotokollen sowie das zugehörige Netzmanagement betrachtet werden. Es werden nur LAN-Technologien betrachtet, z. B. die Netzprotokolle Ethernet, Token Ring oder FDDI bzw. die zugehörigen Netzkomponenten wie Bridges, Switches oder Router. Diese Technologien können u. U. auch in einem MAN zum Einsatz kommen. Fragestellungen im Zusammenhang mit einer WAN-Anbindung werden dagegen nicht behandelt. Hier sei u. a. auf das Kapitel 7.3 Firewall verwiesen. Soll ein LAN hinreichend im Sinne des IT-Grundschutzes geschützt werden, so genügt es nicht, nur das vorliegende Kapitel alleine zu bearbeiten. Neben den aktiven Netzkomponenten und der eingesetzten Software zum Netzmanagement müssen auch die physikalische Verkabelung und die im Netz zur Verfügung stehenden Serversysteme beachtet werden. Deshalb ist es unumgänglich, auch die oben genannten Kapitel durchzuarbeiten. Dieses Kapitel beschreibt einen Leitfaden, wie ein heterogenes Netz analysiert und darauf aufbauend unter Sicherheitsaspekten konzipiert und betrieben werden kann. Damit richtet sich dieses Kapitel an die Stelle einer Organisation, die für den Netzbetrieb verantwortlich ist und das entsprechende fachliche Wissen besitzt. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines heterogenen Netzes werden pauschal die folgenden Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.1 - G 1.2 - G 1.3 - G 1.4 - G 1.5 - G 1.7 - G 1.8 Personalausfall Ausfall des IT-Systems Blitz Feuer Wasser Unzulässige Temperatur und Luftfeuchte Staub, Verschmutzung __________________________________________________________________________________________ 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.7 Heterogene Netze __________________________________________________________________________________________ Organisatorische Mängel: - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten - G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen beim IT-Einsatz - G 2.22 Fehlende Auswertung von Protokolldaten - G 2.27 Fehlende oder unzureichende Dokumentation - G 2.32 Unzureichende Leitungskapazitäten - G 2.44 Inkompatible aktive und passive Netzkomponenten - G 2.45 Konzeptionelle Schwächen des Netzes - G 2.46 Überschreiten der zulässigen Kabel- oder Buslänge bzw. der Ringgröße Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.5 Unbeabsichtigte Leitungsbeschädigung - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems - G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems - G 3.28 Ungeeignete Konfiguration der aktiven Netzkomponenten - G 3.29 Fehlende oder ungeeignete Segmentierung Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung - G 4.6 Spannungsschwankungen/Überspannung/Unterspannung - G 4.8 Bekanntwerden von Softwareschwachstellen - G 4.31 Ausfall oder Störung von Netzkomponenten Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.4 Diebstahl - G 5.5 Vandalismus - G 5.6 Anschlag - G 5.7 Abhören von Leitungen - G 5.8 Manipulation an Leitungen - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Paßwörtern - G 5.28 Verhinderung von Diensten - G 5.66 Unberechtigter Anschluß von IT-Systemen an ein Netz - G 5.67 Unberechtigte Ausführung von Netzmanagementfunktionen - G 5.68 Unberechtigter Zugang zu den aktiven Netzkomponenten Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. An dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, daß ein ausreichender Schutz für ein LAN im Sinne des IT-Grundschutzhandbuchs nur dann gewährleistet werden kann, wenn zusätzlich die Maßnahmenbündel aus Kapitel 4.2 Verkabelung, Kapitel 6.1 Servergestütztes Netz und ggf. die betriebssystemspezifischen Ergänzungen und Kapitel 6.8 Netz- und Systemmanagement umgesetzt werden. __________________________________________________________________________________________ 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.7 Heterogene Netze __________________________________________________________________________________________ Weiterhin sollten die aktiven Netzkomponenten in Räumen für technische Infrastruktur (z. B. Verteilerräume) untergebracht werden, so daß auch die Maßnahmen aus Kapitel 4.3.4 Raum für technische Infrastruktur realisiert werden müssen. Der Arbeitsplatz des Netzadministrators sollte ebenfalls besonders geschützt werden. Neben den Maßnahmen aus Kapitel 4.3.1 Büroraum sind hier die Regelungen für das eingesetzte Betriebssystem zu nennen (siehe Kapitel 6). Für den sicheren Einsatz eines heterogenen Netzes sind eine Reihe von Maßnahmen umzusetzen, beginnend mit der Analyse der aktuellen Netzsituation über die Entwicklung eines NetzmanagementKonzeptes bis zum Betrieb eines heterogenen Netzes. Die Schritte, die dabei durchlaufen werden sollten, sowie die Maßnahmen, die in den jeweiligen Schritten beachtet werden sollten, sind im folgenden aufgeführt. 1. Analyse der aktuellen Netzsituation (siehe M 2.139 Ist-Aufnahme der aktuellen Netzsituation und M 2.140 Analyse der aktuellen Netzsituation) - Erhebung von Lastfaktoren und Verkehrsflußanalyse - Feststellung von Netzengpässen - Identifikation kritischer Bereiche 2. Konzeption - Konzeption eines Netzes (siehe M 2.141 Entwicklung eines Netzkonzeptes und M 2.142 Entwicklung eines Netz-Realisierungsplans und M 5.60 Auswahl einer geeigneten BackboneTechnologie) - Konzeption Netzmanagement (siehe M 2.143 Entwicklung eines Netzmanagement-Konzeptes und M 2.144 Geeignete Auswahl eines Netzmanagement-Protokolls) 3. Sicherer Betrieb des Netzes - Segmentierung des Netzes (siehe M 5.61 Geeignete physikalische Segmentierung und M 5.62 Geeignete logische Segmentierung) - Einsatz einer Netzmanagement-Software (siehe M 2.145 Anforderungen an ein Netzmanagement-Tool und M 2.146 Sicherer Betrieb eines Netzmanagementsystems) - Audit und Revision des Netzes (siehe M 4.81 Audit und Protokollierung der Aktivitäten im Netz und M 2.64 Kontrolle der Protokoll- und Auditdateien) 4. Notfallvorsorge - Redundante Auslegung der Netzkomponenten (siehe M 6.53 Redundante Auslegung der Netzkomponenten) - Sicherung der Konfigurationsdaten (siehe M 6.52 Regelmäßige Sicherung der Konfigurationsdaten aktiver Netzkomponenten und M 6.22 Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen) Nachfolgend wird das komplette Maßnahmenbündel für den Bereich Heterogene Netze vorgestellt, in dem auch Maßnahmen von eher grundsätzlicher Art enthalten sind, die zusätzlich zu den oben aufgeführten Schritten beachtet werden müssen. __________________________________________________________________________________________ 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.7 Heterogene Netze __________________________________________________________________________________________ Infrastruktur: - M 1.25 (1) - M 1.27 (2) - M 1.28 (1) - M 1.29 (3) - M 1.32 (1) Überspannungsschutz Klimatisierung Lokale unterbrechungsfreie Stromversorgung Geeignete Aufstellung eines IT-Systems (optional) Geeignete Aufstellung von Konsole, Geräten mit austauschbaren Datenträgern und Druckern Organisation: - M 2.4 (2) - M 2.22 (2) - M 2.25 (1) - M 2.26 (1) - M 2.34 (1) - M 2.35 (1) - M 2.38 (2) - M 2.64 (2) - M 2.139 (1) - M 2.140 (1) - M 2.141 (1) - M 2.142 (1) - M 2.143 (1) - M 2.144 (1) - M 2.145 (2) - M 2.146 (1) Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Hinterlegen des Paßwortes Dokumentation der Systemkonfiguration Ernennung eines Administrators und eines Vertreters Dokumentation der Veränderungen an einem bestehenden System Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems Aufteilung der Administrationstätigkeiten Kontrolle der Protokolldateien Ist-Aufnahme der aktuellen Netzsituation Analyse der aktuellen Netzsituation (optional) Entwicklung eines Netzkonzeptes Entwicklung eines Netz-Realisierungsplans Entwicklung eines Netzmanagementkonzeptes Geeignete Auswahl eines Netzmanagement-Protokolls Anforderungen an ein Netzmanagement-Tool Sicherer Betrieb eines Netzmanagementsystems Personal: - M 3.4 - M 3.5 - M 3.10 - M 3.11 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals (1) (1) (1) (1) Hardware/Software: - M 4.7 (1) Änderung voreingestellter Paßwörter - M 4.15 (2) Gesichertes Login - M 4.24 (1) Sicherstellung einer konsistenten Systemverwaltung - M 4.79 (1) Sichere Zugriffsmechanismen bei lokaler Administration - M 4.80 (1) Sichere Zugriffsmechanismen bei Fernadministration - M 4.81 (2) Audit und Protokollierung der Aktivitäten im Netz - M 4.82 (1) Sichere Konfiguration der aktiven Netzkomponenten - M 4.83 (3) Update/Upgrade von Soft- und Hardware im Netzbereich Kommunikation: - M 5.2 (1) - M 5.7 (1) - M 5.12 (2) - M 5.13 (1) - M 5.60 (1) - M 5.61 (1) - M 5.62 (1) Auswahl einer geeigneten Netz-Topographie Netzverwaltung Einrichtung eines zusätzlichen Netzadministrators Geeigneter Einsatz von Elementen zur Netzkopplung Auswahl einer geeigneten Backbone-Technologie Geeignete physikalische Segmentierung Geeignete logische Segmentierung (optional) __________________________________________________________________________________________ 20 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.7 Heterogene Netze __________________________________________________________________________________________ Notfallvorsorge: - M 6.22 (2) - M 6.52 (1) - M 6.53 (1) - M 6.54 (3) Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen Regelmäßige Sicherung der Konfigurationsdaten aktiver Netzkomponenten Redundante Auslegung der Netzkomponenten Verhaltensregeln nach Verlust der Netzintegrität ˆ __________________________________________________________________________________________ 21 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.8 Netz- und Systemmanagement __________________________________________________________________________________________ 6.8 Netz- und Systemmanagement Beschreibung Ein Managementsystem für ein i. allg. lokales Rechnernetz (LAN, VLAN) dient dazu, möglichst alle im lokale Netz angesiedelten Hard- und Software-Komponenten i. d. R. zentral zu verwalten. Ein solches System soll den Systemverwalter maximal in seiner täglichen Arbeit unterstützen. Grundsätzlich kann zwischen Netzmanagement und Systemmanagement unterschieden werden. Die Unterschiede ergeben sich durch die jeweils verwalteten Komponenten. Netzmanagement umfaßt die Gesamtheit der Vorkehrungen und Aktivitäten zur Sicherstellung des effektiven Einsatzes eines Netzes. Hierzu gehört beispielsweise die Überwachung der Netzkomponenten auf ihre korrekte Funktion, das Monitoring der Netzperformance und die zentrale Konfiguration der Netzkomponenten. Netzmanagement ist in erster Linie eine organisatorische Problemstellung, deren Lösung lediglich mit technischen Mitteln, einem Netzmanagementsystem, unterstützt werden kann. Systemmanagement befaßt sich in erster Linie mit dem Management verteilter IT-Systeme. Hierzu gehören beispielsweise eine zentrale Verwaltung der Benutzer, Softwareverteilung, Management der Anwendungen usw. In einigen Bereichen, wie z. B. dem Konfigurationsmanagement (dem Überwachen und Konsolidieren von Konfigurationen eines Systems oder einer Netzkomponente), sind Netz- und Systemmanagement nicht klar zu trennen. Im folgenden wird das (Software-) System, das zum Verwalten eines Netzes und dessen Komponenten dient, immer als "Managementsystem" bezeichnet, die damit verwalteten Komponenten werden als "verwaltetes System" bezeichnet. Im Englischen werden hier die Begriffe "management system" und "managed system" verwendet, dies gilt insbesondere für den Bereich Netzmanagement. In der ISO/IEC-Norm 7498-4 bzw. als X.700 der ITU-T ist ein Netz- und SystemmanagementFramework definiert. Zu den Aufgaben eines Managementsystems gehören demnach: 1. 2. 3. 4. 5. Konfigurationsmanagement, Performancemanagement, Fehlermanagement, Abrechnungsmanagement, Sicherheitsmanagement. Dabei muß ein konkretes Systemmanagement-Produkt nicht für jeden der Bereiche Unterstützung anbieten. Die Hersteller bieten i.d.R Produktpaletten an, die so konzipiert sind, daß spezielle Funktionalitäten als Modul oder als kooperierendes Einzelprodukt erhältlich sind. Netzmanagement ist die ältere und ausgereiftere Managementdisziplin. Systemmanagement ist im Gegensatz dazu eine noch junge Disziplin, wird aber durch die stark gewachsene Vernetzung in Unternehmen bzw. Behörden und die damit zunehmende Heterogenität und Komplexität immer mehr gefordert. Ziel muß es hier sein, beide Disziplinen zu integrieren. Die zur Zeit erhältlichen Managementprodukte sind so angelegt, daß sie primär entweder zum Netzmanagement oder zum Systemmanagement konzipiert sind. Produkte, die beide Funktionalitäten vereinen, sind in der Entwicklung. In der Regel erlauben Produkte, die für das Systemmanagement ausgelegt sind, auch den Zugriff auf Informationen des Netzmanagements. __________________________________________________________________________________________ 22 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.8 Netz- und Systemmanagement __________________________________________________________________________________________ Aufgrund der Heterogenität von Hard- und Software heutiger Netze ist Systemmangement eine sehr komplexe Aufgabe. Erschwert wird Systemmanagement zusätzlich dadurch, daß die Managementsoftware und die Software, die verwaltet werden soll, sehr eng zusammenarbeiten müssen. In der Regel ist heute erhältliche Software jedoch nicht darauf eingerichtet, mit einem Managementsystem zusammenzuarbeiten. Dies liegt zum einen an fehlenden Standards, die z. B. ausreichende Sicherheit garantieren, zum anderen daran, daß größere Softwarepakete mit eigenem, proprietärem Management ausgestattet sind, da Interna über die Software, die zum Verwalten dieser nötig sind, nicht offengelegt werden sollen. Beispielsweise existiert für den Microsoft Internet Explorer eine Managementsoftware, das ”Internet Explorer Administration Kit (IEAK)”, welches z. B. die Vorgabe von Sicherheitseinstellungen durch den Administrator erlaubt, die vom Benutzer nachträglich nicht mehr oder nur im Rahmen vorgegebener Werte verändert werden können. Die Funktionsweise dieses Tools ist proprietär und unterliegt keinem Standard. Prinzipiell ist die Architektur von Managementsoftware zentralistisch aufgebaut: es gibt eine zentrale Managementstation oder –konsole, von der aus der Systemadministrator das ihm anvertraute Netz mit den darin befindlichen Hard- und Software-Komponenten verwalten kann. Insbesondere die Systeme zum Netzmanagement bauen darauf auf. Durch die fehlenden Standards im Bereich Systemmanagement findet man hier in den erhältlichen Produkten in vielen Fällen zwar die zentralistische Architektur, die jedoch im Detail proprietär realisiert ist, so daß hier keine weitere generelle Architekturaussage gemacht werden kann. Einem Netzmanagementsystem liegt i. d. R. ein Modell zugrunde, das zwischen ”Manager”, ”Agent” (auch ”Managementagent”) und ”verwalteten Objekten” (auch ”managed objects”) unterscheidet. Die weiteren Bestandteile sind das zur Kommunikation verwendete Protokoll zwischen Manager und den Agenten, sowie eine Informationsdatenbank, die sogenannte ”MIB” (Management Information Base). Die MIB muß sowohl dem Manager als auch jedem Managementagenten zur Verfügung stehen. Konzeptionell werden Managementagenten und deren MIB als Teil des verwalteten Systems angesehen. Managementsystem Manager Verwaltetes System Managed Object: Rechner Subagenten Agenten Managed Object: Drucker Managementprotokoll MIB MIB Ein Agent ist für ein oder mehrere zu verwaltende Objekte zuständig. Es ist möglich, die Agenten hierarchisch zu organisieren: Ein Agent ist dann für die ihm zugeordneten Unteragenten zuständig. Am Ende einer jeden auf diese Art entstehenden Befehlskette steht immer ein zu verwaltendes Objekt. Ein zu verwaltendes Objekt ist entweder ein physikalisch vorhandenes Objekt (Gerät), wie ein Rechner, ein Drucker oder ein Router, oder ein Softwareobjekt, wie z. B. ein Hintergrundprozeß zur Verwaltung von Druckaufträgen. Bei Geräten, die über ein Managementsystem verwaltet werden __________________________________________________________________________________________ 23 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.8 Netz- und Systemmanagement __________________________________________________________________________________________ können, ist der Managementagent i. d. R. schon vom Hersteller in das Gerät ”fest” eingebaut. Versteht dieser das vom Manager verwendete Kommunikationsprotokoll nicht, ist z. B. ein SoftwareManagementagent nötig, der die Protokollumsetzung beherrscht. In ähnlicher Weise können SoftwareKomponenten den Managementagenten schon enthalten, oder es wird ein spezieller Managementagent benötigt, der für die Verwaltung dieser Software-Komponente konzipiert ist. Um die einzelnen Komponenten des zu verwaltenden Systems anzusprechen, tauschen der Manager und die jeweiligen Agenten Informationen aus. Die Art des zur Kommunikation verwendeten Protokolls bestimmt maßgeblich die Mächtigkeit und insbesondere die Sicherheit des Managementsystems. Prinzipiell können Managementsysteme bezüglich des verwendeten Kommunikationsprotokolles in drei Kategorien unterteilt werden (siehe auch M 2.144 Geeignete Auswahl eines NetzmanagementProtokolls): 1. Es wird SNMP (Simple Network Management Protocol) benutzt, das weit verbreitete Standardprotokoll des TCP/IP-basierten Systemmanagements. 2. Es wird CMIP (Common Management Information Protocol) benutzt, das seltener benutzte Standardprotokoll des ISO/OSI-basierten Systemmanagements. 3. Es wird ein hersteller-spezifisches Protokoll benutzt. Es existiert meist die Möglichkeit, sogenannte Adapter zum Einbinden der Standardprotokolle zu verwenden, wobei in der Regel lediglich eine SNMP-Anbindung existiert. Das am häufigsten benutzte Protokoll ist SNMP. SNMP ist ein sehr einfaches Protokoll, das nur fünf Nachrichtentypen kennt und daher auch einfach zu implementieren ist. CMIP wird hauptsächlich zum Management von Telekommunikationsnetzen verwandt, und hat im Inter- und Intranet-basierten Management keine Bedeutung, da es den OSI-Protokollstack verwendet und nicht den TCP/IP-Stack. Systemmanagementsysteme sind zwar in der Regel auch zentralistisch ausgelegt, um das Verwalten des Systems von einer Managementstation aus zu erlauben, die konkrete Architektur hängt jedoch davon ab, wie groß die Systeme, die verwaltet werden können, sein dürfen und welcher Funktionsumfang angeboten wird. Hier reicht die Palette von einfachen Sammlungen von Management-Tools, die ohne Integration nebeneinander in kleinen Netzen eingesetzt werden, bis hin zu Managementplattformen, die ein weltumspannendes Firmennetz mit mehreren Tausend Rechnern verwalten können. Bestimmte Managementplattformen benutzen proprietäre Protokolle zur Kommunikation zwischen den Komponenten. Diese Systeme weisen in der Regel ein wesentlich höheres Leistungsspektrum auf und dienen nicht nur dem Netz- und Systemmanagement, sondern bieten unternehmens- bzw. behördenweites Ressourcenmanagement an. Durch die unzureichend spezifizierten Sicherheitsmechanismen in den wenigen existierenden Standards, erlauben proprietäre Lösungen zudem die (zwar nicht standardisierte) Verfügbarkeit sicherheitsrelevanter Mechanismen, wie z. B. Verschlüsselungsverfahren. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines Managementsystems werden die folgenden typischen Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt - G 1.1 - G 1.2 Personalausfall Ausfall des IT-Systems Organisatorische Mängel: - G 2.59 Betreiben von nicht angemeldeten Komponenten - G 2.60 Fehlende oder unzureichende Strategie für das Netz- und Systemmanagement __________________________________________________________________________________________ 24 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.8 Netz- und Systemmanagement __________________________________________________________________________________________ - G 2.61 Unberechtigte Sammlung personenbezogener Daten Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.34 Ungeeignete Konfiguration des Managementsystems - G 3.35 Server im laufenden Betrieb ausschalten - G 3.36 Fehlinterpretation von Ereignissen Technisches Versagen: - G 4.38 Ausfall von Komponenten eines Netz- und Systemmanagementsystems Vorsätzliche Handlungen: - G 5.86 Manipulation von Managementparametern Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Das zu verwaltende System besteht aus einzelnen Rechnern, Netzkoppelelementen und dem physikalischen Netz. Jede dieser Komponenten ist ein potentielles Sicherheitsrisiko für das Gesamtsystem. Diese Risiken können im allgemeinen alleine durch die Einführung von Managementsoftware nicht vollständig beseitigt werden. Dies gilt schon deshalb, weil in der Regel nicht alle Systeme in gleichem Maße durch ein Managementsystem erfaßt werden. Grundvoraussetzung für die Systemsicherheit ist hier einerseits die Definition und andererseits die Realisierung einer unternehmensweiten Sicherheitspolitik, die sich im betrachteten Fall insbesondere in der Konfiguration von Hard- und Software niederschlagen muß. Aus diesem Grund sollten insbesondere die Maßnahmen der im Kapitel 6 aufgeführten Bausteine betrachtet werden. Als Ausgangsbaustein kann der Baustein 6.7 Heterogene Netze dienen. Da Managementsysteme von einem zentralistischen Ansatz ausgehen, kommt der zentralen Managementstation eine besondere Bedeutung unter Sicherheitsgesichtspunkten zu und ist daher besonders zu schützen. Zentrale Komponenten eines Managementsystems sollten daher in Räumen aufgestellt werden, die den Anforderungen an einen Serverraum (vgl. Kapitel 4.3.2) entsprechen. Wenn kein Serverraum zur Verfügung steht, können sie alternativ in einem Serverschrank aufgestellt werden (vgl. Kapitel 4.4 Schutzschränke). Für den erfolgreichen Aufbau eines Netz- und Systemmanagementsystems sind eine Reihe von Maßnahmen umzusetzen, beginnend mit der Konzeption über die Beschaffung bis zum Betrieb. Die Schritte, die dabei durchlaufen werden sollten, sowie die Maßnahmen, die in den jeweiligen Schritten beachtet werden sollten, sind im folgenden aufgeführt. 1. Erstellen eines Managementkonzeptes, das auf den Anforderungen beruht, die sich aus den Gegebenheiten des in der Regel bereits vorhandenen IT-Systems ergeben 1.1 1.2 Anforderungsanalyse (siehe M 2.168 IT-System-Analyse vor Einführung eines Systemmanagementsystems) Definition des Konzeptes (siehe M 2.169 Entwickeln einer Systemmanagementstrategie) 2. Die Beschaffung des Managementsystems erfordert zunächst, die aus dem Managementkonzept resultierenden 2.1 2.2 Anforderungen an das Managementprodukt zu formulieren (siehe M 2.170 Anforderungen an ein Systemmanagementsystem) und basierend darauf die Auswahl eines geeigneten Managementproduktes zu treffen (siehe M 2.170 Geeignete Auswahl eines Systemmanagement-Produktes). __________________________________________________________________________________________ 25 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
6.8 Netz- und Systemmanagement __________________________________________________________________________________________ 3. Die sicherheitsrelevanten Maßnahmen für den Betrieb des Managementsystems untergliedern sich in die Bereiche: 3.1 3.2 3.3 Installation, mit der Umsetzung des Managementkonzeptes (siehe M 4.91 Sichere Installation eines Systemmanagementsystems) und den laufenden Betrieb des Managementsystems (siehe M 4.92 Sicherer Betrieb eines Systemmanagementsystems). Daneben sind natürlich die bisherigen Maßnahmen für den laufenden Betrieb des verwalteten Systems zu beachten (siehe Kapitel 4 bis 9) Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Baustein Netz- und Systemmanagement vorgestellt. Infrastruktur: - M 1.29 (1) Geeignete Aufstellung eines IT-Systems Organisation: - M 2.2 (2) - M 2.25 (1) - M 2.40 (2) - M 2.143 (1) - M 2.144 (1) - M 2.168 (1) - M 2.169 (1) - M 2.170 (1) - M 2.171 (1) Betriebsmittelverwaltung Dokumentation der Systemkonfiguration Rechtzeitige Beteiligung des Personal-/Betriebsrates Entwicklung eines Netzmanagementkonzeptes Geeignete Auswahl eines Netzmanagement-Protokolls IT-System-Analyse vor Einführung eines Systemmanagementsystems Entwickeln einer Systemmanagementstrategie Anforderungen an ein Systemmanagementsystem Geeignete Auswahl eines Systemmanagement-Produktes Personal: - M 3.4 - M 3.5 - M 3.10 - M 3.11 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals (1) (1) (1) (1) Hardware / Software: M 4.91 (1) Sichere Installation eines Systemmanagementsystems M 4.92 (1) Sicherer Betrieb eines Systemmanagementsystems Kommunikation: M 5.68 (2) Einsatz von Verschlüsselungsverfahren zur Netzkommunikation Notfallvorsorge: M 6.57 (2) Erstellen eines Notfallplanes für den Ausfall des Managementsystems ˆ __________________________________________________________________________________________ 26 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7 Datenübertragungseinrichtungen __________________________________________________________________________________________ 7 Datenübertragungseinrichtungen In diesem Kapitel wird der IT-Grundschutz für Einrichtungen zur Datenübertragung dargestellt: 7.1 Datenträgeraustausch 7.2 Modem 7.3 Firewall 7.4 E-Mail 7.5 WWW-Server __________________________________________________________________________________________ 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.1 Datenträgeraustausch __________________________________________________________________________________________ 7.1 Datenträgeraustausch Beschreibung Betrachtet wird der Austausch von Datenträgern zur Datenübertragung zwischen nicht vernetzten ITSystemen. Berücksichtigte Datenträger sind Disketten, Wechselplatten (magnetisch, magneto-optisch), CDs, Magnetbänder und Kassetten. Daneben wird auch die Speicherung der Daten auf dem Sender- und EmpfängerSystem, soweit es in direktem Zusammenhang mit dem Datenträgeraustausch steht, sowie der Umgang mit den Datenträgern vor bzw. nach dem Versand berücksichtigt. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz im Rahmen des Austausches von Datenträgern werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.7 Unzulässige Temperatur und Luftfeuchte - G 1.8 Staub, Verschmutzung - G 1.9 Datenverlust durch starke Magnetfelder beim Transport Organisatorische Mängel: - G 2.3 Fehlende, ungeeignete, inkompatible Betriebsmittel - G 2.10 Nicht fristgerecht verfügbare Datenträger - G 2.17 Mangelhafte Kennzeichnung der Datenträger - G 2.18 Ungeordnete Zustellung der Datenträger - G 2.19 Unzureichendes Schlüsselmanagement bei Verschlüsselung Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.1 Vertraulichkeits-/Integritätsverlust von Daten durch Fehlverhalten der IT-Benutzer - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.12 Verlust der Datenträger beim Versand - G 3.13 Übertragung falscher oder nicht gewünschter Datensätze Technisches Versagen: - G 4.7 Defekte Datenträger Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten und Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.4 Diebstahl - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.23 Computer-Viren - G 5.29 Unberechtigtes Kopieren der Datenträger - G 5.43 Makro-Viren __________________________________________________________________________________________ 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.1 Datenträgeraustausch __________________________________________________________________________________________ Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Datenträgeraustausch" vorgestellt. Infrastruktur: - M 1.36 (2) Sichere Aufbewahrung der Datenträger vor und nach Versand (optional) Organisation: - M 2.3 (2) - M 2.42 (2) - M 2.43 (1) - M 2.44 (1) - M 2.45 (1) - M 2.46 (2) Datenträgerverwaltung Festlegung der möglichen Kommunikationspartner Ausreichende Kennzeichnung der Datenträger beim Versand Sichere Verpackung der Datenträger Regelung des Datenträgeraustausches Geeignetes Schlüsselmanagement (optional) Personal: - M 3.14 (2) Einweisung des Personals in den geregelten Ablauf eines Datenträgeraustausches (optional) Hardware/Software: - M 4.32 (2) Physikalisches Löschen der Datenträger vor und nach Verwendung - M 4.33 (1) Einsatz eines Viren-Suchprogramms bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung (bei üblicherweise von Computer-Viren betroffenen IT-Systemen) - M 4.34 (1) Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen (optional) - M 4.35 (3) Verifizieren der zu übertragenden Daten vor Versand (optional) - M 4.44 (2) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren Kommunikation: - M 5.22 (2) Kompatibilitätsprüfung des Sender- und Empfängersystems (optional) - M 5.23 (2) Auswahl einer geeigneten Versandart für den Datenträger Notfallvorsorge: - M 6.38 (2) Sicherungskopie der übermittelten Daten (optional) ˆ __________________________________________________________________________________________ 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.2 Modem __________________________________________________________________________________________ 7.2 Modem Beschreibung Über ein Modem wird eine Datenendeinrichtung, z. B. ein PC, über das öffentliche Telefonnetz mit anderen Datenendeinrichtungen verbunden, um Informationen austauschen zu können. Ein Modem wandelt die digitalen Signale aus der Datenendeinrichtung in analoge elektrische Signale um, die über das Telefonnetz übertragen werden können. Damit zwei IT-Systeme über Modem kommunizieren können, muß auf den ITSystemen die entsprechende Kommunikationssoftware installiert sein. Modem Unterschieden werden externe, interne und PCMCIA-Modems. Ein externes Modem ist ein eigenständiges Gerät mit eigener Stromversorgung, das üblicherweise über eine serielle Schnittstelle mit dem IT-System verbunden wird. Als internes Modem werden Steckkarten mit ModemFunktionalität, die über keine eigene Stromversorgung verfügen, bezeichnet. Ein PCMCIA-Modem ist eine scheckkartengroße Einsteckkarte, die über eine PCMCIA-Schnittstelle üblicherweise in Laptops eingesetzt wird. In diesem Kapitel wird Datenübertragung über ISDN nicht betrachtet, dazu siehe Kapitel 8.1 TKAnlage. Gefährdungslage In diesem Kapitel werden für den IT-Grundschutz beim Einsatz eines Modems folgende Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.2 Ausfall des IT-Systems Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.5 Unbeabsichtigte Leitungsbeschädigung Technisches Versagen: - G 4.6 Spannungsschwankungen/Überspannung/Unterspannung Vorsätzliche Handlungen: - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.7 Abhören von Leitungen - G 5.8 Manipulation an Leitungen - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.10 Mißbrauch von Fernwartungszugängen - G 5.12 Abhören von Telefongesprächen und Datenübertragungen - G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Paßwörtern - G 5.23 Computer-Viren - G 5.25 Maskerade - G 5.39 Eindringen in Rechnersysteme über Kommunikationskarten - G 5.43 Makro-Viren __________________________________________________________________________________________ 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.2 Modem __________________________________________________________________________________________ Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Modem" vorgestellt. Infrastruktur: - M 1.25 (3) - M 1.38 (1) Überspannungsschutz (optional) Geeignete Aufstellung eines Modems Organisation: - M 2.25 (2) - M 2.42 (2) - M 2.46 (2) - M 2.59 (1) - M 2.60 (1) - M 2.61 (2) Dokumentation der Systemkonfiguration Festlegung der möglichen Kommunikationspartner Geeignetes Schlüsselmanagement (optional) Auswahl eines geeigneten Modems in der Beschaffung Sichere Administration eines Modems Regelung des Modem-Einsatzes Personal: - M 3.17 (1) Einweisung des Personals in die Modem-Benutzung Hardware/Software: - M 4.7 (1) Änderung voreingestellter Paßwörter - M 4.30 (2) Nutzung der in Anwendungsprogrammen angebotenen Sicherheitsfunktionen - M 4.33 (1) Einsatz eines Viren-Suchprogramms bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung (bei üblicherweise von Computer-Viren betroffenen IT-Systemen) - M 4.34 (2) Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen (optional) - M 4.44 (2) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren Kommunikation: - M 5.30 (1) - M 5.31 (1) - M 5.32 (1) - M 5.33 (1) - M 5.44 (2) Aktivierung einer vorhandenen Callback-Option Geeignete Modem-Konfiguration Sicherer Einsatz von Kommunikationssoftware Absicherung der per Modem durchgeführten Fernwartung Einseitiger Verbindungsaufbau (optional) ˆ __________________________________________________________________________________________ 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.3 Firewall __________________________________________________________________________________________ 7.3 Firewall Beschreibung Eine Firewall dient zur Kontrolle der Kommunikation zwischen zwei Netzen. Im Regelfall wird sie zum Schutz eines Netzes gegen Angriffe aus einem Netz mit einem geringeren Schutzbedarf eingesetzt, z. B. bei der Anbindung eines zu schützenden Teilnetzes an ein organisationsumspannendes Netz oder der Anbindung eines Firmennetzes an das Internet. LAN WAN In diesem Kapitel wird mit Firewall eine Kombination von Hard- und Software bezeichnet, die als alleiniger Übergang zwischen zwei zu trennenden TCP/IP-Netzen dient, von denen das eine einen höheren Schutzbedarf hat. Da eine solche Firewall häufig zum Schutz eines internen Netzes bei der Kopplung mit dem Internet eingesetzt wird, wird sie auch als Internet-Firewall bezeichnet. In diesem Kapitel werden ausschließlich die für eine Firewall spezifischen Gefährdungen und Maßnahmen beschrieben. Zusätzlich sind noch die für das IT-System, mit dem die Firewall realisiert wird, spezifischen Gefährdungen und Maßnahmen zu betrachten. Es wird davon ausgegangen, daß eine Firewall auf einem Unix-System implementiert wird, daher sind zusätzlich zu den im folgenden beschriebenen Gefährdungen und Maßnahmen die in Kapitel 6.2 beschriebenen zu beachten. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz einer Firewall werden die folgenden typischen Gefährdungen angenommen: Organisatorische Mängel: - G 2.24 Vertraulichkeitsverlust schutzbedürftiger Daten des zu schützenden Netzes Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems - G 3.38 Konfigurations- und Bedienungsfehler Technisches Versagen: - G 4.8 Bekanntwerden von Softwareschwachstellen - G 4.10 Komplexität der Zugangsmöglichkeiten zu vernetzten IT-Systemen - G 4.11 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen NIS-Server und NIS-Client - G 4.12 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen X-Server und X-Client - G 4.20 Datenverlust bei erschöpftem Speichermedium - G 4.22 Schwachstellen oder Fehler in Standardsoftware - G 4.39 Software-Konzeptionsfehler Vorsätzliche Handlungen: - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Paßwörtern - G 5.24 Wiedereinspielen von Nachrichten - G 5.25 Maskerade - G 5.28 Verhinderung von Diensten - G 5.39 Eindringen in Rechnersysteme über Kommunikationskarten - G 5.48 IP-Spoofing __________________________________________________________________________________________ 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.3 Firewall __________________________________________________________________________________________ - G 5.49 G 5.50 G 5.51 G 5.78 Mißbrauch des Source-Routing Mißbrauch des ICMP-Protokolls Mißbrauch der Routingprotokolle DNS-Spoofing Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Eine Firewall schützt das interne Netz Angriffe von Innentätern zu schützen, Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt sein. Unix- bzw. PC-Netz handelt, sind die maßnahmen umzusetzen. nur gegen Angriffe von außen. Um das interne Netz gegen müssen auch bei Einsatz einer Firewall alle erforderlichen Wenn es sich bei dem internen Netz beispielsweise um ein in Kapitel 6.2 bzw. Kapitel 6.1 beschriebenen Sicherheits- Die Firewall sollte in einem separaten Serverraum aufgestellt werden. Hierbei zu realisierende Maßnahmen sind in Kapitel 4.3.2 beschrieben. Wenn kein Serverraum zur Verfügung steht, kann die Firewall alternativ in einem Serverschrank aufgestellt werden (vgl. Kapitel 4.4 Schutzschränke). Für den erfolgreichen Aufbau einer Firewall sind eine Reihe von Maßnahmen umzusetzen, beginnend mit der Konzeption über die Beschaffung bis zum Betrieb einer Firewall. Die Schritte, die dabei durchlaufen werden sollten, sowie die Maßnahmen, die in den jeweiligen Schritten beachtet werden sollten, sind im folgenden aufgeführt. 1. Konzept der Netzkopplung mit Hilfe einer Firewall: (siehe M 2.70 Entwicklung eines FirewallKonzeptes) - Festlegung der Sicherheitsziele - Anpassung der Netzstruktur - grundlegende Voraussetzungen 2. Sicherheitspolitik der Firewall: (s. M 2.71 Festlegung einer Sicherheitspolitik für eine Firewall) - Auswahl der Kommunikationsanforderungen - Diensteauswahl (Vor der Diensteauswahl sollten die Erläuterungen und Randbedingungen aus M 5.39 Sicherer Einsatz der Protokolle und Dienste gelesen werden.) - Organisatorische Regelungen 3. Beschaffung der Firewall: - Auswahl des Firewall-Typs (siehe M 2.72 Anforderungen an eine Firewall und M 2.73 Auswahl eines geeigneten Firewall-Typs. - Beschaffungskriterien (siehe M 2.74 Geeignete Auswahl eines Paket-Filters und M 2.75 Geeignete Auswahl eines Application-Gateway) 4. Implementation der Firewall: - Filterregeln aufstellen und implementieren (siehe M 2.76 Auswahl und Implementation geeigneter Filterregeln) __________________________________________________________________________________________ 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.3 Firewall __________________________________________________________________________________________ - Umsetzung der IT-Grundschutz-Maßnahmen für Firewall-Rechner (siehe Kapitel 6.2) - Umsetzung der IT-Grundschutz-Maßnahmen die IT-Systeme des internen Netzes überprüfen (siehe z. B. siehe Kapitel 6.1, 6.2 und 6.3) - Randbedingungen für sicheren Einsatz der einzelnen Protokolle und Dienste beachten (siehe M 5.39 Sicherer Einsatz der Protokolle und Dienste) - Einbindung weiterer Komponenten (siehe M 2.77 Sichere Anordnung weiterer Komponenten) 5. Betrieb der Firewall: (siehe M 2.78 Sicherer Betrieb einer Firewall) - Regelmäßige Kontrolle - Anpassung an Änderungen und Tests - Protokollierung der Firewall-Aktivitäten (siehe M 4.47 Protokollierung der Firewall-Aktivitäten) - Notfallvorsorge für die Firewall (ergänzend siehe Kapitel 3.3) - Datensicherung (siehe Kapitel 3.4 Datensicherungskonzept) 6. Betrieb der an der Firewall angeschlossenen Clients Auf Seite der Clients ist - neben den in Kapitel 5 beschriebenen Maßnahmen - zusätzlich die Maßnahme M 5.45 Sicherheit von WWW-Browsern zu beachten. Es kann verschiedene Gründe geben, sich gegen den Einsatz einer Firewall zu entscheiden. Dies können die Anschaffungskosten oder der hohe Administrationsaufwand sein, aber auch die Tatsache, daß die bestehenden Restrisiken nicht in Kauf genommen werden können.Falls trotzdem ein Anschluß an das Internet gewünscht ist, kann alternativ ein Stand-alone-System eingesetzt werden (siehe M 5.46 Einsatz von Stand-alone-Systemen zur Nutzung des Internets). Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Firewall" vorgestellt. Organisation: - M 2.70 (1) - M 2.71 (1) - M 2.72 (1) - M 2.73 (1) - M 2.74 (1) - M 2.75 (1) - M 2.76 (1) - M 2.77 (1) - M 2.78 (1) Entwicklung eines Firewall-Konzeptes Festlegung einer Sicherheitspolitik für eine Firewall Anforderungen an eine Firewall Auswahl eines geeigneten Firewall-Typs Geeignete Auswahl eines Paket-Filters (bei Beschaffungsbedarf) Geeignete Auswahl eines Application-Gateway (bei Beschaffungsbedarf) Auswahl und Implementation geeigneter Filterregeln Sichere Anordnung weiterer Komponenten Sicherer Betrieb einer Firewall Hardware / Software: - M 4.47 (1) Protokollierung der Firewall-Aktivitäten - M 4.93 (1) Regelmäßige Integritätsprüfung - M 4.100 (1) Firewalls und aktive Inhalte - M 4.101 (1) Firewalls und Verschlüsselung __________________________________________________________________________________________ 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.3 Firewall __________________________________________________________________________________________ Kommunikation: - M 5.39 (1) - M 5.59 (1) - M 5.45 (2) - M 5.46 (1) - M 5.70 (1) - M 5.71 (1) Sicherer Einsatz der Protokolle und Dienste Schutz vor DNS-Spoofing Sicherheit von WWW-Browsern (bei Clients) Einsatz von Stand-alone-Systemen zur Nutzung des Internets (alternativ zur Firewall) Adreßumsetzung – NAT (Network Address Translation) Intrusion Detection und Intrusion Response Systeme ˆ __________________________________________________________________________________________ 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.4 E-Mail __________________________________________________________________________________________ 7.4 E-Mail Beschreibung sr ffgdf jbnnkg dh y d bnkjydg Der Dienst "Electronic Mail", kurz E-Mail, erlaubt es, elektronische Nachrichten innerhalb kürzester Zeit weltweit zu versenden und zu empfangen. Eine E-Mail hat i. a. neben den Adreßangaben (From/To) ein Subject ln gxb n gc nl (Titel oder Betreff), einen Textkörper und evtl. ein oder iu g h qho nv zi j gbv mehrere Anhänge (Attachments). Mittels E-Mail können nicht nur kurze Informationen schnell, bequem und informell weitergegeben werden, sondern es können auch Geschäftsvorfälle zur Weiterbearbeitung an andere Bearbeiter weitergeleitet werden. Abhängig davon, für welchen Einsatzzweck E-Mail eingesetzt wird, differieren auch die Ansprüche an Vertraulichkeit, Verfügbarkeit, Integrität und Verbindlichkeit der zu übertragenden Daten sowie des eingesetzten E-Mail-Programms. bn d gn vk jh b njkgb Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz im Rahmen des elektronischen Dateiaustausches über E-Mail werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Organisatorische Mängel: - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten - G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen beim IT-Einsatz - G 2.19 Unzureichendes Schlüsselmanagement - G 2.54 Vertraulichkeitsverlust durch Restinformationen - G 2.55 Ungeordnete E-Mail-Nutzung - G 2.56 Mangelhafte Beschreibung von Dateien Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.1 Vertraulichkeits-/Integritätsverlust von Daten durch Fehlverhalten der IT-Benutzer - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems - G 3.13 Übertragung falscher oder nicht gewünschter Datensätze Technisches Versagen: - G 4.20 Datenverlust bei erschöpftem Speichermedium - G 4.32 Nichtzustellung einer Nachricht - G 4.37 Mangelnde Zeitauthentizität von E-Mail Vorsätzliche Handlungen: - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.7 Abhören von Leitungen - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.21 Trojanische Pferde - G 5.23 Computer-Viren - G 5.24 Wiedereinspielen von Nachrichten - G 5.25 Maskerade - G 5.26 Analyse des Nachrichtenflusses - G 5.27 Nichtanerkennung einer Nachricht - G 5.28 Verhinderung von Diensten __________________________________________________________________________________________ 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.4 E-Mail __________________________________________________________________________________________ - G 5.43 G 5.72 G 5.73 G 5.74 G 5.75 G 5.76 G 5.77 Makro-Viren Mißbräuchliche E-Mail-Nutzung Vortäuschen eines falschen Absenders Manipulation von Alias-Dateien oder Verteilerlisten Überlastung durch eingehende E-Mails Mailbomben Mitlesen von E-Mails Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Bei der Betrachtung von E-Mail-Systemen sind im wesentlichen die folgenden Komponenten zu untersuchen: - Die Benutzer setzen für den Versand, den Empfang und die Bearbeitung von E-Mails Mailprogramme ein. - Die Benutzer-Mailprogramme übergeben und erhalten die E-Mail an bzw. von einem Mail-Server. Zu diesem Zweck führt der Mail-Server für jeden Benutzer eine Mailbox. Für den weiteren Nachrichtentransport kommuniziert der Mail-Server mit Gateways, die die Nachrichten an andere Mail-Systeme senden. Dies erfordert bei der Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen für den Informationsaustausch per E-Mail, daß zunächst eine übergreifende Sicherheitspolitik erarbeitet wird (siehe M 2.118 Festlegung einer Sicherheitspolitik für E-Mail-Nutzung). Der Betrieb von E-Mail-Systemen erfordert neben der Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen am Mail-Server auch Sicherheitsmaßnahmen an den eingesetzten Clients. Von besonderer Bedeutung sind jedoch die von den Benutzern einzuhaltenden Sicherheitsvorkehrungen und Anweisungen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "E-Mail" vorgestellt. Organisation: - M 2.30 (2) - M 2.42 (2) - M 2.46 (2) - M 2.118 (1) - M 2.119 (1) - M 2.120 (1) - M 2.121 (2) - M 2.122 (2) - M 2.123 (2) Regelung für die Einrichtung von Benutzern / Benutzergruppen Festlegung der möglichen Kommunikationspartner Geeignetes Schlüsselmanagement (optional) Festlegung einer Sicherheitspolitik für E-Mail-Nutzung Regelung für den Einsatz von E-Mail Einrichtung einer Poststelle Regelmäßiges Löschen von E-Mails Einheitliche E-Mail-Adressen Auswahl eines Mailproviders Personal: - M 3.4 - M 3.5 - M 3.10 - M 3.11 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals (1) (1) (1) (1) Hardware/Software: - M 4.33 (1) Einsatz eines Viren-Suchprogramms bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung - M 4.34 (2) Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen (optional) __________________________________________________________________________________________ 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.4 E-Mail __________________________________________________________________________________________ - M 4.44 (2) - M 4.64 (1) - M 4.65 (2) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren Verifizieren der zu übertragenden Daten vor Weitergabe/Beseitigung von Restinformationen Test neuer Hard- und Software Kommunikation: - M 5.22 (2) - M 5.32 (1) - M 5.53 (2) - M 5.54 (2) - M 5.55 (2) - M 5.56 (1) - M 5.57 (1) - M 5.63 (2) - M 5.67 (3) Kompatibilitätsprüfung des Sender- und Empfängersystems (optional) Sicherer Einsatz von Kommunikationssoftware Schutz vor Mailbomben Schutz vor Mailüberlastung und Spam Kontrolle von Alias-Dateien und Verteilerlisten Sicherer Betrieb eines Mail-Servers Sichere Konfiguration der Mail-Clients Einsatz von PGP (optional) Verwendung eines Zeitstempel-Dienstes (optional) Notfallvorsorge: - M 6.23 (2) Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus - M 6.38 (2) Sicherungskopie der übermittelten Daten (optional) ˆ __________________________________________________________________________________________ 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.5 WWW-Server __________________________________________________________________________________________ 7.5 WWW-Server Beschreibung 999 Ein WWW-Server ist ein IT-System, das über eine Informationsdatenbank WWW-Clients Dateien zur Verfügung stellt. Ein WWW-Client, auch Browser genannt, zeigt die Informationen eines WWW-Servers auf dem Benutzerrechner an. Die bekanntesten Browser sind Mosaic, Netscape, Internet Explorer, Hot Java und Lynx. Teilt der Benutzer dem Browser (z. B. über einen Mausklick) mit, welches Dokument er lesen möchte, so stellt das Programm eine Netzverbindung mit dem entsprechenden WWWServer her. Letzterer schickt dann das gewünschte Dokument über das Netz an den Clienten, der es dann am Bildschirm darstellt oder druckt. Der WWW-Dienst basiert auf HTML (Hypertext Markup Language), einer einfachen Programmiersprache, die es gestattet, sowohl Text nebst Formatierungen (u. a. Festlegen von Überschriften, Einrückungen, fetten und kursiven Textteilen) als auch Bilder, selbst Video- und Audiosequenzen, zu verwalten. Durch sogenannte Hyperlinks werden einzelne Dokumente verknüpft. Dies kann ein Verweis auf ein anderes Dokument, auf denselben oder einen anderen WWW-Server, auf eine andere Stelle desselben Textes oder auf ein Bild oder ähnliches sein. Solche Links sind in der Regel im Text optisch hervorgehoben, meist durch Unterstreichung oder andere Farbe. Bilder und andere eingebettete Elemente können ebenfalls Hyperlinks darstellen. Die Adresse eines WWW-Dokuments (Text, Bild etc.) wird mit URL (Uniform Resource Locator) bezeichnet. Die Sicherheit der WWW-Nutzung beruht grundsätzlich auf - der Sicherheit des WWW-Servers, - der Sicherheit des WWW-Clients und - der Sicherheit der Kommunikationsverbindung zwischen beiden. Um einen WWW-Server abzusichern, ist sicherzustellen, daß - der WWW-Server Informationen nur an dazu berechtigte Benutzer weitergibt, - auf dem WWW-Server nur die für die Weitergabe bestimmten Informationen angeboten werden und keine weiteren, - die Sicherheit des WWW-Servers weder durch berechtigte noch durch unberechtigte Benutzer unterlaufen werden kann. Gefährdungslage Für den Grundschutz werden pauschal die folgenden Gefährdungen als typisch für einen WWWServer angenommen: Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.2 Unzureichende Kenntnis über Regelungen - G 2.4 Unzureichende Kontrolle der IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten (hier: zur Änderung auf dem WWW-Server gespeicherter Informationen) __________________________________________________________________________________________ 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.5 WWW-Server __________________________________________________________________________________________ - G 2.9 - G 2.28 - G 2.32 - G 2.37 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen beim IT-Einsatz (hier: von auf dem WWW-Server gespeicherten Informationen) Verstöße gegen das Urheberrecht (hier: durch unberechtigte Weitergabe oder Veröffentlichung von Dokumenten, Bildern oder Software) Unzureichende Leitungskapazitäten (hier: schlechte Erreichbarkeit) Unkontrollierter Aufbau von Kommunikationsverbindungen (ActiveX, Java) Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.1 Vertraulichkeits-/Integritätsverlust von Daten durch Fehlverhalten der IT-Benutzer - G 3.37 Unproduktive Suchzeiten - G 3.38 Konfigurations- und Bedienungsfehler Technisches Versagen: - G 4.10 Komplexität der Zugangsmöglichkeiten zu vernetzten IT-Systemen - G 4.22 Software-Schwachstellen oder -Fehler - G 4.39 Software-Konzeptionsfehler Vorsätzliche Handlungen: - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.19 Mißbrauch von Benutzerrechten - G 5.20 Mißbrauch von Administratorrechten - G 5.21 Trojanische Pferde - G 5.23 Computer-Viren - G 5.28 Verhinderung von Diensten - G 5.43 Makro-Viren - G 5.48 IP-Spoofing - G 5.78 DNS-Spoofing - G 5.87 Web-Spoofing - G 5.88 Mißbrauch aktiver Inhalte Maßnahmenvorschläge Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. In diesem Kapitel werden ausschließlich die für einen WWW-Server spezifischen Gefährdungen und Maßnahmen beschrieben. Darüber hinaus muß für die Sicherheit des organisationseigenen Netzes Kapitel 6.1 Servergestütztes Netz umgesetzt werden. Für die sichere Anbindung eines WWW-Servers an öffentliche Netze (z. B. das Internet) ist Kapitel 7.3 Firewall zu betrachten, ebenso wie für den Zusammenschluß mehrerer Intranets zu einem übergreifenden Intranet. Die kontrollierte Anbindung externer Anschlußpunkte (z. B. von Telearbeitsplätzen via ISDN) wird im Kapitel 9.3 Telearbeit behandelt. Ein WWW-Server sollte in einem separaten Serverraum aufgestellt werden. Hierbei zu realisierende Maßnahmen sind in Kapitel 4.3.2 beschrieben. Wenn kein Serverraum zur Verfügung steht, kann der WWW-Server alternativ in einem Serverschrank aufgestellt werden (vgl. Kapitel 4.4 Schutzschränke). Für den erfolgreichen und sicheren Aufbau eines WWW-Servers sind eine Reihe von Maßnahmen umzusetzen. Die Schritte, die dabei durchlaufen werden sollten, sowie die Maßnahmen, die in den jeweiligen Schritten beachtet werden sollten, sind im folgenden aufgeführt. __________________________________________________________________________________________ 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.5 WWW-Server __________________________________________________________________________________________ 1. Konzeptionierung des WWW-Servers (siehe M 2.172 Entwicklung eines Konzeptes für die WWWNutzung) und Festlegung einer WWW-Sicherheitsstrategie (siehe M 2.173 Festlegung einer WWWSicherheitsstrategie): - Festlegung der Sicherheitsziele - Anpassung der Netzstruktur - Grundlegende Voraussetzungen - Organisatorische Regelungen 2. Implementation des WWW-Servers (siehe M 2.175 Aufbau eines WWW-Servers): - Umsetzung der IT-Grundschutz-Maßnahmen für den WWW-Rechner (siehe z. B. Kapitel 6.2 für WWW-Server auf Unix-Basis) - Nutzung sicherer Kommunikationsverbindungen (siehe M 5.65 Einsatz von S-HTTP, M 5.66 Verwendung von SSL) - Java, ActiveX (siehe M 569. Schutz vor aktiven Inhalten) 3. Betrieb des WWW-Servers (siehe M 2.174 Sicherer Betrieb eines WWW-Servers): - regelmäßige Kontrolle - Anpassung an Änderungen und Tests - Zugriffsschutz auf WWW-Dateien (M 4.94 Schutz der WWW-Dateien) - Protokollierung am WWW-Server - Notfallvorsorge für den WWW-Server (ergänzend siehe Kapitel 3.3) - Datensicherung (siehe Kapitel 3.4 Datensicherungskonzept) 6. Sicherer Betrieb von WWW-Clients Auf Client-Seite ist - neben den in Kapitel 5 beschriebenen Maßnahmen - zusätzlich die Maßnahme M 5.45 Sicherheit von WWW-Browsern zu beachten. - Nutzung sicherer Kommunikationsverbindungen (siehe M 5.65 Einsatz von S-HTTP, M 5.66 Verwendung von SSL) - Schutz vor Viren, Makro-Viren, aktiven Inhalten (siehe M 4.33 Einsatz eines VirenSuchprogramms bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung, M 5.69 Schutz vor aktiven Inhalten) Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "WWW-Server" vorgestellt. Auf eine Wiederholung von Maßnahmen anderer Kapitel wird hier aus Redundanzgründen verzichtet. Organisation: - M 2.35 (1) - M 2.172 (1) - M 2.173 (1) - M 2.174 (1) - M 2.175 (2) - M 2.176 (2) Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems Entwicklung eines Konzeptes für die WWW-Nutzung Festlegung einer WWW-Sicherheitsstrategie Sicherer Betrieb eines WWW-Servers Aufbau eines WWW-Servers Geeignete Auswahl eines Internet Service Providers Personal: - M 3.4 - M 3.5 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen (1) (1) __________________________________________________________________________________________ 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
7.5 WWW-Server __________________________________________________________________________________________ - M 3.10 (1) - M 3.11 (1) Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals Hardware/Software: - M 4.33 (1) Einsatz eines Viren-Suchprogramms bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung - M 4.34 (2) Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen (optional) - M 4.44 (2) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren - M 4.64 (1) Verifizieren der zu übertragenden Daten vor Weitergabe/Beseitigung von Restinformationen - M 4.65 (2) Test neuer Hard- und Software - M 4.78 (1) Sorgfältige Durchführung von Konfigurationsänderungen - M 4.93 (1) Regelmäßige Integritätsprüfung - M 4.94 (1) Schutz der WWW-Dateien - M 4.95 (1) Minimales Betriebssystem - M 4.96 (2) Abschaltung von DNS - M 4.97 (2) Ein Dienst pro Server - M 4.98 (1) Kommunikation durch Paketfilter auf Minimum beschränken - M 4.99 (2) Schutz gegen nachträgliche Veränderungen von Informationen Kommunikation: - M 5.45 (2) - M 5.59 (1) - M 5.64 (2) - M 5.65 (2) - M 5.66 (2) - M 5.69 (1) Sicherheit von WWW-Browsern Schutz vor DNS-Spoofing Nutzung von Secure Shell (optional) Einsatz von S-HTTP (optional) Verwendung von SSL (optional) Schutz vor aktiven Inhalten ˆ __________________________________________________________________________________________ 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
8 Telekommunikation __________________________________________________________________________________________ 8 Telekommunikation IT-Grundschutz wird für folgende Einsatzfelder der Telekommunikation definiert: 8.1 TK-Anlage 8.2 Faxgerät 8.3 Anrufbeantworter 8.4 LAN-Anbindung eines IT-Systems über ISDN 8.5 Faxserver __________________________________________________________________________________________ 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
8.1 TK-Anlage __________________________________________________________________________________________ 8.1 TK-Anlage Beschreibung Die private, digitale ISDN-Telekommunikations-Anlage (TK-Anlage) stellt sowohl eine Kommunikationsbasis für den eigenen Bereich als auch die Schnittstelle zum öffentlichen Netz dar. Sie dient der Übertragung von Sprache und Bildern (Fax) und in zunehmendem Maß als LAN bzw. LAN-Koppler sowie als Übertragungsmedium für elektronische Mailsysteme. Bei der Nutzung als LAN ist das Kapitel 6.1 Servergestütztes Netz zu beachten. 2 5 7 P 8 0 Es wird davon ausgegangen, dass ein Verantwortlicher für die TK-Anlage benannt ist, der die grundsätzlichen Sicherheitsentscheidungen fällen und Sicherheitsmaßnahmen initiieren kann. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz einer TK-Anlage werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.4 Feuer - G 1.7 Unzulässige Temperatur und Luftfeuchte Organisatorische Mängel: - G 2.6 Unbefugter Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal - G 3.7 Ausfall der TK-Anlage durch Fehlbedienung Technisches Versagen: - G 4.6 Spannungsschwankungen/Überspannung/Unterspannung Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.11 Vertraulichkeitsverlust in TK-Anlagen gespeicherter Daten - G 5.12 Abhören von Telefongesprächen und Datenübertragungen - G 5.13 Abhören von Räumen - G 5.14 Gebührenbetrug - G 5.15 "Neugierige" Mitarbeiter - G 5.16 Gefährdung bei Wartungs-/Administrierungsarbeiten durch internes Personal - G 5.17 Gefährdung bei Wartungsarbeiten durch externes Personal - G 5.44 Missbrauch von Remote-Zugängen für Managementfunktionen von TK-Anlagen Es werden hier solche Gefährdungen betrachtet, die die Funktionsfähigkeit einer Institution beeinträchtigen können. Datenschutzrechtliche Erwägungen stehen somit nicht im Vordergrund. Diesen wird bereits zu großen Teilen durch bestehende Betriebs- bzw. Dienstvereinbarungen Rechnung getragen. Gleichwohl trägt der IT-Grundschutz natürlich auch zum Schutz der personenbezogenen Daten bei. __________________________________________________________________________________________ 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
8.1 TK-Anlage __________________________________________________________________________________________ Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Die zentralen Einrichtungen einer TK-Anlage sollten in einem Raum aufgestellt werden, der den Anforderungen an einen Serverraum (Kapitel 4.3.2) oder einen Raum für technische Infrastruktur (Kapitel 4.3.4) genügt. Für die Verkabelung der TK-Anlage wird auf Kapitel 4.2 hingewiesen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "TK-Anlage" vorgestellt: Infrastruktur: - M 1.2 (2) - M 1.9 (2) - M 1.12 (2) - M 1.13 (3) - M 1.22 (2) - M 1.23 (1) - M 1.25 (2) - M 1.27 (2) - M 1.28 (1) - M 1.30 (2) Regelungen für Zutritt zu Verteilern Brandabschottung von Trassen Vermeidung von Lagehinweisen auf schützenswerte Gebäudeteile Anordnung schützenswerter Gebäudeteile Materielle Sicherung von Leitungen und Verteilern (optional) Abgeschlossene Türen Überspannungsschutz (optional) Klimatisierung (optional) Lokale unterbrechungsfreie Stromversorgung (optional) Absicherung der Datenträger mit TK-Gebührendaten Organisation: - M 2.4 (2) - M 2.16 (2) - M 2.17 (2) - M 2.26 (1) - M 2.27 (1) - M 2.28 (3) - M 2.29 (2) - M 2.40 (2) - M 2.105 (1) Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Beaufsichtigung oder Begleitung von Fremdpersonen Zutrittsregelung und -kontrolle Ernennung eines Administrators und eines Vertreters Verzicht auf Fernwartung der TK-Anlage (optional) Bereitstellung externer TK-Beratungskapazität (optional) Bedienungsanleitung der TK-Anlage für die Benutzer Rechtzeitige Beteiligung des Personal-/Betriebsrates Beschaffung von TK-Anlagen Personal: - M 3.10 (1) - M 3.11 (1) - M 3.12 (2) - M 3.13 (2) Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals Information aller Mitarbeiter über mögliche TK-Warnanzeigen, -symbole und -töne Sensibilisierung der Mitarbeiter für mögliche TK-Gefährdungen Hardware/Software: - M 4.5 (2) Protokollierung der TK-Administrationsarbeiten - M 4.6 (2) Revision der TK-Anlagenkonfiguration (Soll-Ist-Abgleich) - M 4.7 (1) Änderung voreingestellter TK-Paßwörter - M 4.8 (1) Schutz des TK-Bedienplatzes - M 4.10 (2) Paßwortschutz für TK-Endgeräte - M 4.11 (2) Absicherung der TK-Anlagen-Schnittstellen - M 4.12 (1) Sperren nicht benötigter TK-Leistungsmerkmale - M 4.62 (2) Einsatz eines D-Kanal-Filters (optional) Kommunikation: - M 5.14 (1) Absicherung interner Remote-Zugänge - M 5.15 (1) Absicherung externer Remote-Zugänge __________________________________________________________________________________________ 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
8.1 TK-Anlage __________________________________________________________________________________________ Notfallvorsorge: - M 6.10 (2) - M 6.26 (2) - M 6.28 (3) - M 6.29 (2) - M 6.30 (3) Notfall-Plan für DFÜ-Ausfall Regelmäßige Datensicherung der TK-Anlagen-Konfigurationsdaten Vereinbarung über Lieferzeiten "lebensnotwendiger" TK-Baugruppen (optional) TK-Basisanschluß für Notrufe (optional) Katastrophenschaltung (optional) ˆ __________________________________________________________________________________________ 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
8.2 Faxgerät __________________________________________________________________________________________ 8.2 Faxgerät Beschreibung Betrachtet wird die Informationsübermittlung in Form eines Faksimile (Fax). Für die Maßnahmenauswahl im Bereich IT-Grundschutz wurde nicht nach dem verwendeten Übertragungsstandard (z. B. CCITT Gruppe 3) unterschieden. In diesem Baustein werden als technische Basis des Faxversands ausschließlich marktübliche Stand-Alone-Faxgeräte betrachtet, nicht jedoch Fax-Einschubkarten oder Faxserver (siehe Kapitel 8.5 Faxserver). Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz werden bei der Informationsübermittlung per Fax folgende typische Gefährdungen angenommen: Organisatorische Mängel - G 2.20 Unzureichende Versorgung mit Druck-Verbrauchsgütern für Faxgeräte Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.14 Fehleinschätzung der Rechtsverbindlichkeit eines Fax Technisches Versagen: - G 4.14 Verblassen spezieller Faxpapiere - G 4.15 Fehlerhafte Faxübertragung Vorsätzliche Handlungen: - G 5.7 Abhören von Leitungen - G 5.30 Unbefugte Nutzung eines Faxgerätes oder eines Faxservers - G 5.31 Unbefugtes Lesen von Faxsendungen - G 5.32 Auswertung von Restinformationen in Faxgeräten und Faxservern - G 5.33 Vortäuschen eines falschen Absenders bei Faxsendungen - G 5.34 Absichtliches Umprogrammieren der Zieltasten eines Faxgerätes - G 5.35 Absichtliche Überlastung durch Faxsendungen Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Faxgerät" vorgestellt: Infrastruktur: - M 1.37 (1) Geeignete Aufstellung eines Faxgerätes Organisation: - M 2.47 (2) - M 2.48 (2) - M 2.49 (2) - M 2.50 (2) - M 2.51 (3) Ernennung eines Fax-Verantwortlichen Festlegung berechtigter Faxbediener (optional) Beschaffung geeigneter Faxgeräte (bei Beschaffungsbedarf) Geeignete Entsorgung von Fax-Verbrauchsgütern und -Ersatzteilen Fertigung von Kopien eingehender Faxsendungen (optional) __________________________________________________________________________________________ 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
8.2 Faxgerät __________________________________________________________________________________________ - M 2.52 (3) - M 2.53 (3) Versorgung und Kontrolle der Fax-Verbrauchsgüter Abschalten des Faxgerätes außerhalb der Bürozeiten (optional) Personal: - M 3.15 (1) Informationen für alle Mitarbeiter über die Faxnutzung Hardware/Software: - M 4.36 (2) Sperren bestimmter Faxempfänger-Rufnummern (optional) - M 4.37 (3) Sperren bestimmter Absender-Faxnummern (optional) - M 4.43 (2) Faxgerät mit automatischer Eingangskuvertierung (optional) Kommunikation: - M 5.24 (1) - M 5.25 (2) - M 5.26 (2) - M 5.27 (2) - M 5.28 (2) - M 5.29 (2) Nutzung eines geeigneten Faxvorblattes Nutzung von Sende- und Empfangsprotokollen Telefonische Ankündigung einer Faxsendung (optional) Telefonischer Rückversicherung über korrekten Faxempfang (optional) Telefonische Rückversicherung über korrekten Faxabsender (optional) Gelegentliche Kontrolle programmierter Zieladressen und Protokolle Notfallvorsorge: - M 6.39 (3) Auflistung von Händleradressen zur Fax-Wiederbeschaffung (optional) ˆ __________________________________________________________________________________________ 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
8.3 Anrufbeantworter __________________________________________________________________________________________ 8.3 Anrufbeantworter Beschreibung .... Bitte sprechen Sie nach dem Piepston. Danke! Betrachtet werden Anrufbeantworter, die zusätzlich zum .....piiiiep..... Telefon an das lokale Haus-Telefonnetz angeschlossen werden können. Sie dienen üblicherweise der Aufzeichnung eingehender Gespräche oder Nachrichten in gesprochener Form, wenn der Angerufene nicht erreichbar ist. Technisch unterscheiden sich diese Geräte durch unterschiedliche Aufzeichnungsweisen: vollständig analog aufzeichnende Geräte, vollständig digital aufzeichnende Geräte und Kombinationsformen. Insbesondere das heute verbreitete Leistungsmerkmal der Fernabfrage legt es nahe, Anrufbeantworter als IT-System aufzufassen, wobei gerade die Fernabfrage ein erhebliches Gefährdungspotential darstellen kann. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz eines Anrufbeantworters werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.8 Staub, Verschmutzung Organisatorische Mängel - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.5 Fehlende oder unzureichende Wartung - G 2.6 Unbefugter Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.15 Fehlbedienung eines Anrufbeantworters Technisches Versagen: - G 4.1 Ausfall der Stromversorgung - G 4.18 Entladene oder überalterte Notstromversorgung im Anrufbeantworter - G 4.19 Informationsverlust bei erschöpftem Speichermedium Vorsätzliche Handlungen: - G 5.36 Absichtliche Überlastung des Anrufbeantworters - G 5.37 Ermitteln des Sicherungscodes - G 5.38 Mißbrauch der Fernabfrage Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Anrufbeantworter" vorgestellt. __________________________________________________________________________________________ 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
8.3 Anrufbeantworter __________________________________________________________________________________________ Infrastruktur: - M 1.23 (3) - M 1.29 (3) Abgeschlossene Türen (optional) Geeignete Aufstellung eines IT-Systems (optional) Organisation: - M 2.4 (3) - M 2.11 (2) - M 2.54 (1) - M 2.55 (1) - M 2.56 (1) - M 2.57 (2) - M 2.58 (3) Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten (optional) Regelung des Paßwortgebrauchs (hier für Sicherungscodes) Beschaffung/Auswahl geeigneter Anrufbeantworter Einsatz eines Sicherungscodes (optional) Vermeidung schutzbedürftiger Informationen auf dem Anrufbeantworter Regelmäßiges Abhören und Löschen aufgezeichneter Gespräche Begrenzung der Sprechdauer (optional) Personal: - M 3.16 (2) Einweisung in die Bedienung des Anrufbeantworters Hardware/Software: - M 4.38 (1) Abschalten nicht benötigter Leistungsmerkmale - M 4.39 (3) Abschalten des Anrufbeantworters bei Anwesenheit (optional) Notfallvorsorge: - M 6.40 (3) Regelmäßige Batterieprüfung/-wechsel (optional) ˆ __________________________________________________________________________________________ 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
8.4 LAN-Anbindung eines IT Systems über ISDN __________________________________________________________________________________________ 8.4 LAN-Anbindung eines IT-Systems über ISDN Beschreibung ISDN (Integrated Services Digital Network) ist ein digitales Telekommunikationsnetz, über das verschiedene Dienste, wie Telefon und Telefax, genutzt sowie Daten und Bilder übertragen werden können. ISDN In diesem Kapitel wird die Anbindung eines abgesetzten IT-Systems an ein lokales Netz über ein öffentliches ISDN-Netz betrachtet. Hierbei erfolgt die Anbindung auf Seiten des abgesetzten IT-Systems mittels einer ISDNAdapterkarte mit S0-Schnittstelle. Die Anbindung des LAN wird über einen Router hergestellt, der über eine S2M-Schnittstelle mit einem öffentlichen ISDN-Netz verbunden ist. Diese Form der Anbindung eines entfernt stehenden IT-Systems kommt typischerweise für die Anbindung von Telearbeitsplätzen in Betracht. Gefährdungslage Für den Grundschutz werden die folgenden Gefährdungen als typisch für die LAN-Anbindung eines IT-Systems über ISDN angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.2 Ausfall des IT-Systems - G 1.10 Ausfall eines Weitverkehrsnetzes Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.6 Unbefugter Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten - G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen beim IT-Einsatz - G 2.19 Unzureichendes Schlüsselmanagement bei Verschlüsselung - G 2.22 Fehlende Auswertung von Protokolldaten - G 2.24 Vertraulichkeitsverlust schutzbedürftiger Daten des zu schützenden Netzes - G 2.32 Unzureichende Leitungskapazitäten - G 2.37 Unkontrollierter Aufbau von Kommunikationsverbindungen Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.1 Vertraulichkeits-/Integritätsverlust von Daten durch Fehlverhalten der IT-Benutzer - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal - G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems - G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems - G 3.13 Übertragung falscher oder nicht gewünschter Datensätze - G 3.16 Fehlerhafte Administration von Zugangs- und Zugriffsrechten Technisches Versagen: - G 4.8 Bekanntwerden von Softwareschwachstellen - G 4.25 Nicht getrennte Verbindung Vorsätzliche Handlungen: - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.7 Abhören von Leitungen __________________________________________________________________________________________ 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
8.4 LAN-Anbindung eines IT Systems über ISDN __________________________________________________________________________________________ - G 5.8 G 5.9 G 5.10 G 5.14 G 5.16 G 5.17 G 5.18 G 5.25 G 5.26 G 5.39 G 5.48 G 5.61 G 5.62 G 5.63 Manipulation an Leitungen Unberechtigte IT-Nutzung Mißbrauch von Fernwartungszugängen Gebührenbetrug Gefährdung bei Wartungs-/Administrierungsarbeiten durch internes Personal Gefährdung bei Wartungsarbeiten durch externes Personal Systematisches Ausprobieren von Paßwörtern Maskerade Analyse des Nachrichtenflusses Eindringen in Rechnersysteme über Kommunikationskarten IP-Spoofing Mißbrauch von Remote-Zugängen für Managementfunktionen von Routern Mißbrauch von Ressourcen über abgesetzte IT-Systeme Manipulationen über den ISDN-D-Kanal Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. In diesem Kapitel steht die Gewährleistung einer sicheren Kommunikation im Vordergrund. Die für die kommunizierenden IT-Systeme weiterhin erforderlichen Maßnahmen sind den jeweiligen Kapiteln (für das LAN siehe Kapitel 6, für das entfernt stehende IT-System siehe Kapitel 5) zu entnehmen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich LAN-Anbindung eines IT-Systems über ISDN vorgestellt. Infrastruktur: - M 1.43 (2) Geeignete Aufstellung von ISDN-Routern Organisation: - M 2.4 (2) - M 2.9 (2) - M 2.35 (2) - M 2.42 (1) - M 2.46 (2) - M 2.64 (2) - M 2.106 (2) - M 2.107 (2) - M 2.108 (2) - M 2.109 (1) Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems Festlegung der möglichen Kommunikationspartner Geeignetes Schlüsselmanagement Kontrolle der Protokolldateien Auswahl geeigneter ISDN-Karten in der Beschaffung Dokumentation der ISDN-Karten-Konfiguration Verzicht auf Fernwartung der ISDN-Netzkoppelelemente (optional) Rechtevergabe für den Fernzugriff Personal: - M 3.4 - M 3.5 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen (1) (1) Hardware/Software: - M 4.7 (1) Änderung voreingestellter Paßwörter - M 4.34 (1) Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen (optional) - M 4.59 (1) Deaktivieren nicht benötigter ISDN-Karten-Funktionalitäten - M 4.60 (1) Deaktivieren nicht benötigter ISDN-Router-Funktionalitäten - M 4.61 (1) Nutzung vorhandener Sicherheitsmechanismen der ISDN-Komponenten __________________________________________________________________________________________ 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
8.4 LAN-Anbindung eines IT Systems über ISDN __________________________________________________________________________________________ - M 4.62 (2) Einsatz eines D-Kanal-Filters (optional) Kommunikation: - M 5.29 (2) - M 5.32 (1) - M 5.47 (1) - M 5.48 (1) - M 5.49 (1) - M 5.50 (1) Gelegentliche Kontrolle programmierter Zieladressen und Protokolle Sicherer Einsatz von Kommunikationssoftware Einrichten einer Closed User Group (optional) Authentisierung mittels CLIP/COLP Callback basierend auf CLIP/COLP Authentisierung mittels PAP/CHAP __________________________________________________________________________________________ 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 ‰
8.5 Faxserver __________________________________________________________________________________________ 8.5 Faxserver Beschreibung Faxserver Betrachtet wird die Informationsübermittlung in Form eines Faksimile (Fax). Für die Maßnahmenauswahl im Bereich IT-Grundschutz wird nicht nach dem verwendeten Übertragungsstandard (z. B. CCITT Gruppe 3) unterschieden. In diesem Baustein werden als technische Basis des Fax-Verkehrs ausschließlich Faxserver betrachtet. Ein Faxserver in diesem Sinne ist eine Applikation, die auf einem IT-System installiert ist und in einem Netz für andere IT-Systeme die Dienste Faxversand und/oder Faxempfang zur Verfügung stellt. Faxserver werden in der Regel in bereits bestehende E-Mailsysteme integriert. So ist es u. a. möglich, dass eingehende Fax-Dokumente durch den Faxserver per E-Mail an den Benutzer zugestellt werden. Abzusendende Dokumente werden entweder über eine Druckerwarteschlange oder per E-Mail an den Faxserver übergeben. Durch die Integration des Faxservers in ein E-Mail-System ist es auch möglich, "Serienbriefe" wahlweise per Fax und per E-Mail zu versenden. Sofern ein Adressat über einen EMail-Zugang verfügt, erhält er die Nachricht kostengünstig per E-Mail, ansonsten per Fax. Das von einem Faxserver gesendete oder empfangene Dokument ist eine Grafik-Datei, die nicht unmittelbar in Textverarbeitungssystemen weiterverarbeitet werden kann. Möglich ist aber auf jeden Fall die Archivierung. Dies kann durch die Faxserver-Software oder auch in Dokumentenmanagementsystemen erfolgen. Faxserver gibt es für eine Reihe von Betriebssystemen wie z. B. für verschiedene Unix-Derivate, Microsoft Windows NT und Novell Netware. Überlegungen zu Gefährdungen und Maßnahmen, die durch das jeweils verwendete Betriebssystem bedingt werden, sind nicht Gegenstand dieses Bausteins. Vielmehr sind hierzu das Kapitel 6.1 und das jeweils betriebssystemspezifische Kapitel durchzuarbeiten. Faxserver verfügen häufig zusätzlich über den Binary-Transfer-Mode. Hiermit werden beliebige Daten, die nicht im Fax-Format vorliegen, übertragen. Es handelt sich dabei nicht um Faxübertragungen. Daher werden spezielle Gefährdungen und Maßnahmen, die diesen Dienst betreffen, nicht in diesem Kapitel betrachtet. Wird der Binary-Transfer-Mode zugelassen, so ist zusätzlich Kapitel 7.2 Modem zu bearbeiten. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz werden bei der Informationsübermittlung per Fax mittels eines Faxservers folgende typische Gefährdungen angenommen: Organisatorische Mängel - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten - G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen beim IT-Einsatz - G 2.22 Fehlende Auswertung von Protokolldaten - G 2.63 Ungeordnete Faxnutzung Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.3 Nichtbeachten von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.14 Fehleinschätzung der Rechtsverbindlichkeit eines Fax __________________________________________________________________________________________ 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
8.5 Faxserver __________________________________________________________________________________________ Technisches Versagen: - G 4.15 Fehlerhafte Faxübertragung - G 4.20 Datenverlust bei erschöpften Speichermedium Vorsätzliche Handlungen: - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.7 Abhören von Leitungen - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.24 Wiedereinspielen von Nachrichten - G 5.25 Maskerade - G 5.27 Nichtanerkennen einer Nachricht - G 5.30 Unbefugte Nutzung eines Faxgerätes oder eines Faxservers - G 5.31 Unbefugtes Lesen von Faxsendungen - G 5.32 Auswertung von Restinformationen in Faxgeräten und Faxservern - G 5.33 Vortäuschen eines falschen Absenders bei Faxsendungen - G 5.35 Absichtliche Überlastung durch Faxsendungen - G 5.39 Eindringen in Rechnersystem über Kommunikationskarten - G 5.90 Manipulation von Adressbüchern und Verteillisten Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Zunächst sollte eine übergreifende Sicherheitsleitlinie für den Faxserver erarbeitet werden (siehe M 2.178) und ein geeigneter Faxserver beschafft werden (siehe M 2.181 Auswahl eines geeigneten Faxservers). Hieraus müssen Regelungen abgeleitet werden. Schließlich sind Verantwortliche für den Einsatz des Faxservers zu benennen (siehe M 3.10 Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators oder Vertreters und M 2.180 Einrichten einer Fax-Poststelle). Sowohl die Sicherheitsleitlinie als auch die daraus folgenden Regelungen und die Benennung von Verantwortlichen sollte schriftlich erfolgen. Die dort erarbeiteten Festlegungen sollten sodann in konkrete Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden. Neben dem sicheren Betrieb des Faxservers ist von besonderer Bedeutung, dass von den Benutzern die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen und Anweisungen eingehalten werden. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für die Applikation "Faxserver" vorgestellt: Organisation: - M 2.30 (2) - M 2.64 (1) - M 2.178 (1) - M 2.179 (1) - M 2.180 (1) - M 2.181 (1) Regelung für die Einrichtung von Benutzern / Benutzergruppen Kontrolle der Protokolldateien Erstellung einer Sicherheitsleitlinie für die Faxnutzung Regelungen für den Faxserver-Einsatz Einrichten einer Fax-Poststelle Auswahl eines geeigneten Faxservers Personal: - M 3.4 - M 3.5 - M 3.10 - M 3.11 - M 3.15 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators oder Vertreters Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals Informationen für alle Mitarbeiter über die Faxnutzung (1) (1) (1) (1) (1) __________________________________________________________________________________________ 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
8.5 Faxserver __________________________________________________________________________________________ Hardware/Software: - M 4.36 (2) Sperren bestimmter Faxempfänger-Rufnummern (optional) - M 4.37 (2) Sperren bestimmter Absender-Faxnummern (optional) Kommunikation: - M 5.24 (1) - M 5.25 (2) - M 5.26 (2) - M 5.27 (2) - M 5.28 (2) - M 5.73 (1) - M 5.74 (1) - M 5.75 (1) Nutzung eines geeigneten Faxvorblattes Nutzung von Sende- und Empfangsprotokollen Telefonische Ankündigung einer Faxsendung (optional) Telefonische Rückversicherung über korrekten Faxempfang (optional) Telefonische Rückversicherung über korrekten Faxabsender (optional) Sicherer Betrieb eines Faxservers Pflege der Faxserver-Adressbücher und der Verteillisten Schutz vor Überlastung des Faxservers Notfallvorsorge: - M 6.69 (1) Notfallvorsorge und Ausfallsicherheit beim Einsatz von Faxservern ˆ __________________________________________________________________________________________ 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
9 Sonstige IT-Komponenten __________________________________________________________________________________________ 9 Sonstige IT-Komponenten In diesem Kapitel werden IT-Grundschutzmaßnahmen in den nachfolgend aufgezählten Bausteinen vorgestellt. 9.1 Standardsoftware 9.2 Datenbanken 9.3 Telearbeit __________________________________________________________________________________________ 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
9.1 Standardsoftware __________________________________________________________________________________________ 9.1 Standardsoftware Beschreibung Unter Standardsoftware wird Software verstanden, die auf dem Markt angeboten wird und im allgemeinen über den Fachhandel, z. B. über Kataloge, erworben werden kann. Sie zeichnet sich dadurch aus, daß sie vom Anwender selbst installiert werden soll und daß nur geringer Aufwand für die anwenderspezifische Anpassung notwendig ist. In diesem Kapitel wird eine Vorgehensweise für den Umgang mit Standardsoftware unter Sicherheitsgesichtspunkten dargestellt. Dabei wird der gesamte Lebenszyklus von Standardsoftware betrachtet: Erstellung eines Anforderungskataloges, Vorauswahl eines geeigneten Produktes, Test, Freigabe, Installation, Lizenzverwaltung und Deinstallation. Das Qualitätsmanagementsystem des Entwicklers der Standardsoftware fällt nicht in den Anwendungsbereich dieses Kapitels. Es wird vorausgesetzt, daß die Entwicklung der Software unter Beachtung gängiger Qualitätsstandards erfolgte. Die beschriebene Vorgehensweise dient der Orientierung, um einen Sicherheitsprozeß bezüglich Standardsoftware zu etablieren. Gegebenenfalls kann die hier aufgezeigte Vorgehensweise auch zum Vergleich mit einem bereits eingeführten Verfahren herangezogen werden. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz von "Standardsoftware" werden die folgenden typischen Gefährdungen betrachtet: Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.3 Fehlende, ungeeignete, inkompatible Betriebsmittel - G 2.26 Fehlendes oder unzureichendes Test- und Freigabeverfahren - G 2.27 Fehlende oder unzureichende Dokumentation - G 2.28 Verstöße gegen das Urheberrecht - G 2.29 Softwaretest mit Produktionsdaten Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.38 Konfigurations- und Bedienungsfehler Technisches Versagen: - G 4.8 Bekanntwerden von Softwareschwachstellen - G 4.22 Software-Schwachstellen oder -Fehler Vorsätzliche Handlungen: - G 5.21 Trojanische Pferde - G 5.23 Computer-Viren - G 5.43 Makro-Viren __________________________________________________________________________________________ 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
9.1 Standardsoftware __________________________________________________________________________________________ Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Baustein "Standardsoftware" vorgestellt. Je nach Art und Umfang der jeweiligen Standardsoftware muß erwogen werden, ob einzelne Maßnahmen nur reduziert umgesetzt werden. Die Maßnahmen M 2.79 bis M 2.89 stellen in der angegebenen Reihenfolge eine umfassende Beschreibung dar, wie der Lebenszyklus von Standardsoftware gestaltet werden kann. Sie werden durch die anderen genannten Maßnahmen ergänzt. Organisation: - M 2.9 (2) - M 2.10 (2) - M 2.35 (1) - M 2.40 (2) - M 2.66 (2) - M 2.79 (1) - M 2.80 (1) - M 2.81 (1) - M 2.82 (1) - M 2.83 (1) - M 2.84 (1) - M 2.85 (1) - M 2.86 (2) - M 2.87 (2) - M 2.88 (2) - M 2.89 (3) - M 2.90 (2) Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Überprüfung des Software-Bestandes Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems Rechtzeitige Beteiligung des Personal-/Betriebsrates Beachtung des Beitrags der Zertifizierung für die Beschaffung Festlegung der Verantwortlichkeiten im Bereich Standardsoftware Erstellung eines Anforderungskataloges für Standardsoftware Vorauswahl eines geeigneten Standardsoftwareproduktes Entwicklung eines Testplans für Standardsoftware Testen von Standardsoftware Entscheidung und Entwicklung der Installationsanweisung für Standardsoftware Freigabe von Standardsoftware Sicherstellen der Integrität von Standardsoftware Installation und Konfiguration von Standardsoftware Lizenzverwaltung und Versionskontrolle von Standardsoftware Deinstallation von Standardsoftware Überprüfung der Lieferung Personal: - M 3.4 Schulung vor Programmnutzung (1) Hardware/Software: - M 4.34 (2) Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen (optional) - M 4.78 (2) Sorgfältige Durchführung von Konfigurationsänderungen Notfallvorsorge: - M 6.21 (3) Sicherungskopie der eingesetzten Software (optional) ˆ __________________________________________________________________________________________ 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
9.2 Datenbanken __________________________________________________________________________________________ 9.2 Datenbanken Beschreibung Datenbanksysteme (DBS) sind ein weithin akzeptiertes Hilfsmittel zur rechnergestützten Organisation, Erzeugung, Manipulation und Verwaltung großer Datensammlungen. Ein DBS besteht aus dem sogenannten Datenbankmanagement-System (DBMS) und einer gewissen Anzahl von Datenbanken. Eine Datenbank ist eine Sammlung von Daten, welche Fakten über eine spezielle Anwendung der realen Welt repräsentiert. Das DBMS fungiert dabei als Schnittstelle zwischen den Benutzern und einer Datenbank. Es stellt sicher, daß die Benutzer auf ihre Daten effizient und unter zentralisierter Kontrolle zugreifen können, und daß die Daten dauerhaft vorhanden sind. Der Einsatz von Datenbankmanagement-Systemen in der IT ist inzwischen nicht mehr wegzudenken. Die Flut von Daten, die erfaßt, verarbeitet und ausgewertet werden müssen, kann ohne ein DBMS nicht mehr bewältigt werden. Die Konzeption einer Datenbank und eines DBMS basiert auf einem sogenannten Datenbankmodell. Nachfolgend werden die wichtigsten Datenbankmodelle kurz beschrieben: Hierarchisches Datenbankmodell Es ist die älteste existierende Variante und wird auch als Datenbankmodell der ersten Generation bezeichnet. Die Organisation der Datenbank erfolgt in Form einer Baumstruktur. Die Knoten bzw. Blätter einer solchen Struktur sind Dateien. Ein Knoten/Blatt hat genau einen Vorgänger. Der Zugriff auf die Daten erfolgt immer sequentiell. Die Zugriffspfade sind durch die Baumstruktur (bzw. Dateistruktur) festgelegt. Relationales Datenbankmodell Das relationale Datenbankmodell basiert auf einer strikten Trennung von Daten und Zugriffsmöglichkeiten. Die Daten werden in Form von Tabellen abgelegt, wobei eine Zeile einem Datensatz entspricht (dieser wird Tupel genannt) und eine Spalte einem Attribut des Datensatzes. Tupel können nun mit anderen Tupeln aus anderen Tabellen in einer Beziehung stehen, was durch entsprechende Relationen gekennzeichnet wird. Im Gegensatz zum hierarchischen sind dem relationalen Datenbankmodell keine Grenzen hinsichtlich der Zugriffsmöglichkeiten auf Daten gesetzt. Die in allen relationalen Datenbanksystemen zur Verfügung stehende Datenbanksprache ist SQL (Standard Query Language), die durch die ISO standardisiert ist. Objektorientiertes Datenbankmodell Objektorientierte Datenbankmodelle stellen eine Erweiterung klassischer Datenbankmodelle dar und verwenden einen objektorientierten (OO) Ansatz. Dieser zeichnet sich dadurch aus, daß Objekte mit ähnlichen Eigenschaften zu Klassen zusammengefaßt und diese wiederum zu Klassenhierarchien gruppiert werden können. Nur definierte Methoden können die Objekte verändern, und der Mechanismus der Vererbung von Methoden und Attributen ist dabei ein zentraler Punkt des OO-Ansatzes. Weiterhin sind neben den Standarddatentypen wie z. B. "Integer" oder "Character" auch Typkonstruktore möglich, so daß komplexe Werte definiert werden können. Dieses Kapitel berücksichtigt ausschließlich Datenbanken, die auf dem relationalen Datenbankmodell basieren, da dies das derzeit am meisten verbreitete Datenbankmodell ist. __________________________________________________________________________________________ 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
9.2 Datenbanken __________________________________________________________________________________________ Ein Datenbanksystem steht im allgemeinen nicht nur einem Benutzer exklusiv zur Verfügung, sondern es muß die parallele Verarbeitung verschiedener Benutzeraufträge (sogenannte Transaktionen) ermöglichen und dabei einen gewissen Grad an Fehlertoleranz gewährleisten. Wesentlich dafür ist die Einhaltung der folgenden vier Eigenschaften, die unter dem ACID-Prinzip bekannt sind: - Atomarität (Atomicity) Eine Transaktion wird aus der Sicht des Benutzers nur vollständig oder gar nicht ausgeführt. Sollte es bei der Ausführung zu einem Fehler bzw. Abbruch kommen, werden alle bereits getätigten Änderungen an der Datenbank wieder zurückgenommen. Dies wird durch geeignete RecoveryMechanismen des Datenbanksystems sichergestellt. - Konsistenz (Consistency) Alle Integritätsbedingungen der Datenbank werden eingehalten, d. h. eine Transaktion überführt eine Datenbank immer von einem konsistenten Zustand in einen anderen konsistenten Zustand. Dies kann u. a. durch eine geeignete Synchronisationskontrolle des Datenbanksystems gewährleistet werden. - Isolation (Isolation) Jede Transaktion läuft isoliert von anderen Transaktionen ab und ist in jeder Hinsicht unabhängig von anderen. Dazu gehört auch, daß jeder Transaktion nur diejenigen Daten aus der Datenbank zur Verfügung gestellt werden, die Teil eines konsistenten Zustands sind. - Persistenz (Durability) Falls eine Transaktion erfolgreich beendet und dies dem Benutzer auch gemeldet wurde, überleben die in der Datenbank erzeugten Effekte (falls es solche gibt) jeden danach auftretenden Hard- oder Softwarefehler (es sei denn, die Festplatte mit der Datenbank wird zerstört). Diese Eigenschaften muß das Transaktionssystem des DBMS gewährleisten, was mittlerweile bis auf wenige Ausnahmen von allen kommerziellen DBMSen erfüllt wird. Datenbanksysteme stellen Standardsoftware dar, d. h. sie werden von den unterschiedlichsten Herstellern auf dem Markt angeboten. Soll eine Datenbank zur Verarbeitung von Daten eingesetzt werden, so ist im ersten Schritt eine geeignete Standardsoftware auszuwählen. Die zugehörigen Gefährdungen und Maßnahmen aus dem Kapitel 9.1 Standardsoftware sind deshalb zusätzlich zu beachten. Datenbanken können nicht losgelöst von der Umgebung betrachtet werden, in der sie eingesetzt werden. Ein Stand-alone PC ist ebenso denkbar, wie ein Großrechnerumfeld oder vernetzte UnixSysteme. Dementsprechend sind in Abhängigkeit des Einsatzumfeldes die Gefährdungen und Maßnahmen der Kapitel 5 Nicht Vernetzte Systeme, Kapitel 6 Vernetzte Systeme und Kapitel 7 Datenübertragungseinrichtungen zu berücksichtigen. Auf eine Wiederholung von Gefährdungen und Maßnahmen dieser Kapitel wird hier aus Redundanzgründen verzichtet, es sei denn, sie sind von besonderer Wichtigkeit. __________________________________________________________________________________________ 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
9.2 Datenbanken __________________________________________________________________________________________ Gefährdungslage Für den IT- Grundschutz von Datenbanken werden die folgenden Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.1 Personalausfall Organisatorische Mängel: - G 2.3 Fehlende, ungeeignete, inkompatible Betriebsmittel - G 2.22 Fehlende Auswertung von Protokolldaten - G 2.26 Fehlendes oder unzureichendes Test- und Freigabeverfahren - G 2.38 Fehlende oder unzureichende Aktivierung von Datenbank-Sicherheitsmechanismen - G 2.39 Komplexität eines DBMS - G 2.40 Komplexität des Datenbankzugangs/-zugriffs - G 2.41 Mangelhafte Organisation des Wechsels von Datenbank-Benutzern - G 2.57 Nicht ausreichende Speichermedien für den Notfall Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal - G 3.16 Fehlerhafte Administration von Zugangs- und Zugriffsrechten - G 3.23 Fehlerhafte Administration eines DBMS - G 3.24 Unbeabsichtigte Datenmanipulation Technisches Versagen: - G 4.26 Ausfall einer Datenbank - G 4.27 Unterlaufen von Zugriffskontrollen über ODBC - G 4.28 Verlust von Daten einer Datenbank - G 4.29 Datenverlust einer Datenbank bei erschöpftem Speichermedium - G 4.30 Verlust der Datenbankintegrität/-konsistenz Vorsätzliche Handlungen: - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.10 Mißbrauch von Fernwartungszugängen - G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Paßwörtern - G 5.64 Manipulation an Daten oder Software bei Datenbanksystemen - G 5.65 Verhinderung der Dienste eines Datenbanksystems Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben umzusetzen. Es ist sinnvoll, den Datenbank-Server in einem separaten Serverraum aufzustellen. Zu realisierende Maßnahmen sind in Kapitel 4.3.2 beschrieben. Sollte ein als Büro genutzter Raum gleichzeitig als Serverraum dienen müssen, so sind zusätzlich die in Kapitel 4.3.1 beschriebenen Maßnahmen zu realisieren. Wird der Datenbank-Server in einem Schutzschrank aufgestellt, ist auch das Kapitel 4.4 Schutzschränke zu beachten. __________________________________________________________________________________________ 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
9.2 Datenbanken __________________________________________________________________________________________ Darüber hinaus sind im Bereich Datenbanken im wesentlichen die folgenden Schritte durchzuführen: 1. Anforderungen an die Datenbanksoftware ermitteln Zu Beginn muss ein Anforderungskatalog für Standardsoftware erstellt werden, so dass eine geeignete Datenbanksoftware ausgewählt werden kann (M 2.80 und M 2.124). 2. Schulung der Administratoren Bevor die Datenbanksoftware produktiv eingesetzt werden kann, sollten die zuständigen Administratoren zum Betrieb des Datenbanksystems geschult werden (M 3.11). Dies sollte nach Möglichkeit bereits vor deren Beschaffung geschehen. 3. Erstellung eines Datenbankkonzeptes Vor dem Einsatz der Datenbanksoftware sollte ein Datenbankkonzept erstellt werden, welches sowohl die Installation und Konfiguration der Datenbanksoftware selbst, ein ausreichendes Benutzerkonzept, als auch die anwendungsspezifische Datenbank beinhalten sollte. Je nach Volumen und Einsatzbereich der Datenbank, sowie der gewählten Datenbank-Standardsoftware kann ein solches Konzept sehr umfangreich sein (M 2.125, M 2.129, M 2.128 und M 2.126). 4. Betrieb der Datenbank Die Inbetriebnahme und der eigentliche Betrieb des Datenbanksystems bedeuten neben der Umsetzung des Konzeptes eine permanente Kontrolle des DBMS, um die Verfügbarkeit, die Datenintegrität sowie den Schutz vertraulicher Daten sicherstellen zu können. Die hierfür wichtigsten Maßnahmen betreffen die Punkte Dokumentation (M 2.25, M 2.31, M 2.34), Administration (M 2.130, M 2.133 und die aufgeführten Maßnahmen für Hard- und Software) sowie Nutzung der Datenbank (M 2.65, M 3.18). 5. Notfallvorsorge Neben den allgemein zu diesem Komplex gehörenden Maßnahmen gilt es insbesondere, die datenbankspezifischen Gegebenheiten zu berücksichtigen, um bei einem System- respektive Datenbankcrash den Anforderungen hinsichtlich des verkraftbaren Datenverlustes sowie der Wiederanlaufzeit der Datenbank zu genügen (M 6.32, M 6.49, M 6.50). Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich Datenbanken vorgestellt. Organisation: - M 2.22 (2) - M 2.25 (1) - M 2.31 (1) - M 2.34 (1) - M 2.65 (2) - M 2.80 (1) - M 2.111 (2) - M 2.124 (1) - M 2.125 (1) - M 2.126 (1) - M 2.127 (2) - M 2.128 (1) - M 2.129 (1) - M 2.130 (1) - M 2.131 (1) - M 2.132 (1) Hinterlegen des Passwortes Dokumentation der Systemkonfiguration Dokumentation der zugelassenen Benutzer und Rechteprofile Dokumentation der Veränderungen an einem bestehenden System Kontrolle der Wirksamkeit der Benutzer-Trennung am IT-System Erstellung eines Anforderungskataloges für Standardsoftware Bereithalten von Handbüchern Geeignete Auswahl einer Datenbanksoftware Installation und Konfiguration einer Datenbank Erstellung eines Datenbanksicherheitskonzeptes Inferenzprävention Zugangskontrolle einer Datenbank Zugriffskontrolle einer Datenbank Gewährleistung der Datenintegrität Aufteilung von Administrationstätigkeiten bei Datenbanksystemen Regelung für Einrichtung von Datenbankbenutzern/-benutzergruppen __________________________________________________________________________________________ 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
9.2 Datenbanken __________________________________________________________________________________________ - M 2.133 (2) - M 2.134 (2) - M 2.135 (3) Kontrolle der Protokolldateien eines Datenbanksystems Richtlinien für Datenbank-Anfragen Gesicherte Datenübernahme in eine Datenbank Personal: - M 3.4 - M 3.5 - M 3.10 - M 3.11 - M 3.18 Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals Verpflichtung der PC-Benutzer zum Abmelden nach Aufgabenerfüllung (1) (1) (1) (1) (2) Hardware/Software: - M 4.1 (1) Passwortschutz für IT-Systeme - M 4.7 (1) Änderung voreingestellter Passwörter - M 4.67 (3) Sperren und Löschen nicht benötigter Datenbank-Accounts - M 4.68 (1) Sicherstellung einer konsistenten Datenbankverwaltung - M 4.69 (2) Regelmäßiger Sicherheitscheck der Datenbank - M 4.70 (3) Durchführung einer Datenbanküberwachung - M 4.71 (2) Restriktive Handhabung von Datenbank-Links - M 4.72 (2) Datenbank-Verschlüsselung (optional) - M 4.73 (2) Festlegung von Obergrenzen für selektierbare Datensätze Kommunikation: - M 5.58 (1) Installation von ODBC-Treibern Notfallvorsorge: - M 6.32 (1) - M 6.48 (2) - M 6.49 (1) - M 6.50 (1) - M 6.51 (3) Regelmäßige Datensicherung Verhaltensmaßregeln nach Verlust der Datenbankintegrität Datensicherung einer Datenbank Archivierung von Datenbeständen Wiederherstellung einer Datenbank ˆ __________________________________________________________________________________________ 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
9.3 Telearbeit __________________________________________________________________________________________ 9.3 Telearbeit Beschreibung Unter Telearbeit versteht man im allgemeinen Tätigkeiten, die räumlich entfernt vom Standort des Arbeit- bzw. Auftraggebers durchgeführt werden, deren Erledigung durch eine kommunikationstechnische Anbindung an die IT des Arbeit- bzw. Auftraggebers unterstützt wird. Es gibt unterschiedliche Formen von Telearbeit wie z. B. Telearbeit in Satellitenbüros, Nachbarschaftsbüros, mobile Telearbeit sowie Telearbeit in der Wohnung des Arbeitnehmers. Bei der letzteren unterscheidet man zwischen ausschließlicher Teleheimarbeit und alternierender Telearbeit, d. h. der Arbeitnehmer arbeitet teilweise im Büro und teilweise zu Hause. Dieses Kapitel konzentriert sich auf die Formen der Telearbeit, die teilweise oder ganz im häuslichen Umfeld durchgeführt werden. Es wird davon ausgegangen, daß zwischen dem Arbeitsplatz zu Hause und der Institution eine Telekommunikationsverbindung besteht, die den Austausch von Daten oder ggf. auch den Zugriff auf Daten in der Institution ermöglicht. Die Maßnahmenempfehlungen dieses Kapitels umfassen vier verschiedene Bereiche: - die Organisation der Telearbeit, - den Telearbeitsrechner des Telearbeiters, - die Kommunikationsverbindung zwischen Telearbeitsrechner und Institution und - der Kommunikationsrechner der Institution zur Anbindung des Telearbeitsrechners. Die in diesem Kapitel aufgeführten Maßnahmenempfehlungen konzentrieren sich auf zusätzliche Sicherheitsanforderungen für ein IT-System, das für die Telearbeit eingesetzt wird. Insbesondere für die technischen Anteile der Telearbeit (Telearbeitsrechner, Kommunikationsverbindung und Kommunikationsrechner) werden sicherheitstechnische Anforderungen formuliert, die bei der konkreten Ausgestaltung durch geeignete IT-Systeme realisiert werden müssen. Für das eingesetzte IT-System muß weiterhin der entsprechende Baustein aus Kapitel 5 betrachtet werden sowie die in Kapitel 4.5 für den häuslichen Arbeitsplatzes erforderlichen Maßnahmen. Gefährdungslage Für den IT-Grundschutz der Telearbeit werden folgende typische Gefährdungen angenommen: Höhere Gewalt: - G 1.1 Personalausfall Organisatorische Mängel: - G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen - G 2.2 Unzureichende Kenntnis über Regelungen - G 2.4 Unzureichende Kontrolle der IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 2.5 Fehlende oder unzureichende Wartung - G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten (am häuslichen Arbeitsplatz und am Kommunikationsrechner der Institution) - G 2.8 Unkontrollierter Einsatz von Betriebsmitteln - G 2.22 Fehlende Auswertung von Protokolldaten __________________________________________________________________________________________ 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
9.3 Telearbeit __________________________________________________________________________________________ - G 2.24 G 2.49 G 2.50 G 2.51 G 2.52 G 2.53 Vertraulichkeitsverlust schutzbedürftiger Daten des zu schützenden Netzes Fehlende oder unzureichende Schulung der Telearbeiter Verzögerungen durch temporär eingeschränkte Erreichbarkeit der Telearbeiter Mangelhafte Einbindung des Telearbeiters in den Informationsfluß Erhöhte Reaktionszeiten bei IT-Systemausfall Unzureichende Vertretungsregelungen für Telearbeit Menschliche Fehlhandlungen: - G 3.1 Vertraulichkeits-/Integritätsverlust von Daten durch Fehlverhalten der IT-Benutzer - G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen - G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems - G 3.13 Übertragung falscher oder nicht gewünschter Datensätze - G 3.16 Fehlerhafte Administration von Zugangs- und Zugriffsrechten - G 3.30 Unerlaubte private Nutzung des dienstlichen Telearbeitsrechners Technisches Versagen: - G 4.13 Verlust gespeicherter Daten Vorsätzliche Handlungen: - G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör - G 5.2 Manipulation an Daten oder Software - G 5.7 Abhören von Leitungen - G 5.8 Manipulation an Leitungen - G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung - G 5.10 Mißbrauch von Fernwartungszugängen - G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Paßwörtern (am häuslichen Arbeitsplatz und am Kommunikationsrechner) - G 5.19 Mißbrauch von Benutzerrechten - G 5.20 Mißbrauch von Administratorrechten - G 5.21 Trojanische Pferde - G 5.23 Computer-Viren - G 5.24 Wiedereinspielen von Nachrichten - G 5.25 Maskerade - G 5.43 Makro-Viren - G 5.71 Vertraulichkeitsverlust schützenswerter Informationen Maßnahmenempfehlungen Zur Realisierung des IT-Grundschutzes wird empfohlen, die notwendigen Maßnahmenbündel ("Bausteine") wie in Kapitel 2.3 und 2.4 beschrieben auszuwählen. Eine ausreichend sichere Form der Telearbeit wird nur erreicht, wenn IT-Sicherheitsmaßnahmen aus mehreren Bereichen ineinandergreifen und sich ergänzen. Wird einer dieser Bereiche vernachlässigt, ist eine sichere Telearbeit nicht mehr möglich. Die einzelnen Bereiche und wesentlichen Maßnahmen sind: - Infrastrukturelle Sicherheit des Telearbeitsplatzes: Maßnahmen, die am Telearbeitsplatz zu beachten sind, werden im Kapitel 4.5 Häuslicher Arbeitsplatz beschrieben. - Organisation der Telearbeit: sichere Telearbeit setzt organisatorische Regelungen und personelle Maßnahmen voraus. Diese werden nachfolgend unter den Oberbegriffen "Organisation" und "Personal" beschrieben. Besonders zu beachten sind die Verpflichtungen des Telearbeiters, seine __________________________________________________________________________________________ 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
9.3 Telearbeit __________________________________________________________________________________________ Einweisung und die Nutzungsregelungen der Kommunikation. Sie sind in den folgenden Maßnahmen beschrieben - M 2.113 Regelungen für Telearbeit - M 2.116 Geregelte Nutzung der Kommunikationsmöglichkeiten - M 2.117 Regelung der Zugriffsmöglichkeiten des Telearbeiters - M 3.21 Sicherheitstechnische Einweisung und Fortbildung des Telearbeiters - Sicherheit des Telearbeitsrechners: der Telearbeitsrechner muß so gestaltet sein, daß im unsicheren Einsatzumfeld eine sichere Nutzung möglich ist. Insbesondere darf nur eine autorisierte Person den Telearbeitsrechner offline und online nutzen können. Die notwendigen Maßnahmen sind unter dem Oberbegriff "Hardware/Software" und "Notfallvorsorge" zusammengefaßt. Dabei sind insbesondere die Sicherheitsanforderungen aus M 4.63 Sicherheitstechnische Anforderungen an den Telearbeitsrechner zu beachten. - Sichere Kommunikation zwischen Telearbeitsrechner und Institution: da die Kommunikation über öffentliche Netze ausgeführt wird, sind besondere Sicherheitsanforderungen für die Kommunikation zwischen Telearbeitsrechner und Institution zu erfüllen. Sie sind in M 5.51 Sicherheitstechnische Anforderungen an die Kommunikationsverbindung Telearbeitsrechner Institution beschrieben. Für die Anbindung des Telearbeitsrechners über das öffentliche Netz ist Kapitel 8.4 LAN-Anbindung eines IT-Systems über ISDN zu beachten. - Sicherheit des Kommunikationsrechners der Institution: dieser Rechner stellt eine quasi öffentlich zugängliche Schnittstelle dar, über die der Telearbeiter die IT und die Daten der Institution nutzen kann. Da hier ein Mißbrauch durch Dritte verhindert werden muß, sind besondere Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, die in M 5.52 Sicherheitstechnische Anforderungen an den Kommunikationsrechner beschrieben sind. Nachfolgend wird das Maßnahmenbündel für den Bereich "Telearbeit" vorgestellt. Organisation: - M 2.9 (2) - M 2.22 (2) - M 2.23 (3) - M 2.64 (2) - M 2.113 M 2.114 M 2.115 M 2.116 M 2.117 Personal: - M 3.4 - M 3.5 - M 3.21 - M 3.22 (2) (2) (2) (1) (1) Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Hinterlegen des Paßwortes Herausgabe einer PC-Richtlinie (optional) Kontrolle der Protokolldateien (am Telearbeitsrechner und am Kommunikationsrechner) Regelungen für Telearbeit Informationsfluß zwischen Telearbeiter und Institution Betreuungs- und Wartungskonzept für Telearbeitsplätze Geregelte Nutzung der Kommunikationsmöglichkeiten Regelung der Zugriffsmöglichkeiten des Telearbeiters (1) (1) (1) (2) Schulung vor Programmnutzung Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Sicherheitstechnische Einweisung und Fortbildung des Telearbeiters Vertretungsregelung für Telearbeit Hardware/Software: - M 4.3 (2) Regelmäßiger Einsatz eines Viren-Suchprogramms - M 4.30 (2) Nutzung der in Anwendungsprogrammen angebotenen Sicherheitsfunktionen - M 4.33 (1) Einsatz eines Viren-Suchprogramms bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung __________________________________________________________________________________________ 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
9.3 Telearbeit __________________________________________________________________________________________ - M 4.44 (2) - M 4.63 (1) Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren Sicherheitstechnische Anforderungen an den Telearbeitsrechner Kommunikation: - M 5.51 (1) Sicherheitstechnische Anforderungen an die Kommunikationsverbindung Telearbeitsrechner - Institution - M 5.52 (1) Sicherheitstechnische Anforderungen an den Kommunikationsrechner Notfallvorsorge: - M 6.13 (2) - M 6.22 (2) - M 6.23 (2) - M 6.32 (1) - M 6.38 (2) - M 6.47 (2) Erstellung eines Datensicherungsplans Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus Regelmäßige Datensicherung Sicherungskopie der übermittelten Daten Aufbewahrung der Backup-Datenträger für Telearbeit ˆ __________________________________________________________________________________________ 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G1 Gefährdungskatalog Höhere Gewalt Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G1 Gefährdungskatalog Höhere Gewalt G 1.1 Personalausfall ...........................................................................1 G 1.2 Ausfall des IT-Systems ..............................................................2 G 1.3 Blitz............................................................................................3 G 1.4 Feuer ..........................................................................................4 G 1.5 Wasser........................................................................................5 G 1.6 Kabelbrand.................................................................................6 G 1.7 Unzulässige Temperatur und Luftfeuchte ..................................7 G 1.8 Staub, Verschmutzung ...............................................................8 G 1.9 Datenverlust durch starke Magnetfelder ....................................9 G 1.10 Ausfall eines Weitverkehrsnetzes ............................................10 _____________________________________________________________________ .......................................... i IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 1.1 Gefährdungskatalog Höhere Gewalt Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 1.1 Personalausfall Durch Krankheit, Unfall, Tod oder Streik kann ein nicht vorhersehbarer Personalausfall entstehen. Desweiteren ist auch der Personalausfall bei einer regulären Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu berücksichtigen, insbesondere wenn die Restarbeitszeit z. B. durch einen Urlaubsanspruch verkürzt wird. In allen Fällen kann die Konsequenz sein, dass entscheidende Aufgaben aufgrund des Personalausfalls im IT-Einsatz nicht mehr wahrgenommen werden. Dies ist besonders dann kritisch, wenn die betroffene Person im IT-Bereich eine Schlüsselstellung einnimmt und aufgrund fehlenden Fachwissens anderer nicht ersetzt werden kann. Störungen des IT-Betriebs können die Folge sein. Ein Personalausfall kann zusätzlich einen empfindlichen Verlust von Wissen und Geheimnissen nach sich ziehen, der die nachträgliche Übertragung der Tätigkeiten auf andere Personen unmöglich macht. Schlüsselstellung im IT-Bereich Verlust von Wissen und Geheimnissen Beispiele: - Aufgrund längerer Krankheit blieb der Netzadministrator vom Dienst fern. In der betroffenen Firma lief das Netz zunächst fehlerfrei weiter. Nach zwei Wochen jedoch war nach einem Systemabsturz niemand in der Lage, den Fehler zu beheben. Dies führte zu einem Ausfall des Netzes über mehrere Tage. - Während des Urlaubs des Administrators muss für Datensicherungszwecke auf die Backupbänder im Datensicherungstresor zurückgegriffen werden. Der Zugangscode zum Tresor wurde erst kürzlich geändert und ist nur dem Administrator bekannt. Erst nach mehreren Tagen konnte die Datenrestaurierung durchgeführt werden, da der Aufenthaltsort des Administrators zuerst ermittelt werden musste. _____________________________________________________________________ .......................................... 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 1.2 Gefährdungskatalog Höhere Gewalt Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 1.2 Ausfall des IT-Systems Der Ausfall einer Komponente eines IT-Systems kann zu einem Ausfall des gesamten IT-Betriebs führen. Insbesondere zentrale Komponenten eines ITSystems sind geeignet, solche Ausfälle herbeizuführen, z. B. Klima- und Stromversorgung, LAN-Server, Datenfernübertragungseinrichtung. Ausfall zentraler Komponenten Technisches Versagen (z. B. G 4.1 Ausfall der Stromversorgung) muss nicht zwingend als Ursache für den Ausfall eines IT-Systems angenommen werden. Ausfälle lassen sich auch oft auf menschliches Fehlverhalten (z. B. G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten) oder vorsätzliche Handlungen (z. B. G 5.4 Diebstahl) zurückführen. Es treten auch Schäden aufgrund höherer Gewalt (z. B. Feuer, Blitzschlag, Chemieunfall) ein, allerdings sind diese Schäden meist um ein Vielfaches höher. Technisches Versagen/ menschliche Fehlhandlungen Werden auf einem IT-System zeitkritische IT-Anwendungen betrieben, sind die Folgeschäden nach Systemausfall entsprechend hoch, wenn es keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Beispiele: - Durch Spannungsspitzen in der Stromversorgung wird das Netzteil eines wichtigen IT-Systems zerstört. Da es sich um ein älteres Modell handelt, steht nicht unmittelbar Ersatz bereit. Die Reparatur nimmt einen Tag in Anspruch, in dieser Zeit ist der gesamte IT-Betrieb nicht verfügbar. - Es wird eine Firmware in ein IT-System eingespielt, die nicht für diesen Systemtyp vorgesehen ist. Das IT-System startet daraufhin nicht mehr fehlerfrei und muss vom Hersteller wieder betriebsbereit gemacht werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 1.3 Gefährdungskatalog Höhere Gewalt Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 1.3 Blitz Der Blitz ist die wesentliche während eines Gewitters bestehende Gefährdung für ein Gebäude und die darin befindliche Informationstechnik. Blitze erreichen bei Spannungen von mehreren 100.000 Volt Ströme bis zu 200.000 Ampere. Diese enorme elektrische Energie wird innerhalb von 50-100 µs freigesetzt und abgebaut. Ein Blitz mit diesen Werten, der in einem Abstand von ca. 2 km einschlägt, verursacht auf elektrischen Leitungen im Gebäude immer noch Spannungsspitzen, die zur Zerstörung empfindlicher elektronischer Geräte führen können. Diese indirekten Schäden nehmen mit abnehmender Entfernung zu. Schlägt der Blitz direkt in ein Gebäude ein, werden durch die dynamische Energie des Blitzes Schäden hervorgerufen. Dies können Beschädigungen des Baukörpers (Dach und Fassade), Schäden durch auftretende Brände oder Überspannungsschäden an elektrischen Geräten sein. Über das regional unterschiedliche Blitzschlagrisiko erteilt der Deutsche Wetterdienst entsprechende Auskünfte. _____________________________________________________________________ .......................................... 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 1.4 Gefährdungskatalog Höhere Gewalt Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 1.4 Feuer Neben direkten durch das Feuer verursachten Schäden an einem Gebäude oder dessen Einrichtung lassen sich Folgeschäden aufzeigen, die insbesondere für die Informationstechnik in ihrer Schadenswirkung ein katastrophales Ausmaß erreichen können. Löschwasserschäden treten beispielsweise nicht nur an der Brandstelle auf. Sie können auch in tiefer liegenden Gebäudeteilen entstehen. Bei der Verbrennung von PVC entstehen Chlorgase, die zusammen mit der Luftfeuchtigkeit und dem Löschwasser Salzsäure bilden. Werden die Salzsäuredämpfe über die Klimaanlage verteilt, können auf diese Weise Schäden an empfindlichen elektronischen Geräten entstehen, die in einem vom Brandort weit entfernten Teil des Gebäudes stehen. Ein Brand entsteht nicht nur durch den fahrlässigen Umgang mit Feuer (z. B. Adventskranz, Schweiß- und Lötarbeiten), sondern auch durch unsachgemäße Benutzung elektrischer Einrichtungen (z. B. unbeaufsichtigte Kaffeemaschine, Überlastung von Mehrfachsteckdosen). Die Ausbreitung eines Brandes kann unter anderem begünstigt werden durch: - Aufhalten von Brandabschnittstüren durch Keile, - Unsachgemäße Lagerung brennbarer Materialien, - Fehlen von Brandmeldeeinrichtungen, - mangelhaft vorbeugenden Brandschutz (z. B. Fehlen von Brandabschottungen auf Kabeltrassen). Beispiel: Anfang der 90er Jahre erlitt im Frankfurter Raum ein Großrechenzentrum einen katastrophalen Brandschaden, der zu einem kompletten Ausfall führte. _____________________________________________________________________ .......................................... 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 1.5 Gefährdungskatalog Höhere Gewalt Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 1.5 Wasser Der unkontrollierte Eintritt von Wasser in Gebäuden oder Räumen kann bspw. bedingt sein durch: - Regen, Hochwasser, Überschwemmung, - Störungen in der Wasser-Versorgung oder Abwasser-Entsorgung, - Defekte der Heizungsanlage, - Defekte an Klimaanlagen mit Wasseranschluß, - Defekte in Sprinkleranlagen und - Löschwasser bei der Brandbekämpfung. Unabhängig davon, auf welche Weise Wasser in Gebäude oder Räume gelangt, besteht die Gefahr, daß Versorgungseinrichtungen oder ITKomponenten beschädigt oder außer Betrieb gesetzt werden (Kurzschluß, mechanische Beschädigung, Rost etc.). Durch die Unterbringung zentraler Einrichtungen der Gebäudeversorgung (Hauptverteiler für Strom, Telefon, Daten) in Kellerräumen ohne selbsttätige Entwässerung, kann eindringendes Wasser sehr hohe Schäden verursachen. _____________________________________________________________________ .......................................... 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 1.6 Gefährdungskatalog Höhere Gewalt Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 1.6 Kabelbrand Wenn ein Kabel in Brand gerät, sei es durch Selbstentzündung oder durch Beflammung, hat dies verschiedene Folgen: - Die Verbindung kann unterbrochen werden. - Es können sich aggressive Gase entwickeln. - An Kabeln, deren Isolationsmaterial nicht flammwidrig bzw. selbstverlöschend ist, kann sich ein Feuer ausbreiten. Selbst Brandabschottungen verhindern dies nicht vollständig, sie verzögern die Ausbreitung. - Bei dicht gepackten Trassen kann es zu Schwelbränden kommen, die über längere Zeit unentdeckt bleiben und so zur Ausbreitung des Feuers führen, lange bevor es offen ausbricht. _____________________________________________________________________ .......................................... 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 1.7 Gefährdungskatalog Höhere Gewalt Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 1.7 Unzulässige Temperatur und Luftfeuchte Jedes Gerät hat einen Temperaturbereich, innerhalb dessen seine ordnungsgemäße Funktion gewährleistet ist. Überschreitet die Raumtemperatur die Grenzen dieses Bereiches nach oben oder unten, kann es zu Betriebsstörungen und zu Geräteausfällen kommen. So wird z. B. in einem Serverraum durch die darin befindlichen Geräte elektrische Energie in Wärme umgesetzt und daher der Raum aufgeheizt. Bei unzureichender Lüftung kann die zulässige Betriebstemperatur der Geräte überschritten werden. Bei Sonneneinstrahlung in den Raum sind Temperaturen über 50°C nicht unwahrscheinlich. Zu Lüftungszwecken werden oft die Fenster des Serverraumes geöffnet. In der Übergangszeit (Frühjahr, Herbst) kann das bei großen Temperaturschwankungen dazu führen, dass durch starke Abkühlung die zulässige Luftfeuchte überschritten wird. Beispiel: In einer Bonner Behörde wurde die gesamte Steuerungs- und Auswerteelektronik einer Sicherungseinrichtung in einem Raum untergebracht, der gerade genug Platz ließ, um die Türen der Geräteschränke zu öffnen. Aus Sicherheitsgründen waren sowohl die Schränke als auch der Raum mit festen Türen verschlossen. Nach der Fertigstellung der Anlage im Herbst lief die Anlage störungsfrei. Im folgenden Sommer zeigten sich zuerst unerklärliche Funktionsfehler und bald Totalabstürze des Systems, alles ohne erkennbare Systematik. Tagelanges Suchen mit hohem technischen und personellem Aufwand bei geöffneten Türen erbrachte keine Ergebnisse. Nur durch Zufall wurde schließlich die Überhitzung der Anlage bei Außentemperaturen über 30oC als Ursache der Störungen erkannt und durch ein Kühlgerät erfolgreich abgestellt. _____________________________________________________________________ .......................................... 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 1.8 Gefährdungskatalog Höhere Gewalt Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 1.8 Staub, Verschmutzung Trotz zunehmender Elektronik in der IT kommt sie noch nicht ohne mechanisch arbeitende Komponenten aus. Zu nennen sind Disketten, Fest- und Wechselplatten, Diskettenlaufwerke, Drucker, Scanner etc, aber auch Lüfter von Prozessoren und Netzteile. Mit steigenden Anforderungen an die Qualität und die Schnelligkeit müssen diese Geräte immer präziser arbeiten. Bereits geringfügige Verunreinigungen können zu einer Störung eines Gerätes führen. Vorhandene Sicherheitsschaltungen in den Geräten führen meist zu einem rechtzeitigen Abschalten. Das hält zwar den Schaden, die Instandsetzungskosten und die Ausfallzeiten klein, führt aber dazu, dass das betroffene Gerät nicht verfügbar ist. Beispiel: Bei der Aufstellung eines Servers in einem Medienraum, zusammen mit einem Kopierer und einem Normalpapier-Faxgerät, traten nacheinander die Lähmung des Prozessor-Lüfters und des Netzteil-Lüfters aufgrund der hohen Staubbelastung des Raumes auf. Der Ausfall des Prozessor-Lüfters führte zu sporadischen Server-Abstürzen. Der Ausfall des Netzteil-Lüfters führte schließlich zu einer Überhitzung des Netzteils mit der Folge eines Kurzschlusses, was schließlich einen Totalausfall des Servers nach sich zog. _____________________________________________________________________ .......................................... 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 1.9 Gefährdungskatalog Höhere Gewalt Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 1.9 Datenverlust durch starke Magnetfelder Typische Datenträger mit magnetisierbaren Speichermedien sind Disketten, Wechselplatten, Kassetten und Bänder. Informationen werden über Schreib/Leseköpfe aufgebracht. Die derart magnetisierten Datenträger sind empfindlich gegenüber magnetischer Störstrahlung, so daß die Nähe zu solchen Strahlungsquellen vermieden werden sollte. Je nach Stärke der Strahlung führt diese zu mehr oder weniger großen Datenverlusten. Besonders kritisch ist dies bei Dateien, die aufgrund ihrer internen Formatierung bereits durch geringfügige Veränderungen gänzlich unbrauchbar werden (z. B. Postscript-Dateien, Datenbanken). Beispiele für Quellen magnetischer Störstrahlung sind: - Elektromotoren, - Transformatoren, - Ausweiselesegeräte auf Magnetfeldbasis. _____________________________________________________________________ .......................................... 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 1.10 Gefährdungskatalog Höhere Gewalt Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 1.10 Ausfall eines Weitverkehrsnetzes Werden auf IT-Systemen, die über Weitverkehrsnetze verbunden sind, zeitkritische IT-Anwendungen betrieben, sind die durch einen Netzausfall möglichen Schäden und Folgeschäden entsprechend hoch, wenn keine Ausweichmöglichkeiten (z. B. Anbindung an ein zweites Kommunikationsnetz) vorgesehen sind. Im Rahmen der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes bietet nicht nur die Deutsche Telekom AG ihre Dienste für die Bereitstellung von Kommunikationsverbindungen zum Daten- und Sprachtransfer an. Viele, teilweise sehr kleine Netzbetreiber, konkurrieren mit günstigen Kommunikationsentgelten untereinander und mit der Deutschen Telekom AG. Daher sollte ein Kunde sich informieren, mit welcher Güte dieser Dienst tatsächlich erbracht werden kann, indem er den Netzbetreiber um detaillierte Auskünfte über Backup-Strategien oder Notfallplanungen bittet. _____________________________________________________________________ .......................................... 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G2 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G2 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen.................................1 G 2.2 Unzureichende Kenntnis über Regelungen ................................2 G 2.3 Fehlende, ungeeignete, inkompatible Betriebsmittel .................3 G 2.4 Unzureichende Kontrolle der IT-Sicherheitsmaßnahmen ..........4 G 2.5 Fehlende oder unzureichende Wartung......................................5 G 2.6 Unbefugter Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen......................6 G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten............................................7 G 2.8 Unkontrollierter Einsatz von Betriebsmitteln.............................8 G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen beim ITEinsatz........................................................................................9 G 2.10 Nicht fristgerecht verfügbare Datenträger................................10 G 2.11 Unzureichende Trassendimensionierung .................................11 G 2.12 Unzureichende Dokumentation der Verkabelung ....................12 G 2.13 Unzureichend geschützte Verteiler ..........................................13 G 2.14 Beeinträchtigung der IT-Nutzung durch ungünstige Arbeitsbedingungen .................................................................14 G 2.15 Vertraulichkeitsverlust schutzbedürftiger Daten im Unix-System ............................................................................15 G 2.16 Ungeordneter Benutzerwechsel bei tragbaren PCs ..................16 G 2.17 Mangelhafte Kennzeichnung der Datenträger..........................17 G 2.18 Ungeordnete Zustellung der Datenträger .................................18 G 2.19 Unzureichendes Schlüsselmanagement bei Verschlüsselung .......................................................................19 G 2.20 Unzureichende Versorgung mit DruckVerbrauchsgütern für Fax-Geräte ............................................20 G 2.21 Mangelhafte Organisation des Wechsels zwischen den Benutzern .................................................................................21 G 2.22 Fehlende Auswertung von Protokolldaten ...............................22 G 2.23 Schwachstellen bei der Einbindung von DOS-PCs in ein servergestütztes Netz..........................................................23 G 2.24 Vertraulichkeitsverlust schutzbedürftiger Daten des zu schützenden Netzes ..................................................................24 G 2.25 Einschränkung der Übertragungs- oder Bearbeitungsgeschwindigkeit durch Peer-to-PeerFunktionalitäten .......................................................................25 _____________________________________________________________________ .......................................... i IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G2 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.26 Fehlendes oder unzureichendes Test- und Freigabeverfahren ....................................................................26 G 2.27 Fehlende oder unzureichende Dokumentation .........................27 G 2.28 Verstöße gegen das Urheberrecht ............................................28 G 2.29 Softwaretest mit Produktionsdaten...........................................29 G 2.30 Unzureichende Domänenplanung ............................................30 G 2.31 Unzureichender Schutz des Windows NT Systems .................31 G 2.32 Unzureichende Leitungskapazitäten ........................................32 G 2.33 Nicht gesicherter Aufstellungsort von Novell Netware Servern .....................................................................................33 G 2.34 Fehlende oder unzureichende Aktivierung von Novell Netware Sicherheitsmechanismen............................................34 G 2.35 Fehlende Protokollierung unter Windows 95 (gestrichen!) .............................................................................35 G 2.36 Ungeeignete Einschränkung der Benutzerumgebung ..............36 G 2.37 Unkontrollierter Aufbau von Kommunikationsverbindungen ................................................37 G 2.38 Fehlende oder unzureichende Aktivierung von Datenbank-Sicherheitsmechanismen........................................38 G 2.39 Komplexität eines DBMS ........................................................39 G 2.40 Komplexität des Datenbankzugangs/-zugriffs .........................41 G 2.41 Mangelhafte Organisation des Wechsels von Datenbank-Benutzern...............................................................43 G 2.42 Komplexität der NDS...............................................................44 G 2.43 Migration von Novell Netware 3.x nach Novell Netware Version 4 ...................................................................45 G 2.44 Inkompatible aktive und passive Netzkomponenten ................46 G 2.45 Konzeptionelle Schwächen des Netzes ....................................47 G 2.46 Überschreiten der zulässigen Kabel- bzw. Buslänge oder der Ringgröße ..................................................................49 G 2.47 Ungesicherter Akten- und Datenträgertransport ......................51 G 2.48 Ungeeignete Entsorgung der Datenträger und Dokumente am häuslichen Arbeitsplatz...................................52 G 2.49 Fehlende oder unzureichende Schulung der Telearbeiter ........53 G 2.50 Verzögerungen durch temporär eingeschränkte Erreichbarkeit der Telearbeiter ................................................54 G 2.51 Mangelhafte Einbindung des Telearbeiters in den Informationsfluß ......................................................................55 _____________________________________________________________________ .......................................... ii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G2 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.52 Erhöhte Reaktionszeiten bei IT-Systemausfall ........................56 G 2.53 Unzureichende Vertretungsregelungen für Telearbeit .............57 G 2.54 Vertraulichkeitsverlust durch Restinformationen.....................58 G 2.55 Ungeordnete E-Mail-Nutzung..................................................59 G 2.56 Mangelhafte Beschreibung von Dateien ..................................60 G 2.57 Nicht ausreichende Speichermedien für den Notfall................61 G 2.58 Novell Netware und die Datumsumstellung im Jahr 2000 .........................................................................................62 G 2.59 Betreiben von nicht angemeldeten Komponenten....................63 G 2.60 Fehlende oder unzureichende Strategie für das Netzund Systemmanagement ..........................................................64 G 2.61 Unberechtigte Sammlung personenbezogener Daten...............66 G 2.62 Ungeeigneter Umgang mit Sicherheitsvorfällen ......................67 G 2.63 Ungeordnete 68 _____________________________________________________________________ .......................................... iii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 2.1 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.1 Fehlende oder unzureichende Regelungen Die Bedeutung übergreifender organisatorischer Regelungen und Vorgaben für das Ziel IT-Sicherheit nimmt mit dem Umfang der Informationsverarbeitung, aber auch mit dem Schutzbedarf der zu verarbeitenden Informationen zu. Von der Frage der Zuständigkeiten angefangen bis hin zur Verteilung von Kontrollaufgaben kann das Spektrum der Regelungen sehr umfangreich sein. Auswirkungen von fehlenden oder unzureichenden Regelungen werden beispielhaft in den Gefährdungen G 2.2 ff. beschrieben. Daß Regelungsdefizite schadensfördernde Auswirkungen haben können, machen folgende Beispiele deutlich: - Durch eine mangelhafte Betriebsmittelverwaltung kann der termingerechte Arbeitsablauf in einem Rechenzentrum schon durch eine unterbliebene Druckerpapierbestellung stark beeinträchtigt werden. - Neben einer Beschaffung von Handfeuerlöschern muß auch deren Wartung geregelt sein, um sicherzustellen, daß diese im Brandfall auch funktionstüchtig sind. _____________________________________________________________________ .......................................... 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.2 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.2 Unzureichende Kenntnis über Regelungen Die Festlegung von Regelungen allein sichert den störungsfreien IT-Einsatz noch nicht. Die für einen Funktionsträger geltenden Regelungen müssen diesem auch bekannt sein. Der Schaden, der sich aus einer unzureichenden Kenntnis über bestehende Regelungen ergeben kann, darf sich nicht mit den Aussagen entschuldigen lassen: "Ich habe nicht gewußt, daß ich dafür zuständig bin." oder "Ich habe nicht gewußt, wie ich zu verfahren hatte." Beispiele: - Werden Mitarbeiter nicht über die Verfahrensweise des Umgangs mit übersandten Disketten unterrichtet, besteht die Gefahr, daß ein Computer-Virus im Unternehmen bzw. in der Behörde verbreitet wird. - In einer Bundesbehörde wurden farblich unterschiedliche Papierkörbe aufgestellt, von denen eine Farbe für die Entsorgung zu vernichtender Unterlagen bestimmt war. Die meisten Mitarbeiter waren von dieser Regelung nicht unterrichtet. _____________________________________________________________________ .......................................... 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.3 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.3 Fehlende, ungeeignete, inkompatible Betriebsmittel Eine nicht ausreichende Bereitstellung von Betriebsmitteln kann einen ITBetrieb erheblich beeinträchtigen. Störungen können sich aus einer nicht ausreichenden Menge benötigter Betriebsmittel oder deren nicht termingerechter Bereitstellung ergeben. Ebenso kann es vorkommen, daß ungeeignete oder sogar inkompatible Betriebsmittel beschafft werden, die infolgedessen nicht eingesetzt werden können. Beispiele: - Durch das Jahr-2000-Problem können durch den bevorstehenden Jahreswechsel Kompatibelitätsproblemen bei der eingesetzten Hard- und Software auftreten. - Für den neu angemieteten Datex-P-Anschluß wird vergessen, das Entgelt für die Einrichtung an den Betreiber zu überweisen mit der Folge, daß der Anschluß nicht freigeschaltet wird. Das IT-Verfahren, das diesen Anschluß nutzen soll, kann daher nur mit Verspätung in Betrieb genommen werden. - Ein ungeeignetes Betriebsmittel ist zum Beispiel eine graphische Benutzeroberfläche, die auf einem nicht ausreichend leistungsfähigen Rechner installiert werden soll. - Ein Beispiel für inkompatible Betriebsmittel sind Verbindungskabel unterschiedlicher Pin-Belegung zum Anschluß von Druckern. - Für den Betrieb einer Datenbank unter der neu beschafften DatenbankenStandardsoftware ist im zugehörigen Rechner nicht genügend Hauptspeicher vorhanden oder der Plattenplatz reicht nicht aus. _____________________________________________________________________ .......................................... 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.4 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.4 Unzureichende Kontrolle der IT-Sicherheitsmaßnahmen Nach der Einführung von IT-Sicherheitsmaßnahmen (z. B. Datensicherung) obliegt es vielfach den Benutzern, sie konsequent umzusetzen. Finden keine oder nur unzureichende Kontrollen der IT-Sicherheitsmaßnahmen statt, wird weder deren Mißachtung noch ihre effektive Wirksamkeit festgestellt. Eine rechtzeitige Reaktion wird dadurch verhindert. Darüber hinaus gibt es IT-Sicherheitsmaßnahmen, die nur mit der Durchführung entsprechender Kontrollen ihre Wirkung entfalten. Hierzu zählen beispielsweise Protokollierungsfunktionen, deren Sicherheitseigenschaften erst mit der Auswertung der Protokolldaten zum Tragen kommen. Beispiel: Der Administrationsplatz einer Datenverarbeitungsanlage ist mit einem Konsoldrucker ausgestattet. Dieser Drucker soll sämtliche Eingaben protokollieren, die über die Bedienungskonsole erfolgen. Ob durch die Administration mißbräuchlich Handlungen vorgenommen werden, läßt sich erst durch eine Auswertung der Ausdrucke feststellen. Fehlt diese Auswertung durch eine unabhängige Person, so ist die Protokollierung wirkungslos. _____________________________________________________________________ .......................................... 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.5 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.5 Fehlende oder unzureichende Wartung Die Funktionsfähigkeit der eingesetzten Technik muß gewährleistet bleiben. Durch regelmäßige Wartung kann die Funktionsfähigkeit der eingesetzten Technik gefördert werden. Werden Wartungsarbeiten nicht oder nur unzureichend durchgeführt, können daraus unabsehbar hohe Schäden oder Folgeschäden entstehen. Beispiele: - Die Batterien einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) verfügen infolge fehlender Wartung über eine unzureichende Kapazität (zu geringer Säuregehalt). Die USV kann einen Stromausfall nicht mehr ausreichend lange überbrücken. - Die Feuerlöscher verfügen aufgrund fehlender Wartung nicht mehr über einen ausreichenden Druck, so daß ihre brandbekämpfende Wirkung nicht mehr vorhanden ist. - Der Laserdrucker fällt aufgrund Überhitzung aus, weil ein Lüftungsgitter nicht vorschriftsmäßig gereinigt wurde. _____________________________________________________________________ .......................................... 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.6 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.6 Unbefugter Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen Gelangen Unbefugte in schutzbedürftige Räume, können sich Gefährdungen nicht nur durch vorsätzliche Handlungen, sondern auch durch unbeabsichtigtes Fehlverhalten ergeben. Eine Störung des Betriebsablaufs tritt allein schon dadurch ein, daß aufgrund des unbefugten Zutritts eine Feststellung möglicher Schäden erforderlich wird. Dabei ist zu beachten, daß auch dienstlich genutzte Räume im häuslichen Umfeld zu diesen schutzbedürftigen Räumen zu zählen sind. Beispiel: Beim Reinigungspersonal wird eine Urlaubsvertretung eingesetzt. Die Urlaubsvertretung übernimmt eigenmächtig - obwohl sie nicht eingewiesen wurde - die Reinigung des Rechenzentrums. Dort öffnet sie den alarmüberwachten Notausgang und löst hierdurch einen Fehlalarm aus. _____________________________________________________________________ .......................................... 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.7 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.7 Unerlaubte Ausübung von Rechten Rechte wie Zutritts-, Zugangs- und Zugriffsberechtigungen werden als organisatorische Maßnahmen eingesetzt, um eine sichere und ordnungsgemäße ITNutzung zu gewährleisten. Werden solche Rechte an die falsche Person vergeben oder wird ein Recht unautorisiert ausgeübt, können sich eine Vielzahl von Gefährdungen ergeben, die die Vertraulichkeit und Integrität von Daten oder die Verfügbarkeit von Rechnerleistung beeinträchtigen. Beispiel: Der Arbeitsvorbereiter, der keine Zutrittsberechtigung zum Datenträgerarchiv besitzt, entnimmt in Abwesenheit des Archivverwalters Magnetbänder, um Sicherungskopien einspielen zu können. Durch die unkontrollierte Entnahme wird das Bestandsverzeichnis des Datenträgerarchivs nicht aktualisiert, die Bänder sind für diesen Zeitraum nicht auffindbar. _____________________________________________________________________ .......................................... 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.8 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.8 Unkontrollierter Einsatz von Betriebsmitteln Betriebsmittel - gleich welcher Art - dürfen nur entsprechend dem Verwendungszweck eingesetzt werden. Die für die Beschaffung und den Einsatz der Betriebsmittel verantwortlichen Personen müssen sowohl den unkontrollierten Einsatz verhindern als auch den korrekten Einsatz überwachen. Wird jedoch der Einsatz von Betriebsmitteln nicht ausreichend kontrolliert, können als Folge vielfältige Gefährdungen auftreten. Beispiele: - Der Einsatz privater Datenträger durch Mitarbeiter kann zu einer Infektion des dienstlichen PC durch Computer-Viren führen. - Falsche Reinigungsmittel können zu einer Beschädigung von Monitoren führen. - Ungeeignete Tinte für Tintenstrahldrucker kann zu einer Verunreinigung oder Fehlfunktion des Druckers führen. _____________________________________________________________________ .......................................... 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.9 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.9 Mangelhafte Anpassung an Veränderungen beim IT-Einsatz Die speziell für den Einsatz von Informationstechnik geschaffenen organisatorischen Regelungen, aber auch das gesamte Umfeld einer Behörde bzw. eines Unternehmens unterliegen ständigen Veränderungen. Sei es nur, daß Mitarbeiter ausscheiden oder hinzukommen, Mitarbeiter das Büro wechseln, neue Hardware oder Software beschafft wird, der Zulieferbetrieb für die Betriebsmittel Konkurs anmeldet. Daß sich bei einer ungenügenden Berücksichtigung der vorzunehmenden organisatorischen Anpassungen Gefährdungen ergeben, zeigen folgende Beispiele: - Vor Urlaubsantritt vergißt ein Mitarbeiter, der Urlaubsvertretung Zugriffsrechte auf alle von dieser benötigten Dateien und Verzeichnisse zu übertragen. Hierdurch können sich Verzögerungen im IT-Betrieb ergeben. - Durch bauliche Änderungen im Gebäude werden bestehende Fluchtwege verändert. Durch mangelhafte Unterrichtung der Mitarbeiter ist die Räumung des Gebäudes nicht in der erforderlichen Zeit möglich. - Durch eine Umstellung eines IT-Verfahrens werden größere Mengen an Druckerpapier benötigt. Durch fehlende Unterrichtung der Beschaffungsstelle kommt es zu Engpässen im IT-Betrieb. - Beim Empfang elektronischer Dokumente werden diese nicht automatisch auf Makroviren überprüft, da dieses Problem noch nicht bekannt ist oder kein Virenprüfprogramm vorhanden ist. - Bei der Übermittlung elektronischer Dokumente wird nicht darauf geachtet, diese in einem für die Empfängerseite lesbaren Format abzuspeichern. _____________________________________________________________________ .......................................... 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.10 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.10 Nicht fristgerecht verfügbare Datenträger Die korrekte Verwendung von Datenträgern ist für ein IT-Verfahren von besonderer Bedeutung. Bereits geringfügige Fehler - z. B. mangelhafte Kennzeichnung, falscher Aufbewahrungsort, fehlende Ein- oder Ausgabebestätigungen im Datenträgerarchiv - können dazu führen, daß ein Datenträger nicht in der erforderlichen Zeit aufgefunden werden kann. Die resultierenden Verzögerungen können zu erheblichen Schäden führen. Beispiele: - Datensicherungsbänder werden versehentlich in ein externes Datensicherungsarchiv ausgelagert. Eine erforderliche Datenrekonstruktion wird erheblich verzögert, weil die Wiederbeschaffung der Bänder nicht unverzüglich möglich ist. - Datensicherungsbänder unterschiedlichen Inhalts werden versehentlich gleich gekennzeichnet. Der Archivverwalter gibt unabsichtlich das aktuellere Magnetband zum Löschen frei. Folglich steht nur noch eine überalterte Datensicherung zur Verfügung. _____________________________________________________________________ .......................................... 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.11 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.11 Unzureichende Trassendimensionierung Bei der Planung von Netzen wird oft der Fehler begangen, die Kapazitätsauslegung ausschließlich am aktuellen Stand zu orientieren. Dabei wird übersehen - Erweiterungen eines Netzes nicht auszuschließen sind, - die Kapazität eines Netzes aufgrund steigenden Datenvolumens erweitert werden muß, - neue Forderungen an das Netz die Verlegung anderer Kabel erforderlich machen. Eine Erweiterung des Netzes ist nur in dem Umfang möglich, wie es die vorhandenen, verlegten Kabel zulassen oder der zur Verfügung stehende Platz für zusätzliche Kabel erlaubt. Gerade in geschlossenen Trassen (Rohre, estrichüberdeckte Fußbodenkanäle etc.) ist es trotz noch vorhandenen Platzes oft nicht möglich, zusätzliche Kabel einzuziehen, ohne neue und alte Kabel zu beschädigen. Als Ausweg bleibt dann nur, die vorhandenen Kabel aus der Trasse herauszuziehen und alle Kabel, die alten und die neuen, gleichzeitig neu einzuziehen. Die dadurch entstehenden Betriebsbeeinträchtigungen und Kosten sind beträchtlich. _____________________________________________________________________ .......................................... 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.12 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.12 Unzureichende Dokumentation der Verkabelung Ist aufgrund unzureichender Dokumention die genaue Lage von Leitungen nicht bekannt, so kann es bei Bauarbeiten außerhalb oder innerhalb eines Gebäudes zu Beschädigungen von Leitungen kommen. Dabei kann es zu längeren Ausfallzeiten oder unter Umständen sogar zu lebensbedrohenden Gefahren, z. B. durch Stromschlag, kommen. Eine unzureichende Dokumentation erschwert zudem Prüfung, Wartung und Reparatur von Leitungen sowie Rangierungen, wie sie z. B. bei Änderungen im Endgeräte-Bereich (Umzug, Neuzugang) erforderlich werden. Beispiel: In einer größeren Behörde wurde die Verkabelung der IT durch eine externe Firma vorgenommen. Die Anfertigung einer Dokumentation war im Leistungsumfang nicht enthalten. Da nach Fertigstellung der Verkabelung mit der Firma kein Wartungsvertrag abgeschlossen wurde, verfügte die Behörde nicht über die notwendige Dokumentation. Erweiterungen des Netzes konnten nur mit erheblichen Verzögerungen vorgenommen werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.13 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.13 Unzureichend geschützte Verteiler Verteiler des Stromversorgungsnetzes sind vielfach frei zugänglich und unverschlossen in Fluren oder Treppenhäusern untergebracht. Somit ist es jedermann möglich, diese Verteiler zu öffnen, Manipulationen vorzunehmen und ggf. einen Stromausfall herbeizuführen. _____________________________________________________________________ .......................................... 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.14 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.14 Beeinträchtigung der IT-Nutzung durch ungünstige Arbeitsbedingungen Ein nicht nach ergonomischen Gesichtspunkten eingerichteter Arbeitsplatz oder das Arbeitsumfeld (z. B. Störungen durch Lärm oder Staub) können dazu führen, daß die zur Verfügung stehende IT nicht oder nicht optimal genutzt werden kann. Die meisten der denkbaren Störungen wirken sich nicht direkt auf die IT aus. Vielmehr wird der Mitarbeiter in der Form beeinflußt, daß er seiner Aufgabe nicht mit entsprechender Konzentration nachgehen kann. Die Störungen reichen von Lärm oder starkem, unorganisiertem Kundenverkehr bis zu ungünstiger Beleuchtung, schlechter Belüftung u.ä.. Erste Anzeichen solcher Störungen sind die Verlangsamung der Aufgabenerledigung und die Zunahme kleiner Fehler (Zeichendreher, Schreibfehler). Dadurch wird nicht nur das direkte Arbeitsergebnis beeinträchtigt. Auch die gespeicherten Daten enthalten evtl. Fehler, die Integrität der Daten wird vermindert. _____________________________________________________________________ .......................................... 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.15 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.15 Vertraulichkeitsverlust schutzbedürftiger Daten im Unix-System Durch verschiedene Unix-Programme ist es möglich, Daten abzufragen, die das IT-System über die Benutzer speichert. Hiervon sind auch solche Daten betroffen, die Auskunft über das Leistungsprofil eines Benutzers geben können. Datenschutzrechtliche Gesichtspunkte müssen deshalb genauso beachtet werden wie die Gefahr, daß solche Informationen Mißbrauchsmöglichkeiten erleichtern. Beispiel: Mit einem einfachen Programm, das in einem bestimmten Zeitintervall die Informationen, die der Befehl who liefert, auswertet, kann jeder Benutzer ein genaues Nutzungsprofil für einen Account erstellen. Z. B. lassen sich auf diese Weise die Abwesenheitszeiten des oder der Systemadministratoren feststellen, um diese Zeiten für unberechtigte Handlungen zu nutzen. Desweiteren läßt sich feststellen, welche Terminals für einen privilegierten Zugang zugelassen sind. Weitere Programme mit ähnlichen Mißbrauchsmöglichkeiten sind finger oder ruser. _____________________________________________________________________ .......................................... 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.16 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.16 Ungeordneter Benutzerwechsel bei tragbaren PCs Der Benutzerwechsel bei tragbaren PCs wie Laptops oder Notebooks wird oftmals durch die einfache Übergabe des Gerätes vorgenommen. Dies hat zur Folge, daß meist nicht sichergestellt wird, daß auf dem Gerät keine schutzbedürftigen Daten mehr gespeichert sind und daß das Gerät nicht mit einem Computer-Virus verseucht ist. Zudem ist nach einiger Zeit nicht mehr nachvollziehbar, wer den tragbaren PC wann genutzt hat oder wer ihn zur Zeit benutzt. Der ungeordnete Benutzerwechsel ohne Speicherkontrollen und ohne entsprechende Dokumentation kann damit zur Einschränkung der Verfügbarkeit des Geräts und zum Vertraulichkeitsverlust von Restdaten der Festplatte führen. _____________________________________________________________________ .......................................... 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.17 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.17 Mangelhafte Kennzeichnung der Datenträger Unterbleibt eine ordnungsgemäße Kennzeichnung der ausgetauschten Datenträger, so ist für den Empfänger oft nicht nachvollziehbar, wer den Datenträger übersandt hat, welche Informationen darauf gespeichert sind oder welchem Zweck sie dienen. Wenn mehrere Datenträger ein- und desselben Absenders eingehen, kann bei fehlender Kennzeichnung die Reihenfolge verwechselt werden. Beispiel: Absender A verschickt an den Empfänger E eine Diskette mit Informationen, bei denen großes Gewicht auf deren Integrität gelegt wird. Am nächsten Tag stellt A fest, daß die Daten fehlerhaft waren, verschickt eine korrigierte Version und kündigt diese beim Empfänger telefonisch an. Auf dem Postweg überholt nun die zweite Diskette die erste, so daß der Empfänger aufgrund mangelhafter Kennzeichnung glaubt, die zuerst erhaltene Diskette enthielte die falschen Daten. _____________________________________________________________________ .......................................... 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.18 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.18 Ungeordnete Zustellung der Datenträger Bei ungeordneter Zustellung von Datenträgern besteht die Gefahr, daß vertrauliche, auf dem Datenträger gespeicherte Daten in unbefugte Hände gelangen oder das gewünschte Ziel nicht rechtzeitig erreichen. Beispiele: - eine fehlerhafte Adressierung kann dazu führen, daß der Datenträger einem unautorisierten Empfänger übergeben wird, - eine unzureichende Verpackung kann zu einer Beschädigung des Datenträgers führen, aber auch einen unbefugten Zugriff ermöglichen, der nicht festgestellt werden kann, - eine fehlende Festlegung der Verantwortung beim Empfänger kann zur Folge haben, daß ein eingegangener Datenträger erst verspätet bearbeitet wird, - eine nicht festgelegte Versandart kann bewirken, daß der Datenträger zu spät zugestellt wird, da die falsche Versandart ausgewählt wurde, - eine fehlende Festlegung der Verantwortung beim Absender kann zur Folge haben, daß eine terminlich zugesicherte Zustellung der Datenträger nicht eingehalten werden kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.19 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.19 Unzureichendes Schlüsselmanagement bei Verschlüsselung Werden zum Schutz der Vertraulichkeit zu übermittelnder Daten Verschlüsselungssysteme eingesetzt, so kann aufgrund eines unzureichenden Schlüsselmanagements der gewünschte Schutz unterlaufen werden, wenn - die Schlüssel in einer ungesicherten Umgebung erzeugt oder aufbewahrt werden, - ungeeignete oder leicht erratbare Schlüssel eingesetzt werden, - die zur Verschlüsselung bzw. Entschlüsselung eingesetzten Schlüssel nicht auf einem sicheren Weg den Kommunikationspartner erreichen. Beispiele: - Einfachstes Negativ-Beispiel ist der Versand der verschlüsselten Informationen und des benutzten Schlüssels auf ein- und derselben Diskette, vorausgesetzt, daß das bei der Verschlüsselung eingesetzte Verfahren bekannt ist. - Kryptographische Schlüssel werden im allgemeinen durch Zufallsprozesse erzeugt und evtl. nachbearbeitet. Wenn die verwendete Zufallsquelle ungeeignet ist, können Schlüssel erzeugt werden, die unsicher sind. - Bei der Erzeugung von kryptographischen Schlüsseln, insbesondere von Masterkeys, ist es für die Sicherheit entscheidend, daß keine schwachen kryptographischen Schlüssel erzeugt werden. Dies können Schlüssel sein, die leicht zu erraten sind, oder Schlüssel, die für die Verschlüsselung ungeeignet sind (Beispiel: schwache und semischwache DES-Schlüssel). Wenn bei der Ableitung von Schlüsseln aus Masterkeys nicht überprüft wird, ob dabei ein schwacher Schlüssel erzeugt wurde, kann dadurch ein schwacher Schlüssel im Wirkbetrieb zum Einsatz kommen. - Werden beim Triple-DES identische Teilschlüssel verwendet, bewirkt die Triple-DES-Verschlüsselung nur eine einfache DES-Verschlüsselung. Der Sicherheitsgewinn geht verloren. Aber nicht nur die Offenlegung, sondern auch der Verlust von kryptographischen Schlüsseln kann zu großen Problemen führen. Kryptographische Schlüssel können - verloren oder vergessen werden, - nicht mehr zugreifbar sein, z. B. wenn der Schlüsselinhaber die Firma verlassen hat, oder - zerstört werden, indem sie versehentlich gelöscht werden oder indem sie verändert werden, z. B. durch Datenträgerversagen oder Bitfehler. Wenn die Schlüssel nicht mehr verfügbar sind, können damit geschützte Daten nicht mehr entschlüsselt oder auf ihre Authentizität überprüft werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.20 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.20 Unzureichende Versorgung mit Druck-Verbrauchsgütern für Fax-Geräte Fax-Geräte benötigen für ihren Betrieb einige Verbrauchsgüter. In der Regel sind dies Papier und Druckermaterial (Toner oder Tinte, Druck-Zwischenträgerfolie). Fehlt eines dieser Verbrauchsgüter, können eingehende Faksimiles nicht mehr ausgedruckt werden, obwohl sie ordnungsgemäß empfangen wurden. Ein Puffer-Speicher kann aufgrund seiner begrenzten Speicherkapazität die Abweisung oder den Verlust von Fax-Sendungen nur herauszögern, aber nicht langfristig verhindern. _____________________________________________________________________ .......................................... 20 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.21 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.21 Mangelhafte Organisation des Wechsels zwischen den Benutzern Arbeiten mehrere Benutzer zeitlich versetzt an einem Einzelplatz-IT-System, so findet zwangsläufig ein Wechsel zwischen den Benutzern statt. Ist dieser nicht ausreichend organisiert und geregelt, wird er unter Umständen nicht sicherheitsgerecht durchgeführt. Hierdurch können Mißbrauchsmöglichkeiten entstehen, wenn z. B. - laufende Anwendungen nicht korrekt abgeschlossen werden, - aktuelle Daten nicht gespeichert werden, - Restdaten im Hauptspeicher oder in temporären Dateien verbleiben, - der vorhergehende Benutzer sich nicht am IT-System abmeldet und - der neue Benutzer sich nicht ordnungsgemäß am IT-System anmeldet. _____________________________________________________________________ .......................................... 21 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.22 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.22 Fehlende Auswertung von Protokolldaten Protokolldaten dienen dem Zweck, nachträglich feststellen zu können, ob Sicherheitsverletzungen im IT-System stattgefunden haben oder ob ein solcher Versuch unternommen wurde. Daher können Protokolldaten für die Täterermittlung im Schadensfall genutzt werden. Eine weitere wichtige Funktion der Protokolldaten ist die Abschreckung. Werden Protokolldaten regelmäßig ausgewertet, können vorsätzliche Angriffe auf ein IT-System frühzeitig erkannt werden. Findet die Auswertung der Protokolldaten jedoch nicht oder nur unzureichend statt und wird dies bekannt, verliert sich die Abschreckungswirkung vollständig. Bei vielen IT-Systemen oder Anwendungen fehlen ausreichende Protokollierungsmöglichkeiten. Teilweise ist überhaupt keine Protokollierung vorgesehen, häufig ist es nicht möglich, die Protokollierung nach Ereignissen zu differenzieren. Beispiel: Auf einem nicht vernetzten Windows 95-Rechner gibt es keine Möglichkeit, die Aktivitäten eines oder mehrerer Benutzer benutzerspezifisch zu protokollieren. Es ist daher nicht festzustellen, ob Sicherheitsverletzungen im ITSystem stattgefunden haben oder ob ein solcher Versuch unternommen wurde. _____________________________________________________________________ .......................................... 22 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.23 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.23 Schwachstellen bei der Einbindung von DOSPCs in ein servergestütztes Netz Durch die Einbindung von DOS-PCs in ein servergestütztes Netz können in einem ansonsten sicheren Netz Schwachstellen hinzukommen. Werden beispielsweise DOS-PCs in ein Unix-Netz eingebunden, ist den Benutzern der Einsatz von Unix-Diensten wie telnet, ftp, NFS, RPCs, XWindows möglich. Die hierdurch entstehenden Sicherheitsprobleme sind grundsätzlich nicht verschieden von denen in einem reinen Unix-Netz. Jedoch werden durch die Einbindung von DOS-PCs in ein servergestütztes Netz zusätzliche unkontrollierte Netzzugänge geschaffen. Jeder Netzanschluss kann zum Abhören des Netzes missbraucht werden. Dies ist mit geeigneter Software (Sniffer) auch durch einen am Netz angeschlossenen PC möglich. Damit ist es ein Leichtes, alle Informationen, d. h. alle Passwörter und auch Dateiinhalte, die über das Netz verschickt werden mitzulesen und zu missbrauchen. Abhören des Netzes Ein PC-Benutzer kann zudem i. allg. den PC selbständig administrieren. Indem er den PC so konfiguriert, dass hiermit eine falsche Identität vorgespiegelt wird, kann er zugelassene Dienste wie z. B. NFS oder RPCs nutzen, um Zugriff auf Verzeichnisse und Dateien anderer Benutzer auf dem Server zu erlangen. Er kann diese Informationen dann unbemerkt lesen, kopieren, verfälschen oder löschen. Vorspiegelung einer falschen Identität DOS-PCs, die in ein Windows NT Netz eingebunden sind, stellen ebenfalls eine potentielle Bedrohung der Sicherheit dieses Netzes dar. So können durch Kopieren von Dateien von einem Server auf die Festplatte eines PCs sicherheitsrelevante Informationen auf einem physisch nur unzureichend geschützten Medium abgelegt werden, oder durch Kopieren auf ein lokales Diskettenlaufwerk können solche Informationen an externe Stellen abgegeben werden, ohne dass dies von den Protokollierungsfunktionen des Servers erfasst wird. Umgekehrt besteht die Gefahr des Imports von Computer-Viren über ungenügend abgesicherte Diskettenlaufwerke. unkontrollierter Import und Export von Informationen Unix-Rechner, die mittels des Programmes SAMBA ihre Dateisysteme für Windows-Rechner verfügbar machen, können bei mangelhafter Konfiguration ein hohes Sicherheitsrisiko darstellen. So ist es z. B. möglich, dass ein Benutzer, der sich auf einem Windows-Rechner mit der Kennung "root" anmeldet, bei einem weiteren Anmeldevorgang unter Unix-Rechner sich auch hier Zugriff auf die "root"-Kennung verschaffen kann und somit Administrator-Rechte erhält. SAMBA Die Verwendung eines Primary Domänen Controller (PDC) als Passwortserver für SAMBA projiziert eventuell bestehende Sicherheitslücken von Windows NT auf das Unix-System, da ein kompromittierter NT-Server somit einer unberechtigten Person Zugriff auf das Unix-Filesystem ermöglichen kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 23 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 2.24 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.24 Vertraulichkeitsverlust schutzbedürftiger Daten des zu schützenden Netzes Bei einem nicht durch eine Firewall geschützten Netz, das mit einem externen Netz wie dem Internet gekoppelt ist, können aus dem externen Netz verschiedene Daten des internen Netzes wie z. B. Mailadressen, IP-Nummern, Rechnernamen und Benutzernamen abgerufen werden. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf die interne Netzstruktur und dessen Anwender ziehen. Je mehr Informationen ein Angreifer über potentielle Angriffsziele hat, desto mehr Angriffsmöglichkeiten hat er. Wenn ein Angreifer z. B. Benutzernamen eines IT-Systems kennt, kann er versuchen, die zugehörigen Passwörter zu erraten oder über Wörterbuchattacken herauszufinden (siehe auch G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Passwörtern). _____________________________________________________________________ .......................................... 24 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.25 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.25 Einschränkung der Übertragungs- oder Bearbeitungsgeschwindigkeit durch Peer-to-PeerFunktionalitäten Wird eines der Betriebssysteme WfW, Windows 95 oder Windows NT in einem servergestützten PC-Netz als Benutzeroberfläche eingesetzt, können einzelne Peer-to-Peer-Funktionalitäten die Übertragungsbandbreite im servergestützten Netz einschränken, da dasselbe physikalische Medium beansprucht wird. Beispielsweise erfolgen Zugriffe auf Dateien des Servers mit erheblichen Verzögerungen, wenn gleichzeitig über die Peer-to-PeerFunktionen große Dateien von PC zu PC kopiert werden. Ein PC kann in einem Peer-to-Peer-Netz als "Server", d. h. als Applikationsoder Dateianbieter für andere Rechner, eingesetzt werden. Dabei wird er durch die zu verwaltenden Peer-to-Peer-Funktionalitäten erheblich belastet, wodurch die lokale Bearbeitungsgeschwindigkeit deutlich abnimmt. _____________________________________________________________________ .......................................... 25 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.26 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.26 Fehlendes oder unzureichendes Test- und Freigabeverfahren Wird neue Hard- oder Software nicht oder nur unzureichend getestet und ohne Installationsvorschriften freigegeben, kann es passieren, daß Fehler in der Hard- oder Software nicht erkannt werden oder daß die notwendigerweise einzuhaltenden Installationsparameter nicht erkannt bzw. nicht beachtet werden. Diese Hardware-, Software- oder Installationsfehler, die aus einem fehlenden oder unzureichenden Software-Test- und Freigabeverfahren resultieren, stellen eine erhebliche Gefährdung für den IT-Betrieb dar. Im Vertrauen auf eine problemlose Installation neuer Hard- bzw. Software wird oftmals übersehen, daß mögliche Schäden in keinem Verhältnis zu dem Aufwand stehen, den ein geordnetes Test- und Freigabeverfahren erfordert. Programme oder IT-Systeme werden unzureichend getestet und mit Fehlern in eine Produktionsumgebung eingebracht. Die Fehler wirken sich in der Folge störend auf den bis zu diesem Zeitpunkt problemlosen Betrieb aus. Beispiele für solche Schäden werden nachfolgend aufgezeigt: - Programme oder Programm-Updates lassen sich nicht sinnvoll nutzen, da für ein annehmbares Verarbeitungstempo mehr Ressourcen (z. B. Hauptspeicher, Prozessorkapazität) als erwartet benötigt werden. Wird dies nicht im Test erkannt, kann dies zu erheblichen Fehl- oder Folgeinvestitionen führen. Nicht selten führten Entscheidungen gegen weitere Investitionen dazu, daß ein Softwareprodukt zwar gekauft und bezahlt, jedoch nie benutzt wurde. - Eingeübte Arbeitsabläufe werden nach Installation neuer Software maßgeblich behindert. Der mit der Installation des Programms beabsichtigte Nutzen stellt sich erst bedeutend später ein, da die Mitarbeiter im Vorfeld nicht geschult bzw. nicht über die neuen Funktionen des Programms informiert wurden. - Durch das Einspielen eines neuen Updates einer DBMS-Standardsoftware, das mit Fehlern behaftet ist, steht die Datenbank nicht mehr zur Verfügung und es kann zu einem Datenverlust kommen. _____________________________________________________________________ .......................................... 26 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.27 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.27 Fehlende oder unzureichende Dokumentation Verschiedene Formen der Dokumentation können betrachtet werden: die Produktbeschreibung, die Administrator- und Benutzerdokumentation zur Anwendung des Produktes und die Systemdokumentation. Eine fehlende oder unzureichende Dokumentation der eingesetzten ITKomponenten kann sowohl im Auswahl- und Entscheidungsprozeß für ein Produkt, als auch bei einem Schadensfall im Wirkbetrieb erhebliche Auswirkungen haben. Bei einer unzureichenden Dokumentation kann sich im Schadensfall, beispielsweise durch den Ausfall von Hardware bzw. Fehlfunktionen von Programmen, die Fehlerdiagnose und -behebung erheblich verzögern oder völlig undurchführbar sein. Beispiele: - Wenn von einem Programm Arbeitsergebnisse in temporären Dateien zwischengespeichert werden, ohne daß dies ausreichend dokumentiert ist, kann dies dazu führen, daß die temporären Dateien nicht angemessen geschützt und vertrauliche Informationen offengelegt werden. Durch fehlenden Zugriffsschutz auf diese Dateien oder eine nicht korrekte physikalische Löschung der nur temporär genutzten Bereiche können Informationen Unbefugten zugänglich werden. - Bei Installation eines neuen Softwareproduktes werden bestehende Konfigurationen abgeändert. Andere, bislang fehlerfrei laufende Programme sind danach falsch parametrisiert und stürzen ggf. ab. Durch eine detaillierte Dokumentation der Veränderung bei der Installation von Software ließe sich der Fehler schnell lokalisieren und beheben. _____________________________________________________________________ .......................................... 27 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.28 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.28 Verstöße gegen das Urheberrecht Der Einsatz nichtlizenzierter Software kann einen Verstoß gegen das Urheberrecht darstellen und sowohl zu zivil- als auch strafrechtlichen Konsequenzen führen. Behörden und Unternehmen, in denen Raubkopien zum Einsatz kommen, können im Rahmen des Organisationsverschuldens, unabhängig von der Schuldform (Vorsatz oder Fahrlässigkeit) vom Urheberrechtseigentümer schadensersatzpflichtig gemacht werden. Beispiel: In einem Unternehmen wurde eine große Anzahl Benutzeroberflächen eingesetzt, ohne daß die hierfür erforderlichen Lizenzen erworben wurden. Die Kosten für die erforderliche Nachlizenzierung sowie den Schadensersatz an den Urheberrechtseigentümer beliefen sich auf ein Vielfaches der Lizenzgebühren. _____________________________________________________________________ .......................................... 28 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.29 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.29 Softwaretest mit Produktionsdaten Vielfach ist zu beobachten, daß Softwaretests mit Produktionsdaten vollzogen werden. Als wesentliche Gründe werden hierfür angeführt, daß nur im direkten Vergleich mit vorhandenen Arbeitsergebnissen eine abschließende Beurteilung über die Funktion und Performance des Produktes möglich ist. Darüber hinaus sind mangelndes Sicherheitsbewußtsein, überzogenes Vertrauen in die zu testende Software und Unkenntnis über mögliche schädliche Auswirkungen ursächlich für diese Vorgehensweise. Beim Test mit Produktionsdaten kann es zu folgenden Problemen kommen: - Software wird mit Kopien Testumgebung getestet: von Produktionsdaten in isolierter Wenn neue Software mit nicht anonymisierten Daten getestet wird, erhalten evtl. nicht befugte Mitarbeiter, bzw. Dritte, die mit dem Softwaretest beauftragt worden sind, hierbei Einblick in Dateien mit evtl. vertraulichen Informationen. - Software wird mit Produktionsdaten im Wirkbetrieb getestet: Fehlfunktionen von Software während des Testens können über den oben geschilderten Fall hinaus beispielsweise dazu führen, daß neben der Vertraulichkeit der Produktionsdaten auch deren Integrität und Verfügbarkeit beeinträchtigt werden. Aufgrund der Inkompatibilität unterschiedlicher Programme können Seiteneffekte auftreten, die bei anderen Systemkomponenten zu nachhaltigen Beeinträchtigungen führen können. Bei vernetzten Systemen kann das von Performanceverlusten bis hin zum Systemabsturz des Netzes reichen. Durch fehlerhaftes Verhalten der zu testenden Software oder Bedienfehler können Produktionsdaten ungewollt verändert werden. Möglicherweise wird diese Veränderung nicht festgestellt. Da Datenbestände, um unnötige Redundanz zu vermeiden, zunehmend durch unterschiedliche Programme gemeinsam genutzt werden, können sich diese Fehler auch auf andere ITAnwendungen auswirken. Im Schadensfall ist nicht nur der Aufwand für die Rekonstruktion der Daten notwendig, darüber hinaus müssen bereits erstellte Arbeitsergebnisse auf ihre Integrität überprüft werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 29 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.30 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.30 Unzureichende Domänenplanung Eine unzureichende Planung der Domänen und ihrer Vertrauensbeziehungen in einem Windows NT Netz kann dazu führen, daß Vertrauensbeziehungen zu Domänen bestehen, die nicht als vertrauenswürdig zu betrachten sind. Damit ist es Benutzern der betreffenden Domänen unter Umständen möglich, auf Ressourcen der vertrauenden Domäne zuzugreifen, ohne daß dies dort beabsichtigt ist oder auch nur erkannt wird. Dies kann insbesondere dann geschehen, wenn die Zugriffsrechte der vertrauenden Domäne in der Annahme, daß keine andere Domäne auf die lokalen Ressourcen zugreift, relativ weitgehend festgesetzt wurden. Umgekehrt können fehlende Vertrauensbeziehungen zwischen Domänen dazu führen, daß sich Benutzer unnötigerweise explizit bei fremden Domänen authentisieren müssen, was bei mangelnder Koordination der Paßwörter zwischen diesen Domänen zu Verwirrung führt. Der Benutzer muß sich dann eine Vielzahl von Paßwörtern merken, was zu einer Beeinträchtigung der Sicherheit führen kann, wenn er sich die Paßwörter aufschreibt. _____________________________________________________________________ .......................................... 30 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.31 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.31 Unzureichender Schutz des Windows NT Systems Windows NT wird mit sehr weitgehenden Zugriffsrechten auf das Dateisystem und auf die Registrierung ausgeliefert. Wenn diese Zugriffsrechte nicht nach der Installation entsprechend den lokalen Sicherheitsanforderungen strikter eingestellt werden, besitzt effektiv jeder Benutzer Zugriff auf alle Dateien und auf die gesamte Registrierung, d.h. der Zugriffsschutz ist de facto ausgeschaltet. Weiterhin ist Windows NT nicht in der Lage, den Zugriff auf Disketten- und CD-ROM-Laufwerke sowie auf Bänder zu kontrollieren, so daß hier eine Möglichkeit zu unzulässigem Datenimport und -export besteht, wenn nicht durch zusätzliche Maßnahmen der Zugriff auf diese Datenträger eingeschränkt oder zumindest auf organisatorischer Ebene kontrolliert wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 31 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.32 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.32 Unzureichende Leitungskapazitäten Bei der Planung von Netzen wird oft der Fehler begangen, die Kapazitätsauslegung ausschließlich am aktuellen Bedarf vorzunehmen. Dabei wird übersehen, daß die Kapazitätsanforderungen an das Netz stetig steigen, z. B. wenn neue IT-Systeme in das Netz integriert werden oder das übertragene Datenvolumen zunimmt. Wenn die Kapazität des Netzes nicht mehr ausreicht, wird die Übertragungsgeschwindigkeit und ggf. auch die Erreichbarkeit im Netz für alle Benutzer stark eingeschränkt. Beispielsweise werden Dateizugriffe auf entfernten ITSystemen erheblich verzögert, wenn gleichzeitig das Netz von anderen Benutzern stark in Anspruch genommen wird, wie durch das Verschieben von großen Dateien von einem IT-System zum anderen. Beispiel: Eine verteilte Organisation baut für die Datenkommunikation ein Netz über ISDN-So-Verbindungen auf. Nach Einführung eines graphisch orientierten, firmeneigenen Intranet kommt die Datenkommunikation fast zum Stillstand. Erst das Umstellen auf S2M-Übertragungswege schafft die nötige Übertragungskapazität. _____________________________________________________________________ .......................................... 32 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.33 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.33 Nicht gesicherter Aufstellungsort von Novell Netware Servern Die Aufstellung von Novell Netware Servern in einer nicht gesicherten Umgebung (z. B. Flure, nicht verschlossene Serverräume) stellt eine erhebliche Gefährdung für die IT-Sicherheit dar. Direkte Eingaben an der Server-Konsole bzw. das Laden von NLMs (Netware Loadable Modules) am Server können dazu führen, daß die installierten Sicherheitsmechanismen außer Kraft gesetzt werden, ohne daß dieser Umstand dem Administrationspersonal bzw. dem IT-Sicherheitsmanagement bekannt wird. Beispiel: Durch das Laden spezieller NLMs ist es möglich, einen Supervisor-äquivalenten Benutzer zu generieren bzw. einen existierenden Benutzer mit Supervisoräquivalenten Rechten zu versehen. _____________________________________________________________________ .......................................... 33 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.34 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.34 Fehlende oder unzureichende Aktivierung von Novell Netware Sicherheitsmechanismen Das Netzbetriebssystem Novell Netware verfügt über eine Sammlung an Sicherheitsmechanismen, die den unerlaubten Zugriff auf Dateien des Servers abwehren. Diese Sicherheitsmechanismen werden jedoch nicht automatisch aktiviert, sondern müssen durch die Systemadministration nach dem erstmaligen Start des Servers eingerichtet werden. Werden die Sicherheitsmechanismen eines Novell Netware Servers nicht oder nur unzureichend installiert, so kann der unerlaubte Zugriff auf schützenswerte Dateien entscheidend erleichtert werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 34 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.35 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.35 Fehlende Protokollierung unter Windows 95 Auf einem nicht vernetzten Windows 95-Rechner gibt es keine Möglichkeit, die Aktivitäten eines oder mehrerer Benutzer benutzerspezifisch zu protokollieren. Es ist daher nicht festzustellen, ob Sicherheitsverletzungen im IT-System stattgefunden haben oder ob ein solcher Versuch unternommen wurde. Hinweis: Der Inhalt dieser Gefährdung wurde in G 2.22 Fehlende Auswertung von Protokolldaten integriert und wird in der Version 1999 des ITGrundschutzhandbuches in keinem Baustein mehr benutzt. _____________________________________________________________________ .......................................... 35 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.36 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.36 Ungeeignete Einschränkung der Benutzerumgebung Verschiedene Betriebssysteme (z. B. Windows 95, Windows NT) und PCSicherheitsprodukte bieten die Möglichkeit, die Benutzerumgebung individuell für jeden Benutzer einzuschränken. Dabei bestehen prinzipiell zwei Möglichkeiten: 1. Bestimmte Funktionalitäten werden erlaubt, alle anderen sind verboten. 2. Bestimmte Funktionalitäten werden verboten, alle anderen sind erlaubt. In beiden Fällen besteht die Möglichkeit, den Benutzer derart einzuschränken, daß dieser wesentliche Funktionen nicht mehr ausführen kann oder daß sogar ein sinnvolles und effizientes Arbeiten mit dem PC nicht mehr möglich ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 36 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.37 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.37 Unkontrollierter Aufbau von Kommunikationsverbindungen Beim Einsatz von Kommunikationskarten innerhalb eines IT-Systems (Fax-, Modem- oder ISDN-Karten) ist für den Benutzer nicht immer offensichtlich, was außer seinen Nutz- und Protokollinformationen zusätzlich übertragen wird. Nach Aktivierung einer Kommunikationskarte ist es grundsätzlich möglich, daß diese, ohne Initiierung durch den Benutzer, Verbindungen zu einer nicht gewünschten Gegenstelle aufbaut oder durch Dritte über dem Benutzer nicht bekannte Remote-Funktionalitäten angesprochen wird. Beispiele: - Bei der erstmaligen Konfiguration einer Faxkarte wurde der Benutzer vom Installationsprogramm nach der Landesvorwahl von Schweden gefragt. Zu vermuten ist, daß der Kartenhersteller über den Einsatz seines Produkts, evtl. aus Gründen des Produkt-Marketings, informiert werden wollte. - Eine große Anzahl von Modemkarten unterstützt den ferngesteuerten Zugriff auf IT-Systeme. Zwar lassen sich diese Zugriffe über teilweise sogar auf den Karten integrierte Mechanismen (Callback-Option und Rufnummernauthentisierung) absichern, voreingestellt ist dies jedoch nicht. Ein so konfiguriertes IT-System läßt sich von außen über die Modemkarte vollständig manipulieren. _____________________________________________________________________ .......................................... 37 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.38 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.38 Fehlende oder unzureichende Aktivierung von Datenbank-Sicherheitsmechanismen Jede Datenbank-Standardsoftware stellt in der Regel eine Reihe von Sicherheitsmechanismen bereit, mittels derer die Daten vor unberechtigtem Zugriff o. ä. geschützt werden können. Sie sind jedoch nicht unbedingt automatisch aktiv, sondern müssen vom Datenbank-Administrator meistens manuell eingeschaltet werden. Wird davon kein Gebrauch gemacht, so kann weder die Vertraulichkeit noch die Integrität der Daten gewährleistet werden. In diesem Fall ist es dann meistens nicht möglich, solche Schutzverletzungen zu erkennen und zu protokollieren. Der Verlust bzw. die Manipulation von Daten bis hin zur Zerstörung der Datenbank selbst kann die Folge sein. Beispiel: Bei der Datenbank MS Access ist die Aktivierung des Paßwortschutzes optional. Hierdurch kann es auf einfache Weise zu einem unberechtigten Zugang zum Datenbanksystem und damit auch zu einem unberechtigten Zugriff auf die dort gespeicherten Daten kommen. Eine Kontrolle der Datenbanknutzung ist in diesem Fall nicht möglich. _____________________________________________________________________ .......................................... 38 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.39 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.39 Komplexität eines DBMS Die Auswahl und der Einsatz einer Datenbank-Standardsoftware erfordert sorgfältige Planung, Installation und Konfiguration des Datenbank-Managementsystems (DBMS), um einen störungsfreien Einsatz zu gewährleisten. Die Vielzahl möglicher Gefährdungen sollen durch die nachfolgenden Beispiele verdeutlicht werden. Auswahl einer ungeeigneten Datenbank-Standardsoftware - Es wird ein DBMS ausgewählt, welches in der geplanten Einsatzumgebung nicht lauffähig ist. Dies kann daraus resultieren, daß das DBMS an ein bestimmtes Betriebssystem gebunden ist oder die Mindestanforderungen an die Hardware nicht erfüllt werden. - Das ausgewählte DBMS stellt ein Sicherheitsrisiko dar, weil die vom Hersteller zur Verfügung gestellten Sicherheitsmechanismen nicht ausreichen, um die geforderte Verfügbarkeit, Integrität und Vertraulichkeit der Daten zu gewährleisten. Fehlerhafte Installation Standardsoftware bzw. Konfiguration der Datenbank- - Es können sich weitere Gefährdungen ergeben, wenn die vom Hersteller empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen falsch oder gar nicht durchgeführt werden. Beispiel: Die Kontrolldateien eines Datenbanksystems werden nicht gespiegelt bzw. die gespiegelte Kontrolldatei wird nicht auf einer anderen Festplatte abgelegt. Ein Plattencrash führt dabei unweigerlich zur Zerstörung der Datenbank. - Die physischeVerteilung der Daten ist unzureichend (falls das DBMS eine physikalische Verteilung vorsieht). Beispiel: In einer Oracle-Datenbank gibt es eine maximal zulässige Anzahl Dateien pro Tablespace. Werden nun alle Daten im System-Tablespace verwaltet, so können keine Dateien mehr hinzugefügt werden, wenn diese maximale Anzahl erreicht ist. Da im System-Tablespace auch das Data Dictionary abgelegt ist, kann dieses Problem nur über eine komplette NeuInstallation der Datenbank behoben werden. - Durch falsche Parametereinstellungen kann der Zugriff auf bestimmte Daten verhindert werden. Beispiel: Durch eine falsche Ländereinstellung in einer DatenbankSoftware kann die Darstellung von Umlauten unmöglich gemacht werden. Fehlerhafte Konzeption der Datenbank - Fehlende Relationen zwischen einzelnen Tabellen können zu einem Verlust der Datenkonsistenz bzw. der Datenbankintegrität führen. - Werden anwendungsspezifische Daten nicht physikalisch voneinander getrennt gespeichert, kann ein Ausfall einer einzigen Festplatte zu einem Komplettausfall aller Anwendungen führen. _____________________________________________________________________ .......................................... 39 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.39 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Werden keine Datenbanktrigger oder Stored Procedures eingesetzt, kann es zu Inkonsistenzen der Daten kommen, wenn die Anwendung dies nicht selbst berücksichtigt. - Durch eine mangelhafte Konzeption des Einsatzes von Datenbanktriggern und Stored Procedures kann es zu einem Verlust der Datenintegrität oder unkontrollierten Datenmanipulationen kommen. _____________________________________________________________________ .......................................... 40 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.40 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.40 Komplexität des Datenbankzugangs/-zugriffs Die Benutzer greifen über ein Datenbankmanagementsystem (DBMS) auf eine oder mehrere Datenbanken zu. Dabei können sie dies direkt tun oder aber von einer Anwendung aus. Um die Integrität einer Datenbank zu gewährleisten, müssen alle Datenbankzugriffe von einer zentralen Stelle aus kontrolliert werden. Aufgrund der Komplexität solcher Zugriffe können die folgenden Probleme entstehen. Fehlerhafte Konzeption der Benutzerumgebung - Ist der Berechtigungsumfang für die Benutzer zu restriktiv definiert, kann dies dazu führen, daß sie bestimmte Arbeiten nicht durchführen können. - Ist der Berechtigungsumfang für die Benutzer dagegen zu umfangreich, kann dies dazu führen, daß Daten unberechtigt manipuliert bzw. eingesehen werden können. Dadurch werden die Integrität und Vertraulichkeit der Datenbank verletzt. - Wird es den Benutzern erlaubt, direkt auf die Datenbank zuzugreifen (im Gegensatz zum Zugriff aus einer Anwendung heraus), so besteht das Risiko des Integritätsverlustes der Datenbank durch Datenmanipulationen, deren Auswirkungen die Benutzer nicht abschätzen können. - Werden Datenbankobjekte von den darauf zugreifenden Anwendungen nicht explizit durch ein entsprechendes Berechtigungs- und Zugriffskonzept geschützt, so besteht das Risiko, daß die Datenbankobjekte selbst manipuliert werden (Manipulation von Feldern einer Tabelle, Manipulation von Tabellen-Indizes etc.). Dies kann zur Zerstörung der Datenbank führen. Remote-Zugriff auf Datenbanken - Wird die Datenbank in einem Netz zur Verfügung gestellt, so können durch mangelnde Sicherheitsvorkehrungen im Bereich des RemoteZugriffs auf die Datenbank sowohl Daten manipuliert als auch unberechtigt eingesehen werden. Auch dies verletzt die Integrität und Vertraulichkeit der Datenbank. Datenbankabfragen - Die Menge aller möglichen Datenbankabfragen muß für jeden Benutzer eingeschränkt sein bzw. bestimmte Abfragen müssen explizit verboten werden. Ist dies nicht der Fall, kann dies (insbesondere bei statistischen Datenbanken) zum Verlust der Vertraulichkeit schutzbedürftiger Daten führen. - Werden Datenbankabfragen innerhalb einer Anwendung nicht gemäß des SQL-Standards formuliert, so kann dies dazu führen, daß sie vom DBMS nicht bearbeitet werden können und zurückgewiesen werden (insbesondere beim Einsatz von DBMS'en verschiedener Hersteller). - Bei der Verwendung von nicht exakt formulierten Datenbankabfragen kann dies dazu führen, daß durch eine Änderung der Datenbankobjekte die Datenbankabfrage plötzlich falsche oder unerwartete Ergebnisse liefert. _____________________________________________________________________ .......................................... 41 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.40 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Beispiel: Die Abfrage "SELECT * FROM Tabelle" liefert alle Attribute bzw. Felder eines Tupels bzw. Datensatzes. Wird nun ein Feld in der Tabelle hinzugefügt oder gelöscht, so hat dies u. U. fatale Auswirkungen auf eine Anwendung, in der eine solche Datenbankabfrage benutzt wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 42 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.41 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.41 Mangelhafte Organisation des Wechsels von Datenbank-Benutzern Teilen sich mehrere Benutzer einer Datenbank den gleichen Arbeitsplatz, so besteht die Gefahr von ungewollten oder gezielten Datenmanipulationen, wenn der Wechsel zwischen den Benutzern nicht organisiert ist bzw. der Wechsel nicht ordnungsgemäß durchgeführt wird. Auch ist dann die Vertraulichkeit der Daten nicht mehr gewährleistet. Beispiel: Wird eine Anwendung, die auf eine Datenbank zugreift, vor einem Benutzerwechsel nicht ordnungsgemäß verlassen, so führen die unterschiedlichen Berechtigungsprofile der betroffenen Benutzer zu den o. g. Gefährdungen. Auch wird dabei der Protokollmechanismus der Datenbank unterlaufen, da dieser die Datenmodifikationen und Aktivitäten der aktiven Benutzerkennung festhält. Diese Kennung stimmt aber in einem solchen Fall nicht mit dem tatsächlichen Benutzer überein. _____________________________________________________________________ .......................................... 43 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.42 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.42 Komplexität der NDS Die Netware Verzeichnisdienste NDS (Netware Directory Services) ermöglichen das Einrichten einer gemeinsamen, dezentralen Verzeichnisdatenbank aller logischen und physischen Ressourcen in einem Netz. Jede Netzressource wird durch einen eindeutigen Eintrag in dieser Datenbank repräsentiert, wobei es keine Rolle spielt, wo sich die Ressourcen tatsächlich befinden. Der Zugang zum Netz bzw. der Zugriff auf eine Netzressource erfolgt dabei, anders als bei Novell Netware 3.x, nicht über einen bestimmten Netware 4.x Server, sondern über den Verzeichnisdienst des Novell Netzes (siehe M 2.151 Entwurf eines NDS-Konzeptes). Die NDS ist die zentrale Komponente der Ressourcenverwaltung von Novell Netware 4.x und die Anforderungen an deren korrekte Funktionsweise sind entsprechend hoch. Aufgrund der komplexen Administrationsmöglichkeiten kann es zum Verlust der Verfügbarkeit, Vertraulichkeit sowie Integrität und dabei beispielswiese zu folgenden konkreten Gefährdungen kommen: - Der Zugang eines Benutzers zum Netz erfolgt über die Authentisierung gegenüber der NDS. Diese Anmeldung findet am nächstgelegenen Netware 4-Server statt, der die Master-Partition des Verzeichnisbaums oder eine Kopie davon gespeichert hat. Existieren zu wenige Kopien im Netz, müssen sich alle Benutzer an den gleichen Servern beglaubigen. Jeder Anmeldevorgang bedeutet zusätzliche Serverbelastung und zusätzliche Netzlast. Dies kann zu längeren Wartezeiten bei der Anmeldung führen sowie die Verfügbarkeit beeinträchtigen. Werden keine Kopien der Master-Partition auf weiteren Netware 4-Servern angelegt, ist eine Anmeldung am Netz bei einem Fehler in der NDS-Datenbank nicht mehr möglich. - Werden beim Entwurf des Verzeichnisbaumes zu viele Organisationen und Unterorganisationen ineinander verschachtelt, erhöht sich der Administrationsaufwand erheblich. Außerdem wird dann das Auffinden von Netzressourcen für die Administratoren und die Benutzer unübersichtlich. - Wenn in einem WAN-Verbund nicht an jedem Standort eine Reproduktion der zugehörigen Partitions des Standortes gespeichert wird, ist eine Anmeldung am Netz bei einem Ausfall des WANs für die betroffenen Standorte nicht mehr möglich. - Werden zuviele Reproduktionen einer Partition in einem WAN-Verbund eingerichtet, entsteht sehr hoher Netzverkehr im WAN, da bei jeder Anmeldung das Anmeldedatum des Benutzers in allen Reproduktionen geändert werden muß. - In den verschiedenen Versionen und Patchleveln von Novell Netware Version 4 kann auch das Modul DS.NLM verschiedene Versionen aufweisen. Diese Information wird jedoch von den Netware 4-Servern genutzt, um Änderungswünsche an der NDS-Datenbank zu filtern. Dies kann u. U. dazu führen, daß sich die Netware 4-Server untereinander nicht über die Änderungen an der NDS informieren können, so daß es dort zu Inkonsistenzen kommt. _____________________________________________________________________ .......................................... 44 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.43 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.43 Migration von Novell Netware 3.x nach Novell Netware Version 4 Sind in einem Netz sowohl Netware 3.x als auch Netware 4.x Server vorhanden, so können prinzipiell zwei Szenarien unterschieden werden: - die Netware 3.x Server wurden migriert und damit in die NDS integriert - Netware 3.x und Netware 4.x Server arbeiten im Parallelbetrieb In diesem Zusammenhang sind die folgenden konkreten Gefährdungen zu beachten: - Bei einer Migration eines Netware 3.x Servers wird ein Großteil seiner NLMs ersetzt, so daß er vom Netware-Administrator über einen Netware 4.x Server kontrolliert werden kann. Ein solcher migrierter Netware 3.x Server kann ohne aufwendige Maßnahmen nicht mehr von seinem zuständigen Netware 4.x Server getrennt werden, um wieder als eigenständiger Netware 3.x Server im Netz fungieren zu können. - Wird nach der Migration eines Netware 3.x Servers keine Bindery Emulation auf dem Netware 4.x Server aktiviert, können sich Benutzer mit der alten Client-Software nicht mehr am Netware 4 Netz anmelden. - Werden die Netware 3.x Server getrennt als eigenständiges Netz betrieben, entsteht ein sehr hoher administrativer Aufwand, da dann die Benutzer weiterhin an allen Netware 3.x Servern einzeln und zusätzlich in der NDS verwaltet werden müssen. _____________________________________________________________________ .......................................... 45 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.44 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.44 Inkompatible aktive und passive Netzkomponenten Durch inkompatible aktive Netzkomponenten können Probleme verursacht werden, die im Umfeld nicht oder noch nicht vollständig standardisierter Kommunikationsverfahren auftreten, wie z. B. ATM oder Tag-Switching. Um das betreffende Kommunikationsverfahren nutzen zu können, sind die Hersteller aufgrund der fehlenden oder nur teilweise vorhandenen Standards gezwungen, proprietäre Implementierungen einzusetzen. Inkompatibilitätsprobleme dieser Art können entstehen, wenn bestehende Netze um aktive Netzkomponenten anderer Hersteller ergänzt werden oder wenn Netze mit Netzkomponenten unterschiedlicher Hersteller aufgebaut werden. Werden aktive Netzkomponenten mit unterschiedlichen Implementierungen des gleichen Kommunikationsverfahrens gemeinsam in einem Netz betrieben, kann es zu einem Verlust der Verfügbarkeit des gesamten Netzes, von einzelnen Teilbereichen oder bestimmter Dienste kommen. Zwei Fälle können je nach Art der Inkompatibilität unterschieden werden: - Durch nicht interoperable Implementierungen eines Kommunikationsverfahrens kann über die zugehörigen Komponenten hinweg keine Kommunikation erfolgen. Beispiel: ATM-Komponenten können unterschiedliche Signalisierungsprotokolle verwenden, z. B. gemäß UNI (User Network Interface) Version 3.0 und UNI Version 3.1, die nicht interoperabel zueinander sind. - Auch auf aktiven Netzkomponenten, die prinzipiell interoperabel sind, können spezifische Dienste unterschiedlich implementiert sein. Dies hat zur Folge, daß die betreffenden Dienste nicht oder nicht netzweit zur Verfügung stehen, obwohl eine Kommunikation über diese Komponenten hinweg möglich ist. Beispiel: Es existieren proprietäre Implementierungen redundanter LAN Emulation Server für ATM-Netze. Besteht ein ATM-Netz z. B. aus zwei ATM-Switches, von denen ein Switch über eine solche proprietäre Implementierung verfügt und der andere nicht, kann zwar eine Kommunikation via LANE (LAN Emulation) erfolgen, der proprietär implementierte Dienst jedoch nicht genutzt werden. Aber auch die Kombination von inkompatiblen passiven Netzkomponenten kann die Verfügbarkeit eines Netzes gefährden. So existieren für TwistedPair-Kabel Ausführungen in 100 und 150 Ohm, die nicht ohne einen entsprechenden Umsetzer zusammen verwendet werden dürfen. Eine ungeeignete Kombination von aktiven und passiven Netzkomponenten kann die Verfügbarkeit ebenfalls beeinträchtigen, wenn beispielsweise ein Netzzugangsprotokoll auf einem nicht hierfür definierten Medium betrieben wird. Beispielsweise läßt sich ATM nicht über ein 50 Ohm Koaxialkabel betreiben. _____________________________________________________________________ .......................................... 46 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.45 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.45 Konzeptionelle Schwächen des Netzes Die Planung des Auf- und Ausbaus eines Netzes ist ein kritischer Erfolgsfaktor für den Netzbetrieb. Insbesondere bei den immer kürzer werdenden Innovationszyklen in der IT können sich Netze, die auf Grund ihrer Konzeption nicht neuen Erfordernissen angepaßt werden können, schnell zu einem Engpaß entwickeln: - Abhängig von einer Anforderungsermittlung von Netzteilnehmern (z. B. Arbeitsgruppen) an die Vertraulichkeit der Daten und die Integrität des Netzes muß das Netz entsprechend konzipiert worden sein. Ansonsten können vertrauliche Daten einer Arbeitsgruppe von anderen, hierzu unbefugten Netzteilnehmern mitgelesen werden. Unter diesem Aspekt kann die Vertraulichkeit auch durch den Umzug von Arbeitsgruppenteilnehmern oder der ganzen Arbeitsgruppe verloren gehen, wenn es nicht möglich ist, im Netz neue vertrauliche Bereiche einzurichten bzw. zu ändern. Diese Gefährdung betrifft analog die Integrität des Netzes bzw. die Integrität von Netzsegmenten. Beispiel: Für eine Arbeitsgruppe mit besonderen Anforderungen an Vertraulichkeit und Integrität ihrer Daten wurde ein eigenes Teilnetz eingerichtet, welches durch einen Router abgetrennt ist. Dieses Segment ist durch die Kabelführung auf ein Gebäude beschränkt. Nach einem Umzug mehrerer Mitglieder dieser Arbeitsgruppe in andere Gebäude müssen diese über das normale Produktivnetz miteinander kommunizieren. Die Vertraulichkeit und auch die Integrität der Daten kann nicht mehr gewährleistet werden. - Werden neue Anwendungen mit einem höheren als zum Planungszeitpunkt berücksichtigten Bandbreitenbedarf auf dem Netz betrieben, kann dies schnell zu einem Verlust der Verfügbarkeit des gesamten Netzes führen, wenn die Netzinfrastruktur in Folge konzeptioneller Schwächen nicht mehr ausreichend skaliert werden kann (Verlust der Verfügbarkeit durch Überlastung). Abhängig von der gewählten Segmentierung des Netzes kann der Verlust der Verfügbarkeit auch nur einzelne Segment des Netzes betreffen. Beispiel: In den heute noch häufig vorzufindenden, bedarfsorientiert gewachsenen Netzen, sind aus historischen Gründen vielfach BackboneSegmente mit niedriger maximaler Bandbreite, wie z. B. Token-Ring- oder Ethernet-Segmente, vorhanden. Durch diese Beschränkung der Geschwindigkeit im Backbone-Bereich ist bei hoher zusätzlicher Last die Verfügbarkeit des gesamten Netzes betroffen. - Netze, die ausschließlich zum Anschluß proprietärer Systeme geeignet sind, können ebenfalls einen Verlust der Verfügbarkeit bedingen, wenn hierfür ungeeignete Systeme an das Netz angeschaltet werden (Verlust der Verfügbarkeit durch nicht interoperable Netzkomponenten). Beispiel: Nicht systemneutrale Netze sind vorrangig im Großrechnerumfeld zur Vernetzung der Großrechner mit den zugehörigen Terminals anzutreffen. Häufig sind dies Netze, die für den Terminal- oder Druckerbetrieb installiert wurden und nicht für den Betrieb von anderen Architekturen (z. B. Ethernet) geeignet sind. Dies betrifft sowohl die _____________________________________________________________________ .......................................... 47 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.45 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... eingesetzte Verkabelung als auch die aktiven Netzkomponenten. Wird dennoch versucht, wird das proprietäre Netz im allgemeinen nicht mehr verfügbar sein. Eine Möglichkeit zur Integration zweier Architekturen kann u. U. die Kopplung über ein Gateway darstellen. - Beim Einsatz von aktiven Netzkomponenten, die nicht für den Einsatz bestimmter Protokolle vorgesehen sind, können ggf. zusätzlich erforderliche Dienste oder Protokolle nicht verwendet werden. Beispiel: In einem Netz, welches ausschließlich mit aktiven Netzkomponenten aufgebaut ist, die nur IP-Routing oder IP-Switching unterstützen, kann kein Novell Netware-Netzbetriebssystem auf der Basis von SPX/IPX betrieben werden. - Beim Einsatz von passiven Netzkomponenten, die eine Einschränkung der auf ihnen zu betreibenden Netzzugangsprotokollen mit sich bringen, kann das Netz in Zukunft u. U. nicht mehr skaliert werden. Beispiel: In einem Netz, welches ausschließlich mit 50 Ohm Koaxialkabel aufgebaut ist, kann kein ATM benutzt werden. An Netzen, die mit 150 Ohm Twisted-Pair-Kabeln aufgebaut sind, können keine 100 Ohm Ethernet-Komponenten betrieben werden. Die Folge der o. a., zum Teil historisch bedingten konzeptionellen Schwächen, sind kostenintensive Veränderungen der Netzinfrastruktur. Netze können zwar anwendungs-, system- und dienstneutral ausgeführt sein, aber durch eine sehr heterogene Komponentenlandschaft einen Betreuungsaufwand erfordern, der durch das Betriebspersonal nicht mehr geleistet werden kann. Dies kann zu einem Verlust der Verfügbarkeit des Netzes führen, wenn Störungen oder Ausfälle passiver oder aktiver Netzkomponenten aufgrund mangelnder personeller Ressourcen nicht mehr schnell genug beseitigt werden können. _____________________________________________________________________ .......................................... 48 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.46 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.46 Überschreiten der zulässigen Kabel- bzw. Buslänge oder der Ringgröße Je nach Kabeltyp, Topologie und Übertragungsverfahren sehen die betreffenden Standards maximale Kabel- bzw. Buslängen sowie maximale Ringgrößen vor, um die Funktionsfähigkeit des Netzes im Sinne dieses Standards zu garantieren. Überhöhte Kabellängen wie auch überhöhte Busoder Ringlängen verlängern die Signallaufzeiten über das für das betreffende Übertragungsverfahren vorgesehene Maß hinaus, so daß die Verfügbarkeit des jeweiligen Netzsegments oder die Kommunikationsbandbreite herabgesetzt wird. Die auftretenden Phänomene sind vom Zugriffsverfahren abhängig: - Bei Netzsegmenten, auf denen das Zugriffsverfahren CSMA/CD (Carrier Sense Multiple Access/Collision Detection) verwendet wird, greifen alle Endgeräte gleichberechtigt zu, obwohl das Medium jeweils nur exklusiv durch ein Endgerät genutzt werden kann. Hierzu prüft jedes Endgerät zunächst, ob das Medium für die Benutzung zur Verfügung steht (Carrier Sense). Ist dies der Fall, beginnt das betreffende Endgerät mit der Übertragung. Geschieht dies durch mehrere Endgeräte gleichzeitig (Multiple Access), kommt es zu einer Kollision, die von den sendenden Endgeräten erkannt wird (Collision Detection) und zu einer erneuten Prüfung des Mediums mit anschließender Wiederholung der Übertragung führt. Wird die maximal definierte Signallaufzeit auf dem Medium überschritten, können Kollisionen ggf. im vorgesehenen Zeitintervall (Collision Detection) nicht erkannt werden. Dies bedeutet, daß ein Endgerät bereits begonnen hat, Daten zu übertragen, während ein anderes Endgerät das Übertragungsmedium noch als frei betrachtet. In diesem Fall kommt es zu sogenannten späten Kollisionen, die das betreffende Datenpaket unbrauchbar machen und in Abhängigkeit der Länge des Datenpakets das Medium über Gebühr blockieren. Die nutzbare Übertragungsbandbreite auf dem Medium kann dadurch stark eingeschränkt werden. Einen Verlust von Informationen tritt in der Regel, trotz des Verlustes von einzelnen Datenpaketen, durch die Sicherung des Netzzugangsprotokolls nicht auf. Beispielsweise verwenden Ethernet oder Fast Ethernet das CSMA/CD Übertragungsverfahren. - Übertragungsverfahren, die auf dem Token-Passing-Verfahren basieren, verwenden ein spezielles Datenpaket (das sogenannte Token), um festzulegen, welches Endgerät das Medium belegen darf. Erhält ein Endgerät das Token, belegt es das Medium und gibt das Token in Abhängigkeit des implementierten Token-Passing-Verfahrens an das nächste Endgerät weiter. Hiermit ist gewährleistet, daß das Medium immer nur durch ein einziges Endgerät belegt wird. Wesentlich für Netzsegmente, auf denen ein Token-Passing-Verfahren betrieben wird, ist eine synchrone Datenübertragung mit konstanter Bitrate. Ist das Medium belegt, werden die betreffenden Zeitintervalle für die unterschiedlichen Bits für die Übertragung der Datenpakete genutzt, ist das Medium frei, werden die Zeitintervalle für die Weitergabe des Tokens _____________________________________________________________________ .......................................... 49 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.46 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... genutzt. Bei einer Überschreitung der maximal vorgesehenen Signallaufzeit kann die für das betreffende Übertragungsverfahren vorgesehene konstante Bitrate nicht mehr eingehalten werden, so daß die Kommunikation zum Erliegen kommt. Beispielsweise basieren Token Ring oder FDDI auf dem Token-Passing-Verfahren. Neben einer Verlängerung der Signallaufzeit erhöhen längere Kabel die Dämpfung. Bei Überschreitung der Kabellängen im Hinblick auf den betreffenden Standard kann die Dämpfung des Kabels so groß werden, daß die verschiedenen Signalpegel nicht mehr wie im Standard festgelegt voneinander unterschieden werden können. Die Kommunikation über die betreffenden Adern oder Glasfasern kann in diesem Fall nicht über die gesamte Länge sichergestellt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 50 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.47 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.47 Ungesicherter Akten- und Datenträgertransport Werden Dokumente, Datenträger oder Akten zwischen der Institution und anderen Stellen, zum Beispiel dem häuslichen Arbeitsplatz, transportiert, besteht die Gefahr, daß sie - auf dem Transportweg verloren gehen, - auf dem Transportweg entwendet werden, - auf dem Transportweg gelesen oder manipuliert werden und - an einen falschen Empfänger übergeben werden. Insbesondere wenn es sich um Unikate handelt, können Zerstörung, Vertraulichkeitsverlust oder Manipulation größere Schäden verursachen. _____________________________________________________________________ .......................................... 51 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.48 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.48 Ungeeignete Entsorgung der Datenträger und Dokumente am häuslichen Arbeitsplatz Sind am häuslichen Arbeitsplatz keine geeigneten Möglichkeiten vorhanden, um Datenträger und Dokumente geeignet zu entsorgen, können bei unsachgemäßer Entsorgung Informationen oder Restinformationen auf den Datenträgern von Dritten ausgelesen oder aus den Dokumenten extrahiert werden. Der entstehende Schaden richtet sich nach dem Wert der Informationen. _____________________________________________________________________ .......................................... 52 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.49 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.49 Fehlende oder unzureichende Schulung der Telearbeiter Telearbeiter sind am häuslichen Arbeitsplatz weitestgehend auf sich allein gestellt. Das bedeutet, daß sie sich besser mit der eingesetzten IT auskennen müssen als ihre Kollegen in der Institution, die meist kurzfristig auf ITSystemspezialisten vor Ort zurückgreifen können. Ist der Telearbeiter nicht ausreichend im Umgang mit der IT geschult, kann dies bei Problemen zu erhöhten Ausfallzeiten führen, da ggf. ein IT-Betreuer aus der Institution zum häuslichen Arbeitsplatz des Telearbeiters fahren muß, um dort die Probleme zu beseitigen. Beispiel: Der Telearbeiter sollte in der Lage sein, selbstständig Sicherungskopien seiner Daten herzustellen. Wird dem Telearbeiter ein zusätzliches Speichermedium (z. B. Bandlaufwerk) zur Verfügung gestellt, so muß er in den Gebrauch eines solchen eingewiesen werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 53 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.50 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.50 Verzögerungen durch temporär eingeschränkte Erreichbarkeit der Telearbeiter Üblicherweise hat ein Telearbeiter keine festen Arbeitszeiten am häuslichen Arbeitsplatz. Lediglich feste Zeiten der Erreichbarkeit werden vereinbart. Bei alternierender Telearbeit sind seine Arbeitszeiten zwischen häuslichem Arbeitsplatz und dem innerbetrieblichen Arbeitsplatz verteilt. Ergibt sich kurzfristig das Problem, daß Informationen vom Telearbeiter eingeholt oder Informationen an den Telearbeiter übergeben werden müssen, kann es aufgrund der schwierigen Erreichbarkeit zu Verzögerungen kommen. Selbst eine Übermittlung der Informationen über E-Mail verkürzt nicht notwendigerweise die Reaktionszeit, da nicht sichergestellt werden kann, daß der Telearbeiter die E-Mail zeitnah liest. _____________________________________________________________________ .......................................... 54 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.51 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.51 Mangelhafte Einbindung des Telearbeiters in den Informationsfluß Da Telearbeiter nicht täglich in der Institution sind, sondern überwiegend zu Hause arbeiten, haben sie weniger Gelegenheit, am direkten Informationsaustausch mit Vorgesetzten und Arbeitskollegen teilzuhaben. Es besteht die Gefahr, daß sie vom betrieblichen Geschehen abgeschnitten werden und sich dadurch auch die Identifizierung mit der Institution verringert. Darüber hinaus ist nicht auszuschließen, daß durch einen mangelhaften Informationsfluß für IT-Sicherheit notwendige Informationen nicht ausreichend oder nicht rechtzeitig den Telearbeiter erreichen. Beispielsweise kann die kurzfristige Weitergabe von Computer-Viren-Meldungen erschwert sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 55 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.52 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.52 Erhöhte Reaktionszeiten bei IT-Systemausfall Findet beim Telearbeiter zu Hause ein IT-Systemausfall statt, den er nicht selbständig beheben kann oder darf, so muß entweder ein IT-Systemverantwortlicher zu ihm nach Hause kommen oder das IT-System muß zu seiner Institution gebracht werden, damit es dort repariert werden kann. Dies nimmt einige Zeit in Anspruch, so daß der Telearbeiter mit erhöhten Ausfallzeiten rechnen muß. Gleiche Probleme entstehen bei Wartungsarbeiten oder bei der Neuinstallation von Komponenten oder Software. _____________________________________________________________________ .......................................... 56 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.53 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.53 Unzureichende Vertretungsregelungen für Telearbeit Die Aufgaben des Telearbeiters sind in der Regel so konzipiert, daß er weitestgehend selbständig arbeiten kann. Dies birgt die Gefahr in sich, daß es im Krankheitsfall schwierig ist, eine entsprechende Vertretung für den Telearbeiter bereitzustellen. Insbesondere kann es zu Problemen führen, die erforderlichen Unterlagen oder die Daten aus dem Telearbeitsrechner für den Vertreter bereitzustellen, wenn keine Zutrittsmöglichkeiten zum häuslichen Arbeitsplatz des Telearbeiters bestehen. _____________________________________________________________________ .......................................... 57 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.54 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.54 Vertraulichkeitsverlust durch Restinformationen Bei elektronischer Datenübermittlung oder Datenträgerweitergabe passiert es immer wieder, daß dabei auch Informationen weitergegeben werden, die die Institution nicht verlassen sollten. Als mögliche Ursachen für die unbeabsichtigte Weitergabe von Informationen lassen sich folgende Beispiele anführen: - Eine Datei enthält Textpassagen, die als "versteckt" oder "verborgen" formatiert sind. Solche Textpassagen können Bemerkungen enthalten, die nicht für den Empfänger bestimmt sind. - Dateien, die mit Standardsoftware wie Textverarbeitungsprogrammen oder Tabellenkalkulationen erstellt worden sind, können Zusatzinformationen über Verzeichnisstrukturen, Versionsstände, Bearbeiter, Kommentare, Bearbeitungszeit, letztes Druckdatum, Dokumentnamen und -beschreibungen enthalten. - Wird eine Datei auf eine Diskette kopiert, so wird der erforderliche physikalische Speicherbereich (Block) vollständig aufgefüllt. Benötigt das Original einen Block nicht vollständig, so wird dieser (nach dem End-OfFile Kennzeichen) mit beliebigen "Restinformationen" des IT-Systems aufgefüllt. - Sämtliche aktuelleren Winword-Versionen besitzen die Möglichkeit der Schnellspeicherung von erstellten Texten. Dies führt dazu, daß nur die Änderungen an einem Dokument gespeichert werden. Dieser Vorgang nimmt vergleichsweise weniger Zeit in Anspruch als ein vollständiger Speichervorgang, bei dem Winword das vollständige überarbeitete Dokument speichert. Ein vollständiger Speichervorgang erfordert jedoch weniger Festplattenspeicher als eine Schnellspeicherung. Der entscheidende Nachteil ist jedoch, daß bei einer Schnellspeicherung die Datei unter Umständen Textfragmente enthalten kann, die der Verfasser nicht weitergeben möchte. Beispiele: - Ein Benutzer entdeckte durch Benutzung eines anderen Editors per Zufall, daß die kurz vor der Versendung stehende Datei diverse URLs enthielt, inklusive Benutzername und Paßwort für einen WWW-Server. Mit URL (Uniform Resource Locator) wird die Adresse eines WWW-Dokuments bezeichnet. Der Zugriff auf die WWW-Seite kann paßwortgeschützt sein. - Eine Behörde hatte mit dem Programm Microsoft Powerpoint erstellte Präsentationen in Dateiform an Externe weitergegeben. Später stellte sich heraus, daß neben den Präsentationen auch Informationen über die Rechnerumgebung des Benutzers mitgeliefert worden waren, wie etwa darüber, welche Newsgruppen ein Benutzer abonniert hat und welche News er schon gelesen hat. Die Powerpoint-Datei enthielt u. a. folgende Einträge: de.alt.drogen! s21718 0 de.alt.dummschwatz! s125 0 _____________________________________________________________________ .......................................... 58 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.55 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.55 Ungeordnete E-Mail-Nutzung Bei ungeordneter Nutzung von E-Mails besteht die Gefahr, daß sensitive Daten Unbefugten zur Kenntnis gelangen oder das gewünschte Ziel nicht rechtzeitig erreichen. Beispiele: - Eine fehlerhafte Adressierung kann dazu führen, daß die E-Mail an einen unautorisierten Empfänger übersandt wird. Werden Verteilerlisten nicht gepflegt, können E-Mails Empfängern zugestellt werden, die von der Versendung hätten ausgeschlossen sein müssen. - Eine falsche Versandmethode kann zu Übertragungs- oder Empfangsproblemen führen. Wenn beispielsweise die Datei nicht mit uuencode in eine 7-Bit ASCII-Darstellung umgewandelt wurde, kann sie nach dem Empfang fehlerhaft konvertiert und damit nicht lesbar sein. Wenn die Datenmenge zu groß ist, kann eines der an der Übertragung beteiligten IT-Systeme die Weitergabe verweigern. - Fehlende oder mangelhafte organisatorische Regelungen beim Empfänger können zur Folge haben, daß eine empfangene E-Mail erst verspätet bearbeitet wird. - Fehlende oder mangelhafte organisatorische Regelungen beim Absender können zur Folge haben, daß ein terminlich zugesichertes Absenden der Daten nicht eingehalten werden kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 59 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.56 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.56 Mangelhafte Beschreibung von Dateien Werden beim elektronischen Dateiaustausch die übertragenen Dateien nicht gut genug beschrieben, so ist für den Empfänger oft nicht nachvollziehbar, wer diese übersandt hat, welche Informationen sie enthalten oder welchem Zweck sie dienen. Wenn mehrere E-Mails ein- und desselben Absenders eingehen, kann bei fehlender oder schlechter Kennzeichnung die Reihenfolge verwechselt werden. Beispiel: Absender A verschickt an die Empfängerin E eine E-Mail mit mehreren Dateien. Am nächsten Tag stellt A fest, daß eine Datei noch Fehler enthielt und verschickt eine korrigierte Version mit der Bitte, die vorhergehende E-Mail zu löschen. Nachdem E die alte E-Mail gelöscht hat, stellt sie fest, daß die aktuelle E-Mail nur die korrigierte Datei enthält. _____________________________________________________________________ .......................................... 60 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.57 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.57 Nicht ausreichende Speichermedien für den Notfall Wenn Daten nach ihrer Zerstörung wiederhergestellt werden müssen, ist es vielen Fällen notwendig, die gesicherten Daten zunächst auf getrennten Speichermedien wiedereinzuspielen. Dies ist insbesondere bei komplexeren Datenstrukturen wie z. B. bei Datenbanken notwendig, da die Wiederherstellung nicht immer reibungslos und fehlerfrei funktioniert. Wird die hierfür benötigte Speicherkapazität nicht für den Notfall vorgehalten, kann es durch übereiltes Handeln während des Notfalls zu weiteren Datenverlusten kommen. Beispiel: In einem Unternehmen mit einer großer Datenbank-Applikation wurde die Datenbank als inkonsistent vom Datenbankmanagementsystem (DBMS) gemeldet. Daraufhin nahm das Systemmanagement die Datenbank außer Betrieb und restaurierte den letzten gesicherten Datenbestand im Produktionssystem. Von der scheinbar korrupten Datenbank wurden nur Logund Konfigurationsdateien vorher gesichert. Durch diese Aktion gingen alle Datenänderungen seit der letzten Sicherung verloren, da aufgrund eines bis dahin unbekannten Fehlers im DBMS das Nachfahren der Änderungen nicht möglich war. Die Analyse der Log- und Konfigurationsdateien ergab dann, daß die Datenbank in Wirklichkeit gar nicht inkonsistent gewesen war. Hätte ausreichend Plattenplatz zur Verfügung gestanden, um die Rekonstruktion parallel durchzuführen, wäre das alte produktive System ohne Datenverlust nach Erkennung und Behebung der nur scheinbaren Inkonsistenz wieder einsatzbereit gewesen. _____________________________________________________________________ .......................................... 61 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.58 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.58 Novell Netware und die Datumsumstellung im Jahr 2000 Datumsangaben werden unter Novell Netware derzeit zweistellig gespeichert und zur optischen Darstellung der Zahl 19.. angehängt. Dies bedeutet, daß mit dem Datumswechsel 1999/2000 die Zahlenkombination von 00 dazu führt, daß ein laufender Netware-Server das neue Datum als das Jahr 1900 interpretiert. Im Falle eines Neustarts des Servers wird sich dessen Datum, nach Angaben von Novell, dann auf das Jahr 1980 umschalten. Diese Umstellung wird dadurch hervorgerufen, daß bei einem Neustart der Wert (19)00 als ungültiges Datum interpretiert wird und daher stattdessen der Standard-Wert (19)80 ("Geburtsstunde des IBM-PCs") als gültiges Datum gewählt wird. Zwar werden durch dieses Verhalten die gespeicherten Daten nicht zerstört, jedoch werden Fehler in allen zeitgesteuerten Programmen, bei BenutzerAccounts mit zeitlichem Ablaufdatum, sowie den zeitgesteuerten Prozessen, wie z. B. Datensicherungen auftreten, die dann u. U. zu Datenverlusten führen können. Vor allem würden erhebliche Probleme in der NDS auftreten, wenn das Datum plötzlich zurückgestellt werden würde. Wichtig ist aber auch, daß auch das BIOS für den Rechner Jahr-2000-fähig ist und ein automatischer Übergang vom 31.12.1999 auf den 1.1.2000 erfolgen kann. Von diesen Fehlern sind derzeit (Berichtsstand: Juni 1999) die Versionen NW 2.x, NW 3.x vor Version 3.2, NW 4.x von Novell Netware betroffen. Weitere Information zum Verhalten von Novell Produkten bei der Datumsumstellung zum Jahr 2000 sind im Internet u. a. unter den URLs http://www.novell.de/jahr2000/ und http://www.novell.com/year2000/ erhältlich. Hier sind auch Programme zu finden, um die im Einsatz befindliche Netware Software auf Jahr-2000-Fähigkeit zu prüfen. Ebenso wird eine Übersicht gegeben, welche Programme von Novell auf ihre Jahr-2000Fähigkeit getestet sind und mit welchem Ergebnis diese bestanden haben. _____________________________________________________________________ .......................................... 62 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.59 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.59 Betreiben von nicht angemeldeten Komponenten In der Regel sollten alle Komponenten eines Netzes der Systemadministration bekannt sein. Es muß auf organisatorischer Ebene gewährleistet sein, daß neue Komponenten bei der Systemadministration angemeldet und freigegebenen werden, z. B. durch eine automatische Meldung der Beschaffungsstelle oder einen entsprechenden Antrag der die Komponenten betreibenden Organisationseinheit. Nicht angemeldete Komponenten stellen ein Sicherheitsrisiko dar, da sie nicht in organisatorische innerbetriebliche Abläufe und Kontrollen eingebunden sind. Dies kann einerseits zu Gefahren für die Benutzer der nicht angemeldeten Komponenten führen (z. B. Datenverlust, da das System nicht in die Datensicherung eingebunden ist), aber auch zur Gefährdung anderer Netzkomponenten, z. B. können durch nicht erfaßte Zugangspunkte zum Netz Schwachstellen entstehen, wenn diese schlecht oder gar nicht gegen unbefugten Zugriff abgesichert sind. Da eine solche Komponente nicht der Kontrolle des Netzmanagements und/oder des Systemmanagements unterliegt, können insbesondere Fehlkonfigurationen des lokalen Systems zu einem Sicherheitsloch führen. Beispiel: Der Administrator wartet über das Systemmanagementsystem die Paßwörter (Community Names) für das verwendete Netzmanagementsystem, welches auf SNMP basiert. Eine Arbeitsgruppe beschließt den Kauf eines neuen NetzPCs, vergißt diesen jedoch der zentralen Administration zu melden. Die Installationseinstellung für das Paßwort (Community Name) des lokalen SNMP-Dämons lautet "public". Dieses Paßwort ist wohlbekannt. Angreifer können nun einen SNMP-basierten Angriff starten, da sie vollen Zugriff auf die SNMP-Daten besitzen. Der so kompromittierte PC kann als Ausgangspunkt für weitere Angriffe auf das interne Netz dienen. So könnten dort z. B. Paßwortsniffer installiert werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 63 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.60 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.60 Fehlende oder unzureichende Strategie für das Netz- und Systemmanagement Werden für die Bereiche Netzmanagement und/oder Systemmanagement keine organisationsübergreifenden Managementstrategien festgelegt, kann es insbesondere in mittleren und großen Netzen mit mehreren Managementdomänen durch Fehlkoordination der einzelnen Subdomänen zu schwerwiegenden Problemen durch Fehlkonfiguration kommen, die bis hin zu völligem Systemzusammenbruch auf Netzebene führen können. Aus diesem Grund ist die Festlegung und Durchsetzung einer Managementstrategie zwingend erforderlich. Im folgenden werden einige Beispiele für Probleme durch eine fehlende oder unzureichende Strategie für das Netz- und Systemmanagement gegeben. Fehlende Bedarfsanalyse vor Festlegung der Managementstrategie Um eine Netz- und/oder Systemmanagementstrategie festlegen zu können, ist eine vorangehende Bedarfsanalyse durchzuführen. Ohne die Feststellung des Managementbedarfs (etwa: Welche verwaltbaren Netzkoppelelemente existieren? Wie dynamisch ist der zu verwaltende Softwarebestand?) können Anforderungen an die Managementstrategie nicht formuliert werden. Da die Managementstrategie zudem Einfluß auf das zu beschaffende Softwareprodukt hat, kann dies zu Fehlentscheidungen führen. Wird dann z. B. ein Managementprodukt eingeführt, das einen zu geringen Funktionsumfang besitzt, so kann diese Funktionslücke zusätzlich zu einem Sicherheitsproblem werden, da die nötige Funktion ”von Hand” bereitgestellt werden muß. In größeren Systemen kann dies dann leicht zu Fehlkonfigurationen führen. Beschaffung von nicht managebaren Komponenten Wird ein Rechnerverbund mit Hilfe eines Netz- und/oder eines Systemmanagementsystems verwaltet, so ist bei der Beschaffung neuer Komponenten darauf zu achten, daß sie in das jeweilige Managementsystem integrierbar sind, damit sie in das Management einbezogen werden können. Ist dies nicht der Fall, so fällt mindestens zusätzlicher Verwaltungsaufwand an, da auch auf den nicht mit dem Managementsystem verwalteten Komponenten die festgelegte Managementstrategie durchgesetzt werden muß. Da jedoch diese Komponenten insbesondere nicht in die automatisierten Verwaltungsabläufe des Managementsystems integriert sind, kann es hier zu Fehlkonfigurationen kommen. Dies birgt durch nicht abgestimmte Konfigurationen ein Sicherheitsrisiko. Nicht koordiniertes Managen (Communities, Domänen) von benachbarten Bereichen Existieren in einem durch ein Managementsystem verwalteten Rechnernetz mehrere Verwaltungsbereiche, die jeweils von einem eigenen Systemmanager betreut werden, so sind deren Kompetenzen durch die Managementstrategie eindeutig festzulegen. Ist dies nicht der Fall, kann es durch unkoordiniertes Management einzelner Komponenten zu Sicherheitsproblemen kommen. _____________________________________________________________________ .......................................... 64 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.60 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Werden z. B. einerseits einzelne Komponenten wie Netzkoppelelemente fälschlicherweise von zwei Verwaltungsbereichen verwaltet (dies kann etwa geschehen, wenn keine unterschiedlichen SNMP-"Paßwörter" (Community Strings) verwendet werden), so führt das unkoordinierte Einstellen von Konfigurationsparametern unter Umständen zu Sicherheitslücken. Werden andererseits Komponenten (etwa Drucker) gemeinsam von zwei Verwaltungsbereichen genutzt und wurde z. B. die Vertrauensstellung des jeweils anderen Verwaltungsbereiches (z. B. Windows NT Netzwerkfreigaben) nicht korrekt eingerichtet, so kann dies unbeabsichtigt zu Sicherheitsproblemen führen, wenn nun auch unberechtigten Dritten der Zugriff gestattet wird. Nicht integrierte Verwaltungssoftware Beim Verwalten von mittleren und großen Systemen kann es vorkommen, daß nach Einführung des Managementsystems neue Komponenten in das System integriert werden sollen, deren Verwaltung Funktionen erfordern, die das eingesetzte Managementsystem nicht unterstützt. Dies gilt insbesondere für den Bereich Applikationsmanagement. Wird zur Verwaltung der neuen Komponente nun eine Verwaltungssoftware eingesetzt, die nicht in das eingesetzte Managementsystem integriert werden kann (z. B. über eine Programmierschnittstelle, oder durch den Einsatz von sogenannten Gateways), so ist ein koordiniertes Einbinden in das Managementsystem nicht möglich. Dadurch unterliegt die neue Komponente jedoch nicht dem ”automatisierten” Management, was ein Verwalten ”von Hand” nötig macht. Die festgelegte Managementstrategie muß nun für zwei Systeme umgesetzt werden, dies kann jedoch zu Fehlkonfigurationen führen, die Sicherheitslücken bedingen können. _____________________________________________________________________ .......................................... 65 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.61 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.61 Unberechtigte Sammlung personenbezogener Daten Beim Einsatz von Managementsystemen fallen im Rahmen des normalen Ablaufes auch viele Protokolldaten an, die in der Regel automatisch erzeugt und ausgewertet werden. Dies trifft im besonderen Maße auf die Bereiche der Netz- und Systemüberwachung zu. Ohne ausführliche Protokollierung der Systemaktivitäten ist es z. B. auch nicht möglich, Sicherheitsverletzungen aufzudecken. Eine Anforderung im Rahmen der Überwachung ist jedoch auch die eindeutige Zuordnung bestimmter Zugriffe zu Benutzern. Damit müssen die überwachten Benutzeraktivitäten aber personenbezogen protokolliert werden. In der Regel wird durch die Managementstrategie organisationsübergreifend und im Einvernehmen mit dem Datenschutzbeauftragten festgelegt, welche Benutzeraktivitäten aus Sicherheitsgründen überwacht werden sollen. Hierüber sind die betroffenen Benutzer entsprechend zu informieren. Die Einhaltung der durch die Managementstrategie festgelegten Vorgaben ist jedoch im Rahmen der Systemrevision zu überprüfen. Es ist zudem möglich, daß das Managementsystem im Rahmen einer regulären Funktion temporäre Protokolldateien erstellt, die z. B. im wenig geschützten Bereich für temporäre Dateien abgelegt werden. Die Protokolldateien sind dann potentiell zumindest für die Zeit ihrer Existenz zugreifbar und können zudem Benutzerinformationen enthalten. _____________________________________________________________________ .......................................... 66 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 2.62 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.62 Ungeeigneter Umgang mit Sicherheitsvorfällen Sicherheitsvorfälle mit dem Potential großer Schäden werden in der Praxis nie ausgeschlossen werden können. Die gilt auch dann, wenn eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt sind. Wird auf akute Sicherheitsvorfälle nicht angemessen reagiert, so können sich daraus unter Umständen große Schäden bis hin zu Katastrophen entwickeln. Beispiele dafür sind: - Es treten zunächst sporadisch, dann massenhaft neue Computer-Viren mit Schadfunktionen auf. Erfolgt keine rechtzeitige Reaktion, können unter Umständen ganze Organisationseinheiten arbeitsunfähig werden. Konkret ist dies bei Auftreten des Computer-Virus "Melissa" beobachtet worden. Arbeitsausfälle - Auf einem Webserver finden sich unerklärlich veränderte Inhalte. Wird dies nicht als Hinweis auf eventuelle Hacker-Attacken weiterverfolgt, können weitere Angriffe auf den Server unter Umständen auch zu großem Imageverlust führen. Imageverlust - In der Protokollierung einer Firewall finden sich Ungereimtheiten. Wird dies nicht als Hacking-Versuch untersucht, können ggf. tatsächlich externe Angreifer die Firewall überwinden. - Es werden Sicherheitslücken in den verwendeten IT-Systemen bekannt. Werden diese Informationen nicht rechtzeitig beschafft und notwendige Gegenmaßnahmen nicht zügig umgesetzt, so besteht die Gefahr, dass die Sicherheitslücken von Innen- oder Außentätern missbraucht werden. - Es ergeben sich Hinweise auf manipulierte Unternehmensdaten. Wird dies nicht zum Anlass genommen, den Manipulationen nachzugehen, so können auch unerkannte Manipulationen schwere Folgeschäden nach sich ziehen, wie zum Beispiel fehlerhafte Lagerbestände, falsche Buchhaltung oder unkontrolliert abgeflossene Finanzmittel. Folgeschäden - Wird Hinweisen auf Kompromittierung von vertraulichen Unternehmensdaten nicht nachgegangen, können in Folge weitere vertrauliche Daten abfließen. Diese Beispiele verdeutlichen, dass bei Sicherheitsvorfällen eine schnelle Benachrichtigung zuständiger Stellen, eine zügige Reaktion und eine Unterrichtung der potentiell Betroffenen zur Schadensminimierung oder -prävention notwendig ist. Wenn für die Behandlung von Sicherheitsvorfällen keine geeignete Vorgehensweise definiert ist, können außerdem falsche Entscheidungen getroffen werden, die z. B. dazu führen Fehlentscheidungen - dass Pressevertreter falsche Auskünfte erhalten, - dass die betroffenen Systeme bzw. Komponenten trotz schwerer Sicherheitslücken nicht abgeschaltet werden, - dass Systeme bzw. einzelne Komponenten bei relativ unbedeutenden Sicherheitslücken völlig abgeschaltet werden, - dass keinerlei Ausweichmaßnahmen vorgesehen sind, wie z. B. der Austausch kompromittierter Komponenten, kryptographischer Verfahren oder Schlüssel. _____________________________________________________________________ .......................................... 67 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 2.63 Gefährdungskatalog Organisatorische Mängel Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 2.63 Ungeordnete Faxnutzung Bei ungeordneter Nutzung von Faxgeräten oder Faxservern besteht die Gefahr, dass sensitive Daten Unbefugten zur Kenntnis gelangen oder das gewünschte Ziel nicht rechtzeitig erreichen. Beispiele: - Eine fehlerhafte Adressierung kann dazu führen, dass ein Fax an einen unautorisierten Empfänger übersandt wird. falsche Adressierung Werden Adressbücher und Verteillisten nicht gepflegt, können Faxe Empfängern zugestellt werden, die von der Versendung hätten ausgeschlossen sein müssen. - Eine fehlerhafte Administration eines Faxservers kann dazu führen, dass eingehende Faxe an Mitarbeiter zugestellt werden, die von dem Inhalt keine Kenntnis erlangen sollen. - Fehlende oder mangelhafte organisatorische Regelungen beim Empfänger können zur Folge haben, dass ein empfangenes Fax erst verspätet bearbeitet wird. unzuverlässige Bearbeitung - Fehlende oder mangelhafte organisatorische Regelungen beim Absender können zur Folge haben, dass ein terminlich zugesichertes Absenden einer Nachricht per Fax nicht eingehalten werden kann. - Fehlende Sensibilisierung der Benutzer bei der Verwendung von Faxservern kann dazu führen, dass versehentlich ein Entwurf versandt wird, der so die Organisation nicht verlassen sollte. _____________________________________________________________________ .......................................... 68 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G3 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G3 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen G 3.1 Vertraulichkeits-/Integritätsverlust von Daten durch Fehlverhalten der IT-Benutzer ...................................................1 G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten............................2 G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen ........................3 G 3.4 Unzulässige Kabelverbindungen................................................4 G 3.5 Unbeabsichtigte Leitungsbeschädigung .....................................5 G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal .................6 G 3.7 Ausfall der TK-Anlage durch Fehlbedienung ............................7 G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems .........................................8 G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems...............................9 G 3.10 Falsches Exportieren von Dateisystemen unter Unix...............10 G 3.11 Fehlerhafte Konfiguration von sendmail..................................11 G 3.12 Verlust der Datenträger beim Versand.....................................12 G 3.13 Übertragung falscher oder nicht gewünschter Datensätze ................................................................................13 G 3.14 Fehleinschätzung der Rechtsverbindlichkeit eines Fax............14 G 3.15 Fehlbedienung eines Anrufbeantworters..................................15 G 3.16 Fehlerhafte Administration von Zugangs- und Zugriffsrechten.........................................................................16 G 3.17 Kein ordnungsgemäßer PC-Benutzerwechsel ..........................17 G 3.18 Freigabe von Verzeichnissen, Druckern oder der Ablagemappe ...........................................................................18 G 3.19 Speichern von Paßwörtern unter WfW und Windows 95 ........19 G 3.20 Ungewollte Freigabe des Leserechtes bei Schedule+ ..............20 G 3.21 Fehlbedienung von Codeschlössern .........................................21 G 3.22 Fehlerhafte Änderung der Registrierung..................................22 G 3.23 Fehlerhafte Administration eines DBMS .................................23 G 3.24 Unbeabsichtigte Datenmanipulation ........................................24 G 3.25 Fahrlässiges Löschen von Objekten.........................................25 G 3.26 Ungewollte Freigabe des Dateisystems....................................26 G 3.27 Fehlerhafte Zeitsynchronisation...............................................27 G 3.28 Ungeeignete Konfiguration der aktiven Netzkomponenten ....................................................................28 G 3.29 Fehlende oder ungeeignete Segmentierung..............................30 _____________________________________________________________________ .......................................... i IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G3 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.30 Unerlaubte private Nutzung des dienstlichen Telearbeitsrechners ..................................................................31 G 3.31 Unstrukturierte Datenhaltung...................................................32 G 3.32 Verstoß gegen rechtliche Rahmenbedingungen beim Einsatz von kryptographischen Verfahren ...............................33 G 3.33 Fehlbedienung von Kryptomodulen.........................................34 G 3.34 Ungeeignete Konfiguration des Managementsystems .............35 G 3.35 Server im laufenden Betrieb ausschalten .................................36 G 3.36 Fehlinterpretation von Ereignissen ..........................................37 G 3.37 Unproduktive Suchzeiten .........................................................38 G 3.38 Konfigurations- und Bedienungsfehler ....................................39 _____________________________________________________________________ .......................................... ii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.1 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.1 Vertraulichkeits-/Integritätsverlust von Daten durch Fehlverhalten der IT-Benutzer Durch Fehlverhalten können IT-Benutzer den Vertraulichkeits- bzw. Integritätsverlust von Daten herbeiführen bzw. ermöglichen. Die Folgeschäden ergeben sich aus der Schutzbedürftigkeit der Daten. Beispiele für ein solches Fehlverhalten sind: - Mitarbeiter holen versehentlich Ausdrucke mit personenbezogenen Daten nicht am Netzdrucker ab. - Es werden Disketten versandt, ohne dass die vorher darauf gespeicherten Daten physikalisch gelöscht wurden. - Aufgrund von fehlerhaft administrierten Zugriffsrechten vermag ein Mitarbeiter Daten zu ändern, ohne die Brisanz dieser Integritätsverletzung einschätzen zu können. - Neue Software wird mit nicht anonymisierten Daten getestet. Nicht befugte Mitarbeiter erhalten somit Einblick in geschützte Dateien bzw. vertrauliche Informationen. Möglicherweise erlangen überdies auch Dritte Kenntnis von diesen Informationen, weil die Entsorgung von "Testausdrucken" nicht entsprechend geregelt ist. - Beim Ausbau, Verleih, Einsendung zur Reparatur oder Ausmusterung von Festplatten können Daten auf zum Teil intakten Dateisystemen in unbefugte Hände gelangen. _____________________________________________________________________ .......................................... 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 3.2 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.2 Fahrlässige Zerstörung von Gerät oder Daten Durch Fahrlässigkeit, aber auch durch ungeschulten Umgang kann es zu Zerstörungen an Geräten und Daten kommen, die den Betrieb des IT-Systems empfindlich stören können. Dies ist auch durch die unsachgemäße Verwendung von IT-Anwendungen möglich, wodurch fehlerhafte Ergebnisse entstehen oder Daten unabsichtlich verändert oder zerstört werden. Durch unachtsames Benutzen eines einzigen Löschbefehls können ganze Dateistrukturen gelöscht werden. Beispiele: - Benutzer, die aufgrund von Fehlermeldungen den Rechner ausschalten, statt ordnungsgemäß alle laufenden Anwendungen zu beenden bzw. einen Sachkundigen zu Rate zu ziehen, können hierdurch schwerwiegende Integritätsfehler in Datenbeständen hervorrufen. - Durch umgestoßene Kaffeetassen oder beim Blumengießen eindringende Feuchtigkeit können in einem IT-System Kurzschlüsse hervorrufen werden. - Ein Benutzer, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, unter Unix den Löschbefehl rm grundsätzlich ohne den Parameter für die Sicherheitsabfragen (-i) durchzuführen oder gar mit -f die Sicherheitsabfragen grundsätzlich ausschaltet, riskiert in hohem Maße das versehentliche Löschen von Dateien. Ähnliches gilt auch für den Befehl del *.* unter MS-DOS. _____________________________________________________________________ .......................................... 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 3.3 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.3 Nichtbeachtung von IT-Sicherheitsmaßnahmen Aufgrund von Nachlässigkeit und fehlenden Kontrollen kommt es immer wieder vor, daß Personen die ihnen empfohlenen oder angeordneten ITSicherheitsmaßnahmen nicht oder nicht im vollen Umfang durchführen. Es können Schäden entstehen, die sonst verhindert oder zumindest vermindert worden wären. Je nach der Funktion der Person und der Bedeutung der mißachteten Maßnahme können sogar gravierende Schäden eintreten. Vielfach werden IT-Sicherheitsmaßnahmen aus einem mangelnden Sicherheitsbewußtsein heraus nicht beachtet. Ein typisches Indiz dafür ist, daß wiederkehrende Fehlermeldungen nach einer gewissen Gewöhnungszeit ignoriert werden. Beispiele: - Der verschlossene Schreibtisch zur Aufbewahrung von Disketten bietet keinen hinreichenden Schutz gegen einen unbefugten Zugriff, wenn der Schlüssel im Büro aufbewahrt wird, z. B. auf dem Schrank oder im Zettelkasten. - Geheimzuhaltende Paßwörter werden schriftlich fixiert in der Nähe eines Terminals oder PCs aufbewahrt. - Obwohl die schadensmindernde Eigenschaft von Datensicherungen hinreichend bekannt ist, treten immer wieder Schäden auf, wenn Daten unvorhergesehen gelöscht werden und aufgrund fehlender Datensicherung die Wiederherstellung unmöglich ist. Dies zeigen insbesondere die dem BSI gemeldeten Schäden, die z. B. aufgrund von Computer-Viren entstehen. - Der Zutritt zu einem Rechenzentrum sollte ausschließlich durch die mit einem Zutrittskontrollsystem (z. B. Magnetstreifenleser) gesicherte Tür erfolgen. Die Fluchttür wird jedoch, obwohl sie nur im Notfall geöffnet werden darf, als zusätzlicher Ein- und Ausgang genutzt. _____________________________________________________________________ .......................................... 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.4 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.4 Unzulässige Kabelverbindungen Hauptursache unzulässiger Verbindungen ist neben technischen Defekten die fehlerhafte Verkabelung, z. B. bei der Belegung von Rangier- und Spleißverteilern. Ungenaue Dokumentation und unzureichende Kabelkennzeichnung führen häufig zu versehentlichen Fehlbelegungen und erschweren das Erkennen von absichtlichen Fehlbelegungen. Durch unzulässige Verbindungen können Informationen zusätzlich oder ausschließlich zu falschen Empfängern übertragen werden. Die normale Verbindung kann gestört werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.5 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.5 Unbeabsichtigte Leitungsbeschädigung Je ungeschützter ein Kabel verlegt ist, desto größer ist die Gefahr einer unbeabsichtigten Beschädigung. Die Beschädigung führt nicht unbedingt sofort zu einem Ausfall von Verbindungen. Auch die zufällige Entstehung unzulässiger Verbindungen ist möglich. Typische Beispiele für solche Beschädigungen sind: Im Innenbereich: - Herausreißen der Geräteanschlußleitung mit dem Fuß bei "fliegender" Verlegung, - Beschädigung unter Putz verlegter Leitungen durch Bohren oder Nageln, - Eindringen von Wasser in Fensterbank-Kanäle, - Eindringen von Wasser in Fußbodenkanäle bei der Gebäudereinigung, - Beschädigung auf Putz oder Estrich verlegter Leitungen beim Transport sperriger und schwerer Gegenstände. Im Außenbereich: - Beschädigung bei Tiefbauarbeiten, sowohl durch Handschachtung als auch durch Bagger, - Eindringen von Wasser in Erdtrassen/Erdkabel, Beispiel: In einer Fußgängerzone hatte es sich die Putzfrau eines kleinen Geschäftes zu Angewohnheit gemacht, das gebrauchte Putzwasser in den direkt vor der Ladentür befindlichen Revisionsschacht einer Post-Kabeltrasse zu schütten. Das Wasser verdunstete zwar mit der Zeit immer wieder, der Schmutz- und Seifenanteil jedoch lagerte sich auf den Kabeln ab und mußte für Arbeiten daran erst mühsam und zeitaufwendig entfernt werden. - Beschädigung von Kabeln durch Nagetiere, - Beschädigung von Trassen und Kabeln durch Wurzeln (Baumwurzeln besitzen genug Kraft, um Kabel abzuquetschen), - Beschädigung durch Überschreitung zulässiger Verkehrslasten (Rohre können brechen, Kabel können abscheren). _____________________________________________________________________ .......................................... 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.6 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.6 Gefährdung durch Reinigungs- oder Fremdpersonal Die Gefährdung durch Reinigungs- und Fremdpersonal erstreckt sich von der unsachgemäßen Behandlung der technischen Einrichtungen, über den Versuch des "Spielens" am IT-System ggf. bis zum Diebstahl von IT-Komponenten. Beispiele: Durch Reinigungspersonal kann versehentlich eine Steckverbindung gelöst werden, Wasser kann in Geräte gelangen, Unterlagen können verlegt oder sogar mit dem Abfall entfernt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.7 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.7 Ausfall der TK-Anlage durch Fehlbedienung Neben dem technischen Versagen durch Defekt von Bauteilen, Stromausfall oder Sabotage gibt es eine Reihe weiterer Umstände, die zum Ausfall einer TK-Anlage führen können. So können z. B. durch unzureichend ausgebildetes Wartungspersonal Änderungen an der Anlagenkonfiguration vorgenommen werden, die solche Ausfälle zur Folge haben. Das nicht rechtzeitige Erkennen von Alarmsignalen oder abnormem Betriebsverhalten kann dieselbe Folge haben, ferner unsachgemäßes oder unüberlegtes Handeln bei eigentlich einfachen Routinereparaturen. _____________________________________________________________________ .......................................... 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.8 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems Eine fehlerhafte Nutzung des IT-Systems beeinträchtigt die Sicherheit eines IT-Systems, wenn dadurch IT-Sicherheitsmaßnahmen mißachtet oder umgangen werden. Dies kann vermieden werden, wenn der Benutzer über die ordnungsgemäße Funktion und den Betrieb eines IT-Systems ausreichend informiert ist. Beispiele: Zu großzügig vergebene Rechte, leicht zu erratende Paßwörter, versehentliches Löschen, Datenträger mit den Sicherheitskopien sind für Unbefugte zugänglich, das Terminal wird bei vorübergehender Abwesenheit nicht verschlossen u.v.a. _____________________________________________________________________ .......................................... 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.9 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.9 Fehlerhafte Administration des IT-Systems Eine fehlerhafte Administration beeinträchtigt die Sicherheit eines ITSystems, wenn dadurch IT-Sicherheitsmaßnahmen missachtet oder umgangen werden. Eine fehlerhafte Administration liegt z. B. vor, wenn Netzzugangsmöglichkeiten (Daemon-Prozesse) geschaffen oder nicht verhindert werden, die für den ordnungsgemäßen Betrieb des IT-Systems nicht notwendig sind oder auf Grund ihrer Fehleranfälligkeit eine besonders große Bedrohung darstellen. unsichere Netzzugänge Unter keinen Umständen sollten bei Arbeiten am System Zugangskonten verwendet werden, die mehr Zugriffsrechte besitzen, als für die Tätigkeit unbedingt nötig sind, da sich hierdurch die Gefahr von Schäden durch Viren und Trojanischen Pferden unnötig erhöht. unnötige Zugriffsrechte Standard-Installationen von Betriebssystemen oder Systemprogrammen weisen in den seltensten Fällen alle Merkmale einer sicheren Installation auf. Mangelnde Anpassungen an die konkreten Sicherheitsbedürfnisse können hier ein erhebliches Risiko darstellen. mangelhafte Anpassungen Besondere Beachtung müssen Systeme finden, deren fehlerhafte Administration Einfluss auf den Schutz anderer Systeme haben (Firewalls). Jede Modifikation von Sicherheitseinstellungen und die Erweiterung von Zugriffsrechten stellt eine potentielle Gefährdung der Gesamtsicherheit dar. Beispiele: Über das bei G 3.8 Fehlerhafte Nutzung des IT-Systems gesagte hinaus kann der Systemadministrator durch eine fehlerhafte Installation neuer oder vorhandener Software Gefährdungen schaffen. Eine fehlerhafte Administration liegt auch vor, wenn Protokollierungsmöglichkeiten nicht genutzt oder vorhandene Protokolldateien nicht ausgewertet werden, wenn zu großzügig Zugangsberechtigungen vergeben und diese dann nicht in gewissen Abständen kontrolliert werden, wenn Login-Namen oder UIDs mehr als einmal vergeben werden oder wenn vorhandene Sicherheitstools, wie z. B. unter Unix die Benutzung einer shadow-Datei für die Passwörter, nicht genutzt werden. unzureichende Protokollierung Mit dem Lebensalter von Passwörtern sinkt deren Wirksamkeit. Grund dafür ist die sich stetig erhöhende Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Angriffes. Alterung von Passwörtern Der Administration eines Firewall-Systems gilt es besondere Aufmerksamkeit zu schenken, da dieses Voraussetzung für den Schutz einer Vielzahl anderer Systeme ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 3.10 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.10 Falsches Exportieren von Dateisystemen unter Unix Exportierte Platten können von jedem Rechner, der sich mit dem in der Datei /etc/exports bzw. /etc/dfs/dfstab angegebenen Namen meldet, gemountet werden. Der Benutzer dieses Rechners kann jede UID und GID annehmen. Solange Verzeichnisse nicht mit der Option root= exportiert wurden, stellt die UID 0 (root) eine Ausnahme dar, die beim Zugriff auf einen NFS-Server üblicherweise auf eine andere UID (z. B. die des Benutzers nobody oder anonymous) abgebildet wird. Es lassen sich daher nur Dateien schützen, die root gehören. Für die Verwendung der Protokolle NFS für den Export von Dateisystemen und die Verteilung von Systemdateien mittels NIS sind keine ausreichenden Schutzmaßnahmen in geschützten Umgebungen verfügbar. Der Einsatz stellt somit eine Gefährdung der Integrität der Systeme dar. _____________________________________________________________________ .......................................... 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 3.11 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.11 Fehlerhafte Konfiguration von sendmail Fehler in der Konfiguration oder Software von sendmail haben in der Vergangenheit schon mehrmals zu Sicherheitslücken auf den betroffenen ITSystemen geführt (Stichwort Internet-Wurm). Beispiel: Es ist durch verschiedene Veröffentlichungen bekannt, daß es möglich ist, die Benutzer- und Gruppenkennung, die mit den Optionen u und g eingestellt sind (normalerweise daemon) zu erlangen. Dazu muß im Absenderfeld (From:) eine Pipe angegeben werden, durch die eine fehlerhafte Mail zurückgeschickt wird, und in der Mail selber muß ein Fehler erzeugt werden. Schickt man also z. B. eine Mail mit dem Inhalt cp /bin/sh /tmp/sh chmod oug+rsx /tmp/sh an einen unbekannten Empfänger und benutzt als Absender ´/bin/sh´, so wird die Mail als unzustellbar zurückgeschickt, was in diesem Falle einer Ausführung des kurzen Shellskripts gleichkommt. Durch dieses Skript wird dann eine Shell mit gesetztem suid-Bit erzeugt, die die im sendmail.cf gesetzte Benutzer- und Gruppenkennung hat. _____________________________________________________________________ .......................................... 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.12 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.12 Verlust der Datenträger beim Versand Werden Datenträger in nicht sonderlich stabilen Behältnissen (Briefumschlägen oder sonstigen Verpackungen) versandt, besteht die Gefahr, daß der Datenträger (insbesondere Disketten) bei Beschädigung der Verpackung verloren geht. Auch besteht die Gefahr des Verlustes auf dem Postweg oder durch Unachtsamkeit eines Boten. Falls beispielsweise eine Diskette zusammen mit einem Anschreiben in einem Umschlag verschickt wird, der wesentlich größer als die Diskette ist, so kann beim Empfang des Umschlages die innenliegende Diskette übersehen und zusammen mit dem scheinbar leeren Umschlag entsorgt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.13 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.13 Übertragung falscher oder nicht gewünschter Datensätze Es ist denkbar, daß der für den Versand vorgesehene Datenträger bereits Daten früherer Arbeitsgänge enthält, die dem Empfänger nicht zur Kenntnis gelangen sollen. Werden diese Daten nicht gezielt physikalisch gelöscht, können diese vom Empfänger gelesen werden. Befinden sich darüber hinaus die zu übertragenden Daten in einem Verzeichnis mit weiteren Daten, die ebenfalls schutzbedürftig sind, besteht die Gefahr, daß diese versehentlich mit auf den Datenträger übertragen werden (z. B. durch copy *.*) und dem Empfänger unnötig (unberechtigt) zur Kenntnis gelangen. Sollen Datensätze nicht über das Medium "Datenträger", sondern über Datennetze direkt versandt werden (E-Mail im Internet, Modemverbindungen, interne Firmennetze, X.400-Dienst), bieten Kommunikationsprogramme die Möglichkeit der Verwendung von Kurzbezeichnungen für komplexe Adreßstrukturen und Verteilerlisten für die Mehrfachversendung. Werden solche Verteilerlisten nicht zentral geführt oder nicht in regelmäßigen Abständen aktualisiert, können Datensätze an Adressen versendet werden, die zu nicht mehr autorisierten Personen gehören. _____________________________________________________________________ .......................................... 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.14 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.14 Fehleinschätzung der Rechtsverbindlichkeit eines Fax Häufig wird versucht, bei eiligen Entscheidungen den Postweg einzusparen, indem wichtige Unterlagen oder Informationen an den Geschäftspartner per Fax übermittelt werden. Dabei wird oft außer acht gelassen, daß so übermittelte Unterlagen in einem Streitfall nicht immer als rechtsverbindlich angesehen werden. Bestellungen müssen dann nicht vom Kunden angenommen, Zusagen nicht eingehalten werden. Eine Rechtsmittelfrist kann trotz rechtzeitigen Absendens eines Fax ablaufen. _____________________________________________________________________ .......................................... 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.15 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.15 Fehlbedienung eines Anrufbeantworters Grundsätzlich besteht die Gefahr der Fehlbedienung eines Anrufbeantworters. Bei einigen Geräten ist die Gefahr eines Bedienungsfehlers recht hoch, da sie beispielsweise mit Funktionstasten versehen sind, die doppelt oder zum Teil sogar dreifach belegt sind. Erschwerend kann hinzukommen, daß die Bedientasten so klein sind und so nahe nebeneinander liegen, daß Fehlgriffe kaum vermeidbar sind. So ist es durchaus möglich, daß der Anrufbeantworter aufgrund von Fehlbedienungen einen Anruf erst gar nicht entgegennimmt. Dies geschieht zum Beispiel, wenn man versehentlich das Gerät deaktiviert oder den Ansagetext mittels Tastendruck gelöscht hat. _____________________________________________________________________ .......................................... 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.16 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.16 Fehlerhafte Administration von Zugangs- und Zugriffsrechten Zugangsrechte zu einem IT-System und Zugriffsrechte auf gespeicherte Daten und IT-Anwendungen dürfen nur in dem Umfang eingeräumt werden, wie sie für die Wahrnehmung der Aufgaben erforderlich sind. Werden diese Rechte fehlerhaft administriert, so kommt es zu Betriebsstörungen, falls erforderliche Rechte nicht zugewiesen wurden, bzw. zu Sicherheitslücken, falls über die notwendigen Rechte hinaus weitere vergeben werden. Beispiel: Durch eine fehlerhafte Administration der Zugriffsrechte hat ein Sachbearbeiter die Möglichkeit, auf die Protokolldaten zuzugreifen. Durch gezieltes Löschen einzelner Einträge ist es ihm daher möglich, seine Manipulationsversuche am Rechner zu verschleiern, da sie in der Protokolldatei nicht mehr erscheinen. _____________________________________________________________________ .......................................... 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.17 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.17 Kein ordnungsgemäßer PC-Benutzerwechsel Arbeiten mehrere Benutzer an einem PC, so kann es aufgrund von Nachlässigkeit oder Bequemlichkeit dazu kommen, daß sich bei einem Wechsel der vorhergehende Benutzer nicht abmeldet und der neue sich nicht ordnungsgemäß anmeldet. Dies wird von den Betroffenen meist damit begründet, daß die Zeit, die das IT-System zum Neustarten benötigt, sehr lang ist und als nicht akzeptabel empfunden wird. Dieses Fehlverhalten führt jedoch dazu, daß die Protokollierung von An- und Abmeldevorgängen und damit ein Teil der Beweissicherung unwirksam wird. Es läßt sich anhand der Protokolle nicht mehr zuverlässig feststellen, wer den Rechner zu einem bestimmten Zeitpunkt genutzt hat. Beispiel: Ein PC wird abwechselnd von drei Benutzern eingesetzt, um Reisekostenabrechnungen durchzuführen. Nachdem der erste Benutzer den Anmeldevorgang durchgeführt hat, erfolgt kein ordnungsgemäßer PC-Benutzerwechsel mehr, weil die damit verbundenen Ab- und Anmeldevorgänge aus Bequemlichkeit nicht durchgeführt werden. Aufgrund von Unregelmäßigkeiten wird geprüft, wer welchen Vorgang am Rechner bearbeitet hat. Da nach Protokollierung nur ein Benutzer am PC gearbeitet hat, kann der Verursacher im nachhinein nicht mehr festgestellt werden bzw. der einzige angemeldete Benutzer muß die Konsequenzen tragen. _____________________________________________________________________ .......................................... 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.18 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.18 Freigabe von Verzeichnissen, Druckern oder der Ablagemappe Unter Windows für Workgroups sind bei der Benutzung des Datei- oder Druckmanagers bzw. der Zwischenablage bei der Freigabe von Verzeichnissen, Druckern oder Seiten der Ablagemappe Bedienungsfehler möglich. Dies kann zur Folge haben, daß ungewollt Ressourcen freigegeben werden. Der notwendige Paßwortschutz wird eventuell nicht oder nur unzureichend eingesetzt, wenn die Benutzer nicht ausreichend über die Peer-to-Peer-Funktionalität in Windows für Workgroups unterrichtet worden sind. Unter Windows 95 müssen bei der Freigabe explizit Zugriffsberechtigungen vergeben werden, so daß sich jeder Benutzer bewußt machen muß, daß und wem der Zugriff ermöglicht werden soll. Unter Windows NT kann nur ein Administrator Dateien und Verzeichnisse freigeben. Da freigegebene Ressourcen (ausgenommen sind die Seiten der Ablagemappe) i. allg. für alle Teilnehmer angezeigt werden, können andere Teilnehmer solche erkennen und ggf. mißbrauchen. Unter Umständen werden vertrauliche Daten gelesen, Daten unautorisiert verändert oder gelöscht. Wurde beispielsweise ein Verzeichnis ohne Paßwortschutz zum Beschreiben freigegeben, ist es möglich, in dieses solange Dateien zu speichern, bis die Kapazität der Festplatte erschöpft ist. Zu beachten ist weiterhin, daß ein freigegebenes Verzeichnis automatisch beim nächsten Startwieder freigegeben wird, ohne daß der Benutzer es bemerkt, falls die Freigabeoption "Beim nächsten Start wieder freigeben" aktiviert ist. Bei Windows 95 und Windows NT darf die Rücknahme der Freigabe nicht vergessen werden. Die Freigabe muß hier explizit zurückgenommen werden, sonst bleibt sie auch nach einem Neustart aktiv. Beispiel: Nach der Einführung der WfW-Benutzeroberfläche in einem servergestützten LAN, die nicht durch eine Schulung begleitet war, hatten rund 10% der Benutzer ungewollt die komplette Festplatte (Stammverzeichnis C:\) freigegeben. _____________________________________________________________________ .......................................... 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.19 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.19 Speichern von Paßwörtern unter WfW und Windows 95 Der Zugriff auf Verzeichnisse, Drucker oder Seiten der Ablagemappen, die von anderen freigegeben wurden, wird unter WfW und Windows 95 dadurch erleichtert, daß die dazu benötigten Paßwörter in der Datei [anmeldename].pwl gespeichert werden können. Dazu kann die Option "Kennwort in der Kennwortliste speichern" gewählt werden. Ist diese Option durch Voreinstellung aktiviert, kann es auch ungewollt dazu kommen, daß Paßwörter gespeichert werden. Unter Windows 95 in Netware-Netzen werden die Anmeldepaßwörter automatisch in der Datei [anmeldename].pwl gespeichert, die Zugriffsrechte aber grundsätzlich auf Benutzerebene erteilt. Ein Dritter, der sich Zugang zu einem WfW- oder Windows 95-Rechner verschafft, hat unmittelbaren Zugriff auf die Kennwortliste ([anmeldename].pwl). Die dort gespeicherten Paßwörter für den Zugriff auf Ressourcen anderer werden durch das WfW- bzw. Windows 95-Anmeldepaßwort geschützt. Ist dieses deaktiviert oder bekannt bzw. ist WfW oder Windows 95 bereits ohne Bildschirmsperre aktiv, können Unberechtigte Verbindungen zu anderen Rechnern herstellen. Hinweis: Mittlerweile werden im Internet Programme angeboten, die eine Entschlüsselung der PWL-Dateien unter WfW ohne Kenntnis des Anmeldepaßwortes ermöglichen. Die in diesen Dateien gespeicherten Paßwörter sind in vielen Fällen auch über die windows-spezifische, temporäre Auslagerungsdatei 386spart.par im Klartext zu gewinnen. Daher muß ein entsprechender Zugangsschutz zum PC oder ein Zugriffsschutz auf Dateiebene installiert sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.20 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.20 Ungewollte Freigabe des Leserechtes bei Schedule+ Im Lieferumfang von WfW ist das Programm mail und der Terminplaner Schedule+ enthalten. Wird von mehreren Benutzern ein gemeinsames PostOffice unter mail genutzt, kann auch eine gemeinsame Terminplanung mit Schedule+ erfolgen. Dort können dann Zugriffsprivilegien für den eigenen Terminkalender vergeben werden. Standardmäßig ist für jeden Teilnehmer desselben Post-Office das Zugriffsrecht "Offene/Besetzte Zeitblöcke anzeigen" für den privaten Kalender aktiviert, so daß, falls dieses Recht nicht explizit entzogen wird, das zeitliche Arrangement - nicht jedoch der Inhalt des privaten Kalenders von anderen eingesehen werden kann. Der private Nutzer könnte jedoch in dem Glauben sein, daß seine offenen/besetzten Zeitblöcke nicht eingesehen werden können, da er keine Zugriffsrechte verteilt hat. _____________________________________________________________________ .......................................... 20 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.21 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.21 Fehlbedienung von Codeschlössern Erfahrungsgemäß führen Fehler in der Bedienung von mechanischen Codeschlössern verhältnismäßig oft dazu, daß der Schrank nicht mehr ordnungsgemäß geöffnet werden kann. Die Fehlbedienungen treten bei der Eingabe und besonders häufig bei der Änderung des Codes auf. Um die aufbewahrten Datenträger oder informationstechnischen Geräte wieder zugänglich zu machen, muß dann ein spezialisierter Schlüsseldienst beauftragt werden, so daß neben dem Schaden, der aus der fehlenden Verfügbarkeit der Datenträger oder Geräte entsteht, auch erhebliche Reparaturkosten anfallen können. Im ungünstigsten Falle muß ein neuer Schutzschrank beschafft werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 21 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.22 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.22 Fehlerhafte Änderung der Registrierung Windows 95 bietet die Möglichkeit, die Benutzerumgebung eines PC fest bzw. benutzerindividuell einzuschränken. Dies geschieht in der Regel unter Verwendung des Systemrichtlinieneditors (POLEDIT.EXE) oder des Registrierungseditors (REGEDIT.EXE). Die Benutzung dieser Programme sollte mit Bedacht und jede Änderung der Registrierung mit äußerster Sorgfalt ausschließlich durch geschultes Personal erfolgen, weil sehr schnell ein Systemzustand eingestellt werden kann, der ein Arbeiten mit dem PC nicht mehr erlaubt. Im ungünstigsten Fall ist dann das Betriebssystem neu zu installieren oder bestimmte Hardware-Komponenten erneut zu initialisieren (durch Laden der entsprechenden Treiber). _____________________________________________________________________ .......................................... 22 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.23 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.23 Fehlerhafte Administration eines DBMS Wird ein Datenbankmanagementsystem (DBMS) nachlässig oder fehlerhaft administriert, kann dies folgende Gefährdungen nach sich ziehen: - Verlust von Daten, - (gezielte oder unbeabsichtigte) Datenmanipulation, - unberechtigter Zugang zu vertraulichen Daten, - Verlust der Datenbankintegrität, - Crash der Datenbank und - Zerstörung der Datenbank. Die oben aufgeführten Gefährdungen können durch zu großzügig vergebene Rechte für die Benutzer, durch eine unregelmäßige oder gar keine Datenbanküberwachung, durch mangelhafte Datensicherungen, durch ungültige, aber noch nicht gesperrte Kennungen usw. hervorgerufen werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 23 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.24 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.24 Unbeabsichtigte Datenmanipulation Je umfangreichere Zugriffsberechtigungen auf eine Datenbank für die Anwender bestehen, um so größer ist auch das Risiko einer unbeabsichtigten Datenmanipulation. Dies kann prinzipiell von keiner Anwendung verhindert werden. Die grundsätzlichen Ursachen für unbeabsichtigte Datenmanipulationen können z. B. sein: - mangelhafte oder fehlende Fachkenntnisse, - mangelhafte oder fehlende Kenntnisse der Anwendung, - zu umfangreiche Zugriffsberechtigungen und - Fahrlässigkeit (z. B. das Verlassen des Arbeitsplatzes ohne korrekte Beendigung der Anwendung). _____________________________________________________________________ .......................................... 24 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.25 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.25 Fahrlässiges Löschen von Objekten Bei Novell Netware Version 4 ist es erstmalig möglich, das Objekt Admin, welches bei der Installation automatisch angelegt wurde zu löschen. Das Objekt Admin, welches den von Netware 3.x bekannten Supervisor ersetzt, wird bei der Neuinstallation eines Netware 4-Netzes angelegt und besitzt zu diesem Zeitpunk noch alle Administrationsrechte. Aus der Möglichkeit dieses Objekt zu löschen entstehen folgende Gefährdungen: - Wird kein Ersatzadministrator ("Ersatz-Admin") als Objekt in der NDS zu erzeugt, besteht die Gefährdung das die NDS oder einzelne Container nicht mehr administriert werden können. Daraus resultiert dann die Notwendigkeit, die NDS neu zu installieren und alle enthaltenen Objekte neu zu erzeugen, was zu einem vollständigen Ausfall des Netware 4-Netzes führen kann. - Bei einer dezentralen Administration eines Netware 4-Netzes werden üblicherweise Administratoren auf Organisationsebene (Containerebene) eingerichtet. Durch den IRF (Inherited Rights Filter) kann von diesen das Vererben von Rechten anderer Administratoren auf untergeordnete Organisationen eingeschränkt bzw. verhindert werden, so daß nur noch der dezentrale Administrator alle Rechte hat. Wird dieser nun in der NDS gelöscht, kann eine komplette organisatorische Einheit nicht mehr administriert werden, da die anderen Administratoren auf diesen Container keinen Zugriff mehr haben. besser: Durch die dezentrale (Verteilung der Administrationsaufgaben) Administration ist es nicht mehr möglich, den Container durch andere Administratoren zu verwalten. _____________________________________________________________________ .......................................... 25 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.26 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.26 Ungewollte Freigabe des Dateisystems Novell Netware- Ungewollte Freigabe des DateisystemsNovell Netware Version 4 unterscheidet zwischen Objekt- und Dateirechten. Objektrechte beinhalten die Berechtigungen zum Anlegen, Ändern, Betrachten oder Löschen von Objekten der NDS. Unter Dateirechten versteht man die Berechtigungen zum Lesen, Schreiben, Löschen etc. von Dateien oder Verzeichnissen. Das NDS Objekt "Server" stellt hierbei die einzige Schnittstelle zwischen dem Objekt- und dem Dateisystem dar. Aus diesem Grund erhält jeder Benutzer, der als Supervisor für ein Serverobjekt eingetragen ist, somit auch Supervisor-Rechte für das komplette zugehörige Dateisystem, da das Supervisor-Attribut nicht durch einen IRF (Inherited Rights Filter) gefiltert werden kann. Dadurch bekommt er möglicherweise unbeabsichtigten Zugriff auf vertrauliche Daten, ohne daß dies bemerkt wird, bzw. beabsichtigt war. _____________________________________________________________________ .......................................... 26 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.27 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.27 Fehlerhafte Zeitsynchronisation In Novell Netware 4.x können mehrere Server in einem Netz zusammenarbeiten. Um einen reibungslosen Ablauf der Netzdienste, wie z. B. Datumsund Zeitangaben der Dateien, Revision und Protokollierung und die zeitlichen Beschränkungen bei der Anmeldung zu gewährleisten, ist eine gleiche Uhrzeit auf allen Servern von großer Bedeutung. Auch Änderungen in einem Verzeichnisbaum werden in Novell Netware Version 4.x mit einem Zeitstempel versehen, der die Reihenfolge der Abarbeitung bei der Aktualisierung der NDS festlegt. Aus diesem Grund ist es wichtig, daß für alle Netware 4.x Server im Netz eine gemeinsame Zeit verwaltet wird. Dabei können die folgenden Gefährdungen auftreten: - Wird vor der Installation eines Netware 4.x Servers die interne Hardwareuhr des zugehörigen Rechners nicht überprüft und ggf. angepaßt, so kann sich der neue Server u. U. nicht mit dem restlichen Netware 4.x Netz abgleichen, und es besteht die Gefahr einer Fehlfunktion der NDS. - Kommt es in einem Netz, welches das Einzelreferenz-Verfahren zur Zeitsynchronisation nutzt, zum Ausfall der Zeitquelle, so ist keine Ersatzzeit mehr verfügbar. Dadurch können Datei- und Objektrechte unkontrolliert verändert werden. - Veränderungen an der NDS, die aufgrund einer falschen Systemzeit einen sehr weit in der Zukunft liegenden Zeitstempel haben, werden auch erst zu diesem Zeitpunkt ausgeführt. Dies kann zu Fehlern oder Problemen führen, die nur sehr schlecht oder gar nicht nachzuvollziehen sind, da eine sehr große Zeitspanne zwischen dem Absetzen und dem Ausführen der entsprechenden Änderungen liegt. - Wird an einem Netware 4.x Server nachträglich eine Funkuhr angeschlossen, aber die Sommer- bzw. Winterzeit-Umstellung nicht deaktiviert, so wird eine zusätzliche Stunde korrigiert. _____________________________________________________________________ .......................................... 27 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.28 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.28 Ungeeignete Konfiguration der aktiven Netzkomponenten Durch eine ungeeignete Konfiguration der Netzkomponenten kann es zu einem Verlust der Verfügbarkeit des Netzes oder Teilen davon, zu einem Verlust der Vertraulichkeit von Informationen oder zu einem Verlust der Datenintegrität kommen. Dabei können insbesondere die folgenden Fehlkonfigurationen unterschieden werden: - Aktive Netzkomponenten, die zur Bildung von VLANs (Virtual LANs) eingesetzt werden, segmentieren das Netz logisch. Im Fall einer Fehlkonfiguration kann ggf. die Kommunikation innerhalb eines VLANs, zwischen einzelnen oder zwischen allen VLANs zum Erliegen kommen. In Abhängigkeit der VLAN-Strategie des betreffenden Herstellers betrifft dies zum einen die Zuordnung von miteinander kommunizierenden Systemen zu den gleichen VLANs, zum anderen auch das VLAN-Routing, insofern ein solches durch die aktiven Netzkomponenten unterstützt wird. Beispiel: Bei VLANs, die nur über Router miteinander kommunizieren können, werden die zentralen Infrastrukturserver, die beispielsweise Dateiund Druckdienste bereitstellen, nicht gleichzeitig auch den VLANs der Arbeitsplatzsysteme zugeordnet, Router sind ebenfalls nicht vorhanden. In diesem Fall können einige Arbeitsplatzsysteme die Dienste der zentralen Infrastrukturserver nicht nutzen, da diese in einem nicht erreichbaren Teilnetz sind. - Ein Netz kann durch den Einsatz von Routern mittels Teilnetzbildung strukturiert werden. Für eine Kommunikation zwischen den Teilnetzen ist eine entsprechende Konfiguration der Router erforderlich, die hierzu die Leitwege zwischen den verschiedenen Teilnetzen in Routing-Tabellen vorhalten müssen. Routing-Tabellen können statisch oder dynamisch verwaltet werden. In beiden Fällen ist eine Kommunikation zwischen unterschiedlichen Teilnetzen nicht möglich, wenn die Routing-Tabellen keinen Leitweg zwischen den betreffenden Teilnetzen enthalten. Zu einer Fehlkonfiguration kann es dementsprechend durch eine fehlerhafte Definition statischer Routing-Tabellen oder durch eine fehlerhafte Konfiguration der Routing-Protokolle (wie z. B. RIP oder OSPF) kommen, die zum automatischen Abgleich dynamischer Routing-Tabellen verwendet werden. Beispiel: Eine Router-zu-Router-Verbindung ist durch einen statischen Eintrag der entsprechenden IP-Adressen konfiguriert. Bei einer Änderung der IP-Adresse einer der Router oder durch das Zwischenschalten eines weiteren Routers ist diese Kommunikationsstrecke nicht mehr verfügbar. - Aktive Netzkomponenten, die in der Lage sind, Protokolle oder Netzadressen zu filtern, können mit dieser Technik eine Kommunikation bestimmter Protokolle unterbinden oder eine Kommunikation zwischen Systemen mit bestimmten Netzadressen verhindern. Eine Fehlkonfiguration der betreffenden Filter kann entsprechend zu einer unerwünschten Unterbindung der Kommunikation in Abhängigkeit des fehlkonfigurierten Filters und der Art der Fehlkonfiguration führen. _____________________________________________________________________ .......................................... 28 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.28 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ebenso können fehlkonfigurierte Filter dazu führen, daß Verbindungen aufgebaut werden, die Eindringlingen die Möglichkeit bieten, Angriffe gegen IT-Systeme im geschützten Netz durchzuführen. Je nach Art des Angriffs kann daraus ein Verlust der Verfügbarkeit einzelner Netzkomponenten oder auch des ganzen Netzes resultieren. Weiterhin können z. B. durch die mögliche Manipulation der Verbindungswege Datenpakete umgeleitet werden oder Datenpakete verändert oder mitgelesen werden. Beispiele: Ein Multiport-Repeater ist so konfiguriert, daß nur Systeme mit bestimmten MAC-Adressen an bestimmte Ports angeschlossen werden können. Nach einem Austausch der Netzkarte in einem der Endgeräte und der damit verbundenen Änderung der MAC-Adresse, wird dieses System keine Verbindung mehr zum Netz bekommen (Verlust der Verfügbarkeit). Durch eine ungeeignete Konfiguration von aktiven Netzkomponenten (insbesondere von VLANs oder Filterregeln) können Broadcast-Domänen unnötig groß werden oder es können unnötige Kommunikationsverbindungen entstehen. Dadurch kann es Unbefugten möglich sein, vertrauliche Daten zu lesen. _____________________________________________________________________ .......................................... 29 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.29 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.29 Fehlende oder ungeeignete Segmentierung Lokale Netze können physikalisch durch aktive Netzkomponenten oder logisch durch eine entsprechende VLAN-Konfiguration segmentiert werden. Dabei werden die angeschlossenen IT-Systeme eines Netzes auf verschiedene Segmente verteilt. Dies verbessert die Lastverteilung innerhalb des Netzes und erhöht dessen Administrierbarkeit. Dabei kann es zu folgenden konkreten Gefährdungen kommen: - Verlust der Verfügbarkeit Durch eine hohe Anzahl von IT-Systemen innerhalb eines Schicht-2Segments erhöht sich in diesem die Netzlast. Dies kann die Verfügbarkeit dieses Netzsegmentes stark beeinträchtigen oder sogar zu dessen Überlastung und Ausfall führen. Bei CSMA/CD-basierten Netzzugangsprotokollen (z. B. Ethernet) kommt es daneben häufiger zu Kollisionen, wodurch sich die verfügbare Bandbreite reduziert. Eine ungeeignete Segementierung kann auch dann vorliegen, wenn Systeme durch aktive Netzkomponenten der Schicht 2 oder 3 getrennt werden, die sehr viel miteinander kommunizieren. - Kein ausreichender Schutz der Vertraulichkeit Um einen Schutz vertraulicher Daten gewährleisten zu können, sollten auch nur die unbedingt notwendigen Benutzer darauf Zugriff haben. Broadcast-Domänen sind daher auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken. Wurden die einzelnen Segmente jedoch ungeeignet konfiguriert, können nun auch andere Benutzer die übertragenen Nachrichten mit vertraulichen Daten mitlesen und ggf. auswerten. Beispiele: - Zwei IT-Systeme, die große Datenmengen austauschen, sind durch einen Router getrennt. Dies kann eine ungeeignete Segmentierung darstellen, da der Datenverkehr durch einen relativ langsamen Router geführt werden muß. - Zwei IT-Systeme, die häufig Paßwörter oder andere sensitive Informationen austauschen, sind durch eine Brücke getrennt. Dies bedingt, daß dieser Datenverkehr in beiden Segmenten abgehört werden kann. Die Begrenzung des Datenverkehrs zwischen diesen beiden IT-Systemen auf ein Segment würde einen höheren Schutz der Vertraulichkeit mit sich bringen. _____________________________________________________________________ .......................................... 30 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.30 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.30 Unerlaubte private Nutzung des dienstlichen Telearbeitsrechners Im häuslichen Bereich ist es einfacher, den dienstlichen Telearbeitsrechner privat zu nutzen, weil Kontrollen durch den Arbeitgeber nur bedingt möglich sind. Dadurch besteht die Gefahr, daß nicht geprüfte Software eingesetzt wird oder virenverseuchte Daten auf den Telearbeitsrechner gelangen. Diese unerlaubte Nutzung des Telearbeitsrechners kann nicht nur durch den Telearbeiter selbst, sondern auch durch Angehörige oder Besucher erfolgen. Insbesondere Kinder und Jugendliche können versucht sein, den Telearbeitsrechner für Spielzwecke zu verwenden, teilweise sogar, ohne daß der Telearbeiter dies merkt. Mögliche Schäden sind beispielsweise: gelöschte Festplatten mit Totalverlust der Daten, Reinstallationskosten oder Nacherfassungsarbeiten. _____________________________________________________________________ .......................................... 31 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.31 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.31 Unstrukturierte Datenhaltung Durch unzureichende Vorgaben und/oder fehlende Schulung der Mitarbeiter kann es zu einer unübersichtlichen Speicherung der Daten auf den benutzten Datenträgern kommen. Dadurch kann es zu verschiedenen Probleme kommen wie: - Speicherplatzverschwendung durch mehrfache Speicherung von Dateien, - vorschnelle Löschung oder nicht erfolgte Löschung von Daten, da keiner mehr weiß, was in welchen Dateien gespeichert ist, - unbefugte Zugriffe, wenn sich Dateien in Verzeichnisse oder auf Datenträgern befinden, die Dritten zugänglich gemacht werden, oder - nicht konsistente Versionsstände in verschiedenen Verzeichnen und ITSystemen. Beispiel: Es wurde unterlassen, einen neuen Mitarbeiter mit wenig IT-Erfahrung in die strukturierte Datenhaltung einzuweisen. Bereits nach kurzer Zeit traten Probleme auf, weil der Benutzer alle Dateien im Hauptverzeichnis gespeichert hatte, ohne auch nur ein Unterverzeichnis anzulegen. _____________________________________________________________________ .......................................... 32 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.32 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.32 Verstoß gegen rechtliche Rahmenbedingungen beim Einsatz von kryptographischen Verfahren Beim Einsatz kryptographischer Produkte sind diverse gesetzliche Rahmenbedingungen zu beachten. In einigen Ländern dürfen beispielsweise kryptographische Verfahren nicht ohne Genehmigung eingesetzt werden. Dies kann dazu führen, daß bei der Übermittlung verschlüsselter Datensätze in solche Länder die Empfänger diese nicht lesen können, da sie die benötigten Kryptomodule nicht einsetzen können, oder sich vielleicht sogar strafbar machen. Außerdem ist in sehr vielen Ländern auch der Export von Produkten mit starker Kryptographie erheblich eingeschränkt. Hier sind insbesondere die USA zu nennen. Bei Exportrestriktionen wird häufig die Stärke von an sich starken Verschlüsselungsprodukten künstlich (durch Reduzierung der Schlüsselmannigfaltigkeit) herabgesetzt. Solche künstlich geschwächten Verfahren bieten teilweise nicht einmal für mittleren Schutzbedarf ausreichenden Schutz. Dies gilt z. B. für aus den USA stammende PC-Standardsoftware wie InternetBrowser (SSL), in denen nur eine reduzierte Schlüssellänge von 40 Bit eingesetzt wird. Teilweise erfordern die Exportregelungen aber auch, daß Teile der Schlüssel hinterlegt werden, so daß die Kryptomodule zwar im Prinzip uneingeschränkt nutzbar sind, aber für die ausländischen Nachrichtendienste eine Zugriffsmöglichkeit im Bedarfsfall bleibt. Auf der anderen Seite können solche Einschränkungen, die beim Einsatz innerhalb mancher Länder bzw. beim Export gelten, dazu verleiten, schützenswerte Daten unverschlüsselt zu lassen oder mit minderwertigen Kryptoprodukten zu schützen. Dies kann zum einen Angreifern Tür und Tor öffnen und zum anderen auch zum Verstoß gegen nationales Recht führen. So kann durch Datenschutzgesetze der Einsatz adäquater kryptographischer Verfahren zum Schutz personenbezogener Daten vorgeschrieben sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 33 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.33 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.33 Fehlbedienung von Kryptomodulen Die Fehlbedienung von Kryptomodulen hat in der Praxis schon öfter zu Schäden geführt. Diese Fehlbedienung kann verschiedene Auswirkungen haben: - Daten werden unverschlüsselt übertragen, weil versehentlich der KlartextModus im Kryptomodul aktiviert wurde. - Bei der Eingabe von kryptographischen Schlüsseln werden Schlüsselteile falsch eingegeben. Die Folge ist, daß weder der Sender (dem die Falscheingabe nicht aufgefallen ist) noch der Empfänger (der den wirklich verwendeten Schlüssel nicht kennen kann) die mit dem falsch eingegebenen Schlüssel chiffrierten Daten korrekt entschlüsseln können. - Während des Verschlüsselungsvorgangs wird die Stromzufuhr des Kryptomoduls versehentlich ausgeschaltet. Dies hat zur Folge, daß nur Teile der Daten verschlüsselt vorliegen, andere Teile unverschlüsselt. In einem solchen Fall ist es möglich, daß eine Entschlüsselung nicht mehr möglich ist, weil der Vorgang unkontrolliert abgebrochen wurde. - Bei Eingabe von Verschlüsselungsparametern werden falsche Parameter eingegeben. Dies kann zur Folge haben, daß nicht ausreichend sichere Kryptoalgorithmen oder unsichere kryptographische Schlüssel verwendet werden. - Wird der Anwender bei der Schlüsselerzeugung beteiligt, in dem er bei der Generierung des Schlüssels zur Eingabe von zufälligen Zeichen aufgefordert wird, besteht eine Fehlbedienung auch darin, an dieser Stelle keine zufälligen Zeichen, sondern bekannte oder leicht erratbare Zeichenketten (Worte) zu verwenden. Derlei Fehlbedienungen eines Kryptomoduls können dazu führen, daß die Vertraulichkeit, die Integrität und die Verfügbarkeit von Daten beeinträchtigt wird. Als Beispiele seien genannt: - Daten werden nicht oder nicht mehr verschlüsselt, obwohl die Verschlüsselung zur Wahrung der Vertraulichkeit erforderlich wäre. - Verschlüsselte Daten können nicht mehr entschlüsselt werden, weil durch die Fehlbedienung eine ordnungsgemäße Nutzung des Kryptomoduls nicht mehr möglich ist. - Daten werden ungewollt oder absichtlich in einer Weise verschlüsselt, die nicht mehr rekonstruierbar ist, weil der notwendige kryptographische Schlüssel unbekannt ist. - Korrekt verschlüsselte Daten werden verändert, so daß die Daten dann nicht mehr entschlüsselbar sind. _____________________________________________________________________ .......................................... 34 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.34 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.34 Ungeeignete Konfiguration des Managementsystems Für den sicheren Einsatz eines Netz- und/oder Systemmanagementsystems ist eine konsistente Konfiguration aller beteiligten Komponenten nötig. Zwar werden die einzelnen Komponenten in der Regel von einer zentralen Instanz aus verwaltet (Managementkonsole), das Managementsystem besteht jedoch aus vielen Einzelkomponenten, die auf die zu verwaltenden Netzkomponenten verteilt sind. Eine konsistente Konfiguration eines solchen Systems läßt sich in zwei Bereiche unterteilen: - Einerseits müssen die mit Hilfe des Managementsystems eingestellten Konfigurationen der Systemkomponenten (z. B. Rechner, Router) insgesamt konsistent sein. Ein Server sollte also so konfiguriert sein, daß alle berechtigten Client-Maschinen zugreifen können, aber auch nur diese. - Andererseits muß auch die Managementsoftware selbst konsistent konfiguriert werden. Wird beabsichtigt oder unbeabsichtigt die Konsistenz der Konfigurationen verletzt, so arbeiten die Komponenten nicht mehr reibungslos zusammen, was zu Sicherheitsproblemen führen kann. Beispielsweise könnte ein Server nicht mehr zugreifbar oder Zugriffsrechte zu offen gesetzt sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 35 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.35 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.35 Server im laufenden Betrieb ausschalten Wird ein Netz durch ein Managementsystem verwaltet, so existieren (insbesondere im Bereich Systemmanagement) Server mit Sonderaufgaben. Auf den sogenannten Managementservern werden in der Regel Datenbanken mit Managementinformationen gehalten. Werden solche Server im laufenden Betrieb einfach ausgeschaltet, so werden z. B. die im Speicher des Rechners gehaltenen Daten nicht mehr auf das Dateisystem geschrieben. Dies hat zur Folge, daß beim nächsten Start der Maschine Inkonsistenzen auch in den Managementdaten existieren können. Große Managementsysteme benutzen deshalb in der Regel Datenbanken, die durch den Einsatz sogenannter Transaktionsmechanismen dafür sorgen, daß die Informationen in einen (alten) konsistenten Zustand zurückversetzt werden können. Dies verringert die Gefahr, kann sie jedoch nicht vollständig beseitigen und kann sogar zum Angriff genutzt werden (Ausnutzen einer alten Konfiguration mit weniger restriktiven Zugriffsrechten). _____________________________________________________________________ .......................................... 36 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.36 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.36 Fehlinterpretation von Ereignissen Beim Einsatz eines Managementsystems ist es eine Aufgabe des jeweils verantwortlichen Systemadministrators, die Meldungen des Managementsystems zu analysieren und zu interpretieren, um dann geeignete Maßnahmen einzuleiten. In der Regel basieren die Meldungen des Managementsystems auf Überwachungsmechanismen, die Systemprotokolle unterschiedlichster Art automatisch nach gewissen Regeln durchsuchen. Es ist dabei nicht einfach, aus der Fülle der anfallenden Protokolldaten automatisiert Anomalien, die auf Systemfehler hindeuten, zu erkennen und entsprechende Meldungen an den Systemadministrator zu erzeugen. Darüber hinaus kann ein Fehler hier sogar unentdeckt bleiben. Die eingehenden Meldungen müssen daher immer vom Systemadministrator gesichtet und interpretiert werden, da die Meldungen (im Fehlerfall) auf Fehlersymptome und deren (automatischer) Interpretation beruhen. Ein Systemadministrator muß hier auch Fehlalarme und Falschmeldungen erkennen können. Werden Systemmeldungen vom Administrator falsch interpretiert, so führen vermeintlich korrigierende Gegenmaßnahmen u. U. zu einer Verschlimmerung der Situation. _____________________________________________________________________ .......................................... 37 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.37 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.37 Unproduktive Suchzeiten Im Internet werden Millionen von Informationsseiten, Dokumente und Dateien angeboten. Zum Navigieren in diesem riesigen Informationsangebot wird eine durch einfachen Mausklick zu bedienende Querverweistechnik verwendet. Sie erlaubt den schnellen Wechsel auf weiterführende Informationsseiten, die ihrerseits wieder neue Querverweise auf weitere Seiten beinhalten. Das Springen über Querverweise von einer Informationsseite zu weiteren wird als "Surfen" bezeichnet und kann zu sehr langen Suchzeiten führen. In vielen Organisationen wurden Internetdienste eingeführt, ohne die damit verbundenen Ziele und erwarteten Auswirkungen vorher konkret zu untersuchen. Die Schulungen und Hilfen für die Benutzer sind häufig nicht ausreichend, so daß es zu unproduktiven Suchzeiten im vielfältigen Angebot des Internets kommt. Die Kosten für diese Abfragen sind oft weder den Benutzern noch den IT-Verantwortlichen bekannt. Nach Schätzung einer Unternehmensberatung entstehen durch Surfen sowie unnötige und langatmige Recherchen im Internet vermeidbare Personal- und Kommunikationskosten in mehrstelliger Millionenhöhe je Jahr. _____________________________________________________________________ .......................................... 38 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 3.38 Gefährdungskatalog Menschliche Fehlhandlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 3.38 Konfigurations- und Bedienungsfehler Konfigurationsfehler entstehen durch eine falsche oder nicht vollständige Einstellung der Parameter und Optionen, mit denen ein Programm gestartet wird. In diese Gruppe fallen z. B. falsch gesetzte Zugriffsrechte für Dateien. Bei Bedienungsfehlern sind nicht nur einzelne Einstellungen falsch, sondern es werden IT-Systeme oder IT-Anwendungen falsch behandelt. Ein Beispiel hierfür ist das Starten von Programmen, die für den Einsatzzweck des Rechners nicht notwendig sind, aber evtl. von einem Angreifer mißbraucht werden können. Beispiele für aktuelle Konfigurations- bzw. Bedienungsfehler sind das Speichern von Paßwörtern auf einem PC, auf dem ungeprüfte Software aus dem Internet ausgeführt wird (solche Software wurde z. B. im Frühjahr 1998 für das Ausspähen von T-Online-Paßwörtern eingesetzt), oder das Laden und Ausführen von schadhaften ActiveX-Controls. Diese Programme, die u. a. die Aufgabe haben, WWW-Seiten durch dynamische Inhalte attraktiver zu machen, werden mit den gleichen Rechten ausgeführt, die auch der Benutzer hat - sie können also beliebig Daten löschen, verändern oder versenden. Viele Programme, die für die ungehinderte Weitergabe von Informationen in einem offenen Umfeld gedacht waren, können bei falscher Konfiguration potentiellen Angreifern Daten liefern, die diese mißbrauchen können. So kann bspw. der finger-Dienst darüber informieren, wie lange ein Benutzer bereits am Rechner sitzt. Hierzu gehören auch WWW-Browser, die bei jeder Abfrage einer Datei eine Reihe von Informationen an den WWW-Server übermitteln (z. B. die Version des Browsers und des verwendeten Betriebssystems, den Namen und die Internet-Adresse des PCs). In diesem Zusammenhang sind auch die Cookies zu nennen. Hierbei handelt es sich um Dateien, in denen WWW-Server-Betreiber Daten über den WWW-Nutzer auf dem Rechner des Nutzers speichern. Diese Daten können beim nächsten Besuch des Servers abgerufen und vom Server-Betreiber für eine Analyse der vom Benutzer vorher auf dem Server besuchten WWW-Seiten verwendet werden. Der Einsatz eines Domain Name Systems (DNS), das für die Umsetzung eines Internet-Namens wie rechner1.universitaet.de in die zugehörige numerische Adresse zuständig ist, stellt eine weitere Gefahrenquelle dar. Zum einen ermöglicht ein falsch konfigurierter DNS-Server die Abfrage von vielen Informationen über ein lokales Netz. Zum anderen hat ein Angreifer durch die Übernahme dieses Servers die Möglichkeit, gefälschte IP-Nummern zu verschicken, so daß jeglicher Verkehr von ihm kontrolliert werden kann. Eine große Bedrohung geht auch von den automatisch ausführbaren Inhalten (Executable Content) in E-Mails oder HTML-Seiten aus. Dies ist unter dem Stichwort Content-Security-Problem bekannt. Dateien, die aus dem Internet geholt werden, können Code enthalten, der nur beim "Betrachten" und ohne Rückfrage beim Benutzer ausgeführt wird. Dies ist z. B. bei Makros in Winword-Dateien der Fall und wurde zum Erstellen von sogenannten MakroViren ausgenutzt. Auch neue Programmiersprachen und -schnittstellen wie ActiveX, Javascript oder Java, die für Anwendungen im Internet entwickelt worden sind, besitzen bei falscher Implementierung der Kontrollfunktionen ein Schadpotential. _____________________________________________________________________ .......................................... 39 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G4 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G4 Gefährdungskatalog Technisches Versagen G 4.1 Ausfall der Stromversorgung .....................................................1 G 4.2 Ausfall interner Versorgungsnetze.............................................2 G 4.3 Ausfall vorhandener Sicherungseinrichtungen ..........................3 G 4.4 Leitungsbeeinträchtigung durch Umfeldfaktoren.......................4 G 4.5 Übersprechen .............................................................................5 G 4.6 Spannungsschwankungen/Überspannung/ Unterspannung ...........................................................................6 G 4.7 Defekte Datenträger ...................................................................7 G 4.8 Bekanntwerden von Softwareschwachstellen ............................8 G 4.9 Ausfall der internen Stromversorgung .......................................9 G 4.10 Komplexität der Zugangsmöglichkeiten zu vernetzten IT-Systemen.............................................................................10 G 4.11 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen NISServer und NIS-Client..............................................................11 G 4.12 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen XServer und X-Client .................................................................12 G 4.13 Verlust gespeicherter Daten .....................................................13 G 4.14 Verblassen spezieller Fax-Papiere ...........................................14 G 4.15 Fehlerhafte Faxübertragung .....................................................15 G 4.16 Übertragungsfehler bei Fax-Versand .......................................16 entfallen G 4.17 Technischer Defekt des Fax-Gerätes........................................17 entfallen G 4.18 Entladene oder überalterte Notstromversorgung im Anrufbeantworter .....................................................................18 G 4.19 Informationsverlust bei erschöpftem Speichermedium ............19 G 4.20 Datenverlust bei erschöpftem Speichermedium.......................20 G 4.21 Ausgleichsströme auf Schirmungen.........................................21 G 4.22 Software-Schwachstellen oder -Fehler ....................................22 G 4.23 Automatische CD-ROM-Erkennung........................................23 G 4.24 Dateinamenkonvertierung bei Datensicherungen unter Windows 95 .............................................................................24 G 4.25 Nicht getrennte Verbindungen .................................................25 G 4.26 Ausfall einer Datenbank...........................................................26 G 4.27 Unterlaufen von Zugriffskontrollen über ODBC .....................27 G 4.28 Verlust von Daten einer Datenbank .........................................28 _____________________________________________________________________ .......................................... i IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G4 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.29 Datenverlust einer Datenbank bei erschöpftem Speichermedium ......................................................................29 G 4.30 Verlust der Datenbankintegrität/-konsistenz ............................30 G 4.31 Ausfall oder Störung von Netzkomponenten ...........................31 G 4.32 Nichtzustellung einer Nachricht...............................................35 G 4.33 Schlechte oder fehlende Authentikation ..................................36 G 4.34 Ausfall eines Kryptomoduls.....................................................37 G 4.35 Unsichere kryptographische Algorithmen ...............................38 G 4.36 Fehler in verschlüsselten Daten ...............................................40 G 4.37 Mangelnde Zeitauthentizität von E-Mail .................................41 G 4.38 Ausfall von Komponenten eines Netz- und Systemmanagementsystems.....................................................42 G 4.39 Software-Konzeptionsfehler ....................................................44 _____________________________________________________________________ .......................................... ii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 4.1 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.1 Ausfall der Stromversorgung Trotz hoher Versorgungssicherheit kommt es immer wieder zu Unterbrechungen der Stromversorgung seitens der Energieversorgungsunternehmen (EVU). Die größte Zahl dieser Störungen ist mit Zeiten unter einer Sekunde so kurz, daß der Mensch sie nicht bemerkt. Aber schon Unterbrechungen von mehr als 10 ms sind geeignet, den IT-Betrieb zu stören. Bei einer bundesweiten Messung mit ca. 60 Meßstellen wurden 1983 rund 100 solcher Netzeinbrüche registriert. Davon dauerten fünf Ausfälle bis zu 1 Stunde und einer länger als eine Stunde. Diese Unterbrechungen beruhten einzig auf Störungen im Versorgungsnetz. Dazu kommen Unterbrechungen durch Abschaltungen bei nicht angekündigten Arbeiten oder durch Kabelbeschädigungen bei Tiefbauarbeiten. Von der Stromversorgung sind nicht nur die offensichtlichen, direkten Stromverbraucher (PC, Beleuchtung usw.) abhängig. Alle Infrastruktureinrichtungen sind heute direkt oder indirekt vom Strom abhängig, z. B. Aufzüge, Rohrpostanlagen, Klimatechnik, Gefahrenmeldeanlagen, Telefonnebenstellenanlagen. Selbst die Wasserversorgung in Hochhäusern ist wegen der zur Druckerzeugung in den oberen Etagen erforderlichen Pumpen stromabhängig. Beispiel: In einem großen süddeutschen Industriebetrieb war die gesamte Stromversorgung für mehrere Stunden unterbrochen, da technische Probleme beim Stromversorgungsunternehmen aufgetreten waren. Infolgedessen fielen sowohl die Produktion als auch sämtliche Rechner der Entwicklungsabteilungen aus, die über keine Ersatz-Stromversorgung verfügten. _____________________________________________________________________ .......................................... 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.2 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.2 Ausfall interner Versorgungsnetze Es gibt in einem Gebäude eine Vielzahl von Netzen, die der Ver- und Entsorgung und somit als Basis für die IT dienen. Der Ausfall von Versorgungsnetzen wie: - Strom, - Telefon und - Klima/Lüftung kann zu einer sofortigen Störung des IT-Betriebs führen. Demgegenüber kann es bei Ausfall in den Bereichen: - Heizung, - Wasser, - Löschwasserspeisungen, - Abwasser, - Rohrpost, - Gas, - Melde- und Steueranlagen (Einbruch, Brand, Hausleittechnik) und - Sprechanlagen unter Umständen zu zeitverzögerten Störungen kommen. Die Netze sind in unterschiedlich starker Weise voneinander abhängig, so daß sich Betriebsstörungen in jedem einzelnen Netz auch auf andere auswirken können. Beispiele: - Der Ausfall der Stromversorgung wirkt nicht nur auf die IT direkt, sondern auch auf alle anderen Netze, die mit elektrisch betriebener Steuer- und Regeltechnik ausgestattet sind. Selbst in Abwasserleitungen sind u. U. elektrische Hebepumpen vorhanden. - Mit modernen TK-Anlagen (ISDN-Technik) ist es möglich, LANs aufzubauen. Störungen im TK-Netz wirken sich automatisch auf das dort realisierte LAN aus. - Der Ausfall der Wasserversorgung beeinträchtigt evtl. die Funktion von Klimaanlagen. - Der Ausfall der Klimaanlage kann die Nutzung des Gebäudes durch zu starke Erwärmung bzw. Abkühlung oder wegen mangelhaftem Luftaustausch beeinträchtigen. _____________________________________________________________________ .......................................... 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.3 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.3 Ausfall vorhandener Sicherungseinrichtungen Durch technische Defekte oder äußere Einflüsse (z. B. aufgrund von Alterung, Fehlbedienung, mangelhafter Wartung, Manipulation, Stromausfall) kann es zum Ausfall von Sicherungseinrichtungen kommen, so daß ihre Schutzwirkung stark herabgesetzt ist oder gänzlich ausfällt. Beispiele dafür sind: - defekte Türschlösser, - unzureichend funktionierende Feuerlöscher, - verschmutzte Brandmelder, - beschädigte Schlüssel oder Ausweiskarten, - festgeklemmte Riegelkontakte in Türen, - Einbrennen von Standbildern in Überwachungsmonitoren und - mit Holzkeilen aufgehaltene Brandabschnittstüren. _____________________________________________________________________ .......................................... 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.4 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.4 Leitungsbeeinträchtigung durch Umfeldfaktoren Die Übertragungseigenschaften von Kabeln mit elektrischer Signalübertragung können durch elektrische und magnetische Felder negativ beeinflußt werden. Ob dies zu einer tatsächlichen Störung der Signalübertragung führt, hängt im wesentlichen von drei Faktoren ab: - Frequenzbereich, Stärke und Dauer der Einwirkung, - Abschirmung des Kabels und - Schutzmaßnahmen bei der Datenübertragung (Redundanz, Fehlerkorrektur). Viele Beeinträchtigungen lassen sich im Vorfeld erkennen: - Entlang von Starkstromtrassen und im Bereich großer Motoren entstehen starke induktive Felder (Eisenbahn, Produktionsbetrieb, Aufzug), - Im Bereich von Sendeeinrichtungen existieren elektromagnetische Felder (Rundfunk, Polizei/Feuerwehr, Betriebsfunk, Personensuchanlagen, Funknetze), - Mobiltelefone ("Handys") überschreiten durch ihre Sendeleistung (2 bis 4 Watt) die Störempfindlichkeit vieler IT-Systeme, - Kabel beeinflussen sich gegenseitig durch wechselseitige Induktion. Unabhängig von den rein elektrischen oder magnetischen Einflüssen können weitere Umfeldfaktoren auf ein Kabel wirken: - hohe Temperaturen (in der Prozesssteuerung), - aggressive Gase und - hohe mechanische Belastungen (z. B. bei provisorischer Verlegung auf dem Fußboden oder Leitungen zu beweglichen Geräten). _____________________________________________________________________ .......................................... 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.5 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.5 Übersprechen Übersprechen ist eine spezielle Form der Leitungsbeeinträchtigung. Dabei wird die Störung nicht allgemein im Umfeld, sondern durch Ströme und Spannungen von Signalen erzeugt, die auf eine benachbarte Leitung übertragen werden. Die Stärke dieses Effektes ist vom Kabelaufbau (Abschirmung, Kabelkapazität, Isolationsgüte) und von den elektrischen Parametern bei der Informationsübertragung (Strom, Spannung, Frequenz) abhängig. Nicht jede Leitung, die durch Übersprechen beeinflußt wird, muß ihrerseits auch andere beeinflussen. Bekannt ist dies aus dem Telefonnetz. Dort sind Gespräche anderer Netzteilnehmer zu hören. Diese reagieren aber auf die Aufforderung "aus der Leitung zu gehen" oft deswegen nicht, weil das Übersprechen nur in eine Richtung geschieht. Das Prüfen eigener Leitungen auf eingekoppelte Fremdsignale gibt keine Auskunft darüber, ob die eigenen Signale auf andere Leitungen übersprechen und somit dort abhörbar sind. Der wesentliche Unterschied zu anderen Leitungsstörungen ist der, daß neben der Störung der Signalübertragung auf benachbarten Leitungen durch Übersprechen auswertbare Informationen auf fremden Leitungen zur Verfügung stehen können. _____________________________________________________________________ .......................................... 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.6 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.6 Spannungsschwankungen/Überspannung/ Unterspannung Durch Schwankungen der Versorgungsspannung kann es zu Funktionsstörungen und Beschädigungen der IT kommen. Die Schwankungen reichen von extrem kurzen und kleinen Ereignissen, die sich kaum oder gar nicht auf die IT auswirken, bis zu Totalausfällen oder zerstörerischen Überspannungen. Die Ursache dafür kann in allen Bereichen des Stromversorgungsnetzes entstehen, vom Netz des Energieversorgungsunternehmens bis zum Stromkreis, an dem die jeweiligen Geräte angeschlossen sind. _____________________________________________________________________ .......................................... 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.7 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.7 Defekte Datenträger Der Ausfall bzw. der Defekt einzelner Datenträger durch technische Mängel oder Beschädigung ist kein Einzelfall. Betroffen sind Massenspeicher wie Festplatten, Bänder oder Kassettensysteme. Festplatten können durch den "Headcrash" des Schreib-/Lesekopfes, Bänder oder Kassetten durch direkte mechanische Einwirkung zerstört werden. Auch CD-ROMs können durch Verkratzen der Oberfläche unbrauchbar werden. Vor allem aber Disketten sind von Ausfällen betroffen. Häufig stellt man fest, dass diese nicht mehr beschreibbar oder lesbar sind. Beispiele: - In einem mittelständischen Unternehmen kam es aufgrund von Bauarbeiten zur Staubentwicklung. Die Staubpartikel gelangten auf die Magnetplatte des im Unternehmen eingesetzten Rechners und führten zu einem "Headcrash", in dessen Folge Daten zerstört wurden. - Beim Laptop eines Außendienstmitarbeiters kam es zu unerklärlichen Ausfallerscheinungen, obwohl der Laptop immer sorgfältig verpackt transportiert wurde. Es stellte sich heraus, dass die Festplatte des Laptops durch einen Magneten beschädigt worden war, der zur Befestigung eines Klapptisches im Zug diente. - Während der Datensicherung eines Multimedia-PCs wurden ZIP-Disketten auf dessen Lautsprecher zwischengestapelt. Durch die Magnete in den Lautsprechern wurden Teile der Datenträger gelöscht. _____________________________________________________________________ .......................................... 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 4.8 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.8 Bekanntwerden von Softwareschwachstellen Unter Softwareschwachstellen sollen unbeabsichtigte Programmfehler verstanden werden, die dem Anwender nicht oder noch nicht bekannt sind und ein Sicherheitsrisiko für das IT-System darstellen. Es werden ständig neue Sicherheitslücken in vorhandener, auch in weit verbreiteter oder ganz neuer Software gefunden. Beispiele: Bekannte Beispiele für Softwareschwachstellen waren: - Ein Sendmail Bug unter Unix, durch den es für jeden Benutzer möglich war, unter der UID und GID von sendmail Programme auszuführen und Dateien zu verändern. - Die Routine gets unter Unix. Diese wurde vom Programm fingerd zum Einlesen einer Zeile benutzt, ohne dass eine Überprüfung der Variablengrenzen vorgenommen wurde. So konnte durch einen Überlauf der Stack so verändert werden, dass eine neue Shell gestartet werden konnte. - cgi-scripte, die mit WWW-Servern mitgeliefert wurden. Entfernte Anwender konnten sensible Informationen über den WWW-Server erlangen. - Ein Bug in der DNS-Software ermöglichte das Fälschen zwischengespeicherter DNS-Daten. - Fehlerhafte Implementationen des TCP/IP-Stacks. Diese ermöglichten das Lahmlegen ganzer Netze mittels übergroßer oder anders manipulierter Pakete. _____________________________________________________________________ .......................................... 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 4.9 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.9 Ausfall der internen Stromversorgung Der Einsatz eines mobilen IT-Systems, z. B. eines Laptop, setzt voraus, daß das System über eine vom Versorgungsnetz unabhängige Stromversorgung verfügt. Diese meist mit wiederaufladbaren Batterien konzipierte Stromversorgung reicht üblicherweise für eine mehrstündige Betriebsdauer. Nach dieser Zeit ist die ausreichende Stromversorgung nicht mehr gesichert, so daß das IT-System außer Betrieb genommen bzw. an das Stromnetz angeschlossen werden muß. Die überwiegende Zahl der mobilen Systeme überprüft kontinuierlich die Versorgungsspannung und zeigt einen kritischen Spannungsabfall an. Wird diese Anzeige ignoriert, kann es passieren, daß das System plötzlich seinen Dienst versagt und die letzten Arbeitsergebnisse im Hauptspeicher verloren gehen. _____________________________________________________________________ .......................................... 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.10 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.10 Komplexität der Zugangsmöglichkeiten zu vernetzten IT-Systemen Im Gegensatz zu Stand-alone-Systemen, bei denen im wesentlichen der Login-Prozeß für die Zugangskontrolle verantwortlich ist und die somit nur durch schlechte oder fehlende Paßwörter korrumpiert werden können, gibt es auf Netzrechnern sehr viele komplexe Prozesse, die die verschiedensten Arten von Zugängen erlauben. So ermöglicht z. B. unter Unix der sendmail-Daemon das Einbringen von Texten (Mails) in den Netzrechner, der FTP-Daemon einen, wenn auch etwas eingeschränkten, Login, der u. U. (anonymous FTP) nicht einmal durch ein Paßwort geschützt ist, der telnet-Daemon einen kompletten Login. Server-Systeme wie Windows NT oder Novell Netware vermeiden aus Sicherheitsgründen die Übertragung von Klartext-Paßwörtern. Dieser Schutzmechanismus wird jedoch durch den Einsatz von Diensten wie FTP oder Telnet unterlaufen, da hier wieder Klartext-Paßwörter Verwendung finden. Abgesehen davon, daß alle diese Prozesse durch eine falsche oder fehlerhafte Konfiguration eine Sicherheitslücke darstellen können, ist auf Grund ihres Umfanges natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, daß in einem dieser Prozesse ein sicherheitsrelevanten Programmierfehler ist, wesentlich größer. _____________________________________________________________________ .......................................... 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.11 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.11 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen NIS-Server und NIS-Client Kennt man den NIS-Domain-Namen, lässt sich jeder Rechner als Client anmelden, und es lassen sich alle NIS-Maps, insbesondere also auch die passwd-Map, abrufen. Ist es möglich, Administrationsrechte auf einem Rechner zu bekommen, lässt sich auf diesem ein NIS-Server-Prozess (ypserv) an einem privilegierten Port starten. Startet man nun den Client-Prozess ypbind auf dem zu infiltrierenden Rechner neu und sorgt dafür, dass der eigene Server-Prozess vor dem korrekten NIS-Server antwortet, lässt sich jede beliebige Information an den Client überspielen. _____________________________________________________________________ .......................................... 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 4.12 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.12 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen X-Server und X-Client Für das X-Window-System gilt im besonderen Maße, daß es ohne geeignete Sicherheitsmechanismen, wie z. B. "Magic Cookies" oder Verwendung von Secure Shell, nur in einer vertrauenswürdigen Umgebung eingesetzt werden sollte. Ohne Sicherheitsfunktionen besteht für alle beteiligten Benutzer die Möglichkeit, sowohl den X-Client als auch den X-Server zu korrumpieren. Der X-Server-Prozeß, der auf einem Rechner für die Ein- und Ausgabe zuständig ist, kann nicht erkennen, wem der X-Client-Prozeß gehört, der mit ihm kommuniziert. Alle X-Clients können also auf alle Daten, die auf einem X-Server eingegeben werden, zugreifen, und der X-Server hat keine Möglichkeit festzustellen, von welchem X-Client er Daten erhält. So simuliert z. B. das Programm meltdown das optische "Schmelzen" des Bildschirms eines beliebigen X-Servers. Genauso ist es möglich, Daten von einem xtermClient zu lesen oder ihm eigene Daten zu schicken, also z. B. Bildschirmabzüge von einem anderen, mit X-Windows arbeitenden Rechner zu machen. Beispiele: - Mit dem Tool xspy lassen sich automatisiert Tastatureingaben auf einem Xterm remote protokollieren. - Fenster, die von einem Angreifer auf einem X-Server dargestellt werden, sind optisch nicht von denen des eigentlich gewünschten X-Clients zu unterscheiden. Ein Angreifer kann auf diese Weise falsche Informationen einschleusen oder mit Hilfe von gefälschten Fenstern die Eingabe von sensitiven Informationen provozieren. _____________________________________________________________________ .......................................... 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 4.13 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.13 Verlust gespeicherter Daten Der Verlust gespeicherter Daten kann erhebliche Auswirkungen auf den ITEinsatz haben. Sind die Anwendungsdaten oder die Kundenstammdaten verloren oder verfälscht, so können privatwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz bedroht sein. Der Verlust oder die Verfälschung wichtiger Dateien kann in Behörden Verwaltungs- und Fachaufgaben verzögern oder sogar ausschließen. Dabei können die Gründe für den Verlust gespeicherter Daten vielfältiger Art sein: - Entmagnetisierung von magnetischen Datenträgern durch Alterung oder durch ungeeignete Umfeldbedingungen (Temperatur, Luftfeuchte), - Störung magnetischer Datenträger durch äußere Magnetfelder, - Zerstörung von Datenträgern durch höhere Gewalt wie Feuer oder Wasser, - versehentliches Löschen oder Überschreiben von Dateien, - technisches Versagen von Peripheriespeichern (Headcrash), - fehlerhafte Datenträger, - unkontrollierte Veränderungen gespeicherter Daten (Integritätsverlust) und - vorsätzliche Datenzerstörung durch Computer-Viren usw. _____________________________________________________________________ .......................................... 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.14 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.14 Verblassen spezieller Fax-Papiere Bei Fax-Geräten, die im Thermodruckverfahren arbeiten, muß Spezialpapier eingesetzt werden, auf dem oft bereits nach relativ kurzer Zeit die Schrift bis zur Unlesbarkeit verblaßt oder durch Schwärzung des Papieres unlesbar wird. Außerdem können sich diese Papiere bei Kontakt mit Textmarkern oder Klebstoffen so verfärben, daß der Text nicht mehr lesbar ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.15 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.15 Fehlerhafte Faxübertragung Beim Faxversand können Störungen auf dem Übertragungsweg oder an den beteiligten Geräten auftreten. Dadurch können Faxsendungen unvollständig, unlesbar oder gar nicht beim Empfänger ankommen. Entscheidungen, die von diesen Informationen abhängig sind, können fehlerhaft sein und somit Schäden verursachen. Störungen auf dem Übertragungsweg Weiterhin besteht die Gefahr, dass ein Fax an einen falschen Empfänger übermittelt wird. Ursache kann eine Fehlschaltung im öffentlichen Telekommunikationsnetz sein. Ebenso ist denkbar, dass bei herkömmlichen Faxgeräten Rufnummern falsch gewählt oder Zielwahltasten falsch programmiert werden. Bei der Verwendung von Faxservern kann eine Empfänger-Rufnummer falsch eingegeben oder im Adressbuch falsch abgespeichert werden. Dadurch können unter Umständen vertrauliche Informationen unbefugten Personen bekannt werden. Der mögliche Schaden ist von der Vertraulichkeit der Informationen abhängig. Darüber hinaus wird der Absender im Glauben bleiben, dass das Fax ordnungsgemäß an den gewünschten Adressaten übermittelt wurde. Hierdurch auftretende Zeitverzögerungen können zu Schäden führen. Zustellung an einen falschen Empfänger Beispiel: Eine bekannte deutsche Firma verlor einen Großauftrag, weil das Angebot versehentlich an einen falschen Empfänger versandt wurde. Hinweis: Die Maßnahmen G 4.16 Übertragungsfehler bei Fax-Versand und G 4.17 Technischer Defekt des Fax-Gerätes wurden in der Gefährdung G 4.15 Fehlerhafte Faxübertragung integriert. _____________________________________________________________________ .......................................... 15-17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 4.18 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.18 Entladene oder überalterte Notstromversorgung im Anrufbeantworter Bei Anrufbeantwortern mit einem digitalen Speicher wird der Ausfall der Netzenergieversorgung durch Batterie oder Akkumulator überbrückt, um so den Speicherinhalt zu erhalten. Ist die Kapazität von Batterie oder Akkumulator vor Ende der Netzunterbrechung erschöpft, werden in der Regel der Ansagetext und zusätzlich bei digitaler Anrufaufzeichnung auch die bereits aufgesprochenen Nachrichten gelöscht. _____________________________________________________________________ .......................................... 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.19 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.19 Informationsverlust bei erschöpftem Speichermedium Ist das Speichermedium (digitaler Speicher oder Audiokassette) des Anrufbeantworters mit aufgezeichneten Anrufen erschöpft, so ist eine weitere Aufzeichnung entweder nicht mehr möglich oder vorher aufgesprochene Nachrichten werden durch neue Anrufe überschrieben. In beiden Fällen entsteht ein Informationsverlust. _____________________________________________________________________ .......................................... 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.20 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.20 Datenverlust bei erschöpftem Speichermedium Jedes Speichermedium kann nur begrenzt viele Daten aufnehmen. Wenn diese Grenze erreicht ist, kann das zu Datenverlusten führen, aber auch dazu, dass Dienste nicht mehr verfügbar sind, wie z. B. dass - Benutzer keine Daten mehr abspeichern können, - eingehende E-Mail abgewiesen wird, - eingehende und ggf. ausgehende Faxsendungen abgewiesen werden, oder - keine Protokollierung mehr möglich ist bzw. dass noch nicht ausgewertete Protokolldaten überschrieben werden. Die Kapazität des Speichermediums kann aus verschiedenen Gründen plötzlich erschöpft sein, z. B. durch Fehler in Anwendungsprogrammen, erhöhten Speicherbedarf der Benutzer oder auch durch einen gezielten Angriff, bei dem vorsätzlich der vorhandene Speicherplatz reduziert wird, um eine Protokollierung zu verhindern. _____________________________________________________________________ .......................................... 20 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 4.21 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.21 Ausgleichsströme auf Schirmungen Werden IT-Geräte, die über ein TN-C-Netz elektrisch versorgt werden, durch Datenleitungen mit beidseitig aufgelegtem Schirm miteinander verbunden, kann es zu Ausgleichsströmen auf dem Schirm kommen (eine erläuternde Zeichnung findet man in M 1.39 Verhinderung von Ausgleichsströmen auf Schirmungen). Ursache dafür ist die Eigenart des TN-C-Netzes, daß bei ihm Schutz- (PE-) und Neutral- (N-) Leiter bis zu den einzelnen Verteilungen gemeinsam als PEN-Leiter geführt werden. Erst in der Verteilung erfolgt die Aufteilung in NLeiter und PE-Leiter. Diese Installation ist gemäß VDE 0100 zulässig! Werden die mit PE verbundenen Schnittstellen-Schirmungen von Geräten, die an verschiedenen Verteilungen angeschlossen sind, durch geschirmte Datenleitungen miteinander verbunden, kommt es zu einer Parallelschaltung des PEN-Leiters zwischen den Verteilungen und der Schirmung zwischen den Schnittstellen. Der dadurch über die Schirmung fließende Ausgleichsstrom kann zu Schäden an den Schnittstellen und zu Personengefährdungen bei Arbeiten an den Datenleitungen führen. Zwischen Geräten, die in einem TN-C-Netz an der gleichen Verteilung oder zwischen Geräten, die in einem TN-S-Netz - auch an verschiedenen Verteilungen - angeschlossen sind, fließen keine Ausgleichsströme über die Schirmung von Datenleitungen. Bei TN-CS-Netzen sind einige Teilbereiche als TN-C-Netz, andere als TN-SNetz ausgeführt. Solange Datenleitungen mit beidseitig aufgelegtem Schirm nur jeweils innerhalb gleichartiger Teilbereiche geführt werden, gelten dort die gleichen Verhältnisse wie in den jeweiligen Netzen. Werden jedoch ITGeräte aus unterschiedlichen Bereichen über Datenleitungen mit beidseitig aufgelegter Schirmung verbunden, können auch im TN-S-Bereich Ausgleichsströme fließen! _____________________________________________________________________ .......................................... 21 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.22 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.22 Software-Schwachstellen oder -Fehler Wie für jede Software gilt auch für Standardsoftware: je komplexer sie ist, desto häufiger treten Programmierfehler auf. Es ist zu beobachten, daß hohe Erwartungen der Anwender und zeitlich zu knapp bemessene Erscheinungstermine bei Standardsoftwareprodukten auch dazu führen, daß die Hersteller ihre Produkte teilweise unausgereift oder nicht fehlerfrei anbieten. Werden diese Softwarefehler nicht erkannt, können die bei der Anwendung entstehenden Fehler zu weitreichenden Folgen führen. Beispiele: - Die Stärke der in Standardsoftware implementierten Sicherheitsfunktionalitäten (wie Paßwörter oder Verschlüsselungsalgorithmen) wird vom Anwender häufig zu hoch eingeschätzt. Häufig können diese Sicherheitsfunktionalitäten einem sachkundigen Angriff nicht dauerhaft standhalten. Dies gilt z. B. für die Verschlüsselungsfunktionen, die in vielen Textverarbeitungsprogrammen integriert sind. Für fast alle davon gibt es im Internet zahlreiche Tools, um diese Verschlüsselung zu überwinden. - Nachweislich führte das Auftreten eines bestimmten Wortes in der Rechtschreibprüfung eines Textverarbeitungsprogrammes immer zu dessen Absturz. - Vielfach enthält Standardsoftware nicht dokumentierte Funktionen, wie sog. "Ostereier" oder "Gagscreens”, mit denen sich die Entwickler des Produktes verewigt haben. Zum einen werden hierdurch zusätzliche ITRessourcen verbraucht, zum anderen wird dadurch auch deutlich, daß im Softwaretest die gesamte Funktionalität des Produktes nicht bis ins letzte geklärt werden kann. - Die meisten Warnmeldungen der Computer Emergency Response Teams in den letzten Jahren bezogen sich auf sicherheitsrelevante Programmierfehler. Dies sind Fehler, die bei der Erstellung von Software entstehen und dazu führen, daß diese Software von Angreifern mißbraucht werden kann. Der größte Teil dieser Fehler wurde durch Speicherüberläufe (Buffer Overflow) hervorgerufen. Hierbei handelt es um Fehler, bei denen eine Routine zum Einlesen von Zeichen nicht prüft, ob die Länge der eingegebenen Zeichenkette mit der Länge des dafür vorgesehenen Speicherbereiches übereinstimmt. Dadurch ist es Angreifern möglich, eine überlange Zeichenfolge zu übertragen, so daß hinter dem für die Eingabe reservierten Speicherbereich zusätzliche Befehle gespeichert werden können, die zur Ausführung gebracht werden. Diese Befehle können z. B. beliebige Programme sein. - Eine weitere große Anzahl von Warnmeldungen wurde durch Verfügbarkeitsangriffe (Denial of Service, DoS) verursacht, bei denen durch Fehler in einzelnen Routinen, die für die Netzdatenverarbeitung eingesetzt werden, der gesamte Rechner zum Absturz gebracht werden kann (siehe z. B. CERT Advisory 97.28 zu IP Denial-of-Service Attacks: Teardrop and Land-Attack). _____________________________________________________________________ .......................................... 22 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.23 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.23 Automatische CD-ROM-Erkennung Bei eingeschalteter CD-ROM-Erkennung unter Windows 95 oder Windows NT werden CD-ROMs automatisch erkannt und die Datei AUTORUN.INF automatisch ausgeführt, wenn diese sich im Wurzelverzeichnis der CD-ROM befindet. Diese Datei kann beliebige auf der CDROM gespeicherte Programme (z. B. mit Schadfunktion) automatisch ausführen. Ob diese Option eingeschaltet ist, erkennt man zum Beispiel unter Windows 95 daran, daß der Explorer vor dem CD-ROM-Laufwerksbuchstaben den Namen der CD-ROM automatisch einblendet. Ein Nebeneffekt hierbei ist, daß Energiespar-Funktionen in der Regel nicht mehr aktiviert werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 23 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.24 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.24 Dateinamenkonvertierung bei Datensicherungen unter Windows 95 Werden zur Datensicherung unter Windows 95 Programme benutzt, die lange Dateinamen nicht unterstützen, so sind alle langen Dateinamen vor der Datensicherung mit dem zum Lieferumfang von Windows 95 gehörenden Programm LFNBK.EXE und der Option /B in die 8.3er-Konvention zu konvertieren. Anschließend ist das Datensicherungsprogramm aufzurufen. Schließlich sind die ursprünglichen Dateinamen mit LFNBK.EXE /R wieder herzustellen. Dieses Verfahren ist jedoch mit Vorsicht anzuwenden, da zum einen bei der Namenskonvertierung Informationen verloren gehen können, zum anderen sich Dateien nicht mehr herstellen lassen, sobald sich die Verzeichnisstruktur nach der Datensicherung auf diesem PC geändert hat. Dies kann dann einen Datenverlust zur Folge haben. _____________________________________________________________________ .......................................... 24 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.25 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.25 Nicht getrennte Verbindungen Bei der Verwendung von ISDN-Kommunikationskarten kann es vorkommen, daß eine über die Kommunikations-Software ausgelöste Verbindung nicht tatsächlich durch die ISDN-Karte getrennt wird. Besteht der Verdacht eines solchen Defekts, läßt sich dieser durch einen Anrufversuch bei der betreffenden ISDN-Rufnummer leicht verifizieren. Beispiel: Ein Netzadministrator hat vor seinem 14-tägigen Urlaub eine ISDN-Datenverbindung zu seinem Internet-Provider aufgebaut. Bei Beendigung der Sitzung wurde die ISDN-Verbindung nicht korrekt ausgelöst. Nach Beendigung des Urlaubs wunderte sich der Administrator über die recht hohe Rechnung für Verbindungsentgelte von Seiten des ISDN-Carriers. _____________________________________________________________________ .......................................... 25 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.26 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.26 Ausfall einer Datenbank Steht eine Datenbank, z. B. aufgrund von Hardware- oder Software-Problemen bzw. durch Sabotage, nicht mehr zur Verfügung, so kann dies je nach Einsatzzweck und Bedeutung der Datenbank weitreichende Folgen haben. Sämtliche Anwendungen, die auf die Daten der Datenbank angewiesen sind, können nicht mehr benutzt werden und fallen ebenfalls aus. Die Benutzer solcher Anwendungen können ihre Aufgaben nur noch teilweise oder gar nicht mehr wahrnehmen, falls sie diese nicht mit manuellen Mitteln erfüllen können. Je nach Art der Aufgaben, die nur mittels IT-Unterstützung unter Benutzung der Datenbank ausgeführt werden können, sind folgende Konsequenzen möglich: - wirtschaftlicher Schaden, - Sicherheitsrisiken, die bis hin zu Beeinträchtigungen im persönlichen Bereich führen können (z. B. bei medizinischen Datenbanken), - bedingte oder komplette Handlungsunfähigkeit. _____________________________________________________________________ .......................................... 26 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.27 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.27 Unterlaufen von Zugriffskontrollen über ODBC Existierende Zugangs- oder Zugriffskontrollen einer Datenbank können unterlaufen werden, wenn auf die Datenbank außerhalb einer Anwendung über ODBC (Open Database Connectivity) zugegriffen wird und bei der Installation der ODBC-Treiber Fehler gemacht wurden. In diesem Fall kann ein Schutz vertraulicher Daten nicht mehr gewährleistet werden, ebenso ist auch die Manipulation von Daten ohne weiteres möglich. _____________________________________________________________________ .......................................... 27 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.28 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.28 Verlust von Daten einer Datenbank Ein Verlust von Daten einer Datenbank kann auf vielfältige Art und Weise verursacht werden. Dies kann sich von ungewollten Datenmanipulationen (z. B. durch das unbeabsichtigte Löschen von Daten) über einen Verlust durch einen Crash der Datenbank bis hin zu gezielten Angriffen erstrecken. Dadurch ist die Verfügbarkeit und die Vollständigkeit der Daten nicht mehr gewährleistet, und es kann zu folgenden Konsequenzen kommen: - Bestimmte Anwendungen, die auf die Daten der Datenbank angewiesen sind, können ggf. nicht mehr oder nicht mehr in vollem Umfang ausgeführt werden. - Der Informationsgehalt der Daten in ihrer Gesamtheit geht verloren. - Es entsteht ein hoher Aufwand, um die zerstörten Daten wiederzubeschaffen. Je nach Ursache des Datenverlustes kann es schwer bis unmöglich sein festzustellen, welche Daten nicht mehr vorhanden sind. Dies kann weitere wirtschaftliche Schäden oder Sicherheitsrisiken nach sich ziehen. Beispiel: Bei Änderungen des Datenmodells müssen zunächst die alten Tabellen und Strukturen gesichert und dann gelöscht werden. Anschließend werden die neuen Tabellen angelegt. Danach müssen die alten Datenbestände konvertiert und in die geänderten Tabellen eingespielt werden. Durch Fehler bei diesen Abläufen kann es schnell passieren, daß Daten verloren gehen oder sich nicht mehr einspielen lassen. _____________________________________________________________________ .......................................... 28 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.29 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.29 Datenverlust einer Datenbank bei erschöpftem Speichermedium Jedes Speichermedium kann nur begrenzt viele Daten aufnehmen. Dies gilt auch für eine Datenbank, die für die dauerhafte Speicherung ihrer Daten auf ein physikalisches Speichermedium zurückgreifen muß. Ist dieses erschöpft, kann es zu einem Crash der Datenbank und einem Verlust von Daten kommen. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen werden in G 4.28 Verlust von Daten einer Datenbank beschrieben. Die Kapazität des Speichermediums kann aus verschiedenen Gründen plötzlich erschöpft sein, z. B. durch Fehler in Anwendungsprogrammen, erhöhtem Speicherbedarf der Benutzer oder auch durch einen gezielten Angriff, bei dem vorsätzlich der vorhandene Speicherplatz reduziert wird, um z. B. eine Protokollierung zu verhindern. _____________________________________________________________________ .......................................... 29 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.30 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.30 Verlust der Datenbankintegrität/-konsistenz Ein Verlust der Datenbankintegrität/-konsistenz bedeutet, daß die Daten in der Datenbank zwar noch vorhanden sind, aber einen fehlerhaften oder sinnlosen Wert angenommen haben. Dadurch können die Daten nicht mehr korrekt verarbeitet werden. Dies kann auf vielfältige Art und Weise verursacht werden, von ungewollten Datenmanipulationen (z. B. durch das unbeabsichtigte Ändern von Daten) über eine fehlerhafte Synchronisationskontrolle der Transaktionen bis hin zu gezielten Angriffen. Dadurch kann es zu folgenden Konsequenzen kommen: - Bestimmte Aufgaben, die auf die korrekten Daten der Datenbank angewiesen sind, können ggf. nicht mehr oder nicht mehr in vollem Umfang durchgeführt werden. - Der Informationsgehalt der Daten in ihrer Gesamtheit wird verfälscht. - Es entsteht ein hoher Aufwand, um die Datenintegrität und Datenkonsistenz der Datenbank wiederherzustellen. Je nach Ursache der Verletzung der Datenbankintegrität/-konsistenz kann es schwer bis unmöglich sein festzustellen, welche Daten verändert wurden. Dies kann weitere wirtschaftliche Schäden oder Sicherheitsrisiken nach sich ziehen. Beispiel: Aus Platzmangel und Zeitdruck wurde auf einem Unix-Server eine Datei einer Datenbank im /tmp-Dateisystem angelegt. Dieses wurde durch einen cron-Job über Nacht gelöscht, so daß daraufhin die gesamte Datenbank nicht mehr nutzbar war. _____________________________________________________________________ .......................................... 30 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.31 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.31 Ausfall oder Störung von Netzkomponenten Durch einen Ausfall oder eine Störung von aktiven Netzkomponenten kommt es zu einem Verlust der Verfügbarkeit des Netzes oder von Teilbereichen davon. Hier können 3 Varianten unterschieden werden: - Bei Ausfall oder Störung der kompletten Netzkomponente ist das gesamte Netz für alle angeschlossenen Endgeräte nicht mehr verfügbar. Beim Ausfall oder Störung nur eines Ports ist nur für das dort angeschlossene Endgerät das Netz nicht mehr verfügbar. Beispiel: Fällt, wie in der folgenden Abbildung dargestellt, der zentrale Switch 1 völlig aus, ist keinerlei Kommunikation zwischen den angeschlossenen Endgeräten mehr möglich. Switch 1 Arbeitsplatz 1 Arbeitsplatz 2 Server 1 Server 2 Arbeitsplatz 3 Arbeitsplatz 4 - Es handelt sich um aktive Netzkomponenten, die zwar nicht direkt an den Netzsegmenten von miteinander kommunizierenden Arbeitsplatz- und Serversystemen angeschlossen sind, jedoch im Signalpfad zwischen Arbeitsplatz- und Serversystemen liegen. Falls keine redundanten Signalpfade zwischen den betreffenden Arbeitsplatz- und Serversystemen zur Verfügung stehen, kann bei Ausfall oder Störung einer oder mehrerer dieser Komponenten keine oder nur eingeschränkte Kommunikation zwischen Arbeitsplatz- und Serversystemen mehr stattfinden. Beispiel: Fällt, wie in der folgenden Abbildung dargestellt, Switch 1 völlig aus, ist von den Arbeitsplätzen 3 und 4 weder eine Kommunikation mit den beiden Servern noch mit den anderen Arbeitplätzen möglich. _____________________________________________________________________ .......................................... 31 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.31 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Switch 1 Switch 2 Switch 3 Server 1 Arbeitsplatz 1 Arbeitsplatz 2 Server 2 Arbeitsplatz 3 Arbeitsplatz 4 - Es handelt sich um aktive Netzkomponenten, die nicht notwendigerweise im Signalpfad zwischen Arbeitsplatz- und Serversystemen liegen, da ein zweiter, redundanter Signalpfad existiert. Dies können z. B. aktive Netzkomponenten sein, die aus Redundanzgründen oder zum Load-Balancing installiert sind. Bei Ausfall oder Störung einer oder mehrerer dieser Komponenten ist eine Kommunikation zwischen Arbeitsplatz- und Serversystemen weiter möglich, es tritt jedoch dennoch ein Bandbreitenverlust im Netz ein, da redundante Signalpfade ggf. nicht mehr vorhanden sind oder eine Lastverteilung im Netz nicht mehr im vollen Umfang möglich ist. Beispiel: Fällt, wie in der folgenden Abbildung dargestellt, einer der redundanten Switches 1-1 oder 1-2 aus, kann dies einen Bandbreitenverlust in der Kommunikation zwischen den Arbeitsplätzen und dem Server zur Folge haben. _____________________________________________________________________ .......................................... 32 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.31 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Switch 1-1 Switch 1-2 Switch 2 Switch 3 Server 1 Arbeitsplatz 1 Arbeitsplatz 2 Arbeitsplatz 3 Arbeitsplatz 4 Zur Beurteilung des Ausfallrisikos können die herstellerseitig angegebenen MTBFs (Mean Time Between Failure) der Komponenten herangezogen werden. Bei Hubs können prinzipiell zwei Techniken unterschieden werden, wie die Verbindung zwischen den einzelnen Modulen und damit den angeschlossenen Segmenten erfolgt. Bei Produkten mit passiver Backplane, dem Element, welches die Verbindung zwischen Modulen herstellt, stellt diese lediglich die elektrische Verbindung zwischen den Modulen her. Die eigentliche Steuerungselektronik ist auf den einzelnen Modulen untergebracht. Bei Produkten mit aktiver Backplane stellt diese zusätzliche Funktionalität bereit, wie konfigurierbare Kommunikation zwischen den Modulen, Signalverstärkung usw. Generell sollte berücksichtigt werden, daß aktive Netzkomponenten mit aktiver Backplane störanfälliger sind, als aktive Netzkomponenten mit passiver Backplane. Durch den Ausfall einer aktiven Backplane fällt die gesamte Kommunikation innerhalb der entsprechenden Netzkomponente aus. Eine passive Backplane kann aufgrund ihrer Bauweise dagegen nur durch mechanische Gewalteinwirkung oder durch höhere Gewalt (z. B. Blitzschlag) zerstört werden. Weiterhin stellt das Netzteil der Komponenten eine häufige Störungsursache dar, da alle aktiven Netzkomponenten auf eine stabile Stromversorgung angewiesen sind. Viele Komponenten lassen sich deshalb mit redundanten Netzteilen ausrüsten oder sind hiermit bereits ausgestattet. Im gleichen Maße kann der Ausfall einer passiven Netzkomponente den Verlust der Verfügbarkeit eines Netzes bedingen. Dies trifft beispielsweise für Kabel und Steckverbinder zu, die Segmente miteinander verbinden. Diese Gefährdung kann z. B. bei nicht sachgemäßer Installation der Kabel (z. B. Nichtbeachtung des maximalen Biegeradiuses), fehlerhafter Konfektion der _____________________________________________________________________ .......................................... 33 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.31 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Kabel mit Steckverbindern (insbesondere bei LWL) oder Störungen durch elektromagnetische Unverträglichkeit eintreten. Beispiel: Fällt, wie in der folgenden Abbildung dargestellt, die Verbindung zwischen Switch 3 und Switch 1 durch ein defektes Kabel oder einen defekten Steckverbinder aus, können die Arbeitsplätze 3 und 4 weder mit den Servern, noch mit den Arbeitsplätzen 1 und 2 kommunizieren. Eine Kommunikation zwischen den Arbeitsplätzen 3 und 4 ist jedoch weiterhin möglich. Switch 1 Switch 2 Switch 3 Server 1 Arbeitsplatz 1 Arbeitsplatz 2 Server 2 Arbeitsplatz 3 Arbeitsplatz 4 _____________________________________________________________________ .......................................... 34 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.32 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.32 Nichtzustellung einer Nachricht Der Datenaustausch über E-Mail ist schnell und komfortabel, aber nicht immer sehr zuverlässig. Aufgrund von Hardware- oder Softwarefehlern bei den beteiligten IT-Systemen oder durch Störungen auf dem Übertragungsweg kommt es immer wieder zum Nachrichtenverlust. Die technischen Probleme können vielfältige Ursachen haben, z. B. können Leitungen beschädigt sein, Netzkopplungselemente ausfallen oder die Kommunikationssoftware falsch konfiguriert sein. E-Mails können auch verloren gehen, weil die Empfängeradresse nicht korrekt angegeben war. Dabei ist das größte Problem, daß die Benutzer häufig nicht über die unterbliebene Zustellung der E-Mail informiert werden. Auf eine automatisierte Unterrichtung bei einer unterbliebenen Zustellung kann nicht vertraut werden. Viele E-Mail-Programme bieten Optionen wie "Zustellung bestätigen" oder "Empfang bestätigen". Entsprechende Rückmeldungen sollten aber nicht überbewertet werden. Zum einen werden die Zustellbestätigungen häufig nicht durch die Ankunft einer E-Mail am Bildschirmarbeitsplatz des Empfängers ausgelöst wird, sondern durch die Ankunft bei einem Mail-Server. Ob der Mail-Server die E-Mail erfolgreich an den Adressaten weitergeleitet hat, wird dann nicht mehr mitgeteilt. Zum anderen erfolgt auch häufig keine tellbestätigung, obwohl die E-Mail korrekt übertragen wurde, wenn diese Option durch die Empfängerseite nicht unterstützt wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 35 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.33 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.33 Schlechte oder fehlende Authentikation Authentikationsmechanismen können zur Authentikation von Benutzern oder Komponenten oder zur Bestimmung des Datenursprungs eingesetzt werden. Wenn Authentikationsmechanismen fehlen oder zu schlecht sind, besteht die Gefahr, daß - Unbefugte auf IT-Systeme oder Daten Zugriff nehmen können, - die Verursacher von Problemen nicht identifiziert werden können oder - die Herkunft von Daten nicht bestimmt werden kann. Sicherheitslücken entstehen - bei der Benutzerauthentikation, wenn z. B. Benutzer Paßwörter wählen, die einfach zu erraten sind, oder wenn sie die Paßwörter nie wechseln, - bei der Komponentenauthentikation, wenn z. B. nach Inbetriebnahme eines IT-Systems Default-Paßwörter nicht durch individuell gewählte ersetzt werden, wenn die Paßwörter, die bei vielen IT-Systemen fest eingegeben werden, nie wieder geändert werden oder wenn die Paßwörter nicht sicher hinterlegt werden und sich nach einem Systemabsturz herausstellt, daß das jetzt dringend benötigte Paßwort vergessen wurde, - bei der Wahl der Verfahren, wenn diese z. B. völlig untauglich sind oder Sicherheitslücken bekannt werden, auf die im laufenden Betrieb aber nicht reagiert wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 36 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.34 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.34 Ausfall eines Kryptomoduls Wird ein Kryptomodul zur Sicherung der Vertraulichkeit schützenswerter Daten eingesetzt, kommt dem fehlerfreien Funktionieren des Kryptomoduls eine besondere Bedeutung zu. Der Ausfall eines solchen im Einsatz befindlichen Kryptomoduls kann auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein: - technischer Defekt, der die Funktionsfähigkeit beeinträchtigt, - Stromausfall, in dessen Folge die flüchtig gespeicherten kryptographischen Schlüssel gelöscht werden, so daß das Kryptomodul infolgedessen nicht mehr ordnungsgemäß verschlüsseln kann, - unabsichtliche oder absichtliche Zerstörung durch mechanische Einwirkung, Fehlbedienung oder ähnliches. Die Folgeschäden aufgrund des Ausfalls eines Kryptomoduls können ebenfalls vielseitig sein. Hier sind insbesondere zu nennen: - Die kryptographische Absicherung einer Datenübertragungsstrecke ist nicht mehr möglich, so daß die Vertraulichkeit temporär nicht mehr gewahrt werden kann. Dies ist insbesondere dann kritisch, wenn der Ausfall nicht bemerkt wird und durch die Fehlfunktion keine Verschlüsselung mehr stattfindet, obwohl die Anwender auf die Sicherstellung der Vertraulichkeit der Daten durch das Kryptomodul bauen. - Verschlüsselte Daten können nicht mehr entschlüsselt werden, solange das erforderliche Kryptomodul nicht mehr verfügbar ist. Daraus können sich Verfügbarkeitsprobleme für IT-Anwendungen ergeben, die die entschlüsselten Daten weiterverarbeiten. - Arbeitet das Kryptomodul fehlerhaft, ohne daß ein vollständiger Ausfall eintritt, werden Daten unvollständig oder inkorrekt verschlüsselt. In beiden Fällen kann es bedeuten, daß im Falle der Datenübertragung der Empfänger der Daten bzw. bei lokaler Speicherung der Daten der Anwender die Daten nicht mehr korrekt entschlüsseln kann. Ohne entsprechende Datensicherungen bedeutet dies ggf. einen Totalverlust der Daten. _____________________________________________________________________ .......................................... 37 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.35 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.35 Unsichere kryptographische Algorithmen Der Sicherheitszugewinn durch Einsatz kryptographischer Verfahren ist grundsätzlich von zwei Parametern abhängig: es müssen sichere kryptographische Algorithmen eingesetzt werden und die geheimen Schlüssel müssen vertraulich gehandhabt werden (zur Kompromittierung kryptographischer Schlüssel siehe G 5.83). Unsichere kryptographische Algorithmen sind dadurch gekennzeichnet, daß es einem potentiellen Angreifer mit vertretbaren Ressourcen gelingt, das eingesetzte kryptographische Verfahren zu brechen. Bei Verschlüsselungsalgorithmen bedeutet dies, daß es gelingt, aus dem verschlüsselten Text den ursprünglichen Klartext zu ermitteln, ohne daß zusätzliche Informationen bekannt sind. Dabei sind als relevante Ressourcen auf Angreiferseite z. B. die verfügbare Rechenleistung, Hilfsmittel wie Analysetools, vorhandene Kenntnisse, verfügbare Arbeitszeit, Kenntnisse über Schwachstellen etc. zu berücksichtigen. Werden also unsichere kryptographische Algorithmen eingesetzt, besteht für Angreifer die Möglichkeit, den kryptographischen Schutz zu unterlaufen. Ob jedoch ein kryptographischer Algorithmus unsicher ist, muß jeweils im Einzelfall untersucht werden. Es gibt jedoch einige Kriterien, die auf Unsicherheiten schließen lassen: - Werden bei symmetrischen Verschlüsselungsverfahren geheime Schlüssel benutzt, deren effektive Länge geringer als 60 Bit ist, so können sie heute mit massivem Rechnereinsatz durch Ausprobieren aller potentiell möglichen Schlüssel gebrochen werden. Mit steigender Rechnerleistung ist anzunehmen, daß diese Grenze in Zukunft auf 80 Bit steigen wird. - Werden bei asymmetrischer Verschlüsselungs- und Signaturverfahren Algorithmen eingesetzt, deren Sicherheit auf dem Problem des Faktorisierens großer Zahlen basiert, so wird heute angenommen, daß Schlüssellängen von weniger als 768 Bit als unsicher zu betrachten sind. Dies begründet sich in den Fortschritten bei der Entwicklung effizienter Faktorisierungsalgorithmen, die heute unter massivem Rechnereinsatz Faktorisierungen von Zahlen mit rund 500 Bit erlauben. Daneben ist die mögliche Entwicklung von opto-elektronischen Beschleunigern für einen wesentlichen Teil-Rechenschritt bei diesen Verfahren in Betracht zu ziehen, was diese wesentlich beschleunigen würde. - Hashfunktionen, die eine beliebig lange Zeichenkette auf einen Hashwert mit konstanter Bitlänge abbilden, können als unsicher betrachtet werden, wenn die konstante Länge des Hashwertes geringer ist als 128 Bit, da sonst zwei Zeichenketten ermittelt werden können, die den gleichen Hashwert ergeben. - Kryptographische Algorithmen, die von unerfahrenen Entwicklern entworfen wurden und nicht in der wissenschaftlichen Szene untersucht wurden, sollten als potentiell unsicher betrachtet werden, da die Entwicklung sicherer kryptographischer Algorithmen langjährige Erfahrung voraussetzt. - Nicht veröffentlichte kryptographische Algorithmen, die auffällig schnell in Software ablaufen, sollten ebenfalls als potentiell unsicher betrachtet _____________________________________________________________________ .......................................... 38 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.35 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... werden. Die Erfahrung zeigt, daß sichere Algorithmen meist auf komplexen mathematischen Funktionen beruhen müssen. - Bei der Anwendung kryptographischer Verfahren werden häufig Zufallszahlen benötigt. Schlechte Zufallszahlengeneratoren können dazu führen, daß die damit erzeugten Werte vorhersagbar sind. Dadurch können z. B. kryptographische Checksummen, die die Nachrichtenintegrität sicherstellen sollen, wertlos werden. Von diesen Kriterien betroffen ist beispielsweise der weltweit sehr häufig eingesetzte DES-Algorithmus zur symmetrischen Verschlüsselung. Dieser benutzt eine effektive Schlüssellänge von 56 Bit. Der sogenannte Tripel-DESAlgorithmus als dreifache Hintereinanderausführung mit zwei Schlüsseln hat eine effektive Schlüssellänge von 112 Bit und kann zur Zeit als ausreichend sicher betrachtet werden. Auch betroffen ist der RSA-Algorithmus, der als asymmetrisches Verfahren auf dem Faktorisierungsproblem basiert. Wird dieser mit einer Schlüssellänge unter 512 Bit betrieben, kann von potentiellen Unsicherheiten ausgegangen werden. Für die nächsten Jahre wird eine Schlüssellänge von mehr als 1024 Bit als ausreichend sicher angesehen. Ein häufiges Beispiel unsicherer, aber sehr schneller Algorithmen ist die sogenannte XOR-Funktion, bei der konstante Werte mit dem ursprünglichen Klartext auf einfache Weise verknüpft werden. Dies ist ein hochperformanter Algorithmus, der jedoch sehr schnell gebrochen werden kann. Die XORFunktion kann andererseits aber der sicherste Verschlüsselungsalgorithmus überhaupt sein, wenn die zu verschlüsselnden Daten mit nicht vorhersagbaren Zufallswerten XOR-iert werden (One-Time-Pad). Für den Laien ist es praktisch unmöglich, festzustellen, ob ein kryptographischer Algorithmus ausreichend sicher ist. Daher sollten nur solche Algorithmen eingesetzt werden, die bekanntermaßen von Experten entwickelt wurden oder die einer langjährigen Untersuchung durch die wissenschaftliche Szene unterzogen wurden. _____________________________________________________________________ .......................................... 39 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.36 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.36 Fehler in verschlüsselten Daten Liegen Daten in verschlüsselter Form vor und werden diese verändert, kann es bei der Entschlüsselung der Daten dazu kommen, daß die Daten nicht mehr korrekt entschlüsselt werden können. Je nach Betriebsart der Verschlüsselungsroutinen kann dies bedeuten, daß nur wenige Bytes falsch entschlüsselt werden oder daß sämtliche Daten ab dem Fehler falsch entschlüsselt werden. Gibt es keine Datensicherung, kann dies einen Totalverlust der Daten bedeuten. Die genannten Fehler in den verschlüsselten Daten können auf verschiedene Weise entstehen: - Bei der Datenübertragung der verschlüsselten Daten kommt es zu einem Übertragungsfehler, der nicht behoben werden kann. - Auf dem Speichermedium (Diskette, Festplatte) kommt es zu einem irreparablen Fehler. - Ein Computer-Virus führt an den Daten Manipulationen durch. - Ein Dritter führt absichtlich Manipulationen an den Daten durch, beispielsweise indem die verschlüsselten Daten mit einem Editor-Programm an wenigen Stellen manipuliert werden. In ungünstigen Fällen, wenn z. B. ein Bitverlust auftritt oder zu große Datenmengen verändert werden und eine Fehlerfortpflanzung stattfindet, können die Daten selbst bei Kenntnis des kryptographischen Verfahrens und der zur Verschlüsselung benutzten Schlüssel nicht mehr rekonstruiert werden. Noch kritischer kann sich ein Fehler in den verwendeten kryptographischen Schlüsseln auswirken. Schon die Änderung eines einzigen Bits eines kryptographischen Schlüssels führt dazu, daß sämtliche damit verschlüsselten Daten nicht mehr entschlüsselt werden können. Ohne eine Datensicherung des kryptographischen Schlüssels sind diese Daten verloren. _____________________________________________________________________ .......................................... 40 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.37 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.37 Mangelnde Zeitauthentizität von E-Mail In einer E-Mail können verschiedene Zeitinformationen wie über Absendezeit, Weiterleitungszeiten oder Empfangszeit enthalten sein. Diese sind allerdings nicht manipulationssicher. Die Absendezeit kann beispielsweise durch Verstellen der Systemzeit auf dem Ursprungsrechner gefälscht werden. Im Verlauf des Weges, den eine E-Mail vom Absender zum Empfänger nimmt, kann der Mail-Header, insbesondere Einträge von Uhrzeit, Datum und Adresse des Mail-Servers, beliebig gefälscht werden. Als weitere Attacke ist das systematische und gezielte Verfälschen und Umleiten von SMTP-Paketen zu nennen. _____________________________________________________________________ .......................................... 41 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.38 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.38 Ausfall von Komponenten eines Netz- und Systemmanagementsystems Bei einem Netz- und Systemmanagementsystem kann es zu einem Ausfall verschiedener Komponenten kommen. Einige der dadurch entstehenden Probleme und Gefährdungen sind im folgenden beschrieben. Ausfall von verwalteten Komponenten Fallen beim Einsatz eines Netz- und Systemmanagementsystems damit verwaltete Komponenten aus, so kann es je nach Managementsystem vorkommen, daß die Managementinformationen nicht automatisch aufgrund dieses Ereignisses aktualisiert werden. In der Regel wird dem Systemadministrator z. B. bei Netzmanagementsystemen nur das Ausfallen der Komponente angezeigt. Wird z. B. der Ausfall der Komponente von einem Angreifer beobachtet oder bewußt herbeigeführt, so kann dieser u. U. außerhalb des LANs einen eigenen Rechner in das System einbringen und als die ausgefallene Komponente ausgeben (IP-Spoofing). Dieser Rechner kann dann zu weiteren Angriffen genutzt werden, bei denen er dann mit den Rechten eines internen Rechners ausgestattet ist (z. B. Einbringen falscher Managementinformationen). Ausfall von Überwachungskomponenten Fallen beim Einsatz eines Managementsystems Teile des Systems (auch unbemerkt) aus, so sind die durch die Komponente überwachten oder verwalteten Systemkomponenten nicht mehr an das Managementsystem angeschlossen. Neue eingehende Managementanweisungen werden dadurch nicht mehr auf diesen Rechnern umgesetzt. Dies hat zur Folge, daß inkonsistente Systemkonfigurationen entstehen, die wiederum zu Sicherheitsproblemen führen können. Nichtverfügbarkeit der zentralen Managementstation Fällt in einem durch ein Managementsystem verwalteten Netz die zentrale Managementstation aus, so kann das System nicht mehr zentral verwaltet werden. Dauert die Nichtverfügbarkeit länger an, weil z. B. die Hardware aufgrund fehlender Wartungsverträge nicht kurzfristig ersetzt werden kann, so werden unter Umständen Routinefunktionen wie etwa Datensicherungen nicht mehr angestoßen. Werden nun "von Hand" Änderungen an den einzelnen verwalteten Systemen unkoordiniert durchgeführt, so entstehen Inkonsistenzen und möglicherweise Sicherheitsprobleme. Ausfall von Netzkoppelelementen während der Übertragung von Managementinformationen Beim Einsatz eines Managementsystems zur Verwaltung eines Rechnernetzes ist der Austausch von sogenannter Managementinformation zwischen den einzelnen Komponenten des Managementsystems nötig. Die Information wird über das lokale Netz übertragen. Lokale Netze bestehen in der Regel (je nach verwendeter Netztechnik) aus mehreren Teilnetzen, die über Netzkoppelelemente wie Router miteinander verbunden sind. Die Netzkoppelelemente reichen dabei Daten aus einem Teilnetz in ein anderes Teilnetz weiter. Fallen die Koppelelemente aus, so ist dies gleichbedeutend mit der physikalischen Trennung der betroffenen Teilnetze. Managementinformationen können dann _____________________________________________________________________ .......................................... 42 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.38 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... nicht mehr ausgetauscht werden. Dabei existiert in der Regel ein Teilnetz, das noch von der jeweiligen Managementstation verwaltet werden kann, und ein Teilnetz, das nicht mehr verwaltet werden kann. Je nach Dauer der Nichterreichbarkeit führt dies zu Inkonsistenzen und Sicherheitsproblemen. _____________________________________________________________________ .......................................... 43 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 4.39 Gefährdungskatalog Technisches Versagen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 4.39 Software-Konzeptionsfehler Bei der Planung von Programmen und Protokollen können sicherheitsrelevante Konzeptionsfehler entstehen. Häufig sind diese Fehler historisch gesehen durchaus verständlich. So ist sicherlich keiner der Entwickler der im Internet verwendeten Protokolle Ende der 60er Jahre davon ausgegangen, daß diese Protokolle einmal die Grundlage für ein weltumspannendes und kommerziell höchst bedeutendes Computer-Netz werden würden. Beispiele für Konzeptionsfehler sind die offene Übertragung der Daten im Internet, so daß Daten (z. B. Paßwörter) mitgelesen oder verändert werden können, oder die Möglichkeit, Pakete mit Internet-Adressen zu versenden, die einem anderen Rechner zugeteilt worden sind. Ein Spezialfall hiervon ist die sogenannte FTP-Bounce-Attacke, bei der ausgenutzt wird, daß die Verbindung, die beim FTP-Protokoll für die Datenübertragung eingesetzt wird, zu einem beliebigen Rechner aufgebaut werden kann. Im ungünstigen Fall können auf diese Weise sogar Firewalls mit dynamischen Paketfiltern überwunden werden (siehe CERT Advisory 97-27). Weitere Fehler in den Internet-Protokollen sind sicherlich vorhanden und werden zukünftig publiziert werden. Ein weiteres Beispiel für einen Konzeptionsfehler ist das sogenannte DNSSpoofing (siehe auch G 5.78 DNS-Spoofing). Das Domain Name System ist der zentrale Auskunftsdienst im Internet, der die Übersetzung der leicht merkbaren Rechnernamen wie www.preiswert.de in die zugehörige InternetAdresse ermöglicht. Bei DNS-Spoofing versucht ein Angreifer, einem Rechnernamen einen falschen Rechner zuzuweisen, so daß Auskunftsuchende fehlgeleitet werden. Eine weiteres Beispiel für einen Konzeptionsfehler ist die Möglichkeit, anonym sehr viele Werbe-E-Mails zu versenden (Mail-Spamming). Hierbei werden häufig fremde Mail-Server als sogenannte Remailer eingesetzt, so daß Gegenaktionen durch den Empfänger ins Leere laufen. Die Ursache für diese Angriffe liegt eindeutig in den mangelhaften Authentisierungsmöglichkeiten, die das Internet zur Zeit bietet. _____________________________________________________________________ .......................................... 44 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G5 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G5 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör ...........1 G 5.2 Manipulation an Daten oder Software .......................................2 G 5.3 Unbefugtes Eindringen in ein Gebäude .....................................3 G 5.4 Diebstahl ....................................................................................4 G 5.5 Vandalismus...............................................................................5 G 5.6 Anschlag ....................................................................................6 G 5.7 Abhören von Leitungen .............................................................7 G 5.8 Manipulation an Leitungen ........................................................8 G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung .........................................................9 G 5.10 Mißbrauch von Fernwartungszugängen ...................................10 G 5.11 Vertraulichkeitsverlust in TK-Anlagen gespeicherter Daten........................................................................................11 G 5.12 Abhören von Telefongesprächen und Datenübertragungen .................................................................12 G 5.13 Abhören von Räumen ..............................................................13 G 5.14 Gebührenbetrug........................................................................14 G 5.15 "Neugierige" Mitarbeiter..........................................................15 G 5.16 Gefährdung bei Wartungs-/Administrierungsarbeiten durch internes Personal ............................................................16 G 5.17 Gefährdung bei Wartungsarbeiten durch externes Personal....................................................................................17 G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Paßwörtern ........................18 G 5.19 Mißbrauch von Benutzerrechten ..............................................19 G 5.20 Mißbrauch von Administratorrechten ......................................20 G 5.21 Trojanische Pferde ...................................................................21 G 5.22 Diebstahl bei mobiler Nutzung des IT-Systems.......................22 G 5.23 Computer-Viren .......................................................................23 G 5.24 Wiedereinspielen von Nachrichten ..........................................26 G 5.25 Maskerade ................................................................................27 G 5.26 Analyse des Nachrichtenflusses ...............................................28 G 5.27 Nichtanerkennung einer Nachricht...........................................29 G 5.28 Verhinderung von Diensten .....................................................30 G 5.29 Unberechtigtes Kopieren der Datenträger................................31 _____________________________________________________________________ .......................................... i IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G5 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.30 Unbefugte Nutzung eines Fax-Gerätes ....................................32 G 5.31 Unbefugtes Lesen eingegangener Fax-Sendungen...................33 G 5.32 Auswertung von Restinformationen in Fax-Geräten................34 G 5.33 Vortäuschen eines falschen Absenders bei Fax-Geräten..........35 G 5.34 Absichtliches Umprogrammieren der Zieltasten eines Fax-Gerätes ..............................................................................36 G 5.35 Überlastung durch eingehende Fax-Sendungen .......................37 G 5.36 Absichtliche Überlastung des Anrufbeantworters....................38 G 5.37 Ermitteln des Sicherungscodes ................................................39 G 5.38 Mißbrauch der Fernabfrage......................................................40 G 5.39 Eindringen in Rechnersysteme über Kommunikationskarten ............................................................42 G 5.40 Abhören von Räumen mittels Rechner mit Mikrofon ..............43 G 5.41 Mißbräuchliche Nutzung eines Unix-Systems mit Hilfe von uucp...................................................................................44 G 5.42 Social Engineering ...................................................................45 G 5.43 Makro-Viren ............................................................................46 G 5.44 Mißbrauch von Remote-Zugängen für Managementfunktionen von TK-Anlagen................................47 G 5.45 Ausprobieren von Paßwörtern unter WfW und Windows 95 .............................................................................48 G 5.46 Maskerade unter WfW .............................................................49 G 5.47 Löschen des Post-Office ..........................................................50 G 5.48 IP-Spoofing ..............................................................................51 G 5.49 Mißbrauch des Source-Routing................................................52 G 5.50 Mißbrauch des ICMP-Protokolls .............................................53 G 5.51 Mißbrauch der Routingprotokolle............................................54 G 5.52 Mißbrauch von Administratorrechten im Windows NT System......................................................................................55 G 5.53 Bewußte Fehlbedienung von Schutzschränken aus Bequemlichkeit ........................................................................56 G 5.54 Vorsätzliches Herbeiführen eines Abnormal End ....................57 G 5.55 Login Bypass ...........................................................................58 G 5.56 Temporär frei zugängliche Accounts .......................................59 G 5.57 Netzanalyse-Tools....................................................................60 _____________________________________________________________________ .......................................... ii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G5 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.58 "Hacking Novell Netware" ......................................................61 G 5.59 Mißbrauch von Administratorrechten unter Novell Netware 3.x ..............................................................................62 G 5.60 Umgehen der Systemrichtlinien...............................................63 G 5.61 Mißbrauch von Remote-Zugängen für Managementfunktionen von Routern.......................................64 G 5.62 Mißbrauch von Ressourcen über abgesetzte IT-Systeme.........65 G 5.63 Manipulationen über den ISDN-D-Kanal ................................66 G 5.64 Manipulation an Daten oder Software bei Datenbanksystemen .................................................................67 G 5.65 Verhinderung der Dienste eines Datenbanksystems ................68 G 5.66 Unberechtigter Anschluß von IT-Systemen an ein Netz..........69 G 5.67 Unberechtigte Ausführung von Netzmanagementfunktionen ....................................................70 G 5.68 Unberechtigter Zugang zu den aktiven Netzkomponenten ....................................................................71 G 5.69 Erhöhte Diebstahlgefahr am häuslichen Arbeitsplatz ..............72 G 5.70 Manipulation durch Familienangehörige und Besucher...........73 G 5.71 Vertraulichkeitsverlust schützenswerter Informationen...........74 G 5.72 Mißbräuchliche E-Mail-Nutzung .............................................75 G 5.73 Vortäuschen eines falschen Absenders ....................................76 G 5.74 Manipulation von Alias-Dateien oder Verteilerlisten ..............77 G 5.75 Überlastung durch eingehende E-Mails ...................................78 G 5.76 Mailbomben .............................................................................79 G 5.77 Mitlesen von E-Mails...............................................................80 G 5.78 DNS-Spoofing..........................................................................81 G 5.79 Unberechtigtes Erlangen von Administratorrechten unter Windows NT...................................................................83 G 5.80 Hoax.........................................................................................84 G 5.81 Unautorisierte Benutzung eines Kryptomoduls .......................85 G 5.82 Manipulation eines Kryptomoduls ...........................................86 G 5.83 Kompromittierung kryptographischer Schlüssel......................87 G 5.84 Gefälschte Zertifikate...............................................................88 G 5.85 Integritätsverlust schützenswerter Informationen ....................89 G 5.86 Manipulation von Managementparametern..............................90 _____________________________________________________________________ .......................................... iii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G5 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.87 Web-Spoofing ..........................................................................91 G 5.88 Mißbrauch aktiver Inhalte ........................................................92 G 5.89 Hijacking von Netz-Verbindungen ..........................................93 G 5.90 Manipulation von Adressbüchern und Verteillisten.................94 _____________________________________________________________________ .......................................... iv IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.1 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.1 Manipulation/Zerstörung von IT-Geräten oder Zubehör Außentäter, aber auch Innentäter, können aus unterschiedlichen Beweggründen (Rache, Böswilligkeit, Frust) heraus versuchen, IT-Geräte, Zubehör, Schriftstücke oder Ähnliches zu manipulieren oder zu zerstören. Die Manipulationen können dabei umso wirkungsvoller sein, je später sie entdeckt werden, je umfassender die Kenntnisse des Täters sind und je tiefgreifender die Auswirkungen auf einen Arbeitsvorgang sind. Die Auswirkungen reichen von der unerlaubten Einsichtnahme in schützenswerte Daten bis hin zur Zerstörung von Datenträgern oder IT-Systemen, die erhebliche Ausfallzeiten nach sich ziehen können. unterschiedliche Motive Beispiel: In einem Unternehmen nutzte ein Innentäter seine Kenntnis darüber, dass ein wichtiger Server empfindlich auf zu hohe Betriebstemperaturen reagiert, und blockierte die Lüftungsschlitze für den Netzteillüfter mit einem hinter dem Server aufgestellten Gegenstand. Zwei Tage später erlitt die Festplatte im Server einen temperaturbedingten Defekt und der Server fiel für mehrere Tage aus. Hinterher behauptete der Angreifer, dass es sich um ein Versehen handelte. _____________________________________________________________________ .......................................... 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.2 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.2 Manipulation an Daten oder Software Daten oder Software können auf vielfältige Weise manipuliert werden: durch falsches Erfassen von Daten, Änderungen von Zugriffsrechten, inhaltliche Änderung von Abrechnungsdaten oder von Schriftverkehr, Änderungen in der Betriebssystemsoftware und vieles mehr. Ein Täter kann allerdings nur die Daten und Software manipulieren, auf die er Zugriff hat. Je mehr Zugriffsrechte eine Person besitzt, desto schwerwiegendere Manipulationen kann sie vornehmen. Falls die Manipulationen nicht frühzeitig erkannt werden, kann der reibungslose IT-Einsatz empfindlich gestört werden. Manipulationen an Daten oder Software können aus Rachegefühlen, um einen Schaden mutwillig zu erzeugen, zur Verschaffung persönlicher Vorteile oder zur Bereicherung vorgenommen werden. Beispiel: 1993 wurde in einem Schweizer Finanzunternehmen durch einen Mitarbeiter die Einsatzsoftware für bestimmte Finanzdienstleistungen manipuliert. Damit war es ihm möglich, sich illegal größere Geldbeträge zu verschaffen. Sehr häufig werden Kundendatenbanken von Mitarbeitern beim Verlassen der Firma kopiert. Auch das mutwillige Zerstören von Datenbanken oder die Erpressung mit der Zerstörung stellen ein Risiko dar. _____________________________________________________________________ .......................................... 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.3 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.3 Unbefugtes Eindringen in ein Gebäude Das unbefugte Eindringen in ein Gebäude geht verschiedenen Gefährdungen der IT wie Diebstahl oder Manipulation voraus. Maßnahmen, die dagegen gerichtet sind, wirken dadurch auch gegen die entsprechenden Folgegefährdungen. Schon durch das unbefugte Eindringen können Sachschäden entstehen. Fenster und Türen werden gewaltsam geöffnet und dabei beschädigt, sie müssen repariert oder ersetzt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.4 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.4 Diebstahl Durch den Diebstahl von IT-Geräten, Zubehör, Software oder Daten entstehen einerseits Kosten für die Wiederbeschaffung sowie für die Wiederherstellung eines arbeitsfähigen Zustandes, andererseits Verluste aufgrund mangelnder Verfügbarkeit. Darüber hinaus können Schäden durch einen Vertraulichkeitsverlust und daraus resultierenden Konsequenzen entstehen. _____________________________________________________________________ .......................................... 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.5 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.5 Vandalismus Vandalismus ist dem Anschlag sehr verwandt, nur daß er nicht wie dieser gezielt eingesetzt wird, sondern meist Ausdruck blinder Zerstörungswut ist. Sowohl Außentäter (z. B. enttäuschte Einbrecher, außer Kontrolle geratene Demonstrationen) als auch Innentäter (z. B. frustrierte oder alkoholisierte Mitarbeiter) kommen in Betracht. Die tatsächliche Gefährdung durch Vandalismus ist schwerer abschätzbar als die eines Anschlages, da ihm in der Regel keine zielgerichtete Motivation zugrunde liegt. Persönliche Probleme oder ein schlechtes Betriebsklima können dabei Ursachen sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.6 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.6 Anschlag Die technischen Möglichkeiten, einen Anschlag zu verüben, sind vielfältig: geworfene Ziegelsteine, Explosion durch Sprengstoff, Schußwaffengebrauch, Brandstiftung. Ob und in welchem Umfang ein IT-Betreiber der Gefahr eines Anschlages ausgesetzt ist, hängt neben der Lage und dem Umfeld des Gebäudes stark von seinen Aufgaben und vom politisch-sozialen Klima ab. ITBetreiber in politisch kontrovers diskutierten Bereichen sind stärker bedroht als andere. IT-Betreiber in der Nähe üblicher Demonstrationsaufmarschgebiete sind stärker gefährdet als solche in abgelegenen Randbereichen. Für die Einschätzung der Gefährdung durch politisch motivierte Anschläge können die Landeskriminalämter oder das Bundeskriminalamt beratend hinzugezogen werden. Beispiele: - In den 80er Jahren wurde ein Sprengstoffanschlag auf das Rechenzentrum einer großen Bundesbehörde in Köln verübt. - Ein Finanzamt im rheinischen Raum wurde praktisch jährlich durch Bombendrohungen für einige Stunden lahmgelegt. - Ende der 80er Jahre wurde von einem versuchten Anschlag der RAF auf das Rechenzentrum einer großen deutschen Bank berichtet. _____________________________________________________________________ .......................................... 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.7 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.7 Abhören von Leitungen Wegen des geringen Entdeckungsrisikos ist das Abhören von Leitungen eine nicht zu vernachlässigende Gefährdung der IT-Sicherheit. Grundsätzlich gibt es keine abhörsicheren Kabel. Lediglich der erforderliche Aufwand zum Abhören unterscheidet die Kabel. Ob eine Leitung tatsächlich abgehört wird, ist nur mit hohem messtechnischen Aufwand feststellbar. Der Entschluss, eine Leitung abzuhören, wird im wesentlichen durch die Frage bestimmt, ob die Informationen den technischen (kostenmäßigen) Aufwand und das Risiko der Entdeckung wert sind. Die Beantwortung dieser Frage ist sehr von den individuellen Möglichkeiten und Interessen des Angreifers abhängig. Somit ist eine sichere Festlegung, welche Informationen und damit Leitungen ggf. abgehört werden, nicht möglich. Möglichkeiten und Interessen des Angreifers Besonders kritisch ist die Übertragung von Kreditkartennummern oder Passwörtern im WWW, da sich hier die Position der vom Nutzer eingegebenen Daten in den übertragenen Paketen durch das recht einfache HTT-Protokoll leicht bestimmen lässt. Eine automatische Analyse von HTTPVerbindungen lässt sich somit mit geringem Aufwand realisieren. automatische Analyse von HTTP-Verbindungen Mittels Password-Sniffings können in einem ersten Schritt Passwörter bei der Übertragung zu einem System abgefangen werden. Dies erlaubt dem Angreifer anschließend auf dieses IT-System zu gelangen, um dann weitere Angriffe lokal auf dem Rechner durchzuführen. Beispiele: - So ist es z. B. falsch anzunehmen, dass per Electronic Mail versandte Nachrichten mit klassischen Briefen vergleichbar sind. Da Mails während ihres gesamten Weges durch das Netz gelesen werden können, ist ein Vergleich mit Postkarten sehr viel realistischer. - Einige Hersteller liefern Programme (Sniffer), die zum Debuggen der Netze dienen, aber auch zum Abhören benutzt werden können, schon zusammen mit ihren Betriebssystemen aus. _____________________________________________________________________ .......................................... 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.8 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.8 Manipulation an Leitungen Neben dem Abhören von Leitungen (siehe G 5.7 Abhören von Leitungen) kann eine Manipulation an Leitungen noch andere Ziele haben: - Frustrierte Mitarbeiter manipulieren Leitungen so, dass es zu unzulässigen Verbindungen innerhalb und außerhalb der eigenen IT kommt. Dabei geht es oft nur darum, den IT-Betrieb zu stören. unzulässige Verbindungen - Leitungen können so manipuliert werden, dass eine private Nutzung zu Lasten des Netzbetreibers erfolgen kann. Neben den dadurch entstehenden Kosten bei der Nutzung gebührenpflichtiger Verbindungen werden Leitungen und Ressourcen durch die private Nutzung blockiert. private Nutzung - Durch die Manipulation von Leitungen kann es möglich werden, darauf übertragene Daten zum Vorteil des Täters zu verändern. Insbesondere bei kassenwirksamen Verfahren, in der Lohnbuchhaltung und bei allen ITAnwendungen, die sich direkt oder indirekt mit der Verwaltung von Sachwerten befassen, können sich durch Manipulationen hohe Schäden ergeben. Manipulation übertragener Daten _____________________________________________________________________ .......................................... 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.9 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung Ohne Mechanismen zur Identifikation und Authentisierung von Benutzern ist die Kontrolle über unberechtigte IT-Nutzung praktisch nicht möglich. Selbst bei IT-Systemen mit einer Identifikations- und Authentisierungsfunktion in Form von Benutzer-ID- und Paßwort-Prüfung ist eine unberechtigte Nutzung denkbar, wenn Paßwort und zugehörige Benutzer-ID ausgespäht werden. Um das geheimgehaltene Paßwort zu erraten, können Unbefugte innerhalb der Login-Funktion ein mögliches Paßwort eingeben. Die Reaktion des ITSystems gibt anschließend Aufschluß darüber, ob das Paßwort korrekt war oder nicht. Auf diese Weise können Paßwörter durch Ausprobieren erraten werden. Viel erfolgversprechender ist jedoch die Attacke, ein sinnvolles Wort als Paßwort anzunehmen und alle Benutzereinträge durchzuprobieren. Bei entsprechend großer Benutzeranzahl wird damit oft eine gültige Kombination gefunden. Falls die Identifikations- und Authentisierungsfunktion mißbräuchlich nutzbar ist, so können sogar automatisch Versuche gestartet werden, indem ein Programm erstellt wird, das systematisch alle möglichen Paßwörter testet. Beispiel: 1988 nutzte der Internet-Wurm eine Schwachstelle der betroffenen UnixBetriebssysteme aus, um gültige Paßwörter zu finden, obwohl die gültigen Paßwörter verschlüsselt gespeichert waren. Dazu probierte ein Programm sämtliche Eintragungen eines Wörterbuches aus, indem es sie mit der zur Verfügung stehenden Chiffrierfunktion verschlüsselte und mit den abgespeicherten verschlüsselten Paßwörtern verglich. Sobald eine Übereinstimmung gefunden war, war auch ein gültiges Paßwort erkannt. _____________________________________________________________________ .......................................... 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.10 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.10 Mißbrauch von Fernwartungszugängen Bei unzureichend gesicherten Fernwartungszugängen ist es denkbar, daß Hacker Zugang zum Administrierungsport des IT-Systems erlangen. Sie können somit nach Überwindung des Anlagenpaßwortes ggf. alle Administrationstätigkeiten ausüben. Der entstehende Schaden kann sich vom vollständigen Anlagenausfall, über schwerste Betriebsstörungen, den Verlust der Vertraulichkeit aller auf der Anlage vorhandenen Daten bis hin zum großen direkten finanziellen Schaden erstrecken. _____________________________________________________________________ .......................................... 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.11 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.11 Vertraulichkeitsverlust in TK-Anlagen gespeicherter Daten In TK-Anlagen werden personenbezogene und firmen-/behördeninterne Daten für längere Zeit auf Festplatten gespeichert. Personenbezogene Daten sind hierbei Gebührendaten, Konfigurationsdaten, Berechtigungen und ggf. Daten für die elektronischen Telefonbücher, Paßwörter und Verrechnungsnummern. Diese Daten können durch das Administrationspersonal eingesehen und verändert werden. Art und Umfang dieser Eingriffe sind vom Anlagentyp und, falls vorgesehen, von der Rechtevergabe abhängig. Das Administrationspersonal hat diese Möglichkeit sowohl vor Ort als auch über Fernwartung. Bei einer externen Fernwartung hat der damit Beauftragte (im Regelfall der Hersteller) jederzeit diese Möglichkeit! Bei einer Aktualisierung der Anlagensoftware werden die Festplatten oft zu den TK-Anlagen-Herstellern gebracht. Personenbezogene Daten können dann vom Hersteller ausgelesen werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.12 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.12 Abhören von Telefongesprächen und Datenübertragungen Durch mißbräuchliche Verwendung von Leistungsmerkmalen können Gespräche unter Umständen im Kollegenkreis mitgehört werden. Als Beispiel hierfür kann die Dreierkonferenz genannt werden. Erhält der Teilnehmer A einen Anruf für den Teilnehmer B, so könnte er, anstatt den Anruf zu übergeben, versuchen, heimlich eine Dreierkonferenz herzustellen. Besitzt Teilnehmer B ein Telefon ohne Display, würde er diese Tatsache nicht bemerken. Desweiteren könnten Gespräche durch das Aktivieren von gesperrten, in Deutschland zum Teil unzulässigen Leistungsmerkmalen von Dritten mitgehört werden. Als ein Beispiel sei hier nur die Zeugenschaltung erwähnt. Eine derartige Aktivierung erfordert genauere Systemkenntnisse. _____________________________________________________________________ .......................................... 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.13 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.13 Abhören von Räumen Grundsätzlich müssen zwei Varianten des unbefugten Abhörens von Räumen unterschieden werden. Bei der ersten Variante geht die Bedrohung ausschließlich vom Endgerät aus. Hier sind intelligente Endgeräte mit eingebauten Mikrofonen wie Anrufbeantworter oder ISDN-Karten bzw. MultimediaPCs zu nennen. Solche Endgeräte können, wenn entsprechende Funktionalitäten implementiert sind, aus der Ferne, d. h. aus dem öffentlichen Netz, dazu veranlaßt werden, die eingebauten Mikrofone freizuschalten. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die sogenannte "Baby-Watch-Funktion" von Anrufbeantwortern (vgl. Kapitel 8.3 Anrufbeantworter). Die zweite Variante ist die Ausnutzung der Funktionalität der TK-Anlage selbst in Verbindung mit entsprechend ausgerüsteten Endgeräten. Diese Gefährdung entsteht durch die mißbräuchliche Verwendung des Leistungsmerkmals "direktes Ansprechen" in Kombination mit der Option "Freisprechen". Die auf diese Weise realisierbare Funktion einer Wechselsprechanlage kann unter gewissen Umständen auch zum Abhören eines Raumes ausgenutzt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.14 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.14 Gebührenbetrug In letzter Zeit waren vermehrt Meldungen über Gebührenbetrug an TK-Anlagen durch Hacker in der Presse zu lesen. Solche Manipulationen sind auf verschiedene Weisen durchführbar. Zum einen kann versucht werden, vorhandene Leistungsmerkmale einer TK-Anlage für diese Zwecke zu mißbrauchen. Geeignet hierfür sind beispielsweise aus der Ferne umprogrammierbare Rufumleitungen oder Dial-In-Optionen. Zum anderen können die Berechtigungen so vergeben werden, daß kommende "Amtsleitungen" abgehende "Amtsleitungen" belegen können. Auf diese Weise kann bei Anwahl einer bestimmten Rufnummer von außen der Anrufer automatisch wieder mit dem "Amt" verbunden werden, wobei dies allerdings auf Kosten des TK-Anlagenbetreibers geschieht. Eine weitere Art des Gebührenbetruges ist der durch den Benutzer selbst. Auf unterschiedliche Arten, wie z. B. durch das Telefonieren von fremden Apparaten, Auslesen fremder Berechtigungscodes (Paßwort) oder Verändern der persönlichen Berechtigungen kann versucht werden, auf Kosten des Arbeitgebers oder der anderen Beschäftigten zu telefonieren. _____________________________________________________________________ .......................................... 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.15 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.15 "Neugierige" Mitarbeiter "Neugierige" Mitarbeiter könnten durch Mißbrauch von Leistungsmerkmalen der TK-Anlage versuchen: - Anrufe für Kollegen auf ihren eigenen Telefonapparat umzuleiten, - die Anrufe für andere anzunehmen, - fremde Anruf- und Wahlwiederholspeicher auszulesen und - Telefongespräche Dritter mitzuhören. _____________________________________________________________________ .......................................... 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.16 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.16 Gefährdung bei Wartungs-/Administrierungsarbeiten durch internes Personal Zum eigenen Vorteil oder aus Gefälligkeit für Kollegen könnte bei Wartungsoder Administrationsarbeiten durch internes Personal versucht werden, Berechtigungen (z. B. Auslandsberechtigung) zu ändern oder Leistungsmerkmale zu aktivieren. Durch Unkenntnis können Systemabstürze verursacht werden. Ferner können durch unsachgemäße Handhabung der Hardwarekomponenten diese u. U. zerstört werden. Zusätzlich hat das Wartungspersonal vollen oder eingeschränkten Zugriff auf die gespeicherten Daten (lesend und schreibend). _____________________________________________________________________ .......................................... 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.17 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.17 Gefährdung bei Wartungsarbeiten durch externes Personal Ein IT-System kann bei Wartungsarbeiten auf jedwede Weise manipuliert werden. Die Gefahr besteht in erster Linie darin, daß der Eigentümer oft nicht in der Lage ist, die vorgenommenen Modifikationen nachzuvollziehen. Darüber hinaus hat der externe Wartungstechniker genau wie der interne auch üblicherweise Zugriff auf alle auf der Anlage gespeicherten Daten. _____________________________________________________________________ .......................................... 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.18 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Paßwörtern Zu einfache Paßwörter lassen sich durch systematisches Ausprobieren herausfinden. Beispiel: Eine Untersuchung von Klein (Klein, Daniel V. 1990, USENIX Security Workshop Proceedings, Portland August 1990) an 15000 Accounts ergab eine Erfolgsquote von 24,2 %, wobei folgende Möglichkeiten für ein Paßwort ausprobiert wurden: ca. 130 Variationen des Login Namens (Vor- und Zuname) und anderer persönlicher Daten aus dem /etc/passwd File, häufige Namen, Namen von bekannten Personen, Namen und Orte aus Filmen, von Sportereignissen und aus der Bibel, gebräuchliche Schimpfwörter und Wörter aus Fremdsprachen, verschiedene Variationen dieser Wörter, wie z. B. Umwandlung Groß-Kleinschreibung, Einfügen von Sonder- und Kontrollzeichen, Umkehrung der Buchstabenreihenfolge, wiederholte Buchstaben (z. B. aaabbb) oder häufige Abkürzungen (z. B. rggbv für die Farben des Regenbogens) und Paare aus zwei kurzen Wörtern. Alle diese Kombinationen und mehr lassen sich mit Hilfe des Public Domain Programms crack von jedem Benutzer eines Unix-Systems, auf dem die Paßwortdatei frei zugänglich ist, ausprobieren. Darüber hinaus ist die Wahrscheinlichkeit, ein Paßwort durch systematisches Probieren aller Kombinationen zu finden, bei zu kurzen Paßwörtern groß. _____________________________________________________________________ .......................................... 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.19 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.19 Missbrauch von Benutzerrechten Eine missbräuchliche Nutzung liegt vor, wenn man vorsätzlich recht- oder unrechtmäßig erworbene Möglichkeiten ausnutzt, um dem System oder dessen Benutzern zu schaden. Beispiel: Auf vielen Unix-Systemen ist die Datei /etc/passwd für jeden Benutzer lesbar, so dass er sich Informationen über dort eingetragene persönliche Daten verschaffen kann. Außerdem kann er mit Wörterbuchattacken (siehe G 5.18 Systematisches Ausprobieren von Passwörtern) versuchen, die verschlüsselten Passwörter zu erraten. Bei zu großzügiger Vergabe von Gruppenrechten, insbesondere bei den Systemgruppen wie z. B. root, bin, adm, news oder daemon, ist ein Missbrauch wie z. B. das Verändern oder Löschen fremder Dateien leicht möglich. _____________________________________________________________________ .......................................... 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.20 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.20 Missbrauch von Administratorrechten Eine missbräuchliche Administration liegt vor, wenn man vorsätzlich rechtoder unrechtmäßig erworbene Super-User- (root-) Privilegien ausnutzt, um dem System oder dessen Benutzern zu schaden. Beispiel: Da root auf Unix-Anlagen keinerlei Beschränkungen unterliegt, kann der Administrator unabhängig von Zugriffsrechten jede Datei lesen, verändern oder löschen. Außerdem kann er die Identität jedes Benutzers seines Systems annehmen, ohne dass dies von einem anderen Benutzer bemerkt wird, es ist ihm also z. B. möglich unter fremden Namen Mails zu verschicken oder fremde Mails zu lesen und zu löschen. keine Beschränkungen für root Es gibt verschiedene Möglichkeiten, missbräuchlich Super-User-Privilegien auszunutzen. Dazu gehören der Missbrauch von falsch administrierten SuperUser-Dateien (Dateien mit Eigentümer root und gesetztem s-Bit) und des Befehls su. Super-User-Dateien Die Gefährdung kann auch durch automatisches Mounten von austauschbaren Datenträgern entstehen: Sobald das Medium in das Laufwerk gelegt wird, wird es gemountet. Dann hat jeder Zugriff auf die dortigen Dateien. Mit sich auf dem gemounteten Laufwerk befindenden s-Bit-Programmen kann jeder Benutzer Super-User-Rechte erlangen. automatisches Mounten In Abhängigkeit von der Unix-Variante und der zugrunde liegenden Hardware kann bei Zugangsmöglichkeit zur Konsole der Monitor-Modus aktiviert oder in den Single-User-Modus gebootet werden. Das ermöglicht die Manipulation der Konfiguration. Zugang zur Konsole Durch Softwarefehler kann es möglich sein, dass eine Anwendung nur eine begrenzt große Menge an Daten verarbeiten kann. Werden dieser Anwendung übergroße Datenmengen oder Parameter übergeben, können Bereiche im Hauptspeicher mit fremden Code überschrieben werden. Dadurch können Befehle mit den Rechten der Anwendung ausgeführt werden. Dies war u. a mit dem Befehl eject unter SunOS 5.5 möglich, der mit SetUID-Rechten ausgestattet ist, also bei der Ausführung Super-User-Rechte besitzt. Softwarefehler _____________________________________________________________________ .......................................... 20 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.21 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.21 Trojanische Pferde Ein Trojanisches Pferd ist ein Programm mit einer verdeckten, nicht dokumentierten Funktion oder Wirkung. Der Benutzer kann daher auf die Ausführung dieser Funktion keinen Einfluss nehmen, insoweit besteht eine gewisse Verwandtschaft mit Computer-Viren. Es ist jedoch keine Selbstreproduktion vorhanden. Als Träger für Trojanische Pferde lassen sich alle möglichen Anwenderprogramme benutzen. Aber auch Scriptsprachen, wie Batch-Dateien, ANSI-Steuersequenzen, Postscript u. Ä., die vom jeweiligen Betriebssystem oder Anwenderprogramm interpretiert werden, können für Trojanische Pferde missbraucht werden. Anwenderprogramme und Scriptsprachen Die Schadwirkung eines Trojanischen Pferdes ist um so wirkungsvoller, je mehr Rechte sein Trägerprogramm besitzt. Beispiele: - Ein geändertes Login-Programm kann ein Trojanisches Pferd enthalten, das Namen und Passwort des Benutzers über das Netz an den Angreifer übermittelt und dann an das eigentliche Login-Programm weitergibt. Solche Trojanischen Pferde sind in jüngster Zeit z. B. bei diversen OnlineDiensten wie AOL oder T-Online aufgetreten. geänderte Login-Programme - Bei dem Programm Back Orifice handelt es sich um eine Client-ServerAnwendung, die es dem Client erlaubt, einen Windows-PC über das Netz fernzuwarten. Insbesondere können Daten gelesen und geschrieben sowie Programme ausgeführt werden. Eine Gefährdung entsteht dadurch, dass dieses Programm in ein anderes Anwendungsprogramm integriert und somit als Trojanisches Pferd verwendet werden kann. Wird das Trojanische Pferd gestartet und besteht eine Netzverbindung, so kann ein Angreifer die Fernwartungsfunktion von Back Orifice für den Benutzer unbemerkt benutzen. In diesem Zusammenhang ist auch das Programm NetBUS zu erwähnen, das ähnliche Funktionen bietet. Back Orifice und NetBUS - Mit Hilfe von Root-Kits für verschiedene Unix-Varianten, die manipulierte Versionen der Programme ps, who, netstat etc. enthalten, ist es möglich, längere Zeit unbemerkt so genannte Backdoors offen zu halten, die einen unbemerkten Einbruch in das System ermöglichen und dabei die Angriffsspuren verstecken. Häufig werden u. a. die Dateien /sbin/in.telnetd, /bin/login, /bin/ps, /bin/who, /bin/netstat und die C-Libraries ausgetaucht. manipulierte Programme und Bibliotheken - Eine weitere Gefahrenquelle bei Unix-Systemen ist der "." in der Umgebungsvariable $PATH. Wenn das jeweils aktuelle Arbeitsverzeichnis (.) als Pfad in der Variable PATH enthalten ist, werden zunächst die dort befindlichen Programme ausgeführt. So könnte beim Auflisten des Inhaltes eines Verzeichnisses vom Superuser unbeabsichtigt ein darin enthaltenes modifiziertes "ls"-Programm mit root-Rechten ausgeführt werden. aktuelles Verzeichnis im Suchpfad _____________________________________________________________________ .......................................... 21 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.22 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.22 Diebstahl bei mobiler Nutzung des IT-Systems Wird ein IT-System mobil genutzt, so ergeben sich neue Gefährdungen, die stationäre IT-Systeme in dem Maße nicht berühren. Mobile Systeme wie Laptops werden üblicherweise nicht in einem durch Schutzvorkehrungen gesicherten Raum eingesetzt. Sie werden in PKW oder öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert, in fremden Büroräumen in Pausen hinterlassen oder in Hotelzimmern unbewacht aufgestellt. Aufgrund dieser Umfeldbedingungen sind solche mobil eingesetzten ITSysteme naturgemäß einem höheren Diebstahlrisiko ausgesetzt. Der im Kofferraum eines PKW eingeschlossene Laptop kann gestohlen werden, ohne dass dies das originäre Ziel des Diebstahl ist, denn mit dem gestohlenen Wagen würde auch der Laptop in die falschen Hände geraten. Beispiel: Dem Geschäftsführer einer größeren Firma wurde auf einer Geschäftsreise der Laptop gestohlen. Der materielle Verlust war vernachlässigbar, innerhalb eines Tages konnte ein neuer Laptop beschaft werden. Schmerzlicher war der Verlust von wichtigen Kundendaten, die auf dem Laptop gespeichert waren. Von diesen Informationen gab es keine Datensicherung, da sie erst im Verlauf der Geschäftsreise erfasst worden sind. _____________________________________________________________________ .......................................... 22 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.23 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.23 Computer-Viren Computer-Viren gehören zu den Programmen mit Schadensfunktionen. Als Schaden ist hier insbesondere der Verlust oder die Verfälschung von Daten oder Programmen sicherlich von größter Tragweite. Solche Funktionen von Programmen können sowohl unbeabsichtigt als auch bewußt gesteuert auftreten. Die Definition eines Computer-Virus bezieht sich nicht unmittelbar auf eine möglicherweise programmierte Schadensfunktion: Ein Computer-Virus ist eine nicht selbständige Programmroutine, die sich selbst reproduziert und dadurch vom Anwender nicht kontrollierbare Manipulationen in Systembereichen, an anderen Programmen oder deren Umgebung vornimmt. (Zusätzlich können programmierte Schadensfunktionen des Virus vorhanden sein.) Die Eigenschaft der Reproduktion führte in Analogie zum biologischen Vorbild zu der Bezeichnung "Virus". Die Möglichkeiten der Manipulation sind sehr vielfältig. Besonders häufig sind das Überschreiben oder das Anlagern des Virus-Codes an andere Programme und Bereiche des Betriebssystems. Computer-Viren können im Prinzip bei allen Betriebssystemen auftreten. Die größte Bedrohung ist jedoch im Bereich der IBM-kompatiblen Personalcomputer (PC) vorhanden. Bei den hier am meisten verbreiteten Betriebssystemen (MS-DOS, PC-DOS, DR DOS, NOVELL DOS etc.) werden derzeit weltweit rund 20.000 Viren (einschließlich Varianten) gezählt. Spezielle Computer-Viren für die Betriebssysteme Windows 3.x, Windows NT, Windows 95, OS/2 und Unix spielen in der Praxis eine untergeordnete Rolle. Bei PC-typischer Hardware können jedoch die Festplatten dieser Rechner von DOS-Boot-Viren infiziert werden, wenn die Boot-Reihenfolge zuerst ein Booten von Diskette vorsieht. Für Apple-Computer sind ca. 100 spezielle Computer-Viren bekannt, für die es auch entsprechende Suchprogramme gibt. Arten von Computer-Viren Es werden drei Grundtypen von Computer-Viren unterschieden: - Boot-Viren - Datei-Viren - Makro-Viren Es sind auch Misch- und Sonderformen dieser drei Typen bekannt. Weitere Unterteilungsmerkmale sind die Tarnmechanismen, mit denen die Viren oft gegen die Erkennung durch Benutzer und Suchprogramme geschützt sind. Boot-Viren Als "Booten" bezeichnet man das Laden des Betriebssystems. Hierbei werden u. a. Programmteile ausgeführt, die zwar eigenständig sind, sich aber in sonst _____________________________________________________________________ .......................................... 23 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.23 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... nicht zugänglichen und im Inhaltsverzeichnis der Disketten und Festplatten nicht sichtbaren Sektoren befinden. Boot-Viren überschreiben diese mit ihrem Programm. Der originale Inhalt wird an eine andere Stelle auf dem Datenträger verlagert und dann beim Start des Computers anschließend an den Virus-Code ausgeführt. Dadurch startet der Computer scheinbar wie gewohnt. Der Boot-Virus gelangt jedoch bereits vor dem Laden des Betriebssystems in den Arbeitsspeicher des Computers und verbleibt dort während der gesamten Betriebszeit. Er kann deshalb den Boot-Sektor jeder nicht schreibgeschützten Diskette infizieren, die während des Rechnerbetriebs benutzt wird. Boot-Viren können sich nur durch Booten oder einen Bootversuch mit einer infizierten Diskette auf andere Computer übertragen. Datei-Viren Die meisten Datei-Viren (auch File-Viren genannt) lagern sich an Programmdateien an. Dies geschieht jedoch so, daß beim Aufruf auch hier der VirusCode zuerst ausgeführt wird und erst anschließend das originale Programm. Dadurch läuft das Programm anschließend scheinbar wie gewohnt und der Virus wird nicht so schnell entdeckt. Es sind jedoch auch primitivere, überschreibende Viren bekannt, die sich so an den Anfang des Wirtsprogramms setzen, so daß dieses nicht mehr fehlerfrei läuft. Datei-Viren verbreiten sich durch Aufruf eines infizierten Programms. Bei den Mischformen von Boot- und Datei-Viren haben sogenannte multipartite Viren eine größere Bedeutung erlangt. Sie können sich sowohl durch Aufruf eines infizierten Programms als auch durch Booten (oder einen BootVersuch) von einer infizierten Diskette verbreiten. Makro-Viren Auch Makro-Viren sind in Dateien enthalten, diese infizieren jedoch nicht die Anwendungsprogramme, sondern die damit erzeugten Dateien. Betroffen sind alle Anwendungsprogramme, bei denen in die erzeugten Dateien nicht nur einzelne Steuerzeichen, sondern auch Programme und andere Objekte eingebettet werden können. Davon sind insbesondere Microsoft Word- und ExcelDateien betroffen. Bei diesen steht eine leistungsfähige Programmiersprache für Makros zur Verfügung, die auch von weniger geschulten Benutzern leicht zur Programmierung von Viren mißbraucht werden kann (siehe auch G 5.43 Makro-Viren). Makros sind Programme, mit deren Hilfe das Anwenderprogramm um zusätzliche Funktionen erweitert werden kann, die auf den Anwendungsfall zugeschnitten sind (z. B. Erzeugen einer Reinschrift aus dem Entwurf eines Textes). Diese Makros laufen erst mit dem jeweiligen Anwendungsprogramm (Winword, Excel etc.) bei der Bearbeitung des Dokuments ab, indem der Benutzer das Makro aktiviert oder das Makro automatisch gestartet wird. Wird z. B. eine Word-Datei über einen WWW-Browser empfangen, der das Dokument automatisch mit Microsoft Word öffnet, kann hierdurch ein enthaltenes Makro aktiviert werden. Da Datendateien auch häufiger als herkömmliche Programmdateien über Datenträger und vernetzte IT-Systeme verteilt werden, ist die Gefährdung durch Makro-Viren inzwischen größer als durch Boot- und Datei-Viren. _____________________________________________________________________ .......................................... 24 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.23 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Beispiele für Schadensfunktionen von Computer-Viren - Der Boot-Virus Michelangelo überschreibt an jedem 6. März die ersten Spuren der Festplatte mit stochastischem Inhalt und macht sie dadurch unbrauchbar. - Der multipartite Virus Onehalf verschlüsselt maximal die Hälfte des Inhalts der Festplatte. Wird der Virus entfernt, sind die verschlüsselten Daten nicht mehr verfügbar. - Der Winword-Makro-Virus WAZZU fügt bei den befallenen Dokumenten an zufälligen Stellen das Wort "Wazzu" ein. - Der Winword-Makro-Virus Melissa erschien am 26.3.1999 und verbreitete sich über das Wochenende weltweit. Er ist in einer Datei von Word 97 oder Word 2000 enthalten, die von einem befallenen Computer mittels Microsoft Outlook an bis zu 50 gespeicherte Einträge aus jedem Adressbuch verschickt wird. Dies hat bei einigen größeren Organisationen das Mail-System überlastet. - W32.Mypics.Worm ist ein in Visual Basic geschriebener Computerwurm, der sich automatisch auf Windows 95/98 und Windows NT Rechnern verbreitet. Er enthält eine zerstörerische Schadenswirkung, die aktiv wird, sobald die Jahreszahl 2000 ist. Dann wird u. a. das BIOS des Rechners verändert, so daß der Rechner nicht mehr korrekt bootet. _____________________________________________________________________ .......................................... 25 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.24 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.24 Wiedereinspielen von Nachrichten Angreifer zeichnen bei diesem Angriff eine Nachricht auf und spielen diese Information zu einem späteren Zeitpunkt unverändert wieder ein. Beispiele: - Ein Angreifer zeichnet die Authentisierungsdaten (z. B. Benutzer-ID und Passwort) während des Anmeldevorgangs eines Benutzers auf und benutzt diese Informationen, um sich unter Vortäuschen einer falschen Identität Zugang zu einem System zu verschaffen (siehe auch G 5.21 Trojanische Pferde). - Um finanziellen Schaden beim Arbeitgeber (Unternehmen oder Behörde) zu verursachen, gibt ein Mitarbeiter eine genehmigte Bestellung mehrmals auf. _____________________________________________________________________ .......................................... 26 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.25 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.25 Maskerade Die Maskerade benutzt ein Angreifer um eine falsche Identität vorzutäuschen. Eine falsche Identität erlangt er z. B. durch das Ausspähen von Benutzer-ID und Passwort (siehe G 5.9 Unberechtigte IT-Nutzung), die Manipulation des Absenderfeldes einer Nachricht oder durch die Manipulation einer Kartenadresse im Netz. Weiterhin kann eine falsche Identitiät durch die Manipulation der Rufnummernanzeige (Calling Line Identification Presentation) im ISDN oder durch die Manipulation der Absenderkennung eines Faxabsenders (CSID - Call Subscriber ID) erlangt werden. Manipulation des Absenderfeldes oder der Kartenadresse Ein Benutzer, der über die Identität seines Kommunikationspartners getäuscht wurde, kann leicht dazu gebracht werden, schutzbedürftige Informationen zu offenbaren. Ein Angreifer kann durch eine Maskerade auch versuchen, sich in eine bereits bestehende Verbindung einzuhängen, ohne sich selber authentisieren zu müssen, da dieser Schritt bereits von den originären Kommunikationsteilnehmern durchlaufen wurde. Aufschalten auf eine bestehende Verbindung _____________________________________________________________________ .......................................... 27 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.26 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.26 Analyse des Nachrichtenflusses Über eine Verkehrsflussanalyse versucht ein Angreifer Auskunft darüber zu erhalten, wer wann welche Datenmengen an wen gesendet hat und wie oft. Sogar wenn der Lauscher die Nachrichteninhalte nicht lesen kann, können hierdurch Rückschlüsse auf das Benutzerverhalten gezogen werden. Die Informationen über Datum und Uhrzeit der Erstellung einer Nachricht können zu einem Persönlichkeitsprofil des Absenders ausgewertet werden. Daneben forschen Adresssammler für Adressverlage nach E-Mail- und Post-Adressen, um unaufgefordert Werbung zuzuschicken. Innerhalb des ISDN (Integrated Services Digital Network) wäre der D-Kanal einer Kommunikationsverbindung, welcher der Signalisierung zwischen Endgerät und Vermittlungsstelle dient, ein geeigneter Angriffspunkt. Die Analyse der dort übertragenen Signalisierung mittels eines Protokollanalysators lässt nicht nur die o. a. Rückschlüsse auf das Benutzerverhalten zu (z. B. wer telefoniert wann mit wem wie lange?), sondern kann auch der Vorbereitung komplexerer Angriffe über den D-Kanal dienen. _____________________________________________________________________ .......................................... 28 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.27 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.27 Nichtanerkennung einer Nachricht Bei jeder Art von Kommunikation kann ein Kommunikationsteilnehmer den Nachrichtenempfang ableugnen (Non-Repudiation of Receipt). Dies ist insbesondere bei finanziellen Transaktionen von Bedeutung. Ein Nachrichtenempfang kann beim Postversand ebenso abgeleugnet werden wie bei Faxoder E-Mail-Nutzung. Beispiel: Ein dringend benötigtes Ersatzteil wurde elektronisch bestellt. Nach einer Woche Arbeitsausfall wurde das Fehlen reklamiert. Der Lieferant leugnet, je eine Bestellung erhalten zu haben. Ebenso kann es passieren, daß ein Kommunikationsteilnehmer den Nachrichtenversand ableugnet, z. B. also eine getätigte Bestellung abstreitet (NonRepudiation of Origin). _____________________________________________________________________ .......................................... 29 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.28 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.28 Verhinderung von Diensten Ein solcher Angriff, auch "Denial of Service" genannt, zielt darauf ab, die ITBenutzer daran zu hindern, Funktionen oder Geräte zu benutzen, die ihnen normalerweise zur Verfügung stehen. Dieser Angriff steht häufig im Zusammenhang mit verteilten Ressourcen, indem ein Angreifer diese Ressourcen so stark in Anspruch nimmt, daß andere Benutzer an der Arbeit gehindert werden. Es können z. B. die folgenden Ressourcen künstlich verknappt werden: Prozesse, CPU-Zeit, Plattenplatz, Inodes, Verzeichnisse. Dies kann z. B. geschehen durch - das Starten von beliebig vielen Programmen gleichzeitig, - das mehrfache Starten von Programmen, die viel CPU-Zeit verbrauchen, - das Belegen aller freien Inodes in einem Unix-System, so daß keine neuen Dateien mehr angelegt werden können, - das Anlegen sehr vieler kleiner Dateien in einem Verzeichnis auf einem DOS-PC, so daß in diesem Verzeichnis keine neuen Dateien mehr angelegt werden können, - die gezielte Überlastung des Netzes, - das Kappen von Netzverbindungen. _____________________________________________________________________ .......................................... 30 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.29 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.29 Unberechtigtes Kopieren der Datenträger Werden Datenträger ausgetauscht oder transportiert, so bedeutet dies unter Umständen, dass die zu übermittelnden Informationen aus einer gesicherten Umgebung heraus über einen unsicheren Transportweg in eine ggf. unsichere Umgebung beim Empfänger übertragen werden. Unbefugte können sich in solchen Fällen diese Informationen dort durch Kopieren einfacher beschaffen, als es in der ursprünglichen Umgebung der Fall war. Beispiel: Vertrauliche Entwicklungsergebnisse sollen vom Entwicklungslabor in XStadt zur Produktion nach Y-Stadt transportiert werden. Werden die entsprechenden Datenträger unkontrolliert über den Postweg versandt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese unberechtigterweise kopiert und ggf. an die Konkurrenz verkauft werden, ohne dass die Bloßstellung der Informationen bemerkt wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 31 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.30 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.30 Unbefugte Nutzung eines Faxgerätes oder eines Faxservers Der unberechtigte Zugang zu einem Faxgerät oder unberechtigte Zugriff auf einen Faxserver kann für manipulative Zwecke ausgenutzt werden. Dabei können neben den Kosten für die Faxübertragung (Gebühren und Material) auch Schäden dadurch entstehen, dass ein Unbefugter vorgibt, das Gerät als Berechtigter zu nutzen (Schreiben mit Firmenkopf vom entsprechenden FaxAnschluss). Es muss zudem vermieden werden, dass Unbefugte Zugriff auf eingehende Faxsendungen haben. Beispiele: - Ein Faxgerät ist im Flur aufgestellt, so dass jeder im Vorbeigehen unkontrolliert Faxe lesen oder an sich nehmen kann. - Bei einem Faxserver sind die Berechtigungen auf die gespeicherten Faxdaten falsch gesetzt, so dass Unbefugte fremde Faxe lesen können. _____________________________________________________________________ .......................................... 32 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.31 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.31 Unbefugtes Lesen von Faxsendungen Beim Einsatz von Faxgeräten besteht dann die Gefahr des unbefugten Lesens eingegangener Faxsendungen, wenn die Geräte in frei zugänglichen Bereichen aufgestellt werden. Zudem können Unbefugte Kenntnis vom Inhalt vertraulicher Faxsendungen erlangen, wenn die Verteilung innerhalb der Organisation fehlerhaft ist. Beim Einsatz von Faxservern ist eine unbefugte Kenntnisnahme ein- und ausgehender Faxsendungen u. U. möglich, sofern die Zugriffsrechte auf dem Faxserver nicht sorgfältig vergeben werden. zu weitgehende Zugriffsrechte Faxserver verfügen zudem über so genannte Adressbücher. Die Adressbücher erleichtern die Versendung von Faxen, da die Benutzer nur den jeweiligen Empfänger auswählen und nicht bei jedem Fax die Empfängerrufnummer erneut eingeben müssen. Sofern in einem Adressbuch eine falsche Empfängerrufnummer eingetragen ist, wird bei Benutzung dieses Eintrages das Fax an den falschen Empfänger gesendet. Häufig bieten Adressbücher auch die Möglichkeit, mehrere Adressaten zu einer Gruppe zusammenzufassen. Der Benutzer, der ein Fax an die Mitglieder einer solchen Gruppe senden will, braucht als Empfänger nur die Gruppe und nicht jedes Gruppenmitglied anzugeben. Sofern sich in solch einer Gruppe unbefugte Adressaten befinden, können diese Kenntnis von allen Faxsendungen erhalten, die über diese Gruppendefinition versandt werden. Die falsche Zuordnung kann durch Unachtsamkeit oder aufgrund einer gezielten Manipulation erfolgen. manipulierte Adressbücher Auf einem Faxserver eingegangene Faxsendungen müssen an die Empfänger verteilt werden. Dies kann entweder dadurch erfolgen, dass Eingangs-Faxsendungen ausgedruckt und manuell an die Empfänger weitergeleitet werden oder dass der Faxserver die Verteilung automatisch über das Netz vornimmt. Eine unbefugte Kenntnisnahme von eingegangenen Faxsendungen ist u. U. bei der manuellen Verteilung möglich, wenn der Drucker, auf dem der Ausdruck erfolgt, in einem allgemein zugänglichen Bereich aufgestellt wurde oder die Verteilung innerhalb der Organisation fehlerhaft ist. unbefugte Kenntnisnahme am Drucker Bei der automatischen Weiterleitung von Faxsendungen benötigt der Faxserver eine Zuordnungstabelle, in der festgelegt wird, an welchen Benutzer bzw. an welche Benutzergruppe Eingangs-Faxsendungen, die z. B. von einem bestimmten Absender stammen oder über eine bestimmte Rufnummer gesendet wurden, weitergeleitet werden sollen. Sofern ein Unbefugter in einer solchen Zuordnungstabelle - sei es durch Unachtsamkeit oder aufgrund einer gezielten Manipulation - aufgenommen wird, erhält er Faxsendungen, die nicht für ihn bestimmt sind. manipulierte Zuordnungstabellen _____________________________________________________________________ .......................................... 33 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.32 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.32 Auswertung von Restinformationen in Faxgeräten und Faxservern Faxgeräte Abhängig vom technischen Verfahren, mit denen Faxgeräte Informationen speichern, weiterverarbeiten oder drucken, können sich nach dem Faxempfang Restinformationen unterschiedlichen Umfanges im Faxgerät befinden. Sie können wiederhergestellt werden, wenn man in den Besitz des Gerätes oder der entsprechenden Bauteile kommt. Bei Faxgeräten, die mittels des Thermotransferverfahrens drucken, werden eingehende Faxsendungen zunächst auf eine Zwischenträgerfolie geschrieben, mit deren Hilfe sie dann ausgedruckt werden. Diese Folie ist Verbrauchsmaterial und muss regelmäßig ausgetauscht werden, das Entfernen der Folie ist daher leicht möglich. Gelangt ein Unbefugter in den Besitz dieser Folie (durch Diebstahl oder bei der Entsorgung), kann er den Inhalt mit einfachen technischen Mitteln reproduzieren. Dabei können ihm die Informationen von mehreren hundert Faxseiten bekannt werden. Thermotransferdruck Die meisten Faxgeräte verfügen über einen Zwischenspeicher (Dokumentenspeicher, Puffer), in den ausgehende Faxe bis zur erfolgreichen Übertragung eingelesen bzw. eingehende Faxe vor dem Ausdrucken zwischengespeichert werden können. Dieser Speicher kann je nach Faxgerät eine größere Anzahl Faxseiten enthalten und kann im Allgemeinen von jedem, der Zugang zum Faxgerät hat, ausgedruckt werden. Zwischenspeicher im Faxgerät Faxserver Faxserver sind Applikationen, die auf IT-Systemen installiert sind, die in aller Regel mit mindestens einer Festplatte ausgestattet sind oder über das Netz auf ein Laufwerk zugreifen können. Hierauf werden Faxsendungen solange gespeichert, bis sie an einen Empfänger zugestellt werden können. Weiterhin arbeiten moderne Betriebssysteme mit Auslagerungsdateien, die auch Restinformationen enthalten können. Hier besteht die Gefahr, dass diese Informationen bei Zugriff auf diesen Faxserver unerlaubt ausgewertet werden. Fällt z. B. eine Festplatte während der Garantiezeit aus, muss diese zur Geltendmachung von Garantieansprüchen an den Händler oder an den Hersteller eingesandt werden. Problematisch ist dabei, dass sich noch Daten auf der Festplatte befinden können, von denen Unbefugte auf diesem Weg Kenntnis erlangen können. Bei defekten Festplatten ist eine Löschung der Daten mit Softwaretools häufig nicht möglich. Restinformationen auf Festplatten Ein unbefugter Zugriff auf Faxdaten im Faxclient ist dann möglich, wenn ein Arbeitsplatzrechner bzw. die dort installierte Fax-Software nicht ausreichend gesichert ist. Auch beim Zugriff auf die Festplatte des Arbeitsplatzrechners können Informationen von Unbefugten ausgelesen werden. unzureichender Schutz des Arbeitsspeichers _____________________________________________________________________ .......................................... 34 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.33 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.33 Vortäuschen eines falschen Absenders bei Faxsendungen So wie man einen Brief unter falschem Namen und mit falschem Briefkopf schreiben kann, kann man auch ein entsprechend gefälschtes Fax versenden. Dadurch können Schäden entstehen, wenn der Empfänger die darin enthaltenen Informationen als authentisch und ggf. als rechtsverbindlich ansieht (vgl. G 3.14 Fehleinschätzung der Rechtsverbindlichkeit eines Fax). Beispiele: - Unterschriften können von anderen Schriftstücken eingescannt und auf die Faxvorlage ausgedruckt bzw. beim Einsatz eines Faxservers als Grafikdatei in das Schriftstück einkopiert werden. Auf dem empfangenen Fax ist kein Unterschied zwischen einer so reproduzierten und einer authentischen handschriftlichen Unterschrift erkennbar. - Bei der Übertragung wird in der Regel die Rufnummer des sendenden Faxanschlusses übermittelt. Es ist jedoch möglich, eine andere Rufnummer vorzutäuschen. Daher ist auch die Auswertung des Empfangsprotokolls keine verlässliche Bestätigung des Absenders. _____________________________________________________________________ .......................................... 35 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.34 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.34 Absichtliches Umprogrammieren der Zieltasten eines Faxgerätes Um häufig wiederkehrende Empfänger-Faxnummern nicht ständig neu eingeben zu müssen, bieten einige Faxgeräte programmierbare Zielnummerntasten an. Häufig werden die Empfängernummern beim Versenden des Fax nicht einmal mehr kontrolliert. Kann ein Unbefugter die Programmierung der Zieltasten ändern und veranlasst er dann noch, dass die bei der neuen Zieladresse eingehenden Faxsendungen möglichst unverzüglich zum berechtigten Empfänger weitergeleitet werden, kann er bequem den Fax-Verkehr zu diesem Empfänger mitverfolgen, ggf. ohne jemals entdeckt zu werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 36 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.35 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.35 Überlastung durch Faxsendungen Eine Überlastung durch eingehende Faxsendungen kann entstehen, wenn nicht genügend Faxanschlüsse oder nicht genügend Telekommunikations-Leitungen bzw. Kanäle vorhanden sind. Darüber hinaus kann ein Faxanschluss absichtlich blockiert werden, indem - andauernd umfangreiche Faxe (ggf. mit sinnlosem Inhalt) zugesandt werden oder - absichtlich solange Faxe zugesandt werden, bis der Papiervorrat eines Faxgerätes und der Pufferspeicher aufgebraucht sind. Ein Faxserver kann ebenfalls überlastet werden, wenn solange Faxe zugesendet werden, bis der zur Verfügung stehende Platz auf der Festplatte ausgeschöpft ist. Zu beachten ist aber, dass eine gefaxte Seite DIN A 4 etwa 70 kb groß ist. Bei heute üblichen Festplattengrößen müssen dazu sehr viele Faxsendungen dieser Art eingehen. Zudem muss berücksichtigt werden, dass nur eine begrenzte Zahl an Leitungen bzw. Kanälen zur Verfügung steht und jede Faxsendung auch für die Abwicklung des Faxprotokolls Zeit benötigt. Eine Überlastung des Faxservers in diesem Sinne kann nur dann auftreten, wenn eine zu klein dimensionierte Festplatte gewählt wurde oder Faxsendungen auf dem Faxserver archiviert werden. Überlastung durch eingehende Faxsendungen Im Gegensatz zu herkömmlichen Faxgeräten ist die Überlastung eines Faxservers durch ausgehende Faxsendungen durchaus möglich. So kann durch eine sehr große Anzahl von Serien-Faxsendungen ein Faxserver völlig ausgelastet werden und damit auch keine eingehenden Faxsendungen mehr empfangen. Überlastung durch ausgehende Faxsendungen _____________________________________________________________________ .......................................... 37 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.36 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.36 Absichtliche Überlastung des Anrufbeantworters Es besteht die Möglichkeit für einen Angreifer, das begrenzte Speichermedium (digitaler Speicher oder Audiokassette) während eines Anrufs (z. B. mit unsinnigen Informationen) zu füllen, so dass weitere Aufzeichnungen entweder nicht mehr möglich sind oder schon aufgezeichnete Nachrichten verloren gehen (siehe dazu auch G 4.19 Informationsverlust bei erschöpftem Speichermedium). _____________________________________________________________________ .......................................... 38 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.37 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.37 Ermitteln des Sicherungscodes Nahezu alle modernen Anrufbeantworter verfügen über die Anrufaufzeichnung hinaus noch über eine Reihe zusätzlicher Funktionen. Typische Beispiele sind Fernabfrage, Umleitung eines Anrufes, Raumüberwachung oder Fernwirkung auf angeschlossene elektrische Geräte. Diese Funktionen lassen sich über Telefon während eines Anrufes am Anrufbeantworter fernsteuern (bei Impulswahlverfahren über einen zusätzlichen Fernabfragesender, bei Tonwahlverfahren direkt über die Telefontastatur). Die Nutzung dieser Fernabfrage- und Fernsteuerungsmöglichkeit wird i. allg. durch einen Sicherungscode (Geheimzahl, PIN) geschützt. Dieser Sicherungscode wird ebenfalls mittels des Fernabfragesenders durch Töne unterschiedlicher Frequenz an den Anrufbeantworter übermittelt. Wenn ein Dritter diesen Sicherungscode in Erfahrung gebracht hat, ist es ihm möglich, über die Fernsteuerung auf den Anfrufbeantworter Einfluß zu nehmen, genauso als wäre der Anrufbeantworter in seinem Besitz. Der entstehende Schaden hängt davon ab, ob der Dritte schutzbedürftige Nachrichten abhört oder andere Leistungsmerkmale mißbraucht. Beispiel: Es wurde berichtet, daß in letzter Zeit vermehrt die Sicherungscodes einiger Anrufbeantworter ermittelt wurden, indem ein normaler Personalcomputer mit Modem eingesetzt wurde, um innerhalb von kurzer Zeit sämtliche nur möglichen Zahlenkombinationen durchzuprobieren. _____________________________________________________________________ .......................................... 39 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.38 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.38 Mißbrauch der Fernabfrage Ist einem Dritten der Sicherungscode eines Anrufbeantworters bekannt geworden, kann er über die Fernabfrage einen Großteil der im Anrufbeantworter implementierten Funktionen mißbrauchen. Nachfolgend werden die kritischsten Funktionen, die über die Fernabfrage angesprochen und damit mißbraucht werden können, dargestellt: - Raumüberwachung Die Funktion Raumüberwachung aktiviert das Mikrofon des Anrufbeantworters und erlaubt so das Abhören des Raumes. Bemerkenswert hierbei ist, daß die wenigsten Geräte dieses Abhören durch einen Aufmerksamkeitston kenntlich machen - lediglich eine Anzeige mittels Leuchtdiode ist Standard. Wird diese Funktion mißbräuchlich bei Abwesenheit des Angerufenen aktiviert, fällt die eingeschaltete Raumüberwachung nach Rückkehr dem Angerufenen nicht auf. Seine Gespräche innerhalb des Raumes können dann unbemerkt abgehört werden. - Abhören oder Löschen gespeicherter Gespräche Es können eingegangene Anrufe abgehört und auch gelöscht werden. Der Schaden ist abhängig vom Schutzbedarf der aufgezeichneten Informationen. - Ändern oder Löschen des gespeicherten Ansagetextes Bei einigen Geräten kann durch Fernabfrage eine Löschung des Ansagetextes vorgenommen und damit Anrufbeantworter außer Betrieb gesetzt werden. Durch gezielte Falschinformationen können Anrufer eventuell verwirrt werden. - Änderung gespeicherter Rufnummern der Anrufmeldung oder Anrufweiterschaltung Das Leistungsmerkmal Anrufmeldung bewirkt, daß der Anrufbeantworter nach Eingang eines Anrufes selbständig eine vorher eingespeicherte Telefonnummer anwählt. Meldet sich der angerufene Teilnehmer, wird ein bestimmtes Tonsignal bzw. ein Erinnerungstext durch den Anrufbeantworter gesendet und damit signalisiert, daß ein Anruf aufgezeichnet wurde. Bei einzelnen Geräten werden die gespeicherten Nachrichten ohne weitere Mitwirkung abgespielt. In der Regel jedoch muß die Wiedergabe der aufgenommenen Anrufe durch Eingabe des Sicherungscodes aktiviert werden. Das Leistungsmerkmal der Anrufweiterschaltung bewirkt, daß ein Anrufer zu einer vorher eingespeicherten Telefonnummer weiterverbunden wird. Durch Abschaltung der Anrufmeldung oder Anrufweiterschaltung werden die Funktionen nicht mehr ausgeführt und der Benutzer wird von wichtigen Anrufen nicht mehr in Kenntnis gesetzt bzw. ist nicht mehr erreichbar. Ein Umprogrammieren dieser Funktionen gestattet es, Anrufe gezielt umzuleiten, beispielsweise zu einem kostenpflichtigen Telefonansagedienst. _____________________________________________________________________ .......................................... 40 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.38 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Vor- und Rückspulen eines Aufzeichnungsbandes Einige analog aufzeichnende Anrufbeantworter erlauben das ferngesteuerte Vor- und Rückspulen des Aufzeichnungsbandes. Durch Vorspulen bis ans Bandende sind weitere Aufzeichnungen ausgeschlossen. Nach dem Zurückspulen des Bandes werden bereits aufgesprochene Texte durch den nächsten Anruf überspielt. - Fernwirkmöglichkeiten Einige Geräte gestatten es, aus der Ferne über den Anrufbeantworter elektrische Geräte zu steuern (Ein- und Ausschalten). Je nach Funktion und Bedeutung der angeschlossenen Geräte kann dies beliebig hohen Schaden nach sich ziehen. - Abschalten des Gerätes Einige Geräte können ferngesteuert abgeschaltet werden, so daß die Funktion des Anrufbeantworters nicht mehr zur Verfügung steht. _____________________________________________________________________ .......................................... 41 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.39 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.39 Eindringen in Rechnersysteme über Kommunikationskarten Eine Kommunikationskarte (z. B. eine ISDN-Karte oder ein internes Modem, aber auch ein externes Modem) kann eingehende Anrufe automatisch entgegennehmen. Abhängig von der eingesetzten Kommunikationssoftware und deren Konfiguration besteht dann die Möglichkeit, daß ein Anrufer unbemerkt Zugriff auf das angeschlossene IT-System nehmen kann. Über eine Kommunikationskarte kann ein externer Rechner als Terminal an einen Server angeschlossen werden. Falls der Benutzer sich nach einer Terminalsitzung abmeldet, aber die Leitung ansonsten bestehen bleibt, ist vom externen Rechner ein Zugang wie über ein lokales Terminal möglich. Damit haben Dritte, die Zugang zu diesem Rechner haben, die Möglichkeit, Benutzerkennungen und Paßwörter zu testen. Wesentlich gefährlicher ist der Fall, daß die Verbindung unterbrochen wird, aber der Benutzer nicht automatisch am entfernten System ausgeloggt wird. Dann kann der nächste Anrufer unter dieser Benutzerkennung weiterarbeiten, ohne sich anmelden zu müssen. Er hat somit vollen Zugriff auf das IT-System, ohne sich identifiziert und authentisiert zu haben. _____________________________________________________________________ .......................................... 42 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.40 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.40 Abhören von Räumen mittels Rechner mit Mikrofon Viele IT-Systeme werden mittlerweile mit Mikrofon ausgeliefert. Das Mikrofon eines vernetzten Rechners kann von denjenigen benutzt werden, die über Zugriffsrechte auf die entsprechende Gerätedateien verfügen (unter Unix ist das zum Beispiel /dev/audio, unter Windows NT ist es ein Eintrag in der Registrierung). Wenn diese Rechte nicht sorgfältig vergeben sind und dadurch auch andere als die vorgesehenen Benutzer Zugriff haben, kann das Mikrofon zum Abhören mißbraucht werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 43 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.41 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.41 Mißbräuchliche Nutzung eines Unix-Systems mit Hilfe von uucp Das Programmpaket UUCP (Unix-to-Unix Copy) erlaubt den Austausch von ASCII- und Binärdateien zwischen IT-Systemen und die Ausführung von Kommandos auf entfernten IT-Systemen. UUCP war ursprünglich auf UnixSysteme beschränkt, ist aber mittlerweile auch für viele andere Betriebssysteme verfügbar. Bei der Kommunikation über UUCP werden IT-Benutzern auf entfernten Rechnern Rechte auf dem lokalen Rechner eingeräumt. Wenn diese Rechte nicht sorgfältig und auf das Notwendige beschränkt vergeben werden, besteht die Gefahr der mißbräuchlichen Nutzung des lokalen Systems. Denkbar ist auch eine Maskerade über UUCP, indem z. B. ein Host bei Kenntnis des Paßworts - vorgetäuscht wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 44 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.42 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.42 Social Engineering Social Engineering ist eine Methode, um nicht allgemein zugängliche Infortionen durch "Aushorchen" zu erlangen. Oft gibt sich ein Angreifer bei Gesprächen durch die Kenntnisse der richtigen Schlagworte als Insider zu erkennen und erhält so zusätzliche Informationen, die an anderer Stelle ausgenutzt werden können. Das "Aushorchen" kann z. B. per Telefonanruf erfolgen, bei dem sich jemand ausgibt: - als Vorzimmerkraft, deren Vorgesetzter schnell noch etwas erledigen will, aber sein Paßwort vergessen hat und es jetzt dringend braucht, - als Administrator, der wegen eines Systemfehlers anruft, da er zur Fehlerbehebung noch das Paßwort des Benutzers benötigt, - als Telefonentstörer, der einige technische Details wissen will, z. B. unter welcher Rufnummer ein Modem angeschlossen ist und welche Einstellungen es hat, - als Externer, der gerne Herrn X sprechen möchte, der aber nicht erreichbar ist. Die Information, daß Herr X drei Tage abwesend ist, sagt ihm auch gleichzeitig, daß der Account von Herrn X in dieser Zeit nicht benutzt wird, also unbeobachtet ist. Wenn kritische Rückfragen kommen, ist der Neugierige angeblich "nur eine Aushilfe" oder eine "wichtige" Persönlichkeit. _____________________________________________________________________ .......................................... 45 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.43 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.43 Makro-Viren Mit dem Austausch von Dateien (z. B. per Datenträger oder E-Mail) besteht die Gefahr, daß neben der eigentlichen Datei (Textdatei, Tabelle etc.) weitere, mit dem Dokument verbundene Makros bzw. eingebettete Editorkommandos übersandt werden. Diese Makros laufen erst mit dem jeweiligen Anwendungsprogramm (Winword, Excel etc.) bei der Bearbeitung des Dokuments ab, indem der Benutzer das Makro aktiviert bzw. das Makro automatisch gestartet wird. Wird ein Dokument über einen WWW-Browser empfangen, der das Dokument automatisch öffnet, kann hierdurch ein (Auto-) Makro aktiviert werden. Da die Makrosprachen über einen sehr umfangreichen Befehlssatz verfügen, besteht auch die Gefahr, daß einem Dokument ein Makro beigefügt wird, das eine Schadfunktion enthält (z. B. einen Virus). In der Praxis hat diese Gefährdung insbesondere bei den Dateien der Programme Word für Windows und Excel der Firma Microsoft weltweit beträchtlich zugenommen. Für den Benutzer ist dabei nicht transparent, daß Dateien für Word-Vorlagen (*.DOT), in denen Makros enthalten sein können, durch Umbenennen in *.DOC-Dateien scheinbar zu Datendateien werden, die keine Makros enthalten. Von Microsoft Word werden solche Dateien jedoch ohne Hinweis auf diese Tatsache in nahezu gleicher Weise verarbeitet (Ausnahme: Winword ab Version 7.0a). Die Word-Makro-Viren haben inzwischen die Spitzenstellung bei gemeldeten Infektionen eingenommen. Hervorzuheben ist, daß Makro-Viren auf verschiedenen Betriebssystem-Plattformen auftreten können, nämlich auf allen, auf denen Winword läuft (Windows Versionen 3.1 und 3.11, Windows 95, Windows NT, Apple-Computer). Beispiel: Der Winword-Makro-Virus "Winword.Nuclear" wurde im Internet über die Datei WW6ALERT.ZIP verbreitet. Der Makro-Virus bewirkt einerseits, daß an Ausdrucken der Text "STOP ALL FRENCH NUCLEAR TESTIN IN PACIFIC!" angehängt wird, andererseits aber auch den Versuch, Systemdateien zu löschen. _____________________________________________________________________ .......................................... 46 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.44 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.44 Mißbrauch von Remote-Zugängen für Managementfunktionen von TK-Anlagen TK-Anlagen verfügen über Remote-Zugänge für Managementfunktionen. Über diese Zugänge können alle Administrations- und Wartungstätigkeiten sowie sonstige Managementfunktionalitäten wie z. B. Alarmsignalisierung und -bearbeitung abgewickelt werden. Solche Remote-Zugänge sind besonders in TK-Anlagen-Verbünden (Corporate Networks) nützlich und teilweise unverzichtbar. Bei der Art des Remote Zuganges läßt sich zwischen - "Modem"-Zugang über dedizierte Managementports und - direkte Einwahl über DISA (Direct Inward System Access) unterscheiden. Desweiteren sind in neueren Protokollierungsverfahren wie QSig und einigen anderen proprietären Protokollen Managementfunktionen bereits im Signalisierungsspektrum enthalten. Hieraus ergeben sich potentielle Mißbrauchsmöglichkeiten. Bei unzureichend gesicherten Fernwartungszugängen ist es denkbar, daß Hacker Zugang zu den Managementprogrammen des TK-Systems erlangen. Sie können somit nach Überwindung des Anlagenpaßwortes ggf. alle Administrationstätigkeiten ausüben. Der entstehende Schaden kann sich vom vollständigen Anlagenausfall, über schwerste Betriebsstörungen, den Verlust der Vertraulichkeit aller auf der Anlage vorhandenen Daten bis hin zum großen direkten finanziellen Schaden z. B. durch Gebührenbetrug erstrecken. _____________________________________________________________________ .......................................... 47 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.45 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.45 Ausprobieren von Paßwörtern unter WfW und Windows 95 In einem Peer-to-Peer-Netz unter WfW und Windows 95 werden Zugriffsrechte zu Verzeichnissen durch die Vergabe von Paßwörtern realisiert. Es findet keine Unterscheidung einzelner Benutzer statt. Der Zugriff auf ein freigegebenes Verzeichnis und die darin gespeicherten Dateien wird lediglich bei der Eingabe eines korrekten Paßwortes erlaubt. Dies gilt nicht beim Einsatz von Windows 95 in Netware-Netzen. Unter WfW und Windows 95 ist es daher prinzipiell möglich, die Zugriffspaßwörter zu freigegebenen Verzeichnissen durch Ausprobieren zu ermitteln. Da keine Beschränkung der Anzahl von Fehlversuchen bei der Paßworteingabe existiert, kann dies mittels einer gewissen Systematik erfolgversprechend sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 48 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.46 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.46 Maskerade unter WfW Da jeder Benutzer eines WfW-Rechners den Rechner- und Anmeldenamen ändern kann, ist WfW nicht in der Lage, Benutzer zuverlässig zu identifizieren. Maskerade ist daher leicht möglich. Damit kann ein potentieller Angreifer unter falschem Namen auf seinem Rechner ein Verzeichnis für alle am Netz unter WfW arbeitenden Mitarbeiter freigeben, in dem sich Schadprogramme befinden. Er kann auch versuchen, sich unberechtigt Zugriff auf Verzeichnisse anderer zu verschaffen. Der Geschädigte wird über den wahren Verursacher getäuscht. Ebenso kann ein Angreifer Kommunikation in WfW (z. B. über die Telefonfunktion) in einfacher Weise unter falschem Namen führen und den Empfänger über die Identität des tatsächlichen Absenders täuschen. Auch ist es möglich, die Anmeldung eines bestimmten Rechners unter WfW zu verhindern, indem man sich unter dessen Namen zeitlich vor diesem unter WfW anmeldet. Unter Windows 95 und Windows NT kann über entsprechende Systemrichtlinien verhindert werden, daß die Benutzer Rechner- und Anmeldenamen ändern können. _____________________________________________________________________ .......................................... 49 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.47 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.47 Löschen des Post-Office Wird von mehreren Benutzern ein gemeinsames Post-Office unter mail genutzt, kann dieses unter Umgehung aller WfW-Sicherheitsfunktionen unberechtigt gelöscht werden, wenn zu einem dem Post-Office bekannten Rechner kein ausreichender Zugangsschutz (z. B. über ein BIOS-Paßwort) gewährleistet ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 50 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.48 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.48 IP-Spoofing IP-Spoofing ist eine Angriffsmethode, bei der falsche IP-Nummern verwendet werden, um dem angegriffenen IT-System eine falsche Identität vorzuspielen. Bei vielen Protokollen der TCP/IP-Familie erfolgt die Authentisierung der kommunizierenden IT-Systeme nur über die IP-Adresse, die aber leicht gefälscht werden kann. Nutzt man darüber hinaus noch aus, daß die von den Rechnern zur Synchronisation beim Aufbau einer TCP/IP-Verbindung benutzten Sequenznummern leicht zu erraten sind, ist es möglich, Pakete mit jeder beliebigen Absenderadresse zu verschicken. Damit können entsprechend konfigurierte Dienste wie rlogin benutzt werden. Allerdings muß ein Angreifer dabei u. U. in Kauf nehmen, daß er kein Antwortpaket von dem mißbräuchlich benutzten Rechner erhält. Weitere Dienste, die durch IP-Spoofing bedroht werden, sind rsh, rexec, XWindows, RPC-basierende Dienste wie NFS und der TCP-Wrapper, der ansonsten ein sehr sinnvoller Dienst zur Einrichtung einer Zugangskontrolle für TCP/IP-vernetzte Systeme ist. Leider sind auch die in Schicht 2 des OSIModells eingesetzten Adressen wie Ethernet- oder Hardware-Adressen leicht zu fälschen und bieten somit für eine Authentisierung keine zuverlässige Grundlage. In LANs, in denen das Address Resolution Protocol (ARP) eingesetzt wird, sind sehr viel wirkungsvollere Spoofing-Angriffe möglich. ARP dient dazu, zu einer 32-Bit großen IP-Adresse die zugehörige 48-Bit große Hardwareoder Ethernet-Adresse zu finden. Falls in einer internen Tabelle des Rechners kein entsprechender Eintrag gefunden wird, wird ein ARP-Broadcast-Paket mit der unbekannten IP-Nummer ausgesandt. Der Rechner mit dieser IPNummer sendet dann ein ARP-Antwort-Paket mit seiner Hardware-Adresse zurück. Da die ARP-Antwort-Pakete nicht manipulationssicher sind, reicht es dann meist schon, die Kontrolle über einen der Rechner im LAN zu bekommen, um das gesamte Netz zu kompromittieren. _____________________________________________________________________ .......................................... 51 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.49 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.49 Mißbrauch des Source-Routing Der Mißbrauch des Routing-Mechanismus und -Protokolls ist eine sehr einfache protokoll-basierte Angriffsmöglichkeit. In einem IP-Paket läßt sich der Weg, auf dem das Paket sein Ziel erreichen soll oder den die Antwortpakete nehmen sollen, vorschreiben. Die Wegbeschreibung kann aber während der Übertragung manipuliert werden, so daß nicht die durch die Routing Einträge vorgesehenen sicheren Wege benutzt werden (z. B. über die Firewall), sondern andere unkontrollierte Wege. _____________________________________________________________________ .......................................... 52 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.50 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.50 Mißbrauch des ICMP-Protokolls Das Internet Control Message Protocol (ICMP) hat als Protokoll der Transportschicht die Aufgabe, Fehler- und Diagnoseinformationen zu transportieren. Es läßt sich in mehrfacher Weise mißbrauchen. Zum einem können über Redirect Pakete die Routingtabellen eines Rechners geändert und z. B. unerwünschte Routen konfiguriert werden. Zum anderen kann ein Angreifer gefälschte Destination Unreachable Pakete in die Verbindung einschleusen, so daß die bestehende Verbindung unterbrochen wird und somit die Verfügbarkeit der Netzverbindung nicht mehr gewährleistet ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 53 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.51 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.51 Mißbrauch der Routingprotokolle Routing Protokolle wie RIP (Routing Information Protocol) oder OSPF (Open Shortest Path First) dienen dazu, Veränderungen der Routen zwischen zwei vernetzten Systemen an die beteiligten Systeme weiterzuleiten und so eine dynamische Änderung der Routingtabellen zu ermöglichen. Es ist leicht möglich, falsche RIP-Pakete zu erzeugen und somit unerwünschte Routen zu konfigurieren. Der Einsatz von dynamischem Routing ermöglicht es, Routing-Informationen an einen Rechner zu schicken, die dieser in der Regel ungeprüft zum Aufbau seiner Routingtabellen benutzt. Dies kann ein Angreifer ausnutzen, um gezielt den Übertragungsweg zu verändern. _____________________________________________________________________ .......................................... 54 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.52 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.52 Mißbrauch von Administratorrechten im Windows NT System Eine mißbräuchliche Administration liegt vor, wenn man vorsätzlich rechtoder unrechtmäßig erworbene Administrator-Berechtigungen und -Rechte ausnutzt, um dem System oder dessen Benutzern zu schaden. Beispiel: Durch mißbräuchliche Nutzung des Rechtes zur Besitzübernahme beliebiger Dateien kann sich ein Administrator unter Windows NT Zugriff auf beliebige Dateien verschaffen, obwohl deren Eigentümer ihm diesen Zugriff explizit durch entsprechende Zugriffskontrollen verwehrt hat. Eine Zugriffsübernahme kann allerdings vom ursprünglichen Eigentümer der Dateien erkannt werden, da der Administrator sich hierbei zum Besitzer der betreffenden Dateien machen muß und unter Windows NT keine Funktion verfügbar ist, um diese Änderung wieder rückgängig zu machen. Trotzdem kann der Administrator unbemerkt auf Benutzerdateien zugreifen, in dem er sich z. B. in die Gruppe Sicherungs-Operatoren einträgt und ein Backup der Dateien durchführt, die er lesen will. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mißbräuchlich Administrator-Rechte auszunutzen. Dazu gehören unzulässige Zugriffe auf Dateien, Veränderungen der Protokollierungs-Einstellungen und der Vorgaben für Benutzerkonten. Andere Möglichkeiten des Mißbrauchs bestehen in der Fälschung von Protokollinformationen durch Verstellen der Systemzeit oder in der detaillierten Verfolgung der Tätigkeiten einzelner Benutzer. In Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Hardware kann bei Zugangsmöglichkeit zur Konsole bzw. zum Systemgehäuse das System gebootet werden. Das ermöglicht ggf. die Manipulation der Konfiguration, wenn hierbei von einem Fremdmedium gebootet oder ein anderes Betriebssystem ausgewählt werden kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 55 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.53 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.53 Bewußte Fehlbedienung von Schutzschränken aus Bequemlichkeit Eine häufig festzustellende Form der absichtlichen Fehlbedienung von Schutzschränken mit mechanischen Codeschlössern besteht darin, nach Schließen eines Schutzschrankes den Code nicht zu verwerfen, um den Code beim Öffnen nicht wieder eingeben zu müssen. Dieses Fehlverhalten reduziert den Schutzwert des Schrankes gegen unbefugten Zugriff, da hierdurch einem Dritten das Öffnen des Schutzschrankes ohne Kenntnis des Codes ermöglicht wird. Ebenso häufig anzutreffen ist der Umstand, daß Schutzschränke bei kurzfristigem Verlassen des Raumes nicht verschlossen werden, um sich das Öffnen des Schrankes nach Rückkehr zu ersparen. Dies reduziert ebenfalls den Schutzwert gegen unbefugten Zugriff. _____________________________________________________________________ .......................................... 56 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.54 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.54 Vorsätzliches Herbeiführen eines Abnormal End Ein Netware ABEND (Abnormal End) wird hervorgerufen, wenn das Netware Betriebssystem aufgrund von Hard- und/oder Softwareproblemen nicht mehr in der Lage ist, Netzprozesse ordnungsgemäß weiterzuführen bzw. zu steuern. Der Fileserver wird in diesen Fällen gestoppt und muß neu gestartet werden. Hat ein Angreifer Zugriff auf die Konsole des Novell Netware Servers, so kann ein Netware ABEND durch die Eingabe bestimmter Parameter vorsätzlich herbeigeführt werden. Der ABEND eines Novell Netware Servers kann sogar von jedem, der Zugriff auf das Netz hat, herbeigeführt werden, ohne das ein autorisiertes Login auf dem Novell Netware Server erfolgen muß. Durch den Aufruf des Programms SYS:\PUBLIC\RENDIR.EXE mit zusätzlichen Parametern kann jede Workstation im Status "Attached" den ABEND eines Novell Netware Servers provozieren. _____________________________________________________________________ .......................................... 57 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.55 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.55 Login Bypass Die Login-Scripts (System-Login-Script, User-Login-Script) eines Novell Netware Servers erstellen, nach erfolgter Anmeldung am Novell Netware Server, die persönliche Netzumgebung für den Benutzer. Durch die Verwendung von Optionen beim Ausführen von LOGIN.EXE unter Novell Netware werden weder das System-Login-Script noch das User-LoginScript des ausgewählten Novell Netware Servers ausgeführt. Sicherheitseinstellungen die in die Login-Scripts implemetiert wurden werden somit umgangen. Hierdurch ist es dem Benutzer nach dem autorisierten Login möglich, sich mit Hilfe des Map Kommandos unabhängig von den in den Login-Scripts (System-Login-Script, User-Login-Script) festgelegten Parametern auf dem Novell Netware Server zu "bewegen". In Verbindung mit einer unzureichenden Rechtevergabe kann dies dazu führen, daß Informationen, die nicht für den Benutzer zugänglich sein sollen, diesem zugänglich werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 58 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.56 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.56 Temporär frei zugängliche Accounts Bei der Einrichtung eines neuen User-Accounts wird dieser standardmäßig ohne Paßwort eingerichtet. Von Seiten des Netzbetriebssystems besteht hierbei keinerlei Zwang, ein Paßwort zu vergeben, obwohl dieses in den Standardeinstellungen ("Default Account Balance/Restrictions") eingestellt werden kann. Diese neu eingerichteten Accounts sind somit für jederman frei zugänglich, ohne daß eine Paßwortabfrage erfolgt. Die Gefährdung des sogenannten "race on new accounts" ist hierbei umso höher einzuschätzen, je privilegierter der neue Account auf dem Novell Netware Server ist. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß verschiedene Versionen (z. B. Vers. 3.75, Vers. 3.76) des Netware Utilities SYS:\PUBLIC\SYSCON.EXE bei der Vergabe eines neuen Paßwortes durch einen Systemverwalter dieses Paßwort unverschlüsselt über das Netz übertragen. _____________________________________________________________________ .......................................... 59 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.57 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.57 Netzanalyse-Tools Werden die im Netzsegment übertragenen Informationen nicht verschlüsselt, so können diese Informationen mit Hilfe von Netzanalyse-Tools, den sogenannten "Sniffern", im Klartext ausgelesen werden. Hierbei ist auch zu beachten, daß diese "Sniffer" keineswegs immer als "Hackingsoftware" betrachtet werden können, da viele Produkte, die dem Management des Netzes dienen, eine derartige Funktion beinhalten. _____________________________________________________________________ .......................................... 60 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.58 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.58 "Hacking Novell Netware" "Hacking Novell Netware" kann prinzipiell auf zwei Arten durchgeführt werden. Zum einen kann, ausgehend von einer Workstation, eine gezielte Attacke gegen einen User Account erfolgen, um dessen Paßwort in Erfahrung zu bringen. Die gezielte Attacke gegen einen User Account kann hierbei über einen sogenannten Brute Force Angriff erfolgen, bei dem eine Workstation (Status: Attached) Login-Versuche unter einem zuvor festgelegten User Account durchführt und hierbei mit Hilfe eines Algorithmus oder eines mitgelieferten Wörterbuches Paßwörter generiert bzw. ausprobiert. Mit Hilfe des Programms HACK.EXE kann ein autorisierter Benutzer einen Angriff gegen den Account des Supervisors durchführen. Es kann, eine Schwachstelle im Betriebssystem ausnutzend, alle Benutzer des Novell Netware Servers in einen Supervisor-äquivalenten Zustand versetzten, den Supervisor ausloggen sowie dessen Paßwort verändern, vorausgesetzt der Account des Supervisors ist zum Zeitpunkt der Aktivierung von HACK.EXE auf dem Novell Netware Server eingeloggt. Weiterhin kann eine Attacke durch eine direkte Manipulation am Server durchgeführt werden, um beispielsweise einen Supervisor-äquivalenten Account zu generieren. Durch das Einspielen und Aktivieren von NLMs (Netware Loadable Modules), die als Notfalltools entwickelt worden sind, besteht beispielsweise die Möglichkeit, einen speziellen Benutzer zu erzeugen, dessen Rechte auf dem Novell Netware Server äquivalent zu denen des Supervisors sind. Diese Tools, wie z. B. SETPWD.NLM, arbeiten auch in Netware 4 Netzen. Deshalb sei an dieser Stelle noch einmal auf M 1.42 Gesicherte Aufstellung von Novell Netware Servern hingewiesen. Die meisten dieser Programme sind frei über das Internet erhältlich. Sie sind, hinsichtlich ihrer Handhabung, auch von "Computer-Laien" zu bedienen, da sie keine spezifischen Novell Netware Kenntnisse erfordern. _____________________________________________________________________ .......................................... 61 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.59 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.59 Mißbrauch von Administratorrechten unter Novell Netware 3.x Der Supervisor Account bzw. ein Supervisor-äquivalenter Account besitzt, mit Ausnahme der Bindery Informationen (z. B. Paßwörter), die vollständige Kontrolle über einen Novell Netware Server. Hierdurch ist es einem Account der Sicherheitsstufe "Supervisor" möglich, auf alle gespeicherten Informationen des Servers zuzugreifen, wenn diese nicht durch zusätzliche Sicherheitsmechanismen, wie z. B. Verschlüsselung geschützt werden. Damit haben autorisierte Benutzer dieser Accounts die Möglichkeit, Daten anderer Benutzer zu lesen, zu löschen bzw. zu verändern. _____________________________________________________________________ .......................................... 62 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.60 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.60 Umgehen der Systemrichtlinien Besteht lokaler Zugang zu einem nicht vernetzten PC unter Windows 95, ist es möglich, die Paßwortdatei (name.PWL), die zu einer bestimmten Benutzerkennung gehört, zu löschen. Der Zugang mit dieser Benutzerkennung ist dann ohne Kenntnis des Benutzerpaßwortes möglich. Dies ist insbesondere dann kritisch, wenn ein nicht vernetzter Windows 95-Rechner durch Systemrichtlinien für bestimmte Benutzer eingeschränkt ist, aber eine Administrator-Kennung (z. B. ADMIN) existiert, die alle Rechte besitzt. Durch löschen der ADMIN.PWL durch einen auf diesem PC eingeschränkten, aber dennoch berechtigten Benutzer kann dieser sich anschließend als Administrator anmelden. Die für den Benutzer eingestellten Einschränkungen bzw. Systemrichtlinien werden somit umgangen. _____________________________________________________________________ .......................................... 63 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.61 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.61 Mißbrauch von Remote-Zugängen für Managementfunktionen von Routern Router verfügen über Remote-Zugänge für Managementfunktionen. Über diese Zugänge können alle Administrations- und Wartungstätigkeiten sowie Signalisierungsfunktionalitäten abgewickelt werden. Solche Remote-Zugänge sind besonders in größeren Netzen mit mehreren Routern bzw. bei der LANKopplung über Weitverkehrsnetze nützlich und teilweise unverzichtbar. Bei der Art des Remote-Zugangs läßt sich unterscheiden zwischen: - "Modem"-Zugang über dedizierte Schnittstelle (z. B. V.24) und - direkter Zugang über reservierte Bandbreiten. Wird für das Netzmanagement das Protokollverfahren SNMP (Simple Network Management Protocol) eingesetzt, ergeben sich aufgrund fehlender bzw. noch nicht umgesetzter Sicherheitsfunktionalitäten weitere Gefährdungen, die über den direkten Mißbrauch der ungeschützten Remote-Schnittstellen hinausgehen: - Ein nicht autorisierter Benutzer fängt Datenpakete einer SNMP-Management-Station ab und verändert die darin enthaltenen Parameterwerte für seine Zwecke. Nach dieser Manipulation werden die manipulierten Datenpakete zur eigentlichen Zielstation gesendet. Das Empfängergerät hat keine Möglichkeit, diese Datenmanipulation zu erkennen und reagiert deshalb auf die im Paket enthaltenen Informationen so, als ob diese von der Management-Station direkt abgesandt worden wären. - Erhält der Besitzer einer Netzmanagement-Station Zugang zum mittels SNMP verwalteten Netz, ist das Vorspiegeln einer Community (Verwaltungsbereich innerhalb von SNMP) möglich. Durch diese Maskerade täuscht ein nicht autorisierter Benutzer eine autorisierte Identität vor und kann alle Informationen der Agents (im Netz zu verwaltende Objekte, bspw. Router) auslesen sowie sämtliche Managementoperationen durchführen. Der Agent hat keine Möglichkeit zwischen der richtigen und der falschen Identität zu unterscheiden. _____________________________________________________________________ .......................................... 64 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.62 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.62 Mißbrauch von Ressourcen über abgesetzte ITSysteme Abgesetzte IT-Systeme (z. B. Telearbeitsplätze) können meist auf vielfältige Ressourcen eines unternehmensweiten Netzes zugreifen. Grundsätzlich besteht deshalb immer die Gefahr des Daten- und Programmdiebstahls. Bestehen zu einem Unternehmensnetz auch Zugriffsmöglichkeiten von abgesetzten IT-Systemen (z. B. Telearbeitsplätzen), besteht grundsätzlich die Gefahr, daß in dem Unternehmensnetz angebotenen Dienstleistungen mißbraucht werden können. Die Bereitstellung von Kommunikationsservern im Netz (z. B. Fax-Gateway, Internetanbindungen usw.) kann bei einer nicht erlaubten privaten Nutzung zu einem Gebührenbetrug führen. _____________________________________________________________________ .......................................... 65 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.63 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.63 Manipulationen über den ISDN-D-Kanal Die Summe aller physikalischen Verbindungen der Kommunikationsteilnehmer zu einer ihnen zugeordneten digitalen Vermittlungsstelle bezeichnet man als Anschlußnetz. Innerhalb des Anschlußnetzes existieren zahlreiche Verteiler und Übergabepunkte, die teilweise frei zugänglich und nicht aufwendig gesichert sind (z. B. Kabelverzweiger). Die Kommunikation auf dem Anschlußnetz kann im einfachsten Fall durch das mechanische Beschädigen einer Anschlußleitung unterbrochen werden. Weiterhin ist es mit Hilfe eines ISDN-Protokollanalysators möglich, Kommunikationsinhalte aufzuzeichnen und auszuwerten. Mittels Einschleifen eines Protokollanalysators ist ebenfalls das Manipulieren von Steuerungsinformationen im D-Kanal des ISDN möglich. Die Kommunikationskomponenten des angegriffenen Kommunikationsteilnehmers (also ISDN-Karten, ISDN-Router, TK-Anlagen etc.) können so zu Reaktionen veranlaßt werden, die ihren ordnungsgemäßen Betrieb beeinträchtigen oder zur Kompromittierung gespeicherter Daten führen. _____________________________________________________________________ .......................................... 66 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.64 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.64 Manipulation an Daten oder Software bei Datenbanksystemen Durch ein gezieltes Manipulieren von Daten werden diese vorsätzlich verfälscht oder unbrauchbar gemacht. Die entsprechenden Folgen sind in G 4.28 Verlust von Daten einer Datenbank und G 4.30 Verlust der Datenbankintegrität/-konsistenz beschrieben. Werden die Dateien einer Datenbank oder der Datenbankstandardsoftware gezielt gelöscht oder verändert, so führt dies zur vorsätzlichen Zerstörung des gesamten Datenbanksystems (siehe G 4.26 Ausfall einer Datenbank). Es ist prinzipiell nicht verhinderbar, daß Benutzer mit den entsprechenden Zugangs- und Zugriffsberechtigungen gezielt Datenmanipulationen durchführen oder eine Datenbank zerstören können. Ist es außerdem möglich, die Zugangs- und Zugriffsberechtigungen zu umgehen (z. B. durch eine fehlerhafte Administration des DBMS), so können sich auch unberechtigte Benutzer Zugang zur Datenbank verschaffen und dort Manipulationen vornehmen. _____________________________________________________________________ .......................................... 67 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.65 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.65 Verhinderung der Dienste eines Datenbanksystems Ein solcher Angriff zielt darauf ab, die IT-Benutzer daran zu hindern, die Funktionen und Dienste eines Datenbanksystems benutzen zu können, die ihnen normalerweise zur Verfügung stehen. Neben den in G 5.28 Verhinderung von Diensten aufgeführten Beispielen, kann dies im Bereich Datenbanken zusätzlich z. B. dadurch erreicht werden, daß große Datenmengen selektiert werden, deren Auswertung das gesamte Datenbanksystem lahmlegt, oder daß die Datensätze durch Sperren blockiert werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 68 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.66 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.66 Unberechtigter Anschluß von IT-Systemen an ein Netz Grundsätzlich kann der unberechtigte Anschluß eines IT-Systems in ein bestehendes Netz (durch ein Aufschalten auf die zugehörige Verkabelung oder durch die Nutzung von Schnittstellen in Verteiler- oder Büroräumen) nicht verhindert werden. Es gibt keinen Verkabelungstyp, der ein solches Ankoppeln verhindern würde, lediglich der erforderliche Aufwand zum Auftrennen der Verkabelung und zum Lesen bzw. Einspielen von Daten unterscheidet die verschiedenen Typen. Die unberechtigte Integration eines Rechners in ein Netz ist nur sehr schwer zu entdecken und bleibt meistens unbemerkt. Ein solcher Zugriff betrifft den gesamten Netzverkehr in dem zugehörigen Segment und kann z. B. - die Manipulation an Daten oder Software, - das Abhören von Leitungen, - die Manipulation an Leitungen, - das Wiedereinspielen von Nachrichten, - die Maskerade als anderer Kommunikationsteilnehmer, - eine Analyse des Nachrichtenflusses, - die Verhinderung von Diensten, - die unberechtigte Ausführung von Netzmanagementfunktionen oder - den unberechtigten Zugang zu den aktiven Netzkomponenten begünstigen. _____________________________________________________________________ .......................................... 69 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.67 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.67 Unberechtigte Ausführung von Netzmanagementfunktionen Durch die unberechtigte Ausführung von Netzmanagementfunktionen können aktive Netzkomponenten teilweise oder vollständig kontrolliert werden. Die Kontrollmöglichkeiten werden u. a. durch das verwendete Netzmanagementprotokoll, wie z. B. SNMP oder CMIP/CMOT bestimmt. Daraus kann ein Verlust der Netzintegrität, der Verfügbarkeit einzelner oder aller Netzbestandteile sowie der Vertraulichkeit bzw. Integrität von Daten resultieren. Unter Verwendung eines Serviceprotokolls, wie z. B. SNMP, können dedizierte Ports aktiver Netzkomponenten aktiviert oder insbesondere auch deaktiviert werden. Weiterhin können z. B. die VLAN-Konfiguration, Routing-Tabellen, die Router-Konfiguration sowie die Konfiguration von Filtern manipuliert werden (siehe G 3.28 Ungeeignete Konfiguration der aktiven Netzkomponenten). Daneben kann die Möglichkeit einer Verteilung von Firmware-Updates über das Netz genutzt werden, um unberechtigt Software auf aktiven Netzkomponenten zu installieren, mit deren Unterstützung wiederum vielfältige Angriffe auf Komponenten innerhalb des Netzes durchgeführt oder unterstützt werden können. _____________________________________________________________________ .......................................... 70 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.68 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.68 Unberechtigter Zugang zu den aktiven Netzkomponenten Aktive Netzkomponenten haben üblicherweise eine serielle Schnittstelle (RS232), an die von außen ein Terminal oder ein tragbarer PC angeschlossen werden kann. Dadurch ist es möglich, aktive Netzkomponenten auch lokal zu administrieren. Bei unzureichend gesicherten Schnittstellen ist es denkbar, daß Angreifer einen unberechtigten Zugang zur Netzkomponente erlangen. Sie können somit nach Überwindung der lokalen Sicherheitsmechanismen (z. B. des Paßwortes) ggf. alle Administrationstätigkeiten ausüben. Dabei können durch das Auslesen der Konfiguration aktiver Netzkomponenten ggf. schutzbedürftige Informationen über die Topologie, die Sicherheitsmechanismen und die Nutzung eines Netzes in Erfahrung gebracht werden. Ein Auslesen der Konfigurationsdaten ist z. B. durch den Anschluß eines Terminals oder tragbaren PCs an die serielle Schnittstelle der aktiven Netzkomponente, durch den Zugriff auf die aktive Netzkomponente über das lokale Netz oder durch das Mitlesen der Daten auf einem Bildschirm oder Display möglich, falls die aktive Netzkomponente gerade administriert bzw. konfiguriert wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 71 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.69 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.69 Erhöhte Diebstahlgefahr am häuslichen Arbeitsplatz Der häusliche Arbeitsplatz ist in der Regel nicht so abgesichert wie der Arbeitsplatz in einem Unternehmen oder einer Behörde. Dort ist, bedingt durch aufwendigere Vorkehrungen (Verwendung von Sicherheitstüren, Einbruchschutz, Pförtnerdienst usw.) die Gefahr, daß jemand in das Gebäude unbefugt eindringt, weit geringer als bei einem Privathaus. Einbruch und Diebstahl im Privathaus dienen meist der Bereicherung. Dabei gestohlene dienstliche IT wird mit dem Ziel der Veräußerung gestohlen. Die mitentwendeten Daten können ggf. auch einen Wert darstellen, der zum Beispiel durch Erpressung oder Informationsweitergabe an Konkurrenzunternehmen realisiert werden kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 72 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.70 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.70 Manipulation durch Familienangehörige und Besucher Am häuslichen Arbeitsplatz ist mit Angehörigen und Besuchern der Familie zu rechnen, so daß die Gefahr besteht, daß bei unzureichender Sicherung die dienstliche IT durch diese manipuliert werden kann. So sollte auch betrachtet werden, daß durch Familienangehörige private Software (z. B. Computerspiele) aufgespielt werden könnte, daß durch Kinder die IT zerstört werden kann oder daß dienstliche Datenträger zweckentfremdet weitergegeben werden können. Diese teils fahrlässigen oder auch absichtlichen Manipulationen können sowohl die Vertraulichkeit und Integrität der dienstlichen Daten betreffen als auch die Verfügbarkeit von Daten und IT beeinträchtigen. _____________________________________________________________________ .......................................... 73 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.71 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.71 Vertraulichkeitsverlust schützenswerter Informationen Für Informationen, die einen Schutzbedarf bezüglich ihrer Vertraulichkeit besitzen (wie Paßwörter, personenbezogene Daten, firmen- oder amtsvertrauliche Informationen, Entwicklungsdaten), besteht die inhärente Gefahr, daß die Vertraulichkeit durch Unachtsamkeit oder auch durch vorsätzliche Handlungen beeinträchtigt wird. Dabei kann auf diese vertraulichen Informationen an unterschiedlichen Stellen zugegriffen werden, beispielsweise - auf Speichermedien innerhalb von Rechnern (Festplatten), - auf austauschbaren Speichermedien (Disketten, Magnetbänder), - in gedruckter Form auf Papier (Ausdrucke, Akten) und - auf Übertragungswegen während der Datenübertragung. Auch die Art und Weise, wie die vertraulichen Informationen gewonnen werden, kann sehr unterschiedlich sein: - Auslesen von Dateien, - Kopieren von Dateien, - Wiedereinspielen von Datensicherungsbeständen, - Diebstahl des Datenträgers und anschließendes Auswerten, - Abhören von Übertragungsleitungen und - Mitlesen am Bildschirm. Je höher der Vertraulichkeitsbedarf der Informationen ist, umso größer ist auch der Anreiz für Dritte, diese Informationen zu erlangen und zu mißbrauchen. _____________________________________________________________________ .......................................... 74 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.72 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.72 Mißbräuchliche E-Mail-Nutzung Der Mißbrauch von E-Mail-Systemen kann an verschiedenen Punkten aufsetzen, beim Benutzer, im internen Netz, bei einem der übertragenden Mailserver oder beim Empfänger. Wenn der Zugang zum E-Mail-Programm eines Benutzers oder zum E-MailSystem einer Organisation nicht gut genug geschützt ist, kann ein Unbefugter sich unberechtigt Zugang für manipulative Zwecke verschaffen. Dabei können neben den Übertragungskosten auch Schäden dadurch entstehen, daß ein Unbefugter sich als Berechtigter ausgibt. Ebenso muß verhindert werden, daß E-Mails von Unbefugten gelesen werden können. Vertrauliche Informationen können so bekannt werden, ihren Wert verlieren oder zum Schaden des Empfängers genutzt werden. Beispiele: - Ein Abteilungsleiter verließ für kurze Zeit sein Büro mit ungesichertem ITSystem, auf dem das Mailprogramm bereits gestartet war und für das er sich bereits authentisiert hatte. Ein zufällig vorbeigekommener Kollege hielt es für einen gelungenen Scherz, unter dessen E-Mail-Kennung anderen Kollegen "Kündigungen" oder Arbeitsaufträge zu schicken. - Ein Mitarbeiter verbreitet unter seiner dienstlichen E-Mail-Adresse private Ansichten, die dem Ansehen seines Arbeitgebers schaden können. _____________________________________________________________________ .......................................... 75 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.73 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.73 Vortäuschen eines falschen Absenders Es ist relativ einfach, beim Versand von E-Mail einen falschen Absender anzugeben. Dadurch können Schäden entstehen, wenn der Empfänger die darin enthaltenen Informationen als authentisch und verbindlich ansieht. Beispiel: Mit dem verbreiteten Mailprogramm Eudora ist es ohne Probleme möglich, eine Mail mit gefälschten Absenderangaben ohne Paßwortüberprüfung auf den Mail-Server weiterzuleiten. Die so versandte Mail wird bei nicht erfolgter Benutzer-Authentisierung nur im Feld "X-Sender" mit "Unverified" gekennzeichnet. Dies wird aber erfahrungsgemäß von kaum einem Empfänger bemerkt, ohnehin wird dieses Feld von den meisten Mailprogramme in der Standardkonfiguration nicht angezeigt. _____________________________________________________________________ .......................................... 76 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.74 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.74 Manipulation von Alias-Dateien oder Verteilerlisten Um häufig wiederkehrende E-Mail-Adressen nicht ständig neu eingeben zu müssen, kann über die Vergabe von Alias-Namen eine "sprechende" Schreibweise für E-Mail-Adressen gewählt werden oder es kann über die Erstellung von Verteilerlisten ein größerer Empfängerkreis komfortabel angewählt werden. Werden solche Alias-Namen oder Verteilerlisten unbefugt geändert, kann auf diese Weise die Weiterleitung einer E-Mail an einen gewünschten Empfänger unterbunden oder die Weiterleitung zu einem unerwünschten Empfänger erfolgen. Besonders gefährdert sind hier Alias-Dateien oder Adreßbücher, die zentral geführt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 77 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.75 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.75 Überlastung durch eingehende E-Mails Eine E-Mail-Adresse kann absichtlich blockiert werden, indem andauernd umfangreiche E-Mails (ggf. mit sinnlosem Inhalt) zugesandt werden. Dies kann beispielsweise passieren, weil der Benutzer die Netiquette nicht beachtet hat und sich dadurch in Newsgruppen unbeliebt gemacht hat. Als Netiquette (die Netz-Etiquette) werden die Höflichkeitsregeln bezeichnet, die sich mit der Zeit bei der Nutzung des Internet, insbesondere in den Newsgruppen, eingebürgert haben und deren Einhaltung gewährleisten soll, daß jeder das Internet effizient und zu aller Zufriedenheit benutzen kann. Durch vorsätzlich erzeugtes hohes Verkehrsaufkommen kann das lokale Mailsystems überlastet werden, so daß es funktionsuntüchtig wird. Dies kann sogar solche Ausmaße annehmen, daß der Provider den Benutzer bzw. dessen ganze Organisation vom Netz nimmt. Ein Mailsystem kann auch überlastet werden, wenn die Mitarbeiter an E-MailKettenbrief-Aktionen teilnehmen. So hat schon Mitte der achtziger Jahre eine Kettenmail-Aktion zu Weihnachten weltweit viele IT-Systeme lahmgelegt. Hierbei erhielten Benutzer eine E-Mail mit Weihnachtsgrüßen und einer ansprechenden Graphik und wurden aufgefordert, diese E-Mail zu kopieren und zehn andere Benutzer weiterleiten. _____________________________________________________________________ .......................................... 78 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.76 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.76 Mailbomben Unter dem Begriff Mailbomben werden E-Mails verstanden, die absichtlich eingebaute Schadfunktionen enthalten. Diese sind üblicherweise in den Anlagen der E-Mail enthalten. Eine solche Anlage erzeugt z. B. beim Aktivieren zum Lesen oder nach dem Auspacken Unmengen von Unterverzeichnissen oder beansprucht sehr viel Festplattenplatz. Vielfach wird auch die gezielte Überlastung von E-Mail-Adressen durch eingehende E-Mails mit meist sinnlosem Inhalt (siehe G 5.75 Überlastung durch eingehende E-Mails) als Mailbombing bezeichnet. _____________________________________________________________________ .......................................... 79 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.77 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.77 Mitlesen von E-Mails Elektronische Post (E-Mail) wird im Normalfall im Klartext übertragen. Auf allen IT-Systemen, über die die Daten übertragen werden, können diese mitgelesen oder unbemerkt verändert werden, wenn sie kryptographisch ungesichert sind. Bei E-Mail über das Internet können das sehr viele IT-Systeme sein, ohne dass der genaue Übertragungsweg vorher bekannt ist. Der Übertragungsweg hängt von der Auslastung und Verfügbarkeit der Gateways und Teilen des Netzes ab. Eine E-Mail von einem Stadtteil in den anderen kann sogar über das Ausland weitergeleitet werden. Übertragung im Klartext Der Zugriff auf eingehende E-Mails kann auch über die beim Mailserver des Empfängers geführte Mailbox erfolgen. Sie enthält alle empfangenen E-Mails, je nach Konfiguration nicht nur die ungelesenen, sondern ein Archiv aller in den letzten Monaten eingegangenen Nachrichten. Hierauf hat mindestens der Systemadministrator des Mailservers Zugriff. In manchen Fällen werden auch Kopien ausgehender E-Mails auf dem Mailserver gespeichert, häufiger jedoch legt das Benutzer-Mailprogramm diese auf dem Rechner des Absenders ab. Speicherung auf dem Mailserver Beispiele: - Mehrere Microsoft-interne E-Mails wurden im Antitrust-Verfahren von der Gegenseite benutzt, um deren Position zu untermauern. Diese E-Mails enthielten teilweise diffamierende Aussagen über Microsofts Konkurrenten. - Ein Anbieter stellt Dienstleistungen über das Internet zur Verfügung. Für die Nutzung ist eine Anmeldung am Server des Dienstleisters erforderlich. Die dafür notwendigen Authentisierungsinformationen werden per E-Mail an die Kunden versandt. Durch Mitlesen dieser E-Mails ist ein Angreifer in der Lage, sich unberechtigt am Server des Dienstleisters anzumelden und auf Kosten der registrierten Kunden Dienste in Anspruch zu nehmen. _____________________________________________________________________ .......................................... 80 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.78 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.78 DNS-Spoofing Um im Internet mit einem anderen Rechner kommunizieren zu können, benötigt man dessen IP-Adresse. Diese Adresse setzt sich aus vier Zahlen zwischen 0 und 255 zusammen, also zum Beispiel 194.95.176.226. Da solche Nummern nicht sehr einprägsam sind, wird einer solchen IP-Adresse fast immer ein Name zugeordnet. Das Verfahren hierzu nennt sich DNS (Domain Name System). So kann der WWW-Server des BSI sowohl unter http://www.bsi.bund.de als auch unter http://194.95.176.226 angesprochen werden, da der Name bei der Abfrage in die IP-Adresse umgewandelt wird. Die Datenbanken, in denen den Rechnernamen die zugehörigen IP-Adressen zugeordnet sind und den IP-Adressen entsprechende Rechnernamen, befinden sich auf sogenannten Nameservern. Für die Zuordnung zwischen Namen und IP-Adressen gibt es zwei Datenbanken: In der einen wird einem Namen seine IP-Adresse zugewiesen und in der anderen einer IP-Adresse der zugehörige Name. Diese Datenbanken müssen miteinander nicht konsistent sein! Von DNS-Spoofing ist die Rede, wenn es einem Angreifer gelingt, die Zuordnung zwischen einem Rechnernamen und der zugehörigen IP-Adresse zu fälschen, d. h. daß ein Name in eine falsche IP-Adresse bzw. umgekehrt umgewandelt wird. Dadurch sind unter anderem die folgenden Angriffe möglich: - r-Dienste (rsh, rlogin, rsh) Diese Dienste erlauben eine Authentisierung anhand des Namens des Clients. Der Server weiß die IP-Adresse des Clients und fragt über DNS nach dessen Namen. - Web-Spoofing Ein Angreifer könnte die Adresse www.bsi.bund.de einem falschen Rechner zuweisen, und bei Eingabe von http://www.bsi.bund.de würde dieser falsche Rechner angesprochen werden. Wie leicht es ist, DNS-Spoofing durchzuführen, hängt davon ab, wie das Netz des Angegriffenen konfiguriert ist. Da kein Rechner alle DNS-Informationen der Welt besitzen kann, ist er immer auf Informationen anderer Rechner angewiesen. Um die Häufigkeit von DNS-Abfragen zu verringern, speichern die meisten Nameserver Informationen, die sie von anderen Nameservern erhalten haben, für eine gewisse Zeit zwischen. Ist ein Angreifer in einen Nameserver eingebrochen, kann er auch die zur Verfügung gestellten Informationen abändern. Der Fall eines direkten Einbruchs auf einen Nameserver soll hier nicht weiter betrachtet werden. Vielmehr geht es darum, prinzipielle Schwächen im DNS aufzuzeigen. Anhand zweier Beispiele sollen unterschiedliche Methoden aufgezeigt werden, mit denen DNS-Spoofing möglich ist. 1. Ein Benutzer auf dem Rechner pc.kunde.de will zuerst auf www.firma-x.de und dann auf den Konkurrenten www.firma-y.de zugreifen. Um auf www.firma-x.de zugreifen zu können, muß er erst die zugehörige IPAdresse bei seinem Nameserver ns.kunde.de nachfragen. Dieser kennt die _____________________________________________________________________ .......................................... 81 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.78 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Adresse auch nicht und fragt beim Nameserver von ns.firma-x.de nach. Dieser antwortet mit der IP-Adresse, die von ns.kunde.de an den Benutzer weitergeleitet und gespeichert wird. Befindet sich in dem Antwortpaket von ns.firma-x.de neben der IP-Adresse von www.firma-x.de auch noch eine beliebige IP-Adresse für den Rechnernamen www.firma-y.de, so wird auch diese gespeichert. Versucht der Benutzer nun, auf www.firma-y.de zuzugreifen, fragt der eigene Nameserver ns.kunde.de nicht mehr bei dem Nameserver ns.firma-y.de nach, vielmehr gibt er die Informationen weiter, die ihm von ns.firma-x.de untergeschoben wurden. 2. Firma X weiß, daß ein Benutzer mit dem Rechner pc.kunde.de auf den Konkurrenzrechner www.firma-y.de zugreifen will. Firma X verhindert dies, indem sie den Nameserver ns.kunde.de nach der Adresse www.firmax.de fragt. Dieser muß beim Nameserver ns.firma-x.de nachfragen und bekommt wie in Beispiel 1 auch die falschen Angaben über www.firmay.de zurück. Diese beiden Beispiele beruhen darauf, daß ein Nameserver auch zusätzliche Daten, die er gar nicht angefordert hat, akzeptiert. In neuen Versionen bestimmter Software (z. B. bind) ist dieser Fehler beseitigt, so daß diese Art von Angriffen verhindert wird. Es ist allerdings unter Verwendung von IPSpoofing noch immer möglich, falsche DNS-Einträge zu erzeugen. Dieser Angriff ist jedoch technisch viel anspruchsvoller. _____________________________________________________________________ .......................................... 82 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.79 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.79 Unberechtigtes Erlangen von Administratorrechten unter Windows NT Bei jeder Standardinstallation von Windows NT (betrifft sowohl die Versionen Workstation, Server als auch Domänenkontroller) wird ein Administratorkonto angelegt. Im Gegensatz zu selbst angelegten Konten kann dieses vordefinierte Administratorkonto weder gelöscht noch gesperrt werden, um zu verhindern, daß der Administrator vorsätzlich oder versehentlich ausgesperrt wird und somit die Verwaltung unmöglich wird. Problematisch in diesem Zusammenhang ist, daß das vordefinierte Administratorkonto selbst dann nicht gesperrt wird, wenn die in der Kontorichtlinie für eine Sperre eingetragene Anzahl ungültiger Kennworteingaben überschritten wird. Dies ermöglicht das planmäßige Ausprobieren von Paßwörtern unter Einsatz von Crack-Programmen. Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten, um in den Besitz eines zu einem Administratorkonto gehörenden Paßwortes zu kommen, um damit Administratorrechte zu erlangen: Wird ein Rechner unter dem Betriebssystem Windows NT fernadministriert, so besteht die Gefahr, daß beim Authentisierungsvorgang das Anmeldepaßwort im Klartext übertragen und damit von einem Angreifer aufgezeichnet werden kann. Selbst wenn durch Eingriffe in das System sichergestellt ist, daß die Anmeldepaßwörter nur verschlüsselt übertragen werden, ist es möglich, daß ein Angreifer das verschlüsselte Paßwort aufzeichnet und mit Hilfe entsprechender Software entschlüsselt. Weiterhin wird jedes Paßwort in der Registrierung und in einer Datei, die sich im Verzeichnis %SystemRoot%\System32\Repair bzw. auf den Notfalldisketten und ggf. auf Bandsicherungen befindet, verschlüsselt gespeichert. Gelangt ein Angreifer in den Besitz der entsprechenden Datei, so kann er mit Hilfe entsprechender Software versuchen, das benötigte Paßwort zu entschlüsseln. Schließlich ist es mit einer speziellen Schadsoftware möglich, daß ein Angreifer auf dem Windows NT Rechner, an dem er lokal angemeldet ist, ein beliebiges Benutzerkonto der Gruppe "Administratoren" hinzufügt und dem Kontoinhaber damit Administratorrechte verschafft. _____________________________________________________________________ .......................................... 83 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.80 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.80 Hoax Ein Hoax (englisch für Streich, Trick, falscher Alarm) ist eine Nachricht, die per E-Mail versandt wird und meist eine Warnung vor neuen spektakulären Computer-Viren oder anderen IT-Problemen enthält. Beispielsweise wird dabei vor Computer-Viren gewarnt, die Hardware-Schäden verursachen können oder durch das bloße Öffnen einer E-Mail (nicht eines Attachments) zu Infektionen und Schäden führen können und die durch keine AntivirenSoftware erkannt werden. Neben dieser Warnung wird darum gebeten, die Meldung an Freunde und Bekannte weiterzuleiten. Noch wirksamer wird ein solcher Hoax, wenn als Absender eine gefälschte Adresse angegeben wird, wie zum Beispiel die eines namhaften Herstellers. Ein solcher Hoax ist nicht zu verwechseln mit einem Computer-Virus, der tatsächlich Manipulationen am IT-System vornehmen kann. Vielmehr handelt es sich um eine irreführende Nachricht, die ohne Schaden gelöscht werden kann und sollte. Die einzigen Schäden, die ein Hoax herbeiführt, sind die Verunsicherung und Irritation der Empfänger und ggf. die Kosten an Zeit und Geld für den Weiterversand des Hoax. _____________________________________________________________________ .......................................... 84 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.81 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.81 Unautorisierte Benutzung eines Kryptomoduls Gelingt es einem Dritten, ein Kryptomodul unautorisiert zu benutzen, so können Schäden verschiedenster Art die Folge sein. Beispiele für solche Schäden sind: - Bei der unautorisierten Nutzung gelingt es dem Angreifer, geheime Schlüssel auszulesen, die Schlüssel zu verändern oder auch kritische Sicherheitsparameter zu manipulieren. Die Folge wäre, daß die kryptographischen Verfahren keine ausreichende Sicherheit mehr bieten. - Bei der unautorisierten Nutzung manipuliert der Angreifer das Kryptomodul so, daß es zwar auf den ersten Blick korrekt arbeitet, sich jedoch tatsächlich in einem unsicheren Zustand befindet. - Der Angreifer nutzt das Kryptomodul in Form einer Maskerade. Signiert er oder verschlüsselt er Daten bei der unautorisierten Benutzung des Kryptomoduls, so wird dies vom Empfänger der Daten so interpretiert, als hätte der autorisierte Benutzer dies vorgenommen. Beispiel: Eine unautorisierte Benutzung eines Kryptomoduls wird dann möglich, wenn der reguläre Benutzer kurzfristig seinen Arbeitsplatz verläßt und das funktionsfähige Kryptomodul einsetzbar ist, ohne daß es vor unbefugtem Zugriff geschützt ist, also beispielsweise wenn eine Signatur- oder Verschlüsselungschipkarte im Rechner stecken bleibt. Damit kann jeder, der zufällig vorbeikommt, E-Mail im Namen des regulären Benutzers signieren oder auf dem IT-System gespeicherte Dateien so verschlüsseln, daß der Benutzer sie nicht mehr verwenden kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 85 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.82 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.82 Manipulation eines Kryptomoduls Ein Angreifer kann versuchen, ein Kryptomodul zu manipulieren, um geheime Schlüssel auszulesen oder die Schlüssel zu verändern oder auch um kritische Sicherheitsparameter zu verändern. Ein Kryptomodul kann auf verschiedene Art und Weise manipuliert sein, es kann z. B. - ein Super-Paßwort, mit dem alle anderen Paßwörter umgangen werden können, - nicht dokumentierte Testmodi, über die jederzeit Zugriff auf sensitive Bereiche genommen werden kann, - Trojanische Pferde, d. h. Software, die neben ihrer eigentlichen Aufgabe andere, nicht direkt erkennbare Aktionen wie das Aufzeichnen von Paßwörtern, durchführt, - manipulierte Zugriffsrechte auf bestimmte Kommandos enthalten. Andere Beispiele für solche Angriffe sind - die Modifikation von kryptographischen Schlüsseln, - die Beeinträchtigung der internen Schlüsselgenerierung, z. B. durch Manipulation des Zufallszahlengenerators, - die Modifizierung der Abläufe innerhalb des Kryptomoduls, - Modifikationen am Sourcecode oder am ausführbaren Code des Kryptomoduls, - Über- oder Unterschreitung des zulässigen Arbeitsbereichs bzgl. Spannungsversorgung, Temperatur, EMV-Grenzwerte etc. des Kryptomoduls. Bei Manipulationen am Kryptomodul wird der Angreifer meist versuchen, diesen Angriff zu vertuschen, so daß das Kryptomodul für Benutzer zwar auf den ersten Blick vermeintlich korrekt arbeitet, sich jedoch in einem unsicheren Zustand befindet. Es gibt allerdings auch zerstörerische Angriffe, bei denen auch die Zerstörung des Kryptomoduls bewußt in Kauf genommen wird, beispielweise wenn ein Angreifer Informationen über die Funktionsweise des Kryptomoduls erhalten will oder wenn die kryptographischen Schlüssel ausgelesen werden sollen. Ein Angreifer kann versuchen, seine Angriffe am Aufstellungsort des Kryptomoduls durchzuführen oder es entwenden. Bei einem schlecht geschützten Aufstellungsort lassen sich die Manipulationen unter Umständen sehr schnell durchführen und bleiben dadurch evtl. lange unbemerkt. Durch den Diebstahl von Kryptomodulen kann ein Angreifer wichtige Informationen darüber bekommen, wie eine Komponente am einfachsten manipulierbar ist. Er kann die entwendeten Komponenten benutzen, um daraus sensitive Informationen wie Schlüssel, Software oder Kenntnis über Hardwaresicherheitsmechanismen zu gewinnen. Er kann aber auch die entwendete Komponente dazu benutzen, um ein authentisches Kryptomodul vorzutäuschen. _____________________________________________________________________ .......................................... 86 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.83 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.83 Kompromittierung kryptographischer Schlüssel Beim Einsatz kryptographischer Verfahren hängt der Sicherheitszugewinn entscheidend davon ab, wie vertraulich die verwendeten geheimen kryptographischen Schlüssel bleiben. Mit Kenntnis sowohl des verwendeten Schlüssels als auch des eingesetzten Kryptoverfahrens ist es meist einfach, die Verschlüsselung umzukehren und den Klartext zu gewinnen. Daher wird ein potentieller Angreifer versuchen, die verwendeten Schlüssel zu ermitteln. Angriffspunkte dazu sind: - Bei der Schlüsselerzeugung werden ungeeignete Verfahren eingesetzt, beispielsweise zur Bestimmung von Zufallszahlen oder zur Ableitung der Schlüssel. - Bei der Schlüsselerzeugung werden Schlüssel ausgelesen, bevor sie auf sicheren Speichermedien gespeichert werden. - Im laufenden Betrieb werden Schlüssel aus Kryptomodulen durch technische Angriffe ausgelesen. - Als Backup hinterlegte Schlüssel werden entwendet. - Bei der Eingabe von kryptographischen Schlüsseln werden die Schlüssel ausgespäht. - Die eingesetzten Kryptoverfahren werden gebrochen. So ist es heute beispielsweise bei symmetrischen Verschlüsselungsverfahren wie dem DES möglich, den verwendeten Schlüssel mittels massiv paralleler Rechner durch Ausprobieren zu ermitteln (Brute-Force-Attacke). - Verwendete kryptographische Schlüssel werden durch Innentäter verraten. _____________________________________________________________________ .......................................... 87 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.84 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.84 Gefälschte Zertifikate Zertifikate dienen dazu, einen öffentlichen kryptographischen Schlüssel an eine Person zu binden. Diese Bindung des Schlüssels an den Namen der Person wird wiederum kryptographisch mittels einer digitalen Signatur einer vertrauenswürdigen dritten Stelle abgesichert. Diese Zertifikate werden von Dritten dann verwendet, um digitale Signaturen der im Zertifikat ausgewiesenen Person zu prüfen bzw. um dieser Person Daten mit dem im Zertifikat aufgezeichneten Schlüssel verschlüsselt zuzusenden. Ist ein solches Zertifikat gefälscht, werden digitale Signaturen fälschlicherweise als korrekt geprüft und der Person im Zertifikat zugeordnet oder es werden Daten mit einem ggf. unsicheren Schlüssel verschlüsselt und versandt. Beide Angriffsmöglichkeiten können einen Täter bewegen, gefälschte Zertifikate in Umlauf zu bringen. Gefälschte Zertifikate können auf verschiedene Weise erzeugt werden: - Ein Innentäter der vertrauenswürdigen Stelle erstellt mit dem eigenen Signaturschlüssel ein Zertifikat mit gefälschten Angaben. Dieses Zertifikat ist authentisch und wird bei einer Prüfung als korrekt verifiziert. - Ein Täter gibt sich als eine andere Person aus und beantragt ein Zertifikat, welches auf diese andere Person ausgestellt wird, obwohl der Täter im Besitz des geheimen Schlüssels ist, der mit dem öffentlichen Schlüssel im Zertifikat korrespondiert. - Ein Täter erzeugt ein Zertifikat und signiert es mit einem eigenen Schlüssel. Die Fälschung fällt nur auf, wenn das Zertifikat geprüft wird und dabei festgestellt werden kann, daß das Zertifikat von einer nichtvertrauenswürdigen Stelle ausgestellt wurde. Wenn ein Täter erst einmal ein Zertifikat mit falschen Angaben auf irgendeinem Weg erhalten hat, kann er sich gegenüber Kommunikationspartnern jederzeit als eine andere Person ausgegeben, und zwar sowohl beim Versand als auch beim Empfang von Nachrichten. _____________________________________________________________________ .......................................... 88 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.85 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.85 Integritätsverlust schützenswerter Informationen Wenn Daten nicht mehr integer sind, kann es zu einer Vielzahl von Problemen kommen: - Daten können im einfachsten Fall nicht mehr gelesen, also weiterverarbeitet werden. - Daten können versehentlich oder vorsätzlich so verfälscht werden, daß dadurch falsche Informationen weitergegeben werden. Hierdurch können beispielsweise Überweisungen in falscher Höhe oder an den falschen Empfänger ausgelöst werden, die Absenderangaben von E-Mails könnten manipuliert werden oder vieles mehr. - Wenn verschlüsselte oder komprimierte Datensätze ihre Integrität verlieren - und hier reicht die Änderung eines Bits, können sie nicht mehr entschlüsselt bzw. entpackt werden. - Dasselbe gilt auch für kryptographische Schlüssel, auch hier reicht die Änderung eines Bits, damit die Schlüssel unbrauchbar werden. Dies führt dann ebenfalls dazu, daß Daten nicht mehr entschlüsselt werden können oder auf ihre Authentizität überprüft werden können. Zu Integritätsverlusten kann es auf verschiedene Weise kommen: - Durch die Alterung von Datenträgern kann es zu Informationsverlusten kommen. - Bei der Datenübertragung kann es zu Übertragungsfehlern kommen. - Durch Computerviren können ganze Datenbestände verändert oder zerstört werden. - Durch Fehleingaben kann es zu so nicht gewünschten Transaktionen kommen, die sogar häufig lange Zeit nicht bemerkt werden. - Angreifer können versuchen, Daten für ihre Zwecke zu manipulieren, z. B. um Zugriff auf weitere IT-Systeme oder Datenbestände zu erlangen. _____________________________________________________________________ .......................................... 89 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.86 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.86 Manipulation von Managementparametern Auch Managementsysteme können durch bewußt herbeigeführte Fehlkonfigurationen zu einem Angriff auf ein lokales Rechnersystem benutzt werden. Die Fehlkonfigurationen können dabei auf verschiedene Arten herbeigeführt werden. Dabei sind Manipulationen sowohl an der Managementplattform als auch an den gemanageten Geräten möglich. Insbesondere Netzmanagementsysteme, die SNMP benutzen, sind für Angriffe anfällig, bei denen bewußt Managementparameter fehlkonfiguriert werden (z. B. durch einen eigenen SNMP-Client). Je nach einstellbaren Parametern reichen die Attacken von einfachen "Denial-of-service-Attacken" (z. B. durch Verstellen von IPAdressen) bis hin zur Datenveränderung (z. B. nach Verstellen von Zugriffsrechten). Werden Netzkomponenten durch ein Managementsystem verwaltet, so sollten alle durch das Managementsystem verwalteten Konfigurationsparameter auch nur durch das Managementsystem verändert werden. Je nach Managementsystem ist es jedoch immer noch möglich, die Konfigurationsparameter der Komponente auch lokal zu verändern. Wird ein PC z. B. über SNMP durch ein Netzmanagementsystem verwaltet, so kann ein lokaler Benutzer mit einem lokalen SNMP-Client-Programm (mit Kenntnis des SNMP-Paßwortes) oder aber über ein lokales Bedienelement (z. B. bei einem Drucker) die Einstellungen verändern. Dies führt u. U. zumindest zu Inkonsistenzen im Netzmanagementsystem, kann jedoch auch bewußt zur Herbeiführung von Sicherheitslöchern benutzt werden. Beispielsweise könnte das Abfragen freigegebener Verzeichnisse über SNMP über Netz für einen Windows NT Rechner nachträglich ermöglicht werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 90 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.87 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.87 Web-Spoofing Bei Web-Spoofing "fälscht" ein Angreifer WWW-Server, d. h. er spiegelt durch die Gestaltung seines WWW-Servers vor, daß dieser ein bestimmter, vertrauenswürdiger WWW-Server ist. Dazu wählt er eine WWW-Adresse so, daß viele Benutzer alleine durch die Adreßwahl davon ausgehen, mit einer bestimmten Institution verbunden zu sein. Selbst bei Verwendung eines richtigen Rechnernamens ist Web-Spoofing möglich, wenn ein Angreifer DNS-Spoofing verwendet (siehe G 5.78 DNS-Spoofing). Beispiel: - Unter der Adresse www.whitehouse.com findet sich nicht die offizielle Homepage des weißen Hauses, sondern die eines Scherzboldes. - Die XY Bank hat die WWW-Adresse www.xy-bank.de. Ein Angreifer kann unter www.xybank.de oder www.xy-bank.com WWW-Seiten einrichten, die auf den ersten Blick denjenigen der XY Bank ähneln. Dazu trägt er diese Adressen auf diversen Suchmaschinen ein, wobei er Stichworte wählt, nach denen XY-Kunden voraussichtlich suchen könnten. Benutzer, die diese Seiten aufrufen, werden annehmen, daß sie mit dem WWW-Server ihrer Bank kommunizieren. Daher sind sie bereit, ihre Kontonummer und PIN oder andere Zugangscodes einzugeben. Vielleicht lesen sie dort auch für sie interessante, aber gefälschte Angebote wie günstige Geldanlagen oder Immobilien und wollen diese wahrnehmen. Kann die Bank diese nicht zu diesen Konditionen oder überhaupt nicht anbieten, sind die Kunden im besten Fall nur unzufrieden, im schlechtesten Fall kann es sogar zu Rechtsstreitigkeiten kommen. Statt zu versuchen, einen vorhandenen WWW-Server zu manipulieren oder nachzuahmen, kann ein Angreifer auch ein eigenes WWW-Angebot ins Internet einbringen und dieses so gestalten, daß jeder Besucher den Eindruck hat, mit einer etablierten, seriösen Institution verbunden zu sein. Beispiele: - Es könnte ein Warenangebot angepriesen werden, das nur zu dem Zweck gestaltet wurde, um Kreditkartennummern von potentiellen Käufern zu erhalten. - Es hat Fälle gegeben, in denen gutgläubige Kunden bei vermeintlichen Banken zu lukrativen Konditionen Geld anlegen wollten. Diese Banken waren ihnen nur übers Internet bekannt und erst, als die erwarteten Zinsen nicht eintrafen, fiel ihnen auf, daß es sich nur um eine, inzwischen gelöschte, private WWW-Seite handelte. _____________________________________________________________________ .......................................... 91 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.88 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.88 Mißbrauch aktiver Inhalte Während des Surfens im Internet können WWW-Seiten mit aktiven Inhalten auf den Anwenderrechner geladen werden (z. B. ActiveX oder Java-Applets). Diese Software kann gezielt zu dem Zweck erstellt worden sein, daß sie vertrauliche Daten des Benutzers ausspioniert und anschließend so ausgespähte Informationen an den Angreifer über das Internet zurückgibt. Ein Java-fähiger Browser erlaubt es dem Benutzer, Java-Applets vom Netz zu laden und auszuführen, ohne daß der Benutzer das Applet erkannt hat. Dies stellt Java-Benutzer vor bedeutende Sicherheitsrisiken: - Ein Java-Applet kann Standardnetzprotokolle (wie zum Beispiel SMTP) benutzen, um Daten vom Rechner des Benutzers aus zu verschicken. - Ein Java-Applet kann das Java-System angreifen, indem es dessen Speicher korrumpiert, oder es kann das darunterliegende Betriebssystem angreifen, indem es Dateien fälscht oder wichtige Prozesse beendet. - Ein Java-Applet kann den gesamten Speicher des Systems belegen oder hochprioritäre Nachrichten erzeugen. Der Verfügbarkeitsangriff ist auch bei der korrekten Interpretation des Java-Sicherheitsmodells möglich. Bei ActiveX ist anders als bei Java die Funktionsvielfalt kaum eingeschränkt: Bis hin zur Formatierung der Festplatte kann ein ActiveX-Programm alle Befehle enthalten. Diese kleinen ausführbaren Codes nennt man Controls. Die meist zur Illustration oder Unterhaltung verteilten Controls können auch böswillige Elemente besitzen, die dann Zugriff auf den Datenspeicher des Anwenderrechners haben oder andere Programme - für den Benutzer unbemerkt - fernsteuern. ActiveX-Controls können die Festplatte löschen, einen Virus oder ein Trojanisches Pferd enthalten oder die Festplatte nach bestimmten Informationen durchsuchen. All dies kann passieren, ohne daß der Nutzer bzw. Betrachter des Controls dies bemerkt. Während der Betrachter ein durch Controls übertragenes Spiel ausführt, kann im Hintergrund dieses Control die E-Mail nach bestimmten Informationen durchsuchen. Bei entsprechendener Voreinstellung seines WWW-Browsers kann ein Benutzer zwar dafür sorgen, daß nur digital signierte ActiveX-Controls ausgeführt werden. Eine solche digitale Signatur beweist allerdings nur, daß der Hersteller des ActiveX-Controls bei einer Zertifizierungsstelle bekannt ist und daß das von diesem Hersteller bereitgestellte Control unverändert geladen wurde. Hierdurch wird nichts über die Funktionsweise oder Schadensfreiheit eines solchen Controls ausgesagt und auch keine Gewähr dafür übernommen. _____________________________________________________________________ .......................................... 92 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
G 5.89 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.89 Hijacking von Netz-Verbindungen Weit aus kritischer als das Abhören einer Verbindung ist das Übernehmen einer Verbindung. Hierbei werden Pakete in das Netz eingeschleust, die entweder zum Abbruch oder Blockieren des Clients führen. Der Serverprozess kann daraufhin nicht erkennen, dass ein anderes Programm an die Stelle des Original-Clients getreten ist. Bei dieser Übernahme einer bestehenden Verbindung kann der Angreifer nach erfolgreicher Authentisierung einer berechtigten Person beliebige Aktionen im Namen dessen ausüben. Beispiel: Es gibt bereits eine Reihe von Programmen, die es ermöglichen, eine bestehende Telnet-Verbindung zu übernehmen. _____________________________________________________________________ .......................................... 93 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
G 5.90 Gefährdungskatalog Vorsätzliche Handlungen Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... G 5.90 Manipulation von Adressbüchern und Verteillisten Auf Faxservern besteht in der Regel die Möglichkeit, Adressbücher und Verteillisten zu führen. In Adressbüchern werden u. a. die EmpfängerFaxnummern gespeichert. Auch ist es möglich, mehrere Faxempfänger in einer Gruppe z. B. für den Versand von Serien-Faxsendungen zusammenzufassen. Der Gebrauch von solchen Adressbüchern ist für den Benutzer sehr komfortabel, da eine einmal gespeicherte Empfängernummer nicht noch einmal manuell eingegeben werden muss. Vielfach wird von den Benutzern eines Faxservers vor dem Faxversand nicht mehr die Richtigkeit einer im Adressbuch eingetragenen Empfängernummer überprüft. Gleiches gilt auch für die Zuordnung einzelner Empfänger zu Gruppen. Häufig wird vor dem Versand von Serien-Faxsendungen nicht mehr überprüft, ob sich der gewünschte Kreis von Empfängern mit den Mitgliedern einer Gruppe deckt. Mittels Verteillisten können Empfängern zugeordnet werden. eingehende Faxsendungen Manipulation von Adressbüchern (mehreren) Sofern ein Unbefugter Adressbücher und Verteillisten verändern kann, besteht die Gefahr, dass Faxsendungen an unerwünschte Empfänger übermittelt werden. Es ist damit auch möglich, dass der Versand eines Faxes an den gewünschten Empfänger unterbunden wird. Besonders gefährdet sind hier naturgemäß die zentral geführten Adressbücher und Verteillisten. Manipulation von Verteillisten _____________________________________________________________________ .......................................... 94 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M1 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M1 Maßnahmenkatalog Infrastruktur M 1.1 Einhaltung einschlägiger DIN-Normen/VDEVorschriften ...............................................................................1 M 1.2 Regelungen für Zutritt zu Verteilern..........................................2 M 1.3 Angepaßte Aufteilung der Stromkreise......................................3 M 1.4 Blitzschutzeinrichtungen............................................................4 M 1.5 Galvanische Trennung von Außenleitungen ..............................5 M 1.6 Einhaltung von Brandschutzvorschriften und Auflagen der örtlichen Feuerwehr .............................................................6 M 1.7 Handfeuerlöscher .......................................................................7 M 1.8 Raumbelegung unter Berücksichtigung von Brandlasten ..........8 M 1.9 Brandabschottung von Trassen ..................................................9 M 1.10 Verwendung von Sicherheitstüren ...........................................10 M 1.11 Lagepläne der Versorgungsleitungen.......................................11 M 1.12 Vermeidung von Lagehinweisen auf schützenswerte Gebäudeteile ............................................................................12 M 1.13 Anordnung schützenswerter Gebäudeteile...............................13 M 1.14 Selbsttätige Entwässerung........................................................14 M 1.15 Geschlossene Fenster und Türen..............................................15 M 1.16 Geeignete Standortauswahl......................................................16 M 1.17 Pförtnerdienst...........................................................................17 M 1.18 Gefahrenmeldeanlage...............................................................18 M 1.19 Einbruchsschutz .......................................................................19 M 1.20 Auswahl geeigneter Kabeltypen unter physikalischmechanischer Sicht ..................................................................20 M 1.21 Ausreichende Trassendimensionierung....................................21 M 1.22 Materielle Sicherung von Leitungen und Verteilern ................22 M 1.23 Abgeschlossene Türen .............................................................23 M 1.24 Vermeidung von wasserführenden Leitungen..........................24 M 1.25 Überspannungsschutz...............................................................25 M 1.26 Not-Aus-Schalter .....................................................................26 M 1.27 Klimatisierung..........................................................................27 M 1.28 Lokale unterbrechungsfreie Stromversorgung .........................28 M 1.29 Geeignete Aufstellung eines IT-Systems .................................30 M 1.30 Absicherung der Datenträger mit TK-Gebührendaten .............31 _____________________________________________________________________ .......................................... i IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M1 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.31 Fernanzeige von Störungen......................................................32 M 1.32 Geeignete Aufstellung von Konsole, Geräten mit austauschbaren Datenträgern und Druckern.............................33 M 1.33 Geeignete Aufbewahrung tragbarer PCs bei mobilem Einsatz......................................................................................34 M 1.34 Geeignete Aufbewahrung tragbarer PCs im stationären Einsatz......................................................................................35 M 1.35 Sammelaufbewahrung mehrerer tragbarer PCs........................36 M 1.36 Sichere Aufbewahrung der Datenträger vor und nach Versand ....................................................................................37 M 1.37 Geeignete Aufstellung eines Fax-Gerätes ................................38 M 1.38 Geeignete Aufstellung eines Modems......................................39 M 1.39 Verhinderung von Ausgleichsströmen auf Schirmungen.........40 M 1.40 Geeignete Aufstellung von Schutzschränken...........................43 M 1.41 Schutz gegen elektromagnetische Einstrahlung .......................44 M 1.42 Gesicherte Aufstellung von Novell Netware Servern ..............45 M 1.43 Gesicherte Aufstellung von ISDN-Routern .............................46 M 1.44 Geeignete Einrichtung eines häuslichen Arbeitsplatzes...........47 M 1.45 Geeignete Aufbewahrung dienstlicher Unterlagen und Datenträger...............................................................................48 M 1.46 Einsatz von Diebstahl-Sicherungen .........................................49 _____________________________________________________________________ .......................................... ii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.1 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.1 Einhaltung einschlägiger DIN-Normen/VDEVorschriften Verantwortlich für Initiierung: Leiter Beschaffung, Planer Verantwortlich für Umsetzung: Bauleiter, Errichterfirma Für nahezu alle Bereiche der Technik gibt es Normen bzw. Vorschriften, z. B. DIN, VDE, VDMA, Richtlinien des VdS. Diese Regelwerke tragen dazu bei, daß technische Einrichtungen ein ausreichendes Maß an Schutz für den Benutzer und Sicherheit für den Betrieb gewährleisten. Bei der Planung und Errichtung von Gebäuden, bei deren Umbau, beim Einbau technischer Gebäudeausrüstungen (z. B. interne Versorgungsnetze wie Telefon- oder Datennetze) und bei Beschaffung und Betrieb von Geräten sind entsprechende Normen und Vorschriften unbedingt zu beachten. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden VDE-Vorschriften bei Ausschreibungen, Bestellungen oder Beschaffungen berücksichtigt? _____________________________________________________________________ .......................................... 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.2 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.2 Regelungen für Zutritt zu Verteilern Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Die Verteiler (z. B. für Energieversorgung, Datennetze, Telefonie) sind nach Möglichkeit in Räumen für technische Infrastruktur (siehe Kapitel 4.3.4) unterzubringen. Die dort geforderten Maßnahmen sind zu berücksichtigen. Der Zutritt zu den Verteilern a l l e r Versorgungseinrichtungen (Strom, Wasser, Gas, Telefon, Gefahrenmeldung, Rohrpost etc.) im Gebäude muß möglich und geordnet sein. Mit möglich ist gemeint, - daß Verteiler nicht bei Malerarbeiten mit Farbe oder Tapeten so verklebt werden, daß sie nur noch mit Werkzeug zu öffnen oder unauffindbar sind, - daß Verteiler nicht mit Möbeln, Geräten, Paletten etc. zugestellt werden, - daß für verschlossene Verteiler die Schlüssel verfügbar sind und die Schlösser funktionieren. Mit geordnet ist gemeint, daß festgelegt ist, wer welchen Verteiler öffnen darf. Verteiler sollten verschlossen sein und dürfen nur von den für die jeweilige Versorgungseinrichtung zuständigen Personen geöffnet werden. Die Zugriffsmöglichkeiten können durch unterschiedliche Schließungen und eine entsprechende Schlüsselverwaltung geregelt werden (siehe dazu M 2.14 Schlüsselverwaltung). Sind in Verteilern des Stromversorgungsnetzes Schmelzsicherungen eingebaut, sollten entsprechende Ersatzsicherungen (im Verteiler) bereit liegen. Eine Dokumentation der Verteiler ist entsprechend M 2.19 Neutrale Dokumentation in den Verteilern auszuführen. Alle im Verteiler eingebauten Einrichtungen sind exakt und verständlich zu beschriften. Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es Regelungen für den Zutritt zu Verteilern? _____________________________________________________________________ .......................................... 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.3 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.3 Angepaßte Aufteilung der Stromkreise Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Die Raumbelegung und die Anschlußwerte, für die eine Elektroinstallation ausgelegt wurde, stimmen erfahrungsgemäß nach einiger Zeit nicht mehr mit den tatsächlichen Gegebenheiten überein. Es ist also unerläßlich, bei Änderungen der Raumnutzung und bei Änderungen und Ergänzungen der technischen Ausrüstung (IT, Klimatruhe, Beleuchtung etc.) die Elektroinstallation zu prüfen und ggf. anzupassen. Das kann durch Umrangierung von Leitungen geschehen. Andernfalls kann die Neuinstallation von Einspeisung, Leitungen, Verteilern etc. erforderlich werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird überprüft, ob die Absicherung und Auslegung der Stromkreise den tatsächlichen Bedürfnissen entspricht? - Wann erfolgte die letzte Überprüfung? _____________________________________________________________________ .......................................... 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.4 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.4 Blitzschutzeinrichtungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Die direkten Auswirkungen eines Blitzeinschlages auf ein Gebäude (Beschädigung der Bausubstanz, Dachstuhlbrand u.ä.) lassen sich durch die Installation einer Blitzschutzanlage gemäß DIN/VDE 0185 verhindern. Über diesen "Äußeren Blitzschutz" hinaus ist fast zwingend der "Innere Blitzschutz", der Überspannungsschutz, erforderlich. Denn der äußere Blitzschutz schützt die elektrischen Betriebsmittel im Gebäude nicht. Dies ist nur durch einen Überspannungsschutz möglich (siehe dazu M 1.25 Überspannungsschutz), dessen hohe Kosten dem Schutzgut gegenüber gerechtfertigt sein müssen. Beispiel: Durch Blitzschlag entstand in der süddeutschen Niederlassung eines Dienstleistungsunternehmens ein Schaden an IT-Geräten (PCs, Server, Laserdrucker) in Höhe von ca. 20.000 DM. Aufgrund dieses Ereignisses wurde das Gebäude mit einem äußeren Blitzschutz ohne inneren Blitzschutz (Überspannungsschutz) ausgestattet. Ein erneuter Blitzschlag führte nun trotz äußeren Blitzschutzes zu Schäden in annähernd gleicher Höhe. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Notwendigkeit des äußeren Blitzschutzes tatsächlich gegeben? - Gibt es Auflagen von Behörden oder Versicherungen? - Wird die Blitzschutzanlage regelmäßig geprüft und gewartet? - Existiert ggf. ein ausreichender Überspannungsschutz im Gebäude? _____________________________________________________________________ .......................................... 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.5 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.5 Galvanische Trennung von Außenleitungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Viele hausinterne Netze stehen in direkter galvanischer Verbindung mit Außenleitungen. Telefon-, Strom- und Datennetze mit DFÜ-Anschlüssen sind davon betroffen, aber auch Gas- und Wasserleitungen. Über diese Netzanschlüsse können Fremd- und Überspannungen in das Gebäude verschleppt werden. Es gibt eine Reihe von elektrischen, elektronischen oder softwaregestützten Maßnahmen, Netze gegen Einflüsse von außen zu schützen. Ein absolut sicherer Schutz läßt sich aber nicht in allen Fällen garantieren. Hier bleibt nur noch die konsequente galvanische Trennung der Netzübergänge ins Gebäude. Dies kann z. B. durch den Einbau eines Schalters geschehen, der die Leitung nur bei Bedarf durchschaltet (Fernwartung). Zum Schutz nicht trennbarer Leitungen (Telefon, Daten, Strom, Gas, Wasser) gegen Überspannungen ist die Einrichtung eines Überspannungsschutzes (M 1.25 Überspannungsschutz) in Erwägung zu ziehen. _____________________________________________________________________ .......................................... 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.6 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.6 Einhaltung von Brandschutzvorschriften und Auflagen der örtlichen Feuerwehr Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Brandschutzbeauftragter Verantwortlich für Umsetzung: Brandschutzbeauftragter, Haustechnik Die bestehenden Brandschutzvorschriften (z. B. DIN 4102) und die Auflagen der örtlichen Feuerwehr für Gebäude sind unbedingt einzuhalten. Die örtliche Feuerwehr kann bei der Brandschutzplanung hinzugezogen werden. Es ist empfehlenswert, weitere Hinweise zum Brandschutz zu beachten, wie sie zum Beispiel im Merkblatt "Räume für EDV-Anlagen" des Verbands der Schadensversicherer (VdS) zu finden sind. _____________________________________________________________________ .......................................... 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.7 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.7 Handfeuerlöscher Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Brandschutzbeauftragter Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, Brandschutzbeauftragter Die meisten Brände entstehen aus kleinen, anfangs noch gut beherrschbaren Brandherden. Besonders in Büros findet das Feuer reichlich Nahrung und kann sich sehr schnell ausbreiten. Der Sofortbekämpfung von Bränden kommt also ein sehr hoher Stellenwert zu. Diese Sofortbekämpfung ist nur möglich, wenn Handfeuerlöscher in der jeweils geeigneten Brandklasse (DIN EN 3) in ausreichender Zahl und Größe (Beratung durch die örtliche Feuerwehr) im Gebäude zur Verfügung stehen. Dabei ist die räumliche Nähe zu schützenswerten Bereichen und Räumen wie Serverraum, Raum mit technischer Infrastruktur, Belegarchiv anzustreben. Pulverlöscher mit Eignung für Brandklasse E bis 1000 V sind für elektrisch betriebene Peripheriegeräte geeignet, für elektronisch gesteuerte Geräte, z. B. Rechner, sollten Kohlendioxyd-Löscher (Brandklasse B) zur Verfügung stehen. Die Feuerlöscher müssen regelmäßig geprüft und gewartet werden. Die Beschäftigten sollten sich die Standorte des nächsten Feuerlöschers einprägen. Bei entsprechenden Brandschutzübungen sind die Mitarbeiter in die Benutzung der Handfeuerlöscher einzuweisen. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Mitarbeiter über den Aufbewahrungsort der Handfeuerlöscher informiert? - Wird die Nutzung der Handfeuerlöscher geübt? - Sind die Handfeuerlöscher im Brandfall überhaupt erreichbar? - Werden die Handfeuerlöscher regelmäßig inspiziert und gewartet? _____________________________________________________________________ .......................................... 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.8 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.8 Raumbelegung unter Berücksichtigung von Brandlasten Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Brandschutzbeauftragter Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, Brandschutzbeauftragter Eine Brandlast entsteht durch alle brennbaren Stoffe, die ins Gebäude eingebracht werden. Sie ist von der Menge und vom Heizwert der Stoffe abhängig. IT-Geräte und Leitungen stellen ebenso eine Brandlast dar wie Möbel, Fußbodenbeläge und Gardinen. Maximale Brandlasten, standardisierte Heizwerte, weitere Informationen und Bestimmungen sind in der DIN 4102 zusammengestellt. Bei der Unterbringung von IT-Geräten, Datenträgern etc. sollte eine vorherige Beachtung der vorhandenen Brandlasten im gleichen Raum und in den benachbarten Räumen erfolgen. Z. B. sollte das Datenträgerarchiv nicht in der Nähe von oder über einem Papierlager untergebracht sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.9 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.9 Brandabschottung von Trassen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Brandschutzbeauftragter Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, Brandschutzbeauftragter Bei Gebäuden mit mehreren Brandabschnitten läßt es sich kaum vermeiden, daß Trassen durch Brandwände und Decken führen. Die Durchbrüche sind nach Verlegung der Leitungen entsprechend dem Brandwiderstandswert der Wand bzw. Decke zu schotten. Um die Nachinstallation zu erleichtern, können geeignete Materialien (z. B. Brandschutzkissen) verwendet werden. Entsprechende VdS-Richtlinien sind zu beachten. Negativbeispiel: In einem mehrgeschossigen Bürogebäude in Bonn wurden verschiedene Netze über eine gemeinsame Steigetrasse aus dem Keller bis in das oberste Geschoß geführt. Alle Deckendurchbrüche waren mit reichlich Reserve hergestellt, nach Verlegung der Leitungen allerdings nicht wieder verschlossen worden. Im Keller wurden im Bereich des Trassenbeginns große Papier- und Stoffmengen gelagert. Die direkt darüber beginnende Steigetrasse hätte im Brandfall wie ein Kamin gewirkt. Rauch und Feuer hätten sich in kürzester Zeit über alle Etagen ausgebreitet. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde bei der Trassenplanung der für den Brandschutz Zuständige hinzugezogen? - Wurden mögliche Alternativen der Trassenführung geprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.10 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.10 Verwendung von Sicherheitstüren Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Sicherheitstüren wie z. B. Stahlblechtüren, bieten gegenüber normalen Bürotüren Vorteile: - Sie bieten aufgrund ihrer Stabilität (DIN 18 103) einen höheren Schutz gegen Einbruch (z. B. bei Keller- und Lieferanteneingängen) und - sie verzögern in der Ausführung als selbstschließende feuerhemmende Tür (FH-Tür T30, DIN 18 082) die Ausbreitung eines Brandes. Der Einsatz von Sicherheitstüren ist über den von der Feuerwehr vorgeschriebenen Bereich hinaus (vgl. M 1.6 Einhaltung von Brandschutzvorschriften und Auflagen der örtlichen Feuerwehr) besonders bei schutzbedürftigen Räumen wie Serverraum, Beleg- oder Datenträgerarchiv sinnvoll. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde die Verwendung von Sicherheitstüren geprüft? - Sind Brand- und Rauchschutztüren auch tatsächlich geschlossen oder werden sie (unzulässigerweise) z. B. durch Keile offen gehalten? _____________________________________________________________________ .......................................... 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.11 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.11 Lagepläne der Versorgungsleitungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Es sind genaue Lagepläne aller Versorgungsleitungen (Strom, Wasser, Gas, Telefon, Gefahrenmeldung, Rohrpost etc.) im Gebäude und auf dem dazugehörenden Grundstück zu führen und a l l e die Leitungen betreffenden Sachverhalte aufzunehmen: - genaue Führung der Leitungen (Einzeichnung in bemaßte Grundriß- und Lagepläne), - genaue technische Daten (Typ und Abmessung), - evtl. vorhandene Kennzeichnung, - Nutzung der Leitungen, Nennung der daran angeschlossenen Netzteilnehmer, - Gefahrenpunkte und - vorhandene und zu prüfende Schutzmaßnahmen. Es muß möglich sein, sich anhand der Pläne einfach und schnell ein genaues Bild der Situation zu machen. Nur so kann das Risiko, daß Leitungen bei Arbeiten versehentlich beschädigt werden, auf ein Mindestmaß reduziert werden. Eine Schadstelle ist schneller zu lokalisieren, die Störung schneller zu beheben. Es ist sicherzustellen, daß alle Arbeiten an Leitungen rechtzeitig und vollständig dokumentiert werden. Die Pläne sind gesichert aufzubewahren und der Zugriff ist zu regeln, da sie schützenswerte Informationen beinhalten. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer ist für die Pläne zuständig? - Werden die Pläne aktualisiert? - Werden die Pläne sicher aufbewahrt und sind sie nur von Befugten einsehbar? - Welche Pläne existieren bereits? _____________________________________________________________________ .......................................... 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.12 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.12 Vermeidung von Lagehinweisen auf schützenswerte Gebäudeteile Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Schützenswerte Gebäudeteile sind z. B. Serverraum, Rechenzentrum, Datenträgerarchiv, Klimazentrale, Verteilungen der Stromversorgung, Schalt- und Rangierräume, Ersatzteillager. Solche Bereiche sollten keinen Hinweis auf ihre Nutzung tragen. Türschilder wie z. B. RECHENZENTRUM oder EDV-ARCHIV geben einem potentiellen Angreifer, der zum Gebäude Zutritt hat, Hinweise, um seine Aktivitäten gezielter und damit erfolgversprechender vorbereiten zu können. Ist es unvermeidbar, IT in Räumen oder Gebäudebereichen unterzubringen, die für Fremde leicht von außen einsehbar sind (siehe auch M 1.13 Anordnung schützenswerter Gebäudeteile), so sind geeignete Maßnahmen zu treffen, um den Einblick zu verhindern oder so zu gestalten, daß die Nutzung nicht offenbar wird. Dabei ist darauf zu achten, daß z. B. nicht nur e i n Fenster einer ganzen Etage mit einem Sichtschutz versehen wird. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Lagehinweise können von außerhalb erkannt werden? - Welche Lagehinweise gibt es innerhalb eines Gebäudes? _____________________________________________________________________ .......................................... 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.13 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.13 Anordnung schützenswerter Gebäudeteile Verantwortlich für Initiierung: Bauplaner, Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Bauleiter, Leiter Haustechnik Schützenswerte Räume oder Gebäudeteile sollten nicht in exponierten oder besonders gefährdeten Bereichen untergebracht sein: - Kellerräume sind durch Wasser gefährdet. - Räume im Erdgeschoß - zu öffentlichen Verkehrsflächen hin - sind durch Anschlag, Vandalismus und höhere Gewalt (Verkehrsunfälle in Gebäudenähe) gefährdet. - Räume im Erdgeschoß mit schlecht einsehbaren Höfen sind durch Einbruch und Sabotage gefährdet. - Räume unterhalb von Flachdächern sind durch eindringendes Regenwasser gefährdet. Als Faustregel kann man sagen, daß schutzbedürftige Räume oder Bereiche im Zentrum eines Gebäudes besser untergebracht sind als in dessen Außenbereichen. Optimal ist es, diese Aspekte schon in die Bauplanung für ein neues Gebäude oder in die Raumbelegungsplanung bei Einzug in ein bestehendes einzubeziehen. Bei bereits genutzten Gebäuden wird eine entsprechende Nutzungsanordnung oft mit internen Umzügen verbunden sein. Ersatzweise sollten die sich aus ohnehin erforderlichen Änderungen der Raumbelegung ergebenden Gelegenheiten konsequent genutzt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche schützenswerten Räume befinden sich in exponierter Lage? _____________________________________________________________________ .......................................... 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.14 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.14 Selbsttätige Entwässerung Verantwortlich für Initiierung: Bauplaner, Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Bauleiter, Leiter Haustechnik Alle Bereiche, in denen sich Wasser sammeln und stauen kann oder in denen fließendes oder stehendes Wasser nicht oder erst spät entdeckt wird und in denen das Wasser Schäden verursachen kann, sollten mit einer selbsttätigen Entwässerung und ggf. mit Wassermeldern ausgestattet sein. Zu diesen Bereichen gehören u. a.: - Keller, - Lufträume unter Doppelböden, - Lichtschächte, - Heizungsanlage. Erfolgt die Entwässerung passiv, also durch Bodengullys direkt in das Abwassersystem des Gebäudes, sind Rückstauklappen unerläßlich. Ohne solche Klappen wird diese Entwässerung zur Wassereintrittsöffnung, wenn das Abwassersystem überlastet wird. Nach extremen Niederschlägen dringt in der Mehrzahl aller Fälle Wasser über diesen Weg in Keller ein. Die Rückstauklappen müssen regelmäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit hin untersucht werden. Ist eine passive Entwässerung nicht möglich, weil das Niveau des Abwassersystems zu hoch ist, können Pumpen eingesetzt werden, die über Schwimmerschalter oder Wassersensoren automatisch eingeschaltet werden. Beim Einsatz dieser Technik sind insbesondere folgende Punkte zu beachten: - Die Pumpenleistung muß ausreichend bemessen sein. - Die Druckleitung der Pumpe ist mit einem Rückstauventil auszustatten. - Es sind Vorkehrungen zu treffen, damit die Pumpe nicht durch mitgeschwämmte Gegenstände blockiert werden kann (Ansaugfilter etc.). - Das Anlaufen der Pumpe sollte automatisch (z. B. beim Hausmeister oder der Haustechnik) angezeigt werden. - Die Funktion von Pumpe und Schalter ist regelmäßig zu testen. - Die Druckleitung der Pumpe darf nicht an eine in unmittelbarer Nähe vorbeigeführte Abwasserleitung angeschlossen werden. Bei einem Leck dieser Leitung würde die Pumpe das Wasser nur "im Kreis pumpen". Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die wasserbedrohten Räume mit einer selbsttätigen Entwässerung ausgestattet? _____________________________________________________________________ .......................................... 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.15 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.15 Geschlossene Fenster und Türen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, Mitarbeiter Fenster und nach außen gehende Türen (Balkone, Terrassen) sind in Zeiten, in denen ein Raum nicht besetzt sind, zu schließen. Im Keller- und Erdgeschoß und, je nach Fassadengestaltung, auch in den höheren Etagen bieten sie einem Einbrecher auch während der Betriebszeiten eine ideale Einstiegsmöglichkeit. Während normaler Arbeitszeiten und sichergestellter kurzer Abwesenheit des Mitarbeiters kann von einer zwingenden Regelung für Büroräume abgesehen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es eine Anweisung, die das Verschließen der Fenster und Außentüren fordert? - Wird regelmäßig überprüft, ob die Fenster und Türen nach Verlassen der Räume verschlossen sind? _____________________________________________________________________ .......................................... 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.16 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.16 Geeignete Standortauswahl Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Standortplaner Bei der Planung des Standortes, an dem ein Gebäude angemietet werden oder entstehen soll, empfiehlt es sich, neben den üblichen Aspekten wie Raumbedarf und Kosten, auch Umfeldgegebenheiten die Einfluß auf die IT-Sicherheit haben zu berücksichtigen: - In Zusammenhang mit Schwächen in der Bausubstanz kann es durch Erschütterungen naher Verkehrswege (Straße, Eisenbahn, U-Bahn) zu Beeinträchtigungen der IT kommen. - Gebäude, die direkt an Hauptverkehrstrassen (Bundesbahn, Autobahn, Bundesstraße) liegen, können durch Unfälle beschädigt werden. - Die Nähe zu optimalen Verkehrs- und somit Fluchtwegen kann die Durchführung eines Anschlages erleichtern. - In der Nähe von Sendeeinrichtungen kann es zu Störungen der IT kommen. - In der Nähe von Gewässern und in Niederungen ist mit Hochwasser zu rechnen. - In der Nähe von Kraftwerken oder Fabriken kann durch Unfälle oder Betriebsstörungen (Explosion, Austritt schädlicher Stoffe) die Verfügbarkeit des Gebäudes (z. B. durch Evakuierung oder großräumige Absperrung) beeinträchtigt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es standortbedingte Gefährdungen? - Wie wird diesen Gefährdungen begegnet? _____________________________________________________________________ .......................................... 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.17 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.17 Pförtnerdienst Verantwortlich für Initiierung: Leiter Innerer Dienst Verantwortlich für Umsetzung: Innerer Dienst Die Einrichtung eines Pförtnerdienstes hat weitreichende positive Auswirkungen gegen eine ganze Reihe von Gefährdungen. Voraussetzung ist allerdings, daß bei der Durchführung des Pförtnerdienstes einige Grundprinzipien beachtet werden. - Der Pförtner beobachtet bzw. kontrolliert alle Personenbewegungen an der Pforte. - Unbekannte Personen ("selbst der neue Chef") haben sich beim Pförtner zu legitimieren. - Der Pförtner hält vor Einlaßgewährung eines Besuchers bei dem Besuchten Rückfrage. - Der Besucher wird zu dem Besuchten begleitet oder an der Pforte abgeholt. - Dem Pförtner müssen die Mitarbeiter bekannt sein. Scheidet ein Mitarbeiter aus, ist auch der Pförtner zu unterrichten, ab wann diesem Mitarbeiter der Einlaß zu verwehren ist. - In einem Besucherbuch kann der Zutritt von Fremdpersonen zum Gebäude dokumentiert werden. Die Ausgabe von Besucherausweisen oder Besucherbegleitscheinen ist zu erwägen. Die Arbeitsbedingungen des Pförtners sind für die Aufgabenwahrnehmung geeignet auszugestalten. Die Aufgabenbeschreibung muß verbindlich festschreiben, welche Aufgaben dem Pförtner im Zusammenspiel mit weiteren Schutzmaßnahmen zukommt (z. B. Gebäudesicherung nach Dienst- oder Geschäftsschluß, Scharfschaltung der Alarmanlage, Kontrolle der Außentüren und Fenster). _____________________________________________________________________ .......................................... 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.18 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.18 Gefahrenmeldeanlage Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Brandschutzbeauftragter, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Ist eine Gefahrenmeldeanlage (GMA) für Einbruch oder Brand vorhanden und läßt sich diese mit vertretbarem Aufwand entsprechend erweitern, ist zu überlegen, ob zumindest die Kernbereiche der IT (Serverräume, Datenträgerarchive, Räume für technische Infrastruktur u. ä.) in die Überwachung durch diese Anlage mit eingebunden werden sollen. So lassen sich Gefährdungen wie Feuer, Einbruch, Diebstahl frühzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten. Um die Schutzwirkung aufrechtzuerhalten, ist eine regelmäßige Wartung und Funktionsprüfung der GMA vorzusehen. Ist keine GMA vorhanden oder läßt sich die vorhandene nicht nutzen, kommen als Minimallösung lokale Melder in Betracht. Diese arbeiten völlig selbständig, ohne Anschluß an eine Zentrale. Die Alarmierung erfolgt vor Ort oder mittels einer einfachen Zweidrahtleitung (evtl. Telefonleitung) an anderer Stelle. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Gefahrenmeldeanlage regelmäßig gewartet bzw. geprüft? - Wurden die Personen über die im Alarmfall einzuleitenden Schritte unterrichtet? _____________________________________________________________________ .......................................... 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.19 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.19 Einbruchsschutz Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Die gängigen Maßnahmen zum Einbruchsschutz sollten den örtlichen Gegebenheiten entsprechend angepaßt werden. Dazu gehören: - Rolladensicherungen bei einstiegsgefährdeten Türen oder Fenster, - besondere Schließzylinder, Zusatzschlösser und Riegel, - Sicherung von Kellerlichtschächten, - Verschluß von nichtbenutzten Nebeneingängen, - einbruchgesicherte Notausgänge (soweit seitens der örtlichen Bauaufsicht zugelassen), - Verschluß von Personen- und Lastenaufzügen außerhalb der Dienstzeit. Empfehlungen hierzu geben die örtlichen Beratungsstellen der Kriminalpolizei. Den Mitarbeitern ist durch Regelungen bekanntzugeben, welche Maßnahmen zum Einbruchsschutz beachtet werden müssen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird geprüft, ob die Maßnahmen zum Einbruchschutz befolgt werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.20 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.20 Auswahl geeigneter Kabeltypen unter physikalisch-mechanischer Sicht Verantwortlich für Initiierung: Netzplaner, Leiter Haustechnik, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Bei der Auswahl von Kabeln ist neben der Berücksichtigung von übertragungstechnischen Notwendigkeiten das Umfeld, in dem die Kabel verlegt werden sollen, zu beachten. Für die meisten Verlegebedingungen gibt es Kabel mit entsprechenden Qualitäten. Die wichtigsten sind hier zusammengestellt: - Innen- bzw. Außenkabel, - längswassergeschütztes Kabel für Feucht- oder Naßbereiche, - zugentlastete Kabel für Freileitungen und extreme Steigungen, - funktionserhaltende Kabel in feuergefährdeten Bereichen, - geschirmte Kabel für Bereiche mit starken elektrischen und induktiven Störfeldern, - gepanzerte Kabel für Fälle, in denen ein ausreichender mechanischer Schutz auf andere Weise nicht realisierbar ist, z. B. bei der provisorischen Verlegung auf Boden und Wänden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde bei der Kabelauswahl der für die Betriebstechnik Zuständige über bekannte oder zu erwartende widrige Umfeldbedingungen befragt? - Wurden möglich Alternativen der Kabelführung geprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 20 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.21 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.21 Ausreichende Trassendimensionierung Verantwortlich für Initiierung: Netzplaner, Leiter Haustechnik, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Kabeltrassen (z. B. Fußbodenkanäle, Fensterbankkanäle, Pritschen, Rohrtrassen im Außenbereich) sind ausreichend zu dimensionieren, d. h., daß einerseits genügend Platz vorhanden ist, um evtl. notwendige Erweiterungen des Netzes vornehmen zu können. Andererseits sind zur Verhinderung des Übersprechens (gegenseitige Beeinflussung von Kabeln) ggf. Mindestabstände zwischen Kabeln einzuhalten. Ist es aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich, Trassen sofort mit ausreichenden Reserven zu errichten, sollte zumindest darauf geachtet werden, daß im Bereich der Trassenführung Platz ist, um Erweiterungen unterzubringen. Bei der Auslegung von Wand- und Deckendurchbrüchen erspart dies spätere lärm-, schmutz- und kostenintensive Arbeiten. Diese Maßnahme kann ersetzt werden durch die Auswahl anderer Kabeltypen (M 2.20 Kontrolle bestehender Verbindungen und M 5.3 Auswahl geeigneter Kabeltypen unter kommunikationstechnischer Sicht). Durch Verwendung weniger hochadriger Kabel kann gegenüber vielen kleinen Kabeln Platz eingespart werden. Durch den Einsatz von geschirmten Kabeln oder Lichtwellenleitern kann Übersprechen verhindert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde die Möglichkeit geprüft, durch die Auswahl anderer Kabel Platz zu sparen und Übersprechen zu verhindern? _____________________________________________________________________ .......................................... 21 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.22 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.22 Materielle Sicherung von Leitungen und Verteilern Verantwortlich für Initiierung: Netzplaner, Leiter Haustechnik, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik In Räumen mit Publikumsverkehr oder in unübersichtlichen Bereichen eines Gebäudes kann es sinnvoll sein, Leitungen und Verteiler zu sichern. Dies kann auf verschiedene Weise erreicht werden: - Verlegung der Leitungen unter Putz, - Verlegung der Leitungen in Stahlpanzerrohr, - Verlegung der Leitungen in mechanisch festen und abschließbaren Kanälen, - Verschluß von Verteilern und - bei Bedarf zusätzlich elektrische Überwachung von Verteilern und Kanälen. Bei Verschluß sind Regelungen zu treffen, die die Zutrittsrechte, die Verteilung der Schlüssel und die Zugriffsmodalitäten (was muß der Berechtigte ggf. vor dem Zugriff auf Leitungen tun?) festlegen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde die Zahl der Stellen, an denen das Kabel zugänglich ist, auf ein Mindestmaß reduziert? - Wurde die Länge zu schützender Verbindungen möglichst klein gehalten? - Werden Zutrittsrechte restriktiv vergeben? Werden Personalwechsel und Vertretungsfälle dabei berücksichtigt? - Werden Zutrittsrechte regelmäßig auf ihre Berechtigung/Notwendigkeit hin überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 22 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.23 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.23 Abgeschlossene Türen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, Mitarbeiter Die Türen nicht besetzter Räume sollten abgeschlossen werden. Dadurch wird verhindert, daß Unbefugte Zugriff auf darin befindliche Unterlagen und ITEinrichtungen erlangen. In manchen Fällen, z. B. in Großraumbüros, ist der Verschluß des Büros nicht möglich. Dann sollte alternativ jeder Mitarbeiter vor seiner Abwesenheit seine Unterlagen ("Clear-Desk-Politik") und den persönlichen Arbeitsbereich verschließen: Schreibtisch, Schrank und PC (Schloß für Diskettenlaufwerk, Tastaturschloß), Telefon. Bei laufendem Rechner kann auf das Abschließen der Türen verzichtet werden, wenn eine Sicherungsmaßnahme installiert ist, mit der die Nutzung des Rechners nur unter Eingabe eines Paßwortes weitergeführt werden kann (paßwortunterstützte Bildschirmschoner), der Bildschirm gelöscht wird und wenn das Booten des Rechners die Eingabe eines Paßwortes verlangt. Bei ausgeschaltetem Rechner kann auf das Verschließen des Büros verzichtet werden, wenn das Booten des Rechners die Eingabe eines Paßwortes verlangt. Wird in oben genannten Fällen auf das Verschließen der Türen verzichtet, dürfen allerdings keine schutzbedürftigen Gegenstände wie Unterlagen oder Datenträger offen ausliegen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird sporadisch überprüft, ob Büros beim Verlassen verschlossen werden? - Werden Mitarbeiter angewiesen, bei Abwesenheit ihr Büro zu verschließen? _____________________________________________________________________ .......................................... 23 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.24 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.24 Vermeidung von wasserführenden Leitungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, Administrator In Räumen oder Bereichen, in denen sich IT-Geräte mit zentralen Funktionen (z. B. Server) befinden, sollten wasserführende Leitungen aller Art vermieden werden. Die einzigen wasserführenden Leitungen sollten, wenn unbedingt erforderlich, Kühlwasserleitungen, Löschwasserleitungen und Heizungsrohre sein. Zuleitungen zu Heizkörpern sollten mit Absperrventilen, möglichst außerhalb des Raumes/Bereiches, versehen werden. Außerhalb der Heizperiode sind diese Ventile zu schließen. Sind Wasserleitungen unvermeidbar, kann als Minimalschutz eine Wasserauffangwanne oder -rinne unter der Leitung angebracht werden, deren Ablauf außerhalb des Raumes führt. Günstig ist es, dazu den Flur zu nutzen, da so ein eventueller Leitungsschaden früher entdeckt wird. Optional können Wassermelder mit automatisch arbeitenden Magnetventilen eingebaut werden. Diese Magnetventile sind außerhalb des Raumes/Bereiches einzubauen und müssen stromlos geschlossen sein. Als zusätzliche oder alternative Maßnahme empfiehlt sich ggf. eine selbsttätige Entwässerung (M 1.14 Selbsttätige Entwässerung). Ergänzende Kontrollfragen: - Werden evtl. vorhandene Wasserleitungen regelmäßig auf ihre Dichtigkeit hin überprüft (Sichtprüfung)? _____________________________________________________________________ .......................................... 24 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.25 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.25 Überspannungsschutz Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, Administrator Je nach Qualität und Ausbau des Versorgungsnetzes des Energieversorgungsunternehmens und des eigenen Stromleitungsnetzes, abhängig vom Umfeld (andere Stromverbraucher) und von der geographischen Lage, können durch Induktion oder Blitzschlag Überspannungsspitzen im Stromversorgungsnetz entstehen. Überspannungen durch Blitz haben i. d. R. ein recht hohes zerstörerisches Potential, während Überspannungen anderer Ursachen geringer sind, aber trotzdem ausreichen können, um die IT zu stören. Ein komplettes Überspannungschutzkonzept baut sich in drei Stufen auf: - der Grobschutz in der Gebäudeeinspeisung, - der Mittelschutz in den Etagenverteilern und - der Feinschutz an den jeweiligen Steckdosen und den Steckverbindungen aller anderen Leitungen. Die Auslegung des Grobschutzes ist von dem Vorhandensein eines äußeren Blitzschutzes abhängig. Die Schutzwirkung jeder Stufe baut auf der vorherigen auf. Der Verzicht auf eine Stufe macht den gesamten Überspannungsschutz nahezu unwirksam. Ist der gebäudeweite Aufbau eines Überspannungsschutzes nicht möglich, so kann man zumindest wichtige Teile der IT (Server etc.) mit einer entsprechenden Schutzzone umgeben. Netze mit einer Vielzahl angeschlossener Geräte können, um einen möglichen Schaden klein zu halten, durch Optokoppler oder Überspannungsableiter in kleine, gegeneinander geschützte Bereiche aufgeteilt werden. Zwei Grundvoraussetzungen sind unabhängig von Umfang und Ausbau des Überspannungsschutzes zu beachten: - Die Leitungslänge zwischen dem Feinschutz und zu schützenden Geräten sollte 20 m nicht überschreiten. Falls doch, ist ein erneuter Feinschutz zwischenzuschalten. Verfügt ein Gerät über einen Feinschutz im Eingang, entfällt die 20 m Begrenzung. - Für einen funktionierenden Überspannungsschutz ist ein umfassender Potentialausgleich aller in den Überspannungsschutz einbezogenen elektrischen Betriebsmittel erforderlich! Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Blitz- und Überspannungsschutzeinrichtungen periodisch und nach bekannten Ereignissen geprüft und ggf. ersetzt? - Ist ein durchgängiger Potentialausgleich realisiert? - Wird bei Nachinstallationen darauf geachtet, daß der Potentialausgleich mitgeführt wird? _____________________________________________________________________ .......................................... 25 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.26 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.26 Not-Aus-Schalter Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Bei Räumen, in denen elektrische Geräte in der Weise betrieben werden, daß z. B. durch deren Abwärme, durch hohe Gerätedichte oder durch Vorhandensein zusätzlicher Brandlasten ein erhöhtes Brandrisiko besteht, ist die Installation eines Not-Aus-Schalters sinnvoll. Da zur Betätigung des Not-AusSchalters Personal erforderlich ist, kommt er jedoch nur in solchen Bereichen in Frage, in denen ständig oder meistens Personen anwesend sind. In nicht oder nur sporadisch besetzten Bereichen ist eine Notabschaltung durch eine Brandfrühesterkennung wesentlich effektiver. Mit Betätigung des Not-Aus-Schalters wird dem Brand eine wesentliche Energiequelle genommen, was bei kleinen Bränden zu deren Verlöschen führen kann. Zumindest ist aber die Gefahr durch elektrische Spannungen beim Löschen des Feuers beseitigt. Zu beachten ist, daß lokale unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) nach Ausschalten der externen Stromversorgung die Stromversorgung selbsttätig übernehmen und die angeschlossenen Geräte unter Spannung bleiben. Daher ist bei der Installation eines Not-Aus-Schalters zu beachten, daß auch die USV abgeschaltet und nicht nur von der externen Stromversorgung getrennt wird. Der Not-Aus-Schalter sollte innerhalb des Raumes neben der Eingangstür (evtl. mit Lagehinweis außen an der Tür) oder außerhalb des Raumes neben der Tür angebracht werden. Dabei ist allerdings zu bedenken, daß dieser NotAus-Schalter auch ohne Gefahr versehentlich oder absichtlich betätigt werden kann. Negativbeispiel: Ein Serverraum einer mittleren Behörde wurde mit ca. 10 Servern, 5 Laserdruckern und weiteren Geräten bestückt. Der Raum war nach den Gesichtspunkten des Einbruchschutzes mit entsprechenden Wänden, Fenstern und Türen ausgestattet. Ein Not-Aus-Schalter war nicht vorhanden. Es gab nur zwei Punkte, um diesen Raum gezielt stromlos schalten zu können: die Gebäudehauptverteilung im Keller oder die Verteilung des Raumes. Diese befand sich jedoch an der Wand, die der Eingangstür gegenüberlag, im Brandfalle nahezu unerreichbar. _____________________________________________________________________ .......................................... 26 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.27 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.27 Klimatisierung Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Um den zulässigen Betriebstemperaturbereich von IT-Geräten zu gewährleisten, reicht der normale Luft- und Wärmeaustausch eines Raumes manchmal nicht aus, so daß der Einbau einer Klimatisierung erforderlich wird. Deren Aufgabe ist es, die Raumtemperatur durch Kühlung unter dem von der IT vorgegebenen Höchstwert zu halten. Werden darüber hinaus Forderungen an die Luftfeuchtigkeit gestellt, kann ein Klimagerät durch Be- und Entfeuchtung auch diese erfüllen. Dazu muß das Klimagerät allerdings an eine Wasserleitung angeschlossen werden. M 1.24 Vermeidung von wasserführenden Leitungen ist zu beachten. Um die Schutzwirkung aufrechtzuerhalten, ist eine regelmäßige Wartung der Klimatisierungseinrichtung vorzusehen. Ergänzende Kontrollfragen: - In welchen für IT genutzte Räumen können erhöhte Temperaturen auftreten? - Werden eingesetzte Klimageräte regelmäßig gewartet? - Welches sind die für die IT zulässigen Höchst- und Tiefstwerte für Temperatur und Luftfeuchte? _____________________________________________________________________ .......................................... 27 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.28 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.28 Lokale unterbrechungsfreie Stromversorgung Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, Administrator Mit einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) kann ein kurzzeitiger Stromausfall überbrückt werden oder die Stromversorgung solange aufrechterhalten werden, daß ein geordnetes Herunterfahren angeschlossener Rechner möglich ist. Dies ist insbesondere dann sinnvoll, - wenn im Rechner umfangreiche Daten zwischengespeichert werden (z. B. Cache-Speicher im Netz-Server), bevor sie auf nichtflüchtige Speicher ausgelagert werden, - beim Stromausfall ein großes Datenvolumen verloren gehen würde und nachträglich nochmals erfaßt werden müßte, - wenn die Stabilität der Stromversorgung nicht ausreichend gewährleistet ist. Zwei Arten der USV sind zu unterscheiden: - Off-Line-USV: Hierbei werden die angeschlossenen Verbraucher im Normalfall direkt aus dem Stromversorgungsnetz gespeist. Erst wenn dieses ausfällt, schaltet sich die USV selbsttätig zu und übernimmt die Versorgung. - On-Line-USV: Hier ist die USV ständig zwischen Netz und Verbraucher geschaltet. Die gesamte Stromversorgung läuft immer über die USV. Beide USV-Arten können neben der Überbrückung von Totalausfällen der Stromversorgung und Unterspannungen auch dazu dienen, Überspannungen zu glätten. Auch hier gilt hinsichtlich des Überspannungsschutzes die in M 1.25 Überspannungsschutz erläuterte Begrenzung auf 20 m. Werden IT-Geräte in einem Gebäude mit TN-S-Netz (siehe dazu M 1.39 Verhinderung von Ausgleichsströmen auf Schirmungen) mit einer lokalen USV versorgt, ist folgendes zu beachten: Um die Schutzwirkung des TN-SNetzes gegen Ausgleichsströme auf Schirmen von Datenleitungen aufrecht zu erhalten, darf der PE-Leiter der Stromzuleitung nicht mit dem PE-Leiter der Ausgangsseite der USV verbunden werden. Bei der Dimensionierung einer USV kann man i. d. R. von einer üblichen Überbrückungszeit von ca. 10 bis 15 Minuten ausgehen. Die Mehrzahl aller Stromausfälle ist innerhalb von 5 bis 10 Minuten behoben, so daß nach Abwarten dieser Zeitspanne noch 5 Minuten übrigbleiben, um die angeschlossene IT geordnet herunterfahren zu können, sollte der Stromausfall länger andauern. Die meisten modernen USV-Geräte bieten Rechnerschnittstellen an, die nach einer vorher festgelegten Zeit, entsprechend dem Zeitbedarf der IT und der Kapazität der USV, ein rechtzeitiges automatisches Herunterfahren (Shut-down) einleiten können. Für spezielle Anwendungsfälle (z. B. TK-Anlagen) kann die erforderliche Überbrückungszeit auch mehrere Stunden betragen. _____________________________________________________________________ .......................................... 28 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.28 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Um die Schutzwirkung aufrechtzuerhalten, ist eine regelmäßige Wartung der USV vorzusehen. Falls die Möglichkeit besteht, die Stromversorgung unterbrechungsfrei aus einer anderen Quelle zu beziehen (z. B. durch Anschluß an eine zentrale USV), so stellt dies eine Alternative zur lokalen USV dar. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Wartungsintervalle der USV eingehalten? - Ist ein automatisches Shut-down vorgesehen? - Wird die Wirksamkeit der USV regelmäßig getestet? - Haben sich Veränderungen ergeben, so daß die vorgehaltene Kapazität der USV nicht mehr ausreichend ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 29 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.29 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.29 Geeignete Aufstellung eines IT-Systems Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, IT-Benutzer Bei der Aufstellung eines IT-Systems sollten verschiedene Voraussetzungen beachtet werden, die die Lebensdauer und Zuverlässigkeit der Technik verbessern und die Ergonomie berücksichtigen. Einige seien hier genannt: - ein IT-System sollte nicht in unmittelbarer Nähe der Heizung aufgestellt werden, um eine Überhitzung zu vermeiden, - ein IT-System sollte nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein, - Staub und Verschmutzungen sollten vermieden werden, da die mechanischen Bauteile (Diskettenlaufwerke, mechanische Maus, Festplatten) beeinträchtigt werden können, - direkte Lichteinstrahlung auf den Bildschirm sollte aus ergonomischen Gründen vermieden werden, - der Standort in der Nähe eines Fensters oder einer Tür erhöht die Gefahr des Beobachtens von außerhalb. Weitere Hinweise sind den Empfehlungen der Berufsgenossenschaften zu entnehmen. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind durch den Aufstellungsort bedingte Ausfälle in der Vergangenheit zu beobachten gewesen? - Beklagen sich Benutzer von IT-Systemen über unzureichende ergonomische Bedingungen? _____________________________________________________________________ .......................................... 30 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.30 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.30 Absicherung der Datenträger mit TK-Gebührendaten Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher, Datenschutzbeauftragter Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Auf den TK-Anlagen fallen während des Betriebes Gebührendaten an. Diese enthalten Informationen über: - Zeit und Datum eines Gespräches, - Quell- und Zielrufnummer sowie die - Gesprächsdauer. Gebührendaten sind personenbezogene Daten im Sinne der einschlägigen Bundes- und Landesdatenschutzgesetze. Hieraus folgt, daß auch nach den im folgenden vorgeschlagenen Maßnahmen des IT-Grundschutzes in jedem Fall eine gesonderte Betrachtung im Hinblick auf die Anforderungen der Datenschutzgesetze (z. B. aus der Anlage zum § 9 Bundesdatenschutzgesetz) durchzuführen ist. Diese Daten können sowohl auf der Festplatte der TK-Anlage selbst als auch auf einem externen Gebührenrechner gespeichert werden. In vielen Fällen wird es eine Kombination beider Varianten geben. Die Rechner sind - wenn möglich - so zu schützen, daß nur Berechtigte auf die Gebührendaten zugreifen können. Dazu ist es erforderlich, den Gebührenrechner in einem besonders geschützten Raum (vgl. Kapitel 4.3.2 Serverraum) aufzustellen. Für Einrichtungen, auf denen Gebührendaten gespeichert sind, müssen ferner die Maßnahmen M 1.23 Abgeschlossene Türen, M 2.5 Aufgabenverteilung und Funktionstrennung, M 2.6 Vergabe von Zutrittsberechtigungen, M 2.7 Vergabe von Zugangsberechtigungen, M 2.8 Vergabe von Zugriffsrechten, M 2.13 Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln und M 2.17 Zutrittsregelung und -kontrolle realisiert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer hat Zugriff auf die Gebührendaten? - Wie wird der Zugriffsschutz realisiert? - Haben nur die Benutzer mit berechtigtem Interesse Zugriffsrecht? - Wo befinden sich die Sicherungskopien und wer hat dort Zugang? - Wie werden die Datenträger entsorgt? - Wie lange werden die Daten gespeichert? _____________________________________________________________________ .......................................... 31 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.31 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.31 Fernanzeige von Störungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, TK-Anlagen-Verantwortlicher, ITSicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator IT-Geräte und Supportgeräte, die keine oder nur seltene Bedienung durch eine Person erfordern, werden oft in ge- und verschlossenen Räumen untergebracht (z. B. Serverraum). Das führt dazu, daß Störungen, die sich in ihrem Frühstadium auf die IT noch nicht auswirken und einfach zu beheben sind, erst zu spät, meist durch ihre Auswirkungen auf die IT, entdeckt werden. Feuer, Funktionsstörungen einer USV oder der Ausfall eines Klimagerätes seien als Beispiele für solche "schleichenden" Gefährdungen angeführt. Durch eine Fernanzeige ist es möglich, solche Störungen früher zu erkennen. Viele Geräte, auf die man sich verlassen muß, ohne sie ständig prüfen oder beobachten zu können, haben heute einen Anschluß für Störungsfernanzeigen. Die technischen Möglichkeiten reichen dabei von einfachen Kontakten, über die eine Warnlampe eingeschaltet werden kann, bis zu Rechnerschnittstellen mit dazugehörigem Softwarepaket für die gängigen Betriebssysteme. Über die Schnittstellen ist es oft sogar möglich, jederzeit den aktuellen Betriebszustand der angeschlossenen Geräte festzustellen und so Ausfällen rechtzeitig begegnen zu können. Ergänzende Kontrollfragen: - Wissen die durch die Fernanzeige Alarmierten, welche Handlungen auszuführen sind? _____________________________________________________________________ .......................................... 32 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.32 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.32 Geeignete Aufstellung von Konsole, Geräten mit austauschbaren Datenträgern und Druckern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, TK-Anlagen-Verantwortlicher, ITSicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Diese Maßnahme dient der Absicherung der Schnittstellen eines IT-Systems zur Außenwelt, um auch dort den Sicherheitsanforderungen in bezug auf die gespeicherten und verarbeiteten Daten zu entsprechen, die im IT-System durch die internen Sicherheitsmechanismen und durch die Maßnahmen im Bereich Hardware/Software gewährleistet sind. Der Schutz vor unbefugtem Lesen von Informationen, der innerhalb des Systems durch die Mechanismen der Zugriffskontrolle gegeben ist, muß an diesen Shnittstellen hauptsächlich durch infrastrukturelle oder organisatorische Maßnahmen gewährleistet werden. Um Manipulationen an der Konsole, an Geräten mit austauschbaren Datenträgern und an Druckern zu verhindern, müssen diese so aufgestellt werden, daß nur Berechtigte Zugang haben. Insbesondere gilt: - Bei Unix-Systemen dürfen Unbefugte keinen Zugang zur Konsole erhalten, weil sie dort unter Umständen den Unix-Rechner in den Single-UserModus booten bzw. den Monitor-Modus aktivieren können und damit Systemadministrator-Rechte erlangen. - Es ist sicherzustellen, daß an den Geräten für austauschbare Datenträger - wie Streamern, Diskettenlaufwerken, Wechselplatten usw. - kein mißbräuchliches Ein- und Auslesen von Dateien möglich ist. - Nur Berechtigte dürfen Zutritt zu Räumen mit Druckern / Ausdrucken haben. Dieses kann z. B. durch Aufstellung der Drucker in einem geschlossenen Raum und Verteilung der Ausdrucke in nur für den jeweiligen Empfänger zugängliche Fächer durch eine vertrauenswürdige Person erreicht werden. Druckerausgaben müssen daher mit dem Namen des Empfängers gekennzeichnet sein. Dieses kann automatisch durch die Druckprogramme erfolgen. Diese Maßnahme wird ergänzt durch folgende Maßnahmen: M 4.18 Administrative und technische Absicherung des Zugangs zum Monitor- und Single-User-Modus M 4.21 Verhinderung des unautorisierten Erlangens von Administratorrechten Ergänzende Kontrollfragen: - Sind Konsole, Geräte für austauschbare Datenträger und Druckerausgaben vor unbefugtem Zugriff geschützt? _____________________________________________________________________ .......................................... 33 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.33 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.33 Geeignete Aufbewahrung tragbarer PCs bei mobilem Einsatz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Da die Umfeldbedingungen bei mobilem Einsatz meist außerhalb der direkten Einflußnahme des Benutzers liegen, muß er versuchen, den tragbaren PC auch außer Haus sicher aufzubewahren. Hierfür können nur einige Hinweise gegeben werden, die bei der mobilen Nutzung zu beachten sind: - Nach Möglichkeit sollten die Zeiten, in denen das Gerät unbeaufsichtigt bleibt, minimiert werden. - Wird ein tragbarer PC in einem Kraftfahrzeug aufbewahrt, so sollte das Gerät von außen nicht sichtbar sein. Das Abdecken des Gerätes oder das Einschließen in den Kofferraum bieten Abhilfe. Ein tragbarer PC stellt einen hohen Wert dar, der potentielle Diebe anlockt, zumal tragbare PCs leicht veräußert werden können. - Wird der tragbare PC in fremden Büroräumen vor Ort benutzt, so ist dieser Raum nach Möglichkeit auch bei kurzzeitigem Verlassen zu verschließen. Wird der Raum für längere Zeit verlassen, sollte zusätzlich der tragbare PC ausgeschaltet werden, um über das Bootpaßwort die unerlaubte Nutzung zu verhindern. - In Hotelräumen sollte der tragbare PC nicht offen ausliegen. Das Verschließen des Gerätes in einem Schrank behindert Gelegenheitsdiebe. - Einige neuere Geräte bieten zusätzlich die Möglichkeit zum Anketten des Gerätes. Der Diebstahl setzt dann den Einsatz von Werkzeug voraus. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Benutzer von tragbaren PCs auf die geeignete Aufbewahrung hingewiesen? _____________________________________________________________________ .......................................... 34 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.34 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.34 Geeignete Aufbewahrung tragbarer PCs im stationären Einsatz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Wird ein tragbarer PC zeitweise stationär in einem Büro betrieben, so sind die in Kapitel 4.3.1 Büroraum beschriebenen Maßnahmen zu beachten. Da ein tragbarer PC jedoch besonders leicht zu transportieren und zu verbergen ist, sollte das Gerät außerhalb der Nutzungszeit in einem Schrank verschlossen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie werden tragbare PCs in den Büros aufbewahrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 35 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.35 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.35 Sammelaufbewahrung mehrerer tragbarer PCs Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Sind in einer Behörde bzw. einem Unternehmen eine Vielzahl von tragbaren PCs im (mobilen) Einsatz und wechseln die Benutzer häufig, kann es angebracht sein, die zeitweise nicht genutzten tragbaren PCs in einer Sammelaufbewahrung (Pool) zu halten. Der dafür genutzte Raum sollte den Anforderungen, die in Kapitel 4.3.4 Raum für technische Infrastruktur beschriebenen werden, entsprechen. Darüber hinaus ist die Stromversorgung der tragbaren PCs sicherzustellen, damit die Batterien dieser Geräte den sofortigen Einsatz erlauben. Zusätzlich müssen die Rücknahme und die Ausgabe von tragbaren PCs dokumentiert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer hat Zutritt zur Sammelaufbewahrung der tragbaren PCs? - Wird die Ausgabe und Rücknahme der PCs dokumentiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 36 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.36 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.36 Sichere Aufbewahrung der Datenträger vor und nach Versand Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer, Poststelle Vor dem Versand eines Datenträgers ist zu gewährleisten, daß für den Zeitraum zwischen dem Speichern der Daten auf dem Datenträger und dem Transport ein ausreichender Zugriffsschutz besteht. Sind die zu übermittelnden Daten auf den Datenträger geschrieben, so sollte dieser bis zum Transport in entsprechenden Behältnissen (Schrank, Tresor) verschlossen aufbewahrt werden. Die für den Transport oder für die Zustellung Verantwortlichen (z. B. Poststelle) sind auf sachgerechte und sichere Aufbewahrung und Handhabung des Datenträgers hinzuweisen. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Mitarbeiter darauf hingewiesen worden, für den Transport vorgesehene Datenträger nicht frei zugänglich aufzubewahren? _____________________________________________________________________ .......................................... 37 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.37 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.37 Geeignete Aufstellung eines Fax-Gerätes Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, IT-Benutzer, Fax-Verantwortlicher Ein Fax-Gerät sollte in einem Bereich installiert werden, der nicht öffentlich zugänglich ist. Eine Kontrolle des Zutritts zu diesem Bereich oder der Nutzung des Fax-Gerätes ist sinnvoll. Sinnvollerweise kann dies durch die Aufstellung in einem ständig besetzten Raum (z. B. Geschäftszimmer, Sekretariat, Poststelle) erreicht werden. Außerhalb der Dienstzeiten oder bei Abwesenheit der berechtigten Benutzer sollte das Gerät eingeschlossen werden (Raum oder Schrank). Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß verhindert werden muß, daß eingegangene FaxSendungen von Unberechtigten eingesehen oder entnommen werden können (vgl. M 2.48 Festlegung berechtigter Fax-Bediener). Ergänzende Kontrollfragen: - Wer kann das Fax-Gerät unkontrolliert nutzen? - Zu welchen Zeiten ist dies einfach möglich (Mittagspause, Schichtwechsel, ...)? - Wie wird der Zugang zum Fax-Gerät kontrolliert? - Wie wird das Gerät außerhalb der Dienstzeiten geschützt? _____________________________________________________________________ .......................................... 38 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.38 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.38 Geeignete Aufstellung eines Modems Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer, Administrator Um den Mißbrauch von Modems zu verhindern, muß sichergestellt werden, daß nur Berechtigte physikalischen Zugriff darauf haben. Mißbrauch bedeutet hier zum einem die Durchführung unbefugter Datenübertragungen, durch die Kosten verursacht, Viren eingeschleppt oder Interna nach außen transferiert werden können, und zum anderen das unbefugte Ändern oder Auslesen der Modem-Konfiguration, wodurch Sicherheitslücken entstehen können. Um den physikalischen Zugriff auf ein externes Modem oder ein PCMCIAModem abzusichern, ist z. B. bei einem ständig benutzten Modem das Abschließen des Raumes oder bei einem nur zeitweise benutzten Modem das sichere Aufbewahren des inaktiven Modems in einem Schrank zu gewährleisten. Die Maßnahmen des Kapitels 4.3.1 Büroraum sind zu beachten. Ein internes Modem besitzt aufgrund des Einbaus in ein IT-System einen höheren inhärenten physikalischen Zugriffsschutz. Hier würde es reichen, die Maßnahmen der Kapitel 4.3.1 Büroraum oder 4.3.2 Serverraum zu beachten. Wenn über ein Modem oder einen Modempool Zugänge zum internen Netz geschaffen werden, ist das Kapitel 7.3 Firewall zu beachten. Über Modems darf kein Zugang zum internen Netz unter Umgehung einer bestehenden Firewall geschaffen werden. Wenn mit einem Modempool weitere externe Zugänge zu einem durch eine Firewall geschützten Netz geschaffen werden sollen, muß dieser auf der unsicheren Seite der Firewall aufgestellt werden (siehe auch M 2.77 Sichere Anordnung weiterer Komponenten). Der Modempool sollte zusammen mit dem zugehörigen Server in einem gesicherten Serverraum aufgestellt sein. Die Maßnahmen des Kapitels 4.3.2 Serverraum sind zu beachten. _____________________________________________________________________ .......................................... 39 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.39 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.39 Verhinderung von Ausgleichsströmen auf Schirmungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, physikalischer Netzbetreiber Um Ausgleichsströme auf den Schirmungen von Datenleitungen in Gebäuden zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Ausgleichsströme können im TN-C-Netz vermieden werden, indem nur solche IT-Geräte miteinander über geschirmte Datenleitungen miteinander verbunden werden, die an einer gemeinsamen Elektro-Verteilung angeschlossen sind. Bei jeder Erweiterung des Daten-Netzes ist diese Bedingung zu prüfen und sicherzustellen. Ist die Beschränkung auf Datenverbindungen von IT-Geräten an einer Verteilung nicht möglich, können Ausgleichsströme dadurch vermieden werden, daß man die Schirmung der Datenleitung nur einseitig auflegt. Bei jeder Änderung im Daten-Netz ist darauf zu achten, daß nur entsprechend geeignete Kabel (mit nur einseitig aufgelegtem Schirm) Verwendung finden. Die optimale, weil sicherste Möglichkeit besteht darin, das Stromverteilnetz im gesamten Gebäude komplett als TN-S-Netz auszulegen. Dabei wird der PE- und der N-Leiter ab der Potentialausgleichsschiene (PAS) getrennt geführt. Einzelmaßnahmen an IT-Geräten sind dann in der Regel nicht mehr erforderlich. Zu beachten ist jedoch der Hinweis in M 1.28 Lokale unterbrechungsfreie Stromversorgung hinsichtlich der Bildung eines neuen TN-SNetzes für die angeschlossenen Geräte. Die nachfolgenden Zeichnungen erläutern die Entstehung von Ausgleichsströmen auf Schirmungen und die möglichen Gegenmaßnahmen: _____________________________________________________________________ .......................................... 40 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.39 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... S trom lauf im T N -C -N etz *) L1 S trom lauf im T N -S -N etz *) L1 A u s g le ich s strom a u f d er S ch irm u n g L2 L2 L3 L3 PEN N N PE PE N o rm a le r S tro m f lu ß N orm aler S trom fluß L1 L1 L2 L2 L3 L3 PEN N N PE PE L 1 L 2 L 3 PEN L1 L2 L3 PAS L1 N PE PAS L1 L2 L2 L3 L3 PEN PEN * ) verein fach te p rin zip ielle D ars tellu n g Strom lauf im TN -C S -N etz *) T N -C -B ereic h T N -C -B ereic h A u s gleic h s s trom au f d er S ch irm u n g d er D at en leitu n g L1 L2 L3 L2 L3 N PEN A u sg leic h s st rom au f d er S c h irm u n g d er D aten leitu n g L1 PEN N PE PE N orm aler S trom flu ß N orm ale r S trom fluß L1 L1 L2 L2 L3 L3 N PEN PEN N PE PE T N -S -B ereich T N -S -B ereich L1 L1 L2 L2 L3 L3 N N PE PE L1 L1 L2 L2 L3 L3 N N PE PE Im beiden B ereich en fließ en A usgleichsström e auf d en S chirm ungen von Daten leitungen. L1 L2 L3 N PE L1 L1 L2 L3 P AS L2 L3 PEN L1 L2 L3 N PE E inseitiges "N icht-A u flegen" der S chirm ung verhindert die V erschleppung von A u sgleichsström en in den T N-S -B ereich. PAS *) verein fac h te p rin z ip ielle D arst ellu n g PEN _____________________________________________________________________ .......................................... 41 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.39 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Netzart ist in der Liegenschaft vorhanden? - Wie und durch wen werden die Schutzbedingungen (eine gemeinsame Verteilung oder nur einseitig aufgelegter Schirm) geprüft? - Werden Änderungen im Datennetz mit der Haustechnik abgestimmt? _____________________________________________________________________ .......................................... 42 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.40 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.40 Geeignete Aufstellung von Schutzschränken Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Hausverwaltung Aufgrund des in der Regel hohen Gewichts von Schutzschränken muß vor der Aufstellung die Tragfähigkeit des Fußbodens am Aufstellungsort geprüft werden. Schutzschränke, die aufgrund ihrer geringen Größe relativ einfach weggetragen werden könnten, sollten in der Wand oder im Boden verankert werden. Evtl. vorhandene Herstellerhinweise zur geeigneten Aufstellung (z. B. freie Lüftungsöffnungen, Kabelführungen) sind zu berücksichtigen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie wird der Diebstahl eines Schutzschrankes verhindert? _____________________________________________________________________ .......................................... 43 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.41 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.41 Schutz gegen elektromagnetische Einstrahlung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Beschaffer, Haustechnik Werden in einem Schutzschrank informationstechnische Geräte untergebracht, so kann durch benachbarte Einrichtungen elektromagnetische Strahlung erzeugt werden, die die Funktion der Geräte beeinträchtigt (insbesondere in industriellen Produktionsbereichen). Durch Nachrüstung von Filtern und Türdichtungen kann die Einstrahlung innerhalb des Schutzschrankes reduziert werden. Gleichzeitig verhindern diese Maßnahmen auch eine Verbreitung von kompromittierender Abstrahlung der im Schrank befindlichen Geräte. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist eine Gefährdung durch elektromagnetische Einstrahlung gegeben? _____________________________________________________________________ .......................................... 44 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.42 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.42 Gesicherte Aufstellung von Novell Netware Servern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um den manipulationssicheren Betrieb von Novell Netware Servern sicherzustellen, ist es zwingend erforderlich, die Novell Netware Server in einer gesicherten Umgebung aufzustellen. Dies kann entweder ein Serverraum sein (vgl. Kapitel 4.3.2 Serverraum) oder ein Serverschrank, wenn kein separater Serverraum zur Verfügung steht (vgl. Kapitel 4.4 Schutzschränke). Unbefugte dürfen zum Aufstellungsort von Novell Netware Servern keinen unbeaufsichtigten Zugang erhalten. Das Diskettenlaufwerk von Novell Netware Servern ist darüber hinaus standardmäßig mit einem Diskettenschloß zu verschließen. Weiterhin sollte mit Hilfe von SYS:SYSTEM\MONITOR.NLM die unmittelbare Dateneingabe an der Serverkonsole durch ein Paßwort verhindert werden. Dabei sollte der Befehl LOAD MONITOR.NLM -L bereits in der Datei SYS:SYSTEM\AUTOEXEC.NCF mit eingepflegt werden. Dies veranlaßt den Server, bei jedem Starten die Serverkonsole mit einem Paßwort zu schützen. Dabei muß allerdings berücksichtigt werden, daß hier das Paßwort des Bindery-Benutzers SUPERVISOR zum Entriegeln des Servers notwendig ist. Dieses ist zum Zeitpunkt der Installation des Netware 4.x Servers identisch mit dem Paßwort des Benutzers, der den Server in der NDS installiert hat. Dies ist in der Regel der NDS-Benutzer ADMIN. Wird allerdings das Paßwort des Benutzers ADMIN regelmäßig geändert, ist dies nicht gleichbedeutend mit der Änderung der Paßwörter der Bindery-Benutzer SUPERVISOR auf den jeweiligen NDS-Servern. Daraus ergibt sich das Problem, daß die jeweiligen SUPERVISOR Paßwörter, von denen jeder Novell NDS-Server jeweils sein eigenes besitzt, häufig auf einem alten Stand verbleiben, der zudem leicht in Vergessenheit geraten kann. Ein weiterer wichtiger Befehl, mit dem die Serverkonsole gesichert werden muß, ist SECURE CONSOLE. Dieser Befehl deaktiviert den Debugger des Servers. Ohne diesen Befehl wäre es z. B. auch möglich, den Debugger zu erreichen, obwohl die Konsole des Servers mit einem Paßwort geschützt ist. Weitere wichtige Funktionen des Befehls SECURE CONSOLE sind: - Netware Loadable Modules (NLM) können nur noch von SYS:SYSTEM und eventuell anderen vorhandenen Suchpfaden geladen werden, wobei DOS-Suchpfade automatisch entfernt werden, - einige SET Parameter können nicht mehr verändert werden, - Datum und Zeit können an der Serverkonsole nicht mehr eingestellt werden und - der Systemdebugger des Servers kann nicht mehr erreicht werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist auch im Vertretungsfall ausschließlich der autorisierte Zugriff auf den Novell Netware Server sichergestellt? - Ist jeder Novell Netware Server in einem Serverraum oder Serverschrank untergebracht? _____________________________________________________________________ .......................................... 45 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.43 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.43 Gesicherte Aufstellung von ISDN-Routern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um den manipulationssicheren Betrieb von ISDN-Routern sicherzustellen, ist es zwingend erforderlich, diese in einer gesicherten Umgebung aufzustellen. Dies kann entweder ein Serverraum sein (vgl. Kapitel 4.3.2 Serverraum) oder ein Serverschrank, wenn kein separater Serverraum zur Verfügung steht (vgl. Kapitel 4.4 Schutzschränke). Unbefugte dürfen zum Aufstellungsort von ISDN-Routern keinen unbeaufsichtigten Zugang erhalten. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist auch im Vertretungsfall sichergestellt, daß ausschließlich autorisierte Zugriffe auf den ISDN-Router erfolgen können? - Ist jeder ISDN-Router in einem Serverraum oder Serverschrank untergebracht? _____________________________________________________________________ .......................................... 46 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.44 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.44 Geeignete Einrichtung eines häuslichen Arbeitsplatzes Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Personalrat/Betriebsrat, Vorgesetzte Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, Mitarbeiter Für den häuslichen Arbeitsplatz ist die Nutzung eines Arbeitszimmers wünschenswert. Zumindest sollte der häusliche Arbeitsplatz von der übrigen Wohnung durch eine Tür abgetrennt sein. Die Einrichtung sollte unter Berücksichtigung von Ergonomie, Sicherheit und Gesundheitsschutz ausgewählt werden. Dies bedeutet u. a.: - ausreichend Platz für Möbel und Bildschirmarbeitsplatz, - regelbare Raumtemperatur und ausreichende Lüftungsmöglichkeiten, - Abschirmung gegenüber Lärmquellen, - Tageslicht sowie ausreichend künstliche Beleuchtung, - Sichtschutz des Monitors, falls er durch ein Fenster beobachtet werden könnte, - Vermeidung von störenden Blendungen, Reflexen oder Spiegelungen am Arbeitsplatz und - Anschlüsse für Telefon und Strom. Dienstlich genutzte IT sollte vom Arbeitgeber bereitgestellt werden, um z. B. per Dienstanweisung ausschließen zu können, daß die IT für private Zwecke benutzt wird. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden betroffene Mitarbeiter mit einem häuslichen Arbeitsplatz regelmäßig oder sporadisch befragt, ob der Arbeitsplatz ihren gesundheitlichen oder betrieblichen Ansprüchen entsprechen? _____________________________________________________________________ .......................................... 47 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.45 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.45 Geeignete Aufbewahrung dienstlicher Unterlagen und Datenträger Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Mitarbeiter Dienstliche Unterlagen und Datenträger dürfen auch am häuslichen Arbeitsplatz nur dem autorisierten Mitarbeiter zugänglich sein. Aus diesem Grund muß ein verschließbares Behältnis (Schrank, Schreibtisch o. ä.) verfügbar sein. Die dienstlichen Unterlagen und Datenträger müssen außerhalb der Nutzungszeit in diesem Behältnis verschlossen aufbewahrt werden. Die Schutzwirkung des Behältnisses sollte den Sicherheitsanforderungen der darin zu verwahrenden Unterlagen und Datenträger entsprechen. Ergänzende Kontrollfragen: - Steht für den häuslichen Arbeitsplatz ein verschließbares Behältnis zur Verfügung? - Ist der Mitarbeiter darauf hingewiesen worden, daß die Unterlagen und Datenträger verschlossen aufzubewahren sind? _____________________________________________________________________ .......................................... 48 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 1.46 Maßnahmenkatalog Infrastruktur Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 1.46 Einsatz von Diebstahl-Sicherungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Diebstahl-Sicherungen sind überall dort einzusetzen, wo große Werte zu schützen sind bzw. dort, wo andere Maßnahmen - z. B. geeignete Zutrittskontrolle zu den Arbeitsplätzen - nicht umgesetzt werden können. DiebstahlSicherungen machen z. B. dort Sinn, wo Publikumsverkehr herrscht oder die Fluktuation von Benutzern sehr hoch ist. Mit Diebstahl-Sicherungen sollten je nach zu schützendem Objekt nicht nur das IT-System selber, sondern auch Monitor, Tastatur und anderes Zubehör ausgestattet werden. Es sind mittlerweile die unterschiedlichsten Diebstahl-Sicherungen auf dem Markt erhältlich. Es gibt hier zum einem Hardware-Sicherungen, die dem Diebstahl von IT-Geräten vorbeugen, z. B. durch das Verbinden des ITSystems mit dem Schreibtisch. Es gibt auch eine Reihe von Sicherungsmechanismen, die das Öffnen des Gehäuses verhindern sollen, um dem Diebstahl von Teilen oder der Manipulation von sicherheitsrelevanten Einstellungen wie dem Entfernen von Sicherheitskarten vorzubeugen. Bei Neuanschaffung von IT-Geräten sollte darauf geachtet werden, daß diese Ösen am Gehäuse besitzen, um sie an anderen Gegenständen befestigen zu können, und daß die Gehäuse abschließbar sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind im letzten Jahr IT-Systeme oder IT-Komponenten gestohlen worden? - Wie werden IT-Systeme oder IT-Komponenten vor Diebstahl geschützt? _____________________________________________________________________ .......................................... 49 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M2 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M2 Maßnahmenkatalog Organisation M 2.1 Festlegung von Verantwortlichkeiten und Regelungen für den IT-Einsatz ......................................................................1 M 2.2 Betriebsmittelverwaltung ...........................................................3 M 2.3 Datenträgerverwaltung...............................................................5 M 2.4 Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten.....................7 M 2.5 Aufgabenverteilung und Funktionstrennung..............................9 M 2.6 Vergabe von Zutrittsberechtigungen........................................10 M 2.7 Vergabe von Zugangsberechtigungen......................................11 M 2.8 Vergabe von Zugriffsrechten ...................................................12 M 2.9 Nutzungsverbot nicht freigegebener Software .........................17 M 2.10 Überprüfung des Software-Bestandes ......................................18 M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs..............................................19 M 2.12 Betreuung und Beratung von IT-Benutzern .............................21 M 2.13 Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln.........................................................................22 M 2.14 Schlüsselverwaltung.................................................................23 M 2.15 Brandschutzbegehungen ..........................................................24 M 2.16 Beaufsichtigung oder Begleitung von Fremdpersonen ............25 M 2.17 Zutrittsregelung und -kontrolle ................................................26 M 2.18 Kontrollgänge ..........................................................................27 M 2.19 Neutrale Dokumentation in den Verteilern ..............................28 M 2.20 Kontrolle bestehender Verbindungen.......................................29 M 2.21 Rauchverbot .............................................................................30 M 2.22 Hinterlegen des Paßwortes.......................................................31 M 2.23 Herausgabe einer PC-Richtlinie ...............................................32 M 2.24 Einführung eines PC-Checkheftes ...........................................34 M 2.25 Dokumentation der Systemkonfiguration ................................35 M 2.26 Ernennung eines Administrators und eines Vertreters .............36 M 2.27 Verzicht auf Fernwartung der TK-Anlage ...............................37 M 2.28 Bereitstellung externer TK-Beratungskapazität .......................38 M 2.29 Bedienungsanleitung der TK-Anlage für die Benutzer ............39 M 2.30 Regelung für die Einrichtung von Benutzern / Benutzergruppen ......................................................................40 _____________________________________________________________________ .......................................... i IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M2 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.31 Dokumentation der zugelassenen Benutzer und Rechteprofile............................................................................42 M 2.32 Einrichtung einer eingeschränkten Benutzerumgebung ...........43 M 2.33 Aufteilung der Administrationstätigkeiten unter Unix.............44 M 2.34 Dokumentation der Veränderungen an einem bestehenden System .................................................................45 M 2.35 Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems ....................................................................................46 M 2.36 Geregelte Übergabe und Rücknahme eines tragbaren PC ............................................................................................48 M 2.37 "Der aufgeräumte Arbeitsplatz" ...............................................49 M 2.38 Aufteilung der Administrationstätigkeiten...............................50 M 2.39 Reaktion auf Verletzungen der Sicherheitspolitik....................51 M 2.40 Rechtzeitige Beteiligung des Personal- / Betriebsrates ............52 M 2.41 Verpflichtung der Mitarbeiter zur Datensicherung ..................53 M 2.42 Festlegung der möglichen Kommunikationspartner ................54 M 2.43 Ausreichende Kennzeichnung der Datenträger beim Versand ....................................................................................55 M 2.44 Sichere Verpackung der Datenträger .......................................56 M 2.45 Regelung des Datenträgeraustausches......................................57 M 2.46 Geeignetes Schlüsselmanagement............................................59 M 2.47 Ernennung eines Fax-Verantwortlichen...................................63 M 2.48 Festlegung berechtigter Fax-Bediener .....................................64 M 2.49 Beschaffung geeigneter Fax-Geräte .........................................65 M 2.50 Geeignete Entsorgung von Fax-Verbrauchsgütern und Ersatzteilen...............................................................................66 M 2.51 Fertigung von Kopien eingehender Fax-Sendungen ................67 M 2.52 Versorgung und Kontrolle der Fax-Verbrauchsgüter...............68 M 2.53 Abschalten des Fax-Gerätes außerhalb der Bürozeiten............69 M 2.54 Beschaffung geeigneter Anrufbeantworter ..............................70 M 2.55 Einsatz eines Sicherungscodes .................................................72 M 2.56 Vermeidung schutzbedürftiger Informationen auf dem Anrufbeantworter .....................................................................73 M 2.57 Regelmäßiges Abhören und Löschen aufgezeichneter Gespräche.................................................................................74 M 2.58 Begrenzung der Sprechdauer ...................................................75 M 2.59 Auswahl eines geeigneten Modems in der Beschaffung ..........76 _____________________________________________________________________ .......................................... ii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M2 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.60 Sichere Administration eines Modems.....................................79 M 2.61 Regelung des Modem-Einsatzes ..............................................80 M 2.62 Software-Abnahme- und Freigabe-Verfahren..........................82 M 2.63 Einrichten der Zugriffsrechte ...................................................85 M 2.64 Kontrolle der Protokolldateien.................................................86 M 2.65 Kontrolle der Wirksamkeit der Benutzer-Trennung am IT-System.................................................................................88 M 2.66 Beachtung des Beitrags der Zertifizierung für die Beschaffung .............................................................................89 M 2.67 Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Peer-toPeer-Netz .................................................................................91 M 2.68 Durchführung von Sicherheitskontrollen durch die Benutzer im Peer-to-Peer-Netz ................................................97 M 2.69 Einrichtung von Standardarbeitsplätzen.................................100 M 2.70 Entwicklung eines Firewall-Konzeptes..................................101 M 2.71 Festlegung einer Sicherheitspolitik für eine Firewall.............105 M 2.72 Anforderungen an eine Firewall.............................................108 M 2.73 Auswahl eines geeigneten Firewall-Typs ..............................109 M 2.74 Geeignete Auswahl eines Paket-Filters..................................113 M 2.75 Geeignete Auswahl eines Application-Gateway ....................115 M 2.76 Auswahl und Implementation geeigneter Filterregeln ...........116 M 2.77 Sichere Anordnung weiterer Komponenten ...........................118 M 2.78 Sicherer Betrieb einer Firewall ..............................................123 M 2.79 Festlegung der Verantwortlichkeiten im Bereich Standardsoftware....................................................................125 M 2.80 Erstellung eines Anforderungskataloges für Standardsoftware....................................................................128 M 2.81 Vorauswahl eines geeigneten Standardsoftwareproduktes ....................................................140 M 2.82 Entwicklung eines Testplans für Standardsoftware ...............144 M 2.83 Testen von Standardsoftware .................................................152 M 2.84 Entscheidung und Entwicklung der Installationsanweisung für Standardsoftware.........................164 M 2.85 Freigabe von Standardsoftware..............................................166 M 2.86 Sicherstellen der Integrität von Standardsoftware..................168 M 2.87 Installation und Konfiguration von Standardsoftware ...........169 _____________________________________________________________________ .......................................... iii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M2 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.88 Lizenzverwaltung und Versionskontrolle von Standardsoftware....................................................................171 M 2.89 Deinstallation von Standardsoftware .....................................172 M 2.90 Überprüfung der Lieferung ....................................................173 M 2.91 Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Windows NT Client-Server-Netz...........................................................175 M 2.92 Durchführung von Sicherheitskontrollen im Windows NT Client-Server-Netz...........................................................180 M 2.93 Planung des Windows NT Netzes..........................................182 M 2.94 Freigabe von Verzeichnissen unter Windows NT..................189 M 2.95 Beschaffung geeigneter Schutzschränke ................................193 M 2.96 Verschluß von Schutzschränken ............................................195 M 2.97 Korrekter Umgang mit Codeschlösser ...................................196 M 2.98 Sichere Installation von Novell Netware Servern ..................197 M 2.99 Sichere Einrichtung von Novell Netware Servern .................200 M 2.100 Sicherer Betrieb von Novell Netware Servern .......................207 M 2.101 Revision von Novell Netware Servern...................................214 M 2.102 Verzicht auf die Aktivierung der Remote Console ................216 M 2.103 Einrichten von Benutzerprofilen unter Windows 95..............217 M 2.104 Systemrichtlinien zur Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Windows 95.............................................219 M 2.105 Beschaffung von TK-Anlagen ...............................................224 M 2.106 Auswahl geeigneter ISDN-Karten in der Beschaffung ..........225 M 2.107 Dokumentation der ISDN-Karten-Konfiguration...................226 M 2.108 Verzicht auf Fernwartung der ISDNNetzkoppelelemente...............................................................227 M 2.109 Rechtevergabe für den Fernzugriff ........................................228 M 2.110 Datenschutzaspekte bei der Protokollierung ..........................229 M 2.111 Bereithalten von Handbüchern...............................................233 M 2.112 Regelung des Akten- und Datenträgertransports zwischen häuslichem Arbeitsplatz und Institution .................234 M 2.113 Regelungen für Telearbeit......................................................235 M 2.114 Informationsfluß zwischen Telearbeiter und Institution ........237 M 2.115 Betreuungs- und Wartungskonzept für Telearbeitsplätze ......238 M 2.116 Geregelte Nutzung der Kommunikationsmöglichkeiten ........239 M 2.117 Regelung der Zugriffsmöglichkeiten des Telearbeiters..........241 _____________________________________________________________________ .......................................... iv IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M2 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.118 Festlegung einer Sicherheitspolitik für E Mail-Nutzung........242 M 2.119 Regelung für den Einsatz von E Mail ....................................244 M 2.120 Einrichtung einer Poststelle ...................................................247 M 2.121 Regelmäßiges Löschen von E Mails ......................................248 M 2.122 Einheitliche E Mail-Adressen ................................................249 M 2.123 Auswahl eines Mailproviders.................................................250 M 2.124 Geeignete Auswahl einer Datenbank-Software......................251 M 2.125 Installation und Konfiguration einer Datenbank ....................254 M 2.126 Erstellung eines Datenbanksicherheitskonzeptes ...................257 M 2.127 Inferenzprävention .................................................................260 M 2.128 Zugangskontrolle einer Datenbank ........................................262 M 2.129 Zugriffskontrolle einer Datenbank .........................................263 M 2.130 Gewährleistung der Datenbankintegrität................................266 M 2.131 Aufteilung von Administrationstätigkeiten bei Datenbanksystemen ...............................................................268 M 2.132 Regelung für die Einrichtung von Datenbankbenutzern/ -benutzergruppen ...................................................................270 M 2.133 Kontrolle der Protokolldateien eines Datenbanksystems .......272 M 2.134 Richtlinien für Datenbank-Anfragen......................................274 M 2.135 Gesicherte Datenübernahme in eine Datenbank.....................278 M 2.136 Einhaltung von Regelungen bzgl. Arbeitsplatz und Arbeitsumgebung ...................................................................280 M 2.137 Beschaffung eines geeigneten Datensicherungssystems ........281 M 2.138 Strukturierte Datenhaltung .....................................................283 M 2.139 Ist-Aufnahme der aktuellen Netzsituation..............................285 M 2.140 Analyse der aktuellen Netzsituation.......................................287 M 2.141 Entwicklung eines Netzkonzeptes..........................................289 M 2.142 Entwicklung eines Netz-Realisierungsplans ..........................292 M 2.143 Entwicklung eines Netzmanagementkonzeptes .....................294 M 2.144 Geeignete Auswahl eines Netzmanagement-Protokolls.........296 M 2.145 Anforderungen an ein Netzmanagement-Tool .......................300 M 2.146 Sicherer Betrieb eines Netzmanagementsystems ...................302 M 2.147 Sichere Migration von Novell Netware 3.x Servern in Novell Netware 4.x Netze ......................................................304 M 2.148 Sichere Einrichtung von Novell Netware 4.x Netzen ............306 _____________________________________________________________________ .......................................... v IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M2 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.149 Sicherer Betrieb von Novell Netware 4.x Netzen ..................314 M 2.150 Revision von Novell Netware 4.x Netzen ..............................328 M 2.151 Entwurf eines NDS-Konzeptes ..............................................330 M 2.152 Entwurf eines Zeitsynchronisations-Konzeptes .....................334 M 2.153 Dokumentation von Novell Netware 4.x Netzen ...................336 M 2.154 Erstellung eines Computer-Virenschutzkonzepts...................339 M 2.155 Identifikation potentiell von Computer-Viren betroffener IT-Systeme ..........................................................341 M 2.156 Auswahl einer geeigneten Computer-VirenschutzStrategie .................................................................................343 M 2.157 Auswahl eines geeigneten Computer-VirenSuchprogramms .....................................................................348 M 2.158 Meldung von Computer-Virusinfektionen .............................350 M 2.159 Aktualisierung der eingesetzten Computer-VirenSuchprogramme .....................................................................351 M 2.160 Regelungen zum Computer-Virenschutz ...............................352 M 2.161 Entwicklung eines Kryptokonzepts........................................354 M 2.162 Bedarfserhebung für den Einsatz kryptographischer Verfahren und Produkte .........................................................358 M 2.163 Erhebung der Einflußfaktoren für kryptographische Verfahren und Produkte .........................................................362 M 2.164 Auswahl eines geeigneten kryptographischen Verfahrens..............................................................................371 M 2.165 Auswahl eines geeigneten kryptographischen Produktes.......375 M 2.166 Regelung des Einsatzes von Kryptomodulen.........................378 M 2.167 Sicheres Löschen von Datenträgern.......................................380 M 2.168 IT-System-Analyse vor Einführung eines Systemmanagementsystems...................................................383 M 2.169 Entwickeln einer Systemmanagementstrategie ......................385 M 2.170 Anforderungen an ein Systemmanagementsystem.................389 M 2.171 Geeignete Auswahl eines SystemmanagementProduktes ...............................................................................391 M 2.172 Entwicklung eines Konzeptes für die WWW-Nutzung..........396 M 2.173 Festlegung einer WWW-Sicherheitsstrategie ........................397 M 2.174 Sicherer Betrieb eines WWW-Servers...................................399 M 2.175 Aufbau eines WWW-Servers.................................................402 _____________________________________________________________________ .......................................... vi IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M2 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.176 Geeignete Auswahl eines Internet Service Providers.............405 M 2.177 Sicherheit bei Umzügen .........................................................406 M 2.178 Erstellung einer Sicherheitsleitlinie für die Faxnutzung ........410 M 2.179 Regelungen für den Faxserver-Einsatz ..................................412 M 2.180 Einrichten einer Fax-Poststelle ..............................................416 M 2.181 Auswahl eines geeigneten Faxservers....................................418 M 2.182 Regelmäßige Kontrollen der IT-Sicherheitsmaßnahmen .......424 _____________________________________________________________________ .......................................... vii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.1 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.1 Festlegung von Verantwortlichkeiten und Regelungen für den IT-Einsatz Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Leiter Organisation Für die Aufgabenbereiche "IT-Einsatz" und "IT-Sicherheit" müssen sowohl Verantwortlichkeiten als auch Befugnisse festgelegt sein. Für den "IT-Einsatz" ist eine Festlegung der Fachverantwortung und der Betriebsverantwortung vorzunehmen. Der Fachverantwortliche ist zuständig für die Erarbeitung der fachlichen Vorgaben, die es in einem IT-Verfahren umzusetzen gilt. Hingegen umfaßt die Betriebsverantwortung u. a. folgende Aufgaben: - Datenerfassung, - Arbeitsplanung und -vorbereitung, - Datenverarbeitung, - Nachbereitung von Datenausgaben, - Datenträgerverwaltung und - Überwachung des Verfahrensbetriebes. Übergreifende Regelungen zur "IT-Sicherheit" als ein Aspekt des IT-Einsatzes müssen verbindlich festgelegt werden. Es empfiehlt sich, Regelungen über - Datensicherung, - Datenarchivierung, - Datenträgertransport, - Datenübertragung, - Datenträgervernichtung, - Dokumentation von IT-Verfahren, Software, IT-Konfiguration, - Gebrauch von Paßwörtern, - Zutrittsberechtigungen, - Zugangsberechtigungen, - Zugriffsberechtigungen, - Betriebsmittelverwaltung, - Kauf und Leasing von Hardware und Software, - Wartungs- und Reparaturarbeiten, - Software: Abnahme und Freigabe, - Software: Anwendungsentwicklung, - Datenschutz, - Schutz gegen Computer-Viren, _____________________________________________________________________ .......................................... 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.1 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Revision, - Notfallvorsorge und - Vorgehensweise bei der Verletzung der Sicherheitspolitik zu treffen. Hinweise dazu finden sich in den nachfolgenden Maßnahmenbeschreibungen. Diese Regelungen sind den betroffenen Mitarbeitern in geeigneter Weise bekanntzugeben (siehe M 3.2 Verpflichtung der Mitarbeiter auf Einhaltung einschlägiger Gesetze, Vorschriften und Regelungen). Es empfiehlt sich, die Bekanntgabe zu dokumentieren. Darüber hinaus sind sämtliche Regelungen in der aktuellen Form an einer Stelle vorzuhalten und bei berechtigtem Interesse zugänglich zu machen. Die getroffenen Regelungen sind regelmäßig zu aktualisieren, um Mißverständnisse, ungeklärte Zuständigkeiten und Widersprüche zu verhindern. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Regelungen sind in Kraft? - Werden die Regelungen regelmäßig überarbeitet? - Wie werden die Regelungen den Mitarbeitern bekanntgegeben? _____________________________________________________________________ .......................................... 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.2 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.2 Betriebsmittelverwaltung Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Leiter Organisation Betriebsmittel (oder Sachmittel) für den IT-Einsatz sind alle erforderlichen Mittel wie Hardware-Komponenten (Rechner, Tastatur, Drucker usw.), Software (Systemsoftware, Individualprogramme, Standardprogramme u. ä.), Verbrauchsmaterial (Papier, Toner, Druckerpatronen), Datenträger (Magnetbänder, Disketten, Streamertapes, Festplatten, Wechselplatten, CDROMs u. ä.). Die Betriebsmittelverwaltung umfaßt die Abwicklung der Aufgaben: - Beschaffung der Betriebsmittel, - Prüfung vor Einsatz, - Kennzeichnung und - Bestandsführung. Die Beschaffung von Betriebsmitteln ist beim Einsatz von Informationstechnik von besonderer Bedeutung. Mit einem geregelten Beschaffungsverfahren lassen sich insbesondere die Ziele unterstützen, die mit dem Einsatz von Informationstechnik angestrebt werden: Leistungssteigerung, Wirtschaftlichkeit, Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten. Neben reinen Wirtschaftlichkeitsaspekten kann durch ein geregeltes Beschaffungsverfahren - das von zentraler Stelle aus vorgenommen werden kann auch die Neu- und Weiterentwicklung im Bereich der Informationstechnik stärker berücksichtigt werden. Eine zentrale Beschaffung sichert darüber hinaus die Einführung und Einhaltung eines "Hausstandards", der die Schulung der Mitarbeiter und Wartungsaktivitäten vereinfacht. Mit einem geregelten Prüfverfahren vor Einsatz der Betriebsmittel lassen sich unterschiedliche Gefährdungen abwenden. Beispiele sind: - Überprüfung der Vollständigkeit von Lieferungen (z. B. Handbücher), um die Verfügbarkeit aller Lieferteile zu gewährleisten, - Test neuer PC-Software sowie neuer vorformatierter Datenträger mit einem Computer-Viren-Suchprogramm, - Testläufe neuer Software auf speziellen Test-Systemen, - Überprüfung der Kompatibilität neuer Hardware- und Softwarekomponenten mit den vorhandenen. Erst mit Hilfe einer Bestandsführung der eingesetzten Betriebsmittel ist es möglich, den Verbrauch zu ermitteln und Nachbestellungen zu veranlassen. Darüber hinaus ermöglicht die Bestandsführung Vollständigkeitskontrollen, Überprüfung des Einsatzes von nicht genehmigter Software oder die Feststellung der Entwendung von Betriebsmitteln. Hierzu bedarf es einer eindeutigen Kennzeichnung der wesentlichen Betriebsmittel mit eindeutigen Identifi- _____________________________________________________________________ .......................................... 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.2 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... zierungsmerkmalen (z. B. gruppierte fortlaufende Inventarnummern). Zusätzlich sollten die Seriennummern vorhandener Geräte wie Bildschirm, Drucker, Festplatten etc. dokumentiert werden, damit sie nach einem Diebstahl identifiziert werden können. Für die Bestandsführung müssen die Betriebsmittel in Bestandsverzeichnissen aufgelistet werden. Ein solches Bestandsverzeichnis muß Auskunft geben können über: - Identifizierungsmerkmale, - Beschaffungsquellen, Lieferzeiten, - Verbleib der Betriebsmittel, - Lagervorhaltung, - Aushändigungsvorschriften und - Wartungsverträge, Wartungsintervalle. Ergänzende Kontrollfragen: - Ermöglicht die Bestandsführung eine Vollständigkeitskontrolle? - Welche Prüfverfahren vor Einsatz sind eingeführt worden? Welche Ergebnisse wurden erzielt? - Ist der Beschaffungsgang geregelt oder gibt es die Möglichkeit, die Betriebsmittelverwaltung bei Beschaffungvorgängen zu umgehen? - Wie aktuell ist das Bestandsverzeichnis? _____________________________________________________________________ .......................................... 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.3 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.3 Datenträgerverwaltung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Archivverwalter, licher IT-Verfahrensverantwort- Aufgabe der Datenträgerverwaltung als Teil der Betriebsmittelverwaltung ist es, den Zugriff auf Datenträger im erforderlichen Umfang und in angemessener Zeit gewährleisten zu können. Dies erfordert eine geregelte Verwaltung der Datenträger, die eine einheitliche Kennzeichnung sowie eine Führung von Bestandsverzeichnissen erforderlich macht. Weiterhin ist im Rahmen der Datenträgerverwaltung die sachgerechte Behandlung und Aufbewahrung der Datenträger, deren ordnungsgemäßer Einsatz und Transport und schließlich auch noch die Löschung bzw. Vernichtung der Datenträger zu gewährleisten. Bestandsverzeichnisse ermöglichen einen schnellen und zielgerichteten Zugriff auf Datenträger. Bestandsverzeichnisse geben Auskunft über: Aufbewahrungsort, Aufbewahrungsdauer, berechtigte Empfänger. Die äußerliche Kennzeichnung von Datenträgern ermöglicht deren schnelle Identifizierung. Die Kennzeichnung sollte jedoch für Unbefugte keine Rückschlüsse auf den Inhalt erlauben (z. B. die Kennzeichnung eines Magnetbandes mit dem Stichwort "Telefongebühren"), um einen Mißbrauch zu erschweren. Eine festgelegte Struktur von Kennzeichnungsmerkmalen (z. B. Datum, Ablagestruktur, lfd. Nummer) erleichtert die Zuordnung in Bestandsverzeichnissen. Für eine sachgerechte Behandlung von Datenträgern sind die Herstellerangaben, die üblicherweise auf der Verpackung zu finden sind, heranzuziehen. Hinsichtlich der Aufbewahrung von Datenträgern sind einerseits Maßnahmen zur Lagerung (magnetfeld-/staubgeschützt, klimagerecht) und andererseits Maßnahmen zur Verhinderung des unbefugten Zugriffs (geeignete Behältnisse, Schränke, Räume) zu treffen. Der Versand oder Transport von Datenträgern muß in der Weise erfolgen, daß eine Beschädigung der Datenträger möglichst ausgeschlossen werden kann (z. B. Magnetbandversandtasche, luftgepolsterte Umschläge). Die Verpackung des Datenträgers ist an seiner Schutzbedürftigkeit auszurichten (z. B. mittels verschließbaren Transportbehältnissen). Versand- oder Transportarten (z. B. Kuriertransport) müssen ebenso festgelegt werden wie das Nachweisverfahren über den Versand (z. B. Begleitzettel, Versandscheine) und den Eingang beim Empfänger (z. B. Empfangsbestätigung). Der Datenträger darf über die zu versendenden Daten hinaus, keine "Restdaten" enthalten. Dies kann durch physikalisches Löschen erreicht werden. Stehen hierzu keine Werkzeuge zur Verfügung, so sollte der Datenträger zumindest formatiert werden. Dabei sollte sichergestellt werden, daß mit dem zugrundeliegenden Betriebssystem eine Umkehr des Befehls nicht möglich ist. Weiterhin ist zu beachten, daß vor Abgabe wichtiger Datenträger eine Sicherungskopie erstellt wird. Weitere Ausführungen zum Versand und Transport von Datenträgern enthält das Kapitel 7.1 Datenträgeraustausch. _____________________________________________________________________ .......................................... 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.3 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Für die interne Weitergabe von Datenträger können Regelungen getroffen werden wie Quittungsverfahren, Abhol-/Mitnahmeberechtigungen sowie das Führen von Bestandsverzeichnissen über den Verbleib der Datenträger. Für den Fall, daß von Dritten erhaltene Datenträger eingesetzt werden, sind Regelungen über deren Behandlung vor dem Einsatz zu treffen. Werden zum Beispiel Daten für PCs übermittelt, sollte generell ein Computer-Viren-Check des Datenträgers erfolgen. Dies gilt entsprechend auch vor dem erstmaligen Einsatz neuer Datenträger. Es ist empfehlenswert, nicht nur beim Empfang, sondern auch vor dem Versenden von Datenträgern diese auf Computer-Viren zu überprüfen. Eine geregelte Vorgehensweise für die Löschung oder Vernichtung von Datenträgern verhindert den Mißbrauch der gespeicherten Daten. Vor der Wiederverwendung von Datenträgern muß die Löschung der gespeicherten Daten vorgenommen werden; siehe hierzu: M 2.167 Sicheres Löschen von Datenträgern. Ergänzende Kontrollfragen: - Liegt ein (tages-)aktuelles Bestandsverzeichnis vor? - Prüft der Archivverwalter die Berechtigung einer Datenträgeranforderung? - Werden Vollständigkeitskontrollen des Datenträgerbestandes vorgenommen? _____________________________________________________________________ .......................................... 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.4 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.4 Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Administrator, IT-Benutzer Als vorbeugende Maßnahme, um IT vor Störungen zu bewahren, ist die ordnungsgemäße Durchführung von Wartungsarbeiten von besonderer Bedeutung. Die rechtzeitige Einleitung von Wartungsarbeiten und die Überprüfung ihrer Durchführung sollte von einer zentralen Stelle aus wahrgenommen werden (z. B. Beschaffungsstelle). Dabei sollten die Wartungsarbeiten von vertrauenswürdigen Personen oder Firmen durchgeführt werden. Wartungs- und Reparaturarbeiten im Hause Für Wartungs- und Reparaturarbeiten, insbesondere wenn sie durch Externe durchgeführt werden, sind Regelungen über deren Beaufsichtigung zu treffen: während der Arbeiten sollte eine fachkundige Kraft die Arbeiten soweit beaufsichtigen, daß sie beurteilen kann, ob während der Arbeit nichtautorisierte Handlungen vollzogen werden. Weiterhin ist zu überprüfen, ob der Wartungsauftrag ausgeführt wurde. Als Maßnahmen vor und nach Wartungs- und Reparaturarbeiten sind einzuplanen: - Ankündigung der Maßnahme gegenüber den betroffenen Mitarbeitern. - Wartungstechniker müssen sich auf Verlangen ausweisen. - Der Zugriff auf Daten durch den Wartungstechniker ist soweit wie möglich zu vermeiden. Falls erforderlich, sind Speichermedien vorher auszubauen oder zu löschen (nach einer kompletten Datensicherung), insbesondere wenn die Arbeiten extern durchgeführt werden müssen. Falls das Löschen nicht möglich ist (z. B. aufgrund eines Defektes), sind die Arbeiten auch extern zu beobachten bzw. es sind besondere vertragliche Vereinbarungen zu treffen. - Die dem Wartungstechniker eingeräumten Zutritts-, Zugangs- und Zugriffsrechte sind auf das notwendige Minimum zu beschränken und nach den Arbeiten zu widerrufen bzw. zu löschen. - Nach der Durchführung von Wartungs- oder Reparaturarbeiten sind - je nach "Eindringtiefe" des Wartungspersonals - Paßwortänderungen erforderlich. Im PC-Bereich sollte ein Computer-Viren-Check durchgeführt werden. - Die durchgeführten Wartungsarbeiten sind zu dokumentieren (Umfang, Ergebnisse, Zeitpunkt, evtl. Name des Wartungstechnikers). Externe Wartungs- und Reparaturarbeiten Werden IT-Systeme zur Wartung oder Reparatur außer Haus gegeben, sind alle sensitiven Daten, die sich auf Datenträgern befinden, vorher physikalisch zu löschen. Ist dies nicht möglich, weil aufgrund eines Defekts nicht mehr auf die Datenträger zugegriffen werden kann, sind die mit der Reparatur beauftragten Unternehmen auf die Einhaltung der erforderlichen IT-Sicherheits- _____________________________________________________________________ .......................................... 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.4 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... maßnahmen zu verpflichten. Entsprechend M 3.2 Verpflichtung der Mitarbeiter auf Einhaltung einschlägiger Gesetze, Vorschriften und Regelungen sind mit diesen vertragliche Regelungen über die Geheimhaltung von Daten zu treffen. Insbesondere ist festzulegen, daß Daten, die im Rahmen der Wartung extern gespeichert wurden, nach Abschluß der Arbeiten sorgfältig gelöscht werden. Ebenso sind die Pflichten und Kompetenzen des externen Wartungspersonals sorgfältig festzulegen. Die Durchführung externer Wartungsarbeiten muß protokolliert werden, welche IT-Systeme oder Komponenten wann an wen zur Reparatur gegeben wurden, wer dies veranlaßt hat, zu welchem Zeitpunkt die Reparatur abgeschlossen sein sollte und wann das Gerät wieder zurückgebracht wurde. Um dies nachhalten zu können, ist eine Kennzeichnung der IT-Systeme oder Komponenten erforderlich, aus der zum einem hervorgeht, welcher Organisation diese gehören, und zum anderen eine eindeutige Zuordnung innerhalb der Organisation möglich ist. Bei Versand oder Transport der zu reparierenden IT-Komponenten sollte darauf geachtet werden, daß Beschädigungen und Diebstahl vorgebeugt wird. Befinden sich auf den IT-Systemen noch sensitive Informationen, müssen sie entsprechend geschützt transportiert werden, also z. B. in verschlossenen Behältnissen oder durch Kuriere. Weiterhin müssen Nachweise über den Versand (Begleitzettel, Versandscheine) und den Eingang beim Empfänger (Empfangsbestätigung) geführt und archiviert werden. Bei IT-Systemen, die durch Paßwörter geschützt sind, müssen je nach Umfang der Reparaturarbeiten und der Art der Paßwortabsicherung, alle oder einige Paßwörter entweder bekanntgegeben oder auf festgelegte Einstellungen wie "REPARATUR" gesetzt werden, damit die Wartungstechniker auf die Geräte zugreifen können. Nach der Rückgabe der IT-Systeme oder Komponenten sind diese auf Vollständigkeit zu überprüfen. Alle Paßwörter sind zu ändern. PC-Datenträger sind nach der Rückgabe mittels eines aktuellen Viren-Suchprogramms auf Computer-Viren zu überprüfen. Alle Dateien oder Programme, die sich auf dem reparierten Gerät befinden, sind auf Integrität zu überprüfen. Fernwartung Regelungen für die Fernwartung können der Maßnahme M 5.33 Absicherung der per Modem durchgeführten Fernwartung entnommen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Mitarbeiter zur Wahrnehmung der Aufsicht angehalten? - Werden Nachweise über durchgeführte Wartungsarbeiten geführt? - Liegt ein Fristenplan für Wartungsarbeiten vor? _____________________________________________________________________ .......................................... 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.5 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.5 Aufgabenverteilung und Funktionstrennung Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Leiter Organisation, IT-Sicherheitsmanagement Die von der Behörde bzw. dem Unternehmen im Zusammenhang mit dem ITEinsatz wahrzunehmenden Funktionen sind festzulegen. Zu unterscheiden sind hier zwei Ebenen: - Die erste Ebene besteht aus den Funktionen, die den IT-Einsatz ermöglichen oder unterstützen wie Arbeitsvorbereitung, Datennachbereitung, Operating, Programmierung, Netzadministration, Rechteverwaltung, Revision. - Die zweite Ebene besteht aus den Funktionen, die die zur Aufgabenerfüllung bereitstehenden IT-Verfahren anwenden. Beispiele solcher Funktionen sind: Fachverantwortlicher, IT-Anwendungsbetreuer, Datenerfasser, Sachbearbeiter, Zahlungsanordnungsbefugter. Im nächsten Schritt ist die Funktionstrennung festzulegen und zu begründen, d. h. welche Funktionen nicht miteinander vereinbar sind, also auch nicht von einer Person gleichzeitig wahrgenommen werden dürfen. Vorgaben hierfür können aus den Aufgaben selbst oder aus gesetzlichen Bestimmungen resultieren. Beispiele dafür sind: - Rechteverwaltung und Revision, - Netzadministration und Revision, - Programmierung und Test bei eigenerstellter Software, - Datenerfassung und Zahlungsanordnungsbefugnis, - Revision und Zahlungsanordnungsbefugnis. Insbesondere wird deutlich, daß meistens operative Funktionen nicht mit kontrollierenden Funktionen vereinbar sind. Nach der Festlegung der einzuhaltenden Funktionstrennung kann die Zuordnung der Funktionen zu Personen erfolgen. Die hier getroffenen Festlegungen sind zu dokumentieren und bei Veränderungen im IT-Einsatz zu aktualisieren. Sollte bei dieser Zuordnung eine Person miteinander unvereinbare Funktionen wahrnehmen müssen, so ist dies in einer entsprechenden Dokumentation über die Funktionsverteilung besonders hervorzuheben. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Aufzählung der relevanten Funktionen umfassend? - Sind die definierten Funktionstrennungen vollständig? - Wird die Funktionstrennung personell aufrechterhalten? - Wird die Zuordnung Personen/Funktionen aktualisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.6 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.6 Vergabe von Zutrittsberechtigungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter Organisation, Leiter Haustechnik Vor der Vergabe von Zutrittsberechtigungen für Personen sind die schutzbedürftigen Räume eines Gebäudes zu bestimmen, z. B. Büro, Datenträgerarchiv, Serverraum, Operating-Raum, Maschinensaal, Belegarchiv, Rechenzentrum. Der Schutzbedarf eines Raumes ist festzustellen anhand der im Raum befindlichen Informationstechnik sowie am Schutzbedarf der eingesetzten IT-Anwendungen und ihrer Informationen. Anschließend ist festzulegen, welche Person zur Ausübung der wahrgenommenen Funktion welches Zutrittsrecht benötigt. Dabei ist die vorher erarbeitete Funktionstrennung (M 2.5 Aufgabenverteilung und Funktionstrennung) zu beachten. Unnötige Zutrittsrechte sind zu vermeiden. Um die Zahl zutrittsberechtigter Personen zu einem Raum möglichst gering zu halten, sollte auch beim IT-Einsatz der Grundsatz der Funktionstrennung berücksichtigt werden. So verhindert z. B. eine getrennte Lagerung von ITErsatzteilen und Datenträgern den unerlaubten Zugriff eines Wartungstechnikers auf die Datenträger. Die Vergabe und Rücknahme von Zutrittsberechtigungen ist zu dokumentieren. Bei der Rücknahme einer Zutrittsberechtigung muß die Rücknahme des Zutrittsmittels gewährleistet sein. Zusätzlich ist zu dokumentieren, welche Konflikte bei der Vergabe der Zutrittsberechtigungen an Personen aufgetreten sind. Gründe für Konflikte können vorliegen, weil Personen Funktionen wahrnehmen, die bezüglich der Zutrittsberechtigungen der Funktionstrennung entgegenstehen, oder aufgrund räumlicher Notwendigkeiten. Zur Überwachung der Zutrittsberechtigung können Personen (Pförtner, Schließdienst) oder technische Einrichtungen (Ausweisleser, Schloß) eingesetzt werden (vgl. M 2.14 Schlüsselverwaltung). Der Zutritt zu schutzbedürftigen Räumen von nicht autorisiertem Personal (z. B. Besuchern) darf nur bei Anwesenheit oder in Begleitung Zutrittsberechtigter erfolgen. Regelungen über die Vergabe und Rücknahme von Zutrittsberechtigungen für Fremdpersonal und Besucher müssen ebenfalls getroffen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Liegt eine Dokumentation vor, die den Schutzbedarf von IT-Räumen ausweist? - Wird die Dokumentation schutzbedürftiger Räume und zutrittsberechtigter Personen aktualisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.7 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.7 Vergabe von Zugangsberechtigungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Fachverantwortliche Zugangsberechtigungen erlauben der betroffenen Person, bestimmte ITSysteme bzw. System-Komponenten und Netze zu nutzen. Dies ist für jede nutzungsberechtigte Person aufgrund ihrer Funktion, unter Beachtung der Funktionstrennung (vgl. M 2.5 Aufgabenverteilung und Funktionstrennung), im einzelnen festzulegen. Entsprechend der Funktion ist der Zugang zum Rechner zu definieren, z. B. Zugang zum Betriebssystem (Systemverwalter) oder Zugang zu einer IT-Anwendung (Anwender). Ergänzend hierzu muß sichergestellt sein, daß personelle und aufgabenbezogene Änderungen unverzüglich berücksichtigt werden. Der Zugang soll - sofern DV-technisch möglich - erst nach einer Identifikation (z. B. durch Name, User-ID oder Chipkarte) und Authentisierung (z. B. durch ein Paßwort) des Nutzungsberechtigten möglich sein und protokolliert werden. Die Ausgabe bzw. der Einzug von Zugangsmitteln wie Benutzerkennungen oder Chipkarten ist zu dokumentieren. Regelungen über die Handhabung von Zugangs- und Authentifikationsmitteln (z. B. Umgang mit Chipkarten, Paßworthandhabung, vgl. M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs) müssen ebenfalls getroffen werden. Die vorübergehende Sperrung einer Zugangsberechtigung sollte bei längerwährender Abwesenheit der berechtigten Person vorgenommen werden, um Mißbräuche zu verhindern. Es ist notwendig, die vorgenannten Festlegungen auf ihre korrekte Einhaltung sporadisch zu kontrollieren. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Vergabe sowie der Einzug von Zugangsberechtigungen und Zugangsmitteln dokumentiert? - Wird bei der Vergabe von Zugangsberechtigungen die Funktionstrennung eingehalten? - Werden die Benutzer zum korrekten Umgang mit Zugangsmitteln geschult? - Falls die Nutzung von Zugangsmitteln protokolliert wird, werden diese Protokolle auch ausgewertet? _____________________________________________________________________ .......................................... 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.8 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.8 Vergabe von Zugriffsrechten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Fachverantwortliche Über Zugriffsrechte wird geregelt, welche Person im Rahmen ihrer Funktion bevollmächtigt wird, IT-Anwendungen oder Daten zu nutzen. Die Zugriffsrechte (z. B. Lesen, Schreiben, Ausführen) auf IT-Anwendungen, Teilanwendungen oder Daten sind von der Funktion abhängig, die die Person wahrnimmt, z. B. Anwenderbetreuer, Arbeitsvorbereiter, Systemprogrammierer, Anwendungsentwickler, Systemadministrator, Revisor, Datenerfasser, Sachbearbeiter. Dabei sollten immer nur so viele Zugriffsrechte vergeben werden, wie es für die Aufgabenwahrnehmung notwendig ist ("Need-to-knowPrinzip"). Umgesetzt werden müssen die Zugriffsrechte durch die Rechteverwaltung des IT-Systems. Eine Vielzahl von IT-Systemen lassen es zu, daß verschiedene Rechte als Gruppenrechte bzw. als Rechte-Profil definiert werden (z. B. Gruppe Datenerfasser). Diese Definition entspricht der technischen Umsetzung der Rechte, die einer Funktion zugeordnet werden. Für die Administration der Rechte eines IT-Systems ist es vorteilhaft, solche Gruppen oder Profile zu erstellen, da damit die Rechtezuteilung und deren Aktualisierung erheblich vereinfacht werden kann. Die Festlegung und Veränderung von Zugriffsrechten ist vom jeweils Verantwortlichen zu veranlassen und zu dokumentieren. Aus der Dokumentation muß hervorgehen: - welche Funktion unter Beachtung der Funktionstrennung (vgl. M 2.5 Aufgabenverteilung und Funktionstrennung) mit welchen Zugriffsrechten ausgestattet wird, - welche Gruppen bzw. Profile eingerichtet werden, - welche Person welche Funktion wahrnimmt, - welche Zugriffsrechte eine Person erhält und - welche Konflikte bei der Vergabe von Zugriffsrechten aufgetreten sind. Diese Konflikte können z. B. daraus resultieren, daß eine Person unvereinbare Funktionen wahrnimmt oder daraus, daß abhängig vom IT-System die Trennung bestimmter Zugriffsrechte nicht vorgenommen werden kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Liegt eine aktuelle Dokumentation der vergebenen Zugriffsrechte vor? - Werden beantragte Zugriffsrechte oder Änderungen erteilter Zugriffsrechte von den Verantwortlichen bestätigt und geprüft? - Existiert ein geregeltes Verfahren für den Entzug von Zugriffsrechten vor? Die Vorgehensweise bei der Funktionstrennung und der Rechtevergabe wird am nachfolgenden Beispiel erläutert. Die betrachtete IT-Anwendung sei ein Reisekosten-Abrechnungssystem. Die relevanten Räume sind in nachfolgender Graphik erläutert. Das IT-System _____________________________________________________________________ .......................................... 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.8 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... besteht aus einem LAN, an dem neben der Bedienkonsole drei PCs als Arbeitsplatzrechner angeschlossen sind. Schritt 1: Aufgabenverteilung und Funktionstrennung Folgende Funktionen sind für das betrachtete Reisekosten-Abrechnungssystem notwendig: 1. LAN-Administration 2. Revision 3. Datenerfassung 4. Sachbearbeitung mit Feststellung der rechnerischen Richtigkeit 5. Sachbearbeitung mit Feststellung der sachlichen Richtigkeit 6. Sachbearbeitung mit Anordnungsbefugnis Folgende Funktionen sind aufgrund der Sachzwänge nicht miteinander vereinbar: - Funktion 1 und Funktion 2 (die Administration darf sich nicht selbst kontrollieren) - Funktion 2 und Funktion 6 (der Anordnungsbefugte darf sich nicht selbst kontrollieren) - die Kombination der Funktionen 4 oder 5 mit 6 (das Vier-Augen-Prinzip wäre verletzt für Zahlungsanweisungen) Diese Funktionen werden durch folgende Personen wahrgenommen: _____________________________________________________________________ .......................................... 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.8 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Hr. Mayer 1. LAN-Administration Fr. Schmidt Hr. Müller Fr. Fleiß X 2. Revision X 3. Datenerfassung X 4. Sachbearbeitung rechn. X 5. Sachbearbeitung sachl. X 6. Anordnungsbefugnis X Schritt 2: Vergabe von Zutrittsrechten Nachfolgend wird der Schutzbedarf der einzelnen Räume begründet und in der Tabelle die Vergabe der Zutrittsrechte dokumentiert: - Serverraum: der unbefugte Zutritt zum Server muß verhindert werden, weil die Verfügbarkeit Integrität und Vertraulichkeit der gesamten Anwendung von dieser zentralen Komponente abhängig ist - Belegarchiv: für die Rechnungslegung bedarf es der Aufbewahrung der Reisekostenabrechnungen. Es ist sicherzustellen, daß die Belege vollständig und unverändert aufbewahrt werden - Büro 1: in diesem Büro erfolgt die Dateneingabe in Verbindung mit der Feststellung der rechnerischen Richtigkeit und die Feststellung der sachlichen Richtigkeit. Für die Gewährleistung der Korrektheit dieser Vorgänge muß verhindert werden, daß Unbefugte Zutritt zu den Arbeitsplatzrechnern erhalten. - Büro 2: hier erfolgt die Anordnungsbefugnis für die Auszahlung der Reisekosten am APC. Dieser Vorgang darf nur von einer befugten Person vorgenommen werden. Unbefugten ist der Zutritt zu verwehren. _____________________________________________________________________ .......................................... 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.8 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Serverraum 1. LAN-Administration X 2. Revision X Belegarchiv Büro 1 Büro 2 X X X 3. Datenerfassung X 4. Sachbearbeitung rechn. X X 5. Sachbearbeitung sachl. X X 6. Anordnungsbefugnis X X X Schritt 3: Vergabe von Zugangsberechtigungen Aufgrund der Funktionen ergeben sich folgende Zugangsberechtigungen: Betriebssystem Server 1. LAN-Administration X 2. Revision X 3. Datenerfassung Anwendung Protokollauswertung Anwendung Datenerfassung X Anwendung Belegbearbeitung X X 4. Sachbearbeitung rechn. X 5. Sachbearbeitung sachl. X 6. Anordnungsbefugnis X _____________________________________________________________________ .......................................... 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.8 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Schritt 4: Vergabe von Zugriffsrechten Im folgenden werden die Zugriffsrechte, die eine Funktion zur Ausübung benötigt, dargestellt. Es bezeichnen: A = Recht zur Ausführung der Anwendung/Software L = Leserecht auf Daten S = Schreibrecht, d. h. Erzeugen von Daten M = Recht zum Modifizieren von Daten Ö = Recht zum Löschen von Daten U = Recht zum Unterschreiben von Zahlungsanweisungen Betriebssystem Server Protokollauswertung Anwendung Datenerfassung Anwendung Belegbearbeitung 1. LAN-Administration A,L,S,M,Ö 2. Revision A,L 3. Datenerfassung A,L,Ö A,L A,S 4. Sachbearbeitung rechn. A,L,M 5. Sachbearbeitung sachl. A,L,M 6. Anordnungsbefugnis A,L,U Eine solche Dokumentation erleichtert die Rechteverteilung. Angenommen, daß Frau Schmidt den Arbeitgeber wechseln würde und ihre Stelle neu besetzt werden müßte, so läßt sich anhand der obigen Tabellen einfach feststellen, welche der ehemaligen Rechte Frau Schmidts zu löschen und für die neue Kraft einzurichten sind. Wenn die neue Kraft zusätzlich vertretungsweise die Funktion Sachbearbeitung mit Anordnungsbefugnis übernehmen soll, so wird anhand der durchzuführenden Rechteverteilung der Konflikt offenbar, daß die neue Kraft im Vertretungsfall Manipulationen unbemerkt durchführen könnte. _____________________________________________________________________ .......................................... 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.9 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.9 Nutzungsverbot nicht freigegebener Software Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Es muß geregelt sein, wie Software abgenommen, freigegeben, eingespielt bzw. benutzt werden darf (vgl. M 2.62 Software-Abnahme und -FreigabeVerfahren bzw. Kapitel 9.1 Standardsoftware). Das Einspielen bzw. Benutzen nicht freigegebener Software muß verboten und außerdem durch technische Möglichkeiten soweit möglich verhindert werden. Beispielsweise kann dies unter Windows 95 durch Einschränkung der Benutzerumgebung (vgl. M 2.104 Systemrichtlinien zur Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Windows 95) erreicht werden. Damit soll verhindert werden, daß Programme mit unerwünschten Auswirkungen eingebracht werden. Zusätzlich soll verhindert werden, daß das System über den festgelegten Funktionsumfang hinaus unkontrolliert genutzt wird. Falls erforderlich, kann dieses Nutzungsverbot auch auf die Nutzung privater Hardware (Disketten, Wechselplatte, PC, Laptop) und privater Daten ausgedehnt werden. Ausnahmeregelungen sollten einen Erlaubnisvorbehalt vorsehen. Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es ein Genehmigungs- und Registrierverfahren für Software? - Ist das Nutzungsverbot nicht freigegebener Software schriftlich fixiert? - Sind alle Mitarbeiter über das Nutzungsverbot unterrichtet? - Wird in regelmäßigen Abständen an das Nutzungsverbot erinnert? - Welche Möglichkeiten bestehen, unautorisiert Software einzuspielen oder zu nutzen? - Welche Möglichkeiten bestehen an den einzelnen Rechnern, Software selbständig zu entwickeln? - Gibt es Regelungen über die Programmierung und die Weitergabe von Makros aus leistungsfähigen Standardprodukten wie z. B. Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Datenbanken? - Existieren Listen mit den freigegebenen Versionen ausführbarer Dateien, die insbesondere Erstellungsdatum und Dateigröße beinhalten? - Wird regelmäßig überprüft, ob die freigegebenen Versionen ausführbarer Dateien verändert wurden? - Besteht die Möglichkeit, das Einspielen von Software technisch zu verhindern? _____________________________________________________________________ .......................................... 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.10 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.10 Überprüfung des Software-Bestandes Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, Vorgesetzte Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Um Verstöße gegen das Verbot der Nutzung nicht freigegebener Software feststellen zu können, ist eine regelmäßige Überprüfung des SoftwareBestandes notwendig. Ist die Zahl der IT-Systeme sehr groß, kann eine stichprobenartige Überprüfung durchgeführt werden. Die Ergebnisse der Überprüfung sind zu dokumentieren, um auch Wiederholungsfälle feststellen zu können. Sollte bei der Überprüfung nicht freigegebene Software gefunden werden, so ist die Entfernung zu veranlassen. Um diese Überprüfung durchführen zu können, muß der überprüfenden Instanz die entsprechende Befugnis durch die Unternehmens- bzw. Behördenleitung verliehen werden. Zusätzlich muß der prüfenden Instanz bekannt sein, welche Software auf welchem IT-System freigegeben ist (Software-Bestandsverzeichnis). Ergänzende Kontrollfragen: - In welchem Turnus sind Überprüfungen sinnvoll? - Sind Fälle aufgetreten, daß unautorisierte Software genutzt wurde? - Wie wird verfahren, wenn ein Verstoß festgestellt wird? _____________________________________________________________________ .......................................... 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.11 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, IT-Benutzer Werden in einem IT-System Paßwörter zur Authentisierung gebraucht, so ist die Sicherheit der Zugangs- und Zugriffsrechteverwaltung des Systems entscheidend davon abhängig, daß das Paßwort korrekt gebraucht wird. Dafür ist es empfehlenswert, eine Regelung zum Paßwortgebrauch einzuführen und den IT-Benutzer diesbezüglich zu unterweisen. Folgende Regeln zum Paßwortgebrauch sollten beachtet werden: - Das Paßwort darf nicht leicht zu erraten sein wie Namen, Kfz-Kennzeichen, Geburtsdatum. - Innerhalb des Paßwortes sollte mindestens ein Zeichen verwendet werden, das kein Buchstabe ist (Sonderzeichen oder Zahl). - Das Paßwort sollte mindestens 6 Zeichen lang sein. Es muß getestet werden, wieviele Stellen des Paßwortes vom Rechner überprüft werden. - Voreingestellte Paßwörter (z. B. des Herstellers bei Auslieferung von Systemen) müssen durch individuelle Paßwörter ersetzt werden. - Paßwörter dürfen nicht auf programmierbaren Funktionstasten gespeichert werden. - Das Paßwort muß geheimgehalten werden und sollte nur dem Benutzer persönlich bekannt sein. - Das Paßwort sollte nur für die Hinterlegung schriftlich fixiert werden, wobei es dann in einem verschlossenen Umschlag sicher aufbewahrt wird. Wird es darüber hinaus aufgeschrieben, ist das Paßwort zumindest so sicher wie eine Scheckkarte oder ein Geldschein aufzubewahren (vgl. M 2.22 Hinterlegen des Paßwortes). - Das Paßwort muß regelmäßig gewechselt werden, z. B. alle 90 Tage. - Ein Paßwortwechsel ist durchzuführen, wenn das Paßwort unautorisierten Personen bekannt geworden ist. - Alte Paßwörter sollten nach einem Paßwortwechsel nicht mehr gebraucht werden. - Die Eingabe des Paßwortes sollte unbeobachtet stattfinden. Falls IT-technisch möglich, sollten folgende Randbedingungen eingehalten werden: - Die Wahl von Trivialpaßwörtern ("BBBBBB", "123456") sollte verhindert werden. - Jeder Benutzer muß sein eigenes Paßwort jederzeit ändern können. - Für die Erstanmeldung neuer Benutzer sollten Einmalpaßwörter vergeben werden, also Paßwörter, die nach einmaligem Gebrauch gewechselt werden müssen. In Netzen, in denen Paßwörter unverschlüsselt übertragen werden, _____________________________________________________________________ .......................................... 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.11 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... empfiehlt sich die dauerhafte Verwendung von Einmalpaßwörtern (vgl. M 5.34 Einsatz von Einmalpaßwörtern). - Nach dreifacher fehlerhafter Paßworteingabe sollte eine Sperrung erfolgen, die nur vom Systemadministrator aufgehoben werden kann. - Bei der Authentisierung in vernetzten Systemen sollten Paßwörter nicht unverschlüsselt übertragen werden. - Bei der Eingabe sollte das Paßwort nicht auf dem Bildschirm angezeigt werden. - Die Paßwörter sollten im System zugriffssicher gespeichert werden, z. B. mittels Einwegverschlüsselung. - Der Paßwortwechsel sollte vom System regelmäßig initiiert werden. - Die Wiederholung alter Paßwörter beim Paßwortwechsel sollte vom ITSystem verhindert werden (Paßwort-Historie). Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Benutzer über den korrekten Umgang mit Paßwörtern unterrichtet worden? - Wird die Paßwort-Güte kontrolliert? - Wird der Paßwort-Wechsel erzwungen? - Ist jeder Benutzer im Netz mit einem Paßwort ausgestattet? _____________________________________________________________________ .......................................... 20 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.12 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.12 Betreuung und Beratung von IT-Benutzern Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Der Einsatz von IT-Systemen erfordert eine umfassende Schulung der ITBenutzer. Neben der Schulung, die die IT-Benutzer in die Lage versetzt, die eingesetzte Informationstechnik sachgerecht einzusetzen, bedarf es einer Betreuung und Beratung der IT-Benutzer für die im laufenden Betrieb auftretenden Probleme. Diese Probleme können aus Hardware-Defekten oder fehlerhafter Software-Installation resultieren, aber auch aus Bedienungsfehlern. In größeren Behörden bzw. Unternehmen kann es daher sinnvoll sein, eine zentrale Stelle mit der Betreuung der IT-Benutzer zu beauftragen und diese allen Mitarbeitern bekanntzugeben. Diese Notwendigkeit kann sich insbesondere bei einer hohen Zahl dezentraler Systeme wie PCs als praktikabel erweisen. Ergänzende Kontrollfragen: - An wen wendet sich ein IT-Benutzer in Problemfällen? _____________________________________________________________________ .......................................... 21 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.13 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.13 Ordnungsgemäße Entsorgung von schützenswerten Betriebsmitteln Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter Haustechnik, Mitarbeiter Betriebsmittel oder Sachmittel, die schützenswerte Daten enthalten (Druckerpapier, Disketten, Streamertapes, Magnetbänder, Festplatten, aber auch spezielle Tonerkassetten, Kohlepapier oder Carbonbänder) und nicht mehr gebraucht werden oder aufgrund eines Defektes ausgesondert werden sollen, sind so zu entsorgen, daß keine Rückschlüsse auf vorher gespeicherte Daten möglich sind. Bei funktionstüchtigen Datenträgern sollten die Daten physikalisch gelöschen werden. Nicht funktionierende oder nur einmal beschreibbare Datenträger wie CD-ROMs müssen mechanisch zerstört werden (siehe M 2.167 Sicheres Löschen von Datenträgern). Die Art der Entsorgung schutzbedürftigen Materials sollte in einer speziellen Anordnung geregelt werden, entsprechende Entsorgungseinrichtungen sind vorzuhalten (siehe auch DIN 32757). Wird schutzbedürftiges Material vor der Entsorgung gesammelt, so ist die Sammlung verschlossen zu halten und vor unberechtigtem Zugriff zu schützen. Soweit im Unternehmen bzw. in der Behörde keine umweltgerechte und sichere Entsorgung durchgeführt werden kann, sind damit beauftragte Unternehmen auf die Einhaltung erforderlicher IT-Sicherheitsmaßnahmen zu verpflichten. Ein Mustervertrag ist als Hilfsmittel diesem Handbuch beigefügt. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden in der genannten Regelung alle schutzbedürftigen Materialien behandelt? - Ist der Entsorgungsvorgang verläßlich? - Werden die genannten Entsorgungsbestimmungen eingehalten? _____________________________________________________________________ .......................................... 22 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.14 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.14 Schlüsselverwaltung Verantwortlich für Initiierung: Leiter Organisation, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter Haustechnik Für alle Schlüssel des Gebäudes (von Etagen, Fluren und Räumen) ist ein Schließplan zu fertigen. Die Herstellung, Aufbewahrung, Verwaltung und Ausgabe von Schlüsseln ist zentral zu regeln. Reserveschlüssel sind vorzuhalten und gesichert aufzubewahren. Das gleiche gilt auch für alle Identifikationsmittel wie Magnetstreifen- oder Chipkarten. Zu beachten bleibt: - Ist eine Schließanlage vorhanden, sind für schutzbedürftige Bereiche eigene Schließgruppen zu bilden, ggf. einzelne Räume aus der Schließgruppe herauszunehmen und mit Einzelschließung zu versehen. - Nicht ausgegebene Schlüssel und die Reserveschlüssel sind gegen unbefugten Zugriff geschützt aufzubewahren. - Die Ausgabe der Schlüssel erfolgt gegen Quittung und ist zu dokumentieren. - Es sind Vorkehrungen zu treffen, wie bei Verlust einzelner Schlüssel zu reagieren ist (Meldung, Ersatz, Kostenerstattung, Austausch des Schlosses, Austausch von Schließgruppen etc.). - Bei Zuständigkeitsänderungen von Mitarbeitern sind deren Schließberechtigungen zu prüfen, Schlüssel ggf. einzuziehen. - Beim Ausscheiden von Mitarbeitern sind alle Schlüssel einzuziehen (Aufnahme der Schlüsselverwaltung in den Laufzettel). - Schlösser und Schlüssel zu besonders schutzbedürftigen Bereichen (zu denen nur sehr wenige Schlüssel ausgegeben werden sollten) können bei Bedarf getauscht werden, um so illegal nachgefertigten Schlüsseln die Funktion zu nehmen. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Regelungen gibt es zur Schlüsselverwaltung? - Werden diese Regelungen von den Mitarbeitern angenommen? _____________________________________________________________________ .......................................... 23 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.15 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.15 Brandschutzbegehungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Brandschutzbeauftragter Bei der Errichtung und der Nutzung von Gebäuden sind Brandschutzvorschriften zu beachten. Diese werden durch DIN- und VDE-Vorschriften festgeschrieben und durch Auflagen der örtlichen Feuerwehr ergänzt (siehe auch M 1.6 Einhaltung von Brandschutzvorschriften und Auflagen der örtlichen Feuerwehr). Die Erfahrungen zeigen, daß nach Nutzungsbeginn im täglichen Betrieb diese Regelungen immer nachlässiger gehandhabt werden - bis hin zur völligen Ignoranz. Einige Beispiele: - Fluchtwege werden blockiert, z. B. durch Möbel und Papiervorräte. - Brandabschnittstüren werden durch Keile offen gehalten. - Zulässige Brandlasten werden durch anwachsende Kabelmengen oder geänderte Nutzungen überschritten. - Brandabschottungen werden bei Arbeiten beschädigt und nicht ordnungsgemäß wiederhergerichtet. Brandschutzbegehungen sollten ein- bis zweimal im Jahr angekündigt oder unangekündigt erfolgen. Da die Handlungsweise der Mitarbeiter in der Regel nicht vom böswilligen Vorsatz, sondern von der betrieblichen Notwendigkeit oder Bequemlichkeit bestimmt wird, kann es nicht Sinn einer Brandschutzbegehung sein, Täter zu finden und zu bestrafen. Vielmehr sollten die vorgefundenen Mißstände dazu Anlaß geben, die Zustände sofort und ggf. deren Ursachen unverzüglich zu beheben. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Brandschutzbegehungen regelmäßig durchgeführt und festgestellte Mängel behoben? _____________________________________________________________________ .......................................... 24 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.16 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.16 Beaufsichtigung oder Begleitung von Fremdpersonen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Organisation Verantwortlich für Umsetzung: Mitarbeiter Fremde (Besucher, Handwerker, Wartungs- und Reinigungspersonal) sollten, außer in Räumen, die ausdrücklich dafür vorgesehen sind, nicht unbeaufsichtigt sein (siehe auch M 2.6 Vergabe von Zutrittsberechtigungen). Wird es erforderlich, einen Fremden allein im Büro zurückzulassen, sollte man einen Kollegen ins Zimmer oder den Besucher zu einem Kollegen bitten. Ist es nicht möglich, Fremdpersonen (z. B. Reinigungspersonal) ständig zu begleiten oder zu beaufsichtigen, sollte zumindest der persönliche Arbeitsbereich abgeschlossen werden: Schreibtisch, Schrank und PC (Schloß für Diskettenlaufwerk, Tastaturschloß). Siehe auch M 2.37 "Der aufgeräumte Arbeitsplatz". Für den häuslichen Arbeitsplatz gilt, daß Familienmitglieder und Besucher sich nur dann alleine im Arbeitsbereich aufhalten dürfen, wenn alle Arbeitsunterlagen verschlossen aufbewahrt sind und die IT über einen aktivierten Zugangsschutz gesichert ist. Die Notwendigkeit dieser Maßnahme ist den Mitarbeitern zu erläutern und ggf. in einer Dienstanweisung festzuhalten. Eine Dokumentationen über den Aufenthalt von Fremdpersonen kann in einem Besucherbuch geführt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Mitarbeiter dazu angehalten, entsprechend zu handeln? - Wie sieht die tatsächliche Praxis im Hause aus? _____________________________________________________________________ .......................................... 25 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.17 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.17 Zutrittsregelung und -kontrolle Verantwortlich für Initiierung: Leiter Organisation, Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Leiter Haustechnik, Mitarbeiter Der Zutritt zu schutzbedürftigen Gebäudeteilen und Räumen ist zu regeln und zu kontrollieren (siehe M 2.6 Vergabe von Zutrittsberechtigungen). Die Maßnahmen reichen dabei von einer einfachen Schlüsselvergabe bis zu aufwendigen Identifizierungssystemen mit Personenvereinzelung, wobei auch die Nutzung eines mechanischen Schlüssels nebst Schloß eine Zutrittskontrolle darstellt. Für eine Zutrittsregelung und -kontrolle ist es erforderlich, daß - der von der Regelung betroffene Bereich eindeutig bestimmt wird, - die Zahl der zutrittsberechtigten Personen auf ein Mindestmaß reduziert wird; diese Personen sollen gegenseitig ihre Berechtigung kennen, um Unberechtigte als solche erkennen zu können, - der Zutritt anderer Personen (Besucher) erst nach vorheriger Prüfung der Notwendigkeit erfolgt, - erteilte Zutrittsberechtigungen dokumentiert werden. Die Vergabe von Rechten allein reicht nicht aus, wenn deren Einhaltung bzw. Überschreitung nicht kontrolliert wird. Die Ausgestaltung von Kontrollmechanismen sollte nach dem Grundsatz erfolgen, daß einfache und praktikable Lösungen oft ebenso effizient sind wie aufwendige Technik. Beispiele hierfür sind: - Information und Sensibilisierung der Berechtigten, - Bekanntgabe von Berechtigungsänderungen, - sichtbares Tragen von Hausausweisen, ggf. Vergabe von Besucherausweisen, - Begleitung von Besuchern, - Verhaltensregelungen bei erkannter Berechtigungsüberschreitung und - Einschränkung des ungehinderten Zutritts für nicht Zutrittsberechtigte (z. B. Tür mit Blindknauf, Schloß für Berechtigte mit Schlüssel, Klingel für Besucher). Ergänzend kann der Einbau von Ausweislesern verschiedenster Qualitäten, von Schleusen und Vereinzelungseinrichtungen sinnvoll sein. Zur Schlüsselverwaltung siehe M 2.14 Schlüsselverwaltung. _____________________________________________________________________ .......................................... 26 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.18 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.18 Kontrollgänge Verantwortlich für Initiierung: Haustechnik, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, IT-Sicherheitsmanagement Eine Maßnahme kann nur so gut wirken, wie sie auch tatsächlich umgesetzt wird. Kontrollgänge bieten das einfachste Mittel, die Umsetzung von Maßnahmen und die Einhaltung von Auflagen und Anweisungen zu überprüfen. Die Kontrollgänge sollen nicht dem Finden von Tätern dienen, um diese zu bestrafen. Sinn der Kontrollen soll es in erster Linie sein, erkannte Nachlässigkeiten möglichst sofort zu beheben (Fenster zu schließen, Unterlagen in Aufbewahrung zu nehmen etc.). In zweiter Linie können Ursachen für diese Nachlässigkeiten erkannt und evtl. in der Zukunft vermieden werden. Die Kontrollgänge sollten durchaus auch während der Dienstzeit erfolgen und zur Information der Mitarbeiter über das Wie und Warum von Regelungen genutzt werden. So werden sie von allen Beteiligten eher als Hilfe denn als Gängelung angesehen. _____________________________________________________________________ .......................................... 27 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.19 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.19 Neutrale Dokumentation in den Verteilern Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Leiter Haustechnik, Netzplaner In jedem Verteiler sollte sich eine Dokumentation befinden, die den derzeitigen Stand von Rangierungen und Leitungsbelegungen wiedergibt. Diese Dokumentation ist möglichst neutral zu halten. Nur bestehende und genutzte Verbindungen sind darin aufzuführen. Es sollen, soweit nicht ausdrücklich vorgeschrieben (z. B. für Brandmeldeleitungen) keine Hinweise auf die Nutzungsart der Leitungen gegeben werden. Leitungs-, Verteiler-, und Raumnummern reichen in vielen Fällen aus. Alle weitergehenden Informationen sind in einer Revisions-Dokumentation aufzuführen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie wird sichergestellt, daß die Dokumentation immer aktuell ist? - Wie wird sichergestellt, daß keine unzulässigen Informationen in dieser Dokumentation enthalten sind? _____________________________________________________________________ .......................................... 28 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.20 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.20 Kontrolle bestehender Verbindungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Leiter Haustechnik, Netzplaner Alle Verteiler und Zugdosen sind einer (zumindest stichprobenartigen) Sichtprüfung zu unterziehen. Dabei ist auf folgende Punkte zu achten: - Spuren von gewaltsamen Öffnungsversuchen an verschlossenen Verteilern, - Aktualität der im Verteiler befindlichen Dokumentation, - Übereinstimmung der tatsächlichen Beschaltungen und Rangierungen mit der Dokumentation, - Unversehrtheit der Kurzschlüsse und Erdungen nicht benötigter Leitungen und - unzulässige Einbauten/Veränderungen. Neben der reinen Sichtkontrolle kann zusätzlich eine funktionale Kontrolle durchgeführt werden. Dabei werden bestehende Verbindungen auf ihre Notwendigkeit und die Einhaltung technischer Werte hin geprüft. In zwei Fällen ist diese Prüfung anzuraten: - bei Verbindungen, die sehr selten genutzt und bei denen Manipulationen nicht sofort erkannt werden, - bei Verbindungen, auf denen häufig und regelmäßig schützenswerte Informationen übertragen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - In welchem Turnus werden bestehende Verbindungen kontrolliert? - Wie werden festgestellte Unregelmäßigkeiten dokumentiert und verfolgt? - Wem sind welche festgestellten Unregelmäßigkeiten zu melden? - Wer führt die Beseitigung von Unregelmäßigkeiten durch und wer kontrolliert diese Arbeiten? _____________________________________________________________________ .......................................... 29 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.21 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.21 Rauchverbot Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Mitarbeiter In Räumen mit IT oder Datenträgern (Serverraum, Datenträgerarchiv, aber auch Belegarchiv), in denen Brände oder Verschmutzungen zu hohen Schäden führen können, sollte ein Rauchverbot erlassen werden. Dieses Rauchverbot dient gleicherweise dem vorbeugenden Brandschutz wie der Betriebssicherheit von IT mit mechanischen Funktionseinheiten. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird das Rauchverbot in schutzbedürftigen Räumen eingehalten? _____________________________________________________________________ .......................................... 30 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.22 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.22 Hinterlegen des Paßwortes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Ist der Zugriff auf ein IT-System durch ein Paßwort geschützt, so müssen Vorkehrungen getroffen werden, die bei Abwesenheit eines Mitarbeiters, z. B. im Urlaubs- oder Krankheitsfall, seinem Vertreter den Zugriff auf das ITSystem ermöglichen. Zu diesem Zweck ist das aktuelle Paßwort durch jeden Mitarbeiter an einer geeigneten Stelle (in einem geschlossenen Umschlag) zu hinterlegen und bei jeder Änderung des Paßwortes zu aktualisieren. Wird es notwendig, dieses hinterlegte Paßwort zu nutzen, so sollte dies nach dem VierAugen-Prinzip, d. h. von zwei Personen gleichzeitig, geschehen. Bei einem Telearbeiter ist sicherzustellen, daß dessen Paßwörter auch in der Institution hinterlegt werden, damit im Notfall sein Vertreter auf die im Telearbeitsrechner gespeicherten Daten zugreifen kann. Bei allen von Administratoren betreuten Systemen, insbesondere bei vernetzten Systemen, ist durch regelmäßige Überprüfung sicherzustellen, daß das aktuelle Systemadministrator-Paßwort hinterlegt ist. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die hinterlegten Paßwörter vollständig und aktuell? - Ist die ordnungsgemäße Verwendung eines hinterlegten Paßwortes geregelt? - Wird anhand der Aktualisierungen der hinterlegten Paßwörter die Wechselsystematik kontrolliert? _____________________________________________________________________ .......................................... 31 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.23 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.23 Herausgabe einer PC-Richtlinie Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, heitsmanagement, Leiter IT IT-Sicher- Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, IT-Benutzer Um einen sicheren und ordnungsgemäßen Einsatz von Personalcomputern in größeren Unternehmen bzw. Behörden zu fördern, sollte eine PC-Richtlinie erstellt werden, in der verbindlich vorgeschrieben wird, welche Randbedingungen eingehalten werden müssen und welche IT-Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen sind. Diese PC-Richtlinie soll zumindest den Einsatz von unvernetzten PCs regeln; werden PCs vernetzt betrieben oder als intelligente Terminals genutzt, ist die Richtlinie um diese Punkte zu erweitern. Im folgenden soll grob umrissen werden, welche Inhalte für eine solche PCRichtlinie sinnvoll sind. Möglicher inhaltlicher Aufbau einer PC-Richtlinie: - Zielsetzung und Begriffsdefinitionen Dieser erste Teil der PC-Richtlinie dient dazu, die PC-Anwender für ITSicherheit zu sensibilisieren und zu motivieren. Gleichzeitig werden die für das gemeinsame Verständnis notwendigen Begriffe definiert, wie z. B. PC, Anwender, Benutzer, schutzbedürftige Objekte. - Geltungsbereich In diesem Teil muß verbindlich festgelegt werden, für welche Teile des Unternehmens bzw. der Behörde die PC-Richtlinie gilt. - Rechtsvorschriften und interne Regelungen Hier wird dargestellt, welche Rechtsvorschriften, z. B. das Bundesdatenschutzgesetz und das Urheberrechtsgesetz, einzuhalten sind. Darüber hinaus kann diese Stelle genutzt werden, um alle relevanten betriebsinternen Regelungen aufzuführen. - Verantwortungsverteilung In diesem Teil wird definiert, welcher Funktionsträger im Zusammenhang mit dem PC-Einsatz welche Verantwortung tragen muß. Dabei sind insbesondere die Funktionen IT-Benutzer, Vorgesetzte, Revisionsbeauftragter, Datenschutzbeauftragter und IT-Sicherheitsmanagement zu unterscheiden. - Umzusetzende und einzuhaltende IT-Sicherheitsmaßnahmen Im letzten Teil der PC-Richtlinie ist festzulegen, welche IT-Sicherheitsmaßnahmen vom IT-Benutzer einzuhalten bzw. umzusetzen sind. Es kann je nach Schutzbedarf auch über die IT-Grundschutz-Maßnahmen hinausgehen. Sind Telearbeiter im Unternehmen bzw. in der Behörde beschäftigt, sollte die PC-Richtlinie um die Telearbeitsplatz-spezifischen Regelungen ergänzt werden. Vgl. dazu Kapitel 9.3. _____________________________________________________________________ .......................................... 32 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.23 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Existiert eine PC-Richtlinie? - Wie wird die Einhaltung der PC-Richtlinie überprüft? - Müssen die Inhalte, insbesondere die IT-Sicherheitsmaßnahmen, aktualisiert werden? - Besitzt jeder PC-Benutzer ein Exemplar dieser PC-Richtlinie? - Ist die PC-Richtlinie Inhalt der Schulungen zu IT-Sicherheitsmaßnahmen? _____________________________________________________________________ .......................................... 33 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.24 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.24 Einführung eines PC-Checkheftes Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Um die durchgeführten IT-Sicherheitsmaßnahmen am PC zu dokumentieren, bietet es sich an, ein PC-Checkheft einzuführen, in dem der PC-Nutzer folgendes dokumentieren kann: - Name des PC-Benutzers, - Aufstellungsort des PC, - Beschreibung der Konfiguration, - Zugangsmittel, - eingesetzte Hard- und Software, - planmäßige Zeitpunkte für die Datensicherungen, - durchgeführte Wartungen und Reparaturen, - durchgeführte Computer-Viren-Kontrollen, - Zeitpunkt von Paßwort-Änderungen, - zur Verfügung stehendes Zubehör, - durchgeführte Revisionen, - Ansprechpartner für Problemfälle und - Zeitpunkte der durchgeführten Datensicherungen. Ein Muster eines solchen PC-Checkheftes ist der CD-ROM zum Handbuch beigefügt. Wird das Führen eines solchen PC-Checkheftes angeordnet, so werden Kontrolltätigkeiten entschieden erleichtert, da die Dokumentation aller durchgeführten PC-relevanten Änderungen und IT-Sicherheitsmaßnahmen aus diesem PC-Checkheft hervorgehen. Außerdem unterstützt das Führen dieses Heftes für den PC-Benutzer eine notwendige Selbstkontrolle, damit er regelmäßig Datensicherungen, Paßwort-Änderungen und Viren-Checks durchführt. _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 34
M 2.25 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.25 Dokumentation der Systemkonfiguration Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Planung, Steuerung, Kontrolle und Notfallvorsorge des IT-Einsatzes basieren auf einer aktuellen Dokumentation des vorhandenen IT-Systems. Nur eine aktuelle Dokumentation der Systemkonfiguration ermöglicht im Notfall einen geordneten Wiederanlauf des IT-Systems. Bei einem Netzbetrieb ist die physikalische Netzstruktur (vgl. M 5.4 Dokumentation und Kennzeichnung der Verkabelung) und die logische Netzkonfiguration zu dokumentieren. Dazu gehören auch die Zugriffsrechte der einzelnen Benutzer (siehe M 2.31 Dokumentation der zugelassenen Benutzer und Rechteprofile) und der Stand der Datensicherung. Weiterhin sind die eingesetzten Applikationen und deren Konfiguration sowie die Dateistrukturen auf allen IT-Systemen zu dokumentieren. Dabei ist auf Aktualität und Verständlichkeit der Dokumentation zu achten, damit auch ein Vertreter die Administration jederzeit weiterführen kann. Die System-Dokumentation ist so aufzubewahren, dass sie im Bedarfsfall jederzeit verfügbar ist. Wenn sie in elektronischer Form geführt wird, sollte sie entweder regelmäßig ausgedruckt oder auf einem transportablen Datenträger gespeichert werden. Der Zugriff auf die Dokumentation ist auf die zuständigen Administratoren zu beschränken. In der System-Dokumentation sollten alle Schritte dokumentiert sein, die beim Herauf- bzw. Herunterfahren von IT-Systemen zu beachten sind. Dies ist insbesondere bei vernetzten IT-Systemen wichtig. Hier muss z. B. häufig eine bestimmte Reihenfolge beim Mounten von Laufwerken oder Starten von Netzdiensten eingehalten werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die vorhandene Dokumentation aktuell? - Kann aufgrund der Dokumentation die Administration weitergeführt werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 35 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.26 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.26 Ernennung eines Administrators und eines Vertreters Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, TKAnlagen-Verantwortlicher Verantwortlich für Umsetzung: Um einen geordneten Betrieb von IT-Systemen zu ermöglichen, sind für alle IT-Systeme und Netze Administratoren zu bestimmen. Ihnen obliegt neben allgemeinen Administrationsarbeiten insbesondere die Benutzerverwaltung einschließlich der Verwaltung der Zugriffsrechte. Zusätzlich sind sie für die Sicherheitsbelange aller von ihnen betreuten IT-Systeme zuständig. Bei größeren Behörden bzw. Unternehmen mit einer Vielzahl verschiedener IT-Systeme und Teilnetzen muss außerdem sichergestellt sein, dass die Aufgaben zwischen den verschiedenen Administratoren so verteilt sind, dass es zu keinen Zuständigkeitsproblemen kommt, also weder zu Überschneidungen noch zu Lücken in der Aufgabenverteilung. Darüber hinaus sollte die Kommunikation zwischen den verschiedenen Adminstratoren möglichst reibungslos ablaufen. Hierzu können z. B. regelmäßige AdminstratorenTreffen durchgeführt werden, bei denen typische Problem und Lösungsmöglichkeiten bei der täglichen Arbeit thematisiert werden. Beim Einsatz von Protokollierung sollte auf die Rollentrennung von Administration und Revision geachtet werden. Hier ist zu überprüfen, inwieweit die IT-Systeme dies unterstützen. Um bei Verhinderung eines Administrators die Funktionen weiter aufrechtzuerhalten, ist ein Vertreter zu benennen. Für die Übernahme von Administrationsaufgaben muss gewährleistet sein, dass jedem Administrator und ebenso den Vertretern für eine sorgfältige Aufgabenerfüllung auch die hierfür erforderliche Zeit zur Verfügung steht. Hierbei muss auch berücksichtigt werden, dass Aus- und Fortbildungsmaßnahmen erforderlich sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden alle Administratoren und Vertreter ausreichend geschult? - Wurden Zuständigkeiten für die Administration geändert und die notwendigen Schulungsmaßnahmen eingeleitet? _____________________________________________________________________ .......................................... 36 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.27 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.27 Verzicht auf Fernwartung der TK-Anlage Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, TKAnlagen-Verantwortlicher Verantwortlich für Umsetzung: Der Verzicht auf Fernwartung ist eine wirkungsvolle Maßnahme, um Externe an Manipulationen an der TK-Anlagenkonfiguration zu hindern. Für Einzelanlagen und kleine Anlagenverbunde mit geringen räumlichen Entfernungen zwischen den einzelnen Verbundmitgliedern kann dies auch aus ökonomischen Gründen sinnvoll sein. Vorteil: Im Gegensatz zu allen anderen in Kapitel 8.1 TK-Anlage aufgeführten Maßnahmen kann hierdurch garantiert werden, daß auch bei direktem Zugriff auf die Leitungen der Telekom keine Zugriffsmöglichkeit auf den Wartungseingang der Anlage möglich ist. Eine ähnliche Sicherheit wäre sonst nur unter Zuhilfenahme von Kryptomitteln erreichbar. Nachteil: Alle Wartungsarbeiten müssen direkt an der Anlage durchgeführt werden. Ohne zusätzliche Maßnahmen, z. B. Verlagerung des Wartungs-PCs in den Nachbarraum, hat das Wartungspersonal auch immer Zutritt zur TKAnlage. Oft werden die Remote-Schnittstellen nicht nur für den Zweck der Fernwartung genutzt. Über dieselben Schnittstellen werden teilweise auch Fernsignalisierungen geführt, die für den Betrieb eines TK-Netzes notwendig sind. In solchen Fällen wäre mit dem Verzicht auf Fernwartung auch ein Verzicht auf ein zentrales Netzmanagement verbunden. Soll eine RemoteSchnittstelle nur für Fernsignalisierungszwecke via Modem benutzt werden, so sollte dieses Modem so konfiguriert werden, daß keine Rufe entgegengenommen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Gründe sprechen für und welche gegen den Verzicht der Fernwartung? - Wurde die Entscheidung über die Fernwartung herbeigeführt? _____________________________________________________________________ .......................................... 37 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.28 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.28 Bereitstellung externer TK-Beratungskapazität Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, TKAnlagen-Verantwortlicher Verantwortlich für Umsetzung: Um in schwierigen Fällen schnell auf fachkundige Hilfe zurückgreifen zu können, sollte schon beim Kauf bzw. der Miete einer TK-Anlage an die Bereitstellung entsprechender Beratungsdienstleistung gedacht werden. Wichtig hierbei ist, daß in einer Notfallsituation die Unterstützung schnell erfolgen kann, da der Ausfall einer TK-Anlage die Handlungsfähigkeit einer gesamten Institution erheblich beeinträchtigen und ggf. nur für kurze Zeit toleriert werden kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie lange kann auf die TK-Anlage verzichtet werden? - In welcher Zeit kann Unterstützung seitens des Herstellers in Anspruch genommen werden? - Welche Zeit wird für einen kompletten "Restart" der Anlage auf Basis der Datensicherungsbestände benötigt? _____________________________________________________________________ .......................................... 38 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.29 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.29 Bedienungsanleitung der TK-Anlage für die Benutzer Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, TKAnlagen-Verantwortlicher Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Dem Benutzer der TK-Anlage sind die notwendigen Unterlagen zur Bedienung seiner Endgeräte (z. B. Bedienungsanleitung für das Telefon) zur Verfügung zu stellen. Neben der normalen Bedienung seines Telefons sollte der Benutzer vor allem in der Lage sein, etwaige Warnanzeigen (LEDs oder Piktogramme im Display) und -töne zu interpretieren (siehe M 3.12 Information aller Mitarbeiter über mögliche TK-Warnanzeigen, -symbole und töne). Ergänzende Kontrollfragen: - Liegen an allen Endgeräten die richtigen Bedienungsanleitungen vor? - Kann der Benutzer die ihm zur Verfügung stehenden Leistungsmerkmale richtig anwenden? - Kennt der Benutzer die Warnanzeigen und -töne? _____________________________________________________________________ .......................................... 39 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.30 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.30 Regelung für die Einrichtung von Benutzern / Benutzergruppen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Regelungen für die Einrichtung von Benutzern / Benutzergruppen bilden die Voraussetzung für eine angemessene Vergabe von Zugriffsrechten und für die Sicherstellung eines geordneten und überwachbaren Betriebsablaufs. Es sollte ein Formblatt existieren, um von jedem Benutzer bzw. für jede Benutzergruppe zunächst die erforderlichen Daten abzufragen: - Name, Vorname, - Vorschlag für die Benutzer- bzw. Gruppenkennung, wenn diese nicht durch Konventionen vorgegeben sind, - Organisationseinheit, - Erreichbarkeit (z. B. Telefon, Raum), - ggf. Projekt, - ggf. Angaben über die geplante Tätigkeit im System und die dazu erforderlichen Rechte sowie die Dauer der Tätigkeit, - ggf. Restriktionen auf Zeiten, Endgeräte, Plattenvolumen, Zugriffsberechtigungen (für bestimmte Verzeichnisse, Remote-Zugriffe, etc.), eingeschränkte Benutzerumgebung, - ggf. Zustimmung von Vorgesetzten. Falls Zugriffsberechtigungen vergeben werden, die über den Standard hinausgehen, sollte dies begründet werden.Dieses kann auch in elektronischer Form erfolgen durch ein spezielles Login, dessen Name und Paßwort den einzurichtenden Benutzern bekanntgegeben wird. Dort wird ein entsprechendes Programm durchlaufen, das mit einem Logout endet. Die erfaßten Daten können zur Vorlage beim Vorgesetzten ausgedruckt werden. Ein Paßwort, das einem neuen Benutzer für die erstmalige Systemnutzung mitgeteilt wird, muß danach gewechselt werden. Dies sollte vom System initiiert werden. Es sollte eine begrenzte Anzahl von Rechteprofilen festgelegt werden. Ein neuer Benutzer wird dann einem solchen Profil zugeordnet und erhält damit genau die für seine Tätigkeit erforderlichen Rechte. Dabei sind die systemspezifischen Möglichkeiten bei der Einrichtung von Benutzern und Gruppen zu beachten. Es ist sinnvoll, Namenskonventionen für die Benutzer- und Gruppennamen festzulegen (z. B. Benutzer-ID = Kürzel Organisationseinheit || lfd. Nummer). Die Zugriffsberechtigung für Dateien ist auf Benutzer bzw. Gruppen mit berechtigtem Interesse zu beschränken. Wenn mehrere Personen auf eine Datei zugreifen müssen, soll für diese eine Gruppe eingerichtet werden. In der Regel muß jedem Benutzer eine eigene Benutzerkennung zugeordnet sein, es dürfen nicht mehrere Benutzer unter derselben Kennung arbeiten. Für jeden Benutzer muß ein eindeutiges Heimatverzeichnis angelegt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 40 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.30 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Für die Einrichtungsarbeiten im System sollte eine administrative Rolle geschaffen werden: Die Einrichtung sollte mit Hilfe eines speziellen Logins, unter dem ein entsprechendes Programm oder Shellskript gestartet wird, erfolgen. Die zuständigen Administratoren können Benutzer bzw. Benutzergruppen somit nur auf definierte Weise einrichten, und es ist nicht erforderlich, ihnen Rechte für andere Administrationsaufgaben zu geben. Diese Maßnahme wird ergänzt durch folgende Maßnahmen: - M 4.13 Sorgfältige Vergabe von IDs - M 4.19 Restriktive Attributvergabe bei Unix-Systemdateien und -verzeichnissen - M 4.20 Restriktive Attributvergabe bei Unix-Benutzerdateien und -verzeichnissen Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es organisatorische Regelungen zur Einrichtung von Benutzern bzw. Benutzergruppen? - Gibt es ein Programm zur Einrichtung von Benutzern bzw. Benutzergruppen? _____________________________________________________________________ .......................................... 41 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.31 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.31 Dokumentation der zugelassenen Benutzer und Rechteprofile Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die Dokumentation dient der Übersicht über die zugelassenen Benutzer, Benutzergruppen und Rechteprofile und ist Voraussetzung für Kontrollen. Es soll jede der folgenden drei Dokumentationsmöglichkeiten genutzt werden: - vorgegebene Administrationsdateien des Systems, - individuelle Dateien, die vom zuständigen Administrator verwaltet werden, - in Papierform. Dokumentiert werden sollen insbesondere - die zugelassenen Benutzer mit folgenden Angaben: zugeordnetes Rechteprofil (ggf. Abweichungen vom verwendeten Standard-Rechteprofil), Begründung für die Wahl des Rechteprofils (und ggf. der Abweichungen), Erreichbarkeit des Benutzers, Zeitpunkt und Grund der Einrichtung, Befristungen, - die zugelassenen Gruppen mit den zugehörigen Benutzern, Zeitpunkt und Grund der Einrichtung, Befristung. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind Aufzeichnungen über die zugelassenen Benutzer und Gruppen und deren Rechteprofile vorhanden? - Sind die Aufzeichnungen aktuell? _____________________________________________________________________ .......................................... 42 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.32 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.32 Einrichtung einer eingeschränkten Benutzerumgebung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Falls Benutzer nur bestimmte Aufgaben wahrzunehmen brauchen, ist es oftmals nicht erforderlich, ihnen alle mit einem eigenen Login verbundenen Rechte (ggf. sogar Systemadministrator-Rechte) zu geben. Beispiele sind bestimmte Tätigkeiten der routinemäßigen Systemverwaltung (wie Erstellung von Backups, Einrichten eines neuen Benutzers), die mit einem Programm menügesteuert durchgeführt werden, oder Tätigkeiten, für die ein Benutzer nur ein einzelnes Anwendungsprogramm benötigt. Für diese Benutzer sollte eine eingeschränkte Benutzerumgebung geschaffen werden. Sie kann z. B. unter Unix durch eine Restricted Shell (rsh) und eine Beschränkung der Zugriffspfade mit dem Unix-Kommando chroot realisiert werden. Für einen Benutzer, der nur ein Anwendungsprogramm benötigt, kann dieses als Login-Shell eingetragen werden, so dass nach dem Einloggen dieses direkt gestartet und er bei Beendigung des Programms automatisch ausgeloggt wird. Restricted Shell chroot verwenden und Der verfügbare Funktionsumfang des IT-Systems kann für einzelne Benutzer oder Benutzergruppen eingeschränkt werden. Die Nutzung von Editorprogrammen oder Compilern sollte verhindert werden, wenn dies nicht für die Aufgabenerfüllung des Benutzers erforderlich ist. Dies kann bei Stand-aloneSystemen durch die Entfernung solcher Programme und bei vernetzten Systemen durch die Rechtevergabe geregelt werden. Nutzung von Editoren und Compilern einschränken Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Benutzerumgebung und welche Startprozedur ist für die jeweiligen Benutzer eingerichtet worden? _____________________________________________________________________ .......................................... 43 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.33 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.33 Aufteilung der Administrationstätigkeiten unter Unix Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator In den meisten Unix-Systemen gibt es nur eine Administrationsrolle (den Super-User namens root mit der Benutzer-ID (UID) 0). Personen mit Zugang zu dieser Rolle haben die volle Kontrolle über das System. Insbesondere können sie unabhängig von Zugriffsrechten jede Datei lesen, verändern und löschen. Das Super-User-Passwort darf nur den Administratoren bekannt sein. Die Weitergabe des Passworts ist auf die in Regelungen festgelegte Fälle zu beschränken und zu dokumentieren. Der Super-User-Login root kann durch Anwendung des Vier-Augen-Prinzips zusätzlich geschützt werden, z. B. durch organisatorische Maßnahmen wie ein geteiltes Passwort. Dabei muss das Passwort eine erhöhte Mindestlänge (12 oder mehr Zeichen) haben. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass das Passwort in voller Mindestlänge vom System überprüft wird. Vier-Augen-Prinzip Bei etlichen Unix-Systemen ist eine Aufgabenteilung durch die Ausnutzung vorhandener Administratorrollen möglich. Diese Rollen sollen dann durch verschiedene Personen wahrgenommen werden. Rollentrennung Eine Reihe von Administrationstätigkeiten können auch ohne Zugang zum Login root ausgeführt werden. Wenn es Administratoren mit solchen Spezialaufgaben gibt, sollte davon Gebrauch gemacht werden. Insbesondere wenn in großen Systemen mehrere Personen mit Administrationsaufgaben betraut werden müssen, kann das Risiko durch eine entsprechende Aufgabenteilung vermindert werden. Es gibt dazu zwei Möglichkeiten: - Schaffung administrativer Logins: Sie haben zwar die UID 0, jedoch wird beim Login nur ein Programm gestartet, mit dem die administrative Aufgabe ausgeführt werden kann und das mit einem Logout endet. Beispiele: Einrichten neuer Benutzer, Mounten eines Laufwerks. Zu UNIX V.4 können z. B. die administrativen Login-Namen setup, sysadm, powerdown, checkfsys, mountfsys und umountfsys mit den gleichnamigen Programmen eingerichtet werden. - Benutzung von Logins ohne UID 0: Diese Login-Namen (sys, bin, adm, uucp, nuucp, daemon und lp) sind Eigentümer von Dateien und Programmen, die für die Funktionalität des Systems entscheidend sind und die daher besonderem Schutz unterliegen. Sie sind in den meisten UnixSystemen zur Verwaltung der entsprechenden Dienste vorgegeben. Um festzustellen, welche Logins Administratorrechte haben, sollten regelmäßig Hilfsprogramme (z. B. USEIT, cops, tiger) eingesetzt werden, die nach Logins mit der UID 0 in der Passwort-Datei suchen. Hilfsprogramme einsetzen Ergänzende Kontrollfragen: - Welchen Personen ist das Super-User-Passwort bekannt? - Sind Administrator-Rollen getrennt worden? - Welche Logins haben die UID 0? - Gibt es Logins mit UID 0 und Shell-Zugriff? _____________________________________________________________________ .......................................... 44 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.34 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.34 Dokumentation der Veränderungen an einem bestehenden System Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um einen reibungslosen Betriebsablauf zu gewährleisten, muss der Administrator einen Überblick über das System haben bzw. sich verschaffen können. Dieses muss auch für seinen Vertreter möglich sein, falls der Administrator unvorhergesehen ausfällt. Der Überblick ist auch Voraussetzung, um Prüfungen des Systems (z. B. auf problematische Einstellungen, Konsistenz bei Änderungen) durchführen zu können. Überblick über das System Daher sollten die Veränderungen, die Administratoren am System vornehmen, dokumentiert werden, nach Möglichkeit automatisiert. Dieses gilt insbesondere für Änderungen an Systemverzeichnissen und -dateien. Bei Installation neuer Betriebssysteme oder bei Updates sind die vorgenommenen Änderungen besonders sorgfältig zu dokumentieren. Möglicherweise kann durch die Aktivierung neuer oder durch die Änderung bestehender Systemparameter das Verhalten des IT-Systems (insbesondere auch Sicherheitsfunktionen) maßgeblich verändert werden. neue Betriebssysteme oder Updates Unter Unix müssen ausführbare Dateien, auf die auch andere Benutzer als der Eigentümer Zugriff haben oder deren Eigentümer root ist, vom Systemadministrator freigegeben und dokumentiert werden (siehe auch M 2.9 Nutzungsverbot nicht freigegebener Software). Insbesondere müssen Listen mit den freigegebenen Versionen dieser Dateien geführt werden, die außerdem mindestens das Erstellungsdatum, die Größe jeder Datei und Angaben über evtl. gesetzte s-Bits enthalten. Sie sind Voraussetzung für den regelmäßigen Sicherheitscheck und für Überprüfungen nach einem Verlust der Integrität. Freigabe und Dokumentation ausführbarer Dateien Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Logbücher über Systemveränderungen geführt? - Sind die Aufzeichnungen aktuell und vollständig? - Kann aufgrund der Aufzeichnungen die Administration weitergeführt werden? - Sind die Aufzeichnungen vor unberechtigtem Zugriff geschützt? _____________________________________________________________________ .......................................... 45 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.35 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.35 Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Gegen bekannt gewordene und durch Veröffentlichungen zugänglich gemachte Sicherheitslücken müssen die erforderlichen organisatorischen und administrativen Maßnahmen ergriffen oder zusätzliche Sicherheitshardware bzw. Sicherheitssoftware eingesetzt werden. Es ist daher sehr wichtig, sich über neu bekannt gewordene Schwachstellen zu informieren. Informationsquellen: - Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Postfach 20 03 63, 53133 Bonn, Telefon: 0228-9582-444, Fax: -427, E-Mail: cert@bsi.de, WWW: http://www.bsi.bund.de/bsi-cert - Hersteller bzw. Vertreiber des Betriebssystems informieren registrierte Kunden über bekannt gewordene Sicherheitslücken ihrer Systeme und stellen korrigierte Varianten des Systems oder Patches zur Behebung der Sicherheitslücken zur Verfügung. - Computer Emergency Response Teams (CERT) sind Organisationen, die über bekannt gewordene Betriebssystemfehler und deren Behebungsmöglichkeiten informieren. Computer Emergency Response Team / Coordination Center (CERT/CC), Software Engineering Institute, Carnegie Mellon University, Pittsburgh, PA 15213-3890, Telefon: +1-412-268-7090 (24-Stunden-Hotline), E-Mail: cert@cert.org, FTP: ftp://ftp.cert.org, WWW: http://www.cert.org Die CERT-Mitteilungen werden in Newsgruppen (comp.security.announce und info.nsfnet.cert) und über Mailinglisten (Aufnahme durch E-Mail an: cert-advisory-request@cert.org) veröffentlicht. - CERT in Deutschland: - BSI-CERT, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, Postfach 20 03 63, 53133 Bonn, Telefon: 0228-9582-444, Fax: -427, E-Mail: cert@bsi.de - DFN-CERT, Universität Hamburg, Fachbereich Informatik, VogtKölln-Straße 30, 22527 Hamburg, Telefon: 040-54715-262, Fax: -241, E-Mail: dfncert@cert.dfn.de, FTP: ftp://ftp.cert.dfn.de/pub/security, WWW: http://www.cert.dfn.de, gopher: gopher.cert.dfn.de, Aufnahme in Mailingliste für CERT-Mitteilungen durch E-Mail an: dfncert-request@cert.dfn.de _____________________________________________________________________ .......................................... 46 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.35 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Mailinglisten für Diskussionen: win-sec@cert.dfn.de Mailinglisten für sicherheitsrelevante Informationen: win-secssc@cert.dfn.de - Micro-BIT Virus Center/CERT, Universität Karlsruhe, Postfach 6980, 76128 Karlsruhe, Telefon: 0721-376422, Fax: 0721-32550, E-Mail: cert@rz.uni-karlsruhe.de - hersteller- und systemspezifische sowie sicherheitsspezifische Newsgruppen oder Mailinglisten, wie z. B. die englisch-sprachige Mailingliste BUGTRAQ (Aufnahme in die Mailingliste durch E-Mail an: listserv@securityfocus.com) - IT-Fachzeitschriften Ergänzende Kontrollfragen: - Steht der Administrator in regelmäßigem Kontakt zu den Herstellern der betreuten Systeme? Sind diese Systeme registriert? Sind Wartungsverträge abgeschlossen worden? - Werden alle bekannten Informationsmöglichkeiten genutzt? - Werden neue Informationsquellen erschlossen? - Werden bekannt gewordene Sicherheitslücken schnellstmöglich behoben? _____________________________________________________________________ .......................................... 47 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.36 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.36 Geregelte Übergabe und Rücknahme eines tragbaren PC Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Bei der Übergabe und Rücknahme eines tragbaren PCs sind folgende Punkte zu beachten: Übergabe: - Die fachliche Notwendigkeit der Benutzung eines tragbaren PCs sollte vorab geprüft sein. - Der neue Benutzer wird aufgefordert, direkt bei der Übergabe das alte Passwort des tragbaren PCs bzw. das Standardpaßwort zu ändern. - Dem neuen Benutzer wird ein Merkblatt für den sicheren Umgang mit dem tragbaren PC übergeben (optional). - Der neue Benutzer wird mit Namen, Organisationseinheit, Telefonnummer, Einsatzzweck in das Übergabe-/Rücknahmejournal eingetragen. Rücknahme bzw. Weitergabe: - Der Benutzer gibt sein zuletzt benutztes Passwort bekannt bzw. stellt ein Standardpaßwort wie "LAPTOP" ein. - Die Vollständigkeit des Gerätes, des Zubehörs und der Dokumentation ist sicherzustellen. - Der Benutzer muss sicherstellen, dass vor Übergabe des Gerätes sämtliche Daten, die der Benutzer noch benötigt, auf ihm zugängliche Datenträger (z. B. seinen PC) übertragen werden. Darüber hinaus hat der Benutzer dafür Sorge zu tragen, dass sämtliche von ihm erzeugten Dateien und Daten (nach Möglichkeit physikalisch) gelöscht sind. - Die empfangende Stelle prüft den tragbaren PC mittels eines aktuellen Viren-Suchprogramms auf einen Computer-Viren-Befall. - Die Rückgabe des tragbaren PC und das Untersuchungsergebnis der Virensuche werden dokumentiert. - Zurückgegebene Disketten werden neu formatiert. Beim Formatieren von DOS-Datenträgern ist darauf zu achten, dass der Parameter /U (in DOS 6.2 enthalten) benutzt wird, damit das Formatieren nicht über den Befehl unformat wieder rückgängig gemacht werden kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Weitergabe eines tragbaren PC an Kollegen dokumentiert? - Werden die dabei zu beachtenden Sicherheitsmaßnahmen eingehalten? _____________________________________________________________________ .......................................... 48 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.37 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.37 "Der aufgeräumte Arbeitsplatz" Verantwortlich für Initiierung: Leiter Organisation, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Mitarbeiter Jeder Mitarbeiter sollte dazu angehalten werden, seinen Arbeitsplatz "aufgeräumt" zu hinterlassen. Ein IT-Benutzer hat nicht nur dafür Sorge zu tragen, daß bei Verlassen seines Arbeitsplatzes entsprechende Vorkehrungen getroffen sind, daß Unbefugte keinen Zugang zu IT-Anwendungen oder Zugriff auf Daten erhalten. Der IT-Benutzer muß mit der gleichen Sorgfalt auch seinen Arbeitsplatz überprüfen und sicherstellen, daß durch den Zugriff Unbefugter auf Datenträger (Diskette, Festplatte) oder Unterlagen (Ausdrucke) kein Verlust an Verfügbarkeit, Vertraulichkeit oder Integrität entstehen kann. Für eine kurze Abwesenheit während der Arbeitszeit ist das Verschließen des Raumes ausreichend; außerhalb der Arbeitszeit ist der Arbeitsplatz so aufzuräumen, daß keine schutzbedürftigen Datenträger oder Unterlagen unverschlossen am Arbeitsplatz zurückgelassen werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 49 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.38 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.38 Aufteilung der Administrationstätigkeiten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Viele Netzbetriebssysteme bieten die Möglichkeit, die Administratorrolle aufzuteilen und Administrationstätigkeiten an verschiedene Benutzer zu verteilen. So können z. B. unter Novell Netware 3.11 die folgenden Administratorrollen eingerichtet werden: Workgroup Manager, User Account Manager, File Server Console Operator, Print Server Operator, Print Queue Operator. Unter Windows NT können durch die gezielte Vergabe von Benutzerrechten an einzelne Benutzer oder besser an Gruppen definierte Administratorrollen geschaffen werden. Neben der Gruppe der Administratoren sind hier die Gruppen Hauptbenutzer (d.h. Administratoren mit eingeschränkten Rechten), Sicherungs-Operatoren, Druck-Operatoren, Server-Operatoren sowie Reproduktions-Operatoren zu nennen. Darüber hinaus können weitere Rollen durch explizite Zuweisung von Benutzerrechten definiert werden (siehe auch M 4.50 Strukturierte Systemverwaltung unter Windows NT). Wenn es Administratorrollen für Spezialaufgaben gibt, sollte davon Gebrauch gemacht werden. Insbesondere wenn in großen Systemen mehrere Personen mit Administrationsaufgaben betraut werden müssen, kann das Risiko der übergroßen Machtbefugnis der Administratorrollen durch eine entsprechende Aufgabenteilung vermindert werden, so daß Administratoren nicht unkontrolliert unautorisierte oder unbeabsichtigte Veränderungen am System vornehmen können. Trotz des Aufteilens von Administrationstätigkeiten legt das System meist noch automatisch einen Account für einen Administrator an, der keinen Beschränkungen unterliegt, den Supervisor. Das Supervisor-Paßwort sollte, wenn überhaupt, nur einem kleinen Personenkreis bekannt sein. Es darf keinem der Subadministratoren bekannt sein, damit diese nicht auf diese Weise ihre Rechte erweitern können. Das Paßwort ist gesichert zu hinterlegen (siehe M 2.22 Hinterlegen des Paßwortes). Das Supervisor-Login kann durch Anwendung des Vier-Augen-Prinzips zusätzlich geschützt werden, z. B. durch organisatorische Maßnahmen wie ein geteiltes Paßwort. Dabei muß das Paßwort eine erhöhte Mindestlänge (12 oder mehr Zeichen) haben. Hierbei muß darauf geachtet werden, daß das Paßwort in voller Mindestlänge vom System überprüft wird. Ergänzende Kontrollfragen: - Welchen Personen ist das Supervisor-Paßwort bekannt? - Sind Administrator-Rollen getrennt worden? _____________________________________________________________________ .......................................... 50 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.39 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.39 Reaktion auf Verletzungen der Sicherheitspolitik Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Es ist festzulegen, welche Reaktion auf Verletzungen der Sicherheitspolitik erfolgen soll, um eine klare und sofortige Reaktion gewährleisten zu können. Untersuchungen sollten durchgeführt werden, um festzustellen, wie und wo die Verletzung entstanden ist. Anschließend müssen die angemessenen schadensbehebenden oder -mindernden Maßnahmen durchgeführt werden. Soweit erforderlich, müssen zusätzliche schadensvorbeugende Maßnahmen ergriffen werden. Die durchzuführenden Aktionen hängen sowohl von der Art der Verletzung als auch vom Verursacher ab. Es muß geregelt sein, wer für Kontakte mit anderen Organisationen verantwortlich ist, um Informationen über bekannte Sicherheitslücken einzuholen (siehe auch M 2.35 Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems) oder um Informationen über aufgetretene Sicherheitslücken weiterzugeben. Es muß dafür Sorge getragen werden, daß evtl. mitbetroffene Stellen schnellstens informiert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Vorgehensweise bei Verdacht auf Verletzung der Sicherheitspolitik klar definiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 51 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.40 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.40 Rechtzeitige Beteiligung des Personal- / Betriebsrates Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Maßnahmen, die geeignet sind eine Verhaltens- oder Leistungsüberwachung eines Mitarbeiters zu ermöglichen- z. B. Protokollierung -, bedürfen der Mitbestimmung der Personalvertretung. Grundlage dessen sind die Betriebsverfassungs- und Personalvertretungsgesetze von Bund und Ländern. Die rechtzeitige und umfassende Information des Betriebs- oder Personalrates kann Zeitverzögerung bei der Umsetzung von Maßnahmen im Bereich des ITGrundschutzes verhindern. _____________________________________________________________________ .......................................... 52 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.41 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.41 Verpflichtung der Mitarbeiter zur Datensicherung Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Da die Datensicherung eine wichtige IT-Sicherheitsmaßnahmen ist, sollten die betroffenen Mitarbeiter auf die Einhaltung des Datensicherungskonzeptes bzw. des Minimaldatensicherungskonzeptes verpflichtet werden. Eine regelmäßige Erinnerung und Motivation zur Datensicherung sollte erfolgen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Verpflichtung zur Datensicherung schriftlich dokumentiert? - Wird die Durchführung von Kontrollen auf Einhaltung der Datensicherungsverpflichtung vorgenommen? _____________________________________________________________________ .......................................... 53 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.42 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.42 Festlegung der möglichen Kommunikationspartner Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, Datenschutzbeauftragter Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Sollen Informationen an einen Kommunikationspartner übertragen werden, so muß sichergestellt werden, daß der Empfänger die notwendigen Berechtigungen zum Weiterverarbeiten dieser Informationen besitzt. Werden Informationen zwischen mehreren kommunizierenden Stellen ausgetauscht, so soll für alle Beteiligten ersichtlich sein, wer diese Informationen ebenfalls erhalten hat bzw. erhalten wird. Um die oben genannten Kriterien zu erfüllen, bedarf es einer Festlegung, welche Kommunikationspartner welche Informationen erhalten dürfen. Im Sinne des BDSG, Anlage zu § 9 Satz 1 (Übermittlungskontrolle) sollte eine Übersicht erstellt werden, welche Empfänger berechtigt sind, Informationen, insbesondere personenbezogene Daten, per Datenträgeraustausch erhalten können. Ergänzende Kontrollfragen: - Existiert eine Festlegung für etwaige Kommunikationsbeziehungen? - Werden die genannten Übersichten regelmäßig aktualisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 54 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.43 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.43 Ausreichende Kennzeichnung der Datenträger beim Versand Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Neben den in Maßnahme M 2.3 Datenträgerverwaltung dargestellten Umsetzungshinweisen ist bei einer ausreichenden Kennzeichnung von auszutauschenden Datenträgern darauf zu achten, daß Absender und (alle) Empfänger unmittelbar zu identifizieren sind. Die Kennzeichnung muß den Inhalt des Datenträgers eindeutig für den Empfänger erkennbar machen. Es ist jedoch bei schützenswerten Informationen wichtig, daß diese Kennzeichnung für Unbefugte nicht interpretierbar ist. Darüber hinaus sollten die Datenträger mit den für das Auslesen notwendigen Parametern gekennzeichnet werden. So sind bei der Übermittlung von Magnetbändern unter anderem das Label, die Geschwindigkeit (z. B. 800 bpi), die Satzlänge, Blocklänge und Satzformat (z. B. 132 Byte, 13200 Byte, Fixed) auf einem Etikett zu vermerken. Datum des Versandes, eventuelle Versionsnummern oder Ordnungsmerkmale können gegebenenfalls nützlich sein. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist geregelt, wie auszutauschende Datenträger gekennzeichnet werden müssen? - Wird stichprobenartig die Einhaltung der Kennzeichnungsvorgaben geprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 55 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.44 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.44 Sichere Verpackung der Datenträger Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer, Poststelle Neben den in Maßnahme M 2.3 Datenträgerverwaltung dargestellten Umsetzungshinweisen sollte die Verpackung dergestalt sein, daß Manipulationen am Datenträger durch Veränderungen an der Verpackung erkennbar sind. Mögliche Maßnahmen sind die Verwendung von - Umschlägen mit Siegel, - verplombten Behältnissen oder - Umschlägen, die mit Klebefilm überklebt und anschließend mit nicht-wasserlöslicher Tinte mehrmals unregelmäßig überzeichnet werden. Verfügt der Datenträger über einen Schreibschutz (Schieber bei Disketten, Schreibring bei Bändern) so sollte dieser genutzt werden. Sollen Manipulationen an den Informationen auf dem Datenträger selbst erkannt werden, sind Verschlüsselungs- oder Checksummenverfahren einzusetzen (siehe M 4.34 Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen). Ergänzende Kontrollfragen: - Sind für den sicheren Transport verschiedener Datenträger entsprechende Transportbehältnisse vorgesehen und vorrätig? - Ermöglichen die Transportbehältnisse dem Empfänger die Kontrolle, daß keine Manipulationen am Inhalt stattgefunden haben? _____________________________________________________________________ .......................................... 56 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.45 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.45 Regelung des Datenträgeraustausches Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer, Poststelle Sollen zwischen zwei oder mehreren Kommunikationspartnern Datenträger ausgetauscht werden, so sind zum ordnungsgemäßen Austausch folgende Punkte zu beachten: - Die Adressierung muß eindeutig erfolgen, um eine fehlerhafte Zustellung zu vermeiden. So sollte neben dem Namen des Empfängers auch Organisationseinheit und die genaue Bezeichnung der Behörde/des Unternehmens angegeben sein. Entsprechendes gilt für die Adresse des Absenders. - Dem Datenträger sollte (optional) ein Datenträgerbegleitzettel beigelegt werden, der folgende Informationen umfaßt: - Absender, - Empfänger, - Art des Datenträgers, - Seriennummer (soweit vorhanden), - Identifikationsmerkmal für den Inhalt des Datenträgers, - Datum des Versandes, ggf. Datum bis wann der Datenträger spätestens den Empfänger erreicht haben muß, - Hinweis, daß Datenträger auf Viren überprüft sind, - Parameter, die zum Lesen der Informationen benötigt werden, z. B. Bandgeschwindigkeit. Jedoch sollte nicht vermerkt werden, - welches Paßwort für die eventuell geschützten Informationen vergeben wurde, - welche Schlüssel ggf. für eine Verschlüsselung der Informationen verwendet wurde, - welchen Inhalt der Datenträger hat. - Der Versand des Datenträgers kann (optional) dokumentiert werden. Für jede stattgefundene Übermittlung ist dann in einem Protokoll festzuhalten, wer wann welche Informationen erhalten hat. Je nach Schutzbedarf beziehungsweise Wichtigkeit der übermittelten Informationen ist der Empfang zu quittieren ein Quittungsvermerk und dem erwähnten Protokoll beizufügen. - Es sind jeweils Verantwortliche für den Versand und für den Empfang zu benennen. - Die Versandart ist festzulegen. _____________________________________________________________________ .......................................... 57 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.45 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Sind Regelungen bekanntgegeben worden, wie ein Datenträgeraustausch stattzufinden hat? - Sind die für den Datenträgeraustausch Verantwortlichen hinsichtlich möglicher Gefährdungen ausreichend sensibilisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 58 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.46 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.46 Geeignetes Schlüsselmanagement Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, verantwortlicher IT-Verfahrens- Die Verwendung kryptographischer Sicherheitsmechanismen (z. B. Verschlüsselung, digitale Signatur) setzt die vertrauliche, integere und authentische Erzeugung, Verteilung und Installation von geeigneten Schlüsseln voraus. Schlüssel, die Unbefugten zur Kenntnis gelangt sind, bei der Verteilung verfälscht worden sind oder gar aus unkontrollierter Quelle stammen (dies gilt auch für die Schlüsselvereinbarung zwischen Kommunikationspartnern), können den kryptographischen Sicherheitsmechanismus genauso kompromittieren wie qualitativ schlechte Schlüssel, die auf ungeeignete Weise erzeugt worden sind. Qualitativ gute Schlüssel werden in der Regel unter Verwendung geeigneter Schlüsselgeneratoren erzeugt (s. u.). Für das Schlüsselmanagement sind folgende Punkte zu beachten: Schlüsselerzeugung Die Schlüsselerzeugung sollte in sicherer Umgebung und unter Einsatz geeigneter Schlüsselgeneratoren erfolgen. Kryptographische Schlüssel können zum einen direkt am Einsatzort (und dann meistens durch den Benutzer initiiert) oder zum anderen zentral erzeugt werden. Bei der Erzeugung vor Ort müssen meistens Abstriche an die Sicherheit der Umgebung gemacht werden, bei einer zentralen Schlüsselgenerierung muß sichergestellt sein, daß sie ihre Besitzer authentisch und kompromittierungsfrei erreichen. Geeignete Schlüsselgeneratoren müssen kontrollierte, statistisch gleichverteilte Zufallsfolgen unter Ausnutzung des gesamten möglichen Schlüsselraums produzieren. Dazu erzeugt z. B. eine Rauschquelle zufällige Bitfolgen, die mit Hilfe einer Logik nachbereitet werden. Anschließend wird unter Verwendung verschiedener Testverfahren die Güte der so gewonnenen Schlüssel überprüft. Einige Kryptomodule, insbesondere solche, die keinen integrierten Zufallszahlengenerator besitzen, greifen auf Benutzereingaben zur Schlüsselerzeugung zurück. Beispielsweise werden hier Paßwörter abgefragt, aus denen dann ein Schlüssel abgeleitet wird, oder der Benutzer wird gebeten, beliebigen Text einzutippen, um zufällige Startwerte für die Schlüsselgenerierung zu erhalten. Solche Paßwörter sollten dabei gut gewählt sein und möglichst lang sein. Wenn möglichst "zufällige" Benutzereingaben angefordert werden, sollten diese auch zufällig, also schlecht vorhersagbar, sein. Schlüsseltrennung Kryptographische Schlüssel sollten möglichst nur für einen Einsatzzweck dienen. Insbesondere sollten für die Verschlüsselung immer andere Schlüssel als für die Signaturbildung benutzt werden. Dies ist sinnvoll, - damit bei der Offenlegung eines Schlüssels nicht alle Verfahren betroffen sind, - da es manchmal erforderlich sein kann, Verschlüsselungsschlüssel weiterzugeben (Vertretungsfall), _____________________________________________________________________ .......................................... 59 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.46 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - da es unterschiedliche Zyklen für den Schlüsselwechsel geben kann. Schlüsselverteilung / Schlüsselaustausch Kryptographische Kommunikationsbeziehungen können nur dann funktionieren, wenn die Kommunikationspartner über aufeinander abgestimmte kryptographische Schlüssel verfügen. Dazu müssen alle Kommunikationspartner mit den dazu erforderlichen Schlüsseln versorgt werden. Zur Schlüsselverteilung und zum Schlüsselaustausch können unterschiedliche Verfahren verwendet werden. Die Unterschiede ergeben sich aus der Anwendung verschiedener kryptographischer Verfahren und Mechanismen bzw. aus ihrer Kombination (siehe M 2.164 Auswahl kryptographischer Verfahren). Unter Schlüsselverteilung wird hier die initiale Versorgung der Kommunikationspartner mit Grundschlüsseln verstanden. Die Schlüssel werden dazu von einer meist zentralen Schlüsselerzeugungsstelle (z. B. einem Trust Center) an die einzelnen Kommunikationspartner übermittelt. Die Verteilung der Schlüssel sollte auf geeigneten Datenträgern (z. B. Chipkarten) oder über Kommunikationsverbindungen (z. B. LAN, WAN) vertraulich (z. B. mit KEK - Key Encryption Key - verschlüsselt), integer (z. B. MAC-gesichert) und authentisch (z. B. digital signiert gemäß Signatur-Gesetz) erfolgen. Die unbefugte Kenntnisnahme bzw. Verfälschung der Schlüssel muß verhindert oder wenigstens erkannt werden können. Mit Schlüsselaustausch wird die Schlüsseleinigungsprozedur zwischen zwei Kommunikationspartnern auf einen Sitzungsschlüssel (Session Key) bezeichnet. Der Session Key ist ein Schlüssel, der nur eine begrenzte Zeit, etwa für die Dauer einer Kommunikationsverbindung, verwendet wird. Diese Zeit muß festgelegt werden, da Sitzungen sehr lange dauern können. Die Festlegung erfolgt z. B. durch einen relativen Zeitablauf oder durch einen Paketzähler. Für jede neue Verbindung wird ein neuer Session Key zwischen den Kommunikationspartnern ausgehandelt. Moderne Systeme bedienen sich heute asymmetrischer kryptographischer Verfahren zur Schlüsselverteilung und zum Schlüsselaustausch. Zum Nachweis der Authentizität der öffentlichen Schlüssel kann eine vertrauenswürdige Zertifizierungsstelle eingerichtet werden. Die Kommunikationsteilnehmer müssen sich gegenüber der Zertifizierungsstelle ausweisen und dort ihren öffentlichen Schlüssel mittels einer digitalen Signatur der Zertifizierungsstelle beglaubigen lassen. Das so erzeugte digitale Zertifikat sollte mindestens den öffentlichen Schlüssel und ein Identifikationsmerkmal des Kommunikationsteilnehmers, die Gültigkeitsdauer des Zertifikats und die digitale Signatur der Zertifizierungsstelle enthalten. Mit Kenntnis des öffentlichen Signaturschlüssels der Zertifizierungsstelle ist jeder Kommunikationsteilnehmer in der Lage, die Authentizität des öffentlichen Schlüssels des Kommunikationspartners zu verifizieren. Schlüsselinstallation und -speicherung Im Zuge der Schlüsselinstallation ist die authentische Herkunft sowie die Integrität der Schlüsseldaten zu überprüfen. Generell sollten Schlüssel nie in klarer Form, sondern grundsätzlich verschlüsselt im System gespeichert werden. Bei Software-Verschlüsselungsprodukten muß berücksichtigt werden, daß Schlüssel zumindest zeitweise während des Ver- _____________________________________________________________________ .......................................... 60 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.46 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... /Entschlüsselungsprozesses in Klarform im PC-System vorliegen müssen. Bieten die IT-Systeme, auf denen das kryptographische Produkt eingesetzt ist, keinen ausreichenden Zugriffsschutz für die Schlüssel, sollten diese nicht auf diesem IT-System gespeichert werden. Es bietet sich dann eine bedarfsorientierte manuelle Eingabe an. Eine andere Möglichkeit wäre die Auslagerung der Schlüssel auf einen externen Datenträger, der dann aber sicher verwahrt werden muß, wie unter Schlüsselarchivierung beschrieben. Aus Sicherheitsaspekten ist deshalb der Einsatz von Hardware-Verschlüsselungskomponenten vorzuziehen, bei denen die Schlüssel vom Datenträger (z. B. Chipkarte) verschlüsselt auf direktem Weg in die Verschlüsselungskomponente geladen werden und diese nie in Klarform verlassen. Auf jeden Fall muß sichergestellt werden, daß bei der Installation des Verschlüsselungsverfahrens voreingestellte Schlüssel geändert werden. Schlüsselarchivierung Für Archivierungszwecke sollte das kryptographische Schlüsselmaterial auch außerhalb des Kryptomoduls in überschlüsselter Form speicherbar und gegebenenfalls wieder einlesbar sein. Dazu können mehrere Schlüssel zu einem Satz zusammengefaßt werden, der dann ebenfalls mit Hilfe eines KEK (KeyEncryption-Key: Überschlüsselungsschlüssel) kryptiert wird. Der KEK muß entsprechend sicher (z. B. auf Chipkarte im Safe) aufgehoben werden. Splittet man den KEK in zwei Teilschlüssel, so läßt sich das ”Vier-Augen-Prinzip” umsetzen: zwei verschiedene Personen haben Zugriff auf je einen Datenträger (z. B. Chipkarte, Diskette), auf der sich nur jeweils einer der beiden Teilschlüssel befindet. Um den KEK zu generieren, müssen sich beide Datenträger gleichzeitig oder nacheinander in der Leseeinheit des Kryptomoduls befinden. Zugriffs- und Vertreterregelung In der Sicherheitspolitik sollten Fragen bzgl. der Zugriffs- und Vertretungsrechte geregelt sein. Entsprechende Mechanismen müssen vom Schlüsselmanagement und von den einzusetzenden Kryptomodulen/-geräten unterstützt werden (z. B. Schlüsselhinterlegung für den Fall, daß ein Mitarbeiter das Unternehmen verläßt oder wegen Krankheit längere Zeit ausfällt, vgl. Schlüsselarchivierung). Schlüsselwechsel Im Kryptokonzept muß basierend auf der Sicherheitspolitik festgelegt werden, wann und wie oft Schlüssel gewechselt werden müssen. Je größer die Menge verschlüsselter Daten ist, die einem Angreifer für eine Analyse zur Verfügung steht, um so größer ist bei manchen Verfahren die Chance, daß das Analyseverfahren erfolgreich ist. Ein regelmäßiger Schlüsselwechsel minimiert die Angriffsmöglichkeiten auf verschlüsselte Daten. Die Wechselfrequenz ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Dabei spielt die Art des verschlüsselten Mediums (z. B. Langzeitdatenträger, Datenübertragungsmedium) ebenso eine Rolle wie der kryptographische Algorithmus, die Detektion von Angriffen (z. B. Diebstahl oder Verlust eines Schlüssels) und die Schutzwürdigkeit der Daten. Weitere Faktoren bei der Festlegung der Wechselfrequenz sind die Häufigkeit des Schlüsseleinsatzes, das relevante Bedrohungspotential und die Sicherheit der lokalen Aufbewahrung der Schlüssel. _____________________________________________________________________ .......................................... 61 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.46 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Je nach verwendetem Verfahren sind für jede einzelne Kommunikationsverbindung neue Schlüssel auszuhandeln, also Sitzungsschlüssel (Session Keys) zu verwenden. Dies sollte natürlich für die Benutzer unbemerkt durch die Verfahren gesteuert werden. Schlüsselwechsel bedeutet hierbei den Austausch der Masterkeys, die die Grundlage bilden, auf der die Sitzungsschlüssel gebildet werden, und sollte natürlich auch regelmäßig durchgeführt werden. Besteht der Verdacht, daß ein verwendeter Schlüssel bloßgestellt wurde, so ist dieser Schlüssel nicht mehr zu verwenden und alle Beteiligten sind zu informieren. Bereits mit diesem Schlüssel verschlüsselte Informationen sind zu entschlüsseln und mit einem anderen Schlüssel zu verschlüsseln. Schlüsselvernichtung Nicht mehr benötigte Schlüssel (z. B. Schlüssel, deren Gültigkeitsdauer abgelaufen sind) sind auf sichere Art zu löschen bzw. zu vernichten (z. B. durch mehrfaches Löschen/Überschreiben und/oder mechanische Zerstörung des Datenträgers). Auf Produkte mit unkontrollierbarer Schlüsselablage sollte generell verzichtet werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist ein Verantwortlicher für das Schlüsselmanagement benannt? - Werden die zu schützenden Daten getrennt von den bei der Verschlüsselung verwendeten Schlüsseln übertragen? - Werden die zu verwendenden Schlüssel hinreichend häufig gewechselt? - Kann eine lokale sichere Aufbewahrung der Schlüssel sichergestellt werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 62 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.47 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.47 Ernennung eines Fax-Verantwortlichen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Innerer Dienst, Vorgesetzte Verantwortlich für Umsetzung: Innerer Dienst Für jedes Fax-Gerät ist ein Verantwortlicher zu benennen, der folgende Aufgaben übernehmen muß: - Verteilung der eingehenden Fax-Sendungen an die Empfänger, - Koordination der Versorgung des Fax-Gerätes mit notwendigen Verbrauchsgütern, - geeignete Entsorgung von Fax-Verbrauchsgütern, - Löschen von Restinformationen im Fax-Gerät vor Wartungs- und Reparaturarbeiten, - Beaufsichtigung von Wartungs- und Reparaturarbeiten (vgl. M 2.4 Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten), - gelegentliche Kontrolle programmierter Zieladressen und Protokolle, insbesondere nach Wartungs- und Reparaturarbeiten, - Ansprechpartner bei Problemen bei der Fax-Nutzung. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist der Fax-Verantwortliche in seine Aufgaben eingewiesen worden? - Wird die Zuverlässigkeit des Fax-Verantwortlichen gelegentlich geprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 63 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.48 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.48 Festlegung berechtigter Fax-Bediener Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Innerer Dienst Die Berechtigung zur Bedienung des Fax-Gerätes ist auf einen ausgewählten Kreis zuverlässiger Mitarbeiter zu beschränken. Diese Mitarbeiter sind in die korrekte Handhabung des Gerätes einzuweisen und mit den erforderlichen ITSicherheitsmaßnahmen vertraut zu machen. Jeder berechtigte Benutzer sollte darüber unterrichtet werden, wer das Gerät bedienen darf und wer der FaxVerantwortliche ist. Darüber hinaus sollte am Fax-Gerät eine verständliche Bedienungsanleitung ausliegen. Durch die Einschränkung des Fax-Bedienerkreises auf die für den operativen Einsatz notwendige Mindestzahl wird erreicht, daß die Anzahl der Personen, die eingehende Fax-Sendungen mitlesen können, begrenzt ist. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Anzahl der Fax-Benutzer so gewählt, daß der betriebliche Einsatz nicht eingeschränkt ist? - Wissen alle Benutzer, wer zur Bedienung des Fax-Gerätes sonst noch berechtigt ist? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 64
M 2.49 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.49 Beschaffung geeigneter Fax-Geräte Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Beschaffungsstelle Bei Neuanschaffungen von Fax-Geräten sollte darauf geachtet werden, daß übliche Standardsicherheitsfunktionen implementiert sind wie: - Austausch einer Teilnehmerkennung, - Sendebericht, - Journalführung. Unter Beachtung des Preis-/Leistungsverhältnisses sind darüber hinaus folgende zusätzliche Sicherheitsfunktionen zu begrüßen: - paßwortgeschützter Zugang, - paßwortgeschützter Pufferspeicher, - Einrichten einer geschlossenen Benutzergruppe, - Ausschließen bestimmter Fax-Anschlüsse von Versendung oder Empfang. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden bei der Neubeschaffung von Fax-Geräten Sicherheitsfunktionen als Auswahlkriterien berücksichtigt? - Wird bei der Beschaffung von Fax-Geräten mit zusätzlichen Sicherheitsfunktionen die Angemessenheit und Wirtschaftlichkeit am Schutzbedarf ausgerichtet? _____________________________________________________________________ .......................................... 65 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.50 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.50 Geeignete Entsorgung von Fax-Verbrauchsgütern und -Ersatzteilen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Innerer Dienst, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Fax-Verantwortlicher Alle Fax-Verbrauchsgüter, aus denen Informationen über Faxtexte gewonnen werden könnten, wie z. B. Zwischenträgerfolien oder fehlerhafte Ausdrucke, sollten vor der Entsorgung vernichtet oder durch eine zuverlässige Fachfirma entsorgt werden. Das gleiche gilt beim Austausch informationstragender Ersatzteile, wie z. B. photo-elektrische Trommeln. Wartungsfirmen, die Faxgeräte periodisch warten oder reparieren, sind auf eine entsprechende Handhabung zu verpflichten und ggf. zu kontrollieren. Ergänzende Kontrollfragen: - Auf welche Weise wird nicht mehr benötigtes Fax-Verbrauchsmaterial entsorgt? - Sind die Fax-Verantwortlichen auf die Schutzbedürftigkeit des zu entsorgenden Materials und die bestehenden Entsorgungsmöglichkeiten hingewiesen worden? _____________________________________________________________________ .......................................... 66 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.51 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.51 Fertigung von Kopien eingehender Fax-Sendungen Verantwortlich für Initiierung: Fax-Verantwortlicher Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Ein Fax auf Thermopapier kann nach einiger Zeit stark verblassen oder schwarz werden. Daher sollten von Faxen auf Thermopapier, deren Informationsgehalt länger benötigt wird, Kopien auf Normalpapier erstellt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es Fax-Geräte im Unternehmen/ der Behörde, die mit Thermopapier arbeiten? - Werden wichtige eingehende Fax-Sendungen kopiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 67 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.52 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.52 Versorgung und Kontrolle der Fax-Verbrauchsgüter Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Dienst Leiter Innerer Verantwortlich für Umsetzung: Fax-Verantwortlicher Die Benutzer sollten angewiesen werden, den Fax-Verantwortlichen zu benachrichtigen, wenn Verbrauchsmaterial (z. B. Papier, Toner) nachgefüllt werden muß. Der Fax-Verantwortliche selbst sollte eine solche Prüfung regelmäßig (mindestens einmal pro Monat, bei besonderem Bedarf öfter) vornehmen. Die Versorgung mit Fax-Verbrauchsgütern ist vom Fax-Verantwortlichen ausreichend sicherzustellen. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Zuständigkeit für den Nachschub an Versorgungsgütern geregelt? - Fehlt häufig Verbrauchsmaterial? _____________________________________________________________________ .......................................... 68 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.53 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.53 Abschalten des Fax-Gerätes außerhalb der Bürozeiten Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, auftragter Brandschutzbe- Verantwortlich für Umsetzung: Fax-Verantwortlicher Um die Brandgefahr, die von Fax-Geräten immer ausgehen kann, zu reduzieren, sollten Geräte, die außerhalb der Arbeitszeit nicht benötigt werden (Abteilungs-Fax-Gerät, persönliches Gerät) zum Dienstschluß abgeschaltet werden. Damit kann auch erreicht werden, daß eingehende Fax-Sendungen nicht unkontrolliert längere Zeit im Fax-Gerät verbleiben. Realisierbar ist die Abschaltung auf einfache Weise durch Zeitschaltuhren, die die Stromversorgung des Gerätes auf die üblichen Bürozeiten einschränken. Für später eingehende Sendungen kann ein anderer (möglichst ständig kontrollierter) Fax-Anschluß benannt werden oder bei modernen TK-Anlagen eine Anrufumleitung eingerichtet werden. Gleichzeitig kann mit dem Abschalten des Fax-Gerätes die Überlastung des Gerätes aufgrund eines technischen Versagens oder aufgrund beabsichtigter Massenfaxsendungen außerhalb der Bürozeit verhindert werden. Das Abschalten sollte unterbleiben, wenn für die Verfügbarkeit des Gerätes besondere Anforderungen bestehen, die bei den Ausweichlösungen nicht umgesetzt werden können. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Fax-Geräte müssen auch außerhalb der Bürozeiten aktiv sein? - Werden die anderen Geräte ausgeschaltet? - Besteht die Möglichkeit einer Anrufweiterleitung? _____________________________________________________________________ .......................................... 69 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.54 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.54 Beschaffung geeigneter Anrufbeantworter Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, Beschaffungsstelle Diese Maßnahme ist bei der Neubeschaffung von Anrufbeantwortern zu beachten. Sollten vorhandene Geräte den Sicherheitsansprüchen nicht genügen, ist eine Neuanschaffung oder die Abschaltung dieser Geräte in Erwägung zu ziehen. Bei der Beschaffung von Anrufbeantwortern sollten unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit einige Kriterien beachtet werden, um Gefährdungen möglichst auszuschließen: - Zur Sicherstellung einwandfreier fernmeldetechnischer Funktionen müssen die Geräte eine BZT-Zulassung (Postzulassung) besitzen. - Bei ganz oder teilweise digital speichernden Geräten empfiehlt es sich, solche auszuwählen, die eine Notstromversorgung durch Batterien oder vom Benutzer wechselbare Akkumulatoren bieten. Bei fest eingebauten Akkumulatoren wird bei einem Austausch der Einsatz eines Servicetechnikers notwendig, was zu einem längeren Ausfall des Anrufbeantworters führen kann. - Aufgrund unterschiedlicher Güte der Nachrichtenaufzeichnung (z. B. bei analoger oder digitaler Aufzeichnung) sollte vor der Beschaffung die Aufzeichnungsqualität getestet werden. - Ganz oder teilweise digital speichernde Anrufbeantworter sollten mit einer Anzeige der Batteriekapazität sowie einem deutlichem Warnzeichen (evtl. auch akustisch) ausgestattet sein, um verminderte Batterieleistung rechtzeitig anzeigen zu können. - Bei Anrufbeantwortern, die eine einzige Kassette sowohl für Aufzeichnungen als auch für den Ansagetext verwenden, entstehen durch Bandspulvorgänge Wartezeiten. Es sollte abgewogen werden, ob diese Wartezeiten in Kauf genommen werden können. - Die Bedienungsfreundlichkeit des Anrufbeantworters sollte beachtet werden. Ergonomische und übersichtliche Tastenanordnung, Funktionstasten ohne Doppelbelegungen und für jedermann verständliche Bedienungsanleitungen sind vorteilhaft. - Die Fernabfrage sollte nach Möglichkeit mechanisch oder elektronisch deaktivierbar, der Sicherungscode zumindest drei- bis vierstellig und frei programmierbar sein. Eine zusätzliche Sperrschaltung, die den Anrufbeantworter nach drei vergeblichen Versuchen die Verbindung unterbrechen läßt, bietet einen erhöhten Schutz. Hieraus ergeben sich zumindest ein höherer Zeitaufwand und höhere Telefonkosten für den potentiellen Angreifer. Besser noch sind Geräte, bei denen die Fernabfragefunktionen nach drei vergeblichen Versuchen vollkommen gesperrt werden und nur noch am Gerät selbst wieder aktivierbar sind. Auch Sperrzeiten, die nach jedem Fehlversuch verlängert werden, sind sinnvoll. _____________________________________________________________________ .......................................... 70 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.54 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Sind obige Hinweise der Beschaffungsstelle bekannt? _____________________________________________________________________ .......................................... 71 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.55 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.55 Einsatz eines Sicherungscodes Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Verfügt der Anrufbeantworter über Fernabfragemöglichkeiten und einen Sicherungscode, so ist anzustreben, daß die Fernabfrage nur mittels eines individuell gewählten, geheimzuhaltenden Sicherungscodes aktiviert werden kann. Insbesondere ist ein evtl. werkseitig eingestellter Code zu ändern. Der Sicherungscode ist wie ein Paßwort zu hinterlegen (vgl. hierzu M 2.22 Hinterlegen des Paßwortes) und auch regelmäßig zu ändern. Bei der Bedienung des Anrufbeantworters mittels Fernabfragegerät sollte darauf geachtet werden, daß sich kein Fremder in der Nähe aufhält, der die Eingabe der Codes beobachten oder erlauschen könnte. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden die Benutzer über den korrekten Umgang mit der Fernabfrage unterrichtet? _____________________________________________________________________ .......................................... 72 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.56 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.56 Vermeidung schutzbedürftiger Informationen auf dem Anrufbeantworter Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Da sich zur Zeit Anrufbeantworter nicht vollständig gegen Mißbrauch absichern lassen, sollte die Aufzeichnung schutzbedürftiger Informationen vermieden werden oder sogar in Bereichen, in denen typischerweise schutzbedürftige Informationen ausgetauscht werden, der Einsatz von Anrufbeantwortern überdacht werden. Im Ansagetext sollte daher darauf hingewiesen werden, daß keine schutzbedürftigen Informationen auf dem Anrufbeantworter hinterlassen werden sollten. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Personen, die schutzbedürftigen Informationen aufsprechen, über die damit verbundenen Risiken aufgeklärt? - Sind Anrufbeantworter in Bereichen installiert, in denen häufig schutzbedürftige Informationen anfallen? _____________________________________________________________________ .......................................... 73 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.57 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.57 Regelmäßiges Abhören und Löschen aufgezeichneter Gespräche Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Die im Anrufbeantworter gespeicherten Gespräche sollten regelmäßig abgehört und gelöscht werden. Ist das Löschen bei analog aufzeichnenden Geräten nicht möglich, sollte das Magnetband an den Anfang zurückgespult werden, damit die Aufzeichnung neuer Gespräche gespeicherte alte Nachrichten überschreibt. _____________________________________________________________________ .......................................... 74 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.58 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.58 Begrenzung der Sprechdauer Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Zur Verhinderung von vorzeitiger Füllung des Speichermediums, sollte die maximale Sprechdauer pro Anruf auf 2-4 Minuten begrenzt werden, wenn das Gerät eine solche Einstellung erlaubt. _____________________________________________________________________ .......................................... 75 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.59 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.59 Auswahl eines geeigneten Modems in der Beschaffung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer, Administrator, Beschaffungsstelle Bei der Beschaffung eines Modems sind folgende Punkte zu beachten: - Modem-Zulassung Ein Modem, daß in Deutschland an das öffentliche Telekommunikationsnetz angeschlossen werden soll, muß eine BZT-Zulassung (früher ZZFZulassung, davor FTZ-Zulassung, im allgemeinen Sprachgebrauch auch Post-Zulassung genannt) haben. Hinweis: Entgegen der Angaben in vielen Modem-Handbüchern muß die Inbetriebnahme eines zugelassenen Modems nicht mehr der Telekom gemeldet werden. - Bauweise Ein internes Modem bietet den Vorteil, daß die Modem-Konfiguration nur über den Rechner, in dem es eingebaut ist, geändert werden kann. Verfügt der Rechner über Zugangs- oder Zugriffsschutzmechanismen, können sie zum Schutz der Modem-Konfigurationsdaten eingesetzt werden. Gleichzeitig kann damit die Nutzung des Modems auf autorisierte Personen beschränkt werden. Manipulationen am Modem sind durch den Einbau im Rechner erschwert. Bei vernetzten Systemen, die nicht über derartige Schutzmechanismen verfügen (einige Peer-to-Peer-Netze), besteht der Nachteil eines internen Modems darin, daß das Modem unkontrolliert von allen Arbeitsplätzen genutzt werden kann. Ein externes Modem kann nach Nutzung verschlossen aufbewahrt werden. Es bietet außerdem den Vorteil, daß es üblicherweise über diverse Anzeigen sowie den Modemlautsprecher über den aktuellen Status informieren kann. Über den Modemlautsprecher kann auch gehört werden, ob von extern eine Verbindung aufgebaut wird oder ob eine Applikation unaufgefordert versucht, Informationen über die Installation und die SystemKonfiguration an den Hersteller zu übertragen. Ein weiterer Vorteil eines externen Modems ist, daß es unabhängig vom IT-System nur für die jeweilige Datenübertragung eingeschaltet werden kann und somit z. B. sichergestellt werden kann, daß die letzte Verbindung getrennt worden ist und daß keine Verbindung von außerhalb aufgebaut werden kann. Nachteilig ist, daß ein externes Modem zur Manipulation der Konfigurationsdaten oder zum Auslesen gespeicherter Paßwörter einfach an ein nicht geschütztes IT-System angeschlossen werden kann. PCMCIA-Modems bieten aufgrund der Baugröße den Vorteil, daß sie nach Nutzung einfach verwahrt werden können. Eine sichere Aufbewahrung verhindert, daß sie zur Manipulation an ungeschützte Rechner angeschlossen werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 76 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.59 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Übertragungsgeschwindigkeit Je höher die Übertragungsgeschwindigkeit eines Modems ist, desto geringer sind die Kosten für die Übertragung großer Datenmengen aufgrund der Zeiteinsparung. Zunächst ist zu klären, welche Übertragungsgeschwindigkeiten für den gewünschten Einsatzzweck notwendig ist. Ausreichend sind z. B. bei ASCII-Terminalemulation 2400 bit/sec, bei Fax-Übertragung 9600 bit/sec, bei Datex-J (T-Online) zur Zeit 14400 bit/sec. Für Datenübertragung großen Ausmaßes sind die aktuell größtmöglichen Übertragungsgeschwindigkeiten einzusetzen. Übertragungsgeschwindigkeiten von mehr als 2400 bit/sec erschweren darüber hinaus das Abhören erheblich. Anschließend muß bei Geschwindigkeiten über 9600 bit/sec überprüft werden, ob die Schnittstelle des IT-Systems, an dem das Modem betrieben werden soll, höhere Geschwindigkeiten zuläßt. Bei der Auswahl des Modems sollte beachtet werden, daß die Leistungsmerkmale, die für die tatsächlich erreichte Übertragungsgeschwindigkeit ausschlaggebend sind, genormt sind. Dies sind zum einen Normen für die Übertragungsgeschwindigkeit wie V.32bis für 14400 bit/sec und zum anderen Protokolle zur Übertragungsoptimierung durch Datenkompression und Fehlerkorrektur wie MNP 5 oder V.24bis. - Befehlssatz Die meisten Modems arbeiten heute nach dem herstellerabhängigen HayesStandard (auch AT-Standard genannt). Aufgrund der weiten Verbreitung dieses Standards kann bei Einsatz eines Modems, das diesen Standard beherrscht, davon ausgegangen werden, daß die Kommunikation mit anderen Modems meist problemlos möglich ist. Bei der Anschaffung von Modems der neuesten Generation sollte bedacht werden, daß die versprochenen hohen Übertragungsraten oftmals nur erreicht werden können, wenn Geräten desselben Herstellers auf beiden Seiten eingesetzt werden. - Handbuch Ein gut lesbares und ausführliches Handbuch ist zur schnellen Installation und bestmöglichen Konfiguration eines Modems wichtig. - Sicherheitsmechanismen Es gibt vielfältige Sicherheitsmechanismen, die in Modems integriert sein können wie Paßwortmechanismus oder Callback-Funktion. Einige Modems bieten sogar die Möglichkeit, die übertragenen Daten zu verschlüsseln. Die Anschaffung eines Modems mit Verschlüsselungsoption ist vorteilhaft, wenn regelmäßig Übertragungen großer Datenmengen innerhalb einer Organisation mit verstreuten Liegenschaften durchgeführt werden sollen. Diese Online-Verschlüsselung bedingt einen geringeren organisatorischen Aufwand als das Verschlüsseln der Daten mittels Zusatzprodukten. Generelle Aussagen zur Sicherheit der eingesetzten Algorithmen können nicht gemacht werden. Für den IT-Grundschutz bietet der DES- _____________________________________________________________________ .......................................... 77 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.59 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Algorithmus bei entsprechendem Schlüsselmanagement ausreichende Sicherheit. Die vielfach angebotene Callback-Funktion bietet unter Sicherheitsgesichtspunkten den Vorteil, daß auf einfache Weise unautorisierte Anrufer abgewiesen werden können (siehe auch M 5.30 Aktivierung einer vorhandenen Callback-Option). Ergänzende Kontrollfragen: - Sind IT-Benutzer oder die Beschaffungsstelle über diese Hinweise informiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 78 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.60 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.60 Sichere Administration eines Modems Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer, Administrator Der sichere Einsatz eines Modems bedingt einige administrative Maßnahmen: - Die Telefonnummer eines Modem-Zugangs darf nur den Kommunikationspartnern bekanntgegeben werden, um den Zugang vor Einwählversuchen zu schützen. Sie darf nicht im Telefonverzeichnis der Organisation erscheinen. - Ist ein Modem in einen Netzserver integriert, können Benutzer von ihren Arbeitsplatzrechnern auf das Modem zugreifen. Dann darf ein Zugriff auf die Kommunikationssoftware nur den Benutzern möglich sein, die für die Datenübertragung berechtigt sind (siehe auch M 2.42 Festlegung der möglichen Kommunikationspartner). - Außerdem müssen regelmäßig die Einstellungen des Modems und der Kommunikationssoftware überprüft werden sowie die durchgeführten Datenübertragungen protokolliert werden. - Es muß sichergestellt sein, daß das Modem die Telefonverbindung unterbricht, sobald der Benutzer sich vom System abmeldet. Bei einem Standalone-System kann dies dadurch realisiert sein, daß das Modem nur solange mit dem Telefonnetz verbunden ist, wie es für die Datenübertragung eingesetzt wird, und es anschließend ausgeschaltet bzw. von der Leitung getrennt wird. Bei einem im Netzserver integrierten Modem muß dies über die Konfiguration sichergestellt werden. Ein externes Modem kann einfach ausgeschaltet werden. Außerdem müssen alle Benutzer darauf hingewiesen werden, daß nach der Datenübertragung auch das Kommunikationsprogramm zu beenden ist. - Es muß außerdem darauf geachtet werden, daß nach einem Zusammenbruch der Modem-Verbindung der externe Benutzer automatisch vom ITSystem ausgeloggt wird. Andernfalls kann der nächste Anrufer unter dieser Benutzerkennung weiterarbeiten, ohne sich einzuloggen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden die gewählten Einstellungen daraufhin getestet, ob eine unbefugte Nutzung des Modems wirksam verhindert ist? - Wird die Modemverbindung getrennt, wenn der Benutzer sich abmeldet? - Wird der Benutzer abgemeldet, wenn die Modemverbindung getrennt wird? _____________________________________________________________________ .......................................... 79 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.61 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.61 Regelung des Modem-Einsatzes Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Es ist festzulegen: - wer der Verantwortliche für den sicheren Betrieb des Modems ist (beispielsweise im Stand-alone Einsatz der IT-Benutzer, in vernetzten Systemen der Administrator), - wer das Modem benutzen darf, - in welchen Fällen vertrauliche Informationen bei der Übertragung verschlüsselt werden sollten, - in welchen Fällen durchgeführte Datenübertragungen zu protokollieren sind (z. B. bei Übermittlung personenbezogener Daten). Bietet die Kommunikationssoftware Protokollierungsfunktion an, sollte diesen im sinnvollen Rahmen genutzt werden. Alle Login-Vorgänge, ob erfolgreich oder erfolglos, müssen protokolliert werden. Korrekt eingegebene Paßwörter sollten nicht mitprotokolliert werden, es ist aber zu überlegen, die bei erfolglosen Login-Versuchen eingegebenen Paßwörter mitzuprotokollieren, um Paßwort-Attacken zu entdecken. Indizien für Paßwort-Attacken können z. B. sein: häufige erfolglose LoginVersuche für einen Benutzer, erfolglose Login-Versuche immer vom selben Anschluß, Versuche sich auf verschiedene Benutzernamen anzumelden während einer Verbindung oder von einem Anschluß. Nach dem Verbindungsaufbau muß dem Anrufenden ein Anmelde-Prompt angezeigt werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, daß vor der erfolgreichen Anmeldung möglichst wenig Informationen über das angewählte ITSystem weitergegeben werden. Es sollte weder die Art der eingesetzten Hardware noch des Betriebssystems gegeben werden. Der Anmelde-Prompt sollte den Namen des IT-Systems und/oder der Organisation enthalten, einen Hinweis, daß alle Verbindungen protokolliert werden und eine Eingabeaufforderung für Benutzername und Paßwort. Bei erfolglosen Anmeldeversuchen darf keine Ursache angezeigt werden (falscher Benutzername, falsches Paßwort). Trennung Dial-In / Dial-Out Für ein- bzw. abgehende Verbindungen sollten getrennte Leitungen und Modems benutzt werden. Ein Anrufer sollte keine Möglichkeit haben, sich über das angewählte IT-System wieder nach außen verbinden zu lassen. (Wenn dies für Außendienstmitarbeiter unbedingt notwendig ist, muß dem eine starke Authentisierung vorangehen, z. B. über Chipkarten.) Ansonsten besteht die Gefahr, daß Hacker den Zugang mißbrauchen, zum einen um teure Fernverbindungen aufzubauen und zum anderen um ihre Spuren zu verwischen. _____________________________________________________________________ .......................................... 80 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.61 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Beim Callback sollte für den Rückruf ein anderes Modem oder eine andere Leitung benutzt werden, als das anrufende Modem benutzt hat (siehe auch M 5.44 Einseitiger Verbindungsaufbau). Ergänzende Kontrollfragen: - Sind allen für die Kommunikation zugelassenen Mitarbeitern die diesbezüglichen Regelungen bekannt? _____________________________________________________________________ .......................................... 81 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.62 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.62 Software-Abnahme- und Freigabe-Verfahren Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Der Einsatz von IT zur Aufgabenbewältigung setzt voraus, daß die maschinelle Datenverarbeitung soweit wie möglich fehlerfrei arbeitet, da die Kontrolle der Einzelergebnisse in den meisten Fällen nicht mehr zu leisten ist. Im Zuge eines Software-Abnahme-Verfahrens wird deshalb überprüft, ob die betrachtete Software fehlerfrei arbeitet, das heißt, ob die Software die erforderliche Funktionalität zuverlässig bereitstellt und ob sie darüber hinaus keine unerwünschten Nebeneffekte hat. Mit der anschließenden Freigabe der Software durch die fachlich zuständige Stelle wird die Erlaubnis erteilt, die Software zu nutzen. Gleichzeitig übernimmt diese Stelle damit auch die Verantwortung für das IT-Verfahren, daß durch die Software realisiert wird. Bei der Software-Abnahme unterscheidet man sinnvollerweise zwischen Software, die selbst oder im Auftrag entwickelt wurde, und Standardsoftware, die nur für den speziellen Einsatzzweck angepaßt wird. Abnahme von selbst- oder im Auftrag entwickelter Software Bevor der Auftrag zur Software-Entwicklung intern oder extern vergeben wird, muß die Anforderungsdefinition für die Software erstellt sein, aus der dann das Grob- und Feinkonzept für die Realisierung entwickelt wird. Anhand dieser Dokumente erstellt die fachlich zuständige Stelle, nicht die für die Software-Entwicklung zuständige Stelle, im allgemeinen einen Abnahmeplan. Üblicherweise werden hierzu Testfälle und die erwarteten Ergebnisse für die Software erarbeitet. Anhand dieser Testfälle wird die Software getestet und der Abgleich zwischen berechnetem und erwartetem Ergebnis wird als Indiz für die Korrektheit der Software benutzt. Zur Entwicklung der Testfälle und zur Durchführung der Tests ist folgendes zu beachten: - die Testfälle werden von der fachlich zuständigen Stelle entwickelt, - für Testfälle werden keine Daten des Wirkbetriebs benutzt, - Testdaten, insbesondere wenn sie durch Kopieren der Wirkdaten erstellt werden, dürfen keine vertraulichen Informationen beinhalten; personenbezogene Daten sind zu anonymisieren oder zu simulieren, - die Durchführung der Tests darf keine Auswirkungen auf den Wirkbetrieb haben; nach Möglichkeit sollte ein logisch oder physikalisch isolierter Testrechner benutzt werden. Eine Abnahme ist zu verweigern, wenn: - Schwerwiegende Fehler in der Software festgestellt werden, - Testfälle auftreten, in denen die erwarteten Ergebnisse nicht mit den berechneten übereinstimmen, - Benutzerhandbücher oder Bedienungsanleitungen nicht vorhanden oder von nicht ausreichender Qualität sind und _____________________________________________________________________ .......................................... 82 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.62 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Dokumentation der Software nicht vorhanden oder nicht ausreichend ist. Die Ergebnisse der Abnahme sind schriftlich festzuhalten. Die Dokumentation des Abnahmeergebnisses sollte umfassen: - Bezeichnung und Versionsnummer der Software und ggf. des IT-Verfahrens, - Beschreibung der Testumgebung, - Testfälle und Testergebnisse und - Abnahmeerklärung. Abnahme von Standardsoftware Wird Standardsoftware beschafft, so sollte auch diese einer Abnahme und einer Freigabe unterzogen werden. In der Abnahme sollte überprüft werden, ob - die Software frei von Computer-Viren ist, - die Software kompatibel zu den anderen eingesetzten Produkten ist, - die Software in der angestrebten Betriebsumgebung lauffähig ist und welche Parameter zu setzen sind, - die Software komplett einschließlich der erforderlichen Handbücher ausgeliefert wurde und - die geforderte Funktionalität erfüllt wird. Freigabe-Verfahren Ist die Abnahme der Software erfolgt, muß die Software für die Nutzung freigegeben werden. Dazu ist zunächst festzulegen, wer berechtigt ist, Software freizugeben. Die Freigabe der Software ist schriftlich festzulegen und geeignet zu hinterlegen. Die Freigabeerklärung sollte umfassen: - Bezeichnung und Versionsnummer der Software und ggf. des IT-Verfahrens, - Bestätigung, daß die Abnahme ordnungsgemäß vorgenommen wurde, - Einschränkungen für die Nutzung (Parametereinstellung, Benutzerkreis,...), - Freigabedatum, ab wann die Software eingesetzt werden darf und - die eigentliche Freigabeerklärung. Falls IT-technisch möglich muß verhindert werden, daß Software nach der Freigabe verändert oder manipuliert werden kann. Andernfalls ist dies durch eine Regelung festzulegen. Auch nach intensiven Abnahmetests kann es vorkommen, daß im laufenden Einsatz Fehler in der Software festgestellt werden. Für diesen Fall ist festzulegen, wie in einem solchen Fehlerfall verfahren werden soll (Ansprechpartner, Fehlerbeseitigungsablauf, Beteiligung der fachlich zuständigen Stelle, Wiederholung der Abnahme und Freigabe, Versionskontrolle). _____________________________________________________________________ .......................................... 83 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.62 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Für weiterführende Erklärungen siehe Kapitel 9.1 Standardsoftware. Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es für sämtliche eingesetzte Software eine Abnahme- und Freigabebestätigung? - Werden Fehler auch ohne Beteiligung der fachlich zuständigen Stelle beseitigt? - Kann im Einsatz befindliche Software unerkannt manipuliert werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 84 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.63 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.63 Einrichten der Zugriffsrechte Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen, Administrator Arbeiten mit einem IT-System mehrere Benutzer, so muß durch eine ordnungsgemäße Administration der Zugriffsrechte sichergestellt werden, daß die Benutzer das IT-System nur gemäß ihren Aufgaben nutzen können. Vorausgesetzt sei, daß von den Fachverantwortlichen die Zugangs- und Zugriffsberechtigungen für die einzelnen Funktionen festgelegt wurden (vgl. M 2.7 Vergabe von Zugangsberechtigungen und M 2.8 Vergabe von Zugriffsrechten). Anschließend werden die Benutzer des IT-Systems den einzelnen Funktionen zugeordnet. Die Ergebnisse sind schriftlich zu dokumentieren. Der Administrator muß dann das IT-System so konfigurieren, daß diese Benutzer Zugang zum IT-System erhalten und mit den ihnen zugewiesenen Zugriffsrechten nur ihre Aufgaben wahrnehmen können. Bietet das IT-System keine Möglichkeit, Zugriffsrechte zuzuweisen (z. B. beim DOS-PC mit mehreren Benutzern), so ist ein Zusatzprodukt zu diesem Zweck einzusetzen (vgl. z. B. M 4.41 Einsatz eines angemessenen PC-Sicherheitsproduktes). Läßt das IT-System es zu, so sind die sinnvoll einsetzbaren Protokollfunktionen zur Beweissicherung durch den Administrator zu aktivieren. Dazu gehören erfolgreiche und erfolglose An- und Abmeldevorgänge, Fehlermeldungen des Systems, unerlaubte Zugriffsversuche. Für den Vertretungsfall muß der Administrator vorab kontrollieren, ob der Vertreter vom Fachverantwortlichen autorisiert ist. Erst dann darf er die erforderlichen Zugriffsrechte im akuten Vertretungsfall einrichten. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die vom Administrator eingerichteten Zugriffsrechte sporadisch überprüft? - Liegt eine Dokumentation vor, welche Rechtestruktur im IT-System realisiert ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 85 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.64 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.64 Kontrolle der Protokolldateien Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen, Revisor Die Protokollierung sicherheitsrelevanter Ereignisse ist als Sicherheitsmaßnahme nur wirksam, wenn die protokollierten Daten in regelmäßigen Abständen durch einen Revisor ausgewertet werden. Ist es technisch nicht möglich, die Rolle eines unabhängigen Revisors für Protokolldateien zu implementieren, kann ihre Auswertung auch durch den Administrator erfolgen. Für diesen Fall bleibt zu beachten, daß damit eine Kontrolle der Tätigkeiten des Administrators nur schwer möglich ist. Das Ergebnis der Auswertung sollte daher dem IT-Sicherheitsbeauftragten, dem IT-Verantwortlichen oder einem anderen besonders zu bestimmenden Mitarbeiter vorgelegt werden. Die regelmäßige Kontrolle dient darüber hinaus auch dem Zweck, durch die anschließende Löschung der Protokolldaten ein übermäßiges Anwachsen der Protokolldateien zu verhindern. Da Protokolldateien in den meisten Fällen personenbezogene Daten beinhalten, ist sicherzustellen, daß diese Daten nur zum Zweck der Datenschutzkontrolle, der Datensicherung oder zur Sicherstellung eines ordnungsgemäßen Betriebes verwendet werden dürfen (vgl. § 14 Abs. 4 BDSG). Die nachfolgenden Auswertungskriterien dienen als Beispiele, die Hinweise auf eventuelle Sicherheitslücken, Manipulationsversuche und Unregelmäßigkeiten erkennen lassen: - Liegen die Zeiten des An- und Abmeldens außerhalb der Arbeitszeit (Hinweis auf Manipulationsversuche)? - Häufen sich fehlerhafte Anmeldeversuche (Hinweis auf den Versuch, Paßwörter zu erraten)? - Häufen sich unzulässige Zugriffsversuche (Hinweis auf Versuche zur Manipulation)? - Gibt es auffällig große Zeitintervalle, in denen keine Protokolldaten aufgezeichnet wurden (Hinweis auf eventuell gelöschte Protokollsätze)? - Ist der Umfang der protokollierten Daten zu groß (eine umfangreiche Protokolldatei erschwert das Auffinden von Unregelmäßigkeiten)? - Gibt es auffällig große Zeitintervalle, in denen anscheinend kein BenutzerWechsel stattgefunden hat (Hinweis darauf, daß das konsequente Abmelden nach Arbeitsende nicht vollzogen wird)? - Gibt es auffallend lange Verbindungszeiten in öffentliche Netze hinein (vgl. G 4.25 Nicht getrennte Verbindungen)? - Wurde in einzelnen Netzsegmenten oder im gesamten Netz eine auffällig hohe Netzlast oder eine Unterbrechung des Netzbetriebes festgestellt (Hinweis auf Versuche, die Dienste des Netzes zu verhindern bzw. zu beeinträchtigen oder auf eine ungeeignete Konzeption bzw. Konfiguration des Netzes)? _____________________________________________________________________ .......................................... 86 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.64 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Wenn regelmäßig umfangreiche Protokolldateien ausgewertet werden müssen, ist es sinnvoll, ein Werkzeug zur Auswertung zu benutzen. Dieses Werkzeug sollte wählbare Auswertungskriterien zulassen und besonders kritische Einträge (z. B. mehrfacher fehlerhafter Anmeldeversuch) hervorheben. Das oben gesagte gilt analog auch für die Erhebung von Auditdaten, da es sich dabei im Prinzip nur um die Protokollierung sicherheitskritischer Ereignisse handelt. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer wertet die Protokolldateien aus? Findet das Vier-Augen-Prinzip Anwendung? - Können die Aktivitäten des Administrators ausreichend kontrolliert werden? - Wird das IT-Sicherheitsmanagement bei Auffälligkeiten unterrichtet? _____________________________________________________________________ .......................................... 87 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.65 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.65 Kontrolle der Wirksamkeit der BenutzerTrennung am IT-System Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Revisor, Administrator, IT-Sicherheitsmanagement Mittels Protokollauswertung oder durch Stichproben ist in angemessenen Zeitabständen zu überprüfen, ob die Benutzer des IT-Systems sich regelmäßig nach Aufgabenerfüllung abmelden oder ob mehrere Benutzer unter einer Kennung arbeiten. Sollte festgestellt werden, daß tatsächlich mehrere Benutzer unter einer Kennung arbeiten, sind sie auf die Verpflichtung zum Abmelden nach Aufgabenerfüllung hinzuweisen. Gleichzeitig sollte der Sinn dieser Maßnahme erläutert werden, die im Interesse des einzelnen Benutzers liegt. Stellt sich heraus, daß die An- und Abmeldevorgänge zu zeitintensiv sind und trotz Aufforderung nicht akzeptiert werden, sollten alternative Maßnahmen diskutiert werden wie zum Beispiel: - Zuordnung des IT-Systems zu einem Benutzer für bestimmte Zeitintervalle, in denen andere Benutzer das IT-System nicht nutzen dürfen. Dies setzt voraus, daß der Arbeitsprozeß dementsprechend zeitlich variabel ist. - Anschaffung zusätzlicher IT-Systeme, mit denen die quasiparallele Arbeit an einem IT-System vermieden werden kann. Zu beachten ist, daß zwar die Anschaffungskosten für die zusätzlichen IT-Systeme anfallen, aber andererseits die Anschaffungskosten für PC-Sicherheitsprodukte entfallen können. Anstelle des Bausteins 5.4 DOS-PC (mehrere Benutzer) ist dann die Umsetzung empfohlener Grundschutzmaßnahmen eines anderen Bausteins, z. B 5.1 DOS-PC (ein Benutzer), erforderlich. - Sollten sich die Datenbestände der einzelnen Benutzer separieren lassen (beispielsweise Benutzer A bearbeitet die Daten A-L, Benutzer B die Daten M-Z), so können dafür unterschiedliche Zugriffsrechte eingeräumt werden. Will ein Benutzer dann mit seinen Daten arbeiten, muß er sich zuvor beim System anmelden, da seine Kollegen kein Zugriffsrecht auf diese Daten besitzen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie häufig wird der ordnungsgemäße Benutzerwechsel geprüft? - Gibt es Akzeptanzprobleme bezüglich des Benutzerwechsels? - Lassen sich die Datenbestände separieren? _____________________________________________________________________ .......................................... 88 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.66 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.66 Beachtung des Beitrags der Zertifizierung für die Beschaffung Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Beschaffungsstelle Bei der Beschaffung von IT-Produkten und IT-Systemen muß frühzeitig festgelegt werden, ob die bloße Zusicherung des Herstellers oder Vertreibers über implementierte Sicherheitsfunktionen als ausreichend vertrauenswürdig anerkannt werden kann. Insbesondere bei einem hohen oder sehr hohen Schutzbedarf kann die Vertrauenswürdigkeit der Produkte in Hinblick auf ITSicherheit nur dadurch gewährleistet werden, daß unabhängige Prüfstellen die Produkte untersuchen und bewerten (evaluieren). Allgemein anerkannte Grundlage dieser Evaluierungen bilden seit 1991 die europaweit harmonisierten "Kriterien für die Bewertung der Sicherheit von Systemen der Informationstechnik (ITSEC)" und das Evaluationshandbuch ITSEM und seit 1998 die weltweit angestimmten "Gemeinsamen Kriterien für die Prüfung und Bewertung der Sicherheit von Informationstechnik" / Common Criteria (CC). In Deutschland führen das BSI selbst und vom BSI akkreditierte Prüfstellen solche Evaluationen durch. Bei positivem Evaluationsergebnis und bei Einhaltung der Rahmenbedingungen von ITSEC und ITSEM bzw. der Common Criteria wird für das untersuchte Produkt oder System vom BSI als Zertifizierungsstelle ein Sicherheitszertifikat erteilt. Aus dem dazugehörenden Zertifizierungsreport geht hervor, welche Funktionalität mit welcher Prüftiefe untersucht wurde und welche Bewertung vorgenommen wurde. Dabei reichen die Prüftiefe von Evaluationsstufe E 1 (geringste Prüftiefe) bis Evaluationsstufe E 6 (höchste Prüftiefe) bei den ITSEC bzw. von Vertrauenswürdigkeitsstufe EAL 1 (geringste Prüftiefe) bis Vertrauenswürdigkeitsstufe EAL 7 (höchste Prüftiefe) bei den CC. Dabei entspricht die Evaluationsstufe E 1 der ITSEC in etwa der Vertrauenswürdigkeitsstufe EAL 2 der CC usw. Zusätzlich wird die geprüfte Mechanismenstärke der Implementation der Sicherheitsfunktionen angegeben, die ein Maß darstellt für den Aufwand, den man zum Überwinden der Sicherheitsfunktionen aufbringen muß. ITSEC und CC unterscheiden hier die Mechanismenstärken niedrig, mittel und hoch. Darüber hinaus werden Hinweise gegeben, welche Randbedingungen beim Einsatz des Produktes beachtet werden müssen. Stehen bei der IT-Beschaffung mehrere Produkte mit angemessenem Preis/Leistungsverhältnis zur Auswahl, so kann ein eventuell vorhandenes Sicherheitszertifikat als Auswahlkriterium positiv berücksichtigt werden. Hierbei sollten Sicherheitszertifikate insbesondere dann berücksichtigt werden, wenn der evaluierte Funktionsumfang die Mindestfunktionalität (weitestgehend) umfaßt und die Mechanismenstärke dem Schutzbedarf entspricht (vgl. M 4.41 Einsatz eines angemessenen PC-Sicherheitsproduktes). Je höher dann die im Zertifikat angegebene Prüfungstiefe ist, desto mehr Vertrauen in Wirksamkeit und Korrektheit der Sicherheitsfunktionen kann dem Produkt entgegengebracht werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 89 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.66 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Zertifzierungsstellen geben regelmäßig Übersichten heraus, welche Produkte ein Zertifikat erhalten haben. Eine Zusammenstellung der vom BSI zertifizierten IT-Produkte und -Systeme kann beim BSI angefordert werden: BSI 7148 - BSI-Zertifikate. Weiterhin veröffentlicht das BSI neu erteilte Zertifikate in der Zeitschrift KES, Zeitschrift für Kommunikations- und EDVSicherheit. Diese Informationen lassen sich ebenfalls vom BSI-Server abrufen. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die IT-Beschaffungsstellen/-ämter über den Beitrag der Evaluation/Zertifizierung unterrichtet worden? - Sind für die Beschaffungsstelle/-ämter aktuelle Übersichten über zertifizierte Produkte verfügbar? - Werden von der Beschaffungsstelle die relevanten Zertifizierungsreports angefordert? _____________________________________________________________________ .......................................... 90 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.67 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.67 Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Peerto-Peer-Netz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Bevor mit der eigentlichen Konfiguration und Installation eines Peer-to-PeerNetzes, bei dem Rechner mit WfW, Windows 95 und/oder Windows NT eingesetzt werden, begonnen werden kann, müssen zuerst zwei grundlegende Überlegungen angestellt werden: Zunächst muß geklärt werden, welche Dienstleistung das jeweilige Betriebssystem erbringen und in welchem Rahmen es diesbezüglich eingesetzt werden soll. Insbesondere ist zu klären, ob überhaupt Peer-to-Peer-Funktionalitäten, d. h. die Nutzung freigegebener Ressourcen wie Verzeichnisse oder Drucker unter einem der genannten Betriebssysteme, verwendet werden sollen. Dies soll anhand einiger Beispiele veranschaulicht werden: - Das IT-System wird für eine Arbeitsgruppe von typischerweise drei bis fünf Benutzern eingesetzt, bei denen jeder alle Rechte besitzen sollen. An jedem Arbeitsplatz soll die komplette Peer-to-Peer-Funktionalität unterstützt werden. - Das IT-System wird für eine größere Arbeitsgruppe eingesetzt, in der unterschiedliche Rechte vergeben werden können. Die Peer-to-Peer-Funktionalität soll aufgrund konkreter Anforderungen in eingeschränkter Form realisiert werden. - Das IT-System wird in einem servergestützten PC-Netz eingesetzt, bei dem auf die Peer-to-Peer-Funktionalität zum Austausch von Daten in der Regel verzichtet werden kann. Einzelne Drucker sollen jedoch über Peer-to-PeerFunktionalität gemeinsam benutzt werden können. - Das IT-System wird in einem servergestützten PC-Netz eingesetzt, in dem keine Peer-to-Peer-Funktionalität vorgesehen ist. Dann sind alle Peer-toPeer-Funktionalitäten zu deaktivieren. In diesem Fall kann die Betrachtung der folgenden Punkte entfallen, doch sollten dann die Maßnahme M 5.37 Einschränken der Peer-to-Peer-Funktionalitäten bei Nutzung von WfW, Windows 95 oder Windows NT in einem servergestützten Netz beachtet werden. Hinweis: Servergestützte Netze bieten wesentlich weitgehendere Sicherheitsfunktionalitäten als Peer-to-Peer-Netze. Darüber hinaus entstehen durch die Verwendung von Peer-to-Peer-Funktionalitäten in servergestützten Netzen zusätzliche Sicherheitsprobleme. Deshalb sollte bei servergestützten PCNetzen auf die Verwendung von Peer-to-Peer-Funktionalitäten verzichtet werden. Peer-to-Peer-Netze, die zur Anbindung von WfW an andere Rechner mit WfW, Windows 95 oder Windows NT dienen, sollten nur als Übergangslösung betrachtet werden, bis entweder WfW durch Windows 95 oder Windows NT abgelöst wird oder ein servergestütztes Netzbetriebssystem installiert wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 91 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.67 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Sofern Peer-to-Peer-Funktionalitäten verwendet werden sollen, müssen anschließend diese Überlegungen in eine Sicherheitsstrategie übersetzt werden. Dabei zeigt sich, daß je nach bereits vorhandener Systemumgebung und Organisationsstruktur sowie der vorzusehenden Restriktionen an die Peer-toPeer-Funktionalitäten, ein mehr oder weniger großer Aufwand bei der Entwicklung einer dazu passenden Sicherheitsstrategie notwendig ist. Es wird nachfolgend eine methodische Vorgehensweise aufgezeigt, mittels derer eine umfassende Sicherheitsstrategie für ein Peer-to-Peer-Netz entwikkelt werden kann. Da jedoch ein Peer-to-Peer-Netz in verschiedenen Konfigurationen eingesetzt werden kann, ist für die jeweilige Ausprägung individuell zu entscheiden, welche der beschriebenen Schritte anzuwenden sind. Festlegung einer Sicherheitsstrategie für ein Peer-to-Peer-Netz In der Sicherheitsstrategie sollte aufgezeigt werden, wie ein Peer-to-Peer-Netz sicher aufgebaut, administriert und betrieben wird. Nachfolgend werden die einzelnen Entwicklungsschritte einer solchen Strategie vorgestellt: 1. Definition der Peer-to-Peer-Netzstruktur Eine Peer-to-Peer-Netzstruktur wird definiert durch die Festlegung, - welche Rechner als Fileserver (sie dürfen Verzeichnisse freigeben), - welche Rechner als Druckserver (sie dürfen Drucker freigeben), - welche Rechner als Applikationsserver für bestimmte IT-Anwendungen wie z. B. Mail, Schedule+, Fax (sie sollten ständig verfügbar sein) und - welche Rechner nur als Clients (sie können sich nur mit anderen Rechnern verbinden) fungieren sollen. Dabei ist einerseits darauf zu achten, daß die Kapazität der Server den jeweiligen Anforderungen hinsichtlich Geschwindigkeit und Plattenspeicherplatz genügt, andererseits ist aber die Anzahl der Server auf das notwendige Maß zu beschränken. Darüber hinaus sollten keine Applikationen auf Server ausgelagert werden, bei denen ständig große Datenmengen über das Netz übertragen werden müssen, da dies zu Netzüberlastungen führen kann. 2. Regelung der Verantwortlichkeiten Ein Peer-to-Peer-Netz sollte mittels eines geschulten Administrators nebst Stellvertreter sicher betrieben werden. Diese allein dürfen Sicherheitsparameter im Peer-to-Peer-Netz verändern. Sie sind z. B. dafür zuständig, auf eventuellen Applikations- oder Fileservern den entsprechenden Verantwortlichen Administrationsrechte und -werkzeuge zur Verfügung zu stellen, damit diese die Freigabe der von anderen benötigten Verzeichnisse bzw. Anwendungen vornehmen können. Auch in einem servergestützten PC-Netz, in dem zusätzlich Peer-to-PeerFunktionalitäten zugelassen werden sollen, müssen explizit Peer-to-PeerAdministratoren ernannt werden, die aber mit den Netz-Administratoren identisch sein dürfen. _____________________________________________________________________ .......................................... 92 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.67 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Verantwortlichkeiten der einzelnen Benutzer im Peer-to-Peer-Netz sind unter Schritt 7 dargestellt. 3. Einschränkung der Freigabemöglichkeiten Windows für Workgroups: Mit dem Administrationswerkzeug ADMINCFG.EXE für WfW können die folgenden Möglichkeiten für jeden WfW-Rechner einzeln zugelassen oder gesperrt werden: - Freigabe von Verzeichnissen, - Freigabe von Druckern, - Restriktionen für das WfW-Anmeldepaßwort (Ablaufzeit, Mindestlänge etc.), - Freigabe von Netz-DDE (z. B. für den Datenaustausch über die Ablagemappe oder das Telefonieren unter WfW). Die Datei ADMINCFG.EXE gehört zwar zum Lieferumfang von WfW, wird aber nicht standardmäßig auf den Rechnern installiert. Eine Dokumentation erfolgt nur in den Anleitungen für Systemverwalter (siehe M 4.45 Einrichtung einer sicheren Peer-to-Peer-Umgebung). Es ist festzulegen, auf welchen Rechnern dieses Administrationswerkzeug installiert werden soll. Dieses Programm verfügt über eine Paßwortabfrage, mit der die eingestellte Konfiguration geschützt wird. Jeder, der Zugriff auf dieses Programm hat, kann versuchen, das Paßwort der jeweiligen Konfigurationsdatei herauszufinden und dann die Freigabeoptionen zu ändern. Sinnvollerweise sollte es daher nur dem Administrator und seinem Stellvertreter zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus ist es unter WfW möglich, die Konfigurationsdateien zentral auf einem Server abzulegen (entweder für jeden Benutzer einzeln, für Gruppen oder für alle Benutzer gemeinsam; siehe "WfW Resource Kit, Addendum for Operating System Version 3.11"). Dies hat den Vorteil, Änderungen für mehrere WfW-Benutzer gleichzeitig vornehmen zu können, insbesondere wenn das Paßwort der Konfigurationsdatei(en) geändert werden soll. Hinweis: Eine durch ein Paßwort geschützte Konfiguration bietet nur eingeschränkte Sicherheit, da sie einem vorsätzlichen Angriff kaum standhält. Die Einschränkung der WfW-Funktionalität beugt damit in erster Linie dem unbeabsichtigten Fehlverhalten der Benutzer vor. Windows 95: Die Möglichkeit zur Freigabe von Verzeichnissen bzw. Druckern läßt sich unter Windows 95 für einzelne Rechner und/oder Benutzer durch entsprechende Einträge in deren Profile einschränken (siehe auch M 4.58 Freigabe von Verzeichnissen unter Windows 95). _____________________________________________________________________ .......................................... 93 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.67 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Windows NT: Unter Windows NT ist die Möglichkeit der Freigabe von Verzeichnissen auf Administratoren eingeschränkt, so daß hier einem Mißbrauch durch Endbenutzer vorgebeugt ist. Ob und ggf. welche Ressourcen freigegeben werden sollen, ist bei der Planung des Netzes (siehe M 2.94 Freigabe von Verzeichnissen unter Windows NT) im Detail festzulegen. 4. Festlegung einer Namenskonvention Um eine Maskerade unter WfW zu erschweren, sollten eindeutige Namen für die Rechner, Benutzergruppen und die Benutzer verwendet werden. Diese Namen sind allen Benutzern bekanntzugeben. Erfolgt nun eine Anmeldung unter einem Namen, den es nach der Konvention nicht geben kann, z. B. indem er einem bestehenden nur ähnlich ist, wird eine Maskerade offensichtlich. Eine Anmeldung unter einem bereits angemeldeten Rechnernamen wird von WfW abgewiesen, jedoch ist eine Maskerade unter einem zugelassenen Namen dann möglich, wenn der betreffende Anwender nicht angemeldet ist. Unter Windows 95 ist durch die Systemrichtlinien sicherzustellen, daß die Benutzer weder Rechner- noch Benutzernamen selbstständig ändern können. Dazu sollte für Standardbenutzer der Zugriff auf die Systemsteuerungsoption "Netzwerk" deaktiviert werden (siehe auch M 2.103 Einrichten von Benutzerprofilen unter Windows 95). Unter Windows NT sind nur die vom Administrator definierten Benutzer zugelassen und es können nur Administratoren den Rechnernamen ändern. Allerdings können Benutzer versuchen, sich über die Option "Verbinden Als" unter "Netzlaufwerk verbinden" unter anderem Benutzernamen anzumelden. Zusätzlich können Namenskonventionen für die Freigabenamen von Verzeichnissen oder Druckern eingeführt werden. Sollen keine Rückschlüsse auf den Inhalt des Verzeichnisses möglich sein, sind entsprechende Pseudonyme zu verwenden. Soll eine freigegebene Ressource nicht als solche erkennbar sein, ist dem Freigabenamen das Zeichen "$" anzuhängen. Letzteres empfiehlt sich immer dann, wenn Verzeichnisse nur zum bilateralen Austausch von Informationen zwischen zwei Anwendern freigegeben werden. 5. Festlegung freizugebender Verzeichnisse bzw. Drucker und Vergabe der Zugriffsrechte Für die Applikationsserver ist festzulegen, welche Verzeichnisse (z. B. das Post-Office-Verzeichnis AGPO unter Mail) für den Betrieb freizugeben sind. Für die Fileserver sind diejenigen Verzeichnisse auszuwählen, die den Benutzern zur Verfügung gestellt werden sollen. Unter WfW und Windows 95 können beliebige Benutzer Ressourcen für den Netzzugriff freigeben; unter Windows NT ist dies nur den Administratoren erlaubt. Dabei muß zwischen den beiden Zugriffsmodellen der Sicherheit auf Freigabeebene (Share Level Security), bei der die Zugriffe auf freigegebene Ressourcen über Paßwörter kontrolliert werden, und der Sicherheit auf Benutzerebene (User Level Security), bei der die Zugangs- und Zugriffskontrolle eines Server-Betriebssystems genutzt werden, unterschieden werden. WfW unterstützt nur das erste dieser Modelle, Windows NT (als Client) das zweite, während Windows 95 über die Registerkarte "Zugriffssteuerung" der _____________________________________________________________________ .......................................... 94 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.67 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Systemsteuerungsoption "Netzwerk" die Auswahl zwischen beiden Modellen gestattet. Bei Verwendung der Sicherheit auf Freigabeebene sind für die freigegebenen Verzeichnisse Zugriffsrechte (Lese- oder Lese-/ Schreibrecht) zu definieren und geeignete Paßwörter auszuwählen. Durch die gezielte Weitergabe dieser Paßwörter an einzelne Benutzer werden nunmehr die Zugriffsrechte im Peer-to-Peer-Netz vergeben. Diese Paßwörter sind nur soweit erforderlich bekanntzugeben, da die Rücknahme der Freigabe für eine einzelne Person nur durch einen aufwendigen Paßwortwechsel für alle anderen noch berechtigten Benutzer vorgenommen werden kann. Bei Verwendung der Sicherheit auf Benutzerebene unter Windows NT und Windows 95, die die Einbindung der Clients in eine Arbeitsgruppe bzw. eine Domäne zusammen mit wenigstens einem Windows NT-System voraussetzt, werden die Zugriffsrechte dagegen explizit einzelnen Benutzern und/oder Gruppen zugewiesen, so daß in diesem Fall die Eingabe von Paßwörtern entfällt. Die Verwendung der Sicherheit auf Freigabeebene ist in diesem Fall zu vermeiden, da sie einen wesentlich geringeren Schutz bietet. Anschließend ist zu entscheiden, ob die Verzeichnisse automatisch beim Start des jeweiligen Servers freigegeben und ob sie automatisch beim Start des zugreifenden Rechners verbunden werden sollen. Das zuvor gesagte gilt analog für die Freigabe von Druckern. 6. Paßwortwechselstrategie Windows für Workgroups: Im WfW-Netz werden eine Reihe von Paßwörtern gebraucht: die Anmeldepaßwörter, das Paßwort für den Aufruf von ADMINCFG.EXE und die Paßwörter für die verschiedenen Rechte freigegebener Verzeichnisse, Drucker und Ablagemappen. Die Anmeldepaßwörter und das Paßwort für den Aufruf von ADMINCFG.EXE sollten regelmäßig gewechselt werden (siehe auch M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs). Eine maximale Gültigkeitsdauer dieser Paßworte ist daher festzulegen. Damit auch der Wechsel des ADMINCFG.EXE-Paßwortes einfach möglich ist, können die zugehörigen Konfigurationsdateien zentral auf einem Server hinterlegt werden. Da ein Wechsel der Freigabe-Paßwörter mit erheblichem organisatorischen Aufwand (siehe Nr. 5) verbunden sein kann, ist vorab festzulegen, wie oft diese gewechselt und wie die neuen Paßwörter den Betroffenen bekanntgegeben werden sollen. Windows 95: Unter Windows 95 hängt die Menge der zu verwendenden Paßwörter davon ab, ob als Zugriffsmodell die Sicherheit auf Benutzerebene oder die Sicherheit auf Freigabeebene verwendet wird. Im ersten Fall werden, analog zur Situation bei Windows NT, nur die Anmeldepaßwörter zu den Rechnern benötigt, die Ressourcen für den Netzzugriff freigegeben haben, während im zweiten Fall, ähnlich wie bei WfW, auch Paßwörter für den Zugriff auf die freigegebenen Ressourcen benötigt werden. Eigene Paßwörter zur Verwaltung der Peer-to-Peer-Funktionalitäten entfallen, da diese hier über Benutzerprofile gesteuert wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 95 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.67 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Zugriffsschutz auf Benutzerebene basiert auf den Benutzerlisten, die auf Windows NT oder Novell Netware Servern geführt werden, und kann daher auch nur in solchen Netzen realisiert werden. Dieses Zugriffsmodell bietet die größere Sicherheit und sollte daher vorzugsweise eingesetzt werden, wenn trotz einer Vernetzung über Windows NT oder Novell Netware Server Peerto-Peer-Funktionalitäten eingesetzt werden sollen. Windows NT: Unter Windows NT erfolgt die Verwaltung der Peer-to-Peer-Funktionalität unter der Kontrolle der allgemeinen Zugangs- und Zugriffskontrolle, so daß hier keine eigenen Paßwörter für diese Verwaltungstätigkeiten erforderlich sind. Zur Verwaltung der Zugangspaßwörter der betreffenden Benutzer sollten die Vorgaben der Maßnahme M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs berücksichtigt werden. 7. Verantwortlichkeiten für Benutzer im Peer-to-Peer-Netz Neben der Wahrnehmung der Peer-to-Peer-Managementaufgaben (siehe Nr. 2) müssen weitere Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Es ist festzulegen, welche Verantwortung die einzelnen Benutzer im Peer-to-Peer-Netz übernehmen müssen. Dies können zum Beispiel Verantwortlichkeiten sein für - die Auswertung der Protokolldateien auf den einzelnen Servern oder Clients, - die Vergabe von Zugriffsrechten, - das Hinterlegen und den Wechsel von Paßwörtern und - die Durchführung von Datensicherungen. 8. Schulung Abschließend muß festgelegt werden, welche Peer-to-Peer-Benutzer zu welchen Punkten geschult werden müssen. Erst nach ausreichender Schulung kann der Wirkbetrieb aufgenommen werden. Die so entwickelte Sicherheitsstrategie ist zu dokumentieren und im erforderlichen Umfang den Benutzern des Peer-to-Peer-Netzes mitzuteilen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Sicherheitsstrategie an Veränderungen im Einsatzumfeld angepaßt? _____________________________________________________________________ .......................................... 96 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.68 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.68 Durchführung von Sicherheitskontrollen durch die Benutzer im Peer-to-Peer-Netz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Da in einem Peer-to-Peer-Netz die wesentlichen Sicherheitseigenschaften lediglich dezentral kontrolliert werden können, obliegt es dem einzelnen Benutzer, solche Sicherheitskontrollen durchzuführen. In geeigneten Abständen sollten daher von den Benutzern folgende Kontrollen durchgeführt werden: aktiver Verbindungen: - Kontrolle Mittels des Programms Netzwerkmonitor (in der Programmgruppe NETZWERK) unter WfW, des optional installierbaren Programms Netzwerkmonitor (in der Programmgruppe ZUBEHÖR, Untermenü SYSTEMPROGRAMME) unter Windows 95 bzw. über die Systemsteuerungsoption "Server" unter Windows NT kann überprüft werden, welcher Rechner aktuell Zugriff auf den eigenen Rechner hat und wie die Art des Zugriffs erfolgt. Beispielsweise: Erkennbar sind die vom Rechner "MUSTER" aufgebauten Verbindungen. Dabei bedeutet: Es wird auf das Verzeichnis INFOS schreibend zugegriffen. Es wird auf das Verzeichnis TEMP lesend zugegriffen. Auf Ihren Drucker mit dem Namen HP$ wird zugegriffen. Eine Verbindung zu Ihrer Ablagemappe wurde hergestellt. Auf die Ablagemappe wird zugegriffen. Seite mit Namen SEITE12 Ihrer Zeigt sich dabei, daß ein Rechner unberechtigt auf ein Verzeichnis oder den Drucker zugreift, ist die Freigabe rückgängig zu machen. Eventuelle _____________________________________________________________________ .......................................... 97 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.68 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Druckjobs können über den Druckmanager abgebrochen werden. Im Ereignisprotokoll (siehe nächste Grafik) werden die entsprechenden Aktionen dokumentiert. Zeigt sich, daß unberechtigt auf die Ablagemappe zugegriffen wird, ist ebenfalls zu trennen, jedoch empfiehlt es sich vorher mit der Druck-Taste den Fensterinhalt des Netzwerkmonitors in die Zwischenablage zu kopieren, da Zugriffe auf die Ablagemappe nicht dokumentiert werden. - Kontrolle der Protokolldaten: Sind auf einem Rechner Ressourcen freigegeben, sollte das Ereignisprotokoll aktiviert (in der Programmgruppe SYSTEMSTEUERUNG unter Netzwerk bei WfW bzw. in der Programmgruppe VERWALTUNG unter Benutzer-Manager bei Windows NT) und regelmäßig ausgewertet (in der Programmgruppe NETZWERK unter Netzwerkmonitor bei WfW bzw. in der Programmgruppe VERWALTUNG unter Ereignisanzeige bei Windows NT) werden. Windows 95 bietet standardmäßig keine Möglichkeit zur Ereignisprotokollierung. Daher muß unter Windows 95 unbedingt der Netzwerkmonitor offen gehalten werden, falls trotz dieser Schwachstelle die Peer-to-Peer-Funktionalitäten genutzt werden sollen. Beispielsweise ist wöchentlich zu überprüfen, ob sich unberechtigte Benutzer mit freigegebenen Verzeichnissen verbunden hatten, ob es fehlerhafte Versuche zum Verbinden freigegebener Verzeichnisse gab oder ob das System zu ungewöhnlichen Zeiten gestartet wurde. Da diese Protokolldaten auch personenbezogene Daten beinhalten, sind sie nach ihrer Auswertung, wenn die Notwendigkeit der Speicherung nicht mehr besteht, zu löschen. Beispiel für ein mögliches Ereignisprotokoll: - Kontrolle automatisch freigegebener Ressourcen: Sporadisch sollten WfW- und Windows 95-Benutzer überprüfen, welche ihrer Ressourcen automatisch nach dem Systemstart ohne ihre direkte Beteiligung freigegeben werden (zum Beispiel, indem sie nach Systemstart kontrollieren, welche Verzeichnisse, Drucker und Seiten der Ablagemappe dann freigegeben sind). Ggf. ist die Freigabe zurückzunehmen. Unerklärliche Unregelmäßigkeiten wie die automatische Freigabe eines _____________________________________________________________________ .......................................... 98 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.68 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Verzeichnisses, das der Benutzer selbst nie freigegeben hat, sind dem Administrator zu melden. Es kann sich hier um Hinweise auf Trojanische Pferde handeln, die unbemerkt Verzeichnisse freigeben. Besteht Unsicherheit darüber, ob oder was freigegeben wurde, sollte unter WfW die Datei shares.pwl gelöscht werden, die die Einträge für die automatische Freigabe enthält. Unter Windows 95 sind die Freigaben mit Hilfe des Explorers zurückzunehmen. Dieses Problem stellt sich unter Windows NT nicht, da hier nur Administratoren Ressourcen freigeben dürfen. Eine Kontrolle der Rechtevergabe ist in einem Peer-to-Peer-Netz nicht auf direktem Wege möglich, da die Kenntnis eines gültigen Paßwortes gleichbedeutend mit dem Besitz des Rechtes ist. Lediglich durch einen aufwendigen Paßwortwechsel kann eine konsistente Rechteverteilung sichergestellt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Unregelmäßigkeiten dem Administrator bekanntgegeben? _____________________________________________________________________ .......................................... 99 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.69 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.69 Einrichtung von Standardarbeitsplätzen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Administrator Ein Standardarbeitsplatz ist gekennzeichnet durch einheitliche Hardware und Software sowie deren Konfiguration. Die Planung und Einrichtung erfolgt üblicherweise unter den Aspekten der Aufgabenstellung, Zuverlässigkeit, Ergonomie, Geschwindigkeit und Wartbarkeit. Sie wird durch fachkundiges Personal durchgeführt. Die Einrichtung von Standardarbeitsplätzen ist in mehrfacher Hinsicht vorteilhaft: IT-Sicherheit: - Standardarbeitsplätze sind leichter in Sicherheitskonzepte einzubinden. - Der Aufwand für die Dokumentation des IT-Bestandes wird reduziert. IT-Management: - Die Beschaffung größerer Stückzahlen gleicher Komponenten ermöglicht Preisvorteile. - Der Einsatz nicht zulässiger Software ist einfacher festzustellen. - Durch gleiche IT-Ausstattung entfallen „Neidfaktoren” zwischen den einzelnen Benutzern. IT-Nutzer: - Bei Gerätewechsel ist keine erneute Einweisung in die IT-Konfiguration erforderlich, Ausfallzeiten werden somit minimiert. - Bei Fragen zu Hard- und Software können sich Anwender gegenseitig helfen. Systemadministration bei Installation und Wartung: - Eine gewissenhaft geplante und getestete Installation kann fehlerfrei und mit geringem Arbeitsaufwand installiert werden. - Die einheitliche Arbeitsumgebung (Wartung, Support und Pflege). erleichtert den Benutzerservice Schulung: - Die Teilnehmer werden in dem Umfeld geschult, das sie am Arbeitsplatz vorfinden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Abweichungen vom Standardarbeitsplatz begründet? - Werden die Begründungen regelmäßig überprüft? - Welche Aspekte werden bei Planung Standardarbeitsplätzen berücksichtigt? und Einrichtung von _____________________________________________________________________ .......................................... 100 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.70 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.70 Entwicklung eines Firewall-Konzeptes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Die Vernetzung vorhandener Teilnetze mit globalen Netzen wie dem Internet führt zu einem neuen Informationsangebot. Gleichzeitig führt die zunehmende lokale Vernetzung von Rechnersystemen dazu, daß von jedem Arbeitsplatzrechner aus auf die vielfältigen Informationen zugegriffen werden kann. Diese Vernetzung läßt aber auch neue Gefährdungen entstehen, da prinzipiell nicht nur ein Informationsfluß von außen in das zu schützende Netz stattfinden kann, sondern auch in die andere Richtung. Darüber hinaus gefährdet die Möglichkeit remote, d. h. von einem entfernten Rechner aus (z. B. aus dem Internet) Befehle auf Rechnern im lokalen Netz ausführen zu lassen, die Integrität und die Verfügbarkeit der lokalen Rechner und dadurch indirekt auch die Vertraulichkeit der lokalen Daten. Ein zu schützendes Teilnetz sollte daher nur dann an ein anderes Netz angeschlossen werden, wenn dies unbedingt erforderlich ist. Dies gilt insbesondere für Anschlüsse an das Internet. Dabei ist auch zu prüfen, inwieweit das zu schützende Netz in anschließbare, nicht anschließbare und bedingt anschließbare Teile segmentiert werden muß und ob für die Kopplung mit dem Internet nicht ein Stand-alone-System ausreicht (siehe M 5.46 Einsatz von Stand-alone-Systemen zur Nutzung des Internets). Um die Sicherheit des zu schützenden Netzes zu gewährleisten, muß eine geeignete Firewall eingesetzt werden. Damit eine Firewall effektiven Schutz bieten kann, müssen folgende grundlegende Bedingungen erfüllt sein. Die Firewall muß - auf einer umfassenden Sicherheitspolitik aufsetzen, - im IT-Sicherheitskonzept der Organisation eingebettet sein, - korrekt installiert und - korrekt administriert werden. Der Anschluß an ein externes Netz darf erst dann erfolgen, wenn überprüft worden ist, daß mit dem gewählten Firewall-Konzept sowie den personellen und organisatorischen Randbedingungen alle Risiken beherrscht werden können. Es gibt verschiedene Arten der Realisierung einer Firewall. Um festzustellen, welches Firewall-Konzept für den Einsatzzweck am geeignetsten ist, muß zunächst geklärt werden, welche Sicherheitsziele durch die Firewall erfüllt werden sollen. Beispiele für Sicherheitsziele sind: - Schutz des internen Netzes gegen unbefugten Zugriff von außen, - Schutz der Firewall gegen Angriffe aus dem externen Netz, aber auch gegen Manipulationen aus dem internen Netz, _____________________________________________________________________ .......................................... 101 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.70 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Schutz der lokal übertragenen und gespeicherten Daten gegen Angriffe auf deren Vertraulichkeit oder Integrität, - Schutz der lokalen Netzkomponenten gegen Angriffe auf deren Verfügbarkeit (Insbesondere gilt dies auch für Informationsserver, die Informationen aus dem internen Bereich für die Allgemeinheit zu Verfügung stellen.), - Verfügbarkeit der Informationen des externen Netzes im zu schützenden internen Netz, (Die Verfügbarkeit dieser Informationen muß aber gegenüber dem Schutz der lokalen Rechner und Informationen zurückstehen!), - Schutz vor Angriffen, die auf IP-Spoofing beruhen oder die SourceRouting Option, das ICMP-Protokoll bzw. Routingprotokolle mißbrauchen, - Schutz vor Angriffen durch das Bekanntwerden von neuen sicherheitsrelevanten Softwareschwachstellen. (Da die Anzahl der potentiellen Angreifer und deren Kenntnisstand bei einer Anbindung an das Internet als sehr hoch angesehen werden muß, ist dieses Sicherheitsziel von besonderer Bedeutung.) Auf den Sicherheitszielen aufbauend muß eine Sicherheitspolitik erarbeitet werden, in der Aufgaben und Anforderungen an die Firewall festgelegt werden. Diese Sicherheitspolitik muß in die IT-Sicherheitsstrategie der jeweiligen Organisation eingebettet sein und daher mit dem IT-Sicherheitsmanagement vereinbart werden. Die Umsetzung der Firewall-Sicherheitspolitik erfolgt dann durch die Realisierung der Firewall, durch geeignete Auswahl von Hardware-Komponenten wie Paket-Filter und Application-Gateway und die sorgfältige Implementation von Filterregeln. Hinweis: Paket-Filter sind IT-Systeme mit spezieller Software, die die Informationen der unteren Schichten des OSI-Modells filtern und entsprechend spezieller Regeln Pakete weiterleiten oder abfangen (siehe M 2.74 Geeignete Auswahl eines Paket-Filters). Ein Application-Gateway ist ein Rechner, der die Informationen der Anwendungsschicht filtert und gemäß spezieller Regeln Verbindungen verbieten oder erlauben kann (siehe M 2.75 Geeignete Auswahl eines Application-Gateway). Während Paket-Filter auf Schicht 3 und 4 des OSIModells arbeiten, arbeiten Gateways auf Schicht 7 und sind somit wesentlicher komplexer. Ein Application-Gateway ist im allgemeinen auf einem IT-System implementiert, das ausschließlich für diese Aufgabe eingesetzt wird und dessen Befehlsumfang auf das notwendigste reduziert ist. Damit eine Firewall einen wirkungsvoller Schutz eines Netzes gegen Angriffe von außen darstellt, müssen einige grundlegende Voraussetzungen erfüllt sein: - Jede Kommunikation zwischen den beiden Netzen muß ausnahmslos über die Firewall geführt werden. Dafür muß sichergestellt sein, daß die Firewall die einzige Schnittstelle zwischen den beiden Netzen darstellt. Es müssen Regelungen getroffen werden, daß keine weiteren externen Ver- _____________________________________________________________________ .......................................... 102 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.70 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... bindungen unter Umgehung der Firewall geschaffen werden dürfen (siehe auch M 2.77 Sichere Anordnung weiterer Komponenten). - Eine Firewall darf ausschließlich als schützender Übergang zum internen Netz eingesetzt werden, daher dürfen auf einer Firewall nur die dafür erforderlichen Dienste verfügbar sein und keine weiteren Dienste wie z. B. Remote-Login angeboten werden. - Ein administrativer Zugang zur Firewall darf nur über einen gesicherten Weg möglich sein, also z. B. über eine gesicherte Konsole, eine verschlüsselte Verbindung oder ein separates Netz. Zur Aufstellung einer gesicherten Konsole siehe M 1.32 Geeignete Aufstellung von Konsole, Geräten mit austauschbaren Datenträgern und Druckern. - Eine Firewall baut auf einer für das zu schützende Netz definierten Sicherheitspolitik auf und gestattet nur die dort festgelegten Verbindungen. Diese Verbindungen müssen nach IP-Adresse, Dienst, Zeit, Richtung und Benutzer getrennt festgelegt werden können. - Für die Konzeption und den Betrieb einer Firewall muß geeignetes Personal zur Verfügung stehen. Der zeitliche Aufwand für den Betrieb einer Firewall darf nicht unterschätzt werden. Alleine die Auswertung der angefallenen Protokolldaten nimmt erfahrungsgemäß viel Zeit in Anspruch. Ein Firewall-Administrator muß fundierte Kenntnisse über die eingesetzten ITKomponenten besitzen und auch entsprechend geschult werden. - Die Benutzer des lokalen Netzes sollten durch den Einsatz einer Firewall möglichst wenig Einschränkungen hinnehmen müssen. Eine Firewall kann das interne Netz vor vielen Gefahren beim Anschluß an das Internet schützen, aber nicht vor allen. Beim Aufbau einer Firewall und der Erarbeitung einer Firewall-Sicherheitspolitik sollte man sich daher die Grenzen einer Firewall verdeutlichen: - Es werden Protokolle überprüft, nicht die Inhalte. Eine Protokollprüfung bestätigt beispielsweise, daß eine E-Mail mit ordnungsgemäßen Befehlen zugestellt wurde, kann aber keine Aussagen zum eigentlichen Inhalt der EMail machen. - Die Filterung von aktiven Inhalten ist unter Umständen nur teilweise erfolgreich. - Sobald ein Benutzer eine Kommunikation über eine Firewall herstellen darf, kann er über das verwendete Kommunikationsprotokoll beliebige andere Protokolle tunneln. Damit könnte ein Innentäter einem Externen den Zugriff auf interne Rechner ermöglichen. - Eine Einschränkung der Internetzugriffe auf festgelegte Webserver ist in der Realität unmöglich, da zu viele WWW-Server auch als Proxies nutzbar sind, so daß eine Sperrung bestimmter IP-Adressen leicht umgangen werden kann. - Die Filtersoftware ist häufig noch unausgereift. Beispielweise ist es möglich, daß nicht alle Arten der Adressierung erfaßt werden. Das folgende Beispiel mit dem BSI-Webserver soll aufzeigen, welche Möglichkeiten zur Adressierung vorhanden sind. Die Liste ist bei weitem nicht _____________________________________________________________________ .......................................... 103 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.70 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... vollständig, da einzelne Buchstaben auch durch Escape-Sequenzen dargestellt werden können. WWW.BSI.BUND.DE WWW.BSI.DE 194.95.176.226 3261051106 - Die Filterung von Spam-Mails ist noch nicht ausgereift. Keine Firewall kann zweifelsfrei feststellen, ob eine E-Mail vom Empfänger erwünscht ist oder nicht. Spam-Mails dürften erst dann verschwinden, wenn die Absender zweifelsfrei nachweisbar sind, was noch einige Zeit dauern wird. - Firewalls schützen nicht vor allen Denial-of-Service-Attacken. Wenn ein Angreifer z. B. die Anbindung zum Provider lahmlegt, kann auch die beste Firewall nicht helfen. Außerdem gibt es immer wieder Implementationsfehler von Protokollen auf Endgeräten, die eine Firewall nicht abfangen kann. - Leider ermöglichen viele Firewalls es nicht, durch Hintereinanderschaltung von verschiedenen Firewalls eine erhöhte Sicherheit zu erlangen. Gerade in größeren Firmen ist dies problematisch, wenn innerhalb der Firma auch Firewalls eingesetzt werden, z. B. zur Bildung von abgesicherten Teilnetzen. - Eine Firewall kann zwar einen Netzübergang sichern, sie hat aber keinen Einfluß auf die Sicherheit der Kommunikation innerhalb dieser Netze! _____________________________________________________________________ .......................................... 104 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.71 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.71 Festlegung einer Sicherheitspolitik für eine Firewall Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Für die Erstellung einer Sicherheitspolitik muß als erstes festgelegt werden, welche Arten der Kommunikation mit dem äußeren Netz zugelassen werden. Bei der Auswahl der Kommunikationsanforderungen müssen speziell die folgenden Fragen beantwortet werden: - Welche Informationen dürfen durch die Firewall nach außen hindurchbzw. nach innen hereingelassen werden? - Welche Informationen soll die Firewall verdecken (z. B. die interne Netzstruktur oder die Benutzernamen)? - Welche Authentisierungsverfahren sollen innerhalb des zu schützendes Netzes bzw. für die Firewall benutzt werden (z. B. Einmalpaßwörter oder Chipkarten)? - Welche Zugänge werden benötigt (z. B. nur über einen Internet-ServiceProvider oder auch über einen Modempool)? - Welcher Datendurchsatz ist zu erwarten? Diensteauswahl Aus den Kommunikationsanforderungen wird dann abgeleitet, welche Dienste im zu sichernden Netz erlaubt und welche verboten werden müssen. Es muß unterschieden werden zwischen denjenigen Diensten, die für die Benutzer im zu schützenden Netz und denjenigen, die für externe Benutzer zugelassen werden. Wenn zum Beispiel E-Mail empfangen werden soll, was im allgemeinen die Minimalanforderung ist, muß auf der Firewall das SMTP-Protokoll durchgelassen werden können. Wenn Dateien von externen IT-Systemen geholt werden sollen, muß FTP vorhanden sein. In der Sicherheitspolitik muß für jeden Dienst explizit festgelegt werden, welche Dienste für welche Benutzer und/oder Rechner zugelassen werden sollen und für welche Dienste Vertraulichkeit und/oder Integrität gewährleistet werden müssen. Es sollten nur die Dienste zugelassen werden, die unbedingt notwendig sind. Alle anderen Dienste müssen verboten werden. Dies muß auch die Voreinstellung sein: Alle Dienste, für die noch keine expliziten Regeln festgelegt wurden, dürfen nicht zugelassen werden. Es muß festgelegt werden, ob und welche der übertragenen Nutzinformationen gefiltert werden sollen (z. B. zur Kontrolle auf Computer-Viren). Die Sicherheitspolitik sollte so beschaffen sein, daß sie auch zukünftigen Anforderungen gerecht wird, d. h. es sollte eine ausreichende Anzahl von Verbindungsmöglichkeiten vorgesehen werden. Jede spätere Änderung muß streng kontrolliert werden und insbesondere auf Seiteneffekte überprüft werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 105 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.71 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ausnahmeregelungen, insbesondere für neue Dienste und kurzzeitige Änderungen (z. B. für Tests), müssen vorgesehen werden. Es sind Forderungen an die Filter zu stellen, und zwar einmal an die Filter, die die Informationen der Dienste der Schichten drei und vier des OSISchichtenmodells (IP, ICMP, ARP, TCP und UDP) verwenden, sowie an die Filter, die die Informationen der Dienste der Anwendungsschicht (z. B. Telnet, FTP, SMTP, DNS, NNTP, HTTP) verwenden. Einen Überblick, was für einen sicheren Einsatz der einzelnen Protokolle und Dienste zu beachten ist, gibt M 5.39 Sicherer Einsatz der Protokolle und Dienste. Darauf aufbauend müssen Filterregeln formuliert werden (siehe M 2.76 Auswahl und Implementation geeigneter Filterregeln). Neben der sorgfältigen Aufstellung und Umsetzung der Filterregeln sind darüber hinaus folgende organisatorische Regelungen erforderlich: - Es müssen Verantwortliche sowohl für das Aufstellen als auch für die Umsetzung und das Testen der Filterregeln benannt werden. Es muß geklärt werden, wer befugt ist, die Filterregeln z. B. für Tests neuer Dienste zu verändern. - Es muß festgelegt werden, welche Informationen protokolliert werden und wer die Protokolle auswertet. Es müssen sowohl alle korrekt aufgebauten als auch die abgewiesenen Verbindungen protokolliert werden. Die Protokollierung muß den datenschutzrechtlichen Bestimmungen entsprechen. - Die Benutzer müssen über ihre Rechte, insbesondere auch über den Umfang der Nutzdaten-Filterung umfassend informiert werden. - Angriffe auf die Firewall sollten nicht nur erfolgreich verhindert, sondern auch frühzeitig erkannt werden können. Angriffe können über die Auswertung der Protokolldateien erkannt werden. Die Firewall sollte aber auch in der Lage sein, aufgrund von vordefinierten Ereignissen, wie z. B. häufigen fehlerhaften Paßworteingaben auf einem Application-Gateway oder Versuchen, verbotene Verbindungen aufzubauen, Warnungen auszugeben oder evtl. sogar Aktionen auszulösen. - Es ist zu klären, welche Aktionen bei einem Angriff gestartet werden, ob z. B. der Angreifer verfolgt werden soll oder ob die Netzverbindungen nach außen getrennt werden sollen. Da hiermit starke Eingriffe in den Netzbetrieb verbunden sein können, müssen Verantwortliche bestimmt sein, die entscheiden können, ob ein Angriff vorliegt und die entsprechenden Maßnahmen einleiten. Die Aufgaben und Kompetenzen für die betroffenen Personen und Funktionen müssen eindeutig festgelegt sein. Folgende Fragen müssen bei der Festlegung der Sicherheitspolitik geklärt werden: - Welcher Schaden kann im zu schützenden Netz verursacht werden, wenn die Firewall überwunden wird? Da es keine absolute Sicherheit geben kann, muß entschieden werden, ob der maximal auftretende Schaden tragbar ist oder ob zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden müssen. _____________________________________________________________________ .......................................... 106 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.71 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Welche Restrisiken existieren bei einem ordnungsgemäßen Betrieb der Firewall? Dies sind z. B. Schwachstellen in den benutzten Geräten und Betriebssystemen. - Wie schnell wird ein Angriff auf die Firewall bemerkt? - Welche Protokoll-Informationen sind auch nach einem erfolgreichen Angriff noch verfügbar? - Sind die Benutzer bereit, die Einschränkungen durch die Firewall zu akzeptieren? _____________________________________________________________________ .......................................... 107 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.72 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.72 Anforderungen an eine Firewall Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Vor der Beschaffung einer Firewall sollten die folgenden Punkte berücksichtigt werden: - Die Struktur des zu schützenden Netzes (Rechnernummern, -namen und Mailadressen) muß verdeckt werden können, damit sich keine Rückschlüsse auf die interne Netzstruktur und die internen Anwender ziehen lassen. Dies läßt sich z. B. durch den Einsatz eines Application-Gateways und zweier DNS-Server erreichen. - Die Firewall sollte in der Lage sein, bestimmte Rechner mit einem geringeren Schutzbedarf gegen Angriffe zu schützen, ohne daß diese Rechner im zu schützenden Netz stehen müssen. Für diese Rechner brauchen dann keine benutzerspezifischen Filterregeln festgelegt werden. Dies können z. B. Informationsserver sein, die an einem dedizierten Interface eines Paket-Filter oder des Application-Gateways (Multi-Homed Gateway) angeschlossen sind (siehe auch Abb. 1 in M 2.77 Sichere Anordnung weiterer Komponenten). - Die Verwaltung der Komponenten muß zentral über einen vertrauenswürdigen Pfad (z. B. über ein separates Netz oder eine verschlüsselte Verbindung) erfolgen und übersichtlich sein (z. B. über ein graphisches Interface auf einem separatem Rechner). Die Verwaltung sollte auf einem separatem Rechner erfolgen, d. h. die dafür erforderliche ManagementPlattform sollte sich auf einem separatem Rechner befinden, damit auf der Firewall selber keine komplexe und damit fehleranfällige Software wie XWindows erforderlich ist. - Empfehlenswert ist eine Firewall-Anordnung, die aus mindestens zwei getrennten Einheiten besteht. Die Einheiten müssen hintereinander angeordnet sein, so daß für eine Verbindung zwischen den beiden beteiligten Netzen beide Einheiten passiert werden müssen. Die Einheiten sollten mit unterschiedlichen Betriebssystemen arbeiten und unterschiedliche Formate für die Beschreibung der Filterregeln benutzen. Die beiden Einheiten können z. B. ein Paket-Filter und ein ApplicationGateway sein. Hierdurch wird sichergestellt, daß Fehler, die bei der Verwaltung einer Komponente gemacht werden, von der richtig konfigurierten anderen Komponente abgefangen werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 108 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.73 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.73 Auswahl eines geeigneten Firewall-Typs Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Nachdem eine Sicherheitspolitik für die Firewall festgelegt worden ist, muß entschieden werden, mit welchen Komponenten die Firewall realisiert werden soll. Dafür ist eine geeignete Anordnung auszuwählen. Es gibt beispielsweise die folgenden Anordnungsmöglichkeiten - Ausschließlicher Einsatz eines Paket-Filters zu s c h ü tze n d e s N e tz P a c k e t F ilte r u n s ic h e re s N e tz Diese Anordnung besteht ausschließlich aus einem Paket-Filter, der die Informationen der unteren Schichten filtert und gemäß spezieller Regeln Pakete weiterleitet oder abweist. - Dual-homed Gateway zu s c h ütze n d e s N e tz un s ic h e re s N e tz A p p lic a tio n G a te w a y Diese Anordnung besteht aus einem Application-Gateway, das mit zwei Netz-Interfaces ausgerüstet ist und als alleiniger Übergang zwischen zwei Netzen eingesetzt wird. Application-Gateways filtern Informationen auf Schicht 7 des OSI-Schichtenmodells. Das Dual-homed Gateway muß so konfiguriert werden, daß keine Pakete ungefiltert passieren können, d. h. insbesondere, daß IP-Forwarding abgeschaltet werden muß. - Screened-Subnet Bei einem Screened-Subnet handelt es sich um ein Teilnetz zwischen einem zu schützenden Netz und einem externen Netz, in dem FirewallKomponenten für die Kontrolle der Verbindungen und Pakete sorgen. Ein Screened-Subnet besteht aus einem Application-Gateway und einem oder zwei Paket-Filtern. Die Paket-Filter befinden sich vor und/oder hinter dem Gateway und bilden mit diesem ein Teilnetz. Ein Screened-Subnet kann z. B. ein Dual-homed Gateway enthalten. Die Filterregeln werden so gestaltet, daß jede Verbindung von innen oder außen über das Gateway gehen muß. _____________________________________________________________________ .......................................... 109 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.73 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Folgende Kombinationen sind möglich: K onfiguration 2: K onfiguration 1: zu schützendes Netz Packet Filter Packet Filter unsicheres N etz zu schützendes Netz Packet Filter Packet Filter unsicheres Netz ApplicationGateway ApplicationGateway K onfiguration 4: K onfiguration 3: Packet Filter zu schützendes Netz unsicheres Netz Packet Filter zu schützendes Netz unsicheres Netz ApplicationGateway K onfiguration 5: zu schützendes Netz K onfiguration 6: Packet Filter unsicheres Netz zu schützendes Netz ApplicationG ateway Packet Filter unsicheres Netz ApplicationGateway ApplicationG ateway Im folgenden werden Vor- und Nachteile der jeweiligen Anordnungsmöglichkeiten aufgezeigt. Ausschließlicher Einsatz eines Paket-Filters Vorteile: - leicht realisierbar, da die Funktionalität von vielen Routern geliefert wird - leicht erweiterbar für neue Dienste Nachteile: - IP-Spoofing u. U. möglich - alle Dienste, die gestattet werden sollen, müssen auf allen Rechnern, die erreicht werden können, sicher sein - komplexe Filterregeln - keine Testmöglichkeiten, es ist insbesondere nicht möglich festzustellen, ob die Filterregeln in ihrer Reihenfolge verändert werden, was bei einigen Routern geschieht, um den Durchsatz zu steigern - keine ausreichende Protokollierungsmöglichkeit _____________________________________________________________________ .......................................... 110 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.73 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Diese Anordnung kann nur in kleinen Netzen eingesetzt werden, in denen alle Rechner gegen Angriffe abgesichert sind. Dual-homed Gateway Vorteile: - umfangreiche Protokollierung möglich - interne Netzstruktur wird verdeckt Nachteile: - relativ hoher Preis (da ein leistungsfähiger Rechner mit zwei NetzInterfaces benötigt wird) - Probleme bei neuen Diensten - die Übernahme des Application-Gateways durch den Angreifer führt zu einem vollständigen Verlust der Sicherheit Ein zusätzlicher Schutz läßt sich durch den Einsatz eines Paket-Filters vor dem Gateway erreichen, wie z. B. durch einen vorhandenen Router. In diesem Fall müßten Router und Gateway durchbrochen werden, um Zugang zum zu schützenden Netz zu erhalten. Screened-Subnet Vorteile: - kein direkter Zugang zum Gateway möglich (bei Konfigurationen 1 und 2) - die Struktur des internen Netzes wird verdeckt - vereinfachte Regeln für die Paket-Filter - zusätzliche Sicherheit durch einen zweiten Paket-Filter (bei Konfigurationen 1 und 2) - durch den Einsatz mehrerer Gateways läßt sich die Verfügbarkeit steigern - umfangreiche Protokollierung möglich Nachteile: - hoher Preis (da ein leistungsfähiger Rechner mit ein oder zwei NetzInterfaces sowie mindestens ein Paket-Filter benötigt wird) - wenn in einem Screened-Subnet mit einem Application-Gateway mit einem Interface die Paket-Filter manipuliert werden (siehe Konfiguration 2, 4 und 6), ist eine direkte Verbindung unter Umgehung des Gateways möglich. Dies kann evtl. auch eine gewünschte Funktionalität sein (z. B. bei neuen Diensten) Auf Grund der oben beschriebenen Vor- und Nachteile der verschiedenen Anordnungen kann nur ein Screened-Subnet mit einem Dual-homed Gateway (Konfiguration 1) empfohlen werden. In diesem Fall befindet sich das _____________________________________________________________________ .......................................... 111 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.73 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Gateway zwischen dem zu schützenden und dem externen Netz und muß auf jeden Fall passiert werden. Auf dem Application-Gateway laufen sogenannte Proxy-Prozesse, die den Verbindungsaufbau zum Zielrechner durchführen, nachdem eine Authentisierung des Benutzers stattgefunden hat, und die Daten gemäß den Informationen der Anwendungsschicht filtern. Verbindungen, für die keine Proxy-Prozesse existieren, sind nicht möglich. Die flexiblere, aber unsicherere Lösung eines Application-Gateways mit nur einem Interface (Konfiguration 2) sollte nur dann benutzt werden, wenn die höhere Flexiblität unverzichtbar ist. Die beteiligten Rechner müssen so eingerichtet werden, daß nur die unbedingt notwendigen Programme auf ihnen laufen (Minimal-System), diese richtig konfiguriert sind und alle bekannten Schwachstellen beseitigt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 112 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.74 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.74 Geeignete Auswahl eines Paket-Filters Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Paket-Filter sind Router oder Rechner mit spezieller Software, welche die in den Schichten drei und vier der TCP/IP Protokollfamilie (IP, ICMP, ARP, TCP und UDP) vorhandenen Informationen zum Filtern der Pakete benutzen. Hierzu werden Access- und Deny-Listen benutzt. Sollte ein Paket-Filter für eine Firewall benötigt werden, so sind bei der Beschaffung folgende Forderungen zu stellen: - Die Filterung muß getrennt für jedes Interface möglich sein. - Eine Filterung muß getrennt für kommende und gehende Pakete möglich sein. - Die Filterung muß getrennt nach Quell- und Zieladresse für einzelne Rechner oder für komplette Teilnetze möglich sein. - Die Filterung muß getrennt nach Quell- und Zielport möglich sein. - Die Reihenfolge der Abarbeitung der Filterregeln darf nicht automatisch vom Paket-Filter verändert werden. - Die Reihenfolge der Abarbeitung der Filterregeln sollte klar ersichtlich, d. h. ausreichend dokumentiert, sein. - Die Eingabe und Kontrolle der Filterregeln muß einfach und übersichtlich sein, z. B. durch symbolische Angabe von Dienst- und Protokollnamen. - Bei TCP-Paketen muß eine Unterscheidung, ob eine bestehende Verbindung benutzt wird oder ein Verbindungsaufbau stattfindet, d. h. eine Unterscheidung zwischen ACK und ACK-losen Paketen, möglich sein. - Die Protokollierung von IP-Nummer, Dienst, Zeit und Datum für jedes Paket muß durchführbar sein, wobei auch Einschränkungen auf bestimmte Pakete (z. B. nur Pakete mit einer speziellen Quell-Adresse) möglich sein müssen. - Sämtliche Protokollinformationen müssen an einen externen Host geschickt werden können. - Spezielle, einstellbare Ereignisse müssen zu einer unverzüglichen Warnung führen (z. B. mehrfache fehlerhafte Authentisierungsversuche). - Im Falle, daß ein Router als Paket-Filter eingesetzt wird, muß es möglich sein, statische Routingtabellen zu benutzen. Es sei aber darauf hingewiesen, daß Router in der Regel nicht als Paket-Filter eingesetzt werden sollten, da sie einen sehr umfangreichen Funktionsumfang haben und somit die Filtereigenschaften oftmals nur als Add-on angeboten werden - mit entsprechenden Konsequenzen bei der Erstellung und Prüfung der entsprechenden Software. - Im Falle, daß ein Router als Paket-Filter eingesetzt wird, muß das dynamische Routing so konfigurierbar sein, daß Routing-Pakete (z. B. RIP), die _____________________________________________________________________ .......................................... 113 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.74 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... das zu schützende Netz betreffen, nur an dem Interface zugelassen werden, das auch mit dem zu schützenden Netz verbunden ist. - Pakete mit Source-Routing Informationen müssen standardmäßig verworfen werden können. - Der Paket-Filter sollte ggf. eine dynamische Paket-Filterung unterstützen. D. h., daß z. B. bei der Übertragung von UDP-Paketen der entsprechende Kontext für eine gewisse Zeitspanne gespeichert wird und die zugehörigen Antwortpakete hindurchgelassen werden. Dynamische Filter Ausgehend von der Definition für einen Paket-Filter als Filter, der die Informationen der Schichten drei und vier zur Kontrolle verwendet, zeigen sich sehr schnell die Grenzen dieses Verfahrens. Während bei TCP (Transmission Control Protocol) eine Möglichkeit besteht, einen Verbindungsaufbau zu erkennen und dadurch Verbindungen vom Internet in das zu schützende Netz zu verbieten, geht dies bei UDP (User Datagram Protocol) nicht mehr. Als Lösung für dieses Problem werden dynamische Paket-Filter eingesetzt. Wird ein UDP-Paket vom internen Rechner z. B. zu einem DNS-Server im Internet geschickt, so speichert der dynamische Paket-Filter die Daten (Quell- und Zieladresse, Quell- und Zielport) und erzeugt eine neue Erlaubnisregel für die Antwortpakete. Diese Regel ist nur für eine gewisse einstellbare Zeitspanne gültig. Kommen keine Antwortpakete, wird sie wieder gelöscht. _____________________________________________________________________ .......................................... 114 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.75 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.75 Geeignete Auswahl eines Application-Gateway Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Ein Application-Gateway ist ein Rechner, der die in der Anwendungsschicht vorhandenen Informationen zum Filtern von Verbindungen nutzt. Dies können z. B. Benutzernamen in Verbindung mit einer starken Authentisierung, spezielle Informationen in den übertragenen Daten (z. B. Kontrolle auf Computer-Viren) oder Informationen der Anwendungsschicht sein. Ein Application-Gateway bietet darüber hinaus die Möglichkeit, einen einheitlichen Zugang zum zu schützenden Teilnetz zu schaffen und die Struktur dieses Netzes zu verdecken. Die auf dem Application-Gateway laufenden Filterprozesse werden als Proxy-Prozesse bezeichnet. Sollte ein Application-Gateway für eine Firewall benötigt werden, so sind bei der Beschaffung folgende Forderungen zu stellen: - Es müssen alle wesentlichen Protokolle (wie Telnet, FTP, SMTP, DNS, NNTP, HTTP) der Anwendungsschicht behandelt werden. - Für jedes unterstützte Protokoll muß eine Filterung nach allen in Maßnahme M 2.76 Auswahl und Implementation geeigneter Filterregeln spezifizierten Informationen möglich sein. Insbesondere müssen die Filterregeln benutzerabhängig formulierbar sein, und es muß möglich sein, mehrere Benutzer zu einer Gruppe zusammenzufassen. - Eine Filterung nach Inhalten sollte unterstützt werden, damit eine zentrale Virenprüfung und das Blockieren von aktiven Inhalten möglich ist (siehe G 5.23 Computer-Viren). - Bei dem Einsatz eines Application-Gateways sollte keine Änderung der Software im zu schützenden Netz oder im externen Netz nötig sein. - Die Eingabe und Kontrolle der Filterregeln muß einfach und übersichtlich sein. - Die eingesetzten Programme müssen gut dokumentiert sein. - Es muß leicht möglich sein, neue Protokolle hinzuzufügen. - Für jede aufgebaute und abgewiesene Verbindung muß eine Protokollierung von Benutzer-Identifikation, IP-Nummer, Dienst, Zeit und Datum durchgeführt werden können, wobei auch Einschränkungen auf bestimmte Verbindungen (z. B. für einen speziellen Benutzer) möglich sein sollten. - Die Protokollinformationen müssen an einen externen Host geschickt werden können. - Spezielle, einstellbare Ereignisse müssen zu einer unverzüglichen Warnung führen (z. B. mehrfache fehlerhafte Authentisierungsversuche). - Zur Benutzer-Identifikation müssen starke Authentisierungsmethoden verwendet werden. - Vom Application Gateway müssen virtuelle private Netze unterstützt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 115 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.76 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.76 Auswahl und Implementation geeigneter Filterregeln Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Das Aufstellen und die notwendige Aktualisierung der Filterregeln für eine Firewall ist keine einfache Aufgabe. Der Administrator muß dafür fundierte Kenntnisse der eingesetzten Protokolle besitzen und entsprechend geschult werden. Beim Aufstellen der Filterregeln sollten folgende Punkte beachtet werden: - Die Regeln sollten so formuliert werden, daß alle Zugänge, die nicht explizit erlaubt werden, verboten sind. - Falls es Bedarf für eine benutzerspezifische Authentisierung gibt, muß geklärt werden, welche Benutzer sich im inneren Netz befinden, welche Dienste diese anwenden dürfen und welche Authentisierungsverfahren eingesetzt werden sollen. - Es müssen alle Rechner, die sich im inneren Netz befinden, berücksichtigt werden. - Es muß festgelegt werden, welche Dienste zu welchen Zeiten zur Verfügung stehen sollen. Wenn eine Organisation festgelegte Arbeitszeiten hat, Mitarbeiter z. B. nur zwischen 7.00 und 19.00 Uhr anwesend sein können, sollten außerhalb der üblichen Arbeitszeiten auch keine Verbindungen aufgebaut werden können. Die Filterregeln sollten in einer Tabelle zusammengefaßt werden, deren eine Achse die Zielrechnernummern und deren andere Achse die Quellrechnernummern enthält. Die Einträge enthalten dann die erlaubten Portnummern, dabei ist die obere der Quell-, die untere der Zielport. Paket-Filter können die Überprüfung der Pakete unmittelbar nach dem Empfang oder vor der Weiterleitung durchführen. Hierbei sollte beachtet werden, daß eine Filterung der in den Paket-Filter eingehenden Pakete durchgeführt werden sollte. Außerdem müssen die Paket-Filter so konfiguriert werden, daß als Absenderadresse nur die Nummern der an dem Interface angeschlossenen Rechner zugelassen werden. Adressen, die mit den anderen Interfaces verknüpft sind, dürfen nicht durchgelassen werden. Dies verringert die Gefahr von IP-Spoofing Angriffen. Beispiel: Die folgende Tabelle enthält Filterregeln für das interne Interface eines PaketFilters zwischen einem internen Netz und einem Screened-Subnet, also einem Teilnetz, das sich zwischen dem internen und dem externen Netz befindet und die Verbindungen zwischen diesen kontrolliert (siehe auch Abb. 1 in M 2.77 Sichere Anordnung weiterer Komponenten). Die Einträge enthalten die erlaubten Verbindungen, dabei bezeichnet der obere Eintrag den Quellport und der untere Eintrag den Zielport. _____________________________________________________________________ .......................................... 116 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.76 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... an Appl. Gateway von Screende-Subnet externen DNSServer externen MailServer internem Mail-Server ¶ ¶ TCP > 1023 ¶¶¶¶¶¶ TCP: 25 internem DNS-Server ¶ UDP: 53 ¶¶¶¶¶¶ UDP: 53 ¶ ¶ ¶ ¶ ¶ ¶ ¶ ¶ ¶ IT-System mit IP-Adresse 1.2.3.5 IT-System mit IP-Adresse 1.2.3.7 IT-Systeme mit IP-Adresse 1.2.5.* IT-Systeme mit IP-Adresse 1.2.6.* TCP > 1023 ¶¶¶¶¶¶ TCP: 20,21 TCP > 1023 ¶¶¶¶¶¶ TCP: 23 TCP > 1023 ¶¶¶¶¶¶ TCP: 23, 80 TCP > 1023 ¶¶¶¶¶¶ TCP: 80 Dies bedeutet beispielsweise, daß der interne Mail-Server mit TCP von einem Port mit einer Portnummer > 1023 auf Port 25 (SMTP) des externen Mail-Servers im Screened-Subnet zugreifen darf. Ports mit einer Portnummer > 1023 werden auch als unprivilegierte Ports bezeichnet, im Gegensatz zu Ports mit niedrigeren Portnummern, die als privilegiert bezeichnet werden, da nur privilegierte Benutzer, also solche mit RootBerechtigung, Verbindungen mit diesen Ports aufbauen dürfen. Diese Tabelle muß dann in entsprechende Filterregeln umgesetzt werden. Dies ist häufig nicht einfach und muß deshalb sehr genau kontrolliert werden. Durch regelmäßige Tests muß überprüft werden, daß alle Filterregeln korrekt umgesetzt worden sind. Insbesondere muß sichergestellt werden, daß nur die Dienste zugelassen werden, die in der Sicherheitspolitik vorgesehen sind. Für die Regeln eines Application-Gateways sind analoge Tabellen zu erstellen und in die entsprechenden Filterregeln umzusetzen. Beispiel: Benutzername Dienst Befehl Authentisierung E. Beispiel FTP RETR, STOR Einmalpaßwort K. Mustermann FTP RETR Chipkarte Die Benutzerin Frau Beispiel darf die Befehle RETR und STOR des Dienstes FTP benutzen, d. h. sie darf über FTP Dateien laden und senden, während Herr Mustermann nur Dateien laden darf. _____________________________________________________________________ .......................................... 117 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.77 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.77 Sichere Anordnung weiterer Komponenten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Neben Installation und Betrieb der Firewall müssen auch weitere Komponenten, die der Kommunikation zwischen geschütztem und externem Netz dienen, sicher angeordnet werden. Dazu gehören z. B. Informationsserver für die Bereitstellung von Informationen an interne oder externe Benutzer, MailServer und DNS-Server. Für die Anordnung weiterer Komponenten ist zu unterscheiden, ob diese im zu schützenden Netz, im Screened-Subnet oder auf der externen Seite der Firewall aufgestellt werden sollen. Zur besseren Differenzierung wird der Bereich zwischen dem inneren Paket-Filter und dem Application-Gateway im folgenden auch als internes Screened-Subnet bezeichnet, der Bereich zwischen dem Application-Gateway und dem äußeren Paket-Filter als externes Screened-Subnet. Externe Zugänge Weitere externe Zugänge zum zu schützenden Netz, z. B. mit telnet über einen Modempool, sollten wie Zugänge aus dem unsicheren Netz behandelt werden. Dies läßt sich erreichen, indem z. B. ein Terminalserver mit angeschlossenen Modems auf die externe Seite der Firewall gestellt wird, so daß ein Zugang von dort nur über Telnet zum internen Rechner durchgeführt werden kann. Beim Einsatz von virtuellen privaten Netzen (VPNs) kann es auch sinnvoll sein, den notwendigen Zugang über ein weiteres Interface am Application Gateway zu realisieren. Es müssen klare Regelungen darüber getroffen werden, daß keine externen Zugänge unter Umgehung der Firewall geschaffen werden. Diese Regelungen müssen allen Mitarbeitern bekanntgemacht werden. Es muß sichergestellt werden, daß sowohl das IT-Sicherheitsmanagement als auch der FirewallAdministrator rechtzeitig über entsprechende Pläne unterrichtet wird, um eine Einbettung in das IT-Sicherheitskonzept und die Firewall-Sicherheitspolitik zu gewährleisten. _____________________________________________________________________ .......................................... 118 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.77 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... multi-homed Application Gateway zu schützendes Netz Mailserver Packet Filter Packet Filter unsicheres Netz externer Infoserver DNS-Server zentral verwaltet Abb. 1: Screened-Subnet mit Dual-homed Gateway. Dargestellt sind funktionale Einheiten, die zum Teil auch in einem Gerät vereint werden können (siehe Abb. 2), wobei aber auf die dann zusätzlich auftretenden Sicherheitsprobleme besonders geachtet werden muß. So kann z. B. das ansonsten sichere Application-Gateway durch die Übernahme der Funktionen des externen DNS-Servers angreifbar werden, wenn in der DNS-Software ein Fehler ist. Anordnung von Informationsservern Informationsserver, die für die Bereitstellung von Informationen an externe Benutzer dienen, müssen außerhalb der Firewall stehen und wie andere im externen Netz vorhandene Server betrachtet werden. Ihre Verwaltung sollte entweder lokal oder über spezielle zeitlich begrenzte Zugänge vom geschützten Netz erfolgen. Die Daten sollten auf schreibgeschützten Datenträgern liegen. Gibt es Daten, die nur für die Benutzer des zu schützenden Netzes erreichbar sein sollen, ist es sinnvoll, weitere Informationsserver im internen ScreenedSubnet (siehe Abb. 1) einzusetzen. Diese sind dann von außen nicht erreichbar und gegen Angriffe von innen durch den Paket-Filter geschützt. _____________________________________________________________________ .......................................... 119 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.77 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... zu schützendes Netz externer Infoserver & externer DNS-Server Packet Filter Packet Filter unsicheres Netz interner DNS-Server Application Gateway Infoserver interner Infoserver Abb. 2: Screened-Subnet mit Application-Gateway an einem separaten Router-Interface. Dargestellt sind funktionale Einheiten, die zum Teil auch in einem Gerät vereint werden können. Dies ist für den externen Mail- und DNS-Server angedeutet. Anordnung der Mail-Server Ein Mail-Server innerhalb des geschützten Netzes wird zur Verwaltung der Alias-Datenbank, mit der die Benutzeradressen auf ein einheitliches Format umgesetzt werden können, für einen evtl. POP-Daemon oder auch als Gateway zum Übergang in ein anderes Mailsystem (z. B. X.400) eingesetzt. Alle internen Mails werden an diesen Server geschickt und von dort ggf. über einen externen Mail-Server nach außen weitergeleitet. Der externe Mail-Server im externen Screened-Subnet stellt die Verbindungen mit externen Rechnern her und nimmt die Mails von dort entgegen, so daß die interne Struktur des geschützten Netzes verdeckt wird. Diese Funktion kann auch vom Application-Gateway wahrgenommen werden. Durch diese Konfiguration wird erreicht, daß interne Mails nicht in das äußere Netz gelangen und eine einheitliche Adreßstruktur benutzt werden kann. zu schützendes Netz Packet Filter Packet Filter unsicheres Netz Dual-homed Application Gateway interne Mail interner Mailserver kommende Mail externer Mailserver ausgehende Mail Abb. 3: Anordnung der Mail-Server. Mails zwischen Rechnern im zu schützenden Netz verlassen das Netz nicht, da sie vom internen Mail-Server weitergeleitet werden, der auch die _____________________________________________________________________ .......................................... 120 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.77 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... interne Alias-Datenbank verwaltet. Mails an externe Rechner werden über das Gateway an den externen Mail-Server geschickt und von dort weitergeleitet. Für Mails von externen Rechnern verweist der MX-Eintrag (vom externen DNS-Server, siehe Abb. 4) auf den externen Mail-Server. Dieser schickt die Mails dann an den internen Mail-Server weiter. Die Funktionalität des externen Mail-Servers kann u. U. auch vom Gateway wahrgenommen werden. Anordnung der DNS-Server Der Domain Name Service (DNS) dient zur Umsetzung von Rechnernamen in IP-Nummern und umgekehrt und stellt ferner Informationen über im Netz vorhandene Rechnersysteme zur Verfügung. DNS-Informationen sollten vor der Außenwelt, d. h. dem Internet oder anderen externen Netzen, verborgen werden. Der bekannteste Ansatz zur Umsetzung dieser Forderung geht von einer speziellen Anordnung zweier DNS-Server (Nameserver) aus. Ein DNSServer im internen Screened-Subnet verdeckt die Struktur des zu schützenden Netzes und kommuniziert mit einem DNS-Server im externen ScreenedSubnet, um Namen von externen Rechnern umzusetzen. Da DNS-Clients sich nicht notwendigerweise mit einem DNS-Server auf denselben Rechnern unterhalten müssen, ist es möglich, beide Prozesse auf unterschiedlichen Rechnern ablaufen zu lassen. Der externe DNS-Server muß so konfiguriert werden, daß er behauptet, die Autorität für die Domäne des zu schützenden Netzes zu sein (PrimaryServer). Natürlich weiß dieses System nur das, was der Außenwelt bekanntgegeben werden soll, also Namen und IP-Nummern des externen MailServers, des Application-Gateways und des externen Informationsservers. Es handelt sich dann um einen Public-DNS-Server. Der interne DNS-Server muß auch so konfiguriert werden, daß er behauptet, die Autorität für die Domain des zu schützenden Netzes darzustellen. Im Gegensatz zum externen DNS-Server verwaltet dieser Privat-DNS-Server aber alle internen DNS-Informationen und leitet Suchanfragen interner Rechner über externe Hosts an den externen DNS-Server weiter. Alle DNS-Clients einschließlich der auf dem Application-Gateway müssen so konfiguriert werden, daß sie immer den internen DNS-Server benutzen (z. B. mittels Einträgen in der Datei /etc/resolv.conf). Fragt nun ein interner Client nach einem internen Rechner, wird der interne DNS-Server benutzt. Fragt ein interner Client oder ein Client auf dem Application-Gateway nach einem externen Rechner, wird der interne DNS-Server befragt, der wiederum den externen DNS-Server befragt, der wiederum das Internet befragt, das eine Antwort zurückgibt. Ein externer Client, der nach einem internen Host fragt, erhält die eingeschränkte Liste vom externen DNS-Server. Der eingesetzte Paket-Filter muß so konfiguriert werden, daß zwischen den Servern nur der DNS-Dienst gestattet ist, d. h. DNS Port 53 als Quell- und Zielport. Die Freigabe weiterer Ports (> 1023) ist also nicht nötig. _____________________________________________________________________ .......................................... 121 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.77 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... zu schützendes Netz Packet Filter interne DNS-Abfrage Packet Filter unsicheres Netz Dual-homed Application Gateway externe DNS-Abfrage DNS-Abfrage des Gateway privater DNS-Server Public DNS-Server Abb. 4: Anordnung der DNS-Server. Der Private-DNS-Server ist der Primary-DNS-Server für das zu schützende Netz und reicht Anfragen über externe Rechner an den Public-DNS-Server weiter. Der Client auf dem Gateway ist so konfiguriert, daß zunächst der Private-DNS-Server gefragt wird, der die Anfrage dann evtl. an den Public-DNS-Server weiterreicht. Der Public-DNS-Server ist für externe Rechner der Primary-DNS-Server für das zu schützende Netz, enthält aber nur die Einträge der Rechner, die außen bekannt sein sollen. _____________________________________________________________________ .......................................... 122 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.78 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.78 Sicherer Betrieb einer Firewall Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Für einen sicheren Betrieb einer Firewall sind die umgesetzten Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig auf ihre korrekte Einhaltung zu überprüfen. Insbesondere müssen die für den Betrieb der Firewall getroffenen organisatorische Regelungen regelmäßig/sporadisch auf ihre Einhaltung überprüft werden. Es sollte in zyklischen Abständen kontrolliert werden, ob neue Zugänge unter Umgehung der Firewall geschaffen wurden. Durch regelmäßige Tests muß außerdem überprüft werden, daß alle Filterregeln korrekt umgesetzt worden sind. Dabei ist zu testen, daß nur die Dienste zugelassen werden, die in der Sicherheitspolitik vorgesehen sind. Falls nachträgliche Änderungen der Sicherheitspolitik erforderlich sind, müssen diese streng kontrolliert werden und insbesondere auf Seiteneffekte überprüft werden. Die bei der Beschaffung an Paket-Filter bzw. an Application-Gateways gestellten Forderungen sind umzusetzen. Sie sind regelmäßig zu aktualisieren und auf Vollständigkeit zu prüfen. Die Defaulteinstellung der Filterregeln und die Anordnung der Komponenten muß sicherstellen, daß alle Verbindungen, die nicht explizit erlaubt sind, blockiert werden. Dies muß auch bei einem völligen Ausfall der FirewallKomponenten gelten. Es muß die Regel "Alles was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist verboten" realisiert sein. So darf z. B. ein Benutzer, der keinen Eintrag in einer AccessListe hat, keine Möglichkeit haben, Dienste des Internets zu benutzen. Darüber hinaus sind die folgenden Punkte zu beachten: - Um ein Mitlesen oder Verändern der Authentisierungsinformationen zu verhindern, dürfen sich Administrator und Revisor nur über einen vertrauenswürdigen Pfad authentisieren. Dies könnte z. B. direkt über die Konsole, eine verschlüsselte Verbindung oder ein separates Netz erfolgen. - Es müssen in regelmäßigen Abständen Integritätstests der eingesetzten Software durchgeführt werden und im Fehlerfall die Firewall abgeschaltet werden. - Die Firewall muß auf ihr Verhalten bei einem Systemabsturz getestet werden. Insbesondere darf kein automatischer Neustart möglich sein, und die Access-Listen müssen auf einem schreibgeschützten Medium speicherbar sein. Die Access-Listen sind die wesentlichen Daten für den Betrieb der Firewall und müssen besonders gesichert werden, damit keine alten oder fehlerhaften Access-Listen bei einem Neustart benutzt werden, der durch einen Angreifer provoziert wird. Bei einem Ausfall der Firewall muß sichergestellt sein, daß in dieser Zeit keine Netzverbindungen aus dem zu schützenden Netz heraus oder zu diesem aufgebaut werden können. _____________________________________________________________________ .......................................... 123 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.78 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Auf den eingesetzten Komponenten dürfen nur Programme, die für die Funktionsfähigkeit der Firewall nötig sind, vorhanden sein. Der Einsatz dieser Programme muß ausführlich dokumentiert und begründet werden. Beispielsweise sollte die Software für die graphische Benutzeroberfläche entfernt werden sowie alle Treiber, die nicht benötigt werden. Diese sollten auch aus dem Betriebssystem-Kern entfernt werden. Das Verbleiben von Software muß dokumentiert und begründet werden. - Beim Wiedereinspielen von gesicherten Datenbeständen muß darauf geachtet werden, daß für den sicheren Betrieb der Firewall relevante Dateien wie Access-Listen, Paßwortdateien oder Filterregeln auf dem aktuellsten Stand sind. _____________________________________________________________________ .......................................... 124 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.79 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.79 Festlegung der Verantwortlichkeiten im Bereich Standardsoftware Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Leiter Organisation Vor der Einführung von Standardsoftware müssen eine Reihe von Verantwortlichkeiten geregelt werden. Beispielhaft seien die Verantwortlichkeiten genannt für die Erstellung eines Anforderungskataloges, die Vorauswahl von Produkten, das Testen und Freigeben und die Installation. Nachfolgend wird zum Vergleich aufgezeigt, wie diese Verantwortlichkeiten sinnvoll verteilt werden können. Da jedoch die Bezeichnungen in den meisten Organisationen voneinander abweichen, werden vorab einige Instanzen anhand ihrer Aufgaben definiert, denen anschließend die einzelnen Verantwortlichkeiten zugeordnet werden können: - Die Fachabteilung ist der Anwender der Standardsoftware. Sie äußert ihren Bedarf an neuer Software und gibt damit den Anstoß zu deren Beschaffung. Sie wird bei Vorauswahl und Test beteiligt, um die Anforderungen der Anwender einzubringen. - Die Behörden-/Unternehmensleitung ist verantwortlich für die Freigabe von Standardsoftware. Diese Verantwortung wird meist an den Leiter der Fachabteilung delegiert, womit nach Freigabe die Verantwortung für den korrekten Einsatz der Standardsoftware auf die Fachabteilung übergeht. - Der IT-Bereich hat die Aufgabe, IT-Lösungen für die Erfüllung der Aufgaben der Fachabteilung bereitzustellen und den sicheren und zuverlässigen Betrieb der IT zu gewährleisten. - Die Beschaffungsstelle muß die Interoperabilität und Kompatibilität der zu beschaffenden Standardsoftware sowie die Einhaltung von Hausstandards und gesetzlichen Vorschriften sicherstellen. Oft gibt es in den einzelnen Fachabteilungen IT-Koordinatoren, die Teile der Aufgaben der Beschaffungsstelle für die Fachabteilung beratend wahrnehmen und evtl. auch die Haushaltsmittel der Fachabteilung koordinieren. - Der Haushalt ist verantwortlich für das Rechnungswesen, die ITBudgetverwaltung und für die Bereitstellung der benötigten Haushaltsmittel. - Der IT-Sicherheitsbeauftragte muß überprüfen, ob mit den eingesetzten oder zu beschaffenden Produkte ein angemessenes IT-Sicherheitsniveau gewährleistet werden kann. Im Rahmen des IT-Sicherheitsmanagements (vgl. Kapitel 1) muß er die IT-Sicherheit im laufenden Betrieb sicherstellen. - Der Datenschutzbeauftragte muß die Einhaltung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen und eines ausreichenden Schutzes personenbezogener Daten gewährleisten. _____________________________________________________________________ .......................................... 125 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.79 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Der Personal- bzw. Betriebsrat muß in vielen Fällen bei der Auswahl neuer Standardsoftware beteiligt werden, insbesondere wenn damit größere Änderungen im Arbeitsablauf verbunden sind oder wenn die zu beschaffende Software zur Leistungskontrolle geeignet ist (siehe M 2.40 Rechtzeitige Beteiligung des Personal- / Betriebsrates). Im Gesamtprozeß "Standardsoftware" muß für jeden einzelnen Schritt festgelegt werden, welche der zuvor beschriebenen Instanzen für die Durchführung verantwortlich sind und welche Instanzen dabei beteiligt werden müssen. Eine mögliche sinnvolle Verantwortungsverteilung ist zur Orientierung in nachfolgender Tabelle zusammengefaßt: verantwortlich Erstellung des Anforderungskatalogs Fachabteilung, Bereich zu beteiligen IT- Beschaffungsstelle, Haushälter, IT-Sicherheitsbeauftragter, Datenschutzbeauftragter, Personal- oder Betriebsrat Vorauswahl eines Beschaffungsstelle geeigneten Produktes IT-Bereich, Fachabteilung Testen Fachabteilung und IT- IT-Sicherheitsbeauftragter, Bereich Datenschutzbeauftragter, Personal- oder Betriebsrat Freigabe Behörden/Unternehmensleitung evtl. delegiert an Leiter Fachabteilung Beschaffung Beschaffungsstelle Sicherstellen der Integrität der Software IT-Bereich - Installation und Konfiguration IT-Bereich - Versionskontrolle IT-Bereich und Lizenzverwaltung - Deinstallation IT-Bereich - Kontrolle des ITBetriebs IT-Sicherheitsbeauftragter - - Haushalt Die getroffenen Zuordnungen sind verbindlich festzuschreiben und deren Einhaltung ist periodischen Kontrollen zu unterziehen. _____________________________________________________________________ .......................................... 126 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.79 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Regelungen sind in Kraft? - Sind alle Mitarbeiter über bestehende Richtlinien und über deren Kontrolle unterrichtet? - Werden alle relevanten Stellen (z. B. Personalrat, Haushalt, Datenschutzbeauftragter, ...) entsprechend ihrer Funktion beteiligt? _____________________________________________________________________ .......................................... 127 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.80 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.80 Erstellung eines Anforderungskataloges für Standardsoftware Verantwortlich für Initiierung: Leiter Fachabteilung Verantwortlich für Umsetzung: Fachabteilung, Leiter IT Zur Lösung einer Aufgabe, die mit IT bearbeitet wird, bietet der Markt meist eine Vielzahl gleichartiger Standardsoftwareprodukte an. In ihrer Grundfunktionalität vergleichbar, unterscheiden sie sich jedoch in Kriterien wie Anschaffungs- und Betriebskosten, Zusatzfunktionalitäten, Kompatibilität, Administration, Ergonomie und IT-Sicherheit. Anforderungskatalog Für die Auswahl eines geeigneten Produktes muß daher zunächst ein Anforderungskatalog erstellt werden. Der Anforderungskatalog sollte u. a. zu den folgenden Punkten Aussagen enthalten: - Funktionale Anforderungen, die das Produkt zur Unterstützung der Aufgabenerfüllung der Fachabteilung erfüllen muß. Die für die Fachaufgabe relevanten Einzelfunktionalitäten sollten hervorgehoben werden. Verkürzte Beispiele: - Textverarbeitung mit den Zusatzfunktionen Einbinden von Graphiken, Makroprogrammierung, Rechtschreibprüfung und Silbentrennung. Makroprogrammierung muß abschaltbar sein, Rechtschreibprüfung muß in Englisch, Französisch und Deutsch verfügbar sein. Die spezifizierten Textformate müssen im- und exportiert werden können. - Datenbank (Front-End und Back-End) für Multi-User-Betrieb mit Unterstützung der Standardabfragesprache SQL und graphischer Bedienoberfläche - Terminplaner zur Koordinierung und Kontrolle von Terminen der Abteilungsangehörigen mit integrierter Terminabstimmung, automatischem Versand von Einladungen und Aufgaben- und Prioritäten-Listen, Schnittstelle zum hausinternen Mailprogramm - IT-Einsatzumgebung, diese wird einerseits beschrieben durch die Rahmenbedingungen, die durch die vorhandene oder geplante ITEinsatzumgebung vorgegeben werden, und andererseits durch die Leistungsanforderungen, die durch das Produkt an die Einsatzumgebung vorgegeben werden. Verkürzte Beispiele: - Vorgegebene IT-Einsatzumgebung: Unter Novell 3.11 vernetzter PC, 80486-Prozessor, 8 MB Hauptspeicher, 500 MB Festplattenkapazität, Diskettenlaufwerk, CD-ROM-Laufwerk, MS-DOS 6.0, Produkt darf maximal 50 MB der Festplatte belegen, es muß unter Windows 3.11 laufen und netztauglich sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 128 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.80 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Leistungsanforderungen: Das Textverarbeitungsprogramm X benötigt 16 MB Festplattenplatz, läuft auf einem PC ab 80386-Prozessor, 8 MB Hauptspeicher, Windows 3.11. - Kompatibilitätsanforderungen zu anderen Programmen oder IT-Systemen, also Migrationsunterstützung und Aufwärts- und Abwärtskompatibilität. Verkürzte Beispiele: - Datenbestände aus der vorhandenen Datenbank XYZ müssen übernommen werden können. - Die Funktionen A, B, C müssen bei Versionswechseln erhalten bleiben. - Der Datenaustausch mit dem Unix-System XYZ muß möglich sein. - Performanceanforderungen beschreiben die erforderlichen Leistungen hinsichtlich Durchsatz und Laufzeitverhalten. Für die geforderten Funktionen sollten möglichst genaue Angaben über die maximal zulässige Bearbeitungszeit getroffen werden. Verkürzte Beispiele: - Die maximale Antwortzeit bei Ausführung von Funktion X darf 2 Sekunden nicht überschreiten. - Die Verschlüsselungsrate sollte auf einem 486 DX 33 mindestens 60 KB/sec betragen. - Andere gleichzeitig verarbeitete Prozesse dürfen durch das Produkt maximal um 30% verlangsamt werden. - Interoperabilitätsanforderungen, d. h. die Zusammenarbeit mit anderen Produkten über Plattformgrenzen hinweg muß möglich sein. Verkürzte Beispiele: - Versionen des Textverarbeitungsprogramms sollen für Windows-, Unix- und Macintosh-Plattformen verfügbar sein. Dokumente sollen auf einem Betriebssystem erstellt und auf einem anderen weiterverarbeitet werden können. - Das Textverarbeitungsprogramm muß mit dem eingesetzten Mailprogramm zusammenarbeiten können. - Zuverlässigkeitsanforderungen betreffen die Stabilität des Produktes, also Fehlererkennung und Toleranz sowie Ausfall- und Betriebssicherheit. Verkürzte Beispiele: - Fehleingaben des Benutzers müssen erkannt werden und dürfen nicht zum Programmabbruch oder Systemabsturz führen. - Die Datenbank muß über Mechanismen verfügen, die es erlauben, bei einem Systemabbruch mit Zerstörung der Datenbank alle Transaktionen zu rekonstruieren (Roll-Forward). _____________________________________________________________________ .......................................... 129 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.80 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Konformität zu Standards, dies können internationale Normen, De-factoStandards oder auch Hausstandards sein. Verkürzte Beispiele: - Das Produkt muß der EU-Bildschirmrichtlinie 90/270/EWG entsprechen. - Die Implementation eines Token-Ring-LANs muß konform sein zur Norm ENV 41110. - Das Produkt muß dem X/Open-Standard entsprechen. - Einhaltung von internen Regelungen und gesetzlichen Vorschriften (z. B. ausreichender Datenschutz bei der Verarbeitung personenbezogener Daten) Verkürzte Beispiele: - Das Produkt muß den Grundsätzen ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme genügen. - Da personenbezogene Daten verarbeitet werden, müssen die Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes mit den implementierten Funktionen erfüllt werden können. - Anforderungen an die Benutzerfreundlichkeit, die durch die leichte Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Erlernbarkeit gekennzeichnet ist, also insbesondere durch die Güte der Benutzeroberfläche sowie die Qualität der Benutzerdokumentation und der Hilfefunktionen. Verkürzte Beispiele: - Eine Online-Hilfefunktion muß implementiert sein. - Die Benutzeroberfläche muß so gestaltet sein, daß ungelernte Kräfte innerhalb von zwei Stunden in die Benutzung eingewiesen werden können. - Die Benutzerdokumentation und die Benutzeroberfläche sollten in der Landessprache vorliegen. - Anforderungen an die Wartbarkeit ergeben sich für den Anwender hauptsächlich aus der Fehlerbehandlung des Produktes. Verkürzte Beispiele: - Der Administrationsaufwand darf nicht zu hoch sein. - Der Anbieter muß eine Hotline für Fragen anbieten. - Das Produkt muß einfach zu installieren und zu konfigurieren sein. - Das Produkt muß einfach zu deinstallieren sein. - die Obergrenze der Kosten, die durch die Beschaffung dieses Produktes verursacht würden, werden vorgegeben. Dabei müssen nicht nur die unmittelbaren Beschaffungskosten für das Produkt selber einbezogen werden, sondern auch Folgekosten, wie z. B. eine Aufrüstung der Hardware, Personalkosten oder notwendige Schulungen. _____________________________________________________________________ .......................................... 130 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.80 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Verkürzte Beispiele: - Das Produkt darf maximal 15000.- DM kosten. - Die Schulungskosten dürfen 2000.- DM nicht überschreiten - Aus den Anforderungen an die Dokumentation muß hervorgehen, welche Dokumente in welcher Güte (Vollständigkeit, Verständlichkeit) erforderlich sind. Verkürzte Beispiele: - Die Benutzerdokumentation muß leicht nachvollziehbar und zum Selbststudium geeignet sein. Die gesamte Funktionalität des Produktes ist zu beschreiben. - Die Systemverwalterdokumentation muß Handlungsanweisungen für mögliche Fehler enthalten. - Bezüglich der Softwarequalität können Anforderungen gestellt werden, die von Herstellererklärungen über das eingesetzten Qualitätssicherungsverfahren, über ISO 9000 ff. Zertifikate bis hin zu unabhängigen Softwareprüfungen nach ISO 12119 reichen. Verkürzte Beispiele: - Der Softwareerstellungsprozeß des Herstellers muß nach ISO 9000 zertifiziert sein. - Die Funktionalität des Produktes muß unabhängig gemäß ISO 12119 überprüft worden sein. - Sollen durch das Produkt IT-Sicherheitsfunktionen erfüllt werden, sind sie in Form von Sicherheitsanforderungen zu formulieren (vgl. M 4.42 Implementierung von Sicherheitsfunktionalitäten in der IT-Anwendung). Dies wird nachfolgend noch ausführlich erläutert. Sicherheitsanforderungen Abhängig davon, ob das Produkt Sicherheitseigenschaften bereitstellen muß, können im Anforderungskatalog Sicherheitsfunktionen aufgeführt werden. Typische Sicherheitsfunktionen, die hier in Frage kommen, seien kurz erläutert. Weitere Ausführungen findet man in den ITSEC. - Identifizierung und Authentisierung In vielen Produkten wird es Anforderungen geben, diejenigen Benutzer zu bestimmen und zu überwachen, die Zugriff auf Betriebsmittel haben, die vom Produkt kontrolliert werden. Dazu muß nicht nur die behauptete Identität des Benutzers festgestellt, sondern auch die Tatsache nachgeprüft werden, daß der Benutzer tatsächlich die Person ist, die er zu sein vorgibt. Dies geschieht, indem der Benutzer dem Produkt Informationen liefert, die fest mit dem betreffenden Benutzer verknüpft sind. - Zugriffskontrolle Bei vielen Produkten wird es erforderlich sein sicherzustellen, daß Benutzer und Prozesse, die für diese Benutzer tätig sind, daran gehindert werden, Zugriff auf Informationen oder Betriebsmittel zu erhalten, für die _____________________________________________________________________ .......................................... 131 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.80 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... sie kein Zugriffsrecht haben oder für die keine Notwendigkeit zu einem Zugriff besteht. Desgleichen wird es Anforderungen bezüglich der unbefugten Erzeugung oder Änderung (einschließlich Löschung) von Informationen geben. - Beweissicherung Bei vielen Produkten wird es erforderlich sein sicherzustellen, daß über Handlungen, die von Benutzern bzw. von Prozessen im Namen solcher Benutzer ausgeführt werden, Informationen aufgezeichnet werden, damit die Folgen solcher Handlungen später dem betreffenden Benutzer zugeordnet werden können und der Benutzer für seine Handlungen verantwortlich gemacht werden kann. - Protokollauswertung Bei vielen Produkten wird sicherzustellen sein, daß sowohl über gewöhnliche Vorgänge als auch über außergewöhnliche Vorfälle ausreichend Informationen aufgezeichnet werden, damit durch Nachprüfungen später festgestellt werden kann, ob tatsächlich Sicherheitsverletzungen vorgelegen haben und welche Informationen oder sonstigen Betriebsmittel davon betroffen waren. - Unverfälschbarkeit Bei vielen Produkten wird es erforderlich sein sicherzustellen, daß bestimmte Beziehungen zwischen unterschiedlichen Daten korrekt bleiben und daß Daten zwischen einzelnen Prozessen ohne Änderungen übertragen werden. Daneben müssen auch Funktionen bereitgestellt werden, die es bei der Übertragung von Daten zwischen einzelnen Prozessen, Benutzern und Objekten ermöglichen, Verluste, Ergänzungen oder Veränderungen zu entdecken bzw. zu verhindern, und die es unmöglich machen, die angebliche oder tatsächliche Herkunft bzw. Bestimmung der Datenübertragung zu ändern. - Zuverlässigkeit Bei vielen Produkten wird es erforderlich sein sicherzustellen, daß zeitkritische Aufgaben genau zu dem Zeitpunkt durchgeführt werden, zu dem es erforderlich ist, also nicht früher oder später, und es wird sicherzustellen sein, daß zeitunkritische Aufgaben nicht in zeitkritische umgewandelt werden können. Desgleichen wird es bei vielen Produkten erforderlich sein sicherzustellen, daß ein Zugriff in dem erforderlichen Moment möglich ist und Betriebsmittel nicht unnötig angefordert oder zurückgehalten werden. - Übertragungssicherung Dieser Begriff umfaßt alle Funktionen, die für den Schutz der Daten während der Übertragung über Kommunikationskanäle vorgesehen sind: - Authentisierung - Zugriffskontrolle - Datenvertraulichkeit _____________________________________________________________________ .......................................... 132 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.80 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Datenintegrität - Sende- und Empfangsnachweis Einige dieser Funktionen werden mittels kryptographischer Verfahren realisiert. Über die ITSEC hinaus können weitere Sicherheitsanforderungen an Standardsoftware konkretisiert werden. - Datensicherung An die Verfügbarkeit der mit dem Produkt verarbeiteten Daten werden hohe Anforderungen gestellt. Unter diesen Punkt fallen im Produkt integrierte Funktionen, die Datenverlusten vorbeugen sollen wie die automatische Speicherung von Zwischenergebnissen oder die automatische Erstellung von Sicherungskopien vor der Durchführung größerer Änderungen. - Verschlüsselung Verschlüsselung dient der Wahrung der Vertraulichkeit von Daten. Bei vielen Produkten wird es erforderlich sein, Nutzdaten vor einer Übertragung oder nach der Bearbeitung zu verschlüsseln und sie nach Empfang oder vor der Weiterverarbeitung zu entschlüsseln. Hierzu ist ein anerkanntes Verschlüsselungsverfahren zu verwenden. Es ist sicherzustellen, daß die zur Entschlüsselung benötigten Parameter (z. B. Schlüssel) in der Weise geschützt sind, daß kein Unbefugter Zugang zu diesen Daten besitzt. - Funktionen zur Wahrung der Datenintegrität Für Daten, deren Integritätsverlust zu Schäden führen kann, können Funktionen eingesetzt werden, die Fehler erkennen lassen oder sogar mittels Redundanz korrigieren können. Meist werden Verfahren zur Integritätsprüfung eingesetzt, die absichtliche Manipulationen am Produkt bzw. den damit erstellten Daten sowie ein unbefugtes Wiedereinspielen von Daten zuverlässig aufdecken können. Sie basieren auf kryptographischen Verfahren (siehe M 5.36 Verschlüsselung unter Unix und M 4.34 Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen). - Datenschutzrechtliche Anforderungen Wenn mit dem Produkt personenbezogene Daten verarbeitet werden sollen, sind über die genannten Sicherheitsfunktionen hinaus zusätzliche spezielle technische Anforderungen zu stellen, um den Datenschutzbestimmungen genügen zu können. Stärke der Mechanismen Sicherheitsfunktionen werden durch Mechanismen umgesetzt. Je nach Einsatzzweck müssen diese Mechanismen eine unterschiedliche Stärke besitzen, mit der sie Angriffe abwehren können. Die erforderliche Stärke der Mechanismen ist im Anforderungskatalog anzugeben. Nach ITSEC unterscheidet man drei verschiedene Mechanismenstärken: _____________________________________________________________________ .......................................... 133 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.80 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - niedrig: bietet Schutz gegen zufällige unbeabsichtigte Angriffe, z. B. Bedienungsfehler. - mittel: bietet Schutz gegen Angreifer mit beschränkten Gelegenheiten oder Betriebsmitteln. - hoch: kann nur von Angreifern überwunden werden, die über sehr gute Fachkenntnisse, Gelegenheiten und Betriebsmitteln verfügen, wobei ein solcher erfolgreicher Angriff als normalerweise nicht durchführbar beurteilt wird. Beispiele für Anforderungen zu Sicherheitseigenschaften Nachfolgend werden für einige wichtige Sicherheitsfunktionen Beispiele genannt, aus denen typische Anforderungen an Sicherheitseigenschaften deutlich werden. Soll das Produkt über einen Identifizierungs- und Authentisierungsmechanismus verfügen, können beispielsweise folgende Anforderungen gestellt werden: - Der Zugang darf ausschließlich über eine definierte Schnittstelle erfolgen. Dabei kann z. B. ein Anmeldemechanismus zum Einsatz kommen, der eine eindeutige Benutzerkennung und ein Paßwort verlangt. Wird beim Zugang zum IT-System bereits die Identität des Benutzers sichergestellt, ist eine anonyme Paßworteingabe ausreichend. Andere Möglichkeiten sind Verfahren, die auf dem Besitz bestimmter "Token" beruhen, wie z. B. einer Chipkarte. - Das Zugangsverfahren selbst muß die sicherheitskritischen Parameter, wie Paßwort, Benutzerkennung, usw., sicher verwalten. So dürfen aktuelle Paßwörter nie unverschlüsselt auf den entsprechenden IT-Systemen gespeichert werden. - Das Zugangsverfahren muß definiert auf Fehleingaben reagieren. Erfolgt zum Beispiel dreimal hintereinander eine fehlerhafte Authentisierung, ist der Zugang zum Produkt zu verwehren oder alternativ sind die zeitlichen Abstände, nach denen ein weiterer Zugangsversuch erlaubt wird, sukzessiv zu vergrößern. - Das Zugangsverfahren muß das Setzen bestimmter Minimalvorgaben für die sicherheitskritischen Parameter zulassen. So sollte die Mindestlänge eines Paßwortes sechs Zeichen, die Mindestlänge einer PIN drei Ziffern betragen. Ggf. ist auch die Syntax für Paßwörter vorzugeben. Soll das Produkt über eine Zugriffskontrolle verfügen, können beispielsweise folgende Anforderungen gestellt werden: - Das Produkt muß verschiedene Benutzer unterscheiden können. - Das Produkt muß je nach Vorgabe Ressourcen einzelnen autorisierten Benutzer zuteilen können und Unberechtigten den Zugriff gänzlich verwehren. - Mittels einer differenzierten Rechtestruktur (lesen, schreiben, ausführen, ändern, ...) sollte der Zugriff geregelt werden können. Die für die Rechte- _____________________________________________________________________ .......................................... 134 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.80 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... verwaltung relevanten Daten sind manipulationssicher vom Produkt zu verwalten. Soll das Produkt über eine Protokollierung verfügen, können folgende Anforderungen sinnvoll sein: - Der Mindestumfang, den das Produkt protokollieren können muß, sollte parametrisierbar sein. Beispielsweise sollten folgende Aktionen protokollierbar sein: - bei Authentisierung: Benutzerkennung, Datum und Uhrzeit, Erfolg, ..., - bei der Zugriffskontrolle: Benutzerkennung, Datum und Uhrzeit, Erfolg, Art des Zugriffs, was wurde wie geändert, gelesen, geschrieben, ..., - Durchführung von Administratortätigkeiten, - Auftreten von funktionalen Fehlern. - Die Protokollierung darf von Unberechtigten nicht deaktivierbar sein. Die Protokolle selbst dürfen für Unberechtigte weder lesbar noch modifizierbar sein. - Die Protokollierung muß übersichtlich, vollständig und korrekt sein. Soll das Produkt über eine Protokollauswertung verfügen, können folgende Anforderungen sinnvoll sein: - Eine Auswertefunktion muß nach den bei der Protokollierung geforderten Datenarten unterscheiden können (z. B. "Filtern aller unberechtigten Zugriffe auf alle Ressourcen in einem vorgegebenen Zeitraum"). Die Auswertefunktion muß auswertbare ("lesbare") Berichte erzeugen, so daß keine sicherheitskritischen Aktivitäten übersehen werden. Soll das Produkt über Funktionen zur Unverfälschbarkeit verfügen, könnte beispielsweise folgende Anforderung gestellt werden: - Ein Datenbank-Managementsystem muß über Möglichkeiten zur Beschreibung von Regeln bestimmter Beziehungen zwischen den gespeicherten Daten verfügen (z. B. referentielle Integrität). Außerdem müssen geeignete Mechanismen existieren, die verhindern, daß es durch Änderungen der Daten zu Verstößen gegen diese Regeln kommt. Soll das Produkt über Funktionen zur Datensicherung verfügen, können beispielsweise folgende Anforderungen gestellt werden: - Es muß konfigurierbar sein, welche Daten wann gesichert werden. - Es muß eine Option zum Einspielen beliebiger Datensicherungen existieren. - Die Funktion muß das Sichern von mehreren Generationen ermöglichen. - Datensicherungen von Zwischenergebnissen aus der laufenden Anwendung sollen möglich sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 135 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.80 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Soll das Produkt über eine Verschlüsselungskomponente verfügen, sind folgende Anforderungen sinnvoll: - Der implementierte Verschlüsselungsalgorithmus sollte - beim Einsatz in Behörden - vom BSI anerkannt sein. Hier empfiehlt sich eine individuelle Beratung durch das BSI. Außerhalb der Behörden ist bei mittlerem Schutzbedarf der DES geeignet. - Das Schlüsselmanagement muß mit der Funktionalität des Produktes harmonieren. Dabei sind insbesondere grundsätzliche Unterschiede der Algorithmen zu berücksichtigen: - symmetrische Verfahren benutzen einen geheimzuhaltenden Schlüssel für die Ent- und Verschlüsselung, - asymmetrische Verfahren benutzen einen öffentlichen Schlüssel für die Verschlüsselung und einen privaten (geheimzuhaltenden) für die Entschlüsselung. - Das Produkt muß die sicherheitskritischen Parameter wie Schlüssel sicher verwalten. So dürfen Schlüssel (auch mittlerweile nicht mehr benutzte) nie ungeschützt, das heißt auslesbar, auf den entsprechenden IT-Systemen abgelegt werden. Soll das Produkt über Mechanismen zur Integritätsprüfung verfügen, sind folgende Anforderungen sinnvoll: - Das Produkt führt bei jedem Programmaufruf einen Integritätscheck durch. - Bei der Datenübertragung müssen Mechanismen eingesetzt werden, mit denen absichtliche Manipulationen an den Adreßfeldern und den Nutzdaten erkannt werden können. Daneben darf die bloße Kenntnis der eingesetzten Algorithmen ohne spezielle Zusatzkenntnisse nicht ausreichen, unerkannte Manipulationen an den obengenannten Daten vorzunehmen. Werden personenbezogene Daten mit dem Produkt verarbeitet, können beispielsweise folgende datenschutzrechtlichen Anforderungen gestellt werden: - Das Produkt darf keine freie Abfrage für Datenauswertungen zulassen. Die Auswertungen von Datensätzen müssen auf bestimmte Kriterien einschränkbar sein. - Es muß parametrisierbar sein, daß für bestimmte Dateien Änderungen, Löschungen oder Ausdrucke von personenbezogenen Daten nur nach dem Vier-Augen-Prinzip möglich sind. - Die Protokollierung muß parametrisierbar sein, so daß aufgezeichnet werden kann, wer wann an welchen personenbezogenen Daten welche Änderungen vorgenommen hat. - Die Übermittlung personenbezogener Daten muß durch geeignete Stichprobenverfahren festgestellt und überprüft werden können (BDSG, § 10). Die Art der Stichprobe muß sich individuell einstellen lassen. - Das Produkt muß das Löschen von personenbezogenen Daten ermöglichen. Ersatzweise muß das Sperren personenbezogener Daten möglich sein, um _____________________________________________________________________ .......................................... 136 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.80 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... ihre weitere Verarbeitung oder Nutzung einzuschränken bzw. zu verhindern. Bewertungsskala Um einen Vergleich verschiedener Produkte im Sinne einer Nutzwertanalyse durchführen zu können, müssen Kriterien vorhanden sein, wie die Erfüllung der einzelnen Anforderungen gewertet wird. Dazu ist es erforderlich, vorab die Bedeutung der einzelnen Anforderungen für die angestrebte IT-gestützte Aufgabenerfüllung quantitativ oder qualitativ zu bewerten. Diese Bewertung kann beispielsweise in drei Stufen vorgenommen werden. In der ersten Stufe wird festgelegt, welche im Anforderungskatalogs geforderten Eigenschaften notwendig und welche wünschenswert sind. Wenn eine notwendige Eigenschaft nicht erfüllt ist, wird das Produkt abgelehnt (sogenanntes K.O.-Kriterium). Das Fehlen einer wünschenswerten Eigenschaft wird zwar negativ gewertet, dennoch wird aber das Produkt aufgrund dessen nicht zwingend abgelehnt. Als zweite Stufe wird die Bedeutung der geforderten wünschenswerte Eigenschaft für die Aufgabenerfüllung angegeben. Dies kann z. B. quantitativ mit Werten zwischen 1 für niedrig und 5 für hoch erfolgen. Notwendige Eigenschaften müssen nicht quantitativ bewertet werden. Ist dies aber aus rechnerischen Gründen erforderlich, müssen sie auf jeden Fall höher bewertet werden als jede wünschenswerte Eigenschaft (um die Bedeutung einer notwendigen Eigenschaft hervorzuheben, kann sie z. B. mit 10 bewertet werden). In der dritten Stufe wird ein Vertrauensanspruch für die Korrektheit Aufgabenerfüllung der geforderten Eigenschaften angegeben (z. B. mit Werten zwischen 1 für niedrig und 5 für hoch). Anhand des Vertrauensanspruchs wird später entschieden, wie eingehend die Eigenschaft getestet wird. Der Vertrauensanspruch der Sicherheitsmechanismen muß entsprechend ihrer Mechanismenstärke bewertet werden, beispielsweise kombiniert man - Mechanismenstärke niedrig mit Vertrauensanspruch 1 - Mechanismenstärke mittel mit Vertrauensanspruch 3 - Mechanismenstärke hoch mit Vertrauensanspruch 5 Diese Orientierungswerte müssen im Einzelfall verifiziert werden. Beispiele: Auszugsweise sollen für einige typische Standardsoftwareprodukte Sicherheitsanforderungen erläutert werden: Textverarbeitungsprogramm: Notwendige Sicherheitseigenschaften: - Automatische Datensicherung im laufenden Betrieb von Zwischenergebnissen Wünschenswerte Sicherheitseigenschaften: - Paßwortschutz einzelner Dateien _____________________________________________________________________ .......................................... 137 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.80 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Verschlüsselung einzelner Dateien - Makroprogrammierung muß abschaltbar sein Dateikompressionsprogramm: Notwendige Sicherheitseigenschaften: - Im Sinne der Datensicherung dürfen nach Kompression zu löschende Dateien erst dann vom Kompressionsprogramm gelöscht werden, wenn die Kompression fehlerfrei abgeschlossen wurde. - Vor der Dekomprimierung einer Datei muß deren Integrität überprüft werden, damit z. B. Bitfehler in der komprimierten Datei erkannt werden. Wünschenswerte Sicherheitseigenschaften: - Paßwortschutz komprimierter Dateien Terminplaner: Notwendige Sicherheitseigenschaften: - Eine sichere Identifikation und Authentisierung der einzelnen Benutzer muß erzwungen werden, z. B. über Paßwörter. - Eine Zugriffskontrolle für die Terminpläne der einzelnen Mitarbeiter ist erforderlich. - Zugriffsrechte müssen für Einzelne, Gruppen und Vorgesetzte getrennt vergeben werden können. - Eine Unterscheidung zwischen Lese- und Schreibrecht muß möglich sein. Wünschenswerte Sicherheitseigenschaften: - Eine automatisierte Datensicherung in verschlüsselter Form ist vorzusehen. Reisekostenabrechnungssystem: Notwendige Sicherheitseigenschaften: - Eine sichere Identifikation und Authentisierung der einzelnen Benutzer muß erzwungen werden, z. B. über Paßwörter. - Eine Zugriffskontrolle muß vorhanden und auch für einzelne Datensätze einsetzbar sein. - Zugriffsrechte müssen für Benutzer, Administrator, Revisor und Datenschutzbeauftragter getrennt vergeben werden können. Eine Rollentrennung zwischen Administrator und Revisor muß durchführbar sein. - Datensicherungen müssen so durchgeführt werden können, daß sie verschlüsselt abgelegt werden und nur von Berechtigten wiedereingespielt werden können. - Detaillierte Protokollierungsfunktionen müssen verfügbar sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 138 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.80 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Wünschenswerte Sicherheitseigenschaften: - Ein optionaler Integritätscheck für zahlungsrelevante Daten sollte angeboten werden. Beispiel für eine Bewertungsskala: Eine Fachabteilung will für Datensicherungszwecke ein Komprimierungsprogramm beschaffen. Nach der Erstellung eines Anforderungskataloges könnten die dort spezifizierten Eigenschaften wie folgt bewertet werden: Eigenschaft notwendig wünschenswert Bedeutung Vertrauensanspruch korrekte Kompression und Dekompression X 10 5 Erkennen von Bitfehlern in einer komprimierten Datei X 10 2 Löschung von Dateien nur nach erfolgreicher Kompression X 10 3 DOS-PC, 80486, 8 MB X 10 5 Windows-tauglich X 2 1 Durchsatz bei 50 MHz über 1 MB/s X 4 3 Kompressionsrate über 40% bei Textdateien des Programms XYZ X 4 3 Online-Hilfefunktion X 3 1 10 5 2 5 Maximale Kosten 50.- DM pro Lizenz Paßwortschutz für komprimierte Dateien (Mechanismenstärke hoch) X X Ergänzende Kontrollfragen: - Wer wird bei der Erstellung des Anforderungskatalogs beteiligt? - Wer entscheidet, ob ein Produkt Sicherheitsfunktionen beinhalten muß? - Gibt es einheitliche Vorgaben, wie eine Nutzwertanalyse aufgebaut sein muß? _____________________________________________________________________ .......................................... 139 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.81 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.81 Vorauswahl eines geeigneten Standardsoftwareproduktes Verantwortlich für Initiierung: Beschaffungsstelle Verantwortlich für Umsetzung: Beschaffungsstelle, Leiter IT, Fachabteilung Die Vorauswahl eines Standardsoftwareproduktes orientiert sich an dem durch die Fachabteilung und den IT-Bereich aufgestellten Anforderungskatalog. Zunächst sollte die für die Vorauswahl zuständige Stelle eine Marktanalyse durchführen, bei der anhand des Anforderungskatalogs eine tabellarische Marktübersicht erarbeitet werden sollte. In dieser Tabelle sollten für die in Frage kommenden Produkte Aussagen zu den im Anforderungskatalog festgehaltenen Punkten gemacht werden. Die Marktübersicht sollte vom IT-Bereich erarbeitet werden, sie kann anhand von Produktbeschreibungen, Herstelleraussagen, Fachzeitschriften oder Händlerauskünften erstellt werden. Alternativ ist eine Ausschreibung möglich und teilweise vorgegeben. Der Anforderungskatalog ist Grundlage einer Ausschreibung, so daß anhand der eingehenden Angebote eine vergleichbare Marktübersicht erstellt werden kann. Anschließend müssen die in der Marktübersicht erfaßten Produkte bzgl. der Vorgaben des Anforderungskatalogs bewertet werden. Hierzu kann die in M 2.80 Erstellung eines Anforderungskataloges für Standardsoftware erarbeitete Bewertungsskala eingesetzt werden. Anhand der vorliegenden Informationen wird festgestellt, welche der geforderten Eigenschaften des Produktes voranden sind. Fehlen dem Produkt notwendige Eigenschaften, wird es verworfen. Über die Bewertung der Bedeutung der einzelnen Eigenschaften jedes Produktes kann eine Summe ermittelt werden. Anhand dieser Summen kann nun eine Hitliste für die Produkte aus der Vorauswahl erstellt werden. Beispiel: Die im Anforderungskatalog geforderten und bewerteten Eigenschaften für ein Komprimierungsprogramm werden nun wie folgt gewichtet: _____________________________________________________________________ .......................................... 140 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.81 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Eigenschaft Notwen Bedeutu Produkt Produkt Produkt Produkt ng 1 2 3 4 dig/ Wünsch enswert korrekte Kompression und Dekompression N 10 j j j j Erkennen von Bitfehlern in einer komprimierten Datei N 10 j j K.O. j Löschung von Dateien nur nach erfolgreicher Kompression N 10 j j j j DOS-PC, 80486, 8 MB N 10 j j j j Windows-tauglich W 2 n j j j Durchsatz bei 50 MHz über 1 MB/s W 4 j j j n Kompressionsrate über 40% bei Textdateien des Programms XYZ W 4 j j n n Online-Hilfefunktion W 3 n n n j Maximale Kosten 50.DM pro Lizenz N 10 j j j j Paßwortschutz für komprimierte Dateien (Mechanismenstärke hoch) W 2 j j n j 65 (=Max.) 60 62 K.O. 57 Bewertung Als Ergebnis ergibt sich, daß Produkt 3 herausfällt, da eine notwendige Eigenschaft nicht gegeben ist. Ansonsten wird die Hitliste angeführt von Produkt 2, gefolgt von Produkt 1 und 4. Die erstellte Hitliste zusammen mit der Marktübersicht sollte dann der Beschaffungsstelle vorgelegt werden, damit dieser überprüfen kann, inwieweit die dort aufgeführten Produkte den internen Regelungen und gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Dabei muß ddie Beschaffungsstelle auch darauf achten, daß die anderen Stellen, deren Vorgaben eingehalten werden müssen, wie der Datenschutzbeauftragte, der IT-Sicherheitsbeauftragte oder der Personal- bzw. Betriebsrat, rechtzeitig beteiligt werden. Es muß entschieden werden, wieviele und welche Kandidaten der Hitliste getestet werden sollen. Sinnvollerweise sollten die ersten zwei oder drei Spitzenkandidaten ausgewählt werden und daraufhin getestet werden, ob sie _____________________________________________________________________ .......................................... 141 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.81 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... die wichtigsten Kriterien des Anforderungskatalogs auch tatsächlich erfüllen. Dies ist insbesondere für die notwendigen Anforderungen wichtig. Hierfür sollten Testlizenzen beschafft werden und, wie in M 2.82 Entwicklung eines Testplans für Standardsoftware und M 2.83 Testen von Standardsoftware beschrieben, Tests durchgeführt werden. Neben den Kriterien des Anforderungskatalogs können für die Entscheidung noch die folgenden Punkte berücksichtigt werden: - Referenzen Kann der Hersteller oder Vertreiber für sein Produkt Referenzinstallationen angeben, so können die dort gemachten Erfahrungen hinterfragt und in die Produktbeurteilung einbezogen werden. Liegen externe Testergebnisse oder Qualitätsaussagen für das zu testende Softwareprodukt vor (z. B. Testergebnisse in Fachzeitschriften, Konformitätstests nach proprietären Standards, Prüfungen und Zertifikate nach einschlägigen Standards und Normen wie ISO 12119), so sollten auch diese Ergebnisse bei der Vorauswahl berücksichtigt werden. - Verbreitungsgrad des Produktes Bei einem hohen Verbreitungsgrad hat der einzelne Anwender wenig oder keinen Einfluß auf den Hersteller des Produkts, wenn es um die Behebung von Fehlern oder die Implementation bestimmter Funktionalitäten geht. Er kann aber davon ausgehen, daß das Produkt weiterentwickelt wird. Oft gibt es externe Tests, die durch den Hersteller beauftragt oder von Fachzeitschriften durchgeführt wurden. Bei Produkten mit hohem Verbreitungsgrad ist im allgemeinen mehr über Schwachstellen bekannt, so daß der Anwender davon ausgehen kann, daß die wesentlichen Schwachstellen bereits bekannt sind, bzw. daß das Wissen über Schwachstellen schnell verbreitet wird und er nach dem Bekanntwerden Abhilfe schaffen kann. Bei einem niedrigen Verbreitungsgrad kann ein Anwender mehr Einfluß auf den Hersteller nehmen. Externe Tests liegen im allgemeinen nicht vor, da sie für Produkte kleiner Hersteller zu aufwendig und zu teuer sind. Produkte mit niedrigem Verbreitungsgrad enthalten meist nicht mehr oder weniger Schwachstellen als solche mit hohem Verbreitungsgrad. Nachteil ist hier, daß diese evtl. nicht so schnell bekannt werden und damit behoben werden können. Wenn es sich aber um Sicherheitslücken handelt, sind diese aber wahrscheinlich auch potentiellen Angreifer nicht bekannt bzw. keine lohnenden Angriffsziele. - Wirtschaftlichkeit / Kosten für Kauf, Betrieb, Wartung, Schulung Vor der Entscheidung für ein Produkt sollte immer die Frage stehen, ob die Kosten für das Produkt in einem angemessenen Verhältnis zu dem damit erzielbaren Nutzen stehen. In die unmittelbaren Anschaffungskosten sind darüber hinaus alle Folgekosten für Betrieb, Wartung und Schulung einzubeziehen. Dazu muß z. B. geklärt werden, ob die vorhandene Hardware-Plattform aufgerüstet werden muß oder ob für Installation und Betrieb Schulungen erforderlich sind. _____________________________________________________________________ .......................................... 142 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.81 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ist dann die Kaufentscheidung für ein Produkt gefallen, sollte der Kauf natürlich beim günstigsten Anbieter getätigt werden. Dieser hat sich evtl. schon bei der Marktsichtung herauskristallisiert. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Regelungen sind in Kraft? - Bietet die ausgewählte Software alle im Anforderungskatalog zusammengestellten Funktionen? - Ist das Produkt kompatibel zu der aktuellen IT-Infrastruktur? - Welche Folgekosten sind beispielsweise für Schulung und Programmpflege zu erwarten? - Sind Installation und Betrieb durch vorhandenes Personal möglich, wird zusätzlicher Personalaufwand erforderlich oder muß externe Fachkompetenz verpflichtet werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 143 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.82 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.82 Entwicklung eines Testplans für Standardsoftware Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Leiter Fachabteilung, Leiter IT Die im nachfolgenden beschriebene Vorgehensweise beim Testen orientiert sich an den Standardwerken DIN ISO/IEC 12119 "Software-Erzeugnisse, Qualitätsanforderungen und Prüfbestimmungen", Vorgehensmodell für die Planung und Durchführung von IT-Vorhaben (V-Modell) und dem Handbuch für die Bewertung der Sicherheit von Systemen der Informationstechnik (ITSEM), die als weiterführende Literatur empfohlen werden. Vor der Entscheidung für ein geeignetes Standardsoftwareprodukt müssen die nach der Vorauswahl (siehe M 2.81 Vorauswahl eines geeigneten Standardsoftwareproduktes) in die engere Wahl gezogenen Produkte als Testlizenz beschafft und ausreichend getestet werden. War es aufgrund zeitlicher Beschränkungen, institutionsinterner Beschaffungsempfehlungen (Einhaltung von Hausstandards) oder anderen Gründen nicht möglich, daß Produkt vor der Beschaffung zu testen, müssen auf jeden Fall Tests vor der endgültigen Inbetriebnahme durchgeführt werden. Die Ergebnisse dieser Tests liefern dann die Grundlage für die Installationsvorschriften und anderer Freigabe-Bedingungen. Obwohl bereits bei der Vorauswahl eine Überprüfung der notwendigen Anforderungen an das Produkt aufgrund der Herstelleraussagen stattgefunden hat, kann man nicht davon ausgehen, daß diese Anforderungen auch im gewünschten Maße erfüllt werden. Vielmehr muß nun durch systematisches Testen die Eignung und Zuverlässigkeit des Produktes auf Grundlage des Anforderungskataloges überprüft werden, um das geeignetste Produkt auszuwählen. Dabei bietet es sich an, das Testen in vier Bereiche einzuteilen: - Eingangsprüfungen (Prüfung auf Computer-Viren, Lauffähigkeit in der gewünschten IT-Einsatzumgebung, ....), - funktionale Tests (Überprüfung der funktionalen Anforderungen), - Tests weiterer funktionaler Eigenschaften (Überprüfung von Kompatibilität, Performance, Interoperabilität, Konformität mit Regelungen oder Gesetzen, Benutzerfreundlichkeit, Wartbarkeit, Dokumentation), und - sicherheitsspezifische Tests (Überprüfung der Sicherheitsanforderungen). Das prinzipielle Vorgehen beim Testen von Standardsoftware zeigt die folgende Abbildung. _____________________________________________________________________ .......................................... 144 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.82 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Anhand der bei der Vorauswahl erstellten Hitliste sind diejenigen Produkte auszuwählen, die getestet werden sollen. Anschließend wird ein Testplan entwickelt. Dieser umfaßt folgende Inhalte: - Festlegung der Testinhalte anhand des Anforderungskataloges, - Überprüfung von Referenzen, - Festlegung des Gesamtprüfaufwandes, _____________________________________________________________________ .......................................... 145 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.82 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Zeitplanung einschließlich Prüfaufwand je Testinhalt, - Festlegung der Testverantwortlichen, - Testumgebung, - Inhalt der Testdokumentation, - Festlegung von Entscheidungskriterien. Die einzelnen genannten Punkte werden nachfolgend erläutert. Festlegung der Testinhalte anhand des Anforderungskataloges Aus dem Anforderungskatalog werden diejenigen Anforderungen ausgewählt, die überprüft werden sollen. Dies sollten insbesondere diejenigen Eigenschaften sein, die eine große Bedeutung oder einen hohen Vertrauensanspruch besitzen. Überprüfung von Referenzen Bei der Vorauswahl (siehe M 2.81 Vorauswahl eines geeigneten Standardsoftwareproduktes) wurden bereits erste Referenzen über die zu testenden Produkte eingeholt. Diese können ersatzweise herangezogen werden, wenn man der jeweiligen externen Testgruppe ausreichendes Vertrauen entgegenbringt. Wurde für das Produkt ein Zertifikat nach den Kriterien für die Bewertung der Sicherheit von Systemen der Informationstechnik (ITSEC) oder den Common Criteria (CC) vergeben, ist anhand des Zertifizierungsreportes zu prüfen, inwieweit die dort dokumentierten Testergebnisse berücksichtigt werden können. Gegebenenfalls können dann eigene Test unterbleiben oder in geringerem Umfang stattfinden. Die freiwerdenden Kapazitäten können auf andere Testinhalte verteilt werden. Festlegung des Gesamtprüfaufwandes Um den Aufwand für die Tests nicht ausufern zu lassen, sollte vorab der Gesamtprüfaufwand festgelegt werden, z. B. in Personentagen oder durch Fristsetzung. Zeitplanung einschließlich Prüfaufwand je Testinhalt Beim Testen mehrerer Produkte empfiehlt es sich, diese vergleichend zu testen. Das heißt, alle Produkte werden von einer Testgruppe bzgl. einer Anforderung des Anforderungskataloges getestet. Der Prüfaufwand ist damit für jede Anforderung des Anforderungskataloges festzulegen und wird damit automatisch gleichmäßig auf alle zu testenden Produkte verteilt. Der Prüfaufwand ergibt sich dabei aus Prüftiefe und Komplexität der Eigenschaft. Die Prüftiefe der jeweiligen Eigenschaften sollte sich zum einen an ihrem Vertrauensanspruch, das heißt an dem Vertrauen orientieren, das der Korrektheit dieser Eigenschaft entgegengebracht werden muß. Zum anderen muß aber auch die Fehleranfälligkeit und Nutzungshäufigkeit der jeweiligen Eigenschaft _____________________________________________________________________ .......................................... 146 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.82 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... berücksichtigt werden. Ausführlichere Informationen sind der Norm ISO 12119 zu entnehmen. Hinweise: - Für sicherheitsspezifische Anforderungen kann die Prüftiefe entsprechend der geforderten Mechanismenstärke zusätzlich relativiert werden. - Der Prüfaufwand für die Eingangsprüfungen sollte gemessen an den anderen Tests gering sein. Abschließend ist der Gesamtprüfaufwand entsprechend dem relativen Prüfaufwand der jeweiligen Eigenschaft auf die einzelnen Testabschnitte zu verteilen. Festlegung der Testverantwortlichen Für jeden Testinhalt ist nun festzulegen, welche Aufgaben durchzuführen sind und wer dafür verantwortlich ist. Insbesondere ist zu beachten, daß bei einigen Testinhalten der Personal- bzw. Betriebsrat, der Datenschutzbeauftragte und der IT-Sicherheitsbeauftragte zu beteiligen ist. Testumgebung Testen ist immer destruktiv, da vorsätzlich nach Fehlern gesucht wird. Aus diesem Grund muß das Testen immer in einer isolierten Testumgebung erfolgen. Die Testumgebung sollte nach Möglichkeit ein genaues funktionales Abbild der Produktionsumgebung sein. In der Regel ist es jedoch nicht wirtschaftlich, die Produktionsumgebung in vollem Umfang nachzubilden. Damit für die ausgewählten Produkte gleiche Randbedingungen gegeben sind, sollte eine Referenztestumgebung definiert werden. Für einzelne Tests kann diese weiter angepaßt oder eingeschränkt werden. Die für die einzelnen Prüfungen benötigten Ressourcen (Betriebsmittel, ITInfrastruktur) sind zu spezifizieren. Es sollte im Detail beschrieben werden, wann und in welchem Umfang sie verfügbar sein müssen. Wichtig ist, daß alle Betriebssysteme in allen im Produktionsbetrieb eingesetzten Versionen (Releases) in der Testumgebung zur Verfügung stehen. Die Intention ist dabei die Ermittlung von systembedingten Schwachstellen von Komponenten der Produktionsumgebung im Zusammenspiel mit dem zu installierenden Standardsoftwareprodukt. In Ausnahmefällen, wenn sich Aspekte verallgemeinern lassen, kann auf einzelne Komponenten verzichtet werden. Folgende weitere Aspekte sind unbedingt zu beachten und helfen, eine sichere und geeignete Testumgebung aufzubauen: - Die Computer-Virenfreiheit der Testumgebung ist durch ein aktuelles Virensuchprogramm sicherzustellen. - Die Testumgebung muß frei sein von Seiteneffekten auf den Echtbetrieb. Um Wechselwirkungen von vornherein zu vermeiden, empfiehlt es sich, dedizierte IT-Systeme zu installieren. _____________________________________________________________________ .......................................... 147 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.82 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Die Zugriffsrechte müssen in der Testumgebung derart konfiguriert werden, wie sie dem Produktionsbetrieb entsprechen. - Der Zutritt und Zugang zur Testumgebung muß geregelt sein. - Es muß sichergestellt werden, daß das Produkt genau in der Testumgebung ermittelten Konfiguration in den Produktionsbetrieb übernommen wird. Daher ist in der Testumgebung ein geeignetes Verfahren zum Integritätsschutz einzusetzen (digitale Signaturen, Checksummen). - Die Kosten für den Aufbau der Testumgebung müssen angemessen sein. Nach Beendigung aller geplanten Tests ist zu entscheiden, ob die Testumgebung abgebaut werden soll. Ggf. sind weitere Tests auch nach der Beschaffung eines Produktes notwendig, so daß es eventuell wirtschaftlich ist, die Testumgebung vorzuhalten. Vor dem Abbau der Testumgebung sind die Testdaten zu löschen, falls sie nicht mehr benötigt werden (z. B. für eine spätere Installation). Druckerzeugnisse sind ordnungsgemäß zu entsorgen, Programme sind zu deinstallieren. Die Testlizenzen der nicht ausgewählten Produkte sind zurückzugeben. Inhalt der Testdokumentation Im Testplan ist vorzugeben, wie ausführlich die Testdokumentation zu erstellen ist. Hierbei sind die Aspekte der Nachvollziehbarkeit, Reproduzierbarkeit und Vollständigkeit zu berücksichtigen. Die Testdokumentation muß Testpläne, -ziele, -verfahren und -ergebnisse enthalten und die Übereinstimmung zwischen den Tests und den spezifizierten Anforderungen beschreiben. Sämtliche Testaktivitäten sowie die getroffene Testbewertung (inklusive Entscheidungsargumentation) sind schriftlich festzuhalten. Dazu gehören im einzelnen - Produktbezeichnung und Beschreibung, - Testbeginn, -ende und -aufwand, - Testverantwortliche, - Konfiguration der Testumgebung, - Beschreibung der Testfälle, - Entscheidungskriterien, Testergebnisse und Argumentationsketten, und - nicht erfüllte Anforderungen des Anforderungskataloges. Der Testgruppe sollte eine Möglichkeit zur übersichtlichen Dokumentation und Protokollierung der Testaktivitäten und -ergebnisse zur Verfügung gestellt werden (z. B. Protokollierungstool, Formblätter o. ä.). Wird beim Testen ein automatisiertes Werkzeug verwendet, muß die Testdokumentation ausreichende Informationen über dieses Werkzeug und die Art seines Einsatzes enthalten, damit die Entscheidung nachvollzogen werden kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 148 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.82 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Festlegung von Entscheidungskriterien Bei der Bewertung der jeweiligen Testinhalte kann beispielsweise folgende dreistufige Skala verwendet werden: Note 0 Entscheidungskriterien - Anforderungen sind nicht erfüllt. oder 1 - Es wurden nicht tolerierbare Fehler festgestellt, die sich nicht beheben lassen. - Anforderungen sind erfüllt, aber es bestehen Vorbehalte (z. B. Funktion ist nur eingeschränkt geeignet). oder 2 - Es sind geringfügige Fehler festgestellt wurden. Diese spielen nur eine untergeordnete Rolle, da sie tolerierbare Auswirkungen auf den Produktionsbetrieb haben oder da sie nur mit vernachlässigbarer Wahrscheinlichkeit vorkommen können. - Anforderungen sind in vollem Umfang erfüllt. und - Fehler, die ggf. aufgetaucht sind, sind entweder zu beheben oder haben für den Betrieb keinerlei Bedeutung. Sind Fehler aufgetaucht, die nicht reproduziert werden können, hat der Prüfer zu entscheiden, welcher Kategorie (Note) der Fehler zuzuordnen ist. Sind Fehler aufgetreten, die während des Tests behoben werden können, ist nach deren Behebung erneut im erforderlichen Umfang zu testen. Beispiel: Das Beispiel des Kompressionsprogramms aus M 2.81 Vorauswahl eines geeigneten Standardsoftwareproduktes wird hier fortgesetzt, um eine Möglichkeit zu beschreiben, den Prüfaufwand für jede Anforderung des Anforderungskataloges festzulegen. Hier wird der Prüfaufwand aus Prüftiefe und Komplexität abgeleitet. Der Vertrauensanspruch kennzeichnet den Bedarf an Vertrauen in die Eigenschaft. Die Nutzungshäufigkeit, Fehleranfälligkeit und Komplexität einer Eigenschaft werden wie folgt bewertet: - 1 bedeutet "niedrig", - 2 bedeutet "mittel", - 3 bedeutet "hoch". _____________________________________________________________________ .......................................... 149 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.82 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ein besonderer Fall ist gegeben, wenn eine unveränderbare Eigenschaft des Produktes betrachtet werden soll, die unabhängig von der Fehleranfälligkeit oder Nutzungshäufigkeit ist. Für diesen Fall wird der Wert 0 vergeben. Für das Beispiel des Kompressionsprogramms ergibt sich folgende Tabelle: in % Prüfaufwand Komplexität Prüftiefe Nutzungshäufigkeit Fehleranfälligkeit Vertrauensanspruch korrekte Kompression und Dekompression 5 2 3 10 2 20 23 Erkennen von Bitfehlern in einer komprimierten Datei 2 2 1 5 2 10 11 Löschung von Dateien nur nach erfolgreicher Kompression 3 2 1 6 1 6 7 DOS-PC, 80486, 8 MB 5 0 0 5 1 5 6 Windows-tauglich 1 0 0 1 1 1 1 Durchsatz bei 50 MHz über 1 MB/s 3 1 2 6 1 6 7 Kompressionsrate über 40% für Textdateien des Programms XYZ 3 2 2 7 1 7 8 Online-Hilfefunktion 1 1 2 4 1 4 5 Maximale Kosten 50.DM pro Lizenz 5 0 0 5 1 5 5 Paßwortschutz für komprimierte Dateien (Mechanismenstärke hoch) 5 1 2 8 3 24 27 In diesem Beispiel wurde der Prüfaufwand folgendermaßen definiert: Prüfaufwand = Komplexität * Prüftiefe, dabei ist Prüftiefe = Vertrauensanspruch + Fehleranfälligkeit + Nutzungshäufigkeit _____________________________________________________________________ .......................................... 150 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.82 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... (Die Prozentzahlen für den Prüfaufwand in der letzten Spalte der Tabelle ergeben sich aus den für den Prüfaufwand errechneten Werten bei Division durch die Summe dieser Werte.) Ein Beispiel für eine andere Methode, den Prüfaufwand zu berechnen und die Prüfergebnisse zu bewerten, findet sich in der Norm ISO 12119. Hier wird folgende Gewichtung der einzelnen Anforderungen vorgenommen: Bewertung jedes Prüfinhaltes = (Komplexität + Fehleranfälligkeit) * (Benutzungshäufigkeit + Wichtigkeit). Letztendlich muß der Testverantwortliche eine dem Produkt und der Institution adäquate Bewertungsmethode individuell festlegen. Nach Erstellung des Testplans wird für jeden im Testplan spezifizierten Testinhalt ein Tester oder eine Testgruppe mit der Durchführung des ihr zugeteilten Tests beauftragt. Der Testplan ist der Testgruppe zu übergeben und die für die Einzeltests vorgegebenen Zeiten sind mitzuteilen. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind alle für die Testdurchführung benötigten Formblätter und Checklisten erstellt? - Wurden alle Aufgaben für das Testen zugeteilt? - Wurden alle Prüfinhalte entsprechend den Vorgaben in Testfälle umgesetzt? _____________________________________________________________________ .......................................... 151 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.83 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.83 Testen von Standardsoftware Verantwortlich für Initiierung: Leiter Fachabteilung, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Testgruppe Das Testen von Standardsoftware läßt sich in die Abschnitte Vorbereitung, Durchführung und Auswertung unterteilen. In diesen Abschnitten sind folgende Aufgaben wahrzunehmen: Testvorbereitung - Festlegung der Testmethoden für die Einzeltests (Testarten, -verfahren und -werkzeuge) - Generierung von Testdaten und Testfällen - Aufbau der benötigten Testumgebung Testdurchführung - Eingangsprüfungen - Funktionale Tests - Tests weiterer funktionaler Eigenschaften - Sicherheitsspezifische Tests - Pilotanwendung Testauswertung Die einzelnen Aufgaben werden nachfolgend beschrieben. Testvorbereitung Festlegung der Testmethoden für die Einzeltests (Testarten, -verfahren und -werkzeuge) Methoden zur Durchführung von Tests sind z. B. statistische Analyse, Simulation, Korrektheitsbeweis, symbolische Programmausführung, Review, Inspektion, Versagensanalyse. Hierbei muß beachtet werden, daß einige dieser Testmethoden nur bei Vorliegen des Quellcodes durchführbar sind. In der Vorbereitungsphase muß die geeignete Testmethode ausgewählt und festgelegt werden. Es muß geklärt werden, welche Verfahren und Werkzeuge zum Testen von Programmen und zum Prüfen von Dokumenten eingesetzt werden. Typische Verfahren zum Testen von Programmen sind z. B. Black-Box-Tests, WhiteBox-Tests oder Penetrationstests. Dokumente können z. B. durch informelle Prüfungen, Reviews oder anhand von Checklisten kontrolliert werden. Ein Black-Box-Test ist ein Funktionalitätstest ohne Kenntnis der internen Programmabläufe, bei dem z. B. das Programm mit allen Datenarten für alle Testfälle mit Fehlerbehandlung und Plausibilitätskontrollen durchlaufen wird. Bei einem White-Box-Test handelt es sich um einen Funktionalitätstests unter Offenlegung der internen Programmabläufe, z. B. durch Quellcode-Über- _____________________________________________________________________ .......................................... 152 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.83 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... prüfung oder Tracing. White-Box-Tests gehen in der Regel über den ITGrundschutz hinaus und können für Standardsoftware in der Regel nicht durchgeführt werden, da der Quellcode vom Hersteller nicht offengelegt wird. Bei Funktionalitätstests soll der Nachweis erbracht werden soll, daß der Testinhalt der Spezifikation entspricht. Durch Penetrationstests soll festgestellt werden, ob bekannte oder vermutete Schwachstellen im praktischen Betrieb ausgenutzt werden können, beispielsweise durch Manipulationsversuche an den Sicherheitsmechanismen oder durch Umgehung von Sicherheitsmechanismen durch Manipulationen auf Betriebssystemebene. Weiterhin ist die Art und Weise der Ergebnissicherung und -auswertung festzuschreiben, insbesondere im Hinblick auf die Wiederholbarkeit von Prüfungen. Es muß geklärt werden, welche Daten während und nach der Prüfung festzuhalten sind. Generierung von Testdaten und Testfällen Die Vorbereitung von Tests umfaßt auch die Generierung von Testdaten. Methode und Vorgehensweise sind zuvor festzulegen und zu beschrieben. Für jeden einzelnen Testinhalt muß eine dem Testaufwand angemessene Anzahl von Testfällen generiert werden. Jede der folgenden Kategorien ist dabei zu berücksichtigen: Standardfälle sind Fälle, mit denen die korrekte Verarbeitung der definierten Funktionalitäten überprüft werden soll. Die eingehenden Daten nennt man Normalwerte oder Grenzwerte. Normalwerte sind Daten innerhalb, Grenzwerte sind Eckdaten des jeweils gültigen Eingabebereichs. Fehlerfälle sind Fälle, in denen versucht wird, mögliche Fehlermeldungen des Programms zu provozieren. Diejenigen Eingabewerte, auf die das Programm mit vorgegebenen Fehlermeldungen reagieren soll, nennt man Falschwerte. Ausnahmefälle sind Fälle, bei denen das Programm ausnahmsweise anders reagieren muß als bei Standardfällen. Es muß daher überprüft werden, ob das Programm diese Fälle als solche erkennt und korrekt bearbeitet. Beispiele: - Wenn die Eingabeparameter zwischen 1 und 365 liegen dürfen, sind Testläufe mit Falschwerten (z. B. 0 oder 1000), den Grenzwerten 1 und 365, sowie mit Normalwerten zwischen 1 und 365 durchführen. - Ein Programm zur Terminplanung soll Feiertage berücksichtigen. Ein Sonderfall ist dann gegeben, wenn ein bestimmter Tag Feiertag in allen Bundesländern ist, außer in einem. Für dieses Bundesland und für diesen Tag muß das Programm dann differenziert reagieren. Ist die Generierung von Testdaten zu aufwendig oder schwierig, können auch anonymisierte Echtdaten für den Test eingesetzt werden. Aus Gründen des Vertraulichkeitsschutz müssen Echtdaten unbedingt zuverlässig anonymisiert werden. Zu beachten bleibt, daß die anonymisierten Echtdaten u. U. nicht alle Grenzwerte und Ausnahmefälle abdecken, so daß diese gesondert erzeugt werden müssen. _____________________________________________________________________ .......................................... 153 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.83 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Über die Testdaten hinaus sollten auch alle Arten möglicher Benutzerfehler betrachtet werden. Problematisch sind insbesondere alle Benutzerreaktionen, die im Programmablauf nicht vorgesehen und dementsprechend nicht korrekt abgewiesen werden. Aufbau der benötigten Testumgebung Die im Testplan beschriebene Testumgebung muß aufgebaut und die zu testenden Produkte dort installiert werden. Die eingesetzten Komponenten sind zu identifizieren und deren Konfiguration ist zu beschreiben. Treten bei der Installation des Produktes Abweichungen von der beschriebenen Konfiguration auf, so ist dies zu dokumentieren. Testdurchführung Die Durchführung der Tests muß anhand des Testplans erfolgen. Jede Aktion sowie die Testergebnisse müssen ausreichend dokumentiert und bewertet werden. Insbesondere wenn Fehler auftreten, sind diese derart zu dokumentieren, daß sie reproduziert werden können. Die für den späteren Produktionsbetrieb geeigneten Betriebsparameter müssen ermittelt und für die spätere Erstellung einer Installationsanweisung festgehalten werden. Werden zusätzliche Funktionen beim Produkt erkannt, die nicht im Anforderungskatalog aufgeführt, aber trotzdem von Nutzen sein können, so ist hierfür mindestens ein Kurztest durchzuführen. Zeigt sich, daß diese Funktion von besonderer Bedeutung für den späteren Betrieb sind, sind diese ausführlich zu testen. Für den zusätzlich anfallenden Prüfaufwand ist ggf. eine Fristverlängerungen bei den Verantwortlichen zu beantragen. Die Testergebnisse sind in die Gesamtbewertung mit einzubeziehen. Zeigt sich bei Bearbeitung einzelner Testinhalte, daß eine oder mehrere Anforderungen des Anforderungskataloges nicht konkret genug waren, sind diese gegebenenfalls zu konkretisieren. Beispiel: Im Anforderungskatalog wird zum Vertraulichkeitsschutz der zu bearbeitenden Daten Verschlüsselung gefordert. Während des Testens hat sich gezeigt, daß eine Offline-Verschlüsselung für den Einsatzzweck ungeeignet. Daher ist der Anforderungskatalog hinsichtlich einer Online-Verschlüsselung zu ergänzen. (Eine Offline-Verschlüsselung muß vom Anwender angestoßen und die zu verschlüsselnden Elemente jeweils spezifiziert werden; eine Online-Verschlüsselung erfolgt transparent für den Anwender mit voreingestellten Parametern.) Eingangsprüfungen Vor allen anderen Tests sind zunächst die folgenden grundlegenden Aspekte zu testen, da ein Mißerfolg bei diesen Eingangsprüfungen zu direkten Aktionen oder dem Testabbruch führt: - Die Computer-Virenfreiheit des Produktes ist durch ein aktuelles Virensuchprogramm zu überprüfen. _____________________________________________________________________ .......................................... 154 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.83 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - In einem Installationstest muß festgestellt werden, ob das Produkt für den späteren Einsatzzweck einfach, vollständig und nachvollziehbar zu installieren ist. Ebenfalls muß überprüft werden, wie das Produkt vollständig deinstalliert wird. - Die Lauffähigkeit des Produktes ist in der geplanten Einsatzumgebung zu überprüfen; dies beinhaltet insbesondere eine Überprüfung der Bildschirmaufbereitung, der Druckerausgabe, der Mausunterstützung, der Netzfähigkeit, etc. - Die Vollständigkeit des Produktes (Programme und Handbücher) ist zu überprüfen, z. B. durch einen Vergleich mit dem Bestandsverzeichnis, der Produktbeschreibung oder ähnlichem. - Es sollten Kurztests von Funktionen des Programms durchgeführt werden, die nicht explizit in den Anforderungen erwähnt wurden, im Hinblick auf Funktion, Plausibilität, Fehlerfreiheit, etc. Funktionale Tests Die funktionalen Anforderungen, die im Anforderungskatalog an das Produkt gestellt wurden, sind auf folgende Aspekte zu untersuchen: - Existenz der Funktion durch Aufruf im Programm und Auswertung der Programmdokumentationen. - Fehlerfreiheit bzw. Korrektheit der Funktion Um die Fehlerfreiheit bzw. Korrektheit der Funktion sicherzustellen, sind je nach Prüftiefe bei der Untersuchung unterschiedliche Testverfahren wie Black-Box-Tests, White-Box-Tests oder simulierter Produktionsbetrieb anzuwenden. Die in der Vorbereitungsphase erstellten Testdaten und Testfälle werden im Funktionalitätstest eingesetzt. Bei den Funktionalitätstests ist es notwendig, die Testergebnisse mit den vorgegebenen Anforderungen zu vergleichen. Außerdem ist zu überprüfen, wie das Programm bei fehlerhaften Eingabeparametern oder fehlerhafter Bedienung reagiert. Die Funktion ist auch mit den Grenzwerten der Intervalle von Eingabeparametern sowie mit Ausnahmefällen zu testen. Diese müssen entsprechend erkannt und korrekt behandelt werden. - Eignung der Funktion Die Eignung einer Funktion zeichnet sich dadurch aus, daß die Funktion - tatsächlich die Aufgabe im geforderten Umfang und effizient erfüllt und - sich leicht in die üblichen Arbeitsabläufe integrieren läßt. Ist die Eignung der Funktion nicht offensichtlich, bietet es sich an, dies in einem simulierten Produktionsbetrieb, aber immer noch in der Testumgebung zu testen. _____________________________________________________________________ .......................................... 155 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.83 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Widerspruchsfreiheit Die Widerspruchsfreiheit der einzelnen Funktionen ist zu überprüfen und zwar jeweils zwischen Anforderungskatalog, Dokumentation und Programm. Eventuelle Widersprüche sind zu dokumentieren. Abweichungen zwischen Dokumentation und Programm sind so zu festzuhalten, daß sie bei einem späteren Einsatz des Produktes in den Ergänzungen zur Dokumentation aufgenommen werden können. Tests weiterer funktionaler Eigenschaften Die im Anforderungskatalog neben den funktionalen und den sicherheitsspezifischen Anforderungen spezifizierten weiteren funktionalen Eigenschaften sind ebenfalls zu überprüfen: - Performance Das Laufzeitverhalten sollte für alle geplanten Konfigurationen des Produktes ermittelt werden. Um die Performance ausreichend zu testen, sind in der Regel Tests, in denen der Produktionsbetrieb simuliert wird oder auch Pilotanwendung bei ausgewählten Anwendern sinnvoll. Es muß festgestellt werden, ob die gestellten Performanceanforderungen erfüllt sind. - Zuverlässigkeit Das Verhalten bei zufälligen oder mutwillig herbeigeführten Systemabstürzen ("Crashtest") ist zu analysieren und es ist festzustellen, welche Schäden dabei entstehen. Es ist festzuhalten, ob nach Systemabstürzen ein ordnungsgemäßer und korrekter Wiederanlauf des Produktes möglich ist. Es ist ebenfalls zu überprüfen, ob ein direkter Zugriff auf Datenbestände unabhängig von der regulären Programmfunktion erfolgen kann. In vielen Fällen kann ein solcher Zugriff zu Datenverlusten führen und sollte dann vom Produkt verhindert werden. Ebenfalls sollte festgehalten werden, ob das Programm Möglichkeiten unterstützt, "kritische Aktionen" (z. B. Löschen, Formatieren) rückgängig zu machen. - Benutzerfreundlichkeit Ob das Produkt benutzerfreundlich ist, ist in besonderem Maße vom subjektiven Empfinden der Testperson abhängig. Jedoch können bei der Beurteilung folgende Aspekte Anhaltspunkte liefern: - Technik der Menüoberflächen (Pull-Down-Menüs, Scrolling, Drag & Drop, etc.), - Design der Menüoberflächen (z. B. Einheitlichkeit, Verständlichkeit, Menüführung), - Tastaturbelegung, - Fehlermeldungen, - problemloses Ansprechen von Schnittstellen (Batchbetrieb, Kommunikation, etc.), _____________________________________________________________________ .......................................... 156 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.83 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Lesbarkeit der Benutzerdokumentation, - Hilfefunktionen. Die Analyse der Benutzerfreundlichkeit muß mögliche Betriebsarten des Produktes beschreiben, einschließlich des Betriebes nach Bedien- oder Betriebsfehlern, und ihre Konsequenzen und Folgerungen für die Aufrechterhaltung eines sicheren Betriebes. - Wartbarkeit Der personelle und finanzielle Aufwand für die Wartung und Pflege des Produktes sollte während des Testens ermittelt werden. Dieser kann z. B. anhand von Referenzen wie anderen Referenzinstallationen oder Tests in Fachzeitschriften oder anhand des während des Testens ermittelten Installationsaufwandes geschätzt werden. Hierfür muß dokumentiert werden, wieviele manuelle Eingriffe während der Installation notwendig waren, um die angestrebte Konfiguration zu erreichen. Sind bereits Erfahrungen mit Vorgängerversionen des getesteten Produktes gesammelt worden, sollte hinterfragt werden, wie aufwendig deren Wartung war. Es sollte nachgefragt werden, inwieweit Support durch den Hersteller oder Vertreiber angeboten wird und zu welchen Konditionen. Wird vom Hersteller oder Vertreiber eine Hotline angeboten, sollte auch deren Erreichbarkeit und Güte betrachtet werden. - Dokumentation Die vorliegende Dokumentation muß daraufhin überprüft werden, ob sie vollständig, korrekt und widerspruchsfrei ist. Darüber hinaus sollte sie verständlich, eindeutig, fehlerfrei und übersichtlich sein. Es muß weiterhin kontrolliert werden, ob sie für eine sichere Verwendung und Konfiguration ausreicht. Alle sicherheitsspezifischen Funktionen müssen beschrieben sein. Darüber hinaus sind als weitere Punkte des Anforderungskatalogs zu testen: - Kompatibilitätsanforderungen - Interoperabilität - Konformität zu Standards - Einhaltung von internen Regelungen und gesetzlichen Vorschriften - Softwarequalität Sicherheitsspezifische Tests Wurden sicherheitsspezifische Anforderungen an das Produkt gestellt, so sind zusätzlich zu den vorgenannten Untersuchungen auch folgende Aspekte zu untersuchen: - Wirksamkeit und Korrektheit der Sicherheitsfunktionen, - Stärke der Sicherheitsmechanismen und - Unumgänglichkeit und Zwangsläufigkeit der Sicherheitsmechanismen. _____________________________________________________________________ .......................................... 157 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.83 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Als Grundlage für eine Sicherheitsuntersuchung könnte beispielsweise das Handbuch für die Bewertung der Sicherheit von Systemen der Informationstechnik (ITSEM) herangezogen werden, in dem viele der nachfolgend aufgezeigten Vorgehensweise beschrieben sind. Die weiteren Ausführungen dienen zur Orientierung und zur Einführung in die Thematik. Zu Beginn muß durch funktionale Tests zunächst nachgewiesen werden, daß das Produkt die erforderlichen Sicherheitsfunktionen bereitstellt. Anschließend ist zu überprüfen, ob alle erforderlichen Sicherheitsmechanismen im Anforderungskatalog genannt wurden, ggf. ist dieser zu ergänzen. Um die Mindeststärke der Mechanismen zu bestätigen oder zu verwerfen sind Penetrationstests durchzuführen. Penetrationstests sind nach allen anderen Tests durchzuführen, da sich aus diesen Tests Hinweise auf potentielle Schwachstellen ergeben können. Durch Penetrationstests kann das Testobjekt oder die Testumgebung beschädigt oder beeinträchtigt werden. Damit solche Schäden keine Auswirkungen haben, sollten vor der Durchführung von Penetrationstests Datensicherungen gemacht werden. Penetrationstests können durch Verwendung von Sicherheitskonfigurationsund Protokollierungstools unterstützt werden. Diese Tools untersuchen eine Systemkonfiguration und suchen nach gemeinsamen Schwachstellen wie etwa allgemein lesbaren Dateien und fehlenden Paßwörtern. Mit Penetrationstests soll das Produkt auf Konstruktionsschwachstellen untersucht werden, indem dieselben Methoden angewandt werden, die auch ein potentieller Angreifer zur Ausnutzung von Schwachstellen benutzen würde, wie z. B. - Ändern der vordefinierten Befehlsabfolge, - Ausführen einer zusätzlichen Funktion, - Direktes oder indirektes Lesen, Schreiben oder Modifizieren interner Daten, - Ausführen von Daten, deren Ausführung nicht vorgesehen ist, - Verwenden einer Funktion in einem unerwarteten Kontext oder für einen unerwarteten Zweck, - Aktivieren der Fehlerüberbrückung, - Nutzen der Verzögerung zwischen dem Zeitpunkt der Überprüfung und dem Zeitpunkt der Verwendung, - Unterbrechen der Abfolge durch Interrupts, oder - Erzeugen einer unerwarteten Eingabe für eine Funktion. Die Mechanismenstärken werden anhand der Begriffe Fachkenntnisse, Gelegenheiten und Betriebsmittel definiert, in der ITSEM werden diese näher erläutert. Beispielsweise können zur Bestimmung der Mechanismenstärke folgende Regeln angewandt werden: _____________________________________________________________________ .......................................... 158 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.83 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Kann der Mechanismus innerhalb von Minuten von einem Laien allein überwunden werden, dann kann er nicht einmal als niedrig eingestuft werden. - Kann ein erfolgreicher Angriff von jedem bis auf einen Laien innerhalb von Minuten durchgeführt werden, dann ist der Mechanismus als niedrig einzustufen. - Wenn für einen erfolgreichen Angriff ein Experte benötigt wird, der mit der vorhandenen Ausstattung Tage braucht, dann ist der Mechanismus als mittel einzustufen. - Kann der Mechanismus nur von einem Experten mit Sonderausstattung überwunden werden, der dafür Monate braucht und eine geheime Absprache mit einem Systemverwalter treffen muß, dann ist er als hoch einzustufen. Es muß sichergestellt werden, daß die durchgeführten Tests alle sicherheitsspezifischen Funktionen umfassen. Wichtig ist zu beachten, daß durch Testen immer nur Fehler oder Abweichungen von den Spezifikationen festgestellt werden können, niemals jedoch die Abwesenheit von Fehlern. An einigen Beispielen sollen typische Untersuchungsaspekte aufgezeigt werden: Paßwortschutz: - Gibt es vom Hersteller voreingestellte Paßwörter? Typische Beispiele für solche Paßwörter sind der Produktname, der Herstellername, "SUPERVISOR", "ADMINISTRATOR", "USER", "GUEST". - Welche Datei ändert sich, wenn ein Paßwort geändert wurde? Kann diese Datei durch eine alte Version aus einer Datensicherung ersetzt werden, um alte Paßwörter zu aktivieren? Werden die Paßwörter verschlüsselt gespeichert oder sind sie im Klartext auslesbar? Ist es möglich, in dieser Datei Änderungen vorzunehmen, um neue Paßwörter zu aktivieren? - Wird der Zugang tatsächlich nach mehreren fehlerhaften Paßworteingaben gesperrt? - Werden in Zeitschriften oder Mailboxen Programme angeboten, die die Paßwörter des untersuchten Produkts ermitteln können? Für einige Standardapplikationen sind solche Programme erhältlich. - Wenn Dateien mit Paßwörtern geschützt werden, kann durch einen Vergleich einer Datei vor und nach der Paßwortänderung die Stelle ermittelt werden, an der das Paßwort gespeichert wird. Ist es möglich, an dieser Stelle Änderungen oder alte Werte einzugeben, um bekannte Paßwörter zu aktivieren? Werden die Paßwörter verschlüsselt gespeichert? Wie ist die Stelle belegt, wenn der Paßwortschutz deaktiviert ist? - Kann die Paßwort-Prüfroutine unterbrochen werden? Gibt es Tastenkombinationen, mit denen die Paßworteingabe umgangen werden kann? _____________________________________________________________________ .......................................... 159 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.83 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Zugriffsrechte: - In welchen Dateien werden Zugriffsrechte gespeichert und wie werden sie geschützt? - Können Zugriffsrechte von Unberechtigten geändert werden? - Können Dateien mit alten Zugriffsrechten zurückgespielt werden und welche Rechte benötigt man dazu? - Können die Rechte des Administrators so eingeschränkt werden, daß er keinen Zugriff auf die Nutz- oder Protokolldaten erhält? Datensicherung: - Können erstellte Datensicherungen problemlos rekonstruiert werden? - Können Datensicherungen durch ein Paßwort geschützt werden? Wenn ja, können die oben dargestellten Untersuchungsansätze für Paßwörter eingesetzt werden. Verschlüsselung: - Bietet das Produkt an, Dateien oder Datensicherungen zu verschlüsseln? - Werden mehrere verschiedene Verschlüsselungsalgorithmen angeboten? Hierbei ist im allgemeinen folgende Faustregel zu beachten: "Je schneller ein in Software realisierter Verschlüsselungsalgorithmus ist, um so unsicherer ist er." - Wo werden die zur Ver- oder Entschlüsselung genutzten Schlüssel gespeichert? Bei einer lokalen Speicherung ist zu untersuchen, ob diese Schlüssel paßwortgeschützt oder mit einem weiteren Schlüssel überschlüsselt geschützt werden. Bei einem Paßwortschutz sind die obigen Punkte zu berücksichtigen. Bei einer Überschlüsselung ist zu betrachten, wie der zugehörige Schlüssel geschützt wird. Dazu können folgende Punkte betrachtet werden: Welche Datei ändert sich, wenn ein Schlüssel geändert wurde? Durch den Vergleich dieser Datei vor und nach der Schlüsseländerung kann die Stelle ermittelt werden, an der dieser Schlüssel gespeichert wird. Ist es möglich, an dieser Stelle Änderungen vorzunehmen, um neue Schlüssel zu aktivieren, die dann vom Anwender genutzt werden, ohne daß dieser die Kompromittierung bemerkt? - Gibt es vom Hersteller voreingestellte Schlüssel, die vor der erstmaligen Benutzung des Programms geändert werden müssen? - Was passiert, wenn bei der Entschlüsselung ein falscher Schlüssel eingegeben wird? - Wird nach der Verschlüsselung einer Datei die unverschlüsselte Variante gelöscht? Wenn ja, wird sie zuverlässig überschrieben? Wird vor der Löschung überprüft, ob die Verschlüsselung erfolgreich war? _____________________________________________________________________ .......................................... 160 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.83 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Protokollierung: - Wird der Zugriff auf Protokolldaten für Unbefugte verwehrt? - Werden die zu protokollierenden Aktivitäten lückenlos aufgezeichnet? - Hat der Administrator die Möglichkeit aufgrund seiner privilegierten Rechte, sich unberechtigt und unbemerkt Zugriff auf Protokolldaten zu verschaffen oder kann er die Protokollierung unbemerkt deaktivieren? - Wie reagiert das Programm, wenn der Protokollierungsspeicher überläuft? Darüber hinaus muß festgestellt werden, ob durch das neue Produkt Sicherheitseigenschaften an anderer Stelle unterlaufen werden. Beispiel: das zu testende Produkt bietet eine Schnittstelle zur Betriebssystemumgebung, das IT-System war aber vorher so konfiguriert, daß keine solchen Schnittstellen existierten. Pilotanwendung Nach Abschluß aller anderen Tests kann noch eine Pilotanwendung, also ein Einsatz unter Echtbedingungen, für notwendig gehalten werden. Erfolgt der Test in der Produktionsumgebung mit Echtdaten, muß vorab durch eine ausreichende Anzahl von Tests die korrekte und fehlerfreie Funktionsweise des Programms bestätigt worden sein, um die Verfügbarkeit und Integrität der Produktionsumgebung nicht zu gefährden. Dabei kann das Produkt beispielsweise bei ausgewählten Benutzern installiert werden, die es dann für einen gewissen Zeitraum im echten Produktionsbetrieb einsetzen. Testauswertung Anhand der festgelegten Entscheidungskriterien sind die Testergebnisse zu bewerten, alle Ergebnisse zusammenzuführen und mit der Testdokumentation der Beschaffungsstelle bzw. Testverantwortlichen vorzulegen. Anhand der Testergebnisse sollte ein abschließendes Urteil für ein zu beschaffendes Produkt gefällt werden. Hat kein Produkt den Test bestanden, muß überlegt werden, ob eine neue Marktsichtung vorgenommen werden soll, ob die gestellten Anforderungen zu hoch waren und geändert werden müssen oder ob von einer Beschaffung zu diesem Zeitpunkt abgesehen werden muß. Beispiel: Am Beispiel eines Kompressionsprogramms wird nun eine Möglichkeit beschrieben, Testergebnisse auszuwerten. Getestet wurden vier Produkte, die nach der dreistufige Skala aus M 2.82 Entwicklung eines Testplans für Standardsoftware bewertet wurden. _____________________________________________________________________ .......................................... 161 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.83 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Notwendi g/ wünschens wert Bedeut ung korrekte Kompression und Dekompression N 10 2 2 j 0 Erkennen von Bitfehlern in einer komprimierten Datei N 10 2 2 n 2 Löschung von Dateien nur nach erfolgreicher Kompression N 10 2 2 j 2 DOS-PC, 80486, 8 MB N 10 2 2 j 2 Windows-tauglich W 2 0 2 j 2 Durchsatz bei 50 MHz über 1 MB/s W 4 2 2 j 2 Kompressionsrate über 40% W 4 2 1 n 0 Online-Hilfefunktion W 3 0 0 n 2 Paßwortschutz für komprimierte Dateien W 2 2 1 n 2 Bewertung 100 98 K.O. K.O. Preisermittlung (maximale Kosten 50.DM pro Lizenz) 49,DM 25,DM Eigenschaft Produkt Produkt Produkt Produkt 1 2 4 3 39,DM Produkt 3 war bereits in der Vorauswahl gescheitert und wurde daher nicht getestet. Produkt 4 scheiterte in dem Testabschnitt "korrekte Kompression und Dekompression", weil die Erfüllung der Eigenschaft mit 0 bewertet wurde, es sich dabei aber um ein notwendige Eigenschaft handelt. Bei der Berechnung der Bewertungspunktzahlen für die Produkte 1 und 2 wurden die Noten als Multiplikatoren für die jeweilige Bedeutungskennzahl benutzt und schließlich die Summe gebildet: Produkt 1: 10*2+10*2+10*2+10*2+2*0+4*2+4*2+2*2 = 120 Produkt 2: 10*2+10*2+10*2+10*2+2*2+4*2+4*1+2*1 = 118 Nach der Testauswertung ist somit Produkt 1 auf dem ersten Platz, wird aber knapp gefolgt von Produkt 2. Die Entscheidung für ein Produkt hat jetzt die _____________________________________________________________________ .......................................... 162 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.83 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Beschaffungsstelle anhand der Testergebnisse und des daraus resultierenden Preis-/Leistungsverhältnisses zu treffen. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die benutzte Hardware- und Softwarekonfiguration konform zum Anforderungskatalog? - Bieten Hersteller oder Vertreiber Unterstützung oder Wartungsdienste bei der Anwendung des Produktes? - Sind in der Benutzerdokumentation alle für den Benutzer relevanten Funktionen vollständig und verständlich beschrieben? - Enthalten die vorliegenden Dokumentationen Inhaltsverzeichnis, Stichwortverzeichnis und Seitenangaben? - Sind alle geforderten Funktionen ausführbar und korrekt? - Ist das Produkt in seiner Einsatzumgebung zuverlässig und robust? Können unter Grenzbelastungen oder bei Fehlbedienung Daten verfälscht oder zerstört werden? - Werden unzulässige und nicht definierte Eingaben nicht wie zulässige verarbeitet? - Wurden Testdokumentationen entsprechend den Vorgaben angefertigt? _____________________________________________________________________ .......................................... 163 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.84 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.84 Entscheidung und Entwicklung der Installationsanweisung für Standardsoftware Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Beschaffungsstelle, Leiter Fachabteilung, Leiter IT Nach Abschluß aller Test müssen die Testergebnisse der Beschaffungsstelle vorgelegt werden. Die Entscheidung für ein Produkt hat jetzt die Beschaffungsstelle unter Beteiligung der Leiter der Fachabteilung und des IT-Bereichs aufgrund der Testergebnisse und des daraus resultierenden Preis/Leistungsverhältnisses zu treffen. Hierbei ist insbesondere der Erfüllungsgrad der einzelnen Produkte gegenüber dem Anforderungskatalog in Relation zum Kaufpreis zu stellen. Auch sollten zusätzliche Funktionen der Produkte, die nicht im Anforderungskatalog aufgeführt wurden, aber dennoch für den Einsatz sinnvoll sind, bei der Entscheidung berücksichtigt werden. Erstellen einer Installationsanweisung Nach der Entscheidung für ein Produkt muß anschließend für das ausgewählte Produkt eine Installationsanweisung erstellt werden. Während des Testens wurde diejenige Konfiguration des Produktes ermittelt, die einen sicheren und effizienten Produktionsbetrieb erlaubt. Damit soll Benutzerfreundlichkeit, Ordnungsmäßigkeit und Sicherheit am Arbeitsplatz sichergestellt werden. Um die geeignete Konfiguration des Produktes im Wirkbetrieb sicherzustellen, müssen bestimmte Parameter vorgegeben werden. Teilweise muß dies durch organisatorische Regelungen begleitet werden. Für einige Eigenschaften eines Produktes wird im folgenden beispielhaft aufgezeigt, was im Rahmen einer Installationsanweisung vorgegeben werden kann. Beispiel: Benutzerfreundlichkeit: - Mit dem Produkt sind die Treiber X, Y und Z (Bildschirm, Drucker, Maus, Netz) zu installieren, um eine für den Benutzer akzeptable Arbeitsumgebung zu schaffen (Bildschirm flimmerfrei, vernünftige Druckaufbereitung, etc.). - Diejenigen Einstellungen, bei denen einzelne Funktionen die größte Verarbeitungsgeschwindigkeit haben, sind vorzugeben, wenn nicht andere Kriterien wie Sicherheit dagegen sprechen (die Größe der Auslagerungsdateien ist auf mindestens 10 MB festzusetzen, die Option Verifikation ist für die Datensicherung zu aktivieren, obwohl die Verifikation zusätzlichen Zeitaufwand erfordert). Sicherheit: - Die Parameter für Sicherheitsfunktionen sind voreinzustellen (z. B. die Mindestlänge von Paßwörtern muß 6 Zeichen betragen, Datensicherungen sind täglich zu erstellen, die Protokollierung ist im vollen Umfang zu akti- _____________________________________________________________________ .......................................... 164 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.84 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... vieren, Zugriffsrechte auf personenbezogene Protokolldateien sind nur dem Datenschutzbeauftragten einzurichten, ...). - Werden mehrere sicherheitsrelevante Verfahren unterstützt (z. B. Verschlüsselungsalgorithmus, Hash-Funktionen), sind diejenigen auszuwählen, mit denen ein angemessenes Schutzniveau erreicht wird (als asymmetrische Verschlüsselung ist RSA mit einer Schlüssellänge von mindestens 768 Bit einzusetzen, als symmetrische Verschlüsselungsfunktion ist der Triple-DES einzusetzen). Funktion: - Nur die Funktionen X, Y, und Z sind zu aktivieren, unerwünschte oder nicht benötigte Funktionen sind abzuschalten. - Die Funktion der automatischen Datensicherung ist mit dem Parameter "alle 10 Minuten" zu aktivieren. Organisation: - Die Installation ist vom Administrator durchzuführen. - Regelungen für den Betrieb müssen erlassen werden (z. B. Datensicherungen sind eigenverantwortlich vom Anwender durchzuführen, Paßwörter müssen nach 30 Tagen gewechselt werden). Randbedingungen: - Die Konfiguration der Plattform, auf der das Standardsoftwareprodukt zum Einsatz kommen soll, muß insbesondere dann beschrieben und vorgegeben werden, wenn systembedingte Schwachstellen der Plattform damit beseitigt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind in der Installationsanweisung alle Angaben für eine erfolgreiche Installation enthalten? - Sind Angaben enthalten, wie das Produkt wieder deinstalliert wird? _____________________________________________________________________ .......................................... 165 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.85 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.85 Freigabe von Standardsoftware Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Leiter Fachabteilung, Leiter IT Vor der Übernahme der Standardsoftware in den Wirkbetrieb steht die formelle Freigabe. Verantwortlich für die Freigabe eines Produktes ist die Behörden- bzw. Unternehmensleitung, sie kann dies aber an die Leitung der Fachabteilung oder die Leitung des IT-Bereichs delegieren. Die Fachabteilung kann die durch Behörden- bzw. Unternehmensleitung vorgegebene Freigaberegelung durch eigene Restriktionen weiter einschränken. Der Einsatz nicht freigegebener Software ist zu untersagen (siehe M 2.9 Nutzungsverbot nicht freigegebener Software). Der Freigabe geht immer der erfolgreiche Abschluß aller notwendigen Tests voraus (siehe M 2.83 Testen von Standardsoftware). Eine Freigabe darf nicht erfolgen, wenn während der Tests nicht tolerierbare Fehler, z. B. erhebliche Sicherheitsmängel, festgestellt wurden. Für die Freigabe sind Installations- bzw. Konfigurationsvorschriften zu erarbeiten, deren Detaillierungsgrad davon abhängig ist, ob die Installation durch die Systemadministration oder den Benutzer vorgenommen werden soll. Die Installations- bzw. Konfigurationsvorschriften sind Ergebnisse der im Rahmen der Beschaffung durchgeführten Tests (siehe M 2.83 Testen von Standardsoftware). Wenn unterschiedliche Konfigurationen zulässig sind, muß die Auswirkung der einzelnen Konfigurationen auf die Sicherheit dargelegt werden. Insbesondere muß festgelegt werden, ob für alle oder nur einige Benutzer Einschränkungen der Produktfunktionalität oder der Zugriffsrechte vorzunehmen sind. Für die Festlegung dieser Randbedingungen sind der Personal- bzw. Betriebsrat, der Datenschutzbeauftragter sowie der ITSicherheitsbeauftragte rechtzeitig zu beteiligen. Die Freigabe sollte in Form einer schriftlichen Freigabeerklärung erfolgen. In der Freigabeerklärung sollten Aussagen gemacht werden zu den folgenden Punkten: - Programmname und Versionsnummer, - Bezeichnung des IT-Verfahrens, in dem das Produkt eingesetzt werden soll, - Bestätigung, daß die eingesetzten IT-Komponenten den fachlichen Anforderungen entsprechen, - Datum der Freigabe, Unterschrift des Freigabe-Verantwortlichen, - Unbedenklichkeitserklärung seitens IT-Sicherheitsbeauftragter, Datenschutzbeauftragter, Personal- bzw. Betriebsrat, - vorgesehener Zeitpunkt des Einsatzes im Wirkbetrieb, - für welche Benutzer das Produkt freigegeben wird, - Installationsanweisung, insbesondere an welchen Arbeitsplätzen es mit welcher Konfiguration installiert wird, _____________________________________________________________________ .......................................... 166 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.85 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - wer berechtigt ist, es zu installieren, - wer Zugriff auf die Installationsdatenträger hat und - welche Schulungen vor Nutzung des Produktes vorzunehmen sind. Die Freigabeerklärung muß allen Beteiligten zur Kenntnis gegeben werden, insbesondere sollten bei der Freigabeinstanz, dem IT-Bereich, der Fachabteilung und ggf. beim IT-Anwender Kopien vorhanden sein. Darüber hinaus ist organisatorisch zu regeln, daß die Freigabe und ggf. die notwendigen Tests wiederholt werden, wenn sich durch Versionswechsel oder Patches grundlegende Eigenschaften, insbesondere im Bereich der Sicherheitsfunktionen, geändert haben. Änderungen der genannten Art sind dem für die Freigabe des Produktes Verantwortlichen mitzuteilen. Weiterhin kann festgelegt werden, welche Standardsoftware-Produkte, abhängig vom Einsatzort und -zweck, generell freigegeben werden. Voraussetzung ist, daß sie zumindest auf Computer-Viren geprüft, daß die Lizenzfragen geklärt und daß sie registriert sind. Beispiele hierfür wären: - Demo-Versionen zu Testzwecken, die auf speziellen Rechnern zur Verfügung gestellt werden, - Public-Domain-Software, die auf speziellen Servern installiert werden, - Spielprogramme auf speziellen Rechnern, die in Pausenräumen aufgestellt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wo werden die Freigabeerklärungen verwaltet und hinterlegt? - Ist eine Installationsanweisung vorhanden? - Ist sichergestellt, daß sämtliche Software der Freigabeprozedur unterzogen wird? _____________________________________________________________________ .......................................... 167 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.86 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.86 Sicherstellen der Integrität von Standardsoftware Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Es ist sicherzustellen, daß die freigegebene Standardsoftware nur unverändert installiert werden kann. Damit soll verhindert werden, daß zwischenzeitlich gewollte oder ungewollte Veränderungen vorgenommen werden können, z. B. durch Computer-Viren, Bit-Fehler aufgrund technischer Fehler oder Manipulationen in Konfigurationsdateien. Die Installation darf daher ausschließlich von Originaldatenträgern bzw. von numerierten Kopien der Originaldatenträger erfolgen. Eine Alternative zur lokalen Installation von Datenträgern ist die Installation über ein lokales Netz von einer dafür freigegebenen Version. Dabei sollte sichergestellt sein, daß nur berechtigte Personen darauf Zugriff haben. Von den Originaldatenträgern sollten, falls der Datenumfang (z. B. CD-ROM) es zuläßt, Sicherungskopien angefertigt werden. Originaldatenträger und alle Kopien müssen vor unberechtigtem Zugriff geschützt aufbewahrt werden (siehe M 6.21 Sicherungskopie der eingesetzten Software). Die angefertigten Kopien sollten numeriert und in Bestandsverzeichnisse aufgenommen werden. Kopien, die nicht mehr benötigt werden, sind zu löschen. Vor der Installation muß eine Computer-Virenprüfung durchgeführt werden. Optional kann über die Originaldatenträger oder über eine während des Tests installierte Referenzversion eine Checksumme (vgl. M 4.34 Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen) gebildet werden, anhand derer vor der Installation die Integrität der dafür eingesetzten Datenträger bzw. der in lokalen Netzen hinterlegten Versionen oder anhand derer die korrekte Installation überprüft werden kann. Darüber hinaus können installierten Programme zusätzlich zum Schutz vor unberechtigten Veränderungen der freigegebenen Konfiguration mit Checksummen versehen werden. Auf diese Weise können auch Infektionen mit bisher unbekannten Computer-Viren erkannt werden. Damit kann auch festgestellt werden, ob eine Vireninfektion vor oder nach der Installation stattgefunden hat. Ergänzende Kontrollfragen: - Auf welche Art wird die Integrität der Standardsoftware sichergestellt? - Werden periodisch Kontrollen durchgeführt, um die Integrität der installierten Programme zu überprüfen? - Werden Manipulationsversuche an Programmen und Daten festgestellt? _____________________________________________________________________ .......................................... 168 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.87 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.87 Installation und Konfiguration von Standardsoftware Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Administrator Die freigegebene Software wird entsprechend der Installationsanweisung auf den dafür vorgesehenen IT-Systemen installiert. Die Installationsanweisung beinhaltet neben den zu installierenden Programmen auch Konfigurationsparameter und die Einrichtung der Hardware- und Softwareumgebung. Abweichungen von der Installationsanweisung bedürfen der Zustimmung der Freigabeinstanz. Wenn die Benutzer die Software selbst installieren sollen, muß ihnen eine Installationsanweisung zur Verfügung gestellt werden, die eine selbständige Installation ermöglicht. Mindestens die Pilot-Installation durch einen ausgewählten typischen Benutzer sollte durch die IT-Abteilung begleitet werden, um die Verständlichkeit der Installationsanweisung zu überprüfen. Da Standardsoftware für eine Vielzahl von Einsatzfelder entwickelt wird, enthält sie meist mehr Funktionen, als für die Erfüllung der Fachaufgabe benötigt werden. Damit es zu weniger Problemen und Fehlern bei der Arbeit mit der Software kommt, sollten nur die tatsächlich benötigten Funktionalitäten installiert werden. Funktionalitäten, die zu Sicherheitsproblemen führen können, dürfen nicht freigegeben werden. Sowohl vor als auch nach der Installation von Software sollte eine vollständige Datensicherung durchgeführt werden. Die erste Datensicherung kann bei nachfolgenden Problemen während der Installation zur Wiederherstellung eines konsolidierten Aufsetzpunktes verwendet werden. Nach der erfolgreichen Installation sollte erneut eine vollständige Datensicherung durchgeführt werden, damit bei späteren Problemen wieder auf den Zustand nach der erfolgreichen Installation des Produktes aufgesetzt werden kann. Die erfolgreiche Installation wird schriftlich an die für die Aufnahme des Wirkbetriebes zuständige Stelle gemeldet. Optional kann die Installation durch den Einsatz eines sog. „Delta-Tools” begleitet werden, das alle Veränderungen in einer IT-Umgebung zwischen zwei bestimmbaren Zeitpunkten dokumentiert. Diese Dokumentation von Veränderungen ist insbesondere bei der Deinstallation der Software hilfreich. Beim Einsatz eines neuen Produktes müssen evtl. Datenbestände übernommen werden, die mit einem Vorgängerprodukt erzeugt wurden. Hat sich bei den Tests gezeigt, daß es dabei zu Schwierigkeiten kommen kann, sind Hilfestellungen für die Benutzer zu erarbeiten oder die Übernahme von alten Datenbeständen ist zentral durch geschultes Personal durchzuführen. _____________________________________________________________________ .......................................... 169 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.87 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Regelungen sind in Kraft? - Welche Regelungen bestehen bezüglich möglicher Abweichungen von der Installationsanweisung? - Wie wird der Erfolg einer Installation überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 170 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.88 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.88 Lizenzverwaltung und Versionskontrolle von Standardsoftware Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Leiter Organisation Ohne eine geeignete Versionskontrolle und Lizenzkontrolle kommt es erfahrungsgemäß schnell zur Verwendung verschiedenster Versionen auf einem ITSystem oder innerhalb einer Organisationseinheit, von denen evtl. einige ohne Lizenz benutzt werden. Auf allen IT-Systemen einer Institution darf ausschließlich lizenzierte Software eingesetzt werden. Diese Regelung muß allen Mitarbeitern bekanntgemacht werden, die Administratoren der verschiedenen IT-Systeme müssen sicherstellen, daß nur lizenzierte Software eingesetzt wird. Dafür müssen sie mit geeigneten Werkzeugen zur Lizenzkontrolle ausgestattet werden. Häufig werden in einer Institution verschiedene Versionen einer Standardsoftware eingesetzt. Im Rahmen der Lizenzkontrolle muß es auch möglich sein, einen Überblick über alle eingesetzten Versionen zu erhalten. Damit kann gewährleistet werden, daß alte Versionen durch neuere ersetzt werden, sobald dies notwendig ist, und daß bei der Rückgabe von Lizenzen alle Versionen gelöscht werden. Darüber hinaus sind die verschiedenen Konfigurationen der installierten Software zu dokumentieren. Damit muß es möglich sein, sich einen Überblick zu verschaffen, an welchem IT-System welche sicherheitsrelevanten Einstellungen eines Standardsoftwareproduktes durch die Freigabe vorgegeben und welche tatsächlich installiert wurden. Damit kann z. B. schnell geklärt werden, an welchen Rechnern beim Produkt XYZ die Makro-Programmierung installiert worden ist und an welchen nicht. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Regelungen sind in Kraft? - Sind verschiedene Einsatz?` Versionen eines Standardsoftwareproduktes im _____________________________________________________________________ .......................................... 171 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.89 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.89 Deinstallation von Standardsoftware Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Administrator Bei der Deinstallation von Software müssen alle Dateien entfernt werden, die für den Betrieb der Software auf dem IT-System angelegt worden sind, und alle Einträge in Systemdateien, die bezüglich des Produktes vorgenommen wurden, gelöscht werden. Bei vielen Softwareprodukten werden während der Installation in diversen Verzeichnissen auf dem IT-System Dateien angelegt oder bestehende Dateien verändert. Häufig wird der Benutzer nicht einmal über alle bei der Installation durchgeführten Veränderungen am IT-System informiert. Um eine vollständige Deinstallation durchführen zu können, ist es daher hilfreich, die bei der Installation durchgeführten Systemänderungen nachzuhalten, entweder manuell oder mit Hilfe von speziellen Tools. Wird dies nicht vorgenommen, kommt es erfahrungsgemäß dazu, daß eine Deinstallation nur rudimentär stattfindet oder daß sie unterlassen wird aus Furcht, wichtige Dateien bei der Deinstallation zu löschen. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Stichproben durchgeführt, ob bei einem Versionswechsel die Vorgängerversion vollständig deinstalliert wird? _____________________________________________________________________ .......................................... 172 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.90 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.90 Überprüfung der Lieferung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, Leiter Organisation Verantwortlich für Umsetzung: Beschaffungsstelle Nach Eingang einer Lieferung ist anhand der vorhandenen Unterlagen zu überprüfen, - ob die Lieferung bestellt wurde, - für wen sie bestimmt ist, - ob Transportschäden zu erkennen sind, - ob sie vollständig ist, d. h. ob einerseits alle bestellten Komponenten und andererseits alle gemäß Produktbeschreibung zum Lieferumfang des Produktes gehörenden Komponenten vorhanden sind. Die Ergebnisse dieser Prüfungen sind in einem Wareneingangsverzeichnis zu dokumentieren, zusammen mit: - Produktname und Version, - Produktart, z. B. Textverarbeitung, - Lieferumfang, also Beschreibung der einzelnen Komponenten inklusive Anzahl und Lieferform (Buch, Diskette, CD-ROM, ...), - Lieferdatum, - Lieferart, - wer es in Empfang genommen hat, - Aufbewahrungsort und - an wen es weitergegeben wurde. Für die Durchführung der funktionalen Tests, sowie die anschließende formelle Freigabe, die Installation und Konfiguration müssen die gelieferten Produkte an die IT-Abteilung weitergegeben werden. Werden die Produkte nur vorübergehend eingesetzt oder zur Verfügung gestellt, z. B. im Rahmen von Tests, müssen zumindest die Seriennummer und andere produktspezifische Identifizierungsmerkmale in entsprechende Bestandsverzeichnissen vermerkt werden. Wenn die gelieferten Produkte für den dauerhaften Verbleib vorgesehen sind, sind sie mit eindeutigen Identifizierungsmerkmalen (z. B. gruppierte fortlaufende Inventarnummern) zu kennzeichnen. Anschließend müssen sie in ein Bestandsverzeichnis aufgenommen werden. Dieses muß Auskunft geben können über: - Identifizierungsmerkmale, - Beschaffungsquellen, Lieferzeiten, - Verbleib, - Freigabedatum, - Installationsdatum und Konfigurationsbesonderheiten und _____________________________________________________________________ .......................................... 173 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.90 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Wartungsverträge, Wartungsintervalle. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Regelungen zum Wareneingang von informationstechnischen Produkten sind in Kraft? - Wie wird verfahren, wenn unvollständige Lieferungen festgestellt werden? - Sind schon häufiger unvollständige Lieferungen auffällig geworden? _____________________________________________________________________ .......................................... 174 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.91 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.91 Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Windows NT Client-Server-Netz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Bevor mit der eigentlichen Konfiguration und Installation von Windows NT in einem Client-Server-Netz begonnen werden kann, müssen zuerst zwei grundlegende Überlegungen angestellt werden: Zunächst muß geklärt werden, welche Dienstleistung das Betriebssystem erbringen und in welchem Rahmen es diesbezüglich eingesetzt werden soll. Dies soll anhand einiger Beispiele veranschaulicht werden: - Das System wird in einem servergestützten PC-Netz als Server für eine größere Arbeitsgruppe eingesetzt, in der unterschiedliche Rechte vergeben werden können. Ggf. sollen aufgrund konkreter Anforderungen zusätzlich Peer-to-Peer-Funktionalitäten in eingeschränkter Form realisiert werden. Beispielsweise sollen einzelne Drucker über Peer-to-Peer-Funktionalität gemeinsam benutzt werden können. - Das System wird als Client in einem servergestützten PC-Netz mit Windows NT Servern eingesetzt, bei dem auf die Peer-to-Peer-Funktionalität zum Austausch von Daten verzichtet werden kann. - Das System wird als Client in einem servergestützten PC-Netz mit Novell Netware Servern eingesetzt. - Das System wird als Server in einem PC-Netz mit MS-DOS-, MS-Windows-, WfW- oder Windows 95-Clients eingesetzt. - Das System wird als Server in einem Netz eingesetzt, in dem ausschließlich Windows NT-Clients vorhanden sind. Durch die Verwendung von Peer-to-Peer-Funktionalitäten innerhalb eines Windows NT Netzes können zusätzliche Sicherheitsprobleme entstehen (siehe dazu auch Kapitel 6.3 Peer-to-Peer-Netz). Deshalb sollte auf die Verwendung von Peer-to-Peer-Funktionalitäten innerhalb von Windows NT Netzen verzichtet werden. Peer-to-Peer-Funktionalitäten sollten höchstens als Übergangslösung eingeschränkt zugelassen werden, wenn z. B. WfW-Rechner oder nicht-netzfähige Drucker in das Windows NTNetz eingebunden werden sollen. Anschließend müssen diese Überlegungen in eine Sicherheitsstrategie übersetzt werden. Dabei zeigt sich, daß je nach bereits vorhandener Systemumgebung und Organisationsstruktur sowie der ggf. vorzusehenden Restriktionen an eventuelle Peer-to-Peer-Funktionalitäten ein mehr oder weniger großer Aufwand bei der Entwicklung einer dazu passenden Sicherheitsstrategie notwendig ist. Es wird nachfolgend eine methodische Vorgehensweise aufgezeigt, mittels derer eine umfassende Sicherheitsstrategie für ein Client-Server-Netz entwickelt werden kann. Da jedoch Windows NT in verschiedenen Konfigu- _____________________________________________________________________ .......................................... 175 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.91 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... rationen eingesetzt werden kann, ist für die jeweilige Ausprägung individuell zu entscheiden, welche der beschriebenen Schritte anzuwenden sind. Festlegung einer Sicherheitsstrategie für ein Client-Server-Netz In der Sicherheitsstrategie muß aufgezeigt werden, wie ein Client-Server-Netz für die jeweilige Organisation sicher aufgebaut, administriert und betrieben wird. Nachfolgend werden die einzelnen Entwicklungsschritte einer solchen Strategie vorgestellt: 1. Definition der Client-Server-Netzstruktur Im ersten Schritt sind die logische Struktur des Client-Server-Netzes, insbesondere die Zuordnung der Server und der Netz-Domänen festzulegen (siehe M 2.93 Planung des Windows NT Netzes). Nach Möglichkeit sollte auf die Verwendung von Peer-to-Peer-Funktionalitäten verzichtet werden, da diese die Sicherheit des Client-Server-Netzes beinträchtigen können. Sofern sich dies jedoch nicht vermeiden läßt, sind verbindliche Regelungen für die Nutzung von Peer-to-Peer-Funktionalitäten zu treffen (siehe M 2.67 Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Peer-to-Peer-Netz). 2. Regelung der Verantwortlichkeiten Ein Client-Server-Netz sollte von einem geschulten Netzadministrator nebst Stellvertreter sicher betrieben werden. Diese allein dürfen Sicherheitsparameter im Netz verändern. Sie sind z. B. dafür zuständig, auf den Servern den entsprechenden Verantwortlichen Administrationsrechte und -werkzeuge zur Verfügung zu stellen, damit diese die Vergabe von Datei- und Verzeichnisberechtigungen, die Freigabe der von anderen benötigten Verzeichnissen bzw. Anwendungen, den Aufbau von Benutzergruppen und -konten sowie die Einstellung der Systemrichtlinien für Benutzer, Zugriffskontrolle und Überwachung vornehmen können. Die Verantwortlichkeiten der einzelnen Benutzer im Client-Server-Netz sind unter Schritt 11 dargestellt. 3. Festlegung von Namenskonventionen Um die Verwaltung des Client-Server-Netzes zu erleichtern, sollten eindeutige Namen für die Rechner, Benutzergruppen und die Benutzer verwendet werden. Zusätzlich sollten Namenskonventionen für die Freigabenamen von Verzeichnissen oder Druckern eingeführt werden (siehe M 2.67 Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Peer-to-Peer-Netz). Sollen keine Rückschlüsse auf den Inhalt eines freigegebenen Verzeichnisses möglich sein, sind entsprechende Pseudonyme zu verwenden. Soll eine freigegebene Ressource nicht als solche erkennbar sein, ist dem Freigabenamen das Zeichen "$" anzuhängen. Letzteres empfiehlt sich immer dann, wenn Verzeichnisse nur zum bilateralen Austausch von Informationen zwischen zwei Anwendern oder zum Zugriff auf Ressourcen, die nur einzelnen Benutzern bekannt sein sollen, freigegeben werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 176 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.91 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... 4. Festlegung der Regeln für Benutzerkonten Vor der Einrichtung von Benutzerkonten sollten die Restriktionen, die für alle bzw. für bestimmte dieser Konten gelten sollen, festgelegt werden. Dies betrifft insbesondere die Regelungen für Paßwörter und für die Reaktion des Systems auf fehlerhafte Login-Vorgänge. Die festgelegten Regelungen können mit Hilfe der Option "Richtlinien" des Benutzer-Managers umgesetzt werden (siehe M 4.48 Paßwortschutz unter Windows NT). 5. Einrichtung von Gruppen Zur Vereinfachung der Administration sollten Benutzerkonten, für die die gleichen Anforderungen gelten, zu Gruppen zusammengefaßt werden. Benutzerrechte sowie Datei-, Verzeichnis- und Freigabeberechtigungen und ggf. weitere vordefinierte Funktionen werden dann den Gruppen und nicht einzelnen Benutzerkonten zugeordnet. Die Benutzerkonten erben die Rechte und Berechtigungen der Gruppen, denen sie angehören. So ist es z. B. denkbar, alle Mitarbeiter einer Abteilung in einer Gruppe zusammenzufassen. Eine Zuweisung von Benutzerrechten und -berechtigungen an einzelne Benutzer sollte nur erfolgen, wenn dies ausnahmsweise unumgänglich ist. 6. Festlegung der Benutzerrechte Rechte gestatten einem Benutzer die Ausführung bestimmter Aktionen auf dem System. Sie beziehen sich auf das gesamte System, sind keinem speziellen Objekt zugeordnet und können die Berechtigungen für ein Objekt außer Kraft setzen, da ein Recht Vorrang vor allen Datei- und Verzeichnisberechtigungen hat. Wenn sich ein Benutzer bei einem Konto anmeldet, dem die gewünschten Rechte entweder direkt oder über die Gruppenmitgliedschaft erteilt wurden, kann er die entsprechenden Aktionen ausführen. Besitzt ein Benutzer nicht die geeigneten Rechte, so verhindert Windows NT jeden Versuch, die betreffenden Aktionen auszuführen. Wie schon zuvor dargestellt, sollten Benutzerrechte möglichst nur Gruppen und nicht einzelnen Benutzern zugeordnet werden. Windows NT legt bei der Installation Voreinstellungen fest, die in der Regel für einen sicheren und effizienten Betrieb ausreichend sind. Empfehlenswert erscheint jedoch, der Gruppe "Jeder" das Recht "System herunterfahren" und der Gruppe "Jeder" und ggf. der Gruppe "Gäste" das Recht "Lokale Anmeldung" zu entziehen (siehe M 4.50 Strukturierte Systemverwaltung unter Windows NT). 7. Festlegung der Vorgaben für Protokollierung Windows NT stellt sehr ausführliche Möglichkeiten der Protokollierung sicherheitsrelevanter Ereignisse zur Verfügung, die bei vollständiger Nutzung in der Lage sind, das System weitgehend mit Auditing zu beschäftigen und dabei große Mengen an Plattenplatz zu verbrauchen. Dabei kann ein Spektrum von Ereignisarten aufgezeichnet werden, das sich von systemweiten Ereignissen, wie zum Beispiel dem Anmelden eines Benutzers bis hin zum Versuch eines Benutzers, eine bestimmte Datei zu lesen, erstreckt. Sowohl die erfolgreichen als auch die fehlgeschlagenen Versuche, eine Aktion durchzuführen, lassen sich aufzeichnen. Bei der Konfiguration der Protokollierung ist jedoch zu beachten, daß ein Mehr an Protokollierung nicht unbedingt auch _____________________________________________________________________ .......................................... 177 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.91 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... die Sicherheit des überwachten Systems erhöht. Protokolldateien, die nicht ausgewertet werden oder die aufgrund ihres Umfangs nur mit großem Aufwand auswertbar sind, führen nicht zu einer besseren Kontrolle der Systemabläufe, sondern sind letztlich nutzlos. Aus diesen Gründen sollte die Protokollierung so eingestellt werden, daß sie im Normalfall nur die wirklich bedeutsamen Ereignisse aufzeichnet (siehe M 4.54 Protokollierung unter Windows NT). 8. Regelungen zur Datenspeicherung Es ist festzulegen, wo Benutzerdaten gespeichert werden (siehe M 2.138 Strukturierte Datenhaltung). So ist denkbar, daß Benutzerdaten nur auf einem Server abgelegt werden. Eine Datenspeicherung auf der lokalen Festplatte ist bei diesem Modell nicht erlaubt. Möglich ist aber auch, bestimmte Benutzerdaten nur auf der lokalen Festplatte abzulegen. Nach welcher Strategie verfahren werden soll, muß an den konketen Umständen des Einzelfalles festgelegt werden. Eine generelle Empfehlung auszusprechen, ist nicht möglich. 9. Einrichtung von Projektverzeichnissen Um eine saubere Trennung von Benutzer- und projektspezifischen Daten untereinander sowie von den Programmen und Daten des Betriebssystems durchzusetzen, sollte eine geeignete Verzeichnisstruktur festgelegt werden, mit der eine projekt- und benutzerbezogene Dateiablage unterstützt wird. So können beispielsweise zwei Hauptverzeichnisse \Projekte und \Benutzer angelegt werden, unter denen dann die Dateien und Verzeichnisse der Projekte bzw. Benutzer in jeweils eigenen Unterverzeichnissen abgelegt werden. 10. Vergabe der Zugriffsrechte Für die Server ist festzulegen, welche Verzeichnisse und bei Nutzung von NTFS-Partitionen welche Dateien für den Betrieb freizugeben und welche Zugriffsrechte ihnen zuzuweisen sind (siehe M 4.53 Restriktive Vergabe von Zugriffsrechten auf Dateien und Verzeichnissen unter Windows NT). Zusätzlich ist bei Nutzung von Peer-to-Peer-Funktionalitäten auf der Ebene der Clients zu entscheiden, welche Verzeichnisse für Netzzugriff freizugeben sind (siehe M 2.94 Freigabe von Verzeichnissen unter Windows NT). Das zuvor gesagte gilt analog für die Freigabe von Druckern. 11. Verantwortlichkeiten für Administratoren und Benutzer im ClientServer-Netz Neben der Wahrnehmung der Netzmanagementaufgaben (siehe Nr. 2) müssen weitere Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Es ist festzulegen, welche Verantwortung die einzelnen Administratoren im Client-Server-Netz übernehmen müssen. Dies können zum Beispiel Verantwortlichkeiten sein für - die Auswertung der Protokolldateien auf den einzelnen Servern oder Clients, - die Vergabe von Zugriffsrechten, - das Hinterlegen und den Wechsel von Paßwörtern und - die Durchführung von Datensicherungen. _____________________________________________________________________ .......................................... 178 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.91 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Auch die Endbenutzer müssen in einem Client-Server-Netz bestimmte Verantwortlichkeiten übernehmen, sofern ihnen Rechte zur Ausführung administrativer Funktionen gegeben werden. In der Regel beschränken sich diese Verantwortlichkeiten jedoch auf die Vergabe von Zugriffsrechten auf die eigenen Dateien, sofern diese explizit festgelegt und nicht von Voreinstellungen des übergeordneten Verzeichnisses übernommen werden. 12. Schulung Abschließend muß festgelegt werden, welche Benutzer zu welchen Punkten geschult werden müssen. Erst nach ausreichender Schulung kann der Wirkbetrieb aufgenommen werden. Insbesondere die Administratoren sind hinsichtlich der Verwaltung und der Sicherheit von Windows NT gründlich zu schulen. Die so entwickelte Sicherheitsstrategie ist zu dokumentieren und im erforderlichen Umfang den Benutzern des Client-Server-Netzes mitzuteilen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Sicherheitsstrategie an Veränderungen im Einsatzumfeld angepaßt? _____________________________________________________________________ .......................................... 179 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.92 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.92 Durchführung von Sicherheitskontrollen im Windows NT Client-Server-Netz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die folgenden Punkte sollten auf der Ebene der Server in einem Windows NT Client-Server-Netz regelmäßig auf Einhaltung und Effektivität kontrolliert werden (siehe auch M 4.54 Protokollierung unter Windows NT): - System-Sicherheits-Einstellungen Die korrekte Einstellung der sicherheitsrelevanten Einträge in der Registrierung, d. h. im wesentlichen die Einträge im Bereich HKEY_LOCAL_MACHINE, ist regelmäßig zu kontrollieren, indem die Einträge des Sicherheitsprotokolle, die sich auf die Registrierung beziehen, überprüft werden. - Benutzung von privilegierten Benutzerkonten Die Benutzung privilegierter Benutzerkonten, also von Konten mit erweiterten Rechten und Berechtigungen wie etwa Administratoren, ist regelmäßig durch Überprüfung der Einträge im Sicherheitsprotokoll zu überprüfen. Ebenso ist das Protokoll auf Anmeldeversuche auf das Gastbenutzerkonto zu überprüfen. - Fehlgeschlagene Zugriffsversuche (Berechtigungsverstöße) Sofern Zugriffe auf Dateien und/oder die Registrierung aufgezeichnet werden, ist das Sicherheitsprotokoll wöchentlich, bei Bedarf auch öfter, auf das Vorliegen fehlgeschlagener Zugriffsversuche zu überprüfen. Werden Berechtigungsverstöße festgestellt, ist die Ursache zu ermitteln. - Systemintegrität Die Systemintegrität ist regelmäßig zu überprüfen; insbesondere sind die Daten der letzten Veränderung sowie die Zugriffsrechte auf die wichtigen Systemdateien zu überprüfen und mit den Werten, die unmittelbar nach der Installation des Systems sowie bei der jeweils vorherigen Überprüfung gegeben waren, zu vergleichen. Da diese Kontrolle mit Hilfe der von Windows NT gebotenen Möglichkeiten relativ aufwendig ist, sollten hier geeignete Zusatzwerkzeuge eingesetzt werden, beispielsweise das Shareware-Programm DumpACL oder das mit der Technischen Referenz (dem "Resource Kit") zu Windows NT ausgelieferte Dienstprogramm WinDiff, mit dem sich Inhalte von Verzeichnissen und Dateien vergleichen lassen. - Unbenutzte Benutzerkonten Es ist sicherzustellen, daß die Konten ehemaliger Beschäftigter sofort deaktiviert und nach einer geeigneten Übergangszeit (ca. ½ Jahr) vom System gelöscht werden. Da die Zeit des letzten Anmeldens am System nicht angezeigt wird, sind zu diesem Zweck nach Möglichkeit alle Benutzerkonten mit einem Verfallsdatum einzurichten, das in gewissen Zeitabständen (z. B. jährlich) auf Antrag des Benutzers aktualisiert werden muß. Inaktive, d. h. abgelaufene, Benutzerkonten sind zu löschen. Die _____________________________________________________________________ .......................................... 180 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.92 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Eigentümer sind vorab zu informieren. Die Liste der definierten Benutzer ist regelmäßig zu überprüfen, um sicherzustellen, daß nur aktive Beschäftigte auf dem System arbeiten. - Gruppenzugehörigkeit Eine strukturierte Systemadministration setzt voraus, daß Systemrechte und Objektberechtigungen möglichst nicht an einzelne Benutzer, sondern an Benutzergruppen vergeben werden. Es ist sicherzustellen, daß bei Änderungen in den Beschäftigungsverhältnissen die Mitgliedschaft der einzelnen Benutzer in den Benutzergruppen den organisatorischen Vorgaben angepaßt wird. Daher ist regelmäßig zu prüfen, ob die Mitgliedschaften der Benutzer in den verschiedenen Benutzergruppen noch dem aktuellen Stand entspricht. Weiterhin ist bei der Veränderung der Gruppenmitgliedschaft eines Benutzers zu prüfen, ob dies zu einer Anhäufung von Benutzerrechten führt. Insbesondere ist in regelmäßigen Abständen zu überprüfen, ob die Zuweisung von Sonderrechten an Gruppen oder einzelne Benutzer noch den aktuellen organisatorischen Vorgaben entsprechen. - Berechtigungskontrolle Es ist sicherzustellen, daß die Eigentümer von Dateien und Verzeichnissen ihre Verpflichtung verstehen, anderen Benutzern nur dann Zugriff zu gewähren, wenn dies erforderlich ist. Mit dem Datei-Manager bzw. Explorer ist regelmäßig zu überprüfen, daß auf sensitive Daten nicht zu weitgehende Berechtigungen vergeben wurden. Kritisch sind insbesondere Berechtigungen für die Gruppen "Jeder" und "Gäste" bzw. "DomänenGäste". Sofern temporäre Berechtigungen zum Einsatz kommen, ist sicherzustellen, daß dies nur dann geschieht, wenn es erforderlich ist, und daß diese Berechtigungen sorgfältig überwacht werden. Es sind Prozeduren bzw. Verfahren zu entwickeln für den Fall, daß Abweichungen von den festgelegten Einstellungen auftreten. Diese Prozeduren müssen folgende Punkte enthalten: - wer wird wann informiert, - Begründung für die eventuelle Wahl abweichender Einstellungen und Angabe, ob hierdurch möglicherweise ein Sicherheitslücke entsteht, - Schritte zur Behebung der Sicherheitslücke, - Schritte zur Identifizierung der Ursache der Sicherheitslücke. Die Durchführung der hier beschriebenen Kontrollen auf der Ebene von Clients sollte nur dann durchgeführt werden, wenn sichergestellt ist, daß damit keine unzulässigen Leistungskontrollen der Benutzer dieser Clients verbunden sind und wenn die datenschutzrechtlich korrekte Behandlung der ProtokollInformationen gewährleistet werden kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Unregelmäßigkeiten dem Netzadministrator bekanntgegeben? - Werden Abweichungen der Sicherheitseinstellungen vom zulässigen Wert unverzüglich korrigiert? - Werden die möglichen Konsequenzen solcher Abweichungen analysiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 181 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.93 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.93 Planung des Windows NT Netzes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Windows NT kann in einem Netz in verschiedenen Konfigurationen eingesetzt werden. Um die Vor- und Nachteile der einzelnen Einsatzarten abschätzen und nachvollziehen zu können, muß zunächst kurz auf das Sicherheitssystem von Windows NT eingegangen werden. Grundsätzlich behält das Betriebssystem die Kontrolle über alle Ressourcen. Ein Benutzer kann nur dann auf Ressourcen zugreifen, wenn er die dazu notwendigen Rechte und Berechtigungen hat. Der Zugang zum System ist nur über ein gültiges Benutzerkonto möglich, das mittels Paßwort geschützt werden kann. Durch die Sicherheitskontenverwaltung (SAM - Security Account Manager) werden die Informationen über Benutzer- und Gruppenkonten in der Security Account Database, die häufig auch als SAM-Datenbank bezeichnet wird, verwaltet. Das Betriebssystem generiert bei der Anmeldung eines Benutzers für diesen unter Berücksichtigung der Eintragungen in der SAM-Datenbank ein AccessToken. Der Sicherheitskontrollmonitor (Security Reference Monitor) überprüft anhand dieses Tokens, ob der Benutzer die Berechtigung hat, auf bestimmte Objekte zuzugreifen, und ob er das Recht hat, die angeforderten Aktionen durchzuführen (beispielsweise eine Datei löschen oder das System herunterfahren). Windows NT unterstützt die Arbeit im Netz mit folgenden Konzepten: 1. Arbeitsgruppen Rechner können zu Arbeitsgruppen zusammengefaßt werden und im Rahmen des Peer-to-Peer Konzeptes über das Netz Ressourcen gemeinsam nutzen (siehe dazu auch Kapitel 6.3 Peer-to-Peer-Netz). Jeder Rechner in einem solchen Netz kann gleichzeitig sowohl als Server als auch als Workstation benutzt werden. Realisiert wird dies durch Freigabe von Ressourcen auf den einzelnen Rechnern. Jede Windows NT Workstation, die in einer Arbeitsgruppe eingesetzt wird, verwaltet ihre eigene SAM-Datenbank und damit auch eigene Benutzer- und Gruppenkonten. Die Eintragungen in dieser Datenbank können von keinem anderen Rechner der Arbeitsgruppe benutzt werden. Dies hat zur Folge, daß eine zentrale Administration nicht möglich ist. Für den Zugriff auf freigegebene Ressourcen wird in der Regel ein Paßwort benötigt. Besonders nachteilig wirkt sich bei diesem Konzept aus, daß keine ausreichende Kontrolle über die Rechte der einzelnen Benutzer möglich ist. Die Einrichtung von Arbeitsgruppen sollte daher möglichst vermieden werden. 2. Netz mit dediziertem Server Hierbei handelt es sich um ein Netz mit Client-Server-Struktur. Es wird dabei festgelegt, welche Rechner als Server und welche Rechner als Clients fungieren. Server können Verzeichnisse und/oder Drucker freigeben bzw. Anwendungen wie z. B. Mail, Schedule+, Fax global zur Verfügung stellen. Clients können hingegen nur die von Servern zur Verfügung gestellten Ressourcen nutzen. _____________________________________________________________________ .......................................... 182 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.93 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ein NT-Rechner kann mit dem Betriebssystem "Windows NT Server" oder "Windows NT Workstation" betrieben werden. In kleinen Netzen kann auch eine Lizenzversion "Windows NT Workstation" als Server betrieben werden. Zu beachten ist aber, daß sich aufgrund der lizenzrechtlichen Einschränkung nicht mehr als 10 Benutzer gleichzeitig über das Netz auf diesem Rechner anmelden dürfen. Reicht dies nicht aus, muß Windows NT Server installiert werden. Auf Servern unter dem Betriebssystem Windows NT sollten generell keine normalen Benutzer arbeiten. Die Clients müssen nicht zwingend unter Windows NT betrieben werden. Der Vorteil dieses Konzeptes liegt in der Zentralisierung der Datenhaltung und -verwaltung. Sofern in einem solchen Netz nur ein Server zum Einsatz kommt, ist für die Arbeit im Netz auch nur auf diesem Rechner je Benutzer ein Konto anzulegen. Für die Benutzung von Ressourcen oder Diensten des Servers über das Netz ist lediglich die Anmeldung des Benutzers an diesem einen Rechner notwendig. Für kleinere Netze kann der Einsatz dieses Konzeptes durchaus wirtschaftlich sinnvoll sein. Sofern jedoch die Kapazität eines Servers nicht mehr ausreicht, um den jeweiligen Anforderungen hinsichtlich Geschwindigkeit und Plattenspeicherplatz zu genügen, nimmt der Verwaltungsaufwand erheblich zu, wenn ein oder mehrere Server dem Netz hinzugefügt werden. Sollen alle Benutzer das Recht erhalten, auf alle Server über das Netz zuzugreifen, müssen die Benutzerkonten auf jedem einzelnen Server eingerichtet und gepflegt werden. 3. Domänen-Konzept Eine Domäne unter Windows NT ist eine Gruppe von Rechnern, die über eine gemeinsame Sicherheits- und Benutzerkontendatenbank (SAM-Datenbank) verfügt. Für den Benutzer bedeutet dies, daß er sich nur einmal an der Domäne anmelden muß. Danach stehen ihm sämtliche für ihn freigegebene Ressourcen zur Verfügung, unabhängig davon, auf welchem Server sich diese befinden. Ein Server der Domäne unter dem Betriebssystem Windows NT Server dient als primärer Domänencontroller (PDC). Daneben kann die Domäne einen oder mehrere Backup Domänencontroller (BDC), Mitgliedsserver, d. h. Server ohne Domänencontrollerfunktionalität (siehe auch weiter unten) und Windows NT Workstations enthalten. Außerdem können zu einer Domäne Arbeitsstationen mit anderen Betriebssystemen wie z. B. Windows für Workgroups, Windows 95 oder MS-DOS gehören. Die Entscheidung, ob ein Server als primärer Domänencontroller, als Backup Domänencontroller oder als Mitgliedsserver fungieren soll, muß vor der Installation getroffen werden, da später eine Änderung ohne Neuinstallation nicht mehr möglich ist. Zum besseren Verständnis soll zunächst näher auf die verschiedenen Serverarten einer Domäne eingegangen werden: a) Primärer Domänencontroller (PDC) Ein Server einer Windows NT Domäne muß zwingend als primärer Domänencontroller eingerichtet werden. Der Einsatz des Betriebssystems Windows NT Server ist zwingend, da die Workstation-Version diese Funktionalität nicht enthält. Auf dem PDC wird die zentrale Benutzerkontendaten- _____________________________________________________________________ .......................................... 183 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.93 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... bank (SAM-Datenbank) für die Domäne verwaltet. Alle Änderungen können nur an dieser Datenbank mit Hilfe des Benutzermanagers für Domänen durchgeführt werden. Außerdem werden die Benutzeranmeldungen vom primären Domänencontroller bearbeitet. b) Backup Domänencontroller (BDC) Andere Server der Domäne können als Backup Domänencontroller eingerichtet werden. Auch hier ist der Einsatz des Betriebssystems Windows NT Server zwingend. Auf jeden Backup Domänencontroller wird automatisch eine Readonly-Kopie der Benutzerdatenbank der Domäne repliziert. Die Synchronisation erfolgt regelmäßig. Auch Backup Domänencontroller können Benutzeranmeldungen für die Domäne bearbeiten. Dadurch ist es gerade bei einer großen Anzahl von Benutzern möglich, die durch die Benutzeranmeldungen entstehende Last auf mehrere Server zu verteilen. Jede Domäne sollte möglichst über mindestens einen Backup Domänencontroller verfügen, um die Verwaltung der Domäne bei Ausfall des primären Domänencontrollers sicherzustellen. In einem solchen Fall ist es möglich, den Backup Domänencontroller zum primären Domänencontroller hochzustufen. Sofern kein Backup Domänencontroller eingerichtet wurde, kann einer Domäne durch Neuinstallation kein neuer primärer Domänencontroller hinzugefügt werden. Wenn die Server der Domäne auf verschiedene über WAN-Verbindungen zusammengeschaltete Liegenschaften verteilt sind, sollte in jeder Liegenschaft wenigstens ein Backup Domänencontroller installiert sein. c) Mitgliedsserver (Memberserver) Hierbei handelt es sich um Server, die weder als primärer noch als Backup Domänencontroller eingerichtet wurden. Diese Server verfügen über keine Kopien der Benutzerkontendatenbank der Domäne. Die Benutzeranmeldung für die Domäne kann von einem solchen Server daher nicht bearbeitet werden. Folgende Gründe sprechen dafür, einen Server als Mitgliedsserver in die Domäne einzufügen: - Ein Server hat zeitkritische Aufgaben durchzuführen oder es müssen auf diesem Rechner umfangreiche Applikationen ausgeführt werden, so daß der Aufwand von Benutzeranmeldungen nicht akzeptabel ist. - Ein Server soll in naher Zukunft in eine andere Domäne eingefügt werden. Dies ist dann einfacher möglich, als wenn er als Backup Domänencontroller konfiguriert wäre. Wesentlicher Ansatz des Domänenkonzeptes ist es, daß alle Benutzerkonten für jede Domäne nur einmal definiert werden müssen. Die Verwaltung erfolgt in der zentralen Benutzerdatenbank auf dem primären Domänencontroller. Für die Benutzer bedeutet dies, daß sie sich bei der Benutzeranmeldung nur gegenüber dieser Datenbank authentisieren müssen. Danach können sie auf alle Objekte und Ressourcen der Domäne zugreifen, sofern sie die entsprechenden Berechtigungen besitzen. Dabei spielt keine Rolle, auf welchem Server sich diese Objekte und Ressourcen befinden. Arbeitet der Benutzer auf einem Rechner unter dem Betriebssystem Windows NT Workstation, genügt _____________________________________________________________________ .......................................... 184 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.93 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... die Benutzeranmeldung gegenüber der zentralen Benutzerdatenbank, um auch auf diesen Rechner Zugang zu erhalten. Organisation von Domänen Innerhalb eines Netzes können mehrere Domänen eingerichtet werden; jede muß dabei aber über einen eindeutigen Namen verfügen. Jede Domäne verwaltet ihre eigene zentrale SAM-Datenbank. Die jeweiligen Benutzer- und Gruppenkonten sind daher auch nur in der Domäne gültig, in der sie definiert wurden. Es kann aber innerhalb eines Netzes die Notwendigkeit bestehen, daß Benutzer einer Domäne auf Ressourcen einer anderen Domäne zugreifen müssen. Hierzu gibt es den Mechanismus der Vertrauensbeziehungen zwischen Domänen. Dabei unterscheidet man zwischen vertrauten Domänen (Trusted Domains) und vertrauenden Domänen (Trusting Domains). Den Benutzerkonten und globalen Gruppen der vertrauten Domäne können in der vertrauenden Domäne Rechte und Berechtigungen zugewiesen werden, wodurch auch der Zugriff auf freigegebene Ressourcen möglich wird. Es sind folgende Domänen-Modelle möglich: a) Single-Domänen-Modell Dies ist das einfachste Domänen-Modell, da in einem Netz hierbei nur eine einzige Domäne existiert. Daher besteht nicht die Notwendigkeit, Vertrauensbeziehungen zu verwalten. Im gesamten Netz existiert hierbei nur eine einzige SAM-Datenbank, über die die Verwaltung erfolgt. Eine Abwandlung dieses Modells liegt vor, wenn in einem Netz mehrere Einzeldomänen eingerichtet wurden, zwischen denen keine Vertrauensbeziehungen definiert wurden. Hierbei verwaltet jede Domäne ihre eigene SAM-Datenbank und ihre eigenen Benutzer- und Gruppenkonten. Das Single-Domänen-Modell eignet sich besonders gut für Netze mit wenigen Benutzern (ca. 200 bis 300) und wenigen Computerkonten. Nachteilig ist bei diesem Modell, daß die Performance bei steigender Benutzer und Gruppenanzahl abnimmt. Außerdem ist eine Gruppierung der Ressourcen nach Organisationseinheiten in dem Sinne, daß ein Server z. B. für eine Abteilung reserviert ist, nicht möglich. b) Master-Domänen-Modell Kennzeichen dieses Modells ist, daß ein Netz in mehrere Domänen eingeteilt wird, wobei eine Domäne zentral alle Benutzer- und Gruppenkonten verwaltet. Diese Domäne wird Master-Domäne genannt. In den anderen Domänen werden die Ressourcen zusammengefaßt. Die Ressourcen-Domänen vertrauen dabei der Domäne mit den Benutzerkonten. Folgende Abbildung zeigt das Master-Domänen-Modell: _____________________________________________________________________ .......................................... 185 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.93 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... MasterDomäne Trust Trust Trust Ressourcen-Domänen Dieses Domänen-Modell läßt sich nach Angaben von Microsoft bis zu einer Zahl von ca. 15.000 Benutzern einsetzen. Besonders geeignet ist dieses Modell, wenn eine Organisation aus mehreren Abteilungen besteht und alle Abteilungen ihre eigenen Ressourcen verwalten sollen, wobei die Benutzeradministration zentral erfolgt. Es ist bei diesem Domänen-Modell möglich, für die Administration der Ressourcen-Domänen jeweils einen eigenen Administrator zu benennen. Außerdem ist ein zentrales Sicherheitsmanagement möglich. c) Multiple-Master-Domänen Dieses Modell besteht aus mehreren Master-Domänen, die sich gegenseitig vertrauen. Die Benutzer- und Gruppenkonten werden in diesen MasterDomänen geführt. Darüber hinaus existieren Ressourcen-Domänen, die einseitig allen Master-Domänen vertrauen. Die folgende Abbildung zeigt das Modell der Multiple-Master-Domänen: MasterDomäne 1 MasterDomäne 2 MasterDomäne 3 Ressourcen-Domänen _____________________________________________________________________ .......................................... 186 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.93 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die explizite Vertrauensbeziehung zwischen Domäne 1 und Domäne 3 ist nötig, da Vertrauensstellungen nicht transitiv sind; d. h. vertrauen sich Domäne 1 und Domäne 2 sowie Domäne 2 und Domäne 3 gegenseitig, folgt nicht daraus, daß sich auch Domäne 1 und 3 gegenseitig vertrauen. Multiple-Master-Domänen-Konzepte kommen häufig zum Einsatz, wenn die Benutzerzahl größer als 15.000 ist. Außerdem läßt es dieses Konzept zu, ein Netz nach Hauptabteilungen aufzuteilen und die Ressourcen durch die einzelnen Abteilungen verwalten zu lassen. Dazu wird je Hauptabteilung eine Master-Domäne eingerichtet. Die Benutzer einer Hauptabteilung erhalten ihre Benutzerkonten in der Master-Domäne. Die Ressourcen werden durch die Abteilungen in den Ressourcen-Domänen verwaltet. Auch ist es möglich, ein Netz nach Standorten zu organisieren. Hierbei wird für jeden Standort eine Master-Domäne und für jede Abteilung eine Ressourcen-Domäne eingerichtet. Dieses Domänen-Modell ist skalierbar, wobei die Größe einer Organisation keine Grenze setzt. Es besteht die Möglichkeit eines zentralen Sicherheitsmanagements, und globale Gruppen und Benutzerkonten brauchen organisationsweit nur einmal eingerichtet zu werden. Es sei abschließend darauf hingewiesen, daß dieses Modell große Disziplin bei der Administration und sorgfältige Planung benötigt. Besondere Sorgfalt ist auf die Definition der Vertrauensbeziehungen zu legen. Außerdem muß zwingend verhindert werden, daß in den Ressourcen-Domänen Benutzerkonten eingerichtet werden. d) Complete-Trust-Modell (Vertrauensverbund) Bei diesem Modell bestehen gegenseitige Vertrauensbeziehungen zwischen allen Domänen eines Netzes. In jeder Domäne werden sowohl Ressourcen als auch Benutzer- und Gruppenkonten verwaltet. Ein Complete-Trust-Modell ist in folgender Abbildung dargestellt: Domäne A Domäne B Domäne C Domäne D _____________________________________________________________________ .......................................... 187 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.93 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bei diesem Modell ist es möglich, den Abteilungen einer Organisation sowohl die Verwaltung der Benutzerkonten als auch die Verwaltung der Ressourcen zu überlassen. Es wird keine zentrale Abteilung zur Verwaltung benötigt. Das Modell ist mit jeder Anzahl von Benutzern skalierbar. Dieses Modell hat aber auch erhebliche Nachteile. So ist die Kontrolle, ob die Sicherheitspolitik eingehalten wird, schwierig. Dies erschwert es, ein zentrales Sicherheitsmanagement aufzubauen. Außerdem ist es schwierig, die Tätigkeit der einzelnen Administratoren zu koordinieren. Wenn ein Netz sehr viele Domänen umfaßt, sind sehr viele Vertrauensbeziehungen zu verwalten, was letztlich unübersichtlich ist. Es können keine globalen Aussagen dazu gemacht werden, welches der beschriebenen Domänen-Modelle in einer Organisation Anwendung finden sollte. Dies kann nur in Abhängigkeit von der physischen und logischen Netzstruktur sowie der Verteilung von Daten, Anwendungen und Benutzern im Netz spezifisch festgelegt werden. Die Bestimmung der optimalen Domänenstruktur bedarf daher einer detaillierten Analyse, die für umfangreiche Netze aufwendig werden kann und ggf. durch Planungssoftware zu unterstützen ist. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die gewählte Netzstruktur einschließlich eventueller Vertrauensbeziehungen zwischen Domänen dokumentiert? - Wird sie an Veränderungen im Einsatzumfeld angepaßt? _____________________________________________________________________ .......................................... 188 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.94 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.94 Freigabe von Verzeichnissen unter Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Unter Windows NT werden verschiedene Ebenen der Zugriffskontrolle auf Ressourcen unterschieden. Es gibt Zugriffsberechtigungen auf Freigabeebene und auf Verzeichnis- und Dateiebene (sog. NTFS-Berechtigungen). Die Zugriffsberechtigungen auf Verzeichnis- und Dateiebene stehen nur auf Datenträgern mit NTFS-Dateisystem zur Verfügung und werden ausführlich in M 4.53 Restriktive Vergabe von Zugriffsrechten auf Dateien und Verzeichnisse unter Windows NT behandelt. Die Freigabe von Verzeichnissen auf Servern ist notwendig, um Benutzern den Zugriff über das Netz auf diese Ressourcen zu ermöglichen. Ohne die Einrichtung einer entsprechenden Freigabe ist ein Netzzugriff auf ein Verzeichnis nicht möglich. Dies gilt selbst dann, wenn entsprechende NTFSBerechtigungen vergeben wurden. Es ist auf allen Rechnern unter dem Betriebssystem Windows NT, d. h. sowohl auf Domänencontrollern als auch auf Servern und Workstations (Clients) möglich, Verzeichnisse freizugeben. Üblicherweise sollten Verzeichnisse aber nur auf Domänencontrollern und Servern freigegeben werden. Verzeichnisfreigaben bzw. die Freigabe einzelner Laufwerke auf Workstations (Clients) erfolgen im Rahmen der Peer-to-Peer-Funktionalität (siehe M 5.37 Einschränkung der Peer-to-Peer-Funktionalität bei Nutzung von WfW, Windows 95 oder Windows NT in einem servergestützten Netz) und sollten die absolute Ausnahme bleiben, da dies zu unüberschaubaren Rechtestrukturen und ggf. sogar zum Unterlaufen der allgemeinen Sicherheitsvorgaben führen kann. Ein Verzeichnis kann unter dem Betriebssystem Windows NT u. a. mit dem "Windows NT Explorer", über das Desktop-Symbol "Arbeitsplatz" oder mit dem Kommando "NET SHARE" freigegeben werden. Die Freigabe eines Verzeichnisses bezeichnet man auch als Einrichtung eines Shares. Im Windows NT Explorer oder im Desktop-Symbol "Arbeitsplatz" erfolgt die Freigabe eines Verzeichnisses über die Karte "Freigabe". Sie ist über den Menüpunkt "Eigenschaften" des Kontextmenüs erreichbar. Die Freigabe wird eingerichtet, indem die Option "Freigegeben als" angeklickt wird. Danach kann ein Freigabename mit einer maximalen Länge von 12 Zeichen eingegeben werden. Standardmäßig vergibt Windows NT den Namen des Verzeichnisses als Freigabenamen. Zur Erleichterung der Administration kann in dem Feld "Kommentar" eine kurze, prägnante Beschreibung zu der Freigabe eingegeben werden. Unter der Option "Benutzerbegrenzung" kann angegeben werden, wieviele Benutzer gleichzeitig auf die Freigabe zugreifen dürfen. Die standardmäßige Einstellung ist "Maximum erlaubt", d. h. die Anzahl ist nicht limitiert, und sollte beibehalten werden. Zur Lizenzkontrolle ist dieses Merkmal nur bedingt geeignet, da nur die Anzahl von Clients gezählt wird, die sich mit der Freigabe verbunden haben. Den Benutzern, die über das Netz auf diese Freigabe zugreifen sollen, muß eine entsprechende Freigabeberechtigung erteilt werden. Dies erfolgt über die Zugriffskontrolliste, die nach Wahl des Feldes "Berechtigungen" durch das System _____________________________________________________________________ .......................................... 189 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.94 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... geöffnet wird. Das Symbol des freigegebenen Verzeichnisses wird im "Windows NT Explorer" oder im Desktopsymbol "Arbeitsplatz" mit einer Hand unterlegt, um anzuzeigen, daß es freigegeben wurde. Das Recht, Verzeichnisse freizugeben sowie die Freigabeberechtigungen zu verwalten, haben nur Mitglieder der Gruppen "Administratoren" und "ServerOperatoren" auf Domänencontrollern bzw. Mitglieder der Gruppen "Administratoren" und "Hauptbenutzer" auf Windows NT-Workstations und Mitgliedsservern. Unter Windows NT gibt es folgende Freigabeberechtigungen: "Kein Zugriff", "Lesen", "Ändern" und "Vollzugriff". Die Aktionen, die die einzelnen Freigabeberechtigungen ermöglichen, ergeben sich aus folgender Tabelle: Kein Zugriff Anzeigen von Unterverzeichnissen und Dateinamen Anzeigen von Dateiinhalt und Dateiattributen Programm ausführen Wechsel in ein Unterverzeichnis Einrichten von Unterverzeichnissen und Hinzufügen von Dateien Ändern der Dateiattribute Löschen von Unterverzeichnissen und Dateien Zugriffsberechtigungen ändern (hat nur für Verzeichnisse Relevanz, die sich auf NTFS-Datenträgern befinden) Besitzübernahme (hat nur für Verzeichnisse Relevanz, die sich auf NTFS-Datenträgern befinden) Lesen Ändern X X Vollzugriff X X X X X X X X X X X X X X X X X X Freigaben können nur für Verzeichnisse, nicht aber für Dateien definiert werden. Freigabeberechtigungen gelten nur für Zugriffe über das Netz, d. h. sie haben keine Bedeutung für Benutzer, die lokal an dem Rechner arbeiten dürfen, auf dem ein Verzeichnis freigegeben wurde. Außerdem gelten Freigabeberechtigungen nur in einheitlicher Form für alle Dateien und Unterverzeichnisse eines freigegebenen Verzeichnisses. Zwar ist es möglich, innerhalb eines freigegebenen Verzeichnisses auch ein Unterverzeichnis freizugeben und dabei auch abweichende Freigabeberechtigungen einzustellen, dies ist dann jedoch eine neue Freigabe mit folgenden Konsequenzen: Verbindet sich der Benutzer mit dem freigegebenen Verzeichnis, so gelten für ihn die dort festgelegten Freigabeberechtigungen für alle Dateien und Unterverzeichnisse. Daran ändert sich auch nichts, wenn ein Unterverzeichnis gesondert freigegeben wurde. Verbindet sich der Benutzer hingegen direkt mit dem Unterverzeichnis, so gelten die dort eingerichteten Freigabeberechtigungen. _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 190
M 2.94 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Beispiel: Gegeben sei folgende Verzeichnisstruktur: D:\ABTEILUNG\REFERAT. Eine Freigabe auf das Verzeichnis ABTEILUNG mit Berechtigung "Vollzugriff" und eine weitere Freigabe auf das Unterverzeichnis REFERAT mit Berechtigung "Lesen" werden eingerichtet. Verbindet sich der Benutzer mit dem Verzeichnis D:\ABTEILUNG, so kann er sowohl Dateien in diesem Verzeichnis, als auch Dateien im Unterverzeichnis D:\ABTEILUNG\REFERAT u. a. lesen, schreiben und löschen. Verbindet sich der Benutzer hingegen direkt mit dem Verzeichnis D:\ABTEILUNG\REFERAT, so kann er die in diesem Verzeichnis stehenden Verzeichnisse nur lesen. Sofern wie im vorstehenden Beispiel Restriktionen auf ein Unterverzeichnis gewünscht werden, kann dies nicht durch Freigabeberechtigungen sondern nur über die sog. NTFS-Berechtigungen erreicht werden (siehe M 4.53 Restriktive Vergabe von Zugriffsrechten auf Dateien und Verzeichnisse unter Windows NT). Wird ein Verzeichnis freigegeben, das sich auf einem NTFS-Datenträger befindet, gelten neben der Freigabeberechtigung auch die NTFS-Berechtigungen auf dieses Verzeichnis und die enthaltenen Dateien und Unterverzeichnisse. Dabei gilt die jeweils restriktivere Berechtigung. Besitzt ein Benutzer beispielsweise die Freigabeberechtigung "Lesen" für das freigegebene Verzeichnis, andererseits aber nur die NTFS-Berechtigung "Anzeigen" für dieses Verzeichnis, so ist sein Zugriffsrecht auf "Anzeigen" beschränkt. Über die NTFS-Berechtigung ist es daher möglich, Zugriffsrechte individuell auch auf Dateien und Unterverzeichnisse zu vergeben (näheres siehe M 4.53). Freigabeberechtigungen durch Gruppenzugehörigkeiten sind kumulativ, d. h. ist ein Benutzer Mitglied in verschiedenen Gruppen, denen unterschiedliche Freigabeberechtigungen auf ein Verzeichnis eingeräumt wurden, so gilt für diesen Benutzer die weitestgehende Berechtigung. Von dieser Regel gibt es allerdings eine Ausnahme: Die Freigabeberechtigung "Kein Zugriff" dominiert alle anderen Freigabeberechtigungen. Beispiel: Gegeben sei die Freigabe D:\ERGEBNISSE. Benutzer Meyer ist Mitglied der Gruppe A und der Gruppe B. Die Gruppe A erhält die Berechtigung "Lesen", die Gruppe B die Berechtigung "Vollzugriff" auf die o. g. Freigabe. In diesem Fall ist für den Benutzer Meyer die Freigabeberechtigung "Vollzugriff" maßgebend. Nimmt man den Benutzer Meyer noch in der Gruppe C auf, für die auf die Freigabe D:\ERGEBNISSE die Freigabeberechtigung "Kein Zugriff" vergeben wurde, so ist es dem Benutzer Meyer verwehrt, Zugriff über das Netz auf dieses Verzeichnis zu nehmen. Ist dies nicht gewünscht, kann der Administrator nur überprüfen, welchen Gruppen auf die Ressource die Freigabeberechtigung "Kein Zugriff" erteilt wurde und in welcher dieser Gruppen der betroffene Benutzer Mitglied ist. Der Benutzer ist dann aus der entsprechenden Gruppe zu entfernen. Weiterhin ist zu beachten, daß Windows NT grundsätzlich die Wurzelverzeichnisse aller Platten sowie das Windows-Verzeichnis %SystemRoot% (in der Regel C:\WINNT) für administrative Zugriffe freigibt. Die Zugriffsrechte auf diese speziellen Freigaben sind nicht veränderbar und auf die Benutzergruppe "Administratoren" eingeschränkt. Diese Freigaben sind nicht direkt sichtbar, da sie Freigabenamen der Form "Plattenname$", also z. B. "C$" bzw. den Namen "ADMIN$" haben. _____________________________________________________________________ .......................................... 191 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.94 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Dadurch besteht die Gefahr, daß - jemand Administratorkennung und Paßwort ausprobieren kann oder - ein Administrator jederzeit unbemerkt auf Benutzerrechner zugreifen kann. Falls diese Eigenschaft zur Erleichterung der Workstation-Betreuung gewünscht ist, ist zu überlegen, ob ein Administrator für alle von ihm betreuten Workstations dasselbe Administrator-Paßwort verwenden soll. Dies läßt sich zwar leichter merken, führt aber dazu, daß ein Angreifer auf alle Workstations zugreifen kann, wenn er dieses eine Paßwort herausgefunden hat. Falls diese Zugriffsmöglichkeiten nicht gewünscht sind, z. B. weil der Administrator nicht auf lokale Benutzerdaten zugreifen können soll, sollte über den Benutzer-Manager, unter Richtlinien - Benutzerrechte das Recht “Zugriff auf diesen Computer vom Netz” für Administratoren gesperrt werden. Windows NT vergibt bei jeder Freigabe standardmäßig die Freigabeberechtigung "Vollzugriff" für die Gruppe "Jeder". Dies ist insbesondere für Verzeichnisse, die sich auf Datenträgern ohne NTFS-Dateisystem befinden, nicht akzeptabel, da es hier außer den Freigabeberechtigungen keine andere Möglichkeit der Vergabe von Rechten und damit der Zugriffskontrolle gibt. Die Gruppe "Jeder" muß daher aus der Zugriffskontrolliste entfernt und durch die Gruppen und ggf. einzelnen Benutzer ersetzt werden, die auf das freigegebene Verzeichnis Zugriff nehmen sollen. Dabei sind dann auch entsprechende Freigabeberechtigungen zu vergeben. Auch bei Verzeichnissen, die sich auf NTFS-Datenträgern befinden, sollte im Falle der Freigabe die Gruppe "Jeder" aus der Zugriffskontrolliste entfernt werden. Denkbar ist hier aber die Aufnahme der Gruppe "Benutzer" mit der Vergabe der Zugriffsberechtigung "Vollzugriff". Die individuelle Vergabe von Zugriffsberechtigungen auf das Verzeichnis bzw. auf enthaltene Dateien und Unterverzeichnisse erfolgt dann auf der Ebene der NTFS-Berechtigungen (siehe M 4.53). Ergänzende Kontrollfragen: - Ist dokumentiert, welche Verzeichnisse auf welchen Rechnern für den Netzzugriff freigegeben sind? - Ist die Gruppe "Jeder" in den freigegebenen Verzeichnissen, die sich auf Datenträgern ohne NTFS-Dateisystem befinden, entfernt und durch die Gruppen und ggf. einzelnen Benutzer, die auf das jeweilige freigegebene Verzeichnis über das Netz zugreifen dürfen, ersetzt worden? - Werden die vorhandenen Freigaben an Veränderungen im Einsatzumfeld angepaßt? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 192
M 2.95 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.95 Beschaffung geeigneter Schutzschränke Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Beschaffungsstelle Schutzschränke können ihren Inhalt gegen die Einwirkung von Feuer bzw. gegen unbefugten Zugriff schützen. Je nach angestrebter Schutzwirkung sind bei der Auswahl geeigneter Schutzschränke folgende Hinweise zu beachten: - Schutz gegen Feuereinwirkung: Bei Schutzschränken unterscheidet man bezüglich Schutz gegen Feuereinwirkung die Güteklassen S60 und S120 nach VDMA 24991 Teil 1. In diesen Güteklassen werden die Schutzschränke darauf geprüft, ob in ihnen bis zu einer Beflammungszeit von 60 bzw. 120 Minuten während eines normierten Testes für die geschützten Datenträger verträgliche Temperaturen erhalten bleiben. Durch Zusätze in der Klassifizierung werden die zu schützenden Datenträger bezeichnet. Die Kürzel bedeuten im einzelnen: P = Papier aller Art D = Datenträger (z. B. Magnetbänder, Filme) DIS = Disketten, Magnetbandkassetten einschließlich aller anderen Datenträger. Die Unterschiede zwischen den Klassen liegen in der Isolationsleistung, die bei DIS-Schränken am höchsten ist. Für den IT-Grundschutz sollten bei Schutz gegen Feuer Schutzschränke der Güteklasse aS60 ausreichend sein. Zu beachten bleibt, daß Serverschränke damit ein Schutz gegen Feuer für einen gewissen Zeitraum bieten, so daß Datenträger nicht zerstört werden, jedoch ist im Brandfall davon auszugehen, daß der Betrieb des Servers nicht aufrechterhalten werden kann. Bei Schutzschränken, die zum Schutz vor Feuer und Rauch dienen, sollte eine Vorrichtung zum automatischen Schließen der Türen im Brandfall vorgesehen werden. Die Schließung sollte lokal durch Rauchgasmelder und/oder extern durch ein Signal einer Brandmeldeanlage (soweit vorhanden) ausgelöst werden können. - Schutz gegen unbefugten Zugriff: Der Schutzwert gegen unbefugten Zugriff wird neben der mechanischen Festigkeit des Schutzschrankes entscheidend durch die Güte des Schlosses beeinflußt. Für den IT-Grundschutz sollten Wertschränke nach RAL-RG 627 geeignet sein. Sind Zugriffsschutz und Brandschutz in Kombination erforderlich, so können Datensicherungsschränke nach RAL-RG 626/9 verwendet werden. Weitere relevante Normen und Informationen sind VDMA 24992 für Stahlschränke und RAL-RG 627 für Wertschränke. Hilfestellung bei der Bewertung des Widerstandswertes verschiedener Schutzschränke gibt das _____________________________________________________________________ .......................................... 193 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.95 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... VDMA-Einheitsblatt 24990, in dem Sicherheitsmerkmale von Schutzschränken kurz beschrieben werden. Bei der Auswahl von Schutzschränken ist auch die zulässige Deckenbelastung am Aufstellungsort zu berücksichtigen. Nach diesen Auswahlkriterien für den Schutzwert des Schutzschrankes ist als nächstes die Ausstattung des Schrankes bedarfsgerecht festzulegen. Dazu sollte vor der Beschaffung eines Schutzschrankes festgelegt werden, welche Geräte bzw. welche Arten von Datenträgern in ihm aufbewahrt werden sollen. Die Innenausstattung des Schutzschrankes ist dieser Festlegung angemessen auszuwählen. Nachrüstungen sind in der Regel schwierig, da der Schutzwert des Schrankes und seine spezifische Zulassung beeinträchtigt werden können. Es sollte auch Raum für zukünftige Erweiterungen mit eingeplant werden. In Serverschränken sollte außer für den Server und eine Tastatur auch Platz für einen Bildschirm und weitere Peripheriegeräte wie z. B. Bandlaufwerke vorgesehen werden, damit Administrationsarbeiten vor Ort durchgeführt werden können. Dazu ist zu beachten, daß die Ausstattung ergonomisch gewählt ist, damit Administrationsarbeiten am Server ungehindert durchgeführt werden können. So ist zum Beispiel ein ausziehbarer Boden für die Tastatur wünschenswert, der in einer Höhe angebracht wird, daß der Administrator seine Arbeiten sitzend durchführen kann. Je nach Nutzung des Schrankes können auch eine Klimatisierung und/oder eine USV-Versorgung erforderlich sein. Die entsprechenden Geräte sollten dann im Schrank mit untergebracht werden. Andernfalls muß zumindest eine Lüftung vorhanden sein. Die Ausstattung des Schrankes mit einem lokal arbeitenden Brandfrüherkennungssystem, das im Brandfall die Stromzufuhr der Geräte unterbricht (auf der Eingangs- und der Ausgangsseite der USV, sofern diese vorhanden ist), ist empfehlenswert. Nicht im gleichen Schrank untergebracht werden sollten Backup-Datenträger und Protokolldrucker. Backup-Datenträger würden im Falle einer Beschädigung des Servers vermutlich ebenfalls beschädigt. Die Protokollierung der Aktionen am Server dient auch zur Kontrolle des Administrators. Es ist also nicht sinnvoll, ihm, ggf. sogar als Einzigem, Zugriff auf die Protokollausdrucke zu gewähren. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Schutzfunktionen soll der Schrank erfüllen? - Werden diese durch den ausgewählten Schrank erfüllt? - Welcher der genannten Güteklassen entspricht der Schutzschrank? - Ist die Konsole des Servers nur für den Administrator zugänglich? - Ist der Schutzschrank ausreichend dimensioniert? - Wurden unautorisierte Änderungen am Schutzschrank durchgeführt? _____________________________________________________________________ .......................................... 194 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.96 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.96 Verschluß von Schutzschränken Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Generell sind Schutzschränke bei Nichtbenutzung zu verschließen. Werden Arbeiten, die ein Öffnen des Schutzschrankes erfordern, unterbrochen, so ist auch bei kurzfristigem Verlassen des Raumes der Schutzschrank zu verschließen. Bei Verwendung von Codeschlössern sind diese jedesmal zu verwerfen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird sporadisch überprüft, daß unbenutzte Schutzschränke verschlossen sind? _____________________________________________________________________ .......................................... 195 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.97 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.97 Korrekter Umgang mit Codeschlösser Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Werden Schutzschränke mit mechanischen oder elektronischen Codeschlössern verwendet, so muß der Code für diese Schlösser geändert werden: - nach der Beschaffung, - bei Wechsel des Benutzers, - nach Öffnung in Abwesenheit des Benutzers, - wenn der Verdacht besteht, daß der Code einem Unbefugten bekannt wurde und - mindestens einmal alle zwölf Monate. Der Code darf nicht aus leicht zu ermittelnden Zahlen (z. B. persönliche Daten, arithmetische Reihen) bestehen. Die jeweils gültigen Codes von Codeschlössern sind aufzuzeichnen und gesichert zu hinterlegen (vgl. M 2.22 Hinterlegen des Paßwortes in analoger Anwendung). Zu beachten ist, daß eine Hinterlegung im zugehörigen Schutzschrank sinnlos ist. Wenn der Schutzschrank neben einem Codeschloß ein weiteres Schloß besitzt, so ist abzuwägen, ob Code und Schlüssel gemeinsam hinterlegt werden, was im Notfall einen schnelleren Zugriff erlauben würde, oder getrennt hinterlegt werden, so daß es für einen Angreifer schwieriger ist, sich Zugriff zu verschaffen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird der Schloßcode nach den o. g. Ereignissen gewechselt? - Wann wurde der Schloßcode zum letzten Mal gewechselt? - Wird der Code der Codeschlösser hinterlegt? - Wo und wie wird er hinterlegt? - Wo werden evtl. vorhandene Reserveschlüssel zum Schrank aufbewahrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 196 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.98 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.98 Sichere Installation von Novell Netware Servern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Im Vorfeld der Installation sowie bei der Einrichtung eines Novell Netware Servers sollten die folgenden Aspekte beachtet werden, um eine möglichst reibungslose und sichere Installation gewährleisten zu können. Dokumentation der Installation Die Installation von Novell Netware Servern sollte nachvollziehbar dokumentiert werden, damit im Vertretungsfall sowohl Außenstehende wie auch Neueinsteiger diese nach kurzer Einarbeitungszeit verstehen und nachvollziehen können. In der Dokumentation sollte insbesondere die Parametrisierung des Servers (Netzeinbindung, Treiber), zusätzliche NLMs (Netware Loadable Modules, z. B. zur Datensicherung) und deren Konfiguration, sowie die eingespielten Patches aufgeführt werden. Weiterhin sollte die Installation und Einbindung zusätzlicher Hardware (z. B. Netzdrucker, Bandlaufwerke) ausführlich dokumentiert werden. Desweiteren sollte die Dokumentation eine detaillierte Beschreibung der Server-Hardware und der installierten Peripheriegeräte (z. B. Netzdrucker) beinhalten. In Abhängigkeit der Komplexität des Novell-Netzes ist der Einsatz von Administrationstools für Dokumentations- und Revisionszwecke erstrebenswert. Die zur Installation und Konfiguration eines Novell Netware Servers erforderliche Software sollte vollständig an einem gesicherten Ort hinterlegt werden, um im Bedarfsfall unnötige Verzögerungen zu vermeiden. Dies sollte insbesondere bei den aufzuspielenden Patches des Netzbetriebssystems, zusätzlichen NLMs sowie den einzusetzenden Treibern beachtet werden. Das Laden des NLM-Utilities SYS:SYSTEM\CONLOG.NLM bewirkt, daß alle Meldungen, die am Monitor des Servers erscheinen, gleichzeitig in die Datei SYS:ETC\CONSOLE.LOG umgeleitet werden. Dieses NLM sollte bereits in der Startdatei AUTOEXEC.NCF geladen werden, um Fehler, die in der Startphase des Servers gemeldet werden, nachvollziehen zu können. Hardwareausstattung Bei der Festlegung der erforderlichen Hauptspeicherkapazität (RAM) von Novell Netware Servern ist neben der Festplattenkapazität, den eingesetzten Betriebssystemen der Novell Netware Clients auch die RAMSpeicherbelegung durch zusätzlich geladene NLMs zu berücksichtigen. Hinsichtlich der Festplattenkapazität beim Einrichten einzelner Volumes auf einem Novell Netware Server ist insbesondere das SYS: Volume ausreichend zu dimensionieren, da alle Netware Prozesse standardmäßig auf diesem Volume ausgeführt werden. Eine zu kleine Dimensionierung des SYS: Volumes kann unter Umständen dazu führen, daß nach einer gewissen Betriebszeit temporäre Prozesse, wie z. B. Druckjobs, die Kapazitäten des Volumes _____________________________________________________________________ .......................................... 197 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.98 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... erschöpfen und somit einen vermeidbaren ABEND (Abnormal End - Absturz des Servers) hervorrufen. Anforderungen an die Verfügbarkeit Zur Erhöhung der Verfügbarkeit von Novell Netware Servern bzw. der gespeicherten Daten stellt das Netzbetriebssystem Novell Netware 3.x drei hierarchische Fehlertolerierungsstufen (System Fault Tolerance Level) zur Verfügung, die nachfolgend kurz aufgezeigt werden. Jede der hier aufgezeigten Fehlertolerierungsstufen beinhaltet dabei die Funktionalitäten der vorherigen Stufe. - SFT I (System Fault Tolerance I) Novell Netware 3.x unterstützt standardmäßig SFT I. Hierbei werden Datenverluste aufgrund physikalischer Festplattenfehler verhindert. Nach einem Schreibzugriff auf eine Datei erfolgt ein Vergleich zwischen den veränderten Daten auf der Festplatte mit den Originaldaten, die sich noch im Arbeitsspeicher des Novell Netware Servers befinden. Ist dieses Ergebnis fehlerhaft, so wird der entsprechende Sektor der Festplatte als defekt markiert und für zukünftige Zugriffe gesperrt. Weiterhin werden die Daten des Arbeitsspeichers im Anschluß in dem zuvor beschriebenen Fehlerfall in den sogenannten ”Hot Fix Bereich” der Festplatte umgeleitet, für den Novell Netware standardmäßig zwei Prozent der Festplattenkapazität beansprucht. - SFT II (System Fault Tolerance II) Die Fehlertolerierung der Stufe II (SFT II) kann auf zwei unterschiedliche Arten realisiert werden. - Disk Mirroring Beim Disk Mirroring werden an einen Festplattencontroller des Servers zwei identische Festplatten angeschlossen. Die zu speichernden Daten werden gleichzeitig auf beiden Festplatten gespeichert. Fällt eine der Festplatten durch einen Fehler aus, wird ohne Ausfallzeit und Datenverlust mit der zweiten Festplatte weitergearbeitet. - Disk Duplexing Beim Disk Duplexing werden zwei Festplatten und zwei Festplattencontroller von gleicher Art bzw. Größe im File Server installiert. Disk Duplexing gewährleistet somit eine Fortführung des Betriebes nicht nur beim Ausfall einer Festplatte, sondern auch beim Ausfall eines Festplattencontrollers. - SFT III (System Fault Tolerance III) SFT III stellt die höchste Stufe der Toleranz gegen im Betrieb auftretende Hardware-Fehler dar. Zwei identische Novell Netware Server arbeiten hierbei gleichzeitig und parallel im Netz. Die beiden Novell Netware Server sind hierbei durch ein eigenes Hochgeschwindigkeitsnetz miteinander verbunden. Fällt einer der beiden Server _____________________________________________________________________ .......................................... 198 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.98 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... aus, so wird der Netzbetrieb, fast ohne Zeit- und Datenverlust, durch den zweiten Novell Netware Server weitergeführt. Die Entscheidung, ob zusätzlich zur Stufe SFT I weitere Maßnahmen (SFT II, SFT III) ergriffen werden müssen, ist abhängig vom angestrebten Grad der Verfügbarkeit des Netzes. Notstromversorgung Durch den Einsatz einer Notstromversorgung (UPS=Unterbrechungsfreie Stromversorgung) können die Folgen eines plötzlichen Stromausfalles abgefangen werden. Novell Netware unterstützt den Einsatz geeigneter Geräte durch das sogenannte UPS-Monitoring. Im Falle eines plötzlichen Stromausfalles wird der File Server am Ende der Überbrückungszeit der UPS geregelt heruntergefahren, d. h. die sich im Cache des Servers befindlichen Daten werden auf die Festplatten übertragen, Verbindungen zum Server ordnungsgemäß terminiert sowie die Serverprozesse geregelt beendet. Ergänzende Kontrollfragen: - Genügt die Dokumentation auch dem Vertretungsfall des Administrators? - Wie wurde die Auswahl des SFT-Levels begründet? _____________________________________________________________________ .......................................... 199 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.99 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.99 Sichere Einrichtung von Novell Netware Servern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die im Lieferumfang von Novell Netware 3.x enthaltenen Sicherheitsfeatures sind nach dem erstmaligen Start der Datei SERVER.EXE nicht automatisch aktiviert, sondern müssen, jeweils einzeln durch die Systemadministration installiert und konfiguriert werden. Mit Hilfe des Programms SYS:PUBLIC\SETPASS.EXE sollte der Supervisor nach dem erstmaligen Login sofort ein Paßwort für diesen Account vergeben. Der standardmäßig vorhandene Guest-Account sollte ebenfalls mit einem Paßwort versehen werden. Wird der Guest-Account im späteren Betrieb nicht benötigt, so sollte er entfernt werden. Mittels DISABLE LOGIN (Serverkonsole) sollten während der Einrichtungsphase unautorisierte Login-Versuche unterbunden werden. Mit Hilfe des Novell Utilities SYS:PUBLIC\SYSCON.EXE können im Anschluß, unter dem Menüpunkt Supervisor Options die meisten der Novell Sicherheitsmechanismen installiert und konfiguriert werden. Hierbei ist zu beachten, daß die unter Default Time Restrictions vorgenommenen Einstellungen nur dann für alle Accounts des Novell Netware Servers Gültigkeit haben, wenn diese Einstellungen vor der Einrichtung von Benutzern und Gruppen getroffen werden. Nachfolgend werden sicherheitsrelevante Menüpunkte aufgeführt. Default Account Balance/Restrictions Mit Hilfe dieses Menüpunktes werden folgende Sicherheitseinstellungen auf dem Novell Netware Server aktiviert. - Account has Expiration Date: Hiermit kann die Gültigkeitsdauer eines Accounts zeitlich limitiert werden. Da ein Account normalerweise auf Dauer angelegt ist, wird dieses Feature im Regelfall nur für einen Guest Account aktiviert. - Limit Concurrent Connections: Hierdurch kann die Anzahl der gleichzeitigen Verbindungen eines Accounts zu dem Novell Netware Server limitiert werden. Im Regelfall sollte hierbei der Wert ”Eins” gewählt werden. - Create Home Directory for User: Optionale Erstellung eines persönlichen Verzeichnisses für jeden Benutzer. Es sollte die Option ”Yes” gewählt werden. - Require Password: Require Password installiert die Paßwortabfrage für jeden Benutzer und bietet bei Aktivierung die Möglichkeit, Paßwortregeln zu installieren. Für Require Password sollte die Option ”Yes” gewählt werden. - Minimum Password Lenght: Hierbei wird die erforderliche Mindestlänge eines Paßwortes eingestellt. Die Mindestlänge eines Paßwortes sollte hierbei sechs Zeichen sein (s. u. M 2.11 Regelungen für den Paßwort- _____________________________________________________________________ .......................................... 200 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.99 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... gebrauch). Wird die erforderliche Mindestlänge auf weniger als fünf Zeichen eingestellt, so wird dieses beim Ausführen von SYS:\SYSTEM\SECURITY.EXE angezeigt (s. M 2.101 Revision von Novell Netware Servern). - Force Periodic Password Changes: Durch die Einstellung ”Yes” wird festgelegt, daß die Benutzer ihre Paßwörter regelmäßig ändern müssen. Dies sollte der Regelfall sein. - Days Between Password Changes: Unter diesem Menüpunkt wird die generelle Gültigkeitsdauer von Paßwörtern festgelegt. Die Gültigkeitsdauer von Paßwörtern muß für das jeweilige System festgelegt werden. Hinweis: Ist die Gültigkeitsdauer des Paßwortes auf einen Wert eingestellt, der mehr als 60 Tage beträgt, so wird dieses durch das Novell Utility SYS:SYSTEM\SECURITY.EXE "beanstandet". - Limit Grace Logins: Grace Logins (”Gnaden-Logins”) sind die Logins, die nach Ablauf der Gültigkeitsdauer eines Paßwortes erfolgen. Die Anzahl der Grace Logins sollte durch die Einstellung ”Yes” grundsätzlich limitiert werden. - Grace Logins Allowed: Die Anzahl der erlaubten Grace Logins sollte auf den Wert ”Eins” eingestellt werden, damit ein Benutzer, dessen Paßwort ungültig geworden ist, dieses sofort ändern muß. - Require Unique Passwords: Die Aktivierung der Paßworthistorie (REQUIRE UNIQUE PASSWORDS) hat zur Folge, daß die letzten neun Paßwörter eines Accounts mit dem neu eingegebenen Paßwort verglichen werden und bei Übereinstimmung das neue Paßwort durch den Novell Netware Server zurückgewiesen wird. - Account Balance: Novell Netware Accounting Funktion - Allow Unlimited Credit: Novell Netware Accounting Funktion - Low Balance Limit: Novell Netware Accounting Funktion _____________________________________________________________________ .......................................... 201 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.99 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bild: Menü SYS:PUBLIC\SYSCON.EXE ce/Restrictions" "Default Account Balan- Default Time Restrictions Mit Hilfe der Time Restrictions werden die erlaubten Arbeitszeiten für Accounts auf einem Novell Netware Server definiert. Außerhalb der hier festgelegten Zeiten, die im Regelfall den üblichen Arbeitszeiten entsprechen sollten, ist es keinem Benutzer gestattet, sich am Novell Netware Server anzumelden. Hinweis: Für die standardmäßig installierten Accounts Supervisor und Guest ist der Netware-Default-Wert (keine Zeitbeschränkungen) eingestellt. Es ist empfehlenswert, zumindest den Guest-Account mit Hilfe von SYS:PUBLIC\SYSCON.EXE (User Information - Time Restrictions) hinsichtlich der erlaubten Zugriffszeiten einzuschränken. Nachträgliche Änderungen der "Default Time Restrictions" bei der Einrichtung bzw. Pflege von Benutzer Accounts haben keine Auswirkungen auf die erlaubten Zugangszeiten bereits eingerichteter Benutzer. Abweichende Zugangszeiten einzelner Benutzer müssen mit Hilfe von SYS:\PUBLIC\SYSCON.EXE (User Information – Time Restrictions) eingerichtet werden. Edit System AUTOEXEC File Durch die Server Startdatei AUTOEXEC.NCF werden die Parameter (z. B. Volumes, NLMs, zusätzliche Protokolle etc.) eines Novell Netware Servers konfiguriert. Weiterhin können in der AUTOEXEC.NCF zusätzliche Sicherheitseinstellungen vorgenommen werden. Das Novell Netware Konsolenkommando SECURE CONSOLE, das in die AUTOEXEC.NCF eingebunden sein sollte, bewirkt dabei, daß NLMs nur noch aus dem Serververzeichnis SYS:SYSTEM gestartet werden können, sowie die Deaktivierung des Novell Netware Debuggers. Weiterhin wird durch SECURE CONSOLE das DOS aus dem Hauptspeicher des Novell Netware Servers entfernt, sowie die definierten Serversuchpfade außer Kraft gesetzt, die zudem nicht erneut definiert werden können. File Server Console Operators Mit Hilfe des Menüutilities SYS:\PUBLIC\FCONSOLE.EXE kann, ausgehend von einer Workstation, die begrenzte Kontrolle über einen Novell Netware Server übernommen werden. Der File Server Operator, der neben der ausdrücklichen Berechtigung zur Nutzung von SYS:\PUBLIC\FCONSOLE.EXE keine weiteren Privilegien benötigt, kann hiermit Konsolennachrichten an die Benutzer versenden, den Novell Netware Server wechseln sowie den Server herunterfahren. Weiterhin können Statusanzeigen des Novell Netware Servers eingesehen und verändert werden (Datum, Uhrzeit, etc.) sowie Informationen zu den aktuellen Verbindungen eingesehen werden. Das Programm SYS:\PUBLIC\FCONSOLE.EXE kann standardmäßig durch den Supervisor bzw. einen äquivalenten Account _____________________________________________________________________ .......................................... 202 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.99 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... aufgerufen werden. Andere Benutzer sollten auf diese Dateien keine Rechte besitzen. Bild: Menü SYS:PUBLIC\FCONSOLE.EXE Intruder Detection/Lockout Durch die Aktivierung des "Detect Intruders" werden unautorisierte LoginVersuche am Novell Netware Server erkannt und die hiervon betroffenen Accounts ggf. gesperrt. Die Aktivierung des "Detect Intruders" sowie die weitere Parametrisierung dieses Menüpunktes beugt somit einer "Brute Force Attacke" unter Novell Netware vor. Incorrect Login Attempts gibt hierbei die Anzahl der zulässigen Login Fehlversuche an; üblicherweise sollte hierbei der Wert ”Drei” eingestellt werden. Mit Hilfe von Bad Login Count Retention Time kann die zeitliche Zurückverfolgung von fehlgeschlagenen Login-Versuchen eines Accounts aktiviert werden. Übersteigt die Anzahl der Login-Fehlversuche eines Accounts innerhalb des definierten Zeitraumes den unter Incorrect Login Attempts eingestellten Wert, so wird der Benutzer Account auf dem Novell Netware Server gesperrt. Der Menüpunkt Lock Account After Detection sollte auf "Yes" eingestellt sein, um einen Account, der die Anzahl der ungültigen Login Versuche überschritten hat, zu sperren. Der Zeitwert für Length of Account Lockout sollte keinesfalls zu gering gewählt werden (> 1 Stunde) um sicherzustellen, daß die Ursache für einen Intruder Lockout durch die Systemadministration und den betroffenen Benutzer aufgeklärt werden kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 203 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.99 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bild: Menü SYS:PUBLIC\SYSCON.EXE "Supervisor Options - Intruder Detection Logout" System Login Script In dem System Login Script werden die Einstellungen vorgenommen, die für alle Benutzer nach deren Anmeldung auf dem Novell Netware Server existieren sollen. Das System Login Script wird, im Gegensatz zum User Login Script, für jeden Benutzer des Novell Netware Servers ausgeführt. Es ist daher sinnvoll, die Einstellungen, die für alle Benutzer des Novell Netware Servers gelten sollen, wie z. B. Laufwerkzuordnungen oder der Aufruf von externen Programmen, im System Login Script des Novell Netware Servers einzustellen. Soll vermieden werden, daß ein Benutzer durch Verwendung des eigenen UER-Login-Scripts die Standardeinstellungen verändert, muß beim Verlassen des System-Login-Scripts der Befehl EXIT aufgenommen werden Hinweis: Weiterhin ist für jeden Benutzer ein User-Login-Script zu erstellen. Dies ist erforderlich, da jeder Benutzer über das Zugriffsrecht "Create" im Verzeichnis SYS:MAIL verfügt. Einem Benutzer ohne User-Login-Script kann daher in seinem SYS:MAIL-Verzeichnis eine Datei LOGIN erzeugt werden, die Schadfunktionen ausführen kann. View File Server Error Log Das File Server Error Log ist das Fehlerprotokoll eines Novell Netware Servers. In ihm werden alle Fehler und Warnmeldungen des Servers gespeichert und können durch den Supervisor ausgewertet werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 204 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.99 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bild: Menü SYS:PUBLIC\SYSCON.EXE "Supervisor Options - File Server Error Log" Workgroup Managers Ein Arbeitsgruppenverwalter (Workgroup Manager) ist ein eingeschränkter Supervisor Account, der das Recht zum Erstellen und Löschen von Bindery Objekten (Benutzer, Benutzergruppen, Druckerwarteschlangen) sowie deren Verwaltung hat. Die Rechte, die ein Arbeitsgruppenverwalter hierbei einsetzt bzw. an Benutzer und Benutzergruppen weitergeben darf, richten sich nach den durch den Supervisor zugestandenen Rechten. Arbeitsgruppenverwalter können keine neuen Arbeitsgruppenverwalter oder einen Benutzer einrichten, dessen Sicherheitsstufe ”Supervisor-äquivalent” ist, es sei denn, der Arbeitsgruppenverwalter verfügt über Supervisor-äquivalente Rechte. Station Restrictions Mit Hilfe des Menüpunktes Station Restrictions können die Netzadressen festgelegt werden, von denen aus sich ein Benutzer am Novell Netware Server anmelden darf. Informationen über die jeweilige Adresse einer Workstation im Netz lassen sich z. B. mit SYS:PUBLIC\USERLIST.EXE /A in Erfahrung bringen. Die Festlegung von erlaubten Netzadressen ist insbesondere für den Supervisor bzw. für äquivalente Accounts empfehlenswert. Dieses sollte jedoch vor Ort, je nach Gegebenheit, entschieden werden. Standardisierte Einrichtung von Benutzern und Benutzergruppen Neben der Einrichtung von Benutzern unter Einsatz des Menü-Utilities SYS:PUBLIC\SYSCON.EXE besteht zudem die Möglichkeit, Benutzer mit Hilfe der Utilities SYS:\PUBLIC\MAKEUSER.EXE und SYS:\PUBLIC\USERDEF.EXE einzurichten. Diese eignen sich besonders für die gleichzeitige Einrichtung einer größeren Anzahl von Benutzern. _____________________________________________________________________ .......................................... 205 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.99 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... SYS:\PUBLIC\MAKEUSER.EXE erzeugt eine Art Batch-Datei, mit deren Hilfe mehrere Benutzer mit unterschiedlichen Rechten eingerichtet werden können. SYS:\PUBLIC\USERDEF.EXE dient zur Einrichtung mehrerer Benutzer mit gleichen Rechten. Zu diesem Zweck wird eine Schablone (Template) erstellt, in der eingetragen wird, nach welchen Vorgaben die Benutzer einzurichten sind. Diese Menü-Utilities sollten insbesondere in größeren Netzen aus Gründen einer vereinfachten und einheitlichen Administration eingesetzt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 206 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.100 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.100 Sicherer Betrieb von Novell Netware Servern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Der sichere Betrieb eines Novell Netware Netzes setzt verschiedene Aktionen voraus, die nachfolgend beschrieben werden. Vergabe von Zugriffsrechten auf Verzeichnisse und Dateien Die Vergabe von Zugriffsrechten (Trustee Assignments) auf Verzeichnisse und Dateien von Novell Netware Servern spielt eine zentrale Rolle für die Sicherheit eines Novell Netware Servers. Zugriffsrechte werden im Gegensatz zur Vergabe von Attributen einzelnen Benutzern bzw. Benutzergruppen zugewiesen. Verzeichnisse und Dateien können über die Steuerung der Zugriffsrechte aufgabenbezogen zugewiesen werden. Hierdurch kann sichergestellt werden, daß Benutzergruppen bzw. Benutzer nur die Zugriffsrechte auf Verzeichnisse und Dateien haben, die sie zur Durchführung ihrer Aufgaben benötigen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit, einer vereinfachten Administration sowie einer verbesserten Revisionsfähigkeit sollte die Vergabe von Zugriffsrechten vorrangig über die Zuweisung von Rechten an Benutzergruppen erfolgen. Um die versehentliche Freigabe von Verzeichnissen durch einen Benutzer zu verhindern, sollte die Systemadministration Benutzergruppen und Benutzern in den ihnen zugewiesenen Verzeichnissen die Rechte ”Supervisory” (S) und ”Access Control” (A) nicht erteilen. Werden ausgewählten Verzeichnissen oder Dateien mit Hilfe von NetwareAttributen bestimmte Eigenschaften (z. B. schreibgeschützte Dateien) zugewiesen, so sollte beachtet werden, daß Benutzer, die das Zugriffsrecht ”Modify (M)” auf die entsprechenden Verzeichnisse und Dateien besitzen, in der Lage sind, diese Attribute zu verändern. Daher sollte der Kreis der Benutzer mit diesem Zugriffsrecht eingeschränkt werden (s. u. Vergabe von Netware-Attributen auf Verzeichnisse und Dateien). Vergabe von Netware-Attributen auf Verzeichnisse und Dateien Neben der Benutzer- bzw. gruppenbezogenen Erteilung von Zugriffsrechten auf Verzeichnisse und Dateien kann durch die Vergabe von Netware-Attributen auf Verzeichnisse und Dateien die Datensicherheit erhöht werden. Attribute sind immer verzeichnis- bzw. dateibezogen, d. h. sie sind unabhängig von den zugewiesenen Zugriffsrechten und gelten für alle Benutzer einschließlich des Supervisors. Benutzer, denen das Zugriffsrecht ”Modify (M)” auf die in Frage kommenden Verzeichnisse und Dateien eingeräumt wurde, können die vergebenen Netware-Attribute ändern und somit jede Aktion, die sich aus ihren effektiven Rechten ergibt, ausführen. Die Sicherheit durch den Einsatz von Netware-Attributen stellt sich somit als ein Subsystem in der Verzeichnis- und Dateisicherheit dar. _____________________________________________________________________ .......................................... 207 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.100 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bei der Vergabe von Netware-Attributen auf Verzeichnisse und Dateien sollten die folgenden Eigenschaften von Netware-Attributen beachtet werden. - Verzeichnis-Attribute: Hidden (H): Das Verzeichnis wird als versteckt gekennzeichnet; es erscheint weder in einem Inhaltsverzeichnis unter DOS, noch kann es gelöscht oder kopiert werden. System (Sy): Das Verzeichnis (z. B. SYS:SYSTEM\DELETED.SAV) wird vom System benutzt; es erscheint ebenfalls nicht in einem Inhaltsverzeichnis unter DOS und kann weder kopiert noch gelöscht werden. Rename Inhibit (R): Das Verzeichnis kann nicht umbenannt werden. Delete Inhibit (D): Das Verzeichnis kann nicht gelöscht werden. Purge (P): Das Verzeichnis sowie die in ihm befindlichen Dateien werden beim Löschen sofort, auch physikalisch, gelöscht. Eine Wiederherstellung des Verzeichnisses mit Hilfe von SYS:\PUBLIC\SALVAGE.EXE ist nicht möglich. - Datei Attribute: Read write (Rw): Auf die Datei ist sowohl Lese- wie auch Schreibzugriff möglich. Read only (Ro): Die Datei kann nur gelesen werden. Ein Schreibzugriff ist nicht möglich. Um Datenverluste bei einer gemeinsamen Benutzung zu vermeiden, sollten diese Dateien ebenfalls das Attribut ”Shareable” (S) besitzen. Ausführbare Programmdateien (*.exe, *.com) sollten mit dem Attribut ”Read only” versehen werden, um einem möglichen Befall durch Computer-Viren vorzubeugen. Shareable (S): Diese Dateien können von mehreren Benutzern gleichzeitig benutzt werden. Dateien, die mit dem Attribut ”Shareable” versehen worden sind, sollten gleichzeitig das Attribut ”Read Only” (RO) besitzen. Das Attribut ”Shareable” ist nur relevant für Programme, die Dateien nicht netzfähig öffnen. Purge (P): Dateien mit dem Attribut ”Purge” werden beim Löschen nicht nur logisch, sondern sofort physikalisch gelöscht. Dies hat zur Folge, daß die Datei nicht wiederhergestellt werden kann (SYS:PUBLIC\SALVAGE.EXE). In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß die physikalische Löschung von Dateien nicht nur durch das Netware-Attribut ”Purge” erfolgen kann. Wenn das sichere Löschen von Verzeichnissen und Dateien gewünscht wird, dann kann hierzu das Netware Programm SYS:PUBLIC\PURGE.EXE eingesetzt werden. Transactional (T): Dateien mit diesem Attribut unterliegen der Transaktionskontrolle von Novell Netware. Als Transaktion wird hier eine zusammenhängende Folge von Veränderungen in einer oder mehreren Dateien verstanden. Das Setzen dieses Attributes bewirkt, daß nur voll- _____________________________________________________________________ .......................................... 208 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.100 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... ständig durchgeführte Transaktionen in den Datenbestand der Datei übernommen werden. Transaktionen, die unkorrekt abgebrochen wurden, werden von Novell Netware rückgängig gemacht. Archive needed (A): Die so durch Novell Netware gekennzeichneten Dateien sind seit der letzten Datensicherung inhaltlich verändert oder neu auf dem Novell Netware Server aufgespielt worden. Datensicherungssoftware kann somit bei einer sequentiellen Datensicherung erkennen, daß die Datei erneut gesichert werden muß. Copy Inhibit (C): Derartige Dateien können nicht kopiert werden. Dieses Netware-Attribut gilt allerdings nur für APPLE Macintosh Workstations. Delete Inhibit (D): Die Datei kann nicht gelöscht werden. Rename Inhibit (R): Die Datei kann nicht umbenannt werden. Execute Only (X): Ausführbare Programmdateien (*.EXE, *.COM), die mit diesem Attribut versehen werden, können ausschließlich ausgeführt oder gelöscht werden. Ein Kopieren der Datei ist nicht möglich. Hidden (H): Die Datei wird als versteckt gekennzeichnet. Sie erscheint nicht in einem Inhaltsverzeichnis unter DOS und kann weder kopiert noch gelöscht werden. System (S): Die Datei (z. B. Bindery Dateien -NET$OBJ.SYS, NET$PROP.SYS, NET$VAL.SYS) wird vom Netzbetriebssystem verwendet; sie erscheint ebenfalls nicht in einem Inhaltsverzeichnis unter DOS und kann weder kopiert noch gelöscht werden. Sicherung wichtiger Systemdateien Die Server Startdateien AUTOEXEC.NCF und STARTUP.NCF sollten, in ihrer jeweils aktuellen Fassung, durch den Systemadministrator auf Diskette gesichert werden und vor unbefugtem Zugriff gesichert hinterlegt werden. Es ist sinnvoll, diese Dateien durch Kommentierungszeilen zu ergänzen, damit beim Auftreten von Problemen die jeweils eingestellten Parameter nachvollzogen werden können. Weiterhin sollte die Bindery (NET$OBJ.SYS, NET$PROP.SYS, NET$VAL.SYS) eines Novell Netware Servers regelmäßig mit Hilfe des Programms SYS:SYSTEM\BINDFIX.EXE gesichert werden. Die gesicherte Bindery (SYS:SYSTEM\*.OLD) sollte im Anschluß auf einen Datenträger gesichert und vor unbefugten Zugriff geschützt hinterlegt werden. Nach der Ausführung von SYS:SYSTEM\BINDFIX.EXE sollte die Integrität der neuen Bindery auf jeden Fall getestet werden. Im Zweifelsfalle kann die alte Bindery durch SYS:SYSTEM\BINDREST.EXE wiederhergestellt werden. Da die aktuelle Bindery während der Ausführung von SYS:SYSTEM\BINDFIX.EXE dem Zugriff der Benutzer entzogen wird, sollte aus Gründen der Betriebssicherheit bei der Sicherung der Bindery eines Novell Netware Servers außer dem Supervisor bzw. dem Supervisor-äquivalenten Benutzer kein Benutzer auf dem Novell Netware Server eingeloggt sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 209 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.100 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Eingeschränkte Nutzung des Supervisor Account bzw. eines Supervisoräquivalenten Account Der Account des Supervisors sollte bei der täglichen Administrationsarbeit nicht verwendet werden, sondern nur in Notfällen benutzt werden. Um dennoch die Systemadministration zu gewährleisten, sollte daher für jeden Benutzer mit der Netwaresicherheitsstufe ”Supervisor” ein Supervisor-äquivalenter Account eingerichtet werden, mit dem die Systemadministration normalerweise erfolgt. Werden die Administrationsarbeiten nicht hauptamtlich wahrgenommen, so sollten für die nichtadministrativen Aufgaben zusätzlich aufgabenbezogene Accounts eingerichtet werden. Der Account des Supervisors bzw. eines Supervisor-äquivalenten Account sollte weiterhin nur auf hierzu definierten Workstations verwendet werden, da die Integrität anderer Workstations u. U. durch Benutzer manipuliert sein könnte. Delegierung der Systemverwaltung In größeren Netzen (mehrere Novell Netware Server oder verschiedene Liegenschaften) bzw. bei einer größeren Anzahl von Benutzern empfiehlt es sich, bestimmte Aufgaben der Systemadministration zu delegieren. Novell Netware 3.x bietet hierzu die Möglichkeit, Benutzer zu User-AccountManagern bzw. Workgroup-Managern zu bestimmen. User-Account-Manager können die Benutzer und Gruppen verwalten, die ihnen vom Systemverwalter zugewiesen wurden. Dabei sind sie in der Lage, neben der Änderung der Benutzerdaten (Paßwort, Benutzungszeiten usw.) alle Rechte, über die sie selbst verfügen, weiter zu geben. Desweiteren kann der User-Account-Manager einzelne Benutzer einer Gruppe zuweisen. Dabei müssen sowohl die Gruppen als auch die Benutzer vom entsprechenden UserAccount-Manager verwaltet werden. Der User-Account-Manager ist nicht in der Lage neue Benutzer oder Gruppen einzurichten. Allerdings kann er ihm zugewiesene Benutzer oder Gruppen löschen. Ein Workgroup-Manager hat alle Rechte eines User-Account-Managers. Darüber hinaus ist er in der Lage, neue Benutzer und Gruppen einzurichten. Eine weitere Aufgabe des Workgroup-Managers ist das Einrichten von Druckerwarteschlangen. Nutzung von NCP-Paket-Signatur Die Kommunikation eines Novell Netware Clients mit einem Novell NetwareServer wird durch das Netware Core Protokoll (NCP) gesteuert. Client und Server tauschen hierbei einzelne Pakete aus, in denen die Daten enthalten sind. Ein potentieller Angreifer kann diese Pakete mittels spezieller Programme (siehe G 5.58 "Hacking Novell Netware") überwachen und die Datenpakete höher privilegierter Benutzer manipulieren. Um dieser Bedrohung entgegenzuwirken, wurde die Paket-Signatur entwikkelt. Bei der Anmeldung eines Benutzers am Server wird ein geheimer Schlüssel ermittelt. Wann immer die Workstation daraufhin eine Anfrage über NCP an den Server sendet, wird diese mit einer Signatur versehen, die aus dem geheimen Schlüssel und der Signatur des vorherigen Pakets gebildet wird. Diese Signatur wird an das betreffende Paket angehängt und zum Server _____________________________________________________________________ .......................................... 210 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.100 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... gesandt. Bevor die eigentliche Anfrage bearbeitet wird, verifiziert der Server die Paket-Signatur. Durch die Option Set NCP Packet Signature -Wert- kann die Paket-Signatur am Server aktiviert werden. Es sind folgende NCP-Paket-Signatur Level möglich: Wert "0": Es findet keine NCP-Paket-Signatur statt. Wert "1": Der Novell Netware Server arbeitet auf Anforderung des Clients mit der NCP-Paket-Signatur. Wert "2": Der Novell Netware Server fordert vom Client NCP-PaketSignatur an. Sollte der Client dieses nicht realisieren können, so wird die Kommunikation zwischen Client und Novell Netware Server trotzdem zugelassen. Wert "3": Die NCP-Paket-Signatur ist zwingend vorgeschrieben. Zur Gewährleistung der IT-Sicherheit sollte die NCP-Paket-Signatur mit dem Wert ”3” gewählt werden. Da sich jedoch die Netzlast beim Einsatz der NCPPaket-Signatur um bis zu 30% erhöht, sollte im Vorfeld des Einsatzes geklärt werden, ob die Performance hierdurch nicht unzumutbar eingeschränkt wird. Beschränkung des nutzbaren Festplattenspeichers Mit Hilfe des Programms SYS:PUBLIC\DSPACE.EXE sollte der auf einem Volume oder einem Verzeichnis zur Verfügung stehende Festplattenspeicher limitiert werden, da erfahrungsgemäß die Inanspruchnahme des zur Verfügung stehenden Festplattenspeichers mit der Kapazität des Festplattenspeichers steigt. Alternativ hierzu kann auch, soweit eingerichtet, die Kapazität des jeweiligen persönlichen Verzeichnis eines Benutzers beschränkt werden, wenn für die Arbeitsdaten eigene Verzeichnisse eingerichtet wurden. Sperrung von nicht benötigten Programmen Die meisten der unter SYS:PUBLIC bereitgestellten Novell Netware Programme werden durch die Netware-Benutzer im Regelfall nicht benötigt, da viele der Funktionen (Druckerkonfigurationen, Änderung des Paßwortes, Laufwerkszuweisungen) durch die Client- Software gehandhabt werden können. Aus diesem Grund sowie der meist ungewohnten Handhabung der Novell Netware Dienstprogramme empfiehlt es sich, nicht benötigte Programme in das Verzeichnis SYS:SYSTEM zu verschieben. Insbesondere das Programm SYS:PUBLIC\RENDIR.EXE sollte wegen der erkannten Gefährdung (G 5.54 Vorsätzliches Herbeiführen eines Abnormal End) den Benutzern nicht zur Verfügung gestellt werden. Keinesfalls sollten, wie oftmals beobachtet, die unter SYS:SYSTEM gespeicherten Programme in das Verzeichnis SYS:PUBLIC verlagert werden. Information über Patches von Novell Netware Im Verlauf der Entwicklung des Netzbetriebssystems Novell Netware 3.x haben sich diverse Schwachstellen bzw. Unzulänglichkeiten herausgestellt, die durch den Hersteller mit Hilfe von sogenannten Patches größtenteils _____________________________________________________________________ .......................................... 211 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.100 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... behoben wurden. Diese Patches werden durch den Hersteller im Internet zur Verfügung gestellt (http://www.novell.com, ftp.novell.com bzw. http://www.novell.de, ftp.novell.de). Informationen über die Funktionalität sowie das ggf. erforderliche Einspielen der zur Verfügung gestellten Patches können daher Schwachstellen im laufenden Produktionsbetrieb beseitigen. Insbesondere zusätzlich installierte Softwareprodukte, wie z. B. zur Datensicherung, erfordern oftmals einen bestimmten Patchlevel des Netzbetriebssystems. Hierbei ist jedoch zu beachten, daß die angebotenen Patches keineswegs blind aufgespielt werden sollten, sondern nur im Bedarfsfall ("never change a running system") sowie nach gründlicher Information. Soweit vorhanden, sollten diese Patches zunächst auf einer Testkonfiguration ausgetestet werden. Im Internet (Usenet) ist, neben den internationalen Diskussionsforen zum Thema Novell Netware (z. Z. comp.os.netware.announce, comp.os.netware.misc, comp.os.netware.security, bit.listserv.novell), für die deutschsprachigen Benutzer ein deutsches Novell Forum (z. Z. de.comp.sys.novell) vorhanden, in dem einige versierte Novelladminstratoren aktiv sind, die oftmals auch die schwierigsten Probleme zu lösen helfen. Außerdem werden zu den im Internet am häufigsten gestellten Fragen Dateien (sogenannte FAQs - Frequently Asked Questions) zur Verfügung gestellt, die die häufigsten Probleme thematisieren und Lösungen anbieten. Patches und Informationen über Novell Netware werden darüber hinaus auch über andere Anbieter von Netzdiensten, wie z. B. Compuserve, Fidonet und Mailboxen bereitgestellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der jeweiligen Informationen in den Usenet Diskussionsforen sowie in den FAQs kann an dieser Stelle jedoch keine Garantie gegeben werden. Es sei darauf hingewiesen, daß eine vollständige Beschreibung des aufgetretenen Problems, sowie eine Beschreibung der jeweiligen Konfiguration des Netzes (Client, Server) besonders vorteilhaft bei der Hilfesuche im Internet (Usenet) ist. Schwierigkeiten während des Netzbetriebes können darüber hinaus oftmals durch die Nachfrage bei dem Verkäufer des Netzbetriebssystems oder im Informationsaustausch mit Kollegen behoben werden; wobei auch hier die Problemlösung durch eine vollständige Konfigurationsbeschreibung erleichtert wird. Prüfung auf Computer-Viren Computer-Viren, die sich in den auf einem Novell Netware Server gespeicherten Programmen und Dateien befinden, können, aufgrund der zentralen Verteilung durch den Novell Netware Server an die Workstations, erhebliche Schäden im Netzverbund hervorrufen. Aus diesem Grund sollten die Programme und Dateien eines Novell Netware Servers regelmäßig mit einem aktuellen Virensuchprogramm auf evtl. vorhandene Computer-Viren überprüft werden. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich einen speziellen Benutzer-Account auf dem Novell Netware Server einzurichten, der über die Zugriffsrechte "Read" (R) und "File Scan" (F) auf alle Dateien des Servers verfügt. Die Prüfung auf _____________________________________________________________________ .......................................... 212 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.100 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Computer-Viren sollte keinesfalls mit den Rechten des Supervisors, bzw. Supervisor-äquivalenten Rechten durchgeführt werden, da ein ComputerViren-Checkprogramm, welches selbst mit einem Computer-Virus infiziert ist, diesen auf alle Programme und Dateien des Novell Netware Servers übertragen würde. Die Benutzer bzw. Benutzergruppen sollten auf die Verzeichnisse und Dateien mit ausführbarem Programmcode lediglich die effektiven Rechte "Read" (R) und "File scan" (F) erhalten, zudem sollten ausführbare Programme mit dem Netware-Attribut "Read only" (RO) versehen werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 213 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.101 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.101 Revision von Novell Netware Servern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die vollständige Revision eines Novell Netware 3.x Servers dürfte in der Praxis im Rahmen IT-Grundschutz kaum möglich sein. Folgende Revisionsansätze sollten dennoch beachtet werden: Durch das Programm SYS:SYSTEM\SECURITY.EXE werden die BinderyDateien eines Novell Netware Servers auf die nachfolgenden Sicherheitsschwachstellen hin untersucht und die erkannten Schwachstellen aufgelistet. No password assigned Benutzer, die kein Paßwort für das Login auf dem Novell Netware Server benötigen, werden aufgelistet. Insecure passwords Hierbei wird die Bindery des Novell Netware Servers auf mehrere Aspekte hin untersucht. Zum einen werden die Benutzer angezeigt, deren Paßwort gleich dem Anmeldenamen auf dem Novell Netware Server ist; weiterhin werden alle Benutzer aufgeführt, deren Paßwort weniger als fünf Zeichen lang sein darf. Es wird weiterhin für jeden Benutzer geprüft, ob die Gültigkeitsdauer eines Paßwortes mehr als 60 Tage beträgt und ob eine unbegrenzte Anzahl von "Frei-Anmeldungen" (Grace Logins) möglich ist. Supervisor equivalence SYS:SYSTEM\SECURITY.EXE überprüft die Bindery eines Novell Netware Servers dahingehend, ob Benutzer die Sicherheitstufe "Supervisor" (Supervisor equivalence) auf dem Novell Netware Server haben, und führt diese auf. Root directory privileges Aufgrund der nach "unten" gerichteten Vererbung von Zugriffsrechten werden alle Benutzer eines Novell Netware Servers dahingehend geprüft, ob sie Zugriffsrechte im Hauptverzeichnis (Volume Ebene) haben. Login scripts Es werden alle Benutzer ermittelt, die über kein eigenes Login Script (User Login Script) verfügen. Da alle Benutzer, um elektronische Nachrichten austauschen zu können, standardmäßig über das Zugriffsrecht "Create" in dem Verzeichnis SYS:MAIL verfügen, könnte ein "Angreifer" einem Benutzer, der über kein User Login Script verfügt, in dessen SYS:MAIL\ Verzeichnis eine Datei LOGIN (UserLogin-Script) kopieren, mit dem dessen Novell Netware Umgebung verändert würde. _____________________________________________________________________ .......................................... 214 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.101 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Excessive rights Novell Netware 3.x stellt im Rahmen der Installation standardmäßig mehrere Verzeichnisse zur Verfügung (SYS:SYSTEM, SYS:PUBLIC, SYS:LOGIN). SYS:SYSTEM\SECURITY.EXE überprüft die Bindery des Novell Netware Servers, ob Benutzer in diesen Verzeichnissen größere Rechte haben, als die standardmäßig vorgegebenen. Weiterhin werden die SYS:MAIL Verzeichnisse aller Benutzer auf das alleinige Verfügungsrecht (Ausnahme "Create" für die Gruppe "Everyone") des jeweiligen Inhabers geprüft. Ergänzende Kontrollfragen: - Wann wurde die letzte Revision durchgeführt? - In welchen Intervallen erfolgt eine Revision? _____________________________________________________________________ .......................................... 215 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.102 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.102 Verzicht auf die Aktivierung der Remote Console Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Das Netzbetriebssystem Novell Netware ermöglicht mittels des Programmes SYS:\SYSTEM\RCONSOLE.EXE die Fernsteuerung der Novell Netware Serverkonsole durch eine Workstation. Der Novell Netware Server wird hierzu in der AUTOEXEC.NCF durch das Laden von REMOTE.NLM mit dem dazugehörenden Paßwort und RSPX.NLM eingerichtet. Dabei muß vermieden werden, daß das Paßwort im Klartext in der AUTOEXEC.NCF enthalten ist. Dazu kann nach Ausführen des Programms REMOTE.NLM der Befehl REMOTE ENCRYPT an der Serverkonsole eingegeben werden. Das dann abgefragte Paßwort wird verschlüsselt und auf Wunsch mit dem dazugehörigen Befehl in der Datei LDREMOTE.NCF abgelegt. Der Befehl in der Datei LDREMOTE.NCF sieht z. B. wie folgt aus: LOAD REMOTE -E 0613BB68060099 Netzanalyse-Tools, sogenannte Sniffer, können die Daten, die zwischen der Workstation und dem Novell Netware Server ausgetauscht werden, auslesen und speichern. Hierzu gehört auch das verschlüsselte Paßwort, welches zur Fernsteuerung des Novell Netware Servers eingegeben werden muß. Spezielle Software ist in der Lage, das verschlüsselte Paßwort zu entschlüsseln. Unbefugte können hierdurch in die Lage versetzt werden, mittels der Fernsteuerung Zugriff auf die Konsole des Novell Netware Servers zu erlangen. Um zudem zu verhindern, daß Remote-Sitzungen mit Netzanalyse-Tools aufgezeichnet und danach einfach wieder ins Netz eingespielt werden können, sollte darauf geachtet werden, daß Signaturen bei den RSPX-Paketen aktiviert sind. Dies kann überprüft werden, indem der Befehl RSPX an der Konsole des Servers ausgeführt wird. Die Antwort sollte wie folgt aussehen: RSPX Packet Signatures: All packets must contain signatures. Sollten hier keine Signaturen aktiviert sein, kann dies durch den Befehl RSPX SIGNATURES ON veranlaßt werden. Da diese Funktion erst ab Netware 3.12 unterstützt wird, sollte unbedingt auf die aktuelle Netware Version zurückgegriffen werden. Soweit die örtlichen Gegebenheiten und die betrieblichen Abläufe dieses zulassen, sollte aus Sicherheitserwägungen auf die Fernsteuerung von Novell Netware Servern verzichtet werden. Generell gilt jedoch, wenn C2-Sicherheit umgesetzt werden soll (siehe auch M 4.102 C2-Sicherheit unter Novell 4.11), dann darf das Programm SYS:\SYSTEM\RCONSOLE.EXE nicht eingesetzt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 216 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.103 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.103 Einrichten von Benutzerprofilen unter Windows 95 Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Unter Windows 95 besteht die Möglichkeit, durch Einrichten von Benutzerprofilen eine Benutzertrennung durchzuführen. Diese Trennung dient jedoch (wenn nicht durch Systemrichtlinien eine Einschränkung erfolgt, vgl. M 2.104 Systemrichtlinien zur Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Windows 95) ausschließlich dazu, benutzerspezifische Einstellungen zu konservieren und damit für den jeweiligen Benutzer eine individuelle Arbeitsumgebung zu erhalten, die er nach seinen Bedürfnissen und Erfordernissen anpassen kann. Ein Windows 95-Anmeldepaßwort wird erst nach Aktivieren der Benutzerprofile obligatorisch. Für dieses Paßwort gelten im übrigen dieselben Überlegungen wie für WfW-Anmeldepaßwörter (vgl. M 4.46 Nutzung des Anmeldepaßwortes unter WfW und Windows 95). Die den Benutzer betreffenden Einstellungen werden in einem Verzeichnis C:\WINDOWS\PROFILES\Benutzername gespeichert. Benutzerprofile sollten auf einem nicht vernetzten Windows 95-Rechner immer dann aktiviert werden, wenn unerfahrenen Benutzern das Navigieren unter Windows 95 erleichtert werden soll. Dies ist ebenfalls sinnvoll, wenn eine Benutzertrennung, wenn auch nicht unter Sicherheitsgesichtspunkten, so doch aus organisatorischen oder prinzipiellen Gründen gewünscht wird. Dazu öffnet man die Programmgruppe SYSTEMSTEUERUNG, dann die Schaltfläche KENNWÖRTER und kann anschließend die Benutzerprofile aktivieren bzw. deaktivieren. _____________________________________________________________________ .......................................... 217 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.103 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Hinweis: In Novell Netware- oder Windows NT-Netzen können verpflichtende Benutzerprofile angelegt werden, indem das entsprechende Profil in einem dem Benutzer zugeordneten Netzverzeichnis zugriffsgeschützt gespeichert wird. Dieses Profil hat den Namen USER.MAN und wird bei jeder Anmeldung am Server automatisch geladen (vgl. M 4.51 Benutzerprofile zur Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Windows NT). Ergänzende Kontrollfragen: - Sollen an dem Windows 95 Rechner mehrere Benutzer arbeiten? - Ist eine Benutzertrennung unter Sicherheitsgesichtspunkten oder aus organisatorischen bzw. prinzipiellen Gründen sinnvoll? _____________________________________________________________________ .......................................... 218 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.104 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.104 Systemrichtlinien zur Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Windows 95 Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Soll unerfahrenen Benutzern das Navigieren unter Windows 95 erleichtert werden oder ist aus betrieblicher Sicht die Einschränkung bestimmter Ressourcen notwendig, so kann unter Windows 95 mit sogenannten Systemrichtlinien die Benutzerumgebung benutzerspezifisch mit bestimmten Restriktionen versehen werden. Jedoch sollte berücksichtigt werden, daß Benutzer gegenüber dem IT-System möglicherweise eine abweisende Haltung einnehmen, wenn Einschränkungen nicht unmittelbar einsichtig sind. Eine Einschränkung sollte also nur dann erfolgen, wenn sie tatsächlich notwendig ist oder wenn sie vom Benutzer nicht bemerkt wird. Sobald Systemrichtlinien aktiviert sind, wird beim Starten von Windows 95 überprüft, ob benutzerspezifische Einschränkungen für den aktuellen Benutzer eingerichtet wurden. Ist dies der Fall, werden diese geladen. Ist dies nicht der Fall, werden die Einschränkungen für den Standardbenutzer herangezogen. Im folgenden werden zunächst die prinzipiellen Einschränkungen beschrieben, die mit den Systemrichtlinien eingestellt werden können. Anschließend wird aufgezeigt, wie diese mittels des Systemrichtlinieneditors (POLEDIT.EXE) angelegt und aktiviert werden können. Die wesentlichen mit Systemrichtlinien einzustellenden Restriktionen für einen nicht vernetzten Windows 95-Rechner sind: - Der Zugriff auf die Systemsteuerung kann bezüglich der Optionen ANZEIGE, NETZWERK, KENNWÖRTER, DRUCKEREINSTELLUNGEN und SYSTEM eingeschränkt werden. Die jeweiligen Optionen können zum Teil vollständig deaktiviert oder auf einzelne Registerkarten beschränkt werden. Wesentlich bei diesen Optionen sind folgende Punkte: - Es können Vorgaben für Bildschirmfarben unter Ergonomiegesichtspunkten gemacht werden. - Es kann vorgesehen werden, eigene Kennwörter durch den Benutzer ändern zu lassen. - Druckerkonfiguration und Hardware-Einstellungen lassen sich fest vorgeben. - Der Zugriff auf einzelne Funktionen der Benutzeroberfläche kann eingeschränkt werden. Beispielsweise können die Befehle AUSFÜHREN, SUCHEN und BEENDEN entfernt werden. Damit wird zum Beispiel verhindert, daß Benutzer nach sicherheitsrelevanten Dateien oder Programmen suchen und diese dann ggf. ausführen. Die Laufwerke lassen sich aus dem ARBEITSPLATZ und für den EXPLORER (dem früheren Dateimanager) ausblenden. Partitionen (Laufwerke) können dann ggf. nur noch aus Anwendungen heraus gewechselt werden, da standardmäßig nur die StartPartition (z. B. C:\) zur Verfügung steht. _____________________________________________________________________ .......................................... 219 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.104 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Der Programmstart von ausführbaren Dateien kann eingeschränkt und die DOS-Eingabeaufforderung deaktiviert werden. Die für den einzelnen Benutzer erlaubten Anwendungen lassen sich explizit vorgeben (z. B. WINWORD.EXE, EXCEL.EXE und EXPLORER.EXE) Zusätzlich kann für den Rechner gefordert werden, daß die Windows 95Anmeldekennwörter sowohl aus Buchstaben als auch aus Sonderzeichen oder Zahlen bestehen müssen und welche Mindestlänge sie aufweisen sollen. Programme, die beim Systemstart ausgeführt werden sollen, lassen sich ebenfalls vorgeben. Im folgenden wird in einzelnen Schritten gezeigt, wie Systemrichtlinien angelegt und aktiviert werden können und welche Restriktionen für einen nicht vernetzten Windows 95-Rechner Sicherheit bieten: 1. Anlegen einer Systemrichtliniendatei Mit Hilfe des Systemrichtlinieneditors wird eine Systemrichtliniendatei erzeugt. Ihr Name ist zwar beliebig, jedoch wird an dieser Stelle der Einfachheit halber der Name CONFIG.POL gewählt. Dazu wird das Programm POLEDIT.EXE aufgerufen, eine neue Datei angelegt und diese unter dem Namen CONFIG.POL abgespeichert. Diese Datei enthält automatisch Einträge für den Standardbenutzer und den Standardcomputer, die im nächsten Schritt ggf. einzuschränken sind. Für den Administrator sind ebenfalls Einträge für den Computer und den Benutzer anzulegen (im Menü BEARBEITEN mit BENUTZER HINZUFÜGEN und COMPUTER HINZUFÜGEN), die im dritten Schritt zu spezifizieren sind. 2. Definition einer Richtlinie für den Standardbenutzer und Standardcomputer Öffnet man mit dem Systemrichtlinieneditor die Einstellungen für den Standardbenutzer, so kann man menügeführt die entsprechenden sicherheitsrelevanten Einträge vornehmen. _____________________________________________________________________ .......................................... 220 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.104 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Beispielsweise: Für einen Standardbenutzer sollten folgende Restriktionen eingestellt werden: Systemsteuerung - Der Zugriff auf die Registerkarte BILDSCHIRMSCHONER sollte dann deaktiviert werden, wenn der Benutzer die Bildschirmsperre nicht deaktivieren können soll. In diesem Fall ist ihm allerdings die Möglichkeit zu geben, das Bildschirmpaßwort zu ändern. Dazu darf die SYSTEMSTEUERUNG (s. u.) nicht vollständig und bei der Option KENNWÖRTER die Registerkarte KENNWORT ÄNDERN nicht deaktiviert sein. - Damit der Benutzer die Systemrichtlinien nicht deaktivieren kann, ist zwingend die Registerkarte BENUTZERPROFILE für die Systemsteuerungsoption KENNWÖRTER auszublenden. - Die Einstellungen für die Hardware-Konfiguration sind vorzunehmen und der Zugriff auf die Register und Schaltflächen für die Systemsteuerungsoption SYSTEM maximal zu beschränken, damit fehlerhafte Konfigurationen durch den Benutzer vermieden werden, die die Verfügbarkeit oder Leistungsfähigkeit des Rechners einschränken können. _____________________________________________________________________ .......................................... 221 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.104 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Shell-Zugriffsbeschränkungen - Der Befehl AUSFÜHREN sollte deaktiviert werden, wenn verhindert werden soll, daß bestimmte Programme unter Angaben von Optionen gestartet werden können. - Die SYSTEM- und DRUCKERSTEUERUNG kann vollständig deaktiviert werden, wenn man die Option ORDNER UNTER "EINSTELLUNGEN" IM MENÜ "START" ENTFERNEN aktiviert. Dies ist immer dann notwendig, wenn dem Benutzer jegliche Möglichkeit genommen werden soll, Systemoder Druckereinstellungen zu ändern. Damit der Benutzer sein Bildschirmpaßwort ändern kann, ist unter der Systemsteuerungsoption ANZEIGE die Registerkarte BILDSCHIRMSCHONER (s. o.) freizugeben. Der Benutzer kann dann durch Klicken mit der rechten Maustaste auf den Desktop über EIGENSCHAFTEN auf die Bildschirmsperre zugreifen. - Soll die Benutzung des EXPLORERS nicht erlaubt sein, so ist die Option LAUFWERKE IM FENSTER “ARBEITSPLATZ” AUSBLENDEN zu aktivieren, da der EXPLORER über den ARBEITSPLATZ gestartet werden kann, selbst wenn die Nutzung explizit verboten wurde. System-Zugriffsbeschränkungen - Die Option PROGRAMME ZUM BEARBEITEN DER REGISTRIERUNG DEAKTIVIEREN ist zu wählen. Hinweis: Diese Option betrifft nur den Registrierungseditor (REGEDIT.EXE). Mit dem Systemrichtlinien-Editor (POLEDIT.EXE) läßt sich die lokale Registrierung nach wie vor bearbeiten. Dieses Programm sollte daher von der Festplatte gelöscht werden. - Es sollten nur zugelassene Anwendungen ausführbar sein. Es sind diejenigen Anwendungen, wie etwa WINWORD.EXE, ACCESS.EXE, EXPLORER.EXE, einzutragen, die der Benutzer ausführen können soll. - Die MS-DOS-Eingabeaufforderung ist zu deaktivieren. - Ggf. sind Single-Mode-Anwendungen für MS-DOS zu deaktivieren. Falls einige DOS-Anwendungen unter Windows 95 aufgerufen werden sollen, der Benutzer aber nicht auf die DOS-Ebene gelangen soll, ist die DOS-Eingabeaufforderung zu aktivieren, jedoch sind bei den zugelassene Anwendungen für Windows nur diejenigen zu nennen, die benötigt werden. Die COMMAND.COM darf dann dort nicht genannt werden. Für einen Standardcomputer sollten folgende Restriktionen eingestellt werden: Netzwerk - Unter KENNWÖRTER ist ein alphanumerisches Windows-Anmeldekennwort und eine Mindestlänge von sechs Zeichen zu fordern. - Unter UPDATE ist REMOTE-UPDATE nicht zu deaktivieren, da sonst die Systemrichtlininen nicht geladen werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 222 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.104 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... System - Die BENUTZERPROFILE sind zu aktivieren. 3. Definition einer Richtlinie für den Administrator In einer Richtlinie für den Administrator sollten keine der obigen Restriktionen gesetzt werden. Hierfür ist ein eigener Benutzer unter Windows 95 sowie ein Benutzer und Computer mittels Systemrichtlinien einzurichten, da sonst für ihn die über den Standardbenutzer eingestellten Einschränkungen gelten. Das dazugehörige Paßwort darf nur dem Administrator und seinem Vertreter bekannt sein. Diese Richtlinie ist ebenfalls in der Datei CONFIG.POL abzulegen. 4. Definition von Richtlinien für einzelne Benutzer basierend auf dem Standardbenutzer und Standardcomputer Werden weitere Benutzer benötigt, deren Restriktionen sich von den unter 1. spezifizierten unterscheiden sollen, so sind analog zu 1. diese Richtlinien zusätzlich in der Datei CONFIG.POL einzurichten. Dazu kopiert man das Standardprofil, gibt diesem den Namen des betreffenden Benutzers und stellt die Restriktionen wie unter 1. für diesen Benutzer ein. 5. Aktivieren der Richtlinien Beim Einrichten der Systemrichtlinien durch den Administrator ist besondere Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten, da sehr leicht inkonsistente Systemzustände eingestellt werden können, die ein Arbeiten mit dem Rechner verhindern. Das Betriebssystem wäre neu zu installieren. Die Systemrichtlinien sollten also nur dann aktiviert werden, wenn die Richtlinien mit äußerster Sorgfalt definiert wurden. Dazu öffnet der Administrator mit dem Systemrichtlinieneditor (POLEDIT.EXE) die lokale Registrierung und setzt dort für den LOKALEN COMPUTER unter der Option NETZWERK-UPDATE den Schalter REMOTEUPDATE. Als Update-Modus muß INTERAKTIV gewählt werden. Der Pfad für die oben definierte CONFIG.POL ist ebenfalls anzugeben. Die notwendigen Einstellungen können von besonders erfahrenen Administratoren auch mit dem Registrierungseditor (Programm REGEDIT.EXE) vorgenommen werden. Darüber hinaus sind in der Programmgruppe SYSTEMSTEUERUNG mit der Schaltfläche KENNWÖRTER die Benutzerprofile zu aktivieren. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Einschränkung der Benutzerumgebung aus betrieblicher Sicht notwendig? - Ist die Einschränkung bestimmter Ressourcen notwendig? _____________________________________________________________________ .......................................... 223 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.105 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.105 Beschaffung von TK-Anlagen Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, Beschaffungsstelle Bei der Beschaffung neuer TK-Anlagen besteht die Möglichkeit, diese von vornherein so auszugestalten, daß im späteren Betrieb mit geringem personellen und organisatorischen Zusatzaufwand ein hohes Maß an Sicherheit erreicht werden kann. Hierfür muß in erster Linie auf - das Vorhandensein geeigneter Funktionalitäten für die Anlagenadministration, - ausreichende Protokollmechanismen und Auswerte-Tools sowie - die Revisionsfähigkeit der TK-Anlage geachtet werden. Für den Bereich der Bundesbehörden wurden entsprechende Anforderungen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) erarbeitet und in der Broschüre Sicherheitsanforderungen an TK-Anlagen - Empfehlungen für den Bereich der Bundesbehörden zusammengefaßt. Diese Empfehlungen sind aus Sicht des BSI auch auf andere Bereich der Verwaltung und der Privatwirtschaft übertragbar. Die Broschüre befindet sich auf der CD-ROM zum IT-Grundschutzhandbuch: ..\HILFSMI\TK.DOC _____________________________________________________________________ .......................................... 224 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.106 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.106 Auswahl geeigneter ISDN-Karten in der Beschaffung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Beschaffungsstelle Bei der Beschaffung von ISDN-Karten besteht die Möglichkeit, diese von vornherein so auszuwählen, daß im späteren Betrieb Sicherheitsfunktionalitäten nicht teuer hinzugekauft werden müssen. Erforderliche Sicherheitsfunktionalitäten sollten bereits auf der Karte vorhanden sein oder durch mitgelieferte Kommunikationssoftware und Treiberprogramme realisiert werden können. Mögliche Kriterien für die Auswahl geeigneter ISDN-Karten sind: - Fähigkeit zur Durchführung einer Authentisierung über PAP und CHAP (Password Authentikation Protocol und Challenge Handshake Authentication Protocol, RFC 1994), - Vorhandensein eines Verschlüsselungsverfahrens (symmetrisch/asymmetrisch) in Hard- oder Software, - Möglichkeit der Auswertung von CLIP-Rufnummern (Calling Line Identification Presentation) zur Authentisierung, - Möglichkeit des Führens einer Rufnummerntabelle für das Durchführen eines Callbacks, - Möglichkeit der Protokollierung nicht erfolgreicher Verbindungsaufbauten (Ablehnung aufgrund falscher Rufnummern- oder PAP/CHAPAuthentisierung). Außerdem sind die ISDN-Karten auf Funktionalitäten hin zu untersuchen, die für einen sicheren Betrieb nicht vorhanden sein dürfen, oder falls sie dennoch vorhanden sind, zumindest durch Konfiguration eine Deaktivierung herbeigeführt werden kann. Hierzu zählt z. B. die "Remote-Control"-Funktionalität, die einen direkten Kommunikationsaufbau zum IT-System aus dem öffentlichen Netz zuläßt. Beachtet werden sollte, daß sowohl im Bereich der IT-Systeme, die mit ISDNKarten ausgestattet werden sollen, als auch im Bereich der Netzkoppelelemente (z. B. ISDN-Router) ISDN-Karten mit möglichst gleichen Sicherheitsfunktionalitäten eingesetzt werden. Ist dies nicht gewährleistet, entfalten Sicherheitsfunktionalitäten, die auf beiden Seiten erforderlich sind, nicht die gewünschte Wirkung. Ergänzende Kontrollfrage: - Sind der Beschaffungsstelle diese ergänzenden Anforderungen an ISDNKarten bekannt? _____________________________________________________________________ .......................................... 225 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.107 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.107 Dokumentation der ISDN-Karten-Konfiguration Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Je nach Einsatzgebiet ergeben sich für eine ISDN-Karte nahezu beliebig komplexe Konfigurationseinstellungen. Für das Sicherstellen eines geordneten Wiederanlaufs (z. B. nach Austausch einer ISDN-Karte oder deren Kommunikationssoftware) wird empfohlen, mindestens die folgenden Einstellungen zu dokumentieren: - Typenbezeichnung der eingesetzten Karte und Seriennummer, - Rufnummer(n) für den Kommunikationsaufbau und eine evtl. durchzuführende Authentisierung, - Verwendetes D-Kanal-Protokoll (1TR6, EDSS-1 etc.), - Verwendetes B-Kanal-Protokoll (X.25, PPP, TCP/IP, Bittransparent etc.), - Stand der verwendeten CAPI-Version, - Stand der verwendeten Treiber-Software, - Art der Datenkompression, wenn verwendet, - Art der Authentisierung (z. B. PAP/CHAP), wenn verwendet. Beim Einsatz von Authentisierungsverfahren, die auf dem Besitz eines gemeinsamen Geheimnisses (z. B. Paßwort) beruhen, kann auch dieses Geheimnis dokumentiert werden. Beachtet werden muß dann allerdings, daß die erstellte Dokumentation nur einem eingeschränkten Personenkreis zugänglich gemacht werden darf, um das Bekanntwerden des Geheimnisses zu verhindern. Ergänzende Kontrollfrage: - Sind in der Dokumentation Paßwörter beschrieben? Wird die Dokumentation sicher aufbewahrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 226 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.108 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.108 Verzicht auf Fernwartung der ISDN-Netzkoppelelemente Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Der Verzicht auf Fernwartung ist eine wirkungsvolle Maßnahme, um Externe an Manipulationen an ISDN-Routern und IT-Systemen mit ISDN-Karten zu hindern. Bei IT-Systemen mit ISDN-Karte sollte überprüft werden, ob die verwendete Kommunikationssoftware “Remote-Control”-Funktionalitäten bietet. Hierdurch kann das betreffende IT-System über das öffentliche ISDN angerufen werden, die ISDN-Karte nimmt den Anruf entgegen und der Anrufende bedient das IT-System so, als ob es “vor Ort” wäre. Diese Funktionalität ist zu deaktivieren. Bei ISDN-Routern sollte die Fernwartung über reservierte Bandbreiten (oder reservierte ISDN-Rufnummern) deaktiviert werden, da hier i. d. R. eine nur über ein Paßwort geschützte Verbindung zur Management Information Base des Routers hergestellt wird, in der nahezu alle Konfigurationseinstellungen vorgenommen werden können. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Gründe sprechen für und welche gegen den Verzicht der Fernwartung? - Wurde die Entscheidung über die Fernwartung herbeigeführt? _____________________________________________________________________ .......................................... 227 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.109 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.109 Rechtevergabe für den Fernzugriff Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Der externe Zugriff auf ein Unternehmensnetz muß hinsichtlich der eingeräumten Rechte auf das erforderlich Maß eingeschränkt werden. Über die in M 2.8 Vergabe von Zugriffsrechten beschriebenen Anforderungen ist weiterhin zu berücksichtigen, daß die Rechtevergabe für den Fernzugriff noch restriktiver zu handhaben ist. Beispielsweise müssen für einen Telearbeitsplatz nicht zwingend Zugriffsrechte auf Verzeichnisse mit Software bestehen (siehe G 5.62 Mißbrauch von Ressourcen über abgesetzte IT-Systeme). Ergänzende Kontrollfrage: - Wann wurden die für den Fernzugriff eingeräumten Rechte zuletzt überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 228 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.110 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.110 Datenschutzaspekte bei der Protokollierung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, Datenschutzbeauftragter Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Datenschutzbeauftragter Unter Protokollierung beim Betrieb von IT-Systemen ist im datenschutzrechtlichen Sinn die Erstellung von manuellen oder automatisierten Aufzeichnungen zu verstehen, aus denen sich die Fragen beantworten lassen: "Wer hat wann mit welchen Mitteln was veranlaßt bzw. worauf zugegriffen?" Außerdem müssen sich Systemzustände ableiten lassen: "Wer hatte von wann bis wann welche Zugriffsrechte?" Art und Umfang von Protokollierungen hängen vom allgemeinen Datenschutzrecht und auch von bereichsspezifischen Regelungen ab. Die Protokollierung der Administrationsaktivitäten entspricht einer Systemüberwachung, während die Protokollierung der Benutzeraktivitäten im wesentlichen der Verfahrensüberwachung dient. Dementsprechend finden sich die Anforderungen an die Art und den Umfang der systemorientierten Protokollierung überwiegend im allgemeinen Datenschutzrecht, während die verfahrensorientierte Protokollierung oft durch bereichsspezifische Regelungen definiert wird. Beispiele für verfahrensorientierte Protokollierung sind u. a. Meldegesetze, Polizeigesetze, Verfassungsschutzgesetze. Mindestanforderungen an die Protokollierung Bei der Administration von IT-Systemen sind die folgenden Aktivitäten vollständig zu protokollieren: - Systemgenerierung und Modifikation von Systemparametern Da auf dieser Ebene in der Regel keine systemgesteuerten Protokolle erzeugt werden, bedarf es entsprechender detaillierter manueller Aufzeichnungen, die mit der Systemdokumentation korrespondieren sollten. - Einrichten von Benutzern Wem von wann bis wann durch wen das Recht eingeräumt worden ist, das betreffende IT-System zu benutzen, ist vollständig zu protokollieren. Für diese Protokolle sollten längerfristige Aufbewahrungszeiträume vorgesehen werden, da sie Grundlage praktisch jeder Revisionsmaßnahme sind. - Erstellung von Rechteprofilen Im Rahmen der Protokollierung der Benutzerverwaltung kommt es insbesondere auch darauf an aufzuzeichnen, wer die Anweisung zur Einrichtung bestimmter Benutzerrechte erteilt hat (siehe auch M 2.31 Dokumentation der zugelassenen Benutzer und Rechteprofile). - Einspielen und Änderung von Anwendungssoftware Die Protokolle repräsentieren das Ergebnis der Programm- und Verfahrensfreigaben. _____________________________________________________________________ .......................................... 229 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.110 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Änderungen an der Dateiorganisation Im Hinblick auf die vielfältigen Manipulationsmöglichkeiten, die sich bereits bei Benutzung der "Standard-Dateiverwaltungssysteme" ergeben, kommt einer vollständigen Protokollierung eine besondere Bedeutung zu (vgl. z. B. Datenbankmanagement). - Durchführung von Datensicherungsmaßnahmen Da derartige Maßnahmen (Backup, Restore) mit der Anfertigung von Kopien bzw. dem Überschreiben von Datenbeständen verbunden sind und häufig in "Ausnahmesituationen" durchgeführt werden, besteht eine erhöhte Notwendigkeit zur Protokollierung. - Sonstiger Aufruf von Administrations-Tools Die Benutzung aller Administrations-Tools ist zu protokollieren, um feststellen zu können, ob Unbefugte sich Systemadministrator-Rechte erschlichen haben. - Versuche unbefugten Einloggens und Überschreitung von Befugnissen Geht man von einer wirksamen Authentisierungsprozedur und sachgerechten Befugniszuweisungen aus, kommt der vollständigen Protokollierung aller "auffälligen Abnormalitäten" beim Einloggen und der Benutzung von Hard- und Software-Komponenten eine zentrale Bedeutung zu. Benutzer in diesem Sinne ist auch der Systemadministrator. Bei der Verarbeitung von personenbezogenen Daten sind folgende Benutzeraktivitäten in Abhängigkeit von der Sensibilität der Verfahren bzw. Daten vollständig bzw. selektiv zu protokollieren: - Eingabe von Daten Die sogenannte Eingabekontrolle erfolgt grundsätzlich verfahrensorientiert (z. B. Protokollierung in Akten, soweit vorhanden, Protokollierung direkt im Datenbestand, sofern keine Akten geführt werden). Auch wenn man davon ausgeht, daß Befugnisüberschreitungen anderweitig protokolliert werden, dürfte eine vollständige Protokollierung von Dateneingaben als Regelfall angesehen werden müssen. - Datenübermittlungen Nur soweit nicht gesetzlich eine vollständige Protokollierung vorgeschrieben ist, kann eine selektive Protokollierung als ausreichend angesehen werden. - Benutzung von automatisierten Abrufverfahren In der Regel dürfte eine vollständige Protokollierung der Abrufe und der Gründe der Abrufe (Vorgang, Aktenzeichen etc.) erforderlich sein, um unbefugte Kenntnisnahme im Rahmen der grundsätzlich eingeräumten Zugriffsrechte aufdecken zu können. - Löschung von Daten Die Durchführung der Löschung ist zu protokollieren. _____________________________________________________________________ .......................................... 230 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.110 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Aufruf von Programmen Dies kann erforderlich sein bei besonders "sensiblen" Programmen, die z. B. nur zu bestimmten Zeiten oder Anlässen benutzt werden dürfen. Deshalb ist in diesen Fällen eine vollständige Protokollierung angezeigt. Die Protokollierung dient auch der Entlastung der befugten Benutzer (Nachweis des ausschließlich befugten Aufrufs der Programme). Zweckbindung bei der Nutzung von Protokolldaten Protokolldaten unterliegen aufgrund der nahezu übereinstimmenden Regelungen im Datenschutzrecht des Bundes und der Länder einer besonderen engen Zweckbindung (z. B. § 14 Abs. 4 und § 31 BDSG, § 13 Abs. 5 HDSG). Sie dürfen nur zu den Zwecken genutzt werden, die Anlaß für ihre Speicherung waren. Dies sind in der Regel die in einem Sicherheitskonzept festgelegten allgemeinen Kontrollen, die in den meisten Datenschutzgesetzen geforderte "Überwachung der ordnungsgemäßen Anwendung der Datenverarbeitungsprogramme, mit denen personenbezogene Daten verarbeitet werden" (vgl. z. B. § 18 Abs. 2 BDSG, § 8 Abs. 3 LDSG-SH) und die Kontrollen durch interne oder externe Datenschutzbeauftragte. Nur in Ausnahmefällen lassen die bereichsspezifischen Regelungen die Nutzung dieser Daten für andere Zwecke, z. B. zur Strafverfolgung, zu. Aufbewahrungsdauer Soweit nicht bereichsspezifische Regelungen etwas anderes vorsehen, richtet sich die Aufbewahrungsdauer der Protokolle nach den allgemeinen Löschungsregeln der Datenschutzgesetze. Maßstab ist die "Erforderlichkeit zur Aufgabenerfüllung". Gibt es keinen zwingenden Grund für das weitere Vorhalten von Protokolldateien, besteht eine Löschungspflicht (vgl. z. B. § 20 Abs. 2 BDSG). Als Anhaltspunkte können dienen: - die Wahrscheinlichkeit, daß Unregelmäßigkeiten (noch) offenbar werden können und - die Möglichkeit, die Gründe von Unregelmäßigkeiten anhand der Protokolle und anderer Unterlagen aufdecken zu können. Erfahrungsgemäß sollte eine Frist von einem Jahr nicht überschritten werden. Soweit Protokolle zum Zwecke gezielter Kontrollen angefertigt werden, kommen kürzere Speicherungsfristen in Betracht. In der Regel reicht eine Aufbewahrung bis zur tatsächlichen Kontrolle aus. Auch hier sind die bereichsspezifischen Vorschriften zu beachten. Technische und organisatorische Rahmenbedingungen Die Effektivität der Protokollierung und ihre Auswertung im Rahmen von Kontrollen hängt im entscheidenden Maße von den technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen ab. In diesem Zusammenhang sollten folgende Aspekte Berücksichtigung finden: - Es sollte ein Revisionskonzept erstellt werden, das den Zweck der Protokolle und deren Kontrollen sowie Schutzmechanismen für die Rechte der Mitarbeiter und der sonstigen betroffenen Personen klar definiert. _____________________________________________________________________ .......................................... 231 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.110 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Die Zwangsläufigkeit und damit die Vollständigkeit der Protokolle muß ebenso gewährleistet werden wie die Manipulationssicherheit der Einträge in Protokolldateien. - Entsprechend der Zweckbindung der Datenbestände müssen wirksame Zugriffsbeschränkungen realisiert werden. - Die Protokolle müssen so gestaltet sein, daß eine effektive Überprüfung möglich ist. Dazu gehört auch eine IT-Unterstützung der Auswertung. - Die Auswertungsmöglichkeiten sollten vorab abgestimmt und festgelegt sein. - Kontrollen sollten so zeitnah durchgeführt werden, daß bei aufgedeckten Verstößen noch Schäden abgewendet sowie Konsequenzen gezogen werden können. Kontrollen müssen rechtzeitig vor dem Ablauf von Löschungsfristen von Protokolldateien stattfinden. - Kontrollen sollten nach dem 4-Augen-Prinzip erfolgen. - Es sollte vorab definiert werden, welche Konsequenzen sich aus Verstößen ergeben, die durch die Kontrolle von Protokollen aufgedeckt werden. - Die Mitarbeiter sollten darüber informiert sein, daß Kontrollen durchgeführt werden, ggf. auch unangekündigt. - Für Routinekontrollen sollten automatisierte Verfahren (z. B. watch dogs) verwendet werden. - Personal- bzw. Betriebsräte sollten bei der Erarbeitung des Revisionskonzeptes und bei der Festlegung der Auswertungsmöglichkeiten der Protokolle beteiligt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 232 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.111 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.111 Bereithalten von Handbüchern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Bei der Beschaffung von Informationstechnik, egal ob es sich um Hardware oder Software handelt, müssen die zugehörigen Handbücher und technischen Referenzen in ausreichender Anzahl mitbeschafft werden. Im Lieferumfang von IT-Produkten ist zunehmend keine weiterführende Dokumentation mehr enthalten, sondern es werden neben Online-Hilfen nur noch Installationshilfen und einführende Texte mitgeliefert. Dieser eingeschränkte Umfang an Dokumentationshilfen ist insbesondere bei auftretenden Fehlern unzureichend. Es ist daher darauf zu achten, daß die erforderlichen Handbücher, technische Referenzen und Fehlerkataloge zusätzlich beschafft werden. Hierbei muß nicht ausschließlich auf die vom Hersteller angebotene Literatur zurückgegriffen werden. Alle Handbücher zu einem IT-Produkt müssen jederzeit in der Anwendungsumgebung verfügbar sein. Beispielweise müssen die Handbücher zu einem Server-Betriebssystem bei diesem Server aufbewahrt werden, und nicht in einer evtl. geschlossenen Bibliothek. Bei der Notfallplanung ist der Zugriff auf diese Literatur einzuplanen (siehe M 6.3 Erstellung eines Notfall-Handbuches). Kontrollfragen: - Welche Handbücher gibt es zu den eingesetzten IT-Produkten? - Wo werden die Handbücher verwahrt? Sind sie jederzeit verfügbar? _____________________________________________________________________ .......................................... 233 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.112 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.112 Regelung des Akten- und Datenträgertransports zwischen häuslichem Arbeitsplatz und Institution Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Mitarbeiter Damit der Austausch von Akten und Datenträgern zwischen häuslichem Arbeitsplatz und Institution sicher vollzogen werden kann, ist eine Regelung über Art und Weise des Austauschs aufzustellen. Darin sollten zumindest folgende Punkte betrachtet bzw. geregelt werden: - welche Akten/Datenträger über welchen Transportweg (Postweg, Kurier, Paketdienst, ...) ausgetauscht werden dürfen (vgl. M 5.23 Auswahl einer geeigneten Versandart), - welche Schutzmaßnahmen sind beim Transport zu beachten. Beispiele dazu sind: - geschlossener Behälter, - Versandtasche, - Einschreiben, - Wertbrief, - Begleitschreiben und - Versiegelung. - welche Akten/Datenträger nur persönlich transportiert werden dürfen. Da Schriftstücke, Dokumente und Akten oftmals Unikate sind, muß bei der Auswahl eines geeigneten Aktenaustauschverfahrens beachtet werden, welchen Schaden der Verlust bedeuten würde. Hingegen kann beim Datenträgeraustausch vorab eine Datensicherung erfolgen. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind betroffene Mitarbeiter darüber informiert, wie Akten- und Datenträger zu transportieren sind? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 234
M 2.113 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.113 Regelungen für Telearbeit Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, Personal Leiter Verantwortlich für Umsetzung: Personalabteilung, Vorgesetzte Da es bisher kein "Telearbeitsgesetz" mit eigenständigen gesetzlichen Regelungen gibt, sollten einige Punkte entweder durch Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder zusätzlich zum Arbeitsvertrag getroffene individuelle Vereinbarungen zwischen Telearbeiter und Arbeitgeber geklärt werden. Darin sollten unter anderem die Punkte "Freiwilligkeit der Teilnahme an der Telearbeit", "Mehrarbeit und Zuschläge", "Aufwendungen für Fahrten zwischen Betrieb und häuslicher Wohnung", "Aufwendungen z. B. für Strom und Heizung", "Haftung (bei Diebstahl oder Beschädigung der IT, aber auch bei Arbeitsunfall oder Berufskrankheit)" und "Beendigung der Telearbeit" geklärt bzw. geregelt werden. Im Sinne der IT-Sicherheit sollten zusätzlich folgende Punkte behandelt werden: - Arbeitszeitregelung: die Verteilung der Arbeitszeiten auf Tätigkeiten in der Institution und am häuslichen Arbeitsplatz muß geregelt sein und feste Zeiten der Erreichbarkeit am häuslichen Arbeitsplatz müssen festgelegt werden. - Reaktionszeiten: es sollte geregelt werden, in welchen Abständen aktuelle Informationen eingeholt werden (z. B. wie häufig E-Mails gelesen werden) und wie schnell darauf reagiert werden sollte. - Arbeitsmittel: es kann festgeschrieben werden, welche Arbeitsmittel der Telearbeiter einsetzen kann und welche nicht genutzt werden dürfen (z. B. nicht freigegebene Software). So kann ein E-Mail-Anschluß zur Verfügung gestellt werden, aber die Nutzung von anderen Internet-Diensten wird untersagt. Weiterhin kann die Benutzung von Disketten (Gefahr von Computer-Viren) untersagt werden, wenn der Telearbeitsrechner dies nicht erfordert. - Datensicherung: der Telearbeiter ist zu verpflichten, regelmäßig eine Datensicherung durchzuführen. Darüber hinaus sollte vereinbart werden, daß jeweils eine Generation der Datensicherung bei der Institution zur Unterstützung der Verfügbarkeit hinterlegt wird. - IT-Sicherheitsmaßnahmen: der Telearbeiter ist zu verpflichten, die für die Telearbeit notwendigen IT-Sicherheitsmaßnahmen zu beachten und zu realisieren. Die umzusetzenden IT-Sicherheitsmaßnahmen sind dem Telearbeiter in schriftlicher Form zu übergeben. - Datenschutz: der Telearbeiter ist auf die Einhaltung einschlägiger Datenschutzvorschriften zu verpflichten sowie auf die notwendigen Maßnahmen bei der Bearbeitung von personenbezogenen Daten am häuslichen Arbeitsplatz hinzuweisen. _____________________________________________________________________ .......................................... 235 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.113 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Datenkommunikation: es muß festgelegt werden, welche Daten auf welchem Weg übertragen bzw. welche Daten nicht oder nur verschlüsselt elektronisch übermittelt werden dürfen. - Aktentransport: die Art und Absicherung des Aktentransports zwischen häuslichem Arbeitsplatz und Institution ist zu regeln. - Meldeweg: der Telearbeiter ist zu verpflichten, IT-sicherheitsrelevante Vorkommnisse unverzüglich an eine zu bestimmende Stelle in der Institution zu melden. - Zutrittsrecht zum häuslichen Arbeitsplatz: für die Durchführung von Kontrollen und für die Verfügbarkeit von Akten und Daten im Vertretungsfall kann ein Zutrittsrecht zum häuslichen Arbeitsplatz (ggf. mit vorheriger Anmeldung) vereinbart werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist dem Telearbeiter der vereinbarte Rahmen seiner Tätigkeit bekannt? - Wird dem Telearbeiter ein Informationsblatt darüber ausgehändigt? - Wird dem Telearbeiter ein Merkblatt ausgehändigt, in dem die von ihm zu beachtenden IT-Sicherheitsmaßnahmen erläutert werden? Wann wurde das Merkblatt zuletzt aktualisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 236 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.114 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.114 Informationsfluß zwischen Telearbeiter und Institution Verantwortlich für Initiierung: Vorgesetzte, Telearbeiter Verantwortlich für Umsetzung: Vorgesetzte, Telearbeiter Damit der Telearbeiter nicht vom betrieblichen Geschehen abgeschnitten wird, sollte der Vorgesetzte einen regelmäßigen Informationsaustausch zwischen dem Telearbeiter und den Arbeitskollegen ermöglichen. Dies ist wichtig, damit der Telearbeiter auch zukünftig über Planungen und Zielsetzungen in seinem Arbeitsbereich informiert ist, damit Frustrationen vermieden und ein positives Telearbeitsklima geschaffen wird und erhalten bleibt. Die Beteiligung der Telearbeiter an Umlaufverfahren für Hausmitteilungen, einschlägige Informationen und Zeitschriften ist zu regeln. Dies stellt dann ein Problem dar, wenn der Telearbeiter ausschließlich zu Hause arbeitet. Eine Lösung wäre eventuell das Einscannen wichtiger Schriftstücke, um sie dann dem Telearbeiter per E-Mail zuzustellen. Zusätzlich ist der Telearbeiter über Änderungen von IT-Sicherheitsmaßnahmen zu unterrichten. Weiterhin müssen die Arbeitskollegen über die Anwesenheits- und Erreichbarkeitszeiten und die E-Mail-Adresse bzw. Telefonnummer des Telearbeiters in Kenntnis gesetzt werden. Folgende Punkte müssen darüber hinaus bei der Telearbeit geklärt werden: - Wer ist Ansprechpartner bei technischen und/oder organisatorischen bei Problemen in der Telearbeit? - Wem müssen Sicherheitsvorkommnisse mitgeteilt werden? - Wie erfolgt die Aufgabenzuteilung? - Wie erfolgt die Übergabe der Arbeitsergebnisse? Treten technisch-organisatorische Probleme auf, müssen diese vom Telearbeiter unverzüglich der Institution gemeldet werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie erfährt der Telearbeiter dienstliche Informationen? - Wem meldet ein Telearbeiter Sicherheitsvorkommnisse? - Gibt es einen Ansprechpartner (unabhängig vom Vorgesetzten) für die Telearbeiter? _____________________________________________________________________ .......................................... 237 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.115 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.115 Betreuungs- und Wartungskonzept für Telearbeitsplätze Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Administrator, Telearbeiter Für die Telearbeitsplätze muß ein spezielles Betreuungs- und Wartungskonzept erstellt werden, das folgende Punkte vorsieht: - Benennen von probelembezogenen Ansprechpartnern für den Benutzerservice: an diese Stelle wendet sich der Telearbeiter bei Software- und Hardwareproblemen. Der Benutzerservice versucht (auch telefonisch) kurzfristig Hilfestellung zu leisten bzw. leitet Wartungs- und Reparaturarbeiten ein. - Wartungstermine: die Termine für vor Ort durchzuführende Wartungsarbeiten sollten frühzeitig bekanntgegeben werden, damit die Telearbeiter zu diesen Zeiten den Zutritt zum häuslichen Arbeitsplatz gewährleisten können. - Einführung von Standard-Telearbeitsrechnern: es sollten alle Telearbeiter einer Institution einen definierten Standard-Telearbeitsrechner haben, damit Problemlösungen für den Benutzerservice erleichtert werden. Dies erleichtert ebenso den konzeptionellen und administrativen Aufwand für den Aufbau eines sicheren Telearbeitsrechners. - Fernwartung: falls der Telearbeitsrechner über Fernwartung administriert und gewartet werden kann, sind die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen sowie die erforderlichen online-Zeiten zu vereinbaren. Insbesondere ist ein Sicherungsverfahren festzulegen, um den Mißbrauch eines Fernwartungszugangs zu verhindern (vgl. M 5.33 Absicherung der per Modem durchgeführten Fernwartung). - Transport der IT: es sollte aus Gründen der Haftung festgelegt werden, wer autorisiert ist, die IT zwischen Institution und häuslichen Arbeitsplatz des Telearbeiters zu transportieren. Weitere Regelungen können der Maßnahme M 2.4 Regelungen für Wartungsund Reparaturarbeiten entnommen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind dem Telearbeiter die Ansprechpartner für Hard- und Softwareprobleme bekannt? - Ist dem Benutzer-Service die Konfiguration eines Standard-Telearbeitsrechner bekannt? - Ist dem Benutzer-Service die Adresse des Telearbeiters bekannt, damit er schnell vor Ort helfen kann? _____________________________________________________________________ .......................................... 238 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.116 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.116 Geregelte Nutzung der Kommunikationsmöglichkeiten Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Telearbeiter Grundsätzlich verfügt ein Telearbeitsrechner über elektronische Kommunikationsmöglichkeiten. Im Sinne der IT-Sicherheit muß geregelt werden, auf welche Weise die vorhandenen Kommunikationsmöglichkeiten genutzt werden dürfen. Grundsätzlich sollte die private Nutzung der Kommunikationsmöglichkeiten untersagt werden. Zu klären sind zumindest folgende Punkte: - Datenflußkontrolle - Welche Dienste dürfen zur Datenübertragung genutzt werden? - Welche Dienste dürfen explizit nicht genutzt werden? - Welche Informationen dürfen an wen versendet werden? - Welcher Schriftverkehr darf über E-Mail abgewickelt werden? - Falls der Telearbeitsrechner ein Fax-Modem besitzt oder wenn am Telearbeitsplatz ein Faxgerät vorhanden ist, so ist zu klären, welche Informationen per Fax an wen übermittelt werden dürfen. - Der elektronische Versand welcher Informationen bedarf der vorherigen Zustimmung der Institution? - Informationsgewinnung - Welche elektronischen Dienstleistungen (Datenbankabfragen, elektronische Recherchen) dürfen vom Telearbeitsrechner aus in Anspruch genommen werden? Beispielsweise können aus der Art der Abfragen u. U. Rückschlüsse auf Unternehmensstrategien gezogen werden. - Welches Budget steht für elektronische Dienstleistungen zur Verfügung? - IT-Sicherheitsmaßnahmen - Für welche Daten sollen welche Verschlüsselungsverfahren eingesetzt werden? - Für welche Daten ist eine Löschung nach erfolgreicher Übertragung notwendig? Dies kann beispielsweise für personenbezogene Daten gelten. - Von welchen Daten soll trotz der erfolgreichen Übertragung eine Kopie der Daten auf dem Telearbeitsrechner verbleiben? - Wird vor Versand oder nach Erhalt von Daten ein Computer-VirenCheck der Daten durchgeführt? - Für welche Datenübertragung eine Protokollierung erfolgen soll? Falls eine automatische Protokollierung nicht möglich sein sollte, ist _____________________________________________________________________ .......................................... 239 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.116 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... festzulegen, ob und in welchem Umfang eine handschriftliche Protokollierung vorzusehen ist. - Internet-Nutzung - Wird die Nutzung von Internet-Dienst generell verboten? - Welche Art von Daten darf aus dem Internet geladen werden? Werden Daten von fremden Servern geladen, so besteht die Gefahr, daß Computer-Viren importiert werden. - Welche Optionen dürfen im Internet-Browser aktiviert werden? - Welche Sicherungsverfahren sollen im Internet-Browser aktiviert werden? - Ist die Zustimmung der Institution erforderlich, wenn der Telearbeiter sich am Informationsaustausch mittels News-Gruppen beteiligen will? Ggf. ist eine anonyme Nutzung erforderlich. - Unterschriftenregelung - Ist eine Unterschriftenregelung für die Kommunikation vorgesehen? - Werden gesetzkonforme digitale Signaturen eingesetzt? - Werden andere Authentisierungsverfahren für den Schriftverkehr genutzt? Ergänzende Kontrollfragen: - Ist der Telearbeiter über die Regelungen bzgl. der Nutzung der Kommunikationsmöglichkeiten informiert? - Bestätigt der Telearbeiter die Belehrung über die Nutzung der Kommunikationsmöglichkeiten durch eine Unterschrift? _____________________________________________________________________ .......................................... 240 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.117 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.117 Regelung der Zugriffsmöglichkeiten des Telearbeiters Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, IT-Leiter Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Vorgesetzte Erfordert die Telearbeit den Zugriff auf die IT der Institution (zum Beispiel auf einen Server), muß zuvor festgelegt werden, welche Objekte (Daten, IT) der Telearbeiter tatsächlich für die Erfüllung seiner Aufgaben benötigt. Entsprechend sind die notwendigen Rechte wie Lese- und Schreibrechte auf diese Objekte zuzuweisen. Auf Objekte, die der Telearbeiter für seine Aufgabenwahrnehmung nicht braucht, sollte er auch nicht zugreifen können. Dies gilt sowohl für den Zugriff auf Daten wie auf in der Institution verfügbare IT. Damit soll erreicht werden, daß der Schaden, der aufgrund eines HackerAngriffs auf den Kommunikationsrechner entstehen kann, minimiert wird. Für die Erteilung der Zugangs- und Zugriffsrechte siehe M 2.7 Vergabe von Zugangsberechtigungen und M 2.8 Vergabe von Zugriffsrechten. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist dem Administrator bekannt, auf welche Objekte der Telearbeiter zugreifen darf? - Welche Voraussetzungen müssen vor einer Vergabe oder Änderungen von Zugriffsrechten erfüllt sein? - Ist der Server so administriert, daß der Telearbeiter nur auf die erlaubten Objekte zugreifen kann? _____________________________________________________________________ .......................................... 241 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.118 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.118 Festlegung einer Sicherheitspolitik für E-MailNutzung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Bevor E-Mail-Systeme für die Nutzung freigeben werden, sollte festgelegt werden, für welchen Einsatzzweck E-Mail vorgesehen ist. Abhängig davon, wofür E-Mail eingesetzt werden soll, differieren auch die Ansprüche an Vertraulichkeit, Verfügbarkeit, Integrität und Verbindlichkeit der zu übertragenden Daten sowie des eingesetzten E-Mail-Programms. Es muß geklärt werden, ob über E-Mail ausschließlich unverbindliche oder informelle Informationen weitergegeben werden sollen oder ob einige oder sogar alle der bisher schriftlich bearbeiteten Geschäftsvorfälle nun per E-Mail durchgeführt werden sollen. Bei letzterem ist zu klären, wie Anmerkungen an Vorgängen wie Verfügungen, Abzeichnungen oder Schlußzeichnungen, die bisher handschriftlich angebracht wurden, elektronisch abgebildet werden sollen. Die Institution muß eine Sicherheitspolitik festlegen, in der folgende Punkte beschrieben sind: - wer einen E-Mail-Anschluß erhält, - die Regelungen, die von den Mail-Administratoren und den E-MailBenutzern zu beachten sind, - bis zu welchem Vertraulichkeits- bzw. Integritätsanspruch Informationen per E-Mail versandt werden dürfen, - welche Handbücher beschafft werden, - wie die Benutzer geschult werden und - wie jederzeit technische Hilfestellung für die Benutzer gewährleistet wird. Durch organisatorische Regelungen oder durch die technische Umsetzung sind dabei insbesondere die folgenden Punkte zum ordnungsgemäßen Dateitransfer zu gewährleisten: - Die E-Mail-Progamme der Benutzer müssen durch den Administrator so vorkonfiguriert sein, daß ohne weiteres Zutun der Benutzer maximale Sicherheit erreicht werden kann (siehe auch M 5.57 Sichere Konfiguration der Mail-Clients). - Die Übermittlung von Daten darf erst nach erfolgreicher Identifizierung und Authentisierung des Senders beim Übertragungssystem möglich sein. - Die Benutzer müssen vor erstmaliger Nutzung von E-Mail in die Handhabung der relevanten Applikationen eingewiesen werden. Die organisationsinternen Benutzerregelungen zu Dateiübermittlung muß ihnen bekannt sein. - Zur Beschreibung des Absenders werden bei E-Mails sogenannte Signatures (Absenderangaben) an das Ende der E-Mail angefügt. Der Inhalt einer Signature sollte dem eines Briefkopfs ähneln, also Name, Organisationsbezeichnung und Telefonnummer u. ä. enthalten. Eine Signature _____________________________________________________________________ .......................................... 242 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.118 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... sollte nicht zu umfangreich sein, da dies nur unnötig Übertragungszeit und Speicherplatz kostet. Die Behörde bzw. das Unternehmen sollte einen Standard für die einheitliche Gestaltung von Signatures festlegen. - Von den eingesetzten Sicherheitsmechanismen hängt es ab, bis zu welchem Vertraulichkeits- bzw. Integritätsanspruch Dateien per E-Mail versandt werden dürfen. Es sollte geregelt werden, ob und wann übertragene Dateien verschlüsselt bzw. digital signiert werden müssen (siehe auch M 4.34 Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen). Es ist zentral festzulegen, welche Applikationen für die Verschlüsselung bzw. den Einsatz von Digitalen Signaturen von den Benutzern zu verwenden sind. Diese müssen den Benutzern zur Verfügung gestellt werden, die wiederum in deren Anwendung unterwiesen werden müssen. - Es sollte vor der Einführung elektronischer Kommunikationssysteme festgelegt werden, unter welchen Bedingungen ein- oder ausgehende E-Mails zusätzlich ausgedruckt werden müssen. - Die Dateiübertragung kann (optional) dokumentiert werden. Für jede stattgefundene Übermittlung ist dann in einem Protokoll festzuhalten, wer wann welche Informationen erhalten hat. Bei der Übertragung personenbezogener Daten sind die gesetzlichen Vorgaben zur Protokollierung zu beachten. E-Mails, die intern versandt werden, dürfen das interne Netz nicht verlassen. Dies ist durch die entsprechenden administrativen Maßnahmen sicherzustellen. Beispielsweise sollte die Übertragung von E-Mails zwischen verschiedenen Liegenschaften einer Organisation über eigene Standleitungen und nicht über das Internet erfolgen. Grundsätzlich sollten Nachrichten, die an interne Adressen verschickt wurden, nicht an externe Adressen weitergeleitet werden. Sollen hiervon Ausnahmen gemacht werden, sind alle Mitarbeiter darüber zu informieren. Beispielsweise kann für Außendienstmitarbeiter oder andere Mitarbeiter, die viel unterwegs sind, die E-Mails an externe Zugriffspunkte weitergeleitet werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Existiert eine Sicherheitspolitik für die E-Mail-Nutzung? - An wen können sich die Benutzer bei Fragen zur E-Mail-Nutzung wenden? _____________________________________________________________________ .......................................... 243 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.119 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.119 Regelung für den Einsatz von E-Mail Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Sollen zwischen zwei oder mehreren Kommunikationspartnern Daten elektronisch ausgetauscht werden, so müssen diese zum ordnungsgemäßen Austausch folgende Punkte beachten: - Die Adressierung von E-Mail muß eindeutig erfolgen, um eine fehlerhafte Zustellung zu vermeiden. Innerhalb einer Organisation sollten Adressbücher und Verteilerlisten gepflegt werden, um die Korrektheit der gebräuchlichsten Adressen sicherzustellen. Durch den Versand von Testnachrichten an neue E-Mail-Adressen ist die korrekte Zustellung von Nachrichten zu prüfen. - Wenn eine E-Mail an mehrere Empfänger geschickt wird, sollten hierfür nicht der "CC"-Eintrag benutzt werden, da hierdurch jeder Empfänger die komplette Empfängerliste sehen kann. Stattdessen sollten Verteilerlisten oder die "BCC"-Option benutzt werden. BCC steht für Blind Carbon Copy; hier eingetragene weitere Empfänger werden den anderen Empfänger nicht angezeigt. - Für alle nach außen gehenden E-Mails ist eine Signature zu verwenden. - Die Betreffangabe (Subject) des Kommunikationssystems sollte immer ausgefüllt werden, z. B. entsprechend der Betreffangabe in einem Anschreiben. - Die Korrektheit der durchgeführten Datenübertragung sollte überprüft werden. Die Empfängerseite sollte den korrekten Empfang überprüfen und der Senderseite bestätigen. - Verwendung residenter Virenscanner für ein- bzw. ausgehende Dateien. Vor dem Absenden bzw. vor der Dateiübermittlung sind die ausgehenden Dateien explizit auf Computer-Viren zu überprüfen. - Erfolgt über die E-Mail noch eine Dateiübertragung, so sollten die folgenden Informationen an den Empfänger zusätzlich übermittelt werden: - Art der Datei (z. B. Word Perfect 5.0), - Kurzbeschreibung für den Inhalt der Datei, - Hinweis, daß Dateien auf Computer-Viren überprüft sind, - ggf. Art des verwendeten Packprogramms (z. B. PKZIP) - ggf. Art der eingesetzten Software für Verschlüsselung bzw. Digitale Signatur. Jedoch sollte nicht vermerkt werden, - welches Paßwort für die eventuell geschützten Informationen vergeben wurde, - welche Schlüssel ggf. für eine Verschlüsselung der Informationen verwendet wurde. _____________________________________________________________________ .......................................... 244 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.119 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bei den meisten E-Mail-Systemen werden die Informationen unverschlüsselt über offene Leitungen transportiert und können auf diversen Zwischenrechnern gespeichert werden, bis sie schließlich ihren Empfänger erreichen. Auf diesem Weg können Informationen leicht manipuliert werden. Aber auch der Versender einer E-Mail hat meistens die Möglichkeit, seine Absenderadresse (From) beliebig einzutragen, so daß man sich nur nach Rückfrage oder bei Benutzung von Digitalen Signaturen der Authentizität des Absenders sicher sein kann. In Zweifelsfällen sollte daher die Echtheit des Absenders durch Rückfrage oder - besser noch - durch den Einsatz von Verschlüsselung und/oder Digitalen Signaturen überprüft werden. Grundsätzlich gilt, daß man sich nicht auf die Echtheit der Absenderangabe verlassen kann. Beim Anschluß an E-Mail-Systeme ist mehrfach täglich zu überprüfen, ob neue E-Mails eingegangen sind. Bei längerer Abwesenheit sollte eine Vertretungsregelung getroffen werden, beispielsweise können eingehende E-Mails an einen Vertreter weitergeleitet werden. Da in vielen Fällen nicht vorhergesagt werden kann, welchen Mail-Client ein Mail-Empfänger benutzt und welche Software und Betriebssysteme auf dem Transportweg eingesetzt werden, müssen die Benutzer darüber informiert sein, daß sie sowohl für den Nachrichtentext (Mailbody) als auch für Attachments eine 7-Bit-ASCII-Darstellung verwenden sollten. Für den Nachrichtentext sollte daher auf nationale Sonderzeichen wie Umlaute und "ß" verzichtet werden. Attachments sollten im Zweifelsfall in 7-Bit-ASCII-Darstellung umgewandelt werden, z. B. mit uuencode. Alle Regelungen und Bedienungshinweise zum Einsatz von E-Mail sind schriftlich zu fixieren und sollten den Mitarbeitern jederzeit zur Verfügung stehen. Ein entsprechendes Muster ist der dem IT-Grundschutzhandbuch beiliegenden CD-ROM zu entnehmen. Die Benutzer müssen vor dem Einsatz von Kommunikationsdiensten wie E-Mail geschult werden, um Fehlbedienungen zu vermeiden und die Einhaltung der organisationsinternen Richtlinien zu gewährleisten. Insbesondere müssen sie hinsichtlich möglicher Gefährdungen und einzuhaltender Sicherheitsmaßnahmen beim Versenden bzw. Empfangen von E-Mail sensibilisiert werden. Zur Vermeidung von Überlastung durch E-Mail sind die Mitarbeiter über potentielles Fehlverhalten zu belehren. Sie sollten dabei ebenso vor der Teilnahme an E-Mail-Kettenbriefen wie vor der Abonnierung umfangreicher Mailinglisten gewarnt werden. Benutzer müssen darüber informiert werden, daß Dateien, deren Inhalt Anstoß erregen könnte, weder verschickt noch auf Informationsservern eingestellt werden noch nachgefragt werden sollten. Außerdem sollten Benutzer darauf verpflichtet werden, daß bei der Nutzung von Kommunikationsdiensten - die fahrlässige oder gar vorsätzliche Unterbrechung des laufenden Betriebes unter allen Umständen vermieden werden muß. Zu unterlassen sind insbesondere Versuche, ohne Autorisierung Zugang zu Netzdiensten - welcher Art auch immer - zu erhalten, Informationen, die über die Netze verfügbar sind, zu verändern, in die individuelle Arbeitsumgebung eines _____________________________________________________________________ .......................................... 245 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.119 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Netznutzers einzugreifen oder unabsichtlich erhaltene Angaben über Rechner und Personen weiterzugeben. - die Verbreitung von für die Allgemeinheit irrelevanten Informationen unterlassen werden muß. Die Belastung der Netze durch ungezielte und übermäßige Verbreitung von Informationen sollte vermieden werden. - die Verbreitung von redundanten Informationen vermieden werden sollte. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind Regelungen für die Dateiübertragung bzw. den Nachrichtenaustausch mit Externen festgelegt worden? _____________________________________________________________________ .......................................... 246 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.120 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.120 Einrichtung einer Poststelle Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Zum reibungslosen Ablauf des E-Mail-Dienstes muß ein Postmaster benannt werden, der folgende Aufgaben wahrnimmt: - Bereitstellen der Maildienste auf lokaler Ebene, - Pflege der Adreßtabellen, - Überprüfung, ob die externen Kommunikationsverbindungen funktionieren, - Anlaufstelle bei Mailproblemen für Endbenutzer sowie für die Betreiber von Gateway- und Relaydiensten. Alle unzustellbaren E-Mails und alle Fehlermeldungen müssen an den Postmaster weitergeleitet werden, der versuchen sollte die Fehlerquellen zu beheben. E-Mail, die unzustellbar bleibt, muß nach Ablauf einer vordefinierten Frist an den Absender mit einer entsprechenden Fehlermeldung zurückgeschickt werden. Daneben müssen je nach Organisationsstruktur und -größe ein oder mehrere Verantwortliche für die Pflege der angebotenen Kommunikationsdienste benannt werden. Neben dem Serverbetrieb wie Mail-, News- oder FTP-Server müssen auch die von den Benutzer eingesetzten Kommunikationsclients betreut werden. Alle Betreuer bzw. deren Vertreter sollten jederzeit von den Benutzern telefonisch erreicht werden könnten. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer ist der verantwortliche Postmaster? - Wo laufen fehlerhaft adressierte E-Mails auf? _____________________________________________________________________ .......................................... 247 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.121 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.121 Regelmäßiges Löschen von E-Mails Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer E-Mails sollten nicht unnötig lange im Posteingang gespeichert werden. Sie sollten entweder nach dem Lesen gelöscht werden oder in Benutzerverzeichnissen gespeichert werden, wenn sie erhalten bleiben sollen. Wenn im Posteingang zu viele E-Mails archiviert werden, kann es passieren, daß das ITSystem, das diesen verwaltet (der Mail-Server bzw. Mail-Client), aus Speicherplatzmangel neu ankommende E-Mails abweist. Benutzer müssen andererseits darüber informiert sein, daß eine E-Mail, die sie selber über ihre Mailanwendung gelöscht haben, dadurch meistens nicht unwiederbringlich gelöscht ist. Viele Mailprogramme löschen E-Mails nicht sofort, sondern transferieren sie in spezielle Ordner. Benutzer müssen darauf hingewiesen werden, wie sie E-Mails auf ihren Clients vollständig löschen können. Daneben können E-Mails nach dem Löschen auf den Clients trotzdem noch auf Mail-Servern vorhanden sein. Viele Internetprovider und Administratoren archivieren die ein- und ausgehenden E-Mails. Viele Mailanwendungen löschen E-Mails nicht, sondern verschieben sie in einen "Papierkorb"-Bereich, der dann ebenfalls gelöscht werden muß. Die Benutzer müssen wissen, daß die Vertraulichkeit einer E-Mail nur durch Verschlüsselung gewährleistet werden kann, und daß sie sich nicht auf "schnelles Löschen" nach dem Empfang verlassen können. Ergänzende Kontrollfragen: - Wissen Benutzer, wie sie ihre E-Mail löschen können? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 248
M 2.122 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.122 Einheitliche E-Mail-Adressen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer E-Mail-Adressen sollten aufgrund von klaren Regelungen vergeben werden. Dabei ist es sinnvoll, Namenskonventionen für die personenbezogenen E-Mail-Adressen festzulegen, die an die Benutzernamen auf den verwendeten IT-Systeme angelehnt sind (z. B. E-Mail-Adresse = die ersten 8 Zeichen des Nachnamens). Die Benutzernamen auf IT-Systemen, die von außerhalb des geschützten Netzes erreicht werden können, sollten nicht aus den E-MailAdressen unmittelbar ableitbar sein, um mögliche Angriffe auf BenutzerAccounts zu erschweren. Wichtig ist, daß die Adressen nicht häufig geändert werden und daß sie weder zu lang noch zu kompliziert aufgebaut sind. Insbesondere ist darauf zu achten, daß keine Nicht-ASCII-Zeichen wie Umlaute innerhalb von E-Mail-Adressen verwendet werden. Um Angriffe zu erschweren, Werbe-E-Mail zu vermeiden bzw. um möglichst wenig Information nach außen weiterzugeben, kann es sinnvoll sein, statt benutzer- und organisationsbezogenen E-Mail-Adressen wie nachname@organisation.de schwer erratbare E-Mail-Adressen zu verwenden. Dies macht aber auch die Adreßweitergabe unbequemer und kann die Kommunikation mit Externen erschweren. Wenn E-Mail-Adressen geändert werden oder wegfallen, ist darauf zu achten, daß zumindest für eine Übergangszeit E-Mail, die noch an diese Adressen gerichtet ist, an die jetzt aktuellen Adressen weitergeleitet wird. Neben personenbezogenen E-Mail-Adressen können auch organisations- bzw. funktionsbezogene E-Mail-Adressen eingerichtet werden, um unabhängig von Personen die Zustellung zur richtigen Organisationseinheit zu garantieren. Dies ist insbesondere bei zentralen Anlaufstellen wichtig. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie ist die Vergabe von E-Mail-Adressen geregelt? _____________________________________________________________________ .......................................... 249 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.123 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.123 Auswahl eines Mailproviders Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Vor der Auswahl eines Mailproviders sollten sich die Verantwortlichen über die beim Provider geltenden Regelungen informieren, beispielsweise ob er Obergrenzen für den Umfang von E-Mails beim Empfang oder Versand gesetzt hat, ob E-Mails gefiltert werden, und wenn ja, nach welchen Regeln. Man sollte sich vom Mailprovider dokumentieren lassen, daß deren MailServer sicher betrieben wird, also die in M 5.56 Sicherer Betrieb eines MailServers beschriebenen Anforderungen erfüllt sind. Beim Mailprovider sind Daten über die Benutzer für Abrechnungszwecke gespeichert (Name, Adresse, Benutzer-Kennung, Bankverbindung) ebenso wie Verbindungsdaten und für eine je nach Provider kürzere oder längere Zeitspanne auch die übertragenen Inhalte. Die Anwender sollten sich bei ihrem Mailprovider erkundigen, welche Daten wie lange über sie gespeichert werden. Bei der Auswahl von Providern sollte berücksichtigt werden, daß deutsche Betreiber den einschlägigen datenschutzrechtlichen Regelungen für die Verarbeitung dieser Daten unterliegen. Die Benutzer können durch den Einsatz von Verschlüsselung verhindern, daß der Provider die Inhalte der übertragenen Informationen mitlesen kann. Große Provider mit großem eigenem Netz haben den Vorteil, daß E-Mail, die nur innerhalb dieses Netzes ausgetauscht wird, sicherer vor Manipulationen ist als bei Weiterleitung über das Internet. Bei Providern, die ihren Hauptsitz im Ausland haben, wird häufig auch alle E-Mail über dieses Land geroutet. Beispielsweise werden bei AOL und Compuserve alle E-Mails über die USA weitergeleitet. Dieser Punkt sollte berücksichtigt werden, wenn man sich Gedanken darüber macht, über wie viele Gateways die E-Mail weiterverteilt wird, also wer sie beispielsweise mitlesen kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Nach welchen Kriterien ist der Mailprovider ausgewählt worden? - Welche Sicherheitsmechanismen werden beim Mailprovider umgesetzt? - Nach welchen Kriterien werden die E-Mails beim Mailprovider gefiltert? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 250
M 2.124 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.124 Geeignete Auswahl einer Datenbank-Software Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Bei der Beschaffung neuer Datenbank-Software besteht die Möglichkeit, diese von vornherein so auszuwählen, daß im späteren Betrieb mit nur geringem personellen und organisatorischen Zusatzaufwand ein hohes Maß an Sicherheit erreicht werden kann. Zu Beginn muß der Einsatzbereich und Verwendungszweck des Datenbanksystems geklärt werden, um die Anforderungen bezüglich der Verfügbarkeit, der Integrität und der Vertraulichkeit formulieren zu können. Weiterhin sind die Anforderungen hinsichtlich der zu verarbeitenden Datenmengen, der Verarbeitungsgeschwindigkeit und des Durchsatzes zu quantifizieren. Daraus leiten sich die zu erfüllenden Eigenschaften für die zu beschaffende Datenbank-Software ab, wie z. B. Verfügbarkeit für bestimmte Hardware-Plattformen bzw. Betriebssysteme oder Umfang von notwendigen Sicherheitsmechanismen. In diesem Planungsstadium kann bereits erkannt werden, ob und in welchem Maße für den späteren Betrieb des Datenbanksystems Hardware nach- bzw. umgerüstet werden muß. Anhand der Verfügbarkeitsanforderungen sind auch die benötigten Überwachungsmöglichkeiten zu definieren, d. h. es muß festgelegt werden, welche Datenbankzustände in welcher Form erkennbar sein sollen (z. B. durch eine Protokollierung in einer Datei), sowie die Art der Benachrichtigung verantwortlicher Personen bzw. Personengruppen über kritische Zustände der Datenbank (z. B. durch eine Meldung an der Konsole). Für die Beschaffung einer Datenbank-Software sollten insbesondere die folgenden Punkte berücksichtigt werden: - Die Datenbank-Software muß über eigene geeignete Mechanismen zur Identifikation und Authentisierung der Benutzer verfügen (siehe M 2.128 Zugangskontrolle einer Datenbank). - Die Datenbank-Software muß über geeignete Mechanismen zur Ressourcenbeschränkung verfügen (siehe M 4.73 Festlegung von Obergrenzen). - Falls in der Datenbank vertrauliche Daten verwaltet werden sollen, so muß einem unberechtigten Zugriff vorgebeugt werden können. Die zu beschaffende Datenbank-Software muß in diesem Fall entsprechende Zugriffskontrollmechanismen zur Verfügung stellen (siehe M 2.129 Zugriffskontrolle einer Datenbank). Es sollte auch die Zusammenfassung mehrerer Benutzer mit gleichen Zugriffsrechten zu Gruppen möglich sein. Eine Unterscheidung zwischen der Gruppe der Administratoren und der Gruppe der Benutzer ist dabei obligatorisch. Weiterhin sollte eine Trennung von verschiedenen Administrator-Rollen unterstützt werden (siehe M 2.131 Aufteilung von Administrationstätigkeiten bei Datenbanksystemen). - Es gibt Datenbanken mit unterschiedlich starken Zugriffsschutzmechanismen. Ähnliche Sicherheitsmechanismen können dabei auch in unterschiedlicher Granularität angeboten werden. Im Vorfeld ist zu klären, welcher _____________________________________________________________________ .......................................... 251 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.124 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Zugriffsschutz erforderlich ist und welche Datenbank-Software den definierten Sicherheitsanforderungen entspricht. Maßgeblich hierfür sind die Möglichkeiten, Zugriffsrechte auf Datenbankobjekte und die Daten selbst einzuschränken. Beispiele: - Den Anwendern kann das Recht entzogen werden, Datenbankobjekte (z. B. Tabellen) anzulegen oder zu modifizieren. - Die Anwender können zwar eine lesende Zugriffsberechtigung auf eine Tabelle erhalten, gleichzeitig können aber modifizierende Zugriffsrechte ausgeschlossen werden. - Für bestimmte Tabellen oder bestimmte Felder einer Tabelle kann der Zugriff je nach Anwender verboten werden. - Anwender erhalten keinerlei Zugriffsberechtigungen auf Datensätze mit bestimmten Merkmalen (z. B. ein Sachbearbeiter aus Bonn hat keinen Zugriff auf die Daten eines Sachbearbeiters aus Köln). - Einige Hersteller bieten sowohl die Möglichkeit der Definition von Gruppen als auch die von Rollen an. Dadurch kann eine differenziertere Zugriffskontrolle auf die Datenbankobjekte realisiert werden. Im Vorfeld sind die diesbezüglichen Anforderungen zu klären und mit den zur Auswahl stehenden Datenbank-Softwareprodukten abzugleichen. - Die Datenbank-Software muß ebenfalls hinsichtlich ihrer Überwachungsund Kontrollmechanismen überprüft werden. Die diesbezüglichen Anforderungen müssen definiert und mit den Leistungsprofilen der Produkte abgeglichen werden (Beispiele siehe M 2.133 Kontrolle der Protokolldateien eines Datenbanksystems bzw. M 2.126 Erstellung eines Datenbanksicherheitskonzeptes). - Es muß geprüft werden, ob die Datenbank-Software eine Rollentrennung zwischen Administrator und Revisor unterstützt. Es muß möglich sein, die Rolle eines Revisors einzurichten, der als einziger in der Lage ist, die Protokolldateien auszuwerten und zu löschen. Dies verhindert potentielle Manipulationen durch den Datenbank-Administrator. - Zum Schutz der Datenbankintegrität muß die Datenbank-Software über ein vollständiges Transaktionssystem verfügen, welches dem ACID-Prinzip genügt. Diese Anforderung wird heutzutage von allen wesentlichen relationalen DBMSen erfüllt. - Es müssen Mechanismen zur Datensicherung der Datenbank vorhanden sein (siehe M 6.49 Datensicherung einer Datenbank). Im Vorfeld muß in diesem Zusammenhang geklärt werden, welche Möglichkeiten hinsichtlich der Datensicherung die Datenbank-Software zur Verfügung stellen muß. So wird beispielsweise eine partielle Datenbanksicherung nicht für alle am Markt erhältlichen Produkte angeboten. Im konkreten Fall gilt es also zu prüfen, ob das erstellte Datensicherungskonzept mit den zur Verfügung stehenden Mechanismen auch umgesetzt werden kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 252 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.124 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Anhand dieser Kriterien müssen die zur Auswahl stehenden Datenbanksysteme geprüft und bewertet werden. Es ist dann diejenige Software auszuwählen, die die spezifischen Anforderungen am besten erfüllt. Weitergehende Anforderungen müssen entweder durch Zusatzprodukte oder durch Eigenentwicklung abgedeckt werden. Es sollte jedoch schon vor der Beschaffung abgeklärt werden, zu welcher Datenbank-Software welche Zusatzprodukte verfügbar sind, um nicht auf teure Eigenentwicklungen zurückgreifen zu müssen. Von den meisten Datenbankmanagementsystemen sind in der Regel mehrere unterschiedliche Versionen auf dem Markt erhältlich. Dabei unterscheiden sich auch die einzelnen Versionen desselben DBMS in ihrer Funktionalität, u. a. auch in sicherheitsrelevanten Bereichen. Der starke Wettbewerb führt dazu, daß einige Hersteller auch noch nicht vollausgereifte Software ausliefern, bei der dann mit Fehlern und eingeschränkter Funktionalität gerechnet werden muß. In einer Testphase sollte deshalb überprüft werden, ob die ausgewählte Datenbank-Software die erforderlichen Funktionen in der vorgegebenen Einsatzumgebung auch erfüllt. Dies gilt insbesondere für die Anforderungen an die Performance und die benötigten Mechanismen zur Notfallvorsorge. Vor der Beschaffung sollten auch Erfahrungen aus vergleichbaren Installationen herangezogen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden die Anforderungen an die Datenbank-Software formuliert und dokumentiert? - Wurde eine Bewertung der relevanten Datenbanksysteme anhand dieser Anforderungen durchgeführt? _____________________________________________________________________ .......................................... 253 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.125 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.125 Installation und Konfiguration einer Datenbank Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Grundsätzlich muß zwischen der Erstinstallation einer Datenbank-Software und der Installation auf bestehenden Datenbanksystemen unterschieden werden. Da bei der erstmaligen Installation einer Datenbank-Software noch keine Benutzer auf die Datenbank zugreifen wollen und auch noch keine Altdaten vorhanden sind (es sei denn in anderen Datenbanksystemen), gestaltet sich dies relativ unproblematisch und stört den normalen IT-Betrieb kaum. Für Installationen auf bestehenden Systemen sollten dagegen die Arbeiten wenn möglich außerhalb der regulären Arbeitszeiten erfolgen, um Behinderungen des normalen IT-Betriebs weitestgehend zu minimieren. In jedem Fall sollten die Benutzer über bevorstehende Arbeiten informiert werden, um sie auf eventuell mögliche Störungen oder längere Antwortzeiten hinzuweisen. Die Installation und Konfiguration einer Datenbank gliedert sich in die folgenden Aktivitäten: 1. Installation der Datenbank-Software Vor der Installation der Datenbank-Software ist zu überprüfen, ob das ITSystem entsprechend der Planung vorbereitet wurde, z. B. genügend Speicherplatz zur Verfügung steht und die notwendigen Betriebssystemeinstellungen vorgenommen wurden. Bei der Installation der Datenbank-Software sind die Installationsanweisungen des Herstellers zu befolgen. Wenn möglich, sollten die vom Hersteller vorgeschlagenen Default-Einstellungen übernommen werden. Dies gilt vor allem für technische Parameter, die z. B. die Größe verschiedener interner Tabellen des DBMS steuern. Für Parameter, die sich auf sicherheitsrelevante Eigenschaften beziehen, muß u. U. von den vorgegebenen Werten abgewichen werden. Die Installation der Datenbank-Software ist geeignet zu dokumentieren. Dies gilt insbesondere für Abweichungen von den vom Hersteller vorgeschlagenen Default-Einstellungen, die ausführlich zu begründen sind. Sollen vom Hersteller angebotene optionale Funktionalitäten genutzt werden, so ist während der Installation darauf zu achten, daß sie auch entsprechend eingerichtet werden. Alle Tätigkeiten in diesem Schritt werden vom fachlich übergreifenden Administrator durchgeführt. 2. Erstellen der Datenbank Bereits bei der Erstellung der Datenbank sind Parameter anzugeben, die später während des Betriebs des Datenbanksystems nicht mehr geändert werden können. Die Bedeutung dieser Parameter und die geeignete Auswahl ihrer Werte werden in den Installationsunterlagen und Handbüchern des Herstellers ausführlich erläutert und sind dort entsprechend nachzulesen. _____________________________________________________________________ .......................................... 254 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.125 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Dem Installationshandbuch bzw. Administrationshandbuch sind außerdem Hinweise über eventuell erforderliche Nacharbeiten nach der Erstellung der Datenbank zu entnehmen. Auch dieser Vorgang ist im Rahmen einer Dokumentation festzuhalten. Alle Tätigkeiten in diesem Schritt werden vom fachlich übergreifenden Administrator durchgeführt, wobei ihm die anwendungsspezifischen Administratoren beratend zur Seite stehen müssen (z. B. um die Größe der Datenbank festlegen zu können). 3. Konfiguration der Datenbank Im dritten Schritt ist das Benutzer- und Gruppenkonzept sowie das ggf. zum Einsatz kommende Rollenkonzept umzusetzen. Dazu erstellt der fachlich übergreifende Administrator die einzelnen Berechtigungsprofile und legt alle Gruppen sowie die administrativen Benutzerkennungen (für die anwendungsspezifischen Administratoren) an. Dabei sind die in M 2.132 Regelung für die Einrichtung von Datenbankbenutzern/-benutzergruppen festgelegten Regelungen anzuwenden und zu überprüfen. Hängen die entsprechenden Zugriffsberechtigungen von einzelnen Datenbankobjekten ab, können diese natürlich erst dann definiert werden, wenn die Datenbankobjekte auch existieren (siehe Schritt 4). Falls die Datenbank-Software eine Verteilung der Daten auf mehrere Dateien oder Festplatten unterstützt, sind zusätzliche Parametereinstellungen vorzunehmen, die das Anlegen dieser Dateien respektive der zugehörigen Speicherbereiche festlegen. Alle vorgenommenen Einstellungen sind detailliert zu dokumentieren (siehe M 2.25 Dokumentation der Systemkonfiguration). Alle Tätigkeiten in diesem Schritt werden vom fachlich übergreifenden Administrator durchgeführt. 4. Erstellen und Konfigurieren von Datenbankobjekten Gemäß des Datenbanksicherheitskonzeptes (siehe M 2.126 Erstellung eines Datenbanksicherheitskonzeptes) werden im letzten Schritt die Datenbankobjekte der einzelnen Anwendungen angelegt. Dieser Vorgang sollte wenn möglich durch den Einsatz von Skripten automatisiert und protokolliert werden. Nach Anlage der Datenbankobjekte sind die notwendigen Zugriffsberechtigungen für Rollen, Gruppen und Benutzer zu ergänzen. Ebenso können jetzt die konkreten Benutzer anhand der existierenden Berechtigungsprofile erstellt werden. Alle Tätigkeiten in diesem Schritt werden von den anwendungsspezifischen Administratoren durchgeführt. _____________________________________________________________________ .......................................... 255 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.125 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Benutzer über die bevorstehende Installation informiert? - Sind vor Erstellen der Datenbank alle erforderlichen Parameter und deren Werte bekannt, die während der Installation benötigt werden? - Sind alle Nacharbeiten bekannt, die nach der Erstellung der Datenbank durchgeführt werden müssen? - Wurde der Installationsvorgang, die Erstellung und Konfiguration der Datenbank sowie der Datenbankobjekte dokumentiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 256 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.126 Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.126 Erstellung eines Datenbanksicherheitskonzeptes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Da eine zentrale Datenhaltung über einen längeren Zeitraum hinweg einen zentralen und kritischen Aspekt des Informationsmanagements einer Behörde bzw. eines Unternehmens darstellt, kommt der Erstellung eines Datenbankkonzeptes eine besondere Bedeutung zu. Ein Datenbankkonzept beschäftigt sich mit den notwendigen Vorarbeiten zum eigentlichen Betrieb der Datenbank und sollte deshalb immer ein Datenbanksicherheitskonzept enthalten, welches auch den laufenden Betrieb untersucht. Werden die Daten nicht ausreichend geschützt, kann es zu einem Verlust der Vertraulichkeit, Verfügbarkeit oder der Integrität kommen. Um diesem vorzubeugen, ist es unumgänglich, ein schlüssiges Datenbanksicherheitskonzept zu erstellen. Um die Sicherheit einer Datenbank zu gewährleisten, muß ein geeignetes Datenbankmanagementsystem (DBMS) eingesetzt werden. Damit ein DBMS effektiven Schutz bieten kann, müssen folgende grundlegende Bedingungen erfüllt sein. Das DBMS muß - auf einer umfassenden Sicherheitspolitik aufsetzen, - im IT-Sicherheitskonzept der Organisation eingebettet sein, - korrekt installiert und - korrekt administriert werden. Direkte Zugriffe auf die Datenbank (z. B. über SQL-Interpreter wie SQL*Plus) dürfen nur für administrative Nutzer zugelassen werden, um Manipulationen an den Daten bzw. Datenbankobjekten (z. B. Tabellen und Indizes) zu verhindern. Datenbankobjekte dürfen ausschließlich über spezielle Kennungen kontrolliert modifiziert werden. Dementsprechend muß das DBMS über ein geeignetes Zugriffs- und Zugangskonzept verfügen (siehe M 2.129 Zugriffskontrolle einer Datenbank und M 2.128 Zugangskontrolle einer Datenbank). Benutzer-Kennungen, die nur über eine Anwendung Datenmodifikationen durchführen können, dürfen keinen direkten Zugang zur Datenbank erhalten, während Kennungen zur Verwaltung der Datenbankobjekte der kontrollierte direkte Zugriff erlaubt sein muß. Weiterhin müssen folgende wichtige Aspekte in einem Datenbanksicherheitskonzept geregelt werden: - Die physische Speicherung bzw. Spiegelung der Datenbankdateien (z. B. der DBMS-Software, der Datenbank an sich oder der Protokolldateien) sowie deren Verteilung ist festzulegen, um z. B. die Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit zu erhöhen. Aus Sicherheitsgründen sollten gespiegelte Kontrolldateien beispielsweise auf verschiedenen Festplatten abgelegt sein. Der Ausfall einer Platte bedeutet dann nicht gleichzeitig den Verlust aller Kontrolldateien. Falls die Datenbankobjekte einer Anwendung in eigenen Datendateien abgelegt werden, so sollte man bei der Verteilung der _____________________________________________________________________ .......................................... 257 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.126 Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Datendateien darauf achten, daß bei einem Ausfall einer Festplatte nicht alle Anwendungen betroffen sind. Beispiel: Eine Datenbank verwaltet die Daten zweier Anwendungen, mit jeweils einer Datendatei für die Tabellen und Indizes. Die Datendateien können beliebig auf vier Festplatten verteilt werden. Eine ungünstige Verteilung der Datendateien sieht folgendermaßen aus: Festplatte 1: Ablage der Datendateien für die Indizes beider Anwendungen Festplatte 2: Ablage der Datendateien für die Tabellen der ersten Anwendung Festplatte 3: Ablage der Datendateien für die Tabellen der zweiten Anwendung Festplatte 4: - Bei einem Ausfall der ersten Festplatte wären somit beide Anwendungen betroffen und könnten nicht mehr genutzt werden. Eine günstigere Verteilung der Datendateien erhält man dagegen so: Festplatte 1: Ablage der Datendateien für die Indizes der ersten Anwendung Festplatte 2: Ablage der Datendateien für die Tabellen der ersten Anwendung Festplatte 3: Ablage der Datendateien für die Indizes der zweiten Anwendung Festplatte 4: Ablage der Datendateien für die Tabellen der zweiten Anwendung Bei einem Ausfall einer beliebigen Festplatte wäre immer nur eine Anwendung betroffen. - Es muß eine regelmäßige Prüfung des tatsächlich anfallenden Datenvolumens bzw. des Zuwachses des Datenvolumens im späteren laufenden Betrieb durchgeführt werden, um den benötigten Speicherplatz auch für zukünftige Bedürfnisse geeignet dimensionieren zu können. - Geeignete Mechanismen zur Datensicherung müssen angewendet werden (siehe M 6.49 Datensicherung einer Datenbank). - Der Einsatz von Überwachungs- und Kontrollmechanismen ist festzulegen, d. h. ob und in welchem Umfang Datenbankaktivitäten protokolliert werden sollen. Hier stellt sich u. a. die Frage, ob beispielsweise nur der Zeitpunkt einer Datenmodifikation festgehalten wird, oder ob auch die Modifikation selbst protokolliert werden soll (siehe M 2.133 Kontrolle der Protokolldateien eines Datenbanksystems). Für die Konzeption und den Betrieb eines Datenbanksystems muß geeignetes Personal zur Verfügung stehen. Der zeitliche Aufwand für den Betrieb eines _____________________________________________________________________ .......................................... 258 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.126 Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Datenbanksystems darf nicht unterschätzt werden. Alleine die Auswertung der angefallenen Protokolldaten nimmt erfahrungsgemäß viel Zeit in Anspruch. Ein Datenbank-Administrator muß fundierte Kenntnisse über die eingesetzte DBMS-Software besitzen und auch entsprechend geschult werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden die Sicherheitsziele für den Einsatz eines Datenbanksystems formuliert und dokumentiert? - Ist ein direkter Zugriff auf die Datenbanken über eine interaktive Abfragesprache ausgeschlossen? _____________________________________________________________________ .......................................... 259 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.127 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.127 Inferenzprävention Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Zum Schutz personenbezogener und anderer vertraulicher Daten eines Datenbanksystems ist grundsätzlich jedem Benutzer nur der Zugriff auf diejenigen Daten zu gestatten, die für seine Tätigkeiten notwendig sind. Alle anderen Informationen, die sich zusätzlich in der Datenbank befinden, sind vor ihm zu verbergen. Zu diesem Zweck müssen die Zugriffsberechtigungen auf Tabellen bis hin zu deren Feldern definiert werden können. Dies kann mittels Verwendung von Views und Grants durchgeführt werden (vgl. M 2.129 Zugriffskontrolle einer Datenbank). Damit ist es einem Benutzer nur möglich, die für ihn bestimmten Daten einzusehen und zu verarbeiten. Stellt er Datenbankabfragen, die auf andere Informationen zugreifen wollen, werden diese vom DBMS zurückgewiesen. Im Zusammenhang mit statistischen Datenbanken, die Daten über Personengruppen, Bevölkerungsschichten oder ähnliches enthalten, treten dagegen andere Schutzanforderungen auf. In einer statistischen Datenbank unterliegen die einzelnen, personenbezogenen Einträge dem Datenschutz, statistische Informationen sind jedoch allen Benutzern zugänglich. Hier gilt es zu verhindern, daß aus Kenntnissen über die Daten einer Gruppe auf die Daten eines individuellen Mitglieds dieser Gruppe geschlossen werden kann. Es muß außerdem verhindert werden, daß durch das Wissen der in der Datenbank gespeicherten Informationen bzw. der Ablagestrukturen der Daten in der Datenbank die Anonymität dieser Daten durch entsprechend formulierte Datenbankabfragen umgangen werden kann (z. B. wenn die Ergebnismenge einer Datenbankabfrage nur einen Datensatz beinhaltet). Diese Problematik wird Inferenzproblem, der Schutz vor solchen Techniken Inferenzprävention genannt. Auch wenn die Daten einer statistischen Datenbank anonymisiert sind, kann durch Inferenztechniken der Personenbezug zu bestimmten Datensätzen wiederhergestellt werden. Eine Zurückweisung bestimmter Anfragen (z. B. Anfragen mit nur einem oder wenigen Ergebnistupeln) reicht im allgemeinen nicht aus, da auch die Verweigerung einer Antwort durch das DBMS Informationen beinhalten kann. Durch das Erstellen verschiedener Statistiken kann die Anonymität der Daten ebenfalls verloren gehen. Ein solcher indirekter Angriff zielt darauf ab, aus mehreren Statistiken Rückschlüsse auf die persönlichen Daten eines einzelnen Individuums ziehen zu können. Eine Schutzmaßnahme ist in diesem Fall, die Freigabe von sogenannten sensitiven Statistiken nicht zu erlauben, was als unterdrückte Inferenzprävention bezeichnet wird. Eine weitere Möglichkeit ist die Verzerrung solcher Statistiken durch kontrolliertes Runden (gleiche Statistiken sind gleich zu runden) oder die Beschränkung auf statistisch relevante Teilmengen mit der Auflage, daß gleiche Anfragen immer Bezug auf die gleichen Teilmengen nehmen. Dieses Verfahren wird als verzerrende Inferenzprävention bezeichnet. _____________________________________________________________________ .......................................... 260 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.127 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Werden weitergehende Anforderungen an die Vertraulichkeit der Daten gestellt, ist deren Verschlüsselung erforderlich (vergleiche M 4.72 DatenbankVerschlüsselung). Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden die Vertraulichkeitsanforderungen an das Datenbanksystem erfaßt und dokumentiert? - Sind die vertraulichen Daten ausreichend vor unbefugtem Zugriff geschützt? _____________________________________________________________________ .......................................... 261 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.128 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.128 Zugangskontrolle einer Datenbank Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die Datenbank-Software muß über geeignete Mechanismen zur Identifikation und Authentisierung der Benutzer verfügen, um eine wirkungsvolle Zugangskontrolle zu gewährleisten (siehe M 2.132 Regelung für die Einrichtung von Datenbankbenutzern/ -benutzergruppen). Generell sollte man für normale Benutzer den Zugang zu einer Produktionsdatenbank über einen interaktiven SQL-Interpreter unterbinden. Auf solche Datenbanken sollte ausschließlich ein indirekter Zugang über die entsprechenden Anwendungen möglich sein. Die einzige Ausnahme bilden hier Datenbankkennungen zu Administrationszwecken. Remote-Zugänge zu Datenbanken sollten äußerst restriktiv gehandhabt werden. Ist diese Art des Zugangs nicht zwingend erforderlich, so sind diese zu unterbinden. Ansonsten sollte nur denjenigen Benutzern ein RemoteZugang ermöglicht werden, die diesen auch tatsächlich benötigen. Andere Benutzer dürfen nicht in der Lage sein, sich selbst einen Remote-Zugang zu verschaffen. Keinesfalls darf ein Remote-Zugang ohne Angabe einer gültigen Benutzerkennung und Eingabe eines Paßwortes möglich sein. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Kennungen einzelner Benutzer zur Zugangskontrolle direkt verwaltet? Falls ja, aus welchem Grund erfolgt keine Verwaltung über Gruppen? - Gibt es Benutzerkennungen, die direkten Zugang zu einer Datenbank haben? Falls ja, aus welchem Grund haben sie direkten Zugang? - Wurden die Möglichkeiten des Remote-Zugangs für die derzeit im Einsatz befindlichen Datenbanken geprüft und ggf. deaktiviert? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 262
M 2.129 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.129 Zugriffskontrolle einer Datenbank Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um einen wirkungsvollen Schutz der Vertraulichkeit und Integrität der Daten einer Datenbank zu erreichen, müssen eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt werden. Neben einer Zugangskontrolle der Datenbank, die in M 2.128 Zugangskontrolle einer Datenbank beschrieben wird, sind dies im wesentlichen die folgenden Möglichkeiten der Zugriffskontrolle: - Schutz der Datenbankobjekte Es sollte eine logische Zuordnung der Datenbankobjekte, also der Tabellen, Indizes, Datenbankprozeduren, etc., zu den Anwendungen erfolgen, die diese Objekte benutzen. Die daraus entstehenden Gruppen von Datenbankobjekten je Anwendung werden eigens hierfür einzurichtenden Kennungen zugeordnet. Damit können die Zugriffsberechtigungen der Datenbankobjekte so eingestellt werden, daß nur über diese speziellen Kennungen eine Modifikation der Objekte stattfinden kann. Greifen mehrere Anwendungen auf dieselben Datenbankobjekte zu, sollten diese als eigene Gruppe isoliert werden. Werden beispielsweise die Daten zweier Anwendungen A und B in der Datenbank verwaltet, so legt man zwei Datenbankkennungen AnwA und AnwB an. Alle Datenbankobjekte, die eindeutig der Anwendung A zugeordnet werden können, werden mit der Datenbankkennung AnwA angelegt und verwaltet. Analog wird mit den Datenbankobjekten von Anwendung B verfahren. Ein Beispiel für ein zentrales Datenbankobjekt, das von beiden Anwendungen benutzt wird, sei eine Tabelle, die alle ansteuerbaren Drucker beinhaltet. Datenbankobjekte dieser Kategorie sollten nicht einer Kennung der Anwendungen (AnwA oder AnwB) zugeordnet werden, statt dessen sollten solche Datenbankobjekte unter einer eigenen Kennung (z. B. Druck) zusammengefaßt und mit dieser zentralen Kennung verwaltet werden. Diese speziellen Kennungen sind nicht personenbezogen. Statt dessen erhalten eigens hierfür autorisierte Personen (z. B. der Datenbankadministrator oder der Administrator der zugehörigen Anwendung) das Paßwort der benötigten Kennung, falls Modifikationen an den Datenbankobjekten vorgenommen werden müssen. - Schutz der Daten Durch eine Definition von Views können spezielle Benutzer-Sichten erzeugt werden, so daß die Daten der Datenbank nach bestimmten Kriterien sichtbar gemacht bzw. unsichtbar gehalten werden. Über einen View wird explizit festgelegt, welche Felder aus einer oder mehreren Tabellen ein Benutzer zu sehen bekommt. Durch die restriktive Vergabe von Zugriffsrechten (den im folgenden beschriebenen Grants) auf solche Views können vertrauliche Daten vor unberechtigtem Zugriff geschützt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 263 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.129 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Es müssen Zugriffsrechte (Grants) auf Tabellen, Views oder sogar einzelne Felder einer Tabelle vergeben werden. Diese Rechte sind immer an bestimmte Benutzer, Rollen oder Benutzergruppen gebunden. Zugriffsrechte sollten jedoch immer für Benutzergruppen oder Rollen und nicht für einzelne Personen vergeben werden, da dies sonst bei einer großen Anzahl von Benutzern zu einem hohen administrativen Aufwand führt. Es können Zugriffsberechtigungen lesender (read), ändernder (update), löschender (delete) oder neu einfügender (insert) Art unterschieden werden. Mit der Vergabe von Zugriffsberechtigungen sollte so sparsam wie möglich umgegangen werden, da man sonst sehr schnell den Überblick über die aktuellen Zugriffsrechte verliert und damit Sicherheitslücken geschaffen werden. Insbesondere sollte die Möglichkeit, Rechte an alle zu vergeben (GRANT ... TO PUBLIC), nicht genutzt werden. Im allgemeinen ist es nur dem Besitzer eines Datenbankobjektes erlaubt, Zugriffsberechtigungen an andere Benutzer weiterzugeben. Einige Datenbanksysteme stellen jedoch die Möglichkeit zur Verfügung, daß der Besitzer eines Datenbankobjektes auch das Recht, Zugriffsrechte weiterzugeben, an andere Benutzer vergeben kann. Von dieser Möglichkeit sollte nur in begründeten Ausnahmefällen Gebrauch gemacht werden, da man auf diese Weise die Kontrolle über den Zugriff auf die Daten bzw. die Datenbankobjekte verliert. - Restriktiver Datenzugriff über Anwendungen Anwendungen sollten einen restriktiven Zugriff auf die Daten unterstützen, d. h. in Abhängigkeit der Benutzerkennung und der Gruppenzugehörigkeit sollten nur diejenigen Funktionalitäten und Daten zur Verfügung gestellt werden, die ein Benutzer für die Ausführung seiner Aufgaben benötigt. Eine Form der Realisierung ist hier die Verwendung von sogenannten Stored Procedures. Stored Procedures sind Abfolgen von SQL-Anweisungen, die in der Datenbank voroptimiert gespeichert werden. Beim Aufruf einer Stored Procedure müssen nur ihr Name und eventuelle Parameter angegeben werden, um die dahinterstehenden SQL-Anweisungen auszuführen. Dies hat zum einen den Vorteil, daß nicht die gesamten SQL-Anweisungen zum Datenbankserver übertragen werden müssen, was bei komplexeren Operationen die Netzbelastung vermindert. Zum anderen kann das Datenbanksystem die SQL-Anweisungen in einer optimierten Form ablegen, so daß sie schneller ausgeführt werden. Die stärkste Einschränkung bei der Rechtevergabe ist die Vergabe von Zugriffsrechten auf Stored Procedures statt auf Tabellen oder Views. Wenn Zugriffsrechte nur auf Stored Procedures vergeben werden, können die Benutzer nur die von den Datenbankverantwortlichen ausgewählten Operationen ausführen. Beispiele: 1. In MS Access können verschiedene Berechtigungen vergeben werden, die sich entweder auf die Datenbank selbst (Öffnen/Ausführen, Exklusiv, Verwalten) oder auf die Tabellen und Abfragen beziehen (Daten lesen, Daten aktualisieren, Daten löschen, Daten einfügen). Diese Berechtigungen können dann unterschiedlichen Benutzern oder Benutzergruppen zuge- _____________________________________________________________________ .......................................... 264 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.129 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... ordnet werden. Standardmäßig sind bei MS Access die Gruppen "Administratoren" und "Benutzer" eingerichtet, wobei die Gruppe "Benutzer" die Berechtigungen "Daten lesen" und "Daten aktualisieren" für Tabellen und Abfragen und die Berechtigung "Öffnen/Ausführen" für Datenbanken enthält. Für eine detailliertere Kontrolle der Zugriffsrechte können eigene Gruppen definiert werden, an die unterschiedliche Berechtigungen vergeben werden können. Dies kann im Menü Extras unter Zugriffsrechte und Benutzer und Gruppenkonten durchgeführt werden. 2. In einer Oracle-Datenbank kann mit dem folgendem Kommando die Gruppe "Abteilung_1" erstellt werden: CREATE ROLE Abteilung_1 IDENTIFIED BY <Paßwort>; Im folgenden Beispiel wird der Gruppe "Abteilung_1" die Berechtigung erteilt, eine Verbindung zur Datenbank herzustellen sowie eine Session zu eröffnen: GRANT CONNECT, CREATE SESSION TO Abteilung_1; Im folgenden Beispiel würde derselben Gruppe die Berechtigung gegeben, ein SELECT auf die Tabelle "Test" durchzuführen: GRANT SELECT ON Test TO Abteilung_1; Im folgenden Beispiel würde dieser Gruppe die Berechtigung erteilt, für die Spalte "Kommentar" der Tabelle "Test" Änderungen durchzuführen: GRANT UPDATE (Kommentar) ON Test TO Abteilung_1; 3. Ein Beispiel für eine Stored Procedure unter Oracle mit PL/SQL Anweisungen sieht wie folgt aus: PROCEDURE Example (PArtikelnr IN NUMBER, PPreis OUT NUMBER) IS BEGIN BEGIN <<Block>> SELECT preis INTO PPreis FROM TabB WHERE artikelnr=PArtikelnr END Block; END; Die Prozedur "Example" liest aus der Tabelle TabB den Preis eines Artikels nach Angabe der Artikelnummer. Mitarbeiter, die auf die Tabelle TabB ausschließlich mit dieser Methode zugreifen können sollen, erhalten nur das Nutzungsrecht für die Stored Procedure und keinerlei Rechte auf die Tabelle. Damit werden z. B. auch zeitaufwendige Suchoperationen verhindert. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden die Datenbankobjekte vor unberechtigtem Zugriff geschützt? - Wurden Views für die einzelnen Benutzer definiert und dokumentiert? - Wurden Zugriffsrechte auf die Daten vergeben und dokumentiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 265 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.130 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.130 Gewährleistung der Datenbankintegrität Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Die Integritätssicherung und -überwachung in einer Datenbank soll die Korrektheit der zugehörigen Daten bzw. einen korrekten Zustand der Datenbank gewährleisten. Die folgenden Techniken sind zur Vermeidung inkorrekter Daten bzw. Zustände innerhalb einer Datenbank zu beachten: - Zugriffskontrolle Damit ist der Schutz der betreffenden Datenbank vor unautorisiertem Zugriff mittels der Vergabe von Zugriffsrechten gemeint, wie in M 2.129 Zugriffskontrolle einer Datenbank beschrieben. Damit wird dem manipulativen Ändern von Daten bzw. Datenbankobjekten (wie z. B. Tabellen) vorgebeugt. Verantwortlich für die Umsetzung der Zugriffskontrolle ist der Datenbankadministrator. Auf eine detaillierte Ausführung wird an dieser Stelle verzichtet und statt dessen auf die Maßnahme M 2.129 Zugriffskontrolle einer Datenbank verwiesen - Synchronisationskontrolle Die Synchronisationskontrolle dient der Verhinderung von Inkonsistenzen, die durch einen parallelen Zugriff auf denselben Datenbestand entstehen können. Es gibt dazu verschiedene Techniken, wie z. B. das Sperren von Datenbankobjekten (Locking) oder die Vergabe von Zeitstempeln (Timestamps). Verantwortlich für die Umsetzung sind die Verantwortlichen der ITAnwendungen, insofern ein zusätzlicher Mechanismus zur Verfügung gestellt werden muß, der über die Möglichkeiten des DBMS hinausgeht. Auf eine detaillierte Ausführung wird verzichtet, da im allgemeinen jedes DBMS eine Synchronisationskontrolle durchführt. Vom Einsatz eines DBMS, welches dies nicht leisten kann, wird dringend abgeraten. - Integritätskontrolle Hierunter fällt die Vermeidung semantischer Fehler bzw. semantisch unsinniger Zustände der Datenbank durch Einhaltung und Überwachung der geforderten Integritätsbedingungen. Diese können sich auf einzelne Relationen beziehen oder mehrere Relationen miteinander in Beziehung setzen (referentielle Integrität). Beispiele sind die Angabe eines Primärschlüssels für eine Relation, die Definition von Wertebereichen zu den einzelnen Attributen oder die Formulierung spezieller Bedingungen mittels einer assertion-Klausel. Dies kann durch das DBMS automatisch mittels eines Monitors überprüft werden, der z. B. durch die Verwendung von Triggern oder Stored Procedures realisiert werden kann. Damit sind prinzipiell beliebige Trans- _____________________________________________________________________ .......................................... 266 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.130 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... aktionen möglich, jedoch werden diejenigen vom DBMS zurückgewiesen, die die Datenbank-Konsistenz verletzen würden. Verantwortlich für die Umsetzung sind die Verantwortlichen der ITAnwendungen respektive der fachliche Administrator, falls es sich um eine Umsetzung der Integritätsbedingungen in Form von Relationen, Primärschlüsseln oder allgemeinen Datenbankobjekten handelt. Im Rahmen der Konzeption einer IT-Anwendung sind zu erstellen - ein Datenmodell, welches neben den Datenbankobjekten auch deren Beziehungen untereinander abbildet, und - ein Fachkonzept, welches u. a. Bedingungen beschreibt, unter denen Daten manipuliert werden dürfen. Im Rahmen der Realisierung einer IT-Anwendung sind die folgenden Punkte zu beachten: - Die konkrete Umsetzung des in der konzeptionellen Phase definierten Datenmodells muß festgelegt werden. Hierzu gehören die Definition und Anlage von Tabellen, Indizes, Wertebereichen usw. - Die Definition von Triggern oder Stored Procedures erfolgt im Rahmen der Realisierung des Fachkonzepts. Trigger und Stored Procedures können dabei sowohl innerhalb der Anwendung (in den Programmen), als auch der Datenbank (für Tabellen) Verwendung finden. Trigger, die auf Datenbankebene eingesetzt werden, wirken unabhängig von darüberliegenden Anwendungen und sind aus diesem Grund zentral zu verwalten. Beispiel: Trigger 'Update' für eine Tabelle: Immer wenn ein Datensatz der Tabelle geändert wird, dann sind die für den Trigger definierten Anweisungen auszuführen. Eine dieser Anweisungen kann der Aufruf einer Stored Procedure sein. Im Rahmen von Anwendungen kann eine Integritätssicherung durch einen geeigneten Einsatz von Commit bzw. Rollback für das Betätigen bzw. Widerrufen von Transaktionen realisiert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden alle oben angegebenen Techniken zur Integritätssicherung eingesetzt? - Wurden die Integritätsbedingungen mit den Verantwortlichen der einzelnen IT-Anwendungen abgestimmt? _____________________________________________________________________ .......................................... 267 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.131 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.131 Aufteilung von Administrationstätigkeiten bei Datenbanksystemen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Um einen geordneten Betrieb von Datenbanksystemen zu ermöglichen, sind Administratoren zu bestimmen. Diesen obliegt neben allgemeinen Administrationsarbeiten insbesondere die Benutzerverwaltung einschließlich der Verwaltung der Zugriffsrechte. Zusätzlich sind sie für die Sicherheitsbelange der betreuten Datenbanksysteme zuständig. Neben den in M 2.26 Ernennung eines Administrators und eines Vertreters und M 3.10 Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters genannten Maßnahmen sind speziell für Datenbanksysteme folgende Dinge zu beachten. Es sollten grundsätzlich zwei verschiedene Administrator-Rollen unterschieden werden: - die fachlich übergreifende Administration der Datenbank-Software und - die Administration der anwendungsspezifischen Belange. Diese beiden Aufgaben sollten von verschiedenen Personen durchgeführt werden, um eine Trennung der anwendungsspezifischen und fachlich übergreifenden Administration einer Datenbank zu erreichen. Der grundsätzliche Betrieb des DBMS, die Durchführung der Datensicherungen oder die Archivierung von Datenbeständen sind beispielsweise Bestandteil der fachlich übergreifenden Datenbankadministration. Bei der anwendungsspezifischen Administration werden dagegen die Erfordernisse der einzelnen Anwendungen an die Datenbank bearbeitet. Dies kann z. B. die Verwaltung der zugehörigen Datenbankobjekte, die Unterstützung der Benutzer bei Problemen bzw. Fragen oder die Verwaltung der entsprechenden Datenbankkennungen beinhalten. Letzteres ist allerdings nur dann möglich, wenn die Verwaltung der Datenbankennungen je Anwendung über ein entsprechendes Berechtigungskonzept durch die Datenbank-Software unterstützt wird, also von den fachlich übergreifenden Berechtigungen getrennt werden kann. Der fachlich übergreifende Administrator richtet die für die anwendungsspezifischen Belange zuständigen Administratorkennungen mit den zugehörigen Berechtigungen ein. Dazu gehört insbesondere das Recht, Datenbanken anzulegen. Die Rechtevergabe für die einzelnen Benutzer sollte dagegen für jede anwendungsspezifische Datenbank getrennt durchgeführt werden und zwar vom jeweils zuständigen anwendungsspezifischen Administrator. _____________________________________________________________________ .......................................... 268 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.131 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Administrator-Rollen getrennt worden? - Welche Administratoren sind für die fachlich übergreifende Administration der Datenbank-Software und welche für die Administration der anwendungsspezifischen Belange benannt worden? - Wie ist die Zusammenarbeit zwischen den Administratoren geregelt? Sind deren Aufgaben und Zuständigkeitsbereiche schriftlich fixiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 269 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.132 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.132 Regelung für die Einrichtung von Datenbankbenutzern/ -benutzergruppen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Für die Einrichtung von Benutzern/Benutzergruppen in einer Datenbank bilden die Voraussetzung für eine angemessene Vergabe von Zugriffsrechten (siehe M 2.129 Zugriffskontrolle einer Datenbank) und für die Sicherstellung eines geordneten und überwachbaren Betriebsablaufs. Im allgemeinen erhält dazu jeder Datenbankbenutzer eine interne Datenbankkennung, über die ihn das Datenbanksystem identifiziert. Damit können nur autorisierte Personen auf die Datenbank zugreifen. In Anlehnung an M 2.30 Regelung für die Einrichtung von Benutzern / Benutzergruppen sollte ein Formblatt existieren, um von jedem Benutzer bzw. für jede Benutzergruppe zunächst die erforderlichen Daten abzufragen: - Name, Vorname, - Vorschlag für die Benutzerkennung (wenn nicht durch Konventionen vorgegeben), - Organisationseinheit, - Erreichbarkeit (z. B. Telefon, Raum), - ggf. Projekt, - ggf. Anwendungen, die benutzt werden sollen und auf das Datenbanksystem zugreifen, - ggf. Angaben über die geplante Tätigkeit im Datenbanksystem und die dazu erforderlichen Rechte sowie die Dauer der Tätigkeit, - ggf. Restriktionen auf Zeiten, Zugriffsberechtigungen (für bestimmte Tabellen, Views etc.), eingeschränkte Benutzerumgebung, - ggf. Zustimmung von Vorgesetzten. Es sollte eine begrenzte Anzahl von Rechteprofilen festgelegt werden. Ein neuer Benutzer wird dann einem oder mehreren Profilen zugeordnet und erhält damit genau die für seine Tätigkeit erforderlichen Rechte. Dabei sind die datenbankspezifischen Möglichkeiten bei der Einrichtung von Benutzern und Gruppen zu beachten. Es ist sinnvoll, Namenskonventionen für die Benutzerund Gruppenkennungen festzulegen (z. B. Benutzer-ID = Kürzel Organisationseinheit || lfd. Nummer). Dabei können Benutzer-, Rollen- und Gruppenprofile benutzt werden. Soweit möglich, sollten jedoch keine benutzerspezifischen Profile verwendet werden, da dies bei einer großen Anzahl von Benutzern zu einem hohen administrativen Aufwand führt. Bei der Definition von Gruppenprofilen muß man zwischen restriktiven und großzügigen Berechtigungsprofilen abwägen. Werden die Gruppenprofile zu restriktiv gehandhabt, muß eine große Anzahl von Gruppen verwaltet werden, was zu einem hohen administrativen Aufwand führt. Werden die Gruppenprofile dagegen zu großzügig definiert, kann es zu _____________________________________________________________________ .......................................... 270 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.132 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Redundanzen zwischen verschiedenen Gruppen kommen oder zur Einräumung von unnötig umfangreichen Rechten, was wiederum zur Verletzung der Vertraulichkeit von Daten führen kann. In der Regel muß jedem Benutzer eine eigene Datenbankkennung zugeordnet sein, es dürfen nicht mehrere Benutzer unter derselben Kennung arbeiten. Normalerweise besteht zwischen der Datenbankkennung und der Benutzerkennung des zugrundeliegenden Betriebssystems keine Verbindung. Einige Hersteller bieten in ihrer Datenbank-Software jedoch die Möglichkeit an, die Betriebssystemkennung in das Datenbanksystem zu übernehmen. Dies erspart den Anwendern eine Paßwortabfrage für den Zugang zur Datenbank, falls diese sich bereits mit Ihrer eigenen Betriebssystemkennung angemeldet haben. So können beispielsweise unter Oracle sogenannte OPS$-Kennungen verwendet werden. Eine solche Kennung setzt sich aus dem Präfix "OPS$" und der Betriebssystemkennung des Anwenders zusammen. Nur wenn sich ein Anwender mit seiner Betriebssystemkennung am Datenbanksystem anmeldet, wird kein Paßwort vom DBMS abgefragt. Meldet sich der Anwender dagegen unter einer anderen Kennung an, so erfolgt eine Paßwortabfrage. Diese Möglichkeit beinhaltet allerdings die Gefahr, daß bei einer Schutzverletzung auf Betriebssystemebene (z. B. das Knacken des entsprechenden Paßwortes) der Zugriff auf die Datenbank nicht mehr verhindert werden kann. Der Schutz der Datenbank ist demnach stark von der Sicherheit des zugrundeliegenden Betriebssystems abhängig. Dabei handelt es sich im allgemeinen nicht um das üblicherweise sichere Betriebssystem des Datenbank-Servers, sondern um das eines Clients, der unter Umständen wesentlich schwächer geschützt ist. Deshalb wird von der Verwendung dieser Möglichkeit abgeraten, statt dessen sollte bei der Forderung nach einer einfachen Handhabung für die Benutzer (Stichwort Single-Sign-On) der Einsatz eines Zusatzproduktes zur zentralen Benutzerverwaltung für den gesamten ITBetrieb erwogen werden (z. B. ISM Access Master von Bull). Aber auch hier müssen die konkreten Sicherheitsanforderungen mit dem entsprechenden Zusatzprodukt abgeglichen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche organisatorischen Regelungen zur Einrichtung von Datenbankbenutzern bzw. -benutzergruppen gibt es? - Wurden Namenskonventionen für die Benutzer- und Gruppenkennungen festgelegt? - Wurden Rechteprofile angelegt? _____________________________________________________________________ .......................................... 271 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.133 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.133 Kontrolle der Protokolldateien eines Datenbanksystems Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Revisor Die in einem Datenbanksystem mögliche Protokollierung bzw. Auditierung ist in einem sinnvollen Umfang zu aktivieren. Werden zuviele Ereignisse protokolliert, wird die Performance der Datenbank negativ beeinflußt und die Protokolldateien wachsen stark an. Es muß also immer zwischen dem Bedürfnis, möglichst viele Informationen zur Sicherheit der Datenbank zu sammeln, und der Möglichkeit, diese Informationen zu speichern und auszuwerten, abgewogen werden. Dabei sind insbesondere folgende Vorkommnisse von Interesse: - Anmeldezeiten und -dauer der Benutzer, - Anzahl der Verbindungen zur Datenbank, - fehlgeschlagene bzw. abgewiesene Verbindungsversuche, - Auftreten von Deadlocks innerhalb des Datenbanksystems, - I/O-Statistik für jeden Benutzer, - Zugriffe auf die Systemtabellen (siehe auch M 4.69 Regelmäßiger Sicherheitscheck der Datenbank), - Erzeugung neuer Datenbankobjekte und - Datenmodifikationen (evtl. mit Datum, Uhrzeit und Benutzer). Die Protokollierung sicherheitsrelevanter Ereignisse ist als Sicherheitsmaßnahme allerdings nur dann wirksam, wenn die protokollierten Daten auch ausgewertet werden. Daher sind die Protokolldateien in regelmäßigen Abständen durch einen Revisor auszuwerten. Ist es organisatorisch oder technisch nicht möglich, einen unabhängigen Revisor mit der Auswertung der Protokolldateien zu betrauen, ist eine Kontrolle der Tätigkeiten des Administrators nur schwer möglich. Die Protokolldaten müssen regelmäßig gelöscht werden, um ein übermäßiges Anwachsen der Protokolldateien zu verhindern. Sie dürfen allerdings nur dann gelöscht werden, wenn die Protokolldateien vorher ausgewertet und kontrolliert wurden. Dies kann manuell oder automatisch geschehen, falls entsprechende Werkzeuge zur Verfügung stehen. Weiterhin ist der Zugriff auf die Protokolldateien strikt zu beschränken. Einerseits muß verhindert werden, daß Angreifer ihre Aktionen durch nachträgliche Änderung der Protokolldateien verbergen können, andererseits könnten über die gezielte Auswertung von Protokolldateien Leistungsprofile der Benutzer erstellt werden. Deshalb dürfen beispielsweise Änderungen überhaupt nicht vorgenommen werden können und lesender Zugriff darf nur den Revisoren gestattet werden. Um die Auswertung der Protokolldaten zu vereinfachen, können vom Datenbank-Administrator zusätzliche Tools eingesetzt werden, die eine automa- _____________________________________________________________________ .......................................... 272 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.133 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... tisierte Überwachung durchführen. Solche Produkte können beispielweise die Log-Dateien von Datenbanksystemen nach vorgegebenen Mustern auswerten und bei Bedarf einen Alarm erzeugen. Weitere Maßnahmen, die in diesem Zusammenhang beachtet werden müssen, sind in M 2.64 Kontrolle der Protokolldateien zu finden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer wertet die Protokolldateien aus? Findet das Vier-Augen-Prinzip Anwendung? - Können die Aktivitäten des Administrators ausreichend kontrolliert werden? - Wird das IT-Sicherheitsmanagement bei Auffälligkeiten unterrichtet? _____________________________________________________________________ .......................................... 273 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.134 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.134 Richtlinien für Datenbank-Anfragen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Anwendungsentwickler Die relationale Datenbanksprache SQL (Standard Query Language) ist eine international standardisierte Sprache für relationale Datenbanksysteme, die eine weite Verbreitung erfahren hat und in den meisten DBMS implementiert ist. Mittels SQL können sowohl Modifikationen der Daten (UPDATE, INSERT, DELETE), als auch der Datenbankobjekte formuliert (CREATE, ALTER, DROP) sowie Informationen abgefragt werden (SELECT). Um einen sicheren Betrieb eines Datenbanksystems zu gewährleisten, sollten die folgenden Grundsätze in einer Richtlinie für Datenbank-Anfragen beschrieben sein. - SQL-Anfragen sollten so exakt wie möglich formuliert werden. Dies gilt insbesondere für SQL-Anfragen, die aus Anwendungen heraus gestellt werden. So führt beispielsweise die SQL-Anweisung SELECT * FROM <Tabelle> WHERE <Bedingung> bei Änderungen des Tabellenschemas (Hinzufügen bzw. Löschen von Feldern oder Vertauschen der Reihenfolge von Feldern) unweigerlich zu Fehlern oder sogar zu einem Absturz der zugehörigen Anwendung. - Felder sollten immer explizit angegeben werden. Damit ist sichergestellt, daß die Daten in der erwarteten Reihenfolge zur Verfügung stehen und beispielsweise nur diejenigen Daten selektiert werden, die man tatsächlich benötigt. Beispiel: Eine Tabelle besteht aus den folgenden Feldern (mit den zugehörigen Datentypen): Artikelnummer NUMBER(10) Nettopreis NUMBER(10,2) Artikelbezeichnung VARCHAR(30) Verwendungszweck VARCHAR(200) Es wird das neue Feld "Bestellnummer" vom Typ NUMBER(8) hinzugefügt. Das Feld wird aus Gründen der optimalen Speicherausnutzung nicht am Ende, sondern an die zweite Stelle der Tabelle plaziert. Die neue Tabelle sieht also wie folgt aus: Artikelnummer NUMBER(10) Bestellnummer NUMBER(8) Nettopreis NUMBER(10,2) Artikelbezeichnung VARCHAR(30) Verwendungszweck VARCHAR(200) _____________________________________________________________________ .......................................... 274 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.134 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... In einem solchen Fall würde eine SELECT-*-Anweisung in einer Anwendung im schlimmsten Fall zu einem Absturz führen, da die Daten automatisch in der angegebenen Feldreihenfolge selektiert werden. Im obigen Beispiel würde dann nicht nur das Problem auftreten, daß die Tabelle um ein Feld ergänzt wurde (dessen Daten zusätzlich selektiert würden), sondern, daß durch die Veränderung der Feldreihenfolge die Daten nicht mehr in der ursprünglichen Reihenfolge selektiert würden. Dies führt unweigerlich zu Typkonflikten und einem möglichen Programmabsturz. - Für einschränkende Datenbankanfragen (WHERE-Klausel) ist die Reihenfolge der angegebenen Selektionsbedingungen von großer Bedeutung. Die WHERE-Klausel sollte so formuliert werden, daß als erstes diejenige Bedingung angegeben wird, die die kleinstmögliche Ergebnismenge selektiert und erst zum Schluß die Bedingung greift, die die größte Ergebnismenge liefern würde. Auf diese Weise wird die Performance des Datenbanksystems optimiert, da sich durch die geschickte Anordnung der Selektionsbedingungen der Suchvorgang erheblich verkürzen läßt. Das gleiche gilt analog für Datenbankanfragen, die über mehrere Tabellen hinweg formuliert werden (sogenannte Joins). Es sei an dieser Stelle erwähnt, daß Datenbankmanagementsysteme bereits häufig Datenbankanfragen selbständig optimieren. Oft werden sogar mehrere Optimierungsstrategien zur Auswahl angeboten, die über verschiedene Parameter ausgewählt werden können. Werden diese sogenannten Optimizer vom DBMS verwendet, kann dies allerdings dazu führen, daß sorgfältig formulierte Datenbankabfragen intern vom DBMS nicht in der erwarteten Art und Weise abgearbeitet werden. In diesem Zusammenhang bieten einige Datenbankmanagementsysteme die Möglichkeit, die Abarbeitung von Datenbankanfragen zu untersuchen (z. B. in Oracle mit EXPLAIN oder für Ingres mittels SETOEP). Desweiteren besteht die Möglichkeit, über sogenannte HINTS in der Datenbankanfrage deren Abarbeitung explizit zu definieren und somit den Optimizer im Prinzip auszuschalten. Von dieser Möglichkeit sollte allerdings so wenig wie möglich Gebrauch gemacht werden. Welche Optimizer das DBMS unterstützt sowie deren Vor- und Nachteile sind in den Handbüchern des DBMS normalerweise dokumentiert. Falls mehrere Optimizer zur Auswahl stehen, sollte beim Administrator nachgefragt werden, welcher Optimizer eingesetzt wird. - Im Falle von Joins sollte zusätzlich beachtet werden, daß die Zuordnung von Feldern zu den Tabellen eindeutig erfolgt. Beispiel: TabA: ID Herstellernr. NUMBER(4) NUMBER(6) TabB: ID Artikelnr. Preis Bezeichnung NUMBER(4) NUMBER(10) NUMBER(10,2) VARCHAR(30) _____________________________________________________________________ .......................................... 275 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.134 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... SELECT TabA.ID, TabB.Bezeichnung, TabB.Preis FROM TabA, TabB WHERE TabA.ID=TabB.ID Das Feld "ID" ist in beiden Tabellen vorhanden und muß deshalb bei der Datenbankanfrage explizit mit dem zugehörigen Tabellennamen angegeben werden. Andernfalls ist die Eindeutigkeit der Auswahl nicht mehr sichergestellt und die Datenbankanfrage wird mit einer entsprechenden Fehlermeldung abgebrochen. Alle anderen Felder sind in diesem Fall eindeutig zuordenbar. Eine explizite Angabe des zugehörigen Tabellennamens für jedes Feld wird von SQL nicht gefordert. Trotzdem sollten für die einzelnen Felder die eindeutige Zuordnung zur Tabelle erfolgen, wie im obigen Beispiel für die Felder "Preis" und "Bezeichnung" der Tabelle TabB. Nur so können unvorhergesehene Probleme vermieden werden. Das Hinzufügen eines Feldes "Bezeichnung" für TabA würde im obigen Beispiel zu keinen Problemen führen. Dies wäre jedoch nicht der Fall, wenn die SQL-Anweisung die Zuordnung der Felder zu den Tabellen nicht explizit beinhalten würde. Es wäre nicht mehr eindeutig, ob das Feld "Bezeichnung" von TabA oder TabB selektiert werden soll, da beide Tabellen nach der Änderung von TabA ein Feld mit diesem Namen haben. Die SQL-Anweisung würde mit einer Fehlermeldung abgebrochen. - Existieren Views auf Tabellen, so sollten diese auch für die Formulierung von Datenbankanfragen benutzt werden. - Alle Datenbanktransaktionen sollten explizit mit einem COMMIT bestätigt werden. Falls das DBMS ein automatisches COMMIT unterstützt, sollte dieses nicht aktiviert werden, da es sonst u. U. zu ungewollten Inkonsistenzen in der Datenbank kommen kann. Beispiel: Mehrere einzelne Modifikationen gehören logisch zusammen, werden aber automatisch durch ein COMMIT bestätigt. Kommt es nun zu einem unkontrollierten Abbruch der Transaktion und infolgedessen zu einem Rollback, sind die zuerst ausgeführten Operationen bereits bestätigt und verbleiben in der Datenbank, während der Rest noch gar nicht durchgeführt werden konnte. - Zur Vermeidung von Sperrkonflikten oder gar Deadlocks ist für jede fachliche Datenbank eine Sperrstrategie festzulegen (z. B. hierarchisches Sperren oder explizites Sperren aller Tabellen am Anfang der Transaktion). - Anwendungsentwickler sollten nach jeder SQL-Anweisung den Fehlerstatus prüfen, so daß die Anwendung so früh wie möglich auf eingetretene Fehler reagieren kann. - Falls das DBMS bestimmte systemspezifische Kommandos unterstützt, mit denen beispielsweise die Protokollierung ausgeschaltet oder das LockingVerfahren verändert werden kann, sollten die Berechtigungen für diese Kommandos den Benutzern entzogen werden. Hier ist also im Vorfeld genau zu klären, welche systemspezifischen Einstellungen bzw. _____________________________________________________________________ .......................................... 276 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.134 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Kommandos von den Benutzern bzw. den Anwendungsentwicklern geändert bzw. benutzt werden dürfen. - Bei der Entwicklung von Anwendungen sollten alle Datenbankzugriffe in einem Modul oder einem bestimmten Teil des Programmcodes zusammengefaßt werden, da sonst zur Überprüfung der obigen Grundsätze der gesamte Programmcode des Anwendungssystems herangezogen werden müßte. Hierdurch wird die Wartung und Pflege des Anwendungssystems, z. B. bei Änderungen des Datenmodells, erleichtert. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind Richtlinien für Datenbank-Anfragen erstellt worden? - Sind den Anwendungsentwicklern die Richtlinien für Datenbank-Anfragen bekannt? - Wie wird die Einhaltung dieser Richtlinien überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 277 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.135 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.135 Gesicherte Datenübernahme in eine Datenbank Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator In vielen Datenbanksystemen besteht aus Anwendungssicht die Notwendigkeit, Daten aus anderen Systemen zu übernehmen. Dabei lassen sich prinzipiell die beiden folgenden Kategorien unterscheiden: - Erst- oder Altdatenübernahme Dies betrifft die Übernahme von Daten aus Altsystemen, wenn beispielsweise ein neues Datenbanksystem beschafft wurde und produktiv eingesetzt werden soll. Hierbei ist insbesondere sicherzustellen, daß - die Daten in einem Format vorliegen, das in die Zieldatenbank übernommen werden kann, - die Daten vollständig sind, d. h. für alle Felder, die in der Zieldatenbank gefüllt werden sollen, müssen Daten zur Übernahme zur Verfügung gestellt werden, und - die Konsistenz und Datenintegrität der Datenbank gewährleistet ist. Im Vorfeld der Datenübernahme ist ein Konzept zu erstellen, wie die zu übernehmenden Daten aufbereitet werden müssen und wie die Übernahme konkret durchgeführt werden soll. Weiterhin ist unbedingt eine Komplettsicherung der Altdaten vorzunehmen. Erfolgt die Datenübernahme in mehreren Schritten, sollte vor jedem einzelnen Schritt eine unabhängige Datensicherung durchgeführt werden. - Regelmäßige Datenübernahme Befinden sich in der Zieldatenbank bei einer Datenübernahme bereits Daten, die nicht verändert werden dürfen, oder werden in regelmäßigen Zeitabständen Daten in eine Datenbank übernommen, so - ist vor der Datenübernahme eine Komplettsicherung der Datenbank durchzuführen, - sollte die Datenübernahme wenn möglich außerhalb der regulären Betriebszeiten stattfinden, - müssen die betroffenen Benutzer von der bevorstehenden Datenübernahme rechtzeitig informiert werden, insbesondere dann, wenn mit Einschränkungen hinsichtlich der Verfügbarkeit oder des Antwortzeitverhaltens zu rechnen ist, - ist vor der ersten Datenübernahme ein Konzept zu erstellen, wie die zu übernehmenden Daten aufbereitet werden müssen bzw. wie die Übernahme konkret durchzuführen ist. Insbesondere muß in diesem Konzept berücksichtigt werden, wie Konflikte zwischen den bereits existierenden Daten in der Zieldatenbank und den zu übernehmenden Daten vermieden werden, d. h. inwieweit die Integrität und Konsistenz der Zieldatenbank gewahrt bleibt. Desweiteren sind _____________________________________________________________________ .......................................... 278 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.135 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Vorkehrungen zu treffen, um eine mehrfache Übernahme der gleichen Daten zu verhindern. Vor der Durchführung einer Datenübernahme ist festzulegen, was beim Auftreten von Fehlern zu unternehmen ist. Dies beinhaltet z. B., ob beim Auftreten eines fehlerhaften Datensatzes mit dem nächsten Satz fortgefahren werden kann, oder ob die komplette Datenübernahme abgebrochen werden muß. Weiterhin ist festzulegen, wie die Datenübernahme nach einem Abbruch wieder aufgesetzt wird. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde ein Konzept zur Datenübernahme erstellt? - Erfolgt vor einer Datenübernahme eine Komplettsicherung der Datenbank? - Werden die Benutzer bei einer Datenübernahme rechtzeitig und umfassend informiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 279 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.136 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.136 Einhaltung von Regelungen bzgl. Arbeitsplatz und Arbeitsumgebung Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Personalrat/Betriebsrat Verantwortlich für Umsetzung: Vorgesetzte, Personalrat/Betriebsrat, Mitarbeiter Am häuslichen Arbeitsplatz müssen dieselben Vorschriften und Richtlinien bezüglich der Gestaltung des Arbeitsplatzes (z. B. Einrichtung eines Bildschirmarbeitsplatzes) und der Arbeitsumgebung gelten wie in der Institution. Dies sollte in Absprache mit dem Telearbeiter durch den in der Institution Verantwortlichen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz, dem IT-Sicherheitsbeauftragten, dem Datenschutzbeauftragten sowie dem Betriebs- bzw. Personalrat und dem direkten Vorgesetzten des Telearbeiters begutachtet werden können. _____________________________________________________________________ .......................................... 280 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.137 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.137 Beschaffung eines geeigneten Datensicherungssystems Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Ein Großteil der Fehler, die beim Erstellen oder Restaurieren einer Datensicherung auftreten, sind Fehlbedienungen. Daher sollte bei der Beschaffung eines Datensicherungssystem nicht allein auf seine Leistungsfähigkeit geachtet werden, sondern auch auf seine Bedienbarkeit und insbesondere auf seine Toleranz gegenüber Benutzerfehlern. Bei der Auswahl von Sicherungssoftware sollte darauf geachtet werden, daß sie die folgenden Anforderungen erfüllt: - Die Datensicherungssoftware sollte ein falsches Medium ebenso wie ein beschädigtes Medium im Sicherungslaufwerk erkennen können. - Sie sollte mit der vorhandenen Hardware problemlos zusammenarbeiten. - Es sollte möglich sein, Sicherungen automatisch zu vorwählbaren Zeiten bzw. in einstellbaren Intervallen durchführen zu lassen, ohne daß hierzu manuelle Eingriffe (außer dem eventuell notwendigen Bereitstellen von Sicherungsdatenträgern) erforderlich wären. - Es sollte möglich sein, einen oder mehrere ausgewählte Benutzer automatisch über das Sicherungsergebnis und eventuelle Fehlermeldungen per EMail oder ähnliche Mechanismen zu informieren. Die Durchführung von Datensicherungen inklusive des Sicherungsergebnisses und möglicher Fehlermeldungen sollten in einer Protokolldatei abgespeichert werden. - Die Sicherungssoftware sollte die Sicherung des Backup-Mediums durch ein Paßwort, oder noch besser durch Verschlüsselung unterstützen. Weiterhin sollte sie in der Lage sein, die gesicherten Daten in komprimierter Form abzuspeichern. - Durch Vorgabe geeigneter Include- und Exclude-Listen bei der Datei- und Verzeichnisauswahl sollte genau spezifiziert werden können, welche Daten zu sichern sind und welche nicht. Es sollte möglich sein, diese Listen zu Sicherungsprofilen zusammenzufassen, abzuspeichern und für spätere Sicherungsläufe wieder zu benutzen. - Es sollte möglich sein, die zu sichernden Daten in Abhängigkeit vom Datum ihrer Erstellung bzw. ihrer letzten Modifikation auszuwählen. - Die Sicherungssoftware sollte die Erzeugung logischer und physischer Vollkopien sowie inkrementeller Kopien (Änderungssicherungen) unterstützen. - Die zu sichernden Daten sollten auch auf Festplatten und Netzlaufwerken abgespeichert werden können. - Die Sicherungssoftware sollte in der Lage sein, nach der Sicherung einen automatischen Vergleich der gesicherten Daten mit dem Original durchzuführen und nach der Wiederherstellung von Daten einen entsprechenden _____________________________________________________________________ .......................................... 281 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.137 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Vergleich zwischen den rekonstruierten Daten und dem Inhalt des Sicherungsdatenträgers durchzuführen. - Bei der Wiederherstellung von Dateien sollte es möglich sein auszuwählen, ob die Dateien am ursprünglichen Ort oder auf einer anderen Platte bzw. in einem anderen Verzeichnis wiederhergestellt werden. Ebenso sollte es möglich sein, das Verhalten der Software für den Fall zu steuern, daß am Zielort schon eine Datei gleichen Namens vorhanden ist. Dabei sollte man wählen können, ob diese Datei immer, nie oder nur in dem Fall, daß sie älter als die zu rekonstruierende Datei ist, überschrieben wird, oder daß in diesem Fall eine explizite Anfrage erfolgt. Falls mit dem eingesetzten Programm die Datensicherung durch Paßwort geschützt werden kann, sollte diese Option genutzt werden. Das Paßwort ist dann gesichert zu hinterlegen (siehe M 2.22 Hinterlegen des Paßwortes). Bei den meisten Betriebssystemen werden Programme für Datensicherungen mitgeliefert. Nicht alle erfüllen allerdings die Ansprüche an Produkte für professionelle und komfortable Datensicherungen. Stehen aber keine solchen Produkte zur Verfügung, so sollten die systemzugehörigen Programme verwendet werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 282 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.138 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.138 Strukturierte Datenhaltung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Eine schlecht strukturierte Datenhaltung kann zu einer Vielzahl von Problemen führen. Alle IT-Benutzer sind daher darauf hinzuweisen, wie eine gut strukturierte und übersichtliche Datenhaltung aussehen sollte. Auf allen Servern sollten entsprechende Strukturen durch die Administratoren vorgegeben werden. Dies ist ohnehin Voraussetzung, um eine differenzierte Vergabe von Zugriffsrechten realisieren zu können. Programm- und Arbeitsdateien sollten immer in getrennten Bereichen gespeichert werden. Dies sorgt für eine bessere Übersicht und erleichtert auch die Durchführung von Datensicherungen und die Sicherstellung des korrekten Zugriffsschutzes. Bei den meisten Applikationsprogrammen ändern sich nach der Installation keine oder nur sehr wenige Konfigurationsdateien. Soweit möglich, sollten alle Dateien, die sich regelmäßig ändern, in gesonderten Verzeichnissen abgespeichert werden, damit nur diese in die regelmäßigen Datensicherungen mitaufgenommen werden müssen. Programme und Applikationsdateien trennen Bei einer sauberen Trennung von Programmen und Daten reicht es, die Daten in die regelmäßigen Datensicherungen aufzunehmen. Wichtig ist es, die Arbeitsdateien sorgfältig gesichert zu haben, diese können dann notfalls auch auf anderen Systemen weiterverarbeitet werden. Bei vernetzten Systemen stellt sich außerdem die Frage, welche Programme bzw. Dateien auf den lokalen Festplatten oder auf einem Netzserver abgelegt werden sollten. Beides hat Vor- und Nachteile und muss sowohl von der organisatorischen Struktur als auch von der eingesetzten Hard- und Software abhängig gemacht werden. So sollten z. B. Dateien mit hohen Verfügbarkeitsansprüchen zusammen mit den zugehörigen Applikationsprogrammen besser auf den Arbeitsplatzrechnern gehalten werden als auch einem Netzserver. Dann muss allerdings auch die entsprechende Notfallvorsorge für diese Arbeitsplatzrechner betrieben werden. Es sollten aufgaben- oder projektbezogene Verzeichnisse eingerichtet werden, um die Zuordnung von Dateien zu erleichtern. Es sollten möglichst wenig Daten in personenbezogenen Verzeichnissen abgelegt werden. aufgaben- oder projektbezogene Verzeichnisse Um zu verhindern, dass für die weitere Arbeit grundlegenden Dateien wie Briefvorlagen, Formularen, Projektplänen o. Ä. unterschiedliche Versionsstände existieren, sollten diese zentral verwaltet werden. Sie sollten beispielsweise auf einem Server so vorgehalten werden, dass jeder lesend darauf zugreifen kann, aber es sollte für jede solche Datei jeweils nur eine Person geben, die sie verändern darf. Wie auf einem Server durch Verzeichnisvorgaben Daten strukturiert werden könnten, wird in dem folgenden Beispiel gezeigt: _____________________________________________________________________ .......................................... 283 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.138 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... \ \bin \bin\program1 \bin\program2 \bin\program3 \user \user\user1 \user\user2 \projekte \projekte\p1 \projekte\p1\texte \projekte\p1\bilder \projekte\p2 \projekte\p2\projektplan \projekte\p2\teilprojekt1 \projekte\p2\teilprojekt2 \projekte\p2\teilprojekt3 \projekte\p2\ergebnis \vordrucke Es sollte regelmäßig überprüft werden, Verzeichnisse regelmäßig aufräumen - ob Daten aus dem Produktionssystem entfernt werden können, weil sie archiviert oder gelöscht werden können, - ob Zugriffsrechte entzogen werden können, weil Mitarbeiter die Projektgruppe verlassen haben, - ob auf allen IT-Systemen die aktuellsten Versionen von Formularen, Vorlagen, etc. gespeichert sind. Dies ist durch die Benutzer für deren IT-Systeme bzw. die von ihnen verwalteten Verzeichnisse und von den Administratoren der Server regelmäßig zu überprüfen. Diese Prüfungen sollten mindestens vierteljährlich durchgeführt werden, da sonst die Kenntnisse über Inhalt und Herkunft der Dateien wieder aus den Gedächtnissen der Mitarbeiter verschwunden sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden ausschließlich aufgaben- bzw. projektbezogene Verzeichnisse für die Datenhaltung benutzt? - Wann wurde zuletzt überprüft, ob alte Dateien gelöscht bzw. archiviert werden können? _____________________________________________________________________ .......................................... 284 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.139 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.139 Ist-Aufnahme der aktuellen Netzsituation Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrators Die Bestandsaufnahme der aktuellen Netzsituation ist Voraussetzung für eine gezielte Sicherheitsanalyse des bestehenden Netzes. Sie ist ebenso erforderlich für die Erweiterung eines bestehenden Netzes. Bei der Planung von Netzen sind die im folgenden beschriebenen Punkte bei der Konzeption zu berücksichtigen. Hierzu ist eine Ist-Aufnahme mit einhergehender Dokumentation der folgenden Aspekte, die z. T. aufeinander aufbauen, notwendig: - Netztopographie, - Netztopologie, - verwendete Netzprotokolle, - Kommunikationsübergänge im LAN und zum WAN sowie - Netzperformance und Verkehrsfluß. In den einzelnen Schritten ist im wesentlichen folgendes festzuhalten: Ist-Aufnahme der Netztopographie Für die Ist-Aufnahme der Netztopographie ist die physikalische Struktur des Netzes zu erfassen. Dabei ist es sinnvoll, sich an den räumlichen Verhältnissen zu orientieren, unter denen das Netz aufgebaut wird. Es ist ein Plan zu erstellen bzw. fortzuschreiben, der - die aktuelle Kabelführung, - die Standorte aller Netzteilnehmer, insbesondere der verwendeten aktiven Netzkomponenten, - die verwendeten Kabeltypen sowie - die festgelegten Anforderungen an den Schutz von Kabeln (M 1.22 Materielle Sicherung von Leitungen und Verteilern) enthält. Zur Pflege dieses Planes ist es sinnvoll, ein entsprechendes Tool zur Unterstützung einzusetzen (z. B. CAD-Programme, spezielle Tools für Netzpläne, Kabelmanagementtools im Zusammenhang mit Systemmanagementtools o. ä.). Eine konsequente Aktualisierung dieser Pläne bei Umbauten oder Erweiterungen ist ebenso zu gewährleisten wie eine eindeutige und nachvollziehbare Dokumentation (vgl. auch M 1.11 Lagepläne der Versorgungsleitungen und M 5.4 Dokumentation und Kennzeichnung der Verkabelung). Ist-Aufnahme der Netztopologie Für die Ist-Aufnahme der Netztopologie ist die logische Struktur des Netzes zu betrachten. Dazu ist es notwendig, die Segmentierung der einzelnen OSISchichten und ggf. die VLAN-Struktur zu erfassen. Anhand der Darstellung der Netztopologie muß feststellbar sein, über welche aktiven Netzkomponenten eine Verbindung zwischen zwei beliebigen End- _____________________________________________________________________ .......................................... 285 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.139 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... geräten aufgebaut werden kann. Zusätzlich sind die Konfigurationen der aktiven Netzkomponenten zu dokumentieren, die zur Bildung der Segmente verwendet werden. Dies können bei logischer Segmentierung die Konfigurationsdateien sein, bei physikalischer Segmentierung die konkrete Konfiguration der Netzkomponenten. Ist-Aufnahme der verwendeten Netzprotokolle Bezogen auf die gewählte Segmentierung des Netzes, sind die in den einzelnen Segmenten verwendeten Netzprotokolle und die hierfür notwendigen Konfigurationen (z. B. die MAC-Adressen, die IP-Adressen und die Subnetzmasken für das IP-Protokoll) festzustellen und zu dokumentieren. Hier sollte auch dokumentiert werden, welche Dienste zugelassen sind (z. B. HTTP, SMTP, Telnet) und welche Dienst nach welchen Kriterien gefiltert werden. Ist-Aufnahme von Kommunikationsübergängen im LAN und WAN Die Kommunikationsübergänge im LAN und WAN sind, soweit sie nicht in der bereits erstellten Dokumentation enthalten sind, zu beschreiben. Für jeden Kommunikationsübergang zwischen zwei Netzen ist zu beschreiben, - welche Übertragungsstrecken (z. B. Funkstrecke für eine LAN/LANKopplung) hierfür eingesetzt werden, - welche Kommunikationspartner und -dienste in welche Richtung hierüber zugelassen sind, und - wer für die technische Umsetzung zuständig ist. Hierzu gehört auch die Dokumentation der verwendeten WAN-Protokolle (z. B. ISDN, X.25). Bei einem Einsatz einer Firewall (siehe Kapitel 7.3 Firewall) ist zusätzlich deren Konfiguration (z. B. Filterregeln) zu dokumentieren. Ist-Aufnahme der Netzperformance und des Verkehrsflusses Es ist eine Messung der Netzperformance und eine Analyse des Verkehrsflusses in und zwischen den Segmenten oder Teilnetzen durchzuführen. Für jedes eingesetzte Netzprotokoll müssen die entsprechenden Messungen erfolgen. Bei jeder Änderung der Netzsituation sind die zuletzt durchgeführten Ist-Aufnahmen zu wiederholen. Die im Rahmen der Ist-Aufnahmen erstellte Dokumentation ist so aufzubewahren, daß sie einerseits vor unbefugtem Zugriff geschützt ist, aber andererseits für das Sicherheitsmanagement oder die Administratoren jederzeit verfügbar ist. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden regelmäßig Performance-Messungen und Verkehrsfluß-Analysen durchgeführt und ausgewertet? - Wird die erstellte Dokumentation laufend aktualisiert? - Ist die Dokumentation auch für Dritte verständlich und nachvollziehbar? _____________________________________________________________________ .......................................... 286 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.140 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.140 Analyse der aktuellen Netzsituation Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Diese Maßnahme baut auf den Ergebnissen der Ist-Aufnahme nach M 2.139 Ist-Aufnahme der aktuellen Netzsituation auf und erfordert spezielle Kenntnisse im Bereich der Netztopologie, der Netztopographie und von netzspezifischen Schwachstellen. Darüber hinaus ist Erfahrung bei der Beurteilung der eingesetzten individuellen IT-Anwendungen hinsichtlich Vertraulichkeit, Integrität bzw. Verfügbarkeit notwendig. Da dies ein komplexes Gebiet ist, das neben tiefgehenden Kenntnissen in allen genannten Bereichen auch viel Zeit erfordert, kann es zur Analyse der aktuellen Netzsituation hilfreich sein, externe Berater hinzuzuziehen. Im Bereich der deutschen Bundesverwaltung kann hier das BSI Hilfestellung leisten. Eine Analyse der aktuellen Netzsituation besteht im wesentlichen aus einer Strukturanalyse, einer Schutzbedarfsfeststellung und einer Schwachstellenanalyse. Eine Strukturanalyse besteht aus einer Analyse der nach M 2.139 IstAufnahme der aktuellen Netzsituation angelegten Dokumentationen. Die Strukturanalyse muß von einem Analyseteam durchgeführt werden, das in der Lage ist, alle möglichen Kommunikationsbeziehungen nachzuvollziehen oder auch herleiten zu können. Als Ergebnis muß das Analyseteam die Funktionsweise des Netzes verstanden haben und über die prinzipiellen Kommunikationsmöglichkeiten informiert sein. Häufig lassen sich bei der Strukturanalyse bereits konzeptionelle Schwächen des Netzes identifizieren. Eine erfolgreich durchgeführte Strukturanalyse ist unbedingte Voraussetzung für die sich anschließende detaillierte Schutzbedarfsfeststellung bzw. der Schwachstellenanalyse. Detaillierte Schutzbedarfsfeststellung An die Strukturanalyse schließt sich eine Schutzbedarfsfeststellung an, die über die in Kapitel 2 genannte hinausgeht. Hier werden zusätzlich die Anforderungen an Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität in einzelnen Netzbereichen bzw. Segmenten berücksichtigt. Hierzu ist es notwendig festzustellen, welche Anforderungen aufgrund der verschiedenen IT-Verfahren bestehen und wie diese auf die gegebene Netzsegmentierung Einfluß nehmen. Als Ergebnis muß erkenntlich sein, in welchen Netzsegmenten besondere Sicherheitsanforderungen bestehen. Analyse von Schwachstellen im Netz Basierend auf den bisher vorliegenden Ergebnissen erfolgt eine Analyse der Schwachpunkte des Netzes. Hierzu gehört insbesondere bei entsprechenden Verfügbarkeitsanforderungen die Identifizierung von nicht redundant ausgelegten Netzkomponenten (Single-Point-of-Failures). Weiterhin müssen die Bereiche benannt werden, in denen die Anforderungen an Verfügbarkeit, Vertraulichkeit oder Integrität nicht eingehalten werden können bzw. besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Zudem ist festzustellen, ob die gewählte Segmentierung hinsichtlich Bandbreite und Performance geeignet ist (anhand _____________________________________________________________________ .......................................... 287 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.140 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... der Ergebnisse der Verkehrsflußanalyse aus M 2.139 Ist-Aufnahme der aktuellen Netzsituation). Beispielhafte Schwachstelle: Die Performance- und Verkehrsflußanalyse zeigt eine überlastete aktive Netzkomponente. Für den betreffenden Kommunikationsweg wurden im Rahmen der Schutzbedarfsfeststellung hohe Anforderungen an die Verfügbarkeit und damit auch an die Performance festgestellt. Diese Schwachstelle erfordert eine Anpassung der Segmentierung des Netzes oder den Austausch der Netzkomponente gegen ein leistungsfähigeres Modell (siehe M 5.61 Geeignete physikalische Segmentierung, M 5.62 Geeignete logische Segmentierung, M 5.1 Auswahl einer geeigneten Backbone-Technologie und M 5.13 Geeigneter Einsatz von Elementen zur Netzkopplung). Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die aktuelle Netzsituation hinreichend dokumentiert? - Steht ausreichendes "Know How" für eine Sicherheitsanalyse der Netzsituation zur Verfügung? - Sind die Anforderungen bezüglich der Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität des Netzes und der Daten definiert und dokumentiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 288 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.141 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.141 Entwicklung eines Netzkonzeptes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um den Anforderungen bezüglich Verfügbarkeit (auch Bandbreite und Performance), Vertraulichkeit und Integrität zu genügen, muß der Aufbau, die Änderung bzw. die Erweiterung eines Netzes sorgfältig geplant werden. Hierzu dient die Erstellung eines Netzkonzeptes. Die Entwicklung eines Netzkonzeptes unterteilt sich in einen analytischen und einen konzeptionellen Teil: Analyse Zunächst ist zu unterscheiden, ob ein bestehendes Netz zu erweitern bzw. zu verändern ist oder ob das Netz vollständig neu aufgebaut werden soll. Im ersten Fall sind vorab die Maßnahmen M 2.139 Ist-Aufnahme der aktuellen Netzsituation und M 2.140 Analyse der Netzsituation zu bearbeiten. Im zweiten Fall entfallen diese Maßnahmen. Stattdessen sind die Anforderungen an die Netzkommunikation zu ermitteln sowie eine Schutzbedarfsfeststellung des zukünftigen Netzes durchzuführen. Zur Ermittlung der Kommunikationsanforderungen ist der zukünftig zu erwartende Daten- und Verkehrsfluß zwischen logischen oder organisatorischen Einheiten festzustellen, da die zu erwartende Last die Segmentierung des zukünftigen Netzes beeinflussen muß. Die notwendigen logischen bzw. physikalischen Kommunikationsbeziehungen (dienste-, anwender-, gruppenbezogen) sind ebenfalls zu eruieren und die Kommunikationsübergänge zur LAN/LAN-Kopplung oder über ein WAN zu ermitteln. Die Schutzbedarfsanforderungen des Netzes werden aus denen der geplanten oder bereits bestehenden IT-Verfahren abgeleitet. Daraus werden physikalische und logische Segmentstrukturen gefolgert, so daß diesen Anforderungen (z. B. hinsichtlich Vertraulichkeit) durch eine Realisierung des Netzes Rechnung getragen werden kann. Zum Beispiel bestimmt der Schutzbedarf einer IT-Anwendung die zukünftige Segmentierung des Netzes. Schließlich muß versucht werden, die abgeleiteten Kommunikationsbeziehungen mit den Schutzbedarfsanforderungen zu harmonisieren. Unter Umständen sind hierzu Kommunikationsbeziehungen einzuschränken, um dem festgestellten Schutzbedarf gerecht zu werden. Abschließend sind die verfügbaren Ressourcen zu ermitteln. Hierzu gehören sowohl Personalressourcen, die erforderlich sind, um ein Konzept zu erstellen und umzusetzen bzw. um das Netz zu betreiben, als auch die hierfür notwendigen finanziellen Ressourcen. Die Ergebnisse sind entsprechend zu dokumentieren. Konzeption Unter den oben genannten Gesichtspunkten, anhand einer Planung, die zukünftige Anforderungen (z. B. hinsichtlich Bandbreite) mit einbezieht, sowie unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten, sind die Netz- _____________________________________________________________________ .......................................... 289 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.141 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... struktur und die zu beachtenden Randbedingungen nach den folgenden Schritten zu entwickeln und im Konzept festzuhalten. Die Erstellung eines Netzkonzeptes erfolgt analog M 2.139 Ist-Aufnahme der aktuellen Netzsituation und besteht danach prinzipiell aus den folgenden Schritten, wobei diese Schritte nicht in jedem Fall streng aufeinander folgend ausgeführt werden können. In einigen Teilen beeinflussen sich die Ergebnisse der Schritte gegenseitig, so daß eine regelmäßige Überprüfung und Konsolidierung der Teilergebnisse vorgenommen werden muß. 1. Konzeption der Netztopographie und der Netztopologie, der physikalischen und logischen Segmentierung 2. Konzeption der verwendeten Netzprotokolle 3. Konzeption von Kommunikationsübergängen im LAN und WAN In den einzelnen Schritten sind im wesentlichen die folgenden Tätigkeiten auszuführen: Schritt 1 - Konzeption der Netztopographie und Netztopologie Basierend auf der Analysesituation (s. o.) und den konkreten baulichen Gegebenheiten muß eine geeignete Netztopographie und Netztopologie ausgewählt werden (siehe hierzu M 5.60 Auswahl einer geeigneten Backbone-Technologie, M 5.2 Auswahl einer geeigneten Netz-Topographie und M 5.3 Auswahl geeigneter Kabeltypen aus kommunikationstechnischer Sicht). Aber auch zukünftige Anforderungen wie Skalierbarkeit müssen hier Berücksichtigung finden. Die so erstellte Konzeption muß dokumentiert werden (Verkabelungspläne usw.). Ausgehend von den ermittelten Anforderungen und dem zu erwartenden bzw. ermittelten Datenfluß muß bei der Konzeption der Netztopographie und topologie eine geeignete physikalische und logische Segmentierung durchgeführt werden (siehe M 5.61 Geeignete physikalische Segmentierung, M 5.62 Geeignete logische Segmentierung und M 5.13 Geeigneter Einsatz von Elementen zur Netzkopplung). Schritt 2 - Konzeption der Netzprotokolle In diesem Schritt sind die einzusetzenden Netzprotokolle auszuwählen und diese entsprechend zu konzipieren. Hierzu gehört beispielsweise für das IPProtokoll die Erstellung eines Adressierungsschemas und die Teilnetzbildung. Für die Auswahl der Netzprotokolle ist zu beachten, daß diese durch die Netztopologie und die geplanten oder vorhandenen aktiven Netzkomponenten unterstützt werden können. Schritt 3 - Konzeption der Kommunikationsübergänge im LAN und WAN Bezogen auf den ermittelten Datenfluß über Kommunikationsübergänge hinweg und die Anforderungen bezüglich der Sicherheit und Verfügbarkeit können in diesem Schritt die Kommunikationsübergänge konzipiert werden. Hierzu gehört die Auswahl geeigneter Koppelelemente (siehe M 5.13 Geeigneter Einsatz von Elementen zur Netzkopplung) aber auch die sichere Konfiguration derselben (siehe Kapitel 7.3 Firewall und M 4.82 Sichere Konfiguration der aktiven Netzkomponenten). _____________________________________________________________________ .......................................... 290 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.141 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Weitere Schritte Ausgehend von dem erstellten Netzkonzept können nun die Maßnahmen zur Erstellung eines Netzmanagementkonzeptes durchgeführt werden (siehe M 2.143 Entwicklung eines Netzmanagementkonzeptes, M 2.144 Geeignete Auswahl eines Netzmanagement-Protokolls und M 2.145 Anforderungen an ein Netzmanagement-Tool) und ein Realisierungsplan nach M 2.142 Entwicklung eines Netz-Realisierungsplanes ausgearbeitet werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 291 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.142 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.142 Entwicklung eines Netz-Realisierungsplans Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Für die Erstellung eines Netz-Realisierungsplans ist zu unterscheiden, ob es sich um einen vollständigen Neuaufbau des Netzes, um eine Veränderung der bestehenden Konzeption und/oder eine Erweiterung handelt. Bei einer vollständigen Neuplanung sind anhand der entwickelten Netzkonzeption (vgl. M 2.141 Entwicklung eines Netzkonzeptes) die notwendigen Schritte abzuleiten. Dabei erfolgt nach abgeschlossener Planung der Aufbau des Netzes über das Verlegen der notwendigen Kommunikationskabel, das Einrichten von Räumen für die technische Infrastrukur, das Installieren der versorgenden technischen Infrastruktur, die Integration der notwendigen Koppelelemente (Bridges, Switches, Router etc.), das Einrichten der Netzmanagementstationen, den Einbau der entsprechenden Netzadapater in den Endgeräten, bis hin zur Konfiguration dieser Endgeräte. Soll ein bestehendes Netz verändert oder erweitert werden, ist in einem Soll/Ist-Vergleich das nach M 2.141 Entwicklung eines Netzkonzeptes erarbeitete Netzkonzept mit der vorhandenen Situation nach M 2.139 Ist-Aufnahme der aktuellen Netzsituation zu vergleichen. Ausgehend von Differenzen kann unter Berücksichtigung der o. g. Maßnahmen ein Realisierungsplan für die sogenannte Netzmigration erstellt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Realisierungsaufwand um so größer ist, je mehr das Netzkonzept vom IstZustand abweicht. Beispielhafte Migration eines "Shared Ethernet" zu einem "Switched Fast-Ethernet" Eine Migration von einer Netztopologie zu einer anderen erfolgt im allgemeinen stufenweise. Im folgenden ist beispielhaft eine solche Migration von einem "Shared Ethernet" auf ein Fast-Ethernet mit Switching-Technologie skizziert. Für eine Umsetzung in der Praxis müssen allerdings die Randbedingungen genau geprüft und entsprechend ein eigenes Migrationskonzept erstellt werden. - Migrationsschritt 1 Im ersten Migrationsschritt kann das existierende Backbone durch ein FastEthernet-Backbone ersetzt oder ggf. neu aufgebaut werden. Der Anschluß der verbleibenden Shared Ethernet-Segmente erfolgt über die Netzkomponenten des Backbones, die dementsprechend auch Standard-Ethernet unterstützen müssen. - Migrationsschritt 2 Aufbau einer strukturierten Verkabelung, d. h. es wird von einem Standard-Ethernet mit Stichleitung zu einem Verkabelungskonzept übergegangen, bei dem jeder Arbeitsplatz sternförmig an einen Verteilerraum angebunden wird, ohne die topologische Busstruktur aufzugeben. _____________________________________________________________________ .......................................... 292 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.142 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Migrationsschritt 3 Die Anbindung der Server erfolgt zentral an einen Switch mit FastEthernet Anschlüssen (Installation einer sogenannten Serverfarm). - Migrationsschritt 4 Anwender, die eine hohe Bandbreite benötigen, werden durch Austausch der entsprechenden Schnittstellen ebenfalls mit Fast-Ethernet angeschlossen. - Migrationsschritt 5 Migration der verbleibenden Ethernet-Segmente zu einem vollständig geswitchten System. Hierzu können beispielsweise Ethernet-Switches an die Fast-Ethernet-Switches des Backbones angebunden werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 293 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.143 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.143 Entwicklung eines Netzmanagementkonzeptes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die in einem lokalen Netz zusammengefaßten vielfältigen IT-Systeme, wie z. B. Serversysteme, Endgeräte, Drucker, aktive Netzkomponenten usw., sollten auf Netzebene an einer geeigneten Stelle zentral administriert und überwacht werden können. Eine zentrale Administration der Netzkomponenten ist dabei einer dezentralen vorzuziehen, da in diesem Fall Administrationsaufwände verringert und Anforderungen an die Sicherheit zentral definiert und kontrolliert werden können. In erster Linie wird ein zentrales Netzmanagement verwendet, um die Verfügbarkeit und Integrität des Netzes sowie die Integrität und Vertraulichkeit der übermittelten Daten zu gewährleisten. Diese Aufgabe hat eine hohe Komplexität und sollte durch den Einsatz eines Netzmanagement-Tools unterstützt werden. Vor der Beschaffung und dem Betrieb eines solchen NetzmanagementSystems ist im ersten Schritt ein Konzept zu erstellen, in dem alle Sicherheitsanforderungen an das Netzmanagement formuliert und angemessene Maßnahmen für den Fehler- oder Alarmfall vorgeschlagen werden. Dabei sind insbesondere die folgenden Bestandteile eines Netzmanagementkonzeptes bei der Erstellung zu berücksichtigen und in einem Gesamtzusammenhang darzustellen. - Performance-Messungen zur Netzanalyse (siehe M 2.140 Analyse der aktuellen Netzsituation), - Reaktionen auf Fehlermeldungen der überwachten Netzkomponenten, - Fernwartung / Remote-Control, insbesondere der aktiven Netzkomponenten, - Generierung von Trouble-Tickets und Eskalation bei Netzproblemen (Hierüber kann eine Anbindung an Systemmanagement- und User-HelpDesksysteme bzw. an externe Nachrichtenübermittler, z. B. Pager, Fax usw., erfolgen.), - Protokollierung und Audit (Online und/oder Offline), - Einbindung eventuell vorhandener proprietärer Systeme bzw. von Systemen mit unterschiedlichen Managementprotokollen (z. B. im Telekommunikationsbereich), - Konfigurationsmanagement aller im Einsatz befindlichen IT-Systeme (siehe u. a. M 4.82 Sichere Konfiguration der aktiven Netzkomponenten), - Verteilter Zugriff auf die Netzmanagementfunktionalitäten (Für die Administration oder für das Audit kann ein Remotezugriff auf die Netzmanagementfunktionalitäten notwendig sein. Hier ist insbesondere eine sorgfältige Definition und Vergabe der Zugriffsrechte notwendig.). Die konkreten Anforderungen an ein Netzmanagement-Tool sind in M 2.145 Anforderungen an ein Netzmanagement-Tool beschrieben. Diese müssen eine Umsetzung des Netzmanagementkonzeptes ermöglichen. _____________________________________________________________________ .......................................... 294 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.143 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden alle Sicherheitsanforderungen an das Netzmanagement formuliert und dokumentiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 295 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.144 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.144 Geeignete Auswahl eines NetzmanagementProtokolls Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Als Standardprotokolle für Netzmanagement gelten derzeit: - SNMP (Simple Network Management Protocol), SNMP ist in RFC 1157 beschrieben, Request for Comment (RFC) ist die Bezeichnung für einen in der Internet-Society etablierten Standard. - CMIP (Common Management Information Protocol), CMIP ist in der ITUT-Norm X.711 bzw. in ISO/IEC 9596-1 beschrieben. Im folgenden werden die wesentlichen Vor- und Nachteile der beiden Protokolle als Entscheidungshilfe bei der Auswahl eines Netzmanagement-Protokolls aufgezeigt. SNMP Für SNMP sind zwei Komponenten definiert, Manager und Agent. In einem lokalen Netz werden ein oder eventuell mehrere Manager und je ein Agent pro IT-System, das mit SNMP überwacht bzw. konfiguriert werden soll, installiert. Die Agenten sammeln über diese Systeme Informationen und legen sie in einer MIB (Management Information Base) ab. Sie tauschen mit dem Manager über ein verbindungsloses Protokoll Nachrichten aus, so daß SNMP an kein bestimmtes Transportprotokoll gebunden ist. Es wird jedoch heute üblicherweise auf UDP/IP implementiert. Andere Implementationen sind jedoch ebenfalls möglich und vorhanden (z. B. über OSI, AppleTalk, SPX/IPX). SNMP gibt es in verschiedenen Versionen. Neben der Urversion SNMPv1 sind derzeit auch in geringem Umfang verschiedene Ausprägungen der Version 2 (SNMPv2) im Einsatz (RFC 1901-1908). SNMP ist ein sehr einfaches Protokoll, das fünf Nachrichtentypen kennt. Damit tauschen Manager und Agenten die sogenannten Managementinformationen aus, die hier im wesentlichen aus Werten von Statusvariablen bestehen, die im Managementagenten vorgehalten werden und den jeweiligen Zustand des zugehörigen verwalteten Objektes beschreiben. Welche Statusvariablen (Name und Typ) in den einzelnen Agenten existieren, ist in der Managementdatenbank (MIB) beschrieben. Dabei ist die Information hierarchisch organisiert, und jedem Wert ist eine eindeutige Identifikationsnummer zugeordnet, die auf den Variablen damit eine eindeutige Reihenfolge definiert. Die Nachrichtentypen sind im Einzelnen: 1. GetRequest: wird vom Manager an Agenten geschickt, um von ihnen den Wert einer oder mehrerer Statusvariablen abzufragen. 2. GetNextRequest: wird vom Manager an Agenten geschickt, um von ihnen den Wert oder die nächsten Werte gemäß der Reihenfolge der Variablen in der MIB abzufragen. 3. SetRequest: wird vom Manager an Agenten geschickt, um dort den Wert einer Variablen zu setzen. _____________________________________________________________________ .......................................... 296 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.144 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... 4. GetResponse: wird vom Agenten zum Manager geschickt, um die angefragten Werte zu senden oder das Setzen eines Variablenwertes zu bestätigen. 5. Trap: wird vom Agenten verwendet, um den Manager über Ausnahmeereignisse zu informieren. Das Senden einer Trap-Nachricht erfolgt, im Gegensatz zur GetResponse-Nachricht, ohne vorherige Anfrage vom Manager. Die wesentlichen Vor- und Nachteile sind: + SNMP zeichnet sich durch ein einfaches Design und damit auch durch eine einfache Implementation aus. Dies reduziert die Fehleranfälligkeit und verbessert die Stabilität des Protokolls. + SNMP ist sehr weit verbreitet und gilt als ein De-Facto-Standard. Dadurch wird es durch fast jedes Produkt im Netz- und Systemtechnikumfeld unterstützt. + Das Protokoll kann sehr einfach an zukünftige Bedürfnisse angepaßt werden. Aus diesem Grund und der oben genannten weiten Verbreitung von SNMP kann es als sehr zukunftssicheres Protokoll (Investitionsschutz) bezeichnet werden. + Es handelt sich um ein verbindungsloses, einfaches Protokoll auf Transportebene. Damit ist die Performance der Übertragung der SNMP-Pakete im Netz besser als beim verbindungsorientierten CMIP. - Der Einsatz von SNMP birgt Sicherheitsrisiken, die es u. U. einem Angreifer ermöglichen, weitgehende Informationen über die System- und Netzumgebung zu erhalten. Insbesondere existiert, abgesehen von den Community-Namen (die bei SNMP die Möglichkeit zur Bildung von Gruppen und einen rudimentären Paßwortschutz bieten), kein echter Paßwortschutz beim Zugriff auf die Netzkomponenten. - Aufgrund der Einfachheit des Protokolls und der verfügbaren Möglichkeiten weist SNMP Schwächen im Umgang mit sehr großen oder stark expandierenden Netzen auf. - Die Performance der Version 1 bei aufwendigeren MIB-Abfragen ist ungenügend, da immer der gesamte MIB-Baum angegeben werden muß. Einer der großen Nachteile der Version 1 des SNMP liegt in der fehlenden Unterstützung einer Authentisierung beim Zugriff auf die überwachten Komponenten. Diese Nachteile gleicht die Version 2 von SNMP zum Teil aus, zusätzlich wurde die Performance bei der Abfrage der MIBs erhöht. Allerdings gibt es auch in SNMPv2 bezüglich der unterstützten Sicherheit unterschiedliche Varianten. Erst die Versionen SNMPv2* und SNMPv2u bieten die Möglichkeit einer symmetrischen benutzerbasierten Authentisierung, während SNMPv2c weiterhin auf Communities aufbaut. Communities werden in SNMP zum einen genutzt, um die einzelnen Netzkomponenten zu Bereichen zusammenzufassen, und zum anderen als Paßwortersatz beim Zugriff auf diese. Hinzu kommt in SNMPv2* die Möglichkeit der Datenverschlüsselung nach dem Data Encryption Standard im Cipher Block Chaining Modus (DES-CBC). Aufgrund der unterschiedlichen Varianten innerhalb von _____________________________________________________________________ .......................................... 297 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.144 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... SNMPv2 ist derzeit die Unsicherheit bei den Herstellern von Netzkomponenten und Netzmanagementsystemen groß, so daß Implementierungen nach SNMPv2 noch nicht flächendeckend anzutreffen und nur eingeschränkt interoperabel sind. Die unterschiedlichen Ausprägungen von SNMPv2 sollen in der nächsten SNMP-Version (SNMPv3) konsolidiert werden. Die Verabschiedung von SNMPv3 ist zur Zeit in Arbeit, aber noch nicht abgeschlossen. Aus den oben genannten Gründen kann im Sinne des IT-Grundschutzes bislang nur der Einsatz von SNMPv1 empfohlen werden. Werden weitergehende Anforderungen an die Sicherheit des Netzmanagement-Protokolls bzw. an die Sicherheitsmechanismen des Netzes gestellt, muß entweder SNMPv2u oder SNMPv2* mit benutzerbasierter Authentisierung oder CMIP eingesetzt werden. Prinzipiell läßt sich festhalten, daß Vertraulichkeits- bzw. Authentizitätsaspekte bei den neueren Versionen von SNMP stärker berücksichtigt werden, Bandbreitenverluste dabei jedoch in Kauf zu nehmen sind. CMIP CMIP setzt im Gegensatz zu SNMP auf einem implementierten OSI-Protokollstapel (die OSI-Schichten 1 bis 3 sind als Protokollstapel implementiert) auf und arbeitet damit auch verbindungsorientiert. Hierdurch wird die Verwendung des CMIP auf Komponenten eingeschränkt, die die notwendigen Hard- und Softwarevoraussetzungen für die Implementation eines vollständigen OSI-Stapels bieten. Aufgrund der hohen Anforderungen, die diese Implementation stellt, wurde auch ein "CMIP Over TCP/IP" (CMOT) definiert (RFC 1189). Hierdurch wird es möglich, CMIP auch in reinen TCP/IPNetzen zu betreiben. Eines der Ziele bei der Entwicklung des CMIP war es, ein objektorientiertes Management zu entwickeln. CMIP ist dementsprechend konsequent objektorientiert aufgebaut. Im CMIP übernimmt eine CMIP-Maschine (CMIPM) die Aufgaben, die unter SNMP der Manager durchführt. An diese CMIPM, die wie der SNMP-Manager als Software realisiert ist, werden von den Agenten der zu verwaltenden Objekte Service-Requests zur Einleitung verschiedener Aktionen geschickt und umgekehrt versendet die CMIPM CMIP-Nachrichten an die Agenten der zu verwaltenden Objekte. Die zu verwaltenden Objekte werden nach den Grundsätzen des objektorientierten Ansatzes in mehreren Bäumen verwaltet, die zueinander verschiedene Relationen und Zugriffsarten aufweisen. Das CMIP ist aufgrund der beschriebenen Objektstruktur sehr leistungsfähig und komplex. Das Protokoll selbst besteht dagegen aus relativ wenigen Operationen, mit denen das gesamte Management auf der Basis der o. g. Objektstruktur ermöglicht wird. Die wesentlichen Vor- und Nachteile sind: + CMIP bietet durch den objektorientierten Ansatz wesentlich mehr Möglichkeiten als SNMP, da z. B. auch Aktionen ausgeführt und Instanzen von Management-Objekten verwaltet werden können. _____________________________________________________________________ .......................................... 298 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.144 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... + CMIP bietet größere Sicherheit als SNMP, insbesondere durch die Bereitstellung von Mechanismen zum Zugriffsschutz, zur Authentisierung der Benutzer und zum Auditing. + CMIP ist ein durch OSI genormtes Protokoll und damit ein offizieller internationaler Standard, während SNMP nur einen De-Facto-Standard auf RFC-Basis darstellt. + Die genannten Schwächen von SNMP werden vermieden. - CMIP ist ein sehr komplexes Protokoll, dessen gesamte Leistungsfähigkeit jedoch nur selten benötigt und genutzt werden kann. Eine entsprechende Konfiguration des Protokolls ist aufgrund der vielen möglichen Einstellungen nur schwer möglich und erfordert ein erhebliches Know-how des Administrators. - CMIP benötigt ungefähr zehnmal soviel Systemressourcen wie SNMP. Deshalb muß eine leistungsfähige Hardware verwendet werden, die nur in wenigen aktiven Netzkomponenten vorhanden ist. Außerdem ist im allgemeinen eine Implementation des OSI-Protokollstapels notwendig, der zusätzliche Ressourcen verbraucht. Eine Ausnahme bildet hier CMOT. - Aufgrund der Komplexität des Protokolls und der dementsprechenden Implementationen ist CMIP potentiell fehleranfälliger als SNMP-Implementationen. - Von CMIP existieren derzeit nur wenig verfügbare Implementationen und es wird in der Praxis, abgesehen vom Telekommunikationsbereich, kaum eingesetzt. Im konkreten Fall muß detailliert geprüft werden, welches NetzmanagementProtokoll das für den jeweiligen Verwendungszweck geeignete darstellt. Dazu müssen die Sicherheitsanforderungen an das Netzmanagement formuliert und abgestimmt sein. Wird der TCP/IP-Protokollstapel bereits im lokalen Netz verwendet und sind die Sicherheitsanforderungen gering, bietet sich SNMPv1 als Lösung an. Dennoch können höhere Sicherheitsanforderungen auch hier für den Einsatz von SNMPv2 oder CMIP sprechen. Beim Einsatz von CMIP muß dann erwogen werden, auf welchem Protokollstapel CMIP implementiert werden soll. Entweder auf dem OSI-Stapel (CMIP) oder auf dem TCP/IPStapel (CMOT). Zu Bedenken ist auch, daß CMIP bzw. CMOT derzeit nicht von allen aktiven Netzkomponenten und Netzmanagementsystemen unterstützt wird. Vor dem Einsatz von CMIP ist also sorgfältig zu untersuchen, ob die eingesetzten Komponenten und Clients CMIP-fähig sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden die Sicherheitsanforderungen an das Netzmanagement formuliert und dokumentiert? - Wurde die Kompatibilität der aktiven Netzkomponenten und der Clients bzgl. der ausgewählten SNMP-Version bzw. zu CMIP überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 299 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.145 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.145 Anforderungen an ein Netzmanagement-Tool Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um ein effektives Netzmanagement durchführen zu können, ist der Einsatz eines Netzmanagement-Tools hilfreich. Derzeit stellt der Markt eine Vielzahl von Produkten für das Netzmanagement zur Verfügung, die alle hinsichtlich der eigenen individuellen Anforderungen geprüft werden müssen, bevor eine Entscheidung zur Beschaffung eines konkreten Tools gefällt werden kann. Dabei gilt es vor allem, die Sicherheitsanforderungen nach M 2.143 Entwicklung eines Netzmanagementkonzeptes zu erfüllen und die folgenden Punkte zu beachten: - Es muß das ausgewählte Netzmanagement-Protokoll unterstützen (siehe M 2.144 Geeignete Auswahl eines Netzmanagement-Protokolls). - Das Produkt muß skalierbar sein, d. h. es muß an zukünftige Anforderungen angepaßt werden können. - Es muß alle im lokalen Netz vorhandenen Netzkomponenten unterstützen. - Es muß alle im lokalen Netz eingesetzten Netzprotokolle unterstützen. - Es sollte modular aufgebaut sein, um auch später weitere Funktionen ohne großen Aufwand in das bestehende Netzmanagement-System integrieren zu können. - Es sollte eine grafische Oberfläche (Graphical User Interface, GUI) besitzen, um die relevanten Informationen übersichtlich und verständlich darstellen zu können. - Werden außerdem Produkte zum Systemmanagement eingesetzt, sollte im Sinne eines "single point of administration" eine Integration mit dem Netzmanagement unter einer Oberfläche möglich sein. Neben diesen allgemein zu prüfenden Anforderungen sind zusätzlich die funktionalen Anforderungen an ein Netzmanagementsystem zu definieren. Die folgenden Kriterien stellen dazu eine Übersicht über die Möglichkeiten in aktuell verfügbaren Produkten dar, nicht alle Funktionen sind jedoch in allen Produkten realisiert. Vor einer Produktentscheidung muß deshalb festgelegt werden, welche Funktionen notwendig sind und welche nicht benötigt werden: - topologische Darstellung des Netzes (z. B. auch die Möglichkeit der Einbindung von Hintergrundgrafiken wie Baupläne usw.), - wählbare Darstellungsform der Topologie, - topographische Darstellung des Netzes (z. B. auch die Möglichkeit der Einbindung von Hintergrundgrafiken wie Baupläne usw.), - automatisches Erkennen und Abbilden der Netztopologie und Segmentierung (Auto-Discovery), - Anzeige der Konfiguration der aktiven Netzkomponenten auf Portebene, - Anzeige der Performance auf Portebene, _____________________________________________________________________ .......................................... 300 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.145 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - graphische Visualisierung der aktiven Netzkomponenten, - interaktives Tool für das Managementprotokoll (z. B. MIB-Browser), - einfache Navigation im Netzmanagement-Tool, z. B. durch Zoomfunktionen oder durch Ausschnittsvergrößerungen, - eventuell Integration eines VLAN-Managers und graphische Darstellung der VLANs, - intuitive Bedienbarkeit der Tool-Oberfläche, insbesondere desjenigen Teils, in dem die topologischen bzw. topographischen Abbildungen editiert werden (beispielsweise durch "Drag & Drop"), - Darstellung der Fehler- und Alarmmeldungen durch frei definierbare Farben und nach selbst zu definierenden Kriterien, - Möglichkeit eines verteilten Managements (Client/Server und Manager-ofManager) und - Möglichkeit der Integration und Definition weiterer MIBs (Private-MIBs). Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden alle Anforderungen an ein Netzmanagement-Tool formuliert und dokumentiert? - Kann mit dem Netzmanagement-Tool das Netzmanagement-Konzept umgesetzt werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 301 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.146 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.146 Sicherer Betrieb eines Netzmanagementsystems Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Für den sicheren Betrieb eines Netzmanagementtools oder eines komplexen Netzmanagementsystems, welches beispielsweise aus mehreren verschiedenen Netzmanagementtools zusammengesetzt sein kann, ist die sichere Konfiguration aller beteiligten Komponenten zu überprüfen und sicherzustellen. Hierzu gehören die Betriebssysteme, auf denen das oder die Netzmanagementsysteme betrieben werden, die zumeist notwendigen externen Datenbanken für ein Netzmanagementsystem, das verwendete Protokoll (siehe M 2.144 Geeignete Auswahl eines Netzmanagementprotokolls) und die aktiven Netzkomponenten selbst. Vor dem Betrieb eines Netzmanagementsystems muß die Ermittlung der Anforderungen an den Betrieb und die Erstellung eines Netzmanagementkonzeptes stehen (siehe M 2.143 Entwicklung eines Netzmanagementkonzeptes). Insbesondere sind folgende Punkte zu beachten: - Um ein Mitlesen oder Verändern der Netzmanagement-Informationen zu verhindern, muß der Rechner, auf dem die Netzmanagement-Konsole betrieben wird, geeignet geschützt werden. Dazu zählen beispielsweise die Aufstellung in einem besonders geschützten Raum, der Einsatz von Bildschirmsperren, Paßwortschutz für die Netzmanagement-Konsole und weitere Sicherheitsmechanismen des zugrundeliegenden Betriebssystems. - Die Maßnahme M 2.144 Geeignete Auswahl eines Netzmanagementprotokolls ist vor dem Hintergrund des sicheren Betriebes zu berücksichtigen. Insbesondere ist durch eine geeignete Konfiguration der aktiven Netzkomponenten auf der Basis des verwendeten Protokolls ein Auslesen der MIBs und anderer Informationen durch unautorisierte Personen zu verhindern (siehe M 4.80 Sichere Zugriffsmechanismen bei Fernadministration und M 4.82 Sichere Konfiguration der aktiven Netzkomponenten). - Werden Netzmanagementfunktionen dezentral nach dem Client/ServerModell oder durch Benutzung der X-Windows-Technologie durchgeführt, muß für diese ebenfalls der sichere Betrieb gewährleistet werden. - Es müssen in regelmäßigen Abständen Integritätstests der eingesetzten Software durchgeführt werden, um unautorisierte Änderungen frühzeitig zu erkennen. - Das Netzmanagement-System muß auf sein Verhalten bei einem Systemabsturz getestet werden. Insbesondere sollte ein automatischer Neustart möglich sein, um die Zeitspanne, in der das lokale Netz nicht überwacht wird, so gering wie möglich zu halten. Die Netzmanagement-Datenbank darf durch einen Systemabsturz nicht beschädigt werden und muß nach einem Neustart wieder verfügbar sein, da die darin enthaltenen Konfigurationsdaten wesentlich für den Betrieb des Netzmanagementsystems sind. Diese Daten müssen daher besonders gesichert werden, damit sie einerseits noch verfügbar sind und andererseits keine alten oder fehlerhaften _____________________________________________________________________ .......................................... 302 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.146 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Konfigurationsdaten bei einem Neustart benutzt werden, der ggf. durch einen Angreifer aus diesem Grunde provoziert wurde. Für den Schutz der eingesetzten Datenbank ist u. U. auch der Baustein 9.2 Datenbanken zu beachten. - Beim Wiedereinspielen von gesicherten Datenbeständen muß darauf geachtet werden, daß für den sicheren Betrieb des NetzmanagementSystems relevante Dateien wie Konfigurationsdaten, Paßwortdateien und auch die Metakonfigurationsdateien für die eigentlichen Netzkomponenten auf dem aktuellsten Stand sind. Für den sicheren Betrieb eines Netzmanagement-Systems sind folgende Daten relevant: - Konfigurationsdaten des Netzmanagementsystems, die sich in entsprechend geschützten Verzeichnissen befinden müssen. - Konfigurationsdaten der Netzkomponenten (Metakonfigurationsdateien), die sich ebenfalls in entsprechend geschützten Verzeichnissen befinden müssen. - Paßwortdateien für das Netzmanagementsystem. Hierbei ist beispielsweise auf die Güte des Paßworts und die Möglichkeit einer verschlüsselten Speicherung des Paßworts zu achten (siehe M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs). - Eine Administration der aktiven Netzkomponenten über das Netz sollte dann eingeschränkt werden und eine Administration über die lokalen Schnittstellen erfolgen, wenn die Erfüllung der Anforderungen an Vertraulichkeit und Integrität der Netzmanagementinformationen nicht gewährleistet werden kann. In diesem Fall ist auf ein zentrales Netzmanagement zu verzichten. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde eine Regelung des Paßwortgebrauchs für das Netzmanagementsystems bzw. -tool erstellt? - Unterstützt das Netzmanagementsystem die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen? _____________________________________________________________________ .......................................... 303 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.147 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.147 Sichere Migration von Novell Netware 3.x Servern in Novell Netware 4.x Netze Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Unter Novell Netware 3.x verwaltet jeder Server die Informationen über seine Benutzer in der sogenannten Bindery. Dies hat den Nachteil, daß in einem Netz mit mehreren Netware 3.x Servern jeder Benutzer-Account auf jedem Server, auf den der Benutzer zugreifen will, separat angelegt werden muß. Für den Administrator ist dieses mehrfache Anlegen von Benutzern-Accounts ein enormer zusätzlicher Aufwand, der prinzipiell nicht zu verhindern ist. Darüber hinaus muß sich der Benutzer auf jedem Server einzeln anmelden. In einem Netz mit mehreren Novell Netware 4.x Servern, die in einem NDSBaum installiert sind, meldet sich der Benutzer dagegen nur einmal am Netz an und kann sofort alle ihm zugewiesenen Ressourcen benutzen (siehe M 2.151 Entwurf eines NDS-Konzeptes). Eine direkte Integration von Netware 3.x Servern in ein Netware 4.x Netz ist nicht möglich, da diese weiterhin als eigenständige Systeme arbeiten. Benutzer, die sowohl auf Netware 4.x als auch auf Netware 3.x zugreifen wollen, müßten bei dieser Konstellation weiterhin mehrfach angelegt werden. Eine sinnvolle Alternative ist dagegen die Migration eines Netware 3.x Servers in einen NDS-Baum. Dazu kann das von Novell bei Netware 4.x mitgelieferte Produkt NETSYNC.NLM verwendet werden. Der Betrieb eines Netware 3.x Servers in einem Netware 4.x Netz hat den Vorteil, daß die Benutzer-Accounts zentral auf einem Netware 4.x Server administriert werden können und nicht mehr auf jedem Netware 3.x Server einzeln gepflegt werden müssen. Hierfür muß ein Netware 4.x Server vorhanden sein, der bis zu 12 Netware 3.x Server verwalten kann. Dieser wird als Host bezeichnet und muß für die weitere Administration der Benutzer-Accounts verwendet werden, da er die Änderungen der NDS in die Bindery der Netware 3.x Server überträgt. Bei einer Migration wird ein Großteil der NLMs der Netware 3.x Server ersetzt und diese dann mit einem Host verbunden. Eine eventuell gewünschte Wiederherstellung eines eigenständigen Netware 3.x Servers ist somit mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Folgende Punkte müssen für eine sichere Migration beachtet werden: - Der Bindery Kontext muß für den Behälter, in dem der Netware 3.x Server erstellt werden soll, gesetzt werden. - Die Bindery Emulation muß auf dem Netware 4.x Host in der Datei AUTOEXEC.NCF mit dem Befehl SET BINDERY CONTEXT = ... eingetragen und damit aktiviert werden. - Nach der Migration dürfen Änderungen nicht mehr mit dem Utility SYS:PUBLIC\SYSCON.EXE durchgeführt werden. Andere Utilities, wie z. B. SYS:PUBLIC\FILER.EXE oder SYS:PUBLIC\PCONSOLE.EXE, werden im Rahmen der Migration durch NETSYNC.NLM ersetzt. Es wird _____________________________________________________________________ .......................................... 304 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.147 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... jedoch empfohlen, für Administrationszwecke ausschließlich das Programm SYS:PUBLIC\NWADMIN.EXE zu benutzen. Das Utility SYS:PUBLIC\SYSCON.EXE sollte daher entfernt werden. - Falls mehrere Netware 3.x Server in den gleichen Container migriert werden sollen oder auch mehrere Bindery Emulations aktiviert sind, müssen die entsprechenden Objekte zuvor auf Namenskonflikte überprüft werden, da sie nicht mehrfach mit dem selben Namen vorhanden sein dürfen. _____________________________________________________________________ .......................................... 305 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.148 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.148 Sichere Einrichtung von Novell Netware 4.x Netzen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Eine sichere Einrichtung eines Novell Netware 4.x Netzes beinhaltet die beiden Schritte - Installation der zugehörigen Software und - Einrichtung der Netzumgebung. Installation der zugehörigen Software Um eine sichere Installation der Novell Netware 4.x Software zu gewährleisten, muß vor der Installation das Handbuch Installation für Novell Netware 4.x durchgearbeitet werden. Folgende Punkte sind unbedingt zu beachten: - Anforderungen an die Hardware: vor der Installation ist zu überprüfen, ob die vorgesehene Hardware alle Anforderungen (z. B. Massenspeicher- und Hauptspeicherbedarf) erfüllt, - vorgezogene Funktionsüberprüfung aller Hardwarekomponenten unter MS-DOS, bevor die Hardware in einer komplexen Umgebung wie z. B. einem Multiprotokollrouter eingesetzt wird, - Dokumentation der Hardwarekonfiguration (siehe M 2.153 Dokumentation von Novell Netware 4.x Netzen), - Planung der NDS (siehe M 2.151 Entwurf eines NDS-Konzeptes). Alle anderen wesentlichen Schritte zur Installation der Novell Netware 4.x Software können den entsprechenden Handbüchern Installation und Handbuch zu Netware 4 Netzwerken entnommen werden. Anforderungen an die Verfügbarkeit Zur Erhöhung der Verfügbarkeit von Novell Netware Servern bzw. der gespeicherten Daten stellt das Netzbetriebssystem hierarchische Fehlertolerierungsstufen zur Verfügung, die nachfolgend kurz aufgezeigt werden. Jede der hier aufgezeigten Fehlertolerierungsstufen beinhaltet dabei die Funktionalitäten der vorherigen Stufe. - Hot Fix I und Hot Fix II Novell Netware 4.x unterstützt standardmäßig den sog. Hot Fix. Hierbei werden Datenverluste aufgrund physikalischer Festplattenfehler verhindert. Dabei wird zwischen Hot Fix I und II unterschieden. Bei Hot Fix I wird nach einem Schreibzugriff auf eine Datei ein Vergleich zwischen den veränderten Daten auf der Festplatte mit den Originaldaten veranlaßt, die sich noch im Arbeitsspeicher des Novell Netware Servers befinden. Ist dieses Ergebnis fehlerhaft, so wird der entsprechende Sektor der Festplatte als defekt markiert und für zukünftige Zugriffe gesperrt. _____________________________________________________________________ .......................................... 306 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.148 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Weiterhin werden die Daten des Arbeitsspeichers im Anschluß an den zuvor beschriebenen Fehlerfall in den sogenannten ”Hot Fix Bereich” der Festplatte umgeleitet. Seit Netware 4.11 ist diese Funktionalität allerdings standardmäßig deaktiviert. Der dafür verantwortliche SET-Parameter des Netware Servers lautet Enable Disk Read After Write Verify und ist bei Netware 4.11 auf OFF gesetzt. Um die Funktion Hot Fix I zu aktivieren, muß dieser Parameter auf ON stehen. Hot Fix II hingegen funktioniert auch in der Standardeinstellung von Netware 4.11. Hot Fix II stellt eine ähnliche Fehlertoleranz wie Hot Fix I zur Verfügung, dies jedoch nur bei gespiegelten und geduplexten Platten. Im Gegensatz zu Hot Fix I können hier auch Fehler erst beim Lesen korrigiert werden, da die Information redundant vorhanden ist. Werden beim Lesen Probleme erkannt, wird der Sektor der Platte als defekt markiert und ersatzweise auf einen Sektor aus dem Hot Fix Bereich zurückgegriffen. In diesem Fall werden dann die intakten Informationen der gespiegelten oder geduplexten Platte gelesen und der defekte Sektor mit der Information der Ersatzplatte für diesen Bereich automatisch ergänzt. Da heutige Platten eine sehr hohe Eigenintelligenz besitzen und ähnlich Mechanismen intern zur Verfügung stehen, sind Hot Fix I und II heutzutage von geringerer Bedeutung. Sollten trotz moderner Platten Sektoren im Hot Fix Bereich belegt sein, ist ein sehr schneller Plattentausch notwendig. Der Hot Fix Bereich kann beim Erstellen einer Netware Partition konfiguriert werden. Novell Netware schlägt eine Größe für den Hot Fix Bereich vor, die sich an der Größe der Netware Partition orientiert und bei wachsenden Partitionen prozentual abnimmt. - Disk Mirroring Beim Disk Mirroring sollten an einen Festplattencontroller des Servers zwei identische Festplatten angeschlossen werden. Es lassen sich allerdings auch nicht identische Platten spiegeln. Einzige Voraussetzung ist, daß die Datenbereiche der beiden Netware Partitionen der zu spiegelnden Platten gleich groß sind. Die zu speichernden Daten werden gleichzeitig auf beiden Festplatten gespeichert. Fällt eine der Festplatten durch einen Fehler aus, wird ohne Ausfallzeit und Datenverlust mit der zweiten Festplatte weitergearbeitet. - Disk Duplexing Beim Disk Duplexing werden zwei Festplatten und zwei Festplattencontroller von gleicher Art bzw. Größe im File Server installiert. Disk Duplexing gewährleistet somit eine Fortführung des Betriebes nicht nur beim Ausfall einer Festplatte, sondern auch beim Ausfall eines Festplattencontrollers. Zusätzlich sollte beim Disk Duplexing auch das Netzteil der Festplatten redundant vorhanden sein, was sich meist nur mit externen Platten-Systemen realisieren läßt. _____________________________________________________________________ .......................................... 307 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.148 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Serverspiegelung (System Fault Tolerance III) Eine Serverspiegelung in der sog. SFT-III-Konfiguration stellt die höchste Stufe der Toleranz gegen im Betrieb auftretende Hardware-Fehler dar. Zwei identische Novell Netware 4.x Server arbeiten hierbei gleichzeitig und "parallel" im Netz. Zu beachten ist dabei jedoch, daß der Secondary Server nur Standby zur Verfügung steht und nur beim Ausfall des Primary Servers die Arbeit im Netz übernimmt. Die beiden Novell Netware Server sind hierbei durch ein eigenes Hochgeschwindigkeitsnetz miteinander verbunden. Fällt hierbei der Primär-Server aus, werden dessen Aufgaben von dem Sekundär-Server im Netz übernommen. Die Entscheidung, ob zusätzlich zum sog. Hot Fix weitere Maßnahmen (Disk Mirroring, Disk Duplexing, SFTIII) ergriffen werden müssen, ist abhängig vom angestrebten Grad der Verfügbarkeit des Netzes. - Notstromversorgung Durch den Einsatz einer Notstromversorgung (USV=Unterbrechungsfreie Stromversorgung bzw. im englischen UPS=Uninterruptible Power Supply) können die Folgen eines plötzlichen Stromausfalles abgefangen werden. Novell Netware unterstützt den Einsatz geeigneter Geräte durch das sogenannte UPS-Monitoring. Im Falle eines plötzlichen Stromausfalles wird der Server am Ende der Überbrückungszeit der USV geregelt heruntergefahren, d. h. die sich im Cache des Servers befindlichen Daten werden auf die Festplatten übertragen, Verbindungen zum Server ordnungsgemäß beendet sowie die Serverprozesse geregelt abgeschlossen. Einrichtung der Netzumgebung Novell Netware 4.x bietet ein eigenes Sicherheitssystem zum Schutz des Netzes und seiner Ressourcen. Die zugehörigen Funktionen müssen jedoch vom Administrator während der Einrichtung eines Netware 4.x Netzes manuell aktiviert werden, so daß die Sicherheit eines Netzes in nicht unerheblichem Maße in der Verantwortung des Administrators liegt. Das wesentliche Hilfsmittel zur Verwaltung und Absicherung eines Netware 4.x Netzes ist der Novell Netware Administrator. Dieses Programm gibt es in folgenden Ausführungen: - SYS:PUBLIC\NWADMIN.EXE für Windows 3.11, - SYS:PUBLIC\WIN95\ NWADMN95.EXE für Windows 95, - SYS:PUBLIC\WINNT\NWADMNNT.EXE für Windows NT sowie die neuere Version - SYS:PUBLIC\WIN32\NWADMN32.EXE Windows 95. für Windows NT und Das Programm Netware Administrator ermöglicht eine Vielzahl von Einstellungen, wie z. B. die Festlegung einer minimalen Paßwortlänge oder der maximalen Anzahl gleichzeitiger Verbindungen eines Benutzers. Nachfolgend werden die sicherheitsrelevanten Funktionen des Netware Administrators aufgeführt und erläutert. Dazu sind die jeweiligen Parameter und ihre Werte _____________________________________________________________________ .......................................... 308 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.148 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... angegeben, die für einen sicheren Betrieb eines Netware 4.x Netzes eingestellt werden müssen. Ein wesentlicher Punkt bei der sicheren Einrichtung von Netware 4.x Netzen ist das Anlegen von Benutzer-Accounts. Zu diesem Zweck sollten Schablonen (Templates) für Standard-Benutzer des jeweiligen Kontextes angelegt werden. Beim Einrichten konkreter Benutzer-Accounts werden dann die in der Schablone eingestellten Werte übernommen, was den entsprechenden Aufwand stark reduziert. Dazu muß die Option SCHABLONE BENUTZEN bzw. USE TEMPLATE verwendet werden. Folgende Funktionen sollten in einer Schablone eingestellt werden: Login Restrictions Abbildung: Netware Administrator schablone/Login Restrictions" Menü "Template: Benutzer- - Limit Concurrent Connections Hierdurch kann die Anzahl der gleichzeitigen Verbindungen eines Benutzer-Accounts zu den Netware Servern limitiert werden. Im Regelfall sollte hierbei der Wert "1" gewählt werden, um nicht unnötig Verbindungslizenzen zu verbrauchen. _____________________________________________________________________ .......................................... 309 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.148 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Password Restrictions 90 Abbildung: Netware Administrator schablone/Password Restrictions" Menü "Template: Benutzer- - Allow user to change password Diese Option muß aktiviert werden, damit ein Benutzer sein Paßwort wechseln kann. Ist sie nicht aktiviert, können keine weiteren Möglichkeiten angewählt werden. - Require Password Diese Option installiert die Paßwortabfrage für jeden Benutzer und bietet die Möglichkeit, die nachfolgenden Paßwortregeln zu definieren. Require Password sollte immer aktiviert werden. - Minimum Password Length Hiermit wird die erforderliche Mindestlänge eines Paßwortes eingestellt. Sie sollte mindestens sechs Zeichen betragen (vergleiche M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs). - Force Periodic Password Changes Durch die Aktivierung dieser Option wird festgelegt, daß die Benutzer ihre Paßwörter regelmäßig ändern müssen. Dies sollte der Regelfall sein. - Days Between Password Changes Unter diesem Menüpunkt wird die allgemeine Gültigkeitsdauer von Paßwörtern festgelegt. Diese muß für das jeweilige System individuell festgelegt werden (vergleiche M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs). _____________________________________________________________________ .......................................... 310 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.148 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Require Unique Passwords Die Aktivierung der Paßworthistorie (Require Unique Passwords) hat zur Folge, daß die letzten neun Paßwörter eines Benutzer-Accounts mit dem neu eingegebenen Paßwort verglichen werden und bei einer festgestellten Übereinstimmung das neue Paßwort durch den Netware Server zurückgewiesen wird. Damit wird gewährleistet, daß nicht immer dieselben Paßwörter verwendet werden können. Diese Option sollte immer aktiviert werden. - Limit Grace Logins Grace Logins sind diejenigen Logins, die trotz Ablauf der Gültigkeitsdauer eines Paßwortes noch erfolgen dürfen. Die Anzahl der Grace Logins sollte durch die Aktivierung dieser Option grundsätzlich limitiert werden. - Grace Logins Allowed Die Anzahl der erlaubten Grace Logins sollte auf den Wert "Eins" eingestellt werden, damit ein Benutzer, dessen Paßwort ungültig geworden ist, dieses sofort ändern muß. - Set password after create Diese Option sollte immer aktiviert sein. Durch sie wird der Administrator bei der Erstellung eines neuen Benutzers-Accounts automatisch aufgefordert, ein Paßwort einzugeben. Dies verhindert somit, daß temporär frei zugängliche Benutzer-Accounts angelegt werden können. Login Time Restrictions Abbildung: Netware Administrator schablone/Login Time Restrictions" Menü "Template: Benutzer- _____________________________________________________________________ .......................................... 311 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.148 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Default Time Restrictions Mit Hilfe der Schablone Login Time Restrictions werden die erlaubten Arbeitszeiten für Benutzer-Accounts in einem Netware 4.x Netz definiert. Außerhalb der hier festgelegten Zeiten ist es keinem Benutzer möglich, sich am Netware 4.x Netz anzumelden. Nachträgliche Änderungen der Default Time Restrictions bei der Einrichtung bzw. Pflege von Benutzer-Accounts haben keinerlei Auswirkungen auf die erlaubten Zugangszeiten bereits existierender Benutzer. Abweichende Zugangszeiten für einzelne Benutzer können mit Hilfe von SYS:\PUBLIC\NWADMIN.EXE (Objects / Details on multiple Users) geändert werden. Weiterhin können für einzelne Behälterobjekte der NDS die folgenden Sicherheitsmechanismen eingestellt werden: Intruder Detection 3 Abbildung: Netware Administrator Menü "Organizational Unit : Lab/Intruder Detection" - Detect Intruders Durch die Aktivierung dieser Option werden unautorisierte Login-Versuche erkannt und die hiervon betroffenen Benutzer-Accounts gegebenenfalls gesperrt. Dadurch wird einer "Brute Force Attacke" unter Novell Netware 4.x vorgebeugt. Diese Einstellung muß mit dem Programm Netware Administrator für jeden Container durchgeführt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 312 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.148 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Incorrect Login Attempts Dies gibt die maximale Anzahl der zulässigen Login-Fehlversuche an; üblicherweise sollte hierbei der Wert "Drei" eingestellt werden. - Intruder Attempt Reset Interval Damit kann die zeitliche Zurückverfolgung von fehlgeschlagenen LoginVersuchen eines Benutzer-Accounts aktiviert werden. Übersteigt die Anzahl der Login-Fehlversuche eines Benutzer-Accounts innerhalb des definierten Zeitraumes den unter Incorrect Login Attempts eingestellten Wert, so wird der Benutzer-Account gesperrt (falls die Option Lock Account After Detection aktiviert ist). - Lock Account After Detection Dieser Menüpunkt sollte immer aktiviert werden, um einen BenutzerAccount, der die maximale Anzahl der ungültigen Login-Versuche überschritten hat, zu sperren. - Intruder Lockout Reset Interval Dieser Zeitwert sollte keinesfalls zu gering gewählt werden (> 1 Stunde), um sicherzustellen, daß die Ursache für einen Intruder Lockout (d. h. Sperren des Benutzer-Accounts) durch die Systemadministration und den betroffenen Benutzer aufgeklärt werden kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Benutzer über den korrekten Umgang mit Paßwörtern unterrichtet worden? - Wird die Paßwort-Güte kontrolliert? - Wird der Paßwort-Wechsel erzwungen? - Ist jeder Benutzer im Netz mit einem Paßwort ausgestattet? - Wurde eine Benutzerschablone erzeugt? Wurde dabei auf die Sicherheitsaspekte geachtet? _____________________________________________________________________ .......................................... 313 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.149 Sicherer Betrieb von Novell Netware 4.x Netzen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Für den sicheren Betrieb eines Novell Netware 4.x Netzes müssen die nachfolgend beschriebenen Punkte umgesetzt werden. Vergabe von Zugriffsrechten auf Verzeichnisse, Dateien, NDS-Objekte und NDS-Objekteigenschaften Durch die Vergabe von Zugriffsrechten (Trustee Assignments) auf NDSObjekte, NDS-Objekteigenschaften, Verzeichnisse und Dateien im Novell Netware 4.x Netz kann die Sicherheit eines Novell Netware 4.x Netzes und seiner Daten gewährleistet werden. Wenn NDS-Objekten, z. B. Benutzern und Gruppen, verschiedene Rechte auf andere NDS-Objekte, NDSObjekteigenschaften, Dateien oder Verzeichnisse gewährt werden, so spricht man von einem Trustee (Treuhänder oder Bevollmächtigten). In Netware 4.11 existieren dazu drei Arten von Zugriffsrechten, die ersten beiden beziehen sich auf die NDS-Objektund NDSObjekteigenschaftsrechte, das letzte auf Dateien bzw. Verzeichnisse. - Objektrechte Abbildung: Netware Administrator Container zenk_gmbh "Trustee of this Object..." Objektrechte steuern die Zugriffsmöglichkeiten eines Trustees auf ein Objekt, also z. B. auf Benutzer, Gruppen, Drucker oder Netware Server. Folgende Objektrechte, wie dies auch in der obigen Abbildung zu entnehmen ist, stehen zur Verfügung: _____________________________________________________________________ .......................................... 314 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Supervisor Browse Create (nur bei Containern) Delete Rename Ein Benutzer mit diesen Rechten auf ein anderes NDS-Objekt, z. B. einen anderen Benutzer, kann der Reihe nach Benutzer-Accounts sehen, erstellen, löschen bzw. umbenennen. Das Supervisorrecht ist die Summe der vier anderen Rechte. Mit den Rechten Browse, Create, Delete und Rename erhält man keinerlei Objekteigenschaftsrechte bzw. Dateirechte. Ausnahme hiervon ist in diesem speziellen Fall das Supervisorrecht auf ein Objekt. Mit diesem Recht erhält man auch Supervisorrechte auf die Objekteigenschaften. - Objekteigenschaftsrechte Objekteigenschaftsrechte steuern den Zugriff eines Trustees auf die über ein Objekt gespeicherten Informationen, also auf die Eigenschaften des betreffenden Objekts. Hierzu sind keinerlei Objektrechte notwendig. Mit Ausnahme des Objektrechts Supervisor kann man mit Objektrechten auch keinerlei Rechte auf Objekteigenschaften erlangen. Es gibt folgende Objekteigenschaftsrechte, die wieder in obiger Abbildung erkennbar sind: - Supervisor Compare Read Write Add Self Die Objekteigenschaftsrechte setzen sich aus den Hauptrechten Schreiben (Write) und Lesen (Read) zusammen. Im Recht Lesen ist das Recht Vergleichen (Compare) und im Recht Schreiben ist das Recht Selbst Hinzufügen (Add Self) enthalten. Das Supervisorrecht ist hier die Summe dieser vier Rechte und hat keinerlei weitere Auswirkungen. Mit dem Recht Lesen können Objekteigenschaften wie z. B. die Eigenschaften des Benutzers Nachname oder auch Login Script gelesen werden. Zum Abändern benötigt man das Recht Schreiben. Das Recht Vergleichen erlaubt es, Anfragen an die NDS abzusetzen, z. B. ob der Nachname des Benutzers XY gleich Mustermann ist. Die Antwort lautet dann je nach dem "wahr" oder "falsch". Das Recht Selbst Hinzufügen macht nur bei Objekten Sinn, bei denen man sich selbst in eine Liste eintragen kann, wie dies z. B. bei einer Gruppe der Fall ist. Da ein Objekt häufig sehr viele Eigenschaften besitzt, gibt es zwei Möglichkeiten, Objekteigenschaften zu vergeben. Es ist prinzipiell möglich, auf alle Eigenschaften dasselbe Recht zu vergeben. Dann muß im Bereich Property Rights der Punkt All Properties markiert sein. Andererseits ist es auch möglich, auf bestimmte Objekteigenschaften explizit Rechte zu vergeben. Dazu dient die Option Selected Properties. Es ist dabei zu beachten, daß mit der Funktion Selected Properties die Rechte, die bei der Option All Properties vergeben wurden, überschrieben werden. Rechte in der NDS müssen noch sorgfältiger vergeben werden als Rechte im Dateisystem. Im Dateisystem bekommt ein NDS-Objekt Rechte auf _____________________________________________________________________ .......................................... 315 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... eine Datei oder ein Verzeichnis. In der NDS allerdings bekommt ein NDSObjekt Rechte auf ein anderes NDS-Objekt. Hierbei muß genau überprüft werden, wer eigentlich auf wen Rechte bekommen soll. So kann es leicht vorkommen, daß ein Benutzer-Objekt Rechte auf ein Container-Objekt bekommen soll, doch letztendlich dem Container-Objekt Rechte auf ein Benutzer-Objekt gegeben werden. - Datei- und Verzeichnisrechte Abbildung: Netware Administrator Verzeichnis PUBLIC "Details: Trustee of this Directory" Datei- und Verzeichnisrechte steuern die Operationen, die ein Trustee, hier der User RZenk, in einer Datei oder in einem Verzeichnis durchführen kann. Wie Objektrechte unabhängig von Objekteigenschaftsrechten sind, sind wiederum Datei- und Verzeichnisrechte vollkommen unabhängig von den beiden NDS-Rechten. Es gibt folgende Datei- und Verzeichnisrechte: - Supervisor Read Write Create Erase Modify File Scan Access Control Mit den Rechten Read, Write, Create und Erase kann ein Trustee Dateien bzw. Verzeichnisse lesen, verändern, erstellen und löschen. Modify dient nicht zum Verändern einer Datei, sondern zum Umbenennen von Dateien und Verzeichnissen. Weiterhin können mit dem Recht Modify die Datei- und _____________________________________________________________________ .......................................... 316 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Verzeichnisattribute geändert werden. Mit File Scan hat man das Recht, sich Dateien und Verzeichnisse z. B. mit dem Befehl NDIR oder auch DIR anzusehen. Mit dem Recht Access Control können anderen NDS-Objekten Datei- und Verzeichnisrechte, mit Ausnahme des Supervisorrechts gewährt werden. Im Gegensatz zu Objektrechten, wo es das Recht Create nur auf Containerebene gibt, kann das Create Recht im Dateisystem auch auf Dateien und nicht nur auf Verzeichnisse vergeben werden. Auf Dateien erlaubt dieses Recht, eine logisch gelöschte Datei durch den Mechanismus Salvage wieder herzustellen. In der NDS können einmal gelöschte Objekte nicht wieder hergestellt werden, was dazu führt, daß dort das Recht Create nur auf Containerebene Sinn macht. Aus Gründen der Übersichtlichkeit, einer vereinfachten Administration sowie einer verbesserten Revisionsfähigkeit sollte die Vergabe von Zugriffsrechten vorrangig über die Zuweisung von Rechten an Benutzergruppen (Datei- und Verzeichnisrechte) und Containerobjekte erfolgen. Ein Container ist dabei stellvertretend für alle Objekte, insbesondere alle Benutzerobjekte, die sich unterhalb des Containerobjekts in der NDS befinden. Dabei erhalten diese Rechte wirklich alle Benutzer, nicht nur diejenigen, die sich im Container direkt befinden. Für NDS-Rechte auf Objekte und Objekteigenschaften gibt es das Objekt Organizational Role (OR). Die OR ist vergleichbar mit einer Gruppe. Gruppen geben das erhaltene Datei- und Verzeichnisrecht an alle ihre Benutzer, die als Mitglieder eingetragen sind, weiter. Mit einer Organizational Role werden die Rechte an die Mitglieder der Organizational Role weitergereicht. Hier heißen die Mitglieder allerdings Occupant, was soviel wie Bewohner heißt. Novell übersetzt dies allerdings als Träger. Sowohl bei Gruppen als auch bei Organizational Roles werden die Rechte auf ihre Mitglieder bzw. Träger mit Hilfe von Security Equal To Mechanismen übergeben. Da in der Praxis weit weniger NDS-Rechte als Dateirechte vergeben werden, wird die OR weit weniger häufig benutzt als dies bei Gruppen der Fall ist. Rechte können auch direkt an Benutzer und über Security Equal To vergeben werden. Hier kann aber sehr leicht die Übersichtlichkeit verloren gehen und deshalb sollten diese Mechanismen sehr moderat eingesetzt werden. Zusammenfassend noch einmal die Möglichkeiten, wie Rechte vergeben werden können: - Gruppen (Datei- und Verzeichnisrechte) Organizational Role (NDS-Objekt- und NDS-Objekteigenschaftsrechte) Container Benutzer Security Equal To Um die versehentliche Freigabe von Verzeichnissen durch einen Benutzer zu verhindern, sollte die Systemadministration Benutzergruppen und Benutzern in den ihnen zugewiesenen Verzeichnissen und Dateien die Rechte "Supervisor" (S) und "Access Control" (A) nicht erteilen. Werden ausgewählten Verzeichnissen oder Dateien mit Hilfe von NetwareAttributen bestimmte Eigenschaften, z. B. schreibgeschützte Dateien (Ro), _____________________________________________________________________ .......................................... 317 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... zugewiesen, so sollte beachtet werden, daß Benutzer, die das Zugriffsrecht "Modify" (M) auf die entsprechenden Verzeichnisse und Dateien besitzen, in der Lage sind, diese Attribute zu verändern. Daher sollte der Kreis der Benutzer mit diesem Zugriffsrecht eingeschränkt werden. Vererbung von Zugriffsrechten in der NDS und im Dateisystem Alle bereits behandelten Rechte unterliegen ähnlichen Mechanismen. Hierzu gehören wichtige Begriffe wie Vererbung von Rechten, Vererbungsfilter (IRF), Effektive Rechte (ER) und Access Control List (ACL), die im folgenden erläutert werden. Vererbung von Rechten Rechte werden sowohl in der NDS als auch im Dateisystem grundsätzlich vererbt. Dies bedeutet z. B., daß ein Recht, das in der Root, entweder im NDS-Baum oder auch im Dateisystem vergeben wird, sich auf alle Objekte bzw. Verzeichnisse und Dateien, die sich unterhalb der jeweiligen Root befinden, vererbt werden. Vergibt man ein Recht entsprechend tiefer in der Baumstruktur, vererben sich die Rechte ab dieser Stelle im Baum. Hiervon gibt es eine Ausnahme: Rechte, die selektiv auf Objekteigenschaften vergeben werden (Selected Properies), vererben sich nicht. Beispiel 1: SYS: PUBLIC NWADMIN.EXE NDIR.EXE RZenk [Read; File Scan] Erhält der User RZenk auf das Volume SYS: die Rechte [Read; File Scan], vererben sich diese Rechte hier auch auf das Verzeichnis PUBLIC und die Dateien NWADMIN.EXE und NDIR.EXE, die sich in PUBLIC befinden. Vererbung kann aber auch gezielt ausgeschlossen werden. Dazu gibt es die Inherited Rights Filter (IRF), die weiter unten besprochen werden. Im Grundzustand werden keinerlei Rechte gefiltert. Es gibt noch einen zweiten Mechanismus, bei dem die Vererbung ausgeschlossen wird. Erhält das gleiche NDS-Objekt tiefer im Baum noch einmal Rechte zugewiesen, werden dadurch die ursprünglichen Rechte, die dasselbe Objekt weiter oben im Baum bekommen hat, ab diesem Punkt nicht mehr weitervererbt. Beispiel 2: SYS: PUBLIC NWADMIN.EXE NDIR.EXE RZenk [Read; File Scan] RZenk [Write] In Beispiel 2 hat der User RZenk auf die Datei NWADMIN.EXE nur noch das Recht [Write], da die Rechte [Read; File Scan] des Benutzers RZenk auf die Datei NWADMIN.EXE nicht weitervererbt werden. Alle anderen NDSObjekte, die eventuell Rechte auf die Datei NWADMIN.EXE bekommen haben, sind dadurch nicht betroffen. Auch die Rechte, die der User RZenk auf die Datei NWADMIN.EXE über andere Mechanismen erhält, wie z. B. _____________________________________________________________________ .......................................... 318 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Gruppen, Container, etc., werden dadurch nicht eingeschränkt. Diese Rechte sind somit additiv. Inherited Rights Filter (IRF) Während Trustee Assignments den Zugriff auf ein Objekt, eine Objekteigenschaft oder eine Datei bzw. ein Verzeichnis gewähren, verhindert ein IRF die Vererbung der Rechte von einem Objekt, einer Objekteigenschaft oder einer Datei bzw. einem Verzeichnis auf andere NDS-Objekte bzw. Dateien und Verzeichnisse im jeweiligen Baum. Jedes Objekt, jede Objekteigenschaft und jede Datei bzw. jedes Verzeichnis in einem NDS Verzeichnis bzw. im Dateisystem kann einen anderen IRF besitzen. Der einzige Unterschied zwischen NDS und Dateisystem betrifft das Recht Supervisor. Nur in der NDS kann dieses Recht gefiltert werden. Im Dateisystem hingegen kann dieses Recht, einmal vergeben, nicht mehr gefiltert werden. Effektive Rechte Die Kombination Inherited Rights Filter, Trustee Assignment und Security Equivalences werden als Effektive Rechte (ER) bezeichnet. Die effektiven Rechte, die ein NDS-Objekt auf andere NDS-Objekte bzw. deren Eigenschaften hat, aber auch die effektiven Rechte die ein NDS-Objekt auf das Dateisystem hat, können mit dem Programm Netware Administrator bestimmt werden (vgl. auch vorherige Abbildungen). Access Control List (ACL) Die Informationen darüber, wer auf ein Objekt und die Properties zugreifen kann und mit welchen Rechten, wird im Objekt selbst gespeichert. Hierfür existiert für jedes Objekt eine spezielle Property: Access Control List (ACL). Die ACL Property enthält die Trustee Assignments und die Inherited Rights Filter. Jedes eingetragene Objekt in der ACL kann dabei andere Trustee Assignments aufweisen. Im Dateisystem ist die ACL und die IRF in der Directory Entry Table (DET) gespeichert. Vergabe von Netware-Attributen auf Verzeichnisse und Dateien Neben der Benutzer- bzw. gruppenbezogenen Erteilung von Zugriffsrechten auf Verzeichnisse und Dateien kann durch die Vergabe von NetwareAttributen auf Verzeichnisse und Dateien die Datensicherheit erhöht werden. Attribute sind immer verzeichnis- bzw. dateibezogen, da NDS-Objekte keine Attribute haben, d. h. sie sind unabhängig von den zugewiesenen Zugriffsrechten und gelten für alle Benutzer einschließlich für Benutzer mit Supervisor-Rechten. Benutzer, denen das Zugriffsrecht "Modify" (M) auf die in Frage kommenden Verzeichnisse und Dateien eingeräumt wurde, können die vergebenen Netware-Attribute ändern und somit jede Aktion, die sich aus ihren effektiven Rechten ergibt, ausführen. Sicherheit durch den Einsatz von Netware-Attributen stellt sich somit als ein Subsystem auf der Ebene der Verzeichnis- und Dateisicherheit dar. Das bedeutet, daß obwohl jemand das ER hat eine Datei zu löschen, dies unter Umständen nicht tun kann, da das Attribut "Delete inhibit" (Di) gesetzt ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 319 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bei der Vergabe von Netware-Attributen auf Verzeichnisse und Dateien sollten die folgenden Eigenschaften von Netware-Attributen beachtet werden. - Verzeichnis-Attribute: Delete Inhibit (Di): Das Verzeichnis kann nicht gelöscht werden. Hidden (H): Das Verzeichnis wird als versteckt gekennzeichnet; es erscheint weder in einem Inhaltsverzeichnis unter DOS, noch kann es gelöscht oder kopiert werden. Purge (P): Das Verzeichnis sowie die in ihm befindlichen Dateien werden beim Löschen sofort, auch physikalisch, gelöscht. Eine Wiederherstellung des Verzeichnisses ist nicht möglich. Rename Inhibit (Ri): Das Verzeichnis kann nicht umbenannt werden. System (Sy): Das Verzeichnis wird vom System benutzt; es erscheint ebenfalls nicht in einem Inhaltsverzeichnis unter DOS und kann weder kopiert noch gelöscht werden. Don`t Migrate (Dm): Die in dem Verzeichnis enthaltenen Dateien dürfen nicht auf einen sekundären Datenträger (z. B. ein Bandlaufwerk) ausgelagert werden. Immediate Compress (Ic): Die in das Verzeichnis hineinkopierten Dateien werden umgehend komprimiert. Dateien, die sich schon im Verzeichnis befinden, werden durch dieses Attribute nicht beeinflußt. Don`t Compress (Dc): Die in dem Verzeichnis enthaltenen Dateien dürfen nicht komprimiert werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 320 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Datei-Attribute: Archive needed (A): Die so durch Novell Netware gekennzeichneten Dateien sind seit der letzten Datensicherung inhaltlich verändert oder neu auf dem Novell Netware Server aufgespielt worden. Datensicherungssoftware kann somit bei einer sequentiellen Datensicherung erkennen, daß die Datei erneut gesichert werden muß. Execute Only (X): Ausführbare Programmdateien (*.exe, *.com), die mit diesem Attribut versehen werden, können ausschließlich ausgeführt oder gelöscht werden. Ein Kopieren der Datei ist nicht möglich. Zu beachten ist auch, daß Dateien mit diesem Attribut nicht gesichert werden (z. B. bei einem Full-Backup) Read write (Rw): Auf die Datei ist sowohl Lese- als auch Schreibzugriff möglich. Read only (Ro): Die Datei kann nur gelesen werden. Ein Schreibzugriff ist nicht möglich. Um Datenverluste bei einer gemeinsamen Benutzung zu vermeiden, sollten diese Dateien ebenfalls das Attribut "Shareable" (S) besitzen. Ausführbare Programmdateien (*.exe, *.com) sollten mit dem Attribut "Read only" versehen werden, um einem möglichen Befall durch Computer-Viren vorzubeugen. Shareable (Sh): Diese Dateien können von mehreren Benutzern gleichzeitig benutzt werden. Dateien, die mit dem Attribut "Shareable" versehen worden sind, sollten gleichzeitig das Attribut "Read Only" (Ro) besitzen. Das Attribut "Shareable" ist nur relevant für Programme, die Dateien nicht netzfähig öffnen. _____________________________________________________________________ .......................................... 321 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Hidden (H): Die Datei wird als versteckt gekennzeichnet. Sie erscheint nicht in einem Inhaltsverzeichnis unter DOS und kann weder kopiert noch gelöscht werden. System (Sy): Die Datei wird vom Netzbetriebssystem verwendet; sie erscheint ebenfalls nicht in einem Inhaltsverzeichnis unter DOS und kann weder kopiert noch gelöscht werden. Transactional (T): Dateien mit diesem Attribut unterliegen der Transaktionskontrolle von Novell Netware. Als Transaktion wird hier eine zusammenhängende Folge von Veränderungen in einer oder mehreren Dateien verstanden. Das Setzen dieses Attributes bewirkt, daß nur vollständig durchgeführte Transaktionen in den Datenbestand der Datei übernommen werden. Transaktionen, die unvollständig abgebrochen wurden, werden von Novell Netware rückgängig gemacht. Purge (P): Dateien mit dem Attribut "Purge" werden beim Löschen nicht nur logisch, sondern sofort physikalisch gelöscht. Dies hat zur Folge, daß die Datei nicht wiederhergestellt werden kann. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß die physikalische Löschung von Dateien nicht nur durch das Netware-Attribut "Purge" erfolgen kann, sondern ebenso von einer Arbeitsstation mit dem Befehl "PURGE Dateiname" durchgeführt werden kann. Copy Inhibit (Ci): Derartige Dateien können nicht kopiert werden. Dieses Netware-Attribut gilt allerdings nur für APPLE Macintosh Workstations. Delete Inhibit (Di): Die Datei kann nicht gelöscht werden. Rename Inhibit (Ri): Die Datei kann nicht umbenannt werden. Don´t Migrate (Dm): Eine Datei, die mit diesem Attribut versehen ist, kann nicht auf einen sekundären Datenträger (z. B. ein Bandlaufwerk) ausgelagert werden. Immediate Compress (Ic): Die Datei wird vom Betriebssystem schnellstmöglichst komprimiert und in dieser Form auf dem Volume gespeichert. Don´t Compress (Dc): Die Datei wird vom Betriebssystem nicht komprimiert, auch wenn für das Volume die Kompression eingeschaltet ist. Don´t Suballocate (Ds): Bei der Speicherung dieser Dateien wird keine Teilblockzuordnung (Suballocation) vorgenommen, obwohl dieses Merkmal für das System aktiviert wurde. File Compressed (Co), Can’t Compress (Cc), File Migrated (M): Mit diesen Attributen werden vom Betriebssystem dementsprechende Informationen über eine Datei gespeichert. Diese Attribute können nur vom Betriebssystem geändert werden. Sorgfältige Vergabe von Rechten Dateirechte, NDS-Objektrechte und NDS-Objekteigenschaftsrechte sind vollkommen unabhängige Rechte. Hiervon gibt es zwei Ausnahmen. Erhält jemand Supervisorrechte auf ein NDS-Objekt, hat er automatisch auch Supervisorrechte auf die NDS-Objekteigenschaften. Umgekehrt tritt dieses _____________________________________________________________________ .......................................... 322 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Phänomen nicht auf. Supervisorrechte auf NDS-Objekteigenschaften sind nicht gleichbedeutend mit Supervisorrechten auf das NDS-Objekt selbst. Hierbei muß allerdings beachtet werden, daß die Objekteigenschaft Object Trustees (ACL) eine Eigenschaft eines jeden NDS-Objekts ist. Erhält man nun Supervisorrechte auf die Eigenschaften eines NDS-Objekts oder nur das Recht WRITE auf die Eigenschaft Object Trustees (ACL), ist man in der Lage, sich selbst oder anderen NDS-Objekten beliebige Rechte zu gewähren. Eine weitere wichtige Ausnahme ist das NDS-Objekt Server. Erhält z. B. der Benutzer RZenk, wie im obigen Beispiel, das Recht WRITE auf die Objekteigenschaft Object Trustees (ACL) des Servers, ist dies gleichbedeutend mit Supervisorrechten auf das komplette Dateisystem, das diesem Server zugeordnet ist. Die Eigenschaft Object Trustees (ACL) des Servers ist somit die Schnittstelle zwischen der NDS und dem Dateisystem. Abbildung: Netware Administrator Server NW4_GT "Trustee of this Object..." Um zu verhindern, daß durch unsachgemäßes Vergeben von NDS-Rechten Supervisorrechte im Dateisystem erlangt werden können, könnten Inherited Rights Filter (IRF) an jedem Server-Objekt aktiviert werden. Damit können die Objektrechte von den Verzeichnisrechten getrennt werden. Dabei muß das Supervisorrecht sowohl auf NDS-Objekt- als auch auf NDSObjekteigenschafts-Ebene und das Recht WRITE der Eigenschaft Object Trustees (ACL) gefiltert werden. Besser ist es natürlich, wenn man sich bewußt ist, wie sich bestimmte Rechte im Detail auswirken. Eingeschränkte Nutzung von Accounts mit Supervisor-Berechtigung auf Dateiebene Der Account des Benutzers "Admin" sollte bei der täglichen Administrationsarbeit nicht verwendet, sondern nur in Notfällen benutzt werden. Um dennoch die Systemadministration zu gewährleisten, sollte daher _____________________________________________________________________ .......................................... 323 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... für jeden Benutzer mit der Netware Sicherheitsstufe "Supervisor" ein Benutzer-Account eingerichtet werden, der über dieselben Rechte wie das Benutzerobjekt "Admin" verfügt (ausdrückliche Trustee Zuweisung, siehe auch Schutz vor Verlust der Administrierbarkeit), mit dem die Systemadministration normalerweise erfolgt. Werden die Administrationsarbeiten nicht hauptamtlich wahrgenommen, so sollten für die nichtadministrativen Aufgaben zusätzlich aufgabenbezogene Accounts eingerichtet werden. Der Account des Administrators bzw. seines Vertreters sollte weiterhin nur auf hierzu definierten Workstations verwendet werden, da die Integrität anderer Workstations manipuliert sein könnte. Der Account "Admin", der standardmäßig die alleinigen administrativen Rechte besitzt, sollte als potentielles Angriffsziel keine Rechte mehr besitzen. Die notwendigen Supervisorrechte sollten einem anderen, weniger auffälligen Benutzer-Account übertragen werden. Man kann aber auch ganz einfach den Admin-Account umbenennen, um hierfür einen Namen zu verwenden, der den allgemeinen Regeln zur Namensvergabe innerhalb der NDS entspricht, so wie dies bei der Planung der NDS für das Unternehmen festgelegt worden ist. Schutz vor Verlust der Administrierbarkeit Eine neue Funktionalität ab Netware Version 4.x ist die Möglichkeit der dezentralen Administration von Novell Netware Netzen. Dies kann durch bestimmte administrative Möglichkeiten erreicht werden, wie z. B. der Definition eines eigenen Administrators für jedes Behälterobjekt. Wird dafür nur ein einziger Benutzer-Account verwendet und dieser versehentlich gelöscht, so kann der entsprechende Behälter nicht mehr administriert werden (siehe G 3.25 Fahrlässiges Löschen von Objekten). Als wirksame Maßnahme muß deswegen zusätzlich eine ausdrückliche Trustee-Zuordnung für mindestens eines der Benutzerobjekte des Benutzerverwalters vorgenommen werden. Das Administratorrecht darf also nicht mit dem Mechanismus Security Equal To erfolgen. Damit wird dem Verlust der Administrierbarkeit des Behälters vorgebeugt, falls das organisatorische Funktionsobjekt gelöscht wird. Dies gilt insbesondere auch für die Rechtezuordnung an die zentralen Administratoren eines Netware 4.x Netzes. Information über Patches von Novell Netware Im Verlauf der Entwicklung des Netzbetriebssystems Novell Netware haben sich diverse Schwachstellen bzw. Unzulänglichkeiten herausgestellt, die durch den Hersteller mit Hilfe von sogenannten Patches bzw. Service Packs für die entsprechenden Versionen 3.x und 4.x größtenteils behoben wurden. Diese Patches werden durch den Hersteller im Internet zur Verfügung gestellt (http://support.novell.com und http://support.novell.de). Informationen über die Funktionalität sowie das ggf. erforderliche Einspielen der zur Verfügung gestellten Patches können daher Schwachstellen im laufenden Produktionsbetrieb beseitigen. Insbesondere zusätzlich installierte Softwareprodukte, wie z. B. zur Datensicherung, erfordern oftmals einen bestimmten Patchlevel des Netzbetriebssystems. Hierbei ist jedoch zu beachten, daß die angebotenen Patches keineswegs "blind" aufgespielt werden _____________________________________________________________________ .......................................... 324 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... sollten, sondern nur im Bedarfsfall ("never change a running system") sowie nach gründlicher Information. Soweit vorhanden, sollten diese Patches zunächst auf einer Testkonfiguration ausgetestet werden. Im Internet (Usenet) ist, neben den internationalen Diskussionsforen zum Thema Novell Netware (comp.os.netware.announce, comp.os.netware.misc, comp.os.netware.security, comp.os.netware.connectivity), für die deutschsprachigen Benutzer ein deutsches Novell Forum (z. Z. de.comp.sys.novell) vorhanden, in dem einige versierte Novelladminstratoren aktiv sind, die oftmals auch die schwierigsten Probleme zu lösen helfen. Außerdem werden zu den im Internet am häufigsten gestellten Fragen Dateien (sogenannte FAQs - Frequently Asked Questions) zur Verfügung gestellt, die die häufigsten Probleme thematisieren und Lösungen anbieten. Patches und Informationen über Novell Netware werden darüber hinaus auch über andere Anbieter von Netzdiensten, wie z. B. Compuserve, Fidonet und Mailboxen bereitgestellt. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der jeweiligen Informationen in den Usenet Diskussionsforen sowie in den FAQs (Frequently Asked Questions) kann an dieser Stelle jedoch keine Garantie gegeben werden. Es sei darauf hingewiesen, daß eine vollständige Beschreibung des aufgetretenen Problems, sowie eine Beschreibung der jeweiligen Konfiguration des Netzes (Client, Server) besonders vorteilhaft bei der Hilfesuche im Internet (Usenet) ist. Schwierigkeiten während des Netzbetriebes können darüber hinaus oftmals durch die Nachfrage bei dem Verkäufer des Netzbetriebssystems oder im Informationsaustausch mit Kollegen behoben werden; wobei auch hier die Problemlösung durch eine vollständige Konfigurationsbeschreibung erleichtert wird. Prüfung auf Computer-Viren Computer-Viren, die sich in den auf einem Novell Netware Server gespeicherten Programmen und Dateien befinden, können erhebliche Schäden im Netzverbund hervorrufen. Aus diesem Grund sollten die Programme und Dateien eines Novell Netware Servers regelmäßig mit einem aktuellen Virensuchprogramm auf evtl. vorhandene Computer-Viren überprüft werden. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich, einen speziellen Benutzer-Account im Novell Netware 4.x Netz einzurichten, der über die Zugriffsrechte "Read" (R) und "File Scan" (F) auf alle Dateien verfügt. Die Prüfung auf Computer-Viren sollte keinesfalls mit den Rechten des Supervisors bzw. Supervisoräquivalenten Rechten durchgeführt werden, da ein Computer-VirenCheckprogramm, welches selbst mit einem Computer-Virus infiziert ist, diesen auf alle Programme und Dateien übertragen würde. Auch die Benutzer bzw. Benutzergruppen sollten auf die Verzeichnisse und Dateien mit ausführbarem Programmcode lediglich die effektiven Rechte "Read" (R) und "File scan" (F) erhalten, um deren Infektion mit ComputerViren zu vermeiden, die auf lokalen Rechnern aufgetreten sind. Zudem sollten ausführbare Programme mit dem Netware-Attribut "Read only" (Ro) versehen werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 325 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bei eingeschalteter Kompression ist zusätzlich zu beachten, daß durch einen kompletten Suchlauf auf den Netware Volumes alle komprimierten Dateien dekomprimiert werden müssen. Dies ist sehr zeitaufwendig und verlängert die Antwortzeiten eines Servers stark. Regelmäßige Überprüfung der Zeitsynchronisation und der NDSReproduktion Um die Zeitsynchronisation und den Abgleich mehrerer NDS-Reproduktionen zwischen verschiedenen Netware 4.x Servern zu beobachten, kann an der Konsole ein separater Netware-Screen aktiviert werden. Dies erfolgt durch die Eingabe der beiden Befehle - SET TIMESYNC DEBUG = 7 und - SET NDS TRACE TO SCREEN = ON. An der Konsole werden dann die entsprechenden Pakete angezeigt, die zwischen den Servern übertragen werden. Auf diesem NDS Trace Bildschirm kann der Abgleich der einzelnen Reproduktionen des jeweiligen Servers verfolgt werden. Wenn der Abgleich erfolgreich war, wird dies in grüner Schrift angezeigt, Fehlermeldungen werden in roter Schrift dargestellt. Da dieser Bildschirm regelmäßig aktualisiert wird, können Informationen übersehen werden. Es ist daher zwingend erforderlich, regelmäßig die Konsole-Meldungen zu beobachten. Hier empfiehlt sich allerdings der Einsatz eines Netzmanagement-Tools, mit welchem man wesentlich zuverlässiger den Status des Netzes ermitteln und überwachen kann: Im Fehlerfall ist jedoch das Utility NDS-Manager (SYS:\PUBLIC\WIN95\ NDSMGR32.EXE - für Window 95 bzw. Windows NT) sehr hilfreich. Hiermit kann ebenfalls der Reproduktionsstatus überwacht werden. Regelmäßige Überprüfung der Auslastung der System-Festplatte Damit ein störungsfreies Arbeiten gewährleistet werden kann, muß sichergestellt sein, daß das System-Volume eines jeden Netware Servers über genügend freien Speicherplatz verfügt. Dies ist vor allem bei eingeschalteter Kompression sehr wichtig. Das System-Volume kann beispielsweise durch temporäre Dateien vollgeschrieben werden, falls deren Ausbreitung nicht kontrolliert wird und diese nicht von Zeit zu Zeit gelöscht werden. Weiterhin können große Druckerwarteschlangen zu einem Überlauf des SystemVolumes führen, wenn sehr viele Benutzer gleichzeitig große Dokumente drucken wollen. Es sollte deshalb ein separates Volume für Druckerwarteschlangen und andere Verzeichnisse angelegt werden, in denen temporäre Dateien abgespeichert werden. Ist dies nicht möglich, so sollten zumindest Größenbeschränkungen auf die entsprechenden Verzeichnisse vergeben werden, um deren unkontrolliertes Anwachsen zu verhindern. Damit wird gewährleistet, daß das System-Volume nicht mehr vollgeschrieben werden kann und immer genügend Platz für systemspezifische Aktionen des Netware Servers vorhanden ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 326 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.149 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden alle Aktionen für einen sicheren Betrieb eines Netware 4.x Servers beachtet? - Wurden zum Schutz vor Verlust der Administrierbarkeit Ersatz-BenutzerAccounts eingerichtet und diese mit ausdrücklichen Trustee-Zuordnungen für die jeweiligen NDS-Objekte versehen? - Werden die Plattenauslastungen und die Konsolenmeldungen regelmäßig kontrolliert? - Werden die Supervisorrechte auf die Serverobjekte regelmäßig geprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 327 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.150 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.150 Revision von Novell Netware 4.x Netzen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Revisor Eine wichtige Methode zur Gewährleistung der Sicherheit eines Netzes besteht darin, unabhängigen Revisoren die Überprüfung der Vorgänge im Netz zu gestatten. Netware 4.x bietet dazu die Möglichkeit, durch Aktivierung der Revision mit dem Dienstprogramm SYS:PUBLIC\AUDITCON.EXE eine Vielzahl von Ereignissen in der NDS und im Dateisystem zu verfolgen. Es ist bei Netware 4.x möglich, beliebigen Benutzern die Rolle eines Revisors zuzuweisen. Dieses Programm ermöglicht u. a. die folgenden Funktionen: - Die Revisoren können alle NDS-Dateiereignisse der Netware-Server, der Container oder eines bestimmten Volumes überwachen. - Die Dateisystemrevision auf Volume- und Behälterebene kann aktiviert werden. - Die Revisoren können Netzereignisse und -aktivitäten zurückverfolgen, jedoch können sie außer den Revisionsdaten- und Revisionsverlaufsdateien nur diejenigen Dateien öffnen oder ändern, zu denen ihnen vom Administrator die entsprechenden Rechte erteilt wurden. Anmerkung: Bei der Aktivierung der Möglichkeiten zur Protokollierung ist zu beachten, daß die Protokolldatei sehr groß werden kann. Daher sollte die maximale Größe der Protokolldatei begrenzt werden, um einen Speicherplatzmangel zu verhindern. Da dies abhängig von der Anzahl der Benutzer und deren Aktivitäten ist, können hier jedoch keine konkreten Richtlinien angegeben werden. Die dabei anfallenden Daten sind in den meisten Fällen personenbezogen und unterliegen somit dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Es ist sicherzustellen, daß diese Daten nur zum Zweck der Datenschutzkontrolle, der Datensicherung oder zur Sicherstellung eines ordnungsgemäßen Betriebes verwendet werden (siehe auch M 2.110 Datenschutzaspekte bei der Protokollierung). Um einen unabhängigen Revisor einzurichten, der keine sonstigen administrativen Rechte im Netz hat, aber die Aktivitäten eines Administrators überprüfen kann, sind folgende Maßnahmen durchzuführen: - Für Netware 4.10 muß das Auditing für das Dateisystem bzw. für die NDS aktiviert sein und ein Paßwort hierfür vergeben werden. Jeder, der dieses Paßwort kennt, ist in der Lage, das Auditing auszuwerten. Deshalb sollte unter Netware 4.10 sehr sorgsam mit diesem Paßwort umgegangen werden. Weitere Rechtevergaben sind unter Netware 4.10 nicht notwendig. Ab Netware 4.11 werden die Informationen in NDS-Audit-File-Objekte abgelegt. Somit läßt sich eine wesentlich bessere Sicherheit hierfür aufbauen. Zudem bestehen unter Netware 4.11 wesentlich bessere Überwachungsmöglichkeiten, da man die Anzahl der AuditingMechanismen und -Funktionen wesentlich erweitert hat _____________________________________________________________________ .......................................... 328 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.150 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Erstellen eines Benutzerobjekts für den Revisor. Die Berechtigung sollte nicht für einen herkömmlichen Benutzeraccount vergeben werden, da dies die Sicherheit aushebeln könnte. - Ab Netware 4.11 muß der Revisor notwendige NDS-Recht auf die dementsprechenden NDS-Audit-File-Objekte erhalten. - Aktivieren der Netzrevision. Die Person, die das NDS-Audit-File-Objekt erstellt, bekommt das Supervisor-Recht auf das NDS-Audit-File-Objekt und das Write-Recht auf das Access Control List Property. Zudem kommen noch das Read- und Write-Recht auf das Audit Policy Property und das Read-Recht für das Audit Contents Property hinzu. Somit ist der Ersteller dieses NDS-Audit-File-Objektes in der Lage, die Administration für das Auditing und Auswertungen hierzu durchzuführen. - Vergabe eines Revisorpaßworts im Utility SYS:PUBLIC\AUDITCON.EXE, um Unabhängigkeit vom Administrator zu erhalten (Netware 4.10 und aus Kompatibilitätsgründen auch in Netware 4.11) Ab Netware 4.11 sollte die Unabhängigkeit des Auditors vom Administrator über die Vergabe von NDS-Rechten erzielt werden. Hier können auch noch Abstufungen stattfinden, ob ein bestimmter Revisor Audit-Daten einsehen und/oder das Auditing administrieren darf. Ist es aus wohlüberlegten Gründen nicht gewünscht oder nicht möglich, die Rolle eines unabhängigen Revisors einzurichten, kann die Auswertung der Protokolldateien auch durch den Administrator erfolgen. Für diesen Fall bleibt zu beachten, daß damit eine Kontrolle der Tätigkeiten des Administrators nur schwer möglich ist. Das Ergebnis der Auswertung sollte daher zumindest dem IT-Sicherheitsbeauftragten, dem IT-Verantwortlichen oder einem anderen besonders zu bestimmenden Mitarbeiter vorgelegt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer wertet die Revisionsdateien aus? - Können die Aktivitäten des Administrators ausreichend kontrolliert werden? - Wird das IT-Sicherheitsmanagement bei Auffälligkeiten unterrichtet? - Wurde die maximale Größe der Protokolldatei begrenzt, um einen Speicherplatzmangel zu verhindern? _____________________________________________________________________ .......................................... 329 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.151 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.151 Entwurf eines NDS-Konzeptes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Eine der wichtigsten Neuerungen in Novell Netware 4.x stellen die Novell Directory Services (NDS) dar, die im deutschen Sprachgebrauch als Novell Verzeichnis Dienste bezeichnet werden. Die NDS bezieht sich auf die logische Struktur des Netzes und aller darin vorhandenen Ressourcen wie z. B. Benutzer, Gruppen, Drucker oder Netware Server. Die Technologie der NDS ersetzt die noch in Netware 2.x und Netware 3.x verwendete Bindery. In der Bindery sind alle Benutzer, Gruppen usw. in einer eindimensionalen Liste enthalten. Beim Einsatz mehrerer Netware 3.x Server steht der Administrator jedoch vor dem "Problem", daß jede Änderung (beispielsweise das Hinzufügen eines Benutzers) auf jedem Netware 3.x Server manuell ausgeführt werden mußte, d. h. auf allen Servern, für die einem Benutzer Zugriffsrechte gegeben werden sollten. Die Novell Verzeichnis Dienste hingegen sind unabhängig von einem konkreten Server und orientieren sich ausschließlich am zugrundeliegenden Netz. Dies bedeutet, daß Administrationsarbeiten wie Änderungen oder Einrichtungen eines Benutzer-Accounts von den Novell Verzeichnis Diensten auf allen betroffenen Servern vollzogen werden, ohne daß ein manuelles Eingreifen des Administrators erforderlich ist. Die Ressourcen werden in einer Datenbank baumförmig verwaltet, deshalb spricht man auch vom NDS-Tree bzw. NDS-Baum. Im NDS-Baum werden alle Benutzer, Gruppen, Drucker, Netware Server usw. als Objekte in der sogenannten NDS-Verzeichnisdatenbank verwaltet. Hierbei unterscheidet man zwei Arten von Objekten: Containerobjects (Behälterobjekte) und Leafobjects (Blattobjekte). Während sich ein Blattobjekt am Ende eines Zweiges befindet und keine weiteren Objekte mehr beinhaltet, kann ein Behälterobjekt weitere Behälter oder Blattobjekte enthalten. Es existieren u. a. folgende Behälterobjekte: - Root (Stammobjekt) Die Root stellt die Wurzel des NDS-Verzeichnisbaumes dar. Jeder NDSVerzeichnisbaum hat genau ein solches Objekt, das bei der Installation angelegt wird und weder umbenannt noch gelöscht werden kann. In jedem NDS-Verzeichnisbaum kann sich nur ein solches Objekt befinden. - Country (Land) Das Objekt Country ermöglicht eine geographische Unterteilung der gesamten Struktur des NDS-Verzeichnisbaumes, d. h. eine Einteilung des Netzes nach verschiedenen Ländern. Dieses Objekt ist jedoch optional und wird deshalb bei der Installation der NDS auch nicht vorgegeben. - Organization (Organisation) Das Objekt Organization dient dazu, weitere Objekte im NDS-Verzeichnisbaum hierarchisch anzuordnen. Dabei gibt es keine festen Regeln, so _____________________________________________________________________ .......................................... 330 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.151 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... daß ein Unternehmen beispielsweise sowohl den Firmennamen als auch verschiedene Niederlassungen als Bezeichnung der Organisation verwenden kann. Jeder NDS-Verzeichnisbaum muß mindestens eine Organisation beinhalten. - Organizational Unit (Organisatorische Einheit) Die Organizational Unit kann nur unterhalb einer Organisation erstellt werden und dient zur weiteren Unterteilung der NDS. Beispielsweise lassen sich Niederlassungen, Abteilungen oder Projektgruppen in organisatorischen Einheiten anordnen. Die organisatorische Einheit ist optional und wird zur besseren Strukturierung je nach Anzahl der Blattobjekte eingesetzt. Als Blattobjekte bezeichnet man z. B. Benutzer, Gruppen, Drucker, Server oder Datenträger. Es ist nicht möglich, unter Blattobjekten weitere Objekte anzulegen. Folgende Blattobjekte werden am häufigsten verwendet: - Netware Server Dieses Objekt repräsentiert einen Netware Server im Netz, von dem es mindestens einen geben muß. Auf dieses Objekt wird von vielen anderen Objekten verwiesen, die die vom Server bereitgestellten Dienste verwenden. Dieses Objekt wird bereits durch das Installationsprogramm erstellt. - Drucker Hiermit wird ein im Netz vorhandener Drucker dargestellt. Zu einem Drucker gehören immer die Objekte Druckerwarteschlange und Druckserver. - Benutzer Dieses Objekt dient zur Verwaltung und Speicherung von Informationen über einen Benutzer des Netzes, insbesondere über seine Zugriffsrechte auf Netzressourcen. - Gruppen Obwohl in einer Gruppe mehrere Benutzer zusammengefaßt werden können, stellt eine Gruppe ein Blattobjekt und kein Behälterobjekt dar. Sie dient zur einfacheren Administration, da die Rechte einer Gruppe auf deren Mitglieder übertragen werden. - Volume Hiermit wird ein physikalisches Volume zum Speichern von Daten dargestellt. Volumeobjekte werden in der Regel vom Installationsprogramm erstellt. Für eine detailliertere Beschreibung der weiteren Blattobjekte wird auf die Netware Handbücher verwiesen. Auch sind der Objektvielfalt keine Grenzen gesetzt, da z. B. Objekte von Applikationen hinzugefügt, aber auch entfernt werden können. Die Verzeichnisobjekte und deren Attribute werden, wie bereits erwähnt, in einer Datenbank verwaltet, die wesentlicher Bestandteil der NDS ist. In Netzen mit WAN-Verbindungen empfiehlt es sich, diese Datenbank in _____________________________________________________________________ .......................................... 331 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.151 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... logische Segmente aufzuteilen, welche auf verschiedene Netware-Server kopiert werden. Es ist hierbei wichtig beim Planen der Reproduktionen auf langsame WAN-Verbindungen zu achten. Diese logische Segmentierung wird als Partitionierung bezeichnet. Der Kopiervorgang der logischen Segmente auf die Netware-Server wird als Reproduktion bezeichnet. Jede Partition besteht aus mindestens einem Behälterobjekt und den darin enthaltenen Objekten. Zusätzlich kann es von einer Partition noch mehrere Lese- bzw. Schreib/Lese-Kopien geben, jedoch immer nur eine Haupt-Reproduktion. Die physische Unterteilung der NDS in Partitionen ist für die Anwender transparent; d. h. die Netware-internen Mechanismen sorgen dafür, daß der Anwender nichts von der Aufteilung bemerkt. Der Entwurf eines NDS-Verzeichnisbaumes unterliegt prinzipiell keinerlei Beschränkungen, so daß es zur Erzeugung der unterschiedlichsten Formen mit beliebiger Komplexität kommen kann. Dabei sollte jedoch eine gründliche und sorgfältige Planung durchgeführt werden, wobei folgende Grundsätze zu beachten sind: - Eine übersichtliche NDS sollte maximal zwischen 4 und 8 Ebenen tief sein. - Die maximale Anzahl aller Objekte in einer Organisation oder in einer organisatorischen Einheit sollte nicht mehr als 1.500 betragen. - Mehrere kleinere Abteilungen sollten zu einer organisatorischen Einheit zusammengefaßt werden, um deren Anzahl zu reduzieren und die Übersichtlichkeit zu erhöhen. - Es sollten aussagekräftige, aber nicht zu lange Namen verwendet werden (z. B. "F&E" statt "Forschung und Entwicklung"), da die gesamte Pfadangabe innerhalb des NDS-Baumes maximal 255 Zeichen lang sein darf. Diese Begrenzung kommt allerdings nur indirekt zustande, da DOSZeilenkommandos keine längeren Eingaben zulassen. Diese Pfadangabe wird Kontext genannt. - Von jeder Partition sollten zusätzlich zur Hauptpartition zwei weitere Schreib/Lese-Partitionen erstellt werden. Durch die somit vorhandene Redundanz ist der Verlust von NDS-Informationen gering. Eine Sicherung der NDS bleibt trotzdem obligatorisch. - Das Netware Loadable Module (NLM) Directory Service (DS.NLM) ist auf allen Netware Servern innerhalb eines NDS-Baumes, auf dem dieselben Netware Versionen installiert sind, in derselben Version zu benutzen, da sich verschiedene Versionen unter Umständen nicht miteinander synchronisieren. In NDS-Bäumen, in denen z. B. Netware Server der Versionen 4.10, 4.11 und 5.0 installiert sind, müssen sich die Versionen der DS.NLM auf den einzelnen Netware Servern sehr wohl unterscheiden. Nur die DS.NLM auf allen Netware Servern der Versionen 4.10, 4.11 und 5.0 muß, um unnötige Probleme zu vermeiden, in derselben Version installiert sein. Da prinzipiell Mischumgebungen erlaubt sind, zeigt die Praxis, daß eine homogene Serverlandschaft - entweder nur Netware Server der _____________________________________________________________________ .......................................... 332 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.151 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Versionen 4.10, 4.11 oder 5.0, die stabilsten und die am besten zu administrierenden NDS-Netze sind. Bei der Planung der NDS ist nicht vorrangig die Größe des Netzes, sondern das Umfeld entscheidend, wie z. B. die Hardware, die Kommunikationsverbindungen, die LAN/WAN-Topologie und die Struktur der Organisation. Beispielsweise ist für ein kleines Netz mit mehreren WAN-Verbindungen ein größerer Aufwand für die Planung erforderlich als für ein großes Netz ohne WAN-Verbindungen, da mit den verschiedenen WAN-Architekturtypen eindeutige physische Attribute verknüpft sind. Eine Planung sollte zumindest die folgenden Punkte abdecken: - Festlegung eines Standards für die Benennung von Objekten (insbesondere Namenskonventionen für Benutzer- und Druckerkennungen), - Entwurf einer Verzeichnisbaumstruktur, - Festlegung der Position von Netzressourcen (z.B. Drucker und Server) innerhalb des NDS-Baumes bzw. Container, um Benutzern und Administratoren eine transparente Sicht des Netzes zu ermöglichen, - NDS-Baum sollte die Organisationsstruktur des abzubildenden Unternehmens widerspiegeln, - Einheitliche sowie abgestimmte Positionierung von Netzressourcen an verschiedenen Standorten um Benutzern mit häufigen Standortwechsel ein möglichst kurze Einarbeitungszeit zu ermöglichen, - Festlegung einer Partitions- und Reproduktionsstrategie, die unter anderem stark abhängig von WAN-Verbindungen ist. Für weitergehende Informationen zur NDS-Planung sei an dieser Stelle auf das Handbuch zu Netware 4 Netzwerken von Novell verwiesen, welches die Implementierung eines Netware 4.x Netzes ausführlich beschreibt. Ergänzende Kontrollfragen: - Existieren regelmäßig Absprachen der einzelnen Administratoren der verschiedenen Standorten? - Wurden alle Planungsgrundsätze eingehalten? - Sind die NDS, Planungsgrundsätze und die Absprachen der Administratoren dokumentiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 333 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.152 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.152 Entwurf eines Zeitsynchronisations-Konzeptes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die Stabilität eines Netware 4.x Netzes hängt wesentlich von der Zeitsynchronisation ab und steht im direkten Zusammenhang mit den Novell Directory Services (NDS). Zeitsynchronisation bedeutet in diesem Fall, daß in einem Netz mit NDS und mehreren Netware-Servern deren Uhrzeit übereinstimmen muß. Dabei beträgt die Standardtoleranz zwei Sekunden. Die Uhren sämtlicher Netware-Server der NDS dürfen also nicht mehr als zwei Sekunden voneinander abweichen. Ist dies gewährleistet, wird die Uhrzeit im Netz als synchron bezeichnet. In einem Multiserver-Netz sind im allgemeinen mehrere Replikationen und/oder Partitionen der NDS auf den Netware-Servern verteilt. Wird eine Änderung an einer Partition der NDS durchgeführt, wird diese mit einem Zeitstempel versehen. Diese Änderung wird dann beim nächsten NDSAbgleich an die Partitionen und Replikationen auf den anderen Netware-Servern im Netz weitergegeben. Geht die Uhrzeit auf einem der Netware-Server, der die Änderung empfängt, um beispielsweise eine Stunde nach und ist somit nicht in sync, können die Änderung für diese NDS-Replikation oder Partition erst synchronisiert werden, wenn der betroffene Server wieder in sync ist. Grundsätzlich kann man die folgenden zwei Szenarien unterscheiden: - Einzelreferenz Dieses Zeitmodell wird von Novell für Netze mit bis zu 30 NetwareServern empfohlen. Es ist sehr einfach einzurichten, und es bedarf keiner detaillierteren Planung der Zeitsynchronisation. In diesem Modell dient ein einziger Netware-Server als Zeitgeber (Einzelreferenz), während die restlichen Netware-Server nur als Zeitnehmer fungieren. Der Einzelreferenz-Server gibt die Uhrzeit für das gesamte Netz vor und sollte deshalb mit einer externen Zeitquelle (z. B. einer Funkuhr) verbunden werden. Ein großer Nachteil dieses Zeitmodells ist, daß beim Ausfall des Einzelreferenz-Servers kein Zeitabgleich mehr stattfinden kann, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen. - Zeitgebergruppen Bei größeren Netzen empfiehlt es sich, Zeitgebergruppen zu verwenden. Sie sind nicht schwer zu konfigurieren, erfordern jedoch eine angemessene Planung. Hier teilen sich mehrere Netware-Server die Zeitgeber-Rolle. Einer von ihnen ist der Referenz-Server, welcher mit einer externen Zeitquelle verbunden werden sollte. Eine Stufe unter dem Referenz-Server stehen die primären Zeitserver, von denen mindestens zwei existieren müssen. Dieser Zeitservertyp unterscheidet sich nicht grundlegend von einem Referenz-Server. Alle Referenz- und Primär-Server bestimmen gemeinsam eine gültige Netzzeit und _____________________________________________________________________ .......................................... 334 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.152 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... geben diese Zeit an die Sekundär-Server weiter. Der Referenz-Server ist der ruhende Pol im Netz. Da er seine Zeit nicht an die Netzzeit anpaßt, muß sich zwangsläufig die Netzzeit an ihn anpassen. Daher ist er auch derjenige Server, an dem die Netzzeit, falls notwendig, korrigiert werden muß. Im Gegensatz dazu passen Primär-Server ihre Zeit an die Netzzeit an. Ein entscheidender Vorteil dieses Modells ist, daß durch die Primär-Server Ersatz-Zeitgeber vorhanden sind und bei einem Ausfall des ReferenzServers weiterhin eine Zeitsynchronisation stattfinden kann. Trotz der Aussage von Novell, daß dieses Modell ab 30 Netware-Servern verwendet werden soll, kann es auch mit bedeutend weniger Netware-Servern eingesetzt werden. Zeitgeber, Einzelreferenz-, Referenz- und Primär-Server werden in der Standardkonfiguration dynamisch über SAP/RIP-Mechanismen im Netz bekannt gegeben. Dies hat den Nachteil, daß man keinen Einfluß darauf hat, welcher Zeitserver mit welchem Zeitserver kommuniziert. Dies ist unter Umständen besonders bei WAN-Verbindungen nicht wünschenswert. Darum gibt es hier die Möglichkeit, auch mit konfigurierbaren Listen zu arbeiten und den SAP/RIP-Mechanismus auszuschalten. Beim Entwurf eines Zeitsynchronisations-Konzeptes sollten die folgenden Punkte beachtet werden: - In jedem Netz mit mehr als einem Netware-Server sollte eine externe Zeitquelle (z. B. Funkuhr) installiert werden. - Bei WAN-Verbindungen innerhalb eines Netzes, in dem die NDS eingesetzt wird, sollte an einem Standort mit mehreren Netware 4.x Servern mindestens ein Zeitgeber vorhanden sein, so daß die lokalen SekundärServer auf einen lokalen Zeitgeber zurückgreifen können. - Sollte auf einem Netware-Server aufgrund einer Fehlkonfiguration die eingestellte Uhrzeit sehr weit in der Zukunft liegen (beispielsweise 1 Jahr), so würde der Server nach Umstellung auf die korrekte Uhrzeit für 1 Jahr die Fehlermeldung "Synthetische Zeit ..." für alle NDS-Ereignisse ausgeben. Diese Fehlermeldung könnte beseitigt werden, wenn im Programm DSREPAIR.NLM eine neue Zeitepoche deklariert werden würde. Dabei würde die komplette NDS auf diesem Server gelöscht und neu erstellt werden. Dies ist ein relativ kritischer Eingriff in die NDS und sollte daher wohl überlegt sein. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde die Zeitsynchronisation angemessen geplant? _____________________________________________________________________ .......................................... 335 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.153 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.153 Dokumentation von Novell Netware 4.x Netzen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Eine wichtige Maßnahme zur Gewährleistung eines sicheren Betriebs, welche aus Zeit- oder Personalmangel oft vernachlässigt wird, ist die Dokumentation der wesentlichen Informationen eines Novell Netware 4.x Netzes. Da die Verantwortlichkeit über bestimmte Bereiche des Netzes wechseln oder auch ein Personalausfall auftreten kann, ist es unerläßlich, alle relevanten Informationen zu jedem Netware Server zu erfassen und in einer übersichtlichen Dokumentation darzustellen. Dies erleichtert die Einarbeitung einer eventuell erforderlichen Vertretung und verkürzt beim Auftreten eines Fehlers die Ausfallzeit. In einer solchen Dokumentation sollten die folgenden Informationen (mit allen erforderlichen Parametern) in einer transparenten und einfach zu aktualisierenden Form dargestellt werden: NDS Auf die Dokumentation der NDS ist ein besonders hohes Augenmerk zu richten, da sie unter Umständen nicht auf einem einzigen zentralen Server gehalten wird, sondern sich insbesondere in Netware Netzen mit vielen WANVerbindungen in verschiedenen Partitionen befinden kann und auf unterschiedlichen Netware Servern gespeichert wird. Im Einzelfall kann dies bedeuten, daß z. B. ein Server mit einer Schreib/Lese-Partition zur HauptReproduktion-Partition geändert werden muß, wenn der eigentliche HauptReproduktionsserver einer Partition durch einen Hardwareausfall neu installiert werden muß. Allerdings kann dieser Problemfall durch geeignete Sicherungsmechanismen umgangen werden. Man sieht schon anhand dieses Beispiels, wie komplex der Aufbau einer weitverzweigten NDS ausfallen kann, und somit die Notwendigkeit einer entsprechenden Dokumentation besteht. Hierin sollten auf jeden Fall der Aufbau der NDS und auch Informationen über die vergebenen NDS- und Datei-Rechte zu finden sein. Zeitsynchronisation Da NDS und Zeitsynchronisation engverwandte Themen sind, ist es sinnvoll, sie auch in der Dokumentation miteinander zu verbinden. Dies ergibt sich aus dem Umstand, daß alle relevanten Informationen, die über das Netware 4.x Netz ausgetauscht werden, mit Zeitstempeln versehen sind. Damit die Zeitsynchronisation in einem Novell Netware 4.x Netz ordnungsgemäß funktioniert und die entsprechenden Zeitinformationen auch auf jedem Server zum gewünschten Resultat führen, muß klar festgelegt werden, welcher Server als Zeitquelle fungiert und welches Zeitmodell verwendet wird. Aus diesem Grund ist es auch unerläßlich, die Zeitsynchronisation und die entsprechenden NDS Dienste korrekt darzustellen, um im Fehlerfall die richtigen Schritte einleiten zu können. Die unten aufgeführte Tabelle zeigt ein Beispiel, wie eine entsprechende Dokumentation aussehen kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 336 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.153 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... SERVER ZEITTYP PARTITIONEN [Root] Public Hamburg-S1 Referenz HauptReproduktion HauptReproduktion Hamburg-S2 Sekundär Lese/ SchreibReproduktion Lese/ SchreibReproduktion Hamburg-S3 Sekundär Berlin-S1 Primär Berlin-S2 Primär Hamburg Berlin HauptReproduktion Lese/ SchreibReproduktion HauptReproduktion Lese/ SchreibReproduktion Lese/ SchreibReproduktion Hardwarekonfiguration Hier ist anzumerken, daß bei einer Neuinstallation des Netware Servers (z. B. nach einem Systemabsturz) sämtliche Informationen zu den Einstellungen der Hardware bekannt sein müssen, um den Server sachgerecht und zügig konfigurieren zu können. Sind diese nicht bekannt, so müssen sie im Einzelfall erst über entsprechende Programme abgefragt oder am Gerät abgelesen werden, was einen nicht zu unterschätzenden Zeitaufwand darstellt. Dies gilt insbesondere für das Beheben von zeitkritischen Fehlern. Für alle eingesetzten Hardware-Komponenten im Server, wie z. B. Netzadapterkarten, Grafikkarten, Kommunikations-Schnittstellen (seriell, parallel, USB, PS/2 usw.) oder SCSI-, IDE- und RAID-Controller, müssen u. a. folgende Informationen vorgehalten werden: - Interrupt, - E/A-Schnittstelle, - DMA-Kanal, - SCSI- und LUN-Adresse, - Speicheradresse, - Knotenadresse, _____________________________________________________________________ .......................................... 337 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.153 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Steckplatznummer, - Externe IPX-Netzwerknummer und - Rahmentyp. Zur Dokumentation der Server-Hardware gehören auch die externen Geräte, wie z. B. - Drucker oder - externe Sub-Systeme (Festplattenschränke u. ä.). Als Beispiel und Hilfe kann hierfür in der Original-Dokumentation zu Novell Netware 4.11 (Handbuch zu Netware 4) im Anhang C: Beispiel zu Schablonen unter C8 nachgeschlagen werden. Softwarekonfiguration Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Konfiguration der Software. Dazu gehören u. a. die folgenden Aspekte: - Patchlevel, - NLMs (Netware Loadable Modules), - Treiber und - Konfigurationsdateien (AUTOEXEC.NCF, STARTUP.NCF, DHCPTAB, etc., siehe auch die Beschreibung CONFIG.NLM und Config-Reader). Da wichtige Programme unter Umständen nur ab einem bestimmten Patchlevel arbeiten, muß dokumentiert werden, welche Systemupdates notwendig sind, um die betroffenen Programme (wie z. B. Backup-Utilities) ausführen zu können. Aus diesem Grund sollte notiert werden, welche Updates und Patches zu welchem Zweck auf dem Netware Server installiert wurden. Es sei an dieser Stelle auch auf ein Tool hingewiesen, mit dem diese Einzelheiten der Konfiguration abgefragt und in einer ASCII-Datei gespeichert werden können. Dabei handelt es sich um das Programm CONFIG.NLM. Dieses Programm muß an der jeweiligen Server-Konsole gestartet werden und erzeugt eine Datei CONFIG.TXT. Mit Hilfe des Windows-Programms ConfigReader kann diese Konfigurationsdatei analysiert werden. Beide Programme sind im Internet unter http://support.novell.com zu finden. In der Datei CONFIG.TXT wird in wenigen Sekunden die komplette Konfiguration des Netware Servers abgelegt. Dies vereinfacht den Wiederanlauf eines Servers bei Hardwareausfall wesentlich. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden alle relevanten Informationen zu den Netware Servern dokumentiert? - Wird die Dokumentation regelmäßig aktualisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 338 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.154 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.154 Erstellung eines ComputerVirenschutzkonzepts Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Um für eine gesamte Organisation einen effektiven Computer-Virenschutz zu erreichen, sind abgestimmte und angemessene Schutzmaßnahmen auszuwählen und umzusetzen. Dies setzt eine konzeptionelle Vorgehensweise voraus, um sämtliche betroffenen IT-Systeme mit geeigneten Maßnahmen zu versehen und durch Aktualisierung den notwendigen Schutz aufrechtzuhalten. Nachfolgend wird das Inhaltsverzeichnis eines Computer-Virenschutzkonzeptes aufgezeigt. Inhaltsverzeichnis Computer-Virenschutzkonzept Teil A: Sensibilisierung 1 Abhängigkeit der Institution vom IT-Einsatz 2 Beschreibung des Gefährdungspotentials 2.1Computer-Viren 2.2Makro-Viren 2.3Trojanische Pferde 2.4Hoax 3 Schadensszenarien 4 Potentiell betroffene IT-Systeme Teil B: Erforderliche Schutzmaßnahmen 5 Computer-Virenschutz-Strategie 5.1Nicht-vernetzte IT-Systeme 5.2Vernetzte Endgeräte 5.3Server 6 Aktualisierung der Computer-Viren-Suchprogramme 6.1Nicht-vernetzte IT-Systeme 6.2Vernetzte Endgeräte 6.3Server Teil C: Regelungen 7 Regelungen zum Schutz vor Computer-Viren 7.1Nutzungsverbot nicht freigegebener Software 7.2Schulung der IT-Benutzer 7.3Umstellung der Boot-Reihenfolge 7.4Anlegen einer Notfall-Diskette 7.5Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus 7.6Maßnahmen bei nicht-resident virenkontrollierten IT-Systemen 7.6.1 Regelmäßiger Einsatz eines Computer-Viren-Suchprogramms 7.6.2 Virenkontrolle bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung 7.6.3 Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren 8 Regelung der Verantwortlichkeiten 8.1Ansprechpartner für Computer-Viren 8.2Verantwortlichkeit von Administratoren 8.3Verantwortlichkeit des einzelnen IT-Benutzers 8.4Verantwortlichkeit des IT-Sicherheitsmanagements _____________________________________________________________________ .......................................... 339 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.154 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Teil D: Hilfsmittel 10 Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus 11 Meldewege bei Auftreten eines Computer-Virus 12 Benutzerhandbuch des Computer-Viren-Suchprogramms Die nachfolgenden Maßnahmen erläutern, wie einige wichtige Teile dieses Konzepts erstellt werden können. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist das Computer-Virenschutzkonzept vom Management in Kraft gesetzt worden? - Ist das Computer-Virenschutzkonzept allen Betroffenen bekannt? _____________________________________________________________________ .......................................... 340 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.155 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.155 Identifikation potentiell von Computer-Viren bedrohter IT-Systeme Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Für die Erstellung eines Viren-Schutzkonzeptes müssen in einem ersten Schritt die potentiell von Computer-Viren bedrohten IT-Systeme der Behörde/Institution identifiziert werden. Aus einer Übersicht aller ITSysteme, die im Einsatz sind oder deren Einsatz geplant ist, können dazu alle IT-Systeme herausgefiltert werden, für die Computer-Viren eine Bedrohung darstellen oder über die Computer-Viren verteilt werden können. Diese Übersicht kann auch aus den Ergebnissen der Schutzbedarfsfeststellung nach IT-Grundschutzhandbuch Kapitel 2.2 gewonnen werden. Durch Computer-Viren sind typischerweise alle IT-Systeme mit PC-basierten Betriebssystemen wie DOS, Windows 3.x, 95/98 oder NT betroffen oder solche mit Anwendungsprogrammen wie Microsoft Word oder Excel, die durch Makro-Viren infiziert werden können. Server werden zwar im allgemeinen nicht direkt durch Computer-Viren bedroht, können aber eine Verteilstelle für infizierte Programme und Dateien sein. Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß Computer-Viren auch bei Verwendung anderer Betriebssysteme oder IT-Anwendungsprogramme auftreten können. Dies gilt zum Beispiel in wenigen Einzelfällen bei Unix-Systemen und OS/2-Systemen, die jedoch aufgrund geringer Verbreitung nur ein niedriges Bedrohungspotential darstellen (siehe G 5.23). Für jedes identifizierte IT-System kann in einem nächsten Schritt ergänzend erfaßt werden, welche möglichen Infektionswege für Computer-Viren bestehen. Diese Informationen können für die spätere Auswahl von Maßnahmen genutzt werden. Eine Infektion durch Computer-Viren kann beispielsweise erfolgen: - bei Einsatz von Disketten, CD-ROMs oder anderen austauschbaren Datenträgern, - bei der Installation neuer Software, - durch den Zugriff auf Dateien, die nicht auf der lokalen Festplatte gespeichert sind, sondern auf einem Server im Netz bzw. in einem freigegebenen Verzeichnis innerhalb eines Peer-to-Peer-Netzes, - durch den Zugriff auf von externer Stelle erhaltene Dateien (z. B. Attachment einer E-Mail, Dateien aus dem Internet), - bei extern vorgenommenen Wartungsarbeiten. Sinnvoll ist es, für jedes identifizierte IT-System oder exemplarisch für jeden identifizierten IT-System-Typ tabellarisch zu erfassen, über welche Schnittstellen eine Computer-Vireninfektion erfolgen kann. Dies können sein: _____________________________________________________________________ .......................................... 341 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.155 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - alle lokal am Rechner vorhandenen Lesegeräte für austauschbare Datenträger (Diskettenlaufwerk, CD-ROM-Laufwerk, Streamer, Wechselplatten u. a.), - alle mobilen, an die Rechner lokal anschließbaren Lesegeräte für austauschbare Datenträger (Diskettenlaufwerk, CD-ROM-Laufwerk, Streamer, Wechselplatten u. a.), - die Anbindung an andere IT-Systeme im eigenen Sicherheitsbereich (LAN-Server, Peer-to-Peer-Verbindungen), - Schnittstellen, über die ein Datentransfer von externen IT-Systemen auf das lokale IT-System erfolgen kann (Modem, Internetanschluß). Der wichtigste Punkt einer solchen Übersicht ist die Benennung von Ansprechpartnern für die jeweiligen IT-Systeme, die für die Realisierung der notwendigen Maßnahmen verantwortlich sind und die Anlaufstellen für die Benutzer sind. Da die IT-Landschaft einer Organisation ständigen Änderungen unterworfen ist, müssen im Hinblick auf Veränderungen an bestehenden Systemen diese Informationen bei Bedarf aktualisiert werden. Beispiel für die Erhebung: Vorhandene und geplante IT-Systeme / Schnittstellen Bezeichnung und Art lokal vernetzt lokale Lesegeräte externe Lesegeräte Kommunikationskarten Ansprechpartner für Virenproblematik Server Abt. X, Novell 4 x Disketten-, CD-ROMLaufwerk Streamer Modem Administrator Müller Clients Abt. X Windows 95 x Disketten-, CD-ROMLaufwerk PC-Betreuer Meier DiskettenLaufwerk Laptop-Verwaltung Schulze Laptops, Windows NT Server Abt. XI, Unix x Disketten-, CD-ROMLaufwerk Workstations Abt. XI Unix x - PC's Sekretariat Windows 95 x Frau Peze ... ... ... Streamer ... Administratorin Schmitz ... Ergänzende Kontrollfrage: - Wie wird sichergestellt, daß bei Veränderungen der eingesetzten ITSysteme oder bei Einsatz neuer IT-Systeme die erforderlichen Maßnahmen des Virenschutz-Konzeptes berücksichtigt werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 342 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.156 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.156 Auswahl einer geeigneten ComputerVirenschutz-Strategie Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Für die Umsetzung eines Computer-Virenschutzes sind personelle und finanzielle Ressourcen erforderlich, die in einem angemessenen Verhältnis zu dem tatsächlichen Bedrohungspotential stehen müssen. Für die Gesamtheit der identifizierten potentiell durch Computer-Viren bedrohten IT-Systeme sind folgende Einflußfaktoren zu erheben: - Wie häufig findet über die vorhandenen Schnittstellen ein Datentransfer statt, der zu einer Infektion bzw. Verbreitung von Computer-Viren führen kann? - Mit welchen Folgen ist bei einer tatsächlichen Infektion zu rechnen, wenn keine Schutzmaßnahmen ergriffen werden? - Wie zuverlässig werden von den IT-Benutzern IT-Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt, die periodisch zu veranlassen sind? - Wieviel Zeitaufwand kann den IT-Benutzern für Computer-VirenSchutzmaßnahmen zugemutet werden? Bei Kenntnis der daraus und aus Fachveröffentlichungen ableitbaren Häufigkeit von Computer-Viren-Infektionen und der daraus entstehenden möglichen Folgeschäden ist unter Einbeziehung des Managements zu entscheiden, welche finanziellen Ressourcen für notwendige Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden müssen und welche personellen Ressourcen bereitgestellt werden. In Kenntnis der finanziellen und personellen Ressourcen, die für den Computer-Virenschutz zur Verfügung stehen, und der identifizierten potentiell bedrohten IT-Systeme können Strategien ausgewählt werden, wie ein geeigneter Schutz erreicht werden kann. Einige mögliche Strategien werden im folgenden vorgestellt. Computer-Viren-Suchprogramme auf jedem Endgerät Erfolgt auf einem IT-System der Einsatz eines aktuellen residenten ComputerViren-Suchprogramms (also eines Programmes, das permanent im Hintergrund läuft), wird sichergestellt, daß ein infiziertes Programm nicht ausgeführt oder eine Datei mit einem Makro-Virus nicht geladen werden kann. Die Kontrolle der Schnittstellen am Endgerät übernimmt das residente Suchprogramm. Dadurch wird gewährleistet, daß eine Übertragung auf das IT-System nicht erfolgt. Der ausschließliche Einsatz nicht-residenter Computer-Viren-Suchprogamme (die nur durch explizites Starten des Programms durch den Benutzer aktiviert werden) empfiehlt sich nicht, da hierdurch heute kein wesentlicher finanzieller Vorteil erzielbar ist, jedoch die Nachteile auf seiten des IT-Benutzers erheblich zunehmen, da er zuverlässig regelmäßig das Programm aktivieren muß. _____________________________________________________________________ .......................................... 343 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.156 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Werden alle Endgeräte mit einem residenten Computer-Viren-Suchprogramm ausgestattet, ist sichergestellt, daß Computer-Viren sofort nach Auftreten identifiziert und daß sie nicht vom Endgerät aus weitergegeben werden. Darüber hinaus sollte der Einzelaufruf auch bei residenten VirenSuchprogrammen auf jedem Client möglich sein, um bei Bedarf, z. B. vor dem Öffnen von E-Mail-Attachments diese gezielt überprüfen zu können. Vorteile: - Ein geeignetes, aktuelles und residentes Computer-Viren-Suchprogramm gewährleistet einen maximalen Schutz bei gleichzeitig minimalen Aufwand für den IT-Benutzer Nachteile: - Anschaffungskosten sowie Administrationsaufwand fallen für jedes Endgerät an. - Ältere IT-Systeme haben unter Umständen nicht ausreichend Hauptspeicher. Es könnte außerdem zu Komplikationen bei der Zusammenarbeit mit anderen Programmen kommen. Computer-Viren-Suchprogramme auf allen Endgeräten mit externen Schnittstellen In vernetzten IT-Systemen wird ein residentes Computer-VirenSuchprogramm nur auf den IT-Systemen installiert, die neben Schnittstellen zum eigenen internen Netz über weitere externe Schnittstellen (Diskettenlaufwerk, CD-ROM, Modem) verfügen. Vernetzte IT-Systeme ohne direkte externe Schnittstellen werden nicht mit Computer-VirenSuchprogrammen ausgestattet. Vorteile: - Anschaffungskosten sowie Administrationsaufwand reduzieren sich auf die IT-Systeme mit externen Schnittstellen. Nachteile: - Änderungen an den IT-Systemen, die zur Einrichtung neuer externer Schnittstellen führen, müssen akribisch nachgehalten werden, da ggf. die Nachrüstung von IT-Systemen mit Computer-Virersuchprogammen notwendig wird. - Verschlüsselte Dateien oder Programme, die Computer-Viren beinhalten und erst auf einem ungeschützten Endgerät entschlüsselt werden, führen zu Infektionen. Dies kann in gleicher Weise auch für komprimierte Dateien gelten, wenn das Suchprogramm nicht geeignet ist. Computer-Viren-Suchprogramme auf allen Servern In diesem Fall wird in einem vernetzten IT-System jeder Server mit einem residenten Computer-Viren-Suchprogramm ausgestattet, die angeschlossenen Endgeräte jedoch nicht. Dadurch wird sichergestellt, daß keine Übertragung von Computer-Viren von einem Endgerät auf ein anderes Endgerät erfolgen kann und so eine mögliche Infektion lokal isoliert bleibt. _____________________________________________________________________ .......................................... 344 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.156 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Vorteile: - Anschaffungskosten sowie Administrationsaufwand reduzieren sich auf die Server. - Schutz der Server verhindert Re-Infektionen, z. B. nach dem Einspielen von archivierten Dateien. Nachteile: - Für die Endgeräte mit externen Schnittstellen muß der Benutzer das auf dem Server befindliche Computer-Viren-Suchprogramm manuell starten, um damit eingehende externe Datenträger, aber auch zu versendende Datenträger und Dateien zu überprüfen. - Verschlüsselte Dateien oder Programme, die Computer-Viren beinhalten und erst auf einem ungeschützten Endgerät entschlüsselt werden, führen ohne Eingangskontrolle zu Infektionen. Dies kann in gleicher Weise auch für komprimierte Dateien gelten, wenn das Suchprogramm nicht geeignet ist. - Ein Computer-Viren-Befall eines Endgerätes mit externen Schnittstellen kann nicht ausgeschlossen werden. - Wird zusätzlich eine Peer-to-Peer-Funktionalität genutzt, können Computer-Viren ohne Kontrolle der geschützten Server zwischen Endgeräten übertragen werden. - Schlecht für die Performance, da alle Kommunikationsinhalte überprüft werden müssen. Computer-Viren-Suchprogramme auf allen Servern und Endgeräten Diese Kombination obiger Strategien bietet den maximalen Schutz, da Computer-Viren sofort beim Auftreten erkannt werden und nicht über Server weiterverteilt werden. Darüber hinaus können Computer-VirenSuchprogramme verschiedener Hersteller eingesetzt werden, um so die Erkennungsrate für Computer-Viren zu erhöhen. Vorteile: - Ein geeignetes, aktuelles und residentes Computer-Viren-Suchprogramm gewährleistet einen maximalen Schutz bei gleichzeitig minimalen Aufwand für den IT-Benutzer. - Computer-Viren werden nicht über Server weiterverteilt. Nachteile: - Anschaffungskosten sowie Administrationsaufwand für jeden Server und jedes Endgerät. Computer-Viren-Suchprogramme auf den Kommunikationsservern Computer-Virenschutzprogramme können ausschließlich oder zusätzlich auf allen Kommunikationsservern installiert werden, also den IT-Systemen über die der Datenaustausch mit externen IT-Systemen läuft, z. B. Firewalls oder Mail-Server. Hierdurch sind aber die Endgeräte nur dann vor Computer-Viren _____________________________________________________________________ .......................................... 345 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.156 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... geschützt, wenn diese keine weiteren Schnittstellen wie CD-ROM-Laufwerke o. ä. besitzen. Vorteile: - Alle Dateien werden am Eingang zum LAN überprüft, nicht erst innerhalb. - Computer-Viren werden nicht über Server weiterverteilt. Allerdings können sie sich auf den Endgeräten weiterverbreiten, wenn zwischen diesen Dateien direkt (z. B. über Disketten) ausgetauscht werden. Nachteile: - Diese Methode ist fehleranfällig: Attachments an E-Mail werden u. U. nicht alle erkannt. Häufig wird von solchen Programmen das Vorhandensein von Attachments nur innerhalb der ersten Zeilen einer Mail bzw. im Mail-Header überprüft. Es kann auch vorkommen, daß das Verfahren, mit dem das Attachment behandelt wurde (z. B. uuencode) vom Virensuchprogramm nicht erfaßt wird. Dies ist z. B. bei MIME möglich, es kann zu Problemen kommen, wenn eine oder mehrere mit uuencode codierte Dateien einfach in den Mailbody eingefügt werden. - Schlecht für die Performance, da alle Kommunikationsinhalte überprüft werden müssen. - Auf allen Kommunikationsservern sollte nur ein minimales Betriebssystem installiert sein, also nur die nötigsten Dienste (siehe auch M 4.?? Minimales Betriebssystem). - Um Denial-of-Service-Angriffe zu vermeiden sollte ein Computer-VirenSuchprogramm nie auf einer Firewall installiert werden, höchstens auf einem Proxy. Datenhygiene und zentrale Prüfung von Dateien Hierbei werden sämtliche eingehenden und ausgehenden Dateien und Datenträger an zentraler Stelle durch ein Computer-Viren-Suchprogramm kontrolliert. Darüber hinaus wird geregelt, daß die IT-Benutzer keine Dateien, Programme und Datenträger aus zweifelhafter Herkunft verwenden. Vorteile: - Die Anzahl der zu beschaffenden Lizenzen für Computer-VirenSuchprogramme reduziert sich erheblich. Nachteile: - Bei häufigen Einsatz externer Datenträger nimmt eine zentrale Prüfung auf Computer-Viren sehr viel Zeit in Anspruch und verzögert den Geschäftsablauf. Ein Computer-Virenbefall kann grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden, da ggf. die Prüfung eines Datenträgers versehentlich vergessen werden kann. - In regelmäßigen Zeitabständen müssen alle Rechner ohne ComputerViren-Suchprogramm auf einen möglichen Computer-Viren-Befall untersucht werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 346 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.156 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Unabhängig davon, welche Strategie für den Computer-Virenschutz gewählt wird, verbleibt immer das Restrisiko, daß Computer-Viren-Suchprogramme nur diejenigen Computer-Viren erkennen, die zum Entwicklungszeitpunkt des Programms bekannt waren. Das heißt, daß neue Viren ggf. nicht erkannt werden und Schäden anrichten können. Die Wahl der richtigen und unter Kostengesichtspunkten angemessenen Strategie ist von der jeweiligen IT-Landschaft abhängig. Da jedoch beim Kauf von Mehrfach-Lizenzen der gängigen, geeigneten Computer-VirenSuchprogramme sich meist die Kosten pro Lizenz stark reduzieren, empfiehlt es sich, über eine Komplettausstattung aller Server und Endgeräte nachzudenken. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind in der Vergangenheit Computer-Viren aufgetreten? Welche Schäden wurden verursacht (finanzielle Einbußen, Arbeitsausfall, ...)? - Wird die Entscheidung über den Ressourceneinsatz für den ComputerVirenschutz vom Management getragen? - Ist sichergestellt, daß bei Änderungen der IT-Landschaft über eine Anpassung der Computer-Virenschutz-Strategie nachgedacht wird? - Wurden die mit der gewählten Strategie verbundenen Nachteile dem ITSicherheitsmanagement verdeutlicht? - Werden die entstehenden Restrisiken getragen? _____________________________________________________________________ .......................................... 347 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.157 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.157 Auswahl eines geeigneten Computer-VirenSuchprogramms Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Bundesbehörden erhalten über das BSI aktuelle Viren-Schutzprogramme. Benutzer aus anderen Bereichen müssen aus der Vielzahl der am Markt verfügbaren Computer-Viren-Schutzprogramme für sie geeignete auswählen. Für die ITSEC, den Kriterien für die Bewertung der Sicherheit von Systemen der Informationstechnik, wurde eine Funktionalitätsklasse für Anti-VirusProdukte (F-AVIR) entwickelt. Auf diese kann bei der Auswahl eines geeigneten Viren-Suchprogramms zurückgegriffen werden. In dieser Funktionalitätsklasse werden Sicherheitsfunktionen sowie Voraussetzungen für die sichere Arbeitsumgebung von Anti-Virus-Produkten beschrieben, die als Kriterien für die Auswahl eines geeigneten ComputerViren-Suchprogramms herangezogen werden sollten. Band 2 der BSI-Schriftenreihe zur IT-Sicherheit "Informationen zu ComputerViren" enthält einen Abdruck dieser Funktionalitätsklasse. Als Hilfsmittel wurde der entsprechende Auszug der CD-ROM zum IT-Grundschutzhandbuch beigefügt. Im wesentlichen sollten folgende Bedingungen vom auszuwählenden Computer-Viren-Suchprogramm erfüllt werden: - Der Umfang der erkannten Computer-Viren sollte möglichst groß sein und dem aktuell bekannten Bestand entsprechen, insbesondere müssen alle sehr stark verbreiteten Computer-Viren erkannt werden. - Eine ständige Aktualisierung bezüglich neuer Computer-Viren muß vom Hersteller sichergestellt sein. - Das Programm sollte Computer-Viren auch in komprimierter Form finden, wobei gängige Komprimierungsfunktionen wie PKZIP unterstützt werden sollten. - Gefundene Computer-Viren müssen mit einer vollständigen Pfad-Angabe angezeigt werden. - Das Programm muß seine eigene Virenfreiheit feststellen, bevor die Suchfunktion ausgeführt wird. - Nach Möglichkeit muß das Produkt als residentes Programm eine permanente Computer-Virenkontrolle ermöglichen. - Sinnvoll ist eine Funktionalität, die es erlaubt, erkannte Computer-Viren zu entfernen, ohne weitere Schäden an Programmen oder Daten zu verursachen. - Das Programm sollte über eine Protokollierungsfunktion verfügen, die folgende Daten festhält: - Versionsstand des Programms, _____________________________________________________________________ .......................................... 348 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.157 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Datum und Uhrzeit der Überprüfung, - Angabe aller benutzten Parameter, - Prüfergebnis mit Prüfumfang, - Anzahl und Identifikation der Dateien und Objekte, die nicht geprüft werden konnten. - Das Programm sollte eine Warnung ausgeben, wenn es feststellt, daß es offensichtlich nicht aktualisiert wurde (zwischen Aktualitätsstand des Programms und Systemdatum liegen mehr als 6 Monate). - Das Programm sollte eine Liste der erkennbaren Computer-Viren und ihre Beschreibung beinhalten. Darüber hinaus sind jeweils Beschreibungen von Sofortmaßnahmen und Maßnahmen zum Entfernen des Computer-Virus anzugeben. _____________________________________________________________________ .......................................... 349 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.158 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.158 Meldung von Computer-Virusinfektionen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Bei Auftreten eines Computer-Virus muß vorrangig verhindert werden, daß weitere IT-Systeme infiziert werden. Hierzu sollte ein Ansprechpartner in der Institution benannt werden, dem unverzüglich eine Computer-Virusinfektion gemeldet wird. Dieser kann auf der Basis der gemäß M 2.155 Identifikation potentiell von Computer-Viren betroffener IT-Systeme erstellten Unterlagen sofort entscheiden, welche Benutzer ggf. über das Auftreten eines ComputerVirus zu informieren sind. Diese Alarmierungswege sind ebenfalls im Rahmen dieses Meldewesens zu etablieren. Neben den eigenen Mitarbeitern müssen auch alle Externen benachrichtigt werden, die evtuell durch die Virusinfektion mitbetroffen sind. Hierzu gehören insbesondere diejenigen, die mutmaßlich den Virus weitergegeben oder erhalten haben. Für einen Überblick über die aktuelle Bedrohungslage durch Computerviren führt das BSI eine Statistik über alle aufgetretenen Viren-Infektionen. Dazu wurde ein Virus-Meldebogen herausgegeben, mit dem ein Viren-Vorfall erfaßt wird. Diese Virus-Meldung wird vom BSI nur zu statistischen Zwecken verwendet; sie kann auch anonym abgegeben werden (Vordruck befindet sich im Anhang). Über die benannten Ansprechpartner sind dann schließlich auch die Maßnahmen einzuleiten, die zu der Beseitigung des festgestellen Computer-Virenbefalls führen. Diese sollten alle Infektionen mit Computer-Viren, deren Auswirkungen und deren Beseitigung dokumentieren. Diese Informationen bilden eine Grundlage für die Aktualisierung des Virenschutzkonzeptes und dokumentieren aufgetretene Schadensfälle und die Aufwände zu deren Behebung. Für die Einrichtung des Meldewesens ist es erforderlich, daß allen Mitarbeitern in geeigneter Form der Ansprechpartner bekannt gegeben wird. Dies kann beispielsweise in Form eines Merkblattes erfolgen (vgl. M 6.23 Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus). Insbesondere beim Auftreten von Hoax (siehe G 5.80 Hoax) ist es wichtig, daß die Benutzer diese angeblichen Sicherheitshinweise nur an den für Virenproblematik benannten Ansprechpartner weitergeben und diesen nicht weiter streuen. In gleicher Weise muß dieser Ansprechpartner sich regelmäßig über neu aufgetretene Computer-Viren informieren, damit er im Bedarfsfall eine Aktualisierung der Computer-Viren-Suchprogramme oder eine Alarmierung der Betroffenen veranlassen kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist sichergestellt, daß der Ansprechpartner für Computer-Virusinfektionen allen IT-Benutzern bekannt ist? - Ist sichergestellt, daß der Ansprechpartner schnellstmöglich sämtliche potentiell von einem akuten Computer-Virus Betroffenen alarmieren kann. _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 350
M 2.159 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.159 Aktualisierung der eingesetzten ComputerViren-Suchprogramme Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Für die mit Computer-Viren-Suchprogrammen ausgestatteten IT-Systeme muss eine regelmäßige Aktualisierung des Programms erfolgen, damit neu aufgetretene Computer-Viren zuverlässig erkannt werden können. Hierzu ist die Festlegung einer Vorgehensweise hinsichtlich der Verantwortlichkeit, der Beschaffung und der Verteilung der Updates erforderlich. Bereits bei der Beschaffung eines geeigneten Computer-Viren-Suchprogramms (siehe M 2.157) sollte darauf geachtet werden, dass es in kurzen Zeitabständen (maximal halbes Jahr) aktualisiert wird. Da Virensuchprogrammen auch zu gegebenen Anlässen, z. B. aufgrund neuer Viren, aktualisiert werden, sollte der für die Virenproblematik Verantwortliche regelmäßig (zumindest wöchentlich) die Informationen des Herstellers abfragen. Das BSI hat für den Bereich der Bundesbehörden eine Mailingliste für die Bekämpfung von Computer-Viren aufgebaut. Über diese Adressen-Liste werden aktuelle Informationen zur Viren-Problematik verteilt. Bei akuter Virengefahr wird in Zukunft eine Virenwarnung ausgegeben. Außerdem werden über diesen Weg Extra-Treiber für neue, bisher nicht erkannte Viren verteilt. In diese Mailingliste können Mitarbeiter von Behörden über das IVBB-Intranet unter http://www.bsi.ivbb.bund.de/antivir/mailing.htm oder über eine formlose E-Mail an antivir@bsi.de aufgenommen werden. Bei der Verteilung der Updates des Viren-Suchprogramms muß auch sichergestellt werden, dass das Update auch tatsächlich - zeitnah mit der Beschaffung des Updates - auf den IT-Systemen eingespielt wird. Sofern dies nicht automatisiert (bei vernetzten IT-Systemen) erfolgen kann, sollte das Update den entsprechenden IT-Benutzern schnell zur Verfügung gestellt werden. Durch die häufige Aktualisierung und die dadurch geringen Testzeiten der Virensuchprogramme sind diese fehleranfällig und müssen vor der Freigabe bzw. Installation im Wirkbetrieb getestet werden (siehe auch M 2.83 Testen von Standardsoftware). Bei der Installation von Updates ist insbesondere darauf zu achten, dass durch voreingestellte Parameter die bestehende Konfiguration des Computer-Viren-Suchprogramms nicht verändert wird. So könnte beispielsweise durch ein Update ein zuvor residentes Computer-VirenSuchprogramm in einen Offline-Modus geschaltet werden. Außerdem ist sicherzustellen, dass Rechner, die keiner einzelnen Person zugeordnet sind und nicht vernetzt sind, zum Beispiel Laptops, ebenfalls mit Updates versorgt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden die für die Verteilung der Updates erzeugten Duplikate auf einem nachgewiesenermaßen nicht infiziertem IT-System erzeugt? - Wie lange dauert die Einspielung eines Updates in der gesamten Institution? - Wird sporadisch überprüft, ob Aktualisierungen durchgeführt werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 351 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.160 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.160 Regelungen zum Computer-Virenschutz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Um einen effektiven Computer-Virenschutz zu erreichen, müssen über den Einsatz von Computer-Viren-Suchprogrammen hinaus einige zusätzliche Maßnahmen realisiert werden. In diesem Sinne sind unter anderem folgende Punkte zu regeln: Einsatz von Computer-Viren-Suchprogrammen Entsprechend der ausgewählten Strategie und des ausgewählten Produktes ist der Einsatz festzulegen und zu dokumentieren (vgl. M 2.156 Auswahl einer geeigneten Computer-Virenschutz-Strategie, M 2.157 Auswahl eines geeigneten Computer-Viren-Suchprogramms). Darüber hinaus ist zu regeln, wie, in welchen Abständen und durch wen die Computer-Viren-Suchprogramme aktualisiert werden (vgl. M 2.159 Aktualisierung der eingesetzten ComputerViren-Suchprogramme). Schulung der IT-Benutzer Die betroffenen IT-Benutzer sind bezüglich der Gefahren durch ComputerViren, Makro-Viren, Trojanische Pferde und Hoax (vgl. G 5.23 ComputerViren, G 5.43 Makro-Viren, G 5.21 Trojanische Pferde, G 5.80 Hoax), der notwendigen IT-Sicherheitsmaßnahmen, der Verhaltensweise beim Auftreten von Computer-Viren und im Umgang mit dem Computer-Viren-Suchprogramm zu informieren bzw. zu schulen (vgl. M 3.5 Schulung zu ITSicherheitsmaßnahmen, M 3.4 Schulung vor Programmnutzung, M 6.23 Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus). Verbot der Nutzung nicht freigegebener Software Die Installation und Nutzung nicht freigegebener, insbesondere nicht virenkontrollierter Software ist zu verbieten (vgl. M 2.9 Nutzungsverbot nicht freigegebener Software). Darüber hinaus ist ggf. zu regeln, dass regelmäßig Prüfungen auf Einhaltung des Verbots durchgeführt werden (vgl. M 2.10 Überprüfung des Software-Bestandes). Schutzmaßnahmen am IT-System Die Boot-Reihenfolge beim Betriebssystemstart ist so umzustellen, dass generell zuerst von der Festplatte (oder vom Netz) und dann erst von einem externen Medium (Diskette, CD-ROM) gestartet wird (vgl. M 4.84 Nutzung der BIOS-Sicherheitsmechanismen). Zusätzlich ist für jeden vorhandenen Rechnertyp eine Notfalldiskette anzulegen, um im Falle einer ComputerVireninfektion eine erfolgreiche Säuberung zu ermöglichen (vgl. M 6.24 Erstellen einer PC-Notfalldiskette). Für den Fall, dass ein neuer ComputerVirus dennoch Schäden verursacht, muss auf eine Datensicherung zurückgegriffen werden. Es sind daher regelmäßig Datensicherungen anzulegen (vgl. M 6.32 Regelmäßige Datensicherung). Beim Wiedereinspielen von Datensicherungen muss darauf geachtet werden, dass damit keine vom Computer-Virus befallenen Dateien wiederaufgespielt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 352 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.160 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Maßnahmen bei nicht-resident virenkontrollierter IT-Systeme Auf IT-Systemen, auf denen kein residentes Computer-Viren-Suchprogramm installiert worden ist, sind ersatzweise ein regelmäßiger Einsatz eines Computer-Viren-Suchprogramms (vgl. M 4.3 Regelmäßiger Einsatz eines VirenSuchprogramms), eine Virenkontrolle bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung (vgl. M 4.33 Einsatz eines Viren-Suchprogrammes bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung) sowie eine Makro-Virenprüfung bei eingehenden Dateien (vgl. M 4.44 Prüfung eingehender Dateien auf MakroViren) festzulegen, um eine rasche Erkennung und Verhinderung der Weiterverbreitung von Computer-Viren sicherzustellen. Meldung von Computer-Viren Es ist zu regeln, an wen ein entdeckter Computer-Virus unverzüglich zu melden ist. Die Form der Meldung (Formblatt) und der Übermittlungsweg (telefonisch, persönlich, schriftlich, E-Mail) ist ebenfalls zu reglementieren (siehe M 2.158 Meldung von Computer-Virusinfektionen). Regelung der Verantwortlichkeiten Die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten für den ComputerVirenschutz sind zu regeln für - den Ansprechpartner für Computer-Viren, den Administrator von Netz-Servern, den IT-Benutzer von Endgeräten und das IT-Sicherheitsmanagement. Aktualisierung des Computer-Virenschutzkonzeptes Bei Änderungen an IT-Systemen, bei Installation neuer IT-Systeme und bei Änderungen der Vernetzung ist das Computer-Virenschutzkonzept zu aktualisieren und anzupassen (vgl. M 2.34 Dokumentation der Veränderungen an einem bestehenden System). Diese Regelungen sind den Betroffenen zur Kenntnis zu geben. Die Überprüfung der Einhaltung dieser Regelungen sollte sporadisch erfolgen, um ein durchgängig umgesetztes Computer-Virenschutzkonzept sicherzustellen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wann wurde die letzte Überprüfung vorgenommen? Wurde das Ergebnis dokumentiert? - Wie werden Betroffene über die relevanten Regelungen unterrichtet? _____________________________________________________________________ .......................................... 353 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.161 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.161 Entwicklung eines Kryptokonzepts Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Unternehmen und Behörden sind mittlerweile zunehmend von ihrer informationstechnischen Infrastruktur abhängig. Aus diesem Grund sind Sicherheitsdienste erforderlich und in ein Gesamtsystem zu integrieren, die über die bloße Verschlüsselung hinausgehen. Aufgrund der Vielfalt kryptographischer Problemstellungen und unterschiedlicher Einflußfaktoren gibt es auch vielfältige Lösungsansätze und Realisierungsmöglichkeiten. Man kann nicht davon ausgehen, daß es eine Lösung gibt, die alle Sicherheitsprobleme in Rechnernetzen und/oder Kommunikationssystemen beseitigen kann. Vielmehr kommt es auf ein abgestimmtes Zusammenspiel passend ausgewählter Komponenten an, um den benötigten Grad an Sicherheit zu erreichen. Daher ist es erforderlich, ein Kryptokonzept zu entwickeln, das in das IT-Sicherheitskonzept der Behörde bzw. des Unternehmens integriert wird. Die Auswahl geeigneter kryptographischer Komponenten muß dabei auf diesem Konzept basieren. Dabei ist das Schlüsselmanagement ein kritisches Element im gesamten Kryptokonzept. Konzepte und Lösungsansätze können nur dann erfolgreich erarbeitet und gezielt umgesetzt werden, wenn deutlich wird, welche speziellen Sicherheitsfunktionalitäten bzw. Sicherheitsdienste benötigt werden. Darüber hinaus gibt es eine Reihe systemrelevanter Fragestellungen und Aspekte, die nicht speziell in den Bereich der Sicherheitstechnik fallen. Dies umfaßt z. B. Performanceanforderungen, Systemanbindungs- oder Interoperabilitäts- und Standardkonformitätsanforderungen. Sichtweisen und Aspekte Einflußfaktoren technisch systemtechnisch Realisierungsmöglichkeiten organisatorisch wirtschaftlich Nutzbarkeit politisch/ gesetzlich sicherheitstechnisch System- Sicherheits- Personal- Anschaffungs- Ausfuhrbe- anbindung niveau aufwand kosten schränkungen Lokalisierung Schutzbedarf Schlüsselver- Administrations- Datenschutz- teilung und kosten richtlinien Datenvolumen Gefährdungen -organisation Wartungskosten Zeitabhängig- Manipulations- Interoperabilitäts- keit stärke anforderungen Rationalisierung Synchronisa- Funktions- Integrations- Investitions- tion umfang anforderungen schutz Verfügbarkeit/ Einsatz- Standardkonformitäts- Front-end Arbeitsplatz Firewall LAN-Bereich Bündelver- Rechner- schlüssler kopplung Krypto- TK-Anlage Verschlußsachenanweisung knoten Mobilfunk- Geheimschutzrichtlinien integrierbare öffentliches VS-EinstufungsZuverlässigkeit bedingungen einrichtung Spezialkomponente listen Chipkarte Festnetz anforderungen _____________________________________________________________________ .......................................... 354 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.161 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Abb.: Sichtweisen und Aspekte bei der Auswahl kryptographischer Verfahren und Komponenten In vernetzten IT-Infrastrukturen ist es nicht mehr ausreichend, die Sicherheit einer einzelnen Domäne zu gewährleisten. Vielmehr muß die Sicherheit aller beteiligten Endeinrichtungen und Übertragungssysteme aufeinander abgestimmt werden. Diese Abstimmung gestaltet sich insbesondere in solchen Fällen als besonders schwierig, in denen es sich nicht nur um vernetzte Einrichtungen innerhalb einer organisatorischen Einheit (z. B. LAN-Umgebung), sondern um einen Verbund von IT-Installationen unterschiedlicher Zuständigkeits- und Anwendungsbereiche handelt. Der Einsatz - aber auch die Funktionalität und technologische Ausgestaltung eines IT-Sicherheitssystems wird von zahlreichen Einflußfaktoren bestimmt, wie z. B. Lokalisierung, Sicherheitsniveau, Häufigkeit und Umfang der Anwendung, die für das IT-Sicherheitsmanagement wichtige Rahmen- und Entscheidungsbedingungen darstellen. Desweiteren sind die technischen Möglichkeiten für die Realisierung und Gestaltung eines IT-Sicherheitssystems vielfältig, z. B. integriert in einer Applikation auf dem Arbeitsplatzrechner, in einer Firewall oder als Spezialkomponente für Netzkomponenten wie Switch oder Router. Ein erschwingliches Preisniveau für ein Kryptoprodukt ist nur durch eine querschnittliche Nutzbarkeit zu erzielen. Hier spielen z. B. eine standardisierte Systemanbindung, einheitliche Einsatzbedingungen etc. eine wichtige Rolle. Ein letzter Punkt betrifft das Zusammenwirken der Sicherheitsdienste auf unterschiedlichen Protokollschichten. Die Sicherheitsdienste der höheren Protokollschichten (nach OSI-Referenzmodell) schützen in aller Regel nur dann ausreichend, wenn die unteren Schichten ebenso einen Schutz bieten (siehe M 4.90). Desweiteren ist die Definition einer organisationseigenen Kryptopolitik wichtig. Dabei muß aus Sicht des Managements geklärt werden, - welcher Schutzbedarf besteht bzw. welches Sicherheitsniveau es zu erreichen gilt, - welches Budget und wieviel Personal zur Verfügung stehen, um die geplanten Sicherheitsmechanismen einzurichten und - ganz wichtig - auch den Betrieb zu gewährleisten, - welche Systemanbindung angestrebt wird bzw. welche Einsatzbedingungen für Sicherheitskomponenten vorherrschen, - welcher Funktions- und Leistungsumfang anzupeilen ist und - wer letztendlich die Verantwortung übernimmt. Im Kryptokonzept ist außerdem der technische bzw. organisatorische Einsatz der kryptographischen Produkte zu beschreiben, also z. B. - wer welche Zugriffsrechte erhält, - welche Dienste remote angeboten werden, - wie die Verwaltung von Paßwörtern und Schlüsseln bezüglich Gültigkeitsdauer, Verwendung von Zeichen, Länge, Vergabe gehandhabt werden soll, _____________________________________________________________________ .......................................... 355 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.161 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - ob, wann und wie die Daten verschlüsselt oder signiert werden müssen, - wer mit wem kryptographisch gesichert bzw. ungesichert kommunizieren darf, - wer bestimmte Rechte vergeben darf, u.s.w. In Abhängigkeit von den systemtechnischen Rahmenbedingungen bezüglich - des zu betrachtenden Datenvolumens und der Zeitabhängigkeit, - der Verfügbarkeitsanforderungen und Gefährdungslage, - Art und Häufigkeit der zu schützenden Anwendungen etc. können darauf basierend geeignete Realisierungsmöglichkeiten analysiert und für konkrete Einsatzbereiche wie z. B. einen PC-Arbeitsplatz, im LANBereich oder in Verbindung mit einer TK-Anlage konzipiert und technisch ausgestaltet werden. Nur aufgrund einer solch ganzheitlichen Betrachtungsweise gelingt es, Entscheidungsgrundlagen und -bedingungen für kryptographische Produkte zusammenzutragen, deren Einsatz bzw. Verwendung sowohl sicherheitstechnisch angemessen als auch wirtschaftlich vertretbar ist. Es sollte jedoch darauf hingewiesen werden, daß die vorgenommene Einteilung keinesfalls zwingend oder von grundsätzlicher Bedeutung sondern bestenfalls hilfreich ist. Wesentlich ist nur, daß der Fragenumfang die Vorstellung nach einer möglichst umfassenden Klärung der Ausgangslage konsequent widerspiegelt. Natürlich ergeben sich in der Praxis zwischen einigen Fragestellungen bzw. Antworten Wechselwirkungen und Abhängigkeiten, die im allgemeinen allerdings zur Vervollständigung des Gesamtbildes beitragen. Die diversen Einflußgrößen für den Einsatz kryptographischer Verfahren sind zu bestimmen und nachvollziehbar zu dokumentieren (siehe M 2.163 Erhebung der Einflußfaktoren für kryptographische Verfahren und Produkte). Anschließend muß eine geeignete Verfahrensweise für ihren Einsatz entwickelt und dokumentiert werden. Zum Abschluß muß durch die Behördenbzw. Unternehmensleitung die Durchführung angeordnet werden. Die Ergebnisse sollten aktualisierbar und erweiterbar im Kryptokonzept niedergelegt werden. Ein möglicher Aufbau eines Kryptokonzepts ist im nachfolgenden Inhaltsverzeichnis beispielhaft aufgezeigt: Inhaltsverzeichnis Kryptokonzept 1. Definitionen - Kryptographische Verfahren - ... 2. - Gefährdungslage zur Motivation Abhängigkeit der Institution vom Datenbestand Typische Gefährdungen wie ... Institutionsrelevante Schadensursachen Schadensfälle im eigenen Haus 3. Festlegung einer organisationsinternen Sicherheitspolitik - Festlegung von Verantwortlichkeiten - Zielsetzung, Sicherheitsniveau _____________________________________________________________________ .......................................... 356 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.161 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... 4. - Einflußfaktoren Identifikation der zu schützenden Daten Vertraulichkeitsbedarf der Daten Integritätsbedarf der Daten Verfügbarkeitsanforderungen an die Daten Anforderungen an die Performance Schlüsselverteilung Datenvolumen Art der Daten (lokal / verteilt (LAN/WAN) ) Art der Anwendungen, bei denen kryptographische Verfahren zum Einsatz kommen sollen Häufigkeit des Einsatzes des kryptographischen Verfahrens Anforderungen an die Widerstandsfähigkeit der Algorithmen bzw. Verfahren (Manipulationsresistenz) Wiederherstellbarkeit der gesicherten Daten Personalaufwand Erforderliche Funktionalität Kosten einschließlich Folgekosten (Wartung, Administration, Updates, ...) Kenntnisse und datenverarbeitungsspezifische Qualifikationen der ITBenutzer 5. - Festlegung des Einsatzes Art der kryptographischen Verfahren Einsatzbedingungen an die kryptographischen Produkte Häufigkeit und Zeitpunkt des Einsatzes Benennung der Verantwortlichen Festlegung der organisatorischen Regelungen Durchführung der personellen Maßnahmen (Schulung, Vertretungsregelungen, Verpflichtungen, Rollenzuteilung) - Dokumentation der Einsatzbedingungen / Konfiguration - Interoperabilität, Standardkonformität, Investitionsschutz 6. Schlüsselmanagement Einzelne Punkte dieses Konzepts werden in den Maßnahmen M 2.162 Bedarfserhebung für den Einsatz kryptographischer Verfahren und Produkte, M 2.163 Erhebung der Einflußfaktoren für kryptographische Verfahren und Produkte, M 2.166 Regelung des Einsatzes von Kryptomodulen etc. näher ausgeführt. Bei der Erstellung eines Kryptokonzeptes handelt es sich nicht um eine einmalige Aufgabe, sondern um einen dynamischen Prozeß. Ein Kryptokonzept muß daher regelmäßig den aktuellen Gegebenheiten angepaßt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist das vorliegende Konzept aktuell? - Sind sämtliche betroffenen IT-Systeme in diesem Konzept aufgeführt? - Wie werden Mitarbeiter über den sie betreffenden Teil des Konzepts unterrichtet? - Wird die Einhaltung dieses Konzepts kontrolliert? - Wie werden Änderungen der Einflußfaktoren berücksichtigt? _____________________________________________________________________ .......................................... 357 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.162 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.162 Bedarfserhebung für den Einsatz kryptographischer Verfahren und Produkte Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administratoren, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Um bei der Verarbeitung und Übertragung sensitiver Informationen zu realistischen, verläßlichen und anwendungsgerechten Bedarfsanforderungen und Rahmenbedingungen für den Einsatz kryptographischer Verfahren und Produkte zu kommen, müssen zunächst die schützenswerten Daten identifiziert und bewertet werden. Identifikation der zu schützenden Daten Zunächst muß festgestellt werden, für welche Aufgaben kryptographische Verfahren eingesetzt werden sollen und welche Daten damit gesichert werden sollen. Der Einsatz kryptographischer Verfahren kann aus verschiedenen Gründen erforderlich sein (siehe auch M 3.23): - zum Schutz der Vertraulichkeit bzw. der Integrität von Daten, - zur Authentisierung, - für Sende- oder Empfangsnachweise. Je nach Einsatzzweck können verschiedene kryptographische Methoden wie z. B. Verschlüsselung oder Hashverfahren sinnvoll sein. Die typischen Einsatzfelder für kryptographische Verfahren sind: 1. lokale Verschlüsselung, 2. Kommunikationssicherung, auf Anwendungsebene bzw. auf Übertragungsebene, 3. Authentikation, 4. Nichtabstreitbarkeit, 5. Integrität. Im folgenden werden einige Beispiele aus den verschiedenen typischen Einsatzfeldern für kryptographische Verfahren gegeben: - Auf einer PC-Festplatte befinden sich Daten, die vor unbefugtem Zugriff durch Verschlüsselung geschützt werden sollen. - Es sollen Informationen über Telefon, Fax oder Datennetze weitergegeben werden, z. B. sollen sie per E-Mail oder per Datenträgeraustausch versandt werden. - Die zu schützenden Informationen sind nicht unter alleiniger Kontrolle der verantwortlichen Organisationseinheit (LAN führt durch Gebäudeteile, die von Fremdfirmen benutzt werden; ein Server mit Personaldaten wird durch Mitarbeiter betreut, die nicht zum Personalreferat gehören). - Remote-Zugriffe sollen durch eine starke Authentisierung abgesichert werden. - Bei E-Mails soll zweifelsfrei feststellbar sein, wer die Absender waren und ob die Inhalte unverändert übertragen wurden. _____________________________________________________________________ .......................................... 358 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.162 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Um festzustellen, welche kryptographischen Verfahren bzw. Produkte benötigt werden und welche Daten damit zu schützen sind, sollte zunächst die aktuelle IT-Struktur ermittelt werden (siehe zur Erfassung von IT-Systemen und Anwendungen auch Kapitel 2). Ermittelt werden sollte, - welche IT-Systeme es gibt, auf denen Daten verarbeitet bzw. gespeichert (PCs, Laptops, Server, ...) oder mit denen Daten übermittelt werden (Bridge, Router, Gateway, Firewall, ...) und - welche Übertragungswege es gibt. Dazu sollte die logische und physikalische Vernetzungsstruktur erfaßt werden (siehe auch M 2.139 Ist-Aufnahme der aktuellen Netzsituation). Schutzbedarf der Daten (Vertraulichkeit, Integrität, Authentizität, Nichtabstreitbarkeit) Es sollten alle Anwendungen bzw. Daten ermittelt werden, bei denen ein besonderer Anspruch an Vertraulichkeit, Integrität, Authentizität bzw. Nichtabstreitbarkeit besteht (siehe Kapitel 2). Allerdings werden nicht nur für IT-Systeme, Anwendungen oder Informationen mit höherem Schutzbedarf kryptographische Produkte benötigt, sondern auch für solche mit mittlerem Schutzbedarf. Beispiele für Daten mit besonderem Vertraulichkeitssanspruch sind - personenbezogene Daten, - Paßwörter und kryptographische Schlüssel, - vertrauliche Informationen, deren Veröffentlichung Regreßforderungen nach sich ziehen könnte, - Daten, aus denen ein Konkurrenzunternehmen finanzielle Gewinne ziehen könnte, - Daten, ohne deren Vertraulichkeit die Aufgabenerfüllung gefährdet ist (z. B. Ermittlungsergebnisse, Standortregister über gefährdete Pflanzen), - Daten, deren Veröffentlichung eine Rufschädigung verursachen könnte. Hinweis: Durch die Kumulation von Daten erhöht sich der Schutzbedarf einer Datensammlung, so daß eine Verschlüsselung erforderlich sein kann, auch wenn deren einzelne Datensätze nicht so sensitiv sind. Beispiele für Daten mit besonderem Integritätsanspruch sind - finanzwirksame Daten, durch deren Manipulation finanzielle Schäden entstehen können, - Informationen, deren verfälschte Veröffentlichung Regreßforderungen nach sich ziehen könnte, - Daten, deren Verfälschung zu falschen Geschäftsentscheidungen führen kann, - Daten, deren Verfälschung zu einer verminderten Produktqualität führen kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 359 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.162 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ein Beispiel für Anwendungen mit besonderem Anspruch an Authentizität sind Remote-Zugriffe. Ein Beispiel für Daten mit besonderem Anspruch an Nichtabstreitbarkeit sind Bestellungen oder Reservierungen, bei denen der Besteller identifizierbar sein sollte. Als Ergebnis der Schutzbedarfsfeststellung sollte festgelegt werden, welche Anwendungen oder Daten kryptographisch gesichert werden sollen. Diese Festlegung kann später noch verfeinert werden und sollte regelmäßig überarbeitet werden. Als Resultat ergibt sich somit ein Überblick über alle Speicherorte und Übertragungsstrecken, die kryptographisch gesichert werden müssen. Damit erhält man praktisch eine IT-Landschaftskarte mit markierten Kryptobereichen. Bedarfs- und Anforderungsabfrage Als Hilfsmittel für eine derartige Bedarfserhebung bietet sich ein Fragenkatalog mit den in der Abbildung dargestellten Gliederungspunkten an. Dabei können die technischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Aspekte jeweils in 4 weitere Unterkategorien aufgeteilt werden. Bedarfs- und Anforderungsabfrage Technische Aspekte Organisatorische Aspekte Wirtschaftliche Aspekte Benutzerdienste und Anwendungen Einsatzbereich Rationalisierungsaspekte / Kosteneinsparungen Nutzungsprofil Migrationskonzept Stückzahlen Netzinfrastruktur Zeitvorstellungen Beschaffungskosten IT-Endgerät Betriebliche Rahmenbedingungen Administrations- und Wartungsaufwendungen Abb: Gliederungsgesichtspunkte zur Erstellung eines Fragenkataloges Bei den technischen Aspekten ist es unter ”Benutzerdienste und Anwendungen” beispielsweise wichtig zu erfahren, ob vornehmlich Echtzeit- oder Nicht-Echtzeit-Daten betrachtet werden. In der Kategorie Nutzungsprofil ist zu erfragen, für welche Anwendungen und Daten kryptographische Verfahren eingesetzt werden sollen, z. B. für die externe Kommunikation oder für die kurzzeitige oder längerfristige Bearbeitung von VS-Daten. Weiterhin sind die Netzinfrastruktur und das Endgerät betreffende Informationen zu ermitteln, wie z. B. Anschlußkonfiguration. Als organisatorische Aspekte sind der Einsatzbereich, d. h. Teilnehmer- oder Netzbereich; die Frage nach einem existierenden Migrationskonzept sowie die Zeitvorstellungen und betrieblichen Rahmenbedingungen des Endbenutzers zu betrachten. _____________________________________________________________________ .......................................... 360 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.162 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Aus wirtschaftlicher Sicht sind die wesentlichen Punkte: - Rationalisierungsaspekte, z. B. durch Einsatz eines Produktes mit transparenter Verschlüsselung statt manueller Ansteuerung, - eine Abschätzung im Hinblick auf Stückzahlen und Beschaffungskosten sowie - die zu erwartenden Administrations- und Wartungskosten. Auf Basis dieser Abfrage kann ein möglichst praxisnahes Einsatz- und Anforderungskonzept erstellt werden, was dann als Ausgangspunkt für konkrete Realisierungsentscheidungen bzw. die Auswahl geeigneter Kryptokomponenten/-produkte (siehe M 2.165 Auswahl eines geeigneten kryptographischen Produktes) dient. Die hier vorgestellte Vorgehensweise soll dem Sicherheitsverantwortlichen helfen, den Einsatz und den Umfang einzusetzender Sicherheitstechnik in unterschiedlichen Systemlokalitäten, Netzübergängen und Endeinrichtungen festzustellen, zu bewerten und zu koordinieren. Ferner soll im Verlauf der Planungsphase durch die Ermittlung des notwendigen Schutzes (Schutzbedarf) die Frage nach Angemessenheit der IT-Sicherheit beantwortet werden. Die skizzierte Vorgehensweise stellt einen pragmatischen Ansatz dar und berücksichtigt Sicherheitsaspekte in offenen, verteilten IT-Infrastrukturen, so wie sie sich vielerorts darstellen. Die so betrachteten Sicherheitsinvestitionen müssen für den betroffenen Einsatzbereich wirtschaftlich vertretbar sein. Die Funktions- und Betriebsweise von realisierten Sicherheitsstrategien müssen den Erwartungen der Endbenutzer hinsichtlich der Flexibilität, Transparenz und Performance Rechnung tragen. Die geplanten und integrierten Sicherheitsdienste dürfen den Endbenutzer nicht über das notwendige Maß hinaus einschränken. _____________________________________________________________________ .......................................... 361 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.163 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.163 Erhebung der Einflußfaktoren für kryptographische Verfahren und Produkte Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administratoren, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Bevor eine Entscheidung getroffen werden kann, welche kryptographischen Verfahren und Produkte eingesetzt werden sollen, müssen eine Reihe von Einflußfaktoren ermittelt werden. Dazu können die Systemadministratoren und die Verantwortlichen der einzelnen IT-Systeme bzw. IT-Anwendungen befragt werden. Die Ergebnisse sind nachvollziehbar zu dokumentieren. Für sämtliche in M 2.162 Bedarfserhebung für den Einsatz kryptographischer Verfahren und Produkte festgelegten Speicherorte und Übertragungsstrecken sind folgende Einflußfaktoren zu ermitteln: Sicherheitsaspekte - Welcher Schutzbedarf besteht bzw. welches Sicherheitsniveau gilt es zu erreichen? - Welche kryptographischen Funktionen sind dafür notwendig (Verschlüsselung, Integritätsschutz, Authentizität und/oder Nichtabstreitbarkeit)? - Angreiferpotential: Mit welchen Angreifern wird gerechnet (zeitliche und finanzielle Ressourcen, technische Fähigkeiten)? Die Antworten auf diese Fragen ergeben sich aus M 2.162 Bedarfserhebung für den Einsatz kryptographischer Verfahren und Produkte. Technische Aspekte Der Betrieb von weitverzweigten IT-Infrastrukturen mit ihrer Vielzahl von Einzelkomponenten und Spezialeinrichtungen (Netzknoten, Server, Datenbanken, etc.) macht ein ebenfalls weitverzweigtes Sicherheitssystem mit mehreren Funktionseinheiten (Sicherheitsmanagement, Sicherheitsserver, Sicherheitsanwenderkomponente, etc.) erforderlich. In der Regel müssen dabei Systembetrachtungen angestellt werden, die nicht nur auf die eigentlichen Funktionalitäten abzielen, sondern auch bauliche und organisatorische Aspekte einbeziehen. Auch in bezug auf die konkrete technische Plazierung von Sicherheitskomponenten sowie deren Integration in Nicht-Sicherheitskomponenten gilt es zu differenzieren, da dies einen unmittelbaren Einfluß auf die Implementierung der Sicherheitsfunktionen, auf die notwendige Unterstützung durch die Betriebssysteme, die Aufwände und den Kostenfaktor und nicht zuletzt auf die erreichbare Sicherheit hat. Ganz entscheidend für die Sicherheitsbewertung ist der Umstand, an welchen geographischen Lokalitäten und in welchen Ebenen des Protokollstacks die jeweiligen Sicherheitsdienste realisiert sind und wie diese in die Prozesse des zu schützenden IT-Systems eingebunden sind. Somit ergeben sich als Fragen: - Umfeldschutz: Welchen Schutz bietet das Umfeld (infrastrukturell (Zutritt), organisatorisch, personell, technisch (Schutz durch Betriebssystem, ...))? _____________________________________________________________________ .......................................... 362 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.163 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - IT-Systemumfeld: Welche Technik wird eingesetzt, welche Betriebssysteme, etc.? - Datenvolumen: Welches Datenvolumen ist zu schützen? - Häufigkeit: Wie häufig besteht Kryptierbedarf? - Performance: Wie schnell müssen kryptographische Funktionen arbeiten (Offline, Online-Rate)? Personelle und organisatorische Aspekte - Benutzerfreundlichkeit: Benötigen die Benutzer für die Bedienung kryptographische Grundkenntnisse? Behindert der Einsatz eines Kryptoprodukts die Arbeit? - Zumutbarkeit: Wieviel Belastung durch zusätzliche Arbeit ist dem Anwender zumutbar (Arbeitszeit, Wartezeit)? - Zuverlässigkeit: Wie zuverlässig werden die Benutzer mit der Kryptotechnik umgehen? - Schulungsbedarf: Inwieweit müssen die Benutzer geschult werden? - Personalbedarf: Ist zusätzliches Personal erforderlich, z. B. für Installation, Betrieb, Schlüsselmanagement? - Verfügbarkeit: Kann durch den Einsatz eines Kryptoproduktes die Verfügbarkeit reduziert werden? Wirtschaftliche Aspekte - Finanzielle Randbedingungen: Wieviel darf der kryptographische Schutz kosten? Wie hoch sind die - einmaligen Investitionen, - laufenden Kosten, inklusive der Personalkosten, - Lizenzgebühren? - Investitionsschutz: Sind die geplanten kryptographischen Verfahren bzw. Produkte konform zu bestehenden Standards? Sind sie interoperabel mit anderen Produkten? Key Recovery Falls die zur Verschlüsselung benutzten Schlüssel verloren gehen, sind im allgemeinen auch die damit geschützten Daten verloren. Viele Kryptoprodukte bieten daher Funktionen zur Datenwiedergewinnung für solche Fälle an. Bevor solche Funktionen eingesetzt werden, sollte man sich auch deren Risiken klar machen: Wenn dadurch vertrauliche Schlüssel wiederhergestellt werden können, muß sichergestellt sein, daß dies nur Berechtigte können. Wenn es möglich ist, ohne Wissen des Original-Schlüsselbenutzers auf dessen Daten zuzugreifen, hat dieser keine Möglichkeit, böswillige Manipulationen zu beweisen. Der Einsatz von Key Recovery Mechanismen führt auch häufig aufgrund des entgegengebrachten Mißtrauens zu Vorbehalten innerhalb des eigenen Unternehmens bzw. Behörde, aber auch bei den Kommunikationspartnern. Bei der Datenübertragung sollte daher generell auf Key Recovery verzichtet werden. Hierfür gibt es auch keine Notwendigkeit, da _____________________________________________________________________ .......................................... 363 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.163 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... beim Schlüssel- oder Datenverlust diese einfach noch einmal ausgetauscht werden können. Bei der lokalen Speicherung von Daten sollte der Einsatz sorgfältig überlegt werden (siehe auch M 6.56 Datensicherung bei Einsatz kryptographischer Verfahren). Auf der CD-ROM zum IT-Grundschutzhandbuch befindet sich im Verzeichnis Hilfsmittel ein Artikel zu Möglichkeiten und Risiken des Key-Recovery. Lebensdauer von kryptographischen Verfahren Kryptographische Verfahren und Produkte müssen regelmäßig daraufhin überprüft werden, ob sie noch dem Stand der Technik entsprechen. Die verwendeten Algorithmen können durch neue technische Entwicklungen, z. B. schnellere, billigere IT-Systeme, oder durch neue mathematische Erkenntnisse zu schwach werden. Die eingesetzten kryptographischen Produkte können Implementierungsfehler aufweisen. Bereits bei der Auswahl kryptographischer Verfahren sollte daher eine zeitliche Grenze für deren Einsatz festgelegt werden. Zu diesem Zeitpunkt sollte noch einmal gründlich überdacht werden, ob die eingesetzten Kryptomodule noch den erwarteten Schutz bieten. Gesetzliche Rahmenbedingungen Beim Einsatz kryptographischer Produkte sind diverse gesetzliche Rahmenbedingungen zu beachten. In einigen Ländern dürfen beispielsweise kryptographische Verfahren nicht ohne Genehmigung eingesetzt werden. Daher muß untersucht werden (siehe M 2.165 Auswahl eines geeigneten kryptographischen Produktes), - ob innerhalb der zum Einsatzgebiet gehörenden Länder Einschränkungen beim Einsatz kryptographischer Produkte zu beachten sind (innerhalb Deutschland gibt es keinerlei Einschränkungen) und - ob für in Frage kommende Produkte Exportbeschränkungen beachtet werden müssen. Es gibt allerdings nicht nur Maximalanforderungen, sondern auch Minimalanforderungen an die verwendeten kryptographischen Algorithmen oder Verfahren. So müssen z. B. bei der Übermittlung von personenbezogenen Daten Verschlüsselungsverfahren mit ausreichender Schlüssellänge eingesetzt werden. Technische Lösungsbeispiele: Im folgenden finden sich einige Anwendungsbeispiele zu den verschiedenen Einsatzfeldern für kryptographische Verfahren. Dabei ist zu sehen, daß die meisten Produkte gleich mehrere Einsatzfelder abdecken. Beispiel 1: Festplattenverschlüsselung Die auf der Festplatte eines Stand-Alone-PC gespeicherten sensitiven Daten sollen so geschützt werden, daß - der PC nur von autorisierten Nutzern gebootet werden kann, - nur autorisierte Nutzer Zugriff auf die gespeicherten Daten erhalten, _____________________________________________________________________ .......................................... 364 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.163 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - die gespeicherten Daten bei abgeschaltetem PC - auch im Falle des Diebstahls - hinreichend vor Kenntnisnahme durch Unberechtigte geschützt sind. Im Vordergrund soll hier der Schutz der Vertraulichkeit stehen. Dabei soll der PC gegen die folgenden Bedrohungen geschützt werden: - Unbefugte Kenntnisnahme der auf der Festplatte gespeicherten Daten - Manipulation der auf der Festplatte gespeicherten Daten - Manipulation des Kryptosystems Bei Diebstahl bzw. Verlust des PC oder der Festplatte steht dem Angreifer sehr viel Zeit für die unbefugte Kenntnisnahme zur Verfügung. Eine Schutzmaßnahme muß auch bei solchen Langzeitangriffen die Vertraulichkeit der gespeicherten Daten gewährleisten. Als Schutzmaßnahme soll daher ein Produkt mit Bootschutz und Festplattenverschlüsselung eingesetzt werden. Auf dem Markt sind verschiedene Lösungen verfügbar. Zum Einsatz kann entweder eine Verschlüsselungs-Software (Lösung A), eine Verschlüsselungs-Hardware-Komponente (Lösung B) oder eine Kombination aus Hardware- und Software-Komponente (Lösung C) kommen. Lösung C wird typischerweise aus einer Verschlüsselungs-Software in Kombination mit einem Chipkartenleser zur Zugangskontrolle bestehen. Welche Lösung gewählt werden sollte, hängt von verschiedenen Entscheidungskriterien ab: - Sicherheit (Kryptoalgorithmus und Schlüssellänge, Betriebsart der Verschlüsselung, Zugriffsschutz, Schlüsselerzeugung/ -verteilung/ -speicherung/ -eingabe, Einbindung in das Betriebssystem, etc.) Je nachdem auf welcher Betriebssystem-Plattform Verschlüsselung betrieben wird, stößt man mit Software-Lösungen (Lösungen A oder C) unweigerlich an Grenzen. Kann man kein sicheres Betriebssystem mit strikter Task- und Speicherbereichs-Trennung voraussetzen (bisher ist das bei keinem Betriebssystem sicher nachgewiesen!), muß der während der Verbzw. Entschlüsselung verwendete Schlüssel zumindest kurzzeitig ungeschützt im Speicher des PC gehalten werden. Die Vertraulichkeit des Schlüssels ist somit nicht mehr sichergestellt. Hardware-VerschlüsselungsKomponenten (Lösung B) können (müssen aber nicht!) mehr bieten. Der Schlüssel kann in die Hardware-Komponente geladen und dort - gegen Auslesen gesichert - gespeichert werden. Der Schlüssel wird die HardwareKomponente nicht mehr verlassen und ist vor Ausspähversuchen geschützt. Er kann nur durch berechtigte Benutzer mittels Besitz und Wissen (z. B. Chipkarte und Paßwort) aktiviert werden. Wichtig sind weitere Aspekte wie die zur Verschlüsselung verwendeten Algorithmen (meist ein Blockchiffrier-Algorithmus), deren Betriebsarten (z. B. CBC) sowie die Art und Weise der Einbindung in das PC-System. Die VerschlüsselungsHardware sollte idealerweise so eingebunden werden, daß sie die gesamte Festplatte zwangsweise kryptiert und durch Angriffe nicht unbemerkt abgeschaltet bzw. umgangen werden kann. Werden im Gegensatz dazu lediglich einzelne Dateien verschlüsselt besteht die Gefahr, daß die Inhalte dieser Dateien unkontrollierbar zumindest teilweise zusätzlich im Klartext _____________________________________________________________________ .......................................... 365 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.163 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... auf die Festplatte geschrieben werden (z. B. in den Auslagerungsdateien verschiedener Betriebssysteme oder in Backup-Dateien). - Performance (Geschwindigkeit der ausführbaren Programme) Software-Verschlüsselung nutzt die Systemressourcen des PC, belastet also die CPU und benötigt Arbeitsspeicher. Spätestens bei der Verschlüsselung der gesamten Festplatte wird die Performance des PC sinken. HardwareKomponenten mit eigenem Prozessor können die Verschlüsselung ohne Belastung der PC-CPU und somit ohne nennenswerten Performanceverlust durchführen. Hier ist je nach Bauart die Durchsatzrate der verwendeten Kryptier-Hardware mitentscheidend. - Organisatorischer/Personeller Aufwand (Administration, Keymanagement, Schulung, etc.) Der organisatorische bzw. personelle Aufwand ist von der Umsetzung der Sicherheitspolitik und dem “Komfort” der Verschlüsselungs-Komponenten abhängig. Generelle Entscheidungskriterien für oder gegen eine der drei Lösungen können nicht allgemeingültig formuliert werden. - Wirtschaftlichkeit (Anschaffung, Schulungs-/Administrationskosten, ...) Eine allgemeine Aussage zur Wirtschaftlichkeit ist schwierig. Betrachtet man nur die Anschaffungskosten, so werden Software-Lösungen oft preiswerter sein als Hardware-Lösungen. Kalkuliert man dagegen auch die Schäden ein, die durch unzureichenden Schutz auf längere Sicht entstehen können, kann sich im Vergleich die Investition in sicherere und vielleicht teurere Lösungen lohnen. Wirtschaftliche Nachteile können u. U. durch Performanceverlust des PC-Systems entstehen. - Restrisiken (Betriebssystem, Kompromittierung des Festplattenschlüssels, etc.) Bei der Auswahl der geeigneten Verschlüsselungs-Komponente spielt die Restrisikobetrachtung eine wesentliche Rolle. Es stellen sich u. a. die Fragen Welche Restrisiken kann man in Kauf nehmen? und Welche Restrisiken werden bzw. können durch andere Maßnahmen (z. B. materielle oder organisatorische Maßnahmen) minimiert werden? Es können sich durchaus mehrere tragbare Lösungsmöglichkeiten durch die Kombination verschiedener Maßnahmen ergeben. Beispiel 2: E-Mail-Verschlüsselung Der Austausch von elektronischer Post (E-Mail) über bzw. in Computernetzen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Werden dabei sensible Informationen (z. B. Firmengeheimnisse) über ungesicherte Netze ausgetauscht, so sind dabei Mechanismen zum Schutz der Vertraulichkeit bzw. für die Gewähr der Authentizität von Nachrichten erforderlich. Zu diesen Zwecken dienen E-Mail-Verschlüsselungsprogramme. Am weitesten verbreitet sind dabei zwei Programmpakete bzw. Standards amerikanischer Herkunft: - PGP (“Pretty Good Privacy”) und - S/MIME (Secure Multipurpose Internet Mail Extensions). _____________________________________________________________________ .......................................... 366 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.163 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Dabei ist PGP ein Programmpaket, das ursprünglich als Freeware im Internet erhältlich war und sich daher weit verbreitet hat. Der S/MIME Standard wird u. a. von den Secure-E-Mail Anwendungen der Firmen Microsoft, Netscape und RSA Data Security Inc. verwendet. Was muß ein solches E-Mail-Verschlüsselungsprogamm leisten? Die Antwort hängt zu einem gewissen Grad natürlich von den umgebenden Sicherungsmaßnahmen ab. Die Anforderungen sind sicherlich dann am größten, wenn die Nachrichten über ein großes, offenes, ungesichertes Netz wie z. B. das Internet verschickt werden sollen. Hier wollen evtl. sogar einander persönlich Unbekannte vertraulich und authentisch miteinander kommunizieren. Welche kryptographischen Dienste sind dazu erforderlich? Vertraulichkeit Da die Nachrichten verschlüsselt werden sollen, müssen (einer oder mehrere) Verschlüsselungsalgorithmen implementiert sein. Dazu bieten sich wegen der höheren Performance symmetrische Verfahren an. Schlüsselmanagement - Erzeugung: die Schlüssel für das symmetrische Verfahren müssen durch einen geeigneten (Zufalls-) Prozeß so erzeugt werden, daß Erraten bzw. Vorhersage weiterer Schlüssel auch bei Kenntnis einiger vorhergehender Schlüssel praktisch unmöglich ist. - Schlüsseleinigung/Austausch: da eine zentrale Schlüsselversorgung mittels symmetrischer Verfahren im Internet schon wegen der schieren Masse der möglichen Kommunikationspartner ausscheidet, ist die Verwendung asymmetrischer Verfahren für Schlüsseleinigung bzw. Schlüsselaustausch geboten. Authentizität Da aufgrund der Anforderungen aus dem Schlüsselmanagement ohnehin ein asymmetrisches Verfahren implementiert ist (und evtl. Verbindlichkeit verlangt wird), wird man zu diesem Zweck eine digitale Signatur einsetzen. Signaturschlüssel sollten dabei ausschließlich zu Signaturzwecken verwendet werden. Dabei muß - wie immer bei der Verwendung von Public-KeyVerfahren - das Problem der Authentizität der öffentlichen Schlüssel gelöst werden. Verbindlichkeit Verbindlichkeit setzt eine Public-Key-Infrastruktur voraus (PKI, Registrierung von Teilnehmern und Zertifizierung von öffentlichen Schlüsseln durch eine vertrauenswürdige dritte Instanz, inkl. Einsatzregeln). Bisher existiert allerdings keine globale PKI, daher ist es schwierig, für E-Mails von vorher unbekannten Teilnehmern einen verbindlichen Herkunftsnachweis zu bekommen. In einem lokalen Netz wäre zu diesem Zweck eine geeignete PKI zu schaffen. Standardkonformität Aus Interoperabilitätsgründen und zum Investitionsschutz ist es sinnvoll, möglichst weit verbreitete und akzeptierte Internet-Standards zu verwenden. Sowohl S/MIME als auch PGP befinden sich im Stadium der Standardisierung. _____________________________________________________________________ .......................................... 367 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.163 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Beispiel 3: Sichere Sprach- und Datenkommunikation bei ISDN-Netzanbindungen Beim folgenden Anwendungsbeispiel wird die Kommunikation per ISDN betrachtet. Geschützt werden sollen die Anwendungen "Telefonverkehr" und "Videokonferenzen" sowie der Datenverkehr zwischen Rechnernetzen. Als Ziel soll ein wirkungsvoller Schutz übermittelter vertraulicher Informationen und verbindlicher personenbezogener Daten gewährleistet werden. Es wird davon ausgegangen, daß alle zu übertragenen Informationen in digitaler Form (PCM-Code) vorliegen und daß die in firmeneigenen Netzen und TK-Anlagen übliche Sprachkomprimierung für verschlüsselte Anwendungen abgeschaltet werden kann, damit die Nutzkanäle (B-Kanäle) verschlüsselt werden können. Dafür soll eine ISDN-Sicherheitskomponente eingesetzt werden, mit der ein S0-Anschluß mit zwei 64 kbit/s-Kanälen abgesichert werden kann. Dabei ist es unerheblich, ob am S0-Bus einzelne ISDN-Endgeräte (Telefon, Fax, PC mit ISDN-Einsteckkarte etc.) angeschlossen sind oder eine kleine TK-Anlage nachgeschaltet ist. Alle Verbindungen sollen wahlweise verschlüsselt oder unverschlüsselt aufgebaut und betrieben werden. Folgende Abbildung zeigt die entsprechende Systemkonfiguration. So-Bus Telefon Fax Int. Management Video ISDN-Sicherheitskomponente V.24 PC Chipkarte Analog TA NT NT NT Managment Station = Network Terminator ISDN-Netz NT NT Int. Management V.24 ISDN-Sicherheitskomponente Chipkarte Telefon Fax Video PC Analog TA TK-Anlage Es wurde ein ISDN-Kryptogerät ausgewählt, das mittels einer Chipkarte gegen unbefugte Benutzung abgesichert werden kann. Alternativ steht auch eine serielle V.24-Schnittstelle zur Verfügung, um die Sicherheitskomponente mit Hilfe eines PC konfigurieren zu können. Der Benutzer oder die Endanwendung kann die Verschlüsselung direkt mit der Chipkarte bzw. durch die Vorwahl einer speziellen Kennziffer steuern. Auch ist es möglich, die ISDNSicherheitskomponente so zu konfigurieren, daß bestimmte Verbindungen (Nummern) verschlüsselt oder unverschlüsselt voreingestellt sind. Für das _____________________________________________________________________ .......................................... 368 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.163 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Schlüsselmanagement, d. h. die Generierung und Verteilung von Schlüsselzertifikaten wird an einer zentralen Stelle des ISDN-Netzes eine Managementstation angeschlossen. Somit ist sichergestellt, daß die einzelnen ISDNSicherheitskomponenten netzweit registriert und mit aktuellem Schlüsselmaterial versorgt werden können. Die Möglichkeit des sicheren Transports von Informationen und schützenswerten Daten in einem ISDN-Netz sind vielfältig und komplex. Dabei muß jeder relevanten Grundbedrohung mit einer konkreten Sicherheitsmaßnahme begegnet werden. Zur Gewährleistung der Vertraulichkeit erfolgt eine OnlineVerschlüsselung des übertragenen Datenstroms am wirkungsvollsten auf der Sicherungsschicht. Hierzu werden die Daten vor ihrer Übertragung von einer Kryptohardware automatisch verschlüsselt und auf der Empfängerseite wieder entschlüsselt. Die Verschlüsselung ist dabei vollständig transparent für den Endteilnehmer und für Anwenderprogramme. Das verwendete Kryptomodul ermöglicht nicht nur eine Echtzeitverarbeitung, sondern bietet - im Vergleich zu einer Dateiverschlüsselung (Softwarelösung) - einen höheren Schutz gegen Angriffsversuche. Zur Sicherung der Übersendung von verbindlichen oder beweispflichtigen Daten können diese zusätzlich mit einer digitalen Signatur des Absenders versehen werden. Damit kann die Herkunft und Echtheit der übertragenen Nachricht vom Empfänger verifiziert und eventuelle Manipulationen innerhalb des öffentlichen Netzes zuverlässig erkannt werden. Für die sichere Erzeugung und Speicherung des Signaturschlüssels wird wiederum auf die Chipkarte zurückgegriffen, die ein wesentlicher Bestandteil des Sicherheitskonzeptes ist. Außerordentlich wichtig für die Verbindung von Rechnern ist es, daß der Möglichkeit einer ungewollten Fehlvermittlung, die - anders als bei Telefongesprächen - meist nicht vor oder während der Übertragung erkannt werden, angemessen begegnet wird. Dies kann durch eine eingebaute Firewall-Funktionalität in der ISDN-Sicherheitskomponente erreicht werden. Durch eine Überwachung des Signalisierungskanals (D-Kanal) kann dann die Sicherheitskomponente so eingestellt werden, daß ausschließlich explizit vorkonfigurierte Kryptoverbindungen zustande kommen. In Verbindung mit TK-Anlagen ist ferner vorgesehen, daß bestimmte Rufnummern und Funktionen dieser Nebenstellenanlagen gesperrt werden. Damit läßt sich die Ausnutzbarkeit der Schwachstellen "Fernwartung" und "Rufweiterleitung" einschränken. Um sowohl ein sicheres Schlüsselmanagement als auch eine schnelle Echtzeitverschlüsselung der Nutzdaten zu erreichen, sollten Hybridverfahren eingesetzt werden. Unter Beibehaltung der symmetrischen Informationsverschlüsselung wird der sogenannte Sitzungsschlüssel mit Hilfe eines asymmetrischen Verfahrens ausgetauscht. Dies läuft im Praxisbetrieb völlig automatisch ab. Ohne nennenswerte Beeinträchtigung des Bedienungskomforts können auf diese Weise für jede neue ISDN-Verbindung neue Sitzungsschlüssel vereinbart werden. Aus sicherheitstechnischer Sicht sollte der Endteilnehmer folgende Einsatzkriterien und -auflagen bei der Auswahl bzw. beim Einsatz einer ISDNSicherheitskomponente heranziehen: (Bewertung: + = wichtig bis +++ = sehr wichtig): _____________________________________________________________________ .......................................... 369 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.163 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Die individuellen Teilnehmerschlüssel und Authentisierungsinformationen sind auf einem sicheren Medium (z. B. einer Chipkarte) zu speichern und mit Hilfe einer vertrauenswürdigen Signatur zu sichern (+++). - Für die Verschlüsselung einer Kommunikationsbeziehung (Sprache, Daten, Bild, etc.) ist pro Übertragung ein geheimer Schlüssel, der sogenannte Sitzungsschlüssel, neu zu vereinbaren (++). - Die ausgeführten Sicherheitsdienste erfolgen automatisch und für das Endsystem bzw. den Endteilnehmer völlig transparent (+). - Für ausgewählte Verbindungen ist die Sicherheitskomponente immer im Kryptobetrieb eingerichtet (+++). - Die bestehende Infrastruktur sollte bei Verwendung der Sicherheitskomponenten voll erhalten bleiben (+). - Die Sicherheitsadministration der Sicherheitskomponenten sollte netzweit und möglichst von zentraler Stelle aus möglich sein (+). - Wünschenswert ist eine Online-Betriebsüberwachung und Registrierung aller Sicherheitskomponenten im Dialog mit der Managementstation (+). Es sollten ISDN-Sicherheitskomponenten ausgewählt werden, die normierte Schnittstellen haben, keine Änderungen in den zu schützenden Endgeräten erfordern und die leicht in eine bestehende Kommunikationslandschaft zu integrieren sind. _____________________________________________________________________ .......................................... 370 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.164 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.164 Auswahl eines geeigneten kryptographischen Verfahrens Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Die Auswahl eines kryptographischen Verfahrens zerfällt in die beiden Teilaufgaben - Auswahl des kryptographischen Algorithmus und - Auswahl einer technischen Realisierung. Bevor der Anwender sich auf bestimmte Verfahren festlegt, sollte er genaue Vorstellungen davon haben, welche Anforderungen er an Vertraulichkeit und Authentizität der bearbeiteten Daten in jedem "Punkt" seines informationsverarbeitenden Systems stellt. Auswahl von kryptographischen Algorithmen Bei der Auswahl von kryptographischen Algorithmen ist zunächst zu klären, welche Art kryptographischer Verfahren benötigt werden, also symmetrische, asymmetrische oder hybride Verfahren, und dann sind geeignete Algorithmen, also solche mit entsprechender Mechanismenstärke auszuwählen. Verschlüsselungsverfahren - symmetrische Verschlüsselung: Die Vor- bzw. Nachteile symmetrischer Verfahren sind in M 3.23 beschrieben. Geeignete Algorithmen sind z. B. Tripel-DES, IDEA, RC 5, wobei bei RC 5 die Schlüssellänge mindestens 80 Bit sein sollte. - asymmetrische Verschlüsselung: Die Vor- bzw. Nachteile asymmetrischer Verfahren sind in M 3.23 beschrieben. Geeignete Algorithmen sind z. B. RSA oder auf Elliptischen Kurven basierende Verschlüsselungsverfahren (zur Schlüssellänge siehe unten). Authentisierungsverfahren - Nachrichtenauthentisierung Zur Nachrichtenauthentisierung können verschiedene Verfahren eingesetzt werden, etwa ein Message Authentication Code (MAC) oder ein digitales Signaturverfahren. Der Einsatz eines MACs ist von Vorteil, wenn extrem hohe Durchsatzraten gefordert sind (oder nur eine geringe Rechenkapazität zur Verfügung steht) und das Risiko der Schlüsseloffenlegung auf beiden Seiten sehr gering ist. Der Einsatz eines digitalen Signaturverfahrens ist von Vorteil, wenn das Risiko der (Signatur-) Schlüsseloffenlegung auf einer Seite wesentlich höher ist als auf der anderen Seite; und in aller Regel geboten, wenn Verbindlichkeitsdienste verlangt werden. Es sei noch einmal bemerkt, daß für den Dienst Verbindlichkeit eine Infrastruktur vertrauenswürdiger Dritter vorhanden sein muß. Der bekannteste MAC-Algorithmus ist die Verschlüsselung einer Nachricht mit DES oder einem anderen Block-Chiffrierverfahren im CBCoder CFB-Mode. Dabei wird als MAC der letzte verschlüsselte Block an _____________________________________________________________________ .......................................... 371 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.164 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... die Nachricht angehängt. Solche Varianten sind z. B. in den Normen ANSI X9.9, ANSI X9.19, ISO 8731-1 oder ISO 9797 spezifiziert. Geeignete Algorithmen für Digitale Signaturen sind z. B. RSA, DSA (Digital Signature Algorithm) oder auf elliptischen Kurven basierende DSA-Varianten, z. B. ISO/IEC 15946-2, IEEE-Standard P1363, Abschnitt 5.3.3 ("Nyberg-Rueppel Version"), IEEE-Standard P1363, Abschnitt 5.3.4 ("DSA Version"). - Authentisierung von Benutzern oder Komponenten Ein einfaches Verfahren zur Authentisierung ist eine Paßwortabfrage. Werden die Paßwörter dabei aber unverschlüsselt über ein Netz übertragen, können diese verhältnismäßig einfach mitgelesen werden. Daher sollten hier bessere Verfahren verwendet werden. Geeignete Verfahren sind beispielsweise - Einmalpaßwörter (siehe auch M 5.34 Einsatz von Einmalpaßwörtern), die software- oder hardwaregestützt erzeugt werden können. Hierbei sind die hardwarebasierten Authentifikationsmethoden vorzuziehen, da sie einen geringeren organisatorischen Aufwand und höhere Sicherheit bieten. - Die Authentisierung mittels PAP oder besser CHAP, die bei der Nutzung des Point-to-Point-Protocol eingesetzt werden (siehe M 5.50). - Die Authentisierung mittels CLIP/COLP, die bei der Kommunikation über ISDN eingesetzt wird (siehe M 5.48). - Ein weiteres bekanntes Verfahren ist das Authentikationsprotokoll Kerberos, das am MIT (Massachusetts Institute of Technology) entwickelt wurde. Es wird in Netzen zur gegenseitigen Authentisierung von Benutzer/Client und Servern eingesetzt. Die zentrale Autorität bei Kerberos ist der Ticket-Granting-Server, der Tickets ausstellt, mit denen sich Clients und Server gegenseitig authentisieren können. Mit Hilfe dieser Tickets können Benutzer sich nach einmaliger Authentikation Sitzungsschlüssel für die verschiedensten Dienste anfordern. Hashverfahren Geeignete Algorithmen sind z. B. MD5, SHA-1, RIPEMD-160. Auswahlkriterien - Mechanismenstärke / Schlüssellänge Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl von kryptographischen Verfahren ist ihre Mechanismenstärke. Bei symmetrischen Verfahren sollte insbesondere die Schlüssellänge ausreichend groß sein. Je größer die verwendete Schlüssellänge bei einem kryptographischen Verfahren ist, desto länger dauert es, ihn z. B. durch eine Brute-Force-Attacke zu berechnen. Andererseits werden die Verfahren bei der Verwendung längerer Schlüssel langsamer, so daß immer zu überlegen ist, welche Schlüssellänge unter Nutzen-/Leistungsgesichtspunkten angemessen ist. Als Faustregel für gute _____________________________________________________________________ .......................................... 372 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.164 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Verfahren (Tripel-DES, IDEA, RC5,...) und mittleren Schutzbedarf gilt derzeit, daß die eingesetzten Schlüssel mindestens 80 Bit lang sein sollten. Bei Verwendung von Blockchiffren sollten größere, strukturierte Datenmengen nicht im ECB-Modus verschlüsselt werden. Stattdessen sollten dazu der CBC-Modus oder der CFB-Modus verwendet werden. Mindestens eine dieser Betriebsarten sollte daher implementiert sein. Bei asymmetrischen Verfahren sollte die Mechanismenstärke so gewählt werden, daß die Lösung der zu Grunde liegenden mathematischen Probleme einen unvertretbar großen bzw. praktisch unmöglichen Rechenaufwand erfordert (die zu wählende Mechanismenstärke hängt daher vom gegenwärtigen Stand der Algorithmik und der Rechentechnik ab). Gegenwärtig kann man davon ausgegehen, daß man mit - Modullängen von 768 Bit bei RSA bzw. - Untergruppenordnungen in der Größe von 160 Bit bei ElGamalVerfahren auf einer geeigneten elliptischen Kurve "auf der sicheren Seite" ist. Es sollten keine "unbekannten" Algorithmen verwendet werden, d. h. es sollten Algorithmen eingesetzt werden, die veröffentlicht sind, die von einem breiten Fachpublikum intensiv untersucht worden sind und von denen keine Sicherheitslücken bekannt sind. Häufig bieten Hersteller Sicherheitsprodukte an mit neuen Algorithmen, die "noch viel sicherer und noch viel schneller" sein sollen als andere Algorithmen. Aber vor der Verwendung von unbekannten Algorithmen aus Quellen, deren kryptographische Kompetenz nicht ausreichend nachgewiesen ist, kann nur gewarnt werden. - Symmetrische oder hybride Verfahren? Aus Performancegründen werden für Verschlüsselungszwecke keine reinen Public-Key-Implementierungen eingesetzt. Alle gängigen Implementierungen von Public-Key-Kryptographie nutzen hybride Verfahren (siehe M 3.23). In Anwendungen mit großen oder offenen Nutzergruppen empfiehlt sich meist die Verwendung eines hybriden Verfahrens (wegen der Vorzüge für das Schlüsselmanagement). Bei kleinen, geschlossenen Nutzergruppen (insbesondere natürlich bei einem einzelnen Benutzer) kann man sich auf symmetrische Verfahren beschränken. Bei Einsatz hybrider Verfahren ist es sinnvoll, die Stärken des symmetrischen und des asymmetrischen Anteils aufeinander abzustimmen. Da mit dem asymmetrischen Verfahren vor einem Schlüsselwechsel in der Regel viele Schlüssel für das symmetrische Verfahren überschlüsselt werden, sollte der asymmetrische Algorithmus eher etwas stärker ausgelegt werden. - Realisierbarkeit von technischen Anforderungen Die Chiffrieralgorithmen müssen so beschaffen sein, daß die technischen Anforderungen, insbesondere die geforderte Performance, durch eine geeignete Implementation erfüllt werden können. Hierunter fallen Anforderungen an die Fehlerfortpflanzung (z. B. falls über stark rauschende _____________________________________________________________________ .......................................... 373 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.164 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Kanäle gesendet wird), aber auch Anforderungen an Synchronisationsoverhead und Zeitverzögerung (z. B. falls "Echtzeit"-Verschlüsselung von großen Datenmengen erfordert wird). Beispiel: Sprachverschlüsselung bei ISDN Für die Planung eines Kommunikationsnetzes sind eine Reihe von Parametern zu berücksichtigen, die einen Einfluß auf die zu erwartende Sprachqualität haben und sich in Form von Rauschen, Knacken, Nebensprechen oder Pfeifen bemerkbar machen. Zu solchen Einflußfaktoren zählen beispielsweise die eingesetzten Verschlüsselungsverfahren. Um eine zufriedenstellende Sprachqualität erzielen zu können, müssen alle Einrichtungen längs eines Übertragungsweges betrachtet und bewertet werden. Eine isolierte Betrachtungsweise einer Einzelkomponente ist zwar aufgrund der Verkopplung aller relevanten Einzeleffekte als nicht gerechtfertigt anzusehen, dennoch ist die Kenntnis der Einflußfaktoren jeder Einzelkomponente (z. B. der Kryptokomponente) wichtig. Hieraus können sowohl die Rahmenbedingungen für die Realisierung als auch für die Auswahl abgeleitet werden. Das Verhalten einer Verschlüsselungskomponente wird dabei hauptsächlich durch folgende Faktoren charakterisiert: - die verstreichende Zeitdauer bei der Verschlüsselung eines Datenblocks (führt i. allg. zu Verzögerungen), - die für Synchronisationszwecke zusätzlich in den Datenstrom eingeführten Steuerinformationen (führen u. U. zu Schwankungen), - der von der Kryptokomponente maximal zu leistende Datendurchsatz (führt - wenn Zwischenspeicherung notwendig - ebenfalls zu Schwankungen), - die durch die Verschlüsselung resultierende Fehlerfortpflanzung (führt i. allg. zu einem Anstieg der Fehlerrate). Gerade bei einer Sprachverschlüsselung (Echtzeitdienst) machen sich die vorgenannten Einflußfaktoren in einer Erhöhung der Ende-zu-Ende-Laufzeit, in Laufzeitschwankungen sowie in einer höheren Fehlerrate negativ bemerkbar, d. h. in einer Qualitätsminderung, die meßtechnisch ermittelt und der Kryptokomponente zugeordnet werden kann. - Andere Einflußfaktoren Manche kryptographische Algorithmen (z. B. IDEA) sind patentiert, für ihren Einsatz in kommerziellen Anwendungen (wozu auch der behördliche Bereich zählt) sind evtl. Lizenzgebühren zu entrichten. Dies ist insbesondere beim Einsatz von Verfahren wie PGP zu beachten, von denen es auch Implementationen gibt, die ansonsten als Public-Domain-Software eingesetzt werden können. _____________________________________________________________________ .......................................... 374 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.165 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.165 Auswahl eines geeigneten kryptographischen Produktes Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Das Spektrum kryptographischer Anwendungen ist sehr breit, es reicht von einem einfachen Programm zur Dateiverschlüsselung auf einem Single-User PC über Firewallrechner mit Kryptofunktionen zur Absicherung eines lokalen Netzes bis hin zur "Echtzeit"-Hardwareverschlüsselung von Videokonferenzen. Es ist klar, daß bei dieser Breite Empfehlungen zur Auswahl von kryptographischen Produkten allgemeingültig gehalten sind. Vor einer Auswahl sollte der Nutzer sämtliche Anforderungen an das Produkt festlegen. Das ausgewählte Produkt sollte die Benutzeranforderungen in einem möglichst hohen Grad abdecken. Funktionalität Das ausgewählte Produkt muß die vom Anwender spezifizierte Funktionalität aufweisen, insbesondere muß es - die geforderten kryptographischen Grunddienste leisten, - evtl. besonderen Anforderungen durch die Einsatzumgebung genügen (z. B. Single-User/Multi-User-PC, LAN-Umgebung, WAN-Anbindung), - die geforderten technischen Leistungsmerkmale aufweisen (z. B. Durchsatzraten), - die geforderten Sicherheitsfunktionalitäten aufweisen, insbesondere müssen die eingesetzten kryptographischen Mechanismen die erforderliche Stärke aufweisen. Interoperabilität Das ausgewählte Produkt wird in der Regel in eine bestehende IT-Umgebung eingefügt. Es muß dort möglichst interoperabel sein. Die Einhaltung interner Standards ist nötig, um die Interoperabilität mit dem bereits vorhandenen ITSystem bzw. Systemkomponenten zu gewährleisten. Die Anwendung internationaler Standards für kryptographische Techniken sollte selbstverständlich sein, sie erleichtert auch eine Sicherheitsevaluierung der kryptographischen Komponente. Wirtschaftlichkeit Das ausgewählte Produkt sollte möglichst wirtschaftlich sein. Dabei müssen Anschaffungskosten, Stückzahlen, Kosten für Wartung und Produktpflege, aber auch Einsparungen durch etwaige Rationalisierungseffekte berücksichtigt werden. Zertifizierte Produkte In den letzten Jahrzehnten hat sich eine international anerkannte Methodologie zur Bewertung von IT-Sicherheitsprodukten durchgesetzt: die europäischen ITSEC (Information Technology Security Evaluation Criteria) bzw. deren Weiterentwicklung CC (The Common Criteria for Information Technology _____________________________________________________________________ .......................................... 375 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.165 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Security Evaluation). Die ITSEC bzw. CC bieten einen Rahmen, innerhalb dessen die Sicherheitsfunktionalitäten eines IT-Produktes durch Anlegen von etablierten Kriterien in eine genau spezifizierte Hierarchie von Sicherheitsstufen eingeordnet werden können. Die Informationssicherheitsbehörden mehrerer Staaten haben jeweils ein nationales Zertifizierungsschema nach diesen Kriterien aufgebaut. Der Einsatz eines zertifizierten Produktes bietet die Gewähr, daß die Sicherheitsfunktionalität dieses Produktes unabhängig geprüft wurde und den im Evaluationslevel spezifizierten Standard nicht unterschreitet (siehe auch M 2.66 Beachtung des Beitrags der Zertifizierung für die Beschaffung). Importprodukte In mehreren Staaten, insbesondere den USA, unterliegt der Export von starker Kryptographie gegenwärtig (noch) starken Beschränkungen. Insbesondere wird die Stärke von an sich starken Verschlüsselungsprodukten künstlich (durch Reduzierung der Schlüsselmannigfaltigkeit) herabgesetzt. Solche künstlich geschwächten Verfahren erreichen i.d.R. nicht die für mittleren Schutzbedarf erforderliche Mechanismenstärke. In Deutschland und den meisten anderen Ländern unterliegen kryptographische Produkte beim Einsatz innerhalb der Landesgrenzen keinerlei Einschränkungen. Beim Einsatz von Importprodukten sollte immer darauf geachtet werden, ob sie den vollen Leistungsumfang bieten. Grenzüberschreitender Einsatz Viele Unternehmen und Behörden haben zunehmend das Problem, das sie auch ihre internationale Kommunikation, z. B. mit ausländischen Tochterunternehmen, kryptographisch absichern wollen. Hierfür muß zunächst untersucht werden, - ob innerhalb der jeweiligen Länder Einschränkungen beim Einsatz kryptographischer Produkte zu beachten sind und - ob für in Frage kommende Produkte Export- oder Importbeschränkungen beachtet werden müssen. Fehlbedienungs- und Fehlfunktionssicherheit Das Gefährliche an kryptographischen Produkten ist, daß sie den Anwender in einer - mitunter trügerischen - Sicherheit wiegen: Es ist ja "alles verschlüsselt"! Insofern kommt Maßnahmen gegen Kompromittierungen durch Bedienungsfehler oder technisches Versagen besondere Bedeutung zu, da deren Folgen eben nicht nur auf einen schlichten Defekt beschränkt werden können, sondern sogleich einen Sicherheitseinbruch nach sich ziehen. Allerdings ist die Bandbreite bezüglich redundanter Systemauslegung und zusätzlicher Überwachungsfunktionen - und damit an Gerätekosten - groß, so daß hier die Maßnahmen im Einzelfall in Abhängigkeit von den Anforderungen festzulegen sind. Implementierung in Software, Firmware oder Hardware Kryptographische Algorithmen können sowohl in Software, in Firmware als auch in Hardware implementiert werden. Softwarerealisierungen werden in _____________________________________________________________________ .......................................... 376 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.165 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... der Regel vom Betriebssystem des jeweiligen IT-Systems gesteuert. Unter Firmware versteht man Programme und Daten, die permanent so in Hardware gespeichert sind, daß die Speicherinhalte nicht dynamisch verändert werden können, und die während ihres Ablaufs nicht modifiziert werden können. Bei Hardwarelösungen wird das kryptographische Verfahren direkt in Hardware realisiert, z. B. als separates Sicherheitsmodul oder als Einsteckkarte. Dazu, welche Art der Implementierung gewählt werden sollte, kann keine generelle Empfehlung abgegeben werden, da die Entscheidung eine Abwägung von verschiedenen Faktoren erfordert: - den Schutzbedarf der durch das kryptographische Verfahren zu schützenden Daten bzw. das angestrebte Sicherheitsniveau, - den angestrebten Datendurchsatz, - wirtschaftliche Überlegungen/Zwänge, - die Einsatzumgebung/ umgebende Sicherungsmaßnahmen, - eine evtl. vorliegende nationale Einstufung der bearbeiteten Daten. Softwarelösungen bieten den Vorteil, leicht anpaßbar und kostengünstig zu sein. Hardwarerealisierungen bieten im allgemeinen sowohl höhere Manipulationsresistenz (und damit Sicherheit) als auch höheren Datendurchsatz als Softwarerealisierungen, sie sind aber normalerweise auch teurer. Firmwarelösungen kann man als Kompromiß der beiden vorangegangenen Möglichkeiten verstehen. Die Vor- und Nachteile der jeweiligen Realisierung beziehen sich jedoch immer nur auf lokale Aspekte (dazu gehört vor allem das Schlüsselmanagement). Sind die Daten einmal verschlüsselt und befinden sie sich auf dem Kommunikationsweg, ist im Prinzip das Zustandekommen der Verschlüsselung nicht mehr relevant. Ein Beispiel für (relativ) preiswerte, transportable und benutzerfreundliche Kryptomodule sind Chipkarten, die im Bereich der lokalen Verschlüsselung als sicheres Speichermedium für die kryptographischen Schlüssel oder im Bereich der Authentikation zur Paßwort-Generierung und Verschlüsselung eingesetzt werden können. Wenn alle Anforderungen an das kryptographische Produkt festgelegt worden sind, erhält man damit einen Anforderungskatalog, der dann auch direkt für eine Ausschreibung verwendet werden kann, sofern eine solche notwendig ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 377 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.166 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.166 Regelung des Einsatzes von Kryptomodulen Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Auch im laufenden Betrieb müssen eine Reihe von Sicherheitsanforderungen an den Einsatz von Kryptomodulen gestellt werden. Diese müssen adäquat in das technische und organisatorische Umfeld eingebunden sein, in dem sie eingesetzt werden. Dafür müssen einige organisatorische Regelungen getroffen werden: - Es müssen Verantwortliche benannt werden, und zwar für die Erstellung des Kryptokonzeptes, für die Auswahl sowie für den sicheren Betrieb der kryptographischen Produkte. - Es sind geeignete personelle Maßnahmen festzulegen bzw. durchzuführen (Schulung, Benutzer-Support, Vertretungsregelungen, Verpflichtungen, Rollenzuteilungen). - Die Benutzer sollten nicht nur im Umgang mit den von ihnen zu bedienenden Kryptomodulen geschult werden, sie sollten darüber hinaus für den Nutzen und die Notwendigkeit der kryptographischen Verfahren sensibilisiert werden und einen Überblick über kryptographische Grundbegriffe erhalten (siehe auch M 3.23). - Falls Probleme oder gar der Verdacht auf Sicherheitsvorfälle beim Einsatz von Kryptomodulen auftritt, muß klar definiert sein, was in solchen Fällen zu unternehmen ist. Alle Benutzer müssen über die entsprechenden Verhaltensregeln und Meldewege informiert sein. - Im Rahmen des Kryptokonzeptes ist festzulegen, wer wann welche Kryptoprodukte benutzen muß bzw. darf und welche Randbedingungen dabei zu beachten sind (z. B. Schlüsselhinterlegung). - Der korrekte Einsatz der Kryptomodule sollte regelmäßig überprüft werden. Ebenso ist regelmäßig zu hinterfragen, ob die eingesetzten kryptographischen Verfahren noch dem Stand der Technik entsprechen (siehe dazu auch M 2.35 Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems). - Je nach den definierten Verfügbarkeitsanforderungen sollten ErsatzKryptomodule vorrätig gehalten werden, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Dies ist insbesondere dort wichtig, wo der Zugriff auf verschlüsselte Daten von der Funktionsfähigkeit eines einzelnen Kryptomoduls abhängt, z. B. bei der Datenarchivierung oder der ISDNVerschlüsselung. Es ist ein sicherer Betrieb der Kryptomodule zu gewährleisten, dazu gehören: - Vor der Inbetriebnahme muß die optimale Konfiguration der Kryptomodule festgelegt werden, z. B. hinsichtlich Schlüssellänge, Betriebsmodi oder Kryptoalgorithmen. _____________________________________________________________________ .......................................... 378 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.166 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Die festgelegte Konfiguration muß dokumentiert sein, damit sie nach einem Systemversagen oder einer Neuinstallation schnell wieder eingerichtet werden kann. - Für die Benutzer müssen die Kryptoprodukte durch den Administrator so vorkonfiguriert sein, daß ohne weiteres Zutun der Benutzer maximale Sicherheit erreicht werden kann. - Bei komplexeren Kryptoprodukten müssen geeignete Handbücher verfügbar sein. - Die Kryptomodule müssen sicher installiert werden und anschließend getestet werden (z. B. ob es korrekt verschlüsselt und ob es vom Benutzer bedient werden kann). - Die Anforderungen an die Einsatzumgebung müssen festgelegt sein, eventuell sind dafür ergänzende Maßnahmen im IT-Umfeld zu treffen. Die sicherheitstechnischen Anforderungen an die IT-Systeme, auf denen die kryptographischen Verfahren eingesetzt werden, sind den jeweiligen systemspezifischen Bausteinen zu entnehmen, z. B. für Clients (inkl. Laptops) aus Kapitel 5, für Server aus Kapitel 6. - Es muß festgelegt werden, wer wie häufig die Kryptomodule zu warten hat. Auch im Rahmen des Schlüsselmanagements (siehe M 2.46 Geeignetes Schlüsselmanagement) müssen diverse Vorgaben gemacht werden: - Vorgaben zur Schlüsselerzeugung und -auswahl, - Vorgaben zur gesicherten Speicherung kryptographischer Schlüssel, - Festlegung der Schlüsselwechsel-Strategie und -Intervalle. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind Regelungen für den Einsatz kryptographischer Verfahren festgelegt worden? - Ist das Kryptokonzept aktuell? - An wen können sich die Benutzer bei Fragen zum Einsatz von Kryptomodulen wenden? _____________________________________________________________________ .......................................... 379 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.167 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.167 Sicheres Löschen von Datenträgern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: IT-Verfahrensverantwortlicher Eine geregelte Vorgehensweise für die Löschung oder Vernichtung von Datenträgern verhindert einen Mißbrauch der gespeicherten Daten. Bevor Datenträger wiederverwendet werden, müssen die gespeicherten Daten vollständig gelöscht werden, z. B. durch vollständiges Überschreiben oder Formatieren. Dies ist insbesondere wichtig, wenn Datenträger an Dritte weitergegeben werden sollen. Auch der Empfänger des Datenträges muß nach dem Empfang prüfen, ob der Schutzwert der Daten ein sofortiges Löschen des Datenträgers erfordert, nachdem die Daten auf ein anderes IT-System übertragen wurden. Es gibt verschiedene Methoden um Informationen auf Datenträgern zu löschen, z. B. über Löschkommandos, durch Formatieren, durch Überschreiben oder durch Zerstörung des Datenträgers. Welche Methode gewählt werden sollte, hängt hierbei auch vom Schutzbedarf der zu löschenden Daten ab, der Schutz gegen die Restaurierung von Restdaten steigt in der genannten Reihenfolge. Löschkommandos Bei der Benutzung von Löschkommandos ist insbesondere bei DOS-basierten Betriebssystemen zu beachten, daß dabei nicht tatsächlich die Dateiinformationen gelöscht werden, sondern nur der Verweis auf diese Informationen im "Inhaltsverzeichnis" des Datenträgers. Die Datei ist weiterhin vorhanden. Es gibt eine Vielzahl von Programmen, mit denen die gelöscht geglaubten Informationen wiederhergestellt werden können (z. B. UNDELETE unter DOS). Um Dateien unwiederbringlich zu löschen, müssen alle Einträge auf dem Datenträger überschrieben werden. Dafür können Programme wie PC-Tools (Option "Überschreiben" um Datenträger oder Programm WIPE um einzelne Dateien zu überschreiben) oder Norton Utilities (Programm WIPEINFO) eingesetzt werden. Formatieren Um Datenträger wieder in den "Urzustand" zu versetzen und damit auch vorhandene Informationen zu löschen, können diese formatiert werden. Wie zuverlässig dabei allerdings die alten Daten gelöscht werden, ist stark abhängig vom zu Grunde liegenden Betriebssystem. Ein Überschreiben der alten Daten ist auf jeden Fall zuverlässiger. Beim Formatieren von DOS-Datenträgern ist beispielsweise darauf zu achten, daß der Parameter /U (z. B. bei DOS 6.2 format a: /U) benutzt wird, damit das Formatieren nicht über den Befehl unformat wieder rückgängig gemacht werden kann. Unter Windows 95 und Windows NT ist aus gleichem Grunde eine Formatierung mit dem Parameter Vollständig und nicht mit QuickFormat durchzuführen. _____________________________________________________________________ .......................................... 380 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.167 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Überschreiben Eine für den mittleren Schutzbedarf ausreichende physikalische Löschung kann erreicht werden, indem der komplette Datenträger oder zumindest die genutzten Bereiche mit einem bestimmten Muster überschrieben werden. Es werden einige handelsübliche Produkte angeboten, die sogar die physikalische Löschung einzelner Dateien gewährleisten. Zum Überschreiben sollten keine gleichförmigen Muster wie "0000" benutzt werden, sondern es sollten Muster wie "C1" (hexadezimal, entspricht der Bitfolge 11000001) benutzt werden. Dazu sollte bei einem zweitem Durchlauf ein dazu komplementäres Muster (also z. B. 3E, entspricht der Bitfolge 00111110) benutzt werden, damit möglichst jedes Bit einmal geändert wird. Die Überschreibprozedur sollte daher mindestens zweimal, besser aber dreimal wiederholt werden, da hierdurch eine verbesserte Schutzwirkung erzielt wird. Schreibgeschützte oder nicht mehrfach beschreibbare Datenträger wie CDROMs oder CD-Rs können selbstverständlich auch nicht gelöscht werden und sollten vernichtet werden. Löschgeräte Flexible magnetische Datenträger (Disketten, Bänder) können mit einem Löschgerät gelöscht werden. Dabei werden die Datenträger einem externen magnetischen Gleich- oder Wechselfeld ausgesetzt (Durchflutungslöschen). Geeignete Löschgeräte, die die Norm DIN 33858 erfüllen, sind in der BSIPublikation 7500 aufgeführt. Grundsätzlich sind die Datenträger nach dem Löschen wiederverwendbar. Es ist aber zu beachten, daß Datenträger mit einer magnetisch geschriebenen Servospur (z. B: Bandkassetten IBM 3590, Travan 4, MLR und ZIP-Disketten) nach einem Löschen unbrauchbar werden. Löschen von Festplatten Auch Festplatten mit sensitiven Daten, die weitergegeben werden, sollten gelöscht werden, insbesondere wenn sie ausgesondert oder zur Reparatur gegeben werden. Dabei ist zu beachten, daß auch die Weitergabe "bereinigter" Festplatten, die nur noch das Betriebssystem und Standardsoftware enthalten, zu lizenzrechtlichen Problemen führen kann. Daher sollten zu löschende Festplatten zumindest low-level formatiert werden. Dazu sollten zunächst alle vorhandenen Partitionen gelöscht werden (unter DOS mit dem Befehl fdisk) und eine große Partition angelegt werden. Danach sollte die gesamte Festplatte formatiert werden (unter DOS mit dem Befehl format /U). Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme können dann noch neue Daten auf die Festplatte aufgespielt werden, z. B. Musterfolgen mit dem Programm WIPE. Wenn größere Mengen von (gleichartigen) Festplatten gelöscht werden sollen, kann auch alternativ zunächst eine Festplatte mit einem Muster überschrieben und dieses dann mit einem Image-Kopierprogramm auf alle weiteren Festplatten aufgespielt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 381 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.167 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bei defekten Festplatten ist ein Löschen durch Überschreiben nicht mehr möglich. Daher bleibt nur das Löschen mit einem Löschgerät, obwohl diese Geräte nicht für das Löschen von Festplatten vorgesehen sind. Wegen des unterschiedlichen Aufbaus von Festplattenlaufwerken, insbesondere der Anzahl von Platten, kann keine generelle Aussage über die erzielbare Löschwirkung gemacht werden. Die Anwendung eines Löschgerätes auf eine Festplatte macht diese im allgemeinen unbrauchbar.. Vernichtung der Datenträger Eine einfache Möglichkeit, Datenträger zu vernichten, besteht darin, daß Disketten und Magnetbänder zerschnitten und Festplatten mechanisch zerstört werden. Dies ist allerdings zu umständlich bei größeren Mengen zu vernichtender Datenträger und auch nicht ausreichend bei höherem Schutzbedarf. Geeignete Vernichtungsgeräte für Magnetbänder, Disketten und CD-ROMs, die der Norm DIN 32757 entsprechen, sind in der BSI-Publikation 7500 aufgeführt. Bei diesen Vernichtungsgeräten werden die Datenträger entweder zerkleinert oder eingeschmolzen. Vernichtungsgeräte für Festplatten sind nicht bekannt. Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es ein geregeltes Vorgehen zum Löschen von Datenträgern? _____________________________________________________________________ .......................................... 382 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.168 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.168 IT-System-Analyse vor Einführung eines Systemmanagementsystems Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Vor der Einführung eines Systemmanagementsystems müssen die IT-Systeme, die zukünftig verwaltet werden sollen, untersucht und analysiert werden. Die daraus resultierende Systemdokumentation kann dann als Planungs- und Entscheidungsgrundlage für die festzulegende Systemmanagementstrategie (siehe M 2.169) dienen. Wichtig ist, daß schon zum Zeitpunkt der Planung alle relevanten Informationen über die zu verwaltenden Systeme möglichst vollständig vorliegen, um Fehlentscheidungen aufgrund mangelnder Information auszuschließen. Aus den lokalen Gegebenheiten lassen sich außerdem konkrete Anforderungen formulieren, die von dem zu beschaffenden Managementsystem erfüllt werden müssen (K.O.-Kriterien). Es sind folgende Maßnahmen (mit den dort beschriebenen Untermaßnahmen) durchzuführen, die idealerweise bei der Planung und im laufenden Betrieb des Systems gemäß Grundschutzhandbuch schon durchgeführt wurden bzw. werden: - Ist-Aufnahme der aktuellen Netzsituation (siehe M 2.139) - Dokumentation der Systemkonfiguration (siehe M 2.25): Es sollten alle ITSysteme erfaßt und dokumentiert werden. Insbesondere in heterogenen Systemen müssen z. B. alle vorhandenen Betriebssysteme erfaßt werden, um die entsprechenden Anforderungen an das Managementsystem formulieren zu können. - Feststellung und Überprüfung des Softwarebestandes (siehe M 2.10): Soll im Rahmen des Systemmanagements auch Software verwaltet werden (Applikationsmanagement), so sollte hier eine Bestandsaufnahme erfolgen. Alternativ kann als Anforderung an das Managementsystem das automatische Feststellen des Softwarebestandes ("Autodiscovery", "Software-Discovery") formuliert werden. Welche der beiden Varianten im Einzelfall notwendig ist, hängt von der Aufgabe ab, die im Bereich Softwaremanagement erbracht werden soll. Wird das Managementsystem z. B. dazu angeschafft, um einen existierenden Softwarebestand, dessen Zusammensetzung nicht in Gänze bekannt ist, automatisch zu verwalten (Softwareupdate, Einspielen neuer Software), so muß daß Managementsystem nach seiner Installation in der Lage sein, den Softwarebestand automatisch zu erfassen. Sollen im Rahmen des Applikationsmanagements einzelne Softwarepakete zusätzlich auf Anwendungsebene verwaltet werden, so muß geprüft werden, ob die Software dies aktiv unterstützt (z. B. durch ein entsprechendes Protokoll), was eine vorherige Bestandsaufnahme der vorhandenen Software nötig macht. Daraus ergeben sich dann Anforderungen an den Funktionsumfang des zu beschaffenden Managementsystems (z. B. Unterstützung des Applikationsverwaltungsprotokolls). Soll z. B. ein Webserver über ein HTTP-basiertes Managementinterface verwaltet werden, so muß das Managementsystem HTTP- _____________________________________________________________________ .......................................... 383 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.168 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... basierte Managementfunktionen besitzen oder aber ein Erweiterungsinterface anbieten, das es erlaubt, Eigenentwicklungen zu integrieren. Neben der Dokumentation des Ist-Zustandes sollte auch die zukünftige Planung für das IT-System berücksichtigt werden, da ein Managementsystem auch auf zukünftige Änderungen im IT-System ausgelegt sein sollte (z. B. Skalierbarkeit). _____________________________________________________________________ .......................................... 384 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.169 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.169 Entwickeln einer Systemmanagementstrategie Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Administrator Die in einem Netz angesiedelten Komponenten müssen von einem Administrator regelmäßig verwaltet werden. Die zu erledigenden Aufgaben reichen von der Einrichtung neuer Benutzer bis hin zur Installation neuer Software, deren verteilte Natur die Installation von Teilsoftware auf jedem einzelnen Rechner verlangt (Workflowsystem, Dokumentenverwaltungssystem, o. ä.). In großen Organisationen bedeutet alleine die Einrichtung eines neuen Benutzers, der sich auf allen für ihn freigegebenen Rechnern anmelden können soll, einen hohen administrativen Aufwand, da bei Stand-aloneBetrieb jeder einzelne dieser Rechner dementsprechend konfiguriert werden muß. Moderne netzfähige Betriebssysteme (z. B. Unix, Windows NT, Novell) sind daher mit Mechanismen ausgestattet, die den administrativen Aufwand verringern sollen (z. B. zentrale Benutzerverwaltung). Soll allerdings die Verwaltung aller Hard- und Software-Komponenten eines lokalen Netzes auf allen Ebenen (technisch und organisatorisch) in einheitlicher Weise erfolgen, so müssen einerseits technische Hilfsmittel in Form von Managementsystemen eingesetzt werden, deren erfolgreicher Einsatz andererseits aber auch von einer zu erstellenden Managementstrategie abhängt. Die Vorgaben und Regeln der Managementstrategie werden dann durch die Systemadministration mit Hilfe der Managementsoftware umgesetzt. Eine Managementstrategie muß individuell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Unternehmen bzw. Behörden angepaßt sein. Hierzu müssen folgende Schritte durchgeführt werden: Festlegung der vom Managementsystem zu verwaltenden Objekte Nach der Durchführung der Bestandsaufnahme (siehe M 2.168 IT-SystemAnalyse vor Einführung eines Systemmanagementsystems) muß festgelegt werden, welche Bereiche des IT-Systems durch ein zu beschaffendes Managementsystem verwaltet werden sollen: - Welche Rechner bzw. Hardware sollen in das Managementsystem einbezogen werden? - Welche Software soll einbezogen werden? - Welche Benutzer bzw. Benutzergruppen werden einbezogen? Festlegung der im Managementsystem anzuwendenden Sicherheitsrichtlinien Neben diesen Entscheidungen müssen aber auch schon existierende Vorschriften und Methoden einbezogen werden. So muß z. B. die festgelegte Sicherheitspolitik der Behörde bzw. des Unternehmens, die Datenschutzrichtlinien und die Richtlinien zur Einführung neuer Software in das Managementkonzept einfließen, da die geltenden Vorschriften auch beim Einsatz eines Managementsystems beachtet und umgesetzt werden müssen. Auch für den Gebrauch des Managementsystems selbst sind Regelungen zu treffen bzw. existierende Regelungen auf Validität zu prüfen und gegebenenfalls _____________________________________________________________________ .......................................... 385 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.169 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... anzupassen, und dann auch anzuwenden. Dies gilt insbesondere in den Bereichen: - Zugriffsrechte auf Managementinformationen - Dokumentation des Managementsystems - Erstellung oder Abgleich von Notfallplänen für den Ausfall des Managementsystems oder einzelner Komponenten Im Vorfeld sollten auch bereits die Reaktionen auf Verletzung der Sicherheitspolitik im Bereich Systemmanagement festgelegt werden. Ähnlich wie in anderen IT-Bereichen, muß auch für den Bereich des Systemmanagements eine Sicherheitspolitik festgelegt bzw. die vorhandene Sicherheitspolitik des Unternehmens bzw. der Behörde auch auf den Bereich Systemmanagement angewandt werden. Da ein Managementsystem mit wichtigen Netz- und Systemkomponenten interagiert und deren Funktion verwaltet und überwacht, sind Verletzungen der Sicherheitspolitik in diesem Bereich als besonders schwer anzusehen. Insbesondere sind hier Regelungen und Vorgehensweisen zu definieren, die nach einer solchen Sicherheitsverletzung zum Einsatz kommen. Diese sind einerseits technischer Natur (z. B. Vergabe neuer Paßwörter für alle Benutzer nach Kompromittierung der Managementkonsole), aber auch organisatorischer Natur. Revision, Datenschutzbeauftragte und IT-Sicherheitsmanagement sollten schon in der Planungsphase einbezogen werden. Nach Einführung des Managementsystems müssen die ihnen hier obliegenden Aufgaben in Bezug auf das Managementsystem klar sein. Beispiel: Der Datenschutzbeauftragte kann schon in der Planungsphase auf die Einhaltung der Datenschutzrichtlinien achten, z. B. welche Benutzerinformationen im Rahmen des Systemmanagements erfaßt werden sollen bzw. dürfen. Nach Einführung des Systems muß er zudem in der Lage sein, die Einhaltung der Richtlinien zu überprüfen. Ähnliches gilt für die Zuständigkeitsbereiche des Revisors und des ITSicherheitsbeauftragten. Festlegung der Randbedingungen für die Produktauswahl des Managementsystems Die Einführung eines Systemmanagementsystems erfordert eine umfangreiche und sorgfältige Planung. Teile der Systemmanagementstrategie hängen zudem davon ab, ob sie mit einem konkreten Produkt realisiert werden können oder nicht. Dies führt dazu, daß die Erstellung der Managementstrategie und die (Vor-)Auswahl eines Produktes iteriert werden müssen. Folgende Punkte sollten bei der Erstellung der Systemmanagementstrategie Berücksichtigung finden: - Ist mehr als eine Managementdomäne nötig? Wenn ja: Wie sind diese zu bilden? Managementdomänen erlauben die Einteilung der Komponenten des zu verwaltenden Systems in Gruppen. Die einzelnen Gruppen können voneinander getrennt verwaltet werden. Die Aufteilung in verschiedene Managementdomänen ist für kleinere und mittlere zu verwaltende Systeme nicht zwingend, unterstützt jedoch ein strukturierteres Systemmanagement. Für große zu verwaltende Systeme ist die Aufteilung in verschiedene _____________________________________________________________________ .......................................... 386 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.169 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Managementdomänen in der Regel zwingend. Die Planung der Managementregionen hängt dabei von mehreren Faktoren ab: - Netztopologie Insbesondere für mittlere Systemgrößen bietet sich die Aufteilung des Systems in Managementdomänen entsprechend der konkreten Netztopologie an (gerade auch, wenn es z. B. keine unterschiedlichen Verantwortlichkeiten gibt). - Organisatorische Verantwortlichkeiten innerhalb des Unternehmens oder der Behörde So kann die Organisationsstruktur mit dem Managementsystem nachgebildet werden, so daß z. B. Domänen wie "Rechnungswesen", "Programmierung" oder auch "Bereich Produktion", "Bereich Softwareentwicklung" entstehen. Auch sicherheitstechnische Gründe, die sich in der Managementpolitik niederschlagen, können zu mehreren Managementregionen führen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Managementaufgaben für bestimmte Organisationseinheiten delegiert werden sollen, ohne daß der lokale Administrator Zugriffsrechte auf die Managementfunktionen für die Komponenten außerhalb seines Zuständigkeitsbereiches haben soll. - vorhandene Infrastruktur Hier ist z. B. die geographische Verteilung von Filialen oder die räumliche Verteilung von Arbeitsgruppen über die Stockwerke eines Gebäudes zu betrachten. - Sicherheitsbetrachtungen - Mehrere Managementregionen können dann nötig werden, wenn das Managementprodukt zwar verschiedene Verschlüsselungsmechanismen pro Region unterstützt, von denen jedoch pro Region in der Regel nur eine zum Einsatz kommen kann. Sollen zwischen einzelnen Managementkomponenten tatsächlich verschiedene Mechanismen zum Einsatz kommen, so sind mehrere Managementregionen nötig. Beispiel: Ein System aus mehreren Datenbankservern mit sensitiven Daten und den zugehörigen Clients, die selbst keine Daten speichern, wird verwaltet. Die Managementkonsole soll mit den Servern nur stark verschlüsselt kommunizieren, da auch die Datenbanken über das Managementsystem verwaltet werden. Die Kommunikation mit den Clients soll hingegen aus Performancegründen nur schwach verschlüsselt geschehen. In diesem Fall müssen in der Regel zwei Managementregionen gebildet werden: eine Region, in der die Server enthalten sind, und eine zweite Region, die die Clients umfaßt. - Mehrere Managementregionen erhöhen die Ausfallsicherheit, da z. B. beim Ausfall einer Managementregion die restlichen _____________________________________________________________________ .......................................... 387 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.169 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Regionen unabhängig davon weiterhin verwaltet werden können. - Einfluß hat auch die Anzahl der zu verwaltenden Rechner pro Managementregion. Die meisten Produkte geben Empfehlungen über die Anzahl der Rechner, die durch den Managementserver einer Region verwaltet werden können. Eine Zahl von 200 Rechnern pro Server ist aber keine Seltenheit. - Welche Maschinen sollen als Managementserver dienen? In der Regel ist mit steigender Anzahl von Clients an einem Managementserver mit Performanceeinbußen zu rechnen. Dies muß bei der Planung berücksichtigt werden. - Welche physikalische Anordnung müssen die Managementserver haben und wo werden sie aufgestellt? Die Lokation eines Servers hat z. B. Einfluß darauf, wie Rechner, die von diesem Server verwaltet werden sollen, über das Netz an diesen angebunden sind. Bei einigen Plattformen gibt es z. B. Mindestanforderungen an die Kommunikationsbandbreite zwischen Server und Client (so unterstützt z. B. TME 10 keine Anbindung von Clients über Leitungen mit weniger als 14.4 Kbps). Dies hat direkte Auswirkungen auf die mögliche Managementsystemkonfiguration und macht z. B. die Neuanschaffung von Rechnern oder den Ausbau von Netzverbindungen nötig. - Sind sogenannte Gateways oder Proxies nötig, die ein hierarchisch aufgebautes Management und/oder den Anschluß an Produkte von Drittanbietern ermöglichen? - Einige Systeme unterscheiden zwischen sogenannten "Managed Nodes" und "Endpoints". Bei beiden handelt es sich um Arbeitsplatzrechner, sie unterscheiden sich aber in der Art und Weise, wie diese in das Managementsystem eingebunden sind: So halten "Endpoints" z. B. im Unterschied zu "Managed Nodes" keine eigene lokale Datenbank mit Managementinformationen vor und können auch nicht zur Weiterleitung von Managementinformationen an weitere Rechner benutzt werden. Hier muß entschieden werden, welche Maschinen als "Managed Nodes" in das Managementsystem eingebunden sein sollen und welche lediglich als "Endpoints" verwaltet werden. In der Regel sollte das Gros der Arbeitsplatzrechner als "Endpoint" eingebunden werden. Die so erstellte Managementstrategie induziert eine Reihe von Anforderungen an das zu beschaffende Managementprodukt. Durch die Gewichtung der Anforderungen ergibt sich eine konkrete Produktauswahl. Die Managementstrategie muß nun dahingehend überprüft werden, ob sie mit dem zur Verfügung stehenden Funktionsumfang vollständig umgesetzt werden kann. Eine Reformulierung der Strategie kann dadurch in einzelnen Bereichen notwendig sein. Beispiel: Die Produktauswahl ergibt, daß das System, das starke Verschlüsselung unterstützt, leider nicht die Delegation von Verwaltungsaufgaben an "Subadministratoren" erlaubt. Daraufhin muß die Managementstrategie angepaßt werden (korrekte Gewichtung der Anforderungen vorausgesetzt). _____________________________________________________________________ .......................................... 388 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.170 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.170 Anforderungen an ein Systemmanagementsystem Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Ein Systemmanagementsystem dient zur Unterstützung eines Administrators eines lokalen Netzes (oder Virtuellen Lokalen Netzes). Ein Systemmanagementsystem muß daher gewisse Voraussetzungen erfüllen, um den Administrator geeignet unterstützen zu können. Die Anforderungen an ein solches System hängen jedoch wesentlich vom geplanten Einsatz (siehe M 2.169 Entwickeln einer Systemmanagementstrategie) und von der gewählten Architektur des Systemmanagementsystems ab (siehe M 2.171 Geeignete Auswahl eines Systemmanagement-Produktes). Ein Systemmanagementsystem sollte folgende Funktionen bereitstellen: - Benutzermanagement Hierzu gehören das Hinzufügen, Verändern und Löschen von Benutzerund Gruppenkonten. - Policymanagement Zugriffsrechte sollten sowohl für Zugriffe aus dem und in das lokale Netz als auch für Zugriffe auf das bzw. vom Internet verwaltet werden können. - Softwaremanagement Das Hinzufügen, Löschen und Aktualisieren von Softwarekomponenten sollte mit dem Systemmanagementsystem möglich sein. Daneben ist insbesondere für die Einführungsphase das automatische Feststellen der installierten Software u. U. wichtig. Eine Verwaltung von Softwarelizenzen ist zwar wünschenswert, wird von heutigen Systemen jedoch kaum unterstützt (siehe auch Applikationsmanagement unten. Ausnahme: Lizenzen liegen z. B. als Dateien vor, so daß die Lizenzdateien im Rahmen der Dateiverteilungsmechanismen eines Managementsystems verwaltet werden können). - Feststellen, Verändern und Verwalten von Systemkonfigurationsdaten. - Verwalten von Applikationsdaten Es muß möglich sein, Dateien eines Datenbanksystems oder Konfigurationsdateien einer Applikation zu verwalten, so daß z. B. das Verteilen einer neuen Version einer Datenbank oder die Verteilung neuer Konfigurationsdateien möglich ist. - Überwachen von Systemkomponenten Dies kann auch für externe Komponenten sinnvoll sein, die nicht der eigenen Administration unterliegen, zum Beispiel für den Router des Internet Service Providers (ISP), über den der Internetanschluß realisiert ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 389 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.170 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Applikationsmanagement Das Verwalten von Software auf Anwendungsebene sollte möglich sein, z. B. die Verwaltung von HTTP-Zugriffsrechten auf die Daten eines WWW-Servers (“Realms”). Diese Art von Management wird in der Regel kaum unterstützt, da hierzu die Kooperation der Applikation selbst erforderlich ist. Idealerweise läßt ein solches System die Delegation von administrativen Aufgaben zu, so daß z. B. ein Systemverwalter einem Arbeitsgruppensystemadministrator das Recht zum Installieren von Software auf den Rechnern der Arbeitsgruppe einräumen kann. Dieser Mechanismus ist insbesondere in mittleren und großen Netzen notwendig. Die Netz- und Systemadministration werden in der Regel durch die gleichen administrativen Einheiten in einem Unternehmen bzw. einer Behörde durchgeführt. Da in einigen Bereichen die Aufgabentrennung zwischen Netzadministration und Systemadministration nicht klar ist, empfiehlt es sich darauf zu achten, inwieweit ein vorhandenes Netzmanagementsystem in ein zu beschaffendes Systemmanagementsystem integriert werden kann. Neben diesen vorwiegend funktionalen Anforderungen ergeben sich auch technische Anforderungen im Rahmen der Kriterien, die für die Auswahl einer Systemmanagementsoftware relevant sind (siehe M 2.171). Besonders sind hier folgende hervorzuheben: - Das Managementsystem muß in der Lage sein, die Betriebssysteme aller für das Management genutzten und aller verwalteten Rechner zu unterstützen (betriebssystemspezifische Komponenten des Managementsystems, graphische Benutzungsoberfläche). - Existiert bereits ein lokales Datenbanksystem, so sollte das Managementsystem die Möglichkeit besitzen, seine Managementinformationen im vorhandenen Datenbanksystem zu speichern. - Das Managementsystem sollte erweiterbar sein. Dies betrifft einerseits die Komponenten des Managementsystems (z. B. Modul-Konzept mit der Möglichkeit, Module jederzeit nachkaufen und integrieren zu können), aber auch die Funktion des Managementsystems (z. B. Programmier-API, um eigene Komponenten anschließen zu können). Generell können die in M 2.171 vorgestellten Kriterien zur Kategorisierung von Anforderungen im Rahmen der vorliegenden Maßnahme herangezogen werden. Für ausgesuchte Kategorien ergeben sich die Anforderungen durch die Festlegung einer Vorgabe im Rahmen des jeweiligen "Wertebereiches". _____________________________________________________________________ .......................................... 390 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.171 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.171 Geeignete Auswahl eines SystemmanagementProduktes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Nach Aufnahme der aktuellen Systemsituation (siehe M 2.168) und Festlegung der Managementstrategie (siehe M 2.169) muß ein geeignetes Systemmanagementsystem ausgewählt werden. Je nach Größe des zu verwaltenden Systems können hier unterschiedliche Realisierungen zweckmäßig sein: - Für kleine Systeme kann das Systemmanagement von der Systemadministration “von Hand” erledigt werden. - Für kleine und mittlere Systeme kann das Systemmanagement auch durch eine Sammlung von einzelnen Tools durchgeführt werden. - Für große Systeme sollte ein Systemmanagementsystem benutzt werden. Moderne netzfähige Betriebssysteme sind in der Regel schon mit Funktionen ausgestattet, die eine zentrale Verwaltung z. B. von Benutzern und Benutzergruppen erlauben. Für den Unix-Bereich kann hier z. B. NIS oder NIS+ genannt werden, im Windows-Bereich erlaubt das Windows NT-DomänenKonzept eine zentrale Benutzerverwaltung über den Domain Controller. Ähnliche Möglichkeiten bietet auch Novell mit Intranetware an. In der Regel existieren zudem auch Möglichkeiten, ein netzweites Policymanagement zu betreiben. In kleineren und mittleren Netzen stellen daneben das Softwaremanagement, das Management der Rechnerkonfigurationen sowie das Überwachen von Systemkomponenten die drängensten Problembereiche dar. Hier können dann zusätzliche Softwaretools eingesetzt werden, die die Aufgaben einzeln übernehmen können. Insbesondere in den Bereichen, die auch durch die Disziplinen des Netzmanagements abgedeckt sind (Konfigurationsmanagement, Überwachung), kann der Einsatz eines Netzmanagement-Tools in Betracht gezogen werden. Für den Windows-Bereich lassen sich z. B. Tools wie das "Novell Zero Administration Kit", das den Administrator bei der Installation neuer Rechner unterstützt, die "Microsoft Management Console", die eine einheitliche zentrale Sicht auf alle Administrationstools anbietet, sowie den "Microsoft Systems Management Server (SMS)" nennen. So bietet z. B. das Produkt SMS dem Administrator folgende Möglichkeiten: - Inventarisieren von Hard- und Software-Komponenten - Installieren und Verteilen von Daten und Applikationen auf Netzrechnern - Kontrolle bei der Ausführung von Netzanwendungen - Unterstützung bei der Administration von Rechnern über das Netz - Überwachung des Netzverkehrs _____________________________________________________________________ .......................................... 391 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.171 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... SMS ist dabei allerdings nicht für eine heterogene Umgebung ausgelegt. Zudem erfolgt die Fernwartung nur halbautomatisch und erfordert einen Administrator vor Ort, so daß der Einsatz nur für kleinere und räumlich zusammenliegende Netze angezeigt ist. Für den Unix-Bereich kann z. B. zur Verwaltung und Verteilung von Software das Programm "rdist" eingesetzt werden, mit dem auf entfernten Rechnern Software installiert oder aktualisiert werden kann. Dabei ist es möglich, aus einem zentralen Softwarepool genau die Produkte auf den jeweiligen Rechnern zu installieren, die von den Mitarbeitern für die Erledigung ihrer Aufgaben benötigt werden. Weitere, auch kostenfrei, erhältliche Zusatzprogramme (meist aus dem universitären Umfeld) erlauben z. B. die Überwachung des Netzes über SNMP. Die so zusammengestellten Lösungen bieten für kleinere und mittlere Netze eine kostengünstige Alternative. Allerdings setzen sie in der Regel einen versierten Administrator voraus, der auch u. U. durch Eigenprogrammierung Anpassungen an lokale Gegebenheiten vornimmt oder Zusatzfunktionalität integriert. Für größere und große Netze sind solche Lösungen jedoch ungeeignet, da die Funktionalitäten in verschiedenen, nicht integrierten Tools angesiedelt ist. Für große Unternehmens- oder Behördennetze kommen nur Systemmanagementsysteme in Frage. Vor der Einführung eines solchen Systems sollte beachtet werden, daß dies in der Regel einen beträchtlichen Eingriff in das laufende System darstellt und gut geplant werden muß. Nicht selten dauert die Einführung mehr als 12 Monate, bei einer mindestens sechsstelligen Investitionssumme für größere Netze. Die Wahl des richtigen Managementsystems ist deshalb wichtig. Folgende Kriterien sollten bei der Wahl des zu beschaffenden Systems beachtet werden: - Welchen Funktionsumfang bietet das Produkt an? - Kosten - für die Anschaffung der Software - für die Anschaffung zusätzlicher Hardware (Bei einigen Systemen müssen ein oder mehrere zentrale Managementserver angeschafft werden.) - für Installations- und Betriebsaufwand (U. U. müssen sogar Externe engagiert werden.) - für die Schulung der Mitarbeiter - andere (z. B. Migrationskosten bei einer existierenden Plattform, Anpassung/Neuentwicklung lokaler Software, bauliche Maßnahmen z. B. gesicherter Serverraum) - Investitionssicherung - Inwieweit ist das Systemmanagement-Produkt skalierbar (z. B. Anzahl der Rechner erweiterbar)? - Kann die Plattform mit dem Unternehmen wachsen (z. B. Anzahl der möglichen Managementdomänen, Delegation von Aufgaben)? _____________________________________________________________________ .......................................... 392 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.171 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Wie sind die Migrationspfade zur Plattform? - Wie sind die Migrationspfade von dieser Plattform zu einer anderen Plattform? - Integrationsmöglichkeit mit anderen Produkten - Welche Server- bzw. Client-Systemplattformen werden unterstützt? - Kann ein bestehendes Netzmanagementsystem integriert werden? - Kann ein bestehendes Datensicherungssystem integriert werden? - Welche Applikationen von Drittanbietern gibt es für dieses Produkt? - Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit - Gibt es Aussagen Ausfallzeiten? oder sogar Garantien über maximale - Ist ein Hotswap für zentrale Komponenten möglich? - Existiert ein systemeigener Backup- und Recovery-Mechanismus? Bei einem Ausfall des Managementsystems müssen innerhalb des Managementsystems Mechanismen zum geregelten Wiederanlaufen existieren. Dies umfaßt u. U. das Einspielen von Daten aus einer Datensicherung und die automatische Konsistenzprüfung – idealerweise mit Konfliktauflösung bei der Feststellung von Inkonsistenzen. - Werden regelmäßig Updates zur Verfügung gestellt? Sind sie einfach einspielbar? - Sicherheit: Zugriffsbeschränkungen auf die Managementfunktionen - Kann der Zugriff auf Benutzer-ID-Ebene (Welcher Benutzer darf was?) eingeschränkt werden? - Kann der Zugriff auf Komponentenebene (Welcher Rechner darf was?) eingeschränkt werden? - Kann der Zugriff auf die ausführbaren Kommandos Benutzer- oder Systemabhängig eingeschränkt werden? - Kann eine Aufteilung der Administrationstätigkeiten vorgenommen werden? Kann also z. B. die Verwaltung von Komponenten auf bestimmte Bereiche eingeschränkt werden (z. B. nur die Abteilungsrechner)? - Sicherheit: Administration von Rechnern über das Netz - Wie sind Fernzugriffe abgesichert? - Können Fernzugriffe verschlüsselt erfolgen? - Ist sichergestellt, daß eine (starke) Authentisierung vor einer Fernadministration erforderlich ist? - Ist es möglich, die Berechtigung für Fernadministration auf bestimmte Personen oder Rollen einzuschränken? - Wird der Benutzer automatisch über Fernzugriffe informiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 393 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.171 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Sicherheit: Datensicherheit, Datenschutz - Werden die gesammelten Daten sicher abgelegt (Zugriffsbeschränkungen, Verschlüsselung)? - Findet die Datenübertragung zwischen den Managementkomponenten gesichert statt (Authentisierung, Verschlüsselung, Integritätssicherung)? - Kann die Art der gesammelten Informationen reguliert werden (Anonymisierung, Rückverfolgung, Beweisbarkeit)? - Ist die Integration von Virensuchprogrammen möglich? - Welche Protokollierungsmöglichkeiten werden angeboten? - Kann die lokale Softwareeinspielung überwacht oder verhindert werden? - Benutzerfreundlichkeit - Gibt es ein graphisches Benutzungsinterface (z. B. X-Windows, Motif, Windows-Oberfläche, Web-Browser)? - Wie einfach ist die Navigation? - Wird die lokale Sprache oder auch mehrere Sprachen (bei globalem Einsatz) unterstützt? - Lassen sich Programme einfach ausführen (auch auf entfernten Rechnern)? - Wie einfach läßt sich das Interface durch den Benutzer umgestalten? - Werden Ausnahmen und Alarmierungen geeignet angezeigt? - Ist das Monitoring, auch im Detailgrad, einstellbar? - Wird die Komplexität von Netzkomponenten geeignet "versteckt" (So daß der Benutzer nicht ein Experte für die jeweilige Komponente, die verwaltet werden soll, sein muß)? - Können alle Funktionen über das gleiche Benutzungsinterface erreicht werden? - Sind Onlinehilfen und Anleitungen vorhanden? - Ergonomie beim Management komplexer Systeme - Werden verschiedene Netzprotokolle, Betriebssysteme unterstützt? Netzkomponenten und - Wie geht die Plattform mit geographisch verteilten Systemen um und wie ist deren Repräsentation? - Wie einfach ist es, neue Komponenten zu integrieren oder aus dem System zu entfernen (Autodiscovery, manuell)? - Konformität zu Standards (je nach Umgebung kann die Konformität zu mindestens einem Standard erforderlich sein) - Plattformen _____________________________________________________________________ .......................................... 394 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.171 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - - Distributed Management Environment (DME) von der Open Software Foundation (OSF) - Spezifikation der Desktop Management Task Force (DMTF) - OMNIpoint Spezifikation des Network Management Forum (NMF) Datenbank - Welche DBMSe (Data Base Management Systeme) werden unterstützt? - Wird SQL als Anfragesprache unterstützt, für den Fall, daß die Managementsoftware eine eigene Datenbank enthält? - CORBA (Common Object Request Broker Architecture) der Object Management Group (OMG) - Application Program Interface (API), für den Fall, daß eigene Erweiterungen des Managementsystems notwendig sind (z. B. APIs für SNMP, XMP, DMI). Die hier angeführten Aspekte sind als Anhaltspunkte bei der Bewertung von Managementsystemen zu verstehen. Je nach lokalen Gegebenheiten sollten aufgrund der aktuellen Systemsituation (siehe M 2.168) und aufgrund der Managementstrategie (siehe M 2.169) Anforderungen an das Managementsystem formuliert werden, die als "K.O.-Kriterien" bei der Entscheidung herangezogen werden können. Die obigen Kriterien sollten immer eine Gewichtung erfahren, die die lokalen Präferenzen wiedergeben. Die Anforderungen an das Managementsystem und die Leistungen des ausgewählten Managementsystems sind in der Regel nicht vollständig in Einklang zu bringen. Dies macht es notwendig, die erstellte Managementstrategie nach Auswahl des konkreten Produktes an dessen Funktionsumfang anzupassen. _____________________________________________________________________ .......................................... 395 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.172 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.172 Entwicklung eines Konzeptes für die WWWNutzung Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, heitsmanagement IT-Sicher- Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Administrator Vor der Nutzung von WWW-Diensten ist zunächst in einem Konzept darzustellen, welche Dienste genutzt und welche angeboten werden sollen. Hierbei ist die Absicherung eines WWW-Servers ebenso zu betrachten wie die der WWW-Clients und der Kommunikationsverbindungen zwischen diesen. WWW-Server können als reine interne Informationsdatenbank eingesetzt werden, als Mittelpunkt eines Intranets, oder als externer WWW-Server, der verschiedene Dienste anbietet. Je nach Art der geplanten Ausgestaltung unterscheiden sich auch die Sicherheitsanforderungen, die an den WWWServer gestellt werden müssen. In einer kleinen Organisation, in der ein WWW-Server als Intranet-Server ohne kritische Anwendungen betrieben wird, sehen die Anforderungen ganz anders aus als für einen WWW-Server, der ans Internet angeschlossen werden soll und vielleicht sogar Daten enthält, die nicht jeder abrufen können soll. Wenn sowohl im Intranet als auch im Internet WWW-Dienste angeboten werden sollen, empfiehlt es sich, hierfür zwei getrennte Systeme einzusetzen: einen Intranet-WWW-Server und einen Internet-WWW-Server. Wenn der Internet-WWW-Server mit dem internen Netz verbunden werden soll, muß der Übergang zum internen Netz durch eine Firewall geschützt werden. Was bei der Anordnung von Informationsservern zu beachten ist, ist auch in M 2.77 Sichere Anordnung weiterer Komponenten beschrieben. Der Anschluß ans Internet darf erst dann erfolgen, wenn überprüft worden ist, daß mit dem gewählten WWW-Konzept sowie den personellen und organisatorischen Randbedingungen alle Risiken beherrscht werden können. Ein WWW-Server für die Präsenz einer Organisation im Internet muß nicht von dieser selbst betrieben werden. Wenn die Betriebskosten oder der Administrationsaufwand zu hoch oder die Restrisiken zu unkalkulierbar erscheinen, können auch die entsprechenden Angebote von Internet Service Providern oder anderen Dienstleistern in Anspruch genommen werden, einen WWW-Server durch diese betreiben zu lassen. _____________________________________________________________________ .......................................... 396 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.173 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.173 Festlegung einer WWW-Sicherheitsstrategie Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Administrator WWW-Server sind für einen Hacker sehr attraktive Ziele, da einem erfolgreichen Angriff oft sehr große Publizität zuteil wird. Daher muß der Absicherung eines WWW-Servers ein hoher Stellenwert eingeräumt werden. Vor dem Einrichten eines WWW-Servers sollte in einer WWW-Sicherheitsstrategie beschrieben werden, welche Sicherheitsmaßnahmen in welchem Umfang umzusetzen sind. Anhand der in der WWW-Sicherheitsstrategie festgelegten Anforderungen kann dann regelmäßig überprüft werden, ob die getroffenen Maßnahmen ausreichend sind. In der WWW-Sicherheitsstrategie muß neben einer Sicherheitsstrategie für den Betrieb eines WWW-Servers auch eine Sicherheitsstrategie für die WWW-Nutzung enthalten sein. WWW-Sicherheitsstrategie für den Betrieb eines WWW-Servers In der Sicherheitsstrategie für den Betrieb eines WWW-Servers sollten die folgenden Fragen beantwortet werden: - Wer darf welche Informationen einstellen? - Welche Randbedingungen sind beim Betrieb eines WWW-Servers zu beachten? - Wie werden die Verantwortlichen geschult, insbesondere hinsichtlich möglicher Gefährdungen und einzuhaltender Sicherheitsmaßnahmen? - Welche Dateien dürfen aufgrund ihres Inhaltes nicht auf dem WWWServer eingestellt werden (z. B. weil die Inhalte vertraulich sind, nicht zur Veröffentlichung geeignet sind oder nicht der Firmen- bzw. Behördenpolitik entsprechen)? - Welche Zugriffsbeschränkungen auf den WWW-Server sollen realisiert werden (siehe auch M 2.175 Aufbau eines WWW-Servers)? Teil einer Sicherheitsstrategie muß auch die regelmäßige Informationsbeschaffung über potentielle Sicherheitslücken sein, um rechtzeitig Vorsorge dagegen treffen zu können. Neben den in M 2.35 Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems angesprochenen Informationsquellen ist für Sicherheitshinweise zur WWW-Nutzung besonderes die "World Wide Web Security FAQ" eine wertvolle Quelle. Die Master-Kopie dieses Dokumentes ist unter http://www.w3.org/Security/Faq/ zu finden. WWW-Sicherheitsstrategie für die WWW-Nutzung In der Sicherheitsstrategie für die WWW-Nutzung sollten die folgenden Fragen beantwortet werden: - Wer erhält WWW-Zugang? - Welche Randbedingungen sind bei der WWW-Nutzung zu beachten? _____________________________________________________________________ .......................................... 397 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.173 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Wie werden die Benutzer geschult? - Wie wird technische Hilfestellung für die Benutzer gewährleistet? Durch organisatorische Regelungen oder durch die technische Umsetzung sind dabei insbesondere die folgenden Punkte zu gewährleisten: - Die Browser der Benutzer müssen durch den Administrator so vorkonfiguriert sein, daß ohne weiteres Zutun der Benutzer maximale Sicherheit erreicht werden kann (siehe auch M 5.45 Sicherheit von WWW-Browsern). - Dateien, deren Inhalt Anstoß erregen könnte, dürfen weder auf WWWServern eingestellt noch nachgefragt werden. Es muß festgelegt werden, welche Inhalte als anstößig gelten. - Nach dem Download von Dateien sind diese explizit auf Computer-Viren zu überprüfen. Alle Regelungen und Bedienungshinweise zur WWW-Nutzung sind schriftlich zu fixieren und sollten den Mitarbeitern jederzeit zur Verfügung stehen. Ein entsprechendes Muster findet sich auf der CD-ROM zum IT-Grundschutzhandbuch im Verzeichnis Hilfsmittel Die Benutzer müssen vor der WWW-Nutzung geschult werden, sowohl in der Nutzung ihrer WWW-Browser als auch des Internets, um Fehlbedienungen zu vermeiden und die Einhaltung der organisationsinternen Richtlinien zu gewährleisten. Insbesondere müssen sie hinsichtlich möglicher Gefährdungen und einzuhaltender Sicherheitsmaßnahmen sensibilisiert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Existiert eine Sicherheitsstrategie für den Betrieb eines WWW-Servers? - Existiert eine Sicherheitsstrategie für die Nutzung von WWW-Diensten? - Sind die getroffenen Regelungen ausreichend? _____________________________________________________________________ .......................................... 398 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.174 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.174 Sicherer Betrieb eines WWW-Servers Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator WWW-Server sind attraktive Ziele für Angreifer und müssen daher sehr sorgfältig konfiguriert werden, damit sie sicher betrieben werden können. Das Betriebssystem und die Software müssen so konfiguriert sein, daß der Rechner optimal gegen Angriffe geschützt wird. Solange der Rechner nicht entsprechend konfiguriert ist, darf er nicht ans Netz genommen werden. Daher sollte ein WWW-Server, der Informationen im Internet anbietet, entsprechend den folgenden Vorgaben installiert werden: - Auf einem WWW-Server sollte nur ein Minimum an Programmen vorhanden sein, d. h. das Betriebssystem sollte auf die unbedingt erforderlichen Funktionalitäten reduziert werden und auch sonst sollten sich nur unbedingt benötigte Programme auf dem WWW-Server befinden (siehe M 4.95 Minimales Betriebssystem). - Ein WWW-Server sollte insbesondere keine unnötigen Netzdienste enthalten, verschiedene Dienste gehören auf verschiedene Rechner (siehe M 4.97 Ein Dienst pro Server). - Der Zugriff auf Dateien oder Verzeichnisse muß geschützt werden (siehe M 4.94 Schutz der WWW-Dateien). - Die Kommunikation mit dem WWW-Server sollte durch einen Paketfilter auf ein Minimum beschränkt werden (siehe M 4.98). - Die Administration des WWW-Servers sollte nur über eine sichere Verbindung erfolgen, d. h. die Administration sollte an der Konsole direkt, nach starker Authentisierung (bei Zugriff aus dem LAN) oder über eine verschlüsselte Verbindung (bei Zugriff aus dem Internet) erfolgen. - Weiterhin sollte der WWW-Server vor dem Internet durch einen FirewallProxy oder aber zumindest durch einen Paketfilter (siehe M 4.98) abgesichert werden. Er darf sich nicht zwischen Firewall und internem Netz befinden, da ein Fehler auf dem WWW-Server sonst Zugriffe auf interne Daten ermöglichen könnte. Je nach Art des WWW-Servers bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten zum Schutz an. Allen diesen Möglichkeiten gemeinsam ist allerdings, daß der eigentliche Serverprozeß des WWW-Servers, nämlich der http-Daemon, nur mit eingeschränkten Rechten ausgestattet sein sollte. Er muß üblicherweise mit root-Privilegien gestartet werden, sollte aber nach dem Start so schnell wie möglich mit den Rechten eines weniger privilegierten neuen Benutzers weiterarbeiten. Hierfür sollte ein eigener Benutzeraccount wie wwwserver eingerichtet werden. Wichtig ist, daß dieser Benutzer keine Schreibrechte auf die Protokolldateien besitzt. Ein Angreifer könnte sonst durch Ausnutzung eines Fehlers diese mit den Rechten des HTTP-Servers manipulieren. Kann ein Angreifer nun eine Schwachstelle über den http-Daemon ausnutzen, so hat er trotzdem keinen Zugriff zum eigentlichen Betriebssystem. Der httpDaemon sollte, wenn möglich, auf einen Teil des Dateibaumes beschränkt _____________________________________________________________________ .......................................... 399 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.174 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... sein. Unter Unix ist das z. B. mit dem chroot-Programm möglich. Außerdem sollten die vom Hersteller mitgelieferten cgi-Programme vollständig entfernt werden, da in diesen Programmen in der Vergangenheit immer wieder Fehler aufgetaucht sind. Das Verzeichnis, in dem die abrufbaren Dateien gespeichert sind, sollte auf einer eigenen Partition einer Festplatte liegen, um eine leichtere Wiederherstellung nach einem Festplattenschaden zu ermöglichen. Außerdem sollten die Unterverzeichnisse und Dateien einem speziellen Benutzer gehören (zum Beispiel wwwadmin) und durch minimale Zugriffsrechte vor unbefugtem Zugriff geschützt werden. Bei der Konfiguration eines HTTP-Servers sollten einige Optionen berücksichtigt werden, die sicherheitsrelevante Eigenschaften besitzen. Dies sind zum Beispiel: - Verzeichnisinhalt auflisten Diese Option sollte deaktiviert werden. Wenn der komplette Inhalt eines Verzeichnisses nach außen weitergegeben wird, werden dabei häufig zu viele Informationen weitergegeben. Dies ist insbesondere dann gefährlich, wenn sich in diesem Verzeichnis Dateien befinden, deren Vorhandensein nicht extern bekannt werden soll, also zum Beispiel Paßwort-Dateien oder nicht allgemein zugreifbare Dateien. Um Verzeichnisinhalte extern bekanntzugeben, sollten hierzu besser Index-Dateien verwendet werden. - Verwendung von symbolischen Links Diese Option sollte deaktiviert werden, da über symbolische Links auf Dateien außerhalb des freigegebenen Webverzeichnisses zugegriffen werden kann. Bei der Konfiguration des Servers wird als "DocumentRoot" der Bereich festgelegt, auf den der Server zugreifen darf, um Dateien via HTTP weiterzugeben. Dateien außerhalb des DocumentRoot und des cgibin-Verzeichnisses werden nicht weitergegeben, auch wenn der HTTPDaemon Leserechte besitzt. Will man dasselbe Dokument über verschiedene URLs zugänglich machen, ist der Weg über ein Redirect in der .htaccess-Datei empfehlenswerter. - anonyme Nutzung des Servers Auch wenn auf einem WWW-Server ein benutzerdefinierter Zugriffsschutz eingerichtet ist, soll häufig auch neuen, noch unbekannten Benutzern Zugang gewährt werden, also zum Beispiel neuen Kunden. Hierfür kann ein anonymer Zugang vorgesehen werden. Dabei kann sich ein Benutzer entweder gar nicht oder mit seiner E-Mail-Adresse als Paßwort anmelden. Ist dies allerdings falsch konfiguriert, kann dadurch das Gesamtangebot des Servers frei verfügbar sein. Deshalb ist diese Option mit besonderer Vorsicht einzusetzen. Folgende Checkliste wird empfohlen: 1. Sind nur die benötigten Komponenten installiert? Empfehlenswert ist das eigene Kompilieren des http-Daemons, wobei nicht benötigte Funktionen erst gar nicht kompiliert werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 400 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.174 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... 2. Ist der http-Daemon so restriktiv wie möglich konfiguriert? Es sollten also entweder cgi-Programme ganz gesperrt werden oder aber die cgiProgramme auf ein eigenes Verzeichnis beschränkt sein. Der Dateizugriff des http-Daemon sollte auf einen Teil des Verzeichnisbaums eingeschränkt sein. Für Administration und Betrieb des Servers sollten eigene unprivilegierte Benutzerrechte verwendet werden. 3. Sind alle überflüssigen cgi-Programme und WWW-Seiten gelöscht? 4. Ist der HTTP-Port (üblicherweise Port 80) der einzige auf dem Rechner zugängliche Port (siehe M 4.97 Ein Dienst pro Server)? 5. Ist eine angemessene regelmäßige Sicherung des Datenbestandes gewährleistet (siehe Kapitel 3.4 Datensicherungskonzept)? 6. Falls cgi-Programme genutzt werden, sind diese ausreichend sicher programmiert? Es dürfen keine Eingabewerte ungeprüft übernommen werden. Es muß sichergestellt sein, daß Buffer-Overflows und RaceConditions ausgeschlossen sind. In allen Perl-Skripten sollte der TaintCheck aktiviert sein. 7. Gibt es eine funktionierende Routine für einen Integritätscheck (z. B. Tripwire, siehe M 4.93 Integritätsprüfung)? Beispiel: regelmäßigen Regelmäßige Aufbau eines einfachen WWW-Servers Bei einem solchen WWW-Server ändern sich die Inhalte einzelner Seiten nur selten, es werden keine cgi-Programme verwendet und es gibt keinen besonderen Zugriffsschutz. Die einzelnen WWW-Dokumente werden über einen Datenträger auf den WWW-Server eingespielt. Bei einem solchen Server können alle Systemdateien und auch alle HTML-Seiten mit einem Schreibschutz versehen werden. Ein Angreifer kann bei einem solchen Aufbau zwar noch temporäre Dateien und Protokolleinträge abändern, das System selber aber nicht mehr. Ein solcher Zugriffsschutz sollte durch ein physikalisch schreibgeschütztes Medium realisiert werden, z. B. eine oder mehrere CD-ROMs oder eine schreibgeschützte Wechselplatte. Zumindest aber sollten regelmäßige Integritätsprüfungen (siehe M 4.93) durchgeführt werden. In dem http-Daemon sollten die nicht benötigten Funktionalitäten abgeschaltet werden, wie z. B. die Möglichkeit zum Ausführen von cgi-Skripten. Auf jeden Fall sollten mitgelieferte cgi-Programme entfernt werden. Bei einer häufig vorkommenden Variante eines einfachen Webservers können die Dokumente mit entsprechenden Berechtigungen auf dem WWW-Server interaktiv abgeändert werden. In diesem Fall ist der Schutz vor unbefugten Veränderungen und eine regelmäßige Integritätsprüfung in kurzen Intervallen besonders wichtig. _____________________________________________________________________ .......................................... 401 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.175 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.175 Aufbau eines WWW-Servers Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Administrator Inbetriebnahme eines WWW-Servers Um einen WWW-Server aufbauen zu können, muß neben adäquater Hardware auch entsprechende Software beschafft werden. Dafür stehen eine Vielzahl von Produkten zur Verfügung. Bei der Auswahl ist neben der Stabilität insbesondere Wert auf die Sicherheitsmechanismen zu legen (zur Beschaffung und Installation siehe auch Kapitel 9.1 Standardsoftware). Organisationsstruktur anpassen Es muß überlegt werden, welche Informationen im Internet bzw. in einem Intranet zur Verfügung gestellt werden sollen. Weiterhin ist zu klären, wie und wo Dokumente erstellt werden, wer welche Dokumente erzeugt, welche Dokumente wo zum Einsatz kommen und wer diese Dokumente benötigt. Auf Basis dieser Erkenntnisse sollten dann Richtlinien für ein einheitliches Erscheinungsbild von Dokumenten, Dateinamen und Verzeichnisnamen aufgestellt und nach Möglichkeit standardisierte Entwicklungswerkzeuge bestimmt werden. Verantwortliche benennen Beim Betrieb eines WWW-Servers, egal ob intern oder extern, sollte nicht jeder Benutzer beliebig Dateien einstellen können. Es sollte daher ein Verantwortlicher für das Einstellen von Informationen benannt werden, der neue Dateien auch auf die Einhaltung der Richtlinien überprüft. Je nach Größe der Organisation können auch weitere Teil-Verantwortliche für einzelne Organisationseinheiten oder Teilbereiche des WWW-Servers benannt werden. Entsprechend der hier gewählten Organisationsstruktur ist auch die Rechtevergabe und die Verzeichnisstruktur auf dem WWW-Server festzulegen. Insbesondere sollte jeder Teil-Verantwortliche nur Zugriff auf die von ihm betreuten Unterverzeichnisse haben. Um sicherzustellen, daß die angelegten Dateien und Verzeichnisse immer den jeweiligen Richtlinien genügen, sollte deren Einhaltung automatisiert überprüft werden, z. B. über geeignete Skripten oder Makros. Ein entsprechend vorbereitetes Programm sollte für alle zur Verfügung gestellt werden und nach jeder Änderung aufgerufen werden. Dabei sollte insbesondere überprüft werden, ob - die Zugriffsrechte aller Verzeichnisse korrekt gesetzt wurden, - die Zugriffsrechte aller Dateien korrekt gesetzt wurden und - die Zugriffsrechte aller CGI-Skripte (falls eingerichtet) korrekt gesetzt wurden. Eine Datei über die durchgeführten Änderungen sollte ebenfalls direkt erzeugt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 402 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.175 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Zugriffsbeschränkungen auf den WWW-Server Vor der Inbetriebnahme bzw. jeder Aktualisierung eines WWW-Servers muß festgelegt werden, wer Informationen vom WWW-Server abfragen darf. Es ist zu klären, ob nur Personen innerhalb der eigenen Organisation, zusätzlich Telearbeiter, oder auch jeder Externe oder nur ein eingeschränkter Kreis auf bereitgestellte Informationen zugreifen dürfen. Diese Einschränkungen können auch abhängig von den jeweiligen Informationen variieren. Wenn der Zugriff auf den WWW-Server nur einem begrenzten Personenkreis möglich sein soll, sind entsprechende Maßnahmen zu implementieren, wie z. B. in M 4.94 Schutz der WWW-Dateien beschrieben. Es muß außerdem geklärt werden, ob grundsätzlich nur Informationen abgerufen werden dürfen oder ob es auch für Benutzer möglich sein soll, selber neue Informationen einzustellen. Auch hier ist wieder festzulegen werden, welcher Personenkreis welche Rechte hat. Übersichtliche Strukturierung Da HTML-Dateien nicht hierarchisch angeordnet werden müssen, ist die Verzeichnisstruktur innerhalb eines WWW-Servers für die Funktionsweise irrelevant. Um die Wartung zu erleichtern, sollte allerdings auf eine übersichtliche Struktur geachtet werden. Da unter Umständen in anderen WWW-Servern Links auf ihre Dokumente angelegt werden, sind Änderungen an Dokument- und Verzeichnisnamen zu vermeiden. Die Verzeichnisstruktur muß deshalb erweiterungsfähig geplant werden. Dokumente bereitstellen Sind die organisatorischen Hürden einmal überwunden, kann damit begonnen werden, die Informationen im Netz bereitzustellen. Ein Internet-WWW-Server ist eine Form der Außendarstellung einer Organisation, entsprechend sorgfältig sollte daher die Internet-Präsenz vorbereitet werden. Es empfiehlt sich, mit einem Intranet-WWW-Server erste Erfahrungen zu sammeln, bevor ein WWW-Server an das Internet angebunden wird. Hier sollte mit wenigen, einfachen Anwendungen begonnen werden. Informationen können als HTML-Dateien bereitgestellt oder in HTMLDateien integriert werden, so daß die Informationen direkt beim Zugriff mit einem Browser gelesen werden können. Sie können aber auch als Dateien in beliebigen anderen Formaten zum Download bereitgestellt werden. In diesem Fall müssen sie zunächst auf dem IT-System des Benutzers gespeichert werden, bevor sie weiterverarbeitet werden können. Alle für die Veröffentlichung im Internet vorgesehenen HTML-Dokumente und WWW-Dateien sollten vor der Veröffentlichung genauso qualitätsgesichert und inhaltlich genehmigt werden wie jede andere Veröffentlichung. HTML-Dokumente können mit speziellen HTML-Editoren erstellt oder in anderen Formaten erstellte Dokumente können mit HTML-Konvertern in HTML umgewandelt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 403 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.175 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Sollen viele, sich oft ändernde Dokumente zur Verfügung gestellt werden, empfiehlt es sich, den WWW-Server mit einer Dokumentendatenbank zu verbinden. Diese Lösung bietet dem Benutzer schnelle Such-, Ansichts- und Dokumentenverwaltungsmöglichkeit. Nützlich ist es auch, wenn mit Hilfe einer Datenbankanbindung der Zugriff auf bereits vorhandene Firmendaten ermöglicht wird. Vor dem Einstellen neuer Dateien auf einem WWW-Server sind diese auf eventuell noch enthaltene Restinformationen zu überprüfen (siehe M 4.64 Verifizieren der zu übertragenden Daten vor Weitergabe / Beseitigung von Restinformationen). Konfigurationsmanagement Da sich die Inhalte von WWW-Seiten erfahrungsgemäß häufig ändern, ist es wichtig, ein funktionierendes Konfigurationsmanagement aufgebaut zu haben. Die Aktualität von Links und Verweisen ist zu überprüfen, ebenso wie vor Veröffentlichung eine Virenkontrolle mit einem aktuellen ComputerVirensuchprogramm durchzuführen ist. Es ist ebenso wichtig, daß alle Veröffentlichungen ein festgelegtes und nachvollziehbares Kontrollverfahren durchlaufen. Dies sollte eine inhaltliche Qualitätskontrolle ebenso umfassen wie eine formale Freigabe. Hier muß auch überprüft werden, ob die Informationen überhaupt für eine Veröffentlichung geeignet sind oder ob sie z. B. vertraulich sind, dem Datenschutz unterliegen, Copyright-geschützt sind o. ä. Informationen, die zur Veröffentlichung über elektronische Medien freigegeben worden sind, sollten digital signiert werden, um allen Lesern die Möglichkeit zu geben, die Authentizität der Informationen zu überprüfen. Veröffentlichungen, die nicht die Meinung der Organisation widerspiegeln, müssen als solche gekennzeichnet sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 404 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.176 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.176 Geeignete Auswahl eines Internet Service Providers Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Bei einem Provider, über den ein Benutzer an das Internet angeschlossen ist, fallen nicht nur Informationen über ein- und ausgehende E-Mail an, sondern auch über alle WWW-Seiten, die die Benutzer aufrufen. Außerdem laufen alle Daten, die zwischen dem Rechner des Benutzers und einem Server im Internet ausgetauscht werden, über die IT-Systeme des Providers. Bei der Auswahl eines Internet Service Providers sollte hinterfragt werden, - ob Ansprechpartner zu technischen Problemen rund um die Uhr zur Verfügung stehen und wie kompetent diese sind, - wie er auf den Ausfall einer oder mehrerer seiner IT-Systeme vorbereitet ist (Notfallplanung, Datensicherungskonzept), - welche Verfügbarkeit (maximale Ausfallzeit) er garantieren kann, - ob er regelmäßig überprüft, ob die Verbindungen zum Kunden noch stabil sind und im negativen Fall entsprechende Schritte unternimmt, - was er zur Absicherung seiner IT-Systeme und der seiner Kunden unternimmt. Man sollte sich vom Provider dokumentieren lassen, dass dessen IT-Systeme sicher betrieben werden, also z. B. die in M 2.174 Sicherer Betrieb eines WWW-Servers beschriebenen Anforderungen erfüllt sind. Alle relevanten Maßnahmen der Kapitel 6 zu vernetzten Systemen und der Kapitel 7 zu Datenübertragungseinrichtungen sollten umgesetzt sein. Bei jedem Provider sollte ein IT-Sicherheitskonzept und Sicherheitsrichtlinien selbstverständlich sein. Die Sicherheitsrichtlinien sollten für Externe einsehbar sein. Die Mitarbeiter des Providers sollten für IT-Sicherheitsaspekte sensibilisiert sein, auf die Einhaltung der Sicherheitsrichtlinie verpflichtet worden sein und regelmäßig geschult werden (nicht nur in Sicherheitsfragen). Sicherheitsrichtlinien des Providers vorlegen lassen Beim Provider sind Daten über die Benutzer für Abrechnungszwecke gespeichert (Name, Adresse, Benutzer-Kennung, Bankverbindung) ebenso wie Verbindungsdaten und für eine je nach Provider kürzere oder längere Zeitspanne auch die übertragenen Inhalte. Datenschutz Die Anwender sollten sich bei ihrem Provider erkundigen, welche Daten wie lange über sie gespeichert werden. Bei der Auswahl von Providern sollte berücksichtigt werden, dass deutsche Betreiber den einschlägigen datenschutzrechtlichen Regelungen für die Verarbeitung dieser Daten unterliegen. Ergänzende Kontrollfragen: - Nach welchen Kriterien ist der Provider ausgewählt worden? - Welche Sicherheitsmechanismen werden beim Provider umgesetzt? _____________________________________________________________________ .......................................... 405 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 2.177 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.177 Sicherheit bei Umzügen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Leiter Organisation, Leiter Haustechnik, Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Bei einem Umzug müssen neben Möbeln auch die verschiedensten Datenträger (z. B. Papier, Disketten, Magnetbänder) und IT-Systeme hin und her transportiert werden. Dabei verlassen Informationen, IT-Systeme und sonstiges Material den gesicherten Bereich der Büroumgebung und werden durch Personal transportiert, das normalerweise keine Zugriffsrechte hat. Bei einem Umzug, insbesondere wenn größere Teile der Organisation davon betroffen sind, ist ein gewisses Chaos nie auszuschließen und es kann auch nicht jede Umzugskiste permanent persönlich beaufsichtigt werden. Trotzdem ist dafür Sorge zu tragen, dass bei einem Umzug sensitive Daten weder verloren, beschädigt noch Unbefugten zugänglich werden. In die Umzugsplanung sollte möglichst frühzeitig das IT-Sicherheitsmanagement und der Datenschutzbeauftragte einbezogen werden, um die aus Sicht der IT-Sicherheit festzulegenden Rahmenbedingungen festzulegen: - Bei der Planung eines Umzuges muss im Vorfeld detailliert festgelegt werden, wer mit welchem Transportgut wann wohin umzieht. Dies sollte ohnehin eine Selbstverständlichkeit sein, damit die Arbeit nach dem Umzug möglichst reibungslos wieder aufgenommen werden kann. - In Abhängigkeit vom Schutzbedarf der Daten muss festgelegt werden, welche Randbedingungen für den Transport einzuhalten sind. Beispielsweise sollten für sensiblere Daten verschließbare Transportbehälter (siehe M 2.44 Sichere Verpackung der Datenträger) benutzt werden oder die Datenträger vor dem Transport verschlüsselt werden. - Vor jedem Transport von IT-Systemen sollten Datensicherungen angefertigt werden. Hierbei ist neben den in M 6.35 Festlegung der Verfahrensweise für die Datensicherung beschriebenen Modalitäten insbesondere zu beachten, dass die Datensicherungen auf keinen Fall zusammen mit den gesicherten IT-Systemen transportiert werden dürfen. Hierdurch wird sichergestellt, dass nicht alle Speichermedien gleichzeitig beschädigt werden oder abhanden kommen. - Es sollte ein Merkblatt für alle betroffenen Mitarbeiter ausgearbeitet werden, in dem alle durchzuführenden IT-Sicherheitsmaßnahmen genau beschrieben sind. Bei einem Umzug ist nicht nur der Transport eine kritische Phase, sondern auch der Zeitraum kurz vor bzw. danach. In dieser Phase kommen erfahrungsgemäß viele Sachen abhanden, da zu diesem Zeitpunkt die Standardsicherheitsverfahren wie z. B. die Zutrittskontrolle noch nicht greifen. Auch während des Umzugs sollten daher gewisse organisatorische Mindestanforderungen erfüllt sein: - Für alle zu transportierenden Materialen sollten Transportpapiere ausgestellt werden, aus denen hervorgeht, _____________________________________________________________________ .......................................... 406 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.177 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - ob eine bestimmte Transportart zu beachten ist (z. B. zerbrechlich, Computerspezialtransport, etc.), - wohin sie gebracht werden sollen, - wer berechtigte Empfänger sind, - wer sie abgeholt bzw. angeliefert hat (inkl. Datum und Uhrzeit). - Das Transportgut selber muss so gekennzeichnet sein, dass es eindeutig identifiziert werden kann, so dass auch der Transportweg nachvollzogen werden kann. Die Kennzeichnung sollte jedoch keine Rückschlüsse auf die Sensitivität des Inhalts erlauben. Die Art der Kennzeichnung sollte so gewählt sein, dass sie nicht problemlos nachgemacht und werden kann. Hierfür könnten die Umzugsvorbereiter spezielle Etiketten zur Verfügung stellen. - Auch während eines Umzuges sollte kein ungeordnetes Kommen und Gehen herrschen. Die beauftragten Umzugsfirmen sollten die Personalien der vorgesehenen Mitarbeiter vorher bekannt geben. Bei plötzlichen Personalwechsel (Urlaub, Krankheit, etc.) sollten die Namen des Ersatzpersonals kurzfristig mitgeteilt werden. Mit einer Namensliste der am Umzug Beteiligten können dann die Pförtner oder andere interne Mitarbeiter je nach Liegenschaft und Gegebenheit sporadisch oder kontinuierlich kontrollieren. Die am Umzug beteiligten externen Kräfte sollten mit Ausweisen versehen werden, damit klar erkennbar ist, wer zutrittsberechtigt ist. - Das Transportgut, insbesondere die Datenträger sind vor und nach dem Umzug sicher aufzubewahren. Die Räume, in denen keine Umzugstätigkeiten stattfinden, in denen sich aber keine Mitarbeiter aufhalten, also z. B. die, die noch nicht ausgeräumt bzw. bereits eingeräumt wurden, sollten abgeschlossen werden. Nach erfolgtem Umzug sollte möglichst rasch ein geordneter Betrieb aufgenommen werden. Als Erstes ist die infrastrukturelle und organisatorische Sicherheit in den neuen Büros wiederherzustellen, also z. B. - sollte die Zutrittskontrolle wieder in vollem Umfang aufgenommen werden, - sollten die Brandlasten aus den Fluren entfernt werden, d. h. die Umzugskartons in die neuen Arbeitsräume geschafft werden, - ist das angelieferte Umzugsgut darauf zu überprüfen, ob es vollständig und voll funktionsfähig ist und nicht manipuliert wurde. Besondere Sorgfalt sollte auf die Umzugsplanung für alle Server und Netzkoppelelemente verwendet werden, da auch bei Ausfall nur einer Komponente unter Umständen das ganze Netz nicht betriebsfähig ist. Vor einem Umzug sollten daher auf Seiten der zentralen IT-Administration verschiedene Vorkehrungen getroffen werden, um den reibungslosen Arbeitsablauf sicherzustellen: - Vor Beginn der Umzugsphase sollte frühzeitig ein Plan für die erforderlichen Änderungen der Benutzeranbindung erstellt werden. Hierbei sollte _____________________________________________________________________ .......................................... 407 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.177 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... besonders analysiert werden, ob neue Beschaffungen für den reibungslosen Wechsel der Rechneranbindung von Mitarbeitern erforderlich sind. Auch aus Sicherheitsgründen ist es wichtig zu wissen, welche Änderungen sich durch den Umzug im Kommunikationsverhalten der IT-Systeme ergeben. Je nach dem Schutzbedarf der Arbeit von Mitarbeitern kann es beispielsweise erforderlich werden, eine Netzverbindung zu verschlüsseln oder den Zugriff auf bestimmte Datenbestände zu unterbinden. - Bevor ein Mitarbeiter umzieht, sollte sichergestellt sein, dass er in seinem neuen Büro über das lokale Netz erreichbar ist und seine Applikationen und Dienste betriebsbereit sind. Dies erfordert gegebenenfalls neben Änderungen am Endgerät (Routing, Softwarekonfiguration etc.) auch baldige Änderungen auf Serverseite im LAN oder gar auf Routern im WAN. Hier kann es erforderlich sein, neue Adressen oder Routen einzurichten und alte zu löschen. Möglicherweise müssen vorher neue Netzkomponenten beschafft und eingerichtet werden. - Bei einem Umzug ist es oft auch erforderlich, für die betroffenen Mitarbeiter Benutzer-Accounts auf einem neuen Server einzurichten. Es ist darauf zu achten, dass die erforderlichen Rechte und Zugriffe auf Applikationen und Protokolle eingerichtet werden. Auch die Sicherheitseinstellungen der Benutzerumgebung müssen seinem Sicherheitsprofil entsprechend gewahrt bleiben. Alte Benutzereinträge und Endgerät-Zugangseinträge müssen auf dem alten System angepasst oder gelöscht werden. Der Zugriff auf benutzereigene Datenbereiche sollte ihm dennoch für eine Übergangszeit, jedoch mit verbindlichem Hinweis auf Löschung nach einer Karenzzeit, gewährt bleiben. Nach dieser Karenzzeit muss die Löschung durch den Administrator vollzogen werden. Besondere Vorkehrungen sind beim Umzug der Komponenten des Rechenzentrums, wie Daten- oder Kommunikationsservern, zu treffen. Im Folgenden werden Maßnahmen beschrieben, die möglichst kurze Ausfallzeiten der Komponenten gewährleisten sollen. - Wenn möglich, sollte ein neuer Server vorab installiert und in der neuen Räumlichkeit getestet werden. Ist dies nicht möglich, so sollte der alte Server so gut wie möglich vorkonfiguriert werden und erst zu einer Zeit, zu der wenig Zugriffe zu erwarten sind, nach ausreichender Vorankündigung umgestellt werden. Hierbei sollte die alte Konfiguration immer vorab gesichert sein. - Der Server sollte vor dem Umzug komplett gesichert werden. Wenn nicht bereits vorhanden, ist auch ein bootfähiges Sicherungsmedium zu erzeugen. Sensible Serverteile wie Festplatten sollten für den Ausfall des Originals als Image redundant vorgehalten sein und getrennt vom Server transportiert werden. Es ist darauf zu achten, dass die Datensicherung und das Image ebenso wie der Server beim Transport gesichert ist (z. B. Verschlüsselung, verschlossene Box, Bewachung). - Vor dem Umzug ist sicherzustellen, dass die Infrastruktur in den neuen Räumlichkeiten für den einwandfreien Serverbetrieb vorhanden und getestet sind. Hier ist neben dem Vorhandensein des Netzes (Strom, LAN, WAN) auch auf die richtige Reihenfolge des Umzuges der Komponenten _____________________________________________________________________ .......................................... 408 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.177 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... zu achten. Es ist beispielsweise wenig sinnvoll, zuerst den InternetWebserver umziehen zu lassen, wenn der Firewall mit seinem Kommunikationsrouter erst wesentlich später aufgebaut wird. - Vor dem Umzug sollte überprüft werden, ob unter den zu transportierenden IT-Komponenten solche sind, die besondere Umgebungsbedingungen während des Umzuges benötigen. Beispielsweise gibt es Controller für größere (und teurere!) IT-Systeme, die nicht nur in klimatisierten Räumen betrieben, sondern auch klimatisiert transportiert werden müssen. Weiterhin sollte sichergestellt sein, dass die neuen Telefonnummern bereits erreichbar sind, sobald die Mitarbeiter ihre neuen Büros bezogen haben. Bei einem Umzug innerhalb eines Ortes sollte versucht werden, die alten Telefonnummern zumindest übergangsweise zu behalten. Während des Umzugs sollte sowohl in der alten als auch in der neuen Liegenschaft die telefonische Erreichbarkeit gewährleistet sein, damit bei auftretenden Problemen Rückfragen jederzeit möglich sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind rechtzeitig vor einem geplanten Umzug Sicherheitsrichtlinien erarbeitet worden? - Sind alle Mitarbeiter über die vor, während und nach dem Umzug zu beachtenden IT-Sicherheitsmaßnahmen informiert worden? _____________________________________________________________________ .......................................... 409 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.178 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.178 Festlegung einer Sicherheitsleitlinie für die Faxnutzung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Vor der Installation, Konfiguration und Freigabe von Faxservern sollte zunächst eine Sicherheitsleitlinie für die Faxnutzung festgelegt werden. Folgende Punkte werden üblicherweise mit solch einer Sicherheitsleitlinie geregelt: 1. Einsatzkonzept Bevor ein Faxserver für die Nutzung freigegeben wird, muss zunächst festgelegt werden, in welcher Einsatzart das System betrieben werden soll. So ist z. B. denkbar, dass ein Faxserver nur dazu dient, Faxe über das LAN entgegenzunehmen und dann nach außen zu versenden. Ein Faxserver kann aber auch von außen eingehende Faxsendungen entgegennehmen. In diesem Fall muss festgelegt werden, wie die Eingangs-Faxsendungen an die Empfänger weitergeleitet werden. Die erste Möglichkeit besteht dabei in der Weiterleitung durch den Faxserver selbst, ggf. mit Anbindung an bereits bestehende E-Mail oder Workflow-Systeme. Eine andere Möglichkeit ist die manuelle Weiterleitung der Eingangs-Faxsendungen durch die Poststelle. Hier besteht einmal die Möglichkeit der Weiterleitung per E-Mail. Denkbar ist aber auch, dass die Poststelle eingehende Faxe ausdruckt und diese Ausdrucke an den Empfänger weiterleitet (siehe M 2.181 Auswahl eines geeigneten Faxservers). 2. Integration in den Geschäftsablauf Von der Betriebsart hängt auch ab, wie bei Benutzung eines Faxservers versandte oder empfangene Faxe in den Geschäftsablauf integriert werden. Sofern die Poststelle alle Faxeingänge ausdruckt und die Ausdrucke an den jeweiligen Empfänger weiterleitet, entspricht dies dem Ablauf, wie er auch bei herkömmlichen Faxgeräten üblich ist. Werden aber Faxe direkt aus einer Applikation vom Arbeitsplatzrechner des Benutzers versandt oder werden Faxeingänge direkt vom Faxserver an den Empfänger übermittelt, unterscheiden sich diese Verfahren erheblich von denen bei der Benutzung herkömmlicher Faxgeräte. Daher sollte in diesem Fall in der Richtlinie für die Faxnutzung festgelegt werden, von welchen Faxeingängen und Faxausgängen Ausdrucke für die Akten gefertigt werden müssen. 3. Regelungen zum Faxserver-Einsatz Um den sicheren Betrieb und Einsatz eines Faxservers sicherstellen zu können, müssen eine Reihe von Regelungen getroffen werden (siehe M 2.179 Regelungen für den Faxserver-Einsatz). 4. Inhaltliche Restriktionen Weiterhin sollte in der Fax-Sicherheitsleitlinie festgelegt werden, welche Informationen überhaupt per Fax weitergegeben werden dürfen. Es kann in der Fax-Sicherheitsleitlinie zudem festgelegt werden, welche Kommunikationspartner welche Informationen erhalten dürfen. Damit wird erreicht, dass der Empfänger auch die notwendigen Berechtigungen zum Weiterver- _____________________________________________________________________ .......................................... 410 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.178 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... arbeiten der Information besitzt. Beispielsweise kann festgelegt werden, dass Preislisten nur an Einkäufer oder Projektunterlagen nur an Projektbeteiligte per Fax versendet werden dürfen. 5. Notfallvorsorge und Ausfallsicherheit Außerdem sollten in der Faxsicherheitsleitlinie Aussagen zur Notfallvorsorge und zur Ausfallsicherheit des Faxbetriebes enthalten sein. Abhängig von den Anforderungen an den Wert Verfügbarkeit ist ggf. der Einsatz redundanter Faxserver sinnvoll. In diesen Bereich fallen auch Überlegungen, ob für den Notfall noch herkömmliche Faxgeräte verfügbar gehalten werden (siehe auch M 6.69 Notfallvorsorge und Ausfallsicherheit bei Faxservern). 6. Datensicherung Der Faxserver sollte in das Datensicherungskonzept der Organisation aufgenommen werden (siehe Kapitel 3.4). Insbesondere ist dabei festzulegen, wer für die Durchführung der Datensicherungen zuständig ist und was zu sichern ist. Gegenstand der Datensicherung können dabei die Software, Konfigurationsdaten, gespeicherte bzw. archivierte Faxdaten oder auch Protokolldateien sein. Außerdem sind Festlegungen hinsichtlich des Sicherungsintervalls und der Anzahl der aufzubewahrenden Generationen notwendig. Es muss festgelegt werden, wer für die Überprüfung der bei der Datensicherung anfallenden Protokolle zuständig ist. Schließlich sollten sowohl die Durchführung der Datensicherung als auch die Auswertung der Protokolle dokumentiert werden. 7. Schulung Die Faxsicherheitsleitlinie sollte zudem um ein organisationsweites Schulungskonzept ergänzt werden. Zunächst ist das Personal, das das ITSystem und die Faxserver-Applikation administriert, entsprechend zu schulen. Dann sollten die Benutzer für die Gefährdungen sensibilisiert werden, die durch einen Faxserver im Vergleich zu einem herkömmlichen Faxsystem entstehen. Ergänzende Kontrollfragen: - Existiert eine Sicherheitsleitlinie für die Faxnutzung? - Wird die Sicherheitsleitlinie für die Faxnutzung regelmäßig an das Einsatzumfeld angepasst? _____________________________________________________________________ .......................................... 411 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.179 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.179 Regelungen für den Faxserver-Einsatz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator des Faxservers, Fax-Poststelle Um den reibungslosen Betrieb des oder der Faxserver zu gewährleisten, müssen folgende Punkte geregelt werden: 1. Festlegung von Zuständigkeiten Ein Faxserver besteht aus einem IT-System, dem darauf installierten Betriebssystem sowie der Faxserver-Applikation. Dazu kommen dann noch die Faxclients der Benutzer. Dementsprechend muss auch die Betreuung geregelt werden. Je nach der vorhandenen Organisationsstruktur müssen Verantwortliche für diese Bereiche benannt werden. Im Extremfall kann dies heißen, dass jeder dieser Bereiche von anderen Administratoren betreut wird. Die Administration des Betriebssystems kann z. B. durch die Organisationseinheit erfolgen, die auch für die Administration der sonstigen IT-Systeme zuständig ist. Die Administration der Faxapplikation sollte hingegegen durch die Fax-Poststelle erfolgen. Je nach Einsatzart ist diese Stelle auch dafür verantwortlich, dass eingehende Faxsendungen an den zuständigen Bearbeiter weitergeleitet werden. Diese Stelle sollte dann auch für die Vergabe von Berechtigungen auf dem Faxserver verantwortlich sein. Weitere Aufgaben sind z. B. die Rücksetzung von Passwörtern und die Einrichtung von neuen Benutzern. Von besonderer Bedeutung ist daher die Festlegung der Aufgaben und Zuständigkeiten der Fax-Poststelle (siehe M 2.180 Einrichten einer FaxPoststelle). 2. Festlegung des Benutzerkreises Außerdem sollte der Personenkreis festgelegt werden, der berechtigt ist, den Faxserver zu benutzen. Dabei sind u. a. folgende Berechtigungen für eingehende Faxsendungen denkbar: - lesen, - weiterleiten, - löschen. Für ausgehende Faxsendungen sind folgende Berechtigungen denkbar: - senden, - anhalten, - löschen, - Sendeoptionen verändern. Diese Berechtigungen sollten, wie in der Administration allgemein üblich, möglichst nur an Benutzergruppen und nur im Ausnahmefall an einzelne Benutzer vergeben werden (siehe auch M 2.30 Regelung für die Einrichtung von Benutzern / Benutzergruppen). _____________________________________________________________________ .......................................... 412 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.179 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... 3. Festlegung von Nutzungsprofilen Es sollte auch geregelt werden, in welchem Umfang berechtigte Benutzer den Faxserver in Anspruch nehmen dürfen. Dies ist insbesondere wichtig, um Überlastungen durch Serienfaxe zu verhindern. 4. Nutzungszeiten Außerdem sollte überlegt werden, ob die Nutzung von Faxservern nur zu bestimmten Zeiten zugelassen wird. So kann z. B. verhindert werden, dass außerhalb der Arbeitszeiten Faxe versendet werden können. 5. Einrichtung von Gruppen Sofern Faxeingänge automatisch an die Empfänger durch den Faxserver weitergeleitet werden, sollten für bestimmte Funktionen und Aufgaben eigene Faxnummern eingerichtet werden. Allen Mitgliedern einer Gruppe kann dann der Zugriff auf die für die entsprechende Rufnummer eingehenden Faxsendungen gewährt werden. Dies erleichtert auch etwaige Vertretungsregelungen. Beispiel: In einem Unternehmen wird ein Faxserver betrieben, der eingehende Faxsendungen automatisch an die Empfänger weiterleitet. Eine -Rufnummer wird die Bestellannahme vergeben. Der Faxserver leitet alle Faxsendungen mit Bestellungen, die über diese Rufnummer an das Unternehmen übermittelt werden, nicht an einen einzelnen Mitarbeiter, sondern an alle Mitglieder der Bestellannahme weiter. Dabei muss durch das Unternehmen festgelegt werden, in welcher Reihenfolge die Mitarbeiter Eingangsfaxsendungen bearbeiten, um Bestellungen nicht doppelt auszuführen. 6. Vertretungsregelung Gerade beim Einsatz von Faxservern, die Faxeingänge an einzelne Benutzer zustellen, ist eine Vertretungsregelung im Falle der Abwesenheit unumgänglich und daher eine entsprechende Verpflichtung in die Sicherheitspolitik aufzunehmen. Ansonsten kann nicht ausgeschlossen werden, dass wichtige Faxeingänge über einen längeren Zeitraum nicht zur Kenntnis genommen werden. Insoweit unterscheidet sich das Verfahren beim Einsatz von Faxservern erheblich von dem beim Einsatz herkömmlicher Faxgeräte. Bei letzteren werden Eingänge durch die Vertreter eher wahrgenommen, da die Faxe in Papierform vorliegen. 7. Protokollierung Es sollten Regelungen für den Umgang mit anfallenden Protokolldaten erarbeitet werden. So sollte festgelegt werden, wer welche Protokolldaten in welchen Abständen auswerten muss (siehe M 2.64 Kontrolle der Protokolldateien). 8. Adressbücher Auch sollte festgelegt werden, welche Adressbücher zum Einsatz kommen und wer die Pflege übernimmt. Viele Faxserver-Applikationen bieten die Möglichkeit, sowohl individuelle als auch unternehmensweit gültige Adressbücher anzulegen. Zudem ist es häufig auch möglich, die Adressbücher von Faxservern mit den Verteilerlisten/Adressbüchern bereits vorhandener _____________________________________________________________________ .......................................... 413 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.179 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... E-Mailsysteme zu synchronisieren. Während organisationsweit gültige Adressbücher zentral durch die Fax-Poststelle gepflegt werden sollten, muss dies bei den individuellen Adressbüchern durch die Benutzer selbst erfolgen. Die Benutzer sollten außerdem verpflichtet werden, bei wichtigen Faxsendungen (z. B. individuelle Angebote) die Empfängerrufnummer zu überprüfen. 9. Nutzung des Faxservers Außerdem müssen auch Regelungen für die Nutzung des Faxservers durch die Mitarbeiter erarbeitet werden (siehe M 3.15 Informationen für alle Mitarbeiter über die Faxnutzung). Schließlich ist festzulegen, welche Rechte die Mitarbeiter auf dem Faxserver ausüben dürfen. 10. Schutz der Faxclients Es muss durch geeignete organisatorische und technische Maßnahmen sichergestellt werden, dass keine Faxe unbefugt gelesen oder unbefugt bzw. unbeabsichtigt gesendet werden. Die Benutzer sind daher für die Benutzung der Fax-Programme zu schulen und hinsichtlich der auftretenden Risiken zu sensibilisieren. Von besonderer Bedeutung ist die Authentisierung der Mitarbeiter am Faxserver. Diese kann explizit über einen Faxclient oder aber auch mit der Anmeldung an einem Verzeichnisdienst, einem Domänen-Controller (bei Verwendung von Microsoft Windows NT) oder an einem E-Mail-System erfolgen. Sofern die Authentisierung zwischen Mitarbeiter und Faxserver über einen Client erfolgt, sollte möglichst darauf verzichtet werden, das AnmeldePasswort auf der Festplatte abzulegen, da dadurch dieser Sicherheitsmechanismus seinen Wert verliert. Jeder, der auf den entsprechenden Faxclient Zugriff hat, kann unter fremdem Namen Faxe versenden und unbefugt eingehende Faxsendungen lesen. Weiterhin sind die Mitarbeiter dazu anzuhalten, sich nach der Abholung eingegangener Faxsendungen und nach der Versendung von Ausgangsfaxen wieder am Faxserver abzumelden. Es ist darauf hinzuwirken, dass Mitarbeiter beim Verlassen des Arbeitsplatzes den Rechner schützen, z. B. durch die Benutzung eines Bildschirmschoners mit Passwort oder über Mechanismen des eingesetzten Betriebssystems (siehe M 4.1 Passwortschutz für PC und Server und M 4.2 Bildschirmsperre). 11. Reparatur und Wartung Es sollten auch Regelungen zur Durchführung von Reparatur- und Wartungsarbeiten des Faxservers festgelegt werden. Für die Administratoren des Systems muss klar sein, wer im Wartungs- und Reparaturfall zu benachrichtigen ist. Auch sollte geregelt werden, wie mit defekten Datenträgern, insbesondere defekten Festplatten umgegangen werden muss. _____________________________________________________________________ .......................................... 414 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.179 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Regelungen für den Faxserver-Einsatz regelmäßig an das Einsatzumfeld angepasst? - Sind Regelungen für die Weiterleitung von eingehenden Faxsendungen bei Abwesenheit des Empfängers in Kraft? - Sind Regelungen für die Schulung der Mitarbeiter über die Nutzung der Faxprogramme vorhanden? _____________________________________________________________________ .......................................... 415 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.180 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.180 Einrichten einer Fax-Poststelle Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um den reibungslosen Betrieb des oder der Faxserver zu gewährleisten, muss eine Fax-Poststelle eingerichtet und damit ein Fax-Verantwortlicher benannt werden. Die Fax-Poststelle hat dabei diverse organisatorische und technische Aufgaben wahrzunehmen, die auch von der Betriebsart des Faxservers abhängen. Da die Mitarbeiter der Fax-Poststelle im Regelfall Zugriff auf alle eingehenden und ausgehenden Faxsendungen haben, muss an die Auswahl des Personals ebenso hohe Anforderungen gestellt werden, wie dies bei Administratoren notwendig ist. sorgfältige Auswahl der Mitarbeiter Die Fax-Poststelle muss außerdem mit den Verantwortlichen für die sonstigen Kommunikationsdienste (insbesondere E-Mail und Telekommunikationsanlage) eng zusammenarbeiten. Die Fax-Poststelle sollte für alle Benutzer jederzeit erreichbar sein. Im Rahmen von Vertretungsregelungen ist sicherzustellen, dass die Fax-Poststelle ständig besetzt ist. ständige Erreichbarkeit Typische Aufgaben einer Faxserver-Poststelle sind: - Administration der Faxserver-Applikation. Dazu gehört: - Einrichtung neuer Benutzer, - Vergabe von Berechtigungen an Benutzer und Benutzergruppen, - Rücksetzen von Passwörtern, - Überprüfung der Kommunikationsverbindungen, - Auswertung der anfallenden Protokolle, - Anlaufstelle der Benutzer bei Problemen, - Pflege der zentralen Adressbücher und Verteilerlisten, - Durchführung von Datensicherungen, sofern dies nicht Aufgabe der Administration des Betriebssystems ist, - Faxzustellung und Archivierung, - Fehlerbehebung bei der Faxzustellung - Koordination der Zusammenarbeit mit TK-Anlagen- und E-Mail-Verantwortlichen. Schließlich sollte auch die Faxclient-Software auf den Arbeitsplatzrechnern betreut werden. Diese Aufgabe kann sowohl durch die Fax-Poststelle als auch durch die Organisationseinheit erfolgen, die die Arbeitsplatzrechner betreut. Betreuung der Faxclients Einer besonderen Betrachtung bedürfen noch die Aufgaben im Zusammenhang mit den Faxeingängen, da diese von der Betriebsart des Faxservers abhängig sind. Manuelle Weiterleitung von Eingangs-Faxsendungen Sofern Eingangs-Faxsendungen nicht automatisch an den Empfänger zugestellt werden, müssen diese durch die Fax-Poststelle manuell weitergeleitet werden. Dies kann z. B. in der Form erfolgen, dass durch die Fax-Poststelle von den Faxeingängen ein Ausdruck gefertigt wird, der dann an den _____________________________________________________________________ .......................................... 416 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.180 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Empfänger auf dem üblichen Weg weitergeleitet wird. Dieses Verfahren unterscheidet sich nicht wesentlich von dem beim Einsatz eines herkömmlichen Faxgerätes. Denkbar ist allerdings, dass eingegangene Faxsendungen digital auf externen Datenträgern archiviert werden. Automatische Weiterleitung von Eingangs-Faxsendungen Bei der automatischen Weiterleitung von Eingangs-Faxsendungen an den Empfänger (automatisches Fax-Routing) ist ebenfalls möglich, dass durch die Fax-Poststelle Ausdrucke zum Zwecke der Archivierung gefertigt werden. Auch hier besteht die Möglichkeit, eingehende Faxsendungen digital auf externen Datenträgern zu archivieren. Sofern Faxsendungen nicht zugestellt werden können, muss die Fax-Poststelle hiervon Kenntnis erlangen und versuchen, die Fehlerquelle zu beheben. Sofern die Zustellung endgültig scheitert, ist der Absender entsprechend zu informieren. Gründe dafür, dass Faxeingänge unzustellbar sind, können sein: Behandlung nicht zustellbarer Faxeingänge - Der Absender hat eine falsche Durchwahl benutzt - Der Empfänger ist nicht mehr Mitglied der Organisation. - Die automatische Weiterleitung von Eingangs-Faxsendungen erfolgt aufgrund der Absenderkennung (CSID) und der Absender ist in der Organisation noch nicht bekannt oder es existiert keine entsprechende Zuordnungsregel. In all diesen Fällen muss von der Fax-Poststelle die Weiterleitung von Faxeingängen manuell erfolgen. Sofern Faxeingänge endgültig nicht zugestellt werden können, muss der Absender benachrichtigt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer ist Fax-Verantwortlicher? - Wo laufen nicht zustellbare Faxsendungen auf? _____________________________________________________________________ .......................................... 417 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.181 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.181 Auswahl eines geeigneten Faxservers Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Ein Faxserver besteht im Regelfall aus folgenden Komponenten: Dem ITSystem selbst, dem Betriebssystem, der Kommunikationskomponente (z. B. Faxmodem, aktive oder passive ISDN-Karte bzw. dedizierte Faxkarte) und der eigentlichen Faxserver-Applikation. Zusätzlich wird u. U. für die Arbeitsplatzrechner ein entsprechender Faxclient benötigt. Bevor Faxserver beschafft werden, sind zunächst die wesentlichen Einflussfaktoren für deren Einsatz zu erheben. Dies sind: - Das voraussichtlich abzuwickelnde Faxvolumen, die Anzahl der Mitarbeiter, die den Faxserver benutzen sollen, die Anforderungen an die Verfügbarkeit des Faxservers, die Anforderungen an die Einbindung in bereits bestehende E-Mail- und Workflow-Systeme, - die Anforderungen an die Protokollierung auf dem Faxserver, - Anforderungen an die Art der Weiterleitung eingehender Faxsendungen an den Empfänger. IT-System Die Wahl des IT-Systems wird in der Regel durch die Anforderungen der Software und des Betriebssystems an die Leistungsfähigkeit bestimmt. Das IT-System muss zudem kompatibel zum ausgewählten Betriebssystem sein. Je nach Anforderungen an die Verfügbarkeit des Faxservers kann über den Einsatz zusätzlicher Schutzmechanismen nachgedacht werden. Möglichkeiten, die Verfügbarkeit sicherzustellen bzw. zu erhöhen, sind: - RAID - Replikation - Lastverteilung Betriebssystem Faxserver-Applikationen gibt es für alle gängigen Netzbetriebssysteme wie Unix, Microsoft Windows NT und Novell Netware. Bei der Wahl des Betriebssystems sollte die Integrationsmöglichkeit in das bestehende Netz und die Anforderungen durch die Faxserver-Applikation den Ausschlag geben. Sofern bisher in einer Organisation ausschließlich ein Netzbetriebssystem zum Einsatz kommt, also z. B. nur Server unter dem Betriebssystem Unix im Einsatz sind, so sollte auch möglichst dieses Netzbetriebssystem ausgewählt und eine geeignete Faxserver-Applikation beschafft werden. Hiervon wird man abweichen müssen, wenn eine bestimmte Applikationssoftware als Einzige ein dringend benötigtes Leistungsmerkmal anbietet, aber nur auf einer anderen als der bisher eingesetzten Betriebssystemplattform einsetzbar ist. Ein neues Netzbetriebssystem bedeutet einen erheblichen Mehraufwand bei der Administration. Sofern im Netz bereits verschiedene Netzbetriebssysteme im Einsatz sind, ist das zu wählen, das sich am einfachsten integrieren lässt, sofern die gewünschte Faxserver-Applikation dies zulässt. _____________________________________________________________________ .......................................... 418 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.181 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Kommunikationskomponente Die Kommunikationskomponenten stellen die Verbindung zwischen dem Server und dem öffentlichen Telefonnetz her. Die Kommunikation wird auf der Grundlage des T.30 Protokolls abgewickelt. Durch dieses Protokoll wird u. a. der Verbindungsaufbau, der Austausch der Absender-Faxnummer und die Übertragung und die Quittierung des Dokuments geregelt. Die Übertragung im Gruppe-3-Standard erfolgt hauptsächlich bei 9.600 bps und 14.400 bps. Außerdem sind die Kompressionsverfahren Modified Huffmann, Modified Read und Modified Modified im Einsatz. Der Gruppe-3-Standard ist am weitesten verbreitet. Daneben gibt es noch den Gruppe-4-Standard, der allerdings ISDN voraussetzt. Hier werden Übertragungsgeschwindigkeiten von 64 kBit pro Sekunde erreicht. Der Standard Gruppe 4 hat sich gleichwohl in den vergangenen Jahren nicht durchsetzen können, da entsprechende Standalone-Geräte relativ teuer sind. Es besteht außerdem keine Kompatibilität zwischen dem Gruppe-3- und dem Gruppe-4-Standard. Bei Beginn der Kommunikation wird zwischen den Geräten sowohl die Übertragungsgeschwindigkeit als auch das Kompressionsverfahren ausgehandelt. Es wird die höchste Geschwindigkeit und das bestmögliche Kompressionsverfahren gewählt, das von beiden Geräten unterstützt wird. Folgende Kommunikationskomponenten sind beim Einsatz eines Faxservers denkbar: a) Faxmodem Faxmodems sind recht preisgünstig verfügbar. Sie sind aber u. U. nicht ausreichend manipulationsresistent und werden zudem nicht von allen FaxserverApplikationen im Dauereinsatz unterstützt. Daher sollte ihr Einsatz auf den privaten Gebrauch und auf einzelne Arbeitsplätze beschränkt bleiben. b) passive ISDN-Karten Passive ISDN-Karten sind einfach aufgebaut und damit preiswert. Die Hauptlast der Kommunikation trägt der Rechner. Dies ist bei starker Inanspruchnahme des Faxservers (z. B. Serien-Faxsendungen) problematisch. Bei passiven ISDN-Karten ist - ein entsprechendes Gerät auf Empfängerseite vorausgesetzt - generell auch die Übertragung nach dem Gruppe-4-Standard möglich. Müssen Faxdaten nach dem Gruppe-3-Standard übertragen werden, so sind die Daten entsprechend zu konvertieren. Wie beim Faxmodem gilt auch hier, dass das Hauptanwendungsgebiet auf einen einzelnen Arbeitsplatz oder auf den privaten Bereich beschränkt bleiben sollte. c) aktive ISDN-Karten Aktive ISDN-Karten, auch ISDN-Controller genannt, verfügen über einen eigenen Prozessor. Sie können daher das ISDN-Protokoll weitestgehend eigenständig abwickeln. Gemäß der Spezifikation des Common-ISDN-API (CAPI) müssen die Faxdaten im Structured Fax File (SFF)-Format an die ISDN-Karte übergeben werden. Die Konvertierung muss auf dem Faxserver erfolgen. Genau wie Modems unterstützen aktive ISDN-Karten im Gruppe-3Standard nur die Übertragungsgeschwindigkeiten 9.600 und 14.400 bps unter Benutzung des Kompressionsverfahrens Modified Huffmann. Ein wesentlicher Nachteil sowohl von Faxmodems als auch von aktiven und passiven _____________________________________________________________________ .......................................... 419 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.181 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... ISDN-Karten ist, dass diese auch zu anderen Zwecken als der Faxübertragung benutzt werden können, z. B. im Modembetrieb oder als Remote-AccessKomponente. Dies ist aber bei einem Faxserver aus Gründen der Netzsicherheit gerade nicht erwünscht. Aktive ISDN-Karten können bis zu 30 ISDNKanäle zur Verfügung stellen. Beim Einsatz von aktiven ISDN-Karten sind auch die ISDN-Signalisierungsmöglichkeiten für das automatische FaxRouting verfügbar. Trotz der Verwendbarkeit für nicht-Fax-Betrieb sind aktive ISDN-Karten für den Einsatz in Faxservern durchaus empfehlenswert. d) Faxkarten (ggf. mit ISDN-Schnittstelle) Spezielle Faxkarten sind auf die Abwicklung des T.30-Protokolls optimiert. Sie übernehmen den Verbindungsaufbau und das "Aushandeln" der Kommunikationsparameter. Die Konvertierung der Daten und die Kompression können auf der Karte erfolgen. Der Faxserver wird damit deutlich entlastet. Es gibt Faxkarten, die die Übertragung von Faxdaten mit 9.600 und 14.400 bps und Anwendung aller drei Kompressionsverfahren bieten. Vorteil dieser Karten ist auch, dass sie im Regelfall nur das T.30-Protokoll beherrschen und daher nicht für den Modembetrieb oder als Remote-Access-Komponente einsetzbar sind. Teilweise werden Faxkarten um eine ISDN-Schnittstelle erweitert. Der Vorteil davon ist, dass die Signalisierungsmöglichkeiten von ISDN für das Fax-Routing nutzbar werden. Zusammenfassend folgt, dass in Faxservern im Regelfall nur aktive ISDNKarten und Faxkarten zum Einsatz kommen sollten. Die Karte muss kompatibel zur Applikationssoftware sein, da nicht jede Karte durch alle FaxserverApplikationen unterstützt wird. Die Anzahl der notwendigen Karten hängt von der Auslastung des Faxservers ab. Je Stunde und Leitung bzw. je Kanal ist die Übertragung von ca. 40-50 Seiten Faxdaten möglich. aktive ISDN-Karten oder Faxkarten verwenden Faxserver-Applikation Bei der Auswahl der Applikationssoftware ist sowohl das Faxvolumen, das über den Faxserver abgewickelt werden soll, als auch die Anzahl der Benutzer zu berücksichtigen. Ist in der Organisation bereits ein E-Mail- bzw. Workflow-System vorhanden, so sollte eine Integration der Applikationssoftware mit diesen Systemen möglich sein. Es ist dann z. B. denkbar, dass Faxeingänge und Fax-Ausgänge zwischen dem Arbeitsplatzrechner des Benutzers und dem Faxserver über das bereits bestehende Workflow- bzw. E-Mail-System ausgetauscht werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, ob und wie ggf. bestehende Adressbücher bzw. Verteilerlisten mit den Adressbüchern des Faxservers synchronisiert werden können. Außerdem sollte die Archivierung von einund ausgehenden Faxsendungen in bestehenden Workflow-Systemen möglich sein. Integration in ein E-Mailbzw. Workflow-System Auch ist in die Überlegungen mit einzubeziehen, wie Faxsendungen vom Arbeitsplatz des Benutzers zum Faxserver gelangen und wo eine Umwandlung der Daten in ein für den Faxserver kompatibles Datenformat erfolgt. Die Konvertierung der Faxdaten am Arbeitsplatz erfolgt beim Senden im Regelfall mittels eines Druckertreibers oder einer besonderen Faxclient-Applikation. Die konvertierten Daten können dann entweder über E-Mail oder auch mittels der Faxclient-Applikation an den Faxserver übermittelt werden. Denkbar ist Übertragung vom Arbeitsplatz zum Faxserver _____________________________________________________________________ .......................................... 420 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.181 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... auch, dass der Benutzer die konvertierten Daten in ein spezielles Verzeichnis auf dem Faxserver kopiert. Schließlich gibt es Faxserver, bei denen eine Druckerwarteschlange im Netz eingerichtet wird, in die die Faxdaten von der Anwendungssoftware, z. B. einem Textverarbeitungsprogramm, geschrieben werden. Außerdem ist es möglich, dass die Daten auf dem Faxserver komplett konvertiert werden. In diesem Fall erstellt der Benutzer mit einer entsprechenden Anwendungssoftware, z. B. einem Textverarbeitungsprogramm, die als Fax zu versendende Datei, die dann dem Faxserver übergeben werden muss. Dies kann mittels E-Mail, einer entsprechenden Faxclient-Applikation oder durch Kopieren in ein auf dem Faxserver freigegebenes Verzeichnis erfolgen. Zu bedenken ist, dass die Konvertierung der Faxdaten am Arbeitsplatz dort Ressourcen verbraucht. Dies kann in der Regel vernachlässigt werden, wenn nur wenige Faxe am Tag versendet werden. Gerade bei Serien-Faxsendungen kann es aber passieren, dass der Arbeitsplatzrechner für längere Zeit blockiert wird. Andererseits verlangt eine Konvertierung auf dem Faxserver bei hoher Inanspruchnahme entsprechend leistungsfähige Hard- und Software. Schließlich sollten bei der Auswahl geeigneter Applikationssoftware auch die Protokollierungmöglichkeiten am Faxserver mit berücksichtigt werden. Neben den Fehlerprotokollen sind auch die Sendeprotokolle von Interesse. Zunächst sollten den Benutzern durch den Faxserver die Sendeprotokolle zu den jeweiligen Faxsendungen zur Verfügung gestellt werden. Nur so können die Benutzer kurzfristig z. B. auf Verbindungsfehler reagieren. Weiterhin sollte die Möglichkeit bestehen, die anfallenden Gebühren mittels der Sendeprotokolle zu ermitteln und auf die entsprechenden Kostenstellen zu verteilen. Protokollierung am Faxserver Ein weiterer Einflussfaktor für die Auswahl der Applikationssoftware ist die Frage, wie Faxeingänge den Empfänger erreichen. Die digitale Weiterleitung von Faxeingängen über das Netz wird auch als Fax-Routing bezeichnet. Übertragung vom Faxserver zum Arbeitsplatz Die technisch am einfachsten zu realisierende Möglichkeit ist natürlich der Ansatz, Faxeingänge an zentraler Stelle (Fax-Poststelle) auszudrucken und den Ausdruck an den Empfänger weiterzuleiten. Der Vorteil dieser Lösung ist, dass die Faxeingänge für die Akten zentral ausgedruckt werden. Zudem können die eingehenden Faxsendungen sowohl digital als auch manuell archiviert werden. Außerdem sind bestehende Vertretungsregelungen problemlos zu übernehmen. Nachteilig an diesem Verfahren ist die u. U. daraus entstehende Arbeitsbelastung der Fax-Poststelle. Außerdem stehen die Faxdaten dann nicht in elektronischer Form an den Arbeitsplätzen zur Verfügung. Ausdruck auf Papier Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass von der Fax-Poststelle Faxeingänge per E-Mail an den Empfänger gesandt werden. Der Nachteil dieses Verfahrens besteht ebenfalls in der Arbeitsbelastung der Fax-Poststelle. Dabei wird nicht automatisch von jedem Eingangs-Fax ein Ausdruck gefertigt. Wenn ein solcher Ausdruck aus organisatorischen oder sonstigen Gründen gewünscht wird, müssen entsprechende Regelungen getroffen werden. manuelle Weiterleitung mittels E-Mail Für die automatische Weiterleitung von Eingangs-Faxsendungen an den Empfänger über das Netz gibt es folgende Möglichkeiten: automatische Weiterleitung _____________________________________________________________________ .......................................... 421 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.181 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... a) Linerouting Hier wird jeder Leitung ein fester Empfänger zugeordnet. Die Anzahl der direkt erreichbaren Empfänger ist auf die Anzahl der zur Verfügung stehenden Leitungen begrenzt. b) Auswertung der Absenderkennung Ein weiteres Verfahren stellt auf die übermittelte Absenderkennung eines Faxeingangs (CSID - Call Subscriber ID) ab. Hierbei wird auf dem Faxserver festgelegt, dass Faxeingänge bestimmter Absender jeweils an einen bestimmten Empfänger weitergeleitet werden. Der Nachteil dieses Verfahrens besteht darin, dass nur Faxeingänge bereits bekannter Absender automatisch weitergeleitet werden. Alle anderen Faxeingänge müssen manuell an die Empfänger weitergeleitet werden. Problematisch ist zudem, dass Absenderkennungen vom Absender frei gewählt werden können und daher u. U. nicht zuverlässig sind. c) Signalisierung mittels ISDN Sofern ISDN zum Einsatz kommt, gibt es weitere Möglichkeiten des automatischen Fax-Routings. Hierbei muss allerdings zwischen dem sogenannten Mehrgeräteanschluss und dem Anlagenanschluss unterschieden werden. Bei einem Mehrgeräteanschluss stehen 2 Leitungen und bis zu maximal 10 Rufnummern je Anschluss zur Verfügung. Die Rufnummern werden durch die jeweilige Telefongesellschaft vergeben. Sofern im Faxserver eine ISDNKarte oder eine Faxkarte mit ISDN-Schnittstelle vorhanden ist, kann anhand der durch den Sender benutzten Rufnummer der Empfänger bestimmt werden. Aufgrund der Begrenzung auf 10 Rufnummern ist es somit auch nur möglich, an maximal 10 Empfänger Faxeingänge automatisch zu verteilen. Beim ISDN-Anlagenanschluss ist zwischen dem öffentlichen Telefonnetz und dem organisationsinternen Telefonnetz eine Telekommunikationsanlage geschaltet. Auch bei dieser Anschlussart kann der Faxserver die durch den Sender benutzte Rufnummer erkennen und einen Faxeingang anhand dieser Nummer automatisch zum entsprechenden Empfänger routen. Die maximal mögliche Anzahl der Empfänger ist dabei deutlich höher. Die Realisierung erfolgt dadurch, dass jeder Mitarbeiter, der vom Faxserver Faxeingänge erhalten soll, eine zweite Durchwahlnummer erhält. Die Telefonanlage leitet Eingänge, die auf dieser zweiten Nummer erfolgen, direkt an den Faxserver weiter. Einziger Nachteil dieses Verfahrens ist, dass der Rufnummernpool einer Organisation stärker belastet wird. Die Telekommunikationsanlage muss also entsprechend leistungsfähig sein. d) Auswertung des Empfängers mittels optischer Zeichenerkennung Ein weiteres, aber wenig verbreitetes Verfahren zum automatischen Routing von Faxeingängen ist die optische Zeichenerkennung (OCR). Dabei wird versucht, im Faxeingang z. B. im Anschriftenfeld, Namen oder Nummern zu erkennen. Dieses Verfahren setzt leistungsfähige OCR-Software und entsprechende Rechenleistung sowie möglichst genormte Adressfelder bei Faxeingängen voraus. _____________________________________________________________________ .......................................... 422 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.181 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... e) weitere Verfahren Es gibt zwei weitere Verfahren zur automatischen Weiterleitung von Faxeingängen, das Dual Tone Multi Frequency Verfahren und das Direct Inward Dialing Verfahren. Da beide Verfahren in Deutschland nicht anwendbar sind, werden sie hier nur aus Gründen der Vollständigkeit erwähnt. Die automatische Weiterleitung von eingehenden Faxsendungen hat den Vorteil, dass das Personal der Fax-Poststelle entlastet wird. Zudem erreichen eingehende Faxsendungen den Empfänger schneller. Nachteilig ist insbesondere bei der Signalisierung mittels ISDN, dass der Rufnummernpool entsprechend belastet wird. Dafür ist die automatische Weiterleitung von EingangsFaxsendungen hiermit am besten zu realisieren. Bei einem hohen Aufkommen an eingehenden Faxsendungen sollte dieser Lösung der Vorzug gegeben werden. Sofern eingehende Faxsendungen nur für wenige Arbeitsplätze bzw. Gruppen bestimmt sind und überwiegend immer von den gleichen Absendern kommen, ist die Auswertung der Absenderkennung auch eine praktikable Lösung. Bei nur geringem Aufkommen an Eingangs-Faxsendungen kann die manuelle Verteilung eine sinnvolle Alternative darstellen. automatische Weiterleitung bei hohem Faxvolumen Ergänzende Kontrollfragen: - Werden bei der Auswahl des Faxservers Kompatibilitätsgesichtspunkte berücksichtigt? - Ist sichergestellt, dass das zu erwartende Fax-Volumen durch die ausgewählten Kommunikationskarten bewältigt werden kann? - Unterstützt die ausgewählte Faxserver-Applikation alle benötigten Leistungsmerkmale? _____________________________________________________________________ .......................................... 423 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 2.182 Maßnahmenkatalog Organisation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 2.182 Regelmäßige Kontrollen der ITSicherheitsmaßnahmen Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Im IT-Grundschutzhandbuch werden eine Vielzahl von Regelungen vorgestellt, die für die Erreichung der angestrebten IT-Sicherheit notwendig sind. Es ist aber nicht ausreichend, diese Regelungen bekannt zu geben, es muss auch regelmäßig deren Einhaltung kontrolliert werden. Regelmäßig heißt hierbei aber nicht, dass die Kontrollen an vorhersagbaren Terminen stattfinden, da angekündigte Kontrollen meist ein verzerrtes Bild des Untersuchungsgegenstands ergeben. unangekündigte Kontrollen Kontrollen sollten vor allen Dingen darauf ausgerichtet sein, Mängel abzustellen. Für die Akzeptanz von Kontrollen ist es wichtig, dass dies allen Beteiligten als Ziel der Kontrollen erkennbar ist und dass die Kontrollen nicht den Charakter von Schulmeisterei haben. Es ist daher sinnvoll, während einer Kontrolle mit den Beteiligten über mögliche Problemlösungen zu sprechen und entsprechende Abhilfen vorzubereiten. Wenn Mitarbeiter eine Regelung ignorieren oder umgehen, ist das meist ein Zeichen dafür, dass diese nicht mit den Arbeitsabläufen vereinbar ist oder durch die Mitarbeiter nicht umgesetzt werden kann. Beispielsweise ist eine Anweisung, vertrauliche Schreiben nicht unbeaufsichtigt am Drucker liegen zu lassen, unsinnig, wenn zum Drucken nur ein weit entfernter Netzdrucker zur Verfügung steht. Regelungen auf Arbeitsabläufe abstimmen Wenn bei Kontrollen Mängel festgestellt werden, kommt es nicht darauf an, nur die Symptome zu beseitigen. Vielmehr ist es wichtig, die Ursachen für diese Probleme festzustellen und Lösungen aufzuzeigen. Diese können beispielsweise in der Änderung bestehender Regelungen oder in der Hinzunahme technischer Maßnahmen bestehen. Ursachen der Sicherheitsdefizite beseitigen Kontrollen sollen helfen, Fehlerquellen abzustellen. Es ist für die Akzeptanz von Kontrollen extrem wichtig, dass dabei keine Personen bloßgestellt werden oder als ”Schuldige” identifiziert werden. Wenn die Mitarbeiter dies befürchten müssen, besteht die Gefahr, dass sie nicht offen über ihnen bekannte Schwachstellen und Sicherheitslücken berichten, sondern versuchen, bestehende Probleme zu vertuschen. Schuldzuweisungen vermeiden Ergänzende Kontrollfragen: - Werden alle Regelungen und IT-Sicherheitsmaßnahmen auf ihre Umsetzbarkeit untersucht? - Wie häufig werden die bestehenden Regelungen und IT-Sicherheitsmaßnahmen auf ihre Einhaltung kontrolliert? _____________________________________________________________________ .......................................... 424 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M3 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M3 Maßnahmenkatalog Personal M 3.1 Geregelte Einarbeitung/Einweisung neuer Mitarbeiter ..............1 M 3.2 Verpflichtung der Mitarbeiter auf Einhaltung einschlägiger Gesetze, Vorschriften und Regelungen................2 M 3.3 Vertretungsregelungen ...............................................................3 M 3.4 Schulung vor Programmnutzung................................................4 M 3.5 Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen.....................................5 M 3.6 Geregelte Verfahrensweise beim Ausscheiden von Mitarbeitern ...............................................................................8 M 3.7 Anlaufstelle bei persönlichen Problemen...................................9 M 3.8 Vermeidung von Störungen des Betriebsklimas ......................10 M 3.9 Ergonomischer Arbeitsplatz.....................................................11 M 3.10 Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters .................................................................................12 M 3.11 Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals ..........13 M 3.12 Information aller Mitarbeiter über mögliche TKWarnanzeigen, symbole und -töne..........................................14 M 3.13 Sensibilisierung der Mitarbeiter für mögliche TKGefährdungen...........................................................................15 M 3.14 Einweisung des Personals in den geregelten Ablauf eines Datenträgeraustausches...................................................16 M 3.15 Informationen für alle Mitarbeiter über die Faxnutzung .........17 M 3.16 Einweisung in die Bedienung des Anrufbeantworters .............18 M 3.17 Einweisung des Personals in die Modem-Benutzung ..............19 M 3.18 Verpflichtung der Benutzer zum Abmelden nach Aufgabenerfüllung ...................................................................20 M 3.19 Einweisung in den richtigen Einsatz der Sicherheitsfunktionen im Peer-to-Peer-Netz............................21 M 3.20 Einweisung in die Bedienung von Schutzschränken................23 M 3.21 Sicherheitstechnische Einweisung und Fortbildung des Telearbeiters.............................................................................24 M 3.22 Vertretungsregelung für Telearbeit ..........................................25 M 3.23 Einführung in kryptographische Grundbegriffe .......................26 _____________________________________________________________________ .......................................... i IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 3.1 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.1 Geregelte Einarbeitung/Einweisung neuer Mitarbeiter Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, Leiter Personal Verantwortlich für Umsetzung: Personalabteilung, Vorgesetzte Neuen Mitarbeitern müssen interne Regelungen, Gepflogenheiten und Verfahrensweisen im IT-Einsatz bekannt gegeben werden. Ohne eine entsprechende Einweisung kennen sie ihre Ansprechpartner bzgl. IT-Sicherheit nicht, sie wissen nicht, welche IT-Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen sind und welche IT-Sicherheitspolitik die Behörde bzw. das Unternehmen betreibt. Daraus können Störungen und Schäden für den IT-Einsatz erwachsen. Daher kommt der geregelten Einarbeitung neuer Mitarbeiter eine entsprechend hohe Bedeutung zu. Die Einarbeitung bzw. Einweisung sollte zumindest folgende Punkte umfassen: - Planung der notwendigen Schulungen; arbeitsplatzbezogene Schulungsmaßnahmen (s. auch M 3.4 Schulung vor Programmbenutzung und M 3.5 Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen ), - Vorstellung aller Ansprechpartner, insbesondere zu IT-Sicherheitsfragen, - Erläuterung der hausinternen Regelungen und Vorschriften zur IT-Sicherheit. Hilfreich zur Durchführung der Einarbeitung ist ein Laufzettel oder eine Checkliste, aus der die einzelnen Aktivitäten und der erreichte Stand der Einarbeitung ersichtlich sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie ist die Einarbeitung von neuem Personal im IT-Bereich geregelt? - Wieviel Einarbeitungszeit wird jedem neuen Mitarbeiter zur Verfügung gestellt? _____________________________________________________________________ .......................................... 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.2 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.2 Verpflichtung der Mitarbeiter auf Einhaltung einschlägiger Gesetze, Vorschriften und Regelungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Personal, Datenschutzbeauftragter, ITSicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Personalabteilung, Vorgesetzte Bei der Einstellung von Mitarbeitern sollen diese verpflichtet werden, einschlägige Gesetze (z. B. § 5 BDSG "Datengeheimnis"), Vorschriften und interne Regelungen einzuhalten. Damit sollen neue Mitarbeiter mit den bestehenden Vorschriften und Regelungen zur IT-Sicherheit bekannt gemacht und gleichzeitig zu deren Einhaltung motiviert werden. Dabei ist es sinnvoll, nicht nur die Verpflichtung durchzuführen, sondern auch die erforderlichen Exemplare der Vorschriften und Regelungen auszuhändigen und gegenzeichnen zu lassen bzw. für die Mitarbeiter an zentraler Stelle zur Einsichtnahme vorzuhalten. Ergänzende Kontrollfragen: - Auf welche Weise wird die Verpflichtung durchgeführt? - Wird die Verpflichtung schriftlich fixiert? - Erhält der neue Mitarbeiter die entsprechenden Unterlagen zur Einsicht oder zum Verbleib? - Ist den Mitarbeitern bekannt, welcher rechtliche Rahmen ihre Tätigkeit bestimmt? _____________________________________________________________________ .......................................... 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.3 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.3 Vertretungsregelungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Organisation, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Vorgesetzte Vertretungsregelungen haben den Sinn, für vorhersehbare (Urlaub, Dienstreise) und auch unvorhersehbare Fälle (Krankheit, Unfall, Kündigung) des Personenausfalls die Fortführung der Aufgabenwahrnehmung zu ermöglichen. Daher muß vor Eintritt eines solchen Falles geregelt sein, wer wen in welchen Angelegenheiten mit welchen Kompetenzen vertritt. Dies ist besonders im Bereich der Informationsverarbeitung von Bedeutung, da dafür meist Spezialwissen erforderlich ist und eine zeitgerechte Einarbeitung unkundiger Mitarbeiter für den Vertretungsfall nicht möglich ist. Für die Vertretungsregelungen sind folgende Randbedingungen einzuhalten: - Die Übernahme von Aufgaben im Vertretungsfall setzt voraus, daß der Verfahrens- oder Projektstand hinreichend dokumentiert ist. - Das Benennen eines Vertreters reicht in der Regel nicht aus, es muß überprüft werden, wie der Vertreter zu schulen ist, damit er die Aufgaben inhaltlich übernehmen kann. Stellt sich heraus, daß es Personen gibt, die aufgrund ihres Spezialwissens nicht kurzfristig ersetzbar sind, so bedeutet deren Ausfall eine gravierende Gefährdung des Normalbetriebes. Hier ist es von besonders großer Bedeutung, einen Vertreter zu schulen. - Es muß festgelegt sein, welcher Aufgabenumfang im Vertretungsfall von wem wahrgenommen werden soll. - Der Vertreter darf die erforderlichen Zugangs- und Zutrittsberechtigungen nur im Vertretungsfall erhalten. - Ist es in Ausnahmefällen nicht möglich, für Personen einen kompetenten Vertreter zu benennen oder zu schulen, sollte frühzeitig überlegt werden, welche externen Kräfte für den Vertretungsfall eingesetzt werden können. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie ist der Vertretungsfall in den einzelnen Organisationseinheiten geregelt? - Stehen ausreichend kompetente Vertreter zu Verfügung? - Gab es in der letzten Zeit die Notwendigkeit von unvorhergesehenen Vertretungen? - Gibt es in einer Organisationseinheit einen "Single Point of Knowledge", eine einzelne Person, die alleine über Spezialwissen verfügt, das für den IT-Einsatz notwendig ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.4 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.4 Schulung vor Programmnutzung Verantwortlich für Initiierung: Leiter Personal, Vorgesetzte Verantwortlich für Umsetzung: Vorgesetzte, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Durch unsachgemäßen Umgang mit IT-Anwendungen hervorgerufene Schäden können vermieden werden, wenn die Benutzer eingehend in die ITAnwendungen eingewiesen werden. Daher ist es unabdingbar, daß die Benutzer vor der Übernahme IT-gestützter Aufgaben ausreichend geschult werden. Dies betrifft sowohl die Nutzung von Standardprogrammpaketen als auch von speziell entwickelten IT-Anwendungen. Darüber hinaus müssen auch bei umfangreichen Änderungen in einer IT-Anwendung Schulungsmaßnahmen durchgeführt werden. Stehen leicht verständliche Handbücher zu IT-Anwendungen bereit, so kann anstelle der Schulung auch die Aufforderung stehen, sich selbständig einzuarbeiten. Eine wesentliche Voraussetzung dazu ist allerdings die Bereitstellung ausreichender Einarbeitungszeit. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Mitarbeiter, die eine IT-gestützte Aufgabe neu übernehmen sollen, ausreichend geschult? Wird ein Schulungsplan für die Einführung einer neuen IT-Anwendung erstellt? - Welche IT-Anwendungen sind seit der letzten Überprüfung neu hinzugekommen? Wie wurden die Mitarbeiter eingearbeitet? Welche Schulungsveranstaltungen haben Mitarbeiter seitdem besucht? _____________________________________________________________________ .......................................... 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.5 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.5 Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen Verantwortlich für Initiierung: Vorgesetzte, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Vorgesetzte, IT-Sicherheitsmanagement Die überwiegende Zahl von Schäden im IT-Bereich entsteht durch Nachlässigkeit. Um dies zu verhindern, ist jeder einzelne zum sorgfältigen Umgang mit der IT zu motivieren. Zusätzlich sind Verhaltensregeln zu vermitteln, die ein Verständnis für die IT-Sicherheitsmaßnahmen wecken. Insbesondere sollen folgende Themen in der Schulung zu IT-Sicherheitsmaßnahmen vermittelt werden: - Sensibilisierung für IT-Sicherheit Jeder Mitarbeiter ist auf die Notwendigkeit der IT-Sicherheit hinzuweisen. Das Aufzeigen der Abhängigkeit der Behörde bzw. des Unternehmens und damit der Arbeitsplätze von dem reibungslosen Funktionieren der IT-Systeme ist ein geeigneter Einstieg in die Sensibilisierung. Darüber hinaus ist der Wert von Informationen herauszuarbeiten, insbesondere unter den Gesichtspunkten Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit. Diese Sensibilisierungsmaßnahmen sind in regelmäßigen Zeitabständen zu wiederholen, evtl. auch durch praktische Hinweise z. B. in der Hauspost. - Die mitarbeiterbezogenen IT-Sicherheitsmaßnahmen Zu diesem Thema sollen die IT-Sicherheitsmaßnahmen vermittelt werden, die in einem IT-Sicherheitskonzept erarbeitet wurden und von den einzelnen Mitarbeitern umzusetzen sind. Dieser Teil der Schulungsmaßnahmen hat eine große Bedeutung, da viele IT-Sicherheitsmaßnahmen erst nach einer entsprechenden Schulung und Motivation effektiv umgesetzt werden können. - Die produktbezogenen IT-Sicherheitsmaßnahmen Zu diesem Thema sollen die IT-Sicherheitsmaßnahmen vermittelt werden, die inhärent mit einem Softwareprodukt verbunden sind und bereits im Lieferumfang enthalten sind. Dies können neben Passwörtern zur Anmeldung, der Pausenschaltung durch Bildschirmschoner auch Möglichkeiten der Verschlüsselung von Dokumenten oder Datenfeldern sein. Hinweise und Empfehlungen über die Strukturierung und Organisation von Dateien, die Bewegungsdaten enthalten, können die Vergabe von Zugriffsrechten erleichtern und den Aufwand zu Datensicherung deutlich reduzieren. - Das Verhalten bei Auftreten eines Computer-Virus auf einem PC Hier soll den Mitarbeitern vermittelt werden, wie mit Computer-Viren umzugehen ist. Mögliche Inhalte dieser Schulung sind (siehe M 6.23 Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus): - Erkennen des Computer-Virusbefalls Wirkungsweise und Arten von Computer-Viren Sofortmaßnahmen im Verdachtsfall Maßnahmen zur Eliminierung des Computer-Virus Vorbeugende Maßnahmen _____________________________________________________________________ .......................................... 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 3.5 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Der richtige Einsatz von Passwörtern Hierbei sollen die Bedeutung des Passwortes für die IT-Sicherheit sowie die Randbedingungen erläutert werden, die einen wirksamen Einsatz eines Passwortes erst ermöglichen (vgl. auch M 2.11 Regelung des Passwortgebrauchs). - Die Bedeutung der Datensicherung und deren Durchführung Die regelmäßige Datensicherung ist eine der wichtigsten IT-Sicherheitsmaßnahmen in jedem IT-System. Vermittelt werden soll das Datensicherungskonzept (s. Kapitel 3.4 Datensicherungskonzept) der Behörde bzw. des Unternehmens und die von jedem einzelnen durchzuführenden Datensicherungsaufgaben. Besonders bedeutend ist dies für den PC-Bereich, in dem jeder Benutzer selbst die Datensicherung verantwortlich durchführen muss. - Der Umgang mit personenbezogenen Daten An den Umgang mit personenbezogene Daten sind besondere Anforderungen zu stellen. Mitarbeiter, die mit personenbezogenen Daten (sowohl in IT-Systemen als auch in Akten) arbeiten müssen, sind für die gesetzlich erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen zu schulen. Dies betrifft den Umgang mit Auskunftsersuchen, Änderungs- und Verbesserungswünschen der Betroffenen, gesetzlich vorgeschriebene Löschfristen, Schutz der Vertraulichkeit und die Übermittlung der Daten. - Die Einweisung in Notfallmaßnahmen Sämtliche Mitarbeiter (auch nicht unmittelbar mit IT befaßte Personen wie Pförtnerdienst oder Wachpersonal) sind in bestehende Notfallmaßnahmen einzuweisen. Dazu gehört die Erläuterung der Fluchtwege, die Verhaltensweisen bei Feuer, der Umgang mit Feuerlöschern, das Notfall-Meldesystem (wer als erstes wie zu benachrichtigen ist) und der Umgang mit dem Notfall-Handbuch. - Vorbeugung gegen Social Engineering Die Mitarbeiter sollen auf die Gefahren des Social Engineering hingewiesen werden. Die typischen Muster solcher Versuche, über gezieltes Aushorchen an vertrauliche Informationen zu gelangen, ebenso wie die Methoden, sich dagegen zu schützen, sollten bekannt gegeben werden. Da Social Engineering oft mit der Vorspiegelung einer falschen Identität einhergeht, sollten Mitarbeiter regelmäßig darauf hingewiesen werden, die Identität von Gesprächspartnern zu überprüfen und insbesondere am Telefon keine vertraulichen Informationen weiterzugeben. Bei der Durchführung von Schulungen sollte immer beachtet werden, dass es nicht reicht, einen Mitarbeiter einmal während seines gesamten Arbeitsverhältnisses zu schulen. Für nahezu alle Formen von Schulungen, insbesondere Front-Desk-Schulungen, gilt, dass sehr viele neue Informationen auf die Teilnehmer einstürzen. Diese gelangen nur zu einem kleinen Teil ins Langzeitgedächtnis, 80% sind meist schon bei Schulungsende wieder vergessen. _____________________________________________________________________ .......................................... 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 3.5 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Daher sollten Mitarbeiter immer wieder zu Themen der IT-Sicherheit geschult bzw. sensibilisiert werden. Dies kann beispielsweise - in kürzeren Veranstaltungen zu aktuellen IT-Sicherheitsthemen, - im Rahmen regelmäßiger Veranstaltungen wie Abteilungsbesprechungen, oder - durch interaktive Schulungsprogramme, die allen Mitarbeitern zur verfügung stehen, erfolgen. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Themen bzgl. IT-Sicherheitsmaßnahmen wurden schon geschult? - Werden neue Mitarbeiter entsprechend in die IT-Sicherheitsmaßnahmen eingewiesen? - Welche Schulungsmaßnahmen werden in welchen Intervallen angeboten? - Decken die Inhalte der Schulungsmaßnahmen die erforderlichen Gebiete ab? _____________________________________________________________________ .......................................... 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 3.6 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.6 Geregelte Verfahrensweise beim Ausscheiden von Mitarbeitern Verantwortlich für Initiierung: Leiter Personal, Vorgesetzte, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Personalabteilung, Vorgesetzte Scheidet ein Mitarbeiter aus, so ist zu beachten: - Vor dem Ausscheiden ist eine Einweisung des Nachfolgers durchzuführen. - Von dem Ausscheidenden sind sämtliche Unterlagen, ausgehändigte Schlüssel, ausgeliehene IT-Geräte (z. B. tragbare Rechner, Speichermedien, Dokumentationen) zurückzufordern. Insbesondere sind die Behörden- bzw. Firmenausweise einzuziehen. - Es sind sämtliche für den Ausscheidenden eingerichteten Zugangsberechtigungen und Zugriffsrechte zu entziehen bzw. zu löschen. Dies betrifft auch die externen Zugangsberechtigungen via Datenübertragungseinrichtungen. Wurde in Ausnahmefällen eine Zugangsberechtigung zu einem IT-System zwischen mehreren Personen geteilt (z. B. mittels eines gemeinsamen Passwortes), so ist nach Ausscheiden einer der Personen die Zugangsberechtigung zu ändern. - Vor der Verabschiedung sollte noch einmal explizit darauf hingewiesen werden, dass alle Verschwiegenheitserklärungen weiterhin in Kraft bleiben und keine während der Arbeit erhaltenen Informationen weitergegeben werden dürfen. - Ist die ausscheidende Person ein Funktionsträger in einem Notfallplan, so ist der Notfallplan zu aktualisieren. - Sämtliche mit Sicherheitsaufgaben betrauten Personen, insbesondere der Pförtnerdienst, sind über das Ausscheiden des Mitarbeiters zu unterrichten. - Ausgeschiedenen Mitarbeitern ist der unkontrollierte Zutritt zum Behörden- oder Firmengelände, insbesondere zu Räumen mit IT-Systemen zu verwehren. - Optional kann sogar für den Zeitraum zwischen Aussprechen der Kündigung und dem Ausscheiden der Entzug sämtlicher Zugangs- und Zugriffsrechte auf IT-Systeme sowie darüber hinaus auch das Verbot, schützenswerte Räume zu betreten, ausgesprochen werden. Als ein praktikables Hilfsmittel haben sich Laufzettel erwiesen, auf denen die einzelnen Aktivitäten des Ausscheidenden vorgezeichnet sind, die er vor Verlassen der Behörde bzw. des Unternehmens zu erledigen hat. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird das Ausscheiden eines Mitarbeiters geordnet durchgeführt? - Werden die zuständigen Stellen über das Ausscheiden eines Mitarbeiters unterrichtet? - Wie wird sichergestellt, dass sämtliche Zugangsberechtigungen und Zugriffsrechte einer ausscheidenden Person entzogen und gelöscht werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 3.7 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.7 Anlaufstelle bei persönlichen Problemen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Personal, Personalrat/Betriebsrat Verantwortlich für Umsetzung: Personalabteilung, Personalrat/Betriebsrat Für eine unzureichende Aufgabenerfüllung können oftmals persönliche Probleme eines Arbeitnehmers ursächlich sein. Als Probleme lassen sich beispielsweise hohe Schulden, Suchtkrankheiten aber auch Schwierigkeiten am Arbeitsplatz (Über-/Unterforderung, Mobbing) aufzählen. Um dem Betroffenen bei der Bewältigung dieser Probleme zu helfen, kann es in vielen Fällen hilfreich sein, wenn eine Vertrauensperson zur Verfügung steht. Dieser Ansprechpartner sollte dabei sowohl die Interessen des Betroffenen im Auge haben und konkrete Hilfestellung anbieten als auch die Interessen des Unternehmens bzw. Behörde wahren und gemeinsam mit dem Betroffenen nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Vertrauenspersonen benennen An diese Vertrauensperson müssen sich aber auch Vorgesetzte und Kollegen wenden können, wenn wiederholt Auffälligkeiten Dritter wahrgenommen wurden, die auf eine verminderte Zuverlässigkeit schließen lassen. Die Vertrauensperson muss dann die Möglichkeit haben, sich an den Betroffenen zu wenden und Hilfe anzubieten. Eine solche Stelle können Personalrat, Betriebsrat, Betriebsärzte einnehmen. Die Einrichtung einer solchen Anlaufstelle ist allen Mitarbeitern bekannt zu geben. Externe Stellen sind zum Beispiel die Beratungsstellen der gesetzlichen Krankenkassen. Ergänzende Kontrollfragen: - An wen können sich Mitarbeiter bei persönlichen Problemen wenden? _____________________________________________________________________ .......................................... 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.8 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.8 Vermeidung von Störungen des Betriebsklimas Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, Personal, Personalrat/Betriebsrat Verantwortlich für Umsetzung: Vorgesetzte, Personalabteilung, rat/Betriebsrat Leiter Personal- Ein positives Betriebsklima motiviert die Mitarbeiter einerseits zur Einhaltung von IT-Sicherheitsmaßnahmen und bewirkt andererseits die Reduzierung von fahrlässigen oder vorsätzlichen Handlungen, die eine Störung des IT-Betriebs herbeiführen können. Daher sollte auch unter IT-Sicherheitsaspekten versucht werden, ein positives Betriebsklima zu erreichen. Die Vielzahl der Möglichkeiten kann hier nicht angeführt werden, es sei lediglich eine Auswahl möglicher Maßnahmen genannt, deren Angemessenheit im Einzelnen zu prüfen wäre: - Einrichtung eines Sozialraums, - Vermeidung von Überstunden, - Einhaltung von Pausenzeiten, - geregelte Aufgabenverteilung, - gleichmäßige Arbeitsauslastung, - leistungsgerechte Bezahlung. Kommunikationsprobleme in einer Organisation führen fast zwangsläufig auch zu Sicherheitsproblemen. Dies kann im Extremfall zu bewussten Sicherheitsverletzungen führen. Aber bereits, wenn die Benutzer Sicherheitsmaßnahmen nur als "lästig" empfinden, weil sie nicht über deren Zweck informiert worden sind, kann das dazu führen, das diese umgangen werden. Kommunikationsprobleme beseitigen Auch das Überbringen schlechter Nachrichten muss möglich sein, ohne dass der Bote deswegen Sanktionen befürchten muss. Es sollte ein Betriebsklima vorhanden sein, in dem es für jeden Betroffenen möglich ist, Sicherheitsvorfälle innerhalb des eigenen Unternehmens bzw. der eigenen Behörde zu melden, und in dem diese auch offen angegangen werden können. Mitarbeiter können nicht nur über finanzielle Anreize motiviert werden, wichtig ist vor allem die Anerkennung ihrer Arbeit. Mitarbeiter sollten, wo immer möglich, in Entscheidungen mit einbezogen werden. Zumindest sollten sie über die Gründe für die getroffenen Entscheidungen informiert werden, damit sie auch an deren Umsetzung aktiv mitwirken. Motivation der Mitarbeiter Häufig äußert sich z. B. Protest gegen die Auswahl bestimmter Hard- oder Software darin, dass die Benutzer zu zeigen versuchen, dass die ihnen aufgezwungene Hard- oder Software nicht so sicher ist wie die von ihnen präferierte. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie wird das Betriebsklima von den Mitarbeitern beurteilt? - Wie beurteilen die Vorgesetzten das Betriebsklima? - Welche Punkte, die das Betriebsklima negativ beeinflussen, werden am häufigsten genannt? _____________________________________________________________________ .......................................... 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 3.9 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.9 Ergonomischer Arbeitsplatz Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik, Personalrat/Betriebsrat Verantwortlich für Umsetzung: Vorgesetzte, arbeiter Personalrat/Betriebsrat, Mit- Beim sinnvollen und effektiven Einsatz der IT ist es neben der klaren Beschreibung von Aufgaben, Pflichten, Rechten und Verantwortlichkeiten erforderlich, dafür zu sorgen, daß die Nutzung der IT in optimaler Weise erfolgen kann. Der Arbeitsplatz ist ergonomisch zu gestalten. Stuhl, Tisch, Bildschirm und Tastatur müssen individuell einstellbar sein, um eine möglichst fehlerfreie Bedienung der IT zu ermöglichen und zu fördern. Das beinhaltet u. a., daß Rückenlehne, Sitzhöhe und Sitzfläche des Stuhls verstellbar sein müssen, aber auch, daß die Arbeitsmittel so angeordnet werden können, daß für die jeweilige Arbeitsaufgabe eine möglichst geringe Belastung entsteht. Ein entsprechend ausgestatteter Arbeitsplatz erleichtert es auch, IT-Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Gibt es verschließbare Schreibtische oder Schränke, so können Datenträger, Dokumentationen, Unterlagen und Zubehör darin verschlossen werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.10 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.10 Auswahl eines vertrauenswürdigen Administrators und Vertreters Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, Leiter Personal, Leiter IT, TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Den IT-System- oder TK-Anlagen-Administratoren und deren Vertretern muß vom Betreiber großes Vertrauen entgegengebracht werden können. Sie haben - in Abhängigkeit vom eingesetzten System - weitgehende und oftmals alle Befugnisse. Administratoren und ihre Vertreter sind in der Lage, auf alle gespeicherten Daten zuzugreifen, ggf. zu verändern und Berechtigungen so zu vergeben, daß erheblicher Mißbrauch möglich wäre. Das hierfür eingesetzte Personal muß sorgfältig ausgewählt werden. Es soll regelmäßig darüber belehrt werden, daß die Befugnisse nur für die erforderlichen Administrationsaufgaben verwendet werden dürfen. Da der Administrator hinsichtlich der Funktionsfährigkeit der eingesetzten Hard- und Software eine Schlüsselrolle inne hat, muß auch bei seinem Ausfall die Weiterführung seiner Tätigkeiten gewährleistet sein. Hierzu müssen die benannten Vertreter über den aktuellen Stand der Systemkonfiguration verfügen sowie Zugriff auf die für die Administration benötigten Paßwörter, Schlüssel und Sicherheitstoken haben. Hat ein Unternehmen oder eine Behörde mehrere Administratoren mit vergleichbaren IT-Systemkenntnissen, so können sich diese auch wechselseitig vertreten, wenn diese dafür noch freie Kapazitäten haben. In allen Bereichen, in denen nur ein Administrator hauptverantwortlich IT-Systeme betreut, sollten zwei Stellvertreter eingearbeitet werden, da bei längerer Abwesenheit des Administrators erfahrungsgemäß auch der Stellvertreter zeitweise nicht für Administrationsaufgaben zur Verfügung steht. Um die Funktionsfähigkeit des DV-Betriebs zu gewährleisten, muß insbesondere bei bevorstehenden Personalveränderung oder Veränderungen der Organisationionsstruktur geprüft werden, ob die erforderlichen Administrationstätigkeiten auch durch die benannten Administratoren und deren Vertretern bewältigt werden kann. Insbesondere bei bevorstehenden Umzügen kann es durch Administrationstaufgaben an einem weiteren Standort zu einem erheblichen höheren Arbeitsaufkommen des Administrators kommen. Auch in solchen Fällen muß sichergestellt sein, daß der Produktionsbetrieb am bisherigen Standort bis zum Zeitpunkt des Umzugs nicht beeinträchtigt wird. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie wurde die Zuverlässigkeit des Administrators bzw. seines Stellvertreters festgestellt? _____________________________________________________________________ .......................................... 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.11 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.11 Schulung des Wartungs- und Administrationspersonals Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, Leiter Personal, Leiter IT, TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Vorgesetzte Wartungs- und Administrationspersonal benötigt detaillierte Kenntnisse über die eingesetzten IT-Komponenten. Daher sollte es mindestens soweit geschult werden, daß - alltägliche Administrationsarbeiten selbst durchgeführt, - einfache Fehler selbst erkannt und behoben, - Datensicherungen selbsttätig durchgeführt, - die Eingriffe von externem Wartungspersonal nachvollzogen und - Manipulationsversuche oder unbefugte Zugriffe auf die Systeme erkannt werden können. Entsprechende Schulungen werden in der Regel von den Herstellern der ITSysteme bzw. TK-Anlagen angeboten. Administratoren von TK-Anlagen sollten außerdem in der Lage sein, - das Betriebsverhalten der TK-Anlage mit Hilfe der Kontrollanzeigen an den Geräten zu beurteilen, - die TK-Anlage selbständig außer- und in Betrieb nehmen zu können. _____________________________________________________________________ .......................................... 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.12 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.12 Information aller Mitarbeiter über mögliche TKWarnanzeigen, -symbole und -töne Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicherheitsmanagement, Personalrat/Betriebsrat Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Die Bedeutung der Warnanzeigen, -töne und -symbole der TK-Anlage sollte allen Mitarbeitern bekannt sein. Hierzu zählen insbesondere: - Aufmerksamkeitston für direktes Ansprechen, - Aufschalte-Warnton, - Freisprechanzeige, - Anzeige für aktiviertes direktes Ansprechen, - Anzeige für automatischen Rückruf und - Anzeige/Einblendung bei Dreierkonferenz. Da die Nutzung bestimmter, eigentlich nicht freigegebener Leistungsmerkmale (Beispiel: Zeugenschaltung) zu Beeinträchtigungen der IT-Sicherheit führen kann, sollten besonders deren Warnanzeigen und -töne bekannt sein. Ergänzende Kontrollfragen: - Erkennen die Mitarbeiter, wenn sich jemand auf ein Gespräch aufschaltet? - Wissen die Mitarbeiter, was an einem Telefon bei direkter Ansprache sicht- und hörbar ist? - Ist am Telefon erkennbar, daß das Freisprechen aktiviert ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.13 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.13 Sensibilisierung der Mitarbeiter für mögliche TKGefährdungen Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicher heitsmanagement, Personalrat/Betriebsrat Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Die Mitarbeiter müssen über die mit dem Benutzen einer digitalen TK-Anlage verbundenen Gefährdungen informiert werden. Dies könnte z. B. durch eine kurze Unterweisung oder mit Hilfe von Merkblättern geschehen. Es ist darauf hinzuweisen, daß ein abnormes Verhalten der TK-Anlage gemeldet werden soll. Bei Manipulationen an der TK-Anlage sollte eine unabhängige Kontrollinstanz wie IT-Sicherheitsmanagement oder Datenschutzbeauftragte informiert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Sensibilisierung in regelmäßigen Abständen wiederholt? - Werden neue Mitarbeiter auf mögliche Gefährdungen im TK-Betrieb hingewiesen? _____________________________________________________________________ .......................................... 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.14 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.14 Einweisung des Personals in den geregelten Ablauf eines Datenträgeraustausches Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Mangelnde Information und Einweisung der Mitarbeiter führt in vielen Fällen dazu, daß Restriktionen der Informationsweitergabe nicht oder nur unzulänglich eingehalten werden. Die Festlegungen, welchen Kommunikationspartnern wann welche Daten übermittelt werden dürfen (M 2.42 Festlegung der möglichen Kommunikationspartner), ist den an einem Datenträgeraustausch Beteiligten daher zwingend bekanntzugeben. Außerdem sind die prinzipiellen Schritte für den Ablauf eines Datenträgeraustausches zu fixieren (eventuell als Dienstanweisung) und die Mitarbeiter zur Einhaltung zu verpflichten. Zusätzlich ist eine Sensibilisierung der am Datenträgeraustausch beteiligten Mitarbeiter hinsichtlich möglicher Gefährdungen und einzuhaltender Sicherheitsmaßnahmen vor, während und nach dem Transport der Datenträger notwendig. Werden bestimmte IT-gestützte Verfahren zum Schutz der Daten während des Austausches eingesetzt (wie etwa Verschlüsselung oder Checksummenverfahren), so sind diese Mitarbeiter in die Handhabung dieser Verfahren ausreichend einzuarbeiten. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind allen für die Kommunikation zugelassenen Mitarbeitern die diesbezüglichen Regelungen bekannt? - Sind die Mitarbeiter mit den eventuell einzusetzenden Verschlüsselungsoder Checksummen-Verfahren vertraut? - Sind die für den Datenträgeraustausch Verantwortlichen hinsichtlich möglicher Gefährdungen ausreichend sensibilisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.15 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.15 Informationen für alle Mitarbeiter über die Faxnutzung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Alle Mitarbeiter sind auf die Besonderheiten der Informationsübermittlung per Fax hinzuweisen sowie darüber zu informieren, dass die Rechtsverbindlichkeit einer Faxsendung stark eingeschränkt ist. Bei Verwendung herkömmlicher Faxgeräte sollte eine verständliche Bedienungsanleitung am Faxgerät zur Verfügung stehen. Beim Einsatz eines Faxservers sollten die Benutzer mindestens eine Kurzreferenz zur eingesetzten Faxclient-Software erhalten. Insbesondere ist, ggf. in Form einer Dienstanweisung, festzulegen, - wer der Fax-Verantwortliche ist und damit für die manuelle Verteilung eingehender Faxsendungen und als Ansprechpartner in Fax-Problemfällen zuständig ist, - wer das Faxgerät bzw. den Faxserver benutzen darf, - dass das Versenden von vertraulichen Informationen per Fax vermieden werden sollte, - dass ein einheitliches Faxvorblatt benutzt werden soll, - dass sich vor Austausch schutzbedürftiger Informationen über FaxVersand Empfänger und Absender hierüber telefonisch verständigen, - dass ggf. Einzelsendenachweise bzw. Übertragungsprotokolle für die korrekte Übertragung zu kontrollieren und diese den Unterlagen beizufügen und ggf. zu archivieren sind, - dass beim Einsatz eines Faxservers mit automatischer Eingangs-FaxVerteilung für die Akten ein Ausdruck von Eingangs-Faxsendungen zu fertigen ist bzw. diese elektronisch zu archivieren sind, - dass bei Ausgangsfaxen, die über einen Faxserver versendet werden, für die Akten ein Ausdruck zu erstellen ist bzw. diese elektronisch zu archivieren sind, - dass die Adressbücher und Verteillisten regelmäßig kontrolliert werden, damit die Faxe nicht versehentlich an falsche Empfänger gesendet werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind alle Mitarbeiter über die korrekte Faxnutzung informiert und werden neue Mitarbeiter entsprechend eingewiesen? - Wissen alle Mitarbeiter, an wen sie sich bei Faxproblemen wenden können? _____________________________________________________________________ .......................................... 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 3.16 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.16 Einweisung in die Bedienung des Anrufbeantworters Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Jeder, der einen Anrufbeantworter in seinem Bereich einsetzt, sollte sich mit der Bedienung vertraut machen und so Möglichkeiten und Grenzen des Gerätes kennen lernen. Somit werden Fehlbedienungen weitgehend ausgeschlossen. Darüber hinaus sollten die notwendigen, im Kapitel 8.3 Anrufbeantworter genannten IT-Sicherheitsmaßnahmen transparent gemacht werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Hat jeder Benutzer eines Anrufbeantworters eine Einweisung erhalten? - Werden Bedienungsanleitungen und Sicherheitshinweise vorgehalten? _____________________________________________________________________ .......................................... 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.17 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.17 Einweisung des Personals in die ModemBenutzung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Die Mitarbeiter sind über mögliche Gefährdungen, einzuhaltende Sicherheitsmaßnahmen und Regelungen beim Betrieb eines Modems zu unterrichten. Hierbei sind insbesondere die Auswirkungen verschiedener Konfigurationen auf die Betriebssicherheit des Modems zu vermitteln. Jeder Modem-Benutzer sollte sich mit der Bedienung vertraut machen und so Möglichkeiten und Grenzen des Gerätes kennen lernen. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Bedienungsanleitungen und Sicherheitshinweise vorgehalten? _____________________________________________________________________ .......................................... 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.18 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.18 Verpflichtung der Benutzer zum Abmelden nach Aufgabenerfüllung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Wird ein IT-System von mehreren Benutzern genutzt und besitzen die einzelnen Benutzer unterschiedliche Zugriffsrechte auf im IT-System gespeicherte Daten oder Programme, so kann der erforderliche Schutz mittels einer Zugriffskontrolle nur dann erreicht werden, wenn jeder Benutzer sich nach Aufgabenerfüllung am IT-System abmeldet. Ist es einem Dritten möglich, an einem IT-System unter der Identität eines anderen weiterzuarbeiten, so ist jegliche sinnvolle Zugriffskontrolle unmöglich. Daher sind alle Benutzer zu verpflichten, sich nach Aufgabenerfüllung abzumelden. Aus technischen Gründen (z. B. damit alle offenen Dateien geschlossen werden) sollten auch dann Regelungen für die Abmeldung von IT-Systemen getroffen werden, wenn keine Zugriffskontrolle realisiert ist. Ist absehbar, dass nur eine kurze Unterbrechung der Arbeit erforderlich ist, kann an Stelle des Abmeldens auch die manuelle Aktivierung der Bildschirmsperre erfolgen (siehe auch M 4.2 Bildschirmsperre). Bei längerer Abwesenheit sollte die Bildschirmsperre automatisch aktiviert werden. Bildschirmsperre Einige IT-Systeme bieten die Möglichkeit, einen Zeitraum vorzugeben, nach dessen Ablauf ein Benutzer bei Inaktivität automatisch vom System abgemeldet wird. Es sollte überlegt werden, ob dieses Verfahren benutzt wird, da es auch zu Datenverlusten führen kann. Eine automatische Abmeldung kann z. B. bei PC-Pools mit starkem Publikumsverkehr zum Einsatz kommen, da hier ein angemeldeter Benutzer den Arbeitsplatz mit Hilfe der Bildschirmsperre unberechtigterweise blockieren kann. automatisches Abmelden Je nach Arbeitsplatzumgebung ist abzuwägen, welche Vorkehrungen für kurzfristige Abwesenheiten von Benutzern zu treffen sind. So sollte eine automatische Aktivierung der Bildschirmsperre bei Mehr-Benutzer-Systemen schneller erfolgen als bei solchen für einen Benutzer, also z. B. bereits nach 5 Minuten. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden neue Mitarbeiter oder Vertreter gleichfalls verpflichtet? - Wird an die Verpflichtung zum Abmelden regelmäßig erinnert? _____________________________________________________________________ .......................................... 20 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 3.19 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.19 Einweisung in den richtigen Einsatz der Sicherheitsfunktionen im Peer-to-Peer-Netz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Gerade im Peer-to-Peer-Netz unter WfW und Windows 95, in dem die Benutzer selbst Sicherheitsaufgaben wahrnehmen müssen, kommt der Einweisung in den richtigen Einsatz der Sicherheitsfunktionen besondere Bedeutung zu. Daher ist jeder Benutzer vorab zumindest zu folgenden Punkten zu schulen: Datenaustausch über freigegebene Verzeichnisse - Der Benutzer ist in die korrekte Benutzung der Freigabe von Ressourcen sowie in das korrekte Aufheben der Verzeichnisfreigabe einzuweisen. Insbesondere ist die Möglichkeit zu erläutern, freigegebene Verzeichnisse oder Drucker durch Anhängen des Zeichens "$" an den Freigabenamen zu verbergen, so daß für andere Benutzer nicht ersichtlich ist, daß diese Ressource freigegeben ist. Es ist darauf hinzuweisen, daß der Anreiz für Attacken vermindert werden kann, wenn man Freigabenamen benutzt, die keine Rückschlüsse auf den Inhalt zulassen und daß Ressourcen nur solange freigegeben werden sollten, wie dies erforderlich ist. - Die Bedeutung der Optionen bei Freigabe oder Verbinden von Verzeichnissen bzw. Druckern ist darzustellen und auf die Beachtung der jeweiligen Voreinstellungen ist hinzuweisen: "Beim Start wieder freigeben" automatische Freigabe beim Starten von WfW ohne Einwirkung des Benutzers "Beim Starten wieder verbinden" Automatisches Verbinden beim Neustart "Kennwort in der Kennwortliste Speicherung des Paßwortes speichern" (sicherheitskritisch), so daß es beim nächsten Verbinden nicht mehr eingegeben werden muß Die Benutzer von Windows 95 und Windows NT sind darauf hinzuweisen, daß jede erfolgte Freigabe wieder explizit zurückgenommen werden muß, da sie sonst auch nach einem Neustart bestehen bleibt. - Die Bezeichnungen der möglichen Zugriffsrechte unter WfW und Windows 95 sind nicht sprechend und müssen daher erläutert werden: _____________________________________________________________________ .......................................... 21 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.19 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... "Schreibgeschützter Zugriff" Leserecht für Dateien und Ausführungsrecht für Programme "Lese-/Schreibzugriff" Lese-/Schreibrecht für Dateien, Ausführungsrecht für Programme, Recht zum Anlegen und Löschen von Dateien "Zugriff abhängig vom Kennwort" Lese- und Schreibrecht können getrennt vergeben werden Unter Windows 95 können Benutzer zwischen den Zugriffsrechten “Schreibgeschützt”, “Alle Zugriffsrechte” und “Benutzerdefiniert” wählen, wenn der Zugriffsschutz auf Benutzerebene realisiert ist. Dann müssen die Benutzer darauf hingewiesen werden, daß Verzeichnisse nie mit “Alle Zugriffsrechte” freigegeben werden sollten, sondern bestenfalls benutzerdefiniert mit Lese- und Schreibrecht für andere Benutzer. Sicherheitssensibilisierung - Der Benutzer ist in die von ihm durchzuführenden sicherheitsrelevanten Kontrollen einzuweisen. Dazu muß er insbesondere unterrichtet werden, wie der Netzwerkmonitor und die zugehörige Protokollfunktion einzusetzen sind. - Der Umgang mit Paßwörtern und deren Wechsel ist gemäß der Sicherheitsstrategie darzulegen. - Der Benutzer muß darüber informiert werden, daß unter WfW und Windows 95 - in der Datei [anmeldename].pwl Paßwörter für den Zugriff auf Ressourcen anderer Rechner gespeichert werden, - unter WfW in der Datei connect.dat die Ressourcen anderer WfWRechner eingetragen sind, die beim Starten von WfW automatisch wieder verbunden werden, - in der Datei shares.pwl die eigenen Ressourcen eingetragen sind, die beim Starten automatisch wieder freigegeben werden. Diese Dateien können vom Benutzer gelöscht werden, ohne die Systemintegrität zu verletzen. Dies ist insbesondere bei der Datei [anmeldename].pwl sinnvoll, wenn versehentlich Paßwörter gespeichert wurden. - Sind Namenskonventionen für die im Netz verfügbaren Rechner und Benutzer erstellt worden, sind diese und eventuell bereits vergebene Namen den Benutzern bekannt zu geben. Ergänzende Kontrollfragen: - Haben alle Teilnehmer am WfW-Netz eine ausreichende Schulung erhalten? - Werden einzelne Aspekte der Schulungsinhalte zur Sensibilisierung sporadisch wiederholt? _____________________________________________________________________ .......................................... 22 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.20 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.20 Einweisung in die Bedienung von Schutzschränken Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Hersteller Nach der Beschaffung eines Schutzschrankes sind die Benutzer in die korrekte Bedienung einzuweisen. Dies sollte auch bei der Neuübertragung einer Aufgabe erfolgen, die die Nutzung des Schutzschrankes umfaßt. Dabei sind zumindest folgende Punkte zu vermitteln: - Der korrekte Umgang mit dem Schloß des Schutzschrankes ist vorzuführen. Auf typische Fehler ist hinzuweisen, zum Beispiel das Nichtverwerfen von Codeschlössern. Die Regelungen zur Schlüsselverwaltung, Schlüsselhinterlegung und Vertretungsregelung sind aufzuzeigen. Insbesondere ist einzufordern, daß der Schutzschrank bei Nichtbenutzung, auch kurzfristiger Art, verschlossen wird. - Die Tastatur eines Servers ist unbedingt im Serverschrank aufzubewahren, damit nicht unberechtigte Konsol-Eingaben erfolgen können. - Im Falle eines Serverschrankes ist darauf hinzuweisen, daß unnötige brennbare Materialien (Ausdrucke, überzählige Handbücher, Druckerpapier) nicht im Serverschrank aufbewahrt werden sollen. - Datensicherungsträger des Servers sollten in einem anderen Brandabschnitt gelagert werden. Eine Aufbewahrung im Serverschrank ist daher ungeeignet und nur dann zulässig, wenn ein Doppel der Datensicherungsbestände in einem anderen Brandabschnitt ausgelagert ist. - Wird ein klimatisierter Serverschrank eingesetzt, sollten die Öffnungszeiten des Serverschrankes minimiert werden. Gegebenenfalls ist sporadisch zu kontrollieren, ob im Serverschrank Wasser kondensiert ist. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Personen, die einen Schutzschrank betreuen, in dessen Bedienung eingewiesen? _____________________________________________________________________ .......................................... 23 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.21 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.21 Sicherheitstechnische Einweisung und Fortbildung des Telearbeiters Verantwortlich für Initiierung: Vorgesetzte, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Vorgesetzte, IT-Sicherheitsmanagement Der Telearbeiter arbeitet teilweise oder ganz zu Hause. Das bedeutet, daß für die Telearbeit zum Teil andere IT-Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden müssen als für die Arbeit innerhalb der Institution. Deshalb ist es notwendig, daß ein Sicherheitskonzept für die Telearbeitsplätze erstellt wird. Nach Bekanntgabe des Konzeptes muß der Telearbeiter in die zu realisierenden Sicherheitsmaßnahmen eingewiesen und eventuell in ihrem Umgang geschult werden. Darüber hinaus ist der Telearbeiter soweit im Umgang mit dem Telearbeitsrechner zu schulen, daß er einfache Fehlerkorrekturen (z. B. Druckerpatrone wechseln) wahrnehmen kann bzw. einfache Probleme selbständig lösen kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Liegen für die Telearbeit spezielle IT-Sicherheitskonzepte vor? - Ist der Telearbeiter für die Realisierung der IT-Sicherheitsmaßnahmen geschult worden? _____________________________________________________________________ .......................................... 24 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.22 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.22 Vertretungsregelung für Telearbeit Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Vorgesetzte Verantwortlich für Umsetzung: Telearbeiter Über die Maßnahme M 3.3 Vertretungsregelung hinaus sind im Falle der Vertretung eines Telearbeiters weitere Schritte notwendig. Da der Telearbeiter hauptsächlich außerhalb der Institution tätig ist, muß ein Informationsfluß zu seinem Vertreter vorgesehen werden. Auch eine Dokumentation der Arbeitsergebnisse seitens des Telearbeiters ist unabdingbar. Ggf. sind sporadische oder regelmäßige Treffen zwischen dem Telearbeiter und seinem Vertreter sinnvoll. Ergänzend dazu muß geregelt werden, wie der Vertreter im unerwarteten Vertretungsfall Zugriff auf die Daten im Telearbeitsrechner oder am Telearbeitsplatz vorhandene Unterlagen nehmen kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind Vertreter für Telearbeiter benannt worden? - Ist ein Vertretungsfall probeweise durchgespielt worden? _____________________________________________________________________ .......................................... 25 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 3.23 Einführung in kryptographische Grundbegriffe Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Der Einsatz von Kryptoprodukten kann für die Benutzer zusätzlichen Aufwand bedeuten oder - je nach Komplexität der eingesetzten Produkte - sogar vertiefte Kenntnisse erfordern. Daher sollten alle Mitarbeiter, die kryptographische Verfahren und Produkte einsetzen sollen, für den Nutzen und die Notwendigkeit der kryptographischen Verfahren sensibilisiert werden und eine Einführung in kryptographische Grundbegriffe erhalten. Dies gilt natürlich insbesondere für diejenigen, die ein Kryptokonzept erstellen, Kryptoprodukte auswählen, installieren oder betreuen sollen. Der folgende Text soll ein elementares Verständnis der grundlegenden kryptographischen Mechanismen vermitteln. Nachfolgend wird an Beispielen erläutert, in welcher Situation welche kryptographische Technik eingesetzt werden kann. Elemente der Kryptographie Mathematische Methoden und Techniken, die zum Schutz von Information gegen unbefugte Kenntnisnahme und/oder absichtliche Manipulation dienen können, nennt man kryptographisch. Der Schutz der Information durch kryptographische Methoden ist - im Unterschied zu infrastrukturellen und technischen Sicherungsmaßnahmen - mathematisch-logischer Natur. Bei kryptographischen Verfahren wird ein mathematischer Rechenvorgang - ein Algorithmus - in konkrete Technik umgesetzt. Ihre Wirksamkeit beruht darauf, daß ein potentieller Angreifer ein gewisses mathematisches Problem nicht zu lösen vermag - und zwar nicht wegen mangelnder Fähigkeiten, sondern wegen fehlenden Wissens um ganz bestimmte "Schlüssel"-Informationen. Kryptographische Methoden beziehen sich stets auf folgende Situation: Ein Sender A (dieser wird, wie in der Kryptographie üblich, "Alice" genannt) schickt über einen unsicheren Kanal eine Nachricht an einen Empfänger B (er wird "Bob" genannt). Sender und Empfänger dürfen dabei auch identisch sein, unter einem Kanal ist ein beliebiges Transportmedium zu verstehen. Bei der Verschlüsselung lokaler Daten sind Sender und Empfänger natürlich identisch, unter "Kanal" ist hier das Speichermedium zu verstehen. Kryptographische Grundziele Auf Grund theoretischer und praktischer Erwägungen unterscheidet man vier kryptographische Grundziele: 1. Vertraulichkeit/Geheimhaltung: Keine unbefugte dritte Partei E (sie sei "Eve" genannt) soll an den Inhalt der Nachricht bzw. Datei gelangen. 2. Integrität: Unbefugte Manipulationen an der Nachricht bzw. Datei (z. B. Einfügen, Weglassen, Ersetzung von Teilen) sollen entdeckt werden können. _____________________________________________________________________ .......................................... 26 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... 3. Authentizität: - Identitätsnachweis (Authentisierung von Kommunikationspartnern): Eine Kommunikationspartei (z. B. Person, Organisation, IT-System) soll einer anderen ihre Identität zweifelsfrei beweisen können. - Herkunftsnachweis (Nachrichtenauthentisierung): A soll B beweisen können, daß eine Nachricht von ihr stammt und nicht verändert wurde. 4. Nichtabstreitbarkeit (Verbindlichkeit, non repudiation): Hier liegt der Schwerpunkt verglichen mit der Nachrichtenauthentisierung auf der Nachweisbarkeit gegenüber Dritten. - Nichtabstreitbarkeit der Herkunft: Es soll A unmöglich sein, das Absenden einer bestimmten Nachricht an B nachträglich zu bestreiten. - Nichtabstreitbarkeit des Erhalts: Es soll B unmöglich sein, den Erhalt einer von A gesendeten Nachricht nachträglich zu bestreiten. Es ist klar, daß zwischen diesen Zielen Beziehungen bestehen, aber eine wesentliche Einsicht der modernen Kryptographie ist folgende: Die Gewährleistung von Vertraulichkeit bzw. von Authentizität sind unabhängige Grundziele eines kryptographischen Systems: Authentisierung beschränkt den Kreis der möglichen Sender einer Nachricht, Geheimhaltung den der möglichen Empfänger. Die grundlegende kryptographische Methode zur Wahrung von Vertraulichkeit ist Verschlüsselung, die grundlegenden Methoden zur Gewährleistung von Integrität, Authentizität und Nichtabstreitbarkeit sind Hashfunktionen, Message Authentication Codes (MACs), digitale Signaturen und kryptographische Protokolle. Die einzelnen kryptographischen Konzepte werden im folgenden kurz vorgestellt. I. Verschlüsselung Verschlüsselung (Chiffrieren) transformiert einen Klartext in Abhängigkeit von einer Zusatzinformation, die "Schlüssel" genannt wird, in einen zugehörigen Geheimtext (Chiffrat), der für diejenigen, die den Schlüssel nicht kennen, nicht entzifferbar sein soll. Die Umkehrtransformation - die Zurückgewinnung des Klartextes aus dem Geheimtext - wird Entschlüsselung genannt. In allen modernen Verschlüsselungsalgorithmen sind Klartexte, Geheimtexte und Schlüssel jeweils als Folgen von Bits gegeben. Um praktisch einsetzbar zu sein, müssen Verschlüsselungsalgorithmen folgende Mindestanforderungen erfüllen: - Sie sollten entzifferungsresistent sein, d. h. ohne Kenntnis des Schlüssels darf das Chiffrat nicht entschlüsselt werden können, insbesondere muß hierfür die Menge der möglichen Schlüssel "ausreichend groß" sein, da sonst ein einfaches Ausprobieren aller Schlüssel möglich wäre, - sie müssen einfach einzusetzen sein, und - Ver-/Entschlüsselung müssen "schnell genug" sein. _____________________________________________________________________ .......................................... 27 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Forderung nach Entzifferungsresistenz ist immer relativ zu den aktuellen technischen und mathematischen Möglichkeiten zu betrachten. Wichtig bei der Bewertung von Verschlüsselungsalgorithmen ist, daß es zum Nutzungszeitpunkt praktisch nicht möglich sein darf, das Chiffrat ohne Kenntnis des Schlüssels zu entschlüsseln, d. h. nicht mit der dann verfügbaren Technik innerhalb eines akzeptablen Zeitrahmens. Wenn A und B eine vertrauliche Verbindung einrichten wollen, gehen sie wie folgt vor: 1. sie vereinbaren ein Chiffrierverfahren, 2. sie vereinbaren einen Schlüssel bzw. ein Schlüsselpaar, 3. A verschlüsselt eine Nachricht und sendet diese an B, 4. B entschlüsselt das von A gesendete Chiffrat. Es gibt zwei große Klassen von Chiffrierverfahren: Symmetrische Verschlüsselungsverfahren benutzen denselben Schlüssel sowohl für die Ver- als auch für die Entschlüsselung. Symmetrische Verfahren werden deshalb gelegentlich auch als "ein-Schlüssel"-Verfahren bezeichnet, da die Kenntnis eines Schlüssels ausreicht, um chiffrieren und dechiffrieren zu können. Bekannte symmetrische Verschlüsselungsverfahren sind z. B. DES, TripelDES, IDEA oder RC5. Bei symmetrischen Verfahren unterscheidet man weiter zwischen Stromchiffren und Blockchiffren. Bei Stromchiffren wird unter Verwendung des Schlüssels eine möglichst zufällig aussehende Bitfolge (ein Bitstrom) generiert, die auf die Klarbitfolge (modulo 2) aufaddiert wird. Die Klarbitfolge wird also Bit für Bit (durch Addition von Schlüsselstrombits) verschlüsselt. Für die Sicherheit von Stromchiffren ist wesentlich, daß niemals zwei (verschiedene) Nachrichten mit demselben Schlüsselstrom verschlüsselt werden – dafür muß mit speziellen Maßnahmen (Synchronisierinformation in Form eines Spruchschlüssels) gesorgt werden. Beispiele für Stromchiffren sind RC4 und SEAL. Stromchiffre: Blockchiffre: Bitstromgenerator 0 1 0 Schlüsselstrombit Klarbit XOR Geheimbit Schlüssel Verschlüsselungsfunktion 1 1 1 1 1 0 1 0 0 Klartextblock Geheimtextblock Bei Blockchiffren dagegen wird in einem Verschlüsselungstakt jeweils ein ganzer Block von Bits verschlüsselt, heutzutage sind dies in der Regel 64 Bits. Die meisten symmetrischen Verschlüsselungsverfahren sind Blockchiffren, _____________________________________________________________________ .......................................... 28 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... dazu gehören auch DES, IDEA oder RC5. Für Blockchiffren sind eine Reihe von Betriebsarten (Modi) definiert (und standardisiert). Es sind dies - der ECB (Electronic Code Book)-Modus, bei dem jeder Block für sich - unabhängig von den anderen Blöcken - verschlüsselt wird, - der CBC (Cipher Block Chaining)-Modus und der CFB (Cipher Feed Back)-Modus, bei diesen Modi wird, nach Wahl eines zusätzlichen Initialisierungsvektors, eine Abhängigkeit der Chiffretextblöcke von allen vorhergehenden Chiffretextblöcken hergestellt, sowie - der OFB (Output Feedback Modus), dieser Modus kann so aufgefaßt werden, daß die verwendete Blockchiffre zur Generierung eines ”Blockstroms” verwendet wird, der auf die Klarblöcke bitweise (modulo 2) aufaddiert wird. Beim Einsatz symmetrischer Verfahren ist generell zu beachten, daß ein Schlüsselaustausch zwischen den Kommunikationspartnern vorausgegangen sein muß. Dieser muß über einen sicheren Kanal (z. B. Kurier, persönliche Übergabe) erfolgen und beide Parteien müssen anschließend den Schlüssel geheimhalten. Es gibt verschiedene Verfahren für einen sicheren Schlüsselaustausch. In geschlossenen Systemen ist der Schlüsselaustausch im allgemeinen unproblematisch zu realisieren, da hier meist "sichere Kanäle" vorhanden sind. In offenen Systemen mit einer Vielzahl von Kommunikationspartnern gestaltet sich dies schwieriger. Generell besteht jedoch das Problem, daß bei einer Vielzahl möglicher Kommunikationspartner entsprechend viele Schlüssel vor der eigentlichen Kommunikation ausgetauscht werden müssen und daß dabei die potentiellen Kommunikationspartner vorab bekannt sein müssen. Asymmetrische (Public Key)-Chiffrierverfahren dagegen benutzen zwei verschiedene (aber mathematisch verwandte) Schlüssel: einen "öffentlichen" Schlüssel (Public Key) für die Verschlüsselung, und einen "privaten" Schlüssel (Private Key) für die Entschlüsselung. Das Schlüsselpaar muß dabei folgende Eigenschaft aufweisen: für alle, die lediglich den "Public Key" kennen, muß es praktisch unmöglich sein, den zugehörigen "Private Key" zu bestimmen oder eine mit dem "Public Key" verschlüsselte Nachricht zu entschlüsseln. Asymmetrische Verschlüsselung hat also eine "Einbahn"-Eigenschaft: eine Nachricht kann nicht wiederhergestellt werden, wenn der "Private Key" vergessen oder gelöscht wurde. Die Bezeichnung "Public Key"-Verschlüsselung rührt daher, daß der "Public Key" öffentlich bekannt gemacht werden kann, ohne die Sicherheit des Verfahrens zu kompromittieren. Der "Private Key" hingegen muß geheim gehalten werden. Will nun Alice eine Nachricht verschlüsselt an Bob senden, so holt sich Alice den öffentlichen Schlüssel Bobs aus einer frei zugänglichen Datei und verschlüsselt damit die Nachricht. Nach Erhalt der Nachricht benutzt Bob seinen geheimen Schlüssel, um die von Alice erhaltene Nachricht zu entschlüsseln. Wenn Alice und Bob ein asymmetrisches Verfahren zum Zweck der Vertraulichkeit verwenden, benötigen sie also keinen sicheren Kanal für den Schlüs- _____________________________________________________________________ .......................................... 29 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... selaustausch, aber Alice muß sicher sein, daß sie tatsächlich Bobs öffentlichen Schlüssel benutzt und keinen Schlüssel, der ihr als Bobs Schlüssel untergeschoben wurde. Würde Alice eine Nachricht mit einem untergeschobenen Schlüssel verschlüsseln, so könnte der Täter, dem ja der passende geheime Schlüssel bekannt ist, die Nachricht entschlüsseln. Der Sender benötigt in der Regel die Bestätigung einer vertrauenswürdigen dritten Partei, daß der öffentliche Schlüssel des Empfängers wirklich zu diesem gehört. Diese Bestätigung, das "Zertifikat", wird im allgemeinen auch durch ein kryptographisches Verfahren erzeugt und dem öffentlichen Schlüssel beigefügt. Zwei bekannte asymmetrische Verschlüsselungsverfahren sind das RSAVerfahren (benannt nach den Erfindern Rivest, Shamir, Adleman) und die Klasse der Elgamal-Verfahren. Zu letzteren gehören auch die auf Elliptischen Kurven basierenden Verschlüsselungsverfahren. Symmetrische und asymmetrische Chiffrierverfahren haben z. T. sich ergänzende Vor- und Nachteile: Vorteile (guter) symmetrischer Verfahren: - Sie sind schnell, d. h. sie haben einen hohen Datendurchsatz. - Die Sicherheit ist im wesentlichen durch die Schlüssellänge festgelegt, d. h. bei guten symmetrischen Verfahren sollte es keine Attacken geben, die wesentlich besser sind als das Durchprobieren aller Schlüssel (BruteForce-Attacken). - Sie bieten hohe Sicherheit bei relativ kurzem Schlüssel. - Die Schlüsselerzeugung ist einfach, da gewöhnlich als Schlüssel jede Bitfolge einer festen Länge erlaubt ist und als Schlüssel eine Zufallszahl gewählt werden kann. Nachteile symmetrischer Verfahren: - Jeder Teilnehmer muß sämtliche Schlüssel seiner Kommunikationspartner geheimhalten. - Zur Schlüsselverteilung sind sie weniger gut geeignet als asymmetrische Verfahren, insbesondere bei einer großen Anzahl von Kommunikationspartnern. - Für Verbindlichkeitszwecke sind sie weniger praktikabel als asymmetrische Verfahren, da bei der Verwendung symmetrischer Schlüssel nicht ohne weiteres erkannt werden kann, welcher der beiden Kommunikationspartner die Nachricht verschlüsselt hat. Dies läßt sich nur durch eine zwischengeschaltete dritte Partei sicherstellen, die über entsprechende kryptographische Protokolle in den Nachrichtenfluß eingebunden wird. Vorteile (guter) asymmetrischer Verfahren: - Jeder Teilnehmer einer vertraulichen Kommunikation muß nur seinen eigenen privaten Schlüssel geheimhalten. - Sie lassen sich einfach für digitale Signaturen benutzen. - Sie bieten elegante Lösungen für die Schlüsselverteilung in Netzen, da die öffentlichen Schlüssel bzw. Schlüsselzertifikate frei zugänglich auf zentra- _____________________________________________________________________ .......................................... 30 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... len Servern gespeichert werden können, ohne die Sicherheit des Verfahrens zu beeinträchtigen. - Sie sind gut geeignet für Nicht-Abstreitbarkeitszwecke. Nachteile asymmetrischer Verfahren: - Sie sind langsam, d. h. sie haben im allgemeinen einen geringen Datendurchsatz. - Sicherheit: für alle bekannten Public-Key-Verfahren gilt: - Es gibt wesentlich bessere Attacken als das Durchprobieren aller Schlüssel, deshalb werden (im Vergleich zu symmetrischen Verfahren) relativ lange Schlüssel benötigt, um ein gleich hohes Maß an Sicherheit zu erreichen. - Die Sicherheit beruht "nur" auf der vermuteten, aber von der Fachwelt anerkannten, algorithmischen Schwierigkeit eines mathematischen Problems (zum Beispiel die Zerlegung einer großen Zahl in die Primfaktoren). - Die Schlüsselerzeugung ist i. allg. komplex und aufwendig, da die Erzeugung "schwacher" Schlüsselpaare vermieden werden muß. Hybride Verfahren versuchen, die Vorteile beider Arten von Verschlüsselung zu kombinieren: sie benutzen asymmetrische Verschlüsselung, um einen Sitzungsschlüssel ("Sessionkey") für ein symmetrisches Verfahren zu übermitteln, und verschlüsseln die Massendaten mit dem symmetrischen Verfahren. Der Sessionkey wird gewöhnlich nur für eine Sitzung (Übertragung) verwendet und dann vernichtet. Das asymmetrische Schlüsselpaar wird je nach Umständen für einen langen Zeitraum verwendet. II. Integritätsschutz Das Ziel des Integritätsschutzes ist es, daß ein Empfänger einer Nachricht feststellen kann, ob er diese Nachricht unverfälscht erhalten hat. Das Grundprinzip des Integritätsschutzes besteht darin, die Nachricht unverschlüsselt und unverändert zu übersenden, gleichzeitig aber bestimmte Kontrollinformationen mitzuschicken, die die Kontrolle auf Unverfälschtheit der eigentlichen Nachricht ermöglichen. Voraussetzung dazu ist allerdings, daß der Empfänger die Kontrolldaten unmanipuliert erhält. Für diese Kontrolldaten stellen sich damit folgende Bedingungen: - Der Umfang der Kontrollinformationen muß möglichst gering sein, um die zusätzlich zu übertragenden Informationen zu minimieren. - Praktisch jede Manipulation, auch nur eines einzelnen Bits der Nachricht muß anhand der Kontrollinformationen feststellbar sein. - Die Kontrollinformationen müssen unmanipulierbar übertragen bzw. Manipulationen müssen entdeckt werden können. Zur Berechnung der Kontrollinformationen werden typischerweise zwei Verfahren verwendet: Hashfunktionen und Message Authentication Codes. Eine (Einweg-)Hashfunktion ist eine Datentransformation mit folgenden Eigenschaften: _____________________________________________________________________ .......................................... 31 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Kompressionseigenschaft: Beliebig lange Bitfolgen werden auf Bitfolgen fester, i. allg. kürzerer Länge abgebildet (typischerweise 128 - 160 Bit). - "Einweg"-Eigenschaft: Es muß "praktisch unmöglich" sein, zu einem vorgegebenen Hashwert eine Nachricht zu finden, deren Hashwert der vorgegebene Hashwert ist. - Kollisionswiderstand: Es muß "praktisch unmöglich" sein, zwei Nachrichten zu finden, die zum gleichen Hashwert führen. Mit Hilfe einer beiden Kommunikationspartnern bekannten Hashfunktion können A und B die Integrität einer Nachricht überprüfen: Alice hasht ihre Nachricht, und übermittelt diese und den Hashwert so an Bob, daß die Unverfälschtheit des Hashwertes gewährleistet ist. Bob hasht die empfangene Nachricht ebenfalls und vergleicht sein Ergebnis mit dem von Alice gelieferten Hashwert. Stimmen beide Werte überein, so kann er davon ausgehen, daß kein Bit der Nachricht verändert wurde. Ein Message Authentication Code (MAC) ist eine kryptographische Checksumme zur Nachrichtensicherung, also eine Datentransformation, bei der zusätzlich ein geheimer Schlüssel in die Berechnung eingeht, mit folgenden Eigenschaften: - Kompressionseigenschaft: Beliebig lange Bitfolgen werden auf Bitfolgen fester, i. allg. kürzerer Länge abgebildet. - Fälschungssicherheit: Für jeden, der nicht im Besitz des Schlüssels ist, muß es "praktisch unmöglich" sein, den MAC-Wert einer neuen Nachricht zu berechnen, selbst wenn er in den Besitz einiger alter Nachrichten mit den zugehörigen MAC-Werten gelangt ist. Besitzen Alice und Bob einen MAC und einen gemeinsamen, geheimen MAC-Schlüssel, so authentisiert Alice ihre Nachricht einfach dadurch, daß sie den MAC-Wert der Nachricht berechnet und zusammen mit der Nachricht an Bob schickt. Bob berechnet seinerseits den MAC-Wert der empfangenen Nachricht mit dem auch ihm bekannten MAC-Schlüssel. Stimmt dieser mit Alices Wert überein, so kann er davon ausgehen, daß die Nachricht authentisch ist (d. h. daß sie nicht verändert wurde und wirklich von Alice stammt). Alice hat also ihre Nachricht durch Verwendung des nur ihr und Bob bekannten Schlüssels gegenüber Bob authentisiert. MACs werden häufig auf Basis symmetrischer Chiffrierverfahren konstruiert. Die bekannteste Variante ist hierbei die Verschlüsselung einer Nachricht mit DES oder einem anderem Block-Chiffrierverfahren im CBC- oder CFBMode. Dabei wird als MAC der letzte verschlüsselte Block an die Nachricht angehängt. Daneben gibt es aber auch MACs, die nicht auf Chiffrierverfahren beruhen. Der MAC-Wert einer Nachricht kann als fälschungssichere, schlüsselabhängige, kryptographische Checksumme dieser Nachricht angesehen werden. Die Anwendung von MACs zum Zweck der Authentisierung erfordert, daß beide Parteien den geheimen Authentisierungsschlüssel zuverlässig schützen. Als Nebeneffekt des Integritätsschutzes kann mit oben skizzierten Verfahren gleichzeitig vom Empfänger der Nachricht nachgeprüft werden, daß die als unmanipuliert verifizierte Nachricht nur vom tatsächlich bekannten Sender _____________________________________________________________________ .......................................... 32 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... verschickt werden konnte. Dieser Schluß läßt sich ziehen, da nur dieser Sender die notwendigen Schlüssel zur Verschlüsselung bzw. Ermittlung der Kontrollinformationen besitzt. III. Authentizitätsnachweise Bei der Authentisierung von Benutzern gegenüber Kommunikationspartnern/IT-Systemen bzw. Clients gegenüber Servern sollen - illegitime Zugriffe erkannt und abgewehrt werden, - legitime Zugriffe erlaubt werden und - sensible Daten auch bei Übertragungen über Netze geschützt bleiben. Dazu sind Verfahren erforderlich, die allen Beteiligten die Feststellung der Identität ihrer Kommunikationspartner unmißverständlich erlauben. Dies schließt einen Zeitaspekt ein: Alice will Bob in "real time" davon überzeugen, daß tatsächlich sie mit ihm kommuniziert. Die Haupttechniken für solche Authentisierungen sind kryptographische Challenge-Response-Protokolle. Hierbei sendet Bob Daten an Alice und fordert sie auf (Challenge), ihm den Besitz eines Geheimnisses (also einer Schlüsselinformation) nachzuweisen, und Alice demonstriert ihm diesen Besitz ohne das Geheimnis selbst preiszugeben, indem sie eine vom Geheimnis und seiner Challenge abhängige Antwort sendet (Response). Bob wiederum überprüft anhand der Antwort, daß zur Berechnung der Antwort wirklich das korrekte Geheimnis verwendet wurde. Für eine "starke" Authentisierung dürfen sich die Challenges nicht wiederholen. Bei Challenge-Response-Verfahren können sowohl symmetrische als auch asymmetrische Techniken verwendet werden. Beispiel: Alice und Bob verständigen sich vorab auf ein symmetrisches Verschlüsselungsverfahren und einen gemeinsamen kryptographischen Schlüssel. Zur Authentisierung sendet Bob eine Zufallszahl als Challenge an Alice. Alice wiederum verschlüsselt diese Zufallszahl mit dem gemeinsamen geheimen Schlüssel und sendet das Ergebnis zurück an Bob. Im nächsten Schritt entschlüsselt Bob die Nachricht und vergleicht, ob das Ergebnis seine anfangs gewählte Zufallszahl ist. Bei Gleichheit ist es tatsächlich Alice, da nur sie den geheimen Schlüssel kennt. IV. Digitale Signatur Das kryptographische Konstrukt einer digitalen Signatur dient dem Ziel, für digitale Dateien und Nachrichten ein Pendant zur handschriftlichen Unterschrift einsetzen zu können. Dazu werden einige der schon erläuterten kryptographischen Verfahren wie Hashfunktionen und asymmetrische Verfahren zusammengeführt. Die wesentliche Voraussetzung für digitale Signaturen ist, daß jeder Teilnehmer ein nur ihm bekanntes Geheimnis besitzt, mit dem er zu beliebigen Dateien eine digitale Signatur bilden kann. Anhand von öffentlichen Informationen muß es dann möglich sein, diese digitale Signatur zu überprüfen. In diesem Sinne ist eine digitale Signatur ein spezieller Integritätsschutz mit zusätzlichen Besonderheiten. Eine digitale Signatur ist eine Kontrollinfor- _____________________________________________________________________ .......................................... 33 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... mation, die an eine Nachricht oder Datei angehängt wird, mit der folgende Eigenschaften verbunden sind: - Anhand einer digitalen Signatur kann eindeutig festgestellt werden, wer diese erzeugt hat, und - es ist authentisch überprüfbar, ob die Datei, an die die digitale Signatur angehängt wurde, identisch ist mit der Datei, die tatsächlich signiert wurde. Kann also anhand der öffentlich zugänglichen Informationen die digitale Signatur verifiziert werden, so ist einerseits die Integrität der signierten Datei gegeben und andererseits die Nichtabstreitbarkeit, da nur die Person, der die digitale Signatur eindeutig zugeordnet werden kann, diese Signatur anhand ihrer geheimen Informationen gebildet haben kann. Zu beachten ist, daß unterschiedliche Dateien auch unterschiedliche digitale Signaturen zur Folge haben und das geringste Änderungen an den Dateien zu nicht verifizierbaren Signaturen führen. Beispiel: Ein weitverbreitetes Verfahren für digitale Signaturen ist die umgekehrte Anwendung des RSA-Verfahrens. Dabei besitzt jeder Teilnehmer einen nur ihm bekannten geheimen Signierschlüssel. Öffentlich zugänglich sind Verifizierschlüssel-Zertifikate, in denen der passende öffentliche Schlüssel und die Angaben zum Besitzer des passenden geheimen Signierschlüssels unfälschbar miteinander verknüpft sind. Diese Zertifikate werden von vertrauenswürdigen Stellen herausgegeben, die zuvor die Personalien der Teilnehmer geprüft haben. Um für eine beliebige Datei eine digitale Signatur zu berechnen und zu prüfen, wird nun wie folgt vorgegangen: 1. Schritt: Alice berechnet den Hashwert der ausgewählten Datei. 2. Schritt: Alice verschlüsselt diesen Hashwert mit dem nur ihr bekannten geheimen Signierschlüssel. Das Ergebnis ist die digitale Signatur von Alice zu dieser Datei. 3. Schritt: Alice überträgt die digitale Signatur gemeinsam mit dem Verifizierschlüssel-Zertifikat und der Datei an Bob. 4. Schritt: Bob verifiziert das Zertifikat (z. B. mit dem öffentlichen Schlüssel einer Zertifizierungsstelle). 5. Schritt: Bob berechnet den Hashwert der erhaltenen Datei. 6. Schritt: Anhand des im Verifizierschlüssel-Zertifikat enthaltenen öffentlichen Verifizierschlüssels entschlüsselt Bob die digitale Signatur. 7. Schritt: Bob vergleicht den in Schritt 4 berechneten Hashwert und die entschlüsselte Signatur. Sind sie identisch, so ist die digitale Signatur verifiziert. Besteht keine Gleichheit, kann Bob keine weiteren Schlüsse ziehen. 8. Schritt: Nach der Verifikation der digitalen Signatur kann Bob als Ergebnisse festhalten: _____________________________________________________________________ .......................................... 34 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Falls sichergestellt ist, daß tatsächlich nur Alice den geheimen Schlüssel besitzt, kann Bob sicher sein, daß die digitale Signatur von Alice, die im Verifizierschlüssel-Zertifikat aufgeführt ist, erzeugt wurde. - Die erhaltene Datei ist identisch mit der Datei, für die Alice die digitale Signatur berechnet hat. Betont sei, daß digitale Signaturen ausschließlich die Ziele Integrität und Nichtabstreitbarkeit sicherstellen, jedoch in keiner Weise die Vertraulichkeit. Eine digital signierte Nachricht wird im Klartext übertragen, ist sie vertraulich, muß sie zusätzlich verschlüsselt werden. Enthält eine digital signierte Datei eine Willenserklärung des Signierers, kann dann anhand der Signatur diese Willenserklärung unabstreitbar dem Signierer, ggf. auch vor Gericht, zugerechnet werden. Die verwendeten Verifizierschlüssel-Zertifikate wiederum sind selbst von der vertrauenswürdigen Stelle digital signierte Dateien, die analog überprüft werden können und die Auskunft geben über den Verifizierschlüssel und die Person, die den dazu passenden geheimen Signierschlüssel besitzt. Man beachte die Unterschiede zwischen MACs und digitalen Signaturen: - Die digitale Signatur kann durch jeden, der das Verifizierschlüssel-Zertifikat besitzt, verifiziert werden, MACs dagegen nur durch die Parteien, die den geheimen Authentisierungsschlüssel kennen. - Alices digitale Signatur einer Nachricht kann nur von Alice erstellt werden, der MAC-Wert einer Nachricht dagegen von beiden Parteien, Alice und Bob (und allen anderen, die den geheimen Authentisierungsschlüssel kennen). Es ist deshalb unmöglich, MACs für den Zweck der Verbindlichkeit einzusetzen. Mit Artikel 3 des Informations- und Kommunikationsdienste-Gesetzes (Bundesgesetzblatt 1879, Teil 1, 1997) ist für die Bundesrepublik Deutschland ein Gesetz zur digitalen Signatur in Kraft getreten. Dieses regelt, welche Sicherheitsanforderungen die technischen Komponenten, die für digitale Signaturen eingesetzt werden, erfüllen müssen und welche Aufgaben Zertifizierungsstellen, die Verifizierschlüssel-Zertifikate ausstellen, haben. Darüber hinaus wird geregelt, wie die erforderliche Sicherheit der Komponenten und Zertifizierungsstellen geprüft wird. Im Ergebnis wird digitalen Signaturen nach dem Signaturgesetz auch vor Gericht eine hohe Sicherheit zugebilligt. Schlüsselmanagement Bei jedem Einsatz von Verschlüsselung entsteht die Aufgabe, die Schlüssel angemessen zu verwalten. Es stellt sich die Frage, wie man - Erzeugung/Initialisierung, Vereinbarung/Etablierung, Verteilung/Transport, Wechsel/Update, Speicherung, Beglaubigung/Zertifizierung, Rückruf, _____________________________________________________________________ .......................................... 35 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Wiedergewinnung im Fall von Vernichtung/Verlust, Vernichtung/Löschen, Archivierung und Escrow (treuhänderische Hinterlegung) während des gesamten Lebenszyklus der Schlüssel durchführt. Das Schlüsselmanagement kann und wird sich gewöhnlich auch kryptographischer Techniken bedienen. Es muß für die Gesamtheit der Kryptomodule eines kryptographisch basierten Sicherungssystems durchgeführt werden. Geheime Schlüssel müssen vor unbefugter Aufdeckung, Modifizierung und Ersetzung geschützt werden. Öffentliche Schlüssel müssen vor unbefugter Modifizierung und Ersetzung geschützt werden. Angemessenes Schlüsselmanagement ist die Voraussetzung dafür, daß Information durch kryptographische Methoden überhaupt geschützt werden kann. Schlüsselmanagement benötigt eigens dieser Aufgabe gewidmete Ressourcen! Zertifizierungsstellen Trust Center bzw. Zertifizierungsstellen werden immer dann benötigt, wenn man für eine nicht mehr überschaubare Anzahl von Teilnehmern asymmetrische Kryptoverfahren für die digitale Signatur oder für Verschlüsselung einsetzen will. Solche Verfahren benötigen bei der Signaturbildung bzw. der Verschlüsselung einen anderen Schlüssel als bei der Signaturprüfung bzw. der Entschlüsselung. Dazu wird benutzerbezogen ein Schlüsselpaar korrespondierender Schlüssel erzeugt. Ein Schlüssel, der sogenannte öffentliche Schlüssel, wird öffentlich bekanntgegeben. Der andere Schlüssel, der sogenannte private Schlüssel, ist absolut geheimzuhalten. Mit dem privaten Schlüssel - und nur mit diesem - kann eine digitale Signatur erzeugt bzw. ein Text entschlüsselt und mit dem zugehörigen öffentlichen Schlüssel - und nur mit diesem - verifiziert bzw. verschlüsselt werden. Will man nun die Echtheit der öffentlichen Schlüssel und die sichere Zuordnung der Schlüssel zu Personen sicherstellen, bedarf es der bereits erwähnten Trust Center / Zertifizierungsstellen, die die Zuordnung einer Person zu einem öffentlichen Schlüssel durch ein Zertifikat bestätigen. Innerhalb solcher Zertifizierungsstellen werden typischerweise folgende Aufgaben wahrgenommen: - Schlüsselgenerierung: Es sind für die Zertifizierungsstelle und ggf. für Teilnehmer Schlüsselpaare zu generieren. - Schlüsselzertifizierung: Die Teilnehmerdaten, der korrespondierende öffentliche Schlüssel und weitere Daten werden zu einem Zertifikat zusammengefaßt und von der Zertifizierungsstelle digital signiert. - Personalisierung: Das Zertifikat und ggf. öffentlicher und privater Schlüssel werden auf eine Signaturkomponente (i. a. eine Chipkarte) übertragen. - Identifizierung und Registrierung: Die Teilnehmer werden gegen Vorlage eines Ausweispapieres identifiziert und registriert. - Verzeichnisdienst: Zertifikate werden in einem öffentlichen Verzeichnis abrufbar gehalten. Darüber hinaus muß der Verzeichnisdienst Auskunft darüber geben, ob ein Zertifikat gesperrt ist oder nicht. _____________________________________________________________________ .......................................... 36 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Zeitstempeldienst: Für bestimmte Daten kann es notwendig sein, diese mit einem vertrauenswürdigen Zeitpunkt zu verknüpfen. Dazu wird der Zeitpunkt an die Daten angehängt und das Ergebnis vom Zeitstempeldienst digital signiert. Trust Center können außerdem zusätzlich Schlüsselaufbewahrung als Dienstleistung anbieten, wenn die kryptographischen Schlüssel für Verschlüsselung eingesetzt werden sollen. Um bei Schlüsselverlust noch auf die verschlüsselten Daten zugreifen zu können, kann dann der Schlüsselbesitzer (und nur dieser) eine Schlüsseldublette erhalten, die im Trust Center geschützt aufbewahrt wird. Schlüsselverteilungszentralen Die Sicherheit symmetrischer Verschlüsselungsverfahren hängt davon ab, ob der gemeinsam benutzte geheime Schlüssel nur den zum Zugriff auf die geschützten Informationen berechtigten Benutzern bekannt ist. Im Falle des Schutzes gespeicherter Daten, auf die nur deren Eigentümer Zugriff haben soll, ist dies relativ einfach zu gewährleisten, da dieser Eigentümer lediglich den Schlüssel so schützen muß, daß Unbefugte nicht darauf zugreifen können. Anders sieht es jedoch aus, wenn Nachrichten, die von einem Sender über ein unsicheres Übertragungsmedium an einen Empfänger zu übermitteln sind, mit einem symmetrischen Verschlüsselungsverfahren geschützt werden sollen. In diesem Fall muß der geheime Schlüssel sowohl beim Sender als auch beim Empfänger vorliegen, d. h. es muß eine Möglichkeit geschützten Informationsaustauschs zwischen den beiden Partnern verfügbar sein. In der Praxis wird dies oft durch die verschlüsselte Verteilung von Kommunikationsschlüsseln durch sogenannte Schlüsselverteilungszentralen (Key Distribution Centers, KDCs) realisiert, wobei ganze Hierarchien voneinander sicherheitstechnisch abhängiger Schlüssel aufgebaut werden. Die hier zum Einsatz kommenden Verfahren sind teilweise sehr komplex und hängen hinsichtlich ihrer Sicherheit von einer Vielzahl von Komponenten ab, insbesondere von der physischen, organisatorischen, personellen und technischen Sicherheit der KDCs und der zur Kommunikation mit den KDCs vereinbarten Schlüssel. Eine Kompromittierung eines geheimen Schlüssels, d. h. sein Bekanntwerden gegenüber einem unberechtigten Dritten, führt zum Verlust der Vertraulichkeit aller Daten, deren Verschlüsselung mit diesem Schlüssel erfolgte bzw. davon abhängt. Dies ist insbesondere dann kritisch, wenn einer der zentralen Schlüssel einer Schlüsselverteilungshierarchie kompromittiert wurde. Einsatz kryptographischer Verfahren Bei sachgemäßem Einsatz sind kryptographische Verfahren hervorragend geeignet, folgende Bedrohungen abzuwehren: - Kenntnisnahme von Informationen durch Unbefugte, - bewußte Manipulation von Daten durch Unbefugte und - Manipulationen an der Urheberschaft von Informationen. Der alleinige Einsatz von Kryptographie reicht allerdings nicht aus, um alle Bedrohungen abzuwehren. _____________________________________________________________________ .......................................... 37 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 3.23 Maßnahmenkatalog Personal Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Der Einsatz kryptographischer Methoden trägt nichts dazu bei, um die Verfügbarkeit von Daten zu gewährleisten (bei unsachgemäßem Gebrauch von Verschlüsselung droht sogar Datenverlust!). - Kryptographische Methoden können gegen Denial-of-Service-Attacken (siehe auch G 5.28 Verhinderung von Diensten) nichts ausrichten. Sie können aber zur frühzeitigen Erkennung solcher Attacken beitragen. - Sie helfen auch nicht gegen zufällige Verfälschungen von Informationen (etwa durch "Rauschen"). Sie können Verfälschungen aber nachträglich erkennbar machen. _____________________________________________________________________ .......................................... 38 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M4 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M4 Maßnahmenkatalog Hardware und Software M 4.1 Paßwortschutz für PC und Server ..............................................1 M 4.2 Bildschirmsperre ........................................................................2 M 4.3 Regelmäßiger Einsatz eines Viren-Suchprogramms ..................3 M 4.4 Verschluß der Diskettenlaufwerkschächte .................................5 M 4.5 Protokollierung der TK-Administrationsarbeiten ......................6 M 4.6 Revision der TK-Anlagenkonfiguration (Soll-IstAbgleich) ...................................................................................7 M 4.7 Änderung voreingestellter Paßwörter.........................................8 M 4.8 Schutz des TK-Bedienplatzes ....................................................9 M 4.9 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von X-Windows ............10 M 4.10 Paßwortschutz für TK-Endgeräte.............................................11 M 4.11 Absicherung der TK-Anlagen-Schnittstellen ...........................12 M 4.12 Sperren nicht benötigter Leistungsmerkmale...........................13 M 4.13 Sorgfältige Vergabe von IDs....................................................14 M 4.14 Obligatorischer Paßwortschutz unter Unix ..............................15 M 4.15 Gesichertes Login ....................................................................16 M 4.16 Zugangsbeschränkungen für Accounts und / oder Terminals .................................................................................17 M 4.17 Sperren und Löschen nicht benötigter Accounts und Terminals .................................................................................18 M 4.18 Administrative und technische Absicherung des Zugangs zum Monitor- und Single-User-Modus .....................19 M 4.19 Restriktive Attributvergabe bei Unix-Systemdateien und -verzeichnissen..................................................................20 M 4.20 Restriktive Attributvergabe bei Unix-Benutzerdateien und -verzeichnissen..................................................................21 M 4.21 Verhinderung des unautorisierten Erlangens von Administratorrechten ...............................................................23 M 4.22 Verhinderung des Vertraulichkeitsverlusts schutzbedürftiger Daten im Unix-System ................................25 M 4.23 Sicherer Aufruf ausführbarer Dateien ......................................26 M 4.24 Sicherstellung einer konsistenten Systemverwaltung ..............27 M 4.25 Einsatz der Protokollierung im Unix-System...........................28 M 4.26 Regelmäßiger Sicherheitscheck des Unix-Systems..................29 M 4.27 Paßwortschutz am tragbaren PC ..............................................31 _____________________________________________________________________ .......................................... i IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M4 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.28 Software-Reinstallation bei Benutzerwechsel eines tragbaren PC ............................................................................32 M 4.29 Einsatz eines Verschlüsselungsproduktes für tragbare PCs ...........................................................................................33 M 4.30 Nutzung der in Anwendungsprogrammen angebotenen Sicherheitsfunktionen...............................................................35 M 4.31 Sicherstellung der Energieversorgung im mobilen Einsatz......................................................................................36 M 4.32 Physikalisches Löschen der Datenträger vor und nach Verwendung.............................................................................37 M 4.33 Einsatz eines Viren-Suchprogramms bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung...........................38 M 4.34 Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen ................................................................39 M 4.35 Verifizieren der zu übertragenden Daten vor Versand.............41 M 4.36 Sperren bestimmter Fax-Empfängerrufnummern.....................42 M 4.37 Sperren bestimmter Fax-Absenderrufnummern .......................43 M 4.38 Abschalten nicht benötigter Leistungsmerkmale .....................44 M 4.39 Abschalten des Anrufbeantworters bei Anwesenheit...............45 M 4.40 Verhinderung der unautorisierten Nutzung des Rechnermikrofons....................................................................46 M 4.41 Einsatz eines angemessenen PC-Sicherheitsproduktes ............47 M 4.42 Implementierung von Sicherheitsfunktionalitäten in der IT Anwendung .........................................................................49 M 4.43 Fax-Gerät mit automatischer Eingangskuvertierung................50 M 4.44 Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren .......................51 M 4.45 Einrichtung einer sicheren Peer-to-Peer-Umgebung................53 M 4.46 Nutzung des Anmeldepaßwortes unter WfW und Windows 95 .............................................................................56 M 4.47 Protokollierung der Firewall-Aktivitäten .................................58 M 4.48 Paßwortschutz unter Windows NT ..........................................59 M 4.49 Absicherung des Boot-Vorgangs für ein Windows NT System......................................................................................62 M 4.50 Strukturierte Systemverwaltung unter Windows NT ...............64 M 4.51 Benutzerprofile zur Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Windows NT ..............................74 M 4.52 Geräteschutz unter Windows NT .............................................79 _____________________________________________________________________ .......................................... ii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M4 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.53 Restriktive Vergabe von Zugriffsrechten auf Dateien und Verzeichnisse unter Windows NT.....................................81 M 4.54 Protokollierung unter Windows NT.........................................88 M 4.55 Sichere Installation von Windows NT .....................................92 M 4.56 Sicheres Löschen unter Windows NT und Windows 95..........96 M 4.57 Deaktivieren der automatischen CD-ROM-Erkennung ...........98 M 4.58 Freigabe von Verzeichnissen unter Windows 95 .....................99 M 4.59 Deaktivieren nicht benötigter ISDN-KartenFunktionalitäten .....................................................................101 M 4.60 Deaktivieren nicht benötigter ISDN-RouterFunktionalitäten .....................................................................102 M 4.61 Nutzung vorhandener Sicherheitsmechanismen der ISDN-Komponenten ..............................................................103 M 4.62 Einsatz eines D-Kanal-Filters ................................................104 M 4.63 Sicherheitstechnische Anforderungen an den Telearbeitsrechner..................................................................105 M 4.64 Verifizieren der zu übertragenden Daten vor Weitergabe / Beseitigung von Restinformationen..................110 M 4.65 Test neuer Hard- und Software ..............................................113 M 4.66 Novell Netware - Sicherer Übergang ins Jahr 2000...............114 M 4.67 Sperren und Löschen nicht benötigter DatenbankAccounts ................................................................................116 M 4.68 Sicherstellung einer konsistenten Datenbankverwaltung .......117 M 4.69 Regelmäßiger Sicherheitscheck der Datenbank .....................119 M 4.70 Durchführung einer Datenbanküberwachung ........................121 M 4.71 Restriktive Handhabung von Datenbank-Links .....................123 M 4.72 Datenbank-Verschlüsselung...................................................124 M 4.73 Festlegung von Obergrenzen..................................................126 M 4.74 Vernetzte Windows 95 Rechner.............................................128 M 4.75 Schutz der Registrierung unter Windows NT ........................130 M 4.76 Sichere Systemversion von Windows NT..............................132 M 4.77 Schutz der Administratorkonten unter Windows NT.............134 M 4.78 Sorgfältige Durchführung von Konfigurationsänderungen.....................................................137 M 4.79 Sichere Zugriffsmechanismen bei lokaler Administration .......................................................................138 M 4.80 Sichere Zugriffsmechanismen bei Fernadministration...........139 _____________________________________________________________________ .......................................... iii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M4 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.81 Audit und Protokollierung der Aktivitäten im Netz ...............140 M 4.82 Sichere Konfiguration der aktiven Netzkomponenten ...........143 M 4.83 Update/Upgrade von Soft- und Hardware im Netzbereich ............................................................................145 M 4.84 Nutzung der BIOS-Sicherheitsmechanismen .........................146 M 4.85 Geeignetes Schnittstellendesign bei Kryptomodulen.............148 M 4.86 Sichere Rollenteilung und Konfiguration bei Kryptomodulen ......................................................................150 M 4.87 Physikalische Sicherheit von Kryptomodulen .......................151 M 4.88 Anforderungen an die Betriebssystemsicherheit beim Einsatz von Kryptomodulen...................................................152 M 4.89 Abstrahlsicherheit ..................................................................153 M 4.90 Einsatz von kryptographischen Verfahren auf den verschiedenen Schichten des ISO/OSI-Referenzmodells.......156 M 4.91 Sichere Installation eines Systemmanagementsystems ..........163 M 4.92 Sicherer Betrieb eines Systemmanagementsystems ...............165 M 4.93 Regelmäßige Integritätsprüfung.............................................168 M 4.94 Schutz der WWW-Dateien.....................................................169 M 4.95 Minimales Betriebssystem .....................................................171 M 4.96 Abschaltung von DNS ...........................................................174 M 4.97 Ein Dienst pro Server.............................................................175 M 4.98 Kommunikation durch Paketfilter auf Minimum beschränken............................................................................176 M 4.99 Schutz gegen nachträgliche Veränderungen von Informationen.........................................................................178 M 4.100 Firewalls und aktive Inhalte ...................................................180 M 4.101 Firewalls und Verschlüsselung ..............................................182 M 4.102 C2-Sicherheit unter Novell 4.11 ............................................184 M 4.103 DHCP-Server unter Novell Netware 4.x................................189 M 4.104 LDAP Services for NDS ........................................................193 M 4.105 Erste Maßnahmen nach einer Unix-Standardinstallation .......197 M 4.106 Aktivieren der Systemprotokollierung ...................................200 M 4.107 Nutzung von Hersteller-Ressourcen.......................................202 M 4.108 Vereinfachtes und sicheres Netzmanagement mit DNS Services unter Novell NetWare 4.11......................................205 M 4.109 Software-Reinstallation bei 209 _____________________________________________________________________ .......................................... iv IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.1 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.1 Paßwortschutz für PC und Server Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Der Paßwortschutz eines IT-Systems soll gewährleisten, daß nur solche Benutzer einen Zugriff auf die Daten und IT-Anwendungen erhalten, die eine entsprechende Berechtigung nachweisen. Unmittelbar nach dem Einschalten des IT-Systems muß der Berechtigungsnachweis erfolgen. Kann der Benutzer die erforderliche Berechtigung nicht nachweisen, so verhindert der Paßwortschutz den Zugriff auf das IT-System. Realisiert werden kann der Paßwortschutz an einem IT-System auf verschiedene Weise: - Die meisten BIOS-Varianten bieten die Installation eines Boot-Paßwortes an. Bei Fehleingaben wird der Bootvorgang nicht fortgesetzt. Ein BIOSPaßwort ist nicht schwer zu überwinden, schützt aber vor Zufallstätern, sollte also zumindest überall da eingesetzt werden, wo keine besseren Zugriffsschutzmechanismen vorhanden sind (siehe auch: M 4.84 Nutzung der BIOS-Sicherheitsmechanismen). - Gute Betriebssysteme enthalten bereits Zugriffsschutzmechanismen. In den meisten Fällen müssen diese aber noch aktiviert werden, beispielsweise durch die Vergabe von Paßwörtern für alle Benutzer. Näheres hierzu findet sich in den betriebssystem-spezifischen Bausteinen. - Es wird Zusatzhardware oder -software installiert, die vor dem eigentlichen Start des Rechners ein Paßwort abfragt und bei falscher Paßworteingabe die weitere Nutzung des IT-Systems verhindert. Für den Umgang mit Paßwörtern sind die Hinweise in M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs zu beachten, insbesondere ist das Paßwort regelmäßig zu ändern. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist auf den betroffenen Rechnern ein Paßwortschutz installiert? - Welche BIOS- Sicherheitsmechanismen sind aktiviert? _____________________________________________________________________ .......................................... 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.2 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.2 Bildschirmsperre Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Unter einer Bildschirmsperre versteht man die Möglichkeit, die auf dem Bildschirm aktuell vorhandenen Informationen zu verbergen. Die Aktivierung der Bildschirmsperre sollte erfolgen, wenn der Benutzer den Arbeitsplatz für eine nur kurze Zeit verläßt. Als weiteres Leistungsmerkmal sollte die Bildschirmsperre eine automatische Aktivierung bei längerer Pausenzeit aufweisen. Verfügt das Software-Produkt außerdem über eine Paßwort-Abfrage, wird bei der Abwesenheit des IT-Benutzers zusätzlich ein Zugriffsschutz für das ITSystem gewährleistet. Eine paßwortunterstützte Bildschirmsperre wird von MS-Windows 3.x als Bildschirmschoner angeboten. Die Dokumentation dazu sagt jedoch: "Ist eine Non-Windows-Anwendung die aktuelle Anwendung, wird der Bildschirmschoner nicht automatisch aktiviert, unabhängig davon, ob die Anwendung in einem Fenster, von der MS-DOS-Befehlszeile oder als Symbol ausgeführt wird." Unter Windows 95 aktiviert sich der Bildschirmschoner jedoch auch bei DOS-Anwendungen. Neben MS-Windows gibt es weitere Produkte, die einen paßwortunterstützenden Bildschirmschoner anbieten. Vor dem Einsatz solcher Produkte ist zu überprüfen, ob die Bildschirmsperre unter allen Applikationen funktioniert. Unter Unix kann eine Bildschirmsperre mit Programmen wie lock oder - unter X-Windows - lockscreen erfolgen. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist auf den betreffenden Rechnern eine Bildschirmsperre installiert? - Wird die Bildschirmsperre konsequent eingesetzt? _____________________________________________________________________ .......................................... 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.3 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.3 Regelmäßiger Einsatz eines VirenSuchprogramms Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Zum Schutz vor Computer-Viren können unterschiedliche Wirkprinzipien genutzt werden. Programme, die IT-Systeme nach bekannten Viren durchsuchen, haben sich in der Vergangenheit als effektivstes und wirksamstes Mittel in der Viren-Bekämpfung erwiesen. Von Vorteil ist, daß neu erhaltene Software oder Datenträger schon vor dem ersten Einsatz geprüft werden können. Man kann daher eine Infektion mit bekannten ComputerViren grundsätzlich vermeiden. Ein weiterer Vorteil ist, daß man durch das Viren-Suchprogramm eine genauere Information über den jeweils entdeckten Virus erhält. Die bekannten Viren sind durch Spezialisten analysiert worden, so daß man weiß, ob Schadensfunktionen vorhanden sind. Ein gutes VirenSuchprogramm muß daher nicht nur in der Lage sein, viele Viren zu finden, sondern sie auch möglichst exakt identifizieren. Zu beachten ist, daß Viren-Suchprogramme mit der Zeit ihre Wirksamkeit verlieren, da sie nur die zu ihrem Erstellungszeitpunkt bekannten ComputerViren berücksichtigen, neu hinzugekommene jedoch meist nicht erkennen können. Daher ist eine regelmäßige, mindestens vierteljährliche Aktualisierung des Viren-Suchprogramms erforderlich. Durch Parametrisierung lassen sich bei Viren-Suchprogrammen Einstellungen vornehmen, über die festgelegt wird, welche Dateien geprüft werden sollen und in welchem Umfang die Prüfung erfolgen soll. Hier ist es Aufgabe des ITSicherheitsmanagements, die geeigneten Einstellungen zu ermitteln und den Benutzern mitzuteilen bzw. als Voreinstellungen an diese weiterzugeben. Ebenso wie andere Programme können Viren-Suchprogramme durch Aufruf (transient) oder im Hintergrund (resident) genutzt werden. Die Betriebsart des Suchprogramms hat entscheidenden Einfluß auf die Akzeptanz bei den Benutzern und damit auf die tatsächlich erreichte Schutzfunktion. Beim transienten Betrieb muß das Viren-Suchprogramm durch den Benutzer gestartet werden, der außerdem explizit festlegen muß, welche Datenträger durchsucht werden sollen. Hierdurch können Infektionen erst im nachhinein festgestellt werden. Ein Viren-Schutz ist zwar grundsätzlich möglich, jedoch hängt die Wirksamkeit von der Sorgfalt der Benutzer ab. Beim residenten Betrieb wird das Viren-Schutzprogramm beim Start des Rechners in den Speicher geladen und verbleibt dort aktiv bis zum Ausschalten. Es verrichtet seine Tätigkeit, ohne daß der Benutzer dabei mitwirkt, er kann inzwischen seine eigentliche Arbeit, z. B. das Schreiben von Texten, ausführen. Diese Betriebsart hat erst in jüngster Zeit mit dem verstärken Einsatz von Windows-Programmen Bedeutung erlangt. Bei Windows arbeitet die Verwaltung des Speichers effektiver als unter dem zuvor vorwiegend genutzten MS-DOS. Die rasante technische Entwicklung hin zu größeren Speicherkapazitäten der Computer unterstützte diesen Trend. Unter MS-DOS waren speicherresidente Viren-Suchprogramme in ihrer _____________________________________________________________________ .......................................... 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.3 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Leistungsfähigkeit von den Herstellern oft gegenüber den transienten vermindert, um Speicherplatz zu sparen. Der wichtigste Vorteil des residenten Betriebes ist, daß die Sicherheitsmaßnahme (Viren-Suche) unabhängig vom Benutzer wirksam ist. Dies erhöht die Sicherheit. Gleichzeitig führt es zu besserer Akzeptanz bei den Benutzern, da diese sich nicht aktiv um den Virenschutz zu kümmern brauchen. Sie merken nicht einmal, daß im Hintergrund das Schutzprogramm läuft, solange kein Virus gefunden wird. Im letzteren Falle wird die betroffene Datei für den Zugriff gesperrt, d. h. der Benutzer kann sie nicht verwenden, solange das Schutzprogramm aktiv ist. Der Einsatz speicherresidenter Viren-Schutzprogramme unter WindowsBetriebssytemen ist derzeit die beste Möglichkeit, sich vor Computer-Viren zu schützen, weil jede Datei vor ihrer Nutzung (Öffnen zur Bearbeitung, Kopieren, Drucken, Entpacken usw.) geprüft und bei Viren-Befall gesperrt werden kann. Ein weitere präventive Maßnahme ist der Einsatz von ChecksummenPrüfprogrammen. Hierbei werden zum Schutz vor Veränderung von den zu prüfenden Dateien oder Systembereichen (z. B. Boot- und Partition-Sektor) Prüfsummen berechnet, die regelmäßig kontrolliert werden. Auf diese Weise können nicht nur Verseuchungen mit bisher unbekannten Computer-Viren erkannt werden, sondern auch andere unberechtigte Veränderungen an Dateien. Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus sind unter M 6.23 Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus beschrieben. Ergänzende Kontrollfragen: - Wann wurde die letzte Überprüfung vorgenommen? Wurde das Ergebnis dokumentiert? - Wurden Computer-Viren gefunden? Wenn ja, so kann dies darauf hindeuten, daß unerlaubt unautorisierte Software eingesetzt wurde. - Wann wurde das eingesetzte Viren-Suchprogramm zuletzt aktualisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.4 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.4 Verschluß der Diskettenlaufwerkschächte Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Mittels spezieller Einschiebvorrichtungen kann ein Diskettenlaufwerkschacht verschlossen werden. Damit kann erreicht werden, - daß der PC oder der Server nicht mehr von Diskette unkontrolliert gebootet werden kann, - daß Software nicht unkontrolliert eingespielt werden kann und - daß Daten nicht mehr unberechtigt auf Diskette kopiert werden können. Insbesondere sollten daher die bootfähigen Diskettenlaufwerke verschlossen werden. Bei der Beschaffung von Diskettenschlössern ist darauf zu achten, daß herstellerseitig eine möglichst große Anzahl unterschiedlicher Schlüssel angeboten werden. Andererseits erfordert dies organisatorische Maßnahmen im Bereich der Schlüsselverwaltung Ersatzweise kann auch der Ausbau der Diskettenlaufwerke erwogen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist sichergestellt, daß die Diskettenlaufwerke generell verschlossen sind und nur im Falle einer autorisierten Nutzung geöffnet werden? - Wie werden die Schlüssel aufbewahrt? - Ist ein Duplikat des Schlüssels sicher hinterlegt? - Ist sichergestellt, daß die Schlüssel der eingesetzten Schlösser verschieden sind? _____________________________________________________________________ .......................................... 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.5 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.5 Protokollierung der TK-Administrationsarbeiten Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Alle Eingaben, die über die Wartungseingänge der TK-Anlage vorgenommen werden, sollten protokolliert werden. Dies kann entweder über einen Protokolldrucker und/oder auf anderen Speichermedien erfolgen. Auf die erzeugten Protokolldateien darf der TK-Anlagenadministrator kein Schreibrecht besitzen. Die vom Drucker erzeugten Ausdrucke sollten laufende Seitenzahlen besitzen, die einzelnen Protokollmeldungen laufende Meldungsnummern. Das BSI hat in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband der Elektro- und Elektronikindustrie (ZVEI) einen Katalog von Anforderungen erarbeitet, der auch eine verbesserte Protokollierung beinhaltet. Dieser Katalog soll bei der Beschaffung neuer TK-Anlagen für Bundesbehörden zum Tragen kommen. Bei vorhandenen TK-Anlagen sollte überprüft werden, inwieweit die Hersteller solche verbesserten Möglichkeiten als Update anbieten können. Ergänzende Kontrollfragen: - Findet eine Protokollierung statt? - Besteht die Möglichkeit festzustellen, ob der Protokolldrucker ausgeschaltet wurde? _____________________________________________________________________ .......................................... 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.6 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.6 Revision der TK-Anlagenkonfiguration (Soll-IstAbgleich) Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Revisior Nach jeder Konfigurationsveränderung, z. B. der Freigabe einer Berechtigung für einen Teilnehmer, sollte diese in eine Ist-Bestandsliste eingetragen werden. Diese Liste kann per Hand oder automatisiert geführt werden. In regelmäßigen (nicht unbedingt gleichmäßigen) Abständen (z. B. alle 6 Monate) sollte diese Ist-Bestandsliste zumindest stichprobenartig mit der Realität verglichen werden. Unstimmigkeiten sind mit Hilfe der Protokolle aufzuklären. Insbesondere sollte kontrolliert werden, ob - alle nicht vergebenen Rufnummern auch wirklich nicht eingerichtet sind, - verbotene Berechtigungen auch nirgendwo vergeben sind, - deaktivierte Leistungsmerkmale auch wirklich inaktiv sind, - deaktivierte Dial-In-Funktionen auch wirklich inaktiv sind. Das BSI hat in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband der Elektro- und Elektronikindustrie (ZVEI) einen Katalog von Anforderungen erarbeitet, der unter anderem auch Forderungen nach einer besseren Unterstützung von Revisionstätigkeiten beinhaltet. Dieser Katalog soll bei der Beschaffung neuer TK-Anlagen für Bundesbehörden zum Tragen kommen. Bei vorhandenen TKAnlagen sollte überprüft werden, inwieweit die Hersteller solche verbesserten Möglichkeiten als Update anbieten können. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist es möglich, aus den Unterlagen heraus Angaben, beispielsweise über die Berechtigungen bestimmter Anschlüsse, zu geben? - Wann wurde die Dokumentation das letzte Mal an der Realität überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.7 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.7 Änderung voreingestellter Paßwörter Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Viele IT-Systeme, TK-Anlagen und Netzkoppelelemente (bspw. ISDNRouter, Sprach-Daten-Multiplexer etc.) besitzen nach der Auslieferung durch den Hersteller noch voreingestellte Standardpaßwörter. Diese sollten als erstes durch individuelle Paßwörter ersetzt werden. Hierbei sind die einschlägigen Regeln für Paßwörter zu beachten (vgl. M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs). Achtung: Bei einigen TK-Anlagen werden vorgenommene Änderungen der Konfiguration nur im RAM abgelegt. Dies gilt auch für Paßwortänderungen. Daher ist nach einer solchen Operation stets eine Datensicherung vorzunehmen und eine neue Sicherungskopie zu erstellen. Unterbleibt dies, so ist nach einem "Restart" der Anlage wieder das Standardpaßwort gültig. Weiterhin sollte überprüft werden, ob nach Einrichten eines neuen Paßworts das Standardpaßwort tatsächlich seine Gültigkeit verloren hat und nicht weiterhin für den Systemzugang genutzt werden kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Anlage noch mit einem Standardpaßwort versehen? - Wurden die Sicherungskopien nach der Vergabe und Speicherung des individuellen Paßworts angelegt? - Ist der Systemzugang mit dem Standardpaßwort nach der Eingabe eines neuen Paßworts weiterhin möglich? - Werden die einschlägigen Regeln zum "Paßwort-Handling" beachtet? _____________________________________________________________________ .......................................... 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.8 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.8 Schutz des TK-Bedienplatzes Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Sollte die TK-Anlage mit Hilfe eines Bedien-PC administriert werden, so ist dieser mindestens mit den für PCs üblichen Schutzmaßnahmen, siehe Kapitel 5.1 DOS-PC (ein Benutzer), zu versehen. Optional: Sollte die TK-Anlage nicht über ausreichende Sicherheitsfunktionen für Rechteverwaltung und Zugangsschutz verfügen, so kann überlegt werden, marktgängige Zusatzeinrichtungen (Portcontroller) einzusetzen. Mit Hilfe solcher Geräte können sichere Identifizierungs- und Authentisierungsverfahren realisiert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist der Bedien-PC mit einem Passwortschutz versehen? - Steht der Bedien-PC in einer gesicherten Umgebung? - Wer hat Zugang zum Bedien-PC? - Wer hat Zugriffsrechte für den Bedien-PC? _____________________________________________________________________ .......................................... 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.9 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.9 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von X-Windows Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Release 5 der X-Window-Software bietet nur wenige Maßnahmen, um die Sicherheit bei der Übertragung von Daten zwischen dem X-Server und dem X-Client zu erhöhen, so dass der Einsatz von X-Window-Software nur in einer sicheren Umgebung empfohlen werden kann. - Rechnerspezifische Zugriffskontrolle: Auf jedem X-Server gibt es eine Liste zugelassener Rechner, die mit dem Befehl xhost verändert werden kann. Sie muss auf jeden Fall auf die Rechner beschränkt bleiben, die einen Zugriff auf den X-Server benötigen, und es sollte auf keinen Fall ein globaler Zugriff mit xhost + ermöglicht werden. Dies kann erreicht werden, indem explizit Rechner in der xhost-Tabelle eingetragen werden. Darüber hinaus ist zu beachten, dass jeder Benutzer auf einem der zugelassenen Rechner uneingeschränkten Zugriff auf den X-Server hat. Diese Art der Zugriffskontrolle kann deshalb nur dann empfohlen werden, wenn aus zwingenden Gründen keiner der folgenden Sicherheitsmechanismen eingesetzt werden kann. Befehl xhost - Benutzerspezifische Zugriffskontrolle: Der X-Server Prozess lässt sich so konfigurieren, dass bei einem Login (z. B. mit Hilfe von xdm) ein Schlüssel generiert wird, der zur Authentisierung bei einer Übertragung zwischen Client und Server benutzt wird. Dieser Schlüssel (MAGIC COOKIE) wird im Heimatverzeichnis des Benutzers in der Datei .Xauthority abgelegt und kann mit Hilfe des Befehls xauth an den X-Client übertragen werden. Während allerdings der MIT-MAGIC-COOKIEMechanismus nur als eine Art Passwort angesehen werden muss, das bei seiner Übertragung abgehört werden kann, bietet ein in Verbindung mit NIS angebotener und mit einer DES-Verschlüsselung arbeitender Mechanismus mehr Sicherheit und sollte deshalb bevorzugt werden. MIT-MAGIC-COOKIE NIS-Authentisierung - Zugriffskontrolle über Secure Shell: Die Kommunikation zwischen XClient und X-Server kann auch über einen abgesicherten Kanal einer sshVerbindung erfolgen (siehe auch M 5.64 Nutzung von Secure Shell). Hierbei erfolgt sowohl eine rechnerbasierte als auch eine benutzerbasierte Zugriffskontrolle. Die Authentisierungs- und Nutzdaten werden verschlüsselt. Für einen sicheren Betrieb von X-Windows wird die Nutzung von Secure Shell daher empfohlen. abgesicherter Kanal Mit einem Zusatzprogramm können unter X-Windows die Tastendrücke eines entfernten Rechners in Klarschrift übersetzt und eingesehen werden. Bei der Benutzung des Programms xterm kann das Weiterleiten von Tastendrücken verhindert werden, indem verhindert wird, dass KeyPress-Events, welche es bekommt, noch an andere Applikationen weitergeleitet werden. Dafür muss die secure keyboard-Option über das xterm-Menü eingeschaltet werden, so dass das entsprechende Fenster exklusiven Zugriff auf die Tastatur hat. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird verhindert, dass Benutzer durch den Befehl xhost + die rechnerspezifische Zugriffskontrolle abschalten? Abhören von Tastatureingaben _____________________________________________________________________ .......................................... 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.10 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.10 Paßwortschutz für TK-Endgeräte Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Endgeräte, insbesondere Telefone, können oft mit einem Paßwortschutz versehen werden. Bei aktiviertem Paßwortschutz stehen Leistungsmerkmale, wie Rufumleitung, Heranholen von Rufen etc. erst nach Eingabe des Paßwortes zur Verfügung. Ohne die Kenntnis des Paßwortes können in der Regel nur interne Gespräche geführt werden. Um einen Mißbrauch dieser Leistungsmerkmale zu verhindern, sollte von dieser Möglichkeit des Paßwortschutzes immer Gebrauch gemacht werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Können TK-Endgeräte mit einem Paßwortschutz versehen werden? - Sind die Benutzer über die Möglichkeit des Paßwortschutzes aufgeklärt worden? - Wenn ja, wird diese Option in der Praxis genutzt? _____________________________________________________________________ .......................................... 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.11 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.11 Absicherung der TK-Anlagen-Schnittstellen Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die Schnittstellen einer TK-Anlage, über die Administrationstätigkeiten ausgeführt werden können, stellen schützenswerte Punkte dar. Sie sollten daher besonders abgesichert werden. Über unbenutzte oder ungesicherte Schnittstellen können von Unbefugten, etwa unter Zuhilfenahme eines Laptops, Manipulationen am System durchgeführt werden. Der Paßwortschutz auf einen TK-Bedienplatz oder PC-Gateway wäre in einem solchen Fall wirkungslos. Ziel ist es also, dies zu verhindern, zumindest aber den Versuch erkennbar zu machen. Aus diesem Grund sollten die benutzten Schnittstellen gut verschraubt und ggf. zusätzlich verplombt werden. Unbenutzte Schnittstellen können durch verschraubte und verplombte Abschlußkappen gesichert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind alle Schnittstellen bekannt, über die die TK-Anlage konfigurierbar ist? - Existieren an der Anlage frei zugängliche Schnittstellen? - Sind die vorhandenen Anschlußkabel mechanisch an beiden Enden gesichert? _____________________________________________________________________ .......................................... 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.12 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.12 Sperren nicht benötigter Leistungsmerkmale Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Der Umfang der verfügbaren Leistungsmerkmale sollte auf das notwendige Minimum beschränkt werden. Die Software nicht benötigter Leistungsmerkmale sollte, wenn möglich, von der Anlage entfernt werden. Da dies in vielen Fällen nicht möglich ist, können diese Leistungsmerkmale nur gesperrt (deaktiviert) werden. Von Zeit zu Zeit sollte überprüfte werden, ob diese Leistungsmerkmale auch wirklich gesperrt sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden freigegebene Leistungsmerkmale auf ihren tatsächlichen Bedarf geprüft? - Werden nicht genutzte und somit offensichtlich nicht erforderliche Leistungsmerkmale gesperrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.13 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.13 Sorgfältige Vergabe von IDs Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator In Unix-Systemen werden anhand von Benutzer- und Gruppenkennungen von Prozessen und Dateien unter anderem Verursacher von Aktionen festgestellt und Rechte vergeben. Daher ist eine sorgfältige Vergabe dieser Kennungen erforderlich. Jeder Login-Name, jede Benutzer-ID (UID) und jede Gruppen-ID (GID) darf nur einmal vorkommen. Auch nach dem Löschen eines Benutzers bzw. einer Gruppe sollen Login-Name und UID bzw. GID für eine bestimmte Zeit nicht neu vergeben werden. Bei vernetzten Systemen muß auch systemübergreifend darauf geachtet werden, dass Benutzernamen und IDs nicht mehrfach vergeben werden. Dies ist insbesondere bei der Verwendung von NFS wegen der Umsetzung der UIDs wichtig, damit keine Daten unberechtigt gelesen werden können. Jeder Benutzer muss Mitglied mindestens einer Gruppe sein. Jede in der Datei /etc/passwd vorkommende GID muss in der Datei /etc/group definiert sein. Jede Gruppe sollte nur die Benutzer enthalten, die unbedingt notwendig sind. Dieses ist insbesondere für die Systemgruppen (wie root, sys, bin, adm, news, uucp, nuucp oder daemon) wichtig. Logins mit UID 0 (Super-User) dürfen außer für den Systemadministrator root nur für administrative Logins nach vorher festgelegten Regeln vergeben werden (siehe M 2.33 Aufteilung der Administrationstätigkeiten unter Unix). Es ist sinnvoll, für Login-Namen und UIDs bzw. GIDs Namenskonventionen festzulegen. Weiterhin sollte regelmäßig überprüft werden, ob alle UIDs plausibel sind. Sie sollten also z. B. nur aus Ziffern stehen bzw. keine ungültigen Kombinationen wie 00 oder 000 enthalten. Die Dateien /etc/passwd und /etc/group sollten nicht mit Editoren bearbeitet werden, da Fehler die Systemsicherheit stark beeinträchtigen können. Es sollten ausschließlich die entsprechenden Administrationstools benutzt werden, die allerdings sehr systemspezifisch sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Nach welchen Regeln werden IDs vergeben? - Werden die Dateien /etc/passwd und /etc/group regelmäßig auf Konsistenz überprüft? - Stehen im UID-Feld von /etc/passwd wirklich Ziffern? - Sind alle UIDs plausibel? _____________________________________________________________________ .......................................... 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.14 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.14 Obligatorischer Passwortschutz unter Unix Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Der Passwortschutz für jeden Account auf einem Unix-Rechner stellt sicher, dass nur ein berechtigter Benutzer sich unter seinem Login-Namen einloggen kann, indem nach Eingabe des Login-Namens eine Authentisierung durch Eingabe des Passworts erfolgt. Bei der Verwendung von Passwörtern für Benutzer und Gruppen sind die unter M 2.11 Regelung des Passwortgebrauchs beschriebenen Regeln zu beachten. Es muss beachtet werden, dass bei einigen Systemen nur eine begrenzte Zeichenanzahl bei der Passwort-Prüfung berücksichtigt wird. Zur Realisierung dieser Maßnahmen sollten nur Programmversionen von passwd, die die Einhaltung dieser Regeln sicherstellen, oder administrative Maßnahmen, z. B. Shellskripts und entsprechende cron-Einträge, benutzt werden. geeignete Version von passwd verwenden Als weitere Möglichkeit kann auch das Unix-Standard-Kommando passwd durch andere Passwort-Programme mit erweiterter Funktionalität ersetzt werden. Dazu gehören auch die Public-Domain-Programme anlpasswd, npasswd und passwd+, die bereits beim Ändern des Passwortes durch den Benutzer das neu gewählte Passwort auf seine Güte testen und zurückweisen, wenn dieses zu schwach ist. Sie sind z. B. über den FTP-Server ftp://ftp.cert.dfn.de/pub/tools/password/ erhältlich. Die Passwörter sollen nicht in der allgemein lesbaren Datei /etc/passwd, sondern in einer für die Benutzer nicht lesbaren shadow-Passwortdatei gespeichert sein. In jedem neueren Unix-System ist diese shadow-Möglichkeit enthalten, aber leider nach einer Erstinstallation nicht immer aktiviert (so muss z. B. unter RedHat Linux nach der Standardinstallation die Verwendung der shadow-Passwortdatei mit dem Befehl pwconv aktiviert werden). Die Datei /etc/passwd ist regelmäßig auf Benutzer-Kennungen ohne Passwort zu untersuchen. Wird eine solche gefunden, ist der Benutzer zu sperren. Ist für Gruppen Passwortzwang vereinbart worden, so ist entsprechend die Datei /etc/group zu prüfen. Es empfiehlt sich jedoch, für Gruppen keine Passwörter zu vergeben und für jede Gruppe nur so wenig Benutzer wie möglich einzutragen. Das Wechseln zwischen Gruppen, in denen der Benutzer eingetragen ist, wird dadurch erleichtert, und unberechtigtes Wechseln durch systematisches Ausprobieren von Passwörtern mit Hilfe entsprechender Programme ist nicht möglich. Benutzer-Kennungen ohne Passwort sperren Alle Logins, insbesondere diejenigen mit UID 0, sollten regelmäßig auf das Vorhandensein und die Güte von Passwörtern getestet werden (siehe auch M 2.11 und M 4.26). Neben den in M 4.26 Regelmäßiger Sicherheitscheck des Unix-Systems beschriebenen Programmen können diese Logins auch z. B. mit awk -F: '{if ($3=="0") print $1}' /etc/passwd awk -F: '{if ($2=="") print $1}' /etc/passwd ermittelt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.14 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Benutzung von Passwörtern regelmäßig kontrolliert? - Werden die Benutzer an der Wahl von schwachen Passwörtern gehindert (z. B. mit anlpasswd)? - Wie lange sind die Passwörter gültig? _____________________________________________________________________ .......................................... 15.1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.15 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.15 Gesichertes Login Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Es sollte ein Login-Programm verwendet bzw. Optionen aktiviert werden, so dass die folgenden Maßnahmen durchgeführt werden können: - Die Anzahl erfolgloser Login-Versuche wird beschränkt. - Nach jedem erfolglosen Login-Versuch vergrößert sich die Wartezeit bis zur nächsten Login-Aufforderung. Nach einer bestimmten Anzahl von Fehlversuchen wird der Account und / oder das Terminal gesperrt. Dabei ist zu bedenken, dass dadurch nicht der Administrator ausgesperrt werden darf, es muss ihm an der Konsole eine Zugangsmöglichkeit offen bleiben (siehe auch M 1.32 Geeignete Aufstellung von Konsole, Geräten mit austauschbaren Datenträgern und Druckern). - Der Zeitpunkt des letzten erfolgreichen Logins wird dem Benutzer beim Login gemeldet. - Erfolglose Login-Versuche werden dem Benutzer beim Login gemeldet. Eventuell sollte diese Meldung bei mehreren darauf folgenden Logins wiederholt werden. - Der Zeitpunkt des letzten Logouts wird dem Benutzer beim Login gemeldet. Hierbei wird zwischen Logouts zu einem interaktiven Login und solchen zu einem nicht-interaktiven Login (Logout von Hintergrundprozessen) unterschieden. - Für das Login über Netze, in denen Passwörter unverschlüsselt übertragen werden, empfiehlt sich die zusätzliche Verwendung von Einmalpasswörtern (siehe auch M 5.34 Einsatz von Einmalpasswörtern). Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Benutzer darauf hingewiesen worden, den Zeitpunkt des letzten erfolgreichen Logins auf Plausibilität zu überprüfen? - Wie häufig werden erfolglose Login-Versuche dem Benutzer gemeldet? _____________________________________________________________________ .......................................... 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.16 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.16 Zugangsbeschränkungen für Accounts und / oder Terminals Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Der Account und / oder das Terminal eines Benutzers sollen außerhalb der offiziellen Arbeitszeit gesperrt werden. Soweit das nicht mit vertretbarem Aufwand möglich ist (zum Beispiel bei sehr unregelmäßigen oder häufig wechselnden Arbeitszeiten), sollte die Sperrung zumindest zu den Zeiten erfolgen, die grundsätzlich außerhalb der Arbeitszeit liegen. Sperre außerhalb der Arbeitszeit Falls Mitarbeiter nur an einem bestimmten Terminal oder IT-System innerhalb des Netzes arbeiten, ist die Nutzung der Benutzer-Kennung und des dazugehörenden Passwortes auf diesen Rechner zu beschränken, so dass ein Einloggen von einem anderen Rechner aus ausgeschlossen ist. Insbesondere sollte sich der Administrator nach Möglichkeit nur von der Konsole aus anmelden. Dies kann auch technisch forciert werden (siehe auch M 4.21 Verhinderung des unautorisierten Erlangens von Administratorrechten). Beschränkung auf bestimmte IT-Systeme Unter Unix ist für Terminals der jeweilige Benutzer als Eigentümer des entsprechenden Gerätetreibers einzutragen. Sobald dieser sich ausgeloggt hat, sollte automatisch wieder root Eigentümer werden. Nur der jeweilige Benutzer sollte hierfür Leseberechtigung haben. Falls ein Benutzer Nachrichten (z. B. mit talk) von anderen Systembenutzern empfangen möchte, muss er ihnen Schreibberechtigung für den Gerätetreiber einräumen. Es ist zu überprüfen, ob dies unbedingt notwendig ist. Attributvergabe auf Gerätedateien In PC-Netzen kann die Anzahl von gleichzeitigen Anmeldungen unter einem Account von mehreren PCs aus beschränkt werden. Zum Schutz vor dem unbemerktem Eindringen von Angreifern sollte verhindert werden, dass sich ein Benutzer an mehreren PCs gleichzeitig anmelden kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden Zeitfenster, d. h. temporäre Zugangsbeschränkungen, für alle Accounts und Terminals eingerichtet? _____________________________________________________________________ .......................................... 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.17 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.17 Sperren und Löschen nicht benötigter Accounts und Terminals Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Accounts, die über einen längeren Zeitraum nicht benutzt werden, sollten gesperrt und später gelöscht werden. Wenn beim Löschen von Accounts Dateien übrig bleiben, die keinem existierenden Benutzereintrag mehr zugeordnet sind, besteht die Gefahr, dass diese Dateien später eingerichteten Benutzern unberechtigt zugeordnet werden. Beim Entfernen von Benutzern sind unter Unix die entsprechenden Einträge in /etc/passwd, /etc/group und das Heimatverzeichnis des Benutzers zu löschen. Ebenso ist darauf zu achten, dass weitere Benutzereinträge in Dateien wie /etc/hosts, shadow, u. a. gelöscht werden. Die Daten des Heimatverzeichnisses sollten vorher gesichert werden. Bei der Sperrung bzw. auf jeden Fall vor dem Löschen eines Accounts sollte der betroffene Benutzer informiert werden. Beim Löschen von Accounts ist darauf zu achten, dass auch die Dateien des Benutzers gefunden werden, die nicht in seinem Heimatverzeichnis liegen. Dies kann z. B. mit dem Programm find und der Option -uid erfolgen. Solche Dateien müssen gelöscht oder anderen Benutzern zugeordnet werden. Weiterhin ist darauf zu achten, dass laufende Prozesse und noch anstehende Aufträge gelöscht werden, z. B. unter Unix in der crontab. "verwaiste" Dateien finden Ebenso sollten Terminals, die über einen längeren Zeitraum nicht benutzt werden, gesperrt und später entfernt werden. Unter Unix sind vom System vorgegebene Logins (z. B. sys, bin, adm, uucp, nuucp, daemon und lp), die nicht benötigt werden, zu sperren, indem in das zugehörige Passwortfeld in der Datei /etc/passwd z. B. "LOCKED" eingetragen wird. Wenn ein neu einzurichtender Benutzer seinen Account nur für einen begrenzten Zeitraum benötigt, sollte dieser nur befristet eingerichtet werden. Es kann vorteilhaft sein, Accounts grundsätzlich nur befristet einzurichten und in regelmäßigen Abständen (z. B. jährlich) bei Bedarf zu verlängern. Ist absehbar, dass ein Benutzer eines lokalen Netzes längere Zeit abwesend ist (Urlaub, Krankheit, Abordnung, ...), so sollte sein Account für diese Zeit im Netz-Server gesperrt werden, so dass das Arbeiten unter seiner BenutzerKennung für diese Zeit nicht mehr möglich ist. Jeder Benutzer sollte dem Netzadministrator Zeiten längerer Abwesenheit mitteilen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie wird überprüft, welche Accounts länger nicht benutzt wurden? - Wird überprüft, welche Accounts nicht mehr benötigt werden? - Wird der Netzadministration mitgeteilt, dass ein Benutzer des Netzes für längere Zeit abwesend sein wird? - Wird sichergestellt, dass alle Dateien und Verzeichnisse gelöschter Accounts anderen Benutzern zugeordnet oder gelöscht werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.18 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.18 Administrative und technische Absicherung des Zugangs zum Monitor- und Single-User-Modus Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um das Aktivieren des Monitor-Modus und das Booten in den Single-UserModus zu verhindern, sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden: - Wenn es (abhängig von der Unix-Variante und der zugrunde liegenden Hardware) möglich ist, muss zum Schutz des Unix-Servers ein BIOSPasswort vergeben werden. BIOS-Passwort - Beim Booten in den Single-User-Modus sollte das Super-User-Passwort abgefragt werden, um Unberechtigten den Zugang zum Unix-Server zu erschweren. Super-User-Passwort - Wenn Tastaturschlösser vorhanden sind, sollten diese zum Schutz der Systemkonsole benutzt werden, um den Zugang zum Monitor-Modus zu verhindern. Tastaturschlösser Diese Maßnahme wird ergänzt durch folgende Maßnahmen: - M 1.32 Geeignete Aufstellung von Konsole, Geräten für austauschbare Datenträger und Druckern - M 4.21 Verhinderung des unautorisierten Erlangens von Administratorrechten Ergänzende Kontrollfragen: - Ist der Zugriff auf die Konsole durch Passwörter oder andere Maßnahmen geschützt? _____________________________________________________________________ .......................................... 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.19 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.19 Restriktive Attributvergabe bei UnixSystemdateien und -verzeichnissen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die hier genannten Maßnahmen gelten für Dateien und Verzeichnisse, für die der Administrator zuständig ist, das heißt für solche, die entweder für alle Benutzer von Bedeutung sind oder die Administrationszwecken dienen. Es reicht nicht aus, die Rechte eines Programms zu überprüfen, es muss auch die Rechtevergabe aller Programme überprüft werden, die von diesem Programm aus aufgerufen werden (insbesondere zur Vermeidung Trojanischer Pferde). indirekt aufgerufene Programme prüfen Die Attribute aller Systemdateien sollten möglichst so gesetzt sein, dass nur der Systemadministrator Zugriff darauf hat. Verzeichnisse dürfen nur die notwendigen Privilegien für die Benutzer zur Verfügung stellen. Das s-Bit sollte nur gesetzt sein, wenn unbedingt erforderlich. Bei Shellskripts soll das s-Bit nicht gesetzt sein. Das s-Bit darf nur vom Administrator gesetzt werden, die Notwendigkeit hierfür ist zu begründen und zu dokumentieren. s-Bit vermeiden In Verzeichnissen, in denen alle Benutzer Schreibrechte haben müssen (z. B. /tmp), sollte das t-Bit (Sticky-Bit) gesetzt sein. Die Integrität aller bei Unix-Systemdateien und -verzeichnissen gesetzten Attribute sollte regelmäßig verifiziert werden, z. B. mit Tripwire oder USEIT (siehe auch M 4.26 Regelmäßiger Sicherheitscheck des Unix-Systems). Integrität prüfen Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Attributvergabe bei Unix-Systemdateien regelmäßig überprüft? - Gibt es Listen, anhand derer diese Überprüfungen durchgeführt werden? - Ist das s-Bit nur dort gesetzt, wo es unbedingt erforderlich ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 20 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.20 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.20 Restriktive Attributvergabe bei UnixBenutzerdateien und -verzeichnissen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Die hier genannten Maßnahmen gelten für Dateien und Verzeichnisse eines Benutzers (incl. Mail-Dateien). Die Benutzer sollten die Attribute ihrer Dateien und Verzeichnisse so setzen, dass andere Benutzer nicht darauf zugreifen können. Wenn anderen Benutzern der Zugriff erlaubt werden soll, sollten entsprechende Benutzergruppen eingerichtet werden. Fremdzugriffe verhindern Für benutzerspezifische Konfigurationsdateien wie .profile, .exrc, .login, .cshrc sollte nur der jeweilige Eigentümer Rechte besitzen. Auf Unix-Systemen haben diverse Programme benutzerspezifische Konfigurationsdateien wie .exrc, .emacs oder .mailrc, die nach Programmaufruf automatisch durchlaufen werden und Variablen und Optionen für den Benutzer setzen. Damit in diesen keine trojanischen Pferde installiert werden können, sollte nur der jeweilige Eigentümer Zugriffsrechte besitzen. Die Datei .exrc wird gelesen, bevor die Editoren ex oder vi gestartet werden. Falls sich eine gleichnamige Datei im aktuellen Verzeichnis befindet, wird diese bei einigen Unix-Versionen ausgewertet. Alle eingesetzten UnixVersionen müssen daraufhin überprüft werden, da damit auch die Ausführung von Betriebssystemkommandos bei jedem Editoraufruf möglich ist. Das s-Bit sollte nur gesetzt sein, wenn unbedingt erforderlich. Bei Shellskripts soll das s-Bit nicht gesetzt sein. Das s-Bit sollte nur nach Einbeziehung des Administrators gesetzt werden, die Notwendigkeit hierfür ist zu begründen und zu dokumentieren. s-Bit vermeiden umask Mit umask (user file creation mode mask) wird für jeden Benutzer festgelegt, welche Attribute zur Regelung der Zugriffsrechte eine von ihm neu angelegte Datei erhält. In den benutzerspezifischen Konfigurationsdateien wie /etc/profile oder den $HOME/.profile-Dateien sollte umask = 0027 (-rw-r-----) oder umask = 0077 (-rw-------) eingestellt sein, damit die Dateiattribute für neu angelegte Dateien nur dem Erzeuger (und evtl. der Gruppe) Zugriffsrechte geben. Mail-Dateien Die Attribute der Mail-Dateien sollten regelmäßig daraufhin überprüft werden, ob nur der jeweilige Eigentümer auf die Dateien Zugriff hat. Die Integrität der bei den Unix-Benutzerdateien und -verzeichnissen gesetzten Attribute sollte regelmäßig verifiziert werden, z. B. mit Tripwire oder USEIT (siehe auch M 4.26 Regelmäßiger Sicherheitscheck des Unix-Systems). Integrität prüfen _____________________________________________________________________ .......................................... 21 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.20 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Benutzer über die Bedeutung einer minimalen Rechtevergabe informiert? - Werden die gesetzten umask-Werte regelmäßig vom Administrator überprüft? - Ist das s-Bit nur dort gesetzt, wo es unbedingt erforderlich ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 22 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.21 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.21 Verhinderung des unautorisierten Erlangens von Administratorrechten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Durch den Befehl su kann jeder Benutzer Super-User-Rechte erlangen, wenn er das entsprechende Passwort besitzt. Da die Anzahl fehlerhafter Versuche bei su nicht beschränkt ist, besteht ein erhöhtes Risiko, dass das Passwort durch systematisches Probieren mit Hilfe entsprechender Programme herausgefunden wird. Deshalb sollte su nur für den Super-User zugänglich sein. Alternativ könnte ein modifiziertes su installiert werden, bei dem die Anzahl erfolgloser Versuche beschränkt ist, sich die Wartezeit bis zur nächsten su-Aufrufmöglichkeit nach jedem erfolglosen Login-Versuch vergrößert und nach einer bestimmten Anzahl von Fehlversuchen die Ausführmöglichkeit und / oder das Terminal gesperrt wird. Jede Verwendung des Befehls su sollte protokolliert werden. Zugriffe auf su beschränken Wenn das System es zulässt, kann der Login-Name des Super-Users anders als root genannt werden. Als zusätzliche Super-User-Logins sollten aber nur administrative Logins (siehe M 2.33 Aufteilung der Administrationstätigkeiten unter Unix) geschaffen werden. Der Administrator darf nur von der Konsole aus arbeiten, um zu verhindern, dass bei einem Abhören der Leitung sein Passwort bekannt wird. Unter Solaris kann dies beispielsweise erreicht werden, indem die Datei /etc/default/login entsprechend konfiguriert wird. nur an der Konsole administrieren Bei BSD-Unix kann sich root nur an Terminals einloggen, die in der Datei /etc/ttytab als secure gekennzeichnet sind. Ist diese Option für alle Terminaleinträge entfernt, kann sich ein Administrator an einem Terminal nur mit dem Kommando su als root einloggen. Es sollte überlegt werden, eine Benutzergruppe einzurichten, auf die die Ausführung des Kommandos su beschränkt ist. Ist bei BSD-Unix die Konsole in der Datei /etc/ttytab als secure gekennzeichnet, wird kein Passwort beim Hochfahren in den Single-User-Modus abgefragt, daher muss dieser Eintrag unbedingt entfernt werden. Konsole nicht als secure kennzeichnen Die Datei /etc/ftpusers enthält die Login-Namen, die sich nicht per ftp anmelden dürfen. Bei ftp werden die Passwörter über eine ungeschützte Klartextverbindung übertragen. Daher sollten administrative Zugänge (root, bin, daemon, sys, adm, lp, smtp, uucp, nuucp, etc.) hier eingetragen werden. Bei einigen Standardinstallationen steht root nicht in dieser Datei. ftp für administrative Zugänge verbieten Wenn ein Benutzer bzw. ein Benutzer-Programm eine Super-User-Datei (Dateien mit Eigentümer root und gesetztem s-Bit) ausführt, erhält dieser Benutzer bzw. dieses Programm bei der Ausführung Super-User-Rechte. Das ist für bestimmte Anwendungen erforderlich, kann aber unter Umständen auch missbräuchlich benutzt werden. Deshalb ist darauf zu achten, dass nur die notwendigsten Programmdateien Super-User-Dateien sind und keine weiteren Super-User-Dateien von Dritten hinzugefügt werden. s-Bit vermeiden _____________________________________________________________________ .......................................... 23 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.21 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Automatisches Mounten von Geräten für austauschbare Datenträger: Mit sich auf dem gemounteten Laufwerk befindenden s-Bit-Programmen kann ein Benutzer Super-User-Rechte erlangen. Automatisches Mounten sollte daher restriktiv gehandhabt werden. Manche Unix-Versionen bieten eine Option des mount-Befehls, der dazu führt, dass das s-Bit für das entsprechende Filesystem ignoriert wird. Bei austauschbaren Datenträgern sollte überlegt werden, diese Option anzuwenden. automatisches Mounten vermeiden Bei der Freigabe von Verzeichnissen, die von anderen Rechnern gemountet werden dürfen, sind die unter M 5.17 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von NFS beschriebenen Einschränkungen zu beachten. Es sollten insbesondere keine Verzeichnisse mit root-Rechten und nur bei Bedarf Verzeichnisse mit Schreibrechten freigegeben werden. Diese Maßnahme wird ergänzt durch folgende Maßnahmen: - M 1.32 Geeignete Aufstellung von Konsole, Geräten für austauschbare Datenträger und Druckern - M 4.18 Administrative und technische Absicherung des Zugangs zum Monitor- und Single-User-Modus Ergänzende Kontrollfragen: - Ist der Befehl su nur für den Administrator ausführbar? - Wird die Verwendung des Befehls su automatisch protokolliert? - Wer hat Schreibzugriff auf die entsprechenden Konfigurationsdateien? _____________________________________________________________________ .......................................... 24 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.22 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.22 Verhinderung des Vertraulichkeitsverlusts schutzbedürftiger Daten im Unix-System Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Mit Unix-Befehlen wie ps, finger, who, last lassen sich Informationen über einen Benutzer (z. B. Arbeitsverhalten) ermitteln. Viele Unix-Derivate enthalten dazu noch weitere Befehle wie z. B. listusers unter Solaris. Es ist zu überlegen, ob das Ausführen dieser Befehle für jeden Benutzer erlaubt sein soll (Datenschutz, Ausspähen von Login-Namen u. Ä.). Im Zweifelsfall sollte der Zugriff auf diese Befehle beschränkt werden. Zugriff auf Kommandos beschränken Beim Aufruf von Kommandos dürfen keine sensitiven Informationen als Parameter mit eingegeben werden, wie z. B. ein Passwort, da andere Benutzer mit ps diese Angaben sehen können. Passwörter nicht als Kommandoparameter übergeben Die Protokolldateien wie wtmp, utmp, wtmpx, utmpx, etc. sollten nach Möglichkeit durch geeignete Zugriffsrechte vor unbefugtem Auslesen geschützt werden, da hieraus eine Vielzahl von Informationen über die Benutzer herausgelesen werden kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 25 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.23 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.23 Sicherer Aufruf ausführbarer Dateien Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Es muss sichergestellt werden, dass nur freigegebene Versionen ausführbarer Dateien und keine eventuell eingebrachten modifizierten Versionen (insbesondere Trojanische Pferde) aufgerufen werden. Daher soll das jeweils aktuelle Arbeitsverzeichnis (.) nicht als Pfad in der Variable PATH enthalten sein. Ausführbare Dateien sollen nur in dafür vorgesehenen Verzeichnissen gespeichert sein. In den in einer PATH-Variable enthaltenen Verzeichnissen darf nur der Eigentümer Schreibrecht haben. Dieses soll regelmäßig überprüft werden. Bei Unix-Systemen mit IFS-Variable soll diese auf den Standardwert (space, tab und newline) gesetzt sein und insbesondere nicht auf "/". aktuelles Verzeichnis nicht im Suchpfad Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die PATH-Einträge regelmäßig überprüft? - Befinden sich ausführbare Dateien verstreut im System? - Sind die Regelungen für ausführbare Dateien den Benutzern bekannt? - Wird die Integrität der entsprechenden Konfigurationsdateien regelmäßig verifiziert (z. B. mit Tripwire oder USEIT)? _____________________________________________________________________ .......................................... 26 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.24 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.24 Sicherstellung einer konsistenten Systemverwaltung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, Administrator IT-Sicherheitsmanagement, Verantwortlich für Umsetzung: Administrator In vielen komplexen IT-Systemen, z. B. unter Unix oder in einem Netz, gibt es eine Administratorrolle, die keinerlei Beschränkungen unterliegt. Unter Unix ist das der Super-User root, in einem Novell-Netz der SUPERVISOR bzw. admin. Durch fehlende Beschränkungen ist die Gefahr von Fehlern oder Missbrauch besonders hoch. Um Fehler zu vermeiden, soll unter dem Super-User-Login nur gearbeitet werden, wenn es notwendig ist; andere Arbeiten soll auch der Administrator nicht unter der Administrator-Kennung erledigen. Insbesondere dürfen keine Programme anderer Benutzer unter der Administrator-Kennung aufgerufen werden. Ferner sollte die routinemäßige Systemverwaltung (zum Beispiel Backup, Einrichten eines neuen Benutzers) nur menügesteuert durchgeführt werden können. nicht unter Super-UserLogin arbeiten Durch Aufgabenteilung, Regelungen und Absprache ist sicherzustellen, dass Administratoren keine inkonsistenten oder unvollständigen Eingriffe vornehmen. Zum Beispiel darf eine Datei nicht gleichzeitig von mehreren Administratoren editiert und verändert werden, da dann nur die zuletzt gespeicherte Version erhalten bleibt. Absprache unter den Administratoren Wenn die Gefahr des Abhörens von Leitungen zu Terminals besteht, sollte der Administrator nur an der Konsole arbeiten, damit keine Passwörter abgehört werden können. Bei der Administration von Unix-Systemen kann eine verschlüsselte Kommunikation mit dem Protokoll Secure Shell erfolgen. Hiermit ist eine gesicherte Administration von entfernten Arbeitsstationen aus möglich (siehe auch M 5.64 Nutzung von Secure Shell). Secure Shell verwenden Für alle Administratoren sind zusätzliche Benutzer-Kennungen einzurichten, die nur über die eingeschränkten Rechte verfügen, die die Administratoren zur Aufgabenerfüllung außerhalb der Administration benötigen. Für Arbeiten, die nicht der Administration dienen, sollen die Administratoren ausschließlich diese zusätzliche Benutzer-Kennungen verwenden. Alle durchgeführten Änderungen sollten dokumentiert werden, um diese nachvollziehbar zu machen und die Aufgabenteilung zu erleichtern (siehe auch M 2.34 Dokumentation der Veränderungen an einem bestehenden System). Für die nachträgliche Überprüfung durchgeführter Administratortätigkeiten kann mit dem Unix-Befehl script ein Protokoll der eingebenen Befehle angefertigt werden. Dieser Befehl protokolliert die gesamte TerminalSitzung in einer ASCII-Datei. Solch eine Datei kann dann bei Bedarf einem elektronischen oder ausgedruckten Administrations-Journal beigefügt werden. Änderungen dokumentieren _____________________________________________________________________ .......................................... 27 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.24 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wie ist sichergestellt, dass Eingriffe des Administrators nicht zu Inkonsistenzen führen? - Werden vor größeren Eingriffen Backups gefahren? - Haben die Administratoren zusätzliche Benutzer-Kennungen mit eingeschränkten Rechten? - Werden standardmäßig die zusätzlichen Benutzer-Kennungen benutzt? - Wird ein Administrations-Journal geführt? Werden dort alle Änderungen dokumentiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 27.1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.25 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.25 Einsatz der Protokollierung im Unix-System Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die Protokollmöglichkeiten des einzelnen Unix-Systems sind einzusetzen und gegebenenfalls durch Programme oder Shellskripts zu ergänzen. Folgende Maßnahmen sollen ergriffen werden: - Die Protokoll-Dateien müssen regelmäßig ausgewertet werden. Die Auswertung sollte nicht immer zum selben Zeitpunkt erfolgen, um zu verhindern, dass ein Angreifer diese Tatsache ausnutzt. Wenn z. B. der Administrator jeden Tag um 17.00 Uhr die Systemaktivitäten überprüft, kann ein Angreifer um 18.00 Uhr unbemerkt tätig werden. regelmäßige Auswertung - Je nach Art der protokollierten Ereignisse kann es erforderlich sein, schnellstmöglich einzugreifen. Damit der Administrator über solche Ereignisse (z. B. Protokolldatei zu groß, wichtige Serverprozesse abgebrochen, mehrfach versuchte root-Logins während ungewöhnlicher Tageszeiten, etc.) automatisch informiert wird, sollten halbautomatische Logfileparser für die Alarmierung eingesetzt werden (z. B. swatch, logsurfer oder checksyslog). automatische Alarmierung - Soweit erforderlich, sollten die Protokolldateien gesichert werden, bevor sie zu groß oder vom System gelöscht werden. - Informationen aus Dateien wie wtmp, utmp, wtmpx, utmpx, etc. sollten mit Skepsis betrachtet werden, da diese Dateien leicht zu manipulieren sind. - Die Datei-Attribute der Protokolldateien sollten so gesetzt sein, dass Unberechtigte keine Änderungen oder Auswertungen der Protokolle vornehmen können. - Folgende Protokolldateien sollten mindestens erstellt und kontrolliert werden: Logins (auch Fehlversuche), Aufruf von su, Fehlerprotokollierungsdatei / Protokollierung wichtiger Vorgänge (errorlog), Administratortätigkeiten (insbesondere von root ausgeführte Befehle). Weitere Einzelheiten finden sich in M 4.106 Aktivieren der Systemprotokollierung. Der Befehl last zeigt Login- und Logout-Informationen wie Zeitpunkt und Terminal für jeden Benutzer an. Der Administrator sollte mit diesem Befehl regelmäßig überprüfen, ob sich Benutzer auf ungewöhnlichem Weg anmelden, z. B. über Modemleitungen oder über FTP. Wenn auf vielen Systemen Protokolldaten anfallen sollten, empfiehlt sich der Einsatz eines dedizierten Loghosts, der besonders abgesichert ist. Das Weiterleiten (Forward) der Syslog-Meldungen auf diesen Loghost muss in der Syslog-Konfigurationsdatei aktiviert werden (siehe M 4.106 Aktivieren der Systemprotokollierung). dedizierter Loghost _____________________________________________________________________ .......................................... 28 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.25 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Protokolldateien regelmäßig ausgewertet? - Ist die Protokollierung noch aktiv und ausreichender Speicherplatz vorhanden? - Wird die Integrität der Konfigurationsdateien für die Protokollierung regelmäßig verifiziert und protokolliert (z. B. mit Tripwire oder USEIT)? - Wie werden die Protokolldateien archiviert und gegen Manipulation und unbefugte Einsichtnahme geschützt? _____________________________________________________________________ .......................................... 28.1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.26 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.26 Regelmäßiger Sicherheitscheck des UnixSystems Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Unix-Betriebssysteme bieten standardmäßig verschiedene Sicherheitseigenschaften an. Diese können jedoch nur zum Erfolg führen, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden. Die hierfür notwendigen Einstellungen sollen mit Hilfe von Tools automatisiert überprüft werden, um Tools verwenden - Inkonsistenzen innerhalb eines Unix-Systems erkennen und beseitigen zu können und - den Systemverwalter in die Lage zu versetzen, das Unix-Betriebssystem unter optimaler Ausnutzung der gegebenen Sicherheitsmechanismen zu verwalten. Diese Prüfung kann mit im Unix-System vorhandenen Programmen, selbsterstellten Shellskripts oder Public-Domain-Programmen erfolgen. Für einige Unix-Varianten sind auch kommerzielle Programme verfügbar. Beispiele: - pwck Dieser Befehl gehört zu den Standard-Betriebssystemkommandos. Mit diesem Befehl nimmt man eine Konsistenzprüfung der Datei /etc/passwd vor. Es wird überprüft, ob alle notwendigen Einträge vorgenommen wurden, ob das Login-Verzeichnis für den Benutzer existiert und ob das Login-Programm vorhanden ist. Ähnliche Funktionen beinhaltet unter Solaris der Befehl logins, mit dem auch Accounts ohne Passwort gefunden werden können. - grpck Mit diesem Befehl nimmt man eine Konsistenzprüfung der Datei /etc/group vor. Er gehört ebenfalls zu den Standard-Betriebssystemkommandos. Es wird überprüft, ob alle notwendigen Einträge vorgenommen wurden, ob alle Mitglieder einer Gruppe auch in der Benutzerpasswortdatei vorhanden sind und ob die Gruppennummer mit der dort angegebenen übereinstimmt. - tripwire Mit diesem Programm können Integritätsprüfungen von Dateien durchgeführt werden. Dazu werden Prüfsummen über Dateien gebildet und in einer Datenbank gespeichert. tripwire ist in verschiedenen kostenlosen Versionen verfügbar. - cops Dieses Public-Domain-Programm dient zur Überprüfung der Sicherheit von Unix-Systemen, z. B. werden verschiedene Systemeinstellungen, Zugriffsrechte, SUID-Dateien etc. überprüft und potentielle Sicherheitslücken aufgezeigt. _____________________________________________________________________ .......................................... 29 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.26 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - tiger Mit diesem Public-Domain-Programm können Unix-Systeme ähnlich wie mit cops auf Sicherheitslücken überprüft werden. - SATAN Mit diesem Public-Domain-Programm kann die Netz-Sicherheit analysiert werden. Es überprüft vernetzte Unix-Systeme auf bekannte, aber oftmals nicht beseitigte Schwachstellen. - BSI-Tool Sichere Unix-Administration (USEIT) USEIT hat das BSI entwickeln lassen, um es Systemverwaltern zu ermöglichen, mit einem Tool die Sicherheitseinstellungen eines UnixSystems automatisiert zu überprüfen. Es werden Prüfungen der Konsistenz von Systemdateien und des Systems selbst vorgenommen, die Passwortstärke wird geprüft und unsichere Prozesse festgestellt. Es werden Prüfsummen von Dateien und Dateiattributen erzeugt und geprüft. Die Netzsicherheit wird überprüft und Penetrationstests können durchgeführt werden. Unsichere Ports und Dienste werden geprüft. Die Protokollierung wird überwacht. Kontrollen der eingespielten Hersteller-Patches und der zutreffenden CERT-Veröffentlichungen werden durchgeführt. Weitere Details zu USEIT können der IT-Grundschutz-CD entnommen werden. - crack Mit diesem Public-Domain-Programm überprüft man, ob zu einfache, leicht erratbare Passwörter vorhanden sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Durchführung und die Ergebnisse des Sicherheitschecks dokumentiert? - Welche Schwachstellen werden durch die eingesetzten Programme und Shellskripts überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000 30
M 4.27 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.27 Paßwortschutz am tragbaren PC Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Jeder tragbare PC sollte mit einem Paßwortschutz versehen werden, der verhindert, daß der PC unberechtigt benutzt werden kann. Die im Umgang mit Paßwörtern zu beachtenden Regeln sind in M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs aufgeführt worden. Bei modernen tragbaren PCs sollte das BIOSBootpaßwort aktiviert werden, wenn dessen Nutzung möglich ist. Erst nach Eingabe des korrekten Bootpaßwortes wird der Rechner dann hochgefahren. Ist keine Paßwortroutine installiert, sollte, wenn keine Verschlüsselung der Daten erfolgt, die Speicherung von schutzbedürftigen Daten auf der Festplatte verboten und deren Speicherung stattdessen nur auf Disketten zugelassen werden. Diese Disketten sind dann getrennt vom tragbaren PC aufzubewahren, zum Beispiel in der Brieftasche. Einige tragbare PCs sehen auch die Möglichkeit einer Pausenschaltung vor, die über eine spezielle Tastenkombination aktiviert werden kann. Erst nach Eingabe des entsprechenden Paßwortes ist die weitere Nutzung des tragbaren PC möglich. Ist eine Pausenschaltung vorhanden, so sollte sie für kurze Arbeitsunterbrechungen genutzt werden. Ist es absehbar, daß die Unterbrechung länger dauert, ist der Rechner auszuschalten. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Paßwörter für tragbare PC benutzt? Werden die Regeln für den korrekten Umgang mit Paßwörtern eingehalten? - Wird bei der Übergabe eines tragbaren PC das Paßwort gewechselt? _____________________________________________________________________ .......................................... 31 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.28 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.28 Software-Reinstallation bei Benutzerwechsel eines tragbaren PC Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Wechselt der Benutzer eines tragbaren PC, so muß sichergestellt sein, daß auf dem PC weder schutzbedürftige Daten noch Computer-Viren vorhanden sind. Die Löschung von Daten kann durch vollständiges Überschreiben oder mit Hilfe spezieller Löschprogramme vorgenommen werden. Ein aktuelles VirenSuchprogramm muß anschließend zum Einsatz kommen. Beide Vorgänge müssen für alle benutzen Datenträger (Festplatte, Diskette) durchgeführt werden. Es empfiehlt sich jedoch, die Festplatte des tragbaren PC neu zu formatieren und anschließend die erforderliche Software und Daten neu aufzuspielen. Beim Formatieren von DOS-Datenträgern ist darauf zu achten, daß der Parameter /U (in DOS 6.2 enthalten) benutzt wird, damit das Formatieren nicht über den Befehl unformat wieder rückgängig gemacht werden kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird vor der Formatierung sichergestellt, daß der vorhergehende Benutzer keinerlei Daten von dem tragbaren PC mehr benötigt? _____________________________________________________________________ .......................................... 32 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.29 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.29 Einsatz eines Verschlüsselungsproduktes für tragbare PCs Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Um zu verhindern, daß aus einem trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gestohlenen tragbaren PC schutzbedürftige Daten ausgelesen werden können, sollte ein Verschlüsselungsprogramm eingesetzt werden. Mit Hilfe der marktgängigen Produkte ist es möglich, einzelne Dateien, bestimmte Bereiche oder die ganze Festplatte so zu verschlüsseln, daß nur derjenige, der über den geheimen Schlüssel verfügt, in der Lage ist, die Daten zu lesen und zu gebrauchen. Die Sicherheit der Verschlüsselung hängt dabei von drei verschiedenen Punkten zentral ab: - Der verwendete Verschlüsselungsalgorithmus muß so konstruiert sein, daß es ohne Kenntnis des verwendeten Schlüssels nicht möglich ist, den Klartext aus dem verschlüsselten Text zu rekonstruieren. Nicht möglich bedeutet dabei, daß der erforderliche Aufwand zum Brechen des Algorithmus bzw. zum Entschlüsseln in keinem Verhältnis steht zum dadurch erzielbaren Informationsgewinn. - Der Schlüssel ist geeignet zu wählen. Nach Möglichkeit sollte ein Schlüssel zufällig erzeugt werden. Wenn es möglich ist, einen Schlüssel wie ein Paßwort zu wählen, sollten die diesbezüglichen Regeln aus M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs beachtet werden. - Der Verschlüsselungsalgorithmus (das Programm), der verschlüsselte Text und die Schlüssel dürfen nicht zusammen auf einem Datenträger gespeichert werden. Es bietet sich an, den Schlüssel einzeln aufzubewahren. Dies kann dadurch geschehen, daß er auf einer Pappkarte in Form einer Scheckkarte aufgeschrieben und anschließend wie eine Scheckkarte im Portemonnaie aufbewahrt wird. Werden die Schlüssel auf Disketten gespeichert, so sollten die Disketten getrennt vom tragbaren PC aufbewahrt werden (z. B. in der Brieftasche). Eine Verschlüsselung kann online oder offline vorgenommen werden. Online bedeutet, daß sämtliche Daten der Festplatte (bzw. einer Partition) verschlüsselt werden, ohne daß der Benutzer dies aktiv veranlassen muß. Eine OfflineVerschlüsselung wird explizit vom Benutzer initiiert. Er muß dann auch entscheiden, welche Dateien verschlüsselt werden sollen. Zur Auswahl und Nutzung von kryptographischen Verfahren sollte auch Kapitel 3.7 Kryptokonzept beachtet werden. Für den Bereich der öffentlichen Verwaltung kann das BSI für den Einsatz auf stationären und tragbaren PCs ein Offline-Verschlüsselungsprogramm unter gewissen Randbedingungen zur Verfügung stellen, das den Sicherheitsanforderungen im Bereich des mittleren Schutzbedarfs genügt. Ein Anforderungsvordruck befindet sich im Teil Hilfsmittel des vorliegenden IT-Grundschutzhandbuchs. _____________________________________________________________________ .......................................... 33 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.29 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Benutzer im Umgang mit dem Verschlüsselungsprogramm geschult? - Werden Daten und Schlüssel getrennt aufbewahrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 34 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.30 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.30 Nutzung der in Anwendungsprogrammen angebotenen Sicherheitsfunktionen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Einige der Standardprodukte im PC-Bereich bieten eine Reihe von nützlichen IT-Sicherheitsfunktionen, deren Güte im einzelnen unterschiedlich sein kann, aber Unbefugte behindern bzw. mögliche Schäden verringern. Im folgenden seien fünf dieser Funktionen kurz erläutert: - Paßwortschutz bei Programmaufruf: das Programm kann nur gestartet werden, wenn vorher ein Paßwort korrekt eingegeben wurde. Dies verhindert die unberechtigte Nutzung des Programms. - Zugriffsschutz zu einzelnen Dateien: das Programm kann nur dann auf eine geschützte Datei zugreifen, wenn das mit dieser Datei verknüpfte Paßwort korrekt eingegeben wird. Dies verhindert den unerlaubten Zugriff mittels des Programms auf bestimmte Dateien. - Automatische Speicherung von Zwischenergebnissen: das Programm nimmt eine automatische Speicherung von Zwischenergebnissen vor, so daß ein Stromausfall nur noch die Datenänderungen betrifft, die nach dieser automatischen Speicherung eingetreten sind. - Automatische Sicherung der Vorgängerdatei: wird eine Datei gespeichert, zu der im angegebenen Pfad eine Datei gleichen Namens existiert, so wird die zweite Datei nicht gelöscht, sondern mit einer anderen Kennung versehen. Damit wird verhindert, daß versehentlich eine Datei gleichen Namens gelöscht wird. - Verschlüsselung von Dateien: das Programm ist in der Lage, eine Datei verschlüsselt abzuspeichern, so daß eine unbefugte Kenntnisnahme verhindert werden kann. Die Inhalte der Datei sind damit nur denjenigen zugänglich, die über den verwendeten geheimen Kryptierschlüssel verfügen. - Automatisches Anzeigen von Makros in Dateien: diese Funktion soll das unbeabsichtigte Ausführen von Makros verhindern (Makro-Viren). Je nach eingesetzter Software und damit vorhandenen Zusatzsicherheitsfunktionen kann der Einsatz dieser Funktionen sinnvoll sein. Für mobil eingesetzte IT-Systeme bietet sich insbesondere die Nutzung des Paßwortschutzes bei Programmaufruf und die automatischen Speicherung an. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Sicherheitsfunktionen bieten die eingesetzten Softwareprodukte? - Welche dieser Funktionen werden regelmäßig genutzt? - Werden die Benutzer auf diese Funktionen hingewiesen? - Werden die sicherheitsrelevanten Hinweise in Handbüchern oder Zertifizierungsreports beachtet? _____________________________________________________________________ .......................................... 35 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.31 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.31 Sicherstellung der Energieversorgung im mobilen Einsatz Verantwortlich für Initiierung: IT-Benutzer Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Um die Energieversorgung eines tragbaren PC auch im mobilen Einsatz aufrechterhalten zu können, werden üblicherweise Batterien eingesetzt. Je nach Kapazität der Batterie und Bauweise des tragbaren PC reicht dies für einen beschränkten Zeitraum, z. B. einige Stunden, aus. Damit nach Abfall der Betriebsspannung keine Daten in flüchtigen Speichern verloren gehen, sollten einige Randbedingungen eingehalten werden: - die Warnanzeigen des tragbaren PC (falls vorhanden), die den Spannungsabfall anzeigen, dürfen nicht ignoriert werden; es ist ggf. rechtzeitig eine Datensicherung durchzuführen, - falls es absehbar ist, daß der mobile Einsatz längerfristig ist, sind aufladbare Batterien vorher nachzuladen und ggf. geladene Ersatzbatterien mitzuführen, - bei der Übergabe eines mobilen IT-Systems ist der ausreichende Ladezustand der Batterien sicherzustellen. - Das Ladenetzteil kann optional mitgeführt werden. Es empfiehlt sich darüber hinaus, während der Nutzung des mobilen ITSystems in kurzen Abständen die verarbeiteten Daten auf einem nichtflüchtigen Medium zu speichern. Dazu können auch automatische Datensicherungen in Standardprogrammen benutzt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 36 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.32 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.32 Physikalisches Löschen der Datenträger vor und nach Verwendung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Verfahrensverantwortlicher Neben den in Maßnahme M 2.167 Sicheres Löschen von Datenträgern enthaltenen Hinweisen zur Löschung oder Vernichtung von Datenträgern sind für den Datenträgeraustausch folgende Punkte zu beachten: Magnetische Datenträger, die für den Austausch bestimmt sind, sollten vor dem Beschreiben mit den zu übermittelnden Informationen physikalisch gelöscht werden. Es soll damit sichergestellt werden, daß keine Restdaten weitergegeben werden, für deren Erhalt der Empfänger keine Berechtigung besitzt. Eine für den mittleren Schutzbedarf ausreichende physikalische Löschung kann erreicht werden, indem der komplette Datenträger oder zumindest die genutzten Bereiche mit einem bestimmten Muster überschrieben werden. Möglich ist auch eine Formatierung des Datenträgers, wenn diese nicht wieder rückgängig gemacht werden kann (Beispiel DOS Version 5.0: format /u). Es werden einige handelsübliche Produkte angeboten, die sogar die physikalische Löschung einzelner Dateien gewährleisten. In der Regel sind die übertragenen Daten auch für den Empfänger schützenswert. Analog ist auch hier nach dem Wiedereinspielen der Daten eine physikalische Löschung des Datenträgers vorzusehen. Auf den Einsatz von optischen Datenträger (hier: WORM) ist zum Zwecke des Datenaustausches dann zu verzichten, wenn sich darauf weitere, nicht für den Empfänger bestimmte Informationen befinden, die nicht gelöscht werden können. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist den für den Austausch der Datenträger Verantwortlichen das Verfahren des physikalischen Löschens bekannt? - Stehen diesen Mitarbeitern geeignete Programme zum physikalischen Löschen bereit? - Sind die Empfänger von schützenswerten Informationen über den Schutzwert der übermittelten Daten informiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 37 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.33 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.33 Einsatz eines Viren-Suchprogramms bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Neben den in M 2.3 Datenträgerverwaltung dargestellten Umsetzungshinweisen sollte unmittelbar vor und unmittelbar nach einer Datenübertragung sowie beim Austausch bzw. beim Versand von Disketten oder anderen Datenträgern eine Viren-Überprüfung durchgeführt werden (vgl. M 4.3 Einsatz von Viren-Suchprogrammen). Dabei ist darauf zu achten, daß das eingesetzte Viren-Suchprogramm auch Makro-Viren erkennen kann. Ein Protokoll der Absender-Überprüfung sollte dem übermittelten Datenträger beigefügt oder einer Datei, die elektronisch versandt wird, angehängt werden. Es empfiehlt sich, dieses Protokoll als Kopie zu verwahren. Der Empfänger hätte anhand dieses Protokolls einen ersten Eindruck von der Integrität der übermittelten Daten. Dies entbindet jedoch nicht von einer erneuten Virenüberprüfung. Der Absender kann andererseits bei eventuellen Beschwerden bezüglich Virenbefall der Daten plausibel machen, daß ein Befall bei ihm unwahrscheinlich war. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird ein möglichst aktuelles Viren-Suchprogramm eingesetzt? - Werden die zum Austausch vorgesehen Daten vor dem Austausch auf Viren überprüft? - Wird ein Protokoll dieser Überprüfung an den Absender übermittelt? - Werden empfangene Dateien und Datenträger vor dem Einspielen auf Virenbefall hin überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 38 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.34 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.34 Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Werden vertrauliche Informationen oder Informationen mit hohem Integritätsanspruch übertragen und besteht eine gewisse Möglichkeit, daß diese Daten Unbefugten zur Kenntnis gelangen, von diesen manipuliert werden oder durch technische Fehler verändert werden können, sollte ein kryptographisches Verfahren zum Schutz der Daten für den Transport oder die Übermittlung in Betracht gezogen werden. Vertraulichkeitsschutz durch Verschlüsselung Für die Übertragung vertraulicher Informationen bedarf es deren Verschlüsselung. Das entscheidende Merkmal eines Verschlüsselungsverfahrens ist die Güte des Algorithmus sowie der Schlüsselauswahl. Ein anerkannter Algorithmus, der für den mittleren Schutzbedarf ausreicht, ist der Tripel-DES, der auf dem Data Encryption Standard (DES) basiert. Dieser ist leicht zu programmieren, zumal der Quell-Code in vielen Fachbüchern in der Programmiersprache C abgedruckt ist. Für den Bereich der öffentlichen Verwaltung kann das BSI für den Einsatz auf stationären und tragbaren PCs ein OfflineVerschlüsselungsprogramm (MIC 7.0) unter gewissen Randbedingungen zur Verfügung stellen, daß den Sicherheitsanforderungen im Bereich des mittleren Schutzbedarfs genügt. Ein Anforderungsvordruck befindet sich im Teil Hilfsmittel des vorliegenden IT-Grundschutzhandbuchs. Um den Anforderungen der Vertraulichkeit der zu übertragenden Informationen zu entsprechen, müssen das IT-System des Absenders und des Empfängers den Zugriffsschutz auf das Verschlüsselungsprogramm ausreichend gewährleisten. Ggf. sollte dieses Programm auf einem auswechselbaren Datenträger gespeichert, in der Regel verschlossen aufbewahrt und nur bei Bedarf eingespielt/genutzt werden. Integritätsschutz durch Checksummen, Verschlüsselung oder Digitaler Signaturbildung Ist für den Datenaustausch lediglich die Integrität der zu übermittelnden Daten sicherzustellen, muß unterschieden werden, ob ein Schutz nur gegen zufällige Veränderungen, z. B. durch Übertragungsfehler, oder auch gegen Manipulationen geleistet werden soll. Sollen ausschließlich zufällige Veränderungen erkannt werden, können Checksummenverfahren (z. B. Cyclic Redundancy Checks) oder fehlerkorrigierende Codes zum Einsatz kommen. Schutz gegenüber Manipulationen bieten darüber hinaus Verfahren, die unter Verwendung eines symmetrischen Verschlüsselungsalgorithmus (z. B. DES) aus der zu übermittelnden Information einen sogenannten Message Authentication Code (MAC) erzeugen. Andere Verfahren bedienen sich eines asymmetrischen Verschlüsselungsalgorithmus (z. B. RSA) in Kombination mit einer Hash-Funktion und erzeugen eine "Digitale Signatur". Die jeweiligen erzeugten "Fingerabdrücke" (Checksumme, fehlerkorrigierende Codes, MAC, Digitale Signatur) werden zusammen mit der Information an den Empfänger übertragen und können von diesem überprüft werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 39 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.34 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Für die Übermittlung oder den Austausch ggf. notwendiger Schlüssel sei hier auf Maßnahme M 2.46 Geeignetes Schlüsselmanagement verwiesen. Weitere Informationen zum Einsatz kryptographischer Verfahren und Produkte finden sich in Kapitel 3.7 Kryptokonzept. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Verschlüsselungsprogramme oder Checksummenverfahren zum Schutz der Vertraulichkeit oder Integrität bereitgestellt? - Sind die für die Datenübertragung Verantwortlichen über ein ordnungsgemäßes Schlüsselmanagement informiert? - Ist der Schutz der Vertraulichkeit/Integrität nur auf dem Transport- bzw. Übertragungsweg oder auch auf dem Empfänger- oder Absendersystem zu gewährleisten? _____________________________________________________________________ .......................................... 40 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.35 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.35 Verifizieren der zu übertragenden Daten vor Versand Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Vor dem Versenden des Datenträgers ist dieser darauf zu überprüfen, ob die gewünschten Informationen - und auch nur diese - vom Datenträger rekonstruierbar sind. Um die korrekte Übertragung zum Datenträger zu überprüfen, kann ein Programm eingesetzt werden, dass die ursprüngliche mit der übertragenen Datei zeichenweise vergleicht (auf einem PC unter DOS z. B. mittels des Befehls comp). Auch sollten alle Dateien des Datenträgers aufgelistet werden (z. B. mit dir unter DOS oder ls unter Unix), um sicherzustellen, dass nur für den Empfänger bestimmte Dateien auf diesem Datenträger enthalten sind. Befanden sich vorher andere Daten auf diesem Datenträger, so sind diese physikalisch zu löschen (M 4.32 Physikalisches Löschen der Datenträger vor und nach Verwendung). Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die auszutauschenden Datenträger vor dem Versenden darauf überprüft, ob die gewünschten Information vollständig vom Datenträger rekonstruierbar sind? - Werden die auszutauschenden Datenträger vor dem Versenden üblicherweise darauf überprüft, ob nur die gewünschten Information vom Datenträger rekonstruierbar sind? _____________________________________________________________________ .......................................... 41 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.36 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.36 Sperren bestimmter FaxempfängerRufnummern Verantwortlich für Initiierung: Vorgesetzte, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Fax-Verantwortlicher, Fax-Poststelle Besteht die Notwendigkeit, das zufällige oder absichtliche Versenden von Informationen oder Unterlagen per Fax an eine nicht gewünschte Empfängerrufnummer zu verhindern, so bietet die heutige Technik dazu mindestens drei Lösungen: Bei einigen Faxgeräten bzw. Faxservern ist es möglich, die Versendung von Faxen an bestimmte Faxempfänger-Rufnummern zu unterbinden (positiver Ausschluss) oder alternativ alle Empfängerrufnummern außer einigen ausgewählten Rufnummern zu sperren (negativer Ausschluss). Einstellung am Faxgerät oder Faxserver Die gleiche Art der Berechtigungsvergabe kann auch in modernen TKAnlagen erreicht werden, vorausgesetzt, das Faxgerät ist über eine solche Anlage ans Telefonnetz angeschlossen. Einstellung an der TKAnlage Wenn ein Faxgerät oder die TK-Anlage eine solche Möglichkeit nicht bietet, so kann zum Beispiel vom Betreiber des öffentlichen Netzes eine Zusatzeinrichtung gemietet werden, die den Verbindungsaufbau zu bestimmten Rufnummern (positiver und negativer Ausschluss) verhindert. Benutzung einer Zusatzeinrichtung Ergänzende Kontrollfragen: - Besteht die Notwendigkeit, bestimmte Faxadressaten auszuschließen? - Ist es vorgekommen, dass Faxsendungen an falsche Empfänger versandt wurden? _____________________________________________________________________ .......................................... 42 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.37 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.37 Sperren bestimmter Absender-Faxnummern Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Fax-Verantwortlicher, Fax-Poststelle Damit bestimmte Faxsendungen das eigene Faxgerät nicht blockieren können, z. B. bei Überlastung durch spezielle Faxaktionen von Werbeagenturen, kann ggf. eine Sperre bestimmter Sender-Faxnummern realisiert werden. Einige moderne Faxgeräte (Gruppe 4) sind in der Lage, die übermittelte Senderrufnummer auszuwerten und den Empfang von Faxsendungen ausgewählter Rufnummern zu verweigern. Dies gilt auch für einige Faxserver, sofern diese an das ISDN-Netz angeschlossen sind. Daneben kann auch die Faxabsenderkennung (CSID - Call Subscriber ID) zur Auswertung herangezogen werden. Nachteilig ist allerdings, dass der Faxabsender die Rufnummernübermittlung unterdrücken und die übermittelte Rufnummer sowie die Absenderkennung manipulieren kann. Auswertung der Senderrufnummer durch das Faxgerät oder den Faxserver Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass beim Telefon-Netzbetreiber kostenpflichtig eine geschlossene Benutzergruppe eingerichtet wird, wenn Empfänger und Sender an digitalen Vermittlungsstellen angeschlossen sind. Teilweise wird diese Möglichkeit auch von modernen TK-Anlagen angeboten (vgl. auch Kapitel 8.1 TK-Anlage). Einrichtung geschlossener Benutzergruppen Ergänzende Kontrollfragen: - Besteht die Notwendigkeit zur Sperre bestimmter Absender-Faxnummern? - Sind dem Fax-Verantwortlichen die geschilderten Varianten von Gegenmaßnahmen bekannt? _____________________________________________________________________ .......................................... 43 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.38 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.38 Abschalten nicht benötigter Leistungsmerkmale Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Nicht benötigte Leistungsmerkmale (insbesondere die Fernabfrage) sollten nach Möglichkeit abgeschaltet werden, um vor Missbrauch und Fehlbedienung geschützt zu sein. Zur Entscheidung, ob ein Leistungsmerkmal benötigt wird, sollten auch die damit verbundenen Sicherheitsrisiken einbezogen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Benutzer explizit aufgefordert, nicht benötigte Leistungsmerkmale abzuschalten? _____________________________________________________________________ .......................................... 44 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.39 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.39 Abschalten des Anrufbeantworters bei Anwesenheit Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer In Zeiten, in denen der Anrufbeantworter nicht benötigt wird, kann er zum Schutz gegen Mißbrauch abgeschaltet oder vom Telefonnetz getrennt werden. Insbesondere in dem Fall, daß das Gerät über die Funktion der Raumüberwachung verfügt, sollte dies konsequent durchgeführt werden. Zu beachten ist, daß sich in einigen Fällen die abgeschalteten Anrufbeantworter selbständig aktiveren, wenn die Verbindung nach einer gewissen Zeit nicht aufgebaut wird (z. B. nach 10-maligem Klingeln). _____________________________________________________________________ .......................................... 45 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.40 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.40 Verhinderung der unautorisierten Nutzung des Rechnermikrofons Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Das Mikrofon eines vernetzten Rechners kann von denjenigen benutzt werden, die Zugriffsrechte auf die entsprechende Gerätedatei (unter Unix zum Beispiel /dev/audio) haben. Unter Windows NT bestimmen die Zugriffsrechte auf die entsprechenden Schlüssel der Registrierung (HKEY_LOCAL_MACHINE\HARDWARE\.), wer das Rechnermikrofon aktivieren kann. Diese Rechte sind daher sorgfältig zu vergeben. Der Zugriff auf die Gerätedatei sollte nur möglich sein, solange jemand an dem IT-System arbeitet. Wenn die Benutzung eines vorhandenen Mikrofons generell verhindert werden soll, muß es - wenn möglich - ausgeschaltet oder physikalisch vom Gerät getrennt werden. Falls das Mikrofon in den Rechner integriert ist und nur durch Software einund ausgeschaltet werden kann, müssen die Zugriffsrechte so gesetzt sein, daß es kein Unbefugter benutzen kann. Dies kann z. B. erfolgen, indem unter Unix allen Benutzern die Leserechte auf die Gerätedatei /dev/audio bzw. unter Windows NT die Zugriffsrechte auf die entsprechenden Schlüssel der Registrierung entzogen werden. Dadurch ist ausgeschlossen, daß ein normaler Benutzer das Mikrofon benutzen kann, er kann aber weiterhin Audio-Dateien abspielen. Bei IT-Systemen mit Mikrofon ist zu prüfen, ob Zugriffsrechte und Eigentümer bei einem Zugriff auf die Gerätedatei verändert werden. Falls dies der Fall ist oder falls gewünscht ist, daß jeder Benutzer das Mikrofon benutzen kann und es nicht nur in Einzelfällen durch den Systemadministrator freigegeben werden soll, muß der Administrator ein Kommando zur Verfügung stellen, das - nur aktiviert werden kann, wenn jemand an dem IT-System angemeldet ist, - nur durch diesen Benutzer aktiviert werden kann und - die Zugriffsberechtigungen dem Benutzer nach dem Abmelden wieder entzieht. Solange der Zugriff auf das Mikrofon durch kein sicheres Kommando geregelt wird, muß das Mikrofon physikalisch vom Rechner getrennt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Kann das Rechnermikrofon ausgeschaltet oder physikalisch vom Rechner getrennt werden? - Wer hat Zugriff auf die Mikrofon-Gerätedatei bzw. auf die Teile der Registrierung, die die Manipulation von Hardwareeinstellungen erlauben? _____________________________________________________________________ .......................................... 46 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.41 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.41 Einsatz eines angemessenen PC-Sicherheitsproduktes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, Datenschutzbeauftragter, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Verantwortlich für Umsetzung: Beschaffungsstelle, Administrator Für den DOS-PC mit mehreren Benutzern ist der Einsatz eines PCSicherheitsproduktes vorzusehen. Für die Beschaffung eines Produktes oder für die Überprüfung schon im Einsatz befindlicher Produkte kann folgende Mindestfunktionalität als Maßstab genutzt werden. Mit ihr soll erreicht werden, daß - nur autorisierte Personen den PC benutzen können, - die Benutzer auf die Daten nur in der Weise zugreifen können, die sie zur Aufgabenerfüllung benötigen, - Unregelmäßigkeiten und Manipulationsversuche erkennbar werden. Empfohlene Mindestfunktionalität für PC-Sicherheitsprodukte für den Einsatz bei DOS-PCs mit mehreren Benutzern: - Identifikation und Authentisierung des Administrators und der Benutzer. Es sollte eine Sperre des Systems nach 3 fehlerhaften Authentisierungsversuchen stattfinden, die nur der Administrator zurücksetzen kann. Wird ein Paßwort verwendet, sollte das Paßwort mindestens sechs Stellen umfassen und verschlüsselt im System gespeichert werden. - Rechteverwaltung und -kontrolle auf Festplatten und Dateien, wobei zumindest zwischen lesendem und schreibendem Zugriff unterschieden werden soll. - Rollentrennung zwischen Administrator und Benutzer. Nur der Administrator kann Rechte zuweisen oder entziehen. - Protokollierung der Vorgänge Anmelden, Abmelden und Rechteverletzung sollte möglich sein. - Kein Systemzugriff auf Betriebssystemebene (DOS) darf für Benutzer möglich sein. - Bildschirmsperre nach zeitweiser Inaktivität der Tastatur oder Maus und Reaktivierung mittels Identifikation und Authentisierung. - Boot-Schutz soll verhindern, daß der PC unbefugt von Diskette gebootet werden kann. Sinnvolle minimale Evaluationstiefe und Mindeststärke der Mechanismen für Zertifikate nach ITSEC: E2, mittel. Zusätzliche Forderungen an das PC-Sicherheitsprodukt: - Benutzerfreundliche Oberfläche zur Erhöhung der Akzeptanz. - Aussagekräftige und nachvollziehbare Dokumentation für Administrator und Benutzer. _____________________________________________________________________ .......................................... 47 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.41 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Wünschenswerte Zusatzfunktionalität des PC-Sicherheitsproduktes: - Rollentrennung zwischen Administrator, Revisor und Benutzer; nur der Administrator kann Rechte zuweisen oder entziehen und nur der Revisor hat Zugriff auf die Protokolldaten, - Protokollierung von Administrationstätigkeiten, - Unterstützung der Protokollauswertung durch konfigurierbare Filterfunktionen, - Verschlüsselung der Datenbestände mit einem geeigneten Verschlüsselungsalgorithmus und in einer Weise, daß ein Datenverlust bei Fehlfunktion (Stromausfall, Abbruch des Vorgangs) systemseitig abgefangen wird. Die Realisierung dieser Funktionalität kann sowohl in Hardware wie auch in Software erfolgen. Bei der Neubeschaffung eines Produktes sollte Maßnahme M 2.66 Beachtung des Beitrags der Zertifizierung für die Beschaffung berücksichtigt werden. Eine Übersicht über PC-Sicherheitsprodukte und deren Funktionalitäten befindet sich in der BSI-BOX (s. Anhang). Die vom BSI zertifizierten IT-Produkte und -Systeme können der BSI Schrift 7148 entnommen werden. Übergangslösung: Sollte eine kurzfristige Beschaffung bzw. ein zügiger Einsatz eines solchen PC-Sicherheitsproduktes nicht möglich sein und haben die PC-Benutzer dieses PC keine gemeinsamen Daten, kann als Übergangslösung ein Verschlüsselungsprodukt eingesetzt werden. Mit diesem Produkt muß jeder Benutzer zu Beginn der Arbeit die ihm zugeordneten Daten entschlüsseln und bei Beendigung der Arbeit wieder verschlüsseln. Damit kann sichergestellt werden, daß die Vertraulichkeit der Daten gewahrt bleibt, jedoch wird nicht verhindert, daß die verschlüsselten Daten manipuliert werden können. Die Manipulation der Daten wird im allgemeinen bei der Entschlüsselung erkannt, da sich nicht sinnvolle Daten ergeben. Für den Bereich der öffentlichen Verwaltung kann das BSI für den Einsatz auf stationären und tragbaren PCs ein Off-line-Verschlüsselungsprogramm unter gewissen Randbedingungen zur Verfügung stellen, daß den Sicherheitsanforderungen im Bereich des mittleren Schutzbedarfs genügt. Ein Anforderungsvordruck befindet sich im Teil Hilfsmittel des vorliegenden IT-Grundschutzhandbuchs. _____________________________________________________________________ .......................................... 48 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.42 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.42 Implementierung von Sicherheitsfunktionalitäten in der IT-Anwendung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, Datenschutzbeauftragter, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Verantwortlich für Umsetzung: Anwendungsentwickler Mehrere Gründe können zu der Notwendigkeit führen, daß innerhalb der Anwendungsprogramme selbst Sicherheitsfunktionalitäten wie eine Zugangskontrolle, eine Zugriffsrechteverwaltung und -prüfung oder eine Protokollierung implementiert werden müssen: - Reichen die Protokollierungsmöglichkeiten des IT-Systems einschließlich zusätzlich eingesetzter IT-Sicherheitsprodukte nicht aus, um eine ausreichende Beweissicherung zu gewährleisten, so müssen diese Protokollelemente im Anwendungsprogramm implementiert werden. (Beispiel: BDSG, Anlage zum § 9, Eingabekontrolle: "zu gewährleisten, daß nachträglich überprüft und festgestellt werden kann, welche personenbezogenen Daten zu welcher Zeit von wem in Datenverarbeitungssysteme eingegeben worden sind".) - Reicht die Granularität der Zugriffsrechte des IT-Systems einschließlich zusätzlich eingesetzter Sicherheitsprodukte nicht aus, um einen ordnungsgemäßen Betrieb zu gewährleisten, so muß eine Zugriffsrechteverwaltung und -kontrolle im Anwendungsprogramm implementiert werden. (Beispiel: eine Datenbank mit einer gemeinsamen Datenbasis. Vorausgesetzt sei, daß je nach Funktion des Benutzers nur Zugriffe auf bestimmte Felder zulässig sind.) - Ist es mit dem IT-System einschließlich zusätzlich eingesetzter IT-Sicherheitsprodukte nicht möglich, den Administrator daran zu hindern, auf bestimmte Daten zuzugreifen oder zumindest diesen Zugriff zu protokollieren und zu kontrollieren, dann muß dies bei Bedarf durch zusätzliche Sicherheitsfunktionen im Anwendungsprogramm implementiert werden. Zum Beispiel kann mit einer Verschlüsselung der Daten verhindert werden, daß der Administrator diese Daten im Klartext liest, wenn er nicht im Besitz des zugehörigen Schlüssels ist. Diese zusätzlichen Anforderungen an IT-Anwendungen müssen schon in der Planung und Entwicklung berücksichtigt werden, da eine nachträgliche Implementation meist aus Kostengründen nicht mehr möglich ist. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird bei der Entwicklung neuer IT-Anwendungen systematisch festgestellt, welche Sicherheitsfunktionen die Anwendung bereitstellen muß? _____________________________________________________________________ .......................................... 49 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.43 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.43 Fax-Gerät mit automatischer Eingangskuvertierung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Beschaffer Fax-Geräte mit automatischer Eingangskuvertierung verhindern, daß eingegangene Faxe unberechtigt entnommen und unberechtigt gelesen werden. Eingehende Faxe werden so geknickt, daß nur das Fax-Vorblatt sichtbar bleibt, und dann in einem Klarsichtumschlag eingeschweißt. Danach fällt der Umschlag in ein verschließbares Fach im Fax-Gerät. Zugriff auf die Umschläge hat normalerweise nur der Berechtigte, der den Schlüssel zu diesem Fach besitzt. Eine unbefugte Kenntnisnahme ist vor Zustellung des Fax nur durch gewaltsames Öffnen des Faches oder Aufreißen des verschweißten Umschlages möglich und wird daher zumindest bemerkt. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Anschaffung eines derartigen Gerätes sinnvoll? _____________________________________________________________________ .......................................... 50 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.44 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.44 Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Eingehende Dateien im Wege des Datenträgeraustausch oder bei elektronischer Übermittlung sind einer Virenprüfung zu unterziehen. Dies gilt nicht nur für reguläre Programm-Dateien, sondern auch für solche Dateien, die mittels Anwendungsprogrammen, die eine Makrosprache verwenden können, erstellt wurden. Für die nachfolgend aufgezählten Anwendungsprogramme ist derzeit bekannt, daß Makros mit Schadfunktionen erzeugt wurden: - Winword (ab Version 2.0), Powerpoint, Excel, AmiPro, Adobe Acrobat. Sofern ein aktuelles Virensuchprogramm eingesetzt wird, das auch MakroViren erkennt, kann auf weitere Maßnahmen verzichtet werden. Darüber hinaus kann eine Testumgebung sinnvoll sein, um übersandte Dateien mit dem jeweiligen Anwendungsprogramm auf Makro-Viren zu untersuchen. Alternativ besteht die Möglichkeit, empfangene Dateien mit einem Editor zu bearbeiten, der die Datei in ein Format umwandelt, in dem die Makros nicht ablauffähig sind. Die empfangenen Dateien können auch mit sogenannten Viewern geöffnet werden, die es kostenlos für die Darstellung der verbreitetsten Dateiformate gibt und die ebenfalls die Ausführung von Makros nicht zulassen. Dokumente sollten möglichst nur im RTF-Format nach außen gegeben werden, da hierzu keine Makrosprache existiert und damit keine Gefahr von Makroviren besteht. Die Umwandlung nach RTF ist im allgemeinen ohne nennenswerte Qualitätsverluste möglich. Als weitere Vorbeugung sollten Benutzer darauf hingewiesen werden, wie sie die automatische Ausführung möglicherweise vorhandener Makros verhindern können. Dies ist leider für fast alle Programme und Versionen anders und auch nicht immer zuverlässig. Auch in PostScript-Dateien kann es zu Problemen ähnlich wie bei MakroViren kommen. Bei PostScript-Anzeige-Programmen handelt es sich um Interpreter, die die PostScript-Sprache abarbeiten. Ab Level 2.0 der PostScript-Spezifikation gibt es auch PostScript-Befehle, um Dateien zu schreiben. Dadurch ist es möglich, PostScript-Dateien zu erzeugen, die während der Bearbeitung durch einen Interpreter, auch bereits bei der Anzeige am Bildschirm, andere Dateien modifizieren, löschen oder umbenennen können. Konkrete Probleme existieren bei dem Programm ghostscript (gs). In den Unix-Versionen können die Schreibmöglichkeiten auf Dateien mit der Option -dSAFER abgeschaltet werden. Allerdings ist dies nicht die Voreinstellung. In Versionen für andere Betriebssysteme heißt diese Option ähnlich. Die Verwendung der Option -dSAFER wird dem Benutzer überlassen. Dies hat auch zur Folge, daß zahlreiche andere Programme, die intern ghostscript _____________________________________________________________________ .......................................... 51 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.44 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... (gs) aufrufen (z. B. mosaic, netscape, xdvi, xfig, xv etc.), dies unterschiedlich realisieren. Die Option sollte daher als Default eingestellt werden. Beschreibungen, wie dies zu realisieren ist, finden sich in den Sicherheitsbulletins des DFN-CERT DSB-95:02 und DSB-95:03 vom 24. August 1995 (siehe auch M 2.35 Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems). Betroffen von diesem Problem sind z. B. alle ghostscript-Versionen von Aladdin vor 3.22beta und die GNU-Versionen bis einschließlich 2.6.2. Bei älteren ghostscript-Versionen kann es daneben weitere PostScript-Befehle geben, mit denen Dateien modifiziert werden können. Es sollten nur ghostscript-Versionen eingesetzt werden, bei denen diese Probleme beseitigt wurden. Der PostScript-Interpreter ghostview bietet ab der Version 1.5 eine Option safer an, die die Sicherheitsfunktionen von ghostscript aktiviert. Versionen vor 1.5 bieten diesen Schutz nicht und sollten durch die aktuelle Version ersetzt werden. Auch bei PDF-Dateien kann es zu ähnlichen Problemen kommen. Im Internet findet man häufig PDF-Dateien, die mit dem kostenlos verfügbaren Acrobat Reader gelesen werden können. In PDF-Dateien lassen sich Funktionen wie Programmaufrufe einbetten, die ein Sicherheitsrisiko für die Dateien des lokalen IT-Systems darstellen. Die eingebetteten Funktionen können bereits beim Öffnen des Dokuments oder durch das Bewegen im Dokument über sogenannte Action Trigger gestartet werden, ohne daß sich der Leser dessen bewußt ist. Um dies zu vermeiden, sollten für das Lesen von PDF-Dateien nur Viewer wie ghostscript eingesetzt werden, die diese Funktionalität noch nicht verarbeiten können, oder die aktuellste Version des Acrobat Reader bzw. des Acrobat Exchange, bei denen die Benutzer über das Vorhandensein evtueller Makros informiert werden und der Ausführung explizit zustimmen müssen. Ergänzende Kontrollfragen - Befindet sich ein Viren-Suchprogramm im Einsatz, das auch Makro-Viren erkennt? - Wurde überprüft, daß die Option -dSafer bei den eingesetzten PostScriptInterpretern aktiviert ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 52 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.45 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.45 Einrichtung einer sicheren Peer-to-Peer-Umgebung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Für jeden Rechner im Peer-to-Peer-Netz unter WfW sollte der Administrator die Peer-to-Peer-Funktionalitäten einzeln zulassen oder sperren und damit die WfW-Umgebung benutzerspezifisch einschränken. Dafür benötigt er das Administrationswerkzeug ADMINCFG.EXE. Nach dem Aufruf von ADMINCFG.EXE muß zunächst die Sicherheitskonfigurationsdatei WFWSYS.CFG geöffnet werden, in der die Sicherheitseinstellungen des jeweiligen WfW-Rechners gespeichert sind. ADMINCFG.EXE kann dabei nicht nach verschiedenen Benutzern auf einem WfW-Rechner unterscheiden. Selbst wenn die Umgebung nicht eingeschränkt werden soll, ist die Sicherheitskonfigurationsdatei WFWSYS.CFG mit einem Paßwortschutz zu versehen. Wird das Administrationswerkzeug ADMINCFG.EXE dazu lokal installiert, ist es anschließend wieder zu entfernen. Mit Hilfe des Administrationswerkzeugs ADMINCFG.EXE können unter Sicherheitsgesichtspunkten folgende Konfigurationen für den Rechner vorgenommen werden: Die Freigabeoptionen sind festzulegen: - Wenn der Rechner nicht für die Freigabe von Verzeichnissen vorgesehen ist, ist die Option "Dateifreigabe deaktivieren" einzustellen. Die entsprechenden Funktionen stehen dann im Dateimanager nicht mehr zur Verfügung, es ist aber weiter möglich, sich mit Verzeichnissen anderer Rechner zu verbinden. - Wenn der Rechner nicht für die Freigabe von Druckern vorgesehen ist, ist die Option "Druckerfreigabe deaktivieren" einzustellen. - Wenn der Rechner nicht für Netz-DDE-Freigabe (z. B. Telefonieren unter WfW, Datenaustausch über die Ablagemappe) vorgesehen ist, ist die Option "Netz-DDE-Freigabe deaktivieren" einzustellen. Die Kennwortoptionen sind festzulegen: - Bei aktiviertem Kennwort-Caching werden in einer Datei alle WfW-Netzverbindungen mit zugehörigen Paßwörtern gespeichert, wenn dies vom Benutzer beim jeweiligen Verbindungsaufbau gewünscht wird. Wiederholte Paßworteingaben sind dann später nicht mehr erforderlich. Die Option "Kennwort-Caching deaktivieren" sollte eingestellt werden, zumindest immer dann, wenn der WfW-Rechner nicht über einen ausreichenden Zugangsschutz (z. B. BIOS-Paßwort) verfügt. - "Kennworte in Freigabe-Dialogfeldern lesbar anzeigen" darf nicht aktiviert sein, da sonst bei der Paßwort-Eingabe dieses im Klartext auf dem Bildschirm erscheint. _____________________________________________________________________ .......................................... 53 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.45 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - "Ablauf des Anmeldekennwortes" sollte auf den in der Sicherheitsstrategie vorgegebenen Zeitraum eingestellt werden. - "Minimale Kennwortlänge" muß auf mindestens 6 eingestellt werden. - "Alphanumerische Kennworte erzwingen" sollte eingestellt werden. Buchstaben-Zahlen-Kombinationen werden damit obligatorisch. - Die Optionen "Bestätigte Anmeldung an Windows NT- oder LAN Manager-Domäne verlangen" und "Caching von Anwenderkennwörtern zulassen" werden an dieser Stelle nicht betrachtet, da das Zusammenwirken von WfW mit Windows NT bzw. LAN Manager nicht untersucht wurde. Die Administrator-Einstellungen sind festzulegen: - Der Administrator muß ein Paßwort für die erstellte Konfigurationsdatei WFWSYS.CFG festlegen, das nur ihm und seinem Stellvertreter bekannt sein darf. Dieses Paßwort ist sicher zu hinterlegen (vgl. M 2.22 Hinterlegen des Paßwortes). - Über "Optionen aktualisieren" können voreingestellte Sicherheitsprofile von einem Server übernommen werden. Darüber hinaus kann auch eingestellt werden, daß beim Start eines Clients die Sicherheitskonfigurationsdatei des Servers überprüft und bei Änderungen die lokale aktualisiert wird. Dies erleichtert dem Administrator die zentrale Administration des WfW-Netzes, das einfache Hinzufügen weiterer WfWRechner und das Wechseln des Paßwortes für die Konfigurationsdatei. Der Administrator muß darüber hinaus beim Einrichtung eines WfWRechners auch die weiteren Punkte beachten: - Die Voreinstellung "Beim Start wieder freigeben" ist in den Freigabeoberflächen (Datei- und Druckmanager) zu deaktivieren. - Die Voreinstellung "Kennwort in der Kennwortliste speichern" ist in den Verbindungsoberflächen (Datei- und Druckmanager) zu deaktivieren. - In der Programmgruppe SYSTEMSTEUERUNG unter Netzwerk sollte gemäß der Namenskonvention der Computername, der Name der Arbeitsgruppe und der Standard-Anmeldename voreingestellt werden. - Das WfW-Protokoll ist zu aktivieren (in der Programmgruppe SYSTEMSTEUERUNG unter Netzwerk). Dabei sollten sämtliche Ereignisse aufgezeichnet und die Protokolldatei ausreichend groß (z. B. 32 KByte) angelegt werden. - In der Programmgruppe SYSTEMSTEUERUNG unter Netzwerk sollte über die Schaltfläche Start voreingestellt werden, ob eigene Anwendungen des Rechners oder Zugriffe anderer mit Priorität bedient werden. Ist der Zugriff anderer nachrangig, sollte die Priorität zugunsten schnellerer Ausführung gewählt werden. - Beim Einsatz von Schedule+ ist darauf zu achten, daß das standardmäßig vergebene Recht, offene oder besetzte Zeitblöcke einzusehen, für alle nicht berechtigten WfW-Benutzer deaktiviert wird. Jeder Teilnehmer am selben _____________________________________________________________________ .......................................... 54 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.45 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Post-Office ist sonst in der Lage, das zeitliche Arrangement der individuellen Termine einzusehen. Wird ein Post-Office eingerichtet, daß von mehreren Benutzern zur Kommunikation oder zur gemeinsamen Terminplanung genutzt werden soll, ist in Erwägung zu ziehen, von diesem eine Datensicherung in angemessenen Zeiträumen anzulegen. Dies ist notwendig, um einem versehentlichen oder absichtlichen Löschen des Post-Office entgegenzuwirken, da dies unter WfW nicht sicher verhindert wird. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die vorgenommenen Einstellungen in geeigneter Form dokumentiert? - Wurde in Erwägung gezogen, die Sicherheitseinstellungen über das Netz zu administrieren? Dazu bietet WfW die Möglichkeit, Sicherheitsprofile auf einem Server zu hinterlegen, die die einzelnen Clients im WfW-Netz zur Aktualisierung abrufen. _____________________________________________________________________ .......................................... 55 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.46 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.46 Nutzung des Anmeldepaßwortes unter WfW und Windows 95 Verantwortlich für Initiierung: Administrator Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Meldet sich ein neuer Benutzer an einem Rechner unter WfW oder Windows 95 an, wird er gefragt, ob er eine Kennwortliste ([anmeldename].pwl) unter seinem Anmeldenamen anlegen möchte. In dieser Liste werden dann alle diejenigen Paßwörter festgehalten, die von diesem Benutzer beim Verbinden mit Ressourcen anderer mitgeteilt werden müssen. Dies geschieht allerdings nur dann, wenn dieses "Caching" von Paßwörtern auf diesem Rechner explizit erlaubt ist und der Benutzer es im Einzelfall auch wünscht. Das Anmeldepaßwort dient einzig und allein dem Schutz dieser Kennwortliste. Nur bei korrekter Eingabe des zum Anmeldenamen gehörigen Paßwortes wird diese entschlüsselt und steht zur Verfügung. Insbesondere wenn ein WfW- oder Windows 95-Rechner von mehreren Benutzern eingesetzt wird, wird ein Schutz der gespeicherten Kennwörter gegenüber den Benutzern desselben Rechners nur durch ein individuelles Anmeldepaßwort gewährleistet. Das jeweilige Paßwort ist geeignet auszuwählen, regelmäßig zu wechseln und sicher zu hinterlegen (vgl. M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs und M 2.22 Hinterlegen des Paßwortes). Hinweise: Werden vom Benutzer keine Paßwörter in der Kennwortliste gespeichert, ist auch kein Anmeldepaßwort unter WfW notwendig. Wird also PaßwortCaching grundsätzlich vom Administrator mittels ADMINCFG.EXE unter WfW bzw. über die Systemrichtlinien unter Windows 95 deaktiviert, so ist das Anmeldepaßwort überflüssig. Selbst Maskerade auf dem PC kann mit diesem Authentisierungsmechanismus nicht verhindert werden, da jede Kennwortliste umbenannt, der ursprüngliche Anmeldename erneut genutzt und anschließend die ursprüngliche Kennwortliste wieder zurückbenannt werden kann. Wird allerdings Paßwort-Caching erlaubt und auch genutzt, muß der Administrator mittels ADMINCFG.EXE unter WfW bzw. über die Systemrichtlinien unter Windows 95 die Mindestlänge des Anmeldepaßwortes auf 6 setzen. Damit ist die Eingabe des Paßwortes beim Anmelden unter WfW und Windows 95 obligatorisch und kann nicht deaktiviert werden. In Ausnahmefällen, z. B. wenn der Rechner nur von einem Benutzer genutzt wird und ein ausreichender Zugangsschutz (BIOS-Paßwort, Bildschirmsperre, usw.) besteht, kann das Anmeldepaßwort deaktiviert werden. Eine Deaktivierung ist möglich, wenn die Mindestlänge des Paßwortes auf Null gesetzt wird. Werden vom Benutzer versehentlich Paßwörter in der Kennwortliste gespeichert, ist die Datei [anmeldename].pwl zu löschen. _____________________________________________________________________ .......................................... 56 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.46 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wird den WfW- bzw. Windows 95 Benutzern mitgeteilt, daß neben dem Paßwortschutz am PC (z. B. BIOS-Paßwort) zusätzlich das Anmeldepaßwort für den Schutz der individuellen Kennwortliste unter WfW bzw. Windows 95 notwendig ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 57 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.47 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.47 Protokollierung der Firewall-Aktivitäten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Es muß festgelegt werden, welche Ereignisse protokolliert werden und wer die Protokolle auswertet. Die Protokollierung muß den datenschutzrechtlichen Bestimmungen entsprechen. Für Protokolldaten ist insbesondere die Zweckbindung nach § 14 des BDSG zu beachten. Die eingesetzten Paket-Filter müssen für jedes ein- oder ausgehende Paket IPNummer, Dienst, Zeit und Datum protokollieren können. Dabei sind auch Einschränkungen auf bestimmte Pakete (z. B. nur Pakete mit einer speziellen Quell-Adresse) möglich. Für jede aufgebaute und abgewiesene Verbindung muß eine Protokollierung von Benutzer-Identifikation, IP-Nummer, Dienst, Zeit und Datum durchgeführt werden (Application-Gateway), wobei auch Einschränkungen auf bestimmte Verbindungen (z. B. für einen speziellen Benutzer) möglich sind. Es muß möglich sein, daß für bestimmte Benutzer keine Protokollierung vorgenommen wird, damit wegen einer zu großen Anzahl von Protokolleinträgen keine wichtigen Informationen übersehen werden. Diese Auswahl kann z. B. anhand des Rechteprofils einzelner Benutzer getroffen werden. Die Protokollinformationen von allen Komponenten sollten über einen vertrauenswürdigen Pfad an eine zentrale Stelle geschickt werden, damit die Protokollinformationen vor ihrer endgültigen Speicherung nicht verändert werden können. Spezielle, einstellbare Ereignisse, wie z. B. wiederholte fehlerhafte Paßworteingaben für eine Benutzerkennung oder unzulässige Verbindungsversuche, müssen bei der Protokollierung hervorgehoben werden und sollten zu einer unverzüglichen Warnung des Firewall-Administrators führen. Wenn eine ordnungsgemäße Protokollierung nicht mehr möglich ist (z. B. weil auf dem zugehörigen Datenträger kein Platz mehr ist), muß die Firewall jeglichen Verkehr blockieren und eine entsprechende Meldung an den Administrator weitergeben. _____________________________________________________________________ .......................................... 58 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.48 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.48 Paßwortschutz unter Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Der Zugang zu einem Windows NT System muß für jeden Benutzer durch ein Paßwort geschützt sein. Benutzerkonten ohne Paßwort dürfen nicht existieren, da sie eine Schwachstelle im System darstellen. Es ist wichtig, daß auch die Benutzer die Schutzfunktion der Paßwörter kennen, denn die Mitarbeit der Benutzer trägt selbstverständlich zur Sicherheit des gesamten Systems bei. Die Einrichtung eines neuen Benutzers erfolgt mit Hilfe des Dienstprogramms Benutzer-Manager über das Kommando "Neuer Benutzer". Dabei ist dazu in den Feldern "Kennwort" und "Kennwortbestätigung" ein Anfangspaßwort mit maximal 14 Zeichen einzugeben. Bei Paßwörtern unter Windows NT muß die Groß- und Kleinschreibung beachtet werden. Dabei sollte ein sinnvolles Anfangspaßwort vergeben werden, das dem Benutzer mitgeteilt wird. Die immer gleiche Wahl des Anfangspaßwortes oder das Setzen dieses Paßworts gleich dem Benutzernamen eröffnet eine Sicherheitslücke, die mit geringem Aufwand vermieden werden kann. Die Option "Benutzer muß Kennwort bei der nächsten Anmeldung ändern" sollte bei allen neuen Konten gesetzt sein, damit das Anmeldepaßwort nicht beibehalten wird. Dagegen sollte die Option "Benutzer kann Kennwort nicht ändern" nur in Ausnahmefällen verwendet werden, etwa für vordefinierte Konten im Schulungsbetrieb. Die Option "Kennwort läuft nie ab" sollte nur für Benutzerkonten, denen mit Hilfe der Systemsteuerungsoption "Dienste" ein Dienst zugewiesen wird (zum Beispiel der Reproduktionsdienst) verwendet werden, da sie die Einstellung "Maximales Kennwortalter" in den Richtlinien für Konten außer Kraft setzt und verhindert, daß das Paßwort abläuft. Über den Benutzer-Manager können Richtlinien für Benutzerkonten, Benutzerrechte und für die Systemüberwachung festgelegt werden. In den Richtlinien für Benutzerkonten sollte als minimale Paßwortlänge der Wert 6, bei höheren Sicherheitsanforderungen der Wert 8 eingetragen werden (siehe auch M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs). Die Paßwort-Historie sollte grundsätzlich eingeschaltet sein und sollte wenigstens 6 Paßwörter umfassen. Die Gültigkeitsdauer des Paßwortes ("Maximales Kennwortalter") sollte auf einem Zeitraum von maximal 6 Monaten begrenzt sein. Durch Festlegung eines Wertes für das "Minimale Kennwortalter" kann verhindert werden, daß Benutzer ihr Paßwort mehrfach hintereinander ändern, um so die Historienprüfung zu umgehen. Das “Minimale Kennwortalter” sollte jedoch nicht größer als 1 Tag gewählt werden, um dem Benutzer jederzeit eine Paßwortänderung zu ermöglichen . Hinweis: Der Parameter "Sofortige Änderungen erlauben" darf unter der Version 3.51 von Windows NT nicht gewählt werden, da sonst die Prüfung der Paßwort-Historie abgeschaltet wird. Benutzerkonten sollten nach wiederholten ungültigen Paßworteingaben gesperrt werden, um Versuche zu erschweren, die Paßwörter der Benutzer zu erraten. Die Option "Konto sperren" sollte auf jeden Fall aktiviert werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 59 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.48 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Dazu sollte die Option "Sperren nach", die die Anzahl (1 bis 999) der ungültigen Anmeldeversuche festlegt, die zur Sperrung des Kontos führen, auf einen Wert zwischen 3 und 10 gesetzt werden. Die Option "Konto zurücksetzen nach", die die maximale Anzahl von Minuten (1 bis 99999) zwischen zwei ungültigen Anmeldeversuchen angibt, sollte auf etwa eine halbe Stunde gesetzt werden. Wenn z. B. für "Sperren nach" der Wert 5 und für "Konto zurücksetzen nach" der Wert 30 angegeben ist, erfolgt eine Sperrung nach 5 ungültigen Anmeldungsversuchen, die innerhalb von 29 Minuten unternommen wurden. In der Regel sollte durch Aktivieren der Option "Für immer" festgelegt werden, daß die Sperre so lange aktiv bleibt, bis ein Administrator sie aufhebt. Sofern hierdurch eine zu hohe Belastung der Administratoren verursacht wird, kann auch ein geeigneter Wert als "Dauer der Sperrung" angegeben werden, damit die Kontensperre nur für eine begrenzte Zeitdauer erhalten bleibt. Wenn beabsichtigt ist, den Ursachen der Kontensperrung direkt nachzugehen, sollte ein hinreichend langes Zeitintervall, z. B. 1440 Minuten (1 Tag) angegeben werden, andernfalls sollte ein Wert von etwa 30 Minuten gewählt werden. Es ist zu beachten, daß das vordefinierte Administratorkonto von dieser automatischen Sperrung ausgenommen ist, um ein völliges Verriegeln des Systems zu vermeiden (siehe M 4.77 Schutz der Administratorkonten unter Windows NT). Dagegen sollte von der Option "Benutzer muß sich anmelden, um Kennwort zu ändern" kein Gebrauch gemacht werden. Insbesondere mit der Einstellung "Benutzer muß Kennwort bei der nächsten Anmeldung ändern" führt diese Einstellung dazu, daß neue Benutzer keinen Zugang zum Rechner erhalten. _____________________________________________________________________ .......................................... 60 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.48 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die in der folgenden Abbildung dargestellten Werte für die Richtlinien geben einen für mittleren Sicherheitsbedarf ausreichenden Schutz: Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Vorgaben für die Benutzerkonten-Richtlinien dokumentiert? - Werden die Einstellungen im Benutzer-Manager regelmäßig kontrolliert? _____________________________________________________________________ .......................................... 61 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.49 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.49 Absicherung des Boot-Vorgangs für ein Windows NT System Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Windows NT kann nur dann sicher betrieben werden, wenn vom Systemstart an gewährleistet ist, daß eine geschlossene Sicherheitsumgebung aufgebaut wird, also daß keine Wege an den Sicherheitsfunktionen des Betriebssystems vorbei bestehen. Dies erfordert, daß sich alle durch Windows NT schützbaren Ressourcen unter der Kontrolle des Betriebssystems befinden und daß es auch keine Möglichkeit gibt, fremde Systeme oder offene Systemumgebungen zu starten, die den durch Windows NT gebotenen Schutz unterlaufen können. Dazu sind die folgenden Aspekte zu beachten: - Alle vorhandenen Festplattenpartitionen müssen mit dem Dateisystem NTFS formatiert sein. Partitionen, die mit den Dateisystemen FAT, VFAT oder HPFS formatiert sind, können nicht gegen Zugriffe der Benutzer geschützt werden. Dies bedeutet einerseits, daß die auf ihnen abgelegten Daten beliebigen Zugriffen aller Benutzer ausgesetzt sind, und andererseits können diese Partitionen zum unkontrollierten Datenaustausch zwischen Benutzern mißbraucht werden. - Ein ähnliches Risiko stellen Diskettenlaufwerke dar, da Disketten unter Windows NT nur mit dem Dateisystem FAT bzw. VFAT formatiert werden können. Aus diesem Grund sind Diskettenlaufwerke an allen Rechnern, die nicht unter strikter physischer Kontrolle stehen, grundsätzlich durch den Einbau von Diskettenschlössern zu sperren (siehe M 4.4 Verschluß der Diskettenlaufwerkschächte). Auf Windows NT Clients können auch die Diskettenlaufwerke durch Deaktivieren über die Systemsteuerungsoption "Geräte", Gerät "Floppy", die Diskettenlaufwerke für unprivilegierte Benutzer außer Betrieb gesetzt werden. Hiervon sollte auf Windows NT Servern abgesehen werden (siehe hierzu M 4.52 Geräteschutz unter Windows NT). - Verfügt der Rechner über ein offenes Diskettenlaufwerk oder ist es möglich, von einem vorhandenen CD-ROM-Laufwerk zu booten, so besteht die Gefahr, daß der Rechner mit einem anderen Betriebssystem als Windows NT gestartet wird. Die gleiche Gefährdung ergibt sich, wenn auf einer lokalen Festplatte andere Betriebssysteme installiert sind. Dann kann der Anwender mit verschiedenen Programmen die Sicherheitsmechanismen von Windows NT umgehen. Inzwischen gibt es mehrere Programme, mit denen man Dateien, die unter NTFS geschützt sind, von einer DOS-Umgebung oder einer Linux-Umgebung lesen und z. T. auch ändern kann. Sowohl unter dem Betriebssystem MS-DOS als auch unter dem Betriebssystem Linux werden die vom Dateisystem NTFS gesetzten Sicherheitsattribute ignoriert. Der Anwender hat daher von MSDOS bzw. von Linux aus Zugriff auf alle Dateien des Rechners. Aus diesem Grund dürfen neben Windows NT keine weiteren Betriebssysteme auf der Festplatte installiert sein. Außerdem ist der Boot-Vorgang durch eine mit einem BIOS-Paßwort geschützte Einstellung des BIOS so abzu- _____________________________________________________________________ .......................................... 62 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.49 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... sichern, daß das System nicht von einem eventuell vorhandenen Diskettenlaufwerk oder von einem CD-ROM-Laufwerk aus gestartet werden kann (siehe M 4.1 Paßwortschutz für PC und Server). - Im Rahmen einer Neuinstallation von Windows NT hat man die Möglichkeit, die bestehende Installation des Betriebssystems zu aktualisieren oder eine neue Version parallel zu installieren. Bei der parallelen Installation wird die bestehende Dateistruktur nicht verändert, doch wird das vordefinierte Administratorkonto mit einem neuen Paßwort neu angelegt. Dieser "neue" Administrator hat dann vollen Zugriff auf alle Ressourcen des Rechners und damit auch auf alle Daten und Programme. Um diese Möglichkeit der Neuinstallation zu verhindern, dürfen Anwender nicht in der Lage sein, die Datei BOOT.INI im Wurzelverzeichnis der ersten Platte zu verändern (siehe M 4.53 Restriktive Vergabe von Zugriffsrechten auf Dateien und Verzeichnisse unter Windows NT). - Mit Hilfe der Installationsprogramme kann auch eine Notfalldiskette (siehe M 6.42 Erstellung von Rettungsdisketten für Windows NT) erzeugt und mit dieser dann eine Systemrekonstruktion durchgeführt werden. Dabei wird der Zugriffsschutz der NTFS-Partition des Betriebssystems aufgehoben. Es ist aus diesem Grund unbedingt erforderlich, die Installationsprogramme, eine eventuell schon vorhandene Notfalldiskette und die Setup-Disketten so zu verwahren, daß sie gegen unbefugten Zugriff geschützt sind. Schutz gegen diese spezifische Bedrohung bietet auch die Sicherung der Diskettenlaufwerke durch Laufwerkschlösser (siehe M 4.4 Verschluß der Diskettenlaufwerkschächte) und die Absicherung des Boot-Vorgangs durch die entsprechende Einstellung des BIOS (s. o.). Unter Windows NT ist das Anmelden auf dem Server nur für Benutzer möglich, denen das Benutzerrecht "Lokale Anmeldung" gegeben wurde. Diese Benutzer sind auf die ihnen zugewiesenen Rechte und Berechtigungen eingeschränkt. Um einen Mißbrauch der Möglichkeiten zum Anmelden auf dem Server zu vermeiden, sind die Benutzerrechte und die Zuordnungen zu Benutzergruppen entsprechend restriktiv vorzusehen (siehe Maßnahmen M 2.93 Planung des Windows NT Netzes und M 4.50 Strukturierte Systemverwaltung unter Windows NT). Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Sicherung eventuell vorhandener Diskettenlaufwerke regelmäßig überprüft? - Wird regelmäßig überprüft, daß keine parallele Installation eines anderen Betriebssystems vorhanden ist? - Werden regelmäßig die BIOS-Einstellungen, die ein Booten von anderen Medien als der Festplatte verhindern, überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 63 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.50 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.50 Strukturierte Systemverwaltung unter Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Benutzergruppen sind unter Windows NT Zusammenstellungen von Benutzerkonten. Wenn ein Benutzerkonto zu einer Gruppe hinzugefügt wird, erhält der betreffende Benutzer alle Rechte und Berechtigungen, die der Gruppe erteilt wurden. So kann man leicht bestimmte Benutzer mit gemeinsamen Möglichkeiten ausstatten. Nach Möglichkeit sollten die Rollen der Mitarbeiter auf Gruppen abgebildet und diesen Gruppen entsprechend ihren Bedürfnissen die Zugriffsrechte zugeteilt werden. Die Verwendung von Gruppen an Stelle der Zuweisung von Rechten und Berechtigungen an einzelne Benutzer erleichtert die Administration und trägt durch größere Transparenz zur Erhöhung der Systemsicherheit bei. Auch bei einer geringen Anzahl von Mitarbeitern sollten Gruppen gebildet werden. Hierdurch muß bei einer Erweiterung keine grundsätzliche Umstrukturierung der Rechtestrukturen durchgeführt werden. Rechte und Berechtigungen sind additiv, d. h. für einen Benutzer, der Mitglied in mehreren Gruppen ist, gilt in Bezug auf eine Ressource die jeweils weitestgehende Zugriffsberechtigung. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Ist ein Benutzer Mitglied einer Gruppe, der auf eine Ressource die Zugriffsberechtigung "Kein Zugriff" zugeteilt wurde, so kann der Benutzer auf diese Ressource nicht zugreifen, auch dann nicht, wenn er Mitglied einer anderen Gruppe ist, der auf diese Ressource die Zugriffsberechtigung "Vollzugriff" erteilt wurde (siehe auch M 4.53 Restriktive Vergabe von Zugriffsrechten auf Dateien und Verzeichnisse unter Windows NT). Beispiel: Benutzer Meier ist Mitglied der Gruppen "A" und "B". Der Gruppe "A" wurde auf ein Verzeichnis "Rechnung" die Zugriffsberechtigung "Lesen", der Gruppe "B" wurden auf dieses Verzeichnis die Zugriffsberechtigungen "Lesen und Schreiben" zugewiesen. Der Benutzer Meier hat damit auf das Verzeichnis "Rechnung" die Zugriffsberechtigungen "Lesen und Schreiben". Das Benutzergruppenkonzept von Windows NT unterscheidet zwischen globalen und lokalen Gruppen. Lokale Gruppen Die Gruppe wird "lokal" genannt, weil ihr Berechtigungen und Rechte nur für den Rechner erteilt werden können, auf dem sie definiert wurde. Auf Rechnern unter dem Betriebssystem Windows NT (d. h. sowohl Servern als auch Workstations), die keiner Domäne angehören, gibt es nur lokale Gruppen. Um die Vergabe von Rechten und Berechtigungen zu strukturieren, wird auf solchen Rechnern ausschließlich dieser Gruppentyp benutzt. Gehört ein Rechner unter Windows NT einer Domäne an, so sind lokale Gruppen ebenfalls verfügbar. Sie können dann Benutzerkonten aus dem eige- _____________________________________________________________________ .......................................... 64 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.50 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... nen Rechner und Benutzerkonten und globale Gruppen aus der eigenen Domäne und aus vertrauten Domänen beinhalten. Lokale Gruppen können keine Berechtigungen auf Ressourcen anderer Domänen erhalten. Es ist nicht möglich, eine lokale Gruppe zum Mitglied einer anderen lokalen Gruppe zu machen. Lokale Gruppen werden im Benutzermanager durch ein Gruppensymbol mit einem Computer dargestellt. Globale Gruppen Wenn ein Rechner, auf dem Windows NT ausgeführt wird, einer Domäne angehört, gibt es einen weiteren Gruppentyp, dem der Zugriff auf die Arbeitsstation ermöglicht werden kann. Es handelt sich um die "Globale Gruppe", die an mehreren Orten verwendet werden kann: in der eigenen Domäne, auf Servern, auf Arbeitsstationen der Domäne und in vertrauten Domänen. Wenn eine Arbeitsstation einer Domäne angehört, bedeutet dies, daß den globalen Gruppen der Domäne und der vertrauten Domänen Berechtigungen und Rechte für die Arbeitsstation sowie die Zugehörigkeit zu lokalen Gruppen der Arbeitsstation erteilt werden können. Eine globale Gruppe kann nur Benutzerkonten der eigenen Domäne enthalten. Globale Gruppen können nur auf dem primären Domänencontroller definiert werden. Es ist nicht möglich, daß andere Gruppen Mitglied einer globalen Gruppe werden. Globale Gruppen werden im Benutzermanager durch ein Gruppensymbol mit einem Globus dargestellt. Zusammenfassend empfiehlt sich folgendes Vorgehen zur strukturierten Systemverwaltung: Rechte und Berechtigungen werden lokalen Gruppen zugewiesen. Benutzer werden Mitglied in globalen Gruppen, und die globalen Gruppen werden Mitglied in lokalen Gruppen. Neben der Unterscheidung in lokale und globale Gruppen gibt es auch noch die Unterscheidung zwischen vordefinierten Benutzergruppen, besonderen Gruppen und frei definierten Benutzergruppen: Vordefinierte Benutzergruppen Welche Aktionen ein Benutzer durchführen kann, hängt von den Gruppenmitgliedschaften seines Benutzerkontos ab. Es sind mehrere Gruppen in Windows NT vordefiniert, und standardmäßig wird jeder Gruppe ein bestimmter Satz von Benutzerrechten erteilt. Bei Bedarf können mit dem Benutzermanager zusätzliche Gruppen erstellt und definiert werden, mit denen den ihnen zugewiesenen Benutzern der Zugriff auf individuell zusammengestellte Ressourcen ermöglicht wird. Zusätzlich zu den Rechten werden einigen der vordefinierten lokalen Gruppen vordefinierte Funktionen zugeteilt. Rechte und Zugriffsberechtigungen können den Gruppen und Benutzerkonten direkt erteilt und ihnen entzogen werden. Dagegen sind die vordefinierten Funktionen nicht direkt verwaltungsfähig. Vordefinierte Funktionen können für einen Benutzer nur bereitgestellt werden, wenn der Benutzer zum Mitglied einer geeigneten lokalen Gruppe ernannt wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 65 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.50 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Auf Rechnern, die unter dem Betriebssystem Windows NT als Mitgliedsserver (Server ohne Domänencontroller-Funktionalität) oder als Workstation konfiguriert sind, werden folgende lokale Gruppen standardmäßig bei der Installation eingerichtet: - Administratoren - Sicherungs-Operatoren - Hauptbenutzer - Replikations-Operatoren - Benutzer - Gäste Die Rechte und Funktionen, die unter Windows NT auf Workstations und Servern, die nicht als Domänencontroller konfiguriert sind, bestimmten vordefinierten lokalen Gruppen erteilt werden, sind in der folgenden Tabelle angegeben: Sicherungs-Operatoren Jeder Gäste Benutzer Hauptbenutzer Administratoren Lokale Anmeldung X X X X X X Zugriff auf diesen Computer vom Netz X X Übernehmen des Besitzes an Dateien und Objekten X Verwalten von Überwachungs- und Sicherheitsprotokoll X Ändern der Systemzeit X X System herunterfahren X X Herunterfahren von einem Fernsystem aus X X Sichern von Dateien und Verzeichnissen X X Wiederherstellen von Dateien und Verzeichnissen X X X X X X _____________________________________________________________________ .......................................... 66 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.50 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Sicherungs-Operatoren Jeder Gäste Benutzer Hauptbenutzer Administratoren Erzeugung und Verwaltung von Benutzerkonten X X Erzeugung und Verwaltung lokaler Gruppen X X Erteilung von Benutzerrechten X Sperren der Arbeitsstation X Zugriff auf eine gesperrte Arbeitsstation X Formatierung der Festplatte X Erzeugung gemeinsamer Gruppen X X Speicherung lokaler Profile X X Freigabe von Verzeichnissen X X Freigabe von Druckern X X Laden und Entfernen von Gerätetreibern X X X X X X X Auf Servern, die unter dem Betriebssystem Windows NT als Domänencontroller konfiguriert sind, werden folgende lokale Gruppen standardmäßig bei der Installation eingerichtet: - Administratoren - Sicherungs-Operatoren - Server-Operatoren - Konten-Operatoren - Druck-Operatoren - Replikations-Operatoren _____________________________________________________________________ .......................................... 67 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.50 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Benutzer - Gäste Außerdem werden in dieser Konfiguration folgende globale Gruppen bei der Installation angelegt: - Domänen-Admins - Domänen-Benutzer - Domänen-Gäste Die Rechte und Funktionen, die unter Windows NT auf Domänencontrollern bestimmten vordefinierten lokalen Gruppen erteilt werden, sind in der folgenden Tabelle angegeben: Gäste Benutzer Jeder Sicherungs-Operatoren Druck-Operatoren Konten-Operatoren Server-Operatoren Administratoren Lokale Anmeldung X X X X X Zugriff auf diesen Computer vom Netz X Übernehmen des Besitzes an Dateien und Objekten X Verwalten von Überwachungs- und Sicherheitsprotokoll X Ändern der Systemzeit X X System herunterfahren X X Herunterfahren von einem Fernsystem aus X X Hinzufügen von Arbeitsstationen zur Domäne X Sichern von Dateien und Verzeichnissen X X X Wiederherstellen von Dateien und Verzeichnissen X X X X X X X _____________________________________________________________________ .......................................... 68 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.50 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Gäste Benutzer Jeder Sicherungs-Operatoren Druck-Operatoren Konten-Operatoren Server-Operatoren Administratoren Erzeugung und Verwaltung von Benutzerkonten X X Erzeugung und Verwaltung globaler Gruppen X X Erzeugung und Verwaltung lokaler Gruppen X X Erteilung von Benutzerrechten X Sperren des Servers X Zugriff auf einen gesperrten Server X Formatierung der Server-Festplatte X X Erzeugung gemeinsamer Gruppen X X Speicherung lokaler Profile X X Freigabe von Verzeichnissen X X Freigabe von Druckern X X Laden und Entfernen von Gerätetreibern X X X X X X X X Hinweis: Die oben beschriebenen Rechte, die unter Windows NT standardmäßig vergeben sind, sind alle einzeln daraufhin zu überprüfen, ob sie mit der festgelegten Sicherheitsstrategie vereinbar sind (siehe M 2.91 Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Windows NT Client-Server-Netz). So sollte beispielsweise das Recht ”Zugriff auf diesen Computer vom Netz” der Gruppe ”Jeder” entzogen werden. Ob es ersatzweise der Gruppe ”Benutzer” zugestanden wird, ist im einzelnen zu klären. Die folgenden vordefinierten Gruppen stehen unter Windows NT zur Verfügung: - Administratoren - Die Gruppe "Administratoren" ist die mächtigste Gruppe in Windows NT. Die Mitglieder dieser Gruppe verwalten die Gesamtkonfiguration des Systems. Das vordefinierte Benutzerkonto "Administrator" ist Mitglied der Gruppe "Administratoren". Falls ein Rechner einer Domäne angehört, ist die Gruppe "Domänen-Admins" standardmäßig Mitglied der Gruppe "Administratoren" dieses Rechners. _____________________________________________________________________ .......................................... 69 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.50 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Hinweis: Benutzerkonten dieser Gruppe sollten nur zu Systemverwaltungsarbeiten verwendet werden, die die volle Kontrolle über das System erfordern. Arbeiten, die unter eingeschränkten Rechten durchgeführt werden können, sollten nach Möglichkeit von Benutzerkonten aus erledigt werden, die einer der anderen Gruppen angehören, um die Gefährdung des Systems durch Arbeiten mit unbeschränkten Rechten zu reduzieren. Insbesondere sollte für jeden Administrator zur Erledigung der täglichen Routinearbeiten jeweils ein Benutzerkonto angelegt werden, das nur der Gruppe "Benutzer" oder einer bzw. mehreren frei definierten Gruppen angehört. Die Anzahl der Benutzerkonten in der Gruppe "Administratoren" sollte so gering wie möglich gehalten werden. Administratoren sind der normalen Zugriffskontrolle unterworfen und besitzen nicht automatisch Zugriff auf jede Datei. Bei Bedarf kann ein Administrator den Besitz einer Datei übernehmen und dadurch auf sie zugreifen. Der Administrator kann die Datei jedoch in diesem Fall nicht wieder an den ursprünglichen Besitzer zurückgeben, da Windows NT hierzu keine Funktion bereitstellt. - Domänen-Admins - Die globale Gruppe der "Domänen-Admins" ist Mitglied der lokalen Gruppe der Administratoren für die betreffende Domäne und der lokalen Gruppen der Administratoren jedes Rechners in der Domäne, so daß die Domänen-Administratoren die Domänencontroller, alle Server und alle anderen Rechner in der Domäne verwalten können. Das vordefinierte Administratorkonto des Domänencontrollers ist Mitglied der Gruppe "Domänen-Admins". - Hauptbenutzer - Die unter Windows NT Workstation definierte lokale Gruppe "Hauptbenutzer" stellt den Benutzerkonten ihrer Mitglieder eingeschränkte administrative Funktionen bereit. Ein Hauptbenutzer kann Verzeichnisse im Netz freigeben, die interne Uhr des Computers einstellen, Drucker installieren, freigeben und verwalten sowie allgemeine Programmgruppen erstellen. Sie können Benutzerkonten und Gruppen erstellen und die von ihnen erstellten Benutzerkonten und Gruppen ändern und löschen, und sie können für die Gruppen "Hauptbenutzer", "Benutzer" und "Gäste" Mitglieder entfernen bzw. hinzufügen. Hauptbenutzer können jedoch nicht die Gruppen "Administratoren", "Domänen-Admins", "Konten-Operatoren", "Sicherungs-Operatoren", "Druck-Operatoren" und "Server-Operatoren" verändern oder löschen, und sie können auch keine Benutzerkonten von Administratoren verändern oder löschen. Hinweis: Diese Gruppe sollte verwendet werden, um Untersystemverwalter zu definieren, die den Systemverwalter von gewissen Routineaufgaben, insbesondere in der Verwaltung der Benutzerkonten, entlasten, ohne jedoch dazu die volle Kontrolle über das System zu erhalten. - Konten-Operatoren - Die auf Domänencontrollern definierte lokale Gruppe "Konten-Operatoren" entspricht weitgehend der unter Windows NT Workstation definierten Gruppe "Hauptbenutzer". - Benutzer - Die Zugehörigkeit zur lokalen Gruppe "Benutzer" bietet die Funktionen, die ein Benutzer zur Durchführung der alltäglichen Aufgaben _____________________________________________________________________ .......................................... 70 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.50 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... benötigt. Mit Ausnahme der vordefinierten Administrator- und Gastkonten gehören alle Benutzerkonten der Arbeitsstation der Gruppe "Benutzer" an. Wird ein neues Benutzerkonto hinzugefügt, so wird es automatisch Mitglied dieser Gruppe. Falls ein Rechner einer Domäne angehört, ist die Gruppe der Domänen-Benutzer standardmäßig Mitglied der Gruppe "Benutzer" dieses Rechners. Hinweis: Normalerweise sollten alle Benutzer, die keine erweiterten Rechte benötigen, nur dieser vordefinierten Gruppe sowie geeigneten frei definierten Gruppen angehören, die die Organisationsstruktur widerspiegeln. Zuordnungen zu den anderen vordefinierten Gruppen sollten nur in begründeten Einzelfällen vorgenommen werden. Dies bedeutet auch, daß Benutzer keine Administratorrechte auf ihren Arbeitsplatzrechnern erhalten sollten. - Domänen-Benutzer - Die globale Gruppe der "Domänen-Benutzer" enthält ursprünglich das eingebaute Konto des Administrators für die betreffende Domäne. Beim Anlegen neuer Konten werden diese automatisch in die Gruppe der "Domänen-Benutzer" eingetragen. Diese Gruppe ist standardmäßig Mitglied der lokalen Gruppe "Benutzer" für die betreffende Domäne und der lokalen Gruppen der "Benutzer" jedes Rechners in der Domäne, so daß die "Domänen-Benutzer" normalen Zugang und normale Rechte und Berechtigungen bezüglich aller Rechner in der Domäne haben. - Gäste - Die lokale Gruppe "Gäste" ermöglicht es dem gelegentlichen oder einmaligen Benutzer, sich anzumelden und mit eingeschränktem Funktionsumfang zu arbeiten. Das vordefinierte Gastbenutzerkonto ist Mitglied der Gruppe "Gäste". Die der Gruppe "Benutzer" erteilten Ressourcenberechtigungen können der Gruppe "Gäste" vorenthalten werden, so daß die Möglichkeiten der Mitglieder dieser Gruppe geeignet eingeschränkt werden können. Hinweis: Nach Möglichkeit sollten dieser Gruppe außer dem vordefinierten Gastkonto keine weiteren Benutzerkonten angehören, und das vordefinierte Gastkonto sollte gesperrt sein (siehe M 4.55 Sichere Installation von Windows NT). Außerdem sollte es vorsorglich mit einem Paßwort versehen werden, um unbefugten Zugriffen vorzubeugen, falls es kurzfristig entsperrt werden sollte. - Domänen-Gäste - Die globale Gruppe der "Domänen-Gäste" enthält ursprünglich das eingebaute Gastbenutzerkonto für die betreffende Domäne. Diese Gruppe ist Mitglied der lokalen Gruppe der Gäste für die betreffende Domäne. - Sicherungs-Operatoren - Die Mitglieder der lokalen Gruppe "SicherungsOperatoren", die standardmäßig auf allen Rechnern unter Windows NT definiert ist, können Dateien und Verzeichnisse sichern und wiederherstellen. Hinweis: Datensicherungen und die Wiederherstellung gesicherter Daten sollten von einem Mitglied dieser Gruppe durchgeführt werden. Es ist hierzu nicht erforderlich, ein Administratorkonto zu verwenden. _____________________________________________________________________ .......................................... 71 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.50 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Druck-Operatoren - Die Mitglieder der auf Domänencontrollern definierten lokalen Gruppe "Druck-Operatoren" können Drucker auf den Domänencontrollern verwalten. Sie können sich auch auf diesen Servern anmelden und sie herunterfahren. Hinweis: Die Verwaltung von Druckern sollte von Mitgliedern dieser Gruppe durchgeführt werden, um die unnötige Nutzung von Administratorkonten zu vermeiden. - Server-Operatoren - Die Mitglieder der auf Domänencontrollern definierten lokalen Gruppe "Server-Operatoren" können die Drucker- und Netzfreigaben auf dem jeweiligen Domänencontroller verwalten. Weiterhin können sie Dateien und Verzeichnisse sichern und wiederherstellen, den Domänencontroller sperren und freigeben, die Festplatten des Domänencontrollers formatieren und die Systemzeit verändern. Schließlich können sie sich auch auf dem Domänencontroller anmelden und ihn herunterfahren. Hinweis: Routinearbeiten zur Steuerung der Domänencontroller sollten von Mitgliedern dieser Gruppe durchgeführt werden, soweit sie mit den Rechten dieser Gruppe ausgeführt werden können. Nur Arbeiten, die die völlige Kontrolle über das System erfordern, sollten von Administratorkonten aus durchgeführt werden. - Replikations-Operator - Die auf Rechnern unter Windows NT definierte lokale Gruppe "Replikations-Operator" unterstützt die Funktionen der Verzeichnisreproduktion. Der Gruppe "Replikations-Operator" sollte als einziges Mitglied ein Domänenbenutzerkonto angehören, das zum Anmelden des Replikationsdienstes der Arbeitsstation dient. Hinweis: Dieser Gruppe sollten keine Konten von Benutzern hinzugefügt werden, und das dort vorhandene Benutzerkonto sollte nicht über die Rechte "Lokale Anmeldung" und "Zugriff auf diesen Computer vom Netz" verfügen. Besondere Gruppen Zusätzlich zu den oben erwähnten vordefinierten Gruppen erstellt Windows NT einige spezielle, interne Gruppen, die vom Benutzermanager nicht angezeigt werden. Sie werden jedoch in manchen Fällen in der Gruppenliste angezeigt, beispielsweise beim Zuweisen von Berechtigungen zu Verzeichnissen, Dateien, freigegebenen Netzverzeichnissen oder Druckern. - Jeder - Jeder, der am Computer arbeitet. Dazu zählen alle lokalen und Fernbenutzer (d. h. die Gruppen "INTERAKTIV" und "NETZWERK" zusammengenommen). Sie können auf das Netz zugreifen, sich mit den freigegebenen Netzverzeichnissen der Arbeitsstation verbinden und den Drucker der Arbeitsstation verwenden. - INTERAKTIV - Jeder, der am Computer lokal arbeitet. - NETZWERK - Alle Benutzer, die über das Netz mit diesem Computer verbunden sind. - SYSTEM - Das Betriebssystem. _____________________________________________________________________ .......................................... 72 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.50 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - ERSTELLER-BESITZER - Der Benutzer, der folgendes erstellt hat oder besitzt: ein Verzeichnis, eine Datei in einem Verzeichnis, einen Drucker oder ein Dokument, das zu einem Drucker gesendet wurde. Frei definierte Benutzergruppen Mit Hilfe von frei definierten Benutzergruppen ist es möglich, die Organisationsstruktur einer Institution auf die Rechtestruktur abzubilden. So kann für jede Organisationseinheit, also z. B. für jedes Referat bzw. für jede Abteilung, eine Gruppe gebildet werden, in der die Benutzer der jeweiligen Organisationseinheit zusammengefaßt sind. Den Gruppen werden dann die notwendigen Berechtigungen auf Ressourcen zugewiesen. Werden innerhalb der Institution für vorübergehende Aufgaben Projektgruppen gebildet, so können auch diese durch Zusammenfassung der Projektgruppenmitglieder in einer entsprechenden frei definierten Gruppe abgebildet werden. Bei der Erstellung von frei definierten Benutzergruppen auf dem primären Domänencontroller ist festzulegen, ob diese vom Typ lokal oder global sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde eine Strategie zur Verteilung der Benutzer auf die vordefinierten Gruppen entsprechend den von diesen Benutzern benötigten Rechten festgelegt? - Ist diese Strategie dokumentiert? - Wird regelmäßig kontrolliert, ob die Zuordnung der Benutzer zu den Gruppen noch mit den aktuellen Aufgaben dieser Benutzer übereinstimmt? _____________________________________________________________________ .......................................... 73 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.51 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.51 Benutzerprofile zur Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Benutzerprofile dienen der Speicherung von benutzerspezifischen Einstellungen der Benutzerumgebung. Dies ist u. a. der Inhalt von Programmgruppen, die Netzwerk- und Druckerverbindungen und die farbliche Darstellung des Bildschirms. Weiterhin können über Benutzerprofile die Möglichkeiten der Benutzer, mit Windows NT zu arbeiten, in verschiedener Hinsicht eingeschränkt werden. Die Verwaltung der Profile erfolgt mit dem BenutzerprofilEditor (UPEDIT.EXE unter Windows NT 3.51 bzw. POLEDIT.EXE unter Windows NT 4.0). Benutzerprofile können für verschiedene Einsatzzwecke erstellt werden: - um bei Single-User-Systemen nach einer erneuten Anmeldung die ursprünglich festgelegten Einstellungen wiederherzustellen, - um bei Multi-User-Systemen für jeden Benutzer eigene Einstellungen festzulegen, - damit bei server-gespeicherten Benutzerprofilen jeder Benutzer von jeder NT-Workstation aus dieselbe Oberfläche erhält, - um einheitliche Benutzerumgebungen zentral vorzugeben (sowohl bei Stand-alone-Systemen als auch bei bei vernetzten), - um eine eingeschränkte Benutzerumgebung einzurichten, beispielweise um zu verhindern, daß Benutzer Änderungen an Desktop-Einstellungen vornehmen, oder den Zugriff auf die Systemsteuerung einzuschränken. Grundsätzlich muß zwischen lokalen und server-gespeicherten Benutzerprofilen unterschieden werden. Lokale Benutzerprofile werden nur auf dem lokalem IT-System abgelegt, während server-gespeicherte Benutzerprofile zentral auf dem NT-Server verwaltet werden. Fällt bei Verwendung von server-gespeicherten Benutzerprofilen der Server aus, dann wird auf die lokale Kopie zurückgegriffen. Daneben muß zwischen persönlichen und verbindlichen Benutzerprofilen unterschieden werden. Persönliche Benutzerprofile sind vom Benutzer beliebig änderbar, verbindliche werden vom Administrator vorgegeben. Verbindliche Profile bleiben von einer Sitzung zur nächsten erhalten, während einer Sitzung durchgeführte Veränderungen gehen beim Abmelden verloren. Diese Profile werden in dem Verzeichnis abgelegt, der im Profileintrag des betreffenden Kontos angegeben ist, und sie tragen unter der Version 3.51 von Windows NT die Dateinamenserweiterung .MAN. Ab Version 4.0 wird ein Profil dadurch als verbindliches Profil gekennzeichnet, daß die Datei NTUSER.DAT in NTUSER.MAN umbenannt wird. Persönliche Profile, die auf einem Server abgelegt werden, können verwendet werden, um Benutzern unabhängig von der Arbeitsstation, von der aus sie sich anmelden, dieselbe Umgebung zur Verfügung zu stellen. Persönliche Profile _____________________________________________________________________ .......................................... 74 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.51 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... werden in dem Verzeichnis abgelegt, der im Profileintrag des betreffenden Kontos angegeben ist, und sie tragen unter Version 3.51 die Dateinamenserweiterung .USR. Unter Version 3.51 werden die Benutzerprofile im Verzeichnis %SystemRoot%\system32\config in den Benutzern zugeordneten Dateien abgelegt. Dabei werden die folgenden Einstellungen im Benutzerprofil abgelegt: - Programm Manager: alle vom Benutzer einstellbaren Optionen einschließlich Programmgruppen, Programme und ihre Eigenschaften, sowie alle abspeicherbaren Einstellungen - Datei-Manager: alle vom Benutzer wählbaren Einstellungen einschließlich der Netz-Verbindungen - Kommandomodus: alle vom Benutzer wählbaren Einstellungen - Druck Manager: netzweite Druckerverbindungen sowie alle abspeicherbaren Einstellungen - Systemsteuerung: alle Einstellungen für Farben, Maus, Desktop, Zeiger, Tastatur, Ländereinstellungen und Klänge sowie die Einträge zur Benutzerumgebung im Element "System" - Zubehör: alle benutzerspezifischen Einstellungen der Anwendungen - Fremdanwendungen: alle Einstellungen, die von diesen Anwendungen als benutzerspezifische Optionen unterstützt werden - Anmerkungen bei der online Hilfe: alle dort eingetragenen Anmerkungen des betreffenden Benutzers Ab Version 4.0 werden Benutzerprofile als Verzeichnisbaum unter dem Unterverzeichnis Profiles des Windows-Verzeichnisses %SystemRoot%, also im allgemeinen \WINNT\Profiles, als Verzeichnis mit dem Namen des Benutzers, z. B. \WINNT\Profiles\Schmidt, abgelegt. Dabei wird die gesamte Struktur der Arbeitsoberfläche und insbesondere die Struktur der einzelnen Programmgruppen dort abgelegt. Die folgenden Unterverzeichnisse können dabei vorhanden sein: - Anwendungsdaten: Anwendungsspezifische Daten - Desktop: Elemente der Arbeitsoberfläche einschließlich der direkt auf der Arbeitsoberfläche abgelegten Dateien und Shortcuts - Druckumgebung: Shortcuts zu den Einträgen in den Druckerordnern - Favoriten: Shortcuts zu Programmeinträgen und Ordnern mit Favoriten - Netzwerkumgebung: Shortcuts zu den Einträgen der Netzumgebung - Persönlich: Shortcuts zu den Einträgen in den privaten Programmgruppen - Recent: Shortcuts zu den zuletzt verwendeten Dokumenten - SendTo: Shortcuts zu den Einträgen, die im Kontext-Menü als Ziele von Sende-Operationen, wie etwa zu einem Diskettenlaufwerk, verwendet werden können _____________________________________________________________________ .......................................... 75 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.51 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Startmenü: Struktur des gesamten Startmenüs einschließlich aller Shortcuts zu Programmen und Programmgruppen - Vorlagen: Shortcuts zu Dokumentenvorlagen Sonstige Einstellungen, wie etwa der Verweis auf das als Hintergrund der Arbeitsoberfläche verwendete Bild oder andere benutzerspezifische Einstellungen der Systemsteuerung, werden im Ordner Profiles in der Datei NTUSER.DAT abgelegt. Die folgenden Optionen können unter Version 3.51 verwendet werden, um die Möglichkeiten der Benutzer mit Windows NT zu arbeiten in verschiedener Hinsicht einzuschränken: - Einstellungen für Programm Manager: Hier kann festgelegt werden, ob Programme über ”Datei - Ausführen” gestartet werden dürfen, die aktuellen Einstellungen gespeichert werden dürfen und ob allgemeine Programmgruppen angezeigt werden. Außerdem kann die Autostartgruppe festgelegt werden. - Einstellungen für Programmgruppen: Hier kann der Zugriff auf bestimmte Programmgruppen gesperrt werden und für ungesperrte Programmgruppen verschiedene Änderungsbefugnisse vergeben werden. - Den Benutzern kann das Verbinden bzw. Trennen von Netzdruckern über den Druckmanager erlaubt oder verboten werden. - Es kann erzwungen werden, daß die Ausführung des Anmeldeskriptes abgewartet wird, bevor der Programm-Manager gestartet wird. Diese Option sollte immer aktiviert sein, damit die im Anmeldeskript vorgesehenen Aktionen auf jeden Fall durchgeführt werden. Ab der Version 4.0 können die folgenden Einschränkungen mit Hilfe des Systemrichtlinien-Editors festgelegt werden: - Systemsteuerung: Hier kann der Zugriff auf die Systemsteuerungsoption "Anzeige" beschränkt werden. Wenn diese Option gewählt wurde, können noch zusätzlich die Registerkarten "Hintergrund", "Bildschirmschoner", "Darstellung" und "Einstellungen" einzeln ausgeblendet werden, und die Option "Anzeige" kann auch als Ganzes deaktiviert werden. Normalen Benutzern sollte der Zugriff auf die Systemsteuerung entzogen werden, da unbeabsichtigte Änderungen an den Systemeinstellungen Probleme verursachen können. Wenn zusätzlich der Zugriff auf die Systemsteuerungsoption "Anzeige" bzw. die Registerkarte "Bildschirmschoner" entzogen wird, kann verhindert werden, daß Benutzer die Bildschirmsperre deaktivieren. Dann muß der Administrator natürlich beim Einrichten von Benutzern die Bildschirmsperre aktivieren. - Shell: Hier können folgende Einschränkungen festgelegt werden: - Befehl "Ausführen" entfernen - Ordner unter Einstellungen im Menü "Start" entfernen - "Task-Leiste" unter Einstellungen im Menü "Start" entfernen - Befehl "Suchen" entfernen _____________________________________________________________________ .......................................... 76 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.51 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Laufwerke im Fenster "Arbeitsplatz" ausblenden - Netzwerkumgebung ausblenden - Kein Symbol "Gesamtes Netzwerk" in der Netzwerkumgebung - Keine Arbeitsgruppen-Computer in Netzwerkumgebung - Alle Desktop-Elemente ausblenden - Befehl "Beenden" deaktivieren - Keine Einstellungen beim Beenden speichern - System: Hier können folgende Einschränkungen festgelegt werden: - Programme zum Bearbeiten der Registrierung deaktivieren - Nur zugelassene Anwendungen für Windows ausführen Für normale Benutzer sollte kein Zugriff auf die Registrierung möglich sein, da Änderungen an der Registrierung schwerwiegende Probleme verursachen können. Die meisten Benutzer müssen mit dem IT-System nur bestimmte Aufgabe wahrnehmen und benötigen dem entsprechend nur bestimmte Anwendungen. Daher sollte ihr Zugriff auch auf diese Anwendungen, wie z. B. ein Textverarbeitungsprogramm, eingeschränkt werden. - Windows NT Shell: Hier können folgende Einschränkungen festgelegt werden: - Nur erlaubte Shell-Erweiterungen verwenden - Allgemeine Programmgruppen vom Menü "Start" entfernen Unter Windows NT können sehr differenzierte Benutzerprofile erstellt werden. Diese sollten entsprechend der Sicherheitspolitik der Behörde bzw. des Unternehmens erarbeitet werden. Dies kann zeitaufwendig sein, da für verschiedene Benutzergruppen auch jeweils auf diese zurechtgeschnittene Benutzerprofile erstellt werden sollten. Alle Benutzerprofile müssen vorher darauf getestet werden, ob diese weder Lücken offenlassen noch die Benutzer an ihrer Aufgabenerfüllung hindern. Es ist auch zu bedenken, daß zu weitgehende Einschränkungen nicht nur zur Unzufriedenheit der Benutzer bis hin zur völligen Ablehnung des Systems führen können, sondern auch den Administratoren viel Arbeit verursachen können, wenn diese ständig Benutzerwünsche umsetzen müssen, wie z. B. eine andere Schriftgröße einstellen. Die Windows NT Umgebung wird durch die Werte des aktuellen Benutzerprofils festgelegt, selbst wenn der aktuelle Benutzer weder über ein vorgeschriebenes noch über ein persönliches Profil verfügt oder auch wenn aktuell niemand angemeldet ist. Das User Default Profil wird unter den folgenden Bedingungen geladen: - wenn der aktuelle Benutzer über kein eigenes (vorgeschriebenes oder persönliches) Profil verfügt und sich noch nie auf dem aktuellen Rechner angemeldet hat; _____________________________________________________________________ .......................................... 77 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.51 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - wenn ein Benutzer sich auf dem Gastkonto anmeldet. Im ersten Fall werden die aktuellen Werte der Benutzerumgebung beim Abmelden in ein neu erstelltes lokales persönliches Profil abgespeichert, im zweiten Fall gehen sie beim Abmelden verloren. Wenn niemand angemeldet ist, werden die aktuellen Werte für den Bildschirmhintergrund und andere Umgebungsvariablen durch das System Default Profil bestimmt. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist das Gastkonto, sofern es nicht gesperrt ist, durch ein Profil auf die minimal erforderliche Funktionalität eingeschränkt? _____________________________________________________________________ .......................................... 78 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.52 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.52 Geräteschutz unter Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Normalerweise erlaubt Windows NT allen Programmen den Zugriff auf Disketten und CD-ROMs. Es ist empfehlenswert, diesen Zugriff auf den gerade interaktiv eingeloggten Benutzer zu beschränken, indem die Geräte diesem Benutzer beim Anmelden exklusiv zugeordnet werden. Der Zugriff auf Diskettenlaufwerke sollte unter Windows NT 4.0 durch Eintrag / Veränderung des Wertes "AllocateFloppies" im Schlüssel "SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\Current Version\ Winlogon" des Bereiches HKEY_LOCAL_MACHINE der Registrierung auf den Wert REG_Zeichenfolge = 1 eingeschränkt werden. Hinweis: Der Typ "REG_Zeichenfolge", wie er in dem Programm Regedit.exe verwandt wird, entspricht dem Typ "REG_SZ" im Programm Regedt32.exe. Analog sollte der Zugriff auf CD-ROM-Laufwerke durch Eintrag/Veränderung des Wertes "AllocateCdRoms" im Schlüssel "SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\Current Version\ Winlogon" des Bereiches HKEY_LOCAL_MACHINE der Registrierung auf den Wert REG_Zeichenfolge = 1 bei Bedarf eingeschränkt werden. Hinweis: Da die Geräte beim Abmelden wieder für den allgemeinen Zugriff freigegeben werden, müssen die Datenträger vor dem Abmelden aus den Geräten entfernt werden. Sofern Diskettenlaufwerke vollständig abgeschaltet werden sollen, kann dies auch dadurch geschehen, daß in der Systemsteuerungsoption "Geräte" das Laden des Treiberprogramms dadurch unterbunden wird, daß dem Gerät "Floppy" die Startart "Deaktiviert" zugewiesen wird. Nach dem nächsten Systemstart steht dann das Diskettenlaufwerk überhaupt nicht mehr zur Verfügung, und es kann nur von einem Administrator durch Zuweisen der Startart "System" wieder nutzbar gemacht werden. Auf Servern sollte davon abgesehen werden, das Laden des Treiberprogramms für das Diskettenlaufwerk zu unterbinden. Sofern das Diskettenlaufwerk doch einmal z. B. zum Zwecke der Administration gebraucht wird, muß dem Gerät "Floppy" die Startart "System" zugewiesen werden und der Server muß heruntergefahren werden, da der Treiber erst beim Neustart wieder geladen wird. Dies kann zu Störungen des Dienstbetriebes führen. Server müssen in einer gesicherten Umgebung aufgestellt werden, vorhandene Diskettenlaufwerke sollten durch ein entsprechendes Schloß verschlossen werden. Weiterhin erlaubt Windows NT allen Benutzern den Zugriff auf Bandlaufwerke, so daß jeder Benutzer den Inhalt jedes Bandes lesen und schreiben kann. Normalerweise bringt dies keine Probleme mit sich, da zu einem gegebenen Zeitpunkt jeweils nur ein Benutzer interaktiv angemeldet ist. Sofern dieser jedoch ein Programm laufen läßt, das auch nach dem Ausloggen noch auf das Bandlaufwerk zugreift, so kann dieses Programm möglicherweise auf ein Band zugreifen, das der nächste Benutzer, der sich anmeldet, auflegt. Aus diesem Grund sollten Rechner, die sich nicht in einer _____________________________________________________________________ .......................................... 79 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.52 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... kontrollierten Umgebung befinden, neu gestartet werden, ehe das Bandlaufwerk genutzt wird. Hinweis: Der Einsatz von selbstladenden Bandgeräten, die mehrere Bänder aus einem Reservoir laden können, darf nur unter sehr genau kontrollierten Randbedingungen zugelassen werden. In der Regel sollten derartige Geräte nur zur Datensicherung an einem Server installiert werden. Der interaktive Zugriff normaler Benutzer auf diesen Server ist nicht zulässig (siehe auch M 6.32 Regelmäßige Datensicherung). Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Einstellung der Schlüssel "AllocateFloppies" "AllocateCdRoms" in der Registrierung regelmäßig kontrolliert? und _____________________________________________________________________ .......................................... 80 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.53 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.53 Restriktive Vergabe von Zugriffsrechten auf Dateien und Verzeichnisse unter Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator In Windows NT wird zwischen den Zugriffsberechtigungen auf Freigabeebene und den Zugriffsberechtigungen auf Datei- und Verzeichnisebene, die im folgenden auch NTFS-Berechtigungen genannt werden, unterschieden. Die Zugriffsberechtigungen auf Freigabeebene (Shares) werden in M 2.94 Freigabe von Verzeichnissen unter Windows NT betrachtet. Zugriffsberechtigungen auf Datei- und Verzeichnisebene stehen im Gegensatz zu den Freigabeberechtigungen (Share-Berechtigungen) nur auf Datenträgern mit dem Dateisystem NTFS zur Verfügung. Sie werden in der Regel vom Ersteller oder Besitzer eines Objektes (Verzeichnis oder Datei) vergeben. Auf Servern erfolgt dies meistens durch den Administrator. Die Festlegung von NTFS-Berechtigungen erfolgt unter Windows NT 4.0 typischerweise mittels des Windows NT Explorers oder über das Desktopsymbol "Arbeitsplatz". Im Kontextmenü des entsprechenden Verzeichnisses bzw. der entsprechenden Datei ist der Menüpunkt "Eigenschaften"/"Sicherheit" auszuwählen. Dadurch gelangt man zu folgender Zugriffskontrolliste: Die entsprechende Zugriffskontrolliste findet sich unter Windows NT 3.51 im Datei-Manager unter "Sicherheit"/"Berechtigungen". In diese Zugriffskontrolliste können bestehende Benutzergruppen und Benutzer aufgenommen und hier können jeder Benutzergruppe und jedem Benutzer Berechtigungen zugewiesen und entzogen werden. Auch ist es möglich, Benutzergruppen und Benutzer aus der Zugriffskontrolliste zu entfernen. Durch Aktivieren der Option "Berechtigungen für existierende Dateien ersetzen" können die für das Verzeichnis festgesetzten Berechtigungen auf alle Dateien dieses Verzeichnisses übertragen werden. Wird die Option "Berechtigungen für Unterver- _____________________________________________________________________ .......................................... 81 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.53 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... zeichnisse ersetzen" gewählt, werden die eingestellten Berechtigungen zudem auf alle Unterverzeichnisse übertragen. Auf diese Weise lassen sich leicht einheitliche Rechtestrukturen realisieren. NTFS-Berechtigungen werden zunächst beim lokalen Zugriff wirksam. Müssen z. B. mehrere Benutzer an einem Computer arbeiten, so ist es möglich, durch Vergabe entsprechender Datei- und Verzeichnisberechtigungen sicherzustellen, daß jeder Benutzer nur Zugriff auf seine Daten hat. Auch beim Zugriff über das Netz werden NTFS-Berechtigungen wirksam. Voraussetzung für den Netzzugriff ist aber, daß das Verzeichnis, auf das zugegriffen werden soll oder in dem sich das gewünschte Unterverzeichnis oder die gewünschte Datei befindet, zuvor freigegeben und mit einer entsprechenden Freigabeberechtigung versehen wurde (s. M 2.94 Freigabe von Verzeichnissen unter Windows NT). Im Zusammenspiel zwischen Freigabeberechtigung und NTFS-Berechtigung ist zu beachten, daß die jeweils restriktivere Berechtigung maßgebend ist. NTFS-Berechtigungen lassen sich feiner abstufen als Freigabeberechtigungen. Es ist insbesondere möglich, für jedes Unterverzeichnis und für jede Datei gesonderte NTFS-Berechtigungen zu vergeben. Von daher ist es auch möglich, Freigaben mit der Freigabeberechtigung "Vollzugriff" für die Gruppe der Benutzer bzw. DomänenBenutzer zu versehen und die effektiven Zugriffsrechte über die NTFSBerechtigungen zu vergeben. Die NTFS-Berechtigungen werden unterschieden in spezifische (auch individuelle) Berechtigungen und vordefinierte Standardberechtigungen, die Kombinationen der spezifischen Zugriffsberechtigungen darstellen. Es gibt folgende individuellen Berechtigungen: R Lesen W Schreiben X Ausführen D Löschen P Berechtigungen ändern O Besitz übernehmen Aus diesen Einzelberechtigungen sind unter Windows NT vorgegebene Standardberechtigungen kombiniert worden: Standardberechtigung Einzelberechtigungen Kein Zugriff – Lesen RX Ändern RWXD Anzeigen RX Hinzufügen WX Hinzufügen und Lesen RWX Vollzugriff RWXDPO _____________________________________________________________________ .......................................... 82 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.53 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Der Besitzer einer Datei bzw. eines Verzeichnisses hat in jedem Fall das Recht, Berechtigungen für die Datei bzw. das Verzeichnis zu vergeben und zu entziehen. Jeder, der ein Verzeichnis oder eine Datei erstellt, wird automatisch Besitzer dieser Ressource. Der Besitz an einem Verzeichnis bzw. an einer Datei kann durch "Besitz übernehmen" (P) an andere Benutzer übertragen werden. Der Besitz an einem Verzeichnis oder einer Datei geht allerdings erst durch die Besitzübernahme durch den Empfänger auf diesen über. Es ist im Gegensatz zu anderen Betriebssystemen nicht möglich, Dateien und Verzeichnisse zu verschenken. Unabhängig von den Eintragungen in der Zugriffskontrolliste können Administratoren in jedem Fall den Besitz an Dateien und Verzeichnissen übernehmen. Hinweis: Benutzer sollten möglichst nie die Berechtigung „Vollzugriff“ vergeben, sondern höchstens die Berechtigung „Ändern“, damit ihnen nicht der Besitz entzogen werden kann und sie immer die Hoheit über die Rechtevergabe behalten. Alle Benutzer müssen darauf aufmerksam gemacht werden, regelmäßig mit dem Dateimanager oder dem Explorer zu überprüfen, ob sie noch Besitzer ihrer Verzeichnisse und Dateien sind. Dies ist der einzige Weg, mit dem Benutzer erkennen könne, ob von Ihnen gesetzte Zugriffsrechte umgangen worden sind. Die in den folgenden Abschnitten genannten Maßnahmen gelten hauptsächlich für Dateien und Verzeichnisse, für die der Administrator zuständig ist, das heißt für solche, die entweder für alle Benutzer von Bedeutung sind oder die Administrationszwecken dienen. Es reicht nicht aus, die Rechte eines Programms zu überprüfen, es muß auch die Rechtevergabe aller Programme überprüft werden, die von diesem Programm aus aufgerufen werden (insbesondere zur Vermeidung Trojanischer Pferde). Die Attribute aller Systemdateien sollten möglichst so gesetzt sein, daß nur der Systemadministrator Zugriff darauf hat. Verzeichnisse dürfen nur die notwendigen Privilegien für die Benutzer zur Verfügung stellen. Verzeichnisse des Betriebssystems und der Anwendungsprogramme Die Dateien und Verzeichnisse des Betriebssystems selbst müssen gegen unzulässige Zugriffe hinreichend geschützt werden. Die standardmäßig vorgesehenen Zugriffsrechte sollten unmittelbar nach der Installation des Systems auf schärfere Formen der Zugriffskontrolle auf die betreffenden Dateien und Verzeichnisse (das Windows-Verzeichnis, %SystemRoot%, z. B. \WINNT, das Windows-Systemverzeichnis %SystemRoot%\SYSTEM32 und eventuelle weitere Programmverzeichnisse, z. B. \MsOffice und \Programme, und alle Unterverzeichnisse) eingestellt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, daß manche Programme, insbesondere 16-Bit Programme, aber auch z. B. MS Winword 7.0, im Windows-Verzeichnis und/oder im Programmverzeichnis Initialisierungs- und Konfigurationsdateien anlegen. Sollen solche Programme genutzt werden, so kann es erforderlich werden, den Benutzern das Zugriffsrecht "Ändern" auf die betreffenden Verzeichnisse und Dateien zu geben. _____________________________________________________________________ .......................................... 83 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.53 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Nur Administratoren dürfen auf diese Dateien und Verzeichnisse schreibenden Zugriff haben. Für alle anderen Benutzer ist der Zugriff so einzuschränken, daß sie dort nur lesenden und ausführenden Zugriff (RX) haben: Benutzer(gruppe) Zugriffsrecht SYSTEM Vollzugriff Administratoren Vollzugriff Benutzer Lesen Ggf. kann der Zugriff auf ausführbare Dateien (.EXE-, COM- und BATDateien) noch weiter eingeschränkt werden, so daß nur ausführender Zugriff (X) auf diese Dateien möglich ist. In ähnlicher Weise sind die für den Systemstart kritischen Dateien \BOOT.INI, \NTDETECT.COM, \NTLDR, \AUTOEXEC.BAT und \CONFIG.SYS gegen unbefugte Veränderung durch unprivilegierte Benutzer zu schützen. Dabei sollte allerdings - am besten in einer Testumgebung - überprüft werden, ob alle Anwendungsprogramme bei dieser restriktiven Einstellung noch lauffähig sind, oder ob einzelne Zugriffskontrollen doch um weitere Zugriffsmöglichkeiten ergänzt werden müssen, um beispielsweise die Abspeicherung temporärer Dateien oder von Konfigurationsinformationen in einem Programmverzeichnis zu erlauben. Generell sollte jedoch der Zugriff auf die Programmdateien selbst (.EXE-Dateien) und auf dynamische Bibliotheken (.DLL-Dateien) für die Gruppe "Jeder" auf lesenden Zugriff beschränkt werden, zumal diese Maßnahme auch einen gewissen Schutz gegen die Verbreitung von Viren bietet. Temporäre Dateien Temporäre Dateien, die von verschiedenen Anwendungsprogramme zum Auslagern und Zwischenspeichern von Daten verwendet werden, werden unter Windows NT im Verzeichnis %TEMP% (in der Regel C:\TEMP) abgelegt. Alle Anwender benötigen für dieses Verzeichnis auch das Recht, hier Dateien abzulegen, doch muß gleichzeitig verhindert werden, daß Benutzer auf temporäre Dateien anderer Benutzer Zugriff erhalten. Die Zugriffsrechte für das Verzeichnis sollten daher auf folgenden Wert geändert werden: Benutzer(gruppe) Zugriffsrecht SYSTEM Vollzugriff Administratoren Vollzugriff Ersteller/Besitzer Ändern Benutzer Hinzufügen _____________________________________________________________________ .......................................... 84 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.53 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Registrierung Die Registrierung von Windows NT befindet sich im Unterverzeichnis CONFIG des Windows-Systemverzeichnisses %SystemRoot%\SYSTEM32, d. h. im allgemeinen im Verzeichnis C:\WINNT\SYSTEM32\CONFIG. Auf dieses Verzeichnis muß der Anwender Zugriff haben, da die Registrierung automatisch durch Einstellungen des Benutzers in Anwendungsprogrammen geändert wird. Kann der Benutzer nicht auf dieses Verzeichnis zugreifen, führt das zu Systemfehlern oder zu einem Absturz des Systems. Die auf dieses Verzeichnis gesetzten Standardrechte, die möglichst nicht verändert werden sollten, sind unter Version 3.51: Benutzer(gruppe) Zugriffsrecht SYSTEM Vollzugriff Administratoren Vollzugriff Ersteller/Besitzer Ändern Benutzer Anzeigen Ab Version 4.0 sind die Standardrechte: Benutzer(gruppe) Zugriffsrecht SYSTEM Vollzugriff Administratoren Vollzugriff Ersteller/Besitzer Vollzugriff Jeder Anzeigen Die Gruppe "Jeder" sollte allerdings durch die Gruppe "Benutzer" ersetzt werden. Nur wenn Gäste auf dieses Verzeichnis Zugriff haben, muß die Gruppe "Jeder" das Recht "Anzeigen" haben. Bei der Installation legt Windows NT das Verzeichnis %SystemRoot%\REPAIR an, um dort Konfigurationsinformationen abzuspeichern, die für eine ggf. notwendige Reparatur einer bestehenden Installation benötigt werden. Diese Dateien werden mit Hilfe des Dienstprogramms RDISK aktualisiert (siehe auch M 6.42 Erstellung von Rettungsdisketten für Windows NT). Da da mit Hilfe dieser Dateien und entsprechender Schadsoftware Sicherheitsfunktionalitäten von Windows NT außer Kraft gesetz werden können, sollten die Rechte auf das Verzeichnis mit allen darin befindlichen Dateien wie folgt gesetzt werden: _____________________________________________________________________ .......................................... 85 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.53 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Benutzer(gruppe) Zugriffsrecht System Vollzugriff Administratoren Vollzugriff Profile Zum Abspeichern der Daten, die die Benutzeroberfläche und Einträge im Menü START ab der Version 4.0 beschreiben, legt Windows NT für jeden Benutzer vom System ein eigenes Profilverzeichnis im Unterverzeichnis Profiles des Windows-Verzeichnisses %SystemRoot% (in der Regel C:\WINNT\PROFILE) an. Unter der Version 3.51 werden Profile in Unterverzeichnissen des Systemverzeichnisses %SystemRoot%\SYSTEM32\CONFIG bzw. in für die einzelnen Benutzer explizit angegebenen Verzeichnissen abgespeichert. Auf diese Verzeichnisse muß der Benutzer vollen Zugriff haben, sofern er seine Benutzeroberfläche selbst verändern können soll. Dies ist jedoch nicht immer gewünscht (vgl. M 4.51 Benutzerprofile zur Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten von Windows NT). Beim ersten Anmelden des Benutzers wird sein Benutzerprofil automatisch vom System erzeugt. Die Standard-Zugriffsrechte für das Verzeichnis sehen wie folgt aus: Benutzer(gruppe) Zugriffsrecht SYSTEM Vollzugriff Administratoren Vollzugriff betreffender Benutzer Vollzugriff Neben dem Profilverzeichnis für den einzelnen Benutzer gibt es noch ein Verzeichnis für alle Benutzer (All Users) und ein Verzeichnis als Vorlage für neue Benutzer (Default User). Schreibenden Zugriff auf diese Verzeichnisse sollte nur Systemverwalter haben. Die Zugriffsrechte sollten wie folgt gesetzt werden:: Benutzer(gruppe) Zugriffsrecht SYSTEM Vollzugriff Administratoren Vollzugriff Benutzer Lesen Diese Einstellungen sollten nur verändert werden, wenn man dem Anwender das Recht nehmen möchte, seine Benutzeroberfläche zu verändern. _____________________________________________________________________ .......................................... 86 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.53 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Benutzer-Verzeichnisse Die Verzeichnisse für die Daten der einzelnen Benutzer sollten in der Regel so geschützt werden, daß nur die betreffenden Benutzer auf ihre Dateien zugreifen können. Andere Benutzer, auch Administratoren benötigen in der Regel keinen Zugriff auf die Daten eines Benutzers, es sei denn, daß dieser selbst explizit zusätzliche Zugriffsrechte vergibt. Damit ist in den meisten Fällen die folgende Voreinstellung für die Zugriffsrechte auf Benutzerverzeichnisse ausreichend: Benutzer(gruppe) Zugriffsrecht SYSTEM Vollzugriff betreffender Benutzer Vollzugriff Benutzer, die einzelne Dateien oder Verzeichnisse anderen Benutzern zugänglich machen wollen, sollten hierfür Verzeichnisse außerhalb ihres Basisverzeichnisses einrichten. Ebenso sollten für Projektgruppen, die gemeinsam an bestimmten Dateien arbeiten, spezielle Verzeichnisse eingerichtet werden. Die Zugriffsrechte auf solche Verzeichnisse sollten auch wiederum explizit auf die Benutzer in diesen Gruppen beschränkt werden. Sperren der Zugriffsrechte für Gäste Bei den oben beschriebenen Zugriffskontrollisten ist davon ausgegangen worden, daß keine Benutzer der Gruppe "Gäste" zugelassen sind. Deswegen ist die Gruppe "Jeder" durch die Gruppe "Benutzer" zu ersetzen. Mit dieser Maßnahme wird Gästen effektiv jede Möglichkeit zur Arbeit mit dem System und zum Zugriff auf Daten entzogen. Da dies jedoch unter Umständen dazu führen kann, daß bestimmte Anwendungssoftware nicht mehr korrekt läuft, sollte eine derartige Änderung zuerst an einem Testsystem vorgenommen und hinsichtlich ihrer Auswirkungen überprüft werden, ehe sie allgemein umgesetzt wird. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Attributvergabe bei Systemdateien und der Registrierung regelmäßig überprüft? - Werden die Einstellungen der Benutzerprofile regelmäßig überprüft? - Gibt es Listen, anhand derer diese Überprüfungen durchgeführt werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 87 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.54 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.54 Protokollierung unter Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die für die Protokollierung sicherheitsrelevanter Ereignisse festgelegten Regelungen können mit Hilfe der Option "Richtlinien" des BenutzerManagers umgesetzt werden, wobei für den mittleren Schutzbedarf geeignete Regelungen im allgemeinen denen der folgenden Abbildung entsprechen: Sofern auf einem Rechner Daten mit höheren Schutzanforderungen gespeichert und/oder verarbeitet werden, sollten zusätzlich noch erfolgreiche und abgewiesene Datei- und Objektzugriffe aufgezeichnet werden. Dabei sollte sich diese Aufzeichnung auf die Dateien, die besonders schutzwürdige Informationen enthalten, sowie auf die zur Verarbeitung dieser Dateien benötigten Programme beschränken, damit die Protokolldatei nicht so umfangreich wird, daß sie nicht mehr mit tragbarem Aufwand auswertbar ist. Bei höheren Sicherheitsanforderungen sollten auch Zugriffe und Zugriffsversuche auf die Registrierung, zumindest für die Schlüssel HKEY_LOCAL_MACHINE und HKEY_USERS, aufgezeichnet werden. Dabei empfiehlt es sich, alle abgewiesenen Versuche aufzuzeichnen und von den erfolgreichen zumindest die folgenden, die zu Veränderungen der Registrierung führen können: _____________________________________________________________________ .......................................... 88 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.54 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Dabei ist zu beachten, daß Zugriffe auf die Registrierung nur dann aufgezeichnet werden, wenn bei den allgemeinen Überwachungsrichtlinien die Überwachung der Datei- und Objektzugriffe aktiviert ist. Bei der Überwachung der Zugriffe auf die Registrierung fallen erhebliche Mengen an Protokolldaten an, die auch ausgewertet werden müssen. Zudem wirkt sich die Protokollierung dieser Ereignisse u. U. negativ auf die Systemperformance aus. Es bietet sich unter Berücksichtigung der Sicherheitsanforderungen ggf. das folgende alternative Vorgehen an: Abgewiesene Zugriffsversuche auf die Schlüssel HKEY_LOCAL_MACHINE und HKEY_USERS werden so protokolliert, wie zuvor beschrieben. Die erfolgreichen Zugriffe auf diese Schlüssel werden nicht protokolliert. Vielmehr wird ein geeignetes Integritätssicherungsprogramm eingesetzt. So können Veränderungen an diesen Schlüsseln leicht erkannt werden. Der Nachteil dieser Methode ist aber, daß der Urheber von Veränderungen nicht erkannt werden kann. Die Protokolldatei sollte durch Festlegung entsprechender Vorgaben mit dem Dienstprogramm Ereignisanzeige so groß angelegt werden, daß alle innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums (beispielsweise in einer Woche) anfallenden Einträge mit Sicherheit abgespeichert werden können. Dabei sollte ein Sicherheitsspielraum vorgesehen werden, so daß in der Regel maximal nur etwa 30 % der Protokolldatei gefüllt werden. Nach Ablauf des vorgesehenen _____________________________________________________________________ .......................................... 89 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.54 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Zeitraums ist die Protokolldatei jeweils zu analysieren, zu archivieren und dann zu leeren, um Platz für neue Einträge zu schaffen. Um Systemausfälle durch Vollschreiben der Protokolldatei zu vermeiden, sollte normalerweise eine der Optionen "Überschreiben falls notwendig" oder "Überschreiben älter als x Tage", wobei für x die Länge des vorgesehenen Archivierungszyklus, z. B. 30 Tage, angegeben wird, gewählt werden: Für Systeme, für die erhöhte Sicherheitsanforderungen bestehen, sollte statt dessen die Option "Nie überschreiben (Protokoll manuell löschen)" gewählt werden, was allerdings zum Systemstillstand bei Überlauf des Logs führt und dann einen entsprechenden Aufwand verursacht. Die Auswertung der Protokolle erfolgt mit dem Verwaltungsprogramm Ereignisanzeige, das durch Auswahl geeigneter Filterregeln die gezielte Auswertung sicherheitskritischer Vorgänge ermöglicht: _____________________________________________________________________ .......................................... 90 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.54 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Auswertung des Sicherheitsprotokolls sollte einer geeigneten, allgemein verbindlichen Vorgabe folgen (siehe M 2.64 Kontrolle der Protokolldateien und M 2.92 Durchführung von Sicherheitskontrollen im Windows NT ClientServer-Netz). Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die aufgezeichneten Protokolle regelmäßig geprüft? - Werden die möglichen Konsequenzen sicherheitskritischer Protokolleinträge analysiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 91 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.55 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.55 Sichere Installation von Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Vor der Installation von Windows NT sollten einige Überlegungen getroffen werden, die im folgenden kurz dargestellt werden. Sichere Systemversion Schon bei der Beschaffung muß entschieden werden, ob Windows NT in der englischen oder in der deutschen Version zum Einsatz kommen soll. Außerdem muß Windows NT, um sicher zu sein, wenigstens in der Version 3.51 mit dem jeweils aktuellen Service Pack betrieben werden (siehe auch M 4.76 Sichere Systemversion von Windows NT). Sofern eine ältere Windows NT Installation vorhanden ist, sollte diese nach Möglichkeit auf die Version 4 oder zumindest auf die Version 3.51 aktualisiert werden. Partitionen und Dateisysteme Windows NT unterstützt neben dem eigenen Dateisystem NTFS auch das DOS-Dateisystem FAT und das OS/2-Dateisystem HPFS. Ein Großteil der sicherheitsrelevanten Einstellungen ist allerdings nur unter NTFS gültig. Bei der Installation von Windows NT ist daher zu beachten, daß keine HPFS- oder DOS-Partitionen angelegt werden, da für diese kein Zugriffsschutz gilt, so daß derartige Partitionen zum Unterlaufen des Schutzes von Windows NT mißbraucht werden können. Statt dessen müssen alle Partitionen mit dem NTFS-Dateisystem formatiert oder, sofern frühere Daten beibehalten werden sollen, zu diesem Dateisystem konvertiert werden. Allerdings ist die Unterstützung des FAT-Dateisystems für Disketten notwendig, da das NTFS-Dateisystem aufgrund seiner Größe nicht auf Disketten untergebracht werden kann. Daher sollte der Zugriff auf Diskettenlaufwerke beschränkt werden (siehe M 4.52 Geräteschutz unter Windows NT). Konfiguration des Anmelde-Vorgangs Normalerweise zeigt Windows NT beim Anmelden den Namen des letzten Benutzers an, der sich am betreffenden Rechner eingeloggt hat. Diese Anzeige sollte durch Eintrag/Veränderung des Wertes "DontDisplayLastUserName" im Schlüssel "SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\Current Version\Winlogon" des Bereiches HKEY_LOCAL_MACHINE der Registrierung auf den Wert REG_SZ = "1" verhindert werden. Um unberechtigte Benutzer vor einem unzulässigen Zugriff auf das System zu warnen, sollte vor dem eigentlichen Anmelde-Vorgang ein Fenster mit einem geeigneten Text angezeigt werden. Dies wird durch Eingabe geeigneter Texte in die beiden Einträge "LegalNoticeCaption" und "LegalNoticeText" im Schlüssel "SOFTWARE\Microsoft\Windows NT\Current Version\Winlogon" des Bereiches HKEY_LOCAL_MACHINE der Registrierung erreicht. Die betreffenden Änderungen können mit Hilfe des Registrierungs-Editors (des Programms REGEDT32.EXE im Windows-Systemverzeichnis %SystemRoot%\SYSTEM32) vorgenommen werden. Dabei ist besondere Vorsicht anzuwenden, da fehlerhafte Einstellungen in der Registrierung dazu _____________________________________________________________________ .......................................... 92 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.55 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... führen können, daß das System nicht mehr lauffähig ist. Ab der Version 4.0 von Windows NT können diese Werte mit Hilfe des Systemrichtlinien-Editors zentral für die einzelnen Arbeitsstationen vorgegeben werden. Laden von Subsystemen Die optionalen Subsysteme POSIX und OS/2 sollten nur dann installiert bleiben, wenn sie zur Durchführung von Anwendungen auch tatsächlich benötigt werden. Sofern dies nicht der Fall ist, sollte auf ihre Installation verzichtet werden, oder die Systeme sollten, falls diese schon erfolgt ist, wieder gelöscht werden. Dazu sind dann die Unterverzeichnisse POSIX bzw. OS2 des Windows-Systemverzeichnisses %SystemRoot%\SYSTEM32 mit ihren eventuellen Unterverzeichnissen zu löschen. Weiterhin sind die folgenden Programme und ladbaren Bibliotheken im Windows-Verzeichnis %SystemRoot%\SYSTEM32 zu löschen: - OS/2: OS2.EXE OS2SRV.EXE OS2SS.EXE - POSIX: PSXDLL.DLL PAX.EXE POSIX.EXE PSXSS.EXE Außerdem sind folgende Einträge im Teilschlüssel \SYSTEM\CurrentControlSet\Control\Session Manager\SubSystems im Bereich HKEY_LOCAL_MACHINE der Registrierung zu löschen: - OS/2: Eintrag "Os2" mit dem Wert %SystemRoot%\system32\os2ss.exe - POSIX: Eintrag "Posix" mit dem Wert %SystemRoot%\system32\psxss.exe Starten von Diensten Sofern Dienste, die keine Standarddienste von Windows NT sind, konfiguriert werden sollen, sollte bei Festlegung der Startart dieser Dienste (mit der Systemsteuerungsoption "Dienste") nach Möglichkeit ein eigenes Benutzerkonto zum Start jedes dieser Dienste vorgesehen werden, um die Befugnisse des betreffenden Dienstes geeignet einschränken zu können. Das dabei verwendete Benutzerkonto muß über das Recht "Als Dienst starten" verfügen, und es sollte außer für diesen Dienst nicht verwendet werden, also insbesondere auch kein Login von Benutzern zulassen. Dienste, die nicht auf diese Weise einem speziellen Benutzerkonto zugeordnet wurden, laufen im Kontext der speziellen Benutzergruppe SYSTEM (siehe M 4.50 Strukturierte Systemverwaltung unter Windows NT), also mit den größtmöglichen Zugriffsberechtigungen. Geräteschutz Sofern der Computer über Diskettenlaufwerke, CD-ROM-Laufwerke und/oder Bandlaufwerke verfügt, sollten diese nach Möglichkeit spezifisch geschützt _____________________________________________________________________ .......................................... 93 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.55 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... werden, wie in der Maßnahme M 4.52 Geräteschutz unter Windows NT beschrieben. Notfalldiskette Bei der Installation bietet Windows NT an, eine Notfalldiskette mit den wichtigsten Konfigurationsinformationen zu erzeugen. Von dieser Möglichkeit sollte Gebrauch gemacht werden, und die Diskette sollte bei Änderungen am System jeweils aktualisiert werden (siehe M 6.42 Erstellung von Rettungsdisketten für Windows NT). Dabei empfiehlt es sich, die Aktualisierung der Notfalldiskette jeweils nach dem nächsten Systemstart vorzunehmen, wenn also sichergestellt ist, daß sich das geänderte System noch starten läßt. Vordefinierte Benutzerkonten Das vordefinierte Administratorkonto ist Mitglied der vordefinierten Gruppe "Administratoren". Es erhält die Rechte und Berechtigungen, die dieser Gruppe erteilt wurden. Das Administratorkonto wird von der Person verwendet, welche die Gesamtkonfiguration der Arbeitsstation oder des Servers verwaltet. Der Administrator besitzt mehr Kontrollmöglichkeiten über den Windows NT Computer als jeder andere Benutzer. Daher ist dieses Konto besonders zu schützen (siehe M 4.77 Schutz der Administratorkonten unter Windows NT). Das vordefinierte Gastkonto ist Mitglied der Gruppe "Gäste". Es erhält die Rechte und Berechtigungen, die dieser Gruppe erteilt wurden. Beispielsweise kann sich ein Benutzer beim Gastkonto anmelden, Dateien erstellen und diese wieder löschen sowie Dateien lesen, für die ein Administrator den Gästen die Leseerlaubnis erteilt. Das Gastkonto wird als Service für Benutzer eingerichtet, die gelegentlich oder nur einmal den Rechner benutzen, so daß diese sich anmelden und mit eingeschränktem Funktionsumfang arbeiten können. Das Gastkonto ist bei der Installation von Windows NT 4.0 zunächst gesperrt, und es wird mit einem leeren Kennwort installiert. Das Gastkonto ist auf jeden Fall mit einem sicheren Paßwort zu versehen, und die Sperre sollte nicht aufgehoben werden, wenn es keine schwerwiegenden Gründe für seine Benutzung gibt. Das vordefinierte Gastkonto kann umbenannt, aber nicht gelöscht werden. Es sollte unmittelbar nach der Installation umbenannt werden. Das Erstbenutzerkonto wird für den ersten Benutzer einer Arbeitsstation eingerichtet. Da es Mitglied der Gruppe "Administratoren" ist, kann die Arbeitsstation mit dem Erstbenutzerkonto vollständig verwaltet werden. Das Erstbenutzerkonto wird bei der Installation von Windows NT erstellt, wenn die Arbeitsstation zu einer Arbeitsgruppe hinzugefügt wird oder wenn sie nicht für den Netzbetrieb konfiguriert wurde. Das System fordert zur Eingabe eines Benutzernamens und eines Kennworts auf. Wenn der Rechner bei der Installation von Windows NT zu einer Domäne hinzugefügt wird, wird das Erstbenutzerkonto nicht erstellt, weil erwartet wird, daß sich der Benutzer unter Verwendung eines Kontos von der Domäne anmeldet. Hinweis: Sofern Windows NT bei der Installation ein Erstbenutzerkonto einrichtet, sollte dieses als Konto zur Systemverwaltung verwendet werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 94 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.55 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Installation im Netz Weiterhin ist zu beachten, daß alle Clients bei der Konfiguration ihrer Netzsoftware als Mitglieder einer der vorher definierten Domänen (und nicht als Mitglieder von Arbeitsgruppen) konfiguriert werden. Falls auf ihnen Benutzerkonten benötigt werden, müssen diese immer als domänenweite Konten und nicht als lokale Konten definiert werden, um die Entstehung unüberschaubarer Rechtestrukturen zu vermeiden. Zur Vereinfachung der Installation einer größeren Anzahl von Clients sollten vorher Skripten definiert werden, die eine automatische Installation und Konfiguration dieser Clients ermöglichen. Software aller Art sollte zentral auf einem Server bereitgestellt und von dort aus auf dem entsprechenden Rechner installiert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Welchen Benutzern wurde die Zugangskontrollinformation (Benutzername, Paßwort) zu den vordefinierten Benutzerkonten mitgeteilt? - Wird regelmäßig kontrolliert, ob das Gastkonto noch gesperrt ist, bzw. wenn es genutzt werden muß, werden die der Gruppe "Gäste" erteilten Zugriffsrechte und die Gruppenzuordnung des Gastkontos regelmäßig überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 95 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.56 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.56 Sicheres Löschen unter Windows NT und Windows 95 Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer, Administrator Windows NT Windows NT legt in einer Master Dateitabelle alle Dateiinformationen wie Namen, Pfad und Attribute ab. Diese Angaben werden nicht verschlüsselt. Programme, die direkt auf die Festplatte zugreifen können, können unter Umgehung der Sicherheitsmechanismen von Windows NT auf alle Dateien beliebig zugreifen. Dies gilt insbesondere für Programme, die unter einem anderen Betriebssystem als Windows NT auf demselben Rechner laufen. Beim Löschen einer Datei unter dem Dateisystem NTFS wird diese nicht physikalisch gelöscht oder überschrieben, sondern ähnlich wie unter MS-DOS lediglich dem Zugriff entzogen, wobei jedoch unter Windows NT – im Gegensatz zu der Situation bei MS-DOS – sichergestellt ist, daß ein Zugriff auf diese gelöschten Daten, etwa mit einem Rekonstruktionsprogramm oder unter Verwendung direkter Plattenzugriffe, nicht mehr möglich ist. Dennoch können gelöschte Dateien unter anderen Betriebssystemen als Windows NT mit Programmen, die direkt auf die Festplatte zugreifen können, wieder hergestellt werden. Aus diesen Gründen muß Windows NT als einziges Betriebssystem installiert sein, und es muß verhindert werden, daß andere Betriebssysteme von Diskette gestartet werden können (siehe M 4.52 Geräteschutz unter Windows NT und M 4.55 Sichere Installation von Windows NT). Windows 95/ Windows NT Ab Windows NT Version 4.0 und unter Windows 95 werden Dateien beim Löschen, sofern der Benutzer nicht ausdrücklich ein direktes Löschen verlangt, zunächst in einen benutzerspezifischen Bereich, den sogenannten "Papierkorb", verlagert. Aus diesem Bereich werden sie erst dann entfernt, wenn der von gelöschten Dateien belegte Speicherplatz die für das betreffende Plattenlaufwerk vorgegebene Größe überschreitet oder wenn der Benutzer explizit den Papierkorb leert. Der Inhalt des Papierkorbs sollte daher regelmäßig gelöscht werden, damit die Festplatte nicht zu voll wird und der Benutzer nicht den Überblick verliert. Die maximale Größe des für den Papierkorb reservierten Speicherplatzes kann auch unter "Eigenschaften" des Icons "Papierkorb" auf einen geeigneten kleineren Wert, z. B. 2 MByte, eingestellt werden. Dateien mit sensitivem Inhalt sollten nicht in den Papierkorb verschoben werden, sondern explizit gelöscht werden, indem beim Löschen die Umschalttaste gedrückt wird. Unter Windows 95 besteht zudem die Möglichkeit aus dem Papierkorb gelöschte Dateien durch Hilfsprogramme zu rekonstruieren. Dateien mit besonders sensitivem Inhalt sollten daher - bevor sie in den Papierkorb verschoben werden - vollständig überschrieben werden (vgl. M 2.3 Datenträgerverwaltung). _____________________________________________________________________ .......................................... 96 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.56 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Größe des Papierkorbs unter Windows NT Version 4.0 bzw. unter Windows 95 auf einen sinnvollen Wert eingestellt? _____________________________________________________________________ .......................................... 97 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.57 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.57 Deaktivieren der automatischen CD-ROMErkennung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Unter Windows 95 und Windows NT 4.0 können CD-ROMs automatisch erkannt und bearbeitet werden. Dadurch können auch auf der CD-ROM gespeicherte Programme automatisch auf dem Rechner ausgeführt werden. Die automatische CD-ROM-Erkennung sollte unter Windows 95 und Windows NT permanent unterbunden werden. Unter Windows 95 ist dafür auf der Registerkarte GERÄTEMANAGER unter der Systemsteuerungsoption SYSTEM für die CD-ROM die Eigenschaft “Automatische Benachrichtigung beim Wechsel” zu deaktivieren. Unter Windows NT 4.0 ist für die permanente Deaktivierung der automatischen CD-ROM-Erkennung in der Registrierung der Eintrag "Autorun" im Schlüssel \SYSTEM\CurrentControlSet\Services\Cdrom im Bereich HKEY_LOCAL_MACHINE auf den Wert REG_WORD = 0 zu setzen. Falls die automatische CD-ROM-Erkennung gewünscht wird, läßt sich die automatische CD-ROM-Erkennung auch für jede CD-ROM einzeln durch Drücken der Shift-Taste beim Einlegen verhindern. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die automatische CD-ROM-Erkennung ausgeschaltet? - Sind die Benutzer informiert, wie sie die automatische CD-ROMErkennung temporär verhindern können? _____________________________________________________________________ .......................................... 98 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.58 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.58 Freigabe von Verzeichnissen unter Windows 95 Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Für jeden Rechner unter Windows 95 muß entschieden werden, ob die Peerto-Peer-Funktionalitäten benötigt werden, um sie dann einzeln zuzulassen oder zu sperren. Dafür kann über die Systemrichtlinien über die Menüpunkte Systemsteuerung / Netzwerk / Datei- und Druckerfreigabe die Datei- und Druckerfreigabe einzeln zugelassen oder gesperrt werden. Anschließend muß dem Benutzer der Zugriff auf diese Registerkarte entzogen werden. Wenn die Dateifreigabe deaktiviert ist, stehen die entsprechenden Funktionen im Dateimanager bzw. Explorer nicht mehr zur Verfügung, es ist aber weiter möglich, sich mit Verzeichnissen anderer Rechner zu verbinden. Der Administrator muß darüber hinaus beim Einrichtung eines WfWRechners auch die weiteren Punkte beachten: - Unter Windows 95 ist durch die Systemrichtlinien sicherzustellen, daß die Benutzer weder Rechner- noch Benutzernamen selbstständig ändern können. - Die Voreinstellung "Kennwort in der Kennwortliste speichern" ist in den Verbindungsoberflächen zu deaktivieren. - Rechner- noch Benutzernamen sollten gemäß den Organisationsvorgaben vergeben werden. Durch die Systemrichtlinien ist sicherzustellen, daß die Benutzer weder Rechner- noch Benutzernamen selbstständig ändern können. - Beim Einsatz von Schedule+ ist darauf zu achten, daß das standardmäßig vergebene Recht, offene oder besetzte Zeitblöcke einzusehen, für alle nicht berechtigten WfW-Benutzer deaktiviert wird. Jeder Teilnehmer am selben Post-Office ist sonst in der Lage, das zeitliche Arrangement der individuellen Termine einzusehen. Wird ein Post-Office eingerichtet, daß von mehreren Benutzern zur Kommunikation oder zur gemeinsamen Terminplanung genutzt werden soll, ist in Erwägung zu ziehen, von diesem eine Datensicherung in angemessenen Zeiträumen anzulegen. Dies ist notwendig, um einem versehentlichen oder absichtlichen Löschen des Post-Office entgegenzuwirken, da dies unter WfW nicht sicher verhindert wird. Unter Windows 95 ist es möglich, eine Remote-Administration einzurichten, die Administratoren ermöglicht, über das Netz auf die einzelnen Workstations zuzugreifen. Vor Aktivierung dieser Option ist abzuklären, ob dies mit den Sicherheitszielen der Organisation vereinbar ist. Durch die Aktivierung der Remote-Administration besteht die Gefahr, daß - jemand Kennung und Paßwort für die Remote-Administration ausprobieren kann, oder - ein Administrator jederzeit unbemerkt auf Benutzerrechner zugreifen kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 99 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.58 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Falls diese Eigenschaft zur Erleichterung der Workstation-Betreuung gewünscht ist, ist zu überlegen, ob ein Adminstrator für alle von ihm betreuten Workstations dasselbe Administrator-Paßwort verwenden soll. Dies läßt sich zwar leichter merken, führt aber dazu, daß ein Angreifer auf alle Workstations zugreifen kann, wenn er dieses eine Paßwort herausgefunden hat. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist dokumentiert, welche Verzeichnisse auf welchen Rechnern für den Netzzugriff freigegeben sind? - Werden die vorhandenen Freigaben an Veränderungen im Einsatzumfeld angepaßt? - Ist dokumentiert, eingerichtet ist? auf welchen Rechnern Remote-Administration _____________________________________________________________________ .......................................... 100 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.59 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.59 Deaktivieren nicht benötigter ISDN-KartenFunktionalitäten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Moderne ISDN-Karten sowie deren Kommunikationssoftware bzw. das in das Karten-RAM geladene Betriebssystem besitzen zahlreiche, über die reinen ISDN-Funktionalitäten hinausgehende Leistungsmerkmale. Solche “KomfortFunktionalitäten”, welche teilweise auch bei ausgeschaltetem IT-System angesprochen werden können, sind: - der Empfang und Versand von Faxen, - Funktionen eines digitalen Anrufbeantworters, - das Abhören eingegangener Aufzeichnungen des digitalen Anrufbeantworters, - das Telefonieren über ein im Lieferumfang der Karte enthaltenes Mikrofon bzw. einen enthaltenen Hörer. Soweit es möglich ist, sollten nicht benötigte Karten-Funktionalitäten deaktiviert werden, am besten durch das Entfernen des jeweiligen Softwaremoduls. Lassen sich Karten-Funktionalitäten lediglich durch Parameter konfigurieren, so muß die korrekte Einstellung der Parameter regelmäßig geprüft werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die zur Verfügung stehenden Funktionalitäten auf ihren tatsächlichen Bedarf geprüft? - Werden nicht genutzte und somit offensichtlich nicht erforderliche Funktionen gesperrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 101 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.60 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.60 Deaktivieren nicht benötigter ISDN-RouterFunktionalitäten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Neben Servicefunktionen bzw. der Fernwartung (siehe M 2.108 Verzicht auf Fernwartung der ISDN-Netzkoppelelemente) können auch Funktionen der Router-Betriebssysteme zu Sicherheitslücken führen. Beispielsweise ist das Aufrufen einer Telnet-Sitzung auf dem Router und das sich anschließende Manipulieren der Management Information Base möglich, wenn dieser mit einem Unix-Betriebssystem ausgestattet ist. Soweit es möglich ist, sind diese nicht benötigten Funktionalitäten zu deaktivieren, am besten durch das Entfernen des jeweiligen Softwaremoduls. Lassen sich Karten-Funktionalitäten lediglich durch Parameter konfigurieren, so muß die korrekte Einstellung der Parameter regelmäßig geprüft werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die zur Verfügung stehenden Funktionalitäten auf ihren tatsächlichen Bedarf geprüft? - Werden nicht genutzte und somit offensichtlich nicht erforderliche Funktionen gesperrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 102 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.61 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.61 Nutzung vorhandener Sicherheitsmechanismen der ISDN-Komponenten Verantwortlich für Initiierung: Leiter-IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Sind gemäß Maßnahme M 2.106 Auswahl geeigneter ISDN-Karten in der Beschaffung ISDN-Karten mit Sicherheitsfunktionalitäten für das IT-System oder den Router, wie - Fähigkeit zur Durchführung einer Authentisierung über PAP und CHAP (Password Authentikation Protocol und Challenge Handshake Authentication Protocol, RFC 1994), - Einsatz eines Verschlüsselungsverfahrens (symmetrisch/asymmetrisch) in Hard- oder Software, - Möglichkeit der Auswertung von CLIP-Rufnummern (Calling Line Identification Presentation) zur Authentisierung, - Möglichkeit des Führens einer Rufnummerntabelle für das Durchführen eines Call-Backs und - Möglichkeit der Protokollierung nicht erfolgreicher Verbindungsaufbauten (Ablehnung aufgrund falscher Rufnummern- oder PAP/CHAP-Authentisierung), beschafft worden, sollten diese auch geeignet genutzt werden, wie es die Maßnahmen M 5.48 Authentisierung mittels CLIP/COLP, M 5.49 Callback basierend auf CLIP/COLP, M 5.50 Authentisierung mittels PAP/CHAP und M 4.34 Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen beschreiben. Voraussetzung hierfür ist, daß alle Kommunikationspartner mit ISDN-Karten, die möglichst gleiche Sicherheitsfunktionalitäten aufweisen, ausgestattet werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 103 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.62 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.62 Einsatz eines D-Kanal-Filters Verantwortlich für Initiierung: Leiter-IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Beschaffungsstelle Ein D-Kanal-Filter wird zwischen ISDN-Anschluß (S2M oder S0) und ISDNEndgerät oder ISDN-TK-Anlage geschaltet. Zum ISDN-Anschluß verhält es sich wie ein ISDN-Endgerät und zum ISDN-Endgerät wie ein ISDNAnschluß. Der D-Kanal-Filter überwacht den ISDN-D-Kanal auf unzulässige Protokollaktionen und ist damit in der Lage, Manipulationsversuche über den D-Kanal zu detektieren und zu verhindern. Der Einsatz des D-Kanal-Filters ist insbesondere dann sinnvoll, wenn mit qualifizierten Angriffen über RemoteZugriffe (zum Beispiel bei Fernwartung und -administration) zu rechnen ist. D-Kanal-Filter schränken weiterhin Leistungsmerkmale und Dienste für Rufnummern bestimmter Kommunikationspartner in der Weise ein, daß es unter konkreten Betriebszuständen nicht zu einem Mißbrauch bzw. zur Gefährdung der ISDN-Endeinrichtung kommen kann. Versuche, unberechtigt Leistungsmerkmale und Dienste zu nutzen, werden von D-Kanal-Filtern mit einem Verbindungsabbau (Disconnect, Release) beantwortet und protokolliert. Weitere Informationen zu dieser vom BSI initiierten Technologie können unter der IT-Grundschutz-Hotline nachgefragt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 104 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.63 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.63 Sicherheitstechnische Anforderungen an den Telearbeitsrechner Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, heitsmanagement IT-Sicher- Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Administrator Die sicherheitstechnischen Anforderungen an den Telearbeitsrechner richten sich nach dem Schutzbedarf der zu bearbeitenden Daten am Telearbeitsplatz und der Daten, auf die der Telearbeiter über den Kommunikationsrechner der Institution zugreifen kann. Je höher der Schutzbedarf, desto mehr Maßnahmen müssen ergriffen werden, um diesen Schutz zu gewährleisten. Allgemeine Sicherheitsziele für den Telearbeitsrechner sind: - Der Telearbeitsrechner darf nur von autorisierten Personen benutzt werden können. Damit wird sichergestellt, daß nur autorisierte Personen die Daten und Programme, die im Telearbeitsrechner gespeichert sind bzw. auf die über den Kommunikationsrechner zugegriffen werden kann, nutzen können. Autorisierte Personen sind der Administrator des Telearbeitsrechners und der Telearbeiter nebst seines Stellvertreters. - Der Telearbeitsrechner darf nur für autorisierte Zwecke benutzt werden. Damit wird unterstützt, daß der Telearbeiter den Rechner nicht unautorisiert benutzt oder verändert. Dies beugt Schäden durch Fehlbedienung und Mißbrauch vor. - Schäden aufgrund eines Diebstahls oder Defektes des Telearbeitsrechners müssen tolerabel sein. Telearbeitsrechner werden üblicherweise in einer wenig gesicherten Umgebung eingesetzt, so daß mit Diebstahl zu rechnen ist. Dabei tritt ein Verlust der Verfügbarkeit und ggf. der Vertraulichkeit der gespeicherten Daten ein. Dennoch müssen die Schäden gering bleiben. - Versuchte oder erfolgte Manipulationen am Telearbeitsrechner sollen für den Telearbeiter erkennbar sein. Damit wird sichergestellt, daß der Telearbeitsrechner in einem integren Zustand verbleibt, auch wenn Manipulationsversuche nicht ausgeschlossen werden können. Für einen Telearbeitsrechner sind folgende Funktionalitäten sinnvoll: - Der Telearbeitsrechner muß Authentisierungsmechanismus sicherzustellen, daß über einen verfügen. IdentifizierungsInsbesondere und ist - sicherheitskritische Parameter, wie Paßwort, Benutzerkennung, usw., sicher verwaltet werden. Paßwörter dürfen nie unverschlüsselt auf dem Telearbeitsrechner gespeichert werden. - das Zugangsverfahren definiert auf Fehleingaben reagiert. Erfolgt zum Beispiel dreimal hintereinander eine fehlerhafte _____________________________________________________________________ .......................................... 105 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.63 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Authentisierung, ist der Zugang zum Telearbeitsrechner zu sperren oder alternativ sind die zeitlichen Abstände, nach denen ein weiterer Zugangsversuch erlaubt wird, sukzessiv zu vergrößern. - das Setzen bestimmter Minimalvorgaben sicherheitskritischen Parameter möglich ist. So Mindestlänge eines Paßwortes sechs Zeichen betragen. für sollte die die - nach zeitweiser Inaktivität der Tastatur oder Maus automatisch eine Bildschirmsperre aktiviert wird, die erst nach erneuter Identifikation und Authentisierung deaktiviert werden kann. - Der Telearbeitsrechner muß über eine Zugriffskontrolle verfügen. Insbesondere ist sicherzustellen, daß - der Telearbeitsrechner verschiedene Benutzer unterscheiden kann. Es muß möglich sein, mindestens zwei getrennte Rollen auf dem Telearbeitsrechner einzurichten, nämlich Administrator und Benutzer. - mittels einer differenzierten Rechtestruktur (lesen, schreiben, ausführen, ...) der Zugriff auf Dateien und Programme regelbar ist. - Soll der Telearbeitsrechner über eine Protokollierung verfügen, können folgende Anforderungen sinnvoll sein: - Der Mindestumfang, den der Telearbeitsrechner protokollieren soll, sollte parametrisierbar sein. Beispielsweise sollten folgende Aktionen inklusive der aufgetretenen Fehlerfälle protokollierbar sein: - bei Authentisierung: Benutzerkennung, Datum und Uhrzeit, Erfolg, ..., - bei der Zugriffskontrolle: Benutzerkennung, Datum und Uhrzeit, Erfolg, Art des Zugriffs, was wurde wie geändert, gelesen, geschrieben, ..., - Durchführung von Administratortätigkeiten, - Auftreten von funktionalen Fehlern. - Die Protokollierung darf von Unberechtigten nicht deaktivierbar sein. Die Protokolle selbst dürfen für Unberechtigte weder lesbar noch modifizierbar sein. - Die Protokollierung muß übersichtlich, vollständig und korrekt sein. - Soll der Telearbeitsrechner über eine Protokollauswertung verfügen, können folgende Anforderungen sinnvoll sein: - Eine Auswertefunktion muß nach den bei der Protokollierung geforderten Datenarten unterscheiden können (z. B. "Filtern aller unberechtigten Zugriffe auf alle Ressourcen in einem vorgegebenen Zeitraum"). _____________________________________________________________________ .......................................... 106 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.63 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Auswertefunktion muß auswertbare ("lesbare") Berichte erzeugen, so daß keine sicherheitskritischen Aktivitäten übersehen werden. - Der Telearbeitsrechner sollte über Funktionen zur Datensicherung verfügen. Diese sollten u. a. folgende Anforderungen erfüllen: - Das Datensicherungsprogramm muß benutzerfreundlich und schnell arbeiten. Es sollte automatisierbar sein. - Es muß konfigurierbar sein, welche Daten wann gesichert werden. - Es muß eine Option zum Einspielen beliebiger Datensicherungen existieren. - Die Funktion muß das Sichern von mehreren Generationen ermöglichen. - Datensicherungen von Zwischenergebnissen aus der laufenden Anwendung sollen möglich sein. - Soll der Telearbeitsrechner über eine Verschlüsselungskomponente verfügen, ist zunächst zu überlegen, welche Funktionalität benötigt wird: die Verschlüsselung ausgewählter Daten (offline) oder automatisch der gesamten Festplatte (online). Dies setzt voraus, daß ein geeigneter Verschlüsselungsalgorithmus eingesetzt wird und daß ein Datenverlust bei Fehlfunktion (Stromausfall, Abbruch der Verschlüsselung) systemseitig abgefangen wird. Darüber hinaus sind folgende Anforderungen sinnvoll: - Der implementierte Verschlüsselungsalgorithmus sollte - beim Einsatz in Behörden - vom BSI anerkannt sein. Hier empfiehlt sich eine individuelle Beratung durch das BSI. Außerhalb der Behörden ist bei mittlerem Schutzbedarf der DES, bei hohem Schutzbedarf der Triple-DES geeignet. - Das Schlüsselmanagement muß mit der Funktionalität des Telearbeitsrechners harmonieren. Dabei sind insbesondere grundsätzliche Unterschiede der Algorithmen zu berücksichtigen: Symmetrische Verfahren benutzen einen geheimzuhaltenden Schlüssel für die Entund Verschlüsselung, asymmetrische Verfahren benutzen einen öffentlichen Schlüssel für die Verschlüsselung und einen privaten (geheimzuhaltenden) für die Entschlüsselung. - Der Telearbeitsrechner muß die sicherheitskritischen Parameter wie Schlüssel sicher verwalten. So dürfen Schlüssel (auch mittlerweile nicht mehr benutzte) nie ungeschützt, das heißt auslesbar, auf dem Telearbeitsrechner abgelegt werden. - Soll der Telearbeitsrechner über Mechanismen zur Integritätsprüfung verfügen, sind folgende Anforderungen sinnvoll: - Es sollten Verfahren zur Integritätsprüfung eingesetzt werden, die absichtliche Manipulationen am Telearbeitsrechner bzw. den darauf gespeicherten Daten sowie ein unbefugtes Einspielen von Programmen zuverlässig aufdecken können. _____________________________________________________________________ .......................................... 107 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.63 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Bei der Datenübertragung müssen Mechanismen eingesetzt werden, mit denen absichtliche Manipulationen an den Adreßfeldern und den Nutzdaten erkannt werden können. Daneben darf die bloße Kenntnis der eingesetzten Algorithmen ohne spezielle Zusatzkenntnisse nicht ausreichen, um unerkannte Manipulationen an den obengenannten Daten vornehmen zu können. - Der Telearbeitsrechner sollte über einen Boot-Schutz verfügen, um zu verhindern, daß unbefugt von auswechselbaren Datenträgern, z. B. von Diskette oder CD, gebootet werden kann. - Es sollte möglich sein, die Benutzerumgebung des Telearbeitsrechners einzuschränken. Damit soll der Administrator festlegen können, welche Programme der Telearbeiter ausführen kann, welche Peripheriegeräte nutzbar sind und welche Änderungen der Telearbeiter am System vornehmen darf. Darüber hinaus sollte der Telearbeiter Einstellungen, die für den sicheren Betrieb notwendig sind, nicht unautorisiert ändern und nicht unerlaubt Fremdsoftware aufspielen können. - Auf dem Telearbeitsrechner muß ein Computer-Viren-Prüfprogramm installiert sein, um regelmäßig den Rechner auf Computer-Viren überprüfen zu können. Vor dem Einspielen von Daten von auswechselbaren Datenträgern, vor der Weitergabe von Datenträgern bzw. beim Senden und Empfangen von Daten muß ein Virencheck durchgeführt werden. Da an Telearbeitsrechnern der Datenaustausch mit externen ITSystemen eine wesentliche Rolle spielt und da Einzelprüfungen sehr zeitaufwendig und umständlich sind und daher häufig unterlassen werden, sollte bei einem Telearbeitsrechner bevorzugt ein residenter Virenscanner installiert sein. - Wenn der Telearbeitsrechner über Fernwartung administriert werden soll, ist sicherzustellen, daß die Fernadministration nur autorisiert durchgeführt werden kann. Bei der Fernwartung muß eine Authentikation des Fernwartungspersonals, die Verschlüsselung der übertragenen Daten und eine Protokollierung der Administrationsvorgänge gewährleistet sein. - Die Software auf einem Telearbeitsrechner sollte benutzerfreundlich sein. Sie sollte leicht bedienbar, verständlich und gut erlernbar sein, da Telearbeiter stärker auf sich alleine gestellt sind als andere Mitarbeiter. Insbesondere sollte den Benutzern aussagekräftige und nachvollziehbare Dokumentationen des Betriebssystems und aller installierten Programme zur Verfügung gestellt werden. Aus den obigen Funktionalitäten sind diejenigen auszuwählen, die aufgrund der Sicherheitsanforderungen an den Telearbeitsrechner benötigt werden. Anhand dieser Funktionalitäten muß dann ein geeignetes Betriebssystem als Plattform ausgewählt werden. Wenn dieses nicht alle benötigten Funktionalitäten unterstützt, müssen dazu Zusatzprodukte eingesetzt werden. Dabei sollten möglichst alle Telearbeitsrechner einer Institution gleich ausgestattet sein, um die Betreuung und Wartung zu erleichtern. Zur sicherheitstechnischen Eignungsprüfung sollte Kapitel 9.1 beachtet werden. Das Gesamtsystem ist durch die Administratoren so zu konfigurieren, daß maximale Sicherheit erreicht werden kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 108 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.63 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Bietet das ausgewählte Betriebssystem des Telearbeitsrechners die notwendige Funktionalität? Sind Zusatz-Sicherheitsprodukte notwendig? - Welche der zusätzlich empfohlenen Maßnahmen sind realisiert? - Akzeptieren die Telearbeiter die ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen? _____________________________________________________________________ .......................................... 109 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.64 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.64 Verifizieren der zu übertragenden Daten vor Weitergabe / Beseitigung von Restinformationen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Vor dem Versenden einer Datei per E-Mail oder Datenträgeraustausch bzw. vor dem Veröffentlichen einer Datei auf einem WWW-Server sollte diese daraufhin überprüft werden, ob sie Restinformationen enthält, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt sind. Solche Restinformationen können verschiedenen Ursprungs sein und dementsprechend unterschiedlich können auch die Aktionen sein, die dagegen zu unternehmen sind. Die häufigsten Ursachen für solche Restinformationen sind im folgenden beschrieben. Generell sollte Standard-Software wie z. B. für Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation darauf überprüft werden, welche Zusatzinformationen in damit erstellten Dateien gespeichert werden. Dabei werden einige dieser Informationen mit, andere ohne Wissen des Benutzers gespeichert. Vor der Weitergabe von Dateien sollten diese zumindest stichprobenartig auf unerwünschte Zusatzinformationen überprüft werden. Dazu sollte ein anderer Editor benutzt werden als der, mit dem die Datei erstellt wurde. Dabei ist darauf zu achten, daß nicht alle Restinformationen einfach gelöscht werden können, ohne das Dateiformat zu zerstören. Wenn z. B. aus einer Textverarbeitungsdatei einige Bytes gelöscht werden, erkennt das Textverarbeitungsprogramm unter Umständen das Dateiformat nicht mehr. Um Restinformationen zu beseitigen, - kann die Datei in einem anderen Dateiformat abgespeichert werden, z. B. als "Nur-Text" oder als HTML, - können die Nutzdaten in eine zweite Instanz derselben Standard-Software kopiert werden, wobei auf dem IT-System keine andere Applikation laufen sollte. Dies empfiehlt sich insbesondere bei Dateien mit einer größeren Änderungshistorie. Um der Weitergabe von Informationen vorzubeugen, die ursprünglich mit Wissen der Ersteller eingebracht worden sind, wie z. B. als "verborgen" formatierter Text, dessen Vorhandensein dann aber vergessen wurde, kann es sinnvoll sein, die Datei ausdrucken. Dabei sollten dann alle Optionen aktiviert werden, die beim Drucken versteckte Informationen mitausgeben. Restinformationen/Slack-Bytes Jedes Betriebssystem hat eine kleinste physikalische Speichereinheit mit festgelegter Größe. Unter DOS ist dies ein Sektor und umfaßt 512 Byte. Bei Unix-Systemen ist dies ein Block, die Größe eines Blocks hängt dabei von der eingesetzten Unix-Variante ab. Unter DOS werden die einzelnen Sektoren einer Partition logisch zu Zuordnungseinheiten (Cluster) zusammengefaßt. Wieviele Sektoren einen Cluster bilden, hängt von der Größe der Partition ab. Wird eine Datei geöffnet, werden ihr ein oder mehrere Cluster zugeordnet. Die letzte Zuordnungseinheit wird dabei nicht vollständig benutzt, wenn die _____________________________________________________________________ .......................................... 110 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.64 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Dateigröße der zu speichernden Datei nicht zufällig ein Vielfaches der Clustergröße ist. Dies verbraucht zum einen Speicherplatz. Der durchschnittliche Speicherplatzverbrauch hierdurch steigt mit der Clustergröße. Da diese wiederum mit der Partitionsgröße steigt, sollten Partitionen nicht zu groß sein. Hierzu ein Beispiel: Bei einer Partitionsgröße zwischen 1024 und 2047 MB hat ein einzelner Cluster 32 KB. Damit gehen durchschnittlich bei jeder Datei 16 KB Speicherplatz verloren. Ein anderes Problem hierbei ist, daß (bei DOS-basierten Betriebssystemen) die restlichen Bytes des letzten Clusters bzw. Blocks mit zufällig im Hauptspeicher stehenden Bytes aufgefüllt werden, sogenannten Slack-Bytes. Diese können sinnlose Einträge, Informationen über die Dateistruktur, aber auch Paßwörter enthalten. Auch bei einem Kopiervorgang von einem Datenträger auf den anderen kann die Datei je nach Clustergröße mit Slack-Bytes aufgefüllt werden. Vor der Weitergabe von Dateien sollte sichergestellt werden, daß diese keine Slack-Bytes mehr enthalten. Dies kann mit Hilfe eines geeigneten Editors (z. B. Hex-Editor) überprüft werden. Für das Überschreiben der Slack-Bytes steht z. B. das Public-Domain-Programm PRUNE zur Verfügung, daß von den WEB-Seiten des BSI heruntergeladen werden kann. Daneben haben viele Windows-Applikationen das Problem, daß das jeweilige Programm bei der Bearbeitung einer Datei den in Anspruch genommenen Speicherplatz nicht durchgehend mit Applikationsdaten überschreibt, sondern daß Lücken entstehen können, die ebenfalls alte Datenbestände des ITSystems enthalten. Verborgener Text / Kommentare Eine Datei kann Textpassagen enthalten, die als "versteckt" oder "verborgen" formatiert sind. Einige Programme bieten auch die Möglichkeit an, Kommentare hinzuzufügen, die auf dem Ausdruck und oft auch am Bildschirm ausgeblendet sind. Solche Textpassagen können Bemerkungen enthalten, die nicht für den Empfänger bestimmt sind. Daher müssen in Dateien, bevor sie an Externe weitergegeben werden, solche Zusatzinformationen gelöscht werden. Änderungsmarkierungen Bei der Bearbeitung von Dateien kann es sinnvoll sein, hierbei Änderungsmarkierungen zu verwenden. Da diese auf dem Ausdruck und am Bildschirm ausgeblendet werden können, muß vor der Weitergabe von Dateien ebenfalls überprüft werden, ob diese Änderungsmarkierungen enthalten. Versionsführung Unter Microsoft Word 97 gibt es die Möglichkeit, verschiedene Versionen eines Dokumentes in einer Datei zu speichern. Dies dient dazu, um bei Bedarf auf frühere Überarbeitungsstände zurückgreifen zu können. Dies kann aber sehr schnell zu riesigen Dateien führen, z. B. wenn Graphiken mitgeführt werden. Auf keinen Fall sollte die Option "Version beim Schließen automatisch speichern" gewählt werden, da hier bei jedem Schließen einer Datei die komplette Vorgängerversion zusätzlich gespeichert wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 111 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.64 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Dateieigenschaften Als Dateieigenschaften oder Datei-Info werden in der Datei Informationen gespeichert, die bei späteren Suchen helfen sollen, Dateien wiederzufinden. Dabei können je nach Applikation Informationen wie Titel, Verzeichnisstrukturen, Versionsstände, Bearbeiter (nicht nur der Unterschreibende), Kommentare, Bearbeitungszeit, letztes Druckdatum, Dokumentnamen und beschreibungen enthalten sein. Einige dieser Informationen werden von den Programmen selber angelegt und können nicht durch den Bearbeiter beeinflußt werden. Andere Informationen müssen manuell eingegeben werden. Vor der Weitergabe einer Datei an Externe ist zu überprüfen, welche zusätzlichen Informationen dieser Art die Datei enthält. Schnellspeicherung Textverarbeitungsprogramme nutzen die Option der Schnellspeicherung, um nur die Veränderungen seit der letzten Sicherung und nicht das gesamte Dokument speichern zu müssen. Dieser Vorgang nimmt somit weniger Zeit in Anspruch als ein vollständiger Speichervorgang. Ein vollständiger Speichervorgang erfordert jedoch weniger Festplattenspeicher als eine Schnellspeicherung. Der entscheidende Nachteil ist jedoch, daß die Datei unter Umständen Textfragmente enthalten kann, die durch die Überarbeitung hätten beseitigt werden sollen. Grundsätzlich sollten daher Schnellspeicherungsoptionen abgeschaltet werden. Entscheidet sich der Benutzer trotzdem für die Schnellspeicheroption, sollte er bei folgenden Situationen immer einen vollständigen Speichervorgang durchführen: - wenn die Bearbeitung eines Dokuments abgeschlossen ist, - bevor eine weitere Anwendung ausgeführt wird, die viel Speicherplatz in Anspruch nimmt, - bevor der Dokumenttext in eine andere Anwendung übertragen wird, - bevor das Dokument in ein anderes Dateiformat konvertiert wird und - bevor das Dokument per E-Mail oder Datenträgeraustausch versandt wird. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden die Benutzer über die möglichen Gefährungen durch Restinformationen in Dateien informiert? - Wurden die Benutzer über die möglichen Gefährungen durch den Einsatz von Schnellspeicheroptionen aufgeklärt? _____________________________________________________________________ .......................................... 112 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.65 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.65 Test neuer Hard- und Software Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Vor dem Einsatz neuer Hardware-Komponenten oder neuer Software müssen diese auf speziellen Testsystemen kontrolliert werden. Neben der Lauffähigkeit des Produktes ist dabei insbesondere zu überprüfen, daß der Einsatz neuer Komponten keine negativen Auswirkungen auf die laufenden IT-Systeme hat. Da vor erfolgreichen Tests Schadfunktionen nicht ausgeschlossen werden können und da bei Tests Fehler provoziert werden, sind immer vom Produktionsbetrieb isolierte Testsysteme zu verwenden. Der Einsatz isolierter Testsysteme ist auch erforderlich, um selbstextrahierende Dateien, die z. B. per E-Mail empfangen wurden, auf Schadfunktionen zu prüfen. Generelle Verfahrensweisen für die Software-Abnahme und -Freigabe inklusive des Testens sind in Kapitel 9.1 Standardsoftware beschrieben. Erst nach bestandenem Test dürfen neue Komponenten für die Installation auf Produktionssystemen freigegeben werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist neue Hard- bzw. Software vor dem Einsatz getestet worden? - Ist neue Software auf Computer-Viren geprüft worden? _____________________________________________________________________ .......................................... 113 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.66 Maßnahmenkatalog Hardware/Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.66 Novell Netware - Sicherer Übergang ins Jahr 2000 Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Für die Netware Versionen 2.x bis 3.11 und 4.01 sowie 4.02 werden von Novell keine Patches für die Datumsumstellung im Jahr 2000 zur Verfügung gestellt. Für Netware 4.10 gibt es nun doch einen Jahr 2000 Patch, trotzdem scheint hier Netware 4.11 oder 5.0 oder höher die sicherere Jahr 2000 Lösung zu sein. Werden die Novell Netware Versionen 2.x bis einschließlich 3.11 eingesetzt, so sollten frühzeitig Planungen hinsichtlich einer Umstellung auf die Novell Netware Version 3.2 bzw. Planungen für eine Umstellung auf die Novell Netware Version 4.11 oder höher vorgenommen werden. Wird als Betriebssystem Novell Netware 3.12 eingesetzt, werden von Novell sog. Patches zur Verfügung gestellt, die die korrekte Datumsumstellung im Jahr 2000 sicherstellen. Registrierte Kunden, die die Version Novell Netware 3.12 innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens erworben haben, werden ein kostenloses Update auf die Version Novell Netware 3.2 erhalten. Wird als Betriebssystem Novell Netware 4.11 (IntraNetWare) eingesetzt, werden u. a. im Internet die Patches zur Verfügung gestellt, die die korrekte Datumsumstellung zum Jahr 2000 sicherstellen. Hinweis: Zusätzlich zu dem Einsatz dieser Patches muß bei der Umstellung auf das Jahr 2000 beachtet werden, daß auch die eingesetzte Hardware (BIOS) in der Lage ist, den Jahrtausendwechsel korrekt zu verarbeiten (siehe auch M 2.2000 Jahr-2000-Fähigkeit von Produkten, Programmen und Daten). Unterstützende Maßnahmen: Auf der Homepage - http://www.novell.de/jahr2000/ - http://www.novell.com/year2000/) von Novell wird ein Tool zur Verfügung gestellt, welches die Seriennummer der im Netz eingesetzten Netware Lizenzen ermittelt. Diese Seriennummern können per Fax oder E-Mail an die Firma übersandt werden, um Informationen hinsichtlich evtl. zu ergreifender Maßnahmen übermittelt zu bekommen (Berichtsstand Juni 1999). Novell stellt im Internet unter der URL http://www.novell.com/year2000/ ein eigenes Forum zur Verfügung, welches sich mit den Problemen der Datumsumstellung im Jahr 2000 auseinandersetzt. Über dieses Forum wird auch eine kostenlose Mailingliste zur Verfügung gestellt, die die Abonnenten über aktuelle Veränderungen im "Novell Jahr 2000 Forum" informiert. _____________________________________________________________________ .......................................... 114 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.66 Maßnahmenkatalog Hardware/Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden die Patches von Novell aus dem Internet bezogen und eingespielt? - Wurde überprüft, daß auch die Hardware der eingesetzten IT "Jahr 2000 kompatibel" ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 115 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.67 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.67 Sperren und Löschen nicht benötigter Datenbank-Accounts Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Datenbank-Accounts, die über einen längeren Zeitraum nicht benutzt werden, sollten gesperrt und später - falls möglich - gelöscht werden. Bei der Sperrung bzw. auf jeden Fall vor dem Löschen eines Datenbank-Accounts sollte der betroffene Benutzer informiert werden. Wenn ein neu einzurichtender Benutzer seinen Datenbank-Account nur für einen befristeten Zeitraum benötigt, sollte dieser auch nur befristet eingerichtet werden, falls die Datenbank eine solche Möglichkeit zur Verfügung stellt. Es kann vorteilhaft sein, Accounts grundsätzlich nur befristet einzurichten und in regelmäßigen Abständen (z. B. jährlich) bei Bedarf zu verlängern. Ist absehbar, daß ein Benutzer einer Datenbank längere Zeit abwesend ist (durch Urlaub, Krankheit, Abordnung, o. ä.), so sollte sein Account für diese Zeit im Datenbanksystem gesperrt werden, so daß das Arbeiten unter seiner Benutzerkennung für diese Zeit nicht mehr möglich ist. Es muß sichergestellt sein, daß der Datenbankadministrator alle längeren Abwesenheitszeiträume von Benutzern mitgeteilt bekommt. Sinnvollerweise sollte dies im Rahmen der üblichen Abwesenheitsmeldungen über die Personalstelle erfolgen. Darüberhinaus sollte die Datenbankadministration schnellstmöglichst über das endgültige Ausscheiden eines Benutzers informiert werden. Spätestens am letzten Arbeitstag des Benutzers ist dessen Account zu sperren. Ergänzende Kontrollfragen: - Existieren organisatorische Regelungen für befristete Datenbank-Accounts, insbesondere dann, wenn das Datenbanksystem das Einrichten solcher Accounts nicht unterstützt? - Wie wird überprüft, welche Datenbank-Accounts länger nicht benutzt wurden? - Wird regelmäßig geprüft, welche Datenbank-Accounts nicht mehr benötigt werden? - Wird der Datenbankadministration mitgeteilt, wenn Benutzer der Datenbank für längere Zeit abwesend bzw. ausgeschieden sind? _____________________________________________________________________ .......................................... 116 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.68 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.68 Sicherstellung einer konsistenten Datenbankverwaltung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die Datenbankadministrator-Kennung unterliegt prinzipiell keinerlei Beschränkungen bei der Nutzung des Datenbanksystems, was die Gefahr von Fehlern oder Mißbrauch erhöht. Deshalb sollte auch der Datenbankadministrator neben seiner Administrator-Kennung eine normale BenutzerKennung erhalten und nur dann unter der Administrator-Kennung arbeiten, wenn es notwendig ist. Durch Aufgabenteilung, Regelungen und Absprache ist sicherzustellen, daß Administratoren keine inkonsistenten oder unvollständigen Eingriffe vornehmen. Dabei sollten folgende Bedingungen erfüllt sein: - Die Art und Weise der Durchführung von Änderungen sowie deren Dokumentation ist festzulegen. - Art, Umfang und Grund der Änderungen sind zu beschreiben. - Änderungen an Datenbankobjekten oder Daten sind prinzipiell durch den Verantwortlichen der IT-Anwendung genehmigungspflichtig. Handelt es sich dabei um ein zentrales Datenbankobjekt, so erfordert eine Änderung die Zustimmung aller Verantwortlichen der betroffenen IT-Anwendungen. - Der Zeitpunkt der geplanten Änderungen ist festzulegen und bekanntzugeben. - Vor der Durchführung von Änderungen muß die Datenbank komplett gesichert werden. Um den Mißbrauch weitgehend einzuschränken und Inkonsistenzen zu vermeiden, sollten zusätzlich alle Datenbankobjekte einer Anwendung unter die Verwaltung einer eigens für die jeweilige Anwendung eingerichteten Benutzerkennung gestellt werden. Änderungen an den Datenbankobjekten bleiben somit diesen speziellen Benutzer-Kennungen vorbehalten, so daß selbst unter der Administrator-Kennung der Datenbank keine Modifikationen vorgenommen werden können. Kenntnis über das Paßwort dieser speziellen Benutzer-Kennungen sollte nur derjenige Datenbankadministrator haben, der für die Administration der entsprechenden anwendungsspezifischen Belange verantwortlich ist. Beispiel: In einer Datenbank werden die Daten von drei Anwendungen A, B und C verwaltet. Alle Datenbankobjekte, die ausschließlich der Anwendung A zuzuordnen sind, werden unter der Datenbank-Benutzerkennung AnwA eingerichtet und nur über diese Kennung verwaltet. Analog wird mit den Datenbankobjekten der anderen beiden Anwendungen verfahren. Auf diese Weise können an den Datenbankobjekten der drei Anwendungen nur mittels der jeweiligen Datenbank-Benutzerkennung Modifikationen vorgenommen _____________________________________________________________________ .......................................... 117 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.68 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... werden (unter der Voraussetzung, daß die Zugriffsrechte entsprechend restriktiv definiert wurden). Datenbankobjekte, die von mindestens zwei der drei Anwendungen benötigt werden, sollten unter einer zentralen Datenbank-Kennung eingerichtet und verwaltet werden. Das entsprechende Paßwort der drei anwendungsspezifischen Kennungen ist nur demjenigen Administrator bekannt, der für die Verwaltung und Pflege der Datenbankobjekte der jeweiligen Anwendung verantwortlich ist. Das Paßwort für die Datenbank-Kennung, über die die zentralen Datenbankobjekte verwaltet wird, ist dagegen keinem dieser Administratoren bekannt, sondern unterliegt der Obhut eines weiteren Administrators. Auf diese Weise kann verhindert werden, daß die Administratoren der jeweiligen Anwendungen Modifikationen an zentralen Datenbankobjekten vornehmen können, die unter Umständen die Funktionalität der anderen Anwendungen beeinträchtigen könnte. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie ist sichergestellt, daß Eingriffe des Datenbankadministrators nicht zu Inkonsistenzen führen? - Haben alle Datenbankadministratoren eine zusätzliche Benutzer-Kennung mit eingeschränkten Rechten? - Werden standardmäßig die zusätzlichen Benutzer-Kennungen benutzt? _____________________________________________________________________ .......................................... 118 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.69 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.69 Regelmäßiger Sicherheitscheck der Datenbank Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Der Datenbankadministrator sollte regelmäßig, jedoch mindestens einmal monatlich einen Sicherheitscheck des Datenbanksystems durchführen. Folgende Punkte sollten dabei u. a. geprüft werden, wobei die mit (*) markierten Punkte meist durch entsprechende Skripte automatisiert werden können: - Sind die erforderlichen und geplanten Sicherungs- und Sicherheitsmechanismen aktiv und greifen sie auch? - Gibt es Datenbank-Benutzer ohne Paßwort? (*) - Gibt es Benutzer, die längere Zeit das Datenbanksystem nicht mehr benutzt haben? - Wer darf bzw. kann außer dem Datenbank-Administrator auf die Dateien der Datenbank-Software bzw. auf die Dateien der Datenbank auf Betriebssystemebene zugreifen? (*) - Wer hat außer dem Datenbank-Administrator Zugriff auf die SystemTabellen? - Wer darf mit einem interaktiven SQL-Editor auf die Datenbank zugreifen? - Welche Benutzerkennungen haben modifizierende Zugriffsrechte auf die Datenbankobjekte der Anwendungen? (*) - Welche Benutzerkennungen haben lesende und / oder modifizierende Zugriffsrechte auf die Daten der Anwendungen? (*) - Welche Benutzer besitzen die gleichen Rechte wie der Datenbank-Administrator? (*) - Verfügt das Datenbanksystem über ausreichend freie Ressourcen? (*) Anmerkung: System-Tabellen sind die Tabellen, mittels derer die Datenbank selbst verwaltet wird. In diesen Tabellen werden beispielsweise die einzelnen Datenbankobjekte, die Datenbankkennungen, die Zugriffsberechtigungen sowie die Zuordnungen von Dateien zu Speichermedien verwaltet. Die System-Tabellen werden vom DBMS selbst bei der Erstellung einer Datenbank erzeugt. Eine Modifikation dieser Tabelleninhalte ist prinzipiell immer mit Datenbankkennungen möglich, die Administratorrechte besitzen. Werden die Daten der System-Tabellen durch UPDATE-, INSERT- oder DELETE-Kommandos modifiziert, besteht ein hohes Risiko, daß die Datenbank zerstört wird. Aus diesem Grund sollte man auf die Vergabe von modifizierenden Rechten auf die System-Tabellen verzichten. Selbst ein lesender Zugriff sollte beschränkt werden, da über die System-Tabellen alle Informationen der Datenbank ermittelt werden können. _____________________________________________________________________ .......................................... 119 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.69 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wann wurde der letzte Sicherheitscheck durchgeführt? - Werden die Durchführung und die Ergebnisse der Sicherheitschecks dokumentiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 120 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.70 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.70 Durchführung einer Datenbanküberwachung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um die Verfügbarkeit, die Datenbankintegrität und die Vertraulichkeit der Daten gewährleisten zu können, ist eine regelmäßige Datenbanküberwachung erforderlich. Die wesentlichen Punkte, die es dabei zu beachten gilt, werden im folgenden kurz erläutert. Die Datenbank ist in regelmäßigen Zeitabständen hinsichtlich einer möglichen Fragmentierung zu überprüfen, um gegebenenfalls Maßnahmen wie z. B. eine Reorganisation der Datenbank planen und durchführen zu können. Datenbanksysteme verwalten den ihnen zur Verfügung gestellten Speicherplatz in der Regel in der Form von Blöcken fester Größe. Wenn Sätze in eine leere Tabelle eingefügt werden, werden neue Blöcke für diese Tabelle reserviert und mit den Datensätzen gefüllt. Bei diesem Neuanlegen ist es möglich, die Blöcke (mit Ausnahme des letzten) fast vollständig zu nutzen. Werden im späteren Betrieb Datensätze gelöscht, wird der von ihnen belegte Speicherplatz in den Blöcken freigegeben. Dieser Platz kann dann grundsätzlich für andere Datensätze genutzt werden. Da die Datensätze aber alle unterschiedliche Längen haben, kann in der Regel ein freier Speicherbereich nicht zu 100 % ausgenutzt werden. Dadurch entsteht durch die Datenänderungen im Laufe der Zeit eine immer größere Anzahl kleiner Lücken in den Blöcken der Datenbank, die meist nicht mehr genutzt werden können. Diese Lücken entstehen nicht nur durch DELETE- und INSERTOperationen, sondern auch durch UPDATEs, da ein Datensatz nicht mehr an derselben Stelle gespeichert werden kann, wenn sich seine Länge geändert hat. Das Vorhandensein solcher Lücken erhöht nicht nur den Speicherbedarf, sondern verlangsamt auch Datenbankoperationen, da Datensätze oder freier Speicherplatz erst in einem größeren Plattenbereich gesucht werden müssen. Der Grad der Fragmentierung in den Blöcken einer Tabelle kann durch den Vergleich zwischen der Menge der Daten in den Datensätzen in der Tabelle und dem von den Blöcken der Tabelle belegtem Speicherplatz festgestellt werden. Auswertungen über den Fragmentierungsgrad werden für einige DBMSe auch von der mitgelieferten Administrationssoftware oder von Zusatzprodukten unterstützt. Sollte die Fragmentierung der Datenbank aufgrund einer der oben genannten Gründe zu groß werden, muß eine Reorganisation durchgeführt werden. Dies kann z. B. manuell erfolgen, in dem zuerst alle Daten der Datenbank exportiert, dann alle Tabellen neu berechnet und angelegt und schließlich alle Daten in die neue Datenbank wieder importiert werden. Für manche DBMSe sind auch Hilfsprogramme zum Defragmentieren von Tabellen erhältlich. Ebenso sind die Datenbankdateien regelmäßig hinsichtlich ihres Füllgrades zu überprüfen, um rechtzeitig Maßnahmen wie z. B. eine Erweiterung der Speicherkapazitäten planen und durchführen zu können. Manche DBMSe erlauben es dem Administrator durch Definition bestimmter Parameter bereits beim Anlegen der Tabellen einer zu starken und zu raschen Fragmentierung vorzu- _____________________________________________________________________ .......................................... 121 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.70 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... beugen. So kann für eine Tabelle von vornherein eine bestimmte Menge zusammenhängender Blöcke reserviert werden, in denen zusätzlich bereits freier Platz für Änderungen im Betrieb bereitgehalten wird. Beispiel: Bei einer Oracle Datenbank wird jeder Tabelle eine feste Anzahl von Extents zugeordnet. Der Begriff Extent wird im Oracle Sprachgebrauch als logische Größeneinheit verwendet. Die Daten einer Tabelle werden in mindestens einem Extent abgelegt. Sobald die Kapazität eines Extents ausgeschöpft ist, legt das DBMS automatisch ein weiteres Extent an. Beim Erstellen einer Tabelle können dabei folgende Werte definiert werden: - Größe des ersten Extent in Bytes - Größe des zweiten Extents in Bytes - Wachstum aller weiteren Extents in Prozent, wobei diese Zahl in Relation zur Größe des zweiten Extents steht. - Maximale Anzahl an Extents, die für die Tabelle angelegt werden dürfen. - Mit dem Parameter PCTFREE wird festgelegt, wieviel Prozent der neuen Blöcke für spätere Änderungen freigehalten werden. Es muß ebenfalls regelmäßig überprüft werden, ob das Datenvolumen tatsächlich in dem Maße anwächst wie es ursprünglich angenommen wurde. Wächst es langsamer, werden unnötige Speicherressourcen gebunden, die anderweitig verwendet werden könnten. Wächst es schneller, kann es unter Umständen zu Speicherengpässen kommen. Darüber hinaus ist die Auslastung der Datenbank ist regelmäßig zu prüfen, insbesondere im Hinblick auf die eingestellten Obergrenzen (siehe M 4.73 Festlegung von Obergrenzen). Welche Informationen für eine konkrete Datenbanküberwachung relevant sind, hängt von deren spezieller Funktionsweise, also von der eingesetzten Datenbank-Standardsoftware ab. Dementsprechend sind auch individuelle Maßnahmen einzuleiten, die die Datenbankkonfiguration dahingehend modifizieren, daß sie den Anforderungen hinsichtlich Zugriffsgeschwindigkeiten, durchzuführender Transaktionen usw. gerecht wird. Eine Automatisierung der Datenbanküberwachung kann mittels Skripten durchgeführt werden. Eine Voraussetzung ist allerdings, daß die Informationen in auswertbarer Form von der eingesetzten Datenbanksoftware zur Verfügung gestellt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Datenbankdateien, wichtige Tabellen und die Auslastung der Datenbank regelmäßig überprüft? - Sind die Überwachungszeiträume angemessen definiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 122 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.71 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.71 Restriktive Handhabung von Datenbank-Links Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Über sogenannte Datenbank-Links (DB-Links) besteht die Möglichkeit, von einer Datenbank aus auf die Daten einer anderen Datenbank zuzugreifen. Um einen angemessenen Schutz der Daten zu gewährleisten, sollte diese Technik jedoch nur dann verwendet werden, wenn dies unbedingt notwendig ist. Um die Berechtigungen eines Benutzers bei der Verwendung von DB-Links kontrollieren zu können, ist ein entsprechendes Konzept hinsichtlich der Definition von Benutzer-Kennungen erforderlich. So erhält ein Benutzer prinzipiell die Möglichkeit, auf eine fremde Datenbank zuzugreifen, wenn dort die gleiche Benutzer-Kennung existiert, mit der sich der Benutzer an der lokalen Datenbank anmeldet. Einen weitergehenderen Schutz erhält man durch die Möglichkeit, einen DB-Link mit expliziter Angabe einer BenutzerKennung und eines Paßwortes zu erstellen. Prinzipiell ist zunächst einmal jeder Benutzer der Datenbank befugt, solche DB-Links zu erstellen (unter der Voraussetzung, daß er in der Lage ist, das entsprechende CREATE-Kommando auszuführen). Im allgemeinen sollte jedoch nur der Administrator das Recht besitzen, DB-Links zu erstellen. Insbesondere gilt dies für DB-Links, die von allen Datenbankbenutzern genutzt werden dürfen (sogenannte PUBLIC DB-Links). Die Berechtigung zur Erstellung von DB-Links sollte dagegen für normale Benutzerkennungen explizit nicht vergeben werden. Weiterhin sollte die Anzahl von parallel nutzbaren DB-Links eines Benutzers begrenzt werden, um die Belastung der Datenbankserver unter Kontrolle halten zu können. Ansonsten kann ein Angreifer dies ausnutzen, um die Verfügbarkeit der Datenbankserver zu reduzieren oder diese sogar vollständig lahmzulegen. Eine Dokumentation der vom Administrator angelegten DB-Links ist unabdingbar. Die Dokumentation sollte neben der Verbindungsart (über eine spezielle Benutzerkennung oder unter der Voraussetzung, daß die jeweilige aktuelle Datenbankkennung ebenfalls für die verbundene Datenbank angelegt wurde) auch beinhalten, welcher Benutzerkreis in der Lage ist, den entsprechenden DB-Link zu nutzen. Wie bereits erwähnt, steht ein DB-Link, der als PUBLIC definiert wurde, allen Datenbankkennungen zur Verfügung. Ergänzende Kontrollfragen: - Existiert ein Konzept zur Definition von Benutzer-Kennungen und inwieweit ist darin die mögliche Verwendung von DB-Links berücksichtigt? - Welche Benutzer-Kennungen sind berechtigt, DB-Links zu erstellen? - Existiert ein Konzept zur Verwendung von DB-Links? Falls ja, wurde es umgesetzt? _____________________________________________________________________ .......................................... 123 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.72 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.72 Datenbank-Verschlüsselung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Anwendungsentwickler In Abhängigkeit von der Art der in einer Datenbank gespeicherten Informationen und den sich daraus ergebenden Anforderungen an deren Vertraulichkeit und Integrität kann es notwendig werden, diese Daten zu verschlüsseln. Dabei kann zwischen einer Online- und einer Offline-Verschlüsselung unterschieden werden: - Bei einer Online-Verschlüsselung werden die Daten während des laufenden Betriebs ver- und entschlüsselt, ohne daß die betroffenen Benutzer davon etwas merken. Dafür können Tools eingesetzt werden, mit denen entweder auf Betriebssystemebene die gesamte Festplatte verschlüsselt wird, oder solche, mit denen nur die Anwendungsdaten der Datenbank verschlüsselt werden. - Bei einer Offline-Verschlüsselung werden die Daten erst nach ihrer Bearbeitung verschlüsselt und vor ihrer Weiterverarbeitung wieder entschlüsselt. Dies wird im allgemeinen mit Tools durchgeführt, die nicht in das Datenbanksystem integriert sind, und kann insbesondere für Datensicherungen oder Datenübertragungen sinnvoll sein. Dabei ist zu beachten, daß genügend Platz auf der Festplatte vorhanden ist, da die Verbzw. Entschlüsselung nur dann erfolgreich ausgeführt werden kann, wenn auf der Festplatte genügend Platz für das Original und die verschlüsselte Version der Datenbank verfügbar ist. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Daten weiterhin im Klartext in der Datenbank abzuspeichern, beim Zugriff über ein Netz jedoch eine verschlüsselte Datenübertragung zu realisieren. Dies kann z. B. durch die Secure Network Services der Oracle SQL*Net Produktfamilie durchgeführt werden. Welche Daten mit welchem Verfahren zu verschlüsseln sind, ist am besten bereits bei der Auswahl der Datenbank-Standardsoftware festzustellen (siehe M 2.124 Geeignete Auswahl einer Datenbank-Software). Dabei sollten die Anforderungen hinsichtlich der Verschlüsselung von Datenbeständen mit den entsprechenden Leistungsmerkmalen der Datenbank-Software verglichen werden. Als Mindestanforderung sollte sie in jedem Fall sicherstellen, daß die Paßwörter der Benutzer-Kennungen der Datenbank verschlüsselt abgelegt sind. Falls die Anforderungen durch keine der am Markt verfügbaren DatenbankStandardsoftware abgedeckt werden können, sollte man den Einsatz von Zusatzprodukten prüfen, um die entsprechende Sicherheitslücke zu schließen. Falls auch keine Zusatzprodukte erhältlich sind, muß ein Konzept für die Umsetzung einer Verschlüsselungsstrategie erstellt werden, das im Unternehmen bzw. in der Behörde umgesetzt wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 124 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.72 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Werden von der Datenbank oder durch Zusatzprodukte geeignete Techniken zur Verschlüsselung bereitgestellt? - Sind die Verantwortlichen über ein ordnungsgemäßes Schlüsselmanagement informiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 125 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.73 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.73 Festlegung von Obergrenzen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Anwendungsentwickler Um den Zugriff auf ein Datenbanksystem besser kontrollieren zu können und um die Performance zu verbessern, ist die Festlegung von Obergrenzen für bestimmte Parameter sinnvoll. Dabei sind vor allem die folgenden Punkte zu beachten: Festlegung von Obergrenzen für selektierbare Datensätze Insbesondere wenn große Datenmengen in einer Datenbank abgelegt wurden, sollte eine maximale Anzahl von Datensätzen definiert werden, die im Rahmen eines Datenzugriffs selektiert werden können. Existieren solche Obergrenzen nicht, so kann ein Benutzer gezielt oder unbeabsichtigt beliebig umfangreiche Selects durchführen. Dies behindert nicht nur den einzelnen Benutzer in seiner Arbeit, sondern führt auch bei allen anderen Benutzern der Datenbank zu langen Wartezeiten. Werden die Datensätze dabei selektiert, um diese zu modifizieren, so sind sie solange für alle anderen Benutzer gesperrt, bis diese Transaktion beendet ist. Die Obergrenzen müssen im Rahmen der Anwendungen definiert werden, die auf die Datenbank zugreifen. Dabei müssen geeignete Kontrollen bzw. Sperren realisiert werden, die die Einhaltung der Obergrenzen überwachen. Stellt eine Anwendung Suchfunktionalitäten bereit, so sollte die uneingeschränkte Suche generell abgelehnt und die Eingabe von Suchkriterien gefordert werden. Festlegung von Ressourcenbeschränkungen Eine weitere Möglichkeit, die von einigen Herstellern angeboten wird, ist die Unterstützung von Ressourcenbeschränkungen in Bezug auf die Benutzung einer Datenbank. So können beispielsweise die Anzahl von Anmeldungen pro Benutzerkennung, der maximale Anspruch auf CPU-Zeit pro Anmeldung, die Gesamtdauer einer Datenbankverbindung, die maximal zulässige inaktive Zeit während einer Anmeldung und vieles mehr definiert werden. Beispiele: Mit folgendem Kommando wird in einer Oracle-Datenbank für die Datenbankkennung "Meier" der temporäre Tablespace "Temp" auf 100 MB begrenzt: ALTER USER Meier TEMPORARY TABLESPACE Temp QUOTA 100M ON Temp; Mit dem nachfolgenden Befehl wird ein Profile "Tester" erstellt, das die Anzahl der Sessions, die maximale CPU-Zeit pro Session, die maximale Zeit einer Datenbankverbindung und die maximale Leerlaufzeit (IDLE) begrenzt. Dieses Profile kann dann einzelnen Benutzern zugeordnet werden. CREATE PROFILE Tester LIMIT SESSIONS PER USER 2, _____________________________________________________________________ .......................................... 126 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.73 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... CPU_PER_SESSION 6000, IDLE_TIME 30, CONNECT_TIME 500; Eine Ingres-Datenbank erlaubt beispielsweise für Benutzer und Gruppen das Setzen von Grenzen für die maximale Ein- und Ausgabe je Abfrage oder für die Anzahl von Sätzen pro Abfrage. Weiterhin kann auch die Anzahl der Benutzer beschränkt werden, die gleichzeitig auf die Datenbank zugreifen dürfen. Durch deren Begrenzung mittels Parametereinstellungen im DBMS kann gewährleistet werden, daß die maximal zur Verfügung stehende Zahl an Lizenzen für die DatenbankSoftware nicht überschritten wird. Außerdem verursachen viele parallel zugreifende Benutzer eine hohe Arbeitslast, dem der Datenbankserver eventuell nicht gewachsen ist, wodurch sich die durchschnittliche Dauer einer Transaktion verlängert. Ist in diesem Fall aus bestimmten Gründen eine Erweiterung der Ressourcen des Datenbanksystems nicht möglich oder nicht gewünscht, schafft hier eine Begrenzung der maximal möglichen parallelen Benutzerzugriffe ebenfalls Abhilfe. Die diesbezüglichen Anforderungen sollten bereits während der Auswahl einer Datenbank-Standardsoftware geklärt werden, um gegebenenfalls ein Konzept zur Umsetzung der Ressourcenbeschränkungen zu erstellen (siehe M 2.124 Geeignete Auswahl einer Datenbank-Software). Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Einhaltung von Obergrenzen in den Anwendungen kontrolliert und umgesetzt? - Wird eine uneingeschränkte Suche in den Anwendungen prinzipiell unterbunden? - Wurden die Anforderungen an eine Ressourcenbeschränkung der Datenbank formuliert und dokumentiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 127 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.74 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.74 Vernetzte Windows 95 Rechner Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Werden Windows 95 Rechner in einem Netz betrieben (Novell Netware oder Windows NT), so sollte die Möglichkeit genutzt werden, die jeweiligen Systemrichtlinien auf Netzservern zu speichern und diese dort zentral zu verwalten. Mit Hilfe der SYSTEMSTEUERUNG unter NETZWERK wird hierbei die primäre Netzwerkanmeldung, d. h. der Pfad für die Systemrichtlinien festgelegt. Standardmäßig werden die Benutzerprofile auf einem Novell Netware Server unter SYS:PUBLIC abgelegt. Erfolgt die primäre Netzanmeldung an einem Windows NT Rechner, so werden die Benutzerprofile standardmäßig unter NETLOGON (%SystemRoot%\SYSTEM32\REPL\IMPORT\SCRIPTS\) abgelegt. Die Aktivierung der Benutzerprofile wird mit Hilfe der SYSTEMSTEUERUNG-KENNWÖRTER-BENUTZERPROFILE sichergestellt. Weiterhin sollte zudem der Betrieb von Windows 95 ohne Netzwerkanmeldung gesperrt werden um eine Umgehung der Systemrichtlinien auf lokaler Basis zu verhindern. Hierzu sollte mit Hilfe von POLEDIT.EXE unter lokaler Computer-Netzwerk-Anmeldung die Option NETZWERKBESTÄTIGUNG FÜR WINDOWS ZUGRIFF FORDERN aktiviert werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 128 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.74 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Verwaltung der Systemrichtlinien sollte aus Gründen der Einheitlichkeit überwiegend über die Einrichtung von Benutzergruppen erfolgen. Gruppenrichtlinien werden unter Windows 95 über SYSTEMSTEUERUNGSOFTWARE-WINDOWS-SETUP installiert und befinden sich standardmäßig in dem Verzeichnis ADMIN\APPTOOLS\POLEDIT\GROUPPOL.INF. Die Namen der jeweiligen Benutzergruppen müssen hierbei den eingerichteten Benutzergruppen unter Novell Netware bzw. Windows NT entsprechen. Um den ordnungsgemäßen IT-Betrieb sicherzustellen, sollte zusätzlich beachtet werden, daß das Programm POLEDIT.EXE nicht auf dem lokalen Windows 95 Rechner installiert werden darf, da mit diesem Programm die gültigen Systemrichtlinien von jederman dauerhaft verändert werden können. Ebenso sollte in der Datei MSDOS.SYS der Wert BootKeys verändert werden (BootKeys=1) um den Start von Windows 95 im "abgesicherten Modus" zu unterbinden. Dies verhindert, daß die Systemrichtlinien nicht zur Anwendung kommen. Das BIOS des Computers sollte zudem einen Systemboot über Diskette verhindern, sowie das Diskettenlaufwerk mit einem Schloß versperrt werden, um Einsatz von nichtautorisierter Software zu erschweren. _____________________________________________________________________ .......................................... 129 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.75 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.75 Schutz der Registrierung unter Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator In der Registrierung eines Windows NT Systems werden alle wichtigen Konfigurations- und Initialisierungsinformationen gespeichert. Dort wird u. a. auch die SAM-Datenbank verwaltet, die die Benutzer- und Computerkonten enthält. Die Registrierung eines Windows NT Systems besteht aus mehreren Dateien, die sich in dem Verzeichnis %SystemRoot%\SYSTEM32\Config befinden. Aus diesem Grund sollten die Zugriffsrechte auf dieses Verzeichnis und die darin enthaltenen Dateien so gesetzt werden, wie dies in M 4.53 Restriktive Vergabe von Zugriffsrechten auf Dateien und Verzeichnisse unter Windows NT vorgeschlagen wird. Zur Erhöhung des Schutzes sollten unmittelbar nach der Installation des Betriebssystems die folgenden sicherheitsrelevanten Teile der Registrierung durch expliziten Eintrag von Zugriffsrechten mit Hilfe des RegistrierungsEditors (des Programms REGEDT32.EXE im Windows-Systemverzeichnis %SystemRoot%\SYSTEM32) besonders geschützt werden, so daß die Gruppe "Jeder" für diese Teile nur über die Zugriffsrechte "Wert einsehen", "Teilschlüssel auflisten", "Benachrichtigen" und "Zugriff lesen" verfügt: - im Bereich HKEY_LOCAL_MACHINE: \Software\Windows3.1MigrationStatus (mit allen Unterschlüsseln) \Software\Microsoft\RPC (mit allen Unterschlüsseln) \Software\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion unter dem Schlüssel \Software\Microsoft\Windows NT\CurrentVersion\: + Profile List + AeDebug + Compatibility + Drivers + Embedding + Fonts + FontSubstitutes + GRE_Initialize + MCI + MCI Extensions + Port (mit allen Unterschlüsseln) + WOW (mit allen Unterschlüsseln) _____________________________________________________________________ .......................................... 130 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.75 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - im Bereich HKEY_CLASSES_ROOT: \HKEY_CLASSES_ROOT (mit allen Unterschlüsseln) Dabei ist sorgfältig vorzugehen, da fehlerhafte Einstellungen in der Registrierung dazu führen können, daß das System nicht mehr lauffähig ist und nach dem nächsten Starten eventuell nicht mehr hochläuft. Die hier genannten Einstellungen sollten daher zunächst an einem eigenen Testsystem angewendet und auf ihre Lauffähigkeit in der aktuellen Umgebung kritisch geprüft werden, ehe sie allgemein eingesetzt werden. Netzzugriff auf die Registrierung Sofern diese Funktionalität nicht unbedingt gebraucht wird, sollte auch der Zugriff über das Netz auf die Registrierung gesperrt werden. Dies ist ab der Version 4.0 möglich, indem der Eintrag "winreg" im Schlüssel \System\CurrentControlSet\Control\SecurePipeServers im Bereich HKEY_LOCAL_MACHINE auf den Wert REG_DWORD = 1 gesetzt wird. In der Version 3.x besteht die Möglichkeit der expliziten Sperrung von Netzzugriffen auf die Registrierung nicht. Hier kann man sich damit behelfen, daß die Zugriffsberechtigung für "Jeder" auf die Wurzel des Bereiches HKEY_LOCAL_MACHINE (nicht jedoch auf die darunterliegenden Schlüssel!) entfernt wird, so daß nur noch Administratoren auf diesen Bereich Zugriff haben. Diese Änderung ist unbedingt auf einem Testsystem zu überprüfen, da sie zur Folge haben kann, daß einige Anwendungen nicht mehr lauffähig sind. Es ist zu beachten, daß diese Änderung nur bis zum nächsten Systemstart bestehen bleibt. _____________________________________________________________________ .......................................... 131 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.76 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.76 Sichere Systemversion von Windows NT Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Beschaffer Vor der Beschaffung des Betriebssystems Windows NT muß entschieden werden, ob die englische oder die deutsche Version beschafft werden soll. Es ist nicht möglich, eine eindeutige Empfehlung abzugeben. Daher soll hier nur aufgezeigt werden, welche spezifischen Vor- und Nachteile die Entscheidung für die eine oder andere Version mit sich bringt. Die englische Version von Windows NT ist stärker verbreitet als die deutsche Version. Dies führt dazu, daß Tools, Service Packs und Hot Fixes für die englische Version schneller verfügbar sind. Es gibt auch Tools, die nur mit der englischen Version von Windows NT einsetzbar sind. Es ist auch möglich, die englische Version von Windows NT so zu konfigurieren, daß Fehlermeldungen in deutscher Sprache ausgegeben werden. Andererseits ergibt sich die gleiche Situation hinsichtlich der Verfügbarkeit bei den Schadprogrammen. Auch diese werden für die englische Version schneller entwickelt und sind teilweise für die deutsche Version überhaupt nicht verfügbar. Windows NT kann nur dann sicher betrieben werden, wenn mindestens die Version 3.51 oder die Version 4.0 installiert ist. Weiterhin wird die Installation des jeweils aktuellen Service Packs empfohlen. Vor dem Einsatz im Wirkbetrieb sollte jedoch getestet werden, ob das Service Pack mit allen Komponenten in der vorliegenden Umgebung problemlos zusammenarbeitet. Eventuell müssen neben der Installation des Service Packs weitere Updates an Hardware- oder Software-Komponenten vorgenommen werden. Für die Versionen 3.51 und 4.0 von Windows NT ist das Service Pack 5 verfügbar. Die installierte Systemversion und das ggf. installierte Service Pack werden beim Systemstart angezeigt. Außerdem werden durch Microsoft sogenannte Hot Fixes zur Verfügung gestellt, die Updates zu dem jeweils aktuellen Service Pack darstellen. Die jeweils aktuellen Hot Fixes sollten ebenfalls installiert werden, soweit sie Funktionen des installierten Systems betreffen. Hot Fixes werden als Reaktion auf aufgetretene Probleme kurzfristig erstellt. Dies bedingt auch, daß sie nicht so ausgetestet sind, wie die Service Packs. Deshalb sollten auf einem System auch nur die wirklich erforderlichen Hot Fixes installiert werden. Der Systemverwalter muß sich regelmäßig darüber informieren, welches Service Pack und welche Hot Fixes für sein System aktuell sind. Die einmalige Installation eines Service Packs oder eines Hot Fixes reicht nicht für die Sicherstellung der Systemintegrität. Jede Änderung der Systemkonfiguration, die einen Zugriff auf die Installations-CD-ROM erforderlich macht oder bei der neue Gerätetreiber installiert werden müssen, bedingt eine erneute Installation des aktuellen Service Packs und der notwendigen Hot Fixes. Wird dies unterlassen, besteht die Gefahr, daß Systemdateien, die aus dem jeweiligen Service Pack oder dem Hot Fix stammen, durch eine ältere Version ersetzt werden, was im schlimmsten Fall dazu führen kann, daß ein Windows NT System nicht mehr in Betrieb genommen werden kann. _____________________________________________________________________ .......................................... 132 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.76 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Nach der Installation eines Service Packs oder eines Hot Fixes sollten die Notfalldisketten aktualisiert werden (siehe M 6.42 Erstellung von Rettungsdisketten für Windows NT). Außerdem sollte die Sicherheitskonfiguration des betroffenen Rechners überprüft werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 133 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.77 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.77 Schutz der Administratorkonten unter Windows NT Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Bei jeder Installation eines jeden Windows NT Systems wird ein Administratorkonto angelegt. Auf Windows NT Rechnern, die als Workstation oder als Server ohne Domänencontrollerfunktion installiert werden, ist dieses vordefinierte Administratorkonto Mitglied der Gruppe "Administratoren". Auf Servern, die unter dem Betriebssystem Windows NT als Primäre Domänencontroller installiert werden, wird das vordefinierte Administratorkonto bei der Installation Mitglied der Gruppen "Administratoren", "Domänen-Admins" und "Domänen-Benutzer". Es ist weiterhin möglich, beliebige auf einem Windows NT Rechner definierte Benutzerkonten den Gruppen "Administratoren" oder "Domänen-Admins" hinzuzufügen. Das vordefinierte Administratorkonto und die nach der Installation den Gruppen "Administratoren" bzw. "Domänen-Admins" hinzugefügten Benutzerkonten erhalten die Rechte und Berechtigungen, die der oder den Gruppen erteilt wurden, in denen sie Mitglied sind. Diese Konten werden von den Personen verwendet, welche die Gesamtkonfiguration der Arbeitsstation oder des Servers verwalten. Administratoren besitzen mehr Kontrollmöglichkeiten über den Windows NT Computer als jeder andere Benutzer. Das vordefinierte Administratorkonto unterscheidet sich aber in wesentlichen Punkten von allen anderen Konten unter Windows NT: Es kann nicht gelöscht werden und es ist von der automatischen Sperre bei wiederholten Anmeldeversuchen mit falschem Paßwort ausgenommen. Außerdem kann es auf Windows NT Workstations und auf Windows NT Servern ohne Domänencontrollerfunktionalität nicht aus der Gruppe "Administratoren" entfernt werden. Auf Windows NT Domänencontrollern ist es nicht möglich, das vordefinierte Administratorkonto sowohl aus der Gruppe "Administratoren" als auch aus der Gruppe "Domänen-Admins" zu entfernen. Die Entfernung aus einer dieser beiden Gruppen ist aber möglich. Damit wird verhindert, daß ein Administrator zeitweise oder vollständig aus dem System ausgesperrt wird. Andererseits führt dieser Mechanismus zu einem erhöhten Einbruchsrisiko. An dieser Stelle muß ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß alle nachträglich angelegten Benutzerkonten, die durch Aufnahme in die Gruppen "Administratoren" bzw. "Domänen-Admins" Administratorrechte erlangt haben, selbstverständlich durch andere Administratoren gesperrt und gelöscht bzw. aus den o. g. Gruppen wieder entfernt werden können. Auch ist die automatische Sperre bei wiederholten Anmeldeversuchen mit falschem Paßwort wirksam, sofern diese in den Kontenrichtlinien definiert wurde. Auf allen Windows NT Computern sollte das vordefinierte Administratorkonto auf einen nicht leicht erratbaren Namen umbenannt werden. Es sollte bereits bei der Installation mit einem sicheren Paßwort (siehe M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs) versehen werden. Das Paßwort sollte möglichst die maximale Länge von 14 Zeichen ausnutzen und ist sicher zu hinterlegen. Es ist sinnvoll, für die tägliche Administration nicht das vor- _____________________________________________________________________ .......................................... 134 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.77 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... definierte Administratorkonto zu benutzen, sondern Benutzerkonten, die der Gruppe "Administratoren" oder "Domänen-Admins" hinzugefügt wurden. Die Paßwortlänge dieser Konten sollte mindestens 8 Zeichen betragen. Das vordefinierte Administratorkonto sollte lediglich für den Fall benutzt werden, daß ein Zugriff über die nachträglich angelegten Konten mit Administratorrechten nicht möglich ist, z. B. weil diese Konten wegen wiederholten Anmeldeversuchen mit falschem Paßwort gesperrt sind. Auch ist es sinnvoll, danach ein neues Konto mit dem Namen "Administrator" anzulegen, dieses mit einem Paßwort zu versehen, es zu deaktivieren und dieses Konto nur in der Gruppe "Gäste" aufzunehmen. Diesem Konto dürfen keine besonderen Systemrechte zugewiesen werden, da es lediglich dazu dient, einen potentiellen Angreifer auf eine falsche Spur zu führen. Weiterhin sollte das Sicherheitsprotokoll regelmäßig auf Anmeldeversuche mit Konten, die über Administratorrechte verfügen, überprüft werden (siehe M 4.54 Protokollierung unter Windows NT). Es existiert eine spezielle Schadsoftware, mit der ein lokal angemeldeter Benutzer der Gruppe "Administratoren" beliebige Benutzerkonten hinzufügen kann. Um dies zu verhindern, sollte auf allen Computern unter dem Betriebssystem Windows NT 4.0 mit dem Service Pack 3 der Hot Fix "getadmin-fix" installiert werden, der durch Microsoft kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Nach der Installation des Service Packs 4 ist es nicht mehr erforderlich, den o. g. Hotfix zu installieren. Um ein Extrahieren des Administratorpaßwortes zu verhindern, sollten außerdem die Rechte auf die Verzeichnisse %SystemRoot%\SYSTEM32\Config und %SystemRoot%\SYSTEM32\Repair so gesetzt werden, wie dies in M 4.53 Restriktive Vergabe von Zugriffsrechten auf Dateien und Verzeichnisse unter Windows NT vorgeschlagen wird. Auch müssen Notstartdisketten und evtl. vorhandene Bandsicherungen unter Verschluß gehalten werden. Abhängig vom Schutzbedarf der Daten, die mit Windows NT Workstations verarbeitet werden, ist zu entscheiden, ob für alle lokalen Administratorenkonten das gleiche Paßwort benutzt wird. Eine generelle Empfehlung kann nicht gegeben werden, es sollte jedoch bei einer Entscheidung zugunsten des gleichen Paßwortes für alle Workstations bedacht werden, daß ein Angreifer im Falle der Kompromittierung dieses Paßwortes auf allen betroffenen Workstations Administratorrechte hat. Bei Windows NT Servern sollten noch folgende weitere Maßnahmen getroffen werden. Es sollten die Administratorenkonten auf den verschiedenen Servern nicht alle mit dem gleichen Paßwort versehen werden. Weiterhin sollte möglichst nicht über das Netz fernadministriert werden. Dies wird erreicht, indem der Gruppe "Administratoren" das Recht "Zugriff auf diesen Computer vom Netz" entzogen wird. Wo auf eine Fernadministration z. B. aufgrund räumlicher Gegebenheiten nicht verzichtet werden kann, sollten die Angriffsmöglichkeiten, die sich dadurch eröffnen, so gering wie möglich gehalten werden. Dazu gehört, daß eine Anmeldung über das Netz für Benutzerkonten mit Administratorrechten nur über in den Kontenrichtlinien festgelegte Rechner, die unter dem Betriebssystem Windows NT betrieben werden, erlaubt wird. Diese Rechner sollten möglichst in gesicherten _____________________________________________________________________ .......................................... 135 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.77 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bereichen aufgestellt werden. Auf diesen Rechnern sollte zwingend die LANManager-Kompatibilität abgeschaltet werden, um so zu vermeiden, daß Paßwörter von Benutzerkonten mit Administratorrechten unverschlüsselt bzw. nur schwach verschlüsselt über das Netz gesendet werden. Dazu ist es erforderlich, bei einem Windows NT 4.0 mit Service Pack 3 den Hot Fix "lm-fix" zu installieren. Sofern auf dem System bereits das Service Pack 4 installiert wurde, ist eine Installation des v. g. Hot Fix nicht notwendig. In jedem Fall ist aber in der Registrierung der folgende Schlüssel zu ergänzen: HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet\control\Lsa um den Eintrag "LMCompatibilityLevel" vom Typ "REG_DWORD" und dem Wert "2". Ein so modifizierter Windows NT Rechner ist danach nicht mehr in der Lage, auf Ressourcen zuzugreifen, die sich auf Rechnern befinden, die das Windows NT Authentisierungsschema nicht beherrschen. Dies sind u. a. alle Rechner, die unter dem Betriebssystem Windows 95 betrieben werden. Auf Domänencontrollern reicht es nicht aus, der Gruppe "Administratoren" das Recht "Zugriff auf diesen Computer vom Netz" zu entziehen, weil auf Domänencontrollern das vordefinierte Administratorkonto automatisch Mitglied in den Gruppen "Domänen-Admins" und "Domänen-Benutzer" geworden ist. Das vordefinierte Administratorkonto sollte daher aus der Gruppe der "Domänen-Admins" entfernt werden. Dies ist möglich, solange dieses Konto Mitglied der Gruppe "Administratoren" bleibt. Außerdem sollte das vordefinierte Administratorkonto aus der Gruppe "Domänen-Benutzer" entfernt werden. Dies ist allerdings nicht ohne weiteres möglich, da es die primäre Gruppe dieses Kontos ist. Es muß daher eine beliebige globale Gruppe angelegt werden, die nicht über das Recht "Zugriff auf diesen Computer vom Netz" verfügt. Das vordefinierte Administratorkonto ist dieser Gruppe hinzuzufügen und es ist einzustellen, daß dies nunmehr die primäre Gruppe des Kontos sein soll. Erst danach kann das vordefinierte Administratorkonto aus der Gruppe "Domänen-Benutzer" entfernt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 136 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.78 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.78 Sorgfältige Durchführung von Konfigurationsänderungen Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die Durchführung von Änderungen an einem IT-System im Echtbetrieb ist immer als kritisch einzustufen und entsprechend sorgfältig muß hierbei vorgegangen werden. Bevor mit Änderungen am System begonnen wird, muß als erstes die alte Konfiguration gesichert werden, so daß sie schnell verfügbar ist, wenn Probleme mit der neuen Konfiguration auftreten. Bei vernetzten IT-Systemen müssen die Benutzer rechtzeitig über die Durchführung von Wartungsarbeiten informiert werden, damit sie zum einen ihre Planung auf eine zeitweise Systemabschaltung einrichten können, und damit sie zum anderen nach Änderungen auftretende Probleme richtig zuordnen können. Die Konfigurationsänderungen sollten immer nur schrittweise durchgeführt werden. Zwischendurch sollte immer wieder überprüft werden, ob die Änderungen korrekt durchgeführt wurden und das IT-System sowie die betroffenen Applikationen noch lauffähig sind. Bei Änderungen an Systemdateien ist anschließend ein Neustart durchzuführen, um zu überprüfen, ob sich das IT-System korrekt starten läßt. Für Problemfälle sind alle für einen Notstart benötigten Datenträger vorrätig zu halten, z. B. Boot-Disketten, Start-CD-ROM. Komplexere Konfigurationsänderungen sollten möglichst nicht in den Originaldateien vorgenommen werden, sondern in Kopien. Alle durchgeführten Änderungen sollten von einem Kollegen überprüft werden, bevor sie in den Echtbetrieb übernommen werden. Bei IT-Systemen mit hohen Verfügbarkeitsanforderungen ist auf Ersatzsysteme zurückzugreifen bzw. zumindest ein eingeschränkter IT-Betrieb zu gewährleisten. Das Vorgehen kann sich dabei idealerweise nach dem Notfall-Handbuch richten. Die durchgeführten Konfigurationsänderungen sollten Schritt für Schritt notiert werden, so daß bei auftretenden Problemen das IT-System durch sukzessive Rücknahme der Änderungen wieder in einen lauffähigen Zustand gebracht werden kann (siehe auch M 2.34 Dokumentation der Veränderungen an einem bestehenden System). Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Systemveränderungen schrittweise dokumentiert? - Lassen sich die Änderungen nachträglich rückgängig machen? _____________________________________________________________________ .......................................... 137 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.79 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.79 Sichere Zugriffsmechanismen bei lokaler Administration Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Bei einigen aktiven Komponenten kann über einen lokalen Zugriff die Administration der Komponenten erfolgen. Solch ein lokaler Zugriff ist zumeist über einen seriellen Anschluß (üblicherweise eine V.24 bzw. EIA-232-E Schnittstelle) realisiert. Für einen sicheren lokalen Zugriff sind die folgenden Maßnahmen zu beachten: - Die aktiven Netzkomponenten und ihre Peripheriegeräte, wie z. B. angeschlossene Terminals, müssen sicher aufgestellt werden (siehe M 1.29 Geeignete Aufstellung eines IT-Systems), - der lokale Zugriff zur Administration der lokalen Komponenten muß softwaretechnisch und/oder mechanisch gesperrt werden, - eine eventuell vorhandenes Standardpaßwort des lokalen Zugriffs muß sofort nach Inbetriebnahme geändert werden (zur Auswahl des neuen Paßwortes siehe M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs), - die Sicherheitseigenschaften dauerhaft angeschlossener Terminals oder Rechner, wie z. B. automatische Bildschirmsperre oder Auto-Logout, sind zu aktivieren (siehe M 5.11 Konsolen der Server und aktiven Netzkomponenten sperren). Eine lokale Administration bietet folgende Vorteile: - Die Gefahr des Abhörens von Paßwörtern wird reduziert. - Auch bei einem Ausfall des Netzsegmentes, in dem sich die aktive Komponente befindet, oder bei einem Ausfall des gesamten Netzes ist eine Administration weiterhin möglich. Eine lokale Administration bietet allerdings auch folgende Nachteile: - Aktive Netzkomponenten können im allgemeinen so konfiguriert werden, daß eine lokale oder eine zentrale Administration der aktiven Netzkomponenten möglich ist. Für die Auswahl der Konfigurationsmethode kann jedoch keine generelle Empfehlung gegeben werden. Zu berücksichtigen ist jedoch, daß bei der Konfiguration für eine ausschließlich lokale Administration keine zentrale Administration der aktiven Netzkomponenten mehr möglich ist. Diese muß dann immer vor Ort direkt an den entsprechenden Komponenten vorgenommen werden. In diesem Fall erhöht sich auch die Reaktionszeit im Störungsfall, da unter Umständen längere Wege bis zum Standort der Komponente zurückzulegen sind. - Der lokale Zugriff ist durch die Realisierung über eine V.24 bzw. EIA-232-E Schnittstelle im allgemeinen langsamer als ein Fernzugriff über das Netz. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Standardpaßwörter für den lokalen Zugriff gegen sichere ausgetauscht worden? _____________________________________________________________________ .......................................... 138 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.80 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.80 Sichere Zugriffsmechanismen bei Fernadministration Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Einige aktive Netzkomponenten können über einen Netzzugriff fernadministriert oder überwacht werden. Der Zugriff erfolgt entweder über verbindungsorientierte oder verbindungslose Protokolle. Hierzu gehören: - Protokolle zur reinen Datenübertragung, beispielsweise um neue Firmware-Versionen oder Konfigurationsdateien zu übertragen, z. B. FTP, TFTP (von letzterem wird prinzipiell abgeraten) oder RCP (siehe auch M 6.52 Regelmäßige Sicherung der Konfigurationsdaten aktiver Netzkomponenten), - Protokolle zur interaktiven Kommunikation, z. B. Telnet, - Protokolle für das Netzmanagement, z. B. SNMP oder CMIP. Bei allen Zugriffsarten ist dafür Sorge zu tragen, daß kein unautorisierter Zugriff erfolgen kann. Hierzu sind die Standardpaßwörter bzw. Community-Namen der Netzkomponenten gegen sichere Paßwörter bzw. Community-Namen auszutauschen (siehe M 4.82 Sichere Konfiguration der aktiven Netzkomponenten). Die Kopplung von Community-Namen und Paßwort betrifft bei vielen aktiven Netzkomponenten die Protokolle FTP, Telnet, SNMP und CMIP. Einige Komponenten bieten auch die Möglichkeit, den Zugriff auf der Basis von MAC- oder IP-Adressen zu beschränken. Soweit möglich, sollte diese Option genutzt werden, um den Zugriff nur von dedizierten Managementstationen aus zu gestatten. Protokolle zur Datenübertragung (TFTP, FTP, RCP) sollten nur von der Netzkomponente selbst aus initiiert werden können. Dies trifft insbesondere für nicht authentifizierende Protokolle wie TFTP zu. Für interaktive Kommunikationsprotokolle (Telnet) sollte die Auto-Logout-Option der Netzkomponente aktiviert werden. Bei den meisten der genannten Protokollen ist zu beachten, daß die Übertragung der Paßwörter bzw. Community-Namen im Klartext erfolgt, also prinzipiell abgehört werden kann (siehe hierzu M 5.61 Geeignete physikalische Segmentierung und M 5.62 Geeignete logische Segmentierung) Beispiel: Die bei SNMP standardmäßig voreingestellten Community-Namen “public” und “private” sollten gegen andere Namen ausgetauscht werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden alle Standardpaßwörter und Community-Namen gegen sichere selbstgewählte ausgetauscht? - Können Datenübertragungen nur von den Netzkomponenten aus initiiert werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 139 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.81 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.81 Audit und Protokollierung der Aktivitäten im Netz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Revisor Eine angemessene Durchführung von Protokollierung, Audit und Revision ist ein wesentlicher Faktor der Netzsicherheit. Eine Protokollierung innerhalb eines Netzmanagementsystems oder an bestimmten aktiven Netzkomponenten erlaubt es, gewisse (im allgemeinen zu definierende) Zustände für eine spätere Auswertung abzuspeichern. Typische Fälle, die protokolliert werden können, sind z. B. die übertragenen fehlerhaften Pakete an einer Netzkomponente, ein unautorisierter Zugriff auf eine Netzkomponente oder die Performance eines Netzes zu bestimmten Zeiten. Eine Auswertung solcher Protokolle mit geeigneten Hilfsmitteln erlaubt beispielsweise einen Rückschluß, ob die Bandbreite des Netzes den derzeitigen Anforderungen genügt, oder die Erkennung von systematischen Angriffen auf das Netz. Unter einem Audit wird die Verwendung eines Dienstes verstanden, der insbesondere sicherheitskritische Ereignisse betrachtet. Dies kann online oder offline erfolgen. Bei einem Online-Audit werden die Ereignisse mit Hilfe eines Tools (z. B. einem Netzmanagementsystem) in Echtzeit betrachtet und ausgewertet. Bei einem Offline-Audit werden die Daten protokolliert oder aus einer bestehenden Protokolldatei extrahiert. Zu den mit Hilfe eines OfflineAudits überwachten Faktoren gehören häufig auch Daten über Nutzungszeiten und angefallene Kosten. Bei der Revision werden die beim (Offline-) Audit gesammelten Daten von einem oder mehreren unabhängigen Mitarbeitern (4-Augen-Prinzip) überprüft, um Unregelmäßigkeiten beim Betrieb der IT-Systeme aufzudecken und die Arbeit der Administratoren zu kontrollieren. Die mit einem Netzmanagement-System möglichen Protokollierungs- und Audit-Funktionen sind in einem sinnvollen Umfang zu aktivieren. Neben Performance-Messungen zur Überwachung der Netzlast sind dabei insbesondere die Ereignisse (Events) auszuwerten, die von einem Netzmanagement-System generiert werden, oder spezifische Datensammler (z. B. RMON-Probes) einzusetzen, mit denen sicherheitskritische Ereignisse überwacht und ausgewertet werden können. Bei der Protokollierung fallen zumeist sehr viele Einträge an, so daß diese nur mit Hilfe eines Werkzeuges sinnvoll ausgewertet werden können. Beim Audit liegt die Fokusierung auf der Überwachung von sicherheitskritischen Ereignissen. Zusätzlich werden beim Audit häufig auch Daten über Nutzungszeiträume und anfallende Kosten erhoben. Dabei sind für ein Audit insbesondere folgende Vorkommnisse von Interesse: - Daten über die Betriebsdauer von IT-Systemen (wann wurde welches ITSystem ein- bzw. wieder ausgeschaltet?), - Zugriffe auf aktive Netzkomponenten (wer hat sich wann angemeldet?), _____________________________________________________________________ .......................................... 140 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.81 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - sicherheitskritische Zugriffe auf Netzkomponenten und Netzmanagementkomponenten mit oder ohne Erfolg, - Verteilung der Netzlast über die Betriebsdauer eines Tages oder eines Monats und die allgemeine Performance des Netzes. Weiterhin sollten folgende Vorkommnisse protokolliert werden: - Hardware-Fehlfunktionen, die zu einem Ausfall eines IT-Systems führen können, - Unzulässige Änderungen der IP-Adresse eines IT-Systems (in einem TCP/IP-Umfeld). Ein Audit kann sowohl online als auch offline betrieben werden. Bei einem Online-Audit werden entsprechend kategorisierte Ereignisse direkt dem Auditor mitgeteilt, der ggf. sofort Maßnahmen einleiten kann. Dafür müssen Ereignisse in geeignete Kategorien eingeteilt werden, damit der zuständige Administrator oder Auditor auf wichtige Ereignisse sofort reagieren kann und nicht unter einer Flut von Informationen den Überblick verliert. Ist Rollentrennung notwendig? Bei einem Offline-Audit werden die Daten aus den Protokolldateien oder speziellen Auditdateien mit Hilfe eines Werkzeuges für Auditzwecke aufbereitet und durch den Auditor überprüft. Im letzteren Fall können Maßnahmen zur Einhaltung oder Wiederherstellung der Sicherheit nur zeitverzögert eingeleitet werden. Im allgemeinen wird eine Mischform aus Online- und Offline-Audit empfohlen. Dabei werden für das Online-Audit die sicherheitskritischen Ereignisse gefiltert und dem Auditor sofort zur Kenntnis gebracht. Zusätzlich werden weniger kritische Ereignisse offline ausgewertet. Für Protokollierung und Audit können die Standard-Managementprotokolle, wie z. B. SNMP und das darauf aufsetzende RMON, aber auch spezifische Protokolle des eingesetzten Netzmanagementproduktes verwendet werden. Auf keinen Fall dürfen Benutzer-Paßwörter im Rahmen eines Audits oder einer Protokollierung gesammelt werden! Dadurch wird ein hohes Sicherheitsrisiko erzeugt, falls es zu einem unberechtigten Zugriff auf diese Informationen kommt. Auch falsch eingegebene Paßwörter sollten nicht protokolliert werden, da sie sich von den gültigen Paßwörtern meist nur um ein Zeichen bzw. um eine Vertauschung zweier Zeichen unterscheiden. Es muß weiterhin festgelegt werden, wer die Protokolle und Audit-Daten auswertet. Hierbei muß eine angemessene Trennung zwischen Ereignisverursacher und -auswerter (z. B. Administrator und Auditor) vorgenommen werden. Weiterhin ist darauf zu achten, daß die datenschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden. Für alle erhobenen Daten ist insbesondere die Zweckbindung nach § 14 BDSG zu beachten. Die Protokoll- oder Auditdateien müssen regelmäßig ausgewertet werden. Sie können sehr schnell sehr umfangreich werden. Um die Protokoll- oder Auditdateien auf ein auswertbares Maß zu beschränken, sollten die Auswertungsintervalle daher angemessen, aber dennoch so kurz gewählt werden, daß eine sinnvolle Auswertung möglich ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 141 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.81 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die aufgezeichneten Protokoll- und Auditdaten regelmäßig kontrolliert? - Werden die möglichen Konsequenzen sicherheitskritischer Ereignisse analysiert? - Werden die Benutzer-Paßwörter protokolliert? _____________________________________________________________________ .......................................... 142 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.82 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.82 Sichere Konfiguration der aktiven Netzkomponenten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Neben der Sicherheit von Serversystemen und Endgeräten wird die eigentliche Netzinfrastruktur mit den aktiven Netzkomponenten in vielen Fällen vernachlässigt. Gerade zentrale aktive Netzkomponenten müssen jedoch sorgfältig konfiguriert werden. Denn während durch eine fehlerhafte Konfiguration eines Serversystems nur diejenigen Benutzer betroffen sind, die die entsprechenden Dienste dieses Systems nutzen, können bei einer Fehlkonfiguration eines Routers größere Teilnetze bzw. sogar das gesamte Netz ausfallen oder Daten unbemerkt kompromittiert werden. Im Rahmen des Netzkonzeptes (siehe M 2.141 Entwicklung eines Netzkonzeptes) sollte auch die sichere Konfiguration der aktiven Netzkomponenten festgelegt werden. Dabei gilt es insbesondere folgendes zu beachten: - Für Router und Layer-3-Switching muß ausgewählt werden, welche Protokolle weitergeleitet und welche nicht durchgelassen werden. Dies kann durch die Implementation geeigneter Filterregeln geschehen. - Es muß festgelegt werden, welche IT-Systeme in welcher Richtung über die Router kommunizieren. Auch dies kann durch Filterregeln realisiert werden. - Sofern dies von den aktiven Netzkomponenten unterstützt wird, sollte festgelegt werden, welche IT-Systeme Zugriff auf die Ports der Switches und Hubs des lokalen Netzes haben. Hierzu wird die MAC-Adresse des zugreifenden IT-Systems ausgewertet und auf ihre Berechtigung hin überprüft. Für aktive Netzkomponenten mit Routing-Funktionalität ist außerdem ein geeigneter Schutz der Routing-Updates erforderlich. Diese sind zur Aktualisierung der Routing-Tabellen erforderlich, um eine dynamische Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten des lokalen Netzes zu erreichen. Dabei kann man zwei verschiedene Sicherheitsmechanismen unterscheiden: - Paßwörter Die Verwendung von Paßwörtern schützt die so konfigurierten Router vor der Annahme von Routing-Updates durch Router, die nicht über das entsprechende Paßwort verfügen. Hierdurch können also Router davor geschützt werden, falsche oder ungültige Routing-Updates anzunehmen.Der Vorteil von Paßwörtern gegenüber den anderen Schutzmechanismen ist ihr geringer Overhead, der nur wenig Bandbreite und Rechenzeit benötigt. - Kryptographische Prüfsummen Prüfsummen schützen vor der unbemerkten Veränderung von gültigen Routing-Updates auf dem Weg durch das Netz. Zusammen mit einer Sequenznummer oder einem eindeutigen Bezeichner kann eine Prüfsumme auch vor dem Wiedereinspielen alter Routing-Updates schützen. _____________________________________________________________________ .......................................... 143 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.82 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Auswahl eines geeigneten Routing-Protokolls ist die Voraussetzung für einen angemessenen Schutz der Routing-Updates. RIP-2 (Routing Information Protocol Version 2, RFC 1723) und OSPF (Open Shortest Path First, RFC 1583) unterstützen Paßwörter in ihrer Basis-Spezifikation und können durch Erweiterungen auch kryptographische Prüfsummen nach dem MD5 (Message Digest 5) Verfahren verwenden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde bei der Erstellung des Netz-Konzeptes die sichere Konfiguration der aktiven Netzkomponenten berücksichtigt? - Wird ein geeignetes Routing-Protokoll eingesetzt? - Wie werden die Routing-Updates geschützt? _____________________________________________________________________ .......................................... 144 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.83 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.83 Update/Upgrade von Soft- und Hardware im Netzbereich Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Durch ein Update von Software können Schwachstellen beseitigt oder Funktionen erweitert werden. Dies betrifft beispielsweise die Betriebssoftware von aktiven Netzkomponenten wie z. B. Switches oder Router, aber auch eine Netzmanagementsoftware. Ein Update ist insbesondere dann notwendig, wenn Schwachstellen bekannt werden, die Auswirkungen auf den sicheren Betrieb des Netzes haben, wenn Fehlfunktionen wiederholt auftauchen oder eine funktionale Erweiterung aus sicherheitstechnischen oder fachlichen Erfordernissen notwendig wird. Auch ein Upgrade von Hardware kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein, wenn z. B. eine neue Version eines Switches eine höhere Transfer- und Filterrate bietet. Durch diese Maßnahmen kann der Grad der Verfügbarkeit, der Integrität und der Vertraulichkeit unter Umständen erhöht werden. Bevor jedoch ein Upgrade oder ein Update vorgenommen wird, muß die Funktionalität, die Interoperabilität und die Zuverlässigkeit der neuen Komponenten genau geprüft werden. Dies geschieht am sinnvollsten in einem physikalisch separaten Testnetz, bevor das Update oder Upgrade in den produktiven Einsatz übernommen wird (siehe M 4.78 Sorgfältige Durchführung von Konfigurationsänderungen). Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Updates bzw. Upgrades vor einem produktiven Einsatz auf die Interoperabilität mit den bereits vorhandenen Komponenten überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 145 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.84 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.84 Nutzung der BIOS-Sicherheitsmechanismen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Moderne BIOS-Varianten bieten eine Vielzahl von Sicherheitsmechanismen an, mit denen sich die Benutzer oder die Systemadministration vertraut machen sollten. Auf keinen Fall sollten aber ungeschulte Benutzer BIOSEinträge verändern, da hierdurch schwerwiegende Schäden verursacht werden können. - Paßwortschutz: Bei den meisten BIOS-Varianten kann ein Paßwortschutz aktiviert werden. Dieser kann verhältnismäßig einfach überwunden werden, sollte aber auf jeden Fall benutzt werden, wenn keine anderen Zugriffsschutzmechanismen zur Verfügung stehen. Meist kann ausgewählt werden, ob das Paßwort vor jedem Rechnerstart oder nur vor Zugriffen auf die BIOS-Einstellungen überprüft werden soll. Teilweise können sogar verschiedene Paßwörter für diese Prüfungen benutzt werden. Um zu verhindern, daß Unbefugte die BIOS-Einstellungen ändern, sollte das Setupoder Adminstrator-Paßwort immer aktiviert werden. Mit einigen (leider wenigen) BIOS-Varianten kann zusätzlich der Zugriff auf die Diskettenlaufwerke durch ein Paßwort geschützt werden. Dies sollte benutzt werden, um das unbefugte Aufspielen von Software oder das unbemerkte Kopieren von Daten zu verhindern. - Boot-Reihenfolge: Die Boot-Reihenfolge sollte so eingestellt sein, daß immer als erstes von der Festplatte gebootet wird. Beispielsweise sollte also “C,A” eingestellt werden. Dies schützt vor der Infektion mit BootViren, falls versehentlich eine Diskette im Laufwerksschacht vergessen wird, spart Zeit und schont das Diskettenlaufwerk. Die Umstellung der Boot-Reihenfolge soll verhindern, daß der Boot-Vorgang von einem externen Datenträger erfolgt. Hiermit soll gewährleistet werden, daß während des Boot-Vorgangs nicht auf eine im Diskettenlaufwerk eingelegte Diskette zugegriffen wird, woduch ein Boot-Virus den PC infizieren könnte (siehe G 5.23 Computer-Viren). Je nach verwendetem BIOS und Betriebssystem muß auch das Booten von anderen austauschbaren Datenträgern wie CD-ROMs verhindert werden. Ohne eine Umstellung der Boot-Reihenfolge können auch weitere Sicherheitsmaßnahmen wie Zugriffsschutzmechanismen (siehe M 4.1 Paßwortschutz für PC und Server) umgangen werden. Ein Beispiel hierfür ist das Starten eines anderen Betriebssystems, so daß gesetzte Sicherheitsattribute ignoriert werden (siehe M 4.49 Absicherung des BootVorgangs für ein Windows NT System). Generell sollte die Wirksamkeit der Umstellung der Boot-Reihenfolge durch einen Boot-Versuch geprüft werden, da einige Controller die interne Reihenfolge außer Betrieb nehmen und eine getrennte Einstellung erfordern. _____________________________________________________________________ .......................................... 146 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.84 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Virenschutz, Virus-Warnfunktion: Wird diese Funktion aktiviert, verlangt der Rechner vor einer Veränderung des Bootsektors bzw. des MBR (Master Boot Record) eine Bestätigung, ob diese durchgeführt werden darf. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche BIOS- Sicherheitsmechanismen sind aktiviert? _____________________________________________________________________ .......................................... 147 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.85 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.85 Geeignetes Schnittstellendesign bei Kryptomodulen Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Ein Kryptomodul sollte so beschaffen und konfigurierbar sein, daß der gesamte Informationsfluß von und zu dem Modul oder gar ein unmittelbarer physikalischer Zugriff auf den Datenbestand des Moduls kontrolliert bzw. eingeschränkt werden kann. Je nach Anwendungsfall bzw. Schutzbedarf empfiehlt sich die Verwendung von physikalisch getrennten Ein- und Ausgabeports. In jedem Fall sollten die Modulschnittstellen so aufgebaut sein, daß die einzelnen Datenkanäle logisch voneinander verschieden sind, obwohl sie möglicherweise einen gemeinsamen Ein- oder Ausgangsport teilen. Im Zusammenhang mit dem Schlüsselmanagement des Kryptomoduls muß gewährleistet sein, daß die Ausgabekanäle von der internen Schlüsselgenerierung bzw. dem Eingabeport für die manuelle Schlüsseleingabe zumindest logisch getrennt sind. In vielen Fällen werden zum Anschluß einer externen Versorgungsspannung bzw. eines externen Versorgungstakts und zur ausschließlichen Verwendung von Reparatur- oder Wartungsaufgaben separate Schnittstellen zur Verfügung stehen. Aus der Perspektive des Kryptomoduls ist daher die folgende Aufteilung und Verwendung zweckmäßig: - Dateneingabeschnittstelle, die all diejenigen Eingabedaten des Kryptomoduls führt, die im Modul weiterverarbeitet oder bearbeitet werden (z. B. kryptographische Schlüssel, Authentisierungsinformationen, Statusinformationen von anderen Kryptomodulen, Klartextdaten etc.). - Datenausgabeschnittstelle, die all diejenigen Daten des Kryptomoduls führt, die vom Modul an dessen Umgebung gelangen sollen (z. B. verschlüsselte Daten, Authentisierungsinformationen, Steuerinformationen für andere Kryptomodule, etc.). - Steuereingabeschnittstelle, die sämtliche Steuerbefehle, -signale und -daten zur Ablaufsteuerung und Einstellung der Betriebsweise des Moduls führt. - Statusausgabeschnittstelle, die alle Signale, Anzeigen und Daten an die Umgebung abführt, um den inneren Sicherheitszustand des Kryptomoduls anzuzeigen. Und schließlich - Maintenance-Schnittstelle, die ausschließlich Wartungs- und/oder Reparaturzwecken dient. Die Dokumentation für eine Kryptokomponente sollte eine Beschreibung sämtlicher Komponenten enthalten (Hard-, Firm- und/oder Software). Ferner sollte die Dokumentation die komplette Spezifikation der Modulschnittstellen beinhalten zuzüglich der physikalischen oder logischen Ports, manuellen oder logischen Steuereinheiten, physikalischen oder logischen Anzeigeelementen sowie deren physikalischen, logischen oder elektrischen Eigenschaften. Wenn eine Kryptokomponente eine Maintenance-Schnittstelle enthält, sollte die Dokumentation auch die vollständige Spezifikation der _____________________________________________________________________ .......................................... 148 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.85 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... durchzuführenden Wartungsprozesse zur Verfügung stellen. Alle physikalischen und logischen Ein- und Ausgabekanäle innerhalb des Moduls müssen explizit offengelegt sein. Neben der konkreten Einbindung der Kryptokomponente in eine vorgesehene Einsatzumgebung ist auch die Bedienung und Benutzung der Kryptokomponente zu beschreiben. Die Dokumentation sollte weiterhin eine Zusammenstellung der Sicherheitsfunktionalität enthalten und womöglich die Abhängigkeit von Hard-, Firmoder Software aufzeigen, die je nach Konzeption der Kryptokomponente nicht unmittelbar zum Lieferumfang der Kryptokomponente gehören. Die Dokumentation über die Modulschnittstellen sind vom Modulhersteller zur Verfügung zu stellen. Die Dokumentation wird beispielsweise von einem Administrator benötigt, der beabsichtigt, das Kryptomodul in seine Systemumgebung zu integrieren, oder von einem Evaluator, der eine Sicherheitsbeurteilung des Kryptomoduls vornehmen möchte. _____________________________________________________________________ .......................................... 149 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.86 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.86 Sichere Rollenteilung und Konfiguration bei Kryptomodulen Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Viele kryptographische Sicherheitskomponenten bieten die Möglichkeit, daß mehrere Nutzerrollen sowie die zugehörigen Handlungen, die durch das autorisierte Personal ausgeführt werden können, unterschieden werden können. Abhängig vom Schutzbedarf sind hierzu Zugriffskontroll- und Authentisierungsmechanismen erforderlich, um verifizieren zu können, ob ein Nutzer zur Ausführung des gewünschten Dienstes auch tatsächlich autorisiert ist. In Bezug auf die unterschiedlichen Rollen bietet sich folgende Unterteilung an: - Benutzerrolle, der die Benutzung und Verwendung der Sicherheitskomponente obliegt (z. B. Endteilnehmer, Benutzer). - Operatorrolle, die für die Installation und das Kryptomanagement verantwortlich ist (z. B. Sicherheitsadministrator). Und zumindest eine - Maintenance-Rolle, die für Wartungs- und Reparaturarbeiten zuständig ist (z. B. Wartungstechniker, Revisor). Bei Kryptokomponenten, bei denen die Benutzer- und die Administratorrolle getrennt werden kann, sollte diese Möglichkeit auch genutzt werden und durch die Administration Grundeinstellungen vorgegeben werden, wie z. B. Paßwortlänge oder Schlüssellänge, so daß die Benutzer nicht aus Bequemlichkeit oder Unkenntnis unsichere Einstellungen wählen können. Neben den unterschiedlichen Rollen gilt es entsprechend auch die verschiedenen Handlungen bzw. die von der Sicherheitskomponente bereitgestellten Dienste zu unterscheiden. Ein Kryptomodul sollte zumindest folgende Dienste zur Verfügung stellen: - Statusanzeige zur Ausgabe des momentanen Status der Kryptokomponente, - Selbsttest zur Initialisierung und Durchführung von selbständigen Selbsttests, - Bypass zur Aktivierung und Deaktivierung eines Bypass mittels dessen durch das Kryptomodul Klarinformationen bzw. ungesicherte Daten transportiert werden. Zur erforderlichen Authentisierung des Personals gegenüber der Sicherheitskomponente bieten sich eine Vielzahl von unterschiedlichen Techniken an: Paßwort, PIN, kryptographische Schlüssel, biometrische Merkmale etc. Die Kryptokomponente sollte so konfiguriert sein, daß bei jedem Rollenwechsel oder bei Inaktivität nach einer bestimmten Zeitdauer die Authentisierungsinformationen erneut eingegeben werden müssen. Ferner empfiehlt sich an dieser Stelle eine Beschränkung der Authentisierungsversuche (z. B. indem der Fehlbedienungszähler auf 3 gesetzt wird). _____________________________________________________________________ .......................................... 150 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.87 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.87 Physikalische Sicherheit von Kryptomodulen Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Wie in M 2.165 Auswahl eines geeigneten kryptographischen Produktes beschrieben, können Kryptomodule in Software, Firmware oder Hardware realisiert sein. Firmware- bzw. Hardware-Produkte werden insbesondere dann gewählt, wenn das Kryptomodul besonders manipulationsresistent sein soll. Unter diesem Gesichtspunkt sollte das Kryptomodul unter Verwendung von physikalischen Sicherheitsmaßnahmen oder unter Ausnutzung entsprechender Materialeigenschaften so konstruiert sein, daß ein unautorisierter physikalischer Zugriff auf Modulinhalte erfolgreich verhindert werden kann. Dies soll möglichen technischen Manipulationen oder sonstigen Beeinträchtigungen im laufenden Betrieb vorbeugen. In Abhängigkeit von der Sicherheitsstufe des Kryptomoduls sind hierzu beispielsweise die Verwendung von Passivierungsmaterialien, geeignete Tamperschutzmaßnahmen oder mechanische Schlösser in Betracht zu ziehen. Eine automatische Notlöschung, die eine aktive Löschung oder die Vernichtung aller im Klartext enthaltenen sensitiven Schlüsseldaten und -parameter bewerkstelligen kann, innerhalb des Kryptomoduls nach identifizierten Angriffsversuchen, zählt ebenfalls in diese Maßnahmenkategorie. Mit dem Einsatz von diversen Sensoren und Überwachungseinrichtungen läßt sich sicherstellen, daß das Kryptomodul - was Spannungsversorgung, Taktung, Temperatur, mechanische Beanspruchung, elektromagnetische Beeinträchtigung etc. anbelangt - in seinem vorgesehenen Arbeitsbereich betrieben wird. Zur Aufrechterhaltung seiner beabsichtigten Funktionalität sollte das Kryptomodul Selbsttests initiieren und durchführen können. Diese Tests können sich auf folgende Bereiche erstrecken: Algorithmentests, Software und Firmwaretests, Funktionstests, statistische Zufallstests, Konsistenztests, Bedingungstests sowie Schlüsselgenerierungs- und -ladetests. Im Anschluß an ein negatives Testergebnis sollte dem Benutzer des Kryptomoduls eine entsprechende Fehlermeldung signalisiert und ein entsprechender Fehlerzustand eingenommen werden. Erst nach Behebung der Fehlerursache(n) darf eine Freischaltung aus diesem Fehlerzustand möglich sein. Beim Einsatz von Softwareprodukten muß die physikalische Sicherheit des Kryptomoduls durch das jeweilige IT-System bzw. dessen Einsatzumgebung geleistet werden. Sicherheitstechnische Anforderungen an solche IT-Systeme können den systemspezifischen Bausteinen entnommen werden. Eine Softwarelösung sollte Selbsttests durchführen können, um Modifikationen durch Trojanische Pferde oder Coputer-Viren erkennen zu können. _____________________________________________________________________ .......................................... 151 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.88 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.88 Anforderungen an die BetriebssystemSicherheit beim Einsatz von Kryptomodulen Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Beim Einsatz von Kryptomodulen spielt deren Einbindung ins bzw. Abhängigkeit vom jeweiligen Betriebssystem des Hostsystems eine wesentliche Rolle. Das Zusammenwirken von Betriebssystem und Kryptomodul muß gewährleisten, daß - das Kryptomodul nicht abgeschaltet oder umgangen werden kann (z. B. durch Manipulation oder Austausch von Treibern), - die angewendeten oder gespeicherten Schlüssel nicht kompromittiert werden können (z. B. durch Auslesen von RAM-Bereichen), - die zu schützenden Daten nur mit Wissen und unter Kontrolle des Anwenders auch unverschlüsselt auf Datenträgern abgespeichert werden können bzw. das informationsverarbeitende System verlassen (z. B. bei Netzanbindung), - Manipulationsversuche am Kryptomodul erkannt werden. Je nach Art des Kryptomoduls (Hardware- oder Software-Realisierung, Einbindungsstrategie in die IT-Komponente etc.), den Einsatzbedingungen und dem Schutzbedarf der zu sichernden Daten können sich unterschiedlich starke Anforderungen bzgl. der Betriebssystem-Sicherheit ergeben. Bei in Software realisierten Kryptomodulen ist der Einsatz eines sicheren Betriebssystems besonders wichtig. Kommerzielle PC-Betriebssysteme sind in der Regel derart komplex und kurzen Innovationszyklen unterworfen, daß die Daten- bzw. Systemsicherheit kaum nachweisbar oder beweisbar ist. Eine Ausnahme können proprietäre oder für spezielle Anwendungen optimierte Betriebssysteme bilden (z. B. spezielle Betriebssysteme in Kryptogeräten). Daher ist es beim Einsatz von kryptographischen Produkten auf StandardBetriebssystemen wie z. B. zur Dateiverschlüsselung oder zur E-MailAbsicherung wichtig, daß alle Standardsicherheitsmaßnahmen für dieses Betriebssystem umgesetzt sind. Die sicherheitstechnischen Anforderungen an diese IT-Systeme können den jeweiligen systemspezifischen Bausteinen entnommen werden, so etwa für Clients in Kapitel 5, für Server in Kapitel 6. In Hardware realisierte Kryptomodule können so konstruiert sein, daß sie Mängel der Betriebssystem-Sicherheit kompensieren oder vollständig ausräumen. Hier liegt die Verantwortung zur Erfüllung der o. g. Anforderungen allein beim Kryptomodul. Es muß z. B. erkennen können, ob unverschlüsselte Daten berechtigt oder unberechtigt am Modul vorbei auf Datenträger oder andere Geräteschnittstellen geschrieben werden. Der Anwender muß in Übereinstimmung mit der für sein Umfeld individuell erstellten Sicherheitspolitik entscheiden, welche Kombination Betriebssystem / Kryptomodul erforderlich ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 152 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.89 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.89 Abstrahlsicherheit Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Jedes elektronische Gerät strahlt mehr oder weniger starke elektromagnetische Wellen ab. Diese Abstrahlung ist als Störstrahlung bekannt und ihre maximal zulässige Stärke ist im Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Geräten (EMVG) geregelt. Bei Geräten, die Informationen verarbeiten (PC, Drucker, Fax-Gerät, Modem, etc.) kann diese Störstrahlung auch die gerade verarbeitete Information mit sich führen. Derartige informationstragende Abstrahlung wird bloßstellende Abstrahlung genannt. Wird die bloßstellende Abstrahlung in einiger Entfernung, z. B. in einem Nachbarhaus oder auch in einem in der Nähe abgestellten Fahrzeug empfangen, kann daraus die Information rekonstruiert werden. Die Vertraulichkeit der Daten ist damit in Frage gestellt. Die Grenzwerte des EMVG reichen im allgemeinen nicht aus, um das Abhören der bloßstellenden Abstrahlung zu verhindern. Hierzu müssen in aller Regel zusätzliche Maßnahmen getroffen werden. Bloßstellende Abstrahlung kann einen Raum auf unterschiedliche Weise verlassen: - in Form von elektromagnetischen Wellen, die sich wie Rundfunkwellen durch den freien Raum ausbreiten. - als leitungsgebundene Abstrahlung entlang metallischer Leiter (Kabel, Klimakanäle, Heizungsrohre). - durch Überkoppeln von einem Datenkabel in parallel hierzu verlegte Kabel. Auf dem Parallelkabel breitet sich die Abstrahlung aus und kann von diesem noch in großer Entfernung abgegriffen werden. - als akustische Abstrahlung, z. B. bei Druckern. Die Detailinformationen des Druckvorgangs breiten sich über Schall beziehungsweise Ultraschall aus und können mit Mikrofonen aufgenommen werden. - in Form von akustischer Überkopplung auf andere Geräte. Die Schallwandlung in elektrische Signale erfolgt dabei durch schallempfindliche Geräteteile, die unter bestimmten Voraussetzungen ähnlich wie ein "Mikrofon" arbeiten können. Die weitere Ausbreitung erfolgt dann entlang metallischer Leiter oder auch in Form elektromagnetischer Raumstrahlung. - Bloßstellende Abstrahlung kann auch durch eine äußere Manipulation von Geräten verursacht werden. Wird z. B. ein Gerät mit Hochfrequenzenergie bestrahlt, können die im Gerät ablaufenden elektrischen Vorgänge die eingestrahlten Wellen so beeinflussen, daß diese nun die verarbeitete Information mit sich tragen. In allen Fällen hat die Installation, also die Verkabelung der Geräte untereinander und mit dem Stromversorgungsnetz, einen wesentlichen Einfluß auf die Ausbreitung und damit auch auf die Reichweite der Abstrahlung. Vom BSI wurden und werden verschiedene Schutzmaßnahmen entwickelt, welche die Gefährdung ohne wesentliche Kostensteigerung wirksam reduzieren. Dazu gehören: _____________________________________________________________________ .......................................... 153 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.89 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Zonenmodell Vom BSI wurde ein Zonenmodell entwickelt, welches die Ausbreitungsbedingungen für bloßstellende Abstrahlung bei den jeweiligen Gebäudeund Geländeverhältnissen berücksichtigt. Dabei wird die Abschwächung der Abstrahlung auf ihrem Weg vom verursachenden IT-Gerät zum potentiellen Empfänger meßtechnisch erfaßt. Abhängig von den Gegebenheiten am Einsatzort können gegebenenfalls Geräte eingesetzt werden, an denen nur geringfügige oder gar keine Sonderentstörmaßnahmen durchgeführt wurden. - Quellenentstörung Die Quellenentstörung bewährt sich besonders bei der Neuentwicklung von IT-Produkten. Hier wird die bloßstellende Abstrahlung bereits am Entstehungsort innerhalb des Gerätes unterdrückt oder so verändert, daß sie nicht mehr auswertbar ist. Durch diese Methode kann z. B. auch der Einsatz kostengünstiger Kunststoffgehäuse möglich werden, mit vernachlässigbar geringen Auswirkungen auf den Serienpreis. - Abstrahlkriterienwerk Ein detailliertes Abstrahlkriterienwerkes dient zur abgestuften Prüfung von IT-Geräten bzw. -systemen. Grundgedanke dieses Konzeptes ist es, den Umfang der Schutzmaßnahmen so gut wie möglich an die vom Anwender angenommene Bedrohungslage anzupassen, um so bei minimalem Kostenaufwand ein Optimum an Abstrahlsicherheit zu erzielen. - Kurzmeßverfahren Die Erarbeitung von Kurzmeßverfahren und Manipulationsprüfverfahren erlaubt, auch nach Wartung, Reparatur oder möglichen unberechtigten Zugriffen die Abstrahlsicherheit mit möglichst geringem Aufwand sicherzustellen. - Einsatz abstrahlarmer bzw. abstrahlgeschützter Geräte Hersteller von PC-Bildschirmen werben häufig mit dem Begriff "abstrahlarm" nach MPR II, TCO oder SSI. Diese Richtlinien berücksichtigen jedoch ausschließlich mögliche gesundheitsschädliche Auswirkungen der Gerätestrahlung. Die Meßverfahren und Grenzwerte für die Strahlung sind daher für den Nachweis bloßstellender Abstrahlung völlig ungeeignet und ermöglichen keine Bewertung der Sicherheit gegen unberechtigtes Mitlesen der Daten über bloßstellende Abstrahlung. Daneben werden aber auch speziell abstrahlgeschützte IT-Systeme angeboten. In diesem Bereich gibt es zahlreiche Abstufungen des angebotenen Abstrahlschutzes. Um insbesondere bei hochschutzbedürftigen IT-Systemen eine Einstufung zu ermöglichen, wurden vom BSI sogenannte TEMPEST-Kriterien (Temporary Emission and Spurious Transmission) entwickelt. Ob ein Hersteller abstrahlgeschützte Geräte gemäß diesen TEMPEST-Kriterien in seinem Lieferprogramm anbietet, sollte durch eine Rückfrage beim Hersteller, beim BSI bzw. durch Einsicht in die offizielle Produktübersicht BSI 7206 geklärt werden. Dabei gehört zu der Aussage, _____________________________________________________________________ .......................................... 154 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.89 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... daß für ein Gerät eine TEMPEST-Zulassung vorliegt, immer auch die Aussage des Zulassungsgrades. _____________________________________________________________________ .......................................... 155 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.90 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.90 Einsatz von kryptographischen Verfahren auf den verschiedenen Schichten des ISO/OSIReferenzmodells Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Das OSI-Referenzmodell nach ISO Kryptographische Verfahren können auf den verschiedenen Schichten des ISO/OSI-Referenzmodells implementiert werden. Dieses Modell, welches in Maßnahme M 5.13 Geeigneter Einsatz von Elementen zur Netzkopplung dieses Handbuches kurz erläutert wird, definiert vier transportorientierte Schichten und drei anwendungsorientierte Schichten. Instanzen einer Schicht in verschiedenen Systemen kommunizieren über Protokolle miteinander. Jede Schicht bietet der nächst höheren Schicht ihre Dienste an. Das kann neben den üblichen Kommunikationsdiensten auch ein Sicherheitsdienst sein. Welcher Sicherheitsdienst in welcher Schicht des Schichtenmodells plaziert werden sollte und welche Mechanismen dazu genutzt werden können, ist im Teil 2 der ISO 7498 (Security Architecture) beschrieben. Auch wenn konkrete Kommunikationssysteme, Referenzmodelle oder Protokolle sich nicht immer konform zum ISO-Referenzmodell verhalten, so hilft die Kenntnis des ISO-Referenzmodells bei der Beurteilung von Sicherheitsfunktionen von Produkten und erleichtert damit auch die systematische Erstellung "sicherer" Gesamtsysteme. Anwendung Anwendung Anwendungslevel HTTP, DNS, SMTP, FTP, SNMP, POP3, Telnet 7 S/MIME, PGP, PEM, SSH, Kerberos, SET, S-HTTP 5 Anwendungslevel 7 HTTP, DNS, SMTP, FTP, SNMP, POP3, Telnet - Transportlevel UDP / TCP 4 5 SSL, TLS Transportlevel UDP / TCP 4 Vermittlungslevel IP 3 Netzwerklevel Ethernet, FDDI, Token Ring, PPP IPsec 2 Vermittlungslevel IP Netzwerklevel 3 2 ECP, CHAP 1 Ethernet, FDDI, Token Ring, PPP 1 Physikalisches Transportmedium Im folgenden soll erläutert werden, welche Vor- bzw. Nachteile mit dem Einsatz von kryptographischen Verfahren auf den jeweiligen Schichten verbunden sind. _____________________________________________________________________ .......................................... 156 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.90 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Sicherheitsdienste Kryptographische Verfahren werden zur Sicherung verschiedener bei der Kommunikation anfallender Informationen eingesetzt, also um Informationen zu verschlüsseln, mit kryptographischen Prüfsummen zu versehen oder zu signieren. Zum einen können die vom Benutzer zu übermittelnden Daten gesichert werden, zum anderen aber auch Informationen, die sich beim Informationsaustausch implizit ergeben (z. B. Verkehrsflußinformationen). Sicherheitsbeziehungen können für verschiedene Sicherheitsdienste in verschiedenen OSI-Schichten gleichzeitig existieren. Oberhalb der Schicht, in der ein Sicherheitsdienst realisiert ist, liegen die Informationen (bezüglich dieses Dienstes) ungesichert vor. Kryptographische Mechanismen (Verschlüsselung, digitale Signatur, kryptographische Prüfsummen) liefern Beiträge zur Realisierung wichtiger Sicherheitsdienste (Authentizität, Vertraulichkeit, Integrität, Kommunikations- und Datenursprungsnachweise). Hierzu wird zunächst ein Überblick über die Gesichtspunkte gegeben, die für oder gegen den Einsatz von kryptographischen Verfahren auf den verschiedenen OSI-Schichten sprechen: Verwendung von kryptographischen Verfahren auf oberen Schichten: +: sinnvoll, wenn die Anwendungsdaten nahe der Anwendung geschützt werden sollen bzw. der "unsichere Kanal" möglichst kurz gehalten werden soll +: auf jeden Fall immer dann, wenn die Daten nicht auf den tieferen Schichten geschützt werden +: sinnvoll bei vielen, wechselnden Kommunikationspartnern an verschiedenen Standorten +: Benutzer können sie nach eigenen Anforderungen einsetzen +: Absicherung näher am Benutzer und für diesen erkennbarer -: höhlen Absicherung durch Firewalls aus -: werden häufig fehlbedient -: basiert häufig auf Software, kryptographische Schlüssel und Algorithmen sind einfacher manipulierbar -: höhere Abhängigkeit vom Betriebssystem bzw. darunter liegender Hardware unteren Schichten: +: sinnvoll für die Kopplung zweier Netze, die als sicher gelten, über eine unsichere Verbindung, z. B. Kopplung zweier Liegenschaften über öffentliche Netze +: zur Sicherung eines Netzes gegen unbefugte Zugriffe +: immer dann, wenn Verkehrsflußinformationen geschützt werden sollen, z. B. Adreßinformationen +: alle höherliegenden Header- und die Benutzerinformationen sind verschlüsselt +: transparent für Benutzer, geringeres Fehlbedienungsrisiko +: einfacheres Schlüsselmanagement -: Schutz nur bis in die Schicht, in der die Sicherheitsprotokolle realisiert sind -: häufig Hardware, also teuer und unflexibel -: bietet häufig keine Ende-zu-Ende Sicherheit _____________________________________________________________________ .......................................... 157 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.90 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ein einfaches Schlüsselmanagement ergibt sich i.d.R. dann, wenn Gruppenschlüssel verwendet werden können, z. B. beim Aufbau von sicheren Teilnetzen (VPNs), bei denen die Zugänge mit Kryptogeräten versehen werden. Kryptographische Produkte für die unteren Schichten liegen im Anschaffungspreis meist deutlich über solchen für obere Schichten, dafür werden allerdings auch weniger benötigt. Außerdem ist der Administrationsund Implementierungsaufwand meist niedriger, da Sicherheitsdienste nicht in verschiedensten Anwendungen implementiert werden müssen. Auch "exotische" Anwendungen - ohne eigene Sicherheitsfunktionalität - können dadurch gesichert Daten austauschen. In vielen Fällen bietet sich auch eine Kombination von kryptographischen Diensten auf verschiedenen Schichten an. Dies hängt von den jeweiligen Sicherheitsanforderungen und den Einsatzbedingungen ab, wie Kosten, Performance und inwieweit entsprechende Komponenten erhältlich sind. Entscheidende Faktoren sind auch die angenommenen Gefährdungen, gegen die die implementierten Sicherheitsdienste wirken sollen, sowie die zugrundeliegende Systemarchitektur. Sicherheits-Endgeräte <-> Sicherheits-Koppelelemente Sicherheitssysteme können als Endgerät bzw. Teil eines Endgeräts oder als Koppelelement bzw. Teil eines Koppelelements ausgelegt sein. Koppelelemente sind z. B. aktive Netzkomponenten wie Router oder Gateways. Im Unterschied zu Endgeräten weisen Sicherheits-Koppelelemente gewöhnlich zwei Netzschnittstellen auf, die auf einer für dieses System typischen Schicht über ein Kryptomodul (Hard- oder Software) gekoppelt sind. Eine Schnittstelle ist mit dem "sicheren" Netz verbunden (z. B. Hausnetz), die andere Schnittstelle mit einem als "unsicher" bewerteten Netz (z. B. öffentliche Netze). Sicherheits-Endgeräte haben den Vorteil, daß die Sicherheitsmechanismen gut an die Anforderungen der Anwendung angepaßt werden können. Typische SicherheitsEndgeräte sind Kryptotelefone, Kryptofaxgeräte oder hard/softwarebasierte Sicherheitslösungen für PCs. Sicherheits-Endgeräte bieten i.d.R. Lösungen für einzelne Arbeitsplätze. Teilweise unterstützen diese Lösungen lediglich einen Dienst. Die Grenzen sind hier jedoch fließend (Telefonie über Internet-PC, Kryptotelefon mit Dateneingang). In Endgeräten ist im Gegensatz zum Koppelelement die Wahl der Sicherheitsschicht nicht eingeschränkt, da Endgeräte grundsätzlich vollständig sind, also über 7 Schichten verfügen. Sicherheits-Koppelelemente sind häufig derart leistungsfähig konstruiert, daß sie größere Arbeitseinheiten bis hin zu ganzen Liegenschaften absichern können. Dabei versuchen die Hersteller solcher Systeme möglichst viele Dienste bzw. übergeordnete Protokolle zu unterstützen, damit eine universelle Verwendung möglich ist. Auch die weitgehende Unabhängigkeit von den Betriebssystemen der Endgeräte liefert einen Beitrag zur universellen Einsatzbarkeit von Koppelelementen. Natürlich können auch einzelne Endgeräte durch Sicherheits-Koppelelemente abgesichert werden. Jedoch führt die _____________________________________________________________________ .......................................... 158 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.90 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... höhere Leistungsfähigkeit der Geräte häufig zu höheren Kosten. Bei Koppelelementen handelt es sich definitionsgemäß um unvollständige OSISysteme. Daher ist auch die Implementierung von Sicherheitsdiensten auf die Schichten beschränkt, die das Koppelelement aufweist. Auch Mischformen sind im Einsatz. Das setzt voraus, daß SicherheitsEndgeräte und Sicherheits-Koppelelemente aufeinander abgestimmt sind, insbesondere bezüglich der verwendeten Sicherheitsmechanismen und Sicherheitsparameter (z. B. kryptographische Schlüssel). Nutzer-, Steuer- und Managementinformationen Ein Anwender ist hauptsächlich an der Übermittlung von Nutzerinformationen an entfernte Anwender interessiert. Je nach konkretem Referenzmodell (z. B. ISDN) werden aber zwischen den Systemen (Endgeräte, Koppelelemente) zudem Steuer-, Signalisier- und Managementinformationen zwecks Aufbau/Abbau von Verbindungen, Aushandeln von Dienstgüteparametern, Konfiguration und Überwachung des Netzes durch Netzbetreiber, usw. übertragen. Das jeweilige Netz hat dabei die Aufgabe, Benutzerinformationen unverändert und unausgewertet zu übertragen, d. h. Benutzerinformationen müssen nur von den Endgeräten interpretiert werden können. Damit lassen sich diese Informationen unabhängig von der übrigen Netzinfrastruktur sichern, notfalls sogar unter Verwendung proprietärer Sicherheitsfunktionen (geschlossene Benutzergruppe). Steuer-, Signalisier- und Managementinformationen der Transportschichten müssen von Netzelementen des Netzbetreibers ausgewertet, geändert oder erzeugt werden können. Damit entziehen sich diese Informationen einer vom Netzbetreiber unabhängigen Sicherung (z. B. Verschlüsselung) weitgehend. Die Sicherung dieser Informationen erfordert neben entsprechenden Standards die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber. Bedrohungen können sich dadurch ergeben, daß Sicherheitsfunktionen von Produkten falsch eingeschätzt werden. Bei der Auswahl von Kryptogeräten ist genau zu prüfen, welche Informationsanteile gesichert oder gefiltert werden. Ebenso ist im Umkehrschluß zu überprüfen, welche Informationen trotz des Einsatzes von Kryptogeräten ungesichert bleiben und in wieweit dies zu tolerieren ist. Beispiel: Beim ISDN erfolgt die Übertragung der Benutzerinformationen i.d.R. über die B-Kanäle. Aber auch der D-Kanal, welcher primär für die Signalisierung genutzt wird, kann zur Übertragung paketierter Daten verwendet werden. Ist das Ziel die Sicherung aller Benutzerdaten, so reicht im Fall der Übertragung von paketierten Daten über den D-Kanal die Absicherung der B-Kanäle offensichtlich nicht aus. Sicherheit in leitungsvermittelten Netzen Bei leitungsvermittelten Netzen werden durch den Verbindungsaufbau Kanäle definierter Bandbreite eingerichtet, die den Kommunikationspartnern exklusiv zur Verfügung stehen. Nach Einrichten der Verbindung erfolgt die Übertragung der Nutzdaten, anschließend der Verbindungsabbau. Der Netzbetreiber kann Festverbindungen einrichten, bei denen dann der durch den Teilnehmer gewöhnlich durchzuführende Verbindungsauf- und -abbau entfällt. Ein Beispiel für ein leitungsvermitteltes Netz ist ISDN. _____________________________________________________________________ .......................................... 159 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.90 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Durch den Verbindungsaufbau werden Nutzdatenkanäle auf OSI-Schicht 1 zwischen den Kommunikationspartnern eingerichtet, die beim ISDN B-Kanäle heißen. Um die Vertraulichkeit der übertragenen Nutzdaten zu gewährleisten, kann dieser Kanal verschlüsselt werden. Soll darüber hinaus der Signalisierungskanal abgesichert werden, bei N-ISDN also der D-Kanal (Schicht 1-3), so muß bedacht werden, daß als Gegenstellen eines Endgeräts sowohl das Endgerät des Kommunikationspartners als auch Vermittlungsstellen des Netzbetreibers auftreten können. Der D-Kanal wird normalerweise nicht verschlüsselt, da hierzu besondere Anforderungen an den Netzbetreiber zu stellen wären. In diesem Fall sollte man die Überwachung und Filterung des D-Kanals vorsehen (siehe auch M 4.62 Einsatz eines D-Kanal-Filters). Leitungsverschlüssler: Als Sonderfall muß die Verschlüsselung synchroner vollduplex Festverbindungen gesehen werden, da in diesem Fall die Vertraulichkeit - auch des Verkehrsflusses - gewährleistet werden kann. Stehen keine Daten zur Übertragung an, werden Fülldaten verschlüsselt, so daß auf der Leitung immer ein kontinuierliches "Rauschen" zu sehen ist. Der Leitungsverschlüssler stellt eine Alternative zur Verlegung geschützter Leitungen dar. Sicherheit in paketvermittelten Netzen Bei paketvermittelten Netzen ist zwischen verbindungsorientierter und verbindungsloser Paketvermittlung zu unterscheiden. Bei der verbindungsorientierten Paketvermittlung wird während der Verbindungsaufbauphase eine virtuelle Verbindung eingerichtet, wodurch der Datenpfad durch das Paketnetz im Anschluß festgelegt ist. Datenpakete werden nach dem Verbindungsaufbau auf Basis der zugeordneten virtuellen Kanalnummer auf dem selben Pfad durch das Netz geroutet. Sende- und/oder Empfängeradressen sind hierzu nicht mehr erforderlich. Ein Beispiel hierfür ist das X.25-Netz. Bei verbindungsloser Paketvermittlung gibt es keine Verbindungsauf und -abbauphasen. Datenpakete werden - u. a. ausgestattet mit Quell- und Zieladresse - einzeln vermittelt. Dies ist typisch für LAN-Datenverkehr. Die Wahl der Schicht, in der die Sicherheitsmechanismen wirken, bestimmt, welche Informationsanteile gesichert werden. Je niedriger die gewählte Sicherheitsschicht, desto umfangreicher die Informationssicherung. Beim Durchlauf der Benutzerdaten durch die Instanzen der Schichten 7 bis 1 (Sender) werden den Daten zusätzliche Steuerinformationen hinzufügt. Geht es also nicht nur um die Sicherung von Benutzerdaten, sondern auch um die Sicherung des Verkehrsflusses, so bietet sich die Wahl einer niedrigen OSISchicht an. Andererseits gilt: je niedriger die gewählte OSI-Schicht, desto weniger Koppelelemente (Repeater, Bridge, Switch, Router, Gateway) lassen sich transparent überwinden. Koppelelement Repeater Bridge, Layer-2-Switch Router, Layer-3-Switch, X.25-Packet Handler Gateway höchste Schicht des Koppelelements 1 2 3 7 _____________________________________________________________________ .......................................... 160 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.90 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Sollen Sicherheitsdienste über Koppelelemente hinweg wirken, dann sind sie in einer Schicht zu implementieren, die oberhalb der höchsten (Teil-) Schicht der Koppelelemente liegt. Dadurch wird sichergestellt, daß die Übermittlungseinrichtungen die gesicherten Informationen unverarbeitet/ uninterpretiert weiterleiten können. Beispiele und Folgen fehlerhafter Netzkonfigurationen: Beispiel 1: Sämtliche Endgeräte zweier über Router und öffentliche Kommunikationsnetze gekoppelter LANs sollen zur Gewährleistung der Vertraulichkeit - insbesondere im Bereich öffentlicher Kommunikationsnetze - mit Schicht-2-Verschlüsselungskomponenten ausgestattet werden. Der Router muß zur Weiterleitung der LAN-Datenpakete über das öffentliche Netz die Adressen der Schicht 3 auswerten. Da sämtliche Schicht-3-Daten jedoch durch die Schicht-2-Verschlüsselung verborgen sind, kann die Auswertung der Schicht-3-Adressen nicht erfolgreich durchgeführt werden. Dadurch wird die Datenübertragung verhindert. Zur Abhilfe müssen hier die Verschlüsselungskomponenten für Schicht 3 (obere Teilschicht) oder höher eingesetzt werden. Beispiel 2: Ein Großteil des Schriftverkehrs einer Institution soll zukünftig elektronisch über X.400 (Schicht 7) abgewickelt werden. Zur Sicherung der Datenintegrität plant die Institution den Einsatz von Schicht-4-Kryptokomponenten in den Endgeräten (hier PCs). Zum Zweck der Sicherung werden die Datenpakete beim Sender auf Schicht 4 mit kryptographischen Prüfsummen versehen, welche von der zugehörigen Schicht-4-Kryptokomponente des Empfängers geprüft wird. Nur Datenpakete mit korrekten Prüfsummen sollen zugestellt werden. Falls aber nicht alle MTAs (Message Transfer Agents, also die Vermittler für elektronische Mitteilungen auf Schicht 7) ebenfalls mit interoperablen Kryptokomponenten ausgestattet sind, können die MTAs ohne Kryptokomponente keine gültigen Prüfsummen erzeugen, so daß nachfolgende MTAs oder Endgeräte mit Kryptokomponente die Daten laut Vorgabe verwerfen müssen. Aber selbst wenn sämtliche genutzten MTAs ebenso wie die Endgeräte mit interoperablen Kryptokomponenten und Sicherheitsparametern ausgestattet sind, ist die Datenintegrität nicht sichergestellt. Dann kann die abschnittsweise Sicherung der Daten zwar gewährleistet sein, eine Verfälschung der Daten innerhalb der MTAs ist jedoch unbemerkt möglich. Ferner könnten (je nach Protokoll) einzelne Schicht-4-Datenpakete verloren gehen, was zu Lücken in der Gesamtnachricht führt, deren Unversehrtheit eigentlich gesichert werden sollte. Eine Abhilfe ist hier die Integritätssicherung der Daten auf Schicht 7. Wie die Beispiele zeigen, ist genau zu untersuchen, welche Netztopologie vorliegt und welche Netzbereiche wie gesichert werden müssen, damit eine angepaßte Lösung mit den gewünschten (Sicherheits-)Merkmalen gefunden werden kann. Abschnittsweise Sicherheit <-> Ende-zu-Ende-Sicherheit Benutzer von Kommunikationssystemen erwarten häufig, daß Sicherheitsdienste durchgängig erbracht werden (Ende-zu-Ende-Sicherheit), also von der Eingabe der Information (Daten, Sprache, Bilder, Text) am Endgerät A bis zur Ausgabe der Information an einem entfernten Endgerät B. Ist kein durchgehender Sicherheitsdienst gewährleistet, so existieren - abgesehen von den _____________________________________________________________________ .......................................... 161 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.90 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... beteiligten Endgeräten - weitere Systeme, auf denen die Informationen ungesichert vorliegen. Existiert beispielsweise keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zur Sicherung der Vertraulichkeit einer Kommunikationsbeziehung zwischen zwei Teilnehmern, so liegen die Daten in mindestens einem weiteren Netzelement unverschlüsselt vor. Solche Netzelemente müssen lokalisiert und durch zusätzliche Maßnahmen abgesichert werden. Personal, welches Zugriff auf insbesondere solche ungesicherten Netzelemente hat (z. B. Administrator), muß entsprechend vertrauenswürdig sein. Sicherheitsdienste werden in diesem Fall nicht durchgängig, sondern abschnittsweise erbracht. Auf die angemessene Sicherung aller relevanten Abschnitte ist zu achten. Mehrfache Sicherung auf verschiedenen OSI-Schichten Gegen eine Mehrfachsicherung der zu übertragenden Informationen auf verschiedenen OSI-Schichten ist nichts einzuwenden, wenn gewisse Regeln befolgt werden, die bei standardkonformen Produkten jedoch implizit gewährleistet sind. Insbesondere bei der Verschlüsselung sind die aus der Schule bekannten Klammerregeln anzuwenden. So entspricht das Verschlüsseln dem Öffnen einer Klammer, das Entschlüsseln dem Schließen einer Klammer. Innerhalb der Klammer können nun wiederum weitere Sicherheitsmechanismen zur Anwendung kommen. Nachteilig kann sich die Mehrfachsicherung dadurch auswirken, daß der Datendurchsatz aufgrund zusätzlicher Operationen reduziert wird oder daß sich die übertragbare Nutzdatenmenge dadurch vermindert, daß zusätzliche Daten zur Erhöhung der Redundanz (z. B. kryptographische Prüfsummen) übertragen werden müssen. Auch durch Daten, die vor der Übermittlung über Kryptosysteme gesichert werden, z. B. digital signierte Dokumente, ergibt sich implizit eine Mehrfachsicherung. Dadurch erhöht sich die Sicherheit der Datenübertragung hinsichtlich der verwendeten Sicherheitsdienste. Oft läßt sich die Sicherheit des Gesamtsystems erst durch die Kombination mehrerer Sicherheitsprotokolle oder Sicherheitsprodukte erreichen. Sind beispielsweise anwendungsnahe Sicherheitslösungen verfügbar, deren vertrauenswürdige Implementierung jedoch nicht (von unabhängiger Seite) überprüft wurde (z. B. Evaluierung nach ITSEC, CC) und existieren gleichzeitig vertrauenswürdige transportorientierte Sicherheitsprodukte zur Absicherung unsicherer Netzabschnitte zwischen entfernten Liegenschaften, so kann durch die Kombination der Maßnahmen u. U. eine den Anforderungen genügende Gesamt-Sicherheitslösung geschaffen werden. Nachteilig wirken sich dabei meist der erhöhte Administrationsaufwand und/oder erhöhte Anschaffungskosten aus. _____________________________________________________________________ .......................................... 162 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.91 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.91 Sichere Installation eines Systemmanagementsystems Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die Installation eines Systemmanagementsystems erfordert eine umfangreiche und sorgfältige Planung. Nach erfolgter Systemanalyse (siehe M 2.168), Festlegung der Managementstrategie (siehe M 2.169) und Auswahl eines geeigneten Managementsystems (siehe M 2.171) muß die Installation des Produktes detailliert geplant und entsprechend umgesetzt werden. In Abhängigkeit von der dem Management-Produkt zugrundeliegenden Architektur ist für das lokale Netz die konkrete Managementsystemkonfiguration zu erstellen, die insbesondere der formulierten Managementstrategie Rechnung trägt. Zur Installation der meisten Managementsysteme muß auf den beteiligten Rechnern Managementsoftware installiert werden, die die Kommunikation zwischen Managementkonsole oder -servern und dem lokalen Rechner übernimmt. Oft müssen auf den zentralen Rechnern (Server oder Gateways) auch Datenbanksysteme installiert werden, in denen die Managementinformationen von der Managementsoftware persistent abgelegt werden. Je nach Produkt ist hier auch die Einbindung eines schon vorhandenen Datenbanksystems möglich. Generell stellt die zusätzlich zu installierende Software Anforderungen an die lokalen Ressourcen des Rechners. Daher ist bei der Planung zu beachten, welche Systemressourcen lokal vorhanden sind. Unter Umständen müssen einzelne Systeme aufgerüstet werden. Diese Kosten sollten bei der Auswahl des Management-Produktes berücksichtigt werden. Neben diesen Kriterien, die im wesentlichen den geregelten technischen Ablauf des Systems garantieren sollen, ist aus Sicherheitsgesichtspunkten die dem Managementsystem zugehörige Software und die entsprechenden Daten in die Schutzbedarfsfeststellung gemäß IT-Grundschutzhandbuch (siehe Kapitel 2) aufzunehmen und der Schutzbedarf als "hoch" bis "sehr hoch" einzustufen. Die Kompromittierung des Managementsystems kann nicht nur den Ausfall des gesamten Netzes nach sich ziehen; durch unbemerkte Veränderungen am System kann vielmehr beträchtlicher Schaden entstehen, der sehr schnell existenzbedrohende Formen annehmen kann. Insbesondere ist bei der Installation auf folgende Punkte zu achten: - Alle Rechner, auf denen Managementinformationen gelagert werden, sind besonders zu sichern: - Es sind die Maßnahmen gemäß IT-Grundschutzhandbuch Kapitel 5 und 6, je nach vorliegendem System, durchzuführen. - Insbesondere sind die Betriebssystemmechanismen so zu konfigurieren, daß auf die lokal gespeicherten Managementinformationen nicht unberechtigt zugegriffen werden kann. - Der Zugang zur Managementsoftware ist nur den berechtigten Administratoren und Revisoren zu gestatten. _____________________________________________________________________ .......................................... 163 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.91 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Der Zutritt zu den Rechnern sollte beschränkt werden. - Die Kommunikation zwischen den Managementkomponenten sollte verschlüsselt erfolgen – sofern dies vom Produkt unterstützt wird – um zu verhindern, daß Managementinformationen mitgehört und gesammelt werden können. Unterstützt das Produkt keine Verschlüsselung, so sind gesonderte Maßnahmen zu ergreifen, um die Kommunikation abzusichern (siehe M 5.68 Einsatz von Verschlüsselungsverfahren zur Netzkommunikation). _____________________________________________________________________ .......................................... 164 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.92 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.92 Sicherer Betrieb eines Systemmanagementsystems Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Für den sicheren Betrieb eines Systemmanagementsystems, welches auch aus verschiedenen Management-Tools (siehe M 2.171 Geeignete Auswahl eines Systemmanagement-Produktes) bestehen kann, ist die sichere Konfiguration aller beteiligten Komponenten zu prüfen und sicherzustellen (siehe auch M 4.91 Sichere Installation eines Systemmanagementsystems). Hierzu ist es nötig, die jeweiligen Betriebssysteme der Komponenten, die durch das Systemmanagementsystem verwaltet werden und damit Teile des Systems in Form von Software und/oder Daten installiert haben, entsprechend zu sichern. Zur Absicherung gehört dabei auch die sichere Aufstellung der Rechner, die zentrale Aufgaben für das Managementsystem erfüllen (Managementserver, Rechner mit Managementdatenbanken). Daneben muß für die sichere Datenübertragung Sorge getragen werden (siehe M 5.68 Einsatz von Verschlüsselungsverfahren zur Netzkommunikation). Auf die folgenden Punkte ist insbesondere während des laufenden Betriebs eines Managementsystems zu achten: - Im Rahmen der Fortschreibung der Systemdokumentation müssen die durch das Managementsystem neu hinzugekommenen Hard- und Softwarekomponenten dokumentiert werden. - Auch Änderungen am Managementsystem selbst müssen dokumentiert und/oder protokolliert werden. - Die Fortschreibung gilt in gleicher Weise für das Notfallhandbuch. Insbesondere sind einerseits die Anlauf- und Recovery-Pläne zu modifizieren, da viele Standardfunktionen der verwalteten Betriebssysteme nach Einführung eines Managementsystems nun nur noch mit Hilfe der Funktionen des Managementsystems erfolgen können. Andererseits muß das Notfallhandbuch aber auch Anweisungen dafür enthalten, wie das System ohne Managementsystem (etwa bei Totalausfall zentraler Komponenten) innerhalb kurzer Zeit in hinreichendem Maße (Notbetriebsregelung) verfügbar gemacht werden kann (siehe auch Kapitel 3.3 Notfallvorsorge-Konzept). - Ein Zugriff auf die Komponenten oder Daten des Managementsystems erfolgt in der Regel ausschließlich durch das Managementsystem selbst oder berechtigte andere Systemmechanismen (z. B. Datensicherungssystem). Daher ist der Zugriff für normale Benutzer zu unterbinden. Dies gilt im Normalfall auch für die Rolle des lokalen Administrators eines einzelnen Rechners. Muß in Ausnahmefällen tatsächlich direkt auf einem Rechner auf die lokalen Komponenten des Managementsystems zugegriffen werden (z. B. bei Crashrecovery oder Neuinstallation von Komponenten, sofern das Managementsystem dies nicht im Rahmen des Managements unterstützt), so sollte diese Berechtigung explizit und nur für die Durchführung dieser Aufgabe erteilt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 165 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.92 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Im Rahmen der Sicherheitspolitik müssen die Befugnisse festlegt sein. Auch für den Bereich Management ergibt sich eine Rollentrennung Administrator und Revisor – je nach Produkt auch zwischen Administratoren mit unterschiedlichen Rechten (z. B. Arbeitsgruppenadministrator, Bereichsadministrator). Es empfiehlt sich, bestimmte Rollen zu definieren und gemäß diesen verschiedenen Rollen Benutzer mit entsprechenden Berechtigungen einzurichten. Dadurch werden dem Zugreifenden lediglich die Rechte auf Komponenten oder Daten des Managementsystems erlaubt, die für seine momentane Aufgabe nötig sind. Je nach Managementsystem geschieht die Einrichtung der Benutzer im Managementsystem oder in der Benutzerverwaltung der Rechner. Da die existierenden Systeme nicht direkt die Definition unterschiedlicher Rollen (etwa Administrator und Revisor) vorsehen, müssen die Rollen bestmöglich durch das Einrichten unterschiedlicher Benutzerkonten (z. B. "Administrator", "Revisor", "RechnerAdmin", "Datenschutzbeauftragter") mit entsprechenden Berechtigungen nachgebildet werden. Je nach System ist diese Nachbildung der Rollen nur unvollständig und mit einigem Aufwand möglich, da u. U. für jede Systemkomponente (Dateien, Programme) die Berechtigungen für die einzelnen Rollen explizit vergeben und gewartet werden müssen. - Der Zugang zur Managementsoftware ist durch sichere Paßwörter zu schützen. Die Paßwörter sollten gemäß Sicherheitspolitik regelmäßig geändert werden. - Funktionen der Managementsoftware, die gemäß Managementstrategie nicht zum Einsatz kommen sollen, sind - wenn möglich - zu sperren. - Die Protokollierungsdateien sind in regelmäßigen Abständen auf Anomalien (z. B. Ausführung von Funktionen, die nicht zum Einsatz kommen sollen) zu untersuchen. Hier empfiehlt sich der Einsatz von ProtokollAnalysatoren, die entweder in das Managementprodukt integriert oder auch als Zusatzsoftware erhältlich sein können und die (meist) regelgesteuert im Bedarfsfall Alarmmeldungen (z. B. Mail, Pager) erzeugen können. - Das Managementsystem ist in Abständen Integritätstests zu unterziehen, so daß unberechtigte Änderungen so früh wie möglich entdeckt werden können. Dies gilt insbesondere für sämtliche Konfigurationsdaten des Managementsystems. - Wird über das Systemmanagementsystem auch Software verteilt, so sind auch die zu verteilenden Programmdaten regelmäßig auf Veränderungen zu überprüfen, um das Verteilen modifizierter Software über das gesamte Netz zu verhindern. - Das Managementsystem sollte auf sein Verhalten bei einem Systemabsturz getestet werden. Je nach Management- und Sicherheitspolitik muß ein automatischer Neustart des Managementsystems oder lokaler Teilkomponenten des Systems sichergestellt werden. Damit wird verhindert, daß Rechner, die dem Managementsystem angeschlossen sind, längere Zeit nicht für das Management zugreifbar sind (siehe auch M 6.57 Erstellen eines Notfallplanes für den Ausfall des Managementsystems). - Beim Systemabsturz dürfen die Managementdatenbanken nicht zerstört werden oder in einen inkonsistenten Zustand gelangen, damit vermieden _____________________________________________________________________ .......................................... 166 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.92 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... wird, daß ein möglicher Angreifer provozierte Inkonsistenzen zum Angriff nutzen kann. Dazu muß das Managementsystem entweder auf ein Datenbanksystem zurückgreifen, das entsprechende Recovery-Mechanismen unterstützt, oder diese Mechanismen selbst implementieren (siehe M 2.170 Anforderungen an ein Systemmanagementsystem). Werden diese Mechanismen von dem gewählten System nicht zur Verfügung gestellt (z. B. beim Einsatz von mehreren Management-Tools), sollten die Rechner, die Managementinformationen speichern, maximal möglich (auch physikalisch) gesichert werden (siehe Kapitel 4 bis 6). - Das Managementsystem sollte einen geeigneten Backupmechanismus zur Sicherung der Managementdaten enthalten oder mit einem Backupsystem zusammenarbeiten. Beim Einspielen alter Datenbestände aus einer Datensicherung ist darauf zu achten, daß diese in der Regel manuell nachbearbeitet werden müssen, um der aktuellen Systemkonfiguration zu entsprechen. - Auch mittels Backupverfahren gesicherte Managementdatenbestände sind so zu lagern, daß kein unberechtigter Dritter Zugriff darauf erlangen kann. In der Regel sind die Daten nicht in sicherer Form auf dem Backupdatenträger gespeichert, so daß sie von jedem, der über das Backupprogramm und ein entsprechendes Laufwerk verfügt, eingesehen werden können. - Die Aufteilung in Managementdomänen und deren Zuständigkeiten sollte in regelmäßigen Abständen auf Gültigkeit hin untersucht werden. Dies gilt insbesondere für den Fall innerbetrieblicher Umstrukturierungen. _____________________________________________________________________ .......................................... 167 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.93 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.93 Regelmäßige Integritätsprüfung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Eine regelmäßige Kontrolle des Dateisystems auf unerwartete Veränderungen hilft dabei, Inkonsistenzen zu erkennen. Dadurch können auch Angriffe zeitnah entdeckt werden. Sollte tatsächlich ein Angriff vorliegen, ist es wichtig, das Vorgehen des Angreifers zu rekonstruieren. Dies dient einerseits dazu, sicherzustellen, daß die Benutzer nicht auf verfälschte Daten zurückgreifen, andererseits dazu, verborgene Hintertüren zu erkennen, die ein Angreifer für einen späteren Zugriff auf den Rechner installiert haben könnte. Dazu können Programme genutzt werden, die kryptographische Prüfsummen über einen Großteil der Dateien des Dateisystems berechnen. Unter Unix bieten z. B. das Programm tripwire, welches auch in kostenlosen Versionen verfügbar ist, oder das im Auftrag des BSI entwickelte Tool zur sicheren Unix-Administration (USEIT) diese Funktionalität. Vergleichbare Programme sind auch für das Betriebssystem Windows NT verfügbar. Dabei sollte es auch möglich sein, neben dem Dateisystem die Schlüssel der Registrierung einer Integritätsprüfung zu unterziehen. tripwire und USEIT können jede Veränderung am Dateisystem feststellen, da die Prüfsummen bei einer Veränderung nicht mehr übereinstimmen. Dabei testen sie nicht nur, ob die Datei modifiziert wurde, auch eine Veränderung der Zugriffsrechte oder ein Löschen mit anschließendem Zurückspielen wird festgestellt. Mit einer speziellen Einstellung kann in den meisten Fällen auch ein nur lesender Zugriff auf die Datei bemerkt werden. Um zu verhindern, daß das Programm oder die Prüfsummendatei von einem Angreifer verfälscht werden können, sollten sich diese auf einem Datenträger befinden, der wahlweise nur einen lesenden Zugriff gestattet. Allerdings muß die Prüfsummendatei bei Veränderungen am Dateisystem ebenfalls geändert werden, so daß sich bei kleinen Dateisystemen Disketten, bei größeren Wechselplatten empfehlen. Eine Integritätsprüfung sollte regelmäßig, beispielsweise jede Nacht, durchgeführt werden. Eine Benachrichtigung über das Ergebnis sollte, auch wenn keine Veränderungen festgestellt wurden, automatisch per E-Mail an den Administrator erfolgen. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Integritätschecker werden eingesetzt? - Wie häufig werden die Ergebnisse der Integritätschecker geprüft? - Wie sind die Prüfsummendatei Manipulationen gesichert? und das Programm selbst vor _____________________________________________________________________ .......................................... 168 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.94 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.94 Schutz der WWW-Dateien Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die Dateien und Verzeichnisse auf einem WWW-Server müssen gegen unbefugte Veränderungen, aber auch - je nach Sicherheitsanforderungen - gegen unbefugten Zugriff geschützt werden. Generelle Aspekte Falls Skripte über cgi-bin eingebunden werden, muß auf eine sichere Programmierung geachtet werden, um zu verhindern, daß diese Skripte zur Umgehung der Schutzmechanismen des Servers genutzt werden können. Eine Möglichkeit, unbefugten Zugang zu erschweren, ist es, die Skripte unter einer Benutzer-ID auszuführen, die nur Zugang zu ausgewählten Dateien hat. Insbesondere ist es wichtig, die Konfigurationsdateien zu schützen, da sonst alle Zugangsrestriktionen leicht ausgeschaltet werden können. Die Schreib- und Leserechte der WWW-Dateien sollten als lokale Dateien nur berechtigten Benutzern Zugang erlauben. Schutz vor unbefugten Veränderungen Auf einem typischen WWW-Server ändern sich nur die Protokolldateien ständig, alle anderen Dateien sind statisch. Dies trifft insbesondere auf Systemprogramme und die WWW-Seiten zu. WWW-Seiten werden zwar regelmäßig aktualisiert, sollten aber nicht auf dem WWW-Server selber bearbeitet werden. Um sicherzustellen, daß keine Dateien auf dem WWW-Server unbemerkt abgeändert werden können, sollten über alle statischen Dateien und Verzeichnisse Prüfsummen gebildet (z. B. mit einem Programm wie tripwire, siehe auch M 4.93 Regelmäßige Integritätsprüfung) und regelmäßig überprüft werden. Um zu verhindern, daß WWW-Dateien überhaupt von Unbefugten geändert werden können, können statische Daten auf einem schreibgeschützten Speichermedium (z. B. CD-ROM oder Festplatte mit Schreibschutz) gespeichert werden. Schutz vor unbefugtem Zugriff Der Zugriff auf Dateien oder Verzeichnisse eines WWW-Servers kann auf verschiedene Arten geschützt werden: - Der Zugriff kann auf frei wählbare IP-Adressen, Teilnetze oder Domänen beschränkt werden. - Es können benutzerspezifische Kennungen und Paßwörter vergeben werden. - Die Dateien können verschlüsselt abgelegt werden und die zugehörigen kryptographischen Schlüssel werden nur dem Zielpublikum bekanntgegeben. _____________________________________________________________________ .......................................... 169 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.94 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Authentisierung über Adressen Die Authentisierung über numerische IP-Adressen bietet nicht den Schutz kryptographischer Verfahren, da sie über einen auf IP-Spoofing basierenden Angriff unwirksam gemacht werden kann. Bei IP-Spoofing fälscht ein Angreifer IP-Pakete, um vorzugeben, von einem vertrauenswürdigen ITSystem zu kommen (siehe G 5.48 IP-Spoofing). Über eine Firewall kann jedoch verhindert werden, daß Externe vortäuschen können, Interne zu sein. Wird der Zugriff nicht auf numerische IP-Adressen oder Teilnetze sondern auf bestimmte Rechnernamen oder Domainnamen beschränkt, ist außerdem die Gefährdung durch DNS-Spoofing zu betrachten. Wenn der WWW-Browser über einen Proxy-Server auf den WWW-Server zugreift, ist zu bedenken, daß der WWW-Server nur die IP-Adresse des Proxy erfährt. Ein Proxy kann aber nur dann als vertrauenswürdig angesehen werden, wenn alle IT-Systeme und Benutzer, die hinter ihm verborgen sind, ebenfalls vertrauenswürdig sind. Wenn der Zugriff auf WWW-Dateien auf vorgegebene IP-Adressen, Teilnetze oder Domänen beschränkt wird, kann es daher sinnvoll sein, diese zusätzlich mit einem Paßwort zu schützen. Paßwortschutz Um WWW-Dateien per Paßwort zu schützen, muß zuerst eine Paßwortdatei angelegt werden, in der die autorisierten Benutzer und ihre Paßwörter eingetragen werden. Diese Datei darf auf keinen Fall in Bereichen des WWWServers liegen, auf die ein Zugriff von außen möglich sein könnte. Die Datei muß aber für den Webserver lesbar sein. Es empfiehlt sich, ein Verzeichnis speziell für diese Paßwortdateien anzulegen. Auf die dort gespeicherten Dateien darf nur der Besitzer der Datei und der WWW-Server Zugriff haben. Ein Problem beim Schutz von WWW-Dateien über Paßwörter ist, daß die zugelassenen Benutzer sorgfältig mit den Paßwörtern umgehen müssen, sie also z. B. nicht weitergeben, sicher verwahren, regelmäßig wechseln und gut auswählen (siehe M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs). Ein anderes Problem ist, ob und wie Paßwörter gegen Abhören bei der Übertragung geschützt werden können. Paßwörter dürfen auf keinen Fall innerhalb einer URL übertragen werden. Es empfiehlt sich, wenn möglich, zusätzlich die Authentisierung über Adressen zu benutzen. Verschlüsselung Eine weitere Möglichkeit ist es, Dateien verschlüsselt auf einem WWWServer abzulegen, so daß nur diejenigen die Dateien lesen können, die im Besitz des richtigen kryptographischen Schlüssels sind. Dieses Vorgehen verlangt allerdings ein entsprechendes, unter Umständen aufwendiges, Schlüsselmanagement. Um ein Mitlesen der Dateien und Paßwörter während der Übertragung zu unterbinden, können Verfahren wie SSL oder S-HTTP eingesetzt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 170 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.95 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.95 Minimales Betriebssystem Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Rechner in einem sicherheitskritischen Umfeld sollten so konzipiert sein, daß sie möglichst wenig Angriffspunkte bieten. Da heutige Betriebssysteme standardmäßig viele Netzdienste bereitstellen, reicht für den Betrieb eines sicheren Servers ein gut konzipierter Serverdienst (z. B. ein SSL-basierter Webserver) nicht aus. Vielmehr muß auch das Betriebssystem abgesichert werden, da ansonsten über eine Schwachstelle im Betriebssystem die Sicherheitsfunktionen des Serverdienstes umgangen werden könnten. Ein sogenanntes minimales Betriebssystem zeichnet sich dadurch aus, daß es im Idealfall keinen einzigen Netzdienst zur Verfügung stellt. Ein potentieller Angreifer kann also eine Schwachstelle in einem Netzdienst dieses Betriebssystems nicht ausnutzen. Und sollte ein Angreifer doch durch eine Schwachstelle Zugriff auf den Rechner bekommen haben, so wird er durch das Minimalsystem weiter behindert. Je weniger Programme ein Angreifer auf einem Zielrechner vorfindet, desto schwieriger wird es für ihn, weitere Schwachstellen in dem Zielrechner zu finden bzw. auszunutzen. Außerdem erleichtert dies die Pflege eines Servers sehr stark, da die Patches bzw. Service Packs für Diensteprogramme nicht mehr eingespielt werden müssen, wenn diese nicht vorhanden sind. Im folgenden wird die Konfiguration eines Betriebssystems anhand eines Internetservers beschrieben, da hier im allgemeinen sehr hohe Sicherheitsanforderungen an das Betriebssystem gestellt werden müssen. Ein Internetserver hat meist nur eine einzige Aufgabe: stabil eine bestimmte Anzahl von Diensten (z. B. die Bereitschaft, E-Mail entgegenzunehmen) anderen Rechnern zur Verfügung zu stellen. Das zugrunde liegende Betriebssystem sollte keine weiteren Dienste anbieten. Deshalb sollte bei der Installation eines Internetservers folgendes Vorgehen eingehalten werden: 1. Grundinstallation des Betriebssystems Kann man bei der Installation den Umfang der zu installierenden Pakete beeinflussen, so sollten schon hier nur die notwendigen Pakete eingespielt werden. Die Notwendigkeit bestimmter Pakete ist allerdings nicht immer zu erkennen, so daß zumindest die offensichtlich überflüssigen Pakete nicht eingespielt werden sollten. 2. Abschalten nicht benötigter Programme Beim Start eines Rechners werden eine Vielzahl von Programmen automatisch gestartet. Einige dieser Programme sind für einen Internetserver völlig überflüssig und sollten deaktiviert werden. Die Deaktivierung kann durch das Verhindern des automatischen Starts erfolgen (Startskripte unter Unix, Autostart und Dienstemanager unter Windows NT) und durch zusätzliches Löschen der entsprechenden Programme. Aus Gründen der Sicherheit wird das Löschen empfohlen, da dann ein Angreifer die Dienste nicht wieder reaktivieren kann. Allerdings ist es manchmal sehr schwierig, alle zu einem bestimmten Dienst _____________________________________________________________________ .......................................... 171 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.95 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... gehörigen Dateien zu finden und zu löschen, so daß im Zweifel das Löschen unterbleiben sollte. 3. Konfiguration der Netzparameter Falls dies nicht schon bei der Installation geschehen ist, müssen die Netzparameter des Internetservers eingestellt werden. Relevant für die Sicherheit des Internetservers sind unter anderem die Wahl eines Default Gateways und eines Domain Name Servers. Findet beispielsweise die Kommunikation des Internetservers mit dem Internet über einen Proxy (siehe M 2.73 Auswahl eines geeigneten Firewall-Typs) statt, so ist ein Default Gateway überflüssig. Ohne ein Default Gateway ist eine direkte Antwort vom Internetserver ins Internet nicht möglich, so daß bei Umgehung des Proxies keine Kommunikation, d. h. auch kein Angriff, stattfinden kann. Auch DNS ist für einen Internetserver häufig überflüssig und sollte möglichst vermieden werden, da dies einen direkten Kommunikationskanal zum Betriebssystem ermöglicht (siehe M 4.96). Zusätzlich gibt es noch eine Vielzahl von Parametern, die den sogenannten TCP/IP-Stack direkt beeinflussen, z. B. die maximale Größe von IPPaketen. Diese Parameter sind extrem stark vom jeweiligen Betriebssystem abhängig, so daß hier nur das Abschalten von IP-Forwarding erwähnt werden kann. Weitere Änderungen könnten beispielsweise die Stabilität gegenüber fehlerhaften IP-Paketen oder aber auch den Netzdurchsatz erhöhen. 4. Abschalten nicht benötigter Netzdienste Einige benötigte Diensteprogramme stellen eine Vielzahl weiterer Dienste bereit (insbesondere ist hier der inetd unter Unix gemeint). Die entsprechenden Konfigurationsdateien sind auf die notwendigen Netzdienste einzuschränken (siehe auch M 5.16 Übersicht über Netzdienste). 5. Installation von Sicherheitsprogrammen Das Betriebssystem sollte um zusätzliche Sicherheitsprogramme erweitert werden, falls diese nicht schon Teil des Betriebssystems sind. Insbesondere sinnvoll sind ein Integritätsprüfprogramm (siehe M 4.93 Regelmäßige Integritätsprüfung) und ein Softwarepaketfilter (bei Windows NT schon enthalten). Empfehlenswert sind zusätzlich Programme zur Virensuche und zur Auswertung der Protokolleinträge. Ist eine Fernadministration des Internetservers gewünscht, so muß ein entsprechendes Sicherheitsprodukt installiert werden, z. B. der Secure Shell Daemon (siehe M 5.64), und regelmäßig die Sicherheit des Systems überprüft werden (siehe auch M 4.26 Regelmäßiger Sicherheitscheck des Unix-Systems). 6. Konfiguration und Überprüfung der Netzdienste Idealerweise stellt ein minimales Betriebssystem keinen einzigen Netzdienst zur Verfügung und ist somit von außen nicht angreifbar. Gerade in größeren Netzen ist dieses Vorgehen aufgrund der Administration nicht mehr praktikabel, so daß ein Fernzugang notwendig ist. Ob der Internetserver Dienste bereitstellt, kann sowohl unter Unix als auch Windows NT mit dem Befehl netstat -a überprüft werden. Jeder der _____________________________________________________________________ .......................................... 172 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.95 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... aufgelisteten Dienste sollte in seiner Konfiguration so eingeschränkt werden, daß nur berechtigte Rechner auf ihn zugreifen können (z. B. ist der Fernzugang zum Internetserver auf die Rechner des Netzmanagements einzuschränken). 7. Löschen nicht mehr benötigter Programme Sobald die Installation eines minimalen Betriebssystems abgeschlossen ist, sollten verschiedene Programme gelöscht werden, die einem potentiellen Angreifer hilfreich sein könnten. Insbesondere sind eventuell vorhandene Compiler zu entfernen, da diese einem Angreifer ein wertvolles Hilfsmittel sein könnten. Außerdem sind Compiler auf Internetservern auch deshalb nicht sinnvoll, da diese Rechner Produktionsmaschinen sind und Programmentwicklung und Tests auf anderen Rechnern durchgeführt werden sollten. Ebenfalls denkbar ist das Löschen aller Editoren, was einem Angreifer die Manipulation von Konfigurationsdateien sehr stark erschweren würde. Allerdings ist dann auch die Administration komplizierter. Bei Änderungen an Konfigurationsdateien muß dann jeweils wieder ein Editor installiert werden oder aber, und dies ist empfehlenswert, die Konfigurationsdateien müssen auf einem anderen Rechner editiert und dann überspielt werden. Ein minimales Betriebssystem sollte natürlich kein Selbstzweck sein. Für einen Internetserver muß selbstverständlich noch der eigentliche Serverdienst installiert werden. Ob dies am Ende der obigen Liste geschieht oder beispielsweise zwischen den Punkten 6 und 7 oder auch direkt nach Punkt 1, hängt von der jeweiligen Installation ab. Problematisch wird es, wenn die Installation wegen fehlender Betriebssystempakete fehlschlägt, da man dann die fehlenden Pakete suchen und selber nachinstallieren muß. Besser wäre es, der Hersteller des Serverdienstes gäbe die Betriebssystemabhängigkeiten an, so daß das Minimalsystem von Anfang an darauf ausgerichtet werden könnte. Auch ein mit einem Minimalsystem konfigurierter Rechner ist nicht gänzlich vor Angriffen geschützt. Die wahrscheinlichste Ursache für einen erfolgreichen Angriff ist sicherlich der Serverdienst, aber auch das Minimalsystem selber ist noch angreifbar, insbesondere nämlich der TCP/IPStack, der die Netzpakete zur Applikation weiterleiten muß. Nahezu alle bisher bekannt gewordenen Angriffe gegen den TCP/IP-Stack betrafen allerdings nur die Verfügbarkeit, indem die betroffenen Rechner abstürzten, d. h. ein Eindringen in Rechner ist noch nicht beobachtet worden. Um auch diese Gefahr weiter zu verkleinern, sollte auch M 4.98 Kommunikation durch Paketfilter auf Minimum beschränken umgesetzt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 173 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.96 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.96 Abschaltung von DNS Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Ein Internetserver braucht normalerweise kein DNS (Domain Name System), um Informationen zur Verfügung zu stellen, es sei denn, über ihn wird die EMail versandt, wovon aber abzuraten ist (siehe dazu auch M 4.97 Ein Dienst pro Server). So wird bei den meisten WWW-Servern DNS nur dazu verwendet, in den jeweiligen Protokolldateien Rechnernamen statt IPAdressen einzutragen. Diese Umwandlung von IP-Adressen zu Rechnernamen könnte auch später bei der Analyse der Protokolldateien durchgeführt werden. Zwar ist dann der Umgang mit den Protokolldateien etwas umständlicher, aber die Vertrauenswürdigkeit der Protokolldaten steigt. Die Zuordnung zwischen einer IP-Adresse und einem Rechnernamen ist nämlich weder eindeutig noch statisch. Ein Verzicht auf DNS gibt zusätzlich Schutz vor DNS-Spoofing (siehe M 5.59 Schutz vor DNS-Spoofing) und erhöht häufig die Performanz des Internetservers. Folgendes Szenario zeigt mögliche negative Auswirkungen: Ein Angreifer verfüge über eine eigene Domain mit einem Test-PC. Dieser Test-PC ist gleichzeitig auch DNS-Server für diese Domain. Mit dem Test-PC baut er eine Verbindung zu einem Internetserver auf. Der Internetserver kennt am Anfang der Verbindungsanfrage nur die IP-Adresse des Test-PCs und versucht, sich über DNS den Rechnernamen des Test-PCs zu verschaffen. Zu diesem Zweck muß das Betriebssystem eine Verbindung mit einem DNSServer aufnehmen, der sich wiederum die Daten von dem Test-PC holen muß, da dieser der DNS-Server der Angreifer-Domain ist. Anstatt nun dem DNSServer des Internetservers zu antworten, kann der Angreifer nun auch direkt eine beliebige Antwort zum Internetserver selber schicken (unter Verwendung von IP-Spoofing, siehe G 5.78). Auf diese Weise kann der Angreifer nicht nur Daten zu dem eigentlichen DNS-Server schicken, sondern auch direkt zum Internetserver. Eventuelle Fehler in dessen Betriebssystem könnten so ausgenutzt werden. Hinweis: Soll beispielsweise der Zugriff auf einen WWW-Server nur einer bestimmten Domain erlaubt sein, z. B. nur *.de, so kann allerdings nicht auf DNS verzichtet werden. Jedoch ist ein solcher Zugriffsschutz sehr schwach und daher nicht empfehlenswert. _____________________________________________________________________ .......................................... 174 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.97 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.97 Ein Dienst pro Server Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Viele Schwachstellen in IT-Systemen sind einzeln nicht für einen potentiellen Angreifer ausnutzbar. Häufig wird erst durch die Kombination von Schwachstellen ein erfolgreiches Eindringen in einen Rechner möglich. Eine Empfehlung für den Betrieb von sicheren Servern ist deshalb: Verschiedene Dienste gehören auf verschiedene Rechner! Auf einem Minimalsystem (siehe auch M 4.95 Minimales Betriebssystem) sollte deshalb nur ein einziger Dienst aufgesetzt werden, also beispielsweise entweder ein WWW-Server oder ein E-Mail-Server. Außerdem sind einzelne Dienste auch unterschiedlich in ihrer Sicherheitseinstufung. So ist ein erfolgreiches Eindringen in einen WWW-Server unter Umständen sehr ärgerlich, insbesondere wenn der Angreifer die extern verfügbaren WWWSeiten abändert. Zugriff auf interne Informationen ist dem Angreifer hierdurch aber nicht möglich. Ist der WWW-Server aber gleichzeitig der E-Mail-Server, so kann der Angreifer unter Umständen den gesamten E-Mail-Verkehr mitlesen, was möglicherweise viel schlimmere Auswirkungen hat. Die Aufteilung kann sogar noch verstärkt werden, indem für einen einzelnen Dienst verschiedene Aufgaben auf unterschiedliche Rechner verteilt werden. So könnte es beispielsweise einen E-Mail-Server A geben, der E-Mails aus dem Internet annimmt und in das interne Netz weiterleitet, und einen anderen E-Mail-Server B, der E-Mails aus dem internen Netz an das Internet weiterleitet. Da die Kommunikationsaufnahme aus dem Internet nur mit dem E-Mail-Server A möglich ist, kann ein Angreifer auch nur diesen attackieren. Der E-Mail-Server A darf selber keine E-Mails in das Internet verschicken, deshalb kann dieser Rechner auch nicht für E-Mail-Spamming mißbraucht werden. Eine Aufteilung verschiedener Dienste auf unterschiedliche Rechner hat unter anderem folgende Vorteile: - Leichtere Konfiguration der einzelnen Rechner - Einfachere und sicherere Konfiguration eines vorgeschalteten Paketfilters - Erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber Angriffen - Erhöhte Ausfallsicherheit Eine eventuelle negative Auswirkung wie erhöhte Hardwarekosten für die Anschaffung mehrerer Rechner sollte dadurch ausgeglichen werden können, daß die einzelnen Rechner weniger Leistung erbringen müssen und dadurch in der Summe bei gleicher Performanz nicht teurer als ein besonders leistungsfähiger Rechner sein müssen. Auch muß der Administrationsaufwand nicht zwangsläufig mit der Anzahl der Rechner steigen, da eine einfachere Konfiguration der einzelnen Rechner für Zeitersparnis sorgt. _____________________________________________________________________ .......................................... 175 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.98 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.98 Kommunikation durch Paketfilter auf Minimum beschränken Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Paketfilter sind IT-Systeme mit spezieller Software, die die Informationen der unteren Schichten des OSI-Modells filtern und entsprechend spezieller Regeln Pakete weiterleiten oder abfangen (siehe M 2.74 Geeignete Auswahl eines Paketfilters). Die Konfiguration eines Paketfilters, der zum Schutz von Internetservern eingesetzt wird, sollte sehr restriktiv sein, um die Widerstandsfähigkeit gegen Angriffe zu maximieren. Zwar sollte ein gut konfigurierter Internetserver (siehe M 4.95) sich selbst vor Angriffen schützen können, jedoch ist die Software eines Internetservers viel komplexer und fehleranfälliger als die eines auf Sicherheit konzipierten Paketfilters. Der Paketfilter sollte nur diejenigen Kommunikationskanäle durchlassen, die für die Funktion der Internetserver notwendig sind. Insbesondere ist nicht nur die Kommunikation zu kontrollieren, die vom Internet zum Internetserver initiiert wird, sondern auch die Kommunikation, die der Internetserver zum Internet hin aufbauen darf. Für viele Angriffe ist es eine notwendige Voraussetzung, daß der angegriffene Rechner neue Verbindungen zum Internet hin aufbauen kann. Ist dies nicht möglich, so sind auch viele Angriffe nicht erfolgreich. So war 1997 ein Angriff auf News-Server sehr "beliebt", bei dem sich der Angreifer über einen Fehler in einem News-Daemon per E-Mail wichtige Systeminformationen zuschicken lassen konnte. Hätten die angegriffenen Rechner nicht die Berechtigung zum Verschicken von E-Mails gehabt, so hätte der Angreifer auch keine Rückmeldung bekommen. Der Angriff wäre nicht erfolgreich gewesen. Im folgenden werden einige Beispiele für die Konfiguration von Paketfiltern für verschiedene Internetserver dargestellt. 1. WWW-Server: Internet darf auf Port 80 des WWW-Servers TCP WWW-Server darf ins Internet von Port 80 TCP/ack, sonst nichts! 2. News-Server: Newsfeed-Server dürfen auf Port 119 des News-Servers TCP News-Server darf von Port 119 auf Newsfeed-Server TCP/ack News-Server darf auf Port 119 der Newsfeed-Server TCP Newsfeed-Server dürfen von Port 119 auf den News-Server TCP/ack 3. E-Mail-Server (Provider stellt E-Mail-Gateway zur Verfügung): E-Mail-Server des Providers darf auf Port 25 des E-Mail-Servers TCP E-Mail-Server darf von Port 25 auf E-Mail-Server des Providers TCP/ack E-Mail-Server darf auf Port 25 des E-Mail-Servers des Providers TCP E-Mail-Server des Providers darf von Port 25 auf E-Mail-Server TCP/ack _____________________________________________________________________ .......................................... 176 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.98 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... 4. E-Mail-Server (eigenes Verschicken ins Internet): Internet darf auf Port 25 des E-Mail-Servers TCP E-Mail-Server darf von Port 25 ins Internet TCP/ack E-Mail-Server darf auf Port 25 im Internet TCP Internet darf von Port 25 auf den E-Mail-Server TCP/ack Werden nur diese Regeln implementiert, ist eine Kommunikationsaufnahme aus dem Internet nur auf die freigegebenen Dienste beschränkt. Können zusätzlich die Kommunikationspartner noch weiter eingeschränkt werden (siehe obige Beispiele 2 und 3), so kann ein Angreifer gar keine direkte Verbindung zu dem Internetserver aufbauen. Hinweis: Obige Regeln können bewirken, daß der Internetserver nicht von jedem Rechner aus erreicht werden kann, da ICMP nicht durchgelassen wird. Deshalb empfiehlt es sich, den ICMP Subtype icmp unreachable vom Internet hin zum Internetserver durchzulassen. _____________________________________________________________________ .......................................... 177 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.99 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.99 Schutz gegen nachträgliche Veränderungen von Informationen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Benutzer Dateien, die an Dritte weitergegeben werden, können von diesen im allgemeinen auch weiterbearbeitet werden. Dies ist nicht immer im Sinne des Erstellers. Daher wäre ein Schutz gegen nachträgliche Veränderungen, auszugsweise Weitergabe oder Verarbeitung wünschenswert. Häufig steht man vor dem Problem, daß Informationen über das Internet oder andere Netze Dritten zwar zur Verfügung gestellt, aber nicht hundertfach ausgedruckt oder nahtlos in andere Werke integriert werden sollen. Hierzu gibt es verschiedene Lösungen, die teilweise auch miteinander kombiniert werden können. Beispiele hierfür sind: - Die Verwendung von digitalen Signaturen, um unbemerkte Änderungen an Dateien zu verhindern (siehe auch M 4.34 Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen oder M 3.23 Einführung in kryptographische Grundbegriffe). - Das Hinzufügen von Copyright-Vermerken zu WWW-Informationen oder Dateien. Diese können wie folgt lauten: "Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen des Urheberrechtsgesetzes ohne Zustimmung des Autors ist unzulässig und strafbar." sowie "Copyright (©) 7/1999 by BSI". - Die Verwendung von Dateiformaten, die nachträgliche Änderungen bzw. auszugsweise Weiterverarbeitung erschweren. Hierfür kann z. B. Postscript genutzt werden oder die Sicherheitseigenschaften von Anwendungsprogrammen, z. B. bei PDF-Dateien. PDF-Dokumente können bei der Erstellung mit Zugriffsbeschränkungen versehen werden. So kann z. B. das Öffnen, Drucken oder Kopieren von PDF-Dateien eingeschränkt werden. Mit Acrobat Exchange, also der Anwendung, mit der PDF-Dateien erstellt und nachbearbeitet werden können, ist die Vergabe von zwei Arten von Paßwörtern möglich. Die einen werden zum Öffnen des Dokuments, die anderen zum Ändern der Sicherheitsattribute benötigt. Gegen unbefugtes Öffnen geschützte PDF-Dokumente werden dabei mit RC4 verschlüsselt. Über die Sicherheitsattribute können folgende Funktionen eingeschränkt werden: - Drucken - Ändern des Dokuments - Text oder Graphik auswählen - Notizen und Formularfelder hinzufügen oder ändern So können sehr einfach die Rechte beschränkt werden, so daß niemand mit Cut and Paste die Inhalte einer Veröffentlichung übernehmen kann. Wenn _____________________________________________________________________ .......................................... 178 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.99 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... im Extremfall sogar das Ausdrucken verhindert wird, kann die Datei nur online gelesen werden. Leider bietet dies nur einen rudimentären Schutz, da PDF-Dateien nämlich auch mit Programmen geöffnet werden können, die diese Sicherheitsattribute ignorieren. Solange z. B. Drucken erlaubt wird, kann das Dokument sogar jederzeit wieder in eine PDF-Datei ohne jegliche Einschränkungen verwandelt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 179 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.100 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.100 Firewalls und aktive Inhalte Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Eines der größten Probleme bei der Konzeption einer Firewall ist die Behandlung der Probleme, die durch die Übertragung aktiver Inhalte zu den Rechnern im zu schützenden Netz entstehen. Hierunter fällt nicht nur die Erkennung und Beseitigung von Computer-Viren, die verhältnismäßig einfach auch auf den Rechnern der Anwender durchgeführt werden kann, sondern auch das weit schwieriger zu lösende Problem der Erkennung von ActiveXControls, Java-Applets oder Scripting-Programmen mit einer Schadfunktion. Hierfür existieren zur Zeit noch keine brauchbaren Programme, die eine ähnlich wirksame Erkennung von Schadfunktionen ermöglichen, wie sie im Bereich der Computer-Viren möglich ist. Die Größe der Gefährdung, die von aktiven Inhalten für die Rechner im zu schützenden Netz ausgeht, läßt sich anhand des folgenden Beispiels darstellen. Ein Java-Applet bzw. der Browser darf gemäß der Java-Spezifikationen eine Netzverbindung zu dem Server aufbauen, von dem es geladen worden ist. Diese zur Zeit noch recht wenig benutzte Möglichkeit ist eine zentrale Voraussetzung, wenn Netz-Computer (NC) oder ähnliches eingesetzt werden sollen, die auch ohne spezielle Initiierung durch den Anwender Programme vom Server laden müssen. Um diese Eigenschaft trotz der Verwendung eines Paket-Filters vollständig unterstützen zu können, müssen sehr viel mehr Portnummern freigeschaltet werden oder es muß ein dynamischer Paket-Filter eingesetzt werden. Ist das der Fall, können Java-Applets verwendet werden, um kaum zu kontrollierende IP-Verbindungen aufbauen zu können. Es gibt generell zwei Ansätze, wie der Problematik ”aktive Inhalte mit Schadfunktion” begegnet werden kann. Zum einen kann die Kontrolle und damit auch die Verantwortung für die Ausführung auf die Benutzer verlagert werden, die in ihren Browsern die Möglichkeit haben, die aktiven Inhalte abzuschalten und nur bei einzelnen ”vertrauenswürdigen” Angeboten wieder einzuschalten. Das Hauptproblem bei dieser Lösung ist, wie festgestellt werden kann, welche Anbieter vertrauenswürdig sind und welche nicht. Die zweite Möglichkeit, aktive Inhalte zu kontrollieren, besteht im Einsatz eines entsprechenden Filters in Verbindung mit einer Firewall. Proxy-Prozesse sind aufgrund ihres Aufbaus prinzipiell sehr gut dazu geeignet, die übertragenen Nutzdaten zu analysieren. Die entsprechenden Programme werden über spezielle Tags (Tag = Kennzeichen für Strukturen innerhalb einer HTML-Seite) innerhalb einer HTML-Seite aufgerufen. Denkbar ist also die Lösung, alle Zeilen mit entsprechenden Tags aus einer HTML-Seite zu löschen oder sie durch Ausgabezeilen zu ersetzen, die dem Anwender einen Hinweis geben, daß das gewünschte Java-Applet von der Firewall abgeblockt worden ist. Das Problem bei dieser Vorgehensweise besteht darin, daß es nicht auf einfache Weise möglich ist, alle HTML-Seiten und in diesen wiederum alle zu löschenden Tags zu erkennen. So können, und dies wird heute schon vielfach gemacht, HTML-Seiten als Inhalt einer E-Mail übertragen werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 180 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.100 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Intelligente E-Mailprogramme erkennen dies und starten automatisch einen Browser, der diese HTML-Seite anzeigen kann und der dann natürlich auch das Java-Applet bzw. ActiveX-Control ausführt. Auch die Erkennung eines speziellen Tags innerhalb einer HTML-Seite ist aufgrund der komplexen Möglichkeiten der aktuellen HTML-Version nicht einfach. Leider werden Java-Applets nicht durchgängig als Datei mit der Endung .class verschickt. Statt dessen können auch komprimierte Dateien eingesetzt werden, die z. B. die Endung .jar (Java-Archive) haben. Das bedeutet, daß ein JavaFilter auch alle von den verwendeten Browsern unterstützten Komprimierungsverfahren kennen und berücksichtigen muß. Eine weitere Alternative, Programme für aktive Inhalte mit Schadfunktion zu erkennen, besteht darin, ähnlich wie bei Programmen zur Abwehr von Computer-Viren eine Datenbank mit Signaturen anzulegen und jedes aus dem Internet geladene Programm mit diesen Signaturen zu vergleichen. Leider steht dieses Verfahren noch ganz am Anfang seiner Entwicklung und es bleibt abzuwarten, ob die entsprechenden Programme ähnlich wirksam werden, wie es die Programme zur Abwehr von Computer-Viren sind. Zusätzliches Schadenspotential resultiert aus der Möglichkeit, JavaScript aus Java heraus auszuführen. Eine abgestufte Filterung von Java und JavaScript sollte deshalb auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 181 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.101 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.101 Firewalls und Verschlüsselung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Da im Internet die Daten über nicht vorhersagbare Wege und Knotenpunkte verschickt werden, sollten die versandten Daten möglichst nur verschlüsselt übertragen werden. Hierbei wäre es sinnvoll, wenn entsprechende Mechanismen schon in den unteren Schichten des Protokolls vorgesehen würden. Zunächst sollte aber unterschieden werden zwischen - Verschlüsselung auf der Firewall bzw. auf Netzkoppelelementen, die zum Aufbau sicherer Teilnetze eingesetzt werden kann, und - Verschlüsselung auf den Endgeräten, bedarfsabhängig eingesetzt wird. die z. B. von Benutzern Verschlüsselung auf der Firewall Um mit externen Kommunikationspartnern Daten über ein offenes Netz auszutauschen und /oder diesen Zugriff auf das eigene Netz zu geben, kann der Aufbau von virtuellen privaten Netzen (VPNs) sinnvoll sein. Dafür sollten alle Verbindungen von und zu diesen Partnern verschlüsselt werden, damit Unbefugte keinen Zugriff darauf nehmen können. Zum Aufbau von verschlüsselten Verbindungen können eine Vielzahl von Hard- und Softwarelösungen eingesetzt werden. Sollen hierbei nur wenige Liegenschaften miteinander verbunden werden, sind insbesondere Hardwarelösungen basierend auf symmetrischen kryptographischen Verfahren eine einfache und sichere Lösung. Mögliches Schlüsselgerät Application-Gateway Paketfilter Paketfilter Internes Netz Externes Netz Server für externe Zugriffe Abb.: Einbindung eines Kryptomoduls in eine Firewall Die Ver- bzw. Entschlüsselung kann auf verschiedenen Geräten erfolgen. So könnte ein Hardwarelösung im Paketfilter als Schlüsselgerät arbeiten. Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn keine unverschlüsselte Kommunikation über dies Gerät gehen soll. _____________________________________________________________________ .......................................... 182 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.101 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Integration der Verschlüsselung auf dem Application Gateway hat dagegen den Vorteil einer leichteren Benutzerverwaltung. Zudem kann ein Angreifer, der einen externen Informationsserver unter seine Kontrolle gebracht hat, die verschlüsselte Kommunikation nicht belauschen. Verschlüsselung auf den Endgeräten Zum Schutz der Vertraulichkeit bestimmter Daten, insbesondere bei der Versendung von E-Mails, bietet sich auch der Gebrauch von Mechanismen an, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ermöglichen. Hierfür wird zum Beispiel das frei verfügbare Programmpaket PGP (Pretty Good Privacy) sehr häufig eingesetzt (siehe M 5.63 Einsatz von PGP). Für eine vertrauenswürdige Datenübertragung mit ausgewählten Partnern im Internet sollten geänderte telnet und ftp Programme eingesetzt werden, die eine Verschlüsselung der übertragenen Daten unterstützen. Die Verschlüsselung auf den Endsystemen wird auf absehbare Zeit noch applikationsgebunden sein, z. B. durch den Einsatz von SSL oder PGP. Die Verschlüsselung von Daten stellt andererseits aber auch ein großes Problem für den wirksamen Einsatz von Firewalls dar, d. h. den Filtern. Wenn die Übertragung verschlüsselter Daten über die Firewall zugelassen wird (z. B. SSL), sind Filter auf der Anwendungsschicht nicht mehr in der Lage, die Nutzdaten z. B. in Hinblick auf Viren oder andere Schadprogramme zu kontrollieren. Auch die Protokollierungsmöglichkeiten werden durch eine Verschlüsselung stark eingeschränkt. Eine erste ad-hoc-Lösung könnte darin bestehen, von bestimmten internen Rechnern den Aufbau von SSLVerbindungen zu erlauben, u. U. nur zu ausgewählten Zielsystemen. Andererseits sind die Daten selbst dann geschützt, wenn ein Angreifer das Application Gateway unter seine Kontrolle gebracht hat. Eine temporäre Entschlüsselung auf einer Filterkomponente Analysezwecken ist weder praktikabel noch wünschenswert. zu Eine generelle Empfehlung für oder gegen den Einsatz von Verschlüsselung über oder an der Firewall kann nicht gegeben werden, dies hängt von den Anforderungen im Einzelfall ab. Vor- und Nachteile der verschiedenen Realisierungsmöglichkeiten Auf Firewall: Auf den Endgeräten: + Zentrale Datenprüfung + Ende-zu-Ende Sicherheit + Zentrale Schlüsselverteilung + Keine Protokollprobleme + Detailliertes Accounting +/- benutzerabhängig - Zugriff von Firewall auf internes Netz - Keine Kontrollmöglichkeiten auf der Firewall - Keine Ende-zu-EndeSicherheit - Public-Key Infrastrukturen benötigt _____________________________________________________________________ .......................................... 183 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.102 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.102 C2-Sicherheit unter Novell 4.11 Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Zur Bewertung von IT-Produkten bzw. IT-Systemen haben sich als einheitlicher Beurteilungsmaßstab international die US-amerikanischen Kriterien TCSEC (Trusted Computer System Evaluation Criteria) bzw. die europäischen ITSEC (Information Technology Security Evaluation Criteria) und mittlerweile deren Weiterentwicklung CC (The Common Criteria for Information Technology Security Evaluation) durchgesetzt. Novell Netware 4.11 hat im Herbst 1997 eine Zertifizierung gemäß Funktionalitätsklasse C2 der TCSEC durch das National Computer Security Center (NCSC) erhalten, dies entspricht ITSEC Klasse F-C2/E2. Der Einsatz eines zertifizierten Produktes bietet die Gewähr, daß die Sicherheitsfunktionalität dieses Produktes unabhängig geprüft wurde und den im Evaluationslevel spezifizierten Standard nicht unterschreitet (siehe auch M 2.66 Beachtung des Beitrags der Zertifizierung für die Beschaffung). Vielfach anzutreffende Standardfälle sind in den genannten Sicherheitskriterien zu Funktionalitätsklassen zusammengefaßt. Die Anforderungen der Funktionalitätsklassen F-C2 sind im wesentlichen für Betriebssysteme gedacht. Darin sind z. B. folgende Merkmale definiert: - Übernahme der C1 Spezifikationen - Existenz von Mechanismen zur Zugriffsbeschränkung von Benutzern auf bestimmte Dokumente - Identifizierung von Benutzern - Verfeinerung der Zugriffsberechtigungen - Auditing aller sicherheitsrelevanten Ereignisse mit Zeitstempel, Benutzername, Objekt und Meldung über Erfolg bzw. Mißerfolg - Verwaltung der Audit Dateien (Zugriffsschutz, Steuerung des Umfangs, etc.) - Abgrenzung der Ressourcen (Zugriffsschutz) - Abgrenzung von Daten aus verschiedenen Prozessen gegenüber anderen Prozessen selbst nach Freigabe Die Einhaltung dieser Vorgaben wird in speziellen Testverfahren überprüft. Um C2-Sicherheit zu erreichen, reicht es allerdings nicht aus, ein C2-zertifiziertes Produkt zu erwerben. Wesentlich für die tatsächliche Realisierung eines C2-Systems ist die genaue Umsetzung der Vorgaben des Zertifizierungsreports. Die zur Erreichung der C2-Sicherheit bei Netware 4.11 notwendigen Sicherheitsoptionen wurden in der Datei SECURE.NCF zusammengefaßt. In den nachfolgenden Abschnitten wird die Datei SECURE.NCF dargestellt und die einzelnen Optionen näher erläutert. _____________________________________________________________________ .......................................... 184 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.102 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Datei SECURE.NCF und ihre Optionen Damit ein Novell Netware 4.11 Server die erweiterten Sicherheitsmechanismen nutzen kann, sind folgende Punkte zu beachten: - Die Datei SECURE.NCF muß auf dem Server in SYS:SYSTEM gespeichert sein. - Die Datei SECURE.NCF ist eine Ablaufdatei ähnlich einer Batch-Datei unter DOS und sollte daher nur mit einem ASCII-Editor (z. B. EDIT.NLM) bearbeitet werden. - Für den Aufruf der Datei SECURE.NCF muß in der AUTOEXEC.NCF die Zeile "SET ENABLE SECURE.NCF=ON" eingefügt werden. Alternativ hierzu kann auch der Befehl "SECURE" in die AUTOEXEC.NCF eingefügt oder dieser Befehl auf der Server-Konsole abgesetzt werden. Der nachfolgende Auszug aus der Datei SECURE.NCF zeigt nur die darin enthaltenen Befehle. In der Originaldatei ist zu jedem Befehl eine kurze Erläuterung enthalten. SET ALLOW UNENCRYPTED PASSWORDS = OFF SET ALLOW AUDIT PASSWORDS = OFF SET AUTOMATICALLY REPAIR BAD VOLUMES = ON SET REJECT NCP PACKETS WITH BAD LENGTHS = ON SET REJECT NCP PACKETS WITH BAD COMPONENTS = ON SET IPX NETBIOS REPLICATION OPTION = 0 SET ADDITIONAL SECURITY CHECKS = ON # SET CHECK EQUIVALENT TO ME = ON # SET NCP PACKET SIGNATURE = 3 # SECURE CONSOLE ## DISPLAY NCP BAD COMPONENT WARNINGS ## DISPLAY NCP BAD LENGTH WARNINGS Alle Befehlszeilen, die mit einem "#" auskommentiert wurden, sind zusätzliche Sicherheitsparameter und für die Einhaltung der C2 bzw. F-C2/E2 Bestimmungen nicht notwendig. Befehlszeilen, die mit "##" gekennzeichnet sind, gehören nicht zum Standardumfang der Datei SECURE.NCF, stellen aber im alltäglichen Gebrauch eine sinnvolle Bereicherung dar. Die Befehle im Einzelnen Alle Befehle bzw. SET-Anweisungen können auch an der Konsole abgesetzt oder mittels des Programms SERVMAN.NLM bzw. MONITOR.NLM gesetzt werden. Nachfolgend werden alle SET-Parameter der Datei SECURE.NCF beschrieben und die Standardwerte (Default) angegeben. _____________________________________________________________________ .......................................... 185 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.102 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... SET ALLOW UNENCRYPTED PASSWORDS = OFF (Default=OFF) Dieser Parameter dient dazu, die Kompatibilität von Netware 2.x Clients und Print-Servern zu gewährleisten. Ein Setzen des Parameters auf den Wert ON hat zur Folge, daß ein Paßwort, das zur Authentifizierung notwendig ist, unverschlüsselt zum Server übertragen werden kann. Dies begünstigt ein unberechtigtes Eindringen in das betreffende System. Der Standardwert OFF stellt sicher, daß beim Anmeldevorgang jedes Paßwort verschlüsselt werden muß. Unverschlüsselte Paßwörter werden nicht akzeptiert. SET ALLOW AUDIT PASSWORDS = OFF (Default=OFF) Dieser Parameter steht in Verbindung mit den Auditing Mechanismen des Netware-Betriebssystems. Beim Auditing werden gemäß der Vorgaben der Konfigurationen mittels des Programms AUDITCON.NLM Veränderungen (Manipulationen) an Objekten aufgezeichnet. Durch entsprechende Berechtigungen, die z. B. in der allgemeinen Berechtigungsvergabe des Betriebssystems für jeden Auditor individuell eingestellt werden können, ist ein Auditor in der Lage, die Auditing-Datei zu lesen. Die jeweilige Berechtigung schränkt dabei den Leseumfang ein. Der Standardwert OFF bewirkt, daß sich der Auditor nicht durch ein zusätzliches Paßwort identifizieren muß. SET AUTOMATICALLY REPAIR BAD VOLUMES = ON (Default=ON) Mit diesem Parameter wird das Betriebssystem angewiesen, ein Volume, das beim Systemstart nicht gemountet werden kann, durch den Aufruf des Programms VREPAIR.NLM zu reparieren. Dies stellt sicher, daß nach einem unkontrollierten Systemabsturz und dem darauf folgenden Neustart mögliche Fehler auf Volumes (Datenbereichen der Plattenstapel) ohne zusätzlichen Eingriff des Systemadministrators behoben werden. SET REJECT NCP PACKETS WITH BAD LENGTHS = ON (Default=OFF) Dieser Parameter bewirkt in der Einstellung ON, daß NCP Pakete mit inkorrekter Länge abgewiesen werden. Dabei kann es zu Fehlern mit älteren Anwendungen (Utilities) kommen. SET REJECT NCP PACKETS WITH BAD COMPONENTS = ON (Default=OFF) Dieser Parameter bewirkt in der Einstellung ON, daß NCP Pakete mit inkorrekten Komponenten abgewiesen werden. Auch hier kann es zu Fehlern mit älteren Anwendungen (Utilities) kommen. SET IPX NETBIOS REPLICATION OPTION = 0 (Default=2) Dieser Parameter legt die Vorgehensweise des IPX Routers fest, wie mit NetBIOS Broadcast Meldungen umzugehen ist. Für die Werteauswahl stehen zur Verfügung: 0= keine Replizierung von Typ 20 IPX Paketen 1= Replizierung von Typ 20 IPX Paketen an alle verfügbaren Netzadapter 2= Replizierung von Typ 20 IPX Paketen mit zwei speziellen Filterfunktionen _____________________________________________________________________ .......................................... 186 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.102 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... a) Reverse Path Forwarding: Typ 20 IPX Pakete von derselben Quelle werden nur einmal an alle verfügbaren Netzkarten weitergeleitet, selbst wenn die Pakete über unterschiedliche Netzadapter empfangen wurden. b) Split Horizon: Typ 20 IPX Pakete werden nicht in das Netz zurückgeleitet, aus dem sie empfangen wurden. 3= Replizierung wie bei Option 2, aber nicht über Weitverkehrsstrecken SET ADDITIONAL SECURITY CHECKS = ON Dieser Parameter aktiviert zusätzliche Sicherheitsüberprüfungen, die mit früheren NDS Versionen inkompatibel sind. Die zuvor aufgeführten Parameter sind für die Einhaltung der Sicherheitszertifizierung gemäß Klasse C2 und Klasse F-C2/E2 zwingend erforderlich. Die nachfolgenden Parameter können zur Erweiterung der Sicherheitsfunktionen eingesetzt werden. SET CHECK EQUIVALENT TO ME = ON (Default=OFF) Dieser Parameter erzwingt am Server die Überprüfung des NDS Attributes "Equivalent To Me". Wenn der Wert für die erweiterte Sicherheit auf ON gesetzt wird, müssen mit der Anwendung DSREPAIR die Attribute "Equivalence" und "Equivalent To Me" synchronisiert werden. Das Aktivieren der Option hat möglicherweise nachteilige Effekte auf die Authentifizierungsgeschwindigkeit des Systems. SET NCP PACKET SIGNATURE = 3 (Default=1) Die Kommunikation eines Novell Netware Clients mit einem Novell Netware Server wird durch das Netware Core Protokoll (NCP) gesteuert. Client und Server tauschen hierbei einzelne Pakete aus, in denen die Daten enthalten sind. Ein potentieller Angreifer kann diese Pakete mittels spezieller Programme (siehe G 5.58 "Hacking Novell Netware") überwachen und die Datenpakete höher privilegierter Benutzer manipulieren. Um dieser Bedrohung entgegenzuwirken, wurde die Paket-Signatur entwikkelt. Bei der Anmeldung eines Benutzers am Netz wird ein geheimer Schlüssel ermittelt. Wann immer die Workstation daraufhin eine Anfrage über NCP an das Netz sendet, wird diese mit einer Signatur versehen, die aus dem geheimen Schlüssel und der Signatur des vorherigen Pakets gebildet wird. Diese Signatur wird an das betreffende Paket angehängt und zum Server gesandt. Bevor die eigentliche Anfrage bearbeitet wird, verifiziert der Server die Paket-Signatur. Durch den Parameter kann die Paket-Signatur am Server aktiviert werden. Hierbei sind folgende NCP-Paket-Signatur Level möglich: 0= Es findet keine NCP-Paket-Signatur statt. 1= Der Novell Netware Server arbeitet auf Anforderung des Clients mit der NCP-Paket-Signatur. 2= Der Novell Netware Server fordert vom Client NCP-Paket-Signatur an. Sollte der Client dieses nicht realisieren können, so wird die _____________________________________________________________________ .......................................... 187 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.102 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Kommunikation zwischen Client und Novell Netware Server trotzdem zugelassen. 3= Die NCP-Paket-Signatur ist zwingend vorgeschrieben. Zur Gewährleistung der IT-Sicherheit sollte die NCP-Paket-Signatur mit dem Wert "3" gewählt werden und der Novell Netware Server sowie die ClientSoftware der Arbeitsstationen entsprechend konfiguriert werden. Da sich jedoch die Netzlast beim Einsatz der NCP-Paket-Signatur erhöht, sollte im Vorfeld des Einsatzes geklärt werden, ob die Performance hierdurch nicht unzumutbar eingeschränkt wird. SECURE CONSOLE Mit diesem Befehl werden mehrere Funktionen ausgelöst. Daher sollte dieser Befehl nur an sicherheitssensitiven Systemen ausgeführt werden. Die Funktionen sind: 1. Alle Suchpfaderweiterungen werden rückgängig gemacht. Für den Aufruf von NLMs steht nur noch der Suchpfad auf das Laufwerk SYS:SYSTEM zur Verfügung. 2. Eine Suchpfaderweiterung mit dem Befehl SEARCH ADD ist nicht mehr möglich. 3. Das Verändern von verschiedenen Server-Parametern mit dem Befehl SET ist nicht mehr möglich. 4. Das Verändern von Systemzeit und Systemdatum ist nicht mehr möglich. 5. Der System Debugger kann nicht mehr durch die spezielle Tastenkombination aufgerufen werden. Hinweis: Da SECURE CONSOLE die Suchpfade auf das Systemminimum reduziert, kann es zu erheblichen Problemen mit Serverapplikationen kommen, die eine spezielle Suchpfaderweiterung benötigen. DISPLAY NCP BAD COMPONENT WARNINGS Mit diesem Parameter wird der Server angewiesen, eine Warnmeldung auf der Konsole auszugeben, wenn NCP Pakete mit ungültigem Inhalt bzw. Anteilen empfangen werden. Dies könnte auf Angriffe hindeuten. DISPLAY NCP BAD LENGTH WARNINGS Mit diesem Parameter wird der Server angewiesen, eine Warnmeldung auf der Konsole auszugeben, wenn NCP Pakete mit ungültiger Länge empfangen werden. Dies könnte auf Angriffe hindeuten. _____________________________________________________________________ .......................................... 188 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.103 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.103 DHCP-Server unter Novell Netware 4.x Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Beim Einrichten von TCP/IP-Protokollen entsteht ein hoher Aufwand, wenn für jede Workstation manuell die IP-Adresse, die Subnetz-Maske, das Default Gateway, etc. vergeben werden müssen. Soll z. B. in einem Segment nur der Default Gateway Eintrag geändert werden, erfordert dies einen hohen Arbeitsaufwand und erhöht zudem die Gefahr von Falscheingaben. Durch den Einsatz eines DHCP-Servers (Dynamic Host Configuration Protocol) können diese Aufgaben zentralisiert und automatisiert werden. Um einen sicheren Umgang mit dem DHCP-Server von Novell Netware 4.x zu gewährleisten, ist es erforderlich, daß die Struktur des TCP/IP-Netzes, dessen Adressen mit Hilfe des DHCP-Servers verwaltet werden sollen, bekannt ist. Wichtig sind hierbei neben der Adreßklasse (TCP/IP-Netz Klasse A - C) auch die eingesetzten Subnetz-Masken und die Adressen der Default Gateways, um segmentübergreifenden Datenverkehr auf TCP/IP Basis zu ermöglichen. Im folgenden wird auf einige Aspekte bei der Konfiguration des DHCPDienstes unter Novell Netware 4.x eingegangen, die für die Sicherheit des Gesamtsystems von besonderer Relevanz sind. Konfiguration der TCP/IP-Segmente Über die Option SUBNETWORK PROFILE werden die TCP/IP-Segmente definiert, die vom Server versorgt werden sollen. Dabei werden Werte wie Subnetzname, Adreßbereich und Zuweisungsart vom Konfigurationsmenü des DHCP-Servers bei dessen Start automatisch ausgelesen. Soll der DHCPServer mehrere IP-Segmente versorgen, so ist es empfehlenswert, die automatisch eingelesenen Werte zu löschen und durch "sprechende", manuell konfigurierte Werte zu ersetzen. Wurde z. B. als Subnetzname "3CX9_1_EII" ausgelesen, so ist es für die Fehlersuche und für spätere Konfigurationsarbeiten für dieses Segment einfacher, wenn dieser Eintrag manuell durch einen Eintrag ersetzt wird, der das Segment besser beschreibt, z. B. der Name "EthernetII". Andere sprechende Namensgebungen, die das Segment etwa nach seiner topologischen Anordnung bezeichnen (Gebäude A, 2. OG oder Geschäftsführung), sind ebenfalls einsetzbar. Automatische Zuordnung von IP-Adressen Ein wesentlicher Dienst des DHCP-Servers ist die automatische Zuordnung von IP-Adressen. Der Parameter AUTOMATIC IP ADDRESS ASSIGNMENT kennzeichnet den Adreßbereich, aus dem heraus der DHCP-Server dynamisch die Adressen an die Netzknoten verteilt, die eine Adresse anfordern. Dieser Bereich sollte so ausgewählt werden, daß die Adressen für Server, Drucker und Router nicht in den Bereich der dynamischen Zuteilung fallen. Generell sollten Servern, Druckern, Routern und den Netzknoten mit dynamischer Adreßzuordnung klar unterscheidbare IP-Adreßbereiche zugewiesen werden. Dadurch ist gewährleistet, daß bereits am Adreßbereich _____________________________________________________________________ .......................................... 189 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.103 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... erkennbar ist, zu welchem Typ ein Netzknoten gehört, wenn Probleme im IPBereich auftreten. Statische Zuordnung von IP-Adressen Für bestimmte Komponenten im Netz ist es empfehlenswert, mittels einer statischen Adreßzuordnung die erforderliche IP-Adresse permanent auf die MAC-Adresse (Medium Access Control) des Netzknotens zu binden. Hierzu gehören z. B. Netzdrucker und Router. Der Vorteil einer statischen Zuordnung durch einen DHCP-Server im Vergleich zu einer manuellen Konfiguration vor Ort am Netzknoten ist die zentrale Verwaltung der Zuordnungen über das Konfigurationstool des DHCP-Servers. Obwohl Server ebenfalls zwingend ihre IP-Adresse statisch zugeordnet bekommen müssen, werden diese nicht über den DHCP-Server vergeben. Bei Netware Servern erfolgt die Zuteilung ihrer IP-Adresse immer manuell. Die Konfiguration der statischen Adreßzuordnung geschieht über die Option IP ADDRESS ASSIGNMENT. Der Knoten wird über einen beliebigen Namen dem Menü hinzugefügt und die IP-Adresse direkt auf die Netzkarte (MAC-Adresse) des Knotens gebunden. Für die Auswahl des Namens empfiehlt Novell, den Login-Namen des Benutzers zu verwenden, der an diesem Arbeitsplatzrechner arbeitet. Lease Time Anhand der Lease Time wird festgelegt, wie lange ein Netzknoten, der seine TCP/IP-Adresse vom DHCP-Server dynamisch erhält, diese behalten kann. Die Zuteilung der IP-Adressen wird dabei beim Booten des Netzknotens realisiert. Für die Lease Time sollte ein Zeitraum von mindestens 24 Stunden gewählt werden, da sonst folgende Probleme auftreten können: - Programme, deren Zugriffsberechtigungen anhand von TCP/IP-Adressen erteilt werden, können nach einem Reboot des Rechners unter Umständen nicht mehr ausgeführt werden, da sich die IP-Adresse des darauf zugreifenden Rechners geändert hat. Die neue Adresse ist evtl. nicht berechtigt, das Programm auszuführen. - Wenn Arbeitsplatzrechner instabil laufen und pro Tag mehrfach erneut gestartet werden, entsteht nach jedem Neustart eine unnötige Netzlast durch die Zuweisung einer neuen IP-Adresse. - Beim Zugriff auf das Internet protokollieren zwischengeschaltete Proxy Server die Internetseiten, die von den Arbeitsplatzrechnern aus aufgerufen wurden. In den entsprechenden Protokolldateien werden meist die DNS Namen der aufgerufenen Internetseiten den IP-Adressen der Rechner zugeordnet, von denen aus diese Seiten angefordert wurden. Wenn sich diese IP-Adressen ständig ändern, dann ist im Problemfall nur sehr schwer nachvollziehbar, welcher Arbeitsplatzrechner zu welchem Zeitpunkt die entsprechende IP-Adresse zugewiesen bekommen hat. Die Vergabe einer Lease Time wird beim Einsatz von DHCP-Servern benötigt, wenn sich in einem Netz mehr Knoten befinden, als IP-Adressen zur Verfügung stehen. Mittels einer geeignet gewählten Lease Time kann so eine IP-Adresse, die frei geworden ist, weil der Knoten sie nicht mehr braucht (PC wurde ausgeschaltet), einem anderen Knoten, der eine Adresse vom DHCP- _____________________________________________________________________ .......................................... 190 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.103 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Server anfordert, zugewiesen werden. In Netzen, die über mindestens genauso viele IP-Adressen verfügen wie Knoten installiert sind, kann auf die Konfiguration der Lease Time verzichtet werden. Seit geraumer Zeit kann in LANs mit sogenannten privaten IP-Adressen (siehe RFC 1597) gearbeitet werden. Das Problem, mehr Knoten als IP-Adressen zu haben, kann somit umgangen werden. Die Vergabe von privaten IP-Adressen nach diesen Vorgaben ist z. B. aus Revisionsgründen für Netze, die einen Internetzugang realisieren, empfehlenswert. Datenschutzrechtliche und mitbestimmungsrechtliche Aspekte sind zu beachten. Im DHCP-Server von Netware 4.x kann die Lease Time derzeit noch nicht abgeschaltet werden. Es ist daher empfehlenswert, diese auf den maximalen Wert von 10000 Tagen und 23 Stunden einzustellen. Ausschluß bestimmter Netzknoten von der Adreßzuordnung Für bestimmte Netzknoten kann die Zuweisung einer IP-Adresse unterbunden werden. Unter dem Menüpunkt EXCLUDED NODES sind hierzu dieselben Schritte auszuführen, wie bei der statischen Zuordnung von IP-Adressen. Hiermit wird erreicht, daß bestimmte Programme, die auf TCP/IP aufsetzen, von diesen Arbeitsplätzen aus nicht aufgerufen werden können. Diese "Sperre" ist allerdings leicht zu unterwandern, indem dem "gesperrten" Netzknoten manuell eine IP-Adresse zugeordnet wird (sofern auf diesem Knoten der TCP/IP-Protokollstack geladen wurde). Sobald bei der manuellen Zuordnung eine freie IP-Adresse gefunden wird, kann mit diesem Rechner genauso über TCP/IP kommuniziert werden, wie mit Knoten, die ihre IP-Adresse vom DHCP-Server erhalten haben. Der Weg, Netzknoten über EXCLUDED NODES von der Vergabe einer IP-Adresse auszuschließen, bietet daher nur eine relative Sicherheit. Das Sperren von MAC-Adressen für die Vergabe durch den DHCP-Server kann zudem dazu dienen, in Netzen mit mehreren DHCP-Servern die Lastverteilung zu steuern. Außerdem kann verhindert werden, daß Knoten, in deren Segment sich ein eigener DHCP-Server befindet, die IP-Adresse von einem DHCP-Server anfordern, der sich in einem anderen Segment befindet. Hierbei sollte beachtet werden, daß in diesem Fall bei Ausfall des lokalen DHCPServers lokalen Clients keine IP-Adresse zugeordnet werden kann. Der Einsatz der Option EXCLUDED NODES bedarf daher sorgfältiger Planung. DHCP-Dienst in gerouteten Netzen Ein zwischengeschalteter Router, der sich zwischen dem Segment des DHCPClients und dem Segment des DHCP-Servers befindet, unterbindet u. U. die DHCP-Anfrage. Router, die RFC 1542 kompatibel sind, besitzen einen sogenannten DHCP/BOOTP Relay Agenten. Dieser Agent sorgt dafür, daß DHCP Relay Pakete weitergeroutet werden. Bei Routern, die nicht RFC 1542 kompatibel sind, müssen in jedem Netzsegment jeweils eigene DHCP-Server definiert sein. Die Zuteilung einer IP-Adresse durch den DHCP-Server geschieht dann auf dieselbe Art und Weise wie in nicht gerouteten Netzen. Durch die Weiterleitung der DHCP Relay Pakete werden aber nicht automatisch die gesamten Broadcast Pakete weitergeleitet. "Normale" Broadcast Datenpakete werden weiterhin vom Router herausgefiltert. _____________________________________________________________________ .......................................... 191 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.103 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Einsatz von mehreren DHCP-Servern in Netzen In Netzen, die über eine entsprechende Größe verfügen, sollte unter Umständen mit mehreren DHCP-Servern gearbeitet werden. Als Lastobergrenze gilt in manchen Betriebssystemen die Verwaltung von 10000 IP-Adressen pro DHCP-Server. Dieser Wert kann vom Netware DHCP-Server um ein Vielfaches überschritten werden. Zudem sollte bei der Überlegung, wieviele DHCP-Server im Netz erforderlich sind, die Position der Router berücksichtigt werden. Unabhängig von der Struktur des IP-Netzes ist bei Verwendung von mehreren DHCP-Servern unbedingt zu verhindern, daß zwei (oder mehr) Netzknoten, die von verschiedenen DHCP-Servern "versorgt" werden, dieselbe IP-Adresse zugewiesen bekommen. Diese Gefahr besteht, wenn jeder DHCP-Server im Netz (bzw. im Segment) jeweils den gesamten IP-Bereich verwaltet, der für die dynamische Vergabe eingerichtet wurde, da sich die DHCP-Server unter Netware 4.x untereinander nicht synchronisieren. Jeder einzelne DHCP-Server speichert seine Konfigurationsdaten in einer separaten DHCPTAB-Datei. Da diese Datei unter Netware 4.x aber nicht Bestandteil der NDS ist, wird sie auch nicht über deren Replizierungsmechanismen auf andere Server verteilt, bzw. mit anderen DHCPTAB-Dateien abgeglichen. Daher sollte bei Verwendung mehrerer DHCP-Server jedem Server ein eigener IP-Adreßbereich zugewiesen werden, den er exklusiv verwaltet. _____________________________________________________________________ .......................................... 192 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.104 Maßnahmenkatalog Hardware/Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.104 LDAP Services for NDS Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Das Lightweight Directory Access Protocol (LDAP) hat sich zum De-factoStandard für den Zugriff auf X.500-Standard basierende Verzeichnisinformationen über das Internet/Intranet entwickelt. Die Novell Directory Services (NDS) gehören zu den LDAP Directories, deren Hauptaufgabe darin liegt, eine Vielzahl von Suchoperationen gleichzeitig bearbeiten zu können. Über die NDS ist es dem Administrator möglich, alle Firmenmitarbeiter und alle im Netz verfügbaren Ressourcen als Objekte in einem hierarchischen Verzeichnisbaum anzulegen und zu verwalten. So können z. B. den Benutzern Zugriffsrechte auf Unix-, Microsoft Windows NT-, Novell Netware Server oder anderen Ressourcen wie der Zugriff auf das Mailing-System und Druckern zugewiesen werden. Bisher mußte die Information in applikationsspezifischen Listen gepflegt und über die unterschiedlichen Systemgrenzen hinaus konsolidiert werden. Werden verzeichnisfähige Applikationen eingesetzt, so entsteht ein "Single Point of Administration", d. h. die Pflege der Gesamtinformation geschieht von einer Stelle aus. Alle auf X.500 basierenden Verzeichnisdienste verwenden ein Directory Access Protocol (DAP), um die Verzeichnisinformationen zu synchronisieren und eine Kommunikationsschnittstelle zwischen den unterschiedlichen Netzkomponenten bereitzustellen. Bei LDAP handelt es sich um ein Directory Access Protocol, dessen Hauptaufgabe die schnelle Informationsextraktion, gestützt auf einen geringeren Protokolloverhead, ist. Es wird nicht der gesamte OSIProtokollstack implementiert, sondern LDAP setzt direkt auf dem TCP/IP Protokoll auf. Als Folge daraus sind die LDAP Clients weit weniger komplex als die DAP Clients. Da sich die Implementierung von LDAP auf den Internetstandard RFC 1777 abstützt, sind die Entwickler in der Lage, plattformunabhängige Application Program Interfaces (APIs) zu verwenden. Es muß daher keine Rücksicht auf die herstellerspezifische Notation genommen werden, da der LDAP Server das Umsetzen einer LDAP Anfrage in das erforderliche Format vornimmt. In den LDAP Services for NDS für Netware 4.11 ist LDAP Version 2 implementiert worden, die sich mit der Client-to-Directory Kommunikation beschäftigt. Die Version 3 von LDAP beinhaltet Spezifikationen zur Directory-to-Directory Kommunikation, wie z. B. die Replikation und die Synchronisation von Verzeichnisinformationen im Netz. Der Standard (RFC 2551) ist aber bisher noch nicht endgültig verabschiedet worden. Eine Implementierung von LDAP Version 3 kommt unter Netware 5 zum Einsatz. Die LDAP Services for NDS übernehmen eine Mittlerfunktion zwischen der NDS, die natürlich installiert sein muß, und dem LDAP Client. Der Client stellt eine LDAP Anfrage an den Server, auf dem die LDAP Services laufen. Diese Anfrage wird entgegengenommen und von den LDAP Services for NDS in eine NDS Anfrage umgewandelt. Die NDS wertet die Anfrage aus und _____________________________________________________________________ .......................................... 193 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.104 Maßnahmenkatalog Hardware/Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... liefert die angeforderten Informationen an die LDAP Services for NDS zurück. Diese wiederum generieren aus der NDS Antwort eine LDAP Antwort und leiten diese an den Client weiter. Novell selbst bietet keinen LDAP Client an. Die gebräuchlichsten Clients sind derzeit Browser, wie z. B. der Netscape Communicator, die eine entsprechende LDAP Schnittstelle haben. Es gibt aber auch andere, frei verfügbare LDAP Clients im Internet. Dabei sind jedoch vor dem Einsatz dieser Clients einige Dinge zu beachten. So ist zum Beispiel der Netscape Communicator nicht in der Lage, Zugriffe auf LDAP Server zu gewähren, die einen Benutzernamen und ein Paßwort erfordern. Daher erkennen die LDAP Services for NDS einen Benutzer, der diesen Browser als Client verwendet, als Anonymous User und machen ihn standardmäßig zum Trustee von [Public], was typischerweise nur ein Browse-Recht auf die NDS beinhaltet. Wenn zusätzliche Rechte benötigt werden, so ist ein Proxy User einzurichten, der über die entsprechenden NDS Rechte verfügt. Zusätzlich muß im LDAP Group Objekt noch das Proxy User Feature freigegeben werden. Da die LDAP Services for NDS vollständig in die NDS integriert sind, muß bei der Installation eine Erweiterung des NDS Schemas vorgenommen werden. Dies kann nur über einen Account mit Supervisor Berechtigung auf das [Root] Objekt erfolgen. Bei der Installation des ersten LDAP Servers in einem NDS Baum wird das Datenbankschema der NDS erweitert, so daß die zwei neuen NDS Objekte LDAP Server und LDAP Group zur Verfügung stehen. Über diese beiden Objekte werden die LDAP Services for NDS konfiguriert. Werden weitere LDAP Server in diesem NDS Baum installiert, so ist es nicht notwendig, die Schemaerweiterung noch einmal zu installieren, da die NDS bereits das aktuelle Datenbankschema besitzt. Die Konfiguration der LDAP Services for NDS wird über die Eigenschaften ("Properties") der beiden Objekte LDAP Server und LDAP Group festgelegt. Die Einstellung ist an Hand der erarbeiteten Sicherheitsstrategie vorzunehmen. Im folgenden wird auf einige Properties eingegangen, die im Hinblick auf die Sicherheit des Systems besonders relevant sind. Log file size limit (LDAP Server Objekt) Mit dieser Property kann die maximale Größe der in der Property Log filename angegebenen Log-Datei eingerichtet werden. Erreicht die Log-Datei die festgelegte Dateigröße, so werden die Informationen der Log filename Datei in die unter Backup log file angegebene Datei kopiert. Alle neuen LogDaten werden in die Log filename Datei geschrieben. Default: 1.000.000 Minimum: 0 (unbegrenzte Dateigröße) Maximum: 4.294.967.295 Wird der Wert auf Null gesetzt, so besteht keine Größenlimitation für die LogDatei. In diesem Fall sollte man die Datei nicht auf dem Volume SYS ablegen, da die Datei so stark anwachsen kann, daß der verfügbare Speicherplatz auf dem Volume komplett belegt wird. Als Folge können Inkonsistenzen innerhalb der NDS auftreten, und die Verfügbarkeit des Servers wird reduziert. _____________________________________________________________________ .......................................... 194 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.104 Maßnahmenkatalog Hardware/Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Im LDAP Group Objekt sind die folgenden Properties besonders sicherheitsrelevant: Suffix Über das Feld Suffix wird der Unterbaum definiert, der den LDAP Clients zur Verfügung gestellt wird. Ist dieses Feld leer, so wird den Clients Zugriff auf den gesamten NDS Baum gewährt, also vom [Root] Objekt aus. Stellt ein Client eine Anfrage an den Server, die sich auf ein Objekt außerhalb des definierten Unterbaums bezieht, so wird ein Fehler zurückgegeben, außer das Feld Referral ist mit einem Wert belegt worden. Referral In dieses Textfeld kann ein Uniform Resource Locator (URL) eines alternativen LDAP Servers eingetragen werden. Stellt z. B. ein Client eine Anfrage an den Server, die dieser nicht beantworten kann, da das Suffix gesetzt wurde, so wird diese URL an den LDAP Client zurückgeliefert. Der Client ist nun in der Lage, seine Anfrage an diesen Server weiterzuleiten. Enable NDS User Bind Ist diese Checkbox aktiviert, so muß sich ein Benutzer bei einem Bind Request mit seinem NDS Paßwort authentifizieren. Die Paßwörter werden jedoch zwischen dem LDAP Client und dem LDAP Server nicht verschlüsselt, d. h. sie werden im Klartext über das Netz übertragen. Durch einen geeigneten Netzmonitor (Lanalyzer) ist deshalb ein Angreifer in der Lage, auf diese Weise Paßwörter auszuspionieren. Aus Sicherheitsgründen sollte dieser Wert nicht gesetzt werden, außer man verwendet Accounts, die speziell für LDAP Zugriffe eingerichtet worden sind und ansonsten keine weiteren Rechte in der NDS und auf das Netware Dateisystem haben. Proxy Username Beim Proxy User handelt es sich um einen NDS Account, der kein Paßwort und auch keine Paßwortänderung benötigt. Wird ein Anonymous Bind (Verbindungsaufbau ohne Benutzername und Paßwort) angefordert, so authentifiziert der LDAP Server diese Anforderung mit dem Proxy Username in der NDS. Typischerweise sind diese Proxy User in ihren Rechten stark eingeschränkt. Ist aber kein Proxy Username definiert worden, so werden diese Anonymous Binds als Benutzer [Public] validiert und erhalten daher auch die entsprechenden Rechte. Über die Access Control Page erhalten die LDAP Services for NDS ein zusätzliches Sicherheitsfeature, die Access Control List (ACL). Die LDAP ACL definiert die Zugriffsrechte auf die LDAP Objekt Properties für Benutzer und Gruppen. Der LDAP Server benutzt die ACL um festzustellen, ob eine Benutzeranfrage an die NDS weitergereicht oder zurückgewiesen wird. Hat ein Benutzer die entsprechenden Rechte, so wird die Anfrage an die NDS weitergereicht. Die NDS ihrerseits prüft, basierend auf den NDS Rechten, ob die Anfrage bearbeitet oder zurückgewiesen wird. Über das LDAP ACL Dialogfenster können den Benutzern Rechte zugewiesen werden. Dabei sind folgende Abstufungen möglich: _____________________________________________________________________ .......................................... 195 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.104 Maßnahmenkatalog Hardware/Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... None Ist diese Option aktiviert, erhält der Benutzer keinerlei Rechte auf den NDS Baum. Search Dieses Recht erlaubt dem Benutzer, nach LDAP Objekt Properties zu suchen. Diese müssen aber in der Access To Liste definiert sein. Über den Add Button können Properties explizit freigegeben werden. Compare Über dieses Recht wird es dem Benutzer erlaubt, LDAP Objekt Property Werte mit den korrespondierenden NDS Objekt Property Werten zu vergleichen. Read Besitzt ein Benutzer das Read Recht, so ist es ihm erlaubt, die in der Access To Liste definierten LDAP Property Werte zu sehen. Das Read Recht umfaßt das Search und das Compare Recht. Write Besitzt ein Benutzer das Write Recht, so kann er die in der Access To Liste definierten LDAP Property Werte schreiben. Das Write Recht umfaßt das Search, Compare und Read Recht. Neben diesen fünf Sicherheitsstufen im Zugriff (Access Level) läßt sich der Zugriff noch weiter einschränken. Z. B. kann durch das Feld IP Address erzwungen werden, daß eine Anfrage nur von einer oder einer Gruppe von IPAdressen akzeptiert wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 196 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 4.105 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.105 Erste Maßnahmen nach einer UnixStandardinstallation Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die meisten Unix-Systeme entsprechen nach einer Standardinstallation nicht den Anforderungen an einen sicheren Systembetrieb. Hier werden von den Herstellern häufig zu viele sicherheitskritische Dienste und Konfigurationen aktiviert bzw. mit zu weitreichenden Rechten versehen. Die folgende Übersicht soll exemplarisch das erste Absichern einer Standardinstallation aufzeigen: - Vor der Installation ist der Administrator entsprechend zu schulen, insbesondere hinsichtlich der Sicherheitsaspekte. In diesem Rahmen sollte er sich über alle potentiellen Sicherheitslücken des IT-Systems kundig machen (siehe auch M 2.35 Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems). Dazu gehört auch die Subskription entsprechender Mailinglisten. - Nach der Installation sollte das Account des Systemadministrators ein gutes Passwort erhalten (siehe M 2.11 Regelung des Passwortgebrauchs). - Es sollte überprüft werden, welche Dienste auf dem IT-System laufen. Dies kann z. B. mit dem Befehl netstat -a | grep listen überprüft werden. Nicht benötigte Dienste sollten deaktiviert oder entfernt werden (siehe M 5.72 Deaktivieren nicht benötigter Netzdienste). - Wenn das System nicht als Mailserver fungiert, sollte der Maildaemon als Netzdienst deaktiviert werden. Wenn Mail lokal auf dem System zugestellt werden soll, kann sendmail mit der Option -q15 oder als Cron-Prozess gestartet werden: 1 * * * * /usr/sbin/sendmail -q 2>&1 >/dev/null Die Mail-Queue wird in regelmäßigen Abständen geleert und die Mail lokal zugestellt. - Die aktuellste sendmail-Version des Herstellers sollte installiert werden (siehe auch M 4.107 Nutzung von Hersteller-Ressourcen und M 5.19 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von sendmail). Alternativ kann auch auf Public-Domain-Mailprogramme wie z. B. qmail zurückgegriffen werden. Die laufende sendmail-Version kann mit dem Befehl telnet localhost 25 herausgefunden werden. - Nach der Standardinstallation sollten die verfügbaren Security-Patches des Herstellers installiert werden (siehe auch M 4.107 Nutzung von HerstellerRessourcen). Danach ist unbedingt zu überprüfen, dass durch die PatchInstallation keine nichtbenötigten Dienste aktiviert wurden. - Die Filesysteme sollten restriktiv im- bzw. exportiert werden. Es ist darauf zu achten, dass Filesysteme nicht für alle schreibbar exportiert werden. - Wenn zum Einsatz von NIS keine Alternativen existieren, sollte NIS+ eingesetzt werden, das über erweiterte Sicherheitsmechanismen verfügt. _____________________________________________________________________ .......................................... 197 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.105 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Wenn tftp verfügbar sein muss, dann sollte es mit der Option -s gestartet werden, damit nicht jede Datei vom System kopiert werden kann (siehe auch M 5.21 Sicherer Einsatz von telnet, ftp, tftp und rexec und M 5.72 Deaktivieren nicht benötigter Netzdienste). - Die Protokollierungsfunktion des inetd sollte mit -t aktiviert werden, damit jeder Verbindungsaufbauversuch protokolliert wird (vgl. M 5.72 Deaktivieren nicht benötigter Netzdienste). Hilfreich ist die Installation der Public-Domain-Tools xinetd oder TCP-Wrapper. Mit diesen Tools können u. a. alle Verbindungsversuche frühzeitig protokolliert werden, noch bevor der angesprochene Daemon via inetd gestartet wird. - Protokolldateien sollten täglich bzw. wöchentlich untersucht werden. Zur halb-automatischen Auswertung sollten Analyseprogramme wie swatch, logdaemon oder logsurfer installiert werden (vgl. M 2.64 Kontrolle der Protokolldateien). - Regelmäßig sollten Sicherheitschecks mit USEIT, COPS, Tripwire oder Tiger durchgeführt werden. - Neben allen anderen nicht benötigten Diensten sollten rshd, rlogind, rexecd unbedingt deaktiviert werden (vgl. M 5.72 Deaktivieren nicht benötigter Netzdienste). Zur Konvertierung von RPC-Programmnummern in Portadressen wird von den meisten Herstellern das Programm rpcbind mit ausgeliefert. Als Ergänzung bzw. als Ersatz sollte der Daemon portmapper eingesetzt werden, wenn er für die vorliegende Plattform verfügbar ist. Alle Clients, die diese Dienste benutzen, sollten für normale Anwender nicht ausführbar gemacht werden. Weitere Authentisierungsverfahren, die auf Hostnamen beruhen, sollten vollkommen abgelöst werden. - Telnet sollte durch ssh ersetzt werden. ssh ermöglicht eine stark verschlüsselte und authentisierte interaktive Verbindung zwischen zwei Systemen. ssh ist als Ersatz für telnet, rsh, rlogin und rcp zu verstehen. X-Windows kann dadurch auch abgesichert übertragen werden (siehe auch M 5.64 Secure Shell). - Xauth ist xhost vorzuziehen - es sollte niemals "xhost +" verwendet werden (siehe auch M 4.9 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von X-Windows). - Aus der Konfigurationsdatei /etc/inetd.conf sollten alle nicht benötigten Einträge entfernt werden (siehe M 5.72 Deaktivieren nicht benötigter Netzdienste). - Die Konfigurationsdatei /etc/syslog.conf ist für die Aktivierung der Protokollfunktionen zu modifizieren (siehe M 4.106 Aktivieren der Systemprotokollierung). - Eine Liste aller world-writable Dateien und Verzeichnisse kann mit folgenden Befehlen erstellt werden: find / -type f -perm -22 -exec ls -l {} \; find / -type d -perm -22 -exec ls -ld {} \; _____________________________________________________________________ .......................................... 198 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.105 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Ergebnisse sollten regelmäßig mit dem Installationszustand verglichen werden. - Die Programme Tripwire oder USEIT sollten vor der Inbetriebnahme installiert werden, um eine Checksummenübersicht des installierten Systems bei der Aufnahme in den Wirkbetrieb zu bekommen. Die erstellte Übersicht sollte auf einem nichtbeschreibbaren Datenträger gespeichert werden. - /var sollte eine große Partition sein, damit ein vorsätzliches Produzieren von Protokolldaten das Unix-System nicht zum Stillstand bringt. Alle durchgeführten Veränderungen sollten sorgfältig dokumentiert werden und unter allen Systemadministratoren abgestimmt werden. Diese Dokumentation kann in Papierform erfolgen oder in einer Datei auf dem jeweiligen System geführt werden. Sie sollte aber jederzeit eingesehen und aktualisiert werden können (siehe auch M 2.34 Dokumentation der Veränderungen an einem bestehenden System). Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Dienste laufen auf dem IT-System? - Sind alle verfügbaren Security-Patches ordnungsgemäß installiert? - Werden alle Änderungen zeitnah dokumentiert und unter allen Systemadministratoren abgestimmt? - Sind alle vorgenommenen Änderungen an der Betriebssystemkonfiguration dokumentiert und nach einer Neuinstallation nachvollziehbar? _____________________________________________________________________ .......................................... 199 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.106 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.106 Aktivieren der Systemprotokollierung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die systemeigene Unix-Protokollierung syslog dient dem Festhalten von Informationen, die vom Betriebssystem oder von Anwendungsprozessen generiert werden. Sicherheitsrelevante Ereignisse, wie versuchte Anmeldung bzw. Ausführung des Befehls su sollten unbedingt protokolliert werden und einer späteren Auswertung zur Verfügung stehen. Der erforderliche Daemon syslogd wird in der Regel automatisch gestartet und über die Datei /etc/syslog.conf konfiguriert. Durch geeignete Rechtevergabe muss sichergestellt werden, dass nur Systemadministratoren diese Datei ändern können und dass die Protokolldateien in /var/log und /var/adm nur von Systemadministratoren gelesen werden können. Alle Änderungen an /etc/syslog.conf sind zu dokumentieren. Bei der Anpassung an das vorliegende IT-System sollte zunächst alles protokolliert werden, danach können bei Bedarf stufenweise einzelne Bereiche deaktiviert werden. Durch eine ausreichende Dimensionierung der /var-Partition ist sicherzustellen, dass ausreichend Platz für die Protokolldateien zur Verfügung steht. Das folgende Beispiel für eine Konfigurationsdatei ist in Anlehnung an eine SunOSKonfiguration erstellt worden und definiert eine ausführliche Protokollierung in verschiedenen Dateien. #ident "@(#)syslog.conf 1.3 93/12/09 SMI" /* # # # Alle Meldungen werden zu einem Loghost geschickt, der in # /etc/hosts definiert werden muss. # # # Es muss TAB als Separator verwendet werden! # # Test: . syslogd mit der Option "-d" starten # . syslogd mit kill –HUP nach jeder Änderung dieser # . die Logdatei muss vor dem Start/Neustart bereits # . mit/usr/ucb/logger können Testmeldungen für jede # und priority generiert werden # # *.err;kern.warning;auth.err;daemon.err *.alert;kern.err;daemon.err *.alert # zeigt emerg-Meldungen *.emerg # # kern.info user.info mail.info daemon.info auth.info lpr.info news,uucp.info cron.info # SunOS 5.0 */ der Datei Datei starten existieren facility /dev/console operator root auf Terminals an (verwendet WALL) * ifdef(`LOGHOST', ifdef(`LOGHOST', ifdef(`LOGHOST', ifdef(`LOGHOST', ifdef(`LOGHOST', ifdef(`LOGHOST', ifdef(`LOGHOST', ifdef(`LOGHOST', /var/log/kernlog, @loghost) /var/log/userlog, @loghost) /var/log/maillog, @loghost) /var/log/daemonlog, @loghost) /var/log/authlog, @loghost) /var/log/lprlog, @loghost) /var/log/newslog, @loghost) /var/log/cronlog, @loghost) ## alle anderen "local" Nachrichten, für eigene Programme local0,local1.info ifdef(`LOGHOST', /var/log/locallog, @loghost) local2,local3,local4.info ifdef(`LOGHOST', /var/log/locallog, @loghost) _____________________________________________________________________ .......................................... 200 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.106 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... local5,local6,local7.info ifdef(`LOGHOST', /var/log/locallog, @loghost) # # alle Alarme und höher werden in eine separate Datei geschrieben: *.err ifdef(`LOGHOST', /var/log/alertlog, @loghost) # # # # # # Beispiel Log levels: -----------------------------------'su root' failed for .. auth.err ROOT LOGIN REFUSED ON ... auth.err 'su root' succeeded for.. auth.notice Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Änderungen in /etc/syslog.conf dokumentiert worden? - Ist sichergestellt, dass nur der Systemadministrator die Konfiguration ändern darf? - Ist sichergestellt, dass die Protokolldateien in /var/log bzw. /var/adm nur für den Systemadministrator lesbar sind? _____________________________________________________________________ .......................................... 201 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.107 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.107 Nutzung von Hersteller-Ressourcen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Alle Hersteller von IT-Systemen oder IT-Komponenten bieten diverse Unterstützungs- und Informationsangebote für die Anwender ihrer Produkte. Dazu gehören beispielsweise Hilfestellungen zur Problembehebung (Support, Hotline, Updates, Patches, etc.) und Informationsmöglichkeiten über Sicherheitslösungen (WWW-Seiten, Newsgroups, Mailinglisten, etc.). Einige dieser Angebote sind kostenfrei, andere nicht. Bereits bei der Beschaffung von IT-Systemen oder -Produkten sollte überlegt werden, welche Unterstützungsangebote der Hersteller in Anspruch genommen werden sollen, insbesondere wenn dies laufende Kosten verursacht. Es sollte sichergestellt sein, dass für alle eingesetzten IT-Systeme und -Produkte regelmäßig überprüft wird, ob neue Informationen über Sicherheitsprobleme und Lösungsmöglichkeiten seitens der Hersteller vorhanden sind. Dies ist besonders bei allen Server-Betriebssystemen wichtig, da eine Sicherheitslücke auf einem Server wesentlich mehr Schäden verursachen kann als eine, die nur ein einzelnes IT-System betrifft. Sicherheitsspezifische Updates sollten, wenn sie nicht direkt vom Hersteller auf CD-ROM geliefert werden, nur von vertrauenswürdigen Stellen bezogen werden, z. B. von CERTs (siehe auch M 2.35 Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems). Die Updates sind auf Unversehrtheit mittels kryptographischer Methoden (MD5, PGP) zu überprüfen, soweit die Dateien entsprechend verschlüsselt bzw. signiert angeboten werden. Damit jederzeit auf sicherheitsrelevante Hinweise der Hersteller zugegriffen werden kann, sollte für alle eingesetzten Betriebssysteme und alle wichtigen IT-Produkte eine Übersicht geführt werden. Aus dieser sollte hervorgehen, unter welchen WWW-Adressen sicherheitsspezifische Updates und Patches bzw. Informationen der Betriebssystemhersteller gefunden werden können. Dafür kann z. B. eine Tabelle wie die Folgende genutzt werden, die einen Überblick über die entsprechenden Links zu bekannten Server-Betriebssystemen gibt. Die Tabelle enthält zu dem jeweiligen Hersteller in der mit U gekennzeichneten Zeile Adressen zu (sicherheitsspezifische) Updates und Patches und in der mit I gekennzeichneten Zeile Adressen mit sicherheitsspezifischen Informationen. Berkeley Software Design, Inc. - BSD/OS U ftp://ftp.bsdi.com/bsdi/patches/ I http://www.bsdi.com/services/support/ Caldera OpenLinux U ftp://ftp.caldera.com/pub/openlinux/updates/ I http://www.calderasystems.com/support/security/ _____________________________________________________________________ .......................................... 202 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.107 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Deban Linux U http://cgi.debian.org/www-master/debian.org/security/ (deutsch) http://cgi.debian.org/www-master/debian.org/ security/index.en.html (englisch) I http://www.debian.org/security http://www.debian.org/security/index.en.html Digital Equipment Corporation - DEC U http://www.service.digital.com/patches/ I http://www.unix.digital.com/ The FreeBSD Project -- FreeBSD U ftp://ftp.FreeBSD.org/pub/FreeBSD/ I http://www.freebsd.org/security/security.html Hewlett Packard -- HP U http://europe-support.external.hp.com/ http://us-support.external.hp.com/ ftp://ftp.hp.com/pub/security/patches/ I http://europe-support.external.hp.com/ http://us-support.external.hp.com/ IBM U http://service.software.ibm.com/aixsupport/ I http://www.ers.ibm.com/tech-info/index.html The Open BSD Project -- OpenBSD U http://www.openbsd.org/errata.html I http://www.openbsd.org/security.html RedHat Linux U ftp://www.redhat.com/pub/updates/ http://www.redhat.com/download/mirror.html http://www.redhat.com/corp/support/errata/index.html I http://www.redhat.com/LinuxIndex/Administration/Security/ S.u.S.E. Linux U ftp://ftp.suse.de/pub/suse_update/ I http://www.suse.de/de/support/security/index.html (auch englisch) Santa Cruz Operation -- SCO U ftp://ftp.sco.com/SSE/ I http://www.sco.com/security/ _____________________________________________________________________ .......................................... 203 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.107 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Silicon Graphic Inc. -- SGI U ftp://sgigate.sgi.com/patches/ I http://www.sgi.com/Support/security/security.html Sun MicroSystems Inc. -- Sun U http://sunsolve.sun.de/pub-cgi/us/pubpatchpage.pl http://sunsolve.sun.com/pub-cgi/us/pubpatchpage.pl (abhängig von Adresse des lokalen SunSolve Servers) I http://sunsolve.sun.de/sunsolve/securitypub.html http://sunsolve.sun.com/sunsolve/securitypub.html (abhängig von Adresse des lokalen SunSolve Servers) NT U http://www.microsoft.com/security/ I http://www.microsoft.com/security/ Novell U http://support.novell.de/ http://support.novell.com I http://www.novell.com/corp/security/ Leider verändern sich Links erfahrungsgemäß häufig, so dass es wichtig ist, diese regelmäßig auf ihre Korrektheit zu überprüfen und, wenn es erforderlich ist, zu aktualisieren. Für die Inhalte, die sich unter den oben beispielhaft angegebenen Links finden, kann daher selbstverständlich auch keine Verantwortung übernommen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Woher werden Hersteller-Patches bezogen? - Wie ist sichergestellt, dass immer die Informationen über die aktuellsten Patches vorliegen? - Wie wird der Patch-Level-Stand der Systeme verifiziert? - Wird die Integrität der Patches kryptographisch verifiziert (PGP, MD5)? _____________________________________________________________________ .......................................... 204 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.108 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.108 Vereinfachtes und sicheres Netzmanagement mit DNS Services unter Novell NetWare 4.11 Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Jedem IT-System in einem TCP/IP-Netz muss eine eindeutige Adresse zugewiesen werden. Das Internet Protocol (IP) beschreibt diese Adresse als vier Dezimalzahlen getrennt durch einen Punkt, mit jeweils einem Wertebereich von 0-255. Da sich numerische Adressen schwer merken lassen, können den IT-Systemen zusätzlich erklärende Hostnamen, z. B. www.bsi.bund.de, zugewiesen werden. Die Auflösung von Hostnamen in IPAdressen kann über zwei Mechanismen durchgeführt werden. Zum einen kann eine ASCII-Textdatei namens HOSTS, die im SYS:ETC Verzeichnis abgelegt wird, manuell erstellt werden. Diese Methode sollte unter sicherheitstechnischen und administrativen Gesichtspunkten nur in kleinen Netzen angewandt werden, da diese Datei individuell auf jedem Server und jeder Workstation abgelegt werden muss, um eine lokale Auflösung zu ermöglichen. Durch spezielle Routinen (z. B. Login Scripts) kann die Verteilung der HOSTS Datei automatisiert werden. Verknüpfung zwischen IP-Adressen und Hostnamen Der zweite Mechanismus ist die Nutzung eines DNS-Servers. Im folgenden werden einige Aspekte der Einrichtung und Konfiguration eines DNS-Servers unter Novell NetWare 4.11 betrachtet, die im Hinblick auf die Sicherheit des Systems besonders zu beachten sind. Funktion der DNS-Komponenten Die zwei Hauptbestandteile von DNS sind zum einen der Nameserver, zum anderen der Resolver, der auf dem Client geladen wird und die Anfragen an den Nameserver stellt. - Primärer Nameserver Er erhält die DNS-Einträge für die Zonen, für die er autorisiert ist, aus einer Datei auf seiner Festplatte. Autorisiert bedeutet, dass der primäre Nameserver die DNS-Information nicht mit einem weiteren Nameserver der Zone gegenprüfen muss. Der primäre Nameserver ist gleichzeitig auch der Single Point of Administration für die Domäne. Es existiert nur ein primärer Nameserver für jede Zone. ein primärer Nameserver pro Zone - Sekundärer Nameserver Dieser Server besitzt eine schreibgeschützte Kopie der DNS-Datenbank des primären Nameservers. Aktualisiert wird diese Kopie in einem definierten Zeitraum, der in dem Record Typ SOA (Start of Authority) festgelegt wird. Record Typen definieren die Resource Records, die die Einträge in der DNS-Datenbank bilden. Der Kopiervorgang wird Zonentransfer genannt und bildet die Grundlage für die Aktualisierung der verteilten DNS-Datenbank einer Domäne. Sekundäre Nameserver übernehmen Aufgaben der Lastenverteilung, bieten die Möglichkeit, die DNS-Datenbank in der Nähe der Resolver zur Verfügung zu stellen, und schaffen die Redundanz der DNS-Domäneninformation. Mindestens ein sekundärer Lastverteilung, Reduzierung des Netzverkehrs und Redundanz _____________________________________________________________________ .......................................... 205 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.108 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Nameserver sollte aus Gründen der Ausfallsicherheit für jede Zone eingerichtet werden. - Resolver Der Resolver ist die Software, die DNS-Anfragen an einen der definierten Nameserver sendet. Dabei kann ein Nameserver, der die Namensauflösung nicht durchführen kann, ebenfalls zum Resolver werden und die Anfrage an einen Nameserver außerhalb der Domäne senden. Der Resolver übernimmt ebenfalls die Interpretation der Antworten des Nameservers und gibt Informationen an die Programme zurück, die diese angefordert haben. Anfragen an den DNSServer und Interpretation der Antworten Einrichten des DNS-Servers DNS wird bei einem NetWare 4.11 Server über UNICON.NLM eingerichtet. Zunächst wird über Manage Global Objects unter Configure Server Profile der DNS Client Access aktiviert. Es muss zumindest ein Nameserver aufgeführt werden, der die Adressauflösung durchführt. Maximal können drei Nameserver eingetragen werden. Damit ein großer Adressbereich schneller erfasst werden kann und es sichergestellt ist, dass die Namensauflösung durchgeführt werden kann, sollten die Angaben für die drei Nameserver ausgeschöpft werden. Die Reihenfolge der Nameserver bestimmt die Abfragereihenfolge und sollte im Hinblick auf die Geschwindigkeit der Namensauflösung festgelegt werden. drei Nameserver eintragen Der erste Nameserver kann der Haupt-DNS-Server der Behörde bzw. des Unternehmens sein. Auch wenn dieser Server nicht jeden Host außerhalb der eigenen Domäne adressieren kann, bietet er die Möglichkeit, die Auflösung von Hostnamen innerhalb der Organisation schnell durchführen zu können. Der zweite Nameserver kann der des Internet Service Providers (ISP) sein, um Zugang zu einem umfangreicheren Datenbestand an Hostnamen zu bekommen. Die Auflösungsgeschwindigkeit wird dabei durch die höhere Auslastung, die Entfernung sowie die zur Verfügung stehende Bandbreite meist etwas geringer sein als beim lokalen Nameserver. Hat die Redundanz der eigenen Domäne Priorität, so sollte der Server mit der schreibgeschützten Kopie der DNS-Datenbank (sekundärer Nameserver) als zweiter Nameserver eingetragen werden. Der dritte definierte Nameserver kann ein sogenannter Root Server sein. Auf diesen Servern sind die Daten aller registrierten Domänen abgelegt. Eine Liste der Root Server kann unter ftp://rs.internic.net/netinfo/root-servers.txt abgerufen werden. Konfiguration der DNS-Server Im Hauptmenü von UNICON.NLM gelangt man über Manage Services und DNS zu den Konfigurations- und Administrationsfunktionen für das Domain Name System. Der Menüpunkt Administer DNS erlaubt sowohl das Einrichten einer Master Database als auch einer schreibgeschützten Replica Database. Die Domänen bzw. Zonen, für die der primäre Nameserver autorisiert ist, werden im Hauptmenü von UNICON.NLM über Manage Services - DNS Administer DNS - Manage Master Database - Delegate Subzone Authority eingegeben. _____________________________________________________________________ .......................................... 206 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.108 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Über Manage Services - DNS - Administer DNS - Manage Master Database werden die DNS-Datenbankeinträge eingegeben. Bei einer Standard Implementation von DNS müssen der Start of Authority (SOA), der den Beginn für die Autorität einer Zone innerhalb der DNS-Hierarchie kennzeichnet, und der Record Typ Name Server (NS) eingetragen werden. Der primäre Nameserver muss Einträge für alle sekundären Nameserver der Zone enthalten. Die Verbindung dieser Zone zur DNS-Hierarchie wird durch Nameserver Einträge für primäre Nameserver, die Autorität für übergeordnete oder untergeordnete Zonen besitzen, sichergestellt. Damit die Namensauflösung für die Hosts in der Zone gewährleistet ist, muss für jedes zu adressierende Endgerät der Record Typ Address (A) eingetragen werden. alle sekundären Nameserver in die Datenbank eintragen Innerhalb des Record Typ SOA werden unter anderem der Name und die Adresse des Zonen-Verantwortlichen (Zone Supervisor) eingetragen. Standardmäßig ist diese Adresse auf root.<domain_name> gesetzt. Weiterhin werden im Record Typ SOA die Einstellungen für das Synchronisationsverhalten der sekundären Nameserver getroffen. Refresh Validity Period bestimmt die Zeit, innerhalb der ein sekundärer Nameserver noch Anfragen von Hosts beantwortet, nachdem er vergeblich versucht hat, den primären Nameserver zu kontaktieren. Je kürzer diese Zeit eingestellt ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der sekundäre Nameserver ungültige DNS-Einträge verschickt und so keine Namensauflösung möglich ist. Aus Gründen der Ausfallsicherheit sollte diese Zeit nicht zu kurz eingestellt werden, da bei einem Ausfall des primären Nameservers das Domain Name System für diese Zone dann nicht mehr funktioniert. Für diesen Parameter muss ein Kompromiss gefunden werden zwischen der Wahrscheinlichkeit, einzelne Hostnamen nicht auflösen zu können, oder - bei zu kurzer Periode - keine Endgeräte über individuelle Hostnamen ansprechen zu können. Das Minimum Caching Interval bestimmt die Zeit, in der Informationen aus Anfragen im Cache des primären Nameserver gehalten werden. Wird diese Einstellung zu kurz gewählt, kann dies die Netzlast bei häufigen Anfragen nach denselben Hosts erhöhen und die Auflösung der Hostnamen in IPAdressen verzögern. Auf der anderen Seite kann ein zu großer Wert für das Minimum Caching Interval dazu führen, dass veraltete Informationen weitergegeben werden. Verbindung zur externen DNS-Hierarchie Anfragen über Hostadressen außerhalb der eigenen Domäne werden automatisch durchgeführt, sobald der DNS-Server läuft. Informationen über die DNS-Hierarchie erhält der DNS-Server aus der Datei SYS:ETC\DNS\ROOT.DB, die eine Liste über Nameserver der US Top Level Domänen enthält. Unter dem Menüpunkt Manage Services - DNS - Administer DNS - Link to existing DNS Hierarchy kann über zwei verschiedene Methoden, nämlich Link Direct und Link Indirect via Forwarder, eine Querverbindung zu anderen Domänen aufgebaut werden. Wird häufig auf bestimmte Domänen zugegriffen, kann über diese Verfahren die Auflösung der Hostnamen beschleunigt werden. Querverbindungen zur Beschleunigung der Namensauflösung _____________________________________________________________________ .......................................... 207 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.108 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Prüfen von Nameservern Mit Manage Services - DNS - Administer DNS - Query Remote Name Server kann zum einen überprüft werden, welche Informationen auf anderen Nameservern abgelegt sind, und zum anderen ist es möglich festzustellen, ob ein bestimmter Nameserver auf Anfragen antwortet. Dabei muss der Name bzw. die IP-Adresse des Servers angegeben werden. Ebenso ist der Resource Record Type, der abgefragt wird, und die Domäne, aus der die Information benötigt wird, anzugeben. Backup der DNS-Datenbank Regelmäßig sollte ein Backup der DNS-Datenbank angelegt werden. Dieses Backup kann beispielsweise verwendet werden, um - eine unbrauchbar gewordene DNS-Datenbank wiederherzustellen, - die Datenbank auf einen anderen Server zu verschieben. Über Manage Services - DNS - Save DNS Master to Text Files wird die Datenbank in SYS:ETC/DBSOURCE/DNS/HOSTS abgelegt. Verwendung von UNICON.NLM Mit UNICON werden u. a. die Einstellungen für das Domain Name System getroffen. Aus administrativen und sicherheitstechnischen Gesichtspunkten ist es unter Umständen erforderlich, eine Aufgabenverteilung und Zugriffsbeschränkung vorzunehmen. Bei der Installation eines NetWare Produktes, das über UNICON gesteuert wird, werden im NDS-Verzeichnisbaum Gruppenobjekte angelegt, die bestimmte Aufgabenbereiche innerhalb von UNICON regeln. Benutzer, die bestimmte Aufgaben mit UNICON durchführen sollen, werden der jeweiligen Gruppe als Mitglied zugefügt. Gruppenname Verantwortungsbereich Zugängliche UNICON Menü Optionen UNICON MANAGER Voller Umfang von UNICON Zugang zu allen Menü Optionen UNICON SERVICES Starten, Anhalten und Verwalten der Services MANAGER UNICON HOST MANAGER Verändern von Host Einträgen Zugriffsbeschränkungen vornehmen Start/Stop Services und Manage Services Manage Global Objects Manage Hosts Kompatibilität mit bind (Berkeley Internet Name Domain) TCP/IP-Netze entwickelten sich aus der Unix-Umgebung heraus. Das am weitesten verbreitete DNS-Programm für Unix ist bind. Deshalb ist es wichtig, dass andere DNS-Produkte auf bind abgestimmt sind. Der DNS-Service von Novell ist mit der bind-Version 4.8.3 voll kompatibel. _____________________________________________________________________ .......................................... 208 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 4.109 Maßnahmenkatalog Hardware und Software Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 4.109 Software-Reinstallation bei Arbeitsplatzrechnern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Bei Arbeitsplatzrechnern kann es häufiger zu Problemen mit dem Betriebssystem oder den Anwendungen kommen, die nur durch den Benutzersupport wieder behoben werden können. Dies kann z. B. durch Softwarefehler, Konfigurationsänderungen, Aufspielen neuer Software oder Computer-Viren verursacht werden. Damit die Administratoren bei den oben beschriebenen Problemen auf den Benutzerrechnern nicht zeitaufwendig nach Fehlern suchen müssen, sollte eine Software-Reinstallation der Standardkonfiguration vorgenommen werden. Standardkonfiguration wiederherstellen Dafür muss zunächst der Rechner eindeutig identifiziert werden und dann über eine entsprechende Dokumentation oder ein Programm anhand dieser Identifikation genau ermittelt werden, welche Software in welcher Konfiguration auf genau diesem Rechner installiert werden muss. Dabei ist es hilfreich, wenn sich die Systeme weitestgehend gleichen, zumindest in Bereichen mit ähnlicher Aufgabenstellung. Identifikation des ITSystems Es empfiehlt sich, die Festplatte des Arbeitsplatzrechners neu zu formatieren und anschließend die erforderliche Software und Daten neu aufzuspielen. Eine Software-Reinstallation kann auf verschiedene Weise durchgeführt werden, so gibt es z. B. spezielle Programme, die eine vorgegebene Konfiguration von einem Server auf den neu zu installierenden Arbeitsplatzrechnern überspielen. Hierbei ist zu beachten, dass solche Arbeiten meist in zweierlei Hinsicht zeitkritisch sind: Die Neueinrichtung sollte möglichst schnell erfolgen können, damit das IT-System wieder verfügbar ist, und das Netz sollte möglichst wenig belastet werden. Dies ist insbesondere bei Schulungsrechnern oder PC-Pools wichtig. zeitkritische Reinstallation Natürlich kann eine Reinstallation auch "von Hand" vorgenommen werden. Zu diesem Zweck sollte als erstes eine Standardinstallation vorgenommen werden. Im Anschluß daran werden die Besonderheiten der einzelnen Rechner kopiert, wie spezielle Gerätetreiber, andere Konfigurationsdateien oder spezielle Software. Dafür müssen diese allerdings vorkonfiguriert verfügbar sein, z. B. auf dem Netz oder auf mobilen Datenträgern. Ein aktuelles VirenSuchprogramm muss anschließend zum Einsatz kommen. _____________________________________________________________________ .......................................... 209 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M5 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M5 Maßnahmenkatalog Kommunikation M 5.1 Entfernen oder Kurzschließen und Erden nicht benötigter Leitungen ..................................................................1 M 5.2 Auswahl einer geeigneten Netz-Topographie ............................2 M 5.3 Auswahl geeigneter Kabeltypen unter kommunikationstechnischer Sicht..............................................7 M 5.4 Dokumentation und Kennzeichnung der Verkabelung ............11 M 5.5 Schadensmindernde Kabelführung ..........................................13 M 5.6 Obligatorischer Einsatz eines Netzpaßwortes ..........................14 M 5.7 Netzverwaltung ........................................................................15 M 5.8 Monatlicher Sicherheitscheck des Netzes ................................16 M 5.9 Protokollierung am Server .......................................................17 M 5.10 Restriktive Rechtevergabe .......................................................18 M 5.11 Server-Konsole sperren............................................................19 M 5.12 Einrichtung eines zusätzlichen Netzadministrators..................20 M 5.13 Geeigneter Einsatz von Elementen zur Netzkopplung .............21 M 5.14 Absicherung interner Remote-Zugänge ...................................26 M 5.15 Absicherung externer Remote-Zugänge...................................30 M 5.16 Übersicht über Netzdienste ......................................................33 M 5.17 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von NFS ........................34 M 5.18 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von NIS .........................36 M 5.19 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von sendmail .................37 M 5.20 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von rlogin, rsh und rcp ............................................................................................40 M 5.21 Sicherer Einsatz von telnet, ftp, tftp und rexec ........................41 M 5.22 Kompatibilitätsprüfung des Sender- und Empfängersystems ...................................................................42 M 5.23 Auswahl einer geeigneten Versandart für den Datenträger...............................................................................44 M 5.24 Nutzung eines geeigneten Fax-Vorblattes................................45 M 5.25 Nutzung von Sende- und Empfangsprotokollen ......................46 M 5.26 Telefonische Ankündigung einer Fax-Sendung .......................47 M 5.27 Telefonische Rückversicherung über korrekten FaxEmpfang...................................................................................48 M 5.28 Telefonische Rückversicherung über korrekten FaxAbsender ..................................................................................49 _____________________________________________________________________ .......................................... i IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M5 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.29 Gelegentliche Kontrolle programmierter Zieladressen und Protokolle..........................................................................50 M 5.30 Aktivierung einer vorhandenen Callback-Option ....................51 M 5.31 Geeignete Modem-Konfiguration ............................................52 M 5.32 Sicherer Einsatz von Kommunikationssoftware ......................53 M 5.33 Absicherung der per Modem durchgeführten Fernwartung .............................................................................54 M 5.34 Einsatz von Einmalpaßwörtern ................................................56 M 5.35 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von UUCP.....................58 M 5.36 Verschlüsselung unter Unix und Windows NT........................63 M 5.37 Einschränken der Peer-to-Peer-Funktionalitäten bei Nutzung von WfW, Windows 95 oder Windows NT in einem servergestützten Netz ....................................................65 M 5.38 Sichere Einbindung von DOS-PCs in ein Unix-Netz...............66 M 5.39 Sicherer Einsatz der Protokolle und Dienste............................68 M 5.40 Sichere Einbindung von DOS-PCs in ein Windows NT Netz..........................................................................................73 M 5.41 Sichere Konfiguration des Fernzugriffs unter Windows NT ............................................................................................75 M 5.42 Sichere Konfiguration der TCP/IP-Netzverwaltung unter Windows NT...................................................................78 M 5.43 Sichere Konfiguration der TCP/IP-Netzdienste unter Windows NT............................................................................84 M 5.44 Einseitiger Verbindungsaufbau ................................................87 M 5.45 Sicherheit von WWW-Browsern .............................................88 M 5.46 Einsatz von Stand-alone-Systemen zur Nutzung des Internets ...................................................................................94 M 5.47 Einrichten einer Closed User Group ........................................95 M 5.48 Authentisierung mittels CLIP/COLP .......................................97 M 5.49 Callback basierend auf CLIP/COLP ........................................98 M 5.50 Authentisierung mittels PAP/CHAP ........................................99 M 5.51 Sicherheitstechnische Anforderungen an die Kommunikationsverbindung Telearbeitsrechner Institution ...............................................................................101 M 5.52 Sicherheitstechnische Anforderungen an den Kommunikationsrechner ........................................................103 M 5.53 Schutz vor Mailbomben .........................................................105 M 5.54 Schutz vor Mailüberlastung und Spam ..................................106 _____________________________________________________________________ .......................................... ii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M5 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.55 Kontrolle von Alias-Dateien und Verteilerlisten....................108 M 5.56 Sicherer Betrieb eines Mail-Servers.......................................109 M 5.57 Sichere Konfiguration der Mail-Clients .................................111 M 5.58 Installation von ODBC-Treibern............................................112 M 5.59 Schutz vor DNS-Spoofing .....................................................113 M 5.60 Auswahl einer geeigneten Backbone-Technologie ................114 M 5.61 Geeignete physikalische Segmentierung................................119 M 5.62 Geeignete logische Segmentierung ........................................125 M 5.63 Einsatz von PGP ....................................................................129 M 5.64 Nutzung von Secure Shell......................................................135 M 5.65 Einsatz von S-HTTP ..............................................................138 M 5.66 Verwendung von SSL ............................................................139 M 5.67 Verwendung eines Zeitstempel-Dienstes ...............................142 M 5.68 Einsatz von Verschlüsselungsverfahren zur Netzkommunikation...............................................................143 M 5.69 Schutz vor aktiven Inhalten....................................................145 M 5.70 Adressumsetzung – NAT (Network Address Translation) ............................................................................148 M 5.71 Intrusion Detection und Intrusion Response Systeme............149 M 5.72 Deaktivieren nicht benötigter Netzdienste .............................152 M 5.73 Sicherer Betrieb eines Faxservers ..........................................153 M 5.74 Pflege der Faxserver-Adressbücher und der Verteillisten............................................................................157 M 5.75 Schutz vor Überlastung des Faxservers .................................158 _____________________________________________________________________ .......................................... iii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.1 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.1 Entfernen oder Kurzschließen und Erden nicht benötigter Leitungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Haustechnik Nicht mehr benötigte Leitungen sollten nach Möglichkeit entfernt werden. Ist dies aufgrund der damit verbundenen Beeinträchtigung des Dienstbetriebes (Öffnen von Decken, Fensterbank- und Fußbodenkanälen) nicht möglich, sind folgende Maßnahmen sinnvoll: - Kennzeichnen der nicht benötigten Leitungen in der Revisionsdokumentation und Löschen der Eintragungen in der im Verteiler befindlichen Dokumentation, - Auftrennen aller Rangierungen und Verbindungen der freien Leitungen in den Verteilern (soweit möglich), - Kurzschließen der freien Leitungen an beiden Kabelenden und in allen berührten Verteilern, - Auflegen der freien Leitungen auf Erde (Masse) an beiden Kabelenden und in allen berührten Verteilern; bei dadurch entstehenden Masse-BrummSchleifen ist nur einseitig zu erden, - Gewährleisten, daß nicht mehr benötigte Leitungen bei ohnehin anstehenden Arbeiten im Netz entfernt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer entscheidet über die Notwendigkeiten von Leitungen und über die Größe von Reserven? - Wer prüft das ordnungsgemäße Kurzschließen und Erden? _____________________________________________________________________ .......................................... 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.2 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.2 Auswahl einer geeigneten Netz-Topographie Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Netzplaner, Leiter Haustechnik Unter der Topographie eines Netzes wird die rein physikalische Struktur eines Netzes in Form der Kabelführung verstanden. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der Netz-Topologie um die logische Struktur eines Netzes. Die Topographie und Topologie eines Netzes sind nicht notwendig identisch. Die Topographie orientiert sich naturgemäß fast immer an den räumlichen Verhältnissen, unter denen das Netz aufgebaut wird. Dies sind u. a.: - Standorte der Netzteilnehmer, - verfügbarer Platz für Trassen und Kabel (M 1.21 Ausreichende Trassendimensionierung), - erforderliche Kabeltypen (M 1.20 Auswahl geeigneter Kabeltypen unter physikalisch-mechanischer Sicht), - Anforderungen an den Schutz von Kabeln (M 1.22 Materielle Sicherung von Leitungen und Verteilern). Nachfolgend werden die Vor- und Nachteile möglicher Topographien aufgeführt. Weitere denkbare Topographien, die an dieser Stelle nicht genannt sind, können als Spezialfall der betrachteten Strukturen aufgefaßt werden. Im allgemeinen können zwei Grundformen unterschieden werden: der Stern und der Bus. Daraus lassen sich als Erweiterungen aus dem Stern eine baumförmige Struktur und aus dem Bus eine ringförmige Struktur ableiten. Diese vier Formen werden im folgenden kurz dargestellt: Stern Bei einem Stern sind alle Teilnehmer des Netzes über eine dedizierte Leitung mit einem zentralen Knoten verbunden. Die häufig anzutreffende Token-RingArchitektur wird topographisch als Stern verkabelt, bildet topologisch jedoch einen Ring. Die Vorteile: - Die Beschädigung einer Leitung beeinträchtigt nur den Betrieb des daran angeschlossenen Systems. - Änderungen der Zuordnung von Netzteilnehmern zum Anschlußpunkt am zentralen Knoten sowie Trennungen einzelner Teilnehmer lassen sich zentral durchführen. - Mit einer Sternverkabelung können alle denkbaren logischen Topologien nachgebildet werden. Die Nachteile: - Bei einem Ausfall des zentralen Knotens fallen alle angeschlossenen ITSysteme aus. - Durch die Einzelanbindung jedes Teilnehmers an den zentralen Knoten ist ein hoher Kabelaufwand erforderlich. _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 2
M 5.2 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Mit zunehmender Zahl individueller Leitungen wächst die Gefahr des Übersprechens. - Durch die sternförmige Verkabelung können Reichweitenprobleme in Abhängigkeit vom verwendeten Kabeltyp und vom eingesetzten Protokoll auftreten (vgl. M 5.3 Auswahl geeigneter Kabeltypen aus kommunikationstechnischer Sicht). In diesem Fall können Verstärker (Repeater) eingesetzt werden, was jedoch u. U. bei einer hohen Zahl von Leitungen sehr kostenintensiv ist. Hinzu kommt, daß nicht beliebig viele Verstärker in eine Leitung geschaltet werden dürfen. Dies ist ebenfalls vom verwendeten Protokoll abhängig. Eine andere Möglichkeit ist hier der Übergang zu einer baumförmigen Struktur. Baum Eine Baumstruktur entsteht durch die Verbindung mehrerer Sterne. In diesem Fall werden die Netzteilnehmer zu Gruppen zusammengefaßt, die an dezentrale Netzknoten sternförmig angeschlossen werden. Diese dezentralen Netzknoten sind wiederum über eine Leitung oder mehrere dedizierte Leitungen miteinander verbunden. Unter Umständen werden auch alle dezentralen Netzknoten an einem zentralen Netzknoten zusammengeführt. Die Vorteile: - Für den Anschluß der Systeme an die dezentralen Netzknoten gelten die gleichen Vorteile wie beim Stern. - Für neue Teilnehmer muß nur im Bereich des dezentralen Netzknotens neu verkabelt werden. - Bei entsprechender Auslegung der dezentralen Netzknoten ist ein Datenaustausch zwischen den Teilnehmern eines solchen Knotens auch bei einem Ausfall der anderen Knoten möglich. - Durch die Verbindung der dezentralen Knoten untereinander über eine Leitung reduziert sich der Verkabelungsaufwand. - Zur Überwindung großer Entfernungen zwischen den Knoten reicht die Verstärkung auf einer Leitung (Kostenersparnis). - Für die Verbindung der Knoten ist der Einsatz hochwertigerer (meist teurerer) Kabel sinnvoll, mit denen auch größere Distanzen ohne zusätzliche Verstärkung überwunden werden können. Das bringt gegenüber den sonst notwendigen Verstärkern Vorteile in bezug auf Ausfallsicherheit und Kostenreduzierung. - Eine Baumstruktur ermöglicht es, durch Vermaschung der einzelnen Knoten redundante Verbindungen aufzubauen. Die Nachteile: - Bei Störung eines Übergangs zu einem anderen dezentralen Netzknoten wird der Betrieb mit allen daran angeschlossenen Teilnehmern unterbrochen. _____________________________________________________________________ .......................................... 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.2 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bus Bei einem Bus werden alle Netzteilnehmer an eine gemeinsame Leitung angeschlossen. Dies geschieht im allgemeinen durch ein zentrales Kabel, an das mit Stichleitungen die einzelnen Teilnehmer angebunden werden. Die Vorteile: - Die Verkabelung reduziert sich auf ein Kabel, hinzu kommen evtl. notwendige Stichleitungen. - Die Nachinstallation neuer Teilnehmer erfordert im allgemeinen nur geringen Verkabelungsaufwand. Sie werden einfach an das vorhandene Buskabel angeschlossen. - Der Bus ist durch den Einsatz von Verstärkern einfach verlängerbar. Dabei sind jedoch die Längenrestriktionen aufgrund des eingesetzten Kabeltyps und des verwendeten Protokolls zu beachten (vgl. M 5.3 Auswahl geeigneter Kabeltypen aus kommunikationstechnischer Sicht). - Ressourcen können an nahezu beliebigen Stellen am Bus angeschlossen werden. - Eine Busverkabelung erfordert durch das zentrale Kabel deutlich weniger Platz als eine vergleichbare Sternverkabelung mit TP-Kabel. Die Nachteile: - Störungen, die auf das Kabel wirken, beeinträchtigen den gesamten Bus. - Unterbrechungen des Buskabels bringen den gesamten Datenverkehr zum Erliegen. - Ab einer gewissen maximalen Länge und einer bestimmten Anzahl von Teilnehmern ist keine einfache Erweiterung des Busses mehr möglich. - Abhängig vom Kabeltyp müssen Restriktionen beim Anschluß neuer Teilnehmer beachtet werden (z. B. der Mindestabstand zwischen zwei Teilnehmern). Ring Der Ring ist aus topographischer Sicht ein Bus, dessen beide Enden miteinander verbunden sind. Eine Sonderform des Rings besteht in der doppelten Ausführung als Doppelring, wie sie z. B. bei FDDI Verwendung findet. Die Vorteile: - Der Ring kann bei einer Leitungsunterbrechung mit gewissen Beeinträchtigungen weiterarbeiten. Die Art der Beeinträchtigung hängt vom für den Ring verwendeten Netzzugangsprotokoll ab. Beeinträchtigungen können z. B. Bandbreitenverluste sein. - Die mögliche Ausführung als Doppelring ermöglicht eine zusätzliche Redundanz bzw. Fehlertoleranz. Die Nachteile: - Die verfügbaren Protokolle für Ring- und Doppelringsysteme sind beschränkt, d. h. es können nicht alle Protokolle auf diesen eingesetzt _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 4
M 5.2 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... werden. Dies kann sich für die zukünftige Weiterentwicklung des Netzes nachteilig auswirken. Collapsed und Distributed Backbone Ein Collapsed Backbone ist eine spezielle Ausprägung eines Netzknotens, der innerhalb seiner Backplane (eine lokale Hochgeschwindigkeitsverbindung innerhalb eines Gerätes) eine der o. g. Strukturen oder eine Mischform daraus realisiert. Bei einem Collapsed Backbone werden alle Kabel zentral zu einem Netzknoten geführt, so daß es sich im Prinzip um eine Sternverkabelung handelt. Innerhalb des Netzknotens können nun die unterschiedlichsten Strukturen unterstützt werden. So werden beispielsweise bei einer Baumstruktur die nötigen Verbindungswege zwischen den dezentralen Sternen durch sehr kurze Verbindungen innerhalb des Netzknotens realisiert. Die Vorteile: - Alle Kabelanschlüsse können zentral kontrolliert und verwaltet werden. - Es werden im allgemeinen hohe Übertragungsraten in der Backplane erreicht. Hierdurch steht, je nach Produkt, zwischen den Segmenten die volle Netzbandbreite zur Verfügung. Die Nachteile: - Bei einem Ausfall des Collapsed Backbones fallen alle Netzzugänge aus. TokenRing 1 Etage 2 Etage 1 TokenRing 2 Etage 0 Koppelelement Zentraler Backbone (Collapsed Backbone) auf der Backplane Bei einem Distributed Backbone sind die einzelnen Netzkomponenten, die zum Backbone gehören, räumlich verteilt und werden durch die normale Netzinfrastruktur gekoppelt. Topographische Bäume werden beispielsweise im allgemeinen durch einen Distributed Backbone realisiert. _____________________________________________________________________ .......................................... 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.2 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bei der Auswahl einer geeigneten Netztopographie kann, wie bereits eingangs erwähnt, keine allgemeingültige Empfehlung gegeben werden. Solch eine Entscheidung wird u. a. immer stark durch bauliche Gegebenheiten beeinflußt. Allgemein üblich ist heute bei Neuinstallationen eine strukturierte Verkabelung in Stern- oder Baumform. Hierbei ist es sinnvoll, im BackboneBereich (Primär- und Sekundärbereich) Lichtwellenleiter und für die Etagenverkabelung (Tertiärbereich) Twisted-Pair-Kabel mind. der Kategorie 5 zu verwenden. Mit Primärbereich wird dabei der Bereich der Kabelführung, der Gebäude miteinander verbindet, bezeichnet und mit Sekundärbereich die Verkabelung zur Verbindung der aktiven Netzkomponenten einzelner Abschnitte innerhalb eines Gebäudes (z. B. zur Verbindung von Stockwerken). Die Wahl dieser Medien für die einzelnen Bereiche gewährleistet aus heutiger Sicht eine zukunftssichere Verkabelung, die auch höheren Bandbreitenanforderungen v. a. im Backbone-Bereich gerecht wird. Im Einzelfall ist jedoch auch zu prüfen, ob es sinnvoll oder notwendig ist, eine Mischform aus Sternund Ringverkabelung zu installieren. Hier bietet sich häufig die Möglichkeit, die Primärverkabelung zwischen Gebäuden als FDDI-Doppelring und die Sekundär- und Tertiärverkabelung wie o. g. als Stern- oder Baum auszuführen. _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 6
M 5.3 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.3 Auswahl geeigneter Kabeltypen aus kommunikationstechnischer Sicht Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Netzplaner, Leiter Haustechnik Die Auswahl des Kabels aus kommunikationstechnischer Sicht wird u. a. durch die erforderliche Übertragungsrate (Bandbreite) und durch die Entfernungen, die ohne Verstärker zu überwinden sind, bestimmt. Bei der Auswahl sind zusätzlich die Anforderungen durch die baulichen Gegebenheiten zu beachten. Vor- und Nachteile werden nachfolgend unter IT-Sicherheitsgesichtspunkten beschrieben. Für die kabelgebundene Kommunikation können derzeit zwei Übertragungsmedien unterschieden werden: Kommunikation über Kupferkabel oder über ein optisches Medium (Lichtwellenleiter, LWL). Bei beiden Medientypen lassen sich wiederum verschiedene Unterkategorien unterscheiden. Die wichtigsten Vertreter für das Medium Kupfer sind das Koaxialkabel (ein Mittelleiter mit einer Gesamtabschirmung) und das mehradrige Kupferkabel mit paarweise verdrillten Adern (Twisted-Pair-Kabel, TP-Kabel). Diese werden im folgenden näher erläutert. Twisted-Pair-Kabel Twisted-Pair-Kabel gibt es in vielen Ausführungen. Sie unterscheiden sich zum einen in der Art ihrer Abschirmung und zum anderen in der möglichen Bandbreite. An Abschirmungsklassen gibt es derzeit - das ungeschirmte (unshielded, UTP), - das ungeschirmte mit einer Gesamtabschirmung (screened-unshielded, S/UTP), - das geschirmte, bei dem die einzelnen Aderpaare abgeschirmt sind (shielded, STP), und - das geschirmte TP-Kabel mit einer zusätzlichen Gesamtabschirmung (screened-shielded, S/STP). Zusätzlich den Bezeichnungen der Abschirmung werden TP-Kabel bezüglich der Bandbreite und anderer elektrischer Eigenschaften in Kategorien von derzeit 1 bis 5 eingeteilt. Ein Normentwurf für die neuen Kategorien 6 und 7 liegt vor. Hierbei gilt, um so höher die Kategorie umso höher ist auch die mögliche Bandbreite. Die Bandbreite bestimmt sich hierbei aus verschiedenen physikalischen Eigenschaften des Kabels.Mit den üblichen Kabeln der Kategorien 3 bis 5 in UTP oder STP-Ausführung lassen sich mit Ethernet bzw. Fast-Ethernet zwischen 10 und 100 MBit/s bei einer maximalen Länge von 100 m übertragen, mit ATM lassen sich auf Kategorie 5-Kabeln bis zu 155 MBit/s übertragen. Kabel der Kategorie 6 werden eine Bandbreite von 600 MHz besitzen und ermöglichen damit Übertragungsraten bis 1 GBit/s. Das TP-Kabel wird heute vor allem für Sternverkabelungen und zum Teil auch für Ringverkabelungen eingesetzt. _____________________________________________________________________ .......................................... 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.3 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Vorteile: - TP-Kabel, insbesondere deren Konfektion, sind bei geringerem Bandreitenbedarf im Vergleich zu LWL relativ billig. - TP-Kabel bis zur Kategorie 5 lassen sich relativ einfach verlegen und konfektionieren. - TP-Kabel können als Universalverkabelung angesehen werden, da andere Dienste ohne größeren technischen Aufwand hierüber genutzt werden können (z. B. Telefonie). Bei geringerem Bandbreitenbedarf können vorhandene Telefonnetze auf TP-Basis auch als Datennetze genutzt werden. - Bestehende Installationen können meßtechnisch leicht überprüft werden. Die Nachteile: - Je nach Ausführung des Kabels (UTP bis S/STP) wird das Kabel durch ein mehr oder weniger starkes elektrodynamisches Feld umgeben. Hierdurch besteht sowohl die Gefahr einer Wechselwirkung mit anderen Feldern (z. B. benachbartes Kabel oder von Starkstrominstallationen) als auch die Möglichkeit des Abhörens. - Die maximale Kabellänge ist bei den heute üblichen Anforderungen auf 100 m (inkl. der notwendigen Anschluß- und Patchkabel) beschränkt (vgl. untenstehende Tabelle). - Bei ungeschirmtem Installationskabel (UTP) mit vielen Paaren kann es zum Übersprechen zwischen einzelnen Paaren kommen. Koaxial-Kabel Koaxial-Kabel werden vor allem für Busverkabelungen oder z. B. zur Verbindung der Netzknoten in Baumstrukturen eingesetzt. Durch die Gesamtabschirmung des Mittelleiters kann hier im allgemeinen von einer guten elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) ausgegangen werden. Die Vorteile: - Die Bandbreite und die unverstärkte Übertragungsstrecke sind höher als beim TP-Kabel. Für die beiden Kabeltypen, die für das Ethernet-Protokoll eingesetzt werden können, liegen die maximalen Obergrenzen je nach Kabeltyp bei 185 bzw. 500 m (Thin- bzw. Thick-Ethernetkabel). - Die Gefahr des Übersprechens ist bei Koaxialkabeln kleiner als bei TPKabeln. Die Nachteile: - Koaxialkabel sind im allgemeinen teurer als TP-Kabel. - Trotz der Koaxialbauweise ist das Kabel abhörbar und empfindlich gegenüber Störungen. - Abhängig vom verwendeten Koaxialkabel haben diese relativ große Biegeradien und sind damit schwieriger zu verlegen als beispielsweise TPKabel. _____________________________________________________________________ .......................................... 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.3 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Für Koaxialkabel sind nur wenige Netzzugangsprotokolle definiert. Beispielsweise kann Fast-Ethernet nicht über Koaxialkabel betrieben werden. Lichtwellenleiter (LWL) Lichtwellenleiter verwenden Licht im sichtbaren bis zum stark infraroten Bereich zur Signalübertragung. Ein Lichtwellenleiter ist ähnlich wie ein Koaxialkabel aufgebaut. Um den eigentlichen Lichtwellenleiter in der Mitte ist ein Mantel gelegt, der andere optische Eigenschaften als der Kern hat. Um diese Gesamtheit ist ein weiterer Mantel zum Schutz vor mechanischen und optischen Einflüssen gelegt. LWL gibt es in zwei verschiedenen Ausführungen: als Multimode- und als Singlemode-LWL. Diese beiden Typen unterscheiden sich vor allem in der möglichen Bandbreite und der maximalen Länge, die ohne zusätzliche Verstärker erreicht werden können. LWL werden im allgemeinen zur Überbrückung von großen Distanzen (z. B. Verbindungen zwischen Gebäuden oder Stockwerken) in einem Backbone und zum Teil in Doppelringsystemen eingesetzt. Die Vorteile: - Die Bandbreite und die unverstärkte Reichweite ist höher als bei Kupferkabel . - Abhören ist nur mit hohem technischen Aufwand möglich. - Unzulässige Umrangierungen sind durch verfügbare Technik einfach zu erkennen. - LWL sind unempfindlich gegenüber allen nicht zerstörenden Umfeldbedingungen, insbesondere gegenüber elektromagnetischen Feldern. - LWL benötigen relativ wenig Platz. - Ein Übersprechen oder eine Beeinflussung zwischen verschiedenen LWL oder einem LWL und TP-Kabeln findet nicht statt. - Die Brandlast ist bei LWL im Vergleich zu Kupferkabeln geringer, da sie weniger bzw. eine andere Ummantelung besitzen und in der Regel weniger Kabelmaterial auf einer Strecke benötigt wird. Die Nachteile: - Der Installationspreis für LWL liegt vor allem durch die notwendigen Spleißarbeiten sehr viel höher als bei Kupferkabel. - Die Koppel-Komponenten zum Betrieb von LWL, insbesondere für Singlemode-LWL, sind teurer als solche für Kupferkabel. - Die Verlegung und Konfektion von LWL erfordert Spezialkenntnisse, Sonderwerkzeuge und besondere zusätzliche Komponenten (z. B. Spleißboxen). - LWL können nicht in jedem beliebigen Radius geführt werden. Hieraus kann sich eine schwierigere Installation durch Beachtung der möglichen und notwendigen Kabelführungen ergeben. _____________________________________________________________________ .......................................... 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.3 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Eine Übersicht über die Längenbeschränkungen von Kabeln für einige der üblichen Protokolle (Ethernet, Fast-Ethernet, FDDI und CDDI, vgl. M 5.60 Auswahl einer geeigneten Backbone-Technologie) gibt die folgende Tabelle: Netzzugangsprotokoll Ethernet Fast Ethernet FDDI Kabeltyp max. Länge 10Base2 Koaxial 185 m 10Base5 Koaxial 500 m 10Base-T TP 100 m 10Base-FL Monomode LWL 2 km 10Base-FL Singlemode LWL 5 km 100Base-TX TP 100 m 100Base-FX LWL 412 m Monomode LWL 2 km Singlemode LWL 60 km TP 100 m CDDI Zu beachten ist, daß hier die jeweilige maximale Länge genannt ist. Diese setzt sich häufig aus dem eigentlichen Installationskabel und den Anschlußkabeln (Patchkabeln) zusammen. Für 10Base-T sollte also z. B. die Länge des Installationskabels 90 m nicht überschreiten, um genügend Längenspielraum für Patchkabel zu haben. Bei einigen Verfahren (z. B. 100Base-FX) reduziert sich die Länge durch den Einsatz und die Art von Repeatern! Für Neuinstallationen ist es sinnvoll, im Primär- und Sekundärbereich LWL einzusetzen, da diese durch die hohe verfügbare Bandbreite auch zukünftigen Anforderungen gerecht werden können. Für den Tertiärbereich ist zu prüfen, ob ein Einsatz von TP-Kabeln oder LWL aus technischer und sicherheitsteschnischer Sicht möglich bzw. notwendig ist und jeweils auch aus wirtschaftlicher Sicht vertretbar ist (vgl. auch M 5.2 Auswahl einer geeigneten Netz-Topographie). _____________________________________________________________________ .......................................... 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.4 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.4 Dokumentation und Kennzeichnung der Verkabelung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Für Wartung, Fehlersuche, Instandsetzung und für erfolgreiche Überprüfung der Verkabelung ist eine gute Dokumentation und eindeutige Kennzeichnung aller Kabel erforderlich. Die Güte dieser Revisionsdokumentation ist abhängig von der Vollständigkeit, der Aktualität und der Lesbarkeit. In dieser Dokumentation (auch Bestandsplan genannt) sind a l l e das Netz betreffenden Sachverhalte aufzunehmen: - genauer Kabeltyp, - nutzungsorientierte Kabelkennzeichnung, - Standorte von Zentralen und Verteilern mit genauen Bezeichnungen, - genaue Führung von Kabeln und Trassen in der Liegenschaft (Einzeichnung in bemaßte Grundriß- und Lagepläne), - Trassendimensionierung und -belegung, - Belegungspläne aller Rangierungen und Verteiler, - Nutzung aller Leitungen, Nennung der daran angeschlossenen Netzteilnehmer, - technische Daten von Anschlußpunkten, - Gefahrenpunkte, - vorhandene und zu prüfende Schutzmaßnahmen. Es muß möglich sein, sich anhand dieser Dokumentation einfach und schnell ein genaues Bild über die Verkabelung zu machen. Da es mit zunehmender Größe eines Netzes nicht möglich ist, alle Informationen in einem Plan unterzubringen, ist eine Aufteilung der Informationen sinnvoll. Tatsächliche Lageinformationen sind immer in maßstäbliche Pläne einzuzeichnen. Andere Informationen können in Tabellenform geführt werden. Wichtig dabei ist eine eindeutige Zuordnung aller Angaben untereinander. Um die Aktualität der Dokumentation zu gewährleisten, ist sicherzustellen, daß alle Arbeiten am Netz rechtzeitig und vollständig demjenigen bekannt werden, der die Dokumentation führt. Es ist z. B. denkbar, die Ausgabe von Material, die Vergabe von Fremdaufträgen oder die Freigabe gesicherter Bereiche von der Mitzeichnung dieser Person abhängig zu machen. Da diese Dokumentation schutzwürdige Informationen beinhaltet, ist sie sicher aufzubewahren und der Zugriff zu regeln. _____________________________________________________________________ .......................................... 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.4 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wer ist für die Dokumentation der Verkabelung zuständig? - Wird die Dokumentation hinreichend schnell aktualisiert? - Wie wird die Revisionsdokumentation vor unerlaubtem Zugriff geschützt? _____________________________________________________________________ .......................................... 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.5 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.5 Schadensmindernde Kabelführung Verantwortlich für Initiierung: Netzplaner, Leiter IT, Leiter Haustechnik Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik Bei der Planung von Kabeltrassen ist darauf zu achten, daß erkennbare Gefahrenquellen umgangen werden. Grundsätzlich sollen Trassen nur in den Bereichen verlegt werden, die ausschließlich dem Benutzer zugänglich sind. Ein übersichtlicher Aufbau der Trassen erleichtert die Kontrolle. Trassen und einzelne Kabel sollen immer so verlegt werden, daß sie vor direkten Beschädigungen durch Personen, Fahrzeuge und Maschinen geschützt sind. Der Standort von Geräten sollte so gewählt werden, daß Kabel nicht im Laufoder Fahrbereich liegen. Ist dies nicht zu vermeiden, sind die Kabel den zu erwartenden Belastungen entsprechend durch geeignete Kanalsysteme zu schützen. Grundsätzlich ist bei Geräteanschlußleitungen auf eine ausreichende Zugentlastung der Kabel in den Steckern zu achten. Bisweilen kann es sinnvoll sein, auf die vorgesehene Verschraubung von Steckern zu verzichten. Bei Zugbelastung werden nur Steckverbindungen auseinandergerissen und nicht die Stecker-Kabel- oder Stecker-Geräte-Verlötung. Tiefgaragen stellen ein großes Problem für eine schadensmindernde Kabelführung dar. Durch die Sicherheitsschaltungen und die langen Offenzeiten von Einfahrtstoren ist der Zutritt von Fremdpersonen zu Tiefgaragen nie auszuschließen. Durch die in der Regel geringen Deckenhöhen ist es mit einfachen Mitteln möglich, sich Zugriff zu dort verlaufenden Trassen zu verschaffen. Durch Trassen im Fahrbereich kann die zulässige Fahrzeughöhe unterschritten werden. Beschädigungen oder Zerstörungen der Trassen und Kabel durch Fahrzeuge sind dann nicht auszuschließen. Bei gemeinsam mit Dritten genutzten Gebäuden ist darauf zu achten, daß Kabel nicht in Fußbodenkanälen durch deren Bereiche führen. Fußboden- und Fensterbank-Kanalsysteme sind gegenüber den fremdgenutzten Bereichen mechanisch fest zu verschließen. Besser ist es, sie an den Bereichsgrenzen enden zu lassen. Bereiche mit hoher Brandgefahr sind zu meiden. Ist dies nicht möglich und ist der Betriebserhalt aller auf der Trasse liegenden Kabel erforderlich, ist der entsprechende Trassenbereich mit Brandabschottung zu versehen. Ist der Betriebserhalt nur für einzelne Kabel erforderlich, ist dafür ein entsprechendes Kabel zu wählen. In Produktionbetrieben ist mit hohen induktiven Lasten und daraus resultierenden Störfeldern zu rechnen. Auch diese sind bei der Trassen- und Kabelverlegung zu berücksichtigen. Für den Schutz der Kabel gilt sinngemäß das gleiche wie bei der Brandabschottung. Bei Erdtrassen ist ca. 10 cm über der Trasse ein Warnband zu verlegen. Bei einzelnen Kabeln (ohne Rohr) ist der Einbau von Kabelabdeckungen sinnvoll. _____________________________________________________________________ .......................................... 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.6 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.6 Obligatorischer Einsatz eines Netzpaßwortes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Standardmäßig sollte jeder Benutzer (und auch die Administratoren) in einem lokalen Netz mit einem Benutzer-Paßwort ausgestattet werden. Für den korrekten Umgang mit dem Paßwort sind die Bedingungen aus Maßnahme M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs einzuhalten. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist jeder Benutzer im Netz mit einem Paßwort ausgestattet? - Sind die Benutzer über den korrekten Umgang mit Paßwörtern unterrichtet worden? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 14
M 5.7 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.7 Netzverwaltung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT Netze können zentral oder lokal an den einzelnen Knoten verwaltet werden. Das ist neben den technischen Möglichkeiten davon abhängig, wer den Netzknoten administriert. In jedem Fall ist eine zentrale Koordinierung aller Netzaktivitäten einer Behörde oder eines Unternehmens notwendig, damit Redundanzen vermieden werden. Zentral gesteuert werden sollten: - die Auswahl und Verlegung der Kabel, - die Auswahl der eingesetzten IT-Systeme und Anwendungen, um Unverträglichkeiten zu vermeiden, - die zentrale Vergabe von Netzadressen und Benutzer-IDs, - die organisatorische Zuteilung von Netzkomponenten z. B. zu Abteilungen. Die einzelnen Netzknoten und die dort angeschlossenen IT-Systeme können auch lokal verwaltet werden. Die Aufgaben- und Verantwortungsbereiche der Systemverwalter müssen dabei klar spezifiziert und eindeutig geregelt sein (siehe auch M 2.26 Ernennung eines Administrators und eines Vertreters). _____________________________________________________________________ .......................................... 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.8 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.8 Monatlicher Sicherheitscheck des Netzes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Der Netzadministrator sollte regelmäßig, mindestens monatlich, einen Sicherheitscheck des Netzes durchführen. Einige Netzbetriebssysteme bieten Programme an, mit denen diese Untersuchung automatisiert durchgeführt werden kann. Ein Beispiel ist das Programm SECURITY im Verzeichnis SYS:SYSTEM bei Novell 3.11. Folgende Parameter werden u. a. geprüft: - Gibt es Benutzer ohne Passwort? - Gibt es Benutzer, die längere Zeit das Netz nicht mehr benutzt haben? - Gibt es Benutzer, deren Passwort nicht die erforderlichen Bedingungen einhält? - Welche Benutzer besitzen die gleichen Rechte wie der Supervisor? Auch Unix-Systeme sind mit Programmen ausgestattet, mit denen solche Prüfungen automatisiert durchgeführt werden können. Eine Vielzahl von Public-Domain- und kommerziellen Programmen bieten weitere Prüfmöglichkeiten. In M 4.26 Regelmäßiger Sicherheitscheck des Unix-Systems sind verschiedene dieser Programme beschrieben. Auch das im Auftrag des BSI entwickelte BSI-Tool Sichere Unix-Administration (USEIT) bietet umfangreiche Möglichkeiten, die Netzsicherheit eines Unix-Systems zu prüfen. Es werden u. a. folgende Tests durchgeführt: - Prüfung auf Logins ohne oder mit schwachem Passwort, - Prüfung der voreingestellten Mindestpasswortlänge, - Prüfung der Netzdienste und ihrer Konfiguration, - Penetrationstests im lokalen Subnetz, - Inkonsistenzprüfungen der Systemdateien und des Systems, - Prüfung auf unsichere Ports und Dienste. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Durchführung und die Ergebnisse des Sicherheitschecks dokumentiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.9 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.9 Protokollierung am Server Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die am Netz-Server mögliche Protokollierung ist in einem sinnvollen Umfang zu aktivieren. In regelmäßigen Abständen muß der Netzadministrator die Protokolldateien des Netz-Servers überprüfen. Dabei sind insbesondere folgende Vorkommnisse von Interesse: - falsche Paßworteingabe für eine Benutzerkennung bis hin zur Sperrung der Benutzerkennung bei Erreichen der Fehlversuchsgrenze, - Versuche von unberechtigten Zugriffen, - Stromausfall, - Daten zur Netzauslastung und -überlastung. Da diese Log-Dateien mit der Zeit sehr umfangreich werden können, sollten die Auswertungsintervalle so kurz gewählt werden, daß eine sinnvolle Auswertung möglich ist. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer wertet die Log-Dateien in welchen Abständen aus? - Werden die Auswertungen dokumentiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.10 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.10 Restriktive Rechtevergabe Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Zugriffsrechte auf Dateien, die auf der Festplatte des Netz-Servers gespeichert sind, müssen restriktiv vergeben werden. Jeder Benutzer erhält nur auf die Dateien ein Zugriffsrecht, die er für seine Aufgabenerfüllung benötigt. Das Zugriffsrecht selbst wiederum wird auf die notwendige Zugriffsart beschränkt (Dazu siehe auch M 2.5 Aufgabenverteilung und Funktionstrennung, M 2.7 Vergabe von Zugangsberechtigungen und M 2.8 Vergabe von Zugriffsrechten). So ist es zum Beispiel in den seltensten Fällen notwendig, ein Schreibrecht auf Programmdateien zu vergeben. Meist darf über die Vererbung von Rechten auf Dateien in Unterverzeichnissen zugegriffen werden, wenn ein Zugriffsrecht auf das übergeordnete Verzeichnis bestand. Daraus ergibt sich, daß Zugriffsrechte auf höchster Ebene (Volume-Ebene) nur sehr eingeschränkt erteilt werden sollten. Insbesondere ist bei der Installation neuer Softwareprodukte die Rechtevergabe erneut zu überprüfen. Sind die PCs mit Diskettenlaufwerken ausgestattet, so ist auf restriktive Rechtevergabe besonderen Wert zu legen. Sollte der Speicherplatz des Netz-Servers gering ausgelegt sein, kann eine Beschränkung der maximalen Speicherkapazität, die ein Benutzer auf dem Netz-Server belegen darf, eingestellt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Kann anhand der Dokumentation der Rechtestruktur festgestellt werden, daß nur die minimal notwendigen Rechte vergeben wurden? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 18
M 5.11 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.11 Server-Konsole sperren Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Von der Server-Konsole aus kann die Administration des Netz-Servers vorgenommen werden. Sollte die Server-Konsole nicht gesperrt sein während das Netz läuft, kann jeder, der sich Zutritt zum Serverraum verschafft, sich dies für Manipulationen zu Nutze machen. Daher muß der Regelfall sein, daß die Server-Konsole gesperrt ist und nur mit einem speziellen Paßwort entsperrt werden kann. Diese Maßnahme kann ersetzt, besser ergänzt werden durch M 1.23 Abgeschlossene Türen. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Server-Konsole standardmäßig gesperrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.12 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.12 Einrichtung eines zusätzlichen Netzadministrators Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Für den Fall, daß der Netzadministrator wie auch sein Stellvertreter die Administrationsaufgaben nicht wahrnehmen können, ist Vorsorge zu treffen. Dazu ist ein zusätzlicher Benutzer einzurichten, der über die Rechte des Netzadministrators verfügt. Die Benutzer-Kennung und das dazugehörende Paßwort ist in einem versiegelten Umschlag sicher zu hinterlegen. Der Gebrauch dieses Paßwortes ist zu dokumentieren und mit dem Vier-Augen-Prinzip zu kontrollieren. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist ein Ersatz-Benutzer für den Netzadministrator und seinen Stellvertreter eingerichtet worden? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 20
M 5.13 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.13 Geeigneter Einsatz von Elementen zur Netzkopplung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Administrator Geräte zur Netzkopplung wie Router, Bridges oder Gateways verbinden nicht nur Netze, sie können auch zur physikalischen oder logischen Segmentierung von Netzen benutzt werden. Durch die Aufteilung von großen Netzen in Teilnetze kann z. B. die Verfügbarkeit verbessert werden, da ein Fehler nur einen begrenzten Bereich des Netzes betrifft und dort schneller lokalisiert werden kann. Bei zunehmender Anzahl von Netzstationen können Antwortzeiten unakzeptabel und eine Teilnetzbildung zur Lasttrennung notwendig werden. Der Schutz von sensitiven Informationen kann ein weiterer Grund zur Segmentierung von Netzen sein, so daß diese nicht auf dem Gesamtnetz verfügbar sind. Um sich vor externen Angreifern zu schützen, kann es sinnvoll sein, einen Transfer von Paketen nur vom sicheren ins unsichere Netz zuzulassen, zum Schutz von vertraulichen Daten kann es andererseits sinnvoll sein, keinen Transfer von Paketen vom sicheren ins unsichere Netz zuzulassen. Die Aufteilung in Netzsegmente bzw. die Netzkopplung kann auf verschiedenen Schichten nach dem OSI-Modell erfolgen. Netzkoppelkomponenten auf der physikalischen Schicht (Schicht 1) des OSI-Modells sind z. B. Repeater, auf der Sicherungsschicht (Schicht 2) z. B. Bridges, auf der Vermittlungsschicht (Schicht 3) z. B. Router und auf der Anwendungsschicht (Schicht 7) im allgemeinen Gateways. Zum besseren Verständnis ist das OSI-Modell in der folgenden Abbildung dargestellt. Das OSI/ISO Referenzmodell _____________________________________________________________________ .......................................... 21 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.13 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Eine Verbindung mit einem anderen Netz auf einer höheren Schicht (ab Schicht 3) des OSI-Modells ermöglicht es z. B. den Datenfluß nach Sicherheitsanforderungen zu reglementieren und somit zu schützende und unsichere Netze kontrolliert zu verbinden. Andererseits kann das Trennen von Netzen erforderlich sein, wenn diese vor Zugriffen aus dem jeweils anderen Netz geschützt werden sollen oder um die Verfügbarkeit der Netze im Fehlerfall zu erhöhen bzw. die Netzlast in den jeweiligen Netzsegmenten zu verringern. Um Manipulationen zu verhindern, müssen alle Geräte zur Netzkopplung so aufgestellt werden, daß nur Berechtigte physikalischen Zugang haben. Repeater Repeater arbeiten auf der Schicht 1 des OSI-Modells und sind einfache Signalverstärker. Dadurch erlauben sie es, die maximale Kabellänge eines bestehenden Netzsegmentes zu verlängern bzw. mehrere Netzsegmente zu verbinden. Beispielsweise kann mit ihnen beim Einsatz von Ethernet auf Koaxialkabelbasis die maximale Kabellänge auf über 185 m bzw. auf über 500 m (für Thin- bzw. Thick-Ethernetkabel) verlängert werden. Zu beachten sind hierbei die Konfigurationsregeln für Repeater, die die Anzahl und Anordnung von Repeatern beschränken. Im Fall einer Twisted-Pair-Verkabelung werden Repeater häufig als zentraler oder dezentraler Netzknoten zur Verbindung der einzelnen Netzteilnehmer eingesetzt. Da hierfür mehrere Repeater in einem Gerät miteinander verbunden werden müssen, werden diese Geräte auch Multiport-Repeater genannt. Multiport-Repeater werden häufig auch als Hubs bzw. als Mini-Hubs bezeichnet. Durch die somit erreichte Trennung auf der Schicht 1 des Netzes werden elektrische Fehler auf ein Segment beschränkt. Dies gilt jedoch nicht für Fehler in höheren Schichten (z. B. zu häufige Kollisionen oder ein BroadcastSturm). Von einigen Herstellern gibt es inzwischen auch Multiport-Repeater, die Informationen aus Schicht 2 auswerten (aber noch keine Bridges sind) und dadurch z. B. die Implementation von Zugriffsbeschränkungen erlauben. Mit solchen Geräten läßt sich beispielsweise einstellen, daß nur bestimmte Netzteilnehmer Zugang zum Netz bekommen. Bridge Die Verbindung von Netzen auf der Ebene 2 des ISO-OSI-Referenzmodells erfolgt über Bridges. Eine Bridge verbindet zwei Netze, die in der Regel dasselbe Logical Link Control (LLC) Protokoll benutzen, aber unterschiedliche Medium Access Control (MAC) Protokolle. Eine Bridge kann z. B. ein Ethernet mit einem Token-Ring-Netz verbinden. Eine solche Bridge wird dann Translation-Bridge oder T-Bridge genannt. Hierdurch ergeben sich drei wesentliche Vorteile: - Die Bridge trennt Collision-Domains, d. h. performanceverringernde Kollisionen bei CSMA/CD-basierten Netzen gelangen nicht in das andere Segment. _____________________________________________________________________ .......................................... 22 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.13 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Eine Bridge leitet nur diejenigen Datenpakete in ein anderes Segment, die dort auch ihre Zieladresse haben. Hierdurch bleibt der Datenverkehr auf das jeweils notwendige Segment beschränkt, wodurch die Abhörsicherheit steigt. - Schließlich steigt dadurch auch der Datendurchsatz in jedem Segment, da auf jeder Seite der Bridge unabhängig Daten übertragen werden können und somit eine Lasttrennung erfolgt. Switch (Ethernet, Token-Ring, ATM) Ein Switch ist eine Variante einer Brücke, die mehrere logische LAN-Segmente verbindet (Multiport-Brücke), arbeitet also auf Schicht 2 des OSIModells. Einige neuere Produkte implementieren zusätzlich auch SwitchingFunktionalität auf der Schicht 3 des OSI-Modells, erlauben also hiermit auch eine Schicht 3 Segmentierung. Ein Ethernet-Switch besteht aus mehreren Bridges, die auf geeignete Weise intern miteinander verbunden sind (z. B. über eine sogenannte SwitchingMatrix). Ein Ethernet-Switch bietet die Vorteile einer Bridge für mehrere Anschlüsse (üblich sind derzeit 8 bis 32 Anschlüsse pro Switch), d. h. jeder Netzteilnehmer bzw. jedes Segment an einem Switchanschluß bildet eine eigene Collision-Domain und der Verbindungsaufbau beruht auf den tatsächlichen Erfordernissen. Damit kann jedes angeschlossene Segment mit allen anderen unbeeinflußt von dem Verkehr und der Last der anderen Segmente kommunizieren, solange das entsprechende Segment nicht bereits anderweitig belegt ist. Switches bieten sich vor allem zur Lasttrennung und als zentrale Kopplungskomponente von mehreren Teilsegmenten an. Durch die Kaskadierung von Switches, d. h. durch den Anschluß von nachgeordneten Switches an einen zentralen Switch, lassen sich bei geeigneter Wahl der logischen Netzstruktur sehr leistungsfähige Netze bilden. Ethernet-Switches, die nach der IEEE-Norm für Bridges arbeiten, benutzen die Store-and-Forward-Technik. Bei dieser Technik wird zunächst das gesamte Ethernet-Paket des Quellports eingelesen und auf Korrektheit überprüft. Nur korrekt und vollständig empfangene Pakete werden an das Zielsegment weitergeschickt. Die Verzögerungszeit solcher Switches ist relativ hoch, sie garantieren aber auch, daß keine fehlerhaften Pakete in andere Segmente übertragen werden. Der Einsatz solcher Store-and-Forward-Switche ist dann zu empfehlen, wenn Wert auf maximale Verfügbarkeit und Integrität und nicht so sehr auf Bandbreite gelegt wird. Im Gegensatz dazu wurden alternativ Techniken entwickelt, die den Durchsatz eines Ethernet-Switches erhöhen, also die Verzögerungszeit zu verkleinern, die ein zu verarbeitendes Datenpaket erfährt. Hierzu wird die On-the-FlyTechnik (auch Cut-Through genannt) eingesetzt, die nicht mehr das gesamte Paket einliest und überprüft, sondern lediglich die Zieladresse des Paketes auswertet und daraufhin sofort das gesamte Paket an diese Adresse schickt. On-the-Fly-Switches sind damit maximal um den Faktor 20 schneller als Store-and-Forward-Switches. Allerdings leiten sie auch fehlerhafte Pakete in das andere Segment, wodurch die Bandbreite und damit u. U. die Verfügbarkeit der einzelnen Segmente beeinträchtigt werden kann. On-the- _____________________________________________________________________ .......................................... 23 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.13 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... fly-Switches sollten also in Netzen eingesetzt werden, in denen wenig fehlerhafte Pakete auftreten können und in denen es auf maximalen Durchsatz ankommt. Die meisten Hersteller bieten heute Switches an, die beide Techniken beherrschen und entsprechend konfiguriert werden können. Von einigen Produkten wird inzwischen auch ein Switching auf der Schicht 3 des OSI-Modells unterstützt. Dabei werden die Netzteilnehmer nicht mehr nach ihrer MAC-Adresse unterschieden (Layer-2-Switching), sondern nach den Adressen der Schicht 3 (für den TCP/IP-Protokollstapel ist dies die IPAdresse). Ein Layer-3-Switching kann weitere Performancevorteile bedeuten, in diesem Fall muß aber der Switch, analog zu einem Router, die auf der Schicht 3 verwendeten Protokolle verarbeiten können. Switches für ATM oder Token-Ring sind funktional einem Ethernet-Switch sehr ähnlich, d. h. auch ein Switch für diese Protokolle ermöglicht es, daß zwei Netzteilnehmer oder Netzbereiche unabhängig von den anderen kommunizieren können. Für ATM-Netze ist durch die zugrundeliegende Konzeption der Einsatz eines Switches sogar zwingend. Bei der Auswahl von Switches, mit denen ein Collapsed Backbone realisiert werden soll, muß die zur Verfügung gestellte Portdichte berücksichtigt werden. Bei einem "Collapsed backbone" sollte es vermieden werden, mehrere Switches einsetzen zu müssen, die nicht über eine gemeinsame (Hochgeschwindigkeits-) Backplane verfügen (vgl. M 5.2 Auswahl einer geeigneten Netz-Topographie). Router Router trennen bzw. verbinden Netze auf der Schicht 3 des OSI-Modells. Damit arbeiten Router nicht mehr protokolltransparent (wie z. B. Repeater oder Bridges), sondern müssen die im Einsatz befindlichen Protokolle auf der Vermittlungsschicht auch verarbeiten können. Dadurch verlangsamen Router den Datenverkehr zwischen zwei verbundenen Teilnetzen merklich, da der Router jedes Paket auf der Schicht 3 auswerten muß. Aufgrund ihrer Fähigkeit, Protokolle zu verarbeiten und diese umzusetzen, werden Router vor allem zur LAN-LAN-Kopplung und zur Anbindung eines LANs an ein WAN genutzt. Ein Router kann beispielsweise zwei LANs über eine ISDN-Leitung miteinander verbinden. Hierbei wird das LAN-Protokoll unverändert in das WAN-Protokoll eingekapselt (encapsulation) und übertragen. Ein anderes Protokoll, das hier beispielsweise zum Einsatz kommen kann, ist das X.25-Protokoll. In großen Netzen, in denen viele Teilnetze durch Router verbunden sind, ist eine wesentliche Aufgabe des Routers die Wegewahl (Routing) zwischen den Teilnetzen. Hierbei können prinzipiell zwei Verfahren unterschieden werden: - Das statische Routing, bei dem die Wegewahl manuell angegeben wird. - Das dynamische Routing, bei dem die Wegewahl durch die Router bestimmt und laufend aktualisiert wird. Hierzu stehen mehrere Algorithmen bzw. Protokolle zur Verfügung, die auch den Abgleich der Router untereinander gewährleisten. Die bekanntesten Protokolle sind RIP (Routing Information Protocol), OSPF (Open Shortest Path First) und IGRP (Interior Gateway Routing Protocol). Für die Auswahl eines geeig- _____________________________________________________________________ .......................................... 24 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.13 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... neten Routing-Protokolls ist auch M 4.82 Sichere Konfiguration der aktiven Netzkomponenten zu beachten. Weiterhin kann durch den Einsatz von Filtern eine Zugriffskontrolle gewährleistet werden, d. h. welche Systeme mit welchen Protokollen über den Router in welche Richtung miteinander kommunizieren dürfen Konzentratoren und Hubs Unter einem Hub wird eine Komponente verstanden, die eine oder mehrere aktive Netzkoppelkomponenten aufnimmt und eine Kommunikation dieser Komponenten untereinander über eine interne Backplane (siehe auch M 5.2 Auswahl einer geeigneten Netz-Topographie) ermöglicht. Hubs, die bei Bedarf mehrere Netzkoppelkomponenten aufnehmen können, werden als modulare Hubs bezeichnet. Entsprechend werden Hubs, die nur aus einer Koppelkomponente bestehen und nicht zur Aufnahme weiterer Komponenten bestimmt sind, als nicht modulare Hubs bezeichnet. Wenn es möglich ist, die Backplanes mehrerer Hubs miteinander zu verbinden, werden diese Hubs als stackable Hubs bezeichnet. Durch den Einsatz eines Hubs oder eines Konzentrators erfolgt die Leitungsführung zumindest zum Teil sternförmig zu den Endgeräten, aus diesem Grund werden Hubs oder Konzentratoren auch Sternkoppler genannt. Wie bereits bei den Repeatern erwähnt ist die kleinste Form eines Konzentrators bzw. eines Hubs ein Multiport-Repeater. Modulare Hubs dagegen erlauben die Aufnahme verschiedener Koppelelemente, die selbst wiederum auf verschiedenen Schichten arbeiten können (z. B. Repeater, Bridges und Router). Durch diese Konzentration der Netzkoppelkomponenten an einem Ort ergeben sich Vorteile in der einfacheren Administration des Netzes, allerdings beeinflußt der Ausfall eines solchen zentralen Hubs auch das gesamte Netz. Für diesen Fall sind geeignete Vorsorge-Maßnahmen zu treffen, wie z. B. die redundante Auslegung der Netzkomponenten (siehe M 6.53 Redundante Auslegung der Netzkomponenten). Gateway Ein Gateway verbindet zwei Netze auf der Anwendungsschicht (Schicht 7) des OSI-Modells. Daher erfüllt er nicht nur die Aufgabe, ein Netzprotokoll zu konvertieren, sondern auch Daten auf Anwendungsebene zu transportieren, gegebenenfalls zu modifizieren und unter Sicherheitsgesichtspunkten auszuwerten. Ein typisches Einsatzfeld eines Gateways ist die Kommunikation von Systemen in einem TCP/IP-Netz mit einem SNA-Host. In diesem Fall besteht das Gateway aus einer Kombination von Hard- und Software. Es gibt jedoch auch Gateways, die nur durch Software realisiert sind. Dies sind z. B. Mail-Gateways, die unterschiedliche Mailformate verstehen und konvertieren können. _____________________________________________________________________ .......................................... 25 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.14 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.14 Absicherung interner Remote-Zugänge Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die Remote-Zugänge bei TK-Anlagen werden für Fernwartungs-, Fernadministrations- und Netzmanagementaufgaben genutzt. Ferner können noch Remote-Zugänge für die Anlagennutzer (Dial-In-Optionen) existieren. Grundsätzlich läßt sich zwischen - einem Remote-Zugang im eigenen TK-Anlagenverbund (interner Zugang) und - einem Remote-Zugang aus anderen Netzen (externer Zugang) unterscheiden. Beim internen Remote-Zugang wird die Absicherung einer Fernwartung innerhalb eines TK-Anlagenverbundes betrachtet. Unter Anlagenverbund wird hierbei eine aus mehreren separaten Anlagenteilen bestehende Gesamtanlage verstanden, welche über ein eigenes Leitungsnetz miteinander verbunden ist. Sollte diese Verbindung über öffentliche Vermittlungseinrichtungen geführt sein, so sind zusätzlich die unter M 5.15 Absicherung externer Remote Zugänge beschriebenen Maßnahmen zu realisieren. Bei Vernetzung über geschlossene Benutzergruppen innerhalb öffentlicher Netze oder über virtuelle private Netze (VPN) sollten die Maßnahmen für interne Remote Zugänge und nach Möglichkeit die mit * gekennzeichneten Punkte aus den Maßnahmen für externe Remote-Zugänge umgesetzt werden. Der wichtigste Aspekt bei der Absicherung des internen "Remote-Zuganges" ist der, Eindringversuche aus externen Netzen wirksam zu unterbinden und gegebenenfalls auch erkennen zu können. Desweiteren sollen die Zugänge aus dem eigenen Netz auf die berechtigten Stellen und Personen eingeschränkt werden können. Je nach Art der Zugangstechnik existieren hierfür unterschiedliche Methoden. Absicherung eines internen Remote-Zuganges via Modem Die nachfolgende Abbildung stellt ein typisches Szenario eines internen Remote-Zugangs zu einem Fernadministrationsport via Modem dar. Die TKAnlage PBX 1 wird vom Wartungsplatz aus direkt über die V.24-Wartungsschnittstelle administriert. Die TK-Anlage PBX 2 wird vom Wartungsplatz aus über Modem 1 - PBX 1 - PBX 2 - Modem 2 - V.24-Wartungsschnittstelle administiert. _____________________________________________________________________ .......................................... 26 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.14 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bild: Aufbau einer Fernadministration via Modem In einem solchem Fall können folgende Maßnahmen zur Abschottung gegenüber Zugängen aus externen Netzen ergriffen werden: - Keine Amtsberechtigung für den Modemanschluß Der Modemanschluß, über den der Zugang zum Administrationsport der Anlage geführt wird, sollte in jedem Fall nicht-amtsberechtigt sein! Diese Minimalanforderung sollte als erstes überprüft werden. Hiermit wird vermieden, daß das Modem von außerhalb direkt angewählt werden kann. - Geheimhaltung der Rufnummer des Wartungsports (Modem) Um Mißbrauch von vornherein zu erschweren, sollte die Rufnummer des Wartungsapparates nicht in Telefonverzeichnissen veröffentlicht werden. Ihre Kenntnis sollte den sie unmittelbar benötigenden Personen vorbehalten bleiben. - Verwendung von Standleitungen (optional) Die Verwendung von eigenen Standleitungen für die RemoteVerbindungen, die nicht über Vermittlungseinrichtungen geführt werden, ist eine der sichersten Methoden, einen externen Zugriff auf die RemoteZugänge zu unterbinden. Da dieses Verfahren in der Regel sehr teuer ist, wird es nur in Ausnahmefällen Anwendung finden können. Um sicherzustellen, daß nur die berechtigten Stellen innerhalb des eigenen Netzes auf die Remote-Zugänge zugreifen können, müssen folgende Maßnahmen umgesetzt werden: - Bildung geschlossener Benutzergruppen (Closed User Group, CUG) In einigen TK-Anlagen lassen sich auch anlagenübergreifend CUGs einrichten. Diese geschlossenen Benutzergruppen stellen eine Art Netz im Netz dar. Alle benötigten Remote-Zugänge sollten daher mit den jeweils zugangsberechtigten Stellen in solchen CUGs zusammengefaßt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 27 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.14 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Automatischer Rückruf (Callback) Die Callback-Option der Modems sollte genutzt werden (vgl. M 5.30 Aktivierung einer vorhandenen Callback-Option). Wird ein PC-Gateway eingesetzt, so sollte das Callback von dort gestartet werden. - Beschränkung der Rechte des Remote-Ports (optional) Sollte die TK-Anlage eine Rechteverwaltung für verschiedene Ports unterstützen, so kann diese genutzt werden, um sicherheitskritische Aktionen über Remote-Zugänge zu unterbinden und nur vor Ort zuzulassen. Viele TK-Anlagen besitzen diese Option jedoch nicht. In solchen Fällen können durch Zusatzprodukte, z. B. Portcontroller, die über einen Port ausführbahren Transaktionen beschränkt werden. Um sicherzustellen, daß nur die berechtigten Personen innerhalb des eigenen Netzes auf die Remote-Zugänge zugreifen können, müssen folgende Maßnahmen umgesetzt werden: - Identifikation und Authentisierung, - Challenge-Response-Verfahren zur Authentikation (optional). Absicherung eines internen Remote-Zugriffes via ISDN-Vernetzung Aus Pratikabilitätsgründen bietet es sich teilweise an, die PCs mit Netzmanagementaufgaben mit ISDN-Karten auszurüsten. In einem solchen Fall sollte eine geschlossene Benutzergruppe gebildet werden. Hierzu kann die Rufnummer des rufenden Teilnehmers genutzt werden (Calling Line Identification and Presentation, CLIP). Dies könnte vom Endgerät selbst unter Zuhilfenahme der vom Netz zur Verfügung gestellten Rufnummer des anrufenden Gerätes (CLIP) realisiert werden. Absicherung direkter Systemzugänge (Direct Inward System Access, DISA) Direkte Systemzugänge sollten nach Möglichkeit gesperrt werden. Ist dies nicht möglich, so sollten die Berechtigungen so gesetzt werden, daß der direkte Systemzugang nur über einen dedizierten Port erfolgen kann. Auf diese Weise wird es möglich, den DISA-Zugang über ein Gateway zu führen. Ein Beispiel einer solchen Absicherung ist in der folgenden Abbildung dargestellt: Abbildung: Absicherung eines direkten Systemzuganges _____________________________________________________________________ .......................................... 28 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.14 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Einrichtung und Unterbringung eines Netzmanagementzentrums Der Vorteil eines zentralen Netzmanagementes ist, neben einer komfortablen Abwicklungsmöglichkeit der Systemadministration, daß für die alltäglichen Administrationsarbeiten kein physikalischer Zutritt zu den TK-Anlagen mehr notwendig ist. Sollte die Einrichtung eines zentralen Netzmanagementes erwogen werden, so ist dies in einem gesicherten Bereich unterzubringen. Der Zutritt zu diesem Zentrum ist durch organisatorische Maßnahmen zu regeln. Entsprechende Vorgaben können dem Kapitel 4.3.2 Serverraum entnommen werden. Die Managementrechner, von welchem die Arbeiten durchgeführt werden können, sollten auch mit geeigneten Maßnahmen abgesichert werden. Beispiele finden sich in den Kapiteln 5.1 DOS-PC (ein Benutzer) und 5.2 Unix-System. Protokollierung von Wartungsmaßnahmen Die momentane Anlagenkonfiguration, d. h. vergebene Rufnummern und Berechtigungen, aktivierte und deaktivierte Leistungsmerkmale, eingerichtete Heranholgruppen etc., muß jederzeit nachvollziehbar sein. Hierzu ist es notwendig, vorgenommene Veränderungen zu protokollieren. Eine elegante Methode ist die Zwangsprotokollierung mit Hilfe eines PC-Gateways. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die externe Fernwartung unterbunden? - Ist der Remote-Zugang nicht-amtsberechtigt? - Wer kann von wo aus den Remote-Zugang anwählen? - Wer hat Zugang zur Fernwartungszentrale? - Befindet sich die Fernwartungszentrale in einem gesicherten Bereich? - Werden alle Fernwartungszugriffe und Eingaben protokolliert? _____________________________________________________________________ .......................................... 29 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.15 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.15 Absicherung externer Remote-Zugänge Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Als externer Remote-Zugang wird hierbei jeder Zugriff über den Wartungseingang der TK-Anlage via öffentliche Vermittlungssysteme angesehen. Dies kann entweder dadurch notwendig werden, daß die einzelnen Anlagen des Verbundes nicht oder nicht nur1) über Standleitungen verbunden sind oder daß auf eine schnelle Unterstützung des Herstellers in Notfällen nicht verzichtet werden kann. In diesen Fällen muß der Wartungsport (Modem) die volle Amtsberechtigung besitzen. Die nachfolgende Abbildung stellt ein typisches Szenario eines externen Remote-Zugangs zur einem Fernadministrationsport via Modem dar. Die TKAnlage wird vom externen Wartungsplatz aus über Modem 1 - öffentliches Netz - PBX 1 - Modem 2 - V.24-Wartungsschnittstelle administriert. Abbildung: Aufbau einer externen Fernadministration über Modem Aus Sicherheitsgründen ist es sinnvoll, auf externe Fernwartung zu verzichten. Ist dies nicht möglich, so sind - neben den Maßnahmen für interne Remote Zugänge - zusätzliche Sicherungsmaßnahmen unumgänglich. PC-Gateway* Zwischen Wartungsport und Modem sollte ein PC-Gateway geschaltet werden. Dieser muß die folgenden Sicherheitsfunktionen realisieren: 1) Einige Anlagen bieten die Möglichkeit, nur die Grundverkehrslast über Standleitungen abzuwickeln und Lastspitzen automatisch über das öffentliche Netz zu routen. Dieser Vorgang wird dem Benutzer nicht signalisiert. * Diese Maßnahme sollte auch bei interner Fernwartung über virtuelle private Netze angewandt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 30 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.15 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Identifikation und Authentisierung des Bedieners, - Abbruch der Verbindung bei sicherheitskritischen Ereignissen, - Automatischer Rückruf (call back) und - Protokollierung aller Tätigkeiten. Darüber hinaus können noch weitere Funktionalitäten implementiert werden: - Verhängen einer Zeitsperre bei fehlerhaften Zugangsversuchen, - Sperren der Fernwartung im Normalbetrieb und explizite Freigabe für eine genau definierte Zeitspanne; dies ist sinnvoll, um in Notfall dem Hersteller oder einem anderen Wartungsunternehmen einen Eingriff zu ermöglichen, - Einschränkung der Rechte des Wartungspersonals; über eine auf dem Wartungs-PC installierte Zusatzsoftware kann der Benutzer in seinem Handlungsspielraum eingeengt werden, um eine abgestufte Rechteverwaltung zu realisieren, - "Zwangslogout" bei Leitungsunterbrechung; wird die Verbindung zwischen Fernwartungsstelle und PC-Gateway auf irgendeine Weise unterbrochen, so muß der Zugriff auf das System durch ein "Zwangslogout" beendet werden. Physikalische Abschaltung des Fernwartungszuganges Sollte im Normalfall keine Fernwartung benötigt und nur im Bedarfsfall eine solche ermöglicht werden, so empfiehlt sich die physikalische Abschaltung des Zuganges. Im Bedarfsfall kann dieser, eventuell nach telefonischer Rücksprache mit dem Hersteller oder der Wartungsfirma, kurzfristig aktiviert werden. Geschlossene Benutzergruppen (Closed User Group, CUG) In öffentlichen ISDN- und X.25-Netzen wird das Leistungsmerkmal der Bildung von CUG angeboten. Auf diese Weise wird für einen Benutzer vom Netzbetreiber ein virtuelles "Netz-im-Netz" zur Verfügung gestellt. Die geschlossenen Benutzergruppen können beim Netzbetreiber gegen entsprechende Entgelte beantragt werden. Alternativ kann überlegt werden, die geschlossenen Benutzergruppen durch Nutzung der ISDN-Hilfsdienste Calling Line Identification and Presentation (CLIP) und Connected Line Identification and Presentation (COLP) selbst zu realisieren. Dies kann, wenn möglich, durch entsprechende Konfiguration der eigenen TK-Anlage oder aber durch entsprechende Auslegung eines PCGateways geschehen. Vermeidung bzw. Kontrolle direkter Einwahlmöglichkeiten (Dial-In) Eine direkte Einwahlmöglichkeit, z. B. aus anderen Netzen über Nachwahl im Mehrfrequenzwahlverfahren, in die TK-Anlage sollte nach Möglichkeit unterbunden werden. Solche Verfahren werden oft für den Zugang zu Serverdiensten genutzt. Sollte ein Unterbinden aus betrieblichen Gründen nicht vermeidbar sein, so empfiehlt sich das vollständige Aktivieren der möglichen Schutzmechanismen und eine regelmäßige Kontrolle auf möglichen Mißbrauch. _____________________________________________________________________ .......................................... 31 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.15 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Fernwartung im Normalfall physikalisch abgeschaltet? - Von wo aus kann eine Fernwartung durchgeführt werden? - Ist ein "Callback-Verfahren" realisiert? - Ist ein PC-Gateway realisiert? - Sind über Fernwartung vorgenommene Eingaben nachvollziehbar? - Besteht über Fernwartung Zugriff auf die Protokolldateien? - Kann der Protokolldrucker über Fernwartung deaktiviert werden? - Werden erfolglose Login-Versuche protokolliert? - Wird nach solchen Versuchen die Verbindung abgebrochen? - Erfolgt ein zwangsweises Logout bei Leitungsunterbrechung? _____________________________________________________________________ .......................................... 32 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.16 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.16 Übersicht über Netzdienste Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Bevor unter Unix mit der Sicherheitsüberprüfung einzelner Netzdienste und -prozesse begonnen wird, sollte zunächst eine Übersicht darüber erstellt werden, welche Dienste überhaupt zur Verfügung gestellt werden müssen und welche Dienste u. U. schon installiert sind. Für letzteres ist es hilfreich, mit Hilfe des Befehls ps und entsprechenden Optionen eine Liste aller Netzprozesse zu erzeugen. Dann sollte man sich über die Aufgabe von jedem dieser Prozesse und darüber, wo er mit welchen Optionen gestartet wird, informieren. Häufig geschieht dies in den Dateien /etc/rc, /etc/rc.net, /etc/rc.local, die beim Booten des Systems gelesen werden. Besonders wichtig ist der inetd-Daemon, da dieser alle Prozesse, die in der Datei /etc/inetd.conf aufgeführt sind, starten kann. Auch Konfigurationsdateien wie /etc/services, /etc/protocols, /etc/hosts, /etc/gated.conf und andere müssen überprüft werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 33 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.17 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.17 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von NFS Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator NFS (Network File System) erlaubt die gemeinsame Benutzung von Dateien auf einem Server von allen Rechnern (Clients) aus, die im selben Netz eingebunden sind und auf dem Server die Rechte dazu bekommen haben. Jeder Server läßt sich auch als Client betreiben und umgekehrt, so daß sichergestellt werden muß, daß jeder Rechner nur mit der für ihn vorgesehenen Funktionalität arbeitet. So ist es z. B. unnötig, den Mount-Daemon mountd oder den NFSDaemon nfsd auf einem NFS-Client zu starten. - Auf einem NFS-Server muß in einer Datei (z. B. /etc/exports oder /etc/dfs/dfstab) jedes Dateisystem bzw. Verzeichnis eingetragen werden, das von anderen Rechnern gemountet werden können soll. Für sie muß folgendes gelten: - Es sollten nur Dateisysteme exportiert werden, die unbedingt notwendig sind. - Mit den Schlüsselwörtern root= und access= lassen sich die Rechner genau spezifizieren, für die Dateisysteme zum Export freigegeben werden sollen. Fehlt die Angabe spezieller Rechner, so ist das Dateisystem für alle Rechner freigegeben, was auf keinen Fall geschehen darf! - Für Dateisysteme, die nur gelesen werden sollen, und hierzu gehören alle ausführbaren Dateien, sollte die Option ro (read only) benutzt werden. - Normalerweise wird die Benutzernummer des Systemadministrators (UID 0) bei NFS-Anfragen auf die Nummer des Benutzers nobody (UID -2 bzw. 65534) umgesetzt, so daß auf Dateien mit der UID 0 über NFS nicht zugegriffen werden kann. Dies gilt nicht für Dateien, die anderen privilegierten Benutzern gehören, wie z. B. bin oder daemon, was auch in Zusammenhang mit der Aufteilung der Administrationstätigkeiten (M 2.32 Einrichtung einer eingeschränkten Benutzerumgebung) bedacht werden muß, d. h. Dateisysteme mit Dateien dieser Benutzer dürfen nicht exportiert werden. Da jeder Rechner im Netz jede IP annehmen kann und z. B. jeder PCBenutzer unter DOS root-Privilegien hat, sollte also die Umsetzung von root auf nobody nicht abgeschaltet werden, und es sollte sichergestellt werden, daß ein Eintrag nobody:*:-2:-2:anonymous user:: in der /etc/passwd existiert und wirksam ist. In diesem Zusammenhang muß auch beachtet werden, daß jeder Benutzer, der auf einem Netzrechner root-Privilegien hat (z. B. als PC-Benutzer) über NFS auch jede Gruppenkennung annehmen kann, so daß also kein exportiertes Verzeichnis und keine exportierte Datei Gruppenschreibrechte besitzen sollte und Lese- und Ausführungsrechte nur, soweit dies unumgänglich ist. Außerdem sollte beachtet werden, daß nicht nur einzelne Dateien, sondern alle darüberliegenden Verzeichnisse geschützt werden müssen! _____________________________________________________________________ .......................................... 34 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.17 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Die Option anon=-1 sollte benutzt werden, damit anonyme Anfragen verhindert werden. anon=0 (root) sollte niemals benutzt werden, da hierdurch jedem Benutzer Dateizugriffe mit root-Rechten möglich werden. - In Dateien wie z. B. /etc/fstab oder /etc/vfstab sind die Dateisysteme eingetragen, die durch einen Befehl wie z. B. mount -a oder mountall gemountet werden können. Dies kann u. U. auch ohne Rückfrage beim Booten geschehen. Diese Datei muß deshalb rechtzeitig auf Korrektheit überprüft werden. - /etc/exports und /etc/fstab (bzw. analoge Dateien auf anderen Systemen) sind Systemdateien, auf die nur der Systemadministrator Zugriff haben darf. - Zu exportierende Dateisysteme sollten auf einer separaten Platte oder Partition eingerichtet werden, damit z. B. das unbefugte Vollschreiben der Systemplatte durch einen Benutzer von einem anderen Rechner aus verhindert wird. - Beim Mounten exportierter Dateisysteme muß die Option nosuid benutzt werden, um die Ausführung von suid-Programmen auf dem Client zu verhindern. - Wenn möglich, sollte der NFS-Daemon so konfiguriert werden, daß er automatisch eine Überprüfung der Portnummern durchführt, um sicherzustellen, daß Pakete nur von den privilegierten Ports 0 - 1023 akzeptiert werden. - Zur Kennzeichnung von Dateien werden zwischen Client und Server sogenannte File-Handles benutzt, die sich sehr leicht erraten lassen. Sie sollten deshalb mit Hilfe des Programms fsirand randomisiert werden. - Wenn vorhanden, sollte SECURE-NFS benutzt werden, so daß die Daten verschlüsselt übertragen werden. Dabei sind folgende Schritte wichtig: - Erzeugung von Schlüsseln für alle NFS-Benutzer, - Löschen des public key für den Benutzer nobody, - auf dem NIS-Masterserver darf rpc.ypupdated nicht laufen, - Übertragung der public key map auf alle Rechner, bevor SECURENFS gestartet wird, - Benutzung von keylogin und keylogout zur Erzeugung von private keys beim Ein- und Ausloggen, - auf jedem Client muß der keyserv-Daemon laufen, - beim Mounten muß die Option secure benutzt werden, - die Uhren auf allen Rechnern müssen synchronisiert werden, da die übertragenen Pakete mit Zeitmarken versehen werden, um das Wiedereinspielen von Nachrichten zu verhindern. _____________________________________________________________________ .......................................... 35 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.18 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.18 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von NIS Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator NIS (Network Information Service) läßt sich nicht ohne schwerwiegende Sicherheitslücken betreiben und sollte deshalb nur in einer sicheren Umgebung eingesetzt werden. Für einen NIS-Server gilt folgendes: - In der Paßwortdatei /etc/passwd darf der Eintrag +::0:0::: nicht enthalten sein, da sonst ein Zugang mit dem Namen ´+´ ohne Paßwort existiert. Sollte der Eintrag notwendig sein, muß das Paßwort durch ein ´*´ ersetzt werden (überprüfen, ob der Zugang wirklich gesperrt ist !). Trotzdem bleibt die Gefahr, daß bei einer versehentlichen Löschung der ersten Spalte (das ´+´) ein privilegierter Zugang ohne Paßwort und ohne Benutzername möglich ist! - Analoges gilt für die Gruppendatei /etc/group und alle anderen sicherheitsrelevanten Dateien, die über NIS netzweit zugänglich gemacht werden sollen, wie z. B. /etc/hosts, /etc/group oder /etc/bootparams. - Der Server-Prozeß ypserv sollte nur Anfragen von vorher festgelegten Rechnern beantworten. Für einen NIS-Client gilt folgendes: - Der Eintrag +:*:0:0::: in der Paßwortdatei /etc/passwd sollte dokumentiert werden (siehe M 2.31 Dokumentation der zugelassenen Benutzer und Rechteprofile), und es muß auf jeden Fall ein Eintrag im Paßwortfeld vorhanden sein, damit nicht im Falle einer (beabsichtigten oder nicht beabsichtigten) Nichtbenutzung von NIS versehentlich ein Zugang mit dem Benutzernamen ´+´ ohne Paßwort geschaffen wird. - Analoges gilt für die Gruppendatei /etc/group und alle anderen sicherheitsrelevanten Dateien, die über NIS netzweit zugänglich gemacht werden sollen. - Der Client-Prozeß ypbind sollte nur Daten akzeptieren, die von einem privilegierten Port kommen, da ansonsten er Daten (auch Paßwörter !) von jedem beliebigen Prozeß, der sich als Server ausgibt, bekommen könnte. - Um zu verhindern, daß der NIS-Administrator auf allen NIS-Clients rootRechte hat, sollte auf jedem NIS-Client ein lokaler Benutzer mit der UID 0 eingerichtet werden. - Es muß beachtet werden, daß NIS zunächst die lokalen Dateien nach passenden Einträgen absucht, so daß z. B. die Einträge root::0:0::: +:*:0:0::: in der /etc/passwd dazu führen, daß nicht das root-Paßwort aus der NISMap benutzt wird, sondern der erste Eintrag ohne Paßwort. _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 36
M 5.19 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.19 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von sendmail Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Da die Übertragung von Mails die wohl am meisten verbreitete Anwendung in Netzen ist, sind die dafür zuständigen Prozesse von besonderer Bedeutung und einer der häufigsten Angriffspunkte in einem System. Hinzu kommt, daß diese Prozesse häufig das suid-Bit gesetzt haben und einem privilegierten Benutzer gehören (z. B. root oder bin). Ein Fehler in sendmail war z. B. einer der Wege, über die sich der Internet-Wurm ausgebreitet hat. - Beim Starten von sendmail lassen sich sehr viele Optionen angeben, die zu Sicherheitsproblemen führen würden, wenn sie mit root-Rechten abliefen. Wenn sendmail von beliebigen Benutzern aufgerufen werden kann, sollte deshalb überprüft werden, ob es beim Start mit einer dieser Optionen das gesetzte suid-Bit ignoriert und mit der UID des Benutzers abläuft. Um Sicherheitsprobleme zu vermeiden, sollte der Administrator sicherstellen, daß sendmail nur mit den folgenden Optionen bei gesetztem suid-root-Bit von unprivilegierten Benutzern gestartet werden kann: 7, b, C, d, e, E, i, j, L, m, o, p, r, s und v. - Aufgrund der in der Vergangenheit aufgedeckten Sicherheitsdefizite des Programms sendmail muß stets die aktuellste Programmversion eingesetzt werden. Informationen über die aktuellen Versionen erteilen die in M 2.35 Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems angegebenen Stellen wie BSI, CERT, DFN-CERT. - Der sendmail-Prozeß darf nicht im Debug-Modus betrieben werden können, da es sonst möglich wird, root-Rechte zu erlangen. Man kann dies testen, indem man den Befehl telnet localhost 25 eingibt, wobei localhost der zu überprüfende Rechnername sein kann und 25 die Portnummer, mit der der sendmail-Prozeß angesprochen wird. Der Rechner bzw. der sendmail-Prozeß meldet sich dann mit Trying 123.45.67.8... Connected to xxx.yy.de. Escape character is '^]'. 220 xxx Sendmail 4.1/SMI-4.1 ready at Wed, 13 Apr 94 10:04:43 +0200 Wenn Sie nun den Befehl debug, showq oder bei sehr alten Versionen wizard eingeben, sollte dies der Prozeß mit 500 Command unrecognized ablehnen. Sie können dann mit dem Befehl quit die Verbindung wieder beenden. _____________________________________________________________________ .......................................... 37 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.19 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Die Befehle vrfy und expn dürfen nicht verfügbar sein, da sie zu einem Mailnamen den zugehörigen Login-Namen ausgeben, so daß sich dann durch Probieren evtl. das zugehörige Paßwort herausfinden läßt. Bei Version 8 von sendmail lassen sich diese Befehle z. B. durch die Option p (privacy) beim Starten abschalten. Ob diese Befehle verfügbar sind, läßt sich wie im vorigen Punkt beschrieben feststellen, also z. B. durch Eingabe des Befehl vrfy useralias. - Die Konfigurationsdatei sendmail.cf sollte root gehören und auch nur für root les- und schreibbar sein. Dasselbe gilt für die darüber stehenden Verzeichnisse, da sich sonst durch ein einfaches Umbenennen dieser Verzeichnisse eine neue sendmail.cf Datei erzeugen läßt. - Die Angabe von ausführbaren Programmen oder von Dateien als gültige Adressen für Empfänger oder Absender muß durch die Konfiguration von sendmail.cf verhindert werden oder durch geeignete Maßnahmen auf bestimmte, unbedenkliche Programme und Dateien eingeschränkt werden. - Das F-Kommando (also z. B. FX/path [^#]), mit dessen Hilfe Klassen definiert werden, sollte in der Konfigurationsdatei (sendmail.cf) nur benutzt werden, um Dateien zu lesen, die sowieso systemweit lesbar sind, da es sonst möglich sein kann, daß sicherheitsrelevante Informationen aus geschützten Dateien frei verfügbar werden. Die Programmform des FKommandos (z. B. FX|/tmp/prg) sollte nicht benutzt werden! - Bei der Definition des Delivery Agents (z. B. Mlocal) dürfen nur absolute Pfade angegeben werden (z. B. P=/bin/mail). Außerdem sollte das Flag S (suid) nur gesetzt werden, wenn die damit evtl. verbundenen Sicherheitsprobleme geklärt sind. - Jede Datei, in die sendmail schreiben könnte, wie z. B. sendmail.st für eine Statistik, sollte nur von root beschreibbar sein und auch nur in root gehörenden Verzeichnissen stehen. Dasselbe gilt für Dateien, die von sendmail ausgewertet werden wie z. B. :include: in Mailing Listen. - Privilegierte Benutzer wie bin oder root sollten keine .forward Datei besitzen. Sind nämlich die Benutzer- oder Gruppenschreibrechte für diese Datei falsch gesetzt oder gelingt es einem Benutzer, in eine privilegierte Gruppe zu gelangen, kann er sich eine Shell mit der privilegierten Benutzerkennung erzeugen. Für normale Benutzer sollte die .forward-Datei nur von dem Besitzer beschreibbar sein und muß sich in einem Verzeichnis befinden, das dem Besitzer gehört. Falls ein Heimatverzeichnis systemweit beschreibbar sein muß, wie z. B. uucp, läßt sich auf folgende Weise verhindern, daß eine schädliche .forward-Datei angelegt werden kann: Es muß ein Verzeichnis mit dem Namen .forward, den Rechten 000 und dem Besitzer root angelegt werden und in diesem eine Datei ebenfalls mit den Rechten 000 und dem Besitzer root, so daß niemand außer root diese Datei verändern oder löschen kann. Das Homedirectory von uucp sollte dann ebenfalls root gehören und mit dem Sticky-Bit (t) versehen sein. Eine analoge Vorgehensweise empfiehlt _____________________________________________________________________ .......................................... 38 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.19 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... sich auch für andere Konfigurationsdateien (z. B. .login, .cshrc) in systemweit beschreibbaren Verzeichnissen. - Aus der Alias-Datei sollte jedes ausführbare Programm entfernt werden, insbesondere auch uudecode. Außerdem sollte die Alias-Datei und die zugehörige Datenbank root gehören und auch nur für root beschreibbar sein. - Es muss beachtet werden, dass jede empfangene Mail verfälscht sein kann. Dies kann entweder in der Mailqueue geschehen oder durch ein Einloggen auf Port 25. Ersteres lässt sich vermeiden, wenn das MailqueueVerzeichnis root gehört und die Rechte 0700 besitzt. Die Queue-Dateien sollten die Berechtigung 0600 haben. Die Veränderung einer Mail während ihres Transportes lässt sich nicht vermeiden, so dass die Benutzer darüber aufgeklärt werden müssen, dass z. B. eine Mail von root, in der sie dazu aufgefordert werden, ihr Passwort zu ändern, gefälscht sein _____________________________________________________________________ .......................................... 39 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.20 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.20 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von rlogin, rsh und rcp Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Mit dem Programm rlogin bzw. dem zugehörigen Daemon rlogind ist es möglich, sich über eine Netzverbindung auf einem anderen Rechner einzuloggen, wobei allerdings nur das Passwort abgefragt wird, da der Benutzername direkt übergeben wird. Mit den Kommandos rsh bzw. rcp und dem Daemon rshd ist es möglich, auf einem anderen Rechner ein Kommando ausführen zu lassen. Für beide Befehle gibt es die Möglichkeit, Trusted-Hosts zu definieren und zwar entweder benutzerspezifisch im Heimatverzeichnis in der Datei $HOME/.rhosts oder systemweit in der Datei /etc/hosts.equiv. Jeder Rechner, der in einer dieser Dateien eingetragen ist, wird als vertrauenswürdig angesehen, so dass ein Einloggen (mit rlogin) bzw. die Ausführung eines Befehles (mit rsh) von ihm aus ohne Angabe eines Passwortes möglich ist. Da es, insbesondere von einem PC aus, sehr leicht ist, jeden beliebigen Rechnernamen vorzutäuschen, muss sichergestellt werden, dass die Dateien $HOME/.rhosts und /etc/hosts.equiv nicht vorhanden sind oder dass sie leer sind und der Benutzer keine Zugriffsrechte auf sie hat. Hierzu sollten regelmäßig die Heimatverzeichnisse der Benutzer untersucht werden, oder es sollte verhindert werden, dass die Daemons rlogind und rshd gestartet werden können (siehe hierzu die Datei /etc/inetd.conf und Maßnahme M 5.16 Übersicht über Netzdienste). Sollte die Benutzung der Datei /etc/hosts.equiv unumgänglich sein, muss sichergestellt sein, dass kein Eintrag '+' vorhanden ist, da hierdurch jeder Rechner vertrauenswürdig würde. .rhost und host.equiv nicht verwenden Als Ersatz für die r-Dienste kann Secure Shell (ssh) genutzt werden, wobei umfangreiche Funktionen zur sicheren Authentifizierung und zur Wahrung von Vertraulichkeit und Integrität zum Einsatz kommen (siehe auch M 5.64 Nutzung von Secure Shell). Wenn ssh zum Einsatz kommt, sollten nach Möglichkeit die r-Dienste abgeschaltet werden, damit die Sicherheitsmaßnahmen nicht umgangen werden können. Dies setzt allerdings voraus, dass alle Kommunikationspartner über geeignete Implementierungen von ssh verfügen. Secure Shell als Ersatz nutzen _____________________________________________________________________ .......................................... 40 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.21 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.21 Sicherer Einsatz von telnet, ftp, tftp und rexec Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Das Kommando telnet hostname ermöglicht es, sich nach Eingabe eines Benutzernamens und des zugehörigen Passwortes auf dem Rechner hostname einzuloggen. Mit ftp ist es möglich, größere Datenmengen zu kopieren, und rexec erlaubt die Ausführung von Kommandos auf einem anderen Rechner ohne ein vorhergehendes Anmelden. Bei allen drei Programmen werden die eingegebenen Benutzernamen und Passwörter unverschlüsselt über das Netz übertragen, so dass sie nur benutzt werden dürfen, wenn sichergestellt ist, dass das Netz nicht abgehört werden kann (siehe G 5.7). Alle Aufrufe von telnet, ftp und rexec sind zu protokollieren. Insbesondere ist auf fehlgeschlagene Verbindungsversuche von externen IT-Systemen zu achten. Passwörter im Klartext Beim Einsatz des Daemons ftpd muss beachtet werden, dass ähnlich wie bei sendmail (siehe M 5.19 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von sendmail) immer wieder neue schwerwiegende Sicherheitslücken festgestellt werden, die es u. U. ermöglichen, ohne Passwort Administratorrechte zu bekommen (siehe hierzu die CERT-Mitteilung CA-94-08 vom 14.04.1994). Es sollten keine ftpVersionen eingesetzt werden, die älter sind als die dort beschriebenen. Sicherheitslücken in ftpd Weiterhin sollten in die Datei /etc/ftpusers alle Benutzernamen eingetragen werden, für die ein ftp-Zugang nicht erlaubt werden soll. Hierzu gehören z. B. root, uucp und bin. Bei der Einrichtung von neuen Benutzern ist darauf zu achten, diese in /etc/ftpusers einzutragen, wenn sie gemäß ihrem Rechteprofil keinen ftp-Zugang haben dürfen (siehe auch M 2.30 Regelung für die Einrichtung von Benutzern / Benutzergruppen). ftp-Zugang beschränken Mit Hilfe von .netrc-Dateien werden automatische FTP-Zugriffe auf entfernten IT-Systemen erlaubt. Damit dies möglich ist, enthalten .netrc-Dateien die benötigten Passwörter. Daher muss sichergestellt werden, dass keine .netrcDateien in den Benutzerverzeichnissen vorhanden sind oder dass sie leer sind und der Benutzer keine Zugriffsrechte auf diese hat. Der Einsatz des Daemons tftpd, rexd und rexecd muss verhindert werden (z. B. durch Entfernen des entsprechenden Eintrags in der Datei /etc/inetd.conf), oder es muss zumindest sichergestellt sein, dass beim Einsatz von tftp den Benutzern aus dem Login-Verzeichnis nur eingeschränkte Dateizugriffe möglich sind (siehe auch M 2.32 Einrichtung einer eingeschränkten Benutzerumgebung). Dies lässt sich überprüfen, indem man Folgendes eingibt: eingeschränkter Dateizugriff bei tftp tftp hostname tftp>get /etc/passwd /tmp/txt Meldet sich der tftp-Daemon nicht mit einer Fehlermeldung, muss seine Benutzung verhindert werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 41 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.21 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Muß für den Startvorgang von aktiven Netzkomponenten oder X-Terminals tftp doch eingesetzt werden, ist dies unbedingt zu dokumentieren und zu begründen. Außerdem ist beim Einsatz von tftp sicherzustellen, dass der tftpDaemon mit der Option –s verzeichnis gestartet wird. Dabei ist für verzeichnis das ausschließlich für den Daemon sichtbare Verzeichnis einzusetzen. Als Ersatz für telnet und rexec kann Secure Shell (ssh) genutzt werden, wobei umfangreiche Funktionen zur sicheren Authentifizierung und zur Wahrung von Vertraulichkeit und Integrität zum Einsatz kommen (siehe auch M 5.64 Nutzung von Secure Shell). Durch Tunneling ist es auch möglich, ftp mit sicherer Verschlüsselung zu betreiben. Wenn ssh zum Einsatz kommt, sollten daher nach Möglichkeit diese Dienste abgeschaltet werden, damit die Sicherheitsmaßnahmen nicht umgangen werden können. Dies setzt allerdings voraus, dass alle Kommunikationspartner über geeignete Implementierungen von ssh verfügen. Secure Shell als Ersatz verwenden Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Datei /etc/ftpusers regelmäßig aktualisiert? - Werden Zugriffsversuche über telnet, ftp und rexec protokolliert? - Wird ssh zur Absicherung eingesetzt? - Ist tftp deaktiviert? _____________________________________________________________________ .......................................... 41.1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.22 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.22 Kompatibilitätsprüfung des Sender- und Empfängersystems Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Verfahrensverantwortlicher Abhängig vom Grad der Kompatibilität von Empfänger- und Sendersystem lassen sich Informationen mehr oder weniger zuverlässig per Datenträgeraustausch übertragen. Dabei sind je nach Komplexität auszutauschender Daten unterschiedliche Anforderungen an die Kompatibilität zu stellen. Vor Einrichtung eines regelmäßigen Datenträgeraustausches sollte daher die Übereinstimmung folgender Eigenschaften überprüft werden, um im Vorfeld Inkompatibilitäten festzustellen und ggf. Abhilfe zu schaffen: - Physikalisches Lesemedium: Notwendige Voraussetzung ist die Übereinstimmung der physikalischen Lesemedien von Empfänger- und Sendersystem. Dabei reicht aber mechanische Äquivalenz noch nicht aus, denn die Nichtübereinstimmung von Parametern wie Geschwindigkeit bei Bändern oder Kapazität bei Disketten kann zu Problemen führen. - Zeichencode (z. B. ASCII oder EBCDIC): Stimmen Sender- und Empfängersystem im verwendeten Zeichencode überein, so sind mit Hilfe des physikalischen Lesens einzelne Sektoren/Blöcke im Klartext lesbar, die unzusammenhängend auf dem Datenträger verteilt sein können. Stimmen die verwendeten Zeichencodes nicht überein, werden die übertragenen Daten falsch interpretiert. - Formatierung des Betriebs- bzw. Dateisystem des Datenträgers: Verfügen beide Systeme darüber hinaus über das gleiche Betriebs- und Dateisystem oder sieht das Empfängerbetriebssystem vor, Formatierungen anderer Betriebssystem zu lesen (einige Unix-Betriebssysteme können DOS-Disketten einlesen), dann können alle Dateien, wie sie beim Absender vorlagen, wiederhergestellt werden. Dies ist für Informationen ausreichend, die keiner weiteren Formatierung, wie sie von den meisten Anwendungsprogrammen (z. B. Textverarbeitungsprogrammen) vorgenommen werden, unterliegen. - Anwendungssoftware: Wurden Anwendungsprogramme zur Erzeugung der zu übermittelten Dateien verwendet, ist auf Versionsgleichheit dieser Programme zu achten, da die Dateiformate evtl. unterschiedlich sein können. Die Versionsgleichheit muss nicht bestehen, wenn die Programmversionen aufwärtsbzw. abwärtskompatibel sind. - IT-Sicherheitssoftware und IT-Sicherheitsparameter: Werden darüber hinaus IT-Sicherheitsprodukte oder Schutzmechanismen bestimmter Anwendungsprogramme (siehe M 4.30 Nutzung der in Anwendungsprogrammen angebotenen Sicherheitsfunktionen) verwendet, so ist _____________________________________________________________________ .......................................... 42 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.23 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.23 Auswahl einer geeigneten Versandart für den Datenträger Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Neben den in M 2.3 Datenträgerverwaltung dargestellten Umsetzungshinweisen sollte sich die Versandart der Datenträger am Gefährdungspotential orientieren. Hinsichtlich Verfügbarkeit ist die Versandart derart auszuwählen, daß eine rechtzeitige Zustellung garantiert werden kann. Je mehr Personen mit der Beförderung befaßt und je länger die Zeiten sind, in denen der Datenträger unbeaufsichtigt bleibt, desto weniger kann im allgemeinen die Vertraulichkeit und Integrität garantiert werden. Dementsprechend sind angemessene Versandarten auszuwählen. Man kann dabei z. B. zwischen folgenden Versandarten wählen: - Deutsche Post AG, - Deutsche Bahn AG, - Kurierdienste, - persönlicher Kurier und - persönliche Übergabe. Ergänzende Kontrollfragen: - Orientiert sich die Auswahl der Versandart des Datenträgers an seinem Schutzbedarf? - Stehen vertrauenswürdige Transportunternehmen oder Kuriere zur Verfügung? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 44
M 5.24 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.24 Nutzung eines geeigneten Faxvorblattes Verantwortlich für Initiierung: Leiter Innerer Dienst Verantwortlich für Umsetzung: Fax-Verantwortlicher, IT-Benutzer Um einen geordneten und nachvollziehbaren Fax-Austausch zu erzielen, ist die Nutzung eines standardisierten Faxvorblattes vorzusehen. Damit kann insbesondere geprüft werden, ob eine erhaltene Faxsendung vollständig empfangen und ausgedruckt wurde. Das Faxvorblatt sollte beinhalten: - Rufnummer des Faxgerätes, - Name des Absenders (mit Telefonnummer und vollständiger Adresse), - Telefonnummer eines Ansprechpartners bei Übertragungsproblemen, - Name des Empfängers (mit Rufnummer des Faxgerätes und ggf. vollständiger Adresse), - Seitenzahl einschließlich Faxvorblatt, - ggf. Dringlichkeitsvermerk (evtl. gestuft) und - Unterschrift des Absenders. Die Bitte, fehlgeleitete Sendungen weiterzuleiten oder den Absender zu informieren, ist sinnvoll. Ergänzende Kontrollfragen: - Hat das Faxvorblatt alle notwendigen Bestandteile? - Wird das Faxvorblatt konsequent genutzt? _____________________________________________________________________ .......................................... 45 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.25 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.25 Nutzung von Sende- und Empfangsprotokollen Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Fax-Verantwortlicher, Fax-Poststelle Bei der Nutzung von Fax-Diensten ist bei der Verwendung von Sende- und Empfangsprotokollen zwischen herkömmlichen Faxgeräten und Faxservern zu unterscheiden. Einsatz eines herkömmlichen Faxgerätes Listenmäßige Protokolle von Übertragungsvorgängen, die automatisch vom Faxgerät geführt werden (Kommunikationsjournal), sind regelmäßig auszudrucken. Es bedarf einer Festlegung, wer diese Ausdrucke veranlasst, wo und wie lange sie aufbewahrt werden und in welcher Weise sie stichprobenartigen Prüfungen auf Unregelmäßigkeiten unterzogen werden. Auf die Erfordernisse des BDSG ist Rücksicht zu nehmen. Insbesondere ist der Zugriff Unbefugter zu verhindern. Sende- und Empfangsprotokolle regelmäßig überprüfen Es sollte zusätzlich ein Faxtagebuch geführt werden, aus dem ersichtlich wird, wer wann ein Fax an wen versandt hat. Optional kann darüber hinaus ein Faxeingangsbuch geführt werden. Führung eines Faxtagebuchs Es sei darauf hingewiesen, dass eine weitere Kontrollmöglichkeit besteht, wenn das Faxgerät an eine moderne TK-Anlage angeschlossen ist. Dann ist es u. U. möglich, die Gebührendatensätze der Faxnummer in der TK-Anlage auszuwerten (vgl. auch M 2.40 Rechtzeitige Beteiligung des Personal- / Betriebsrates). Einsatz eines Faxservers: Auch auf Faxservern ist es möglich, die Übertragungsvorgänge zu protokollieren. Diese Protokolle sollten regelmäßig ausgewertet und archiviert werden. Es bedarf insbesondere der Festlegung von Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten für die Auswertung und Archivierung der Protokolle. Protokolldateien regelmäßig auswerten So ist z. B. denkbar, dass die Fax-Poststelle für diese Tätigkeiten zuständig ist, die Auswertung der Protokolle aber nur im Beisein eines Betriebs- oder Personalratsmitgliedes bzw. eines Angehörigen der Revision oder des Datenschutzes erfolgen darf. Auch hier gilt, dass die Erfordernisse des BDSG zu berücksichtigen sind und insbesondere der Zugriff Unbefugter zu verhindern ist. Bei der Verwendung von Faxservern ist die manuelle Führung von Fax-Tagebüchern nicht sinnvoll. Vielmehr dürfte die lückenlose Archivierung der Sende- und Empfangsprotokolle ausreichend sein. Teilweise besteht auch die Möglichkeit, anfallende Gebührendatensätze für abgehende Faxsendungen vom Faxserver für eine verursachungsgerechte Verrechnung zu nutzen. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Regelungen gelten für die Überprüfung der Sende- und Empfangsprotokolle? - Wo werden die Protokolle archiviert und wer kann darauf zugreifen? _____________________________________________________________________ .......................................... 46 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.26 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.26 Telefonische Ankündigung einer Fax-Sendung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Vorgesetzte Verantwortlich für Umsetzung: Fax-Absender Wichtige Fax-Sendungen mit vertraulichen oder finanzwirksamen Inhalten (z. B. Angebote) oder termingebundene Fax-Sendungen sollten vor Absendung beim Empfänger (zum Beispiel per Telefon) angemeldet werden. Der Empfänger hat dann die Möglichkeit, zum entsprechenden Fax-Gerät zu gehen und dort das für ihn eingehende Fax direkt entgegenzunehmen, so daß kein anderer das Fax entnehmen kann. Die Benutzer sollten von Vorgesetzten angewiesen werden, vertrauliche oder wichtige Fax-Sendungen anzukündigen. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden wichtige Fax-Sendungen vorher angekündigt? - Gibt es eine Anweisung, dies zu tun? _____________________________________________________________________ .......................................... 47 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.27 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.27 Telefonische Rückversicherung über korrekten Fax-Empfang Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Vorgesetzte Verantwortlich für Umsetzung: Fax- Absender Bei wichtigen Fax-Sendungen sollte beim Empfänger nachgefragt werden, ob die Fax-Sendung vollständig empfangen, ausgedruckt und ihm übergeben wurde. Die Mitarbeiter sollten hierzu angewiesen werden. Die telefonische Bestätigung kann auch auf dem Fax-Vordruck erbeten werden. Hilfreich sind in diesem Zusammenhang die von einigen Fax-Geräten als Leistungsmerkmal angebotenen Einzelsendeberichte, die Fehler beim Versand anzeigen können. Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es im Unternehmen bzw. in der Behörde Fax-Sendungen, deren korrekter Empfang von besonderer Wichtigkeit ist? - Wird bei solchen Fax-Sendungen beim Empfänger nachgefragt? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 48
M 5.28 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.28 Telefonische Rückversicherung über korrekten Fax-Absender Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Vorgesetzte Verantwortlich für Umsetzung: Fax-Empfänger Bei wichtigen oder ungewöhnlichen Fax-Sendungen sollte in Erwägung gezogen werden, sich beim Fax-Absender zu vergewissern, daß das Fax von ihm abgesandt und nicht von einem Dritten gefälscht wurde. Dies kann auf einfache Weise durch einen telefonischen Rückruf erfolgen. Die erforderliche Rufnummer ist i. allg. auf dem Fax-Vorblatt dokumentiert, sollte aber, da sie gefälscht sein könnte, verifiziert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird bei wichtigen oder ungewöhnlichen Fax-Sendungen beim Absender zurückgerufen? _____________________________________________________________________ .......................................... 49 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.29 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.29 Gelegentliche Kontrolle programmierter Zieladressen und Protokolle Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Fax-Verantwortlicher Bei programmierbaren Kurzwahltasten oder Zieladressenspeicherung sollte gelegentlich überprüft werden, ob die gewünschte mit der einprogrammierten Fax-Nummer übereinstimmt und ob sie noch benötigt wird. Damit wird verhindert, daß eine von einem Unberechtigten eingegebene fremde Fax-Nummer längere Zeit statt der korrekten Nummer genutzt wird. Außerdem werden eventuell übersehene Änderungen der gewünschten Zielrufnummern frühzeitig entdeckt. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die gespeicherten Rufnummern sporadisch überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 50
M 5.30 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.30 Aktivierung einer vorhandenen Callback-Option Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer, Administrator Viele Modems bieten die Option automatischer Rückruf (Callback). Ist diese Option aktiviert, trennt das Modem, wenn es einen Anruf erhält, sofort nach dem erfolgreichen Verbindungsaufbau die Leitung und ruft eine voreingestellte Nummer zurück. Dadurch wird verhindert, daß ein nicht autorisierter Anrufer diesen Modemzugang mißbrauchen kann, solange er nicht unter der voreingestellten Nummer erreichbar ist. Callback ist immer dann einzusetzen, wenn ein fester Kommunikationspartner sich automatisch einwählen können soll. Zu beachten ist, daß mit dem automatischen Rückruf auch die Kosten der Datenübertragung übernommen werden. Das erforderliche Kommando ist der Bedienungsanleitung zu entnehmen, üblicherweise wird das Kommando AT%S benutzt. Vor der Aktivierung der Callback-Option ist festzulegen, welche Nummer zurückgerufen werden soll. Manche Modems bieten auch die Möglichkeit, einen automatischen Rückruf mit einer Paßwortabfrage zu verbinden. Das angerufene Modem fordert dabei nach dem Verbindungsaufbau das anrufende Modem zu einer Paßworteingabe auf. Im angerufenen Modem wird die Gültigkeit des Paßwortes überprüft. Jedem gültigen Paßwort ist eine Rufnummer zugeordnet, die dann zurückgerufen wird. Dabei kann meist eine Liste von Rückrufnummern im lokalen Modem angelegt werden, so daß von verschiedenen Orten aus Verbindung mit dem lokalen Modem aufgebaut werden kann. Es ist darauf zu achten, daß der automatische Rückruf nur auf einer Seite aktiviert ist, da der Mechanismus sonst in eine Endlosschleife führt. Callback sollte auf der passiven Seite aktiviert sein, also auf der Seite, von der Dateien abgerufen oder auf der Dateien eingespielt werden. Ein typisches Beispiel ist der Außendienstmitarbeiter, der mit einem IT-System in seiner Organisation in Verbindung treten will. Hier muß Callback auf dem organisationsinternen Modem aktiviert sein. Es sollte sichergestellt sein, daß die voreingestellten Rufnummern des Callback sporadisch kontrolliert und aktualisiert werden. Ein Callback kann außer durch das Modem auch von der Applikation ausgelöst werden. Wenn die eingesetzte Applikation diese Option bietet, sollte das Callback von der Applikation und nicht vom Modem ausgelöst werden. Wenn das Modem ein Callback auslöst, kann ein Angreifer versuchen, in dem Moment, wenn das Modem den Callback starten will, dieses anzuwählen und damit den Callback abzufangen. Wenn die Applikation den Callback durchführt, ist es für einen Angreifer wesentlich schwieriger, den richtigen Moment abzupassen. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Kostenübernahme im Callback-Modus geklärt? - Wann wurden letztmalig die voreingestellten Rufnummern überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 51 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.31 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.31 Geeignete Modem-Konfiguration Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer, Administrator Die meisten Modems arbeiten nach dem Hayes-Standard (auch AT-Standard genannt, da die Kommandos mit "AT" beginnen). Dies ist ein nicht normierter, herstellerabhängiger Standard. Die Basis-Befehlssätze der verschiedenen Modems stimmen größtenteils überein. Größere Abweichungen gibt es in den erweiterten Befehlssätzen. Es ist wichtig, den Befehlssatz des eingesetzten Modems daraufhin zu überprüfen, wie die im folgenden beschriebenen Funktionen umgesetzt sind und ob durch fehlerhafte Konfiguration Sicherheitslücken entstehen können. Die gewählten Einstellungen sollten im nichtflüchtigen Speicher des Modems gespeichert werden (siehe auch M 1.38 Geeignete Aufstellung eines Modems). Außerdem sollten sie auf Papier ausgedruckt werden, so daß sie jederzeit mit der aktuellen Einstellung verglichen werden können. Nachfolgend werden einige sicherheitsrelevante Konfigurationen vorgestellt: Auto-Answer Über das Register S0 kann eingestellt werden, daß das Modem einen ankommenden Ruf automatisch nach einer einzustellenden Anzahl von Klingelzeichen entgegennimmt. Mit der Einstellung S0=0 wird dies verhindert und erzwungen, daß Anrufe manuell entgegengenommen werden müssen. Diese Einstellung sollte gewählt werden, wenn verhindert werden soll, daß von außen unbemerkt eine Verbindung aufgebaut werden kann. Ansonsten ist ein Callback-Mechanismus einzusetzen (siehe M 5.30 Aktivierung einer vorhandenen Callback-Option). Fernkonfiguration des Modems Manche Modems können so eingestellt werden, daß sie von entfernten Modems fernkonfiguriert werden können. Es ist darauf zu achten, daß diese Möglichkeit ausgeschaltet ist. Zum Problem der Fernwartung über Modems siehe M 5.33 Absicherung der per Modem durchgeführten Fernwartung. Paßwortgeschützte Speicherung von (Rückruf-)Nummern Bei der Speicherung von Telefonnummern oder Rückrufnummern im nichtflüchtigen Speicher des Modems können diese bei vielen Modellen durch ein Paßwort geschützt werden. Wenn diese Möglichkeit vorhanden ist, sollte sie genutzt und die Paßwörter entsprechend M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs gewählt werden. Bei einigen Modems wird nach Eingabe eines bestimmten Befehls eine Liste der Rufnummern mit den zugehörigen Paßwörtern angezeigt. Daher sollte der Zugang zum Modem nur befugten Personen möglich sein (vgl. M 1.38 Geeignete Aufstellung eines Modems). Ergänzende Kontrollfragen: - Ist den für das Modem verantwortlichen Mitarbeitern der komplette Befehlssatz des Modems bekannt? - Ist die Modem-Konfiguration dokumentiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 52 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.32 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.32 Sicherer Einsatz von Kommunikationssoftware Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer, Administrator Die Sicherheit des Rechnerzugangs über Modem hängt entscheidend von der eingesetzten Kommunikationssoftware ab. Fast jede Kommunikationssoftware bietet die Möglichkeit, Telefonnummern und andere Daten von Kommunikationspartnern zu speichern. Dies sind personenbezogene Daten, die entsprechend geschützt werden müssen. Paßwörter für den Zugang auf andere Rechner oder Modems sollten nicht in der Kommunikationssoftware gespeichert werden, auch wenn das komfortabel erscheinen mag. Jeder, der Zugang zum IT-System und der Kommunikationssoftware hat, kann dann unter fremdem Benutzernamen Zugang in andere Systeme erlangen (siehe auch M 1.38 Geeignete Aufstellung eines Modems und M 2.8 Vergabe von Zugriffsrechten). Etliche Kommunikationsprogramme bieten die Möglichkeit, die Datenübertragung im Hintergrund und damit unbeobachtet laufen zu lassen, z. B. unter Windows. Dies sollte nur bei vertrauenswürdigen Kommunikationspartnern genutzt werden, da hierbei ein Kommunikationspartner die Dateiübertragung abbrechen und u. U. andere Daten als abgesprochen vom oder zum lokalen Rechner übertragen könnte. Damit könnten beispielsweise Computer-Viren auf den lokalen Rechner eingeschleust oder vertrauliche Daten kopiert werden. Es gibt außerdem auch Übertragungsprotokolle, die eine VollduplexÜbertragung, also gleichzeitiges Senden und Empfangen zulassen. Solche Übertragungsprotokolle sollten nur mit vertrauenswürdigen Kommunikationspartnern benutzt werden, da dies einer Datenübertragung im Hintergrund entspricht. Verfügt die Kommunikationssoftware über eine Paßwortabsicherung oder über Protokollierungsfunktionen, muß sie aktiviert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Paßwörter in der Kommunikationssoftware gespeichert? - Sind dem IT-Benutzer die Risiken der Datenübertragung im Hintergrund bekannt? _____________________________________________________________________ .......................................... 53 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.33 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.33 Absicherung der per Modem durchgeführten Fernwartung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die Fernwartung von IT-Systemen über ein Modem birgt besondere Sicherheitsrisiken. Aus Sicherheitsgründen ist es sinnvoll, auf externe Fernwartung zu verzichten. Ist dies nicht möglich, so sind zusätzliche Sicherungsmaßnahmen unumgänglich. Das zu wartende IT-System einschließlich des eingesetzten Modems muß die folgenden Sicherheitsfunktionen realisieren: - Der Aufbau der Verbindung für eine Fernwartung sollte immer vom lokalen IT-System initiiert werden. Dies kann durch Anruf des zu wartenden IT-System bei der Fernwartungsstelle oder über einen automatischen Rückruf (Callback) realisiert werden. - Das externe Wartungspersonal muß sich zu Beginn der Wartung authentisieren. Werden dabei Paßwörter unverschlüsselt übertragen, sollten Einmalpaßwörter benutzt werden (siehe M 5.34 Einsatz von Einmalpaßwörtern). - Alle Tätigkeiten bei der Durchführung der Fernwartung müssen auf dem zu wartenden IT-System protokolliert werden. Darüber hinaus können am zu wartenden IT-System noch weitere Funktionalitäten implementiert werden: - Verhängen einer Zeitsperre bei fehlerhaften Zugangsversuchen, - Sperren der Fernwartung im Normalbetrieb und explizite Freigabe für eine genau definierte Zeitspanne, - Einschränkung der Rechte des Wartungspersonals; das Wartungspersonal sollte nicht die vollen Administrator-Rechte besitzen; bei DOS-PCs sollte über eine Zusatzsoftware eine abgestufte Rechteverwaltung realisiert werden; bei Unix-Systemen ist außerdem M 2.33 Aufteilung der Administrationstätigkeiten unter Unix zu beachten, bei PC-Netzen M 2.38 Aufteilung der Administrationstätigkeiten, (Das Wartungspersonal sollte nur auf die Daten und Verzeichnisse Zugriff haben, die aktuell von der Wartung betroffen sind.) - auf dem IT-System sollte für das Wartungspersonal eine eigene Benutzerkennung existieren, unter der möglichst alle Wartungsarbeiten durchgeführt werden, - wird die Verbindung zur Fernwartungsstelle auf irgendeine Weise unterbrochen, so muß der Zugriff auf das System durch einen "Zwangslogout" beendet werden. Die Fernwartung sollte lokal durch IT-Experten beobachtet werden. Auch wenn die Fernwartung eingesetzt wird, weil intern das Know-How oder die Kapazität nicht verfügbar ist, kann das Wartungspersonal nicht unbeaufsich- _____________________________________________________________________ .......................................... 54 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.33 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... tigt gelassen werden (siehe auch M 2.4 Regelungen für Wartungs- und Reparaturarbeiten). Bei Unklarheiten über die Vorgänge sollte der lokale ITExperte sofort nachfragen. Es muß jederzeit die Möglichkeit geben, die Fernwartung lokal abzubrechen. Werden während der Wartung Daten oder Programme auf dem lokalen ITSystem angelegt, so muß dies deutlich erkennbar und nachvollziehbar sein, also z. B. darf dies nur in besonders markierten Verzeichnissen oder unter bestimmten Benutzerkennungen erfolgen. Entsprechend M 3.2 Verpflichtung der Mitarbeiter auf Einhaltung einschlägiger Gesetze, Vorschriften und Regelungen sind auch mit externem Wartungspersonal vertragliche Regelungen über die Geheimhaltung von Daten zu treffen. Insbesondere ist festzulegen, daß Daten, die im Rahmen der Wartung extern gespeichert wurden, nach Abschluß der Arbeiten sorgfältig gelöscht werden. Ebenso sind die Pflichten und Kompetenzen des externen Wartungspersonals sorgfältig festzulegen. Ergänzende Kontrollfragen: - Von wo aus kann eine Fernwartung durchgeführt werden? - Ist ein "Callback-Verfahren" realisiert? - Sind die beschriebenen Sicherheitsfunktionen realisiert? - Sind über Fernwartung vorgenommene Eingaben nachvollziehbar? - Besteht über Fernwartung Zugriff auf die Protokolldateien? - Werden erfolglose Login-Versuche protokolliert? - Wird nach solchen Versuchen die Verbindung abgebrochen? - Erfolgt ein zwangsweises Logout bei Leitungsunterbrechung? _____________________________________________________________________ .......................................... 55 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.34 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.34 Einsatz von Einmalpaßwörtern Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator In Netzen, in denen Paßwörter unverschlüsselt übertragen werden, können diese relativ einfach abgehört werden. Außerdem können Implementierungsoder Protokollfehler in Betriebssystemen und Applikationssoftware dazu führen, daß auch verschlüsselte Paßwörter kompromittiert werden können. Daher empfiehlt sich die Verwendung von Einmalpaßwörtern, also Paßwörtern, die nach einmaligem Gebrauch gewechselt werden müssen. Einmalpaßwörter können software- oder hardwaregestützt erzeugt werden. Bei der Verwendung von Einmalpaßwörtern muß der Benutzer das Einmalpaßwort auf dem lokalen IT-System oder über ein Token generieren oder aus einer Liste einlesen, die vom entfernten IT-System generiert worden ist und die sicher aufzubewahren ist. Das entfernte IT-System muß dann das Einmalpaßwort verifizieren. Für den Einsatz von Einmalpaßwörtern können z. B. Public-Domain-Programme wie OPIE bzw. S/Key benutzt werden. OPIE (One-time Passwords in Everything) ist die Public-Domain-Weiterentwicklung von S/Key, das mittlerweile als kommerzielles Produkt vertrieben wird. S/Key benutzt im Gegensatz zu OPIE noch standardmäßig den MD4-Algorithmus zum Erzeugen und Verifizieren der Einmalpaßwörter. Wegen der bekannten Schwachstellen des MD4-Algorithmus sollte der im Lieferumfang enthaltene MD5-Algorithmus benutzt werden. OPIE bzw. S/Key bestehen aus einem Programmteil auf dem Server zum Verifizieren der eingegebenen Paßwörter und einem Programmteil auf dem IT-System des Benutzers. Ein Benutzer bekommt beim Login auf dem entfernten IT-System nach Eingabe seines Benutzernamens die Sequenznummer des einzugebenden Einmalpaßwortes und eine Kennung angezeigt. Mit diesen beiden Angaben und einem geheimzuhaltenden Paßwort berechnen OPIE bzw. S/Key auf dem lokalen IT-System das Einmalpaßwort für diese Sitzung. Steht dem Benutzer zur Berechnung der Einmalpaßwörter lokal kein Programm zur Verfügung, kann vom entfernten System eine Liste mit Einmalpaßwörtern erzeugt werden, die dann entsprechend sicher zu verwahren ist. Einmalpaßwörter können auch über Token erzeugt werden, die die Generierung übernehmen. Dies können entweder Chipkarten oder taschenrechnerähnliche Geräte sein. Der Benutzer muß sich zunächst gegenüber dem Token authentisieren. Nach erfolgter Benutzerauthentisierung authentisiert sich dann entweder der Token selbständig gegenüber dem Server oder er zeigt dem Benutzer an einem Display das am Client einzugebende Einmalpaßwort an. Nachdem immer mehr sensible Informationen nur durch Paßwörter vor Fremdzugriff geschützt sind, kommt Einmalpaßwortsystemen und hardwarebasierten Authentifikationsmethoden ein wachsender Stellenwert zu. Wo der Einsatz von softwarebasierten Einmalpaßwortsystemen wie OPIE auf Akzeptanzprobleme stößt, sollten hardwarebasierte Systeme eingesetzt _____________________________________________________________________ .......................................... 56 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.34 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... werden. Viele hardwarebasierte Systeme bieten darüber hinaus auch die Möglichkeit, "Single-Sign-On"-Lösungen aufzubauen. Über "Single-SignOn"-Verfahren wird erreicht, daß sich Benutzer nicht an jedem IT-System mit einem anderen Paßwort ausweisen müssen, sondern daß sie sich auch bei großen heterogen Netzen ausschließlich am ersten benutzten IT-System authentisieren müssen, das diese Informationen dann an alle weiteren ITSysteme weiterreicht. Durch hardwarebasierte Einmalpaßwortsysteme werden außerdem viele der unter M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs aufgeführten Regelungen, die die einzelnen Benutzer beachten müssen, überflüssig, da dies von den Einmalpaßwortsystemen übernommen wird. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden in den eingesetzten Netzen Paßwörter unverschlüsselt übertragen? - Werden Einmalpaßwörter eingesetzt? _____________________________________________________________________ .......................................... 57 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.35 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.35 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von UUCP Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Das im Standardumfang von Unix-Systemen enthaltene und ebenfalls für andere Betriebssysteme verfügbare Programmpaket UUCP (Unix-to-Unix Copy) erlaubt den Datenaustausch zwischen IT-Systemen und die Ausführung von Kommandos auf entfernten IT-Systemen. Voraussetzung ist lediglich die Kompatibilität der uucico-Programme auf den beiden beteiligten Systemen. UUCP ist stark verbreitet, auch wenn seine Bedeutung zurückgegangen ist z. B. durch die Möglichkeit, Rechner über ISDN mittels TCP/IP zu verbinden. UUCP wird in der Regel zum Austausch von E-Mail und News zwischen Rechnern benutzt (uucp). Es ermöglicht auch das Einloggen (cu) und das Ausführen von Programmen (uux) auf fremden Rechnern. Es gibt verschiedene UUCP-Varianten: Neben der Implementation von Peter Honeyman, David Nowitz und Brian E. Redman von 1983 (HoneyDanBer UUCP) werden auch häufig das ursprüngliche UUCP-System der AT&T UNIX Version 7, dessen zweite Version aktuell ist (diese UUCP-Implementation wird daher auch Version 2 UUCP genannt) oder das Tahoe-UUCP (das mit BSD 4.3 ausgeliefert wurde) eingesetzt. Die eingesetzte UUCP-Variante kann an den Dateien im Verzeichnis /usr/lib/uucp (auf einigen Systemen /etc/uucp) erkannt werden: Bei Version 2 UUCP findet sich hier die Datei L.sys, beim HoneyDanBer UUCP die Datei Systems. Version 2 UUCP hat gravierende Sicherheitsprobleme (Fehler in uucico, Gefahr fehlerhafter Konfiguration durch die komplizierte Form der sicherheitsrelevanten Administrationsdateien). Sie sollte daher nicht benutzt werden, stattdessen sollte das HoneyDanBer UUCP eingesetzt werden. Allgemein sollten folgende Sicherheitsfragen beim Einsatz von UUCP bedacht werden: - Die Administration von UUCP setzt eine intensive Beschäftigung mit den Konfigurationsmöglichkeiten und den zugehörigen Dateien voraus. Es muß berücksichtigt werden, daß es zwischen den UUCP-Paketen der verschiedenen Unix-Derivate Abweichungen geben kann, auch wenn diese auf dem HoneyDanBer UUCP basieren. - Für die Administration der UUCP-Dateien, -Programme und -Verzeichnisse gelten dieselben Anforderungen wie für die Administration von Systemdateien und -verzeichnissen (siehe M 2.25 Dokumentation der Systemkonfiguration, M 2.31 Dokumentation der zugelassenen Benutzer und Rechteprofile, M 4.19 Restriktive Attributvergabe bei Unix-Systemdateien und -verzeichnissen). - Auf den meisten Systemen gibt es einen Benutzer namens uucp. Diesem Benutzer gehören die UUCP-Dateien, -Programme und -Verzeichnisse. Es ist sicherzustellen, daß dieser Account ein Paßwort gemäß den Vorgaben der Maßnahme M 2.11 Regelung des Paßwortgebrauchs hat. _____________________________________________________________________ .......................................... 58 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.35 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Das Heimatverzeichnis für den Benutzer uucp darf nicht das öffentliche Verzeichnis /usr/spool/uucppublic sein, sondern ein eigenes, auf das nur der Benutzer uucp Zugriff hat. - Für jedes IT-System, das sich per UUCP am lokalen IT-System anmelden können soll, muß in der /etc/passwd eine eigene Benutzerkennung und ein Paßwort eingetragen werden. Als UID darf nicht die des Benutzers uucp gewählt werden, sondern für jedes entfernte IT-System eine beliebige individuelle UID. - UUCP-Paßwörter werden bei Kommunikationsanforderungen unverschlüsselt übertragen und sind in der entsprechenden UUCP-Konfigurationsdatei für Anforderungen an entfernte Rechner unverschlüsselt gespeichert. Je nach Anwendung und Umgebung (insbesondere bei Benutzung von Weitverkehrsnetzen) sind entsprechende Sicherheitsmaßnahmen wie z. B. der Einsatz von Einmalpaßwörtern zu ergreifen. Für die Benutzung von UUCP müssen verschiedene Konfigurationsdateien eingerichtet werden. Alle Einstellungen sollten dokumentiert und Abweichungen der im folgenden vorgeschlagenen Einstellungen kurz begründet werden, damit später nachvollziehbar ist, wozu diese Änderung notwendig war. Die Verwaltung der folgenden Dateien muß besonders sorgfältig gehandhabt werden, da sie sicherheitskritische Informationen enthalten. Sie befinden sich im Verzeichnis /usr/lib/uucp bzw. /etc/uucp). Auf diese Verzeichnisse darf nur der Benutzer uucp schreibenden Zugriff haben. - Systems: Diese Datei enthält die für einen Verbindungsaufbau mit entfernten IT-Systemen benötigten Informationen. Hier können für jedes einzelne IT-System die Zeiträume festgelegt werden, in denen die Übertragung per UUCP zugelassen ist. Diese Zeiträume sind möglichst eng zu fassen. Die Datei enthält außerdem die Telefonnummern und Login-Sequenzen der ITSysteme, zu denen per UUCP eine Verbindung aufgebaut werden kann. Auf Systems darf nur der Eigentümer uucp lesenden Zugriff haben, da hier auch die Paßwörter für die entfernten IT-Systeme eingetragen sind. - Permissions: Hier werden Zugriffsrechte für entfernte Systeme festgelegt. Bei Auslieferung sind in Permissions keine IT-Systeme eingetragen, d. h. über UUCP sind keine Zugriffe möglich. Für jeden Rechner, der anrufen und sich einloggen darf, und für jeden Rechner, der angerufen werden darf, müssen hier Einstellungen zur Festlegung der jeweilig notwendigen Zugriffsrechte und anderer Bedingungen vorgenommen werden. Die Zugriffsrechte für die IT-Systeme, die vom lokalen IT-System angerufen werden, werden unter den auf MACHINE folgenden Einträgen spezifiziert, die für die anrufenden IT-System unter den auf LOGNAME folgenden. Durch Ausnutzung dieser Konfigurationsmöglichkeiten kann die Sicherheit beachtlich erhöht werden. Mit dem Kommando uucheck -v sollten die in der Datei Permissions gesetzten Optionen regelmäßig überprüft werden. Die Optionen sollten wie folgt gesetzt sein: REQUEST _____________________________________________________________________ .......................................... 59 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.35 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Diese Option sollte auf NO (Default-Wert) gesetzt sein, um entfernten Systemen das Lesen lokaler Dateien zu verbieten. COMMANDS Hier darf auf keinen Fall ALL eingetragen sein, es dürfen nur die Kommandos zugelassen werden, die nötig sind wie rnews oder rmail. Die Kommandos sollen mit vollem Pfadnamen angegeben werden. WRITE/READ Wenn diese Optionen nicht angegeben sind, ist der schreibende bzw. lesende Zugriff ausschließlich auf das Verzeichnis /usr/spool/uucppublic möglich. Falls hiermit Verzeichnisse angegeben werden, auf die zugegriffen werden darf, ist zu dokumentieren, auf welche und warum. Auf keinen Fall darf hier das Root-Verzeichnis oder das Verzeichnis, in dem sich die UUCP-Konfigurationsdateien befinden, eingetragen sein. NOWRITE/NOREAD Hiermit werden Ausnahmen zu den mit WRITE/READ festgelegten Optionen festgelegt. Verzeichnisse mit sensitivem Inhalten sollten hier generell aufgeführt werden. Dann kann nicht dadurch, daß das Setzen von Restriktionen vergessen wird, von entfernten IT-Systemen auf solche Verzeichnisse zugegriffen werden, wenn darüberliegende Verzeichnisse über READ/WRITE freigegeben werden. PUBDIR Hiermit kann statt /usr/spool/uucppublic ein anderes öffentliches UUCP-Verzeichnis angegeben werden. Bei UUCPKommunikation mit mehreren IT-Systemen sollte hier für jedes IT-System ein eigenes UUCP-Verzeichnis angegeben werden. CALLBACK Wenn CALLBACK auf YES gesetzt ist, muß das lokale ITSystem das anrufende IT-System zurückrufen, bevor ein Datenaustausch stattfinden kann. Dies macht natürlich nur für LOGNAME Einträge Sinn. Es sollte zwischen den Kommunikationspartnern abgesprochen sein, welche einen CALLBACK aktiviert. MYNAME Wenn MYNAME=name gesetzt ist, identifiziert sich das lokale System beim Aufbau einer UUCP-Verbindung beim entfernten System nicht mit dem Rechnernamen, sondern mit name. Diese Möglichkeit sollte benutzt werden, um sich mit einem Namen identifizieren zu können, der nur speziell für _____________________________________________________________________ .......................................... 60 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.35 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... diese Verbindung benutzt wird und daher nicht so leicht herausgefunden werden kann. VALIDATE Wenn VALIDATE=namen gesetzt ist, können nur die unter namen aufgeführten IT-Systeme über die unter LOGNAME angegebenen Systemnamen eine Verbindung aufbauen. Bei dieser Option muß unbedingt ein Eintrag vorhanden sein, da sonst ein entferntes IT-System eine Maskerade durchgeführt werden könnte, indem über MYNAME ein anderer Rechnername vorgespiegelt wird. SENDFILES Hier sollte die Voreinstellung (SENDFILE=CALL) beibehalten werden, da dann lokal in der Queue befindliche Aufträge nur nach extern übertragen werden, wenn das lokale ITSystem die Verbindung aufgebaut hat. - Die Datei /usr/lib/uucp/remote.unknown des HoneyDanBer UUCP wird ausgeführt, wenn ein unbekanntes, also ein nicht in der Datei Systems eingetragenes IT-System einen Verbindungsaufbau versucht. Es protokolliert den Versuch und weist ihn ab. Wenn remote.unknown nicht ausführbar ist, geht das lokale IT-System auf alle Verbindungsanforderungen entfernter IT-Systeme ein. Es muß daher darauf geachtet werden, daß remote.unknown stets ausführbar ist. remote.unknown ist je nach UnixSystem als ausführbares Shellskript oder als C-Programm realisiert. Falls remote.unknown auf dem lokalen IT-System als Shellskript realisiert ist, sollte es aus Sicherheitsgründen durch ein Programm ersetzt werden. Sonst besteht die Gefahr, daß ein anrufendes IT-System ein Kommando wie "cat < /etc/passwd" als Systemnamen einträgt, das dann zur Ausführung gelangen kann. - Für UUCP gibt es einige Cleanup-Shellskripte, die automatisch über den crontab-Dämon ausgeführt werden. Dies darf nicht von root iniitiert werden, wie es auf vielen Systemen üblich ist, sondern muß durch den Benutzer uucp erfolgen. Bei der Benutzung von UUCP werden automatisch verschiedene Protokollierungsdateien angelegt. Beim HoneyDanBer UUCP finden sich diese in Unterverzeichnissen von /usr/spool. Hier werden erfolgreiche und abgelehnte Verbindungsversuche festgehalten, die gesendeten und empfangenen Datenmengen, Fehlermeldungen und Datentransferstatistiken. Diese Protokollierungsdateien müssen regelmäßig ausgewertet werden (siehe auch M 4.25 Einsatz der Protokollierung im Unix-System). _____________________________________________________________________ .......................................... 61 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.35 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde der Administrator im Umgang mit UUCP geschult? - Sind Handbücher über UUCP vorhanden? - Welche UUCP-Variante wird eingesetzt? - Sind die Einstellungen der Konfigurationsdateien dokumentiert? - Werden die UUCP-Protokollierungsdateien regelmäßig ausgewertet? _____________________________________________________________________ .......................................... 62 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.36 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.36 Verschlüsselung unter Unix und Windows NT Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer, Administrator Bei der Übertragung von Nachrichten über ein Netz sollten sich alle Kommunikationspartner darüber im Klaren sein, dass unverschlüsselte Nachrichten während ihres gesamten Weges unbemerkt gelesen, geändert bzw. abgefangen werden können. Daher ist zu überlegen, ob die Nachrichten verschlüsselt und / oder digital signiert werden sollten. Verschlüsselung und/oder digitale Signaturen In vielen Unix-Systemen stehen Verschlüsselungsprogramme wie crypt zur Verfügung, bei anderen sind die Verschlüsselungsprogramme beim Export aus den USA entfernt worden. Unter Windows NT und Unix stehen verschiedene Verschlüsselungsprogramme von kommerziellen Software-Anbietern zur Verfügung. Darüber hinaus können auch viele Public-Domain-Programme für Unix, DOS und Windows, wie z. B. das weiter unten genannte Programm PGP auch unter Windows NT eingesetzt werden. Public-Domain-Programme nutzen Zur Verschlüsselung von Nachrichten stehen u. a. mehrere Public-DomainVerschlüsselungsprogramme betriebssystemübergreifend zur Verfügung: DES ist ein einfaches Verschlüsselungsprogramm, das auf dem gleichnamigen Algorithmus basiert. Zum Entschlüsseln der Nachricht muss der Empfänger denselben Schlüssel verwenden, den der Sender zum Verschlüsseln benutzt hat. PGP (Pretty Good Privacy) ist ein verbreitetes Verschlüsselungsprogramm, das auf den Algorithmen RSA (für das Schlüsselmanagement) und IDEA (zur Datenverschlüsselung) basiert. Mit PGP können Nachrichten zum einen verschlüsselt und zum anderen zum Schutz vor Veränderungen mit einer digitalen Signatur versehen werden (siehe auch M 5.63 Einsatz von PGP). Die Unix-Sourcen von PGP sind beispielsweise von dem FTP-Server ftp.de.uu.net (192.76.144.75) oder dem Mailserver archive-server@de.uu.net beziehbar. Die Unix-Standard-Editoren ed, ex und vi können in einem Verschlüsselungsmodus benutzt werden, so dass Texte direkt bei der Erstellung verschlüsselt werden. Dabei wird i. allg. das Verschlüsselungsprogramm crypt benutzt. Es ist darauf zu achten, dass der Schlüssel nie als Argument für den Kommandoaufruf benutzt wird, da er sonst, z. B. mit dem Kommando ps, ausgespäht werden kann. Schlüssel nicht als Argument von Programmen übergeben Viele Mailprogramme enthalten ebenfalls Optionen zur Verschlüsselung der Nachrichten. Hier ist zu überprüfen, welche Verfahren zur Verschlüsselung eingesetzt werden. In vielen Fällen werden hier nur leicht zu brechende Verfahren eingesetzt. Die Benutzung solcher Verschlüsselungsverfahren erhöht auf jeden Fall den Schutz der Nachricht, es sollte aber überlegt werden, höherwertige Verfahren wie DES oder RSA einzusetzen. leicht zu brechende Verfahren vermeiden _____________________________________________________________________ .......................................... 63 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.36 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Sicherheit der Verschlüsselung hängt von drei verschiedenen Punkten zentral ab: - Der verwendete Verschlüsselungsalgorithmus muss so konstruiert sein, dass es ohne Kenntnis des verwendeten Schlüssels nicht möglich ist, den Klartext aus dem verschlüsselten Text zu rekonstruieren. Nicht möglich bedeutet dabei, dass der erforderliche Aufwand zum Brechen des Algorithmus bzw. zum Entschlüsseln in keinem Verhältnis steht zum dadurch erzielbaren Informationsgewinn. Klartext nicht rekonstruierbar - Der Schlüssel ist geeignet zu wählen. Nach Möglichkeit sollte ein Schlüssel zufällig erzeugt werden. Wenn es möglich ist, einen Schlüssel wie ein Passwort zu wählen, sollten die diesbezüglichen Regeln aus M 2.11 Regelung des Passwortgebrauchs beachtet werden. Schlüssel geeignet wählen - Der verschlüsselte Text und die Schlüssel dürfen nicht zusammen auf einem Datenträger gespeichert werden. Dies kann einfach dadurch erreicht werden, dass der Schlüssel schriftlich fixiert und anschließend wie eine Scheckkarte im Portemonnaie aufbewahrt wird. Werden die Schlüssel auf Disketten gespeichert, so sollten die Disketten getrennt vom IT-System aufbewahrt werden. Chiffrat und Schlüssel trennen Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Benutzer im Umgang mit den Verschlüsselungsprodukten geschult? - Welche Verschlüsselungsverfahren werden eingesetzt? - Werden Daten und Schlüssel getrennt aufbewahrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 64 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.37 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.37 Einschränken der Peer-to-Peer-Funktionalitäten bei Nutzung von WfW, Windows 95 oder Windows NT in einem servergestützten Netz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Werden Windows für Workgroups, Windows 95 oder Windows NT als Benutzeroberfläche in einem servergestützten LAN eingesetzt, so kann damit neben dem servergestützten Netz ein Peer-to-Peer-Netz betrieben werden. Damit werden neben den im Client-Server-Netz (CS) angebotenen Kommunikationsmöglichkeiten neue geschaffen, die auf dem Server (CS) nicht protokolliert werden. In einer solchen Konstellation ist der Parallelbetrieb der beiden Netzstrukturen nicht sinnvoll, da die gewünschte Funktionalität im allgemeinen vom servergestützten LAN übernommen werden kann. Daher sollte in einem servergestützten LAN auf eine Installation der Peer-to-Peer-Funktionalität ganz verzichtet werden. Der Administrator sollte im Einzelfall entscheiden, ob für bestimmte angeschlossene WfW-, Windows 95- und Windows NTRechner die Peer-to-Peer-Funktionalitäten "Dateifreigabe" und "Netz-DDEFreigabe" freigeschaltetet wird. Die "Druckerfreigabe" kann hingegen in vielen Fällen eine sinnvolle Ergänzung sein. Unter Windows NT können nur Administratoren Ressourcen zum Netzzugriff (unter Verwendung des Datei-Managers bzw. Explorers) freigeben. Vor einer derartigen Freigabe ist zu prüfen, ob sie mit den festgelegten Sicherheitsstrategien (siehe auch M 2.67 Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Peer-to-Peer-Netz und M 2.91 Festlegung einer Sicherheitsstrategie für das Windows NT Client-Server-Netz) zu vereinbaren ist. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer hat entschieden, ob Peer-to-Peer-Funktionen in einem servergestützten Netz zum Einsatz kommen sollen? _____________________________________________________________________ .......................................... 65 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.38 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.38 Sichere Einbindung von DOS-PCs in ein UnixNetz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer DOS-PCs können auf verschiedene Arten in Unix-Netze eingebunden werden. PCs haben im allgemeinen schlechtere Sicherheitsmechanismen als UnixSysteme. Jeder, der Zugang zu einem PC hat, kann diesen administrieren, also z. B. Einstellungen ändern oder Software einspielen. Durch Einspielen entsprechender Software kann ein vernetzter PC zum Abhören des Netzes benutzt werden. Daher dürfen nur autorisierte Benutzer Zugang zu einem PC haben (siehe auch M 1.23 Abgeschlossene Türen und M 2.6 Vergabe von Zutrittsberechtigungen). Weiterhin muß sichergestellt werden, daß nicht unkontrolliert Software eingespielt werden kann und dies auch regelmäßig kontrolliert werden (siehe auch M 2.9 Nutzungsverbot nicht freigegebener Software und M 2.10 Überprüfung des Software-Bestandes). Außerdem ist es leicht möglich, durch eine Konfigurationsänderung des PCs jede beliebige Rechnerkennung vorzutäuschen und damit eine Maskerade durchzuführen. Daher dürfen bei der Benutzung von RPC auf dem Unix-Server keine Trusted Hosts definiert sein. Trusted Hosts sind Systeme, die als vertrauenswürdig angesehen werden und von denen aus ein Einloggen (mit rlogin) bzw. die Ausführung eines Befehles (mit rsh) ohne Angabe eines Paßwortes möglich ist. Dies wird über die Dateien $HOME/.rhosts und /etc/hosts.equiv auf dem Unix-Server festgelegt. Es muß sichergestellt werden, daß die Dateien $HOME/.rhosts und /etc/hosts.equiv nicht vorhanden oder daß sie leer sind und der Benutzer keine Zugriffsrechte auf sie hat (siehe auch M 5.20 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von rlogin, rsh und rcp). Wenn PCs über NFS an ein Unix-Netz angebunden sind, sind die folgenden Punkte zu beachten: - Auf einem NFS-Server muß in einer Datei (z. B. /etc/exports oder /etc/dfs/dfstab) jedes Dateisystem bzw. Verzeichnis eingetragen werden, das von anderen Rechnern gemountet werden können soll. Dort werden auch die Zugriffsrechte der NFS-Clients auf die freigegebenen Dateisysteme festgelegt. Bei der Benutzung von NFS muß auf dem Unix-Server darauf geachtet werden, daß nur die Verzeichnisse zum Mounten freigegeben sind, bei denen dies unbedingt erforderlich ist. - Damit über NFS keine root-Rechte erlangt werden können, darf auf dem Unix-Server kein root-Zugang für exportierte Dateisysteme gewährt werden, wie dies über die Option -root= möglich wäre. Auf keinen Fall darf hiermit einem PC root-Zugang gewährt werden. - Beim Kopieren von Dateien von einem PC auf ein Unix-System über NFS oder ftp kann es sein, daß die Attribute zu freizügig gesetzt sind. Es ist zu überprüfen, ob dies der Fall ist und gegebenenfalls die umask entsprechend abzuändern. _____________________________________________________________________ .......................................... 66 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.38 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Computerviren treten hauptsächlich auf DOS-PCs auf. Bei der Vernetzung von PCs mit Unix-Systemen können sich Viren über die Weitergabe von infizierten Programmen von PC zu PC verbreiten. Daher sind hier die selben Maßnahmen zu treffen wie beim Austausch von Programmen über Datenträger oder per DFÜ (siehe auch M 4.3 Regelmäßiger Einsatz eines VirenSuchprogramms). Während File-Viren nur innerhalb einer DOS-Emulation eine Bedrohung darstellen, gefährden Viren, die den Boot-Sektor von Intelbasierenden Systemen wie PCs verändern, u. U. auch Unix-Systeme auf IntelPlattformen. Daneben geht die größte Gefahr von Computerviren für UnixSysteme von PCs aus, die über NFS Verzeichnisse von einem Unix-System gemountet haben. Viren, die auf einem PC Dateien oder Verzeichnisse löschen oder verändern, können auch auf gemountete Verzeichnisse zugreifen und diese zerstören. Daher sind bei der Freigabe von Verzeichnisse zum Mounten die Zugriffsrechte möglichst restriktiv zu vergeben, insbesondere sollte durch Einsatz der Option ro (read only) auf Verzeichnisse nur lesender Zugriff gewährt werden. Außerdem sollten die Benutzer unter Unix die Attribute ihrer Dateien und Verzeichnisse möglichst restriktiv setzen, z. B. so daß andere Benutzer nicht darauf zugreifen können oder so daß kein der schreibende Zugriff auf Dateien, die nicht regelmäßig verändert werden, möglich ist. Dies sollte über umask entsprechend voreingestellt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind NFS-Verzeichnisse mit zu weitgehenden Rechten versehen? - Sind die Netzzugänge genügend geschützt (organisatorisch oder technisch)? - Sind die RPC-Konfigurationsdateien richtig eingestellt? _____________________________________________________________________ .......................................... 67 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.39 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.39 Sicherer Einsatz der Protokolle und Dienste Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Die folgenden kurzen Beschreibungen der am häufigsten im Internet verwendeten Protokolle und Dienste sollen als Hinweis dienen, welche Informationen von diesen Protokollen übertragen werden und somit für eine Filterung durch eine Firewall zur Verfügung stehen. Desweiteren ist kurz beschrieben, welche Randbedingungen beim Einsatz der verschiedenen Protokolle und Dienste zu beachten sind. Bei einer TCP/IP Kommunikation baut in der Regel ein Client-Prozeß von einem zufälligen Port mit einer Portnummer > 1023 eine Verbindung zu einem Server-Prozeß mit einer Portnummer < 1024 (well-known-port) auf. Die Ports mit einer Nummer < 1024 werden auch als privilegierte Ports bezeichnet, da sie nur von Prozessen mit Root-Berechtigung benutzt werden dürfen. Diese Einschränkung, daß Ports < 1024 nur von Prozessen mit RootBerechtigung benutzt werden dürfen, ist aber nur eine Konvention, die auch umgangen werden kann. Daher darf in einem Sicherheitskonzept nicht vorausgesetzt werden, daß tatsächlich alle IT-Systeme ihre privilegierten Ports auf diese Weise schützen. Auch wenn z. B. mit FTP auf die Ports 20 oder 21 zugegriffen wird, darf dies also nicht als sichere Verbindung angesehen werden. IP Das Internet Protocol (IP) ist ein verbindungsloses Protokoll. Ein IP-Header enthält u. a. zwei 32-Bit Adressen (IP-Nummern) für Ziel und Quelle der kommunizierenden Rechner. Da die IP-Nummern nicht durch kryptographische Verfahren geschützt werden, können sie nur in ganz bestimmten Topographien zur Authentisierung benutzt werden, also nur wenn sichergestellt ist, daß die Adressen nicht geändert werden können. Beispielsweise dürfen Pakete, die von außen kommen, aber als Quelladresse eine Adresse aus dem zu schützenden Netz haben, von der Firewall nicht durchgelassen werden. ARP Das Address Resolution Protocol (ARP) dient dazu, zu einer 32-Bit großen IP-Adresse die zugehörige 48-Bit große Hardware- oder Ethernet-Adresse zu finden. Falls in einer internen Tabelle des Rechners kein entsprechender Eintrag gefunden wird, wird ein ARP-Broadcast-Paket mit der unbekannten IPNummer ausgesandt. Der Rechner mit dieser IP-Nummer sendet dann ein ARP-Antwort-Paket mit seiner Hardware-Adresse zurück. Da die ARP-Antwort-Pakete nicht manipulationssicher sind, können sie nur in ganz bestimmten Topographien verwendet werden (s. o.). ICMP Das Internet Control Message Protocol (ICMP) hat als Protokoll der Transportschicht die Aufgabe, Fehler- und Diagnoseinformationen für IP zu trans- _____________________________________________________________________ .......................................... 68 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.39 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... portieren. Es wird intern von IP, TCP oder UDP angestoßen und verarbeitet und kann auf der Benutzerebene durch den Befehl ping verwendet werden. Die Meldung Destination Unreachable wird z. B. erzeugt, wenn ein Rechner oder ein Netz nicht erreichbar ist, und kann dazu mißbraucht werden, alle Verbindungen zwischen den beteiligten Rechnern zu unterbrechen. Die Meldung Redirect wird ausgesandt, wenn ein Gateway erkennt, daß das Paket direkt an ein anderes Gateway geschickt werden kann, also bisher ein Umweg benutzt wurde. Der kürzere Weg wird dann in die Routingtabelle des Absenders eingetragen. Dieses kann mißbraucht werden, um unerwünschte Routen zu konfigurieren. Die Firewall muß sicherstellen, daß diese Meldungen nicht durch die Filter durchgelassen werden. Bei den anderen Meldungen ist abzuwägen, ob die nach außen gelieferte Information für einen Angriff mißbraucht werden kann. Routing Protokolle Routing Protokolle wie RIP (Routing Information Protocol) oder OSPF (Open Shortest Path First) dienen dazu, Veränderungen der Routen zwischen zwei vernetzten Systemen an die beteiligten Systeme weiterzuleiten und so eine dynamische Änderung der Routingtabellen zu ermöglichen. Es ist leicht möglich, falsche RIP-Pakete zu erzeugen und somit unerwünschte Routen zu konfigurieren. Dynamisches Routing sollte also nur in ganz bestimmten Topographien angewendet werden (s. o.). TCP Das Transmission Control Protocol (TCP) ist ein verbindungsorientiertes Protokoll der Transportschicht. Die Korrektheit der Übertragung wird durch Sequenznummern, Prüfsummenbildung mit Empfangsquittung, Quittung mit Zeitüberwachung und einer Segmentübertragungswiederholung nach Quittungszeitablauf sichergestellt. Der Header enthält u. a. zwei 16-Bit Portnummern, die zur Identifikation der Kommunikationsendpunkte dienen und die über eine standardisierte Zuordnung (well-known-ports) mit den Diensten der Anwendungsschicht verbunden sind. Da sie nicht durch kryptographische Verfahren geschützt werden, können sie nur in ganz bestimmten Topographien zur Authentisierung benutzt werden (s. o.). Das erste bei einem Verbindungsaufbau übertragene Paket ist i. d. R. das einzige, welches ohne ein gesetztes Bestätigungsflag (ACK) übertragen wird. Auf diese Weise ist eine Unterscheidung zwischen Verbindungsaufbau- und Datenübertragungsphase möglich. Die Firewall muß zwischen ACK und ACK-losen Paketen unterscheiden können, also ob ein Verbindungsaufbau stattfindet oder eine bestehende Verbindung benutzt wird. UDP Das User Datagram Protocol (UDP) ist ein verbindungsloses Protokoll der Transportschicht. Es gibt keine Transportquittungen oder andere Sicherheitsmaßnahmen für die Korrektheit der Übertragung. Der Header enthält u. a. zwei 16-Bit Portnummern (siehe TCP), die unabhängig von denen beim TCPProtokoll benutzten Portnummern sind. Da sie nicht durch kryptographische _____________________________________________________________________ .......................................... 69 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.39 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Verfahren geschützt werden, können sie nur in ganz bestimmten Topographien zur Authentisierung benutzt werden. Da in der Protokolldefinition keine Unterscheidung zwischen einem Verbindungsaufbau und einer Datenübertragung vorgesehen ist, muß diese Unterscheidung von der Firewall übernommen werden. Es muß eine Kontrolle über den Zustand der Verbindung möglich sein, und es muß möglich sein, die Zugehörigkeit eines Paketes zu einer Verbindung eindeutig festzustellen. Dies kann z. B. erreicht werden, indem bei einem UDP-Verbindungsaufbau der Zielport gespeichert und temporär freigegeben wird, Antwortpakete nur zu diesem Port durchgelassen werden und nach der Beendigung der Verbindung der Port wieder gesperrt wird. Telnet Das Telnet-Protokoll erlaubt einem Benutzer, eine Terminalsitzung auf einem entfernten Rechner durchzuführen und definiert hierzu virtuelle Ein- und Ausgabe-Einheiten (Network Virtual Terminals), zwischen denen Verbindungsparameter ausgehandelt werden müssen. Um mit dem Kommando Telnet auf einen anderen Rechner zugreifen zu können, muß auf diesem der Telnet-Daemon laufen. Standard-Port für eine Telnet-Sitzung ist der Port 23. Andere Portnummern lassen sich als Parameter angeben, wodurch auch eine Verbindung zu anderen Server-Prozessen hergestellt werden kann. Da Telnet vollständigen Zugang zu einem Remote-Host für einen Benutzer ermöglicht, muß dieser Zugang durch eine starke Authentisierung geschützt werden. Es wird häufig unterschieden zwischen einfacher und starker Authentisierung. Bei einfacher Authentisierung werden einfache Paßwortverfahren benutzt, bei denen das Paßwort im Klartext übertragen wird und somit nicht vor Mithören geschützt ist. Im Gegensatz dazu werden bei starker Authentisierung schwerer zu manipulierende Verfahren eingesetzt, die z. B. auf dem Einsatz von Einmalpaßwörter oder dem Besitz von Chipkarten basieren. Bei Telnet besteht die Gefahr, daß sich ein Angreifer auf dem Übertragungsweg in eine autorisierte Telnet-Verbindung eingeschaltet hat, z. B. um sicherheitsrelevante Informationen abzuhören oder um eigene Befehle in die Telnet-Verbindung einzugeben. Daher sollte eine verschlüsselte Übertragung möglich sein. FTP Das File Transfer Protocol (FTP) ermöglicht den Austausch von Dateien zwischen entfernten Rechnern. Bei Benutzung von FTP werden zwei Verbindungen aufgebaut, wobei die Kommandos über Port 21 übertragen werden und die Daten über Port 20. Um den Austausch von Befehlen zwischen Rechnern verschiedener Betriebssysteme zu ermöglichen, definiert FTP eine Reihe von Standardbefehlen. Diese sind nicht identisch mit den Kommandos der Benutzeroberfläche. Der FTP-Client übersetzt die Kommandos der Benutzeroberfläche in die ent- _____________________________________________________________________ .......................................... 70 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.39 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... sprechenden Standardbefehle. Für die Firewall sind die Standardbefehle relevant, da nur diese tatsächlich über TCP/IP übertragen werden. Während der Client die Kommandoverbindung zum Port 21 des Servers aufbaut, ist der Server für den Aufbau des Datenkanals von seinem Port 20 zu einem Port (> 1023) des Clients verantwortlich. Dies stellt eine Sicherheitslücke dar, da sich Angreifer als Server ausgeben könnten. Daher sollte der Verbindungsaufbau umgekehrt stattfinden und seitens des Clients der Standardbefehl PASV statt PORT verwendet werden. Hierdurch wird erreicht, daß der Server eine zufällige Portnummer berechnet und auf diesem Port die Datenübertragung erwartet. Der Client kann dann eine Verbindung zu diesem Port aufbauen, der TCP-Verbindungsaufbau findet also vom zu schützenden ins externe Netz statt. Alle Befehle, die Dateien oder Verzeichnisse manipulieren oder lesen (CWD, CDUP, RETR, STOR, DELE, LIST, NLIST), müssen an eine entsprechende Rechteverwaltung gekoppelt sein. Zugriffe nicht vertrauenswürdiger Benutzer werden damit auf bestimmte Dateien eingeschränkt oder ganz unterbunden. Dies setzt einen starken Authentisierungsmechanismus voraus. Auch der Befehl SYST, mit dem ein Client nach der Betriebssystemversion des Servers fragt, sollte an eine Rechteverwaltung gekoppelt sein bzw. für nicht vertrauenswürdige Benutzer gesperrt werden. Ferner muß es möglich sein, die Übertragung der Dateien, der Verzeichnisinformationen und der Paßwörter zu verschlüsseln. SMTP Das Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) ist ein einfaches Protokoll für die Übertragung der elektronischen Post im Internet, das aus wenigen Kommandos besteht. Mit den Befehlen VRFY und EXPN können interne Informationen abgerufen werden, daher sollte die Verwendung dieser Befehle nur innerhalb des geschützten Netzes erlaubt werden. Für nicht vertrauenswürdige Benutzer sind VRFY und EXPN zu sperren. Die Firewall sollte in der Lage sein, SMTPVerbindungen zwischen vertrauenswürdigen Benutzern zu verschlüsseln. Sinnvoll ist dies aber nur dann, wenn ein starker Authentisierungsmechanismus benutzt wird. DNS Der Domain Name Service (DNS) dient zur Umsetzung von Rechnernamen in IP-Nummern und umgekehrt und stellt ferner Informationen über im Netz vorhandene Rechnersysteme zur Verfügung. Die übertragenen Informationen werden nicht durch kryptographische Verfahren geschützt, so daß durch gefälschte Daten Spoofing-Angriffe möglich sind. Dies sollte insbesondere bei DNS-Antworten aus dem Internet berücksichtigt werden. Um auf Rechner eines Netzes zuzugreifen, benötigt ein Eindringling zunächst deren Adressen, die er entweder durch blindes Probieren oder einfacher durch Auswertung der DNS-Informationen erhalten kann. Mittels der Adresse kann der Eindringling dann beispielsweise eine Adressfälschung (IP-Spoofing) vor- _____________________________________________________________________ .......................................... 71 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.39 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... nehmen, indem er vortäuscht, daß sein Rechner zum zu schützenden Netz gehört, und Pakete an das Netz schickt. Prinzipiell muß beachtet werden, daß alle von DNS zur Verfügung gestellten Informationen mißbraucht werden können. Wie eine Firewall konfiguriert sein muß, um vor den Gefährdungen beim Einsatz von DNS zu schützen, ist in Maßnahme M 2.77 Sichere Anordnung weiterer Komponenten beschrieben. NNTP Das Network News Transfer Protocol (NNTP) wird für die Übertragung von Newsartikeln benutzt. Die Firewall muß in der Lage sein, den Transport bestimmter Newsgruppen ganz zu verhindern oder nur für einige Rechner zuzulassen. Es muß sichergestellt werden, daß beim Versenden eigener News keine Informationen über das zu schützende Netz (z. B. die Rechnernamen) ins externe Netz gelangen. HTTP Das Hypertext Transfer Protokoll (HTTP) wird für die Übertragung von Daten zwischen WWW-Clients und WWW-Servern benutzt. Es werden vier Operationen unterstützt: Connection, Request, Response und Close. Die Firewall muß in der Lage sein, die Befehle eines HTTP-Paketes zu analysieren und durch Filter einzuschränken. So muß es z. B. möglich sein, bei der Request-Operation die Ausführung des Befehls POST und die damit verbundene Änderung einer Datei zu verbieten. Die Filter müssen benutzerabhängig (mit Hilfe einer starken Authentisierung) und rechnerabhängig unterscheidbar sein. Die übertragenen Daten müssen nach ihrer Art unterschieden werden können, und es muß möglich sein, spezielle Dateitypen auf bestimmte Informationen zu untersuchen. Sollten für die Verarbeitung der übertragenen Daten weitere Prozesse nötig sein (z. B. ein externer Viewer oder eine Shell), muß es möglich sein, die Ausführung dieser Prozesse vorher vom Benutzer bestätigen zu lassen. Weitere Dienste: X11, BSD-"r-Dienste", NFS, NIS, TFTP Diese Dienste sollten nicht über eine Firewall hinweg eingesetzt werden (siehe dazu auch G 4.11 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen NIS-Server und NIS-Client, G 4.12 Fehlende Authentisierungsmöglichkeit zwischen XServer und X-Client bzw. die Maßnahmen - M 5.17 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von NFS - M 5.18 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von NIS - M 5.19 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von sendmail - M 5.20 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von rlogin, rsh und rcp - M 5.21 Sicherer Einsatz von telnet, ftp, tftp und rexec _____________________________________________________________________ .......................................... 72 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.40 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.40 Sichere Einbindung von DOS-PCs in ein Windows NT Netz Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer DOS-PCs können auf verschiedene Arten in Windows NT Netze eingebunden werden, beispielsweise über TCP/IP oder die Peer-to-Peer-Funktionalitäten von Windows für Workgroups. Im Vergleich zu Windows NT Systemen verfügen DOS-PCs jedoch über weniger Sicherheitsmechanismen. Jeder, der Zugang zu einem PC hat, kann diesen administrieren, also z. B. Einstellungen ändern oder Software einspielen. Durch Einspielen entsprechender Software kann ein vernetzter PC zum Abhören des Netzes benutzt werden. Daher dürfen nur autorisierte Benutzer Zugang zu einem PC haben (siehe auch M 1.23 Abgeschlossene Türen und M 2.6 Vergabe von Zutrittsberechtigungen). Weiterhin muß sichergestellt werden, daß nicht unkontrolliert Software eingespielt werden kann, und dies muß auch regelmäßig kontrolliert werden (siehe auch M 2.9 Nutzungsverbot nicht freigegebener Software und M 2.10 Überprüfung des Software-Bestandes). Außerdem ist es leicht möglich, durch eine Konfigurationsänderung des PCs jede beliebige Rechnerkennung vorzutäuschen und damit eine Maskerade durchzuführen. Computer-Viren treten hauptsächlich auf DOS-PCs auf. Bei der Vernetzung von PCs mit Windows NT Systemen können sich Computer-Viren über die Weitergabe von infizierten Programmen von PC zu PC verbreiten. Daher sind hier dieselben Maßnahmen zu treffen wie beim Austausch von Programmen über Datenträger oder per DFÜ (siehe auch M 4.3 Regelmäßiger Einsatz eines Viren-Suchprogramms). Während File-Viren nur dann eine Bedrohung darstellen, wenn sie in der Lage sind, unter Windows NT ausführbare Dateien so zu verändern, daß diese ausführbar bleiben, gefährden Computer-Viren, die den Boot-Sektor von Intel-basierenden Systemen wie PCs verändern, u. U. auch Windows NT Systeme auf Intel-Plattformen, indem sie diese in einen nicht mehr startbaren Zustand versetzen. Dies kann durch eine Änderung der Bootreihenfolge vermieden werden (vgl. M 4.3 Regelmäßiger Einsatz eines Viren-Suchprogramms). Daneben geht die größte Gefahr von Computer-Viren für Windows NT Systeme von PCs aus, die Zugriff auf zum Netzzugriff freigegebene Verzeichnisse des Windows NT Systems haben. Computer-Viren, die auf einem PC Dateien oder Verzeichnisse löschen oder verändern, können auch auf freigegebene Verzeichnisse eines Windows NT Systems zugreifen und diese zerstören. Daher sind bei der Freigabe von Verzeichnissen zum Netzzugriff die Zugriffsrechte möglichst restriktiv zu vergeben; insbesondere sollte auf freigegebene Verzeichnisse nach Möglichkeit nur lesender Zugriff gewährt werden. Generell sollten die Benutzer unter Windows NT die Attribute ihrer Dateien und Verzeichnisse möglichst restriktiv setzen, z. B. so daß andere Benutzer nicht darauf zugreifen können oder daß kein schreibender Zugriff auf Dateien, _____________________________________________________________________ .......................................... 73 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.40 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... die nicht regelmäßig verändert werden, möglich ist. Dies sollte über die Funktionen der Zugriffskontrolle entsprechend voreingestellt werden (siehe auch M 4.53 Restriktive Vergabe von Zugriffsrechten auf Dateien und Verzeichnissen unter Windows NT). Durch diese Maßnahme wird ein hinreichender Schutz aller auf dem Server abgelegten Dateien erreicht, der vom DOS-PC nicht unterlaufen werden kann. Falls auf dem PC Windows für Workgroups oder Windows 95 installiert ist, sind außerdem noch die Gefährdungen zu betrachten, die durch die Benutzung der Peer-to-Peer-Funktionalitäten entstehen können (siehe Kapitel 6.3 Peer-toPeer-Netz). Als besonderes Problem ist hierbei die Paßwortspeicherung hervorzuheben. Paßwörter werden hier in Dateien der Form [anmeldename].pwl gespeichert. Dort werden sie zwar verschlüsselt abgelegt, können aber mit verschiedenen Programmen ausgelesen werden. Ist es unbedingt notwendig, daß sich ein Benutzer von WfW oder Windows 95 aus an einem Windows NT System anmeldet, sind die Hinweise aus M 4.46 Nutzung des Anmeldepaßwortes unter WfW und Windows 95 zu beachten. Administratoren müssen auf jeden Fall darauf achten, daß keine Kennwortliste angelegt wird. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind freigegebene Verzeichnisse mit zu weitgehenden Rechten versehen? - Sind die Netzzugänge technisch)? genügend geschützt (organisatorisch oder _____________________________________________________________________ .......................................... 74 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.41 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.41 Sichere Konfiguration des Fernzugriffs unter Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Über RAS (Remote Access Service) können sich Benutzer von entfernten ITSystemen mit lokalen Windows NT Systemen verbinden. Dafür muß auf dem entfernten IT-System der RAS-Client und auf dem lokalen IT-System, das die Fernverbindung annimmt, der RAS-Server installiert sein. Diese Benutzer können über RAS so arbeiten, als wären sie direkt mit dem Netz verbunden. Die entfernten Clients verwenden dabei Standardprogramme, um auf Ressourcen zuzugreifen. Mit Hilfe des Datei-Managers bzw. Explorers werden beispielsweise Netzlaufwerke und Drucker verbunden. Diese Verbindungen sind permanent, d. h. Benutzer müssen Verbindungen zu Netzressourcen während ihrer Sitzung nicht erneut aufbauen. Als Clients werden die Systeme Windows NT, Windows 95, WfW, MS-DOS und OS/2 unterstützt. Der Benutzer baut eine Verbindung zum RAS-Server mit Hilfe eines lokalen Modems, X.25 oder einer ISDN-Karte auf. Der RAS-Server, der auf einem Windows NT Server ausgeführt wird, authentisiert den Benutzer und bedient die Sitzungen, bis diese durch den Benutzer oder den Netzadministrator beendet werden. Alle Dienste, die normalerweise einem mit einem LAN verbundenen Benutzer zur Verfügung stehen (Datei- und Druckfreigabe, Datenbankzugriff und Benachrichtigung), sind über die RAS-Verbindung möglich. Der Zugriff auf RAS wird aus dem Pool sämtlicher Windows NT Benutzerkonten gewährt. Mit Hilfe des Benutzer-Managers können einem einzigen Benutzer, einer Benutzergruppe oder sämtlichen Benutzern die Einwählberechtigung ins lokale Netz erteilt werden. Weiterhin bietet die RAS-Verwaltung eine Option, die den Zugriff auf alle Ressourcen ermöglicht, auf die der RAS-Host im Netz zugreifen kann, bzw. nur auf die lokal auf dem Computer vorhandenen Ressourcen. Dann nutzen die Anwender ihre Domänenanmeldung zum Herstellen der Verbindung über RAS. Wurde die Zugriffsberechtigung des Benutzers vom RAS geprüft, kann er die lokalen Ressourcen oder, falls ihm die Berechtigung dazu erteilt wurde, die Ressourcen in der ganzen Domäne sowie in den vertrauten Domänen nutzen. Über das Challenge Handshake Authentication Protocol (kurz CHAP) vermittelt der Remote Access Server die sicherste der angebotenen Formen verschlüsselter Zugriffsberechtigung, die sowohl vom Server als auch vom Client unterstützt wird. CHAP ermöglicht dem RAS-Server die abwärts gerichtete Aushandlung vom sichersten Verschlüsselungsmechanismus bis zum unsichersten Verfahren mit Klartextübertragung und schützt die in diesem Prozeß übertragenen Kennwörter. CHAP läßt den Einsatz diverser Verschlüsselungsalgorithmen zu. RAS arbeitet insbesondere mit dem kryptographischen Protokoll MD5. RAS greift für die Authentisierung auf DES-Verschlüsselung zurück, wenn sowohl der Client als auch der Server mit RAS arbeiten. Windows NT, Windows für Workgroups sowie Windows 95 handeln bei der Datenkommunikation untereinander immer die DES-verschlüsselte Echtheitsbestätigung aus. Bei Verbindung mit externer RAS-Server- oder Client-Software ist eine Echtheits- _____________________________________________________________________ .......................................... 75 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.41 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... bestätigung mit SPAP oder unverschlüsseltem Text möglich, falls das externe Produkt keine verschlüsselte Echtheitsbestätigung unterstützt. MD5, ein Verschlüsselungsschema, das von diversen PPP-Implementationen für verschlüsselte Echtheitsbestätigungen eingesetzt wird, kann vom Microsoft RAS-Client ausgehandelt werden, wenn eine Verbindung zu anderern RASServern besteht. PAP arbeitet mit einfachen, unverschlüsselten Kennwörtern und hat damit als für Echtheitsbestätigungen verantwortliches Protokoll am wenigsten zu bieten. Dieses Protokoll wird normalerweise ausgehandelt, wenn die externe Arbeitsstation und der Server sich nicht auf eine Verschlüsselungsform einigen können, die mehr Sicherheit bietet. Das RAS-Verschlüsselungsprotokoll sollte gemäß der folgenden Tabelle in Abhängigkeit vom zu erreichenden Schutzbedarf so gewählt werden, daß mindestens das dort angegebene Protokoll verwendet wird. Dies kann bedeuten, daß bei hohen Sicherheitsanforderungen die Verwendung von Clients, die das geforderte Protokoll nicht unterstützen, ausgeschlossen werden muß. Schutzbedarf Verschlüsselungsart RAS-Verschlüsselungsprotokoll Hoch Einseitig CHAP, MD5 Mittel Beidseitig SPAP Niedrig Unverschlüsselter Text PAP Datenverschlüsselung schützt Daten und gewährleistet eine sichere Anwählverbindung. Der RAS-Administrator kann den RAS-Server so einstellen, daß die Datenübertragung immer in verschlüsselter Form zu erfolgen hat. Die Benutzer, die an diesem Server angeschlossen sind, verschlüsseln automatisch alle gesendeten Daten. Hinweis: Diese Option setzt voraus, daß alle angeschlossenen Clients verschlüsseln können. Falls dies gegeben ist, wie z. B. in einem homogenen Windows NT Netz, so ist diese Option auf jeden Fall zu aktivieren. Die Startoptionen von RAS werden über die Systemsteuerungsoption "Dienste" eingestellt, und die Konfigurierung erfolgt über die Systemsteuerungsoption "Netzwerk", wobei hier auch die Wahl des Authentisierungsverfahrens geschieht. Durch Wahl der Option "Nur Microsoft-verschlüsselte Echtheitsbestätigung" kann die Wahl von CHAP mit MD5 erzwungen werden; zusätzlich läßt sich dann auch die Verschlüsselung des Datenstroms einschalten. Dabei werden die übertragenen Daten in den deutschen Versionen von Windows NT nicht mit DES, sondern mit RC4 verschlüsselt. RAS unterstützt Sicherheits-Hosts anderer Hersteller, wobei der SicherheitsHost zwischen den Fernbenutzer und den RAS-Server geschaltet ist. Ein Sicherheits-Host ist ein zusätzlicher Rechner im Netz, der Sicherheitsdienste wie die Unterstützung von Chipkarten anbietet. Ein derartiger SicherheitsHost bietet im allgemeinen eine zusätzliche Sicherheitsstufe, indem er eine Ausweiskarte zur Echtheitsbestätigung anfordert oder ähnliche starke Authentisierungsverfahren unterstützt, bevor der Zugriff auf den RAS-Server erteilt wird. _____________________________________________________________________ .......................................... 76 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.41 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme bietet RAS die Zugriffsüberwachung per Rückruf (Callback). Mit dieser Funktion kann der Systemadministrator verlangen, daß ein bestimmter Fernbenutzer von einer vorher festgelegten Stelle aus (z. B. privater Telefonanschluß) anruft oder dieser von einer beliebigen Stelle aus zurückgerufen werden kann. Bei der Zugriffsüberwachung per Rückruf leitet der Anwender einen Anruf ein und stellt die Verbindung mit dem RAS-Server her. Der RAS-Server legt dann auf und ruft einen Augenblick später die vorher zugeteilte Rückrufnummer an. Bei Verwendung des analogen Telefonnetzes sind hierzu Rückrufmodems einzusetzen, während bei Übertragung über ISDN bzw. X.25 (z. B. Datex-P) die Leistungen dieser Netze in Anspruch genommen werden können. Dabei ist allerdings zu beachten, daß die Sicherheit der Partneridentifikation bei Wechsel des X.25Carriers, also bei grenzüberschreitender Datenübertragung, nicht mehr gewährleistet ist. Unter RAS wird der Fernzugriff auf das Netz vom Systemadministrator gesteuert. Zusätzlich zu den Dienstprogrammen, die zusammen mit Windows NT Server geliefert werden, bietet das Dienstprogramm RAS-Verwaltung dem Administrator die Möglichkeit, Zugriffsberechtigungen für einzelne Benutzer und/oder Gruppen zu erteilen bzw. wieder zu entziehen. Das bedeutet, daß der Zugriff auf das Netz – obwohl RAS auf einem Computer mit Windows NT Server läuft – jedem Benutzer, der auf das Netz über RAS zugreifen darf, ausdrücklich erteilt werden muß. Dabei gewährleistet dieses Verfahren nicht nur, daß Fernzugriff ausdrücklich erlaubt werden muß, sondern erlaubt zudem das Festlegen von Rückrufbeschränkungen. RAS bietet ein zusätzliches Maß an Sicherheit. Die RAS-Verwaltung bietet eine Option, die den Zugriff auf alle Ressourcen ermöglicht, die der RASHost wahrnimmt, bzw. nur auf die lokal auf dem Computer vorhandenen Ressourcen. Somit kann der Administrator genau steuern, welche Daten einem Fernbenutzer zur Verfügung stehen. Nach Möglichkeit sollte die Erlaubnis zum Durchgriff auf weitere Rechner im Netz nur sehr restriktiv oder überhaupt nicht erteilt werden, um bei einem Durchbrechen der Sicherheitsbarrieren den möglichen Schaden zu begrenzen. Hinweis: Wird RAS in einer Domäne verwendet, wirken sich Änderungen der RAS-Berechtigung nicht sofort auf alle Server aus. Es kann bis zu 15 Minuten dauern, bis eine Änderung auf alle Server der Domäne repliziert worden ist. Bei Bedarf können die Domänen explizit neu synchronisiert werden, um sicherzustellen, daß ein Benutzer mit entzogenen Berechtigungen bis zur automatischen Replikation der Änderung bereits keinen Zugriff auf das Netz mehr hat. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Funktionen der verschlüsselten Authentisierung und der Rückruf-Sicherheit für alle externen Zugriffe genutzt? - Ist nur der Zugriff auf den RAS-Server, nicht jedoch auf den Rest des Netzes aktiviert? - Wird die Liste der für RAS-Zugriff autorisierten Benutzer regelmäßig überprüft und aktualisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 77 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.42 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.42 Sichere Konfiguration der TCP/IP-Netzverwaltung unter Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Bei der Einbindung von Windows NT Systemen in ein Rechnernetz kommt der korrekten Konfiguration der installierten Netzdienste eine besondere Bedeutung zu. In den folgenden Abschnitten werden einige Hinweise zu den meistgenutzten Diensten gegeben; diese ersetzen jedoch nicht eine detaillierte Prüfung der Sicherheitsanforderungen und die Notwendigkeit zur genauen Kenntnis der Systemdokumentation. DHCP (Dynamic Host Configuration Protocol) Um den Aufwand für die Verwaltung von IP-Adreßinformationen zu reduzieren, können über DHCP IP-Adressen und die zugehörigen Daten dynamisch konfiguriert werden. Ein Windows NT Rechner wird ein DHCP-Client, wenn er bei der Installation von TCP/IP für automatische DHCP-Konfiguration konfiguriert wird. Nach dem Start eines DHCP-Clients stellt dieser eine Verbindung zu einem DHCPServer her, um die erforderlichen TCP/IP-Konfigurationsdaten zu erhalten. Diese Konfigurationsdaten enthalten zumindest eine IP-Adresse, eine Subnetz-Maske sowie die für die Konfiguration geltende Gültigkeitsdauer der Adresse. Die Installation eines DHCP-Servers, die nur von einem Mitglied der Gruppe "Administratoren" durchgeführt werden kann, gehört zur Installation von Microsoft TCP/IP. Hinweis: Vor der Installation eines neuen DHCP-Servers muß geprüft werden, ob im Netz bereits andere DHCP-Server vorhanden sind, um einen eventuellen Konflikt zu vermeiden. Eine automatische Konfiguration eines neuen DHCP-Servers kann nicht über DHCP vorgenommen werden, da ein Computer nicht gleichzeitig DHCPClient und DHCP-Server sein kann. Hinweis: Alle Einträge der Registrierung, die sich auf den DHCP Server beziehen, befinden sich unter dem Pfad: HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Services\ DHCPserver\Parameters. Mittels des Dienstprogramms DHCP-Manager können folgende grundlegenden Aufgaben ausgeführt werden: - Einen oder mehrere DHCP-Bereiche anlegen, damit die DHCP-Dienste zur Verfügung stehen. - Definieren der Eigenschaften des Bereichs, einschließlich der Nutzungsdauer und der IP-Adressen-Pools, die möglichen DHCP-Clients von Servern in diesem Bereich zugewiesen werden sollen. _____________________________________________________________________ .......................................... 78 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.42 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Festlegen von Standardwerten für Optionen wie Standard-Gateway, DNSServer oder WINS-Server, die zusammen mit einer IP-Adresse zugewiesen werden sollen, und Hinzufügen von eigenen Optionen. Ein DHCP-Bereich stellt eine Gruppe von Rechnern dar, die den DHCPClient Dienst in einem Teilnetz ausführen. Der Bereich wird zum Definieren von Parametern für jedes Teilnetz verwendet. Jeder Bereich hat die folgenden Eigenschaften: - Eine eindeutige Subnetz-Maske, die zum Ermitteln des Teilnetzes verwendet wird, das einer bestimmten IP-Adresse zugeordnet ist. - Ein Bereichsname, der vom Administrator beim Erstellen des Bereichs zugewiesen wird. - Werte für die Nutzungsdauer dynamischer Adressen, die den DHCPClients zugewiesen werden. Jedes Teilnetz kann nur einen einzigen Bereich mit einem durchgehenden IPAdressen-Pool haben; diese Adressen müssen für das Teilnetz gelten. Sollen in einem Teilnetz mehrere Adressenpools realisiert werden, wird ein durchgehender Bereich angelegt, der all diese Adressenpools umfaßt, und dann werden die Adressen zwischen den gewünschten Pools ausgeschlossen. Falls mehr Adressen benötigt werden, kann der Bereich später immer noch ausgeweitet werden. Die Konfigurationsparameter, die ein DHCP-Server einem Client zuweist, werden unter Verwendung des DHCP-Managers als DHCP-Optionen definiert. Die meisten Optionen sind auf der Grundlage der Standardparameter, die in den Internet-Standards RFC 1541 bzw. RFC 1542 festgelegt wurden, vordefiniert. Wird ein DHCP-Bereich konfiguriert, so können ihm Optionstypen zugewiesen werden, die alle Konfigurationsparameter regulieren. Zusätzlich zu den IP-Adreßinformationen müssen für jeden Bereich weitere DHCP-Optionen konfiguriert werden, die an DHCP-Clients zu übergeben sind. Diese Optionen können global für alle Bereiche, speziell für einzelne Bereiche oder für einzelne DHCP-Clients mit reservierten Adressen definiert werden. Aktive globale Optionen gelten, sofern sie nicht durch Bereichsoptionen oder DHCP-Client-Einstellungen außer Kraft gesetzt werden. Aktive Optionstypen für einen Bereich gelten für alle Computer in diesem Bereich, sofern sie nicht für einen einzelnen DHCP-Client außer Kraft gesetzt werden. Hinweis: Eine Veränderung der voreingestellten Werte darf nur bei genauer Kenntnis der Auswirkungen dieser Änderungen erfolgen. Die zu verwendenden Werte sind im Rahmen einer spezifischen Sicherheitsanalyse festzulegen. Für einen Client kann eine bestimmte IP-Adresse reserviert werden. Das ist in der Regel in den folgenden Fällen notwendig: - für Domänencontroller, wenn das Netz auch mit LMHOSTS-Dateien arbeitet, die IP-Adressen für Domänencontroller definieren, - für Clients, die mit IP-Adressen arbeiten, die zur TCP/IP-Konfiguration über ein anderes Verfahren zugewiesen wurden, - zur Zuweisung durch RAS-Server an Clients, die nicht mit DHCP arbeiten, _____________________________________________________________________ .......................................... 79 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.42 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - für DNS-Server. Falls mehrere DHCP-Server Adressen im selben Bereich verteilen, müssen die Client-Reservierungen auf jedem DHCP-Server identisch sein, ansonsten erhält der reservierte Client – in Abhängigkeit vom antwortenden Server – unterschiedliche IP-Adressen. Hinweis: Die IP-Adresse und der statische Name, die in WINS angegeben werden, haben Vorrang vor der IP-Adresse, die vom DHCP-Server zugewiesen wird. In diesen Fällen wird für den Client eine Client-Reservierung mit der IP-Adresse generiert, die in der WINS-Datenbank festgelegt ist. Folgenden Dateien sind im Verzeichnis %SystemRoot%\SYSTEM32\DHCP gespeichert, das beim Einrichten eines DHCP-Servers angelegt wird: - DHCP.MDB ist die DHCP-Datenbankdatei. - DHCP.TMP ist eine temporäre Datei, die DHCP für temporäre Datenbankdaten anlegt. - Die Dateien JET.LOG und JET*.LOG enthalten Protokolle mit sämtlichen Transaktionen, die mit der Datenbank ausgeführt wurden. Mit Hilfe dieser Dateien stellt DHCP eventuell verlorengegangene Daten bei Bedarf wieder her. - SYSTEM.MDB wird von DHCP zum Ablegen der Daten über die Struktur seiner Datenbank genutzt. Hinweis: Die Dateien DHCP.TMP, DHCP.MDB, JET.LOG und SYSTEM.MDB sollten weder gelöscht noch in irgendeiner Weise verändert werden, da dies zu Fehlfunktionen von DHCP führen kann. Zugriff auf diese Dateien darf nur den Administratoren gegeben werden, da sonst unkontrollierte Veränderungen der DHCP-Konfiguration möglich sind. WINS (Windows Internet Name Service) Über WINS können NetBIOS-Computer-Namen zu IP-Adressen zugeordnet werden. Die Installation eines WINS-Servers läuft als Teil der Installation von TCP/IP unter Windows NT Server ab. Damit die einzelnen Server besser verfügbar sind und die Arbeitslast gleichmäßig auf diese Server verteilt ist, sollten mehrere WINS-Server eingerichtet sein. Jeder WINS-Server muß dann so konfiguriert sein, daß er gleichzeitig als Reproduktionspartner für mindestens einen anderen WINS-Server fungiert. Zur Konfiguration eines WINS-Servers gehört die Angabe von Informationen darüber, wann die Datenbankeinträge für die Partner reproduziert werden. Unter einem Pull-Partner ist ein WINS-Server zu verstehen, der sich Kopien der Datenbankeinträge von seinem Partner beschafft, indem er zuerst eine Anforderung ausgibt und die gewünschten Kopien dann annimmt. Ein PushPartner ist ein WINS-Server, der seine Partner mit einer Aktualisierungsmeldung benachrichtigt, wenn sich in der WINS-Datenbank etwas geändert hat. Wenn sein Partner auf diese Mitteilung mit einer Reproduktionsanforderung reagiert, sendet der Push-Partner eine Kopie der aktuellen WINSDatenbank an diesen Reproduktionspartner. Damit die Datenbanken auf dem primären WINS-Server und auf dem Backup-Server immer übereinstimmen, müssen beide jeweils die Rolle des Push- bzw. des Pull-Partners übernehmen. _____________________________________________________________________ .......................................... 80 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.42 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Es ist ohnehin stets zweckmäßig für Reproduktionspartner, beide Rollen zu übernehmen, d. h. sowohl Push- als auch Pull-Partner zu sein. Für jeden WINS-Server muß ein bestimmter Zeitpunkt, eine Zeitdauer oder eine bestimmte Anzahl von Datensätzen als Schwellwert festgelegt werden. Wird dieser Wert erreicht, so erfolgt die Datenbankreproduktion. Wird für die Reproduktion ein bestimmter Zeitpunkt festgelegt, so wird diese einmal durchgeführt. Ist dagegen eine Zeitdauer festgelegt, so wiederholt sich die Reproduktion in den jeweiligen Abständen. Diese können z. B. in einer geographischen Region im Bereich von ¼ bis ½ Stunde liegen, während über größere Entfernungen auch Abstände von einigen Stunden gewählt werden können. Hinweis: Alle Einträge der Registratur, die sich auf die Konfiguration des WINS-Servers beziehen, befinden sich unter dem Pfad: HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\ CurrentControlSet\Services\WINS\Parameters. WINS-Server verständigen sich untereinander, um eine vollständige Reproduktion ihrer Datenbanken zu erreichen und zu gewährleisten, daß ein in einem WINS-Server registrierter Name letztlich in allen anderen WINSServern des Netzverbundes reproduziert wird. Alle Zuordnungsänderungen werden innerhalb der sogenannten Reproduktionsperiode (maximaler Zeitraum für die Weitergabe der Änderungen an alle WINS-Server) für das gesamte WINS-System gesammelt. Alle freigegebenen Namen werden, sobald sie entsprechend dem im WINS-Manager festgelegten Intervall veraltet sind, an alle WINS-Server weitergeleitet. Die Reproduktion erfolgt unter den Reproduktionspartnern, und nicht zwischen einem Server und den jeweils anderen Servern. Letztendlich werden sämtliche Kopien von den anderen WINS-Servern in einem Netzverbund angefordert, aber die WINS-Server senden Startsignale aus, um darauf hinzuweisen, wann eine Reproduktion eingeleitet werden soll. Damit eine Reproduktion stattfinden kann, muß jeder WINS-Server der Push- oder PullPartner von mindestens einem weiteren WINS-Server sein. Hinweis: Alle Einträge der Registratur, die sich auf die WINS-Reproduktion beziehen, befinden sich unter dem Pfad: HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\ Services\WINS\Partners. Statische Zuordnungen sind feststehende Listen, in denen Rechnernamen IPAdressen zugeordnet sind. Diese Zuordnungen lassen sich nicht anzweifeln oder löschen, es sei denn, der Administrator entfernt eine bestimmte Zuordnung. Über den Befehl "Statische Zuordnungen" im WINS-Manager können statische Zuordnungen für diejenigen Clients im Netz hinzugefügt, editiert, importiert oder gelöscht werden, auf denen der WINS-Dienst nicht aktiviert ist. Hinweis: Ist auf dem Netz auch DHCP im Einsatz, setzt eine reservierte (oder statische) IP-Adresse alle Einstellungen des WINS-Servers außer Kraft. Statische Zuordnungen sollten einem Computer nicht zugewiesen werden, wenn auf diesem Computer WINS aktiv ist _____________________________________________________________________ .......................................... 81 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.42 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Folgenden Dateien werden im Verzeichnis %SystemRoot%\SYSTEM32\WINS gespeichert. Dieses Verzeichnis wird automatisch bei der Konfiguration eines WINS-Servers erstellt. - JET.LOG ist die Protokolldatei für alle Transaktionen, die in der Datenbank durchgeführt werden. WINS verwendet die Datei bei Bedarf zur Wiederherstellung der Daten. - Mit Hilfe von SYSTEM.MDB hält WINS Informationen über die Struktur der Datenbank fest. - WINS.MDB ist die WINS-Datenbankdatei. - WINSTMP.MDB ist eine durch WINS erstellte temporäre Datei. Sie kann nach einem Systemausfall im Verzeichnis \WINS übrig bleiben. Hinweis: Die Dateien JET.LOG, SYSTEM.MDB, WINS.MDB und WINSTMP.MDB sollten weder gelöscht noch in irgendeiner Form verändert werden, da dies zu Fehlfunktionen von DHCP führen kann. Zugriff auf diese Dateien darf nur den Administratoren gegeben werden, da sonst unkontrollierte Veränderungen der WINS-Konfiguration möglich sind. SNMP (Simple Network Management Protocol) SNMP dient zur Überwachung und Administration von TCP/IP-basierten Netzen. Der SNMP-Dienst wird installiert, wenn die entsprechende Option bei der Installation von Windows NT TCP/IP gewählt wird. Nach der Installation muß der SNMP-Dienst mit den gültigen Informationen konfiguriert werden, damit SNMP betriebsbereit ist. Nur Mitglieder der Gruppe der Administratoren des lokalen Computers können SNMP konfigurieren. Bei der Konfiguration von SNMP werden Communities und Trap-Ziele bestimmt: - Unter einer Community ist eine Gruppe von Hosts zu verstehen, zu der ein Server gehört, der den SNMP-Dienst ausführt. Es können eine oder mehrere Communities angegeben werden, an die das Windows NT System, auf dem SNMP installiert wird, Traps sendet. Der Name der Community wird beim Senden des Traps in das SNMP-Paket aufgenommen. Empfängt der SNMP-Dienst eine Anforderung, die nicht den richtigen CommunityNamen enthält und nicht zu einem der akzeptierten Hosts für den Dienst paßt, kann der SNMP-Dienst ein Trap an das (die) Trap-Ziel(e) senden, das darauf hinweist, daß die Echtheitsbestätigung der Anforderung fehlschlug. - Trap-Ziele sind die Namen oder IP-Adressen von Hosts, an die der SNMPDienst Traps, d. h. Meldungen vordefinierter Ereignisse, mit dem ausgewählten Community-Namen senden soll. Hinweis: SNMP sollte grundsätzlich so konfiguriert werden, daß es nur Anforderungen definierter Communities (und möglichst nicht der vordefinierten Community public) annimmt. Die SNMP Sicherheit gestattet es, die Communities und Hosts festzulegen, von denen ein Computer Anforderungen entgegennimmt. Ferner kann festgelegt werden, ob ein Echtheitsbestätigungs-Trap gesendet wird, wenn eine Community oder ein Host unberechtigterweise Informationen anfordern. _____________________________________________________________________ .......................................... 82 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.42 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Diese Festlegungen sind sorgfältig zu planen, und die Möglichkeit des Versendens von Traps ist zu nutzen. Die dabei entstehenden Protokolle sind regelmäßig auszuwerten. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind nur die minimal erforderlichen Netzdienste installiert / aktiviert? _____________________________________________________________________ .......................................... 83 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.43 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.43 Sichere Konfiguration der TCP/IP-Netzdienste unter Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator TCP/IP Bei der Installation des Protokolls TCP/IP werden dessen Eigenschaften mit der Systemsteuerungsoption "Netzwerk" festgelegt. Dabei ist zu beachten, daß, sofern der betreffende Rechner über mehr als eine Netzkarte verfügt und/oder Fernzugriff über RAS (Remote Access Server, siehe M 5.41 Sichere Konfiguration des Fernzugriffs unter Windows NT) installiert ist, das Routing zwischen diesen Karten bzw. zwischen dem Fernzugriffsinterface und der Netzkarte über die Registerkarte "Routing", Option "IP-Forwarding aktivieren" eingeschaltet werden kann. Diese Option sollte bei Rechnern, die eine Verbindung zu einem externen Netz, etwa dem Internet, haben, in der Regel nicht aktiviert werden, da sie dann externen Rechnern transparent Zugriff auf das lokale Netz gewähren. In der Version 4.0 läßt sich in begrenztem Maße auch eine Filterung des Datenverkehrs über TCP/IP erreichen. Dazu ist auf der Registerkarte "IPAdressen" die Option "Erweitert" zu wählen und in dem dann dargestellten Fenster die Option "Sicherheit aktivieren" zu wählen. Mit der Option "Konfigurieren" lassen sich dann die für die einzelnen Netzkarten zuzulassenden bzw. zu sperrenden TCP- und UDP-Anschlüsse (Ports) und IP-Protokolle wählen. Die hier einzutragenden Werte sollten unter Berücksichtigung der notwendigen Funktionalität und der gegebenen Sicherheitsanforderungen gewählt werden. Für einen Rechner mit externen Verbindungen sollte dabei ein Sicherheitskonzept für die Nutzung der Internet-Dienste vorhanden sein. Hierzu sollten ähnliche Überlegungen wie bei der Installation eines Firewalls angestellt werden (siehe Grundschutz-Baustein 7.3 Firewall, insbesondere M 2.76 Auswahl und Implementation geeigneter Filterregeln). FTP (File Transfer Protocol) Ein FTP-Server wird unter Version 3.51 während der Installation von TCP/IP eingerichtet; in der Version 4.0 kann der FTP-Server als Teil der Installation der Peer-Web-Dienste installiert werden. Wird der FTP-Serverdienst auf einem Windows NT System ausgeführt, können andere IT-Systeme über das Dienstprogramm FTP als Clients den Anschluß zu diesem Windows NT System herstellen und Dateien übertragen. Benutzer, die eine Verbindung zum FTP-Serverdienst herstellen, werden über ihr Benutzerkonto unter Windows NT authentisiert und erhalten je nach ihrem Benutzerprofil Zugriff. Aus diesem Grund ist es erforderlich, den FTP-Serverdienst auf einer NTFSPartition zu installieren, damit die Dateien und Verzeichnisse, die über FTP zugänglich gemacht werden, geschützt werden können. Nach Installation des FTP-Serverdienstes muß dieser Dienst konfiguriert werden, bevor damit gearbeitet werden kann. Bei der Konfiguration führen die Einstellungen zu einer der folgenden Situationen: _____________________________________________________________________ .......................................... 84 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.43 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Es ist keine anonyme FTP-Verbindung zulässig. In diesem Fall muß jeder Benutzer einen unter Windows NT gültigen Benutzernamen und ein Kennwort eingeben. - Sowohl anonyme Benutzer als auch Benutzer unter Windows NT können eine Verbindung herstellen. In diesem Fall kann ein Benutzer zwischen einem anonymen Anschluß oder einer Verbindung über einen Benutzernamen und ein Kennwort unter Windows NT wählen. - Es sind nur anonyme FTP-Verbindungen zulässig. In diesem Fall kann ein Anwender durch Eingabe eines Benutzernamens und eines Kennwortes unter Windows NT keine Verbindung herstellen. Hinweis: FTP überträgt standardmäßig die Benutzerkennwörter unverschlüsselt über das Netz. Ein Benutzer mit einem Netzanalyseprogramm kann daher die Benutzerkennwörter für Fernkonten während der FTP-Authentisierung herausfinden. Ob anonyme FTP-Verbindungen zugelassen werden sollten, hängt von verschiedenen Faktoren ab: - In einem reinen NT-Netz gibt es sicherere Arten der Datenübertragung, FTP sollte daher überhaupt nicht zugelassen werden. - In einem heterogen LAN mit NT-Rechnern kann FTP zur Datenübertragung zwischen verschiedenen Systemen erforderlich sein. Um zu verhindern, daß die NT-Benutzerkennungen inklusive Paßwörtern abgehört werden, beispielsweise mit Sniffern, sollte auf den NT-Rechnern nur anonymes FTP zugelassen werden. - Beim Einsatz von FTP in WANs muß das lokale Netz zusätzlich durch eine Firewall geschützt werden. Anonyme Verbindungen sollten nur auf speziell hierfür eingerichteten Systemen erlaubt werden; auf diesen Systemen darf keine andere Information als nur die über FTP anzubietende gespeichert werden. Für anonyme Verbindungen muß der Benutzername “Anonymous” eingegeben werden, ein Paßwort wird nicht benötigt, aber der Benutzer wird aufgefordert, seine E-Mail-Adresse einzugeben. Unter Windows NT muß für anonyme Verbindungen ein lokales Benutzerkonto eingerichtet werden, standardmäßig ist dies “Gast”. Sobald über eine anonyme FTP-Verbindung eine Datenübertragung erfolgt, überprüft Windows NT den in diesem Dialogfenster zugewiesenen Benutzernamen und stellt anhand dieses Namens fest, welche Dateizugriffe zulässig sind. Die für anonyme Verbindungen verwendete Benutzerkennung sollte Mitglied der Gruppe "Gäste" und auf keinen Fall Mitglied der Gruppe "Benutzer" sein, da im zweiten Fall leicht zu umfangreiche Zugriffsmöglichkeiten bestehen können. Bei der Erstinstallation des FTP-Serverdienstes müssen zusätzlich die Zugriffsrechte dieses Dienstes konfiguriert werden. Dabei sind die Laufwerke bzw. Partitionen auszuwählen, deren Zugriffsrechte konfiguriert werden sollen. Je nach gewünschter Sicherheit für die ausgewählte Partition wird der Lesezugriff oder Schreibzugriff oder beide aktiviert. Die so vergebenen Berechtigungen gelten auf FAT-Partitionen und HPFS-Partitionen für alle Dateien der gesamten Partition. Auf NTFS-Partitionen kann mit Hilfe dieser _____________________________________________________________________ .......................................... 85 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.43 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Einstellung der Lese- oder Schreibzugriff (oder beides) für die gesamte Partition gesperrt werden. Alle so festgelegten Einschränkungen gelten zusätzlich zu den Sicherheitsmaßnahmen, die unter Umständen einen Teil des Dateisystems bilden. Das heißt, daß ein Administrator über dieses Dialogfeld die Berechtigungen für bestimmte Datenträger entfernen, aber über die im Dateisystem festgehaltenen Berechtigungen hinaus keine weiteren erteilen kann. Wenn z. B. für eine Partition nur Lesezugriff erteilt wurde, kann über FTP niemand auf diese Partition schreiben, unabhängig davon, welche Berechtigungen für FTP festgelegt wurden. Es besteht die Möglichkeit, eingehende FTP-Verbindungen im SystemEreignisprotokoll festzuhalten, indem für Version 3.51 von Windows NT die Werte für LogAnonymous und LogNonAnonymous im Registrierungsschlüssel HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\ CurrentControlSet\Services\ftpsvc\ Parameters auf 1 gesetzt werden. Diese Werte sind standardmäßig nicht in der Registrierung vorgesehen. Damit eingehende Verbindungen protokolliert werden, müssen die Werte neu eingetragen werden. Es kann angegeben werden, ob sowohl für anonyme als auch für nicht-anonyme Benutzer, die eine Verbindung zum FTP-Server herstellen, Einträge in das Ereignisprotokoll vorgenommen werden sollen. In Version 4.0 von Windows NT können die entsprechenden Einstellungen für die Sicherheit des FTP-Serverdienstes mit Hilfe des Internet Service Managers vorgenommen werden; direkte Änderungen der Registrierung sind hier nicht mehr erforderlich. Telnet Windows NT stellt selbst keinen Telnet-Server zur Verfügung; dieses System kann nur als Telnet-Client arbeiten. Der Telnet-Client wird zusammen mit TCP/IP installiert. Falls ein Telnet-Server benötigt wird, kann der als Bestandteil des Windows NT Resource Kits Version 4.0 verfügbare Telnet-Dämon bzw. ein Produkt eines Fremdherstellers oder Shareware eingesetzt werden. Hinweis: Da Telnet beim Logon die Benutzerpaßwörter im Klartext überträgt, sollte die Installation und Nutzung von Telnet nur dann erlaubt werden, wenn das Rechnernetz zuverlässig gegen Abhören geschützt ist. Nach Möglichkeit sollte deshalb auf die Verwendung von Telnet grundsätzlich verzichtet werden. NFS (Network File System) Windows NT stellt selbst weder einen NFS-Client noch einen NFS-Server zur Verfügung. Sofern NFS genutzt werden soll, müssen Produkte von Drittherstellern eingesetzt werden. Zur Konfiguration dieser Produkte können keine allgemeinen Angaben gemacht werden, doch sollten, soweit dies unterstützt wird, die entsprechenden Vorgaben für die Konfiguration von NFS unter dem Betriebssystem Unix umgesetzt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind nur die minimal erforderlichen Netzdienste installiert / aktiviert? _____________________________________________________________________ .......................................... 86 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.44 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.44 Einseitiger Verbindungsaufbau Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator In den meisten Fällen gibt es für ein Modem genau einen Telefonanschluß. Über diesen Telefonanschluß initiiert das Modem einerseits ausgehende Anrufe und nimmt andererseits auch die eingehenden Anrufe entgegen. Damit kein Angreifer unbemerkt Zugriff auf das angeschlossene IT-System nehmen kann, sollte hier zumindest ein Callback-Mechanismus eingesetzt werden (siehe auch M 5.30 Aktivierung einer vorhandenen Callback-Option). Trotz eines aktivierten Callback kann das Problem bestehen, daß eine kommende Verbindung nicht ausgelöst wird, solange der Anrufer nicht auflegt. Die öffentliche Vermittlungsstelle löst eine solche Verbindung erst nach einem gewissen Zeitraum aus. Dies Problem tritt in erster Linie dann auf, wenn keine TK-Anlage die Verbindung zusätzlich auslöst. Damit kann ein Angreifer einen Callback initiieren, aber gleichzeitig die Leitung belegt halten, so daß das Modem zwar korrekt die gespeicherte Rufnummer für den Callback anwählt, aber nach wie vor mit dem Angreifer verbunden bleibt. Um dies zu verhindern, sollte zunächst überprüft werden, ob eine kommende Verbindung auch dann getrennt wird, wenn der Anrufer nicht auflegt. Ist dies nicht der Fall und kann es außerdem nicht gewährleistet werden, daß alle Modemverbindungen durch einen Betreuer überwacht werden, sollte überlegt werden, mit getrennten Telefonanschlüssen mit einseitigem Verbindungsaufbau zu arbeiten, d. h. mit einem Anschluß für gehende und einem für kommende Verbindungen. Dies erfordert für jeden Anschluß ein eigenes Modem und die Durchführung des Callback über die Applikation. Dabei ist darauf zu achten, daß das Modem für gehende Verbindungen keine Anrufe automatisch entgegennimmt (S0=0, d. h. kein Auto-Answer). Damit vom Modem für kommende Verbindungen keine Verbindungen nach außen aufgebaut werden können, sollte der Modemanschluß entweder an der internen TKAnlage für gehende Verbindungen gesperrt werden oder eine entsprechende Sperre bei der Telekom beantragt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 87 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.45 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.45 Sicherheit von WWW-Browsern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, Netzplaner Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Beim Zugriff auf das World Wide Web (WWW) können verschiedene Sicherheitsprobleme auf den angeschlossenen Arbeitsplatzrechnern auftreten. Diese können durch falsche Handhabung durch die Benutzer bzw. durch eine unzureichende Konfiguration der benutzten Browser (also der Programme für den Zugriff auf das WWW), aber auch durch Sicherheitslücken in den Browsern verursacht werden. Eine Gefährdung der lokalen Daten geht beispielsweise von Programmen aus, die aus dem Internet geladen werden und ohne Nachfrage auf dem lokalen Rechner ausgeführt werden (z. B. ActiveX-Programme, Java-Applets o. ä.). Auch innerhalb von Dokumenten oder Bildern können Befehle enthalten sein, die automatisch beim Betrachten ausgeführt werden und zu Schäden führen können (z. B. Makro-Viren in Winword- oder Excel-Dokumenten). Um solche Probleme zu vermeiden, sollten die im folgenden beschriebenen Maßnahmen umgesetzt werden. Laden von Dateien und/oder Programmen Beim Laden von Dateien und/oder Programmen können eine Vielzahl von Sicherheitsproblemen auftreten, die bekanntesten sind sicherlich Viren, Makro-Viren und trojanische Pferde. Die Benutzer dürfen sich nie darauf verlassen, daß die geladenen Dateien oder Programme aus vertrauenswürdigen Quellen stammen. Bei der Konfiguration des Browsers ist darauf zu achten, daß bei Dateitypen, die Makroviren enthalten können, die zugehörigen Anwendungen nicht automatisch gestartet werden (siehe dazu auch M 4.44 Prüfung eingehender Dateien auf Makro-Viren). Alle Benutzer müssen darauf hingewiesen werden, daß sie selber dafür verantwortlich sind, beim Dateiladen alle entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Selbst wenn über die Firewall automatisch die geladenen Informationen auf Viren überprüft werden, bleiben die Benutzer verantwortlich für die Schadensfreiheit von geladenen Dateien oder Programmen. Grundsätzlich müssen bei der Installation von Programmen natürlich die organisationsinternen Sicherheitsregeln beachtet werden. Insbesondere dürfen nur getestete und zugelassene Programme installiert werden. Vor der Installation sollten auf Stand-alone-Rechnern Tests auf die Schadensfreiheit der Programme durchgeführt werden. In Zweifelsfällen ist die IT-Administration hinzuzuziehen. Plug-Ins und Zusatzprogramme Nicht alle Browser können alle Dateiformate direkt verarbeiten, d. h. im allgemeinen anzeigen, in manchen Fällen auch abspielen. Bei einigen Dateiformaten werden zusätzlich noch Plug-Ins bzw. Zusatzprogramme benötigt. _____________________________________________________________________ .......................................... 88 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.45 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bei Plug-Ins handelt es sich um Bibliotheksdateien (z. B. DLL-Dateien), die von Installationsprogrammen ins Plug-In-Verzeichnis geladen werden und bei Aufruf des entsprechenden Dateiformates vom Browser ausgeführt werden. Zusatzprogramme, z. B. Viewer, sind eigenständige Programme, die in der Lage sind, bestimmte Dateiformate zu verarbeiten. Der Aufruf eines solchen Zusatzprogramms wird über eine Konfigurationsdatei des Browsers gesteuert, in der Dateiendung und Programm verknüpft sind. Beim Hinzufügen von Plug-Ins bzw. Zusatzprogrammen für einen WWWBrowser sind dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie beim Laden von Dateien und/oder Programmen zu beachten. Es dürfen keine Programme installiert werden, denen man nicht unbedingt vertrauen kann. Plug-Ins verbrauchen natürlich auch Speicherplatz und verlängern die Startzeit des Browsers. Daher sollten alle nicht benötigten Plug-Ins entfernt werden. Das ist nicht immer einfach: Viele Deinstallationsroutinen erkennen Plug-Ins nicht und nicht alle Browser bieten eine Übersicht über die installierten Plug-Ins. Dann müssen alle zu einem Plug-In gehörenden Dateien im Plug-In-Verzeichnis des Browsers manuell gelöscht werden. Cookies In sogenannten Cookie-Dateien werden auf dem Rechner des Benutzers Informationen über abgerufene WWW-Seiten, Paßwörter und Benutzerverhalten gespeichert. Damit können WWW-Anbieter beim nächsten Besuch des jeweiligen Benutzers spezielle Informationen für diesen anbieten oder diesem paßwortgesichert nur bestimmte Dienste zugänglich machen. Allerdings kann ein WWW-Anbieter hiermit auch Benutzerprofile erstellen, z. B. für zielgruppenorientierte Werbung. Um dies zu verhindern, sollte das Anlegen von Cookie-Dateien verhindert werden oder, wo das nicht möglich ist, diese regelmäßig gelöscht werden. Cookies finden sich meist im Konfigurationsverzeichnis des benutzten WWW-Browsers in Dateien wie cookie.txt oder Verzeichnissen wie cookies. Beispielsweise heißt diese Datei beim Netscape Navigator 2.02 unter Unix $HOME/.netscape/cookies. Es sollten vorzugsweise Browser eingesetzt werden, mit denen sich das Anlegen von Cookies verhindern läßt. Wo dies nicht möglich ist, sollten zumindest solche Browser eingesetzt werden, die Benutzer vor der Annahme von Cookies warnen. Diese Option muß immer aktiviert werden. Die Benutzer können dann in jedem Einzelfall die Annahme von Cookies akzeptieren oder ablehnen. Lehnen sie die Annahme ab, kann dies dazu führen, daß einige WWW-Seiten nicht oder nicht vollständig übertragen werden, dies ist aber nur selten der Fall. Lassen sich die Benutzer vor der Annahme von Cookies warnen, bekommen sie mit der Warnung auch den angedachten Inhalt des Cookies angezeigt, so daß damit auch transparent wird, welche Anbieter welche Informationen über die Benutzer sammeln. Um das Anlegen von Cookie-Dateien zu verhindern, kann auch eine leere Cookie-Datei angelegt werden und mit einem Schreibschutz versehen werden. Inwieweit dies effektiv ist, hängt vom eingesetzten Betriebssystem und der Browser-Variante ab. Hier ist insbesondere zu überprüfen, ob der Browser weder den Schreibschutz zurücksetzen kann noch dadurch einen Absturz verursacht. _____________________________________________________________________ .......................................... 89 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.45 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ansonsten kann es hilfreich sein, das regelmäßige Löschen der Cookies über eine Batch-Datei zu steuern, die beispielsweise bei jedem Systemstart oder jeder Benutzeranmeldung die alten Cookie-Dateien löscht. Datensammlungen Nicht nur extern werden Daten über die Internetnutzung der verschiedenen Benutzer gesammelt, sondern auch lokal. Auch hier muß sichergestellt werden, daß nur Befugte darauf Zugriff haben können. Dies gilt insbesondere auch für die von Browsern angelegten Dateien über History, Hotlists und Cache. Die Benutzer müssen informiert werden, wo auf ihren lokalen Rechner solche Daten gespeichert werden und wie sie diese löschen können. Diese Dateien sind auf Proxy-Servern besonders sensibel, da auf einem ProxyServer alle externen WWW-Zugriffe aller Mitarbeiter protokolliert werden, inklusive der IP-Nummer des Clients, der die Anfrage gestartet hat, und der nachgefragten URL. Ein schlecht administrierter Proxy-Server kann daher massive Datenschutz-Verletzungen nach sich ziehen. Von den meisten Browsern werden viele Informationen über den Benutzer und sein Nutzerverhalten gesammelt, von denen dieser einerseits vielleicht nicht will, daß sie weitergegeben werden, und die anderseits in ihrer Masse den verfügbaren Speicherplatz mit überflüssigen Informationen blockieren. Zu diesen Informationen gehören: - Favoriten, - abgerufene WWW-Seiten, - News-Server Visiten (s. u.), - History Datenbank (s. u.), - URL Liste (Liste der letzten aufgerufenen URLs), - Cookie Liste, - Informationen über Benutzer, die im Browser gespeichert und evtl. auch weitergegeben werden (s. u.), - Informationen im Cache (s. u.). Informationen über News-Server Visiten Aus den meisten Browsern heraus kann direkt auf News-Server zugegriffen werden. Netscape merkt sich dabei die laufende Nummern der gelesenen News. Damit kann für ein Benutzerprofil festgestellt werden, welche Newsgruppen und welche News ein Benutzer gelesen hat. Der Microsoft Internet Explorer geht noch einen Schritt weiter und speichert den vollständigen Inhalt aller gelesenen News. History Datenbank Die History Datenbank des Internet Explorer enthält eine vollständige Sammlung über alle Aktivitäten, die mit diesem Browser durchgeführt worden sind, _____________________________________________________________________ .......................................... 90 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.45 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... d. h. Angaben über betrachtete Bilder, Adressen, evtl. betrachtete vertrauliche interne Dokumente etc. Dadurch verbraucht die History Datenbank auch schnell sehr viel Speicherplatz und sollte regelmäßig aufgeräumt werden. Die Dateien der History Datenbank sollten nicht einfach gelöscht werden, sondern durch vorbereitete Kopien einer leeren History Datenbank ersetzt werden, da bestimmte Einträge erhalten bleiben müssen. Informationen über Benutzer In einem Browser werden auch diverse Informationen über Benutzer gespeichert und evtl. auch weitergegeben, z. B. Realname, E-Mail-Adresse, Organisation. Um nicht mit Werbe-E-Mail überflutet zu werden, empfiehlt es sich, für die Browser-Benutzung einen Alias zu verwenden. Informationen im Cache Der Internet Explorer ebenso wie Netscape und andere Browser erzeugen in einem Cache-Verzeichnis große Mengen an Dateien, die den Text und die Bilder aller besichtigten Web-Seiten enthalten, seit der Cache das letzte Mal gelöscht wurde. Der Cache dient dazu, um das mehrfache Laden von Informationen einer Seite während einer Sitzung zu verhindern. Der Internet Explorer löscht diese Daten, die in jeder weiteren Sitzung absolut nutzlos sind, allerdings nicht eigenständig, so daß sich in einem nicht regelmäßig gelöschten Cache schnell Dutzende Megabyte Datenmüll ansammeln. Aus diesen Daten lassen sich darüber hinaus auch Benutzerprofile erstellen. Daher sollte der Cache ebenso wie der Verlaufsordner regelmäßig gelöscht werden. Leider ist es für die Benutzer nicht immer leicht zu erkennen, wie sie den Cache leeren können. Beispielsweise kann beim Internet Explorer unter Windows 95 der Cache geleert werden, indem dort unter Ansicht/Optionen/Erweitert/Temporäre Internet-Dateien/Einstellungen die Option Ordner leeren gewählt wird. Wenn auf mit SSL gesicherte WWW-Seiten zugegriffen wird, kann dies unter anderem dazu dienen, sensible Informationen wie Kreditkartennummern verschlüsselt über das Internet zu übertragen. Daher sollten solche Seiten von vorneherein nicht im Cache abgelegt werden. Im Internet Explorer kann dies beispielsweise unter Ansicht/Optionen/Erweitert/Kryptografieeinstellungen unter "Sichere Seiten nicht lokal speichern" deaktiviert werden. Zugriff auf Client-Festplatte Bei einigen Browsern (wie z. B. Netscape oder Microsoft Internet Explorer) wird WWW-Servern die Möglichkeit gegeben, aktiv auf die Festplatte des Client zuzugreifen (ActiveX, Java). Java- bzw. ActiveX-Programme werden über den Browser statt auf dem Server auf der Client-Seite ausgeführt. Dies führt aber zu einer Verlagerung des Sicherheitsrisikos vom Server auf den Client. Daher sind in Java und ActiveX verschiedene Sicherheitsmechanismen eingebaut, um einen mög- _____________________________________________________________________ .......................................... 91 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.45 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... lichen Mißbrauch zu verhindern, allerdings sind bereits mehrfach Sicherheitslücken gefunden worden. Die Benutzung von Browsern, die Zugriffe auf Dateien des Client gestatten, birgt im Zusammenhang mit ActiveX und Java gewisse Sicherheitsrisiken. ActiveX erlaubt unter bestimmten Bedingungen die Nutzung lokaler Ressourcen. Bei Java ist ein solcher Zugriff ebenfalls möglich, jedoch nur wenn der Anwender dies explizit gestattet. Das Sicherheitskonzept von ActiveX basiert darauf, daß der Anwender dem Anbieter und einer authentifizierten dritten Stelle im World Wide Web vertraut. Dieses Vertrauen ist problematisch, wenn Web-Seiten eines unbekannten oder eines neuen Anbieters aufgerufen werden. Aufgrund der bestehenden Probleme mit ActiveX, Java und JavaScript sollten diese generell abgeschaltet werden. Falls die Benutzung von ActiveX, Java und JavaScript unbedingt notwendig ist, sollten diese nur auf Rechnern zugelassen sein, die gegenüber anderen internen Rechnern so abgeschottet sind, daß die Vertraulichkeit und Integrität sicherheitsrelevanter Daten nicht beeinträchtigt werden können. Sicherheitslücken in den WWW-Browsern In den meisten Browsern sind bereits gravierende Sicherheitslücken gefunden worden. So wurden beispielsweise im Februar und März 1997 gleich mehrere Sicherheitslücken in verschiedenen Versionen des Microsoft Internet Explorers entdeckt. Diese Fehler entsprangen alle aus dem Versuch von Microsoft, WWW und lokale Windows-Komponenten miteinander zu verbinden. Dabei wurde bestimmten WWW-Seiten soviel Vertrauen wie lokalen Daten eingeräumt. Hierdurch konnten durch entsprechende Schadprogramme alleine durch das Aufrufen unseriöser WWW-Seiten auf den lokalen Rechnern der WWWBenutzer gefährliche Programme ausgeführt werden, ohne daß die Benutzer dies bemerkten. Verschlüsselung Da im Internet alle Daten im Klartext übertragen werden, sollten sensible Daten nur verschlüsselt übertragen werden. Hierbei wäre es sinnvoll, wenn entsprechende Mechanismen schon in den unteren Schichten des Protokolls vorgesehen würden. Es ist zu überlegen, inwieweit zur sicheren Übertragung von Daten über das Internet neuere Protokolle wie IPv6, S-HTTP oder SSL eingesetzt werden können. Neuere Browser unterstützen die Benutzung diverser Sicherheitsprotokolle, zumindest SSL sollte unterstützt werden. Nutzung vorhandener Sicherheitsfunktionalitäten Die vorhandenen Sicherheitsfunktionalitäten der Browser (Rückfrage vor dem Ausführen von Programmen, Zugriff nur auf eingeschränkte Dateisysteme, keine Möglichkeit zum Verändern lokaler Daten) sollten auf jeden Fall genutzt werden. Beim Surfen im Internet sollte die automatische Ausführung von Programmen verhindert werden (z. B. über die Option Disable Java) und nur bei vertrauenswürdigen Servern wieder eingeschaltet werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 92 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.45 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... News-Reader und Mail-Clients bieten häufig die Möglichkeit, beliebige Daten im MIME-Format zu lesen. Auch in diesen Daten können Befehle enthalten sein, die zu einem automatischen Starten von Programmen auf dem lokalen Rechner führen. Die entsprechenden Möglichkeiten sollten daher in den Konfigurationsdateien entfernt werden bzw. nur nach Rückfrage gestartet werden können. Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken Da immer wieder neue Sicherheitslücken in WWW-Browsern bekannt werden, ist eine regelmäßige Informationsbeschaffung über solche Sicherheitslücken und deren Beseitigung erforderlich. Hierbei sollte nicht die Beschaffung der aktuellsten Version des Produktes im Vordergrund stehen, da auch hier durch neue Programmteile ggf. neue Sicherheitsprobleme auftreten. Zumindest sollte durch das Einspielen von Patches sichergestellt werden, daß bekannte Sicherheitslücken beseitigt werden. Regelungen Ein Großteil der oben beschriebenen Maßnahmen liegt im Verantwortungsbereich der Benutzer, da deren Umsetzung wie beispielsweise die Aktivierung bestimmter Optionen nicht ständig durch die Systemadministration überprüft werden kann. Daher sollte jeder Benutzer vor der Nutzung von InternetDiensten durch entsprechende Anweisungen verpflichtet werden, die aufgeführten Sicherheitsrichtlinien zu beachten. Es empfiehlt sich vor der Zulassung von Benutzern zu Internet-Diensten diese auf eine Benutzerordnung zu verpflichten. Die Inhalte der Internet-Sicherheitsrichtlinie und der Benutzerordnung sind in einer Schulung den Benutzern darzulegen. In dieser Benutzerordnung sollten die zur Verfügung stehenden Kommunikationsdienste kurz erläutert und alle relevanten Regelungen aufgeführt werden. Jeder Benutzer sollte durch Unterschrift bestätigen, daß die dargestellten Regelungen zur Kenntnis genommen wurden und bei Benutzung der Kommunikationsdienste beachtet werden. Es sollte jeder Benutzer darauf hingewiesen werden, daß die Nutzung von Internetdiensten mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist. Dementsprechend sollte darauf geachtet werden, im Internet gesammelte Informationen den anderen Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen, um wiederholte Zugriffe auf dieselben externen WWW-Seiten zu vermeiden. Dafür sollte im internen Netz ein spezieller Bereich vorgesehen werden, in dem solche Informationen strukturiert abgelegt werden können. Weiterhin müssen die Benutzer darauf hingewiesen werden, daß - die Konfiguration der WWW-Programme nicht eigenmächtig geändert werden darf, - welche Daten protokolliert werden, - wer Ansprechpartner bei Sicherheitsproblemen sind. _____________________________________________________________________ .......................................... 93 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.46 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.46 Einsatz von Stand-alone-Systemen zur Nutzung des Internets Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um die Gefährdungen, die durch Angriffe aus dem Internet auf lokale Daten oder Rechner im LAN entstehen, zu verringern, ist es sinnvoll Rechner einzusetzen, die nur mit dem Internet vernetzt sind und keine weitere Netzverbindung zu einem LAN haben. Hierfür bieten die verschiedenen Betriebssysteme unterschiedliche Möglichkeiten mit jeweils spezifischen Gefährdungen für die Vertraulichkeit und Integrität der Daten auf diesem Rechner. Wichtig ist es zu beachten, daß bei der Installation der Internet-Zugangssoftware keine unnötigen Programme installiert werden. So gibt es bei einigen Produkten und Betriebssystemen die Möglichkeiten, durch die Installation von Server-Programmen den Rechner zu einem vollständigen Internet-Server zu machen. Die Installation der TCP/IP-Software bietet eine vollständige bidirektionale Verbindung zum Internet, über die Daten sowohl ins Internet geschickt als auch von dort abgeholt werden können. Beispielsweise muß unter Unix darauf geachtet werden, daß keine DaemonProzesse gestartet werden. Dies geschieht normalerweise beim Booten oder mit Hilfe des inetd. Die entsprechenden Einträge müssen aus den Konfigurationsdateien (rc.* und inetd.conf) entfernt werden. Die Software (PPP, SLIP) muß so installiert werden, daß kein Verbindungsaufbau vom Internet aus möglich ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 94 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.47 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.47 Einrichten einer Closed User Group Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, TK-Anlagen-Verantwortlicher Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Das Integrated Services Digital Network (ISDN) ermöglicht die Einrichtung einer geschlossenen Benutzergruppe (GBG), auch als Closed User Group (CUG) bezeichnet. Merkmal einer solchen Gruppe ist, daß alle Teilnehmer einer CUG untereinander über das öffentliche ISDN kommunizieren können, Verbindungswünsche von außerhalb der CUG an CUG-Teilnehmer jedoch genauso abgewiesen werden wie Verbindungswünsche von CUG-Teilnehmer an Teilnehmer des öffentlichen ISDN. Funktionsweise: Alle Kommunikationspartner sind Mitglied in einer Closed User Group des Netzbetreibers (z. B. Deutsche Telekom AG). Die Berechtigungsprüfung zur Kommunikation erfolgt über den einer CUG eindeutig zugeordneten Interlock Code durch die jeweilige digitale Vermittlungsstelle (DIV) der Kommunikationspartner. Zu Beginn übermittelt der rufende Kommunikationspartner eine Verbindungsanforderung an die ihm zugeordnete DIV. Die DIV fügt der Verbindungsanforderung nicht nur die ISDN-Rufnummer des rufenden Kommunikationspartners, sondern auch den eindeutigen Interlock Code der entsprechenden Closed User Group hinzu. Die DIV des gerufenen Kommunikationspartners erkennt anhand des Interlock Codes, ob der Verbindungsanforderung stattgegeben werden kann. Ist die Identifikation erfolgreich, wird der Verbindungswunsch an den gerufenen Kommunikationspartner weiter vermittelt. Vorteilhaft an der beschriebenen Funktionalität ist, daß unerlaubte Zugriffsversuche bereits von der DIV des Netzbetreibers abgewiesen werden und nicht bis zu Netzkoppelelementen eines Kommunikationspartners gelangen. Nachteilig ist, daß Änderungen der Mitgliedschaft in einer CUG immer dem Netzbetreiber mitgeteilt werden müssen, da nur dieser die notwendigen Berechtigungsänderungen durchführen kann. Weiterhin bedeutet dies auch, daß der Netzbetreiber die vollständige Kontrolle über die Mitgliedschaft in einer CUG besitzt und von ihm vorgenommene Änderungen durch den Nutzer einer CUG nicht kontrolliert werden können. Hingewiesen werden soll ebenfalls darauf, daß sowohl für das Einrichten als auch für den Betrieb einer CUG durch einen Netzbetreiber einmalige und fortlaufende Kosten entstehen. Das Einrichten einer Closed User Group durch den Betreiber eines öffentlichen Netzes empfiehlt sich immer dann, wenn - Hard- und Software für andere Verfahren (z. B. M 5.48 Authentisierung mittels CLIP/COLP) erst beschafft werden müßte, - die Mitglieder einer CUG nur selten wechseln und - der Netzbetreiber ausreichend vertrauenswürdig ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 95 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.47 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Findet eine ausreichende und nachvollziehbare Dokumentation der eingerichteten CUG statt? Ist sie aktuell? - Wird regelmäßig überprüft, ob die i. a. kostenpflichtige Funktionalität der CUG noch notwendig ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 96 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.48 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.48 Authentisierung mittels CLIP/COLP Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, TK-Anlagen-Verantwortlicher Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Das Integrated Services Digital Network (ISDN) liefert die Möglichkeit, Rufnummern von Teilnehmern nicht nur für die öffentlichen Vermittlungskomponenten, sondern auch direkt für die beteiligten Kommunikationspartner zu signalisieren. Diese ISDN-Leistungsmerkmale bezeichnet man als - CLIP = Calling Line Identification Presentation und - COLP = Connected Line Identification Presentation oder allgemeiner als - Rufnummernanzeige. Die Auswertung der Rufnummernangabe kann von den jeweiligen Kommunikationspartnern zur Authentisierung genutzt werden. Funktionsweise: In einem ersten Schritt wird seitens des rufenden Kommunikationspartners eine Verbindungsanforderung an die ihm zugeordnete digitale Vermittlungsstelle (DIV) abgesetzt. Die DIV vermittelt die Verbindungsanforderung an den zu rufenden Kommunikationspartner innerhalb des ISDN incl. der Rufnummer des rufenden Kommunikationspartners. Die gegenüberliegende DIV vermittelt anschließend den Verbindungswunsch an die ISDN-Kommunikationseinrichtung des gewünschten Kommunikationspartners. Anhand der übermittelten Rufnummer kann diese Kommunikationseinrichtung (z. B. ein ISDN-Router oder eine TK-Anlage) den rufenden Kommunikationspartner identifizieren (CLIP). Bei erfolgreicher Identifikation wird der Verbindungswunsch angenommen und der Datenaustausch kann beginnen. Vorteilhaft an der beschriebenen Funtionalität ist, daß die Identifikation durch Komponenten der jeweiligen Kommunikationspartner (ISDN-Router, TKAnlage) durchgeführt wird und somit vollständig in deren Kontrollbereich liegt. Nachteilig ist, daß die über den ISDN-D-Kanal übertragenen Rufnummern grundsätzlich manipulierbar sind (siehe G 5.63 Manipulationen über den ISDN-D-Kanal). Eine einfache Authentisierung durch die übermittelte Rufnummer ist somit entweder nur in Zusammenhang mit dem Einsatz einer Callback-Funktion (siehe M 5.49 Callback basierend auf CLIP/COLP) oder in Kombination mit dem Einsatz eines D-Kanal-Filters (siehe M 4.62 Einsatz eines D-Kanal-Filters), das Protokollmanipulationen aufdeckt, möglich. Ergänzende Kontrollfrage: - Können die eingesetzten ISDN-Komponenten die Leistungsmerkmale CLIP und COLP verarbeiten sowie ausreichend große Rufnummerntabellen pflegen? _____________________________________________________________________ .......................................... 97 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.49 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.49 Callback basierend auf CLIP/COLP Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Viele Kommunikationskarten bieten die Option automatischer Rückruf (Callback). Ist diese Option aktiviert, trennt die Kommunikationskarte, wenn sie einen Anruf erhält, sofort nach dem erfolgreichen Verbindungsaufbau die Verbindung und ruft eine voreingestellte Nummer zurück. Dadurch wird verhindert, daß ein nicht autorisierter Anrufer diesen Fernzugang mißbrauchen kann, solange er nicht unter der voreingestellten Nummer erreichbar ist. Callback ist immer dann einzusetzen, wenn ein fester Kommunikationspartner sich automatisch einwählen können soll. Zu beachten ist, daß mit dem automatischen Rückruf auch die Kosten der Datenübertragung übernommen werden. Mit Hilfe des ISDN ist eine Variante des Callback zu einer festen Rufnummer möglich: Die angesprochene ISDN-Karte prüft mit Hilfe des ISDNLeistungsmerkmals Calling Line Identification Presentation (CLIP), von welcher Stelle aus die Verbindungsanforderung erfolgte, und vergleicht die übermittelte Rufnummer mit einer Rufnummerntabelle. Wurde über CLIP eine gültige Rufnummer übermittelt, wird die in der Rufnummerntabelle hinterlegte Rufnummer zurückgerufen. Vorteilhaft ist gegenüber der ausschließlichen Authentisierung über CLIP/COLP (siehe M 5.48 Authentisierung mittels CLIP/COLP), daß selbst beim Vorspiegeln einer autorisierten Rufnummer von einem nicht autorisierten Teilnehmer aus keine Verbindung zustande kommt, da der nicht autorisierte Teilnehmer tatsächlich ja nicht unter der vorgegebenen Rückrufnummer erreichbar ist. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Kostenübernahme im Callback-Modus geklärt? - Wann wurden letztmalig die voreingestellten Rufnummern überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 98
M 5.50 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.50 Authentisierung mittels PAP/CHAP Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Viele ISDN-Karten unterstützen die Kommunikation über das Point-to-Point Protocol (RFC 1661), nachdem eine ISDN-Wählverbindung aufgebaut wurde. Innerhalb dieses Internet-Standards werden auch Authentisierungsprotokolle, wie das Password Authentication Protocol (PAP) und das Challenge Handshake Authentication Protocol (CHAP) angeboten (RFC 1994). Bietet die verwendete ISDN-Karte diese Funktionalitäten, sollte zur Authentisierung anstelle des Password Authentication Protocols das Challenge-Handshake Authentication Protocol genutzt werden, da bei PAP das zur Authentisierung verwendete Paßwort unverschlüsselt übertragen wird. Die bei PAP bzw. CHAP verwendeten Paßwörter werden i. allg. nicht bei jeder Authentisierung vom Benutzer erneut eingegeben, sondern in den ITSystemen gespeichert. Damit sich diese Verfahren auch nach einer erneuten Installation wieder aufsetzen lassen, sollten die benötigten Paßwörter notiert und sicher verwahrt werden (siehe M 2.22 Hinterlegen des Paßwortes). Funktionsweise: Bei CHAP werden grundsätzlich zwei Kommunikationspartner unterschieden: Authenticator und Peer. Dabei handelt es sich beim Authenticator um den Kommunikationspartner, der die Authentisierung abfordert, und beim Peer um den Kommunikationspartner, der die Authentisierung erbringen soll. Im allgemeinen wird also der Authenticator der Server sein, an dem sich der Benutzer von seinem IT-System aus als Peer anmelden will. Bei CHAP wird auf beiden Seiten die Kenntnis eines gemeinsamen Geheimnisses (Paßwort) überprüft. Dabei wird das Geheimnis nicht im Klartext über die Leitung gesandt und durch die Einbindung von Zufallszahlen vor Wiedereinspielen geschützt. Das eingesetzte Challenge-Response-Protokoll läuft wie folgt ab: In einem ersten Schritt errechnet der Authenticator eine Zufallszahl. Mittels eines Hash-Algorithmus wird der Hash-Wert der eben berechneten Zufallszahl gebildet. Eine Hash-Funktion ist eine Rechenvorschrift, durch die eine Eingabe beliebiger Länge in einen Ausgabewert fester (i. a. kürzerer) Länge umgewandelt wird. Eine Einweg-Hashfunktion funktioniert nur in eine Richtung, d. h. aus der Eingabe läßt sich problemlos der Hashwert berechnen, aber es sollte sehr schwer bis unmöglich sein, zu einem Hashwert passende Eingabedaten zu berechnen. Im nächsten Schritt überträgt der Authenticator das sogenannte Challenge, also die eben errechnete Zufallszahl, an den Peer. Da Authenticator und Peer über den gleichen Hash-Algorithmus verfügen, kann in einem vierten Schritt ebenfalls der Peer den Hash-Wert der eben übermittelten Zufallszahl bilden. Der Peer berechnet den Hashwert über die drei Werte Identifier (Benutzerkennung), Secret (Paßwort) und der gesendeten Zufallszahl. Den Hashwert überträgt er dann als Antwort an den Authenticator. Der Authenticator überprüft die Korrektheit des Paßworts, indem er ebenfalls den ent- _____________________________________________________________________ .......................................... 99 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.50 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... sprechenden Hashwert berechnet und mit dem übermittelten Hash-Wert vergleicht. Fällt der Vergleich positiv aus, hat sich der Peer gegenüber dem Authenticator authentisiert und die Kommunikationsverbindung kann aufgebaut werden. Die Authentisierung nach dem eben beschriebenen Verfahren sollte auch während einer bestehenden Kommunikationsverbindung mehrfach wiederholt werden, um auch Attacken auf bereits bestehende Verbindungen zu verhindern. Dies wird, ohne das der Benutzer eingreifen muß, in zufälligen Zeitabständen durch den Authenticator angestoßen. Ergänzende Kontrollfragen: - Verfügt die eingesetzte ISDN-Karte bzw. die verwendete Kommunikationssoftware über die Möglichkeit, Authentisierungsprotokolle wie PAP und CHAP zu nutzen? - Werden vorhandene Authentisierungsprotokolle genutzt? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 100
M 5.51 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.51 Sicherheitstechnische Anforderungen an die Kommunikationsverbindung Telearbeitsrechner - Institution Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Telearbeiter Erfolgt im Rahmen der Telearbeit eine Datenübertragung zwischen einem Telearbeitsrechner und dem Kommunikationsrechner der Institution, werden dabei dienstliche Informationen üblicherweise über öffentliche Kommunikationsnetze übertragen. Da weder die Institution noch der Telearbeiter großen Einfluß darauf nehmen können, ob die Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit im öffentlichen Kommunikationsnetz gewahrt werden, sind ggf. zusätzliche Maßnahmen erforderlich, falls das öffentliche Netz keine ausreichende Sicherheit bieten kann. Generell muß die Datenübertragung zwischen Telerarbeitsrechner und Institution folgende Sicherheitsanforderungen erfüllen: - Sicherstellung der Vertraulichkeit der übertragenen Daten: es muß durch eine ausreichend sichere Verschlüsselung erreicht werden, daß auch durch Abhören der Kommunikation zwischen Telearbeitsrechner und Kommunikationsrechner der Institution kein Rückschluß auf den Inhalt der Daten möglich ist. Dazu gehört neben einem geeigneten Verschlüsselungsverfahren auch ein angepaßtes Schlüsselmanagement mit periodischem Schlüsselwechsel. - Sicherstellung der Integrität der übertragenen Daten: die eingesetzten Übertragungsprotokolle müssen eine zufällige Veränderung übertragener Daten erkennen und beheben. Bei Bedarf kann auch ein zusätzlicher Fehlererkennungsmechanismus benutzt werden, um absichtliche Manipulationen während der Datenübertragung detektieren zu können. - Sicherstellung der Verfügbarkeit der Datenübertragung: falls zeitliche Verzögerungen bei der Telearbeit nur schwer zu tolerieren sind, sollte ein redundant ausgelegtes öffentliches Kommunikationsnetz als Übertragungsweg ausgewählt werden, in dem der Ausfall einzelner Verbindungsstrecken nicht den Totalausfall der Kommunikationsmöglichkeiten bedeutet. Auf eine redundante Einführung der Netzanbindung an den Telearbeitsrechner und die Schnittstelle der Institution kann ggf. verzichtet werden. - Sicherstellung der Authentizität der Daten: bei der Übertragung der Daten zwischen Telearbeitsrechner und Institution muß vertrauenswürdig feststellbar sein, ob die Kommunikation zwischen den richtigen Teilnehmern stattfindet, so daß eine Maskerade ausgeschlossen werden kann. Dies bedeutet, daß Daten mit Absender "Telearbeitsrechner" auch tatsächlich von dort stammen. Ebenso muß der Ursprung von Institutionsdaten zweifelsfrei auf die Institution zurückgeführt werden können. - Sicherstellung der Nachvollziehbarkeit der Datenübertragung: um eine Kommunikation nachvollziehbar zu machen, können Protokollierungs- _____________________________________________________________________ .......................................... 101 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.51 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... funktionen eingesetzt werden, die nachträglich feststellen lassen, welche Daten wann an wen übertragen wurden. - Sicherstellung des Datenempfangs: ist es für die Telearbeit von Bedeutung, ob Daten korrekt empfangen wurden, so können Quittungsmechanismen eingesetzt werden, aus denen hervorgeht, ob der Empfänger die Daten korrekt empfangen hat. Die Stärke der dazu erforderlichen Mechanismen richtet sich dabei nach dem Schutzbedarf der übertragenen Daten. Ergänzende Kontrollfragen: - Stellen die eingesetzten Kommunikationsprotokolle die oben genannten Anforderungen in ausreichender Güte zur Verfügung? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 102
M 5.52 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.52 Sicherheitstechnische Anforderungen an den Kommunikationsrechner Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, heitsmanagement IT-Sicher- Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Je nach Art der Telearbeit und der dabei durchzuführenden Aufgaben gestaltet sich der Zugriff des Telearbeiters auf Institutionsdaten anders. Denkbar ist es, daß zwischen Telearbeiter und Institution nur E-Mails ausgetauscht werden. Andererseits kann auch ein Zugriff auf Server in der Institution für den Telearbeiter notwendig sein. Unabhängig von den Zugriffsweisen muß der Kommunikationsrechner der Institution dennoch folgende Sicherheitsanforderungen erfüllen: - Identifikation und Authentisierung: Sämtliche Benutzer des Kommunikationsrechners, also Administratoren, Mitarbeiter in der Institution und Telearbeiter, müssen sich vor einem Zugriff auf den Rechner identifizieren und authentisieren. Nach mehrfachen Fehlversuchen ist der Zugang zu sperren. Voreingestellte Paßwörter sind zu ändern. Ggf. muß es für den Kommunikationsrechner auch möglich sein, während der Datenübertragung eine erneute Authentisierung des Telearbeiters oder des Telearbeitsrechners anzustoßen, um aufgeschaltete Angreifer abzuwehren. Im Rahmen der Identifikation und Authentisierung der Benutzer sollte auch zusätzlich eine Identifizierung der Telearbeitsrechner stattfinden (zum Beispiel über Rufnummern und Callback-Verfahren). - Rollentrennung: die Rollen des Administrators und der Benutzer des Kommunikationsrechners sind zu trennen. Eine Rechtevergabe darf ausschließlich dem Administrator möglich sein. - Rechteverwaltung und -kontrolle: der Zugriff auf Dateien des Kommunikationsrechners darf nur im Rahmen der gebilligten Rechte erfolgen können. Darüber hinaus muß insbesondere der Zugang zu angeschlossenen Rechnern in der Institution und darauf gespeicherten Dateien reglementiert sein. Zugangs- und Zugriffsmöglichkeiten sind auf das notwendige Mindestmaß zu beschränken. Systemabsturz oder bei Unregelmäßigkeiten muß der Kommunikationsrechner in einen sicheren Zustand übergeben, indem ggf. kein Zugang mehr möglich ist. - Minimalität der Dienste: Dienste, die durch den Kommunikationsrechner zur Verfügung gestellt werden, müssen dem Minimalitätsprinzip unterliegen: alles ist verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt wird. Die Dienste selbst sind auf den Umfang zu beschränken, der für die Aufgaben der Telearbeiter notwendig ist. - Protokollierung: Datenübertragungen vom, zum und über den Kommunikationsrechner sind mit Uhrzeit, Benutzer, Adressen und Dienst zu protokollieren. _____________________________________________________________________ .......................................... 103 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.52 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Dem Administrator bzw. dem Revisor sollten Werkzeuge zur Verfügung stehen, um die Protokolldaten auszuwerten. Dabei sollten Auffälligkeiten automatisch gemeldet werden. - Automatische Computer-Viren-Prüfung: übertragene Daten sind einer automatischen Prüfung auf Computer-Viren zu unterziehen. - Verschlüsselung: Daten, die auf dem Kommunikationsrechner für die Telearbeiter vorgehalten werden, sind bei entsprechender Vertraulichkeit zu verschlüsseln. - Vermeidung oder Absicherung von Fernadministration: benötigt der Kommunikationsrechner keine Fernadministration, so sind sämtliche Funktionalitäten zur Fernadministration zu sperren. Ist eine Fernadministration unvermeidbar, so muß sie ausreichend abgesichert werden. Jegliche Fernadministration darf nur nach vorhergehender erfolgreicher Identifikation und Authentisierung stattfinden. Administrationstätigkeiten sind zu protokollieren. Administrationsdaten sollten verschlüsselt übertragen werden. Voreingestellte Paßwörter und kryptographische Schlüssel sind zu ändern. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Funktionalitäten bietet der Kommunikationsrechner? - In welchen Zeitabständen wird überprüft, ob die gewählten Einstellungen und Rechte noch den Notwendigkeiten entsprechen? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 104
M 5.53 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.53 Schutz vor Mailbomben Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Mailbomben sind E-Mails, die absichtlich eingebaute Schadfunktionen enthalten. Als Mailbombe kann sich beispielsweise eine als Anlage mitversandte komprimierte Datei erweisen, die nach dem Auspacken Unmengen von Unterverzeichnissen anlegt oder sehr viel Festplattenplatz beansprucht. Archive, also mit Packprogrammen komprimierte Dateien, sollten niemals ohne vorhergehende Prüfung ausgepackt werden. Um sich vor trojanischen Pferden oder anderen Schadfunktionen in komprimierten Dateien zu schützen, sollte man sich vor dem Auspacken solcher Dateien das Inhaltsverzeichnis über die archivierten Dateien und deren Größe anzeigen lassen. Weiterhin sollten Archivdateien bereits vor dem Auspacken auf Computer-Viren überprüft werden. Auf Arbeitsplatzrechnern sollten selbstextrahierende Archive, also solche mit Endungen wie *.EXE, niemals aufgerufen werden, da vor dem Auspacken der Inhalt nicht geprüft kann. Neue Programme sollten immer zunächst auf von den Produktionssystemen getrennten IT-Systemen getestet werden (siehe M 4.65 Test neuer Hard- und Software). Bei Unix-Systemen und anderen Server-Betriebssystemen sind außerdem folgende Punkte zu beachten: - Unbekannte Archive dürfen nie unter Superuser-Berechtigung ausgepackt werden, sondern nur unter einer Benutzerkennung mit möglichst wenig Schreibrechten. - Es sollte ein Filesystem mit Disk-Quota verwendet werden, um den Festplattenplatz zu begrenzen, den ein solches Programm im schlimmsten Fall belegen kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Benutzer über die Mailbomben-Problematik informiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 105 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.54 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.54 Schutz vor Mailüberlastung und Spam Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Durch die Überhäufung mit Werbemails oder durch absichtliche Überlastung durch eingehende E-Mails kann nicht nur das Mailsystem blockiert werden, sondern kann auch für den Empfänger solcher E-Mail teuer werden. Um sich vor "Spam", d. h. inhaltsleeren Mailings, zu schützen, sollte jeder Benutzer überlegen, wann und an wen er seine E-Mail-Adresse weitergibt. Mögliche Maßnahmen gegen Werbemails bzw. “Spam” sind die folgenden: - Es können Anonyme-Remailer-Dienste benutzt werden, also ein Server, der E-Mail entpersonalisiert. Ein Remailer ermöglicht es, in eine Newsgruppe zu posten oder eine E-Mail zu versenden, ohne daß der Empfänger die E-Mail-Adresse des Absenders erkennen kann. Dies hat allerdings den Nachteil, daß häufig andere Personen den E-Mail-Kontakt verweigern, weil sie den Absender nicht identifizieren können. - Auf dem Mail-Server bzw. der Firewall sollten E-Mail-Filterprogramme eingesetzt werden, die nur E-Mails von und/oder zu definierten Kommunikationspartnern zulassen oder über andere Header-Einträge versuchen, Spam auszugrenzen. Hierbei muß mit Bedacht vorgegangen werden, damit der Filterung keine erwünschten E-Mails zum Opfer fallen. - Jede Organisation sollte festlegen, ob ihre Mitarbeiter Artikel in Newsgruppen posten dürfen und wenn ja, in welcher Form und zu welchen Themen. Dabei sind die Benutzer darauf hinzuweisen, daß die Netiquette zu beachten ist, insbesondere ist die Verbreitung von für die Allgemeinheit irrelevanten Informationen zu unterlassen. - Es kann u. U. sinnvoll sein, keine leicht erratbaren E-Mail-Adressen zu verwenden (siehe auch M 2.122 Einheitliche E-Mail-Adressen). - Auf keinen Fall sollte versucht werden, Spam-Verursacher durch Mailbomben oder ähnliches zu bestrafen. Spam sollte nicht einmal durch ein Reply beantwortet werden. Häufig sind die Absenderangaben in SpamMail gefälscht. Antworten erreichen dann nur Unschuldige oder kommen als unzustellbar zurück. Auf jeden Fall verursachen auch Antworten wiederum ein erhöhtes Netzaufkommen und im schlimmsten Fall bestätigen sie Werbemailern sogar noch die Korrektheit angeschriebener E-MailAdressen. - Eine wirkungsvolle Maßnahme gegen akute Belästigung durch Spam ist die Benachrichtigung des eigenen Mail-Providers sowie des Mail-Providers des Verursachers, damit diese gegen den Verursacher vorgehen können. Dabei ist zu beachten, daß nicht alle dieser Maßnahmen in allen Umgebungen sinnvoll sind, weil sie diverse Einschränkungen mit sich bringen. So kann es einerseits sinnvoll sein, nicht aus den Benutzernamen abgeleitete E-MailAdressen zu verwenden, um sich vor unerwünschten Werbemails zu schützen. Andererseits können abstrakte E-Mail-Adressen die Kommunikation mit _____________________________________________________________________ .......................................... 106 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.54 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Externen erschweren, da sie schwerer zu merken sind. Die Form der E-MailAdressen muß auf jeden Fall den organisationsinterne Regelungen genügen. Durch die Eintragung auf Mailinglisten kann ebenfalls eine hohe Mailbelastung entstehen. Generell sollte regelmäßig überprüft werden, ob die in einer Mailingliste diskutierten Inhalte das Lesen lohnen, sonst ist sie abzubestellen. Die Benutzer müssen darüber informiert sein, daß nach der Eintragung auf Mailinglisten die dadurch entstehende Mailbelastung regelmäßig, d. h. möglichst täglich, zu kontrollieren ist. In größeren Organisationen sollten für die Arbeit interessante Mailinglisten nur über einen Mitarbeiter (z. B. den Mail-Administrator) abonniert werden und dann zentral allen zur Verfügung gestellt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Benutzer über die Spam-Problematik informiert? - Wer hat welche Mailinglisten abonniert? _____________________________________________________________________ .......................................... 107 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.55 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.55 Kontrolle von Alias-Dateien und Verteilerlisten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Um die Adressierung von E-Mails zu vereinfachen, werden häufig AliasDateien oder Verteilerlisten geführt. Werden sowohl auf den Mail-Servern als auch auf den Mail-Clients Alias-Dateien geführt, ist zunächst zu klären, welche Einträge Priorität haben, d. h. ob bei gleicher Wahl eines Alias der vom Mail-Server oder der vom Mail-Client akzeptiert wird. Beim Empfang von E-Mails sollte die Alias-Umsetzung des Mail-Servers ausschlaggebend sein, beim Versand die des Mail-Clients. Die Benutzer müssen darüber informiert sein, welche Aliase auf dem Mail-Server aufgelöst werden, damit sie dies bei der Weitergabe von E-Mail-Adressen berücksichtigen können. Damit die Benutzer die Alias-Dateien auf dem Mail-Server verwenden können, müssen sie lesend darauf zugreifen können. Schreibrecht darauf sollte aber nur der Mail-Administrator haben. Um zu verhindern, daß E-Mails aufgrund fehlerhafter, nicht aktueller oder manipulierter Verteilerlisten an falsche Empfänger übertragen werden, müssen die Verteilerlisten regelmäßig auf Korrektheit und Aktualität überprüft werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wo sind Alias-Dateien bzw. Verteilerlisten angelegt? - Wer hat Zugriff auf Alias-Dateien bzw. Verteilerlisten? - Wann wurden die Alias-Dateien, Verteilerlisten und gespeicherte E-MailAdressen zuletzt auf Aktualität geprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 108
M 5.56 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.56 Sicherer Betrieb eines Mail-Servers Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Der sichere Betrieb eines Mail-Servers setzt voraus, daß sowohl die lokale Kommunikation als auch die Kommunikation auf Seiten des öffentlichen Netzes abgesichert wird. Der Mail-Server nimmt von anderen Mail-Servern E-Mails entgegen und leitet sie an die angeschlossenen Benutzer oder MailServer weiter. Weiterhin reicht der Mail-Server die gesendete E-Mails lokaler Benutzer an externe Mail-Server weiter. Der Mail-Server muß hierbei sicherstellen, daß lokale E-Mails der angeschlossenen Benutzer nur intern weitergeleitet werden und nicht in das öffentliche Netz gelangen können. Ein Mail-Server speichert die E-Mail bis zur Weitergabe zwischen. Viele Internetprovider und Administratoren archivieren zusätzlich die ein- und ausgehenden E-Mails. Damit Unbefugte nicht über den Mail-Server auf Nachrichteninhalte zugreifen können, muß der Mail-Server gegen unbefugten Zugriff gesichert sein. Dafür sollte er gesichert (in einem Serverraum oder Serverschrank) aufgestellt sein. Für den ordnungsgemäßen Betrieb sind ein Administrator und Stellvertreter zu benennen und zum Betrieb des MailServers und dem zugrundeliegenden Betriebssystems zu schulen. Es muß ein Postmaster-Account eingerichtet werden, an den alle unzustellbaren E-Mails und alle Fehlermeldungen weitergeleitet werden (siehe auch M 2.120 Einrichtung einer Poststelle). Auf die Mailboxen der der lokal angeschlossenen Benutzer dürfen nur diese Zugriff haben. Auf die Bereiche, in denen E-Mails nur temporär für die Weiterleitung zwischengespeichert werden (z. B. Spooldateien), ist der Zugriff auch für die lokalen Benutzer zu unterbinden. Es muß regelmäßig kontrolliert werden, ob die Verbindung mit den benachbarten Mail-Servern, insbesondere dem Mail-Server des Mail-Providers, noch stabil ist. Es muß regelmäßig überprüft werden, ob der für die Zwischenspeicherung der Mail zur Verfügung stehende Plattenplatz noch ausreicht, da ansonsten kein weiterer Nachrichtenaustausch möglich ist. Umfang und Inhalt der Protokollierung der Aktivitäten des Mail-Servers sind festzulegen. Der Mail-Server sollte nie ein Produktionssystem sein, insbesondere sollten von der Verfügbarkeit des Mail-Servers keine weiteren Dienste abhängig sein. Es sollte jederzeit kurzfristig möglich sein, ihn abzuschalten, z. B. bei Denialof-Service-Angriffen oder bei Verdacht auf Manipulationen. Die Benutzernamen auf dem Mail-Server sollten nicht aus den E-MailAdressen unmittelbar ableitbar sein, um mögliche Angriffe auf BenutzerAccounts zu erschweren. Eingehende E-Mails sollten am Firewall oder am Mail-Server auf ComputerViren und andere schädliche Inhalte wie aktive Inhalte (z. B. Java-Applets) überprüft werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 109 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.56 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Über Filterregeln können für bestimmte E-Mail-Adressen der Empfang oder die Weiterleitung von E-Mails gesperrt werden. Dies kann z. B. sinnvoll sein, um sich vor Spam-Mail zu schützen. Auch über die Filterung anderer HeaderEinträge kann versucht werden, Spam auszugrenzen. Hierbei muß mit Bedacht vorgegangen werden, damit der Filterung keine erwünschten E-Mails zum Opfer fallen. Daher sollten entsprechende Filterregeln sehr genau definiert werden, indem beispielsweise aus jeder Spammail eine neue dedizierte Filterregel abgeleitet wird. Entsprechende Filterlisten sind im Internet verfügbar bzw. können von verschiedenen Herstellern der Kommunikationssoftware bezogen werden. Es ist festzulegen, welche Protokolle und Dienste am Mail-Server erlaubt sind, beispielsweise ist es sinnvoll, SMTP (TCP-Port 25) nach außen und innen, aber POP3 nur innerhalb zuzulassen. Ein Mail-Server sollte davor geschützt werden, als Spam-Relay verwendet zu werden. Dafür sollte ein Mail-Server so konfiguriert werden, daß er E-Mails nur für die Organisation selber entgegennimmt und nur E-Mails verschickt, die von Mitarbeitern der Organisation stammen. Der Mail-Server sollte eingehende E-Mails nur dann annehmen, wenn entweder die IP-Adresse des absendenden Mail-Servers in einem vom Administrator explizit zugelassenen IP-Netz liegt oder für den Empfänger ein MX-Eintrag auf den Mail-Server zeigt. Alle anderen E-Mails werden mit einer Fehlermeldung abgewiesen. BerechtigteBenutzer können trotz dieser Maßnahmen weiterhin E-Mails an beliebige Empfänger versenden, ebenso können sie E-Mails von beliebigen Absendern empfangen. Durch die oben beschriebene Filterung eingehender E-Mails wird jedoch verhindert, daß der Mail-Server von externen Nutzern als Spam-Relay mißbraucht werden kann. Sollten versehentlich IP-Netze, aus denen E-Mails angenommen werden sollen, nicht in obiger Liste stehen, muß der Administrator des Mail-Servers davon in Kenntnis gesetzt werden, damit er diese nachtragen kann. Wenn eine Organisation keinen eigenen Mail-Server betreibt, sondern über einen oder mehrere Mail-Clients direkt auf den Mail-Server eines Providers zugreift, sollte mit dem Provider abgeklärt werden, welche Regelungen dort gelten und welche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden sind (siehe M 2.123 Auswahl eines Mailproviders). _____________________________________________________________________ .......................................... 110 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.57 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.57 Sichere Konfiguration der Mail-Clients Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Die E-Mail-Progamme der Benutzer müssen durch den Administrator so vorkonfiguriert sein, daß ohne weiteres Zutun der Benutzer maximale Sicherheit erreicht werden kann. Die Benutzer sind darauf hinzuweisen, daß sie die Konfiguration nicht selbsttätig ändern dürfen. Insbesondere die folgenden Punkte sollten bei der Konfiguration der E-MailClients berücksichtigt werden: - Das E-Mail-Paßwort darf keinesfalls dauerhaft vom E-Mail-Programm gespeichert werden. Dabei wird das Paßwort auf der Client-Festplatte abgelegt, u. U. sogar im Klartext oder nur schwach verschlüsselt. Jeder, der Zugriff auf den Mail-Client hat, hat so die Möglichkeit, unter fremden Namen E-Mails zu verschicken bzw. das E-Mail-Paßwort auszulesen. - Als Reply-Adresse ist die E-Mail-Adresse des Benutzers einzustellen, um sicherzustellen, daß keine internen E-Mail-Adressen weitergegeben werden. - Um die Netzbelastung niedrig zu halten, sollte der Mail-Client nicht zu häufig den Mail-Server auf neu eingetroffene Nachrichten überprüfen. Ein automatischer Abholversuch alle 30 Minuten (= 1800 Sekunden) wird als Standardwert empfohlen und ist im allgemeinen ausreichend. Sollten Benutzer eine dringende Nachricht erwarten, sollten sie das E-Mail-Programm manuell dazu veranlassen, in ihrer Mailbox nachzusehen. - Nachrichten, die vom Mail-Server abgeholt wurden, sollten dort auch gelöscht werden. So kann ein mehrmaliges Abholen derselben Nachrichten verhindert und Speicherprobleme am Mail-Server vermieden werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 111 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.58 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.58 Installation von ODBC-Treibern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator ODBC (Open Database Connectivity) legt zwischen Datenbankanwendungen und dem jeweiligen Datenbankprotokoll eine zusätzliche Schicht (und ist somit kein eigenes Datenbankprotokoll). Durch die Installation des zur Datenbank passenden ODBC-Treibers wird zwischen Anwendung und Datenbank eine einheitliche Schnittstelle geschaffen, über die die Kommunikation (Absetzen von Datenbankanfragen, Lesen von Daten) zur Datenbank abgewickelt wird. Die zugehörige ANSI-SQL-konforme SQL-Schnittstelle ermöglicht das Erstellen von Anwendungen, ohne auf die jeweiligen Datenbankspezifika unterschiedlicher Produkte Rücksicht nehmen zu müssen. Bei einem Wechsel der Datenbank-Software muß deshalb die Anwendung nicht angepaßt werden, sondern es reicht aus, den ODBC-Treiber auszutauschen. Ursprünglich für Microsoft-Produkte entwickelt, hat sich ODBC inzwischen als Standard etabliert. ODBC-Treiber sind für alle gängigen Datenbanken unterschiedlichster Hersteller erhältlich. Bei der Installation von ODBC-Treibern ist darauf zu achten, daß keine Sicherheitslücken hinsichtlich der Zugangskontrolle zum Datenbanksystem entstehen. Beispiel: Für MS Access Datenbanken ist die Verwendung von Benutzerkennungen optional. Wird allerdings die Zugangskontrolle aktiviert, so werden die Benutzerkennungen über eine separate MS Access Datenbank, die sogenannte Systemdb verwaltet, die auch als eigene Datei abgespeichert wird. Bei der Installation eines ODBC-Treibers für eine MS Access Datenbank wird die Systemdb nicht automatisch integriert. Die Default-Einstellungen während der Installation sind nämlich dergestalt, daß eine eventuell existierende Systemdb unberücksichtigt bleibt. Wurde also während der Installation des ODBC-Treibers die Systemdb nicht explizit angegeben, so führt dies dazu, daß für Datenbankabfragen mittels ODBC keine Identifizierung seitens der Systemdb gefordert wird. Somit wird die Zugangskontrolle unterlaufen. Um dies zu verhindern, kann regelmäßig geprüft werden, ob die Systemdb integriert ist. Da dieser Mechanismus jedoch jederzeit wieder rückgängig gemacht bzw. manipuliert werden kann, ist eine Verschlüsselung einer MS Access Datenbank die sicherere Lösung. In diesem Fall schlägt ein Zugriff ohne die Systemdb immer fehl. Dafür muß die in MS Access integrierte Verschlüsselung aktiviert werden (unter Extras/Zugriffsrechte/Datenbank ver/entschlüsseln). In diesem Fall schlägt ein Zugriff über die ODBCSchnittstelle fehl, da die Systemdb auch für den Verschlüsselungsmechanismus benötigt wird. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde ein ODBC-Treiber für die Datenbank installiert? Wenn ja, wurde auf die optionalen Installationsparameter und ihre Auswirkungen geachtet? _____________________________________________________________________ .......................................... 112 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.59 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.59 Schutz vor DNS-Spoofing Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Gefahr durch DNS-Spoofing besteht dann, wenn eine Authentisierung anhand eines Rechnernamens durchgeführt wird. Eine hostbasierte Authentisierung, d. h. Rechte werden anhand eines Rechnernamens oder IP-Adresse gewährt, sollte durch eine der folgenden Konfigurationen (auch in Kombination) abgesichert werden: 1. Es sollten IP-Adressen, keine Hostnamen verwendet werden. 2. Wenn Hostnamen verwendet werden, sollten alle Namen lokal aufgelöst werden (Einträge in der Datei /etc/hosts). 3. Wenn Hostnamen verwendet werden und diese nicht lokal aufgelöst werden können, sollten alle Namen direkt von einem Nameserver aufgelöst werden, der für diese Namen der sogenannte Primary- oder SecondaryNameserver ist, d. h. er hat sie nicht in einem temporären Cache, sondern dauerhaft abgespeichert. Punkt 1 bietet die höchste, Punkt 3 die niedrigste Sicherheit. Das Ziel obiger Konfigurationen ist es, die Zuordnung zwischen IP-Adressen und Rechnernamen in einem sicheren Umfeld vorzunehmen. Auf keinen Fall sollte ein hostbasierter Zugang über einen Hostnamen gewährt werden, wenn die Namensauflösung nicht direkt ausgeführt werden kann, also ein Cache zwischengeschaltet ist. _____________________________________________________________________ .......................................... 113 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.60 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.60 Auswahl einer geeigneten Backbone-Technologie Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Administrator Die Auswahl des Netzprotokolls im Backbone-Bereich ist ein entscheidender Faktor für den Schutz der Verfügbarkeit der Anwendungen in einem lokalen Netz, da das gewählte Protokoll die Performance des Netzes und die zur Verfügung stehenden Bandbreiten wesentlich beeinflußt. Falls die zugrundeliegende Verkabelung ohne die Festlegung auf bestimmte Dienste (z. B. proprietäre Lösungen) geplant wurde (siehe G 2.45 Konzeptionelle Schwächen des Netzes), ist prinzipiell ein Wechsel der Backbone-Technologie problemlos möglich. Dennoch verursacht dies im allgemeinen nicht unerheblichen organisatorischen, personellen und finanziellen Aufwand. Eine generelle Empfehlung, unter IT-Sicherheitsgesichtspunkten eine bestimmte Backbone-Technologie auszuwählen, kann nicht gegeben werden, da viele individuelle Aspekte betrachtet werden müssen. Nachfolgend werden daher die Vor- und Nachteile der wichtigsten Netzzugangsprotokolle aufgeführt. Es gibt die vier Basis-Technologien Ethernet, Token-Ring, FDDI und ATM, die sich wie folgt darstellen: Ethernet Die Ethernet-Technologie wird im IEEE 802.3 Standard beschrieben und basiert auf dem CSMA/CD-Zugriffsverfahren (Carrier Sense Multiple Access / Collision Detection). Bei diesem Verfahren greifen alle Endgeräte gleichberechtigt auf das Übertragungsmedium zu, obwohl es jeweils nur exklusiv durch ein Endgerät genutzt werden kann. Sobald ein Endgerät Daten übertragen möchte, prüft es zunächst, ob das Medium für die Benutzung zur Verfügung steht (Carrier Sense). Ist dies der Fall, beginnt es mit der Datenübertragung. Geschieht dies durch mehrere Endgeräte gleichzeitig (Multiple Access), kommt es zu einer Kollision, die von den betroffenen Endgeräten erkannt wird (Collision Detection) und zu einer erneuten Prüfung des Mediums mit anschließender Wiederholung der Übertragung führt. CSMA/CD ist ein stochastisches Verfahren und kann deshalb keine dedizierten Bandbreiten zusichern. Aus diesem Grund ist es beispielsweise für Multimedia-Anwendungen weniger geeignet, die eine feste Bandbreite benötigen. Auf Ethernet-basierten Netzen kann somit im allgemeinen keine bestimmte Betriebsgüte (Quality of Service - QoS) zugesichert werden. Für Gigabit-Ethernet ist ein Analogon zur QoS vorgesehen. Es gibt drei verschiedene Varianten des Ethernet, die sich prinzipiell nur in der unterstützten Übertragungsrate unterscheiden: - Standard Ethernet Standard Ethernet ist der schon lange im Einsatz befindliche Standard und der Vorläufer der beiden anderen Varianten. Es ist durch eine Übertragungsrate von 10 Mbit/s gekennzeichnet. Damit ist es für die _____________________________________________________________________ .......................................... 114 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.60 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... meisten lokalen Netze als Backbone-Technologie ungeeignet, da es bei steigender Netzlast sehr schnell zu einer Vielzahl an Kollisionen kommt und dadurch der erzielbare Durchsatz immer mehr abnimmt. - Fast Ethernet Aufgrund der steigenden Anzahl vernetzter Rechner und der damit verbundenen Netzlast wurde eine Weiterentwicklung des Standard Ethernet zwingend notwendig, um den gestiegenen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Dies führte zur Entwicklung des Fast Ethernet mit einer Übertragungsrate von 100 Mbit/s. Dies reicht zur Zeit für die meisten Netze im BackboneBereich aus und hat außerdem den Vorteil, daß die bereits etablierte Technologie (CSMA/CD) weiter verwendet werden kann. Es müssen allerdings im allgemeinen die aktiven Netzkomponenten ausgetauscht bzw. angepaßt werden, und auch die Verkabelung ist auf eine Eignung für Fast Ethernet zu prüfen. - Gigabit Ethernet Da die Einführung von Fast Ethernet sehr erfolgreich verlief, wurde die Forderung nach einer noch schnelleren Backbone-Technologie basierend auf Ethernet laut. Dies führte zur Gründung der Gigabit-Ethernet-Allianz (GEA) mit mehreren namhaften Herstellern, die eine Übertragungsrate von 1 Gbit/s erreichen wollen. Die Standardisierungsphase in Zusammenarbeit mit der IEEE befindet sich zur Zeit kurz vor dem Abschluß. Der neue Standard soll dann auch über eine Protokollerweiterung (Resource Reservation Protocol, RSVP) für zeitkritische Übertragungen (z. B. im Multimediabereich) dedizierte Bandbreiten über Gigabit-Ethernet zur Verfügung stellen. Damit wird versucht, zu ATM analoge Eigenschaften wie Quality of Service (QoS) bereitzustellen. Da der endgültige Standard aber noch nicht verabschiedet ist, wird momentan von dieser Variante abgeraten, um den Einsatz einer eventuell unvollständigen Implementation zu vermeiden. Token-Ring Die Token-Ring-Technologie wird im IEEE 802.5 Standard beschrieben und basiert auf dem Token-Passing-Verfahren. Dabei wird ein spezielles, im Ring kreisendes Datenpaket (das "Token") verwendet, um festzulegen, welches Endgerät das Übertragungsmedium benutzen darf. Erhält ein Endgerät das Token, belegt es das Medium und gibt das Token an das nächste Endgerät weiter. Hiermit ist gewährleistet, daß das Medium immer nur durch ein einziges Endgerät belegt wird. Bei diesem deterministischen Verfahren kann es im Gegensatz zu Ethernet nicht dazu kommen, daß einzelne Endgeräte bei hoher Netzbelastung unbestimmt lange warten müssen, bis sie senden können. Token-Ring bietet dagegen eine fest bestimmbare maximale Wartezeit. Ein Token-Ring-Netz ist meistens als physikalischer Doppelring ausgeführt, wodurch sich die Verfügbarkeit des Netzes merklich erhöht, da bei einem Ausfall einer Station oder der Unterbrechung eines Ringes die fehlerhafte Stelle durch die Nutzung des zweiten Ringes überbrückt werden kann. Die Übertragungsrate von Token-Ring kann 4 oder 16 Mbit/s betragen, so daß mittlerweile auch hier von einem Einsatz als Backbone-Technologie für die _____________________________________________________________________ .......................................... 115 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.60 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... meisten lokalen Netze abgeraten wird. Die zur Verfügung stehende Bandbreite ist zu gering. Mitte September 1997 wurde eine "High Speed Token Ring Alliance" (HSTR) von mehreren namhaften Herstellern gegründet mit dem Ziel, Übertragungsraten von 100 Mbit/s und später 1 Gbit/s zu erreichen. Dazu soll bis Mitte 1998 der IEEE 802.5 Standard erweitert werden. Da sich diese Varianten noch in der Entwicklung befinden, kann ein Einsatz zum jetzigen Zeitpunkt nicht befürwortet werden. FDDI Der FDDI (Fiber Distributed Data Interface) Standard wurde 1989 vom ANSI definiert und basiert wie Token-Ring auf dem Token-Passing-Verfahren. Allerdings kommt hier zusätzlich die Technik des Early-Token-Release zum Einsatz, bei der das Token direkt nach dem letzten Datenpaket an das nächste Endgerät weitergegeben wird. Dadurch werden die Leerlaufzeiten im Ring reduziert und es kann eine höhere Bandbreite erreicht werden. FDDI nutzt Lichtwellenleiter als Übertragungsmedium mit einer Übertragungsrate von 100 Mbit/s. Durch seinen hohen Durchsatz ist es ideal für den Einsatz im Backbone-Bereich. Weitere Vorteile sind die Fehlertoleranz aufgrund der Doppelring-Topologie und die elektromagnetische Unempfindlichkeit durch die Verwendung von Lichtwellenleitern. Im Gegensatz zu Ethernet ist FDDI auch für laufzeitabhängige Multimedia-Anwendungen geeignet, da es eine maximale Verzögerungszeit garantieren kann. Werden beide Ringe zur Übertragung genutzt, ist sogar eine Übertragungsrate von 200 Mbit/s erreichbar, allerdings entfällt dann der Vorteil der höheren Fehlertoleranz, da beim Ausfall eines Ringes nicht mehr automatisch auf den anderen Ring ausgewichen werden kann. FDDI-Komponenten sind jedoch teurer als Ethernet-Komponenten vergleichbarer Funktion, so daß der erzielbare Nutzen durch den Einsatz von FDDI immer den entstehenden Kosten gegenübergestellt werden muß. FDDI kann auch auf Kupferkabeln betrieben werden und wird dann CDDI (Copper Distributed Data Interface) genannt. ATM ATM steht als Abkürzung für Asynchronous Transfer Mode. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Übertragungsverfahren, das sich sehr gut für den Einsatz im Backbone-Bereich eines Netzes eignet und dort auch EchtzeitDienste bereitstellen kann. Bei ATM werden alle Arten von Informationen in Paketen mit fester Länge befördert, die als Zellen bezeichnet werden. Dabei kann es sich um beliebige Daten, wie z. B. auch Audio- und Video-Daten handeln. Durch die einheitliche Länge der Pakete wird es ermöglicht, daß die ATM-Switches die Verarbeitung der Zellen fast vollständig durch Hardware-Komponenten durchführen und somit einen höheren Durchsatz erreichen können. Dadurch entsteht eine kalkulierbare Verzögerung bei der Übertragung beliebiger Informationen, so daß für einzelne Anwendungen garantierte Bandbreiten vergeben werden können. Damit ist ATM eine gut geeignete Technologie für Multimedia-Anwendungen, da ein berechenbares Echtzeitverhalten und damit _____________________________________________________________________ .......................................... 116 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.60 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Quality of Service (QoS) garantiert werden kann. Dies bedeutet, daß jedem angeschlossenen Gerät statisch oder dynamisch die benötigte Bandbreite zugeordnet werden kann. Die Übertragung selbst beruht auf dem Prinzip der virtuellen Verbindungen. Dabei werden keine festen Kanäle zwischen den beteiligten Endgeräten geschaltet, vielmehr werden die Zellen erst zum Zeitpunkt ihrer Erzeugung über einen vorher festgelegten Weg durch das Netz transportiert. Die so erreichbaren Übertragungsraten liegen typischerwiese bei 25 MBit/s, 155 MBit/s oder 622 MBit/s. ATM-Komponenten sind allerdings derzeit noch sehr teuer, so daß eine Integration mit den im lokalen Netz bereits vorhandenen Komponenten anderer Technologien aus Gründen des Investitionsschutzes angestrebt werden sollte. ATM unterstützt jedoch keine Broadcasts oder die Benutzung von MACAdressen, was jedoch Voraussetzung für die Nutzung der meisten Protokollstapel wie TCP/IP oder SPX/IPX ist. Dazu existieren drei verschiedene Lösungsansätze: - Classical IP-over-ATM (CIP) Für die Verwendung von IP über ATM wurde RFC 1577 (Classical IPover-ATM) entwickelt, welches Endgeräten mit TCP/IP-Protokollstapel erlaubt, ATM als Transportmedium zu nutzen. - LAN Emulation (LANE) Hier werden auf Schicht 2 des OSI-Modells alle relevanten LANTechnologien für die Clients emuliert, für die sich ATM dann z. B. als Ethernet oder Token-Ring-Netz darstellt. Damit wird eine Kommunikation zwischen konventionellem LAN und ATM möglich. - Multiprotocol-over-ATM (MPOA) MPOA ist prinzipiell eine Weiterentwicklung des klassischen ATM und LANE. Im Gegensatz zu LANE arbeitet MPOA auf der Schicht 3 des OSIModells und benutzt LANE zur Übertragung auf der Schicht 2. MPOA implementiert also sowohl Bridging (Schicht 2) als auch Routing (Schicht 3) und kann somit ein voll geroutetes ATM-Netz konfigurieren. Gleichzeitig bleiben jedoch alle Vorteile der ATM-Technologie, wie z. B. die garantierten Bandbreiten für bestimmte Anwendungen, erhalten. Weiterhin ist zu beachten, daß z. Z. zwischen ATM-Komponenten verschiedener Hersteller keine Kompatibilität bzw. Interoperabilität garantiert ist. Dies ist daher im Einzelfall nachzuprüfen. Eine allgemeine Empfehlung zur Auswahl einer Backbone-Technolgie kann, wie bereits eingangs erwähnt, nicht gegeben werden. Hier spielen neben Sicherheitsanforderungen auch Kriterien zur Zukunftssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Skalierbarkeit und Integration vorhandener Komponenten eine Rolle. Je nach ausgewähltem Protokoll können nur bestimmte Kabeltypen eingesetzt werden (z. B. LWL für FDDI), die wiederum durch bestimmte Längenrestriktionen eingeschränkt sind (siehe auch M 5.2 Auswahl einer geeigneten NetzTopographie). _____________________________________________________________________ .......................................... 117 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.60 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden die Anforderungen an den Backbone-Bereich des lokalen Netzes in bezug auf Verfügbarkeit, Bandbreiten und Performance formuliert und dokumentiert? - Wurde eine Betrachtung aller relevanten Backbone-Technologien durchgeführt? _____________________________________________________________________ .......................................... 118 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.61 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.61 Geeignete physikalische Segmentierung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Unter einer physikalischen Segmentierung wird der Vorgang der Segmentbildung mit Hilfe von aktiven und passiven Netzkomponenten auf Schicht 1, 2 oder 3 verstanden. Eine geeignete physikalische Segmentierung kann zur Erhöhung der Verfügbarkeit, der Integrität und der Vertraulichkeit verwendet werden. Dies läßt sich durch den Einsatz unterschiedlicher Netzkomponenten (siehe M 5.13 Geeigneter Einsatz von Elementen zur Netzkopplung) erreichen. Verfügbarkeit Unter dem Gesichtspunkt der Verfügbarkeit wird auch die Performance bzw. die verfügbare Bandbreite eines Netzes betrachtet. Diese kann erhöht werden, wenn das Netz auf den Schichten 1, 2 oder 3 des OSI-Modells getrennt wird. Bei einer Auftrennung auf der Schicht 1 kann die geringste Erhöhung der Verfügbarkeit in den Einzelsegmenten, aber der höchste Durchsatz zwischen den Segmenten und bei einer Trennung auf Schicht 3 die größte Erhöhung der Verfügbarkeit und der geringste Durchsatz zwischen den Segmenten erzielt werden. Durch eine Segmentierung auf Schicht 1 mit Hilfe eines Repeaters wird die Verfügbarkeit des Netzes dadurch erhöht, daß elektrische Fehler des einen Segmentes das andere nicht beeinflussen können. Beispiel: Bei einem Netz aus zwei Thin-Ethernet-Segmenten, die durch einen Repeater miteinander verbunden sind, beeinflußt die fehlende Terminierung in einem Segment nicht die Funktion des anderen. Elektrisch defektes Segment Repeater Elektrisch unbeeinflusstes Segment Abbildung 1: Elektrische Trennung von Segmenten durch einen Repeater zur Erhöhung der Verfügbarkeit Für Bridges und Switches gilt zunächst einmal das gleiche wie für Repeater, da diese die Schicht 1 mit abdecken. Zusätzlich zu dieser Funktion werden fehlerhafte Datenpakete der Schicht 2 und Kollisionen in einem Segment isoliert. Weiterhin werden die Segmente entlastet, da Datenpakete zielgerichtet zwischen den Segmenten weitergeleitet werden können. Dabei ist darauf zu achten, daß die eingesetzte Bridge bzw. der Switch eine ausreichend hohe Kapazität (Filterrate und Transferrate) besitzt, um den Datenverkehr zwischen den Segmenten ohne große Verzögerungen zu verarbeiten. Üblicherweise arbeiten Bridges/Switches auf der Schicht 2 des OSI-Modells. Diese werten für den Aufbau der Verbindungsmatrix die MAC-Adressen der _____________________________________________________________________ .......................................... 119 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.61 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... beteiligten Systeme in den jeweiligen Segmenten aus. Von einigen Herstellern gibt es auch Switches, die auf Schicht 3 arbeiten, also beispielsweise die IPAdresse zum Aufbau der Verbindungsmatrix verwenden. Dieser Aufbau geschieht in beiden Fällen automatisch, kann bei einigen Modellen jedoch auch manuell beeinflußt werden. Einige Hersteller bieten zusätzlich auch die Möglichkeit, die Verbindungsmatrix manuell (über ein zentrales Tool) auf Portebene, also auf der Ebene der tatsächlichen Kabelführung, vorzunehmen (Port- oder Configuration-Switching). Router, die auf der Schicht 3 arbeiten, fassen die Eigenschaften von Repeatern und Bridges hinsichtlich der Verfügbarkeit zusammen und erweitern diese um die Fähigkeit, Protokolle der Schicht 3 auszuwerten. Hiermit erfolgt eine Lasttrennung auf einer höheren Ebene, wodurch der Netzverkehr fast vollständig kontrolliert werden kann. Insbesondere werden keine Broadcasts zwischen Segmenten (Teilnetzen) weitergeleitet, die durch einen Router getrennt sind. Ein Broadcaststurm auf dem einen Segment kann also das andere nicht beeinflussen. Ausgehend von den Ergebnissen einer durchgeführten Verkehrsflußanalyse (siehe M 2.139 Ist-Aufnahme der aktuellen Netzsituation), sollte ggf. eine physikalische Segmentierung vorgenommen werden, um die Bandbreite bzw. Performance im erforderlichen Maße zu erhöhen. Beispiel: Innerhalb eines Netzes sind zentrale Server für Datei- und Druckdienste sowie für die Anwendungen vorhanden bzw. geplant. Für eine hohe Performance und Verfügbarkeit kann es sinnvoll sein, diese dediziert an einen Switch anzuschließen und von diesem Switch die einzelnen Arbeitsplatzstationen anzubinden (shared oder switched). Wenn möglich, sollte die Verbindung zwischen den Servern und dem Switch zumindest eine Fast-Ethernet Verbindung sein. Generell läßt sich festhalten, daß für eine höhere Performance ein geswitchtes Netz einem Shared-Netz vorzuziehen ist, da sich in einem Shared-Netz alle daran angeschlossenen Teilnehmer die verfügbare Bandbreite teilen müssen. In einem Switched-Netz dagegen steht jedem Teilnehmer zumindest bis zur nächsten aktiven Netzkomponente die volle Bandbreite zur Verfügung. Zu beachten sind hierbei allerdings die Notwendigkeit einer strukturierten Verkabelung (Sternform) und die relativ hohen Kosten für ein vollständig geswitchtes Netz. Als Alternativen bieten sich Lösungen an, die im Backbone-Bereich oder im Bereich hoher Netzlast (z. B. Arbeitsgruppen) über einen Switch einzelne Netzsegmente koppeln, die wiederum als Shared-Media-LAN ausgelegt sind (vgl. Abbildung 2). Zusätzlich besteht immer die Möglichkeit, einzelne Arbeitsplatzsysteme mit hohen Anforderungen an die Performance direkt an einen Switch anzuschließen. Während ein Shared-Netz bzw. Shared Segment sowohl in Bus- als auch in Sternform aufgebaut sein kann, ist es aus Gründen der Verfügbarkeit und des Investitionsschutzes sinnvoll, dieses ebenfalls in strukturierter Verkabelung (Sternform) auszuführen (vgl. M 5.2 Auswahl einer geeigneten Netzt-Tpographie). _____________________________________________________________________ .......................................... 120 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.61 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Switched Segment Switch 1 net Fas t-E the r MultiportRepeater 2 Server 1 Arbeitsplatz 1 Arbeitsplatz 2 Shared Segment et rn he Et stFa et ern Eth Eth ern et MultiportRepeater 1 Server 2 Arbeitsplatz 3 Arbeitsplatz 4 Shared Segment Abbildung 2: Beispiel für ein Netz, welches aus Switched und Shared Segmenten besteht. Die Anbindung der Server erfolgt über Fast-Ethernet. Vertraulichkeit Zur Erhöhung der Vertraulichkeit sind alle Maßnahmen geeignet, die einen Austausch von Daten zwischen zwei Segmenten verhindern. Aus diesem Grund ist ein reiner Repeater dafür ungeeignet. Einige Hersteller bieten Multiport-Repeater an, die so konfiguriert werden können, daß nur bestimmte Netzteilnehmer über solch einen Repeater im Netz arbeiten können. Hierdurch kann bis zu einem gewissen Grad ausgeschlossen werden, daß sich unberechtigte Nutzer auf das Netz aufschalten können. Bridges/Switches und Router erhöhen die Vertraulichkeit dadurch, daß sie den Datenverkehr auf Schicht 2 bzw. 3 verhindern und kontrollieren können bzw. dediziert auf PortEbene Segmente verbinden oder trennen können. Auch für Bridges/Switches einiger Hersteller gilt, daß hier der Zugang von Netzteilnehmern beschränkt werden kann. Router bieten die umfassendsten Kontrollmöglichkeiten der hier behandelten Komponenten. Mit Hilfe von Routern kann nicht nur der Zugang und die Wegewahl in andere Netze bestimmt werden, sondern zusätzlich auch, welcher Netzteilnehmer mit Systemen im anderen Segment auf welcher Basis kommunizieren darf. Durch den Ausschluß bestimmter Protokolle der Ebene 3 am Router kann verhindert werden, daß Daten dieses Protokolls in das andere Segment gelangen. Dies geschieht durch die Definition geeigneter Filterregeln in den Routern, die auf Protokollebene gebildet werden können. So können beispielsweise bei der Verwendung des TCP/IP-Protokollstapels einzelne TCP- und UDP-Ports für den Übergang in das andere Segment selektiv gesperrt oder freigegeben werden. Komponenten, die auf höheren Schichten _____________________________________________________________________ .......................................... 121 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.61 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... arbeiten, wie z. B. Application-Level-Firewalls, werden an dieser Stelle nicht behandelt (siehe M 2.75 Geeignete Auswahl eines Application-Gateway). Beispiel: Durch die Trennung eines Netzes mit Hilfe eines Routers und eine entsprechende Konfiguration der Filterregeln kann erreicht werden, daß kein FTP- und TFTP-Datentransfer (Port 20 und 21 bzw. 69) zwischen den Segmenten möglich ist und somit auch nicht vom jeweils anderen abgehört werden kann. Ebenso werden keine Broadcast-Daten zwischen den Teilnetzen übertragen. Außerdem müssen die Filter standardmäßig derart konfiguriert sein, daß zunächst die Kommunikation maximal eingeschränkt und erst nach Bedarf und dienstebezogen freigegeben wird. Hierbei sollte ggf. eine IPbezogene Filterung berücksichtigt werden. Kein FTP-Datenverkehr möglich FTP-Datenverkehr Router FTP-Datenverkehr Abbildung 3: Beispiel für die Trennung von Teilnetzen auf Schicht 3 durch einen Router Daten- und Netzintegrität Die Integrität der Daten bis zur Schicht 3 wird in der Regel durch das eingesetzte Netzzugangsprotokoll sichergestellt, während die Sicherstellung der Netzintegrität, also dem Übereinstimmen der aktuellen Netzsituation mit der geplanten und vorgesehenen physikalischen und logischen Segmentierung, zusätzliche Maßnahmen erfordert. Diese Maßnahmen müssen sicherstellen, daß keine unautorisierten oder fehlgeleiteten Kommunikationsverbindungen aufgebaut oder unautorisierten Systemzugriffe durchgeführt werden, die im integren Netzzustand unterbunden sind. Die Netzintegrität wird daher im wesentlichen dadurch sichergestellt, daß - Veränderungen unmittelbar an Netzkomponenten (Umrangierungen, Installation neuer, nicht autorisierter Komponenten etc.) verhindert oder zumindest erkannt werden (Hardware-bezogene Sicherheit), - Veränderungen an der Konfiguration der Netzkomponenten (z. B. an Routingprotokollen, an der Port-Switching-Matrix oder an der VLAN-Zuweisung) verhindert oder zumindest erkannt werden (Software-bezogene Sicherheit). Dazu ist es erforderlich, den Zugang zu den Netzkomponenten mit ausreichender Stärke zu verwehren (z. B. durch Infrastruktrurmaßnahmen bzgl. _____________________________________________________________________ .......................................... 122 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.61 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Verteilerraum, Verkabelung etc.) und das Netzmanagement so zu konzipieren, daß unberechtigte Zugriffe über das Netz auf die Netzkomponenten verhindert werden. Eine Erhöhung des Schutzes bezüglich der Integrität der Daten auf Schicht 3 (z. B. der Anwendungsdaten) kann nicht alleine durch den Einsatz von Netzkomponenten erreicht, aber ein gezielter Angriff auf die Datenintegrität kann erschwert werden. Hierzu können Netzkomponenten verwendet werden, die das Mithören und Verändern von Datenpaketen verhindern. Dies sind z. B. Bridges/Switches und Router, die ein Netz in Segmente bzw.Teilnetze aufspalten können, zwischen denen der Datenverkehr kontrolliert, beschränkt oder konfiguriert werden soll. Insbesondere bei den sich automatisch konfigurierenden Netzkomponenten wie Bridges und Switches, spielt die Abbildung der logischen Zusammengehörigkeit auf die physikalische Konfiguration eine große Rolle. Nur so kann erreicht werden, daß die Datenpakete einer logischen Gruppe auch tatsächlich im selben physikalischen Segment verbleiben. Bei Bridges/Switches, die eine Konfiguration der möglichen Verbindungen auf Portbasis erlauben (Port-Switching) können auch manuell die Verbindungsmöglichkeiten auf der Schicht 1 kontrolliert werden. Beispiel: Systeme, die den Anschluß von Terminals an ein Netz erlauben (Terminalserver) und die Systeme, auf die vom Terminalserver aus zugegriffen werden soll, müssen in einem Segment durch eine Bridge vom Rest des Netzes abgetrennt werden. Nur so kann vermieden werden, daß der Austausch des Paßwortes zwischen Terminalserver und dem angesprochenen System von einem anderen Segment aus abgehört und ggf. verändert werden kann. Terminal-Server Zugriff auf Filedienste File-Server Austausch des Paßworts Bridge Abbildung 4: Trennung von Segmenten durch eine Bridge zur Erhöhung der Integrität und Vertraulichkeit Zusätzlich ist durch die geeignete Dimensionierung und Auswahl von Netzkomponenten dafür Sorge zu tragen, daß weder durch deren Überlastung noch durch deren Fehlfunktion Datenpakete verloren gehen können bzw. verfälscht werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 123 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.61 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde beim Entwurf des lokalen Netzes an eine physikalische Segmentierung gedacht? - Wurden die Anforderungen bezüglich Verfügbarkeit (insbesondere auch Performance), Vertraulichkeit und Integrität ermittelt und berücksichtigt? _____________________________________________________________________ .......................................... 124 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.62 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.62 Geeignete logische Segmentierung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Mit Hilfe geeigneter aktiver Netzkomponenten ist es möglich, trotz einer festen physikalischen Segmentierung des Netzes, dieses darüber hinaus logisch zu segmentieren. Die Möglichkeit hierzu bieten Switches, die auf der Schicht 2 und 3 des OSI-Modells arbeiten. Aufgrund der Eigenschaften solch eines Switches, die Protokolle der Schicht 2 bzw. 3 zu verstehen, können durch Kontrolle des Datenflusses zwischen den Anschlüssen am Switch sogenannte virtuelle LANs (VLANs) gebildet werden. Hierdurch können Gruppen im Netz zusammengefaßt werden, die in der physikalischen Segmentierung so nicht abgebildet sind. Vor allem ergibt sich hierdurch die Möglichkeit, Gruppen ohne Eingriff in die physikalische Vernetzung dynamisch und zeitnah neu zu bilden bzw. umzugruppieren. Analog zur physikalischen Segmentierung auf der Schicht 2 bzw. 3 sind die Kriterien bezüglich Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität auch hier anzuwenden. Kriterien für eine geeignete Segmentierung können ebenfalls analog wie für die physikalischen Segmente angewendet werden. In der folgenden Abbildung ist die Möglichkeit der VLAN-Bildung mit Hilfe mehrer Schicht-3-Switches dargestellt. Die physikalische Anbindung der Endgeräte an die Switches erfolgt hierbei wie durch die Verbindungslinien angedeutet. Die logische Segmentierung erfolgt durch die Gruppierung mit Hilfe der Switches nach VLANs. VLAN 3 VLAN 1 VLAN 2 Abbildung 1: VLAN-Bildung mit Hilfe mehrerer Switches Würde man die in Abbildung 1 gezeigte VLAN-Struktur durch eine herkömmliche physikalische Segmentierung erreichen wollen, würde das wie in _____________________________________________________________________ .......................................... 125 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.62 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Abbildung 2 dargestellt aussehen. Die einzelnen LANs können hier beispielsweise durch Shared Ethernet-Segmente abgebildet werden, die Verbindung der einzelnen LANs erfolgt durch eine Bridge. LAN 3 LAN 1 LAN 2 Abbildung 2: Physikalische Segmentierung analog zu Abbildung 1 Auf der Basis von VLAN-fähigen Netzkomponenten können ohne physikalische Umstrukturierung virtuelle LANs gebildet werden, die je nach eingesetzter Technologie analog zu LANs, mit Segmentierungen auf Schicht 2 oder 3 sind. Hiermit können in einem Netz analog zur Segmentierung von LANs Bereiche gebildet werden, in denen z. B. hohe Anforderungen an die Vertraulichkeit der Daten gelten (siehe M 5.61 Geeignete physikalische Segmentierung). Je nach eingesetztem Produkt bieten diese bei der VLANBildung unterschiedliche Funktionalitäten. Einige Produkte stellen die Möglichkeit zur Verfügung, VLANs auf Schicht 2 oder 3 zu bilden, die u. U. nur durch den Einsatz von Routern gekoppelt werden können (sog. sichere VLANs, da diese nur durch den Einsatz von Routern verbunden werden können). In diesem Fall muß mit Hilfe der Filterregeln des Routers ein kontrollierter Übergang zwischen den VLANs hergestellt werden. Andere Hersteller implementieren in Schicht-3-Switches bereits Routing-Funktionalität, die VLANs ohne zusätzliche Router verbinden. Der Einsatz entsprechender Technologien und Produkte muß insbesondere gegen die Anforderungen an die Vertraulichkeit und Integrität der Daten geprüft werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 126 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.62 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Schicht-3-Switch Schicht-3-Switch Schicht-3-Switch VLAN 3 VLAN 1 VLAN 2 Abbildung 3: Bildung von sicheren VLANs mit Schicht-3-Switches Im dargestellten Fall (Abbildung 3) wurden mit Hilfe von Schicht-3-Switches sichere VLANs auf der Schicht 3 des OSI-Modells eingerichtet. Die dargestellten Switches sind in diesem Fall ohne Routing-Funktionalität. VLAN 1, VLAN 2 und VLAN 3 verhalten sich dabei so, als ob sie durch einen Router segmentiert wären, ohne daß ein Routing zwischen ihnen stattfindet. VLAN 3 hat also keinerlei Verbindung mit den anderen VLANs, lediglich VLAN 1 und VLAN 2 können über einen Router miteinander kommunzieren. Die Kommunikation kann durch die Konfiguration des Routers entsprechend kontrolliert und gesteuert werden. Mit anderen Produkten, die RoutingFunktionalität in den Schicht-3-Switches implementieren, kann der dargestellte Router entfallen und das Routing mit Hilfe der Switches kontrolliert werden. Eine allgemeine Empfehlung bezüglich einer logischen Segmentierung kann nicht gegeben werden. Für eine Neuinstallation eines Netzes ist aber zu prüfen, ob durch den Einsatz von VLANs die Anforderungen an die Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Integrität nicht einfacher erreicht werden können als durch eine aufwendigere physikalische Segmentierung. Als Vorteil einer logischen Segmentierung ist die einfache, zentrale Neu- und Umkonfigurierbarkeit der Segmente zu sehen. Insbesondere bei Produkten, die sichere VLANs unterstützen, können so schnell und einfach Arbeitsgruppen im Netz gebildet werden, die höhere Anforderungen an die Vertraulichkeit ihrer Daten stellen. Auf der anderen Seite muß in diesem Fall auch ein _____________________________________________________________________ .......................................... 127 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.62 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... besonderes Augenmerk auf den sicheren Remote-Zugang zu den aktiven Netzkomponenten gelegt werden, da die Segmentierung hier nur auf der Konfiguration von Software beruht. Es muß also bei einer logischen Segmentierung zwischen den Anforderungen an die Sicherheit des Netzes (auch vor unberechtigter Umkonfiguration) und der Möglichkeit einer flexiblen Umgestaltung des Netzes abgewogen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die eingesetzten Netzkomponenten VLAN-fähig? - Wurde das Netz geeignet logisch segmentiert? - Sind die eingesetzten Netzkomponenten bezüglich der VLAN-Funktionalität interoperabel? - Ist der Remote-Zugang der aktiven Netzkomponenten vor unberechtigter Administration geschützt? - Wurden die Anforderungen bzgl. Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Integrität ermittelt und berücksichtigt? _____________________________________________________________________ .......................................... 128 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.63 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.63 Einsatz von PGP Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer, Administrator PGP (Pretty Good Privacy) ist ein weitverbreitetes Verschlüsselungsprogramm. Mit PGP können Nachrichten und Dateien ver- und entschlüsselt werden sowie mit einer digitalen Signatur (auch elektronische Unterschrift genannt) versehen werden, um unautorisierte Veränderungen an einer Nachricht bzw. Datei nachweisen zu können. Weiterhin können mit Hilfe von PGP die Aufgaben des Schlüsselmanagements wie z. B. Hinzufügen und Entfernen von Schlüsseln wahrgenommen werden. Verschlüsselung und digitale Signatur Bei PGP werden symmetrische und asymmetrische kryptographische Verfahren eingesetzt. Symmetrische wie IDEA dienen zur Datenverschlüsselung, asymmetrische wie Diffie-Hellmann zum Schlüsselaustausch oder RSA bzw. DSS zur Signaturbildung. PGP erzeugt und verwendet öffentliche und private Schlüssel in sogenannten Schlüsselpaaren. Zu jedem privaten Schlüssel gibt es genau einen öffentlichen Schlüssel. Es ist praktisch ausgeschlossen, nur mit Kenntnis des öffentlichen Schlüssels den privaten Schlüssel zu errechnen. Eine Nachricht, die mit einem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt bzw. mit dem privaten Schlüssel signiert wurde, kann nur mit dem zugehörigen privaten Schlüssel entschlüsselt bzw. mit dem öffentlichen Schlüssel des Absenders verifiziert werden. Der öffentliche Schlüssel kann jedem bekannt gemacht werden. Er dient dazu, Nachrichten an den Besitzer des privaten Schlüssels zu verschlüsseln. Zum Nachweis von unautorisierten Manipulationen und somit zum Schutz vor Veränderungen einer Nachricht berechnet PGP unter Zuhilfenahme des privaten Schlüssels des Absenders einen Prüfcode über die Nachricht, die digitale Signatur. Jeder Kommunikationspartner kann mit Hilfe des öffentlichen Schlüssels des Absenders der Nachricht feststellen, ob der am Ende der Nachricht stehende Prüfcode zu der erhaltenen Nachricht paßt oder ob die Nachricht unautorisiert verändert wurde. Empfehlenswert beim Einsatz von PGP ist die Kombination der beiden zuvor beschriebenen Funktionalitäten. Nachrichten bzw. Dateien sollten standardmäßig zunächst mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers verschlüsselt werden und anschließend mit dem privaten Schlüssel des Absenders signiert werden, um einen höchstmöglichen Schutz zu erreichen. Versionen PGP steht für die verschiedensten Rechnerplattformen (Unix-Systeme, DOS, Windows NT/9x etc.) zur Verfügung. Die am häufigsten eingesetzten Versionen sind 2.6.3i, 5.x und 6.x. Die Versionen 5.x und 6.x sind mit einer graphischen Benutzeroberfläche ausgestattet, aber nicht abwärtskompatibel zu den Vorgängerversionen. Insbesondere beim Einsatz dieser PGP-Versionen unter Betriebssystemen der Windows-Familie ist zu beachten, daß die Sicherheitsmechanismen von PGP durch die Ausnutzung von _____________________________________________________________________ .......................................... 129 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.63 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Sicherheitsmängeln des Betriebssystems möglicherweiser unterlaufen werden können. Aufgrund der fehlenden Abwärtskompatibilität ist es empfehlenswert, vor dem Austausch von verschlüsselten Nachrichten nachzufragen, welche PGPVersion von den Kommunikationspartnern verwendet wird. Die nach wie vor weit verbreitete Version 2.6.3i ist kommandozeilenorientiert, kann aber mit Zusatzprogrammen in graphische Benutzeroberflächen und Mail-Clients eingebunden werden. PGP kann über verschiedene Quellen bezogen werden, u. a. Public-Domain-Versionen von diversen WWW-, FTP- oder MailServern. Ab der Version 5 wurde die umstrittene Funktion "Corporate Message Recovery" (CMR) eingeführt. CMR bietet die Möglichkeit, Dateien oder Nachrichten, die von einer Person für eine zweite verschlüsselt wurden, gleichzeitig für eine dritte Person entschlüsselbar zu machen. Die Verwendung eines solchen "Drittschlüssels" kann durch die Konfiguration vom Administrator zwingend vorgegeben werden. Aufgrund der gesetzlichen Exportrestriktionen für kryptographische Produkte in den USA sollte bei allen Versionen von PGP darauf geachtet werden, diese von europäischen Anbietern oder Servern zu beziehen. Sichere Installation und Bedienung Bei PGP werden zwar als sicher anerkannte kryptographische Verfahren eingesetzt, durch falsche Konfiguration oder Fehlbedienung kann es aber zu einer Abschwächung des Sicherheitsniveaus kommen. Die Installation und Konfiguration inklusive der Schlüsselgenerierung ist bei PGP wie bei den meisten komplexeren Kryptoprodukten nicht ganz einfach. Damit sich keine Bedienungsfehler einschleichen können, ist die Einarbeitung in das Produkt und in einige kryptographische Grundbegriffe notwendig. Daher sollte sich in Organisationen ein Mitarbeiter in den Umgang mit PGP einarbeiten und als PGP-Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Dieser sollte dann die anderen Benutzer in die sichere Bedienung von PGP einweisen, insbesondere sollten Verschlüsselung, Signatur und Schlüsselmanagement intensiv geübt werden, bevor ein Benutzer PGP verwendet. Weiterhin ist es empfehlenswert, daß innerhalb einzelner Organisationen eine einheitliche Version von PGP verwendet wird, um die zuvor beschriebenen Kompatibilitätsprobleme zu vermeiden. Zu PGP gehört eine umfangreiche Dokumentation, die vor der Verwendung von PGP gelesen werden sollte. Da erfahrungsgemäß nicht alle Benutzer die Geduld aufbringen, diese zu lesen, empfiehlt es sich, eine schriftliche Einweisung auszuarbeiten, die auf die Organisationseigenheiten angepaßt ist. Falls Benutzer Fragen zu PGP haben, die über die mitgelieferte Dokumentation hinausgehen, gibt es diverse Möglichkeiten: - Zunächst gibt es im Internet eine Sammlung der häufigsten Fragen und Antworten (Frequently Asked Questions - FAQ) zu PGP sowie deutschsprachige Anleitungen und Ausführungen zum Thema PGP. - Über Newsgruppen wie alt.security.pgp, de.comp.security, sci.crypt ist es sehr schnell möglich, Antworten zu PGP-Problemen zu bekommen. _____________________________________________________________________ .......................................... 130 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.63 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Es gibt mehrere Bücher zu PGP. Schlüsselgenerierung Jeder Benutzer erzeugt bei PGP sein "Schlüsselpaar" selber. Hierbei sollten folgende Punkte beachtet werden: - Bei der Generierung der RSA-Schlüssel können verschiedene Schlüssellängen gewählt werden. Hierbei ist zu beachten, daß mit der Schlüssellänge die Entzifferungsresistenz zunimmt, aber auch die Performance sinkt. Als Schlüssellänge sollte daher 768 Bit oder besser 1024 Bit gewählt werden. - Passphrase Bei der Schlüsselerzeugung muß eine sogenannte "Passphrase" (auch "Mantra" genannt) eingegeben werden, die die Datei mit den privaten Schlüsseln vor unbefugtem Zugriff schützt. Wie jedes Paßwort sollte auch dieses nicht leicht zu erraten sein. Es kursieren z. B. trojanische Pferde, die gezielt die Datei mit den privaten Schlüsseln (SECRING.PGP) suchen und an Externe per E-Mail senden. Wenn dann die Passphrase zu einfach gewählt war, bietet sie Brute-ForceAngriffen (automatisiertes Paßwortraten) keinen ausreichenden Widerstand. Daher sollte die Passphrase mindestens aus zehn Zeichen bestehen und Sonderzeichen enthalten. - Benutzer-ID Zu den öffentlichen PGP-Schlüsseln gehört eine Benutzer-ID, die möglichst eindeutig sein sollte und zudem die E-Mail-Adresse enthält, z. B. benutzer@bsi.de. - Zur Schlüsselgenerierung benötigt PGP möglichst zufällige Startwerte. Daher wird der Benutzer gebeten, beliebigen Text einzutippen. Hierbei sollte besser "echter" Text eingegeben werden, z. B. kann dieser Absatz abgetippt werden. Einfach auf der Tastatur "herumklimpern" erzeugt meist schlechtere Ergebnisse. Schlüsselaufbewahrung Die privaten Schlüssel werden in der Datei SECRING.PGP gespeichert. Der Zugriff auf diese Datei ist zwar durch die Passphrase geschützt, trotzdem sollte sie nicht auf lokalen Netzen gehalten werden, nicht einmal auf nicht genügend gesicherten Stand-Alone-Systemen. Schlüsselringe (Sammlungen von Schlüsseln) sollten auf Diskette gespeichert werden, die der Benutzer sorgfältig verwahren muß. Der Einsatz von Chipkarten zur Schlüsselspeicherung ist vorzuziehen. Weiterhin sollte eine Sicherungskopie der Datei SECRING.PGP angelegt, sowie die Passphrase notiert werden. Die Sicherungskopie und die Passphrase sollten sicher und am besten getrennt verwahrt werden, damit nicht durch einen Festplattencrash oder durch Fehlbedienung der private Schlüssel verloren geht. Nachrichten, die mit dem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt worden sind, lassen sich in diesem Fall nicht mehr entschlüsseln. Das Aufschreiben und Hinterlegen der Passphrase an einem gesicherten Ort sollten hierbei als kritischer Vorgang betrachtet werden, die ausschließlich der _____________________________________________________________________ .......................................... 131 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.63 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Notfallvorsorge dienen. Die abgeschlossene Schublade eines Schreibtisches oder ähnlich "sichere" Orte können keinesfalls als Aufbewahrungsort für den geheimen Schlüssel oder für die Passphrase empfohlen werden. Schlüsselverteilung Damit ein Empfänger die digitale Signatur eines Senders einer Datei überprüfen kann bzw. damit der Sender eine Nachricht für einen bestimmten Empfänger verschlüsseln kann, benötigt er den öffentlichen Schlüssel seines Kommunikationspartners. Diesen kann er auf verschiedene Weisen erhalten, z. B. per Attachment einer E-Mail oder von einem WWW-Server, er muß sich aber davon überzeugen, daß dieser Schlüssel wirklich zu der angegebenen Person gehört. Für eine kryptographisch abgesicherte Zuordnung einer Person zu ihrem öffentlichen Schlüssel werden Zertifikate verwendet, die ein vertrauenswürdiger Dritter vergibt. Bei PGP kann jeder Benutzer die öffentlichen Schlüssel anderer Personen mit Zertifikaten beglaubigen. Ein Benutzer sollte einen öffentlichen Schlüssel aber nur dann zertifizieren, wenn er die Identität des Schlüsselinhabers kennt oder überprüft hat und der öffentliche Schlüssel persönlich übergeben wurde. Alternativ kann die Echtheit eines öffentlichen Schlüssels auch über den sogenannten "Fingerprint" verifiziert werden. Hierbei wird eine Zahlenfolge (Hashwert) aus dem öffentlichen Schlüssel berechnet und an diesen angehängt. Nach Übersendung eines öffentlichen Schlüssels kann nun mit dem Absender diese Zahlenfolge, z. B. telefonisch, verglichen werden, um nach der Bestätigung des Fingerprints den übersandten öffentlichen Schlüssel zu zertifizieren. Zertifizierungshierarchie - Web of Trust – Internet-Keyserver Prinzipiell kann PGP sowohl in einer Zertifizierungshierarchie als auch in einem "Web of Trust" eingesetzt werden. Beim "Web of Trust" wird auf die Zertifikate anderer Benutzer vertraut, in einer Zertifizierungshierarchie beglaubigen vertrauenswürdige Dritte, sogenannte Zertifizierungsstellen, die Schlüssel aller ihrer Benutzer auf zuverlässige und nachvollziehbare Weise. In einem Unternehmen oder einer Behörde sollte im Intranet eine Zertifizierungshierarchie aufgebaut werden. Der PGP-Betreuer sollte alle Schlüssel für seinen Organisationsbereich bzw. für die gesamte Organisation zertifizieren. Die zertifizierten öffentlichen Schlüssel sollten im Intranet auf einem Server allen Mitarbeitern zugänglich sein, der Zugriff auf diesen Bereich sollte dabei ausschließlich "lesend" (Read-only) sein. Die Methode des "Web of Trust" sollte nur für die private Kommunikation benutzt werden. Im Internet können öffentliche PGP-Schlüssel auf sogenannten Keyservern eingestellt werden. Diese dürfen aber keinesfalls mit Zertifizierungsstellen verwechselt werden. Keyserver nehmen Schlüssel von überall in Empfang und verteilen sie auf Anfrage weiter. Es sollte klar sein, daß Schlüssel, die man von einem Keyserver erhält, von diesem in keiner Weise überprüft wurden. Um die Echtheit eines öffentlichen Schlüssels, der auf einem Keyserver eingestellt wurde, nachzuprüfen, sollte dies mit Hilfe des bereits erwähnten Fingerprints durchgeführt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 132 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.63 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Eigensignatur des öffentlichen Schlüssels Durch die Selbstsignatur des öffentlichen Schlüssels wird nur die Benutzer-ID als Teil eines öffentlichen Schlüssels von PGP unterschrieben. Mit Hilfe dieser Selbstsignatur ist es möglich, einen Denial-of-Service-Angriff (siehe G 5.28 Verhinderung von Diensten) zu entdecken, dieser kann jedoch durch die Selbstsignatur des öffentlichen Schlüssels nicht verhindert werden. Da die Benutzer-ID eines öffentlichen Schlüssels nicht verschlüsselt ist, kann sie verfälscht werden. Dies hätte zur Folge, daß bei Verwendung dieses "verfälschten" Schlüssels, die verschlüsselten E-Mails den Eigentümer dieses Schlüssels nicht mehr erreichen, da sie an eine andere E-Mail-Adresse umgeleitet werden. Die Vertraulichkeit der verschlüsselten Nachricht wird hierdurch nicht gefährdet, da das Entschlüsseln der Nachricht ausschließlich mit dem privaten Schlüssel erfolgen kann. Key Recovery Falls die zur Verschlüsselung benutzten Schlüssel verloren gehen, sind im allgemeinen auch die damit geschützten Daten verloren. In den kommerziellen Versionen ab 5.0 bietet PGP Funktionen zur Datenwiedergewinnung für solche Fälle an. Diese Funktionen werden auch als Key Recovery bezeichnet. Diese Funktionalität kann durch Wiederherstellung gespeicherter, verschlüsselter Daten einem Datenverlust vorbeugen, wenn ein Schlüssel oder das Zugriffspaßwort verloren ging. Wenn die Wiedergewinnungsfunktion genutzt werden soll, müssen ein oder zwei zusätzliche Schlüssel (ADK, Additional Decryption Keys) erzeugt werden. Bei der Schlüsselgenerierung werden diese "Nachschlüssel" an die neu erzeugten Schlüssel angebunden und alle Daten, die mit den neuen Schlüsseln verschlüsselt werden, enthalten zusätzlich eine Verschlüsselung des Sitzungsschlüssels mit den ADKs. So ist es im Notfall möglich, die Daten unter Verwendung dieser ADKs, ohne Nutzung des Originalschlüssels zu entschlüsseln. Damit bietet PGP die Funktion "Message Recovery" ohne zentrale Speicherung der Wiederherstellungsinformationen. Die Nutzung des Key Recovery kann durch entsprechende Voreinstellungen der Clients erzwungen werden, so daß diese Funktionalität nicht von den einzelnen Benutzern unterlaufen werden kann. Allerdings hängt dann die Sicherheit der gesamten Verschlüsselung von der Vertraulichkeit der ADKs ab. Sind diese offengelegt, können alle Daten mit ihnen entschlüsselt werden. Um einem Mißbrauch dieser höchst sensitiven Funktion vorzubeugen, ist es unabdingbar, daß die ADKs durch ein besonders sorgfältig ausgewähltes, sicher verwahrtes Paßwort geschützt werden. Zusätzlich können ab der PGPVersion 6.0 Schlüssel auch in mehrere Teile aufgeteilt werden, so daß zu ihrer Nutzung mehrere Personen gemeinsam aktiv werden müssen. Diese Form der Vier-Augen-Kontrolle sollte bei Einsatz von ADKs unbedingt genutzt werden. Als weiterer Schutz kann vorgesehen werden, daß Benutzer jedesmal gewarnt werden, wenn sie Daten mit einem Schlüssel verschlüsseln, an den ADKs angebunden werden. Ehe PGP mit Key Recovery eingesetzt wird, sollten die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden. Auf der einen Seite wird zwar einem Datenverlust durch Verlust des Schlüssels vorgebeugt, auf der anderen Seite _____________________________________________________________________ .......................................... 133 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.63 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... entsteht ein zentraler Schwachpunkt des Verschlüsselungssystems. Diese Funktion sollte daher nur dann genutzt werden, wenn PGP zur Verschlüsselung gespeicherter Daten eingesetzt wird. Bei einer Nutzung rein für die Kommunikationssicherung kann bei einem Schlüsselverlust auch einfach erneut die E-Mail angefordert werden. Es sollte auch geprüft werden, ob als Alternative die Hinterlegung des Paßworts an einer sicheren Stelle in einem geschlossenen Umschlag und die Erstellung von Sicherheitskopien der privaten Schlüsseldateien nicht zu bevorzugen wäre. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Benutzer im Umgang mit PGP geschult? - Werden Daten und Schlüssel getrennt aufbewahrt? - Werden Sicherungskopien der privaten Schlüssel angelegt? Werden diese an einem gesicherten Ort aufbewahrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 134 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.64 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.64 Secure Shell Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Benutzer Ohne spezielle Erweiterungen bieten die Protokolle telnet und ftp nur rudimentäre Mechanismen zur Authentifizierung. In der Regel wird eine einfache Abfrage von Benutzerkennung und Paßwort durchgeführt, die dann ebenso wie die Nutzdaten - im Klartext gesendet werden. Die Vertraulichkeit der Authentifizierungs- und Nutzdaten ist also nicht gesichert. Die verwandten Protokolle rsh, rlogin und rcp, die oft unter der Bezeichnung r-Dienste zusammengefaßt werden, weisen ähnliche Sicherheitsmängel auf. Secure Shell (ssh) kann als Ersatz für die r-Dienste genutzt werden, wobei umfangreiche Funktionen zur sicheren Authentifizierung und zur Wahrung von Vertraulichkeit und Integrität zum Einsatz kommen. Hierzu wird ein hybrides Verschlüsselungsverfahren, also eine Kombination aus asymmetrischer und symmetrischer Verschlüsselung, verwendet. Angesiedelt ist die Secure Shell auf Schicht 7 (Anwendungsschicht) des ISO/OSI-Referenzmodells, allerdings können auch andere Protokolle wie das X11-Protokoll, das von der graphischen Oberfläche X-Windows verwendet wird, über ssh transportiert werden. Derzeit basiert Secure Shell auf drei Protokollen, die aufeinander aufbauen und für die jeweils ein Internet-Draft existiert. - Das unterste Protokoll ist das Transport Layer Protocol. Dieses Protokoll leistet den Großteil der Sicherungsfunktionen von ssh, nämlich Authentifizierung auf Host-Ebene, Verschlüsselung und Schutz der Datenintegrität. Die kryptographischen Algorithmen sind zwischen den Kommunikationspartnern aushandelbar. - Das mittlere Protokoll ist das User Authentication Protocol. Dies erlaubt die Authentifizierung auf Benutzer-Ebene, wobei auch hier das Verfahren ausgehandelt werden kann. Wenn zur Authentifizierung eine einfache Übertragung von Benutzerkennung und Paßwort verwendet wird, so ist die Vertraulichkeit dieser Informationen gegenüber dem Kommunikationsweg durch das darunterliegende Transport Layer Protocol gesichert. Empfohlen wird jedoch die Authentifizierung durch ein Public-Key-Verfahren. - Das Connection Protocol baut auf den beiden vorhergehenden Protokollen auf und erlaubt den Aufbau von mehreren logischen Nutzkanälen. Die Daten auf diesen Nutzkanälen werden gemeinsam über eine einzelne abgesicherte Secure Shell-Verbindung übertragen. Für alle gängigen Unix-Betriebssysteme existieren Implementierungen sowohl von ssh-Clients als auch von ssh-Servern. Darüber hinaus gibt es ssh-Clients unter anderem für 32 Bit Windows, OS/2, Macintosh und als Java-Applet. Grundsätzlich ist der Einsatz von Secure Shell zu empfehlen, wenn die Funktionalitäten der r-Dienste über Kommunikationskanäle genutzt werden, die nicht ausreichend gegen Kompromittierung und/oder Manipulation gesichert sind (z. B. über das Internet). Im folgenden werden einige Hinweise für den sicheren Einsatz von ssh gegeben. _____________________________________________________________________ .......................................... 135 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.64 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Von besonderer Bedeutung ist die Gefährdung durch sogenannte man-in-themiddle-Attacken. Hierbei filtert der Angreifer den gesamten Verkehr zwischen den Kommunikationspartnern und reicht gefälschte öffentliche Schlüssel weiter. Ist es den Kommunikationspartnern nicht möglich, die öffentlichen Schlüssel zu prüfen, kann der Angreifer den gesamten Verkehr lesen und manipulieren, indem er die Daten jeweils selbst entschlüsselt, dann liest bzw. modifiziert und schließlich mit einem anderen Schlüssel verschlüsselt und weiterleitet. Dies kann mit Hilfe eines geeigneten Schlüssel/Zertifikatmanagements verhindert werden. Beim praktischen Einsatz von Secure Shell wird jedoch oft eine Kompromißlösung angewandt, die den Einsatz von ssh ohne jede zusätzliche Infrastruktur erlaubt. Dabei wird bei einem Verbindungsaufbau zu einem Host, dessen öffentlicher Schlüssel noch nicht bekannt ist, dieser über das unsichere Netz gesendet und in einer lokalen Datenbank abgelegt. Bei allen nachfolgenden Verbindungen mit diesem Host kann dessen öffentlicher Schlüssel dann anhand der lokalen Datenbank überprüft werden. Im Rahmen des Sicherheitskonzeptes muß geklärt werden, ob dieses Verfahren, das eine reduzierte Sicherheit gegenüber man-in-the-middleAngriffen bietet, für die vorliegende Anwendung ausreichend ist. In den Internet-Drafts sind kryptographische Verfahren festgelegt, die von den Secure Shell-Implementierungen zur Verfügung gestellt werden müssen. Optional können jedoch zusätzliche kryptographische Algorithmen implementiert werden. Die tatsächlich benutzten Verfahren werden beim Verbindungsaufbau ausgehandelt. Durch Wahl geeigneter Client- und ServerProgramme und durch entsprechende Konfiguration ist sicherzustellen, daß sich ssh-Client und ssh-Server auf qualifizierte kryptographische Algorithmen einigen, die den Sicherheitsanforderungen genügen. Wenn ssh zum Einsatz kommt, sollten nach Möglichkeit alle anderen Protokolle, deren Funktionalität durch Secure Shell abgedeckt wird, also z. B. die rDienste und telnet, vollständig abgeschaltet werden, damit die Sicherheitsmaßnahmen nicht umgangen werden können. Dies setzt allerdings voraus, daß alle Kommunikationspartner über geeignete Implementierungen verfügen. Von älteren Implementierungen von ssh sind sicherheitsrelevante Programmfehler bekannt. Es sollte daher eine Version verwendet werden, bei der solche Mängel beseitigt sind. Die Kompatibilität zwischen Implementierungen, deren Programmversionen sich stark unterscheiden, ist u. U. problematisch. Ein Mischbetrieb sollte deshalb möglichst vermieden werden. Zu beachten ist, daß beim Einsatz von ssh über Firewalls eine inhaltssensitive Kontrolle des Datenstroms nicht mehr möglich ist. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden r-Dienste oder ähnliche Protokolle über unsichere Kommunikationskanäle genutzt? - Wie ist bei der Nutzung von Secure Shell die Verifizierung von öffentlichen Host-Schlüsseln geregelt (z. B. organisatorische Maßnahmen)? - Wird eine Version von Secure Shell genutzt, bei der alle bekannten Sicherheitsmängel behoben sind? _____________________________________________________________________ .......................................... 136 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.65 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.65 Einsatz von S-HTTP Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Benutzer Secure HTTP (S-HTTP) erlaubt es, Nachrichten zu sichern, die zwischen einem HTTP-Client und einem HTTP-Server ausgetauscht werden. S-HTTP stellt als Erweiterung von HTTP folgende Mechanismen zur Verfügung: - Authentisierung von Instanzen, - Aushandeln von Sicherungsdiensten, - Schutz der Vertraulichkeit und Integrität von HTML-Dokumenten durch kryptographische Prüfsummen und Verschlüsselung. S-HTTP schützt übergebene HTTP-Daten auf Seite des Senders durch Verschlüsselung oder Anhängen einer kryptographisch erzeugten Prüfsumme und übergibt die geschützten Daten dem Transportsystem. Die so geschützten Daten werden zum Empfänger übertragen. Auf der Seite des Empfängers werden die gekapselten Daten vom Transportsystem dem lokalen S-HTTP übergeben. Dieses entschlüsselt die geschützten HTTP-Daten und übergibt sie der HTTP-Anwendung. Die Sicherungsdienste basieren auf den Algorithmen RSA, DES, RC2, MD2 und MD5 (siehe hierzu auch M 3.23 Einführung in kryptographische Grundbegriffe). Durch eine optionale Verhandlungsphase vor jeder Übertragung können bei S-HTTP die Sicherheitspolitik und die zu verwendenden kryptographischen Algorithmen ausgewählt werden. Daneben können auch verschiedene kryptographische Sicherheitsmechanismen in S-HTTP eingebunden werden, so zum Beispiel PKCS-7 (Cryptographic Message Syntax) und PEM. Durch die optionale Verhandlungsphase ist Interoperabilität zwischen S-HTTP-Clients und Servern, die kein S-HTTP verwenden, gewährleistet. Die wesentlichen Unterschiede zu SSL (siehe M 5.66) sind: - S-HTTP muß in WWW-Clients und -Servern auf Applikationsebene integriert werden. - S-HTTP bietet die Sicherungsdienste auf Basis des Inhalts der HTMLDokumente, wohingegen SSL den HTTP-Kommunikationskanal schützt. S-HTTP dient zur Sicherung von WWW-Anwendungen. Dennoch können bösartige Applets bzw. MIME-codierte ausführbare Programme trotz der Sicherung oder gerade deswegen auf interne Systeme gelangen. _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 138
M 5.66 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.66 Verwendung von SSL Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Benutzer Das bei der WWW-Nutzung am häufigsten verwendete Sicherheitsprotokoll ist SSL ("Secure Socket Layer"). SSL ist von Netscape entwickelt worden und wird von allen aktuelleren Browsern unterstützt. Mit SSL können Verbindungen abgesichert werden - durch Verschlüsselung der Verbindungsinhalte, - durch Überprüfung der Vollständigkeit und Korrektheit der übertragenen Daten, - durch Prüfung der Identität des Servers und - optional durch Prüfung der Identität der Client-Seite. Bei SSL wird eine Verbindung zwischen dem Browser eines Benutzers und dem Server eines Anbieters aufgebaut, über die zunächst die Zertifikate mit den öffentlichen Schlüsseln ausgetauscht werden. Anschließend wird geschützt durch das asymmetrische Verschlüsselungsverfahren RSA ein symmetrischer Schlüssel sicher ausgetauscht. Für die Verschlüsselung der eigentlichen Datenübertragung wird nun ein symmetrisches Verfahren benutzt, da dies große Datenmengen schneller verschlüsseln kann. Bei jeder Transaktion wird ein anderer symmetrischer Schlüssel als "Session Key" ausgehandelt, mit dem dann die Verbindung verschlüsselt wird. Außerdem kann bei der Datenübertragung noch zur Datenkompression ein Hashverfahren eingesetzt werden. Ein Benutzer kann WWW-Seiten, die eine SSL-gesicherte Datenübertragung ermöglichen, beispielsweise daran erkennen, daß die Adresse um ein "s" erweitert ist (https://www...), daß am unteren Bildschirmrand im Netscape Navigator der sonst unterbrochene Schlüssel geschlossen ist oder daß im Internet Explorer das Vorhängeschloß geschlossen statt offen ist. Die Nutzung von SSL ist nicht auf HTTP-Clients und -Server beschränkt. Auch Anwendungen wie Telnet oder FTP können SSL zur sicheren Kommunikation nutzen. Allerdings setzt dies voraus, daß die betreffenden Clients und Server jeweils dafür angepaßt werden. SSL besteht aus zwei Schichten. Auf der oberen Schicht arbeitet das SSL Handshake Protokoll. Dieses dient dem Client und dem Server dazu, sich gegenseitig zu identifizieren und zu authentisieren sowie dazu, für den anschließenden Datenverkehr einen Schlüssel und einen Verschlüsselungsalgorithmus auszuhandeln. Die untere Schicht, das SSL Record Protokoll, das die Schnittstelle zur TCP-Schicht bildet, ver- und entschlüsselt den eigentlichen Datenverkehr. Da SSL für den Zugriff auf TCP auf der SocketSchnittstelle aufsetzt und diese durch eine sicherheitserweiterte Version ersetzt, ist sie auch für andere Dienste verwendbar. SSL läuft dadurch auch transparent im Hintergrund jedes Internet-Dienstes ab. Die Benutzer müssen nur bei Wahl eines Zertifikates aktiv werden. Ihnen fehlt somit - im Gegensatz zu S-HTTP - die Möglichkeit, die Sicherheitsfunktionen zu konfigurieren und _____________________________________________________________________ .......................................... 139 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.66 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... ihren speziellen Sicherheitserfordernissen anzupassen. Dagegen mag SSL für Nutzer komfortabler erscheinen, die sich nicht bei jeder Web-Anfrage mit der Konfiguration von Sicherheitsfunktionen aufhalten wollen. SSL sollte nur ab Version 3 eingesetzt werden, da hier durch die zusätzliche Server-Authentikation keine "Man-in-the-Middle"-Angriffe wie bei SSLv2 mehr möglich sind. Schlüssellänge Bei SSL können verschiedene kryptographische Algorithmen mit verschiedenen Schlüssellängen eingesetzt werden, so z. B. RC2 oder RC4 mit 40 oder 128 Bit Schlüssellänge, DES mit 56 Bit Schlüssellänge, Tripel-DES mit 112 Bit Schlüssellänge, IDEA mit 128 Bit Schlüssellänge und als Hashfunktionen z. B. MD5 oder SHA-1 (siehe hierzu auch M 3.23 Einführung in kryptographische Grundbegriffe). Beim Verbindungsaufbau müssen sich Client und Server auf die in der Sitzung verwendeten Verfahren einigen. In Browsern US-amerikanischer Hersteller sind aufgrund der US-Exportrestriktionen nur Verschlüsselungsverfahren mit extrem kurzen Schlüssellängen (40 Bit) integriert. Diese halten Brute-Force-Angriffen, d. h. Angriffen durch einfaches Ausprobieren aller möglichen Schlüssel, nicht lange stand. Bei einem geringen Schutzbedarf der übertragenen Daten kann diese kurze Schlüssellänge ausreichend sein und schützt zumindest vor Gelegenheitstätern. Ansonsten sollte zur Behebung dieses Mankos auf Zusatzprodukte einheimischer Hersteller zurückgegriffen werden, die auch innerhalb von Standard-Browsern die Benutzung längerer Schlüssel ermöglichen. Hierzu kann auch Public Domain Software wie SSLeay oder OpenSSL eingesetzt werden. Zertifikate Ein schwieriges Problem bei der Datenkommunikation über offene Netze ist die Überprüfung der Identität der Kommunikationspartner, da man sich nicht darauf verlassen kann, daß Namensangaben korrekt sind. Bei SSL erfolgt die Überprüfung der Identität des Kommunikationspartners über sogenannte Zertifikate. Zertifikate enthalten deren öffentliche Schlüssel sowie eine Bestätigung einer weiteren Instanz über die korrekte Zuordnung des öffentlichen Schlüssels zu dessen "Besitzer", hier also ein Server oder Client. Der Wert eines Zertifikates hängt also nicht zuletzt davon ab, wie vertrauenswürdig diese Bestätigungsinstanz (auch Trustcenter oder Zertifizierungsstelle genannt) ist. Die Echtheit des Zertifikates läßt sich wiederum mit dem öffentlichen Schlüssel der Bestätigungsinstanz überprüfen. Bei SSL sind drei Varianten von Zertifikaten zu unterscheiden: - Benutzerzertifikate, die für eine Client-Authentisierung benötigt werden, - Zertifikate von Zertifizierungsstellen, wobei manche Zertifizierungsstellen mehrere Zertifikate haben, je nach der zugrundegelegten Sicherheitspolitik, und - Zertifikate von Software-Herstellern bzw. Betreibern von Webseiten. Alle Browser enthalten bereits bei der Installation SSL-Zertifikate einiger Zertifizierungsstellen. Diese Zertifizierungsstellen haben sehr unterschiedliche _____________________________________________________________________ .......................................... 140 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.66 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Sicherheitsleitlinien und Bedingungen, unter denen sie Zertifikate erteilen. Daher sollten zunächst alle Zertifikate ausgeschaltet und erst dann wieder aktiviert werden, wenn man sich davon überzeugt hat, daß deren Sicherheitspolitik den eigenen Sicherheitsbedürfnissen genügt. Bei der Aufnahme eines neuen Zertifikates sollte darauf geachtet werden, dieses erst nach Überprüfung des "Fingerprints" zu aktivieren. Der Fingerprint ist eine hexadezimale Zahl, die zusammen mit dem Zertifikat übermittelt wird. Zusätzlich sollte sie auf einem anderen Weg übermittelt und verglichen werden, da diese die Korrektheit des Zertifikats sicherstellen soll. Betreiber von WWW-Servern, die mit den Besuchern ihrer WWW-Seiten sicherheitsrelevante Daten austauschen wollen, sollten hierzu einen kryptographisch abgesicherten Weg anbieten, also z. B. SSL. Hinweis: Sind die Benutzer durch eine Firewall vor aktiven Inhalten und Computer-Viren geschützt, so müssen sie bei der Verwendung von SSL eigene Schutzmaßnahmen gegen diese Gefährdungen treffen, wie z. B. in M 4.33 Einsatz eines Viren-Suchprogramms bei Datenträgeraustausch und Datenübertragung bzw. M 5.69 Schutz vor aktiven Inhalten beschrieben. Ergänzende Kontrollfragen: - Verträgt sich die Nutzung von SSL mit den vorhandenen Sicherheitsleitlinien für die Firewall bzw. für die Nutzung von WWW-Diensten? - Wissen die Benutzer, was bei der Nutzung von SSL zu beachten ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 141 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.67 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.67 Verwendung eines Zeitstempel-Dienstes Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Benutzer Die im Header einer E-Mail eingetragenen Zeitinformationen können relativ einfach manipuliert werden. Ist es erforderlich, den exakten Absende- oder Empfangszeitpunkt einer E-Mail zu kennen, muß ein Zeitstempeldienst benutzt werden. Ein Zeitstempel ist ein Zeiteintrag von einer neutralen Stelle, der nicht mehr zu verfälschen ist. Er wird von einem Zeitstempel-Server entweder vollautomatisch, d. h. transparent für den Benutzer, oder auf Anforderung durch den Absender aufgebracht. Ein Zeitstempel besteht aus einem Zeitstempel-Zertifikat, in dem das aktuelle Datum und die aktuelle Uhrzeit sowie die Identität des Zeitstempel-Dienstes selbst dokumentiert werden, sowie aus einer digitalen Signatur über E-Mail und Zertifikat. Hiermit dokumentiert und bestätigt der Zeitstempel die Existenz einer bestimmten Nachricht mit einem bestimmten Inhalt zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Sicherstellung der Authentizität der E-Mail durch den Zeitstempel setzt voraus, daß der Absender seinerseits die E-Mail digital signiert hat. Ein Zeitstempel-Dienst kann sowohl in einem internen Netz als auch im Internet angeboten und genutzt werden. Er nimmt als Server im Internet/Intranet signierte Dateien oder auch nur deren Signaturen entgegen und versieht diese mit einem synchronisierten Zeitstempel. Alles zusammen wird vom Zeitstempel-Dienst wiederum signiert und wahlweise an den Empfänger weitergeleitet oder auch zurück an den Absender geschickt. _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999 142
M 5.68 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.68 Einsatz von Verschlüsselungsverfahren zur Netzkommunikation Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Kommunikationsnetze transportieren Daten zwischen IT-Systemen. Dabei werden die Daten selten über eine dedizierte Kommunikationsleitung zwischen den an der Kommunikation beteiligten Partnern übertragen. Vielmehr werden die Daten über viele Zwischenstationen geleitet. Je nach Kommunikationsmedium und verwendeter Technik können die Daten von den Zwischenstationen unberechtigt abgehört werden, oder auch von im jeweiligen Vermittlungsnetz angesiedelten Dritten (z. B. bei der Verwendung des Ethernetprotokolls ohne Punkt-zu-Punkt-Vernetzung). Da die zu übertragenden Daten nicht von unberechtigten Dritten abgehört, verändert oder zur späteren Wiedereinspeisung in das Netz (Replay-Attacke) benutzt werden sollen, muß ein geeigneter Mechanismus eingesetzt werden, der dies verhindert. Verschlüsselung der Daten mit - wenn nötig - gegenseitiger Authentifizierung der Kommunikationspartner kann diese Gefahr (je nach Stärke des gewählten Verschlüsselungsverfahrens sowie der Sicherheit der verwendeten Schlüssel) reduzieren (siehe auch Kapitel 3.7 Kryptokonzept). In der Regel kommunizieren Anwendungen miteinander, um anwendungsbezogene Informationen auszutauschen. Die Verschlüsselung der Daten kann nun auf mehreren Ebenen geschehen: - Auf Applikationsebene: Die kommunizierenden Applikationen müssen dabei jeweils über die entsprechenden Ver- und Entschlüsselungsmechanismen verfügen. - Auf Betriebssystemebene: Die Verschlüsselung wird vom lokalen Betriebssystem durchgeführt. Jegliche Kommunikation über das Netz wird automatisch oder auf Anforderung verschlüsselt. - Auf Netzkoppelelementebene: Die Verschlüsselung findet zwischen den Netzkoppelelementen (z. B. Router) statt. Die einzelnen Mechanismen besitzen spezifische Vor- und Nachteile. Die Verschlüsselung auf Applikationsebene hat den Vorteil, daß die Verschlüsselung vollständig der Kontrolle der jeweiligen Applikation unterliegt. Ein Nachteil ist, daß zur verschlüsselten Kommunikation nur eine mit demselben Verschlüsselungsmechanismus ausgestattete Partnerapplikation in Frage kommt. Weiterhin können entsprechende Authentifizierungsmechanismen zwischen den beiden Partnerapplikationen zur Anwendung kommen. Im Gegensatz dazu findet die Verschlüsselung im Fall der Verschlüsselung auf Betriebssystemebene transparent für jede Applikation statt. Jede Applikation kann mit jeder anderen Applikation verschlüsselt kommunizieren, sofern das Betriebssystem, unter dem die Partnerapplikation abläuft, über den Verschlüsselungsmechanismus verfügt. Nachteilig wirkt sich hier aus, daß bei einer Authentifizierung lediglich die Rechner gegenseitig authentifiziert werden können, und nicht die jeweiligen Partnerapplikationen. _____________________________________________________________________ .......................................... 143 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.68 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Der Einsatz von verschlüsselnden Netzkoppelelementen besitzt den Vorteil, daß applikations- und rechnerseitig keine Verschlüsselungsmechanismen vorhanden sein müssen; die Verschlüsselung ist auch hier transparent für die Kommunikationspartner. Allerdings findet die Kommunikation auf der Strecke bis zum ersten verschlüsselnden Netzkoppelelement unverschlüsselt statt und birgt damit ein Restrisiko. Authentifizierung ist hier nur zwischen den Koppelelementen möglich. Die eigentlichen Kommunikationspartner werden hier nicht authentifiziert. Werden sensitive Daten über ein Netz (auch innerhalb des Intranets) übertragen, empfiehlt sich der Einsatz von Verschlüsselungsmechanismen. Bieten die eingesetzten Applikationen keinen eigenen Verschlüsselungsmechanismus an oder wird das angebotene Verfahren als zu schwach eingestuft, so sollte von der Möglichkeit der betriebssystemseitigen Verschlüsselung Gebrauch gemacht werden. Hier bieten sich z. B. Verfahren wie SSL an, die zur transparenten Verschlüsselung auf Betriebssystemebene entworfen wurden. Je nach Sicherheitspolitik können auch verschlüsselnde Netzkoppelelemente eingesetzt werden, etwa um ein virtuelles privates Netz (VPN) mit einem Kommunikationspartner über das Internet zu realisieren (Entsprechende Softwaremechanismen sind in der Regel auch in Firewall-Systemen (siehe Kapitel 7.3 Firewall) verfügbar.). Beim Einsatz von verschlüsselter Kommunikation und gegenseitiger Authentifizierung sind umfangreiche Planungen im Rahmen der Sicherheitspolitik eines Unternehmens bzw. einer Behörde nötig. Im Rahmen der hier angesprochenen Kommunikationsverschlüsselungen sind insbesondere folgende Punkte zu beachten: - Welche Verfahren sollen zur Verschlüsselung benutzt werden bzw. werden angeboten (z. B. in Routern)? - Unterstützen/Nutzen die eingesetzten Verschlüsselungsmechanismen existierende oder geplante Standards (IPSec, IPv4, IPv6, IKE)? - Sind gemäß der Sicherheitspolitik ausreichend starke Verfahren und entsprechend lange Schlüssel gewählt worden? - Werden die Schlüssel sicher aufbewahrt? - Werden die Schlüssel in einer sicheren Umgebung erzeugt, und gelangen sie auf sicherem Weg zum notwendigen Einsatzpunkt (Rechner, Softwarekomponente)? - Sind Schlüssel-Recovery-Mechanismen nötig? Bei der Nutzung von Zertifikaten zur Authentifizierung von Kommunikationspartnern sind hier ähnliche Fragestellungen zu beachten. _____________________________________________________________________ .......................................... 144 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.69 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.69 Schutz vor aktiven Inhalten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Bis vor kurzem galten Firewalls als der Schutz schlechthin vor Angriffen aus dem Internet auf das eigene Netz. Sie stellten sicher, daß aus dem Internet heraus kein Verbindungsaufbau in das interne Netz möglich war und interne Nutzer problemlos auf Informationen im Internet zugreifen konnten. Aufgrund der immer größeren Verbreitung von sogenannten aktiven Inhalten auf WWW-Seiten hat sich diese Situation allerdings geändert. Informationen aus dem Internet werden nicht mehr nur betrachtet, sondern teilweise wird beim Betrachten auch fremder Programmcode ausgeführt. Momentan ist hiermit Java, ActiveX und Javascript gemeint, künftig könnten auch noch weitere hinzukommen. Auch ist über sogenannte Plug-Ins das Starten anderer Programme aus dem Browser heraus möglich, teilweise sogar automatisch aus einer HTML-Seite heraus. Je nach Art dieser Programme ist mit ihrem Ausführen eventuell ein Sicherheitsrisiko verbunden. Um ein internes Netz vor Mißbrauch durch aktive Inhalte aus dem Internet zu schützen, sind aus heutiger Sicht mehrere Vorgehensweisen denkbar, die im folgenden anhand von Java, ActiveX und Javascript vorgestellt werden. Verbieten von aktiven Inhalten auf der Firewall Auch heute noch kann man sehr gut auf das Internet zugreifen, ohne wirklich aktive Inhalte zu benötigen. Dies ist die sicherste und deshalb empfohlene Methode für den Zugriff auf das Internet, da hiermit weiterhin die Firewall die Hauptkontrolle übernehmen kann. Um die Entgegennahme von aktiven Inhalten zu verhindern, benötigt man auf dem Application Gateway einen Proxy, der HTML-Seiten auf aktive Inhalte untersucht. Findet er diese, müssen sie aus der Seite herausgefiltert werden. Es gibt eine Reihe von Application Gateways, die diese Funktionalität bieten (siehe M 2.75 Geeignete Auswahl eines Application-Gateway). Es muß allerdings davon ausgegangen werden, daß diese Lösung, obwohl sie die sicherste ist, in Zukunft eine immer geringere Akzeptanz finden wird, da die Anzahl derjenigen Seiten zunimmt, wo der aktive Inhalt die eigentliche Information enthält. Wird der aktive Inhalt herausgefiltert, kann der interne Benutzer nicht mehr auf diese Information zugreifen. Hinweis: Auch in E-Mails können aktive Inhalte versteckt sein, daher sollten auch diese daraufhin überprüft werden. Da verschlüsselte Kommunikation nicht auf aktive Inhalte überprüft werden kann, dürfen bei zentraler Filterung SSL-basierte WWW-Zugriffe nicht erlaubt werden. Verbieten von aktiven Inhalten im WWW-Browser Bei zentral administrierten Arbeitsplatzrechnern ist es denkbar, die Rechte der einzelnen Benutzer so weit einzuschränken, daß diese die Sicherheitseinstellungen ihres WWW-Browsers nicht mehr ändern können. Diese könnten dann so konfiguriert werden, daß aktive Inhalte nicht ausgeführt werden. Hierbei kann dann auch auf dem Application Gateway auf die Filterung nach _____________________________________________________________________ .......................................... 145 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.69 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... aktiven Inhalten verzichtet werden, da aktive Inhalte unter diesen Umständen im internen Netz keinen Schaden mehr anrichten können. Eine andere Lösung ist, für den Zugriff auf das Internet nur bestimmte WWW-Browser zuzulassen. So gibt es nicht nur den Netscape Communicator und den Internet Explorer, sondern auch andere Browser, die keine Möglichkeiten zum Ausführen von aktiven Inhalten haben. Zum einen könnte die Verwendung solcher Browser durch eine entsprechende Verwaltung der Arbeitsplatzrechner sichergestellt werden. Hierbei müssen aber die Betriebssysteme der Arbeitsplatzrechner eine zuverlässige Rollentrennung zwischen Benutzer und Administrator bieten, damit vom Administrator voreingestellte Konfigurationen von den Benutzern nicht rückgängig gemacht werden können. Bei Betriebssystemen wie Windows 3.1 und Windows 95 sind daher zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen notwendig. Zum anderen könnte der Proxy auf der Firewall so eingerichtet werden, daß nur Internetzugriffe einer vorgegebenen Browser-Software erlaubt sind. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, daß die Sicherheit dieser Variante von der Kennung der verwendeten WWW-Browser abhängt. Mit einem HexEditor sollte ein versierter Benutzer keine Schwierigkeiten haben, einen WWW-Browser seiner Wahl so abzuändern, daß dieser die gewünschte Kennung hat. Sensibilisierung der Benutzer Es ist auch denkbar, die Verantwortung ganz in die Hände der Benutzer zu legen. Die aktiven Inhalte sollten im WWW-Browser im Regelfall abgeschaltet sein, die Benutzer haben aber die Erlaubnis, unter bestimmten Umständen auch aktive Inhalte auszuführen. Dies könnte z. B. der Fall sein, wenn sie auf das WWW-Informationsangebot eines bekannten Herstellers ohne aktive Inhalte nicht mehr zugreifen können. Insbesondere ActiveX erlaubt mit seinen verschiedenen Sicherheitseinstellungen, das Ausführen von ActiveX auf bestimmte WWW-Server zu beschränken, so daß der Benutzer nicht dauernd seine Einstellungen ändern muß. Es ist aber zu bezweifeln, daß ein Benutzer wirklich immer wieder die Sicherheitseinstellungen seines WWW-Browsers ändert, wenn er auf eine andere WWW-Seite wechselt, wo ihn z. B. ein Link vom "bekannten Hersteller" hingeführt haben könnte. Außerdem kann eine einzelne Web-Seite auf einem "sicheren" Rechner auch weitere Web-Seiten laden, die sich auf "unsicheren" Rechnern befinden. Darüber hinaus sind Angriffe im Internet möglich, bei denen ein Benutzer gar nicht die WWW-Seite bekommt, die er angefordert hat (siehe z. B. G 5.48 IP-Spoofing und G 5.78 DNS-Spoofing). Filterung bestimmter aktiver Inhalte In der letzten Zeit sind Programme entwickelt worden, die analog zu Computer-Virensuchprogrammen aktive Inhalte daraufhin untersuchen, ob darin sicherheitsgefährdender Code enthalten ist. Dies ist für die Benutzer eine sehr akzeptable Lösung, da diese dann auf alle ungefährlichen aktiven Inhalte zugreifen können. _____________________________________________________________________ .......................................... 146 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.69 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Es stellt sich allerdings die Frage, ob solche Programme wirklich einen Schutz bieten. So kann beispielsweise ein Virensuchprogramm nicht vor trojanischen Pferden schützen, und solche können natürlich auch beträchtlichen Schaden anrichten. Ausführen aktiver Inhalte in einer geschützten Umgebung Java und Javascript sind so in den WWW-Browsern implementiert, daß diese in einer sogenannten Sandbox ausgeführt werden. Wurde diese Sandbox richtig implementiert, so kann der aktive Inhalt nicht auf Daten außerhalb dieser Sandbox zugreifen. Zwar sind noch immer sogenannte Verfügbarkeitsattacken (Denial of Service: DOS) möglich, aber die Vertraulichkeit und Integrität anderer Daten ist nicht gefährdet. Dieses Sandbox-Verfahren kann noch weiter ausgedehnt werden. Hierfür bieten sich zwei Verfahren an: 1. Auf einem Betriebssystem mit Rollentrennung kann der WWW-Browser unter der Kennung eines Benutzers mit minimalen Rechten laufen. Dadurch können aktive Inhalte keinen Schaden anrichten, falls die Rechteprüfung korrekt funktioniert. Auf einem Unix-Rechner ist es z. B. möglich, einen WWW-Browser in einer change-root-Umgebung zu starten, in der der WWW-Browser nur noch Zugriff auf ein eingeschränktes Dateisystem hat. Sollte ein aktiver Inhalt Schaden anrichten, so kann er dies nur innerhalb dieser eingeschränkten Umgebung. Damit ein Benutzer von seinem Arbeitsplatzrechner aus arbeiten kann, muß der WWW-Browser auf diesem angezeigt werden, was beispielsweise über X-Windows möglich wäre. Auch mit Windows NT ist ein solcher Aufbau möglich. 2. Es gibt neuerdings Proxies (siehe z. B. www.digitivity.com), die dem Arbeitsplatzrechner das Ausführen von Java-Applets abnehmen, d. h. das Java-Applet wird auf dem Proxy ausgeführt, aber auf dem Arbeitsplatzrechner angezeigt. Verglichen mit dem ersten Verfahren stellt dieser Ansatz einen wesentlich schonenderen Umgang mit der verfügbaren Netzbandbreite dar. Empfehlung: 1. Aktive Inhalte in Form von ActiveX sollten, wenn überhaupt, nur dann ausgeführt werden, wenn sie aus einer vertrauenswürdigen Quelle kommen, d. h. wenn sie signiert sind, diese Signatur auch verifiziert wurde und der Signierer vertrauenswürdig ist. 2. Java und Javascript sollten, wenn überhaupt, nur dann erlaubt werden, wenn diese aus einer vertrauenswürdigen Quelle kommen, oder aber, wenn obige Sicherheitsmaßnahmen nachprüfbar umgesetzt worden sind. 3. Es wird empfohlen, aktive Inhalte nicht nur von den WWW-Browsern kapseln zu lassen, sondern auch von einem dafür geeigneten Betriebssystem zusätzlich einzuschränken. _____________________________________________________________________ .......................................... 147 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.70 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.70 Adreßumsetzung – NAT (Network Address Translation) Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Beim Anschluß bestehender Netze an das Internet, können die vorhandenen IP-Adressen oft nicht benutzt werden, da sie bereits an andere Rechner im Internet vergeben sind. Um nicht alle Rechner neu konfigurieren zu müssen, kann eine Adreßumsetzung von den internen zu den offiziell registrierten externen Adressen sinnvoll sein. Auch kann durch die Vergabe von IPAdressen im lokalen Netz auch auf dessen Struktur rückgeschlossen werden. Diese Kenntnis könnte von einem potentiellen Angreifer ausgenutzt werden. Häufig werden im lokalen Netz auch mehr IP-Adressen benötigt, als offiziell registriert sind. Eine Umsetzung der internen in eine oder mehrere offiziell registrierte IPAdressen und umgekehrt kann über einen Proxy-Server oder eine andere Adreßumsetzungskomponente erfolgen. Dieser stellt extern nur die offiziellen Adressen zur Verfügung und leitet die Datenpakete an die jeweiligen internen Rechner weiter. Da extern nur die externen Adressen und intern nur die internen verwendet werden, muß die Adreßumsetzung am Gateway des lokalen Netzes zum Internet erfolgen. Einige Router und Paketfilter bieten die Möglichkeit einer Adreßumsetzung ohne den Einsatz eines Proxies. Hier werden die Header aller IP-Pakete im Router oder Paketfilter geändert. Dies kann entweder statisch oder aber dynamisch geschehen. Die statische Adreßumsetzung ist einfach und schnell. Es wird jeder internen Adresse genau eine externe zugeordnet. Hierzu benötigt man natürlich für jede interne Adresse genau eine externe. Häufiger findet heute die dynamische Adreßumsetzung Verwendung. Insbesondere wenn die Anzahl der internen IP-Adressen größer ist als die der extern sichtbaren ist sie Voraussetzung. Im Router oder Paketfilter wird eine Zuordnungstabelle geführt, in der die internen Adressen mit dazugehöriger Portnummer eines Pakets einer externen Adresse mit neuer Portnummer gegenübergestellt wird. Häufig wird nach außen hin nur eine IP-Adresse sichtbar gemacht, die über die Portnummer-Zuordnung alle internen IPAdressen verbirgt. Eine Folge der dynamischen Adreßumsetzung ist, daß ein Verbindungsaufbau zu einem internen Rechner aus dem Internet im Normalfall nicht möglich ist. Werden intern IP-Adressen genutzt, die bereits im Internet vergeben sind, so kann der entsprechende Internet-Rechner aus dem lokalen Netz nicht mehr erreicht werden. Als Ausweg kann hier auf verschiedene Bereiche von IPAdressen zurückgegriffen werden, die nicht im Internet vergeben werden (sogenannte private IP-Adressen). Bestimmte Dienste müssen bei Adreßumsetzung besonders behandelt werden (z. B. traceroute oder ftp). Um keine Informationen über die Struktur des eigenen Netzes nach außen bekannt zu machen, sollte eine Adreßumsetzung am Internetgateway durchgeführt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die internen Adressen und die interne Netzstruktur nicht nach außen bekannt gegeben? _____________________________________________________________________ .......................................... 148 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.71 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.71 Intrusion Detection und Intrusion Response Systeme Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Eine der wesentlichen Aufgaben eines Firewall-Administrators ist es, die anfallenden Protokolldaten zu analysieren, um dadurch Angriffe zeitnah erkennen zu können. Aufgrund der Fülle der Daten und der Vielzahl und Komplexität der verschiedenen Angriffsmöglichkeiten entsteht dadurch ein beträchtlicher Arbeitsaufwand. Intrusion Detection (ID) und Intrusion Response (IR) Systeme können hierbei helfen. Ziel eines ID-Systems muß es sein, einen durchschnittlichen Administrator soweit zu unterstützen, daß dieser auch ohne tiefgreifende Kenntnisse im Bereich Internet-Sicherheit in der Lage ist, einen Angriff in einer großen Anzahl von Protokolldaten zu erkennen. IR-Systeme dagegen dienen dazu, automatisch Gegenmaßnahmen einzuleiten, sobald ein Angriff erkannt wurde. Im Idealfall verfügen diese Programme über ebensoviel Informationen wie ein guter Administrator und sind daher in der Lage, in beliebigen Protokolldaten nicht nur einen Angriff zu erkennen, sondern auch noch Aussagen über die Stärke der Bedrohung und die notwendigen Gegenmaßnahmen zu machen. Zur Zeit ist dies allerdings noch ein Gebiet, welches intensiv erforscht wird, so daß wesentliche Verbesserungen an den vorhandenen Programmen jederzeit möglich sind. Intrusion Detection Systeme lassen sich im wesentlichen in zwei Klassen einteilen: Signaturanalyse und Anomalie-Erkennung. Die Signaturanalyse beruht auf der Annahme, daß sich viele Angriffe anhand einer bestimmten Abfolge von Protokolldaten erkennen lassen. Ein Beispiel ist das sogenannte Portscanning. Als Vorarbeit für einen Angriff wird zunächst festgestellt, welche Dienste auf dem angegriffenen Rechner ansprechbar sind, d. h. zu welchen TCP-Ports eine Verbindung aufgebaut werden kann. Hierzu wird mit Hilfe eines Programms ein Verbindungsaufbaupaket nacheinander an alle TCP-Ports geschickt. Erfolgt ein Verbindungsaufbau, ist dort ein Dienst installiert und kann angegriffen werden. Die entsprechende Signatur, also Erkennungsmerkmal, dieses Angriffs ist einfach: Verbindungsaufbaupakete, die nacheinander an alle TCP-Ports geschickt werden. Es zeigen sich aber auch sofort die Probleme bei dieser Art der Angriffserkennung: In welcher Reihenfolge müssen die Ports angesprochen werden und in welchen zeitlichen Abständen, damit ein Angriff von einem normalen Betrieb unterschieden werden kann? Aktuelle PortscanningProgramme arbeiten so, daß nicht nacheinander Port 1, Port 2 bis Port n angesprochen werden, sondern dies in zufälliger Reihenfolge erfolgt. Auch können die Pakete nicht direkt nacheinander verschickt werden, sondern in zufälligen Zeitabständen (z. B. 1 s, 100 ms, 333 ms, 5 s ...). Dies macht die Erstellung einer Signatur schwierig. Eine subtile Variante des Portscanning besteht darin, einzelne Pakete von verschiedenen Quell-Adressen zu senden. In Verbindung mit der oben _____________________________________________________________________ .......................................... 149 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.71 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... aufgezeigten zeitlich versetzten Initiierung der Pakete ist die Wahrscheinlichkeit gegenwärtig sehr hoch, daß ein solcher Angriff unerkannt bleibt. Bei der Anomalie-Erkennung geht man andererseits davon aus, daß sich das normale Verhalten der Nutzer oder Rechner statistisch erfassen läßt und wertet Abweichungen hiervon als Angriff. Ein Beispiel hierfür ist der Zeitraum, in dem eine Benutzerin normalerweise an ihrem Rechner angemeldet ist. Arbeitet sie z. B. fast immer Montags bis Freitags in der Zeit von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr mit Abweichungen von maximal 2 Stunden, so kann eine Aktivität am Samstag oder um 24.00 Uhr als Angriff gewertet werden. Das Problem bei der Anomalie-Erkennung ist die Festlegung des normalen Verhaltens. Hierfür lassen sich zwar mit Hilfe von Schwellwerten oder Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen einige Aussagen machen. Ob es sinnvoll ist, eine Aktivität des Benutzers A am Montag um 19.10 Uhr sofort als Angriff zu bewerten, erscheint fraglich. Auch ändert sich das normale Verhalten eines Benutzers in Regel, so daß eine Anpassung vorgenommen werden muß. Wer aber sagt dem ID-System, daß diese Verhaltensänderung regulär ist und kein Angriff? Des weiteren ist eine Unterteilung der ID-Systeme nach der Art der Datenaufnahme sinnvoll. Diese kann entweder mit Hilfe eines dedizierten Sniffers irgendwo im Netz erfolgen (Netzbasiertes ID-System), oder Teil der normalen Protokollierungsfunktionalität auf einem der angeschlossenen Rechner (Hostbasierte ID-Systeme) sein. Beides hat Vor- und Nachteile. Die netzbasierten Systeme haben zwar die Möglichkeit, einen umfassenden Angriff, der gleichzeitig verschiedenen Rechner betrifft, leichter zu erkennen. Es ist aber erheblich schwieriger, komplexe Angriffe (z. B. über weitere Zwischenstationen) auf einen Rechner zu erkennen. Darüber hinaus können netzbasierte Systeme keine verschlüsselten Daten analysieren. Für die hostbasierten ID-Systeme gilt andererseits, daß für ihren Einsatz u. U. umfangreiche Änderungen an den Protokollierungsfunktionen der Rechner notwendig sind. Da auch bei der automatischen Auswertung von Protokollinformationen die Datenschutzbestimmungen oder Personalvereinbarungen beachtet werden müssen, kann es u. U. notwendig werden, diese Daten pseudonymisiert abzulegen. Vor der Kopplung von ID-, IR-System und Firewall sollten folgende Aspekte beachtet werden: - Ist es möglich, gezielt einen Angriff auf die Firewall zu initiieren, der vom ID-System irrtümlich als echter Angriff gewertet wird? Eine daraufhin vom IR-System ausgelöste Sperrung bestimmter Dienste über die Firewall kann erhebliche Konsequenzen auf die Verfügbarkeit haben. Die Interaktion zwischen ID-, IR-System und Firewall sollte hinreichend transparent dokumentiert sein. Nur so ist es möglich, zu _____________________________________________________________________ .......................................... 150 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.71 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... jedem Zeitpunkt abzuschätzen, von wem die Firewall administriert wird: vom IR-System oder vom Administrationspersonal. Im Zweifelsfall sollten Entscheidungen des Administrationspersonals Vorrang haben. Um Angriffe gegen ein ID-System selbst auszuschließen, sollten diese vom Netz her weitestgehend unsichtbar sein. Einfachste Maßnahme ist die Zuweisung einer IP-Adresse, die im Internet nicht geroutet wird. Empfohlen sei weiterhin die Deaktivierung des ARP-Protokolls für das entsprechende Interface, so dass weder auf ARP- noch auf IP-Pakete reagiert _____________________________________________________________________ .......................................... 151 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 5.72 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.72 Deaktivieren nicht benötigter Netzdienste Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um auf einem Unix-System alle nicht benötigten Netz-Dienste zu deaktivieren, ist folgendermaßen vorzugehen: Für den Start von Netzdiensten gibt es unter Unix zwei Möglichkeiten: über den Serverdienst inetd, der in der Datei /etc/inetd.conf konfiguriert wird, und über die Startup-Dateien, die sich in /etc/rc.d/init.d bzw. /etc/init.d befinden. Zum Abschalten nicht benötigter Dienste in der Datei /etc/inetd.conf muß die jeweilige Zeile mit # auskommentiert werden. Bei einer Standardinstallation sind in der Regel mehr Dienste konfiguriert als nötig sind. Darunter befinden sich immer wieder Dienste, die eine Gefährdung darstellen können. Daher sollten so wenig Dienste wie möglich freigeschaltet werden, also nur die Dienste, die auf dem jeweiligen System unabdingbar benötigt werden (siehe auch M 4.95 Minimales Betriebssystem und M 4.97 Ein Dienst pro Server). Die Dienste, die durch die Startup-Dateien initiiert werden, werden über Links aus den Unterverzeichnissen /etc/rcX.d oder /etc/rc.d/rcX.d referenziert, wobei X für das jeweilige Unix-Runlevel steht, in dem die Startup-Datei aufgerufen wird. Zum Deaktivieren der nicht benötigten Dienste können die nicht benötigten Dienste in ein Unterverzeichnis verschoben werden, damit man sie bei Bedarf wieder aktivieren kann. Dies kann z. B. wie folgt aussehen: cd rc3.d; mkdir .s; mv S85sendmail .s/ Die aktuell aktiven Dienste können mit dem Befehl netstat –a identifiziert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Änderungen an den Startup-Dateien dokumentiert worden? - Wer darf auf einem Unix-System Dienste hinzufügen? - Wird nach jedem Update von Anwendungsprogrammen und Betriebssystembestandteilen mit netstat –a überprüft, welche Dienste auf Netzverbindung warten? _____________________________________________________________________ .......................................... 152 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.73 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.73 Sicherer Betrieb eines Faxservers Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Fax-Poststelle Der sichere Betrieb eines Faxservers setzt voraus, dass sowohl die lokale Kommunikation als auch die Kommunikation auf Seiten des öffentlichen Netzes abgesichert wird. Eingehende Faxsendungen nimmt der Faxserver von anderen Faxservern oder Faxgeräten entgegen und leitet sie, wenn die Funktion des automatischen Fax-Routing aktiviert ist, an die angeschlossenen Benutzer weiter. Ausgehende Faxsendungen der angeschlossenen Benutzer werden vom Faxserver entgegengenommen und an den Empfänger weitergeleitet. Der Faxserver muss zudem sicherstellen, dass lokale Faxsendungen, d. h. Faxsendungen von einem Arbeitsplatz zu einem anderen innerhalb der gleichen Organisation(seinheit), nur intern und nicht über das öffentliche Netz weitergeleitet werden. Zum sicheren Betrieb eines Faxservers ist es u. a. erforderlich, dass nach der Beschaffung und Installation die Konfiguration des Betriebssystems und der Faxserver-Applikation ausgiebig getestet wird. Auf evtl. auftretende Fehlermeldungen ist - soweit dies möglich ist - mit Änderungen an der Konfiguration zu reagieren. An die Testphase sollte sich ein Pilotversuch anschließen. Erst wenn der Faxserver auch in dieser Phase fehlerfrei arbeitet, sollte die Freigabe für den Wirkbetrieb erfolgen. Die Konfigurationsparameter sollten, ebenso wie alle Änderungen an der Konfiguration, sorgfältig dokumentiert werden. Test und Dokumentation der Konfiguration Faxserver speichern alle eingehenden und ausgehenden Faxsendungen. Die Dauer der Speicherung hängt von den Leistungsmerkmalen der FaxserverApplikation und der Konfiguration ab. So ist es z. B. möglich, dass ausgehende Faxsendungen nur bis zur Erledigung des Sendeauftrages zwischengespeichert und dann gelöscht werden. Ebenso kann es sein, dass eingehende Faxsendungen nur bis zur Weiterleitung an den Empfänger zwischengespeichert werden und anschließend die Löschung erfolgt. Denkbar ist aber auch, dass grundsätzlich alle ein- und ausgehenden Faxsendungen auf dem Faxserver solange gespeichert werden, bis die Löschung durch den jeweiligen Benutzer oder durch die Fax-Poststelle bzw. den Administrator erfolgt. Die Löschung kann bei einigen Faxservern auch automatisch nach einer gewissen Zeitspanne erfolgen. So können z. B. alle Faxsendungen, die älter als 3 Monate sind, automatisch gelöscht werden. In Abhängigkeit vom Einsatzkonzept sind Regelungen für die Löschung von Faxdaten auf dem Faxserver zu treffen. Gleichzeitig ist zu regeln, wo und in welchem Umfang eine Archivierung von Faxdaten zu erfolgen hat. Generell sollten Faxdaten nicht länger als unbedingt nötig auf dem Faxserver verbleiben. Löschung von Faxdaten Es muss ausgeschlossen werden, dass Unbefugte auf Faxsendungen zugreifen können. Daher muss zunächst der Faxserver physikalisch gegen unbefugten Zugriff gesichert werden. Dies kann nur durch die gesicherte Aufstellung des Servers in einem Serverraum oder einem Serverschrank erfolgen (siehe Kapitel 4.3.2 Serverraum und Kapitel 4.4 Schutzschrank). gesicherte Aufstellung des Faxservers _____________________________________________________________________ .......................................... 153 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.73 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Um den störungsfreien Betrieb des Faxservers sicherzustellen, ist zudem festzulegen, wer für die Administration der Hardware-Komponenten, des Betriebssystems und der Faxserver-Applikation zuständig ist. Es sollte eine Fax-Poststelle eingerichtet werden (siehe auch M 2.180 Einrichten einer FaxPoststelle). Das Administrationspersonal und das in der Fax-Poststelle eingesetzte Personal sind im Umgang mit dem Betriebssystem und der Faxserver-Applikation zu schulen. Um Störungen des Betriebs durch Fehlbedienungen zu vermeiden, sind weiterhin auch die Benutzer im Umgang mit der Faxclient-Applikation zu schulen. Zuständigkeiten für die Administration Auf Faxservern können oftmals an Benutzer und Benutzergruppen folgende Berechtigungen für eingehende Faxsendungen vergeben werden: Vergabe von Berechtigungen auf Faxservern - lesen, - weiterleiten, - löschen. Für ausgehende Faxsendungen können oftmals folgende Rechte vergeben werden: - senden, - anhalten, - löschen, - ändern der Sendeoptionen. Die Berechtigungen sind gemäß den Festlegungen in der Faxsicherheitsleitlinie zu vergeben (siehe auch M 2.178 Erstellung einer Sicherheitsleitlinie für den Einsatz des Faxservers). Sofern nicht durch technische Maßnahmen sichergestellt wird, dass Faxsendungen sofort weitergeleitet werden, ist zudem durch die Vergabe entsprechender Zugriffsrechte sicherzustellen, dass nur berechtigte Benutzer auf die entsprechenden "Postfächer" auf dem Server zugreifen können. Vergabe von Zugriffsrechten Generell sollte ein Zugriff auf temporäre Bereiche, in denen die FaxserverApplikation Faxsendungen vor Abgang bzw. vor Verteilung an den Empfänger zwischenspeichert, nur privilegierten Benutzern (Administratoren, Fax-Poststelle) vorbehalten bleiben. Regelmäßig sind die Verbindungen des Faxservers mit der Telekommunikationsanlage bzw. mit dem öffentlichen Telefonnetz auf Funktion zu überprüfen. Sofern der Faxserver mit internen Kommunikationssystemen, wie z. B. einem E-Mail-System oder einem Workflow-System, zusammenarbeitet, ist ebenfalls regelmäßig die Funktion dieser Verbindungen zu überprüfen. Außerdem muss regelmäßig geprüft werden, ob der für die Speicherung von Faxsendungen zur Verfügung stehende Festplattenplatz noch ausreichend ist (siehe auch M 5.75 Schutz vor Überlastung des Faxservers). Bei erschöpftem Festplattenplatz können keine weiteren Faxsendungen mehr empfangen oder versandt werden. Prüfung des freien Festplattenplatzes Die Aktivitäten des Faxservers sind gemäß den Festlegungen in der Faxsicherheitsleitlinie zu protokollieren und die Protokolle sind regelmäßig zu kontrol- Auswertung der Protokolle _____________________________________________________________________ .......................................... 154 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.73 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... lieren (siehe auch M 2.64 Kontrolle der Protokolldateien und M 5.25 Nutzung von Sende- und Empfangsprotokollen). Bei der Festlegung von Umfang und Inhalt der Protokollierung ist auf eine frühzeitige Beteiligung des Personalbzw. Betriebsrates zu achten. Vorbehalte gegen den Einsatz eines Faxservers bestehen häufig aufgrund der Tatsache, dass dabei ein IT-System, das in das LAN integriert ist, über das öffentliche Telekommunikationsnetz erreicht werden kann. Durch sorgfältige Auswahl und Konfiguration von Kommunikationskarten, Betriebssystem und Faxserver-Applikation sowie durch eine sichere netztopologische Anordnung des Servers kann die Gefahr eines Einbruchs in das Netz bzw. in den Faxserver bis auf ein geringes Restrisiko minimiert werden. Beim Einsatz von aktiven ISDN-Karten sollten Leistungsmerkmale, die nicht zum Empfang und Senden von Faxen notwendig sind, deaktivert werden (siehe M 4.59 Deaktivieren nicht benötigter ISDN-Karten-Funktionalitäten). Deaktivierung nicht benötigter Leistungsmerkmale Sofern dedizierte Faxkarten zum Einsatz kommen, sind auch zunächst die entsprechenden Leistungsmerkmale genau zu untersuchen. Auch hier gilt, dass nicht benötigte Merkmale - soweit dies möglich ist - abzuschalten sind. Der Faxserver sollte keine anderen Dienste als den Fax-Dienst anbieten. Insbesondere sollte ein Faxserver nicht gleichzeitig als Daten-, Drucker-, E-Mail- oder Internet-Server bzw. als Remote-Access-Rechner verwendet werden. Um einem Einbruch über das Telekommunikationsnetz entgegenzuwirken, muss das Betriebssystem so "schlank" wie möglich installiert werden. Dies bedeutet, dass auf die Installation von für den Betrieb nicht zwingend notwendigen Diensten und Protokollen verzichtet wird. Hierzu ein Beispiel: Wenn auf einem Faxserver der Telnet-Dienst nicht gestartet ist, kann auch kein entsprechender Angriff zum Erfolg führen. Bei der Festlegung der benötigten Dienste und Protokolle darf nie vergessen werden, dass Gefährdungen häufig erst durch die Kombination von verschiedenen Diensten und Protokollen entstehen. ein Dienst pro Server Die sichere netztopologische Anordnung des Faxservers ist u. a. davon abhängig, ob und ggf. welche Art von Firewall in der Organisation im Einsatz ist. Anordnung des Faxservers im Netz Ein Faxserver hat jeweils mindestens eine Schnittstelle zum Telekommunikationsnetz und zum LAN. Die Anordnung des Faxservers im Netz sollte so erfolgen, dass im Falle eines erfolgreichen Angriffs auf den Faxserver nicht in das gesamte Netz eingebrochen werden kann. Andererseits sollte es auch nicht möglich sein, den Faxserver von innerhalb des Netzes aus erfolgreich zu attackieren. Denkbar wäre hier z. B. ein Angriff eines Außentäters aus dem Internet. Gelingt solch ein Angriff, so ist der Täter in der Lage, über den Faxserver der angegriffenen Organisation das Versenden von Faxen zu veranlassen. Dies kostet Gebühren und, was ggf. noch schlimmer ist, führt u. U. zu Ansehensverlust. Auch ist ein Angreifer im Falle eines erfolgreichen Angriffs in der Lage, unbefugt Kenntnis von den auf dem Faxserver (zwischen-) gespeicherten Faxsendungen zu nehmen. Angriffe eines Innentäters über das LAN sind in vergleichbarer Weise denkbar. _____________________________________________________________________ .......................................... 155 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.73 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Da ein Faxserver meistens nicht die einzige IT-Komponente mit Anschluss an ein externes Netz ist, ist in der Regel zum Schutz des internen Netzes ohnehin eine Abschottung gegenüber externen Netzen vorhanden (siehe auch Kapitel 7.3 Firewall). Sofern als Internet-Firewall ein Screened Subnet (Konfiguration 1 aus M 2.73 Auswahl eines geeigneten Firewall-Typs) vorhanden ist, sollte der Faxserver zwischen dem inneren Paketfilter und dem Application Gateway (siehe Abbildung 1) eingebunden werden. Die Schutzwirkung gegenüber Angriffen aus dem unsicheren Netz ist durch den Application Gateway und den äußeren Paketfilter hinreichend groß. Gegen Angriffe aus dem internen Netz wird der Faxserver durch den inneren Paketfilter geschützt. Anordnung bei vorhandener Firewall Abbildung 1 Bei allen anderen Firewall-Kombinationen, insbesondere solchen mit nur einem Paketfilter, oder wenn bisher keine Firewall vorhanden ist, sollte der Faxserver direkt in das sichere Netz eingebunden werden. Sofern das entstehende Restrisiko aufgrund des Schutzbedarfs als nicht tragbar angesehen wird, muss entweder eine Absicherung mittels eigenem Paketfilter erfolgen, oder die Telekommunikationsanlage muss so konfiguriert werden, dass nur abgehende Verbindungen zulässig sind. Für eingehende Faxsendungen muss in diesem Fall ein herkömmliches Faxgerät oder ein Stand-alone-System mit entsprechender Faxapplikation eingesetzt werden. In beiden Fällen können dann eingehende Faxsendungen aber nur manuell an die Empfänger verteilt werden. Anordnung ohne geeignete Firewall Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Konfiguration des Faxservers dokumentiert? - Wird diese Dokumentation bei Änderungen der Konfiguration angepasst? - Werden Faxdaten auf dem Faxserver regelmäßig gelöscht? - Ist den Benutzern bekannt, nach welchen Regeln diese Löschungen erfolgen? - Wer ist für die Auswertung der anfallenden Protokolldaten zuständig? _____________________________________________________________________ .......................................... 156 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.74 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.74 Pflege der Faxserver-Adressbücher und der Verteillisten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Fax-Poststelle Die meisten Faxserver bieten sowohl zentrale als auch individuelle Adressbücher an. Zentrale Adressbücher stehen allen Benutzern eines Faxservers zur Verfügung und sollten zentral durch die Fax-Poststelle gepflegt werden. Individuelle Adressbücher können von jedem Benutzer erstellt werden, stehen aber in der Regel auch nur dem Ersteller zur Verfügung. In besonderem Maße sind die zentralen Adressbücher gegen unbefugte Veränderung zu schützen. Dazu sind entweder über die Faxserver-Applikation oder - sofern dies nicht möglich ist - mit Mitteln des Betriebssystems die Berechtigungen so zu vergeben, dass nur die Fax-Poststelle die zentralen Adressbücher verändern kann. Schutz vor Manipulation Regelmäßig sollte durch die Fax-Poststelle die Integrität und Aktualität der zentralen Adressbücher überprüft werden. Die meisten Faxserver lassen es zu, mehrere Empfänger in den Adressbüchern zu Gruppen zusammenzufassen. Sofern es einem Angreifer gelingt, solche Gruppen zu manipulieren, können er oder andere Unbefugte Kenntnis von vertraulichen Faxsendungen erhalten. Die Fax-Poststelle sollte daher auch die Zuordnung von Empfängern zu den einzelnen Gruppen regelmäßig auf Aktualität überprüfen. Sofern in einer Organisation zwischen den Arbeitsplätzen Daten über den Faxserver per Fax ausgetauscht werden, müssen durch die Fax-Poststelle auch interne Adressbücher aktuell gehalten werden. regelmäßige Überprüfung der zentralen Adressbücher Außerdem sind die Benutzer zur regelmäßigen Kontrolle der von ihnen benutzten Einträge zu verpflichten. Dies gilt sowohl für zentrale als auch für individuelle Adressbücher. Durch den Faxserver werden Verteillisten dazu benutzt, um eingehende Faxsendungen an die Empfänger weiterzuleiten. Falsche Zuordnungen in den Verteillisten können dazu führen, dass Unbefugte Kenntnis von Faxsendungen mit vertraulichem Inhalt erhalten. Die Verteillisten sollten daher von der FaxPoststelle regelmäßig auf Aktualität und Integrität überprüft werden. regelmäßige Überprüfung der Verteillisten Um die Pflege von Adressbüchern und Verteillisten zu gewährleisten, muss die Fax-Poststelle über das Ausscheiden von Mitarbeitern informiert werden. Damit durchgeführte Administrationsarbeiten nachvollzogen werden können, sollten die Eintragungen und Veränderungen an den zentralen Adressbüchern und an den Verteillisten dokumentiert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie häufig wird die Integrität und Aktualität der Adressbücher und Verteillisten überprüft? - Wie erfährt die Fax-Poststelle vom Ausscheiden von Mitarbeitern? _____________________________________________________________________ .......................................... 157 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.75 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 5.75 Schutz vor Überlastung des Faxservers Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Fax-Poststelle Ein Faxserver kann sowohl durch eingehende als auch durch ausgehende Faxsendungen überlastet werden. Eine Überlastung des Faxservers kann dazu führen, dass zeitweilig keine weiteren Faxsendungen mehr empfangen oder versandt werden können. Es ist auch denkbar, dass im Falle der Überlastung das Betriebssystem oder die Faxserver-Applikation abstürzt und der Faxserver vorübergehend gar nicht mehr verfügbar ist. Eine Art der Überlastung des Faxservers liegt vor, wenn alle Kanäle, die durch die Kommunikationskarten bereitgestellt werden, durch eingehende und ausgehende Faxsendungen blockiert werden. Folge ist, dass weitere Faxe erst dann wieder empfangen oder gesendet werden können, wenn ein Kanal frei wird. Dieser Effekt tritt auch auf, wenn alle von der Telekommunikationsgesellschaft zur Verfügung gestellten Leitungen durch eingehende und ausgehende Faxsendungen belegt werden. Vor der Beschaffung eines oder mehrerer Faxserver ist zunächst das voraussichtliche Faxvolumen abzuschätzen. Sodann sind ausreichend leistungsfähige Komponenten zu beschaffen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass genügend Telekommunikationsleitungen zur Verfügung stehen. Beschaffung geeigneter Komponenten Außerdem sollten die Protokolle des Faxservers regelmäßig kontrolliert werden, um feststellen zu können, ob der Server zu bestimmten Zeiten überlastet oder die Grenze der Belastbarkeit erreicht wird. Eine Überlastung des Faxservers kann dadurch erfolgen, dass intern versucht wird, eine große Anzahl von Faxen zu versenden. Unter ungünstigen Umständen kann dies zum Absturz der Faxserver-Applikation oder des Betriebssystems führen. Auslöser kann z. B. eine sehr große Anzahl von SerienfaxSendungen sein. Es sollte daher schon in der Test- oder in der Pilotierungsphase versucht werden, die Belastungsgrenze zu ermitteln. Um diese Belastungsgrenze nicht zu überschreiten, sollte den Benutzern z. B. mittels geeigneter Dienstanweisung der maximale Umfang einer Serien-Faxsendung vorgegeben werden. Umfangreiche Serien-Faxsendungen sind dann auf mehrere Sendungen aufzuteilen. Zu Zeiten hoher Belastung des Faxservers sollte durch eine entsprechende Dienstanweisung oder durch eine entsprechende Vergabe von Berechtigungen am Faxserver sichergestellt werden, dass Faxe nur in dringenden Fällen gesendet werden. Sinnvoll kann auch die Vorgabe sein, Faxe möglichst nur zeitversetzt in der Nacht zu senden, was zudem noch Gebühren spart. zeitversetztes Senden Wenn festgestellt wird, dass der Faxserver immer durch die gleichen Senderrufnummern mittels einer entsprechenden Anzahl von Faxsendungen zu ganz bestimmten Zeiten blockiert wird, ist zunächst zu ermitteln, wer die Absender sind und um welche Art von Faxsendungen es sich handelt. Sofern die Faxsendungen von der Organisation benötigt werden, kann versucht werden, mit den Absendern Zeiten auszuhandeln, in denen problemlos Faxsendungen entgegengenommen werden können. Sofern die Faxsendungen nicht benötigt werden (z. B. nicht angeforderte Werbe-Faxsendungen), kann versucht Absprache mit dem Absender _____________________________________________________________________ .......................................... 158 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 5.75 Maßnahmenkatalog Kommunikation Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... werden, die Absenderrufnummern über die Faxserver-Applikation oder über die Telekommunikationsanlage zu sperren. Dies ist aber nur möglich, sofern die Absenderkennung (CSID) nicht verschleiert bzw. bei Verwendung von ISDN die Rufnummernübermittlung seitens des Absenders nicht unterdrückt wurde. Sofern die Faxnummer des Absenders nicht zu ermitteln sind, bleibt nur noch die Möglichkeit, die vorhandenen Kapazitäten - wie oben beschrieben - zu erweitern. Problematisch kann auch die Festplattenkapazität eines Faxservers sein. Dabei ist die Gefahr, die Festplattenkapazität durch einen Angriff von außen gezielt zu erschöpfen, eher gering. Eine gefaxte DIN A4 Seite ist ca. 70 kB groß. Geht man von heute üblichen Festplattengrößen von mehreren Gigabyte aus, so ist auch angesichts der anfallenden Gebühren ein entsprechender Angriff eher unwahrscheinlich. Grundsätzlich werden alle eingehenden und ausgehenden Faxsendungen auf der Festplatte des Faxservers (zwischen-) gespeichert. Der weitere Ablauf hängt dann von der Faxserver-Applikation und ggf. auch von der Konfiguration ab. So ist z. B. denkbar, dass alle Faxsendungen dauerhaft auf der Festplatte des Faxservers gespeichert bzw. archiviert werden. Bei dieser Betriebsart kann - abhängig vom Faxvolumen sehr schnell die Festplattenkapazität erschöpft werden. Es sollte in diesem Fall sichergestellt werden, dass Ausgangs-Faxsendungen und bereits gelesene Eingangs-Faxsendungen möglichst zeitnah auf externe Datenträger archiviert und auf dem Faxserver gelöscht werden. Dazu sollte der den Benutzern auf dem Faxserver zur Verfügung gestellte Speicherplatz begrenzt werden. Außerdem sollte z. B. durch Dienstanweisung sichergestellt werden, dass Faxsendungen, die nicht mehr benötigt werden, zu löschen sind. Dies gilt insbesondere für unverlangt erhaltene Werbe-Faxsendungen. Durch die FaxPoststelle ist regelmäßig der freie Speicherplatz auf der Festplatte des Faxservers zu überprüfen. ausreichend freien Festplattenplatz sicherstellen Ergänzende Kontrollfragen: - Zu welchen Zeiten erfolgt eine hohe Auslastung des Faxservers? - Gibt es Dienstanweisungen, wonach zu Zeiten hoher Belastung Faxe nur in dringenden Fällen gesendet werden dürfen? - Wird darauf verzichtet, Faxdaten dauerhaft auf dem Faxserver zu archivieren? _____________________________________________________________________ .......................................... 159 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M6 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M6 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge M 6.1 Erstellung einer Übersicht über Verfügbarkeitsanforderungen ....................................................1 M 6.2 Notfall-Definition, Notfall-Verantwortlicher.............................3 M 6.3 Erstellung eines Notfall-Handbuches.........................................4 M 6.4 Dokumentation der Kapazitätsanforderungen der ITAnwendungen ............................................................................7 M 6.5 Definition des eingeschränkten IT-Betriebs...............................8 M 6.6 Untersuchung interner und externer Ausweichmöglichkeiten.............................................................9 M 6.7 Regelung der Verantwortung im Notfall..................................10 M 6.8 Alarmierungsplan.....................................................................11 M 6.9 Notfall-Pläne für ausgewählte Schadensereignisse ..................12 M 6.10 Notfall-Plan für DFÜ-Ausfall ..................................................13 M 6.11 Erstellung eines Wiederanlaufplans .........................................14 M 6.12 Durchführung von Notfallübungen ..........................................16 M 6.13 Erstellung eines Datensicherungsplans ....................................17 M 6.14 Ersatzbeschaffungsplan............................................................18 M 6.15 Lieferantenvereinbarungen ......................................................19 M 6.16 Abschließen von Versicherungen.............................................20 M 6.17 Alarmierungsplan und Brandschutzübungen ...........................21 M 6.18 Redundante Leitungsführung ...................................................22 M 6.19 Datensicherung am PC.............................................................23 M 6.20 Geeignete Aufbewahrung der Backup-Datenträger .................24 M 6.21 Sicherungskopie der eingesetzten Software .............................25 M 6.22 Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen.....................................................................26 M 6.23 Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus ............27 M 6.24 Erstellen einer PC-Notfalldiskette............................................29 M 6.25 Regelmäßige Datensicherung der Server-Festplatte ................31 M 6.26 Regelmäßige Datensicherung der TK-AnlagenKonfigurationsdaten.................................................................32 M 6.27 Sichern des CMOS-RAM ........................................................33 M 6.28 Vereinbarungen über Lieferzeiten "lebensnotwendiger" TK-Baugruppen .......................................................................34 M 6.29 TK-Basisanschluß für Notrufe .................................................35 _____________________________________________________________________ .......................................... i IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M6 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.30 Katastrophenschaltung .............................................................36 M 6.31 Verhaltensregeln nach Verlust der Systemintegrität ................37 M 6.32 Regelmäßige Datensicherung...................................................39 M 6.33 Entwicklung eines Datensicherungskonzepts ..........................41 M 6.34 Erhebung der Einflußfaktoren der Datensicherung..................44 M 6.35 Festlegung der Verfahrensweise für die Datensicherung .........50 M 6.36 Festlegung des Minimaldatensicherungskonzeptes..................63 M 6.37 Dokumentation der Datensicherung.........................................64 M 6.38 Sicherungskopie der übermittelten Daten ................................65 M 6.39 Auflistung von Händleradressen zur FaxWiederbeschaffung ..................................................................66 M 6.40 Regelmäßige Batterieprüfung/-wechsel ...................................67 M 6.41 Übungen zur Datenrekonstruktion ...........................................68 M 6.42 Erstellung von Rettungsdisketten für Windows NT.................69 M 6.43 Einsatz redundanter Windows NT Server................................72 M 6.44 Datensicherung unter Windows NT.........................................74 M 6.45 Datensicherung unter Windows 95 ..........................................77 M 6.46 Erstellung von Rettungsdisketten für Windows 95 ..................78 M 6.47 Aufbewahrung der Backup-Datenträger für Telearbeit............80 M 6.48 Verhaltensregeln nach Verlust der Datenbankintegrität...........81 M 6.49 Datensicherung einer Datenbank .............................................83 M 6.50 Archivierung von Datenbeständen ...........................................86 M 6.51 Wiederherstellung einer Datenbank .........................................88 M 6.52 Regelmäßige Sicherung der Konfigurationsdaten aktiver Netzkomponenten ........................................................90 M 6.53 Redundante Auslegung der Netzkomponenten ........................91 M 6.54 Verhaltensregeln nach Verlust der Netzintegrität ....................94 M 6.55 Reduzierung der Wiederanlaufzeit für Novell Netware Server .......................................................................................95 M 6.56 Datensicherung bei Einsatz kryptographischer Verfahren .................................................................................96 M 6.57 Erstellen eines Notfallplanes für den Ausfall des Managementsystems ................................................................98 _____________________________________________________________________ .......................................... ii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M6 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.58 Etablierung eines Managementsystems zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen ..........................................................99 M 6.59 Festlegung von Verantwortlichkeiten bei Sicherheitsvorfällen ...............................................................104 M 6.60 Verhaltensregeln und Meldewege bei Sicherheitsvorfällen ...............................................................108 M 6.61 Eskalationsstrategie für Sicherheitsvorfälle ...........................111 M 6.62 Festlegung von Prioritäten für die Behandlung von Sicherheitsvorfällen ...............................................................114 M 6.63 Untersuchung und Bewertung eines Sicherheitsvorfalls ........118 M 6.64 Behebung von Sicherheitsvorfällen .......................................120 M 6.65 Benachrichtigung betroffener Stellen.....................................123 M 6.66 Nachbereitung von Sicherheitsvorfällen ................................126 M 6.67 Einsatz von Detektionsmaßnahmen für Sicherheitsvorfälle .................................................................128 M 6.68 Effizienzprüfung des Managementsystems zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen ....................................130 _____________________________________________________________________ .......................................... iii IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.1 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.1 Erstellung einer Übersicht über Verfügbarkeitsanforderungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Für die in einem IT-System betriebenen IT-Anwendungen und deren Daten sind die Verfügbarkeitsanforderungen festzustellen. Da eine IT-Anwendung nicht zwingend jeden Bestandteil des IT-Systems benötigt, sind die Verfügbarkeitsanforderungen der IT-Anwendungen auf die wesentlichen Komponenten des IT-Systems abzubilden. Das Ergebnis dieser Arbeit kann in Form einer Übersicht mit folgenden Inhalten dargestellt werden: IT-System IT-Komponente IT-Anwendung tolerierbare Ausfallzeit Zentralsystem Host Reisekosten 5 Arbeitstage Buchhaltung 3 Stunden E-Mail 3 Arbeitstage Buchhaltung 1 Arbeitstag Reisekosten 10 Arbeitstage Buchhaltung 2 Arbeitstage Einsatzplanung 1 Arbeitstag Datenerfassung 1 Arbeitstag Leitstelle 4 Stunden PC Datenerfassung 10 Arbeitstage PC Leitstelle 4 Stunden DFÜ Drucker LAN Server (Lesart: Die IT-Komponente Host im IT-System "Zentralsystem" hat aufgrund der IT-Anwendung Buchhaltung eine maximal tolerierbare Ausfallzeit von 3 Stunden.) Eine praktikable Vorgehensweise ist es, zu den einzelnen IT-Anwendungen den Verfahrensverantwortlichen nach den tolerierbaren Ausfallzeiten der benutzten IT-Komponenten zu befragen, um danach die Ergebnisse nach ITSystem und Komponenten geordnet in der Tabelle aufzuführen. Die Übersicht erleichtert es, die besonders zeitkritischen Komponenten des IT-Systems zu extrahieren, für die die Notfallvorsorge unumgänglich ist. Bei Ausfall einer Komponente gibt diese Übersicht darüber hinaus Auskunft über die betroffenen IT-Anwendungen und deren Verfügbarkeitsanforderungen. Die Anforderungen an die Verfügbarkeit sind von den Anwendern bzw. Fachabteilungen zu begründen, sofern dies nicht schon an anderer Stelle ge- _____________________________________________________________________ .......................................... 1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.1 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... schehen ist. Die Verfügbarkeitsanforderungen sind von der Behörden- bzw. Unternehmensleitung zu bestätigen. Bei Ausfall einer Komponente des IT-Systems ermöglicht diese Übersicht eine schnelle Aussage, ab wann ein Notfall vorliegt. Daß ein Notfall auch bei Ausfall einer besonders zeitkritischen Komponente nicht zwingend eintreten muß, läßt sich anhand des Ersatzbeschaffungsplans (siehe M 6.14 Ersatzbeschaffungsplan) und der Untersuchung über interne und externe Ausweichmöglichkeiten (siehe M 6.6 Untersuchung interner und externer Ausweichmöglichkeiten) ermitteln. Ergänzende Kontrollfragen: - Liegen begründete Verfügbarkeitsanforderungen für jede IT-Anwendung vor? - Entsprechen die Verfügbarkeitsanforderungen dem aktuellen Verfahrensstand? Wann wurde die Tabelle letztmalig aktualisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 2 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.2 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.2 Notfall-Definition, Notfall-Verantwortlicher Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, heitsmanagement IT-Sicher- Verantwortlich für Umsetzung: Behörden-/Unternehmensleitung, heitsmanagement IT-Sicher- Nicht jeder Teil- oder Gesamtausfall des Systems stellt jedoch einen Notfall dar. Oftmals lassen sich Ausfälle des IT-Systems durch geplante Maßnahmen, z. B. Ersatzbeschaffung, auch in kurzer Zeit beheben. Der Notfall tritt erst dann ein, wenn ein Zustand erreicht wird, bei dem innerhalb der geforderten Zeit eine Wiederherstellung der Verfügbarkeit (siehe M 6.1 Erstellung einer Übersicht über Verfügbarkeitsanforderungen) nicht möglich ist und sich daraus ein sehr hoher Schaden ergibt. Schon bei Eintritt eines Ereignisses, in dessen Folge der Notfall entstehen könnte, sind die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer Schadensreduzierung führen. Für die autorisierte und rechtzeitige Einleitung von Notfallmaßnahmen bedarf es der Benennung eines Notfall-Verantwortlichen. Die Behörden- bzw. Unternehmensleitung muß den Notfall-Verantwortlichen sowohl für die Entscheidung autorisieren, ob ein Notfall eingetreten ist, als auch für die Einleitung erforderlicher Notfallmaßnahmen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer ist autorisiert, über einen Notfall zu entscheiden? _____________________________________________________________________ .......................................... 3 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.3 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.3 Erstellung eines Notfall-Handbuches Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Verantwortliche der einzelnen ITAnwendungen In einem Notfall-Handbuch sind alle Maßnahmen, die nach Eintritt eines notfallauslösenden Ereignisses zu ergreifen sind, und alle dazu erforderlichen Informationen zu dokumentieren. Das Notfall-Handbuch ist so zu gestalten, daß ein sachverständiger Dritter in der Lage ist, die im Handbuch spezifizierten Notfallmaßnahmen durchzuführen. Nachfolgend wird beispielhaft ein umfassendes Inhaltsverzeichnis eines Notfall-Handbuches zur Orientierung aufgeführt. Welche Teile dieses Vorschlags übernommen werden können, ist abhängig von der vorhandenen System- und Anwendungsdokumentation und kann daher nur individuell entschieden werden. Inhaltsverzeichnis Notfall-Handbuch Teil A: Sofortmaßnahmen 1 1.1 1.2 1.3 1.4 2 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6 2.7 2.8 2.9 2.10 2.11 2.12 Alarmierung im Notfall Alarmierungsplan und Meldewege Adresslisten betroffener Mitarbeiter Festlegung konkreter Aufgaben für einzelne Personen/Funktionen im Notfall Notrufnummern (z. B. Feuerwehr, Polizei, Notarzt, Wasser- und Stromversorger, Ausweichrechenzentrum, externes Datenträgerarchiv, externe Telekommunikationsanbieter) Handlungsanweisung für spezielle Ereignisse Brand Wassereinbruch Stromausfall Ausfall der Klimaanlage Explosion Sabotage Ausfall der Datenfernübertragungseinrichtung Einbruch Vandalismus Bombendrohung Streik / Demonstrationen ...... _____________________________________________________________________ .......................................... 4 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.3 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Teil B: Regelungen für den Notfall 3 3.1 3.2 3.3 Allgemeine Regelungen Notfall-Verantwortliche Benennung der an der Durchführung der Notfallpläne beteiligten Organisationseinheiten, Kompetenzverteilung Organisationsrichtlinien, Verhaltensregeln 4 Tabelle der Verfügbarkeitsanforderungen Teil C: Wiederanlaufpläne für kritische Komponenten 5 5.1 5.1.1 5.1.2 5.1.3 5.1.4 5.1.5 5.2 ... Wiederanlauf-Planung Wiederanlauf-Plan für Komponente 1 (z. B. Host) Wiederbeschaffungsmöglichkeiten Interne / externe Ausweichmöglichkeiten DFÜ-Versorgung Eingeschränkter IT-Betrieb Wiederanlaufreihenfolge Wiederanlauf-Plan für Komponente 2 (z. B. Drucker) Teil D: Dokumentation 6 6.1 6.1.1 6.1.2 6.1.2.1 6.1.2.2 6.1.3 6.1.4 6.1.4.1 6.1.4.2 6.1.4.3 6.1.4.4 6.1.4.5 6.1.5 6.1.6 6.1.7 6.2 ... 7 7.1 7.2 7.3 Beschreibung der IT-Systeme Beschreibung des IT-Systems A (im Überblick) Beschreibung der Hardware-Komponenten Beschreibung der Software-Komponenten Bestandsverzeichnis der Systemsoftware Bestandsverzeichnis der zu dem IT-System gehörenden Systemdaten Beschreibung der Netzanbindungen des IT-Systems Beschreibung der IT-Anwendungen Bestandsverzeichnis der Anwendungssoftware Bestandsverzeichnis der zu einer IT-Anwendung gehörenden Daten Kapazitätsanforderungen einzelner IT-Anwendungen im Normalfall Minimale Kapazitätsanforderungen der IT-Anwendungen für den Notfall Wiederanlaufverfahren der IT-Anwendungen Datensicherungsplan Beschreibung der notwendigen Infrastruktureinrichtungen Sonstige Unterlagen (Handbücher etc.) Beschreibung des IT-Systems B Wichtige Informationen Ersatzbeschaffungsplan Hersteller- und Lieferantenverzeichnis Verzeichnis der Dienstleistungsunternehmen "Sanierung" des Fachgebiets _____________________________________________________________________ .......................................... 5 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.3 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Letztes Änderungsdatum: _____________ Das Notfall-Handbuch ist durch die Behörden- bzw. Unternehmensleitung in Kraft zu setzen und muß nach Bedarf aktualisiert werden. Die Verfügbarkeit des Notfall-Handbuches ist von zentraler Bedeutung. Deshalb ist ein aktuelles Exemplar extern auszulagern. Zusätzlich ist das Notfall-Handbuch allen im Handbuch genannten Personen oder Organisationseinheiten zur Kenntnis zu geben. (Die Ausgestaltung wichtiger Inhalte ist den nachfolgenden Maßnahmenbeschreibungen zu entnehmen.) Ergänzende Kontrollfragen: - Ist das Notfall-Handbuch aktuell? - Werden alle möglichen Notfälle betrachtet? _____________________________________________________________________ .......................................... 6 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.4 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.4 Dokumentation der Kapazitätsanforderungen der IT-Anwendungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Verantwortliche der einzelnen ITAnwendungen Im Hinblick auf interne und externe Ausweichmöglichkeiten für den Betrieb der IT-Anwendungen sind für diese Kapazitätsanforderungen zu dokumentieren. Hierunter fallen u. a.: - CPU-Leistung, - Plattenkapazitäten, - DFÜ-Leistung und - Leistungen weiterer Hardware-Komponenten (Drucker, Belegleser etc.). Die Kapazitätsanforderungen einer IT-Anwendung sind dahingehend zu untersuchen, ob sie für den Zeitraum eines Notfalls reduziert werden können, um auf diese Weise einen eingeschränkten IT-Betrieb zu ermöglichen (z. B. Reduzierung der Anzahl der angeschlossenen Terminals). Diese eingeschränkten Kapazitätsanforderungen für den Notfall sind ebenfalls zu dokumentieren und zu aktualisieren. Ergänzende Kontrollfragen: - Liegen Kapazitätsanforderungen für jede IT-Anwendung vor? - Entsprechen die Kapazitätsanforderungen dem aktuellen Verfahrensstand? - Wurden die IT-Anwendungen dahingehend untersucht, ob eine Senkung der Kapazitätsanforderungen möglich ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 7 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.5 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.5 Definition des eingeschränkten IT-Betriebs Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Verantwortliche der einzelnen ITAnwendungen Für den Fall, daß Teile des IT-Systems ausfallen, ist zu untersuchen, ob ein eingeschränkter IT-Betrieb notwendig und möglich ist. Um bei einem eingeschränkten IT-Betrieb möglichst viele IT-Anwendungen betreiben zu können, ist die für jede einzelne IT-Anwendung die zur Verfügung gestellte Kapazität auf das notwendige Maß zu reduzieren (siehe M 6.4 Dokumentation der Kapazitätsanforderungen der IT-Anwendungen). Für den eingeschränkten IT-Betrieb muß festgelegt werden, welche ITAnwendungen mit welcher Priorität betrieben werden. Dies ist schriftlich zu fixieren. Auch manuelle Ersatzverfahren können geeignet sein, um die Verfügbarkeitsanforderungen einer IT-Anwendung zu senken. Die für den Einsatz eines manuellen Ersatzverfahrens erforderlichen Hilfsmittel (Formulare, Papierlisten, Mikrofiche) müssen dazu allerdings bereitgehalten werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde festgelegt, welche IT-Anwendung mit welcher Priorität im eingeschränkten IT-Betrieb durchzuführen ist? - Sind die qualitativen und quantitative Vorgaben für den eingeschränkten IT-Betrieb mit den Fachbereichen abgesprochen? _____________________________________________________________________ .......................................... 8 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.6 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.6 Untersuchung interner und externer Ausweichmöglichkeiten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Um Kapazitätsengpässe im eingeschränkten IT-Betrieb zu vermeiden, sind interne und externe Ausweichmöglichkeiten zu untersuchen. Bei der Untersuchung von Ausweichmöglichkeiten ist insbesondere auf die technischen Anforderungen an das Ausweich-IT-System zu achten. Kompatibilität und ausreichende Kapazitätsreserven (siehe M 6.4 Dokumentation der Kapazitätsanforderungen der IT-Anwendungen) des Ausweich-IT-Systems sind Grundvoraussetzung für dessen Benutzung. Zunächst steht die interne Verlagerung von IT-Anwendungen von einem ITSystem auf ein anderes IT-System im Vordergrund (z. B. Ausweichen auf den Entwicklungsrechner, wenn der Produktionsrechner ausfällt). Externe Ausweichmöglichkeiten sind dann heranzuziehen, wenn mit internen Ausweichmöglichkeiten die Verfügbarkeitsanforderungen nicht mehr oder nicht wirtschaftlich erfüllt werden können. Ausweichmöglichkeiten für nicht IT-spezifische Komponenten sind auch zu berücksichtigen. Beispielsweise im Bereich der Infrastruktur sind Ausweichmöglichkeiten für IT-Räume in Betracht zu ziehen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden interne und externe Ausweichmöglichkeiten auf ihre Wirksamkeit hin untersucht? - Wird die Konfiguration, Kapazität und Kompatibilität von internen und externen Ausweichmöglichkeiten dem aktuellen Verfahrensstand angepaßt? - Sind bei externen Ausweichmöglichkeiten Integrität und Vertraulichkeit der ausgelagerten IT-Anwendungen und Daten gewährleistet? _____________________________________________________________________ .......................................... 9 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.7 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.7 Regelung der Verantwortung im Notfall Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Leiter Organisation, IT-Sicherheitsmanagement, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Für den Zeitraum nach Eintritt des schädigenden Ereignisses bis hin zur vollständigen Wiederherstellung der Verfügbarkeit kann eine zeitlich befristete Notfall-Organisation erforderlich sein. Es müssen Verantwortliche bestimmt sein, die befugt sind zu entscheiden, ob ein Notfall eingetreten ist, und die die entsprechenden Maßnahmen des Notfall-Handbuchs einleiten (siehe M 6.2 Notfall-Definition, NotfallVerantwortlicher). Die an der Durchführung der Maßnahmen im Bereich der Notfallvorsorge beteiligten Organisationseinheiten müssen befugt sein, die ihnen übertragenen Aufgaben eigenverantwortlich durchzuführen. Die hierzu erforderlichen Regelungen sind schriftlich festzuhalten. Dieses "NotfallOrganigramm" muß von der Behörden- bzw. Unternehmensleitung autorisiert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Existiert eine Beschreibung der Notfall-Organisation? - Ist die Notfall-Organisation allen im Notfallhandbuch genannten Personen und Organisationseinheiten bekannt? - Wann wurde sie zuletzt aktualisiert? - Wer koordiniert welche Maßnahmen? _____________________________________________________________________ .......................................... 10 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.8 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.8 Alarmierungsplan Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Leiter Organisation, IT-Sicherheitsmanagement, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Ein Alarmierungsplan enthält eine Beschreibung des Meldewegs, über den bei Eintritt eines Notfalls die zuständigen Personen oder Organisationseinheiten zu informieren sind. Die Alarmierung kann z. B. über Telefon, Fax, Funkrufdienste oder Kurier erfolgen. Beschrieben werden muß, wer wen benachrichtigt, wer ersatzweise zu benachrichtigen ist bzw. wie bei Nichterreichen zu verfahren ist. Zu diesem Zweck sind evtl. Adress- und Telefonlisten zu führen. Der Alarmierungsplan muß sämtlichen Notfall-Verantwortlichen zur Verfügung stehen, darüber hinaus an zentraler Stelle redundant vorgehalten werden (z. B. Pforte, Bewachungspersonal). Die im Alarmierungsplan genannten Personen müssen den sie betreffenden Teil kennen. Allen Mitarbeitern müssen die Ansprechpartner bekannt sein, denen das Eintreten eines evtl. Notfall-auslösenden Ereignisses gemeldet werden kann. Es kann verschiedene Alarmierungspläne für unterschiedliche Schadensfälle geben (Feuer, Wasser, DFÜ-Ausfall). Dann muß darauf geachtet werden, daß alle Schadensfälle abgedeckt sind. Mit der Erstellung eines Alamierungsplans sollte auch die Festlegung eines Ruf- oder Bereitschaftsdienstes erwogen werden. Kontrollfragen: - Wird der Alarmweg sporadisch getestet? - Wann wurde der Alarmierungsplan letztmalig überarbeitet? - Sind noch alle im Alarmierungsplan genannten Personen Mitarbeiter der Behörde bzw. des Unternehmens? _____________________________________________________________________ .......................................... 11 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.9 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.9 Notfall-Pläne für ausgewählte Schadensereignisse Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, Leiter Organisation, IT-Sicherheitsmanagement, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Verantwortlich für Umsetzung: Notfall-Verantwortliche Notfall-Pläne beinhalten Handlungsanweisungen und Verhaltensregeln für bestimmte Schadensereignisse. Hierbei handelt es sich um Ereignisse, die diejenigen Teile des IT-Systems gefährden, die von existentieller Bedeutung sind. Ein Notfall-Plan ist auf die möglichst schnelle Wiederherstellung der Verfügbarkeit gerichtet. Ein Notfall-Plan muß auch das Zusammenwirken eines schädigenden Ereignisses und der getroffenen Notfall-Maßnahme berücksichtigen. Beispielsweise kann durch den Einsatz einer Sprinkleranlage ein Brand bekämpft werden. Jedoch können durch den Wassereinsatz wiederum auch neue Gefährdungen entstehen, z. B. für die Stromversorgung oder für Datenträgerarchive. Notfall-Pläne sind je nach Umfeldgegebenheiten für folgende Ereignisse aufzustellen: - Brand, - Wassereinbruch, - Stromausfall, - Ausfall der Klimaanlage, - Explosion, - Ausfall der Datenfernübertragungseinrichtung (siehe M 6.10 Notfall-Plan für DFÜ-Ausfall), - Sabotage. Die Wirksamkeit von Notfall-Plänen ist durch Notfallübungen (siehe M 6.12 Durchführung von Notfallübungen) zu überprüfen. Ergänzende Kontrollfragen: - Liegen Notfall-Pläne vor? - Wurde die Wirksamkeit der Notfall-Pläne überprüft? _____________________________________________________________________ .......................................... 12 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.10 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.10 Notfall-Plan für DFÜ-Ausfall Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Verantwortlich für Umsetzung: Notfall-Verantwortliche, Administrator Der Notfall-Plan für den DFÜ-Ausfall beinhaltet die Handlungsanweisungen, die bei Ausfall von DFÜ-Einrichtungen durchzuführen sind. Insbesondere müssen die bestehenden internen und externen Ausweichmöglichkeiten bekannt sein, bevor die Entscheidung fixiert wird, wie ein Ausfall kompensiert werden soll. Alternative Ausweichmöglichkeiten sind zum Beispiel: - Ersatz der Datenübertragung durch Austausch von Datenträgern oder Druckerzeugnissen per Kurier (vgl. Kapitel 7.1 Datenträgeraustausch), - Datenübertragung über andere DFÜ-Einrichtungen oder - Einsatz mobiler Kommunikationseinrichtungen (z. B. Bündelfunk, Mobiltelefonie, Satellitenkommunikation). Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die für die Nutzung von Ausweichmöglichkeiten erforderlichen DFÜKapazitäten hinreichend bemessen? _____________________________________________________________________ .......................................... 13 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.11 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.11 Erstellung eines Wiederanlaufplans Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Notfall-Verantwortliche, Administrator Für einen geregelten Wiederanlauf nach Ausfall einer IT-Komponente sind folgende Informationen zu dokumentieren (siehe Beispiel in M 6.3 Erstellung eines Notfall-Handbuches, Teil C): - Wiederbeschaffungsmöglichkeiten, zum Beispiel die Nutzung eines Testrechners für den Dialogbetrieb oder die Ersatzbeschaffung (siehe M 6.14 Ersatzbeschaffungsplan), - interne/externe Ausweichmöglichkeiten für IT-Anwendungen (siehe M 6.6 Untersuchung interner und externer Ausweichmöglichkeiten) sind aufzuzählen, - DFÜ-Versorgung (siehe M 6.10 Notfall-Plan für DFÜ-Ausfall) für den Notbetrieb, um die minimal notwendigen Datenübertragungen zu gewährleisten, - die im eingeschränkten IT-Betrieb (siehe M 6.5 Definition des eingeschränkten IT-Betriebs) laufenden IT-Anwendungen, - Systemstart der IT-Komponente und Einbindung in das IT-System und - um den Anforderungen an die Verfügbarkeit (siehe M 6.1 Erstellung einer Übersicht über Verfügbarkeitsanforderungen) der einzelnen ITAnwendungen gerecht zu werden, ist eine Reihenfolge für den Wiederanlauf der IT-Anwendungen festzulegen. Die für den Wiederanlauf einer IT-Anwendungen erforderlichen Schritte sind im Notfall-Handbuch aufzuzeigen (siehe Beispiel in M 6.3 Erstellung eines Notfall-Handbuches, Teil D). Beispiele für solche Schritte sind: - Aufbau und Installation der notwendigen Hardware-Komponenten, - Einspielen der Systemsoftware, - Einspielen der Anwendungssoftware, - Bereitstellen der notwendigen Daten einschließlich Konfigurationsdateien, - Wiederanlauf. Eine revisionsfähige Protokollierung des Wiederanlaufs ist zu gewährleisten. Der Wiederanlaufplan ist durch Notfallübungen (sowohl bei internen als auch bei externen Ausweichmöglichkeiten) auf seine Durchführbarkeit zu testen. Insbesondere ist bei der Durchführung solcher Übungen der ausschließliche Einsatz der Software und Daten zu testen, die in internen oder externen Sicherungsarchiven aufbewahrt werden. Der Wiederanlauf kann, je nach Umfang der betriebenen IT-Anwendungen, mit erheblichen Zeitaufwand verbunden sein. Der Zeitaufwand für die mit dem Wiederanlauf verbundenen Maßnahmen kann durch solche Übungen _____________________________________________________________________ .......................................... 14 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.11 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... ermittelt werden und ist bei der Überarbeitung des Wiederanlaufplans zu berücksichtigen. Ergänzende Kontrollfragen: - Entspricht der Wiederanlaufplan den Anforderungen der derzeitigen ITAnwendungen? - Wurde der Wiederanlaufplan erprobt? - Sind die zeitlichen Vorgaben des Wiederanlaufs mit den Fachbereichen abgesprochen? _____________________________________________________________________ .......................................... 15 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.12 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.12 Durchführung von Notfallübungen Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, heitsmanagement IT-Sicher- Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Notfall-Verantwortliche, Administrator Notfallübungen dienen der Prüfung der Wirksamkeit von Maßnahmen im Bereich der Notfallvorsorge. Einerseits wird durch eine Notfallübung der effektive und reibungslose Ablauf eines Notfall-Plans erprobt und andererseits werden bisher unerkannte Mängel aufgedeckt. Typische Übungen sind: - die Durchführung einer Alarmierung, - Durchführung von Brandschutzübungen (vgl. M 6.17 Alarmierungsplan und Brandschutzübungen), - Funktionstests von Stromaggregaten, - Wiederanlauf nach Ausfall einer ausgewählten IT-Komponente und - Wiedereinspielen von Datensicherungen. Die Ergebnisse einer Notfallübung sind zu dokumentieren. Notfallübungen sind regelmäßig zu wiederholen. Da diese Übungen den normalen Betriebsablauf stören können, sollte die Häufigkeit an der Gefährdungslage orientiert sein, jedoch sollten die entsprechenden Notfallübungen zumindest einmal jährlich stattfinden. Soweit erforderlich sind Schulungsmaßnahmen der Mitarbeiter durchzuführen (Erste Hilfe, Brandbekämpfung etc.) Vor Durchführung einer Notfallübung ist das Einverständnis der Behördenbzw. Unternehmensleitung einzuholen. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Notfallübungen regelmäßig wiederholt? - Führen aufgedeckte Mängel zu einer Überarbeitung der Notfall-Pläne? _____________________________________________________________________ .......................................... 16 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.13 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.13 Erstellung eines Datensicherungsplans Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Mit Hilfe des Datensicherungsplans muß ein sachverständiger Dritter in der Lage sein, sämtliche für den Wiederanlauf einer IT-Anwendung erforderliche Software (Betriebssystemsoftware, Anwendungssoftware) und deren Daten in angemessener Zeit beschaffen und installieren zu können. Ein Datensicherungsplan muß Auskunft geben können über: - Speicherungsort der Daten im Normalbetrieb (Plattenspeicher-Belegungsplan), - den Bestand der gesicherten Daten (Bestandsverzeichnis), - die Zeitpunkte der Datensicherungen, - Art und Umfang der Datensicherung (logische/physikalische, Teil/Vollsicherung), - das Verfahren zur Datensicherung und zur Rekonstruktion der gesicherten Daten und - den Ort der Aufbewahrung (Hinweis auf ggf. erforderliche Zutrittsmittel). Die systematische Erarbeitung eines Datensicherungskonzeptes, aus dem sich ein Datensicherungsplan ableitet, wird im Kapitel 3.4 Datensicherungskonzept beschrieben. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Datensicherungsmaßnahmen entsprechend dem Datensicherungskonzept durchgeführt? - Wurde im Rahmen von Notfallübungen überprüft, ob aus externen Datensicherungsbeständen die Datenträger ohne Verzögerung beschafft werden konnten? - Wie aktuell ist das bestehende Datensicherungskonzept? _____________________________________________________________________ .......................................... 17 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.14 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.14 Ersatzbeschaffungsplan Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Bei Ausfall einzelner Teile des IT-Systems ist neben der Reparatur die Ersatzbeschaffung zunächst die Maßnahme, die am zielgerichtetsten die Wiederherstellung der Verfügbarkeit verfolgt. Um den Vorgang der Ersatzbeschaffung zu beschleunigen, ist die Erstellung eines Ersatzbeschaffungsplans sinnvoll. Dieser muß für jede wichtige ITKomponente Angaben machen über: - Bezeichnung der IT-Komponente (Name, Geräte-Nr., Beschaffungsdatum), - Hersteller, - Lieferant, - Lieferzeit und - Dauer der Reinstallation. Lassen sich für eine IT-Komponente mehrere Hersteller oder Lieferanten benennen, so sind sie alternativ aufzuführen. Gegebenenfalls lassen sich auch anderweitige Produkte benennen. Bei einer Ersatzbeschaffungsmaßnahme sind solche Angaben für eine sparsame Mittelbewirtschaftung erforderlich. Ersatzbeschaffungsmaßnahmen müssen neben der Wiederherstellung der Verfügbarkeit des IT-Systems auch der Fortentwicklung der Informationstechnik Rechnung tragen. Entsprechen eingesetzte Teile des IT-Systems nicht mehr dem Stand der Technik, so darf eine Ersatzbeschaffung nicht ausschließlich darauf gerichtet sein, den alten Zustand wiederherzustellen. Dies erfordert eine regelmäßige Überarbeitung des Ersatzbeschaffungsplans. Der Bezug zur Betriebsmittelverwaltung ist zu beachten (vgl. M 2.2 Betriebsmittelverwaltung). Ergänzende Kontrollfragen: - In welchem Turnus wird der Ersatzbeschaffungsplan überarbeitet? - Wird der Ersatzbeschaffungsplan bei Änderungen des IT-Systems überarbeitet? _____________________________________________________________________ .......................................... 18 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.15 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.15 Lieferantenvereinbarungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, Leiter Beschaffung Verantwortlich für Umsetzung: Leiter Beschaffung Bei Kauf von Informationstechnik ergibt sich für den IT-Betreiber die Notwendigkeit, Ersatzbeschaffungsmaßnahmen zu planen. Von besonderer Bedeutung beim Kauf ist eine vom Hersteller oder Lieferanten zugesicherte Nachkaufgarantie, Ersatzteillieferung, garantierte Lieferzeiten, die Garantiezeit bei auftretenden Mängeln sowie der angebotene Support. Miet- bzw. Leasingverträge müssen Regelungen über schadensvorbeugende Wartungsarbeiten und die Anforderungen an die Beseitigung von Störungen oder Schäden beinhalten. Im Gegensatz zum Kauf von Informationstechnik ist bei deren Miete oder Leasing eine Vielzahl von Risiken über den Vermieter bereits abgesichert. In der Regel schließt ein Vermieter eine Feuerversicherung für die vermietete Informationstechnik ab, die vom Mieter durch den Mietvertrag mitbezahlt wird. Somit ist bei Miete oder Leasing von Informationstechnik auf die nicht vom Vertrag abgedeckten Versicherungslücken zu achten. Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es für zentrale IT-Komponenten Lieferantenvereinbarungen? _____________________________________________________________________ .......................................... 19 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.16 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.16 Abschließen von Versicherungen Verantwortlich für Initiierung: Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: Unternehmensleitung Für Bundesbehörden ist der Abschluß von Versicherungen unüblich. Die auch bei hinreichender Notfallplanung nicht auszuschließenden Restrisiken lassen sich teilweise durch Versicherungen abdecken. Die Versicherungsarten lassen sich gliedern in: - Sachversicherungen - Feuerversicherung - Leitungswasserversicherung - Einbruchdiebstahlversicherung - Montage-/Demontage-Versicherung - Transportversicherung - Datenträgerversicherung - Elektronik-Versicherung - Folgekostenversicherungen - Feuer-Betriebsunterbrechungs-Versicherung - Maschinen-Betriebsunterbrechungs-Versicherung - Mehrkostenversicherung - Elektronik-Betriebsunterbrechungs-Versicherung - Personenbezogene Versicherungen - Vertrauensschadenversicherung - Computer-Mißbrauch-Versicherung - Datenschutzversicherung _____________________________________________________________________ .......................................... 20 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.17 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.17 Alarmierungsplan und Brandschutzübungen Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, Brandschutzbeauftragter Verantwortlich für Umsetzung: Brandschutzbeauftragter Es ist erforderlich, Pläne für die im Brandfall zu ergreifenden Maßnahmen zu erstellen. In einem solchen Plan ist z. B. niederzulegen, - welche Maßnahmen bei welchen Ereignissen zu treffen sind, - ob und wie Gebäudeteile evtl. zu räumen sind (Personen und Geräte), - wer zu informieren ist und - welche hilfeleistenden Kräfte zu informieren sind. Ergänzt werden kann der Alarmierungsplan um Verhaltensregeln für den Brandfall, die allen Mitarbeitern bekanntzugeben sind. Dazu siehe auch Kapitel 3.3 Notfallvorsorge. Der beste Alarmierungsplan nützt allerdings wenig, wenn nicht sichergestellt ist, daß die darin aufgelisteten Maßnahmen richtig und praktikabel sind. Es ist also erforderlich, den Alarmplan regelmäßig zu prüfen und zu aktualisieren. Eine dieser Prüfungsmaßnahmen ist die Durchführung von Brandschutzübungen. Beispiel: Eine im Herbst 1993 in einem 21-geschossigen Bonner Bürogebäude durchgeführte Brandschutzübung hat gezeigt, daß viele Mitarbeiter nicht wußten, wo ein Feuerlöscher oder wo das Treppenhaus ist. Im Ernstfall kann diese Unkenntnis zu einer Katastrophe führen. Teilweise wurde die Übung ignoriert, man verließ aus Bequemlichkeit den Raum nicht. Gerade in Brandschutzübungen soll das richtige Verhalten im Brandfall geschult und geübt werden, um Menschenleben zu schützen und Schäden u. a. für die IT zu vermeiden. Die Durchführung solcher Übungen ist vorher mit der Behörden- bzw. Unternehmensleitung abzustimmen. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Resultate ergab die letzte Brandschutzübung? _____________________________________________________________________ .......................................... 21 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.18 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.18 Redundante Leitungsführung Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, Verantwortliche der einzelne ITAnwendungen Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik, Administrator Bei der redundanten Leitungsführung werden zwischen geeigneten Punkten im Netz neben den im normalen Betrieb genutzten Leitungen zusätzliche Verbindungen eingerichtet. Diese sollten über eine andere Trasse geführt werden. Dadurch besteht die Möglichkeit, bei Störungen auf die redundante Verbindung umzuschalten. Diese Umschaltung kann automatisch oder von Hand erfolgen. Die automatische Umschaltung ist an einer Stelle anzuzeigen, die die Störungsbeseitigung auf der normalen Leitung veranlaßt. Die Funktionsfähigkeit von redundanten Leitungen ist in sinnvollen Zeitabständen durch tatsächliche Nutzung auf ihre Funktionsfähigkeit hin zu überprüfen. Die Dimensionierung, die Prüfintervalle und die grundsätzliche Notwendigkeit von redundanten Leitungen ist direkt von der Verfügbarkeitsanforderung an das Netz abhängig. Ebenso muß man das Verhältnis der Bereitstellungszeit der redundanten Leitung zur Wiederherstellungszeit der normalen Leitung berücksichtigen. Es ist allerdings von entscheidender Bedeutung, ob es sich um Leitungen im öffentlichen Bereich (z. B. Telekom) oder im privaten Bereich handelt. - Bei Leitungen im öffentlichen Bereich hat der Benutzer keinen Einfluß auf deren Schutz. Das öffentliche Netz stellt grundsätzlich eine ausreichende Zahl von redundanten Leitungen zur Verfügung. Meistens reicht es aus, bei Ausfall einer Verbindung (gleichgültig ob Festverbindung oder Wählleitung) durch Aufbau einer Wählleitung die Verbindung wiederherzustellen. Die Schaltung von redundanten Festverbindungen ist in der Regel zu teuer und meistens verzichtbar. - In einem privaten Netz kann der Betreiber die Sicherheit von Leitungen wesentlich beeinflussen. Kostenüberlegungen führen meist dazu, daß es keine redundanten Leitungen gibt. In privaten Netzen verursachen redundante Leitungen jedoch außer den Herstellungskosten keine laufenden Ausgaben. _____________________________________________________________________ .......................................... 22 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.19 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.19 Datensicherung am PC Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Generell zu beachten sind die Anforderungen aus M 6.32 Regelmäßige Datensicherung. Beispielhaft soll nachfolgend aufgezeigt werden, wie auf einem PC Datensicherungen sinnvoll durchgeführt werden können: In einem wöchentlichen Rhythmus werden im Drei-Generationen-Prinzip (es werden drei verschiedene Datensicherungen erzeugt, bevor die erste überschrieben wird) sämtliche Anwendungsdaten sowie die Konfigurationsdaten der eingesetzten Software auf auslagerbare oder ausgelagerte Datenträger (Disketten, Wechselplatten, Streamertapes, Server) zu sichern. Sollte der zu sichernde Datenbestand zu umfangreich sein, so kann die Datensicherung auf Dateien beschränkt werden, deren Inhalte sich seit der letzten Datensicherung geändert haben (Differenzsicherung). Hierbei ist jedoch darauf zu achten, daß mit jeder dritten Datensicherung der gesamten Datenbestand gesichert werden muß (Vollsicherung). Die Datensicherung ist zu dokumentieren, zumindest ist die Bezeichnung des Datenträgers und das Datum der Datensicherung festzuhalten. Hierzu sind sprechende Bezeichnungen zu verwenden, wie z. B.: "BP940518"=Backup vom 18.05.94. Ferner sind die für die Datensicherung gewählten Parameter zu dokumentieren (Zur Dokumentation vgl. M 2.24 Einführung eines PC-Checkheftes). Die Datensicherung muß konform mit einem evtl. vorhandenen Datensicherungskonzept sein (vgl. M 6.13 Erstellung eines Datensicherungsplans). Stehen keine Produkte für eine komfortable Datensicherung zur Verfügung, so können systemzugehörige Programme, wie der DOS-Befehl BACKUP, verwendet werden. Falls mit dem eingesetzten Programm die Datensicherung durch Paßwort geschützt werden kann, sollte diese Option genutzt werden. Das Paßwort ist dann gesichert zu hinterlegen (siehe M 2.22 Hinterlegen des Paßwortes). Ergänzende Kontrollfragen: - Sind alle Daten eines Rechners gesichert? - Wird der Datensicherungsvorgang dokumentiert? - Ist der Datensicherungsvorgang konform zu einem vorhandenen Datensicherungskonzept? Hinweis: Diese Maßnahme wird von keinem der im IT-Grundschutzhandbuch enthaltenen Bausteine mehr verwendet. Der Inhalt dieser Maßnahme wurde bereits in die Maßnahmenbeschreibung zu M 6.32 Regelmäßige Datensicherung überführt. _____________________________________________________________________ .......................................... 23 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.20 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.20 Geeignete Aufbewahrung der Backup-Datenträger Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Backup-Datenträger unterliegen besonderen Anforderungen hinsichtlich ihrer Aufbewahrung: - Der Zugriff auf diese Datenträger darf nur befugten Personen möglich sein, so dass eine Entwendung ausgeschlossen werden kann. - Ein ausreichend schneller Zugriff muss im Bedarfsfall gewährleistet sein. - Für den Katastrophenfall müssen die Backup-Datenträger räumlich getrennt vom Rechner aufbewahrt werden, wenn möglich in einem anderen Brandabschnitt. Zu beachten sind auch die Anforderungen aus M 2.3 Datenträgerverwaltung. Ergänzende Kontrollfragen: - Wo werden die Datenträger der Datensicherung eines jeden Rechners aufbewahrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 24 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.21 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.21 Sicherungskopie der eingesetzten Software Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Von den Originaldatenträgern erworbener Software bzw. von der Originalsoftware bei Eigenentwicklungen ist eine Sicherungskopie zu erstellen, von der bei Bedarf die Software wieder eingespielt werden kann. Die Originaldatenträger und die Sicherungskopien sind getrennt voneinander aufzubewahren. Es ist darauf zu achten, daß der physikalische Schreibschutz des Datenträgers ein versehentliches Löschen oder Überschreiben der Daten verhindert. Wird die Software auf CD-ROM zur Verfügung gestellt, sollte alternativ nach der Installation von der CD-ROM eine Sicherungskopie der installierten Software erstellt werden, da der Datenumfang auf der CD-ROM i. allg. zu umfangreich ist. Ein unerlaubter Zugriff, z. B. zur Erstellung einer Raubkopie, muß ausgeschlossen sein. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind Sicherungskopien der eingesetzten Software angefertigt worden? - Ist die Aufbewahrung der Datenträger ausreichend sicher? _____________________________________________________________________ .......................................... 25 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.22 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.22 Sporadische Überprüfung auf Wiederherstellbarkeit von Datensicherungen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Für die Rekonstruktion eines Datenbestandes muß geprüft werden, ob mit den vorhandenen Sicherungskopien der Daten ein solches Vorhaben durchgeführt werden kann. Durch technische Defekte, falsche Parametrisierung, einer unzureichenden Datenträgerverwaltung oder der Nichteinhaltung von Regeln, die in einem Datensicherungskonzept gefordert werden, ist es möglich, daß eine Rekonstruktion eines Datenbestandes nicht möglich ist. Daher ist es notwendig, daß sporadisch überprüft wird, ob die erzeugten Datensicherungen zur Wiederherstellung verlorener Daten genutzt werden können. Ergänzende Kontrollfragen: - Wann wurde zuletzt überprüft, ob die gesicherten Daten rekonstruiert werden können? _____________________________________________________________________ .......................................... 26 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.23 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.23 Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Gibt es Anzeichen, daß ein Rechner von einem Computer-Virus befallen ist (z. B. Programmdateien werden länger, unerklärliches Systemverhalten, nicht auffindbare Dateien, veränderte Dateiinhalte, ständige Verringerung des freien Speicherplatzes, ohne daß etwas abgespeichert wurde), so sind zur Feststellung eines Computer-Virus und zur anschließenden Beseitigung folgende Schritte durchzuführen: 1. Ruhe bewahren! 2. Falls möglich, holen Sie einen fachkundigen PC-Betreuer zur Hilfe. 3. Beenden Sie die laufenden Programme und schalten Sie den Rechner aus. 4. Legen Sie eine einwandfreie, schreibgeschützte System-Diskette (die Notfall-Diskette, vgl. M 6.24 Erstellen einer PC-Notfalldiskette) in Laufwerk A: ein. 5. Booten Sie den Rechner von dieser Diskette (evtl. vorher Boot-Reihenfolge im CMOS-Setup ändern, siehe M 4.84 Nutzung der BIOS-Sicherheitsmechanismen). 6. Überprüfen Sie den Rechner mit einem aktuellen Viren-Suchprogramm um festzustellen, ob tatsächlich ein Computer-Virus aufgetreten ist und um welchen Computer-Virus es sich ggf. handelt. 7. Entfernen Sie den Virus abhängig vom jeweiligen Virustyp (falls sich Probleme ergeben, können Sie sich an die Viren-Hotline des BSI wenden unter (0228) 9582-444). 8. Überprüfen Sie mit dem Viren-Suchprogramm die Festplatte erneut. 9. Untersuchen Sie alle anderen Datenträger (Disketten, Wechselplatten) auf Virenbefall und entfernen Sie die Computer-Viren. 10. Versuchen Sie, die Quelle der Vireninfektion festzustellen. Ist die Quelle auf Original-Datenträger zurückzuführen, dann sollte der Hersteller informiert werden. Liegt die Quelle in Dateien oder E-Mail, so ist der Ersteller der Datei zu unterrichten. 11. Warnen Sie andere IT-Benutzer, wenn ein Daten-Austausch mit dem infizierten Rechner erfolgte. 12. Schicken Sie den Virus-Meldebogen ans BSI (Vordruck befindet sich im Anhang). Sollte der Computer-Virus Daten gelöscht oder verändert haben, versuchen Sie, die Daten aus den Datensicherungen (vgl. M 6.32 Regelmäßige Datensicherung) und die Programme aus den Sicherungskopien der Programme (vgl. M 6.21 Sicherungskopie der eingesetzten Software) zu rekonstruieren. Anschließend sollte nochmals Schritt 8 wiederholt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 27 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.23 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Werden diese Verhaltensregeln allen betroffenen Mitarbeitern bekanntgegeben? - Gibt es fachkundige Personen, die im Bedarfsfall die oben genannten Schritte durchführen können? _____________________________________________________________________ .......................................... 28 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.24 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.24 Erstellen einer PC-Notfalldiskette Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Bei der erstmaligen Einrichtung eines PC sollte eine Notfalldiskette erstellt werden, die bei Ausfall einer Festplatte zum Starten des Systems oder bei Auftreten eines Computer-Virus zum Erzeugen eines kontrollierten Systemzustands genutzt werden kann. Diese Diskette sollte als Systemdiskette formatiert werden (DOS-Befehl FORMAT A: /S). Anschließend sollten, soweit der Speicherplatz reicht, die folgenden Programme darauf gespeichert werden: der deutsche TastaturTreiber KEYB.COM sowie KEYBOARD.SYS, COUNTRY.SYS, HIMEM.SYS und die Programme FORMAT.EXE, SYS.COM, FDISK.EXE, CHKDSK.EXE, MEM.EXE und DEBUG.EXE. Darüber hinaus sollte eine AUTOEXEC.BAT sowie eine CONFIG.SYS-Datei generiert und auf der Notfall-Diskette gespeichert werden, die die gewünschte Tastaturbelegung und den gewohnten DOS-Prompt erzeugt. Dabei muß darauf geachtet werden, daß alle Pfadnamen auf die Diskette verweisen. Es dürfen keine Programme von der Festplatte geladen werden (es darf z. B. kein C: mehr enthalten sein!). Die Notfall-Diskette sollte ebenfalls einen Editor enthalten. Die Verfügbarkeit des Programms, mit dem die Backups erstellt wurden, muß ebenfalls sichergestellt sein. Es kann sich bei Speicherplatzproblemen aber auch auf einer zweiten Diskette befinden. Falls Treiber zur Festplattenkomprimierung eingesetzt wurden, müssen diese auch auf die Notfall-Diskette gespeichert werden, sonst kann im Notfall nicht auf die Festplatte zugegriffen werden. Neben den Betriebssystem-Dateien kann die Notfall-Diskette auch Hilfsprogramme zur Feststellung des Fehlers und zur Reparatur möglicher Defekte enthalten. Von Vorteil ist es auch, wenn die Daten der jeweiligen Systemkonfiguration vorliegen. Diese sollten schriftlich dokumentiert sein, z. B. in einem PC-Checkheft wie in M 2.24 Einführung eines PC-Checkheftes beschrieben, oder auf Datenträger vorliegen. Dafür gibt es diverse Programme, die die wesentlichen Konfigurationsdaten eines PCs auslesen. Die im Störungsfalle vorgefundenen Daten können dann problemlos mit den früher gespeicherten verglichen und gegebenenfalls berichtigt werden. Nach dem Erstellen der Notfall-Diskette sollte diese mit einem aktuellen Viren-Suchprogramm auf Computer-Viren überprüft und danach schreibgeschützt werden. Nach jedem Wechsel des Betriebssystems (z. B. auf eine neuere Version) ist sofort eine neue Notfall-Diskette zu erstellen. Um auf die Festplatte ohne Probleme zugreifen zu können, muß die Version des Betriebssystems mit der des betreffenden Rechners übereinstimmen. Je nach Betriebssystem müssen außerdem noch systemspezifische Aspekte beachtet werden (siehe z. B. M 6.46 Erstellung von Rettungsdisketten für Windows 95 oder M 6.42 Erstellung von Rettungsdisketten für Windows NT). _____________________________________________________________________ .......................................... 29 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.24 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ist die Notfalldiskette für den fachkundigen PC-Betreuer greifbar, erleichtert sie seine Arbeit gerade bei der Beseitigung von Computer-Viren. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde für jeden eingesetzten Rechnertyp bzw. jede BetriebssystemVersion eine PC-Notfalldiskette erstellt? - Ist der schnelle Zugriff auf diese Diskette sichergestellt? _____________________________________________________________________ .......................................... 30 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.25 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.25 Regelmäßige Datensicherung der ServerFestplatte Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator An die Verfügbarkeit der auf der Festplatte des Servers gespeicherten Daten müssen hohe Anforderungen gestellt werden, da in der Regel viele Benutzer auf diese Daten zugreifen. Mit einer regelmäßigen Datensicherung muß erreicht werden, daß alle Daten der Server-Festplatte, die z. B. nicht älter als ein Tag sind, rekonstruiert werden können (vgl. auch M 6.32 Regelmäßige Datensicherung). Ein mögliches Datensicherungskonzept wäre, täglich inkrementell (d. h. alle veränderten Dateien) zu sichern und einmal wöchentlich oder monatlich eine Komplettsicherung vorzunehmen. Dabei sollte mindestens das Drei-Generationen-Prinzip (es werden drei aufeinanderfolgende Datensicherungen erzeugt, bevor die erste überschrieben wird) eingehalten werden. Eine erfolgte Datensicherung ist unbedingt zu dokumentieren. Mindestens muß die (möglichst sprechende) Bezeichnung des Datenträgers, das Datum der Datensicherung und die Art der Sicherung (inkrementell/komplett) festgehalten werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind alle Daten der Festplatte des Servers möglichst aktuell gesichert? - Wird der Datensicherungsvorgang dokumentiert? - Verläuft der Datensicherungsvorgang konform zu einem vorhandenen Datensicherungskonzept (vgl. M 6.13 Erstellung eines Datensicherungsplans)? _____________________________________________________________________ .......................................... 31 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.26 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.26 Regelmäßige Datensicherung der TK-Anlagen-Konfigurationsdaten Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die in der TK-Anlage gespeicherten Daten sind in regelmäßigen Abständen zu sichern. Dies kann mit Hilfe eines anlageninternen oder -externen Bandlaufwerkes geschehen. Der Sicherungszyklus hängt dabei stark von der Anzahl der durchgeführten Administrationsvorgänge ab. Als ein Beispiel für einen sinnvollen Wert kann eine Datensicherung nach ca. 50 Administrationsvorgängen angenommen werden. Legt man den durchaus üblichen Wert von einer Veränderung pro Teilnehmer und Jahr zugrunde, so ergibt sich hieraus bei 600 Teilnehmern ein Datensicherungszyklus von einem Monat. Neben diesen regelmäßigen Datensicherungen sollte nach grundlegenden Änderungen ebenfalls eine Datensicherung erfolgen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird eine regelmäßige Datensicherung durchgeführt? - Kann die TK-Anlage mit den Datensicherungsbeständen ordnungsgemäß hochgefahren werden? - Wurden entsprechende Tests schon einmal durchgeführt? - Werden die Sicherungsbänder sicher aufbewahrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 32 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.27 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.27 Sichern des CMOS-RAM Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Benutzer von AT-Bus-Platten müssen normalerweise die Anzahl der Köpfe, Sektoren und Zylinder ihrer Festplatte von Hand ins Setup eintragen. In den Handbüchern finden sich diese Angaben nur selten, daher sollten sie unbedingt nach jeder Änderung schriftlich niedergelegt (z. B. im PC-Checkheft, M 2.24 Einführung eines PC-Checkheftes) oder mit einem entsprechenden Programm auf Diskette gespeichert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind Einträge ins CMOS-RAM eines Rechners schriftlich festgehalten? _____________________________________________________________________ .......................................... 33 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.28 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.28 Vereinbarungen über Lieferzeiten "lebensnotwendiger" TK-Baugruppen Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher Verantwortlich für Umsetzung: TK-Anlagen-Verantwortlicher Lebensnotwendige Baugruppen, wie zentrale Steuereinheiten, digitale Koppelfelder etc. sollten auch bei redundanter Auslegung in hinreichend kurzer Zeit lieferbar sein oder bevorratet werden. Redundante Baugruppen sollten ab und zu mit den aktiven ausgetauscht werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Ihrer Baugruppen sind "lebensnotwendig"? - Sind diese redundant ausgelegt? - Wird die Funktionsfähigkeit der Reservebaugruppen regelmäßig überprüft? - Wie lang sind die Lieferzeiten für die lebensnotwendigen Baugruppen? _____________________________________________________________________ .......................................... 34 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.29 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.29 TK-Basisanschluß für Notrufe Verantwortlich für Initiierung: TK-Anlagen-Verantwortlicher Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Bei einem Total- oder Teilausfall der TK-Anlage kann es geschehen, daß über die an diese Anlage angeschlossenen Amtsleitungen keine Verbindungen mehr möglich sind. Um dennoch Hilfe heranholen zu können, ist es sinnvoll, einen völlig separaten Basisanschluß bzw. analogen Fernsprechanschluß einzurichten. Ergänzende Kontrollfragen: - Wie können Notrufe weitergegeben werden, wenn die TK-Anlage ausgefallen ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 35 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.30 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.30 Katastrophenschaltung Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, Notfall-Verantwortliche, TK-Anlagen-Verantwortlicher Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um in Ausnahmesituationen zur Einleitung von Maßnahmen Telefonleitungen verfügbar zu haben, bieten einige TK-Anlagen die Möglichkeit, in einer sog. Katastrophenschaltung die vorhandenen kommenden und gehenden Leitungen vorher festgelegten Anschlüssen zuzuweisen. Dies gewährleistet, daß in einem Katastrophenfall wichtige Einrichtungen handlungsfähig bleiben. Steht diese Möglichkeit zur Verfügung, sollte sie genutzt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Zuordnung der Leitungen für die Katastrophenschaltung aktualisiert? - Wird im Notfall-Handbuch festgelegt, wann die Katastrophenschaltung auszulösen ist? - Wird die Nutzung der Leitungen im Notfall-Handbuch benannt? _____________________________________________________________________ .......................................... 36 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.31 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.31 Verhaltensregeln nach Verlust der Systemintegrität Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Falls sich das Unix-System in nicht vorgesehener Weise verhält (zum Beispiel undefiniertes Systemverhalten, nicht auffindbare Daten, veränderte Dateiinhalte, ständige Verringerung des freien Speicherplatzes, ohne dass etwas abgespeichert wurde), kann ein Verlust der Systemintegrität vorliegen. Dieser kann durch missbräuchliche Nutzung des Systems verursacht worden sein, zum Beispiel durch Veränderungen der Systemeinstellungen, Einspielen eines Trojanisches Pferdes oder eines Computer-Virus. missbräuchliche Nutzung Dann sollten die Benutzer folgende Punkte beachten: - Ruhe bewahren! Keine Panik! - Benachrichtigen Sie den Administrator. - Beenden Sie laufende Programme. Der Administrator sollte folgende Schritte durchführen: - Herunterfahren des Systems, - Hochfahren des Systems, so dass nur Zugriff von der Konsole aus möglich ist (z. B. Single-User-Modus), - Anfertigung einer Komplettdatensicherung (Dies ist beispielsweise hilfreich, wenn bei der nachfolgenden Untersuchung Daten oder Spuren zerstört werden.), vollständige Datensicherung - Überprüfung der ausführbaren Dateien auf sichtbare Veränderungen, z. B. Erstellungsdatum und Dateigröße (Da diese von einem Angreifer auch wieder auf ihre Ursprungswerte zurückgesetzt werden können, sollte die Integrität der Dateien mit Prüfsummenverfahren wie tripwire überprüft werden.), ausführbare Dateien prüfen - Löschen der ausführbaren Dateien und Wiedereinspielen der OriginalDateien von schreibgeschützten Datenträgern (vgl. M 6.21 Sicherungskopie der eingesetzten Software) (keine Programme aus der Datensicherung wiedereinspielen), Originaldateien wieder einspielen - Überprüfen und ggf. Wiedereinspielen der Systemverzeichnisse und -dateien und ihrer Attribute (z. B. /etc/inetd.conf, /etc/hosts.equiv, cronund at-jobs, etc.), - Überprüfung der Attribute aller Benutzerverzeichnisse und -dateien z. B. mit Prüfsummenverfahren wie tripwire und ggf. Zurücksetzen auf Minimal-Einstellungen (nur Rechte für den Eigentümer, keine root-Dateien in Benutzerbereichen, .rhost- und .forward-Dateien, auch gesperrte Accounts), Attribute prüfen - Änderung aller Passwörter, - Benachrichtigung der Benutzer mit der Bitte, ihre Bereiche auf Unregelmäßigkeiten zu prüfen. _____________________________________________________________________ .......................................... 37 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.31 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Nach der Änderung aller Passwörter müssen diese den betroffenen Benutzern mitgeteilt werden. Hierbei sollte kein allen Benutzern bekanntes Passwort oder Ableitungsschema benutzt werden. Besser ist es, die Passwörter zufällig zu erzeugen und den Benutzern auf zuverlässigem Weg mitzuteilen, z. B. in versiegelten Umschlägen. Diese Passwörter sollten unmittelbar nach der Erstanmeldung geändert werden. neue Passwörter zufällig erzeugen Wenn Anzeichen auf einen vorsätzlichen Angriff gegen ein Unix-System vorliegen, ist für die Schadensminimierung und weitere Schadensabwehr sofortiges Handeln notwendig. Hierzu ist ein Alarmplan erforderlich, in dem die einzuleitenden Schritte aufgeführt werden und festgelegt wird, welche Personen über den Vorfall zu unterrichten sind (siehe auch M 6.60 Verhaltensregeln und Meldewege bei Sicherheitsvorfällen). Der Alarmplan enthält ggf. auch Informationen darüber, ob und wie der Datenschutzbeauftragte und die Rechtsabteilung zu beteiligen sind. Alarmplan heranziehen Falls sich Probleme ergeben, können Sie sich an die Hotline des BSI wenden unter Tel. 0228-9582-444 oder E-Mail cert@bsi.de. Falls Daten gelöscht oder unerwünscht geändert wurden, können diese aus den Datensicherungen wiedereingespielt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Benutzer regelmäßig darüber informiert, dass bei Auftreten von Unregelmäßigkeiten sofort der Administrator benachrichtigt werden muss? - Wird diese Regelung auch angewendet? - Gibt es Administratoren mit entsprechenden Kenntnissen? - Ist ein Verfahren zur schnellen Vergabe von Passwörtern etabliert und getestet? _____________________________________________________________________ .......................................... 38 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.32 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.32 Regelmäßige Datensicherung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Zur Vermeidung von Datenverlusten müssen regelmäßige Datensicherungen durchgeführt werden. In den meisten Rechnersystemen können diese weitgehend automatisiert erfolgen. Es sind Regelungen zu treffen, welche Daten von wem wann gesichert werden. Empfehlenswert ist die Erstellung eines Datensicherungskonzepts. Datensicherungskonzept erstellen Abhängig von der Menge und Wichtigkeit der laufend neu gespeicherten Daten und vom möglichen Schaden bei Verlust dieser Daten ist folgendes festzulegen: - Zeitintervall Beispiele: täglich, wöchentlich, monatlich, - Zeitpunkt Beispiele: nachts, freitags abends, - Anzahl der aufzubewahrenden Generationen, Beispiel: Bei täglicher Komplettsicherung werden die letzten sieben Sicherungen aufbewahrt, außerdem die Freitagabend-Sicherungen der letzten zwei Monate. - Umfang der zu sichernden Daten Am einfachsten ist es, Partitionen bzw. Verzeichnisse festzulegen, die bei der regelmäßigen Datensicherung berücksichtigt werden. Eine geeignete Differenzierung kann die Übersichtlichkeit vergrößern sowie Aufwand und Kosten sparen helfen. Beispiel: selbsterstellte Dateien und individuelle Konfigurationsdateien. - Speichermedien (abhängig von der Datenmenge) Beispiele: Bänder, Kassetten, Disketten, Spiegelung auf 2. Platte, - Vorherige Löschung der Datenträger vor Wiederverwendung (Bänder, Kassetten) - Zuständigkeit für die Durchführung (Administrator, Benutzer) - Zuständigkeit für die Überwachung der Sicherung, insbesondere bei automatischer Durchführung (Fehlermeldungen, verbleibender Platz auf den Speichermedien) - Dokumentation der erstellten Sicherungen (Datum, Art der Durchführung der Sicherung / gewählte Parameter, Beschriftung der Datenträger) Wegen des großen Aufwands können Komplettsicherungen in der Regel höchstens einmal täglich durchgeführt werden. Die seit der letzten Sicherung erstellten Daten können nicht wiedereingespielt werden. Daher und zur Senkung der Kosten sollen zwischen den Komplettsicherungen regelmäßig inkrementelle Sicherungen durchgeführt werden, das heißt, nur die seit der inkrementelle Sicherung _____________________________________________________________________ .......................................... 39 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.32 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... letzten Komplettsicherung neu erstellten Daten werden gesichert. (Werden zwischen zwei Komplettsicherungen mehrere inkrementelle Sicherungen durchgeführt, können auch jeweils nur die seit der letzten inkrementellen Sicherung neu erstellten Daten gesichert werden.) Eine inkrementelle Sicherung kann häufiger erfolgen, zum Beispiel sofort nach Erstellung wichtiger Dateien oder mehrmals täglich. Die Vereinbarkeit mit dem laufenden Betrieb ist sicherzustellen. Für eingesetzte Software ist in der Regel die Aufbewahrung der Originaldatenträger und deren Sicherungskopien ausreichend. Sie braucht dann von der regelmäßigen Datensicherung nicht erfasst zu werden. Alle Benutzer sollten über die Regelungen zur Datensicherung informiert sein, um ggf. auf Unzulänglichkeiten (zum Beispiel zu geringes Zeitintervall für ihren Bedarf) hinweisen oder individuelle Ergänzungen vornehmen zu können (zum Beispiel zwischenzeitliche Spiegelung wichtiger Daten auf der eigenen Platte). Auch die Information der Benutzer darüber, wie lange die Daten wiedereinspielbar sind, ist wichtig. Werden zum Beispiel bei wöchentlicher Komplettsicherung nur zwei Generationen aufbewahrt, bleiben in Abhängigkeit vom Zeitpunkt des Verlustes nur zwei bis drei Wochen Zeit, um die Wiedereinspielung vorzunehmen. Benutzer informieren Falls bei vernetzten Rechnern nur die Server-Platten gesichert werden, ist sicherzustellen, dass die zu sichernden Daten regelmäßig von den Benutzern oder automatisch dorthin überspielt werden. Vertrauliche Daten sollten vor der Sicherung möglichst verschlüsselt werden, wobei darauf zu achten ist, dass eine Entschlüsselung auch nach einem längeren Zeitraum möglich sein sollte (siehe M 6.56 Datensicherung bei Einsatz kryptographischer Verfahren). Verschlüsselung vertraulicher Daten Der Ausdruck von Daten auf Papier ist keine angemessene Art der Datensicherung. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind alle Daten eines Rechners gesichert? - Wird der Datensicherungsvorgang dokumentiert? - Ist der Datensicherungsvorgang konform zu einem vorhandenen Datensicherungskonzept? _____________________________________________________________________ .......................................... 40 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.33 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.33 Entwicklung eines Datensicherungskonzepts Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Die Verfahrensweise der Datensicherung wird von einer großen Zahl von Einflußfaktoren bestimmt. Das IT-System, das Datenvolumen, die Änderungsfrequenz der Daten und die Verfügbarkeitsanforderungen sind einige dieser Faktoren. Im Datensicherungskonzept gilt es, eine Lösung zu finden, die diese Faktoren berücksichtigt und gleichzeitig unter Kostengesichtspunkten wirtschaftlich vertretbar ist. Die technischen Möglichkeiten, Datensicherungen durchzuführen, sind vielfältig. Jedoch wird die Auswahl immer von den genannten Faktoren bestimmt. Daher gilt es zunächst, die Einflußgrößen der IT-Systeme und der damit realisierten IT-Anwendungen zu bestimmen und nachvollziehbar zu dokumentieren. Anschließend muß die geeignete Verfahrensweise entwickelt und dokumentiert werden. Zum Abschluß muß durch die Behörden/Unternehmensleitung die Durchführung angeordnet werden. Das Datensicherungskonzept muß für die Gewährleistung einer funktionierenden Datensicherung die Datenrestaurierbarkeit mittels praktischer Übungen als Verpflichtung vorsehen (siehe M 6.41 Übungen zur Datenrekonstruktion). Die Ergebnisse sollten aktualisierbar und erweiterbar in einem Datensicherungskonzept niedergelegt werden. Ein möglicher Aufbau eines Datensicherungskonzepts ist im nachfolgenden Inhaltsverzeichnis beispielhaft aufgezeigt: Inhaltsverzeichnis Datensicherungskonzept 1. Definitionen - Anwendungsdaten, Systemdaten, Software, Protokolldaten - Vollsicherung, inkrementelle Datensicherung 2. Gefährdungslage zur Motivation - Abhängigkeit der Institution vom Datenbestand - Typische Gefährdungen wie ungeschulte Benutzer, gemeinsam genutzte Datenbestände, Computer-Viren, Hacker, Stromausfall, Festplattenfehler - Institutionsrelevante Schadensursachen - Schadensfälle im eigenen Haus 3. Einflußfaktoren je IT-System - Spezifikation der zu sichernden Daten - Verfügbarkeitsanforderungen der IT-Anwendungen an die Daten - Rekonstruktionsaufwand der Daten ohne Datensicherung - Datenvolumen - Änderungsvolumen _____________________________________________________________________ .......................................... 41 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.33 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Änderungszeitpunkte der Daten - Fristen - Vertraulichkeitsbedarf der Daten - Integritätsbedarf der Daten - Kenntnisse und datenverarbeitungsspezifische Fähigkeiten der IT-Benutzer 4. Datensicherungsplan je IT-System 4.1 Festlegungen je Datenart - Art der Datensicherung - Häufigkeit und Zeitpunkt der Datensicherung - Anzahl der Generationen - Datensicherungsmedium - Verantwortlichkeit für die Datensicherung - Aufbewahrungsort der Backup-Datenträger - Anforderungen an das Datensicherungsarchiv - Transportmodalitäten - Rekonstruktionszeiten bei vorhandener Datensicherung 4.2 Festlegung der Vorgehensweise bei der Datenrestaurierung 4.3 Randbedingungen für das Datensicherungsarchiv - Vertragsgestaltung (bei externen Archiven) - Refresh-Zyklen der Datensicherung - Bestandsverzeichnis - Löschen von Datensicherungen - Vernichtung von unbrauchbaren Datenträgern 4.4 Vorhalten von arbeitsfähigen Lesegeräten 5. Minimaldatensicherungskonzept 6. Verpflichtung der Mitarbeiter zur Datensicherung 7. Sporadische Restaurierungsübungen Einzelne Punkte dieses Datensicherungskonzepts werden in den Maßnahmen M 6.34 Erhebung der Einflußfaktoren der Datensicherung, M 6.35 Festlegung der Verfahrensweise für die Datensicherung, M 6.37 Dokumentation der Datensicherung, M 6.41 Übungen zur Datenrekonstruktion und M 2.41 Verpflichtung der Mitarbeiter zur Datensicherung näher ausgeführt, so daß nach Bearbeitung dieser Maßnahmen für jedes relevante IT-System die wesentlichen Teile eines anwenderspezifischen Datensicherungskonzepts erstellt sind. _____________________________________________________________________ .......................................... 42 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.33 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Ist für die Institution ein aktuelles Datensicherungskonzept dokumentiert? - Sind sämtliche betroffenen IT-Systeme in diesem Konzept aufgeführt? - Wie werden Mitarbeiter über den sie betreffenden Teil des Konzepts unterrichtet? - Wird die Einhaltung dieses Konzepts kontrolliert? - Wie werden Änderungen der Einflußfaktoren berücksichtigt? _____________________________________________________________________ .......................................... 43 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.34 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.34 Erhebung der Einflußfaktoren der Datensicherung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Verantwortliche der einzelnen IT-Anwendungen Für jedes IT-System, eventuell sogar für einzelne IT-Anwendungen mit besonderer Bedeutung, müssen die nachfolgenden Einflußfaktoren ermittelt werden. Dazu können die Systemadministratoren und die Verantwortlichen der einzelnen IT-Anwendungen befragt werden. Die Ergebnisse sind nachvollziehbar zu dokumentieren. Nachfolgend soll an einem fiktiven Beispiel aufgezeigt werden, wie die Ermittlung der Einflußfaktoren in der Praxis vollzogen werden kann. Das Beispiel geht von einem servergestützten LAN mit 10 angeschlossenen PCs als Workstations aus. Das IT-System dient der Auftragsbearbeitung mittels einer Kundendatenbank. Die Anwendungsdaten werden zentral auf dem Netzserver gespeichert. Im einzelnen muß ermittelt werden: Spezifikation der zu sichernden Daten Ermittelt werden sollte der Datenbestand des IT-Systems (der ITAnwendung), der für die Erledigung der Fachaufgaben erforderlich ist. Dazu gehören die Anwendungs- und Betriebssoftware, die Systemdaten (z. B. Initialisierungsdateien, Makrodefinitionen, Konfigurationsdaten, Textbausteine, Paßwortdateien, Zugriffsrechtedateien), die Anwendungsdaten selbst und Protokolldaten (Login-Protokollierung, Protokolle über Sicherheitsverletzungen, Datenübertragungsprotokolle, ...). Beispielergebnis 1: Spezifikation der zu sichernden Daten IT-System: Servergestütztes LAN mit 10 angeschlossenen PCs Zu sichernde Daten: - Software: Netzbetriebssystem, Betriebssysteme der PCs, Textverarbeitungssoftware, Datenbanksoftware etc. in Form von Standardsoftware - Systemdaten: am Netz-Server: Systeminterne Einstellungen (z. B. Rechtestruktur, Paßworte) an den PCs: Initialisierungsdateien der Textverarbeitungssoftware und der Datenbanksoftware, Makrodefinitionen und Textbausteine - Anwendungsdaten auf dem Netz-Server: Dateien mit Schriftverkehr, Kundendatenbank - Protokolldaten auf dem Netz-Server: Protokollierung der NetzAktivitäten _____________________________________________________________________ .......................................... 44 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.34 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Verfügbarkeitsanforderungen der IT-Anwendungen an die Daten Für die im ersten Schritt spezifizierten Daten müssen nun die Verfügbarkeitsanforderungen festgelegt werden. Ein erprobtes Maß dazu ist die Angabe der maximal tolerierbaren Ausfallzeit (mtA). Sie gibt an, über welchen Zeitraum die Fachaufgabe ohne diese Daten weitergeführt werden kann, ohne daß auf Datensicherungsbestände zurückgegriffen werden muß. Betrachtet werden sollte dabei auch, ob aufgrund der Papierlage ohne ITUnterstützung kurzfristig weitergearbeitet werden kann. Beispielergebnis 2: Verfügbarkeitsanforderungen - Software: mtA 1 Tag - Systemdaten: am Netz-Server: mtA 1 Tag am PC: mtA 1 Woche (auf einen PC kann bis zu einer Woche verzichtet werden) - Anwendungsdaten: Dateien mit Schriftverkehr: mtA 1 Woche Kundendatenbank: mtA 1 Tag - Protokolldaten: mtA 3 Tage Rekonstruktionsaufwand der Daten ohne Datensicherung Um ein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten angemessenes Datensicherungskonzept zu entwickeln, ist es notwendig zu wissen, ob und mit welchem Aufwand zerstörte Datenbestände rekonstruiert werden können, wenn eine Datensicherung nicht zur Verfügung steht. Untersucht werden sollte, aus welchen Quellen die Daten rekonstruiert werden können. Beispiele hierfür sind die Aktenlage, Ausdrucke, Mikrofiche, Befragungen und Erhebungen. Gemessen werden sollte der pekuniäre Aufwand oder der Arbeitsaufwand von Datenerfassungskräften in Arbeitstagen (AT). Beispielergebnis 3: Rekonstruktionsaufwand Software: Wiederbeschaffung durch Kauf und anschließender Installation innerhalb eines Tages (sofern keine Originalsoftware mehr vorliegt) Systemdaten: am Netz-Server: manuelle Rekonstruktion: 1 AT am PC: 1 AT Anwendungsdaten: Dateien mit Schriftverkehr: zielorientierte Erfassung aus aktueller Papierlage: 10 AT (eine vollständige Nacherfassung des Schriftverkehrs ist nicht erforderlich) _____________________________________________________________________ .......................................... 45 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.34 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Kundendatenbank: Kompletterfassung aus Papierlage: 10 AT Protokolldaten: nicht rekonstruierbar, da kein Ausdruck auf Papier erfolgt Datenvolumen Für die Auswahl des Speichermediums ist ein entscheidender Faktor das gespeicherte und zu sichernde Datenvolumen. Die erforderliche Angabe richtet sich ausschließlich auf die zu sichernden Daten und sollte als Maßeinheit Megabyte (MB) benutzen. Beispielergebnis 4: Datenvolumen Software: 100 MB Systemdaten: am Netz-Server: 2 MB am PC: 0,3 MB Anwendungsdaten: Dateien mit Schriftverkehr: 100 MB Kundendatenbank: 10 MB Protokolldaten: 10 MB (wöchentliche Kontrolle nebst Löschung) Änderungsvolumen Um die Häufigkeit der Datensicherung und das adäquate Sicherungsverfahren bestimmen zu können, muß bekannt sein, wieviele Daten/Dateien sich in einem bestimmten Zeitabschnitt ändern. Als Arbeitsgröße wäre hier eine Einheit MB/Woche denkbar. Notwendig sind Angaben, ob bestehende Dateien inhaltlich geändert oder ob neue Dateien erzeugt werden. Beispielergebnis 5: Änderungsvolumen Software: durchschnittlich 50 MB bei einem Versionswechsel, höchstens einmal jährlich Systemdaten: am Netz-Server: 0,1 MB/Woche am PC: 0,1 MB/Woche Anwendungsdaten: Dateien mit Schriftverkehr: 1 MB/Woche durch neue Dateien Kundendatenbank: 10 MB/Woche durch Änderungen in der Datenbank (die Datenbank kann nur vollständig gesichert werden). Protokolldaten: 10 MB/Woche Änderungszeitpunkte der Daten Es gibt IT-Anwendungen, bei denen sich Datenänderungen nur zu bestimmten Terminen ergeben, wie zum Beispiel der Abrechnungslauf zur Lohnbuchhal- _____________________________________________________________________ .......................................... 46 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.34 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... tung zum Monatsende. In solchen Fällen ist eine Datensicherung unverzüglich nach einem solchen Termin sinnvoll. Daher sollte für die zu sichernden Daten angegeben werden, ob sie sich täglich, wöchentlich oder zu bestimmten Terminen ändern. Beispielergebnis 6: Änderungszeitpunkte Software: Änderungen nur bei einem Versionswechsel Systemdaten: häufige Änderungen Anwendungsdaten: Dateien mit Schriftverkehr: tägliche Änderungen Kundendatenbank: tägliche Änderungen Protokolldaten: ständige Änderung Fristen Für die Daten ist zu klären, ob bestimmte Fristen einzuhalten sind. Hierbei kann es sich um Aufbewahrungsfristen oder auch um Löschfristen im Zusammenhang mit personenbezogenen Daten handeln. Diese Fristen sind bei der Festlegung der Datensicherung zu berücksichtigen. Beispielergebnis 7: Fristen Software: Aufbewahrung erforderlich der Datensicherungsbestände ist nicht Systemdaten: Aufbewahrung der Datensicherungsbestände ist nicht erforderlich Anwendungsdaten: Dateien mit Schriftverkehr: Aufbewahrungsfrist für Buchungsbelege beträgt sechs Jahre (§257 HGB); ein (Jahres-) Datensicherungsbestand ist für diese Zeit aufzuheben Kundendatenbank: Aufbewahrung der Daten ist nicht erforderlich, Löschfristen sind gemäß BDSG (§20 bzw. § 35) zu beachten Protokolldaten: nach der wöchentlichen Auswertung der Protokolldaten müssen regelmäßig 2 MB der Daten für ein Jahr bzw. bis zur Prüfung durch den Datenschutzbeauftragten aufbewahrt werden Vertraulichkeitsbedarf der Daten Der Vertraulichkeitsbedarf einer Datei überträgt sich bei einer Datensicherung auf die Sicherungskopie. Bei der Zusammenführung von Sicherungskopien mit gleichem Vertraulichkeitsbedarf auf einem Datenträger, kann sich durch die Kumulation ein höherer Vertraulichkeitsbedarf der gespeicherten Daten ergeben. Anzugeben ist also, wie hoch der Vertraulichkeitsbedarf der einzelnen zu sichernden Daten ist und zusätzlich, welche Kombinationen von Daten einen höheren Vertraulichkeitsbedarf haben als die Daten selbst. _____________________________________________________________________ .......................................... 47 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.34 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Beispielergebnis 8: Vertraulichkeitsbedarf Software: geringer Vertraulichkeitsbedarf, da es sich um öffentlich zugängliche Daten handelt, lediglich Copyright-Vereinbarungen sind zu beachten Systemdaten: am Netz-Server: mittel vertraulich (Paßworte sind verschlüsselt gespeichert) am PC: nicht vertraulich Anwendungsdaten: Dateien mit Schriftverkehr: Einzeldateien besitzen mittleren Vertraulichkeitsbedarf, sämtliche Dateien zusammen einen hohen Vertraulichkeitsbedarf Kundendatenbank: hoher Vertraulichkeitsbedarf Protokolldaten: hoher Vertraulichkeitsbedarf (personenbezogene Daten, die ein Nutzungsprofil ermöglichen) Integritätsbedarf der Daten Für Datensicherungen muß sichergestellt sein, daß die Daten integer gespeichert wurden und während der Aufbewahrungszeit nicht verändert werden. Dies ist um so wichtiger, je höher der Integritätsbedarf der Nutzdaten ist. Daher ist für die Datensicherungen anzugeben, wie hoch der Integritätsbedarf ist. Beispielergebnis 9: Integritätsbedarf Software: die Software muß hohe Integritätsansprüche erfüllen Systemdaten: am Netz-Server: hoher Integritätsbedarf (wegen Rechteverwaltung) am PC: hoher Integritätsanspruch Anwendungsdaten: Dateien mit Schriftverkehr: Einzeldateien besitzen einen mittleren Integritätsbedarf Kundendatenbank: hoher Integritätsbedarf Protokolldaten: die Daten besitzen bis zur Auswertung einen hohen Integritätsbedarf, nach der Auswertung besitzen nur noch die aufzubewahrenden Daten einen mittleren Integritätsbedarf. _____________________________________________________________________ .......................................... 48 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.34 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Kenntnisse und datenverarbeitungsspezifische Fähigkeiten der ITBenutzer Um entscheiden zu können, wer die Datensicherung durchführt, der IT-Benutzer selbst oder speziell beauftragte Mitarbeiter bzw. die Systemadministratoren, ist ausschlaggebend, über welche Kenntnisse und datenverarbeitungsspezifischen Fähigkeiten der IT-Benutzer verfügt und welche Werkzeuge ihm zur Verfügung gestellt werden können. Falls die zeitliche Belastung bei der Durchführung einer Datensicherung für ITBenutzer zu hoch ist, sollte dies angegeben werden. Beispielergebnis 10: Kenntnisse Der Netzadministrator verfügt über ausreichende Kenntnisse, die Datensicherung am Netz-Server durchzuführen. Die IT-Benutzer des PCs verfügen über ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten, die Datensicherung der PCSystemdaten selbständig durchzuführen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden bei der Erhebung der Einflußfaktoren sowohl Systemadministratoren als auch die IT-Anwender eingebunden? die - Wie werden diese Angaben aktualisiert? - Werden neue Anforderungen rechtzeitig Datensicherungskonzept berücksichtigt? in einem aktualisierten _____________________________________________________________________ .......................................... 49 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.35 Festlegung der Verfahrensweise für die Datensicherung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, IT-Verfahrensverantwortlicher Die Verfahrensweise, wie die Datensicherung durchzuführen ist, wird von den in M 6.34 Erhebung der Einflußfaktoren der Datensicherung erhobenen Einflußfaktoren bestimmt. Für jedes IT-System und für jede Datenart muß die Verfahrensweise der Datensicherung festgelegt werden. Bei Bedarf ist sogar noch eine Unterscheidung für einzelne IT-Anwendungen des IT-Systems vorzunehmen, wenn sich hier differente Datensicherungsstrategien ergeben, was insbesondere im Großrechnerbereich sinnvoll sein kann. Folgende Modalitäten einer Datensicherung sind für die Festlegung einer Verfahrensweise für die Datensicherung zu betrachten: - Art der Datensicherung, - Häufigkeit und Zeitpunkt der Datensicherung, - Anzahl der Generationen, - Vorgehensweise und Speichermedium, - Verantwortlichkeit für die Datensicherung, - Aufbewahrungsort, - Anforderungen an das Datensicherungsarchiv, - Transportmodalitäten, - Aufbewahrungsmodalität. In der nachfolgenden Tabelle werden die Abhängigkeiten zwischen den Modalitäten einer Datensicherung und den Einflußfaktoren dargestellt und anschließend erläutert: Art der Datensicherung Verfügbarkeitsanforderungen X Rekonstruktionsaufwand ohne Datens. Datenvolumen Änderungsvolumen Änderungszeitpunkte der Daten X X (X) Häufigkeit Anzahl der und Zeit- Generapunkte der tionen Datens. (X) X (X) X X X X X Vertraulichkeitsbedarf der Daten Kenntnisse der IT-Benutzer (X) X X Verantwortlichkeit für Datens. X X X Aufbewah- Anforde- Transport- Aufberungsort rungen an modaliwahrungsDS-Archiv täten modalität X X X X X X (X) Fristen Integritätsbedarf der Daten Vorgehens weise und Speichermedium X (X) X X X X X X (X) X X X X X X X bedeutet direkter Einfluß, (X) bedeutet indirekter Einfluß _____________________________________________________________________ .......................................... 50 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Erläuterungen: Art der Datensicherung Folgende Datensicherungsarten lassen sich aufzeigen: - Datenspiegelung: bei der Datenspiegelung werden die Daten redundant und zeitgleich auf verschiedenen Datenträgern gespeichert. Da es sich meist um schnelle Datenträger handelt, entstehen durch die doppelte Auslegung der Datenträger und durch die notwendige Steuerungssoftware entsprechend hohe Kosten. Der wesentliche Vorteil der Datenspiegelung ist, daß der Ausfall eines dieser Speicher ohne Zeitverlust überbrückt werden kann. - Volldatensicherung: bei der Volldatensicherung werden sämtliche zu sichernden Dateien zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einen zusätzlichen Datenträger gespeichert. Es wird dabei nicht berücksichtigt, ob die Dateien sich seit der letzten Datensicherung geändert haben oder nicht. Daher benötigt eine Volldatensicherung einen hohen Speicherbedarf. Der Vorteil ist, daß die Daten vollständig für den Sicherungszeitpunkt vorliegen und die Restaurierung von Dateien einfach und schnell möglich ist, da nur die betroffenen Dateien aus der letzten Volldatensicherung extrahiert werden müssen. Werden Volldatensicherungen selten durchgeführt, so kann sich durch umfangreiche nachträgliche Änderungen innerhalb einer Datei ein hoher Nacherfassungsaufwand ergeben. - Inkrementelle Datensicherung: bei der inkrementellen Datensicherung werden im Gegensatz zur Volldatensicherung nur die Dateien gesichert, die sich gegenüber der letzten Datensicherung (Volldatensicherung oder inkrementelle Sicherung) geändert haben. Dies spart Speicherplatz und verkürzt die erforderliche Zeit für die Datensicherung. Für die Restaurierung der Daten ergibt sich i. allg. ein höherer Zeitbedarf, da die Dateien aus Datensicherungen verschiedener Zeitpunkte extrahiert werden müssen. Die inkrementelle Datensicherung basiert immer auf einer Volldatensicherung. In periodischen Zeitabständen werden Volldatensicherungen erzeugt, in der Zeit dazwischen werden eine oder mehrere inkrementelle Datensicherungen vollzogen. Bei der Restaurierung wird die letzte Volldatensicherung als Grundlage genommen, die um die in der Zwischenzeit geänderten Dateien aus den inkrementellen Sicherungen ergänzt wird. - Differentielle Datensicherung: bei der differentiellen Datensicherung werden nur die Dateien gesichert, die sich gegenüber der letzten Volldatensicherung geändert haben. Eine differentielle Datensicherung benötigt mehr Speicherplatz als eine inkrementelle, Dateien lassen sich aber einfacher und schneller restaurieren. Für die Restaurierung der Daten reicht die letzte Volldatensicherung sowie die aktuellste differentielle, nicht wie bei der inkrementellen, wo u. U. mehrere Datensicherungen nacheinander eingelesen werden müssen. Eine spezielle Form dieser genannten Datensicherungsstrategien ist die ImageDatensicherung. Bei der Image-Datensicherung werden nicht die einzelnen Dateien eines Festplattenstapels gesichert, sondern die physikalischen _____________________________________________________________________ .......................................... 51 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Sektoren der Festplatte. Es handelt sich dabei um eine Vollsicherung, die sehr schnell auf eine gleichartige Festplatte restauriert werden kann. Eine weitere Form ist das Hierarchische Speicher-Management (HSM). Hierbei geht es in erster Linie um die wirtschaftliche Ausnutzung teurer Speicher. Dateien werden abhängig von der Häufigkeit, mit der auf sie zugegriffen wird, auf schnellen Online-Speichern (Festplatten) gehalten, auf Nearline-Speicher (automatische Datenträger-Wechselsysteme) ausgelagert oder auf OfflineSpeichern (Magnetbänder) archiviert. Gleichzeitig bieten diese HSM-Systeme i. allg. auch automatische Datensicherungsroutinen kombiniert aus inkrementeller Datensicherung und Volldatensicherung. Eine redundante Datenspeicherung bieten RAID-Systeme an (Redundant Array of Inexpensive Disks). Das RAID-Konzept beschreibt die Verbindung von mehreren Festplatten unter dem Kommando eines sogenannten ArrayControllers. Man unterscheidet verschiedene RAID-Level, wovon RAIDLevel 1 die Datenspiegelung beschreibt. RAID-Systeme ersetzen keine Datensicherung! RAID-Systeme helfen nicht bei Diebstahl oder Brand, daher müssen auch die auf RAID-Systemen gespeicherten Daten auf zusätzliche Medien gesichert werden und diese Medien auch in anderen Brandabschnitten untergebracht werden. Für die Entscheidung, welche Datensicherungsstrategie angewendet werden soll, sind die folgenden Einflußfaktoren zu berücksichtigen, um eine für die Anforderungen geeignete und gleichzeitig wirtschaftliche Form zu finden: Verfügbarkeitsanforderungen: Sind die Verfügbarkeitsanforderungen sehr hoch, so ist eine Datenspiegelung in Erwägung zu ziehen, sind die Verfügbarkeitsanforderungen hoch, so sollte einer Volldatensicherung gegenüber der inkrementellen Datensicherung der Vorzug gegeben werden. Datenvolumen und Änderungsvolumen: Entspricht das Änderungsvolumen annähernd dem Datenvolumen (z. B. bei der Nutzung einer Datenbank), so verringert sich die Speicherplatzersparnis der inkrementellen Datensicherung so stark, daß eine Vollsicherung in Erwägung gezogen werden kann. Ist jedoch das Änderungsvolumen erheblich kleiner als das Datenvolumen, so spart die inkrementelle Datensicherung Speicherplatz und damit Kosten im großen Umfang. Änderungszeitpunkte der Daten: Einen geringen Einfluß auf die Datensicherungsstrategie können die Änderungszeitpunkte der Daten haben. Gibt es Zeitpunkte, an denen anwendungsbezogen der Komplettdatenbestand gesichert werden muß (z. B. nach buchhalterischen Tages-, Wochen-, Monats- oder Jahresabschlüsse), so kommt zu diesen Zeitpunkten nur eine Vollsicherung in Frage. Kenntnisse der IT-Benutzer: Die Implementierung einer Datenspiegelung setzt entsprechende Kenntnisse des Systemadministrators voraus, erfordert jedoch auf Seiten der ITBenutzer keinerlei Kenntnisse. Eine Volldatensicherung läßt sich auch von _____________________________________________________________________ .......................................... 52 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... einem IT-Benutzer mit geringen Systemkenntnissen durchführen. Demgegenüber erfordert eine inkrementelle Datensicherung schon mehr Systemkenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit Datensicherungen. Häufigkeit und Zeitpunkte der Datensicherung Tritt ein Datenverlust ein (z. B. durch Headcrash auf der Festplatte), so müssen zur Restaurierung der Daten sämtliche Datenänderungen seit der letzten Datensicherung nochmals vollzogen werden. Je kürzer der zeitliche Abstand der Datensicherungen ist, um so geringer ist i. allg. auch der für eine Restaurierung und Nacherfassung erforderliche Zeitaufwand. Gleichzeitig muß beachtet werden, daß der Zeitpunkt der Datensicherung nicht nur periodisch (täglich, wöchentlich, werktags, ...) gewählt werden kann, sondern daß auch ereignisabhängige Datensicherungen (z. B. nach x Transaktionen, nach Ausführung eines bestimmten Programms, nach Systemänderungen) notwendig sein können. Zur Auswahl der Häufigkeit und Zeitpunkte der Datensicherung sind folgende Einflußfaktoren zu beachten. Verfügbarkeitsanforderungen, Rekonstruktionsaufwand ohne Datensicherung und Änderungsvolumen: Der zeitliche Abstand der Datensicherungen ist so zu wählen, daß die Restaurierungs- und Nacherfassungszeit (Rekonstruktionsaufwand der geänderten Daten, für die keine Datensicherung vorhanden ist) der in diesem Zeitraum geänderten Daten (Änderungsvolumen) kleiner als die maximal tolerierbare Ausfallzeit ist. Änderungszeitpunkte der Daten: Gibt es Zeitpunkte, an denen sich die Daten in großem Umfang ändern (z. B. Programmlauf für Gehaltszahlung oder Versionswechsel der Software) oder an denen der Komplettdatenbestand vorliegen muß, so bietet es sich an, unmittelbar danach eine Volldatensicherung durchzuführen. Dazu sind neben den periodischen die ereignisabhängigen Datensicherungszeitpunkte festzulegen. Anzahl der Generationen Einerseits werden Datensicherungen in kurzen Zeitabständen wiederholt, um eine Kopie eines möglichst aktuellen Datenbestandes verfügbar zu haben, andererseits muß die Datensicherung gewährleisten, daß gesicherte Daten möglichst lange aufbewahrt werden. Bezeichnet man eine Volldatensicherung als Generation, so bedarf es einer Festlegung der Anzahl der aufzubewahrenden Generationen und des zeitlichen Abstandes, der zwischen den Generationen liegen muß. Diese Anforderungen lassen sich an folgenden Beispielen erläutern: - Wird eine Datei absichtlich oder unabsichtlich gelöscht, so ist diese Datei in allen späteren Datensicherungen nicht mehr verfügbar. Stellt sich heraus, daß diese gelöschte Datei dennoch benötigt wird, so muß zur Restaurierung auf eine ältere Datensicherung zurückgegriffen werden, die zeitlich vor dem Löschen erstellt wurde. Ist eine solche Generation nicht mehr vorhanden, so muß die Datei neu erfaßt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 53 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Tritt ein Integritätsverlust in einer Datei auf (z. B. durch einen technischen Defekt, durch unbeabsichtigtes Ändern einer Datei oder durch einen Computer-Virus), so ist es wahrscheinlich, daß dies nicht direkt, sondern erst zeitlich versetzt bemerkt wird. Um die Integrität der Datei wiederherstellen zu können, muß dann auf eine Generation zurückgegriffen werden, die vor dem Integritätsverlust erstellt wurde. - Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß die Erstellung einer Datensicherung fehlerhaft oder unvollständig durchgeführt wurde. In diesem Fall ist es oftmals hilfreich, wenn auf eine weitere Generation zurückgegriffen werden kann. Um diese Vorteile des Generationenprinzips aufrechterhalten zu können, muß jedoch eine Randbedingung eingehalten werden: der zeitliche Abstand der Generationen darf ein Mindestmaß nicht unterschreiten. Beispiel: In einem automatisierten Datensicherungsverfahren kommt es zu wiederholten Abbrüchen des Datensicherungslaufs. Hierdurch würden nacheinander sämtliche Generationen überschrieben werden. Verhindert werden kann dies, indem vor Überschreiben einer Generation das Mindestalter überprüft und nur dann überschrieben wird, wenn dieses Alter überschritten ist. Charakterisieren läßt sich ein Generationsprinzip durch zwei Größen: das Mindestalter der ältesten Generation und die Anzahl der verfügbaren Generationen. Dabei gilt: - je höher das Mindestalter der ältesten Generation ist, je größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß zu einer Datei mit Integritätsverlust (eine gelöschte Datei, die im nachhinein als notwendig erkannt wird, ist ebenfalls darunter zu fassen) noch eine Vorläuferversion vorhanden ist, - je größer die Anzahl der verfügbaren Generationen ist, um so aktueller ist die angeforderte Vorläuferversion. Die Anzahl der Generationen steht aber im direkten Zusammenhang mit den Kosten der Datensicherung, da Datenträger in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen müssen. Dies folgt aus der Notwendigkeit, daß für jede Generation eigene Datenträger benutzt werden sollten. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen muß daher die Anzahl der Generationen auf ein sinnvolles Maß beschränkt werden. Für die Wahl der Parameter des Generationsprinzips ergeben sich folgende Einflüsse: Verfügbarkeitsanforderungen und Integritätsbedarf der Daten: Je höher die Verfügbarkeitsanforderungen oder der Integritätsbedarf der Daten sind, um so mehr Generationen müssen vorhanden sein, um im Fall des Integritätsverlustes die Restaurierungszeit zu minimieren. Wenn der Verlust einer Datei oder eine Integritätsverletzung möglicherweise erst sehr spät bemerkt werden kann, sind zusätzliche Quartals- oder Jahressicherungsdatenbestände empfehlenswert. _____________________________________________________________________ .......................................... 54 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Rekonstruktionsaufwand ohne Datensicherung: Sind die Daten zwar umfangreich, aber auch ohne Datensicherung rekonstruierbar, so kann dies als eine weitere "Pseudo-Generation" ins Kalkül gezogen werden. Datenvolumen: Je höher das Datenvolumen ist, desto höher sind auch die Kosten einer Generation aufgrund des benötigten Speicherplatzes. Ein hohes Datenvolumen kann deshalb die Anzahl der Generationen aus wirtschaftlichen Gründen beschränken. Änderungsvolumen: Je höher das Änderungsvolumen ist, um so kürzer sollten die Zeitabstände zwischen den Generationen sein, um eine möglichst zeitnahe Version der betreffenden Datei zu haben, um den Restaurierungsaufwand durch Nachbearbeitung gering zu halten. Vorgehensweise und Speichermedium Nach der Festlegung der Art der Datensicherung, der Häufigkeit und des Generationenprinzips gilt es nun, die Vorgehensweise einschließlich des erforderlichen und wirtschaftlich angemessenen Datenträgers auszuwählen. Zunächst sollen einige gängige Datensicherungsverfahren beispielhaft aufgezeigt werden: Beispiel 1: Manuelle dezentrale Datensicherung am PC Bei nichtvernetzten PCs wird die Datensicherung vom IT-Anwender meist manuell als Vollsicherung der Anwendungsdaten durchgeführt. Als Speichermedium werden Disketten verwendet. Beispiel 2: Manuelle zentrale Datensicherung im Unix-System Für Unix-Systeme mit angeschlossenen Terminals oder PCs mit Terminalemulation bietet sich aufgrund des zentralen Datenbestandes die zentrale Datensicherung an. Sie wird oft als Kombination von wöchentlichen Vollsicherungen und täglichen inkrementellen Datensicherungen mittels Streamer-Tapes vom Unix-Administrator manuell durchgeführt. Beispiel 3: Manuelle zentrale Datensicherung im lokalen Netz Im Bereich eines lokalen Netzes mit angeschlossenen PCs wird vielfach die Datensicherung dergestalt durchgeführt, daß der angeschlossene PCBenutzer seine zu sichernden Anwendungsdaten auf einem zentralen Server im Netz ablegt und daß dann der Netzadministrator die Daten dieses Servers zentral sichert, wozu eine wöchentliche Vollsicherung und eine tägliche inkrementelle Sicherung durchgeführt werden. Beispiel 4: Automatische zentrale Datensicherung im Großrechnerbereich Vergleichbar dem Beispiel 2 werden im Großrechnerbereich zentrale Datensicherungen als Kombination von wöchentlichen Vollsicherungen und täglichen inkrementellen Datensicherungen durchgeführt. Vielfach wird dies automatisch mit Hilfe eines Tools (HSM) initiiert. Für einzelne _____________________________________________________________________ .......................................... 55 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Anwendungen werden vielfach noch zusätzliche ereignisorientierte Volldatensicherungen vollzogen. Beispiel 5: Automatische zentrale Datensicherung im verteilten System Eine weitere Variante besteht aus der Kombination der Beispiele 3 und 4. Die lokalen Daten der verteilten Systeme werden auf einen zentralen Großrechner bzw. auf einen zentralen Server übertragen, auf dem die Datensicherung als Kombination von Vollsicherungen und inkrementellen Datensicherungen durchgeführt wird. Beispiel 6: Voll-automatische zentrale Datensicherung dezentral gespeicherter Daten im verteilten System Im Gegensatz zum vorangegangenen Beispiel erfolgt hier der Transfer vom dezentralen zum zentralen System automatisch. Mittlerweile werden Tools angeboten, die einen Zugriff von einem zentralen Datensicherungsserver auf die dezentralen Datenbestände erlauben. Eine Datensicherung kann somit transparent für den dezentralen Anwender zentral erfolgen. Um das Datenvolumen auf dem Speichermedium zu minimieren, können zusätzlich Datenkompressionsalgorithmen angewandt werden. Teilweise kann das Datenvolumen damit um bis zu 80 % reduziert werden. Es ist bei Anwendung der Kompression sicherzustellen, daß die gewählten Parameter und Algorithmen im Rahmen der Datensicherung dokumentiert und für die Datenrestaurierung (Dekompression) vorgehalten werden. Für die Vorgehensweise gibt es zwei Parameter, die festgelegt werden müssen: den Automatisierungsgrad und die Zentralisierung (Speicherort). Beim Automatisierungsgrad ist zwischen manuell und automatisch zu unterscheiden: - Manuelle Datensicherung bedeutet, daß der Anstoß zur Datensicherung manuell gegeben wird. Vorteilhaft kann sein, daß der Ausführende individuell den Termin der Datensicherung dem Arbeitsablauf anpassen kann. Nachteilig ist, daß die Wirksamkeit und Güte der Datensicherung dann von der Motivation und Disziplin des Ausführenden abhängt. Durch Krankheit oder sonstige Abwesenheitsgründe können Datensicherungen ausfallen. - Automatische Datensicherungen werden programmgesteuert zu bestimmten Terminen angestoßen. Vorteilhaft ist, daß die Disziplin und Zuverlässigkeit der Ausführenden nachrangig ist, wenn der Terminplan vollständig und aktuell ist. Nachteilig kann sein, daß die Steuerungsprogramme Kosten verursachen, der Terminplan aktuellen Änderungen angepaßt werden muß oder wichtige Änderungen nicht unmittelbar gesichert werden. Bezüglich der Zentralisierung sind zentral und dezentral durchgeführte Datensicherungen zu unterscheiden: - Zentrale Datensicherungen zeichnen sich dadurch aus, daß der Speicherort und die Durchführung der Datensicherung am zentralen IT-System von einem Ausführenden durchgeführt werden. Diese Verfahrensweise hat den Vorteil, daß nur ein Mitarbeiter intensiv geschult werden muß und die ITAnwender des IT-Systems von dieser Arbeit entlastet werden. Vorteilhaft _____________________________________________________________________ .......................................... 56 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... ist weiterhin, daß durch das höhere zentrale Datenaufkommen kostengünstigere Speichermedien verwendet werden können. Nachteilig ist, daß evtl. vertrauliche Daten übertragen und von nicht Befugten eingesehen werden könnten. - Dezentrale Datensicherungen werden von den IT-Anwendern selbst durchgeführt, ohne daß die Daten auf ein zentrales IT-System übertragen werden müssen. Vorteilhaft ist, daß der IT-Anwender die Kontrolle über die Daten und die Backup-Datenträger behält, insbesondere wenn es sich um vertrauliche Daten handelt. Nachteilig ist, daß die konsequente Datensicherung damit von der Zuverlässigkeit der IT-Anwender abhängt und daß dezentrale Lösungen den IT-Anwendern Zeitaufwand abfordern. Nach der Entscheidung, ob die Datensicherung manuell oder automatisch, zentral oder dezentral durchgeführt wird, muß nun der geeignete Datenträger für die Datensicherung gefunden werden. Dazu können folgende Parameter betrachtet werden: - Datenträger-Anforderungszeit: der Zeitaufwand für die Vorbereitung der Daten-Restaurierung ist bestimmt durch die Zeit, die benötigt wird, den erforderlichen Datensicherungs-Datenträger zu identifizieren und im System verfügbar zu machen. Kassetten in einem Roboter-System können innerhalb von Minuten zur Restaurierung bereit stehen, ausgelagerte Bänder müssen unter Umständen erst aufwendig transportiert und aufgelegt werden. - Zugriffszeit, Transferrate: der Zeitaufwand für die Erstellung und Restaurierung der Daten selbst hängt von der mittleren Zugriffszeit auf die Daten des Datenträgers und von der Datentransferrate ab. Festplatten erlauben einen Zugriff auf bestimmte Dateien im Millisekunden-Bereich, ein Magnetband muß erst zur entsprechenden Stelle gespult werden. Bei der Auswahl des Datenträgers ist zu berücksichtigen, daß bei entsprechend hohen Transferraten es nicht zu einer Überlastung der Übertragungskanäle kommen darf. - Praktikabilität/Speicherkapazität: je umständlicher die Datensicherung ist, um so größer ist die Gefahr, daß sie fehlerhaft vollzogen oder von den Verantwortlichen überhaupt nicht durchgeführt wird. Datenträger mit zu kleiner Speicherkapazität verhindern eine effektive Datensicherung, da der ständige Wechsel zeitaufwendig und fehleranfällig ist. - Kosten: die Kosten für die Datensicherung, also Beschaffungskosten für Lese-/ Schreibgeräte und Datenträger, erforderliche Rechen- und Arbeitszeit müssen in einem angemessenen Verhältnis zum Sicherungszweck stehen. Hierbei ist auch die Lebensdauer der Datenträger und der Zuverlässigkeit zu berücksichtigen. Auf keinen Fall dürfen die laufenden Datensicherungskosten die Summe der Restaurierungskosten ohne Datensicherung und der Folgeschäden übersteigen. Um bei der Auswahl der Verfahrensweise und des Speichermediums Anhaltspunkte für die Beschaffungskosten, die Zugriffszeiten und Transferzeiten zu haben, sind in der nachfolgenden Tabelle mit Stand von 1995 einige Eckdaten dargestellt: _____________________________________________________________________ .......................................... 57 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Speichermedium Kapazität Kosten Kosten Mittlere DatenMB DM pro MB Zugriffs- transfer in zeit in KB/Sek. Sek. DIN-A4-Papier 0,002 0,03 15,00 - IDE Festplatte HDD 1 GB 1000 400,00 0,400 0,01 3000 SCSI Festplatte 4 GB 4000 2000,0 0 0,500 0,08 6000 3.5 " HD Floppy 1,44 1,00 0,700 0,10 60 WORM 5.25" 800 700,00 0,870 0,02 6000 Mikrofilm 0,6 0,50 0,830 10,00 40 MO/ROD 3,5" 230 40,00 0,170 1300 120,00 0,090 5,25" - 0,03 lesen 3000 schreiben 1000 CD-WORM 680 15,00 0,022 0,15 CD-ROM 680 2,00 0,003 0,15 600-1200 Data Cartridge 2500 60,00 0,020 10,00 200 ... 800 QIC DAT 4000 30,00 0,008 270 100,00 0,370 Magn. Wechselplatten 0,015 300-600 2000 Aufgrund des Preisverfalls im Bereich der Speichermedien und der technologischen Fortschritte können diese Zahlen nur als grobe Näherungswerte betrachtet werden. Aktuelle Zahlen sind bei der Speichermedien-Auswahl zu eruieren. Die folgenden Einflußgrößen müssen dabei beachtet werden: Verfügbarkeitsanforderungen: Je höher die Verfügbarkeitsanforderungen sind, desto schneller muß auf die Datenträger als Speichermedium der Datensicherung zugegriffen werden können und desto schneller müssen die benötigten Daten vom Datenträger wieder einspielbar sein. Aus Verfügbarkeitsgründen muß sichergestellt sein, daß die Speichermedien auch bei Ausfall eines Lesegerätes zur Restaurierung genutzt werden können. Die Kompatibilität und Funktion eines Ersatzgerätes ist zu gewährleisten. Daten- und Änderungsvolumen: Mit zunehmenden Datenvolumen werden i. allg. preisgünstige Bandspeichermedien wie Magnetbänder oder Bandkassetten (Data Cartridge) benutzt. _____________________________________________________________________ .......................................... 58 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Fristen: Müssen Löschfristen eingehalten werden (z. B. bei personenbezogenen Daten), so muß das ausgewählte Speichermedium die Löschung ermöglichen. Speichermedien, die nicht oder nur mit großem Aufwand löschbar sind (z. B. WORM), sollten in diesem Fall vermieden werden. Vertraulichkeitsbedarf und Integritätsbedarf der Daten: Ist der Vertraulichkeits- oder Integritätsbedarf der zu sichernden Daten hoch, so überträgt sich dieser Schutzbedarf auch auf die zur Datensicherung eingesetzten Datenträger. Ist eine Verschlüsselung der Datensicherung nicht möglich, kann über die Auswahl von Datenträgern nachgedacht werden, die aufgrund ihrer kompakten Bauart und Transportabilität in Datensicherungsschränken oder Tresoren untergebracht werden können. Kenntnisse der IT-Benutzer: Die Kenntnisse und datenverarbeitungsspezifische Fähigkeiten der ITBenutzer entscheiden darüber, ob eine Verfahrensweise gewählt werden kann, in der der IT-Benutzer selbst manuell für die Datensicherung tätig wird, ob andere ausgebildete Personen die Datensicherung dezentral durchführen oder ob eine automatisierte Datensicherung praktikabler ist. Verantwortlichkeit für die Datensicherung Für die Entscheidung, wer für die Durchführung der Datensicherung verantwortlich ist, kommen drei Personengruppen in Frage. Zunächst kann es der IT-Benutzer selbst sein (typischerweise bei dezentralen und nichtvernetzen IT-Systemen), der Systemverwalter oder ein für die Datensicherung speziell ausgebildeter Administrator. Wird die Datensicherung nicht vom Benutzer selbst durchgeführt, sind die Verantwortlichen auf Verschwiegenheit bezüglich der Dateninhalte zu verpflichten und ggf. eine Verschlüsselung in Betracht zu ziehen. Darüber hinaus sind die Entscheidungsträger zu benennen, die eine DatenRestaurierung veranlassen können. Zu klären ist weiterhin, wer berechtigt ist, auf Datensicherungsträger zuzugreifen, insbesondere wenn sie in Datensicherungsarchiven ausgelagert sind. Es muß sichergestellt sein, daß nur Berechtigte Zutritt erhalten. Abschließend ist zu definieren, wer berechtigt ist, eine Daten-Restaurierung des Gesamtdatenbestandes oder ausgewählter, einzelner Dateien operativ durchzuführen. Bei der Festlegung der Verantwortlichkeit ist insbesondere der Vertraulichkeits-, Integritätsbedarf der Daten und die Vertrauenswürdigkeit der zuständigen Mitarbeiter zu betrachten. Es muß sichergestellt werden, daß der Verantwortliche erreichbar ist und ein Vertreter benannt und eingearbeitet wird. Als Einflußfaktor ist zu beachten: Kenntnisse der IT-Anwender: Die Kenntnisse und datenverarbeitungsspezifischen Fähigkeiten der ITBenutzer entscheiden darüber, ob die Datensicherung eigenverantwortlich je IT-Benutzer durchgeführt werden sollte. Sind die Kenntnisse der IT- _____________________________________________________________________ .......................................... 59 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Benutzer nicht ausreichend, ist die Verantwortung dem Systemadministrator oder einer speziell ausgebildeten Person zu übertragen. Aufbewahrungsort Grundsätzlich sollten Datensicherungsmedien und Originaldatenträger in unterschiedlichen Brandabschnitten aufbewahrt werden. Werden Datensicherungsmedien in einem anderen Gebäude oder außerhalb des Betriebsgeländes aufbewahrt, so sinkt die Wahrscheinlichkeit, daß in einem Katastrophenfall die Datensicherungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Je weiter jedoch die Datenträger von der zur Restaurierung notwendigen IT-Peripherie (z. B. Bandstation) entfernt ist, desto länger können die Transportwege und Transportzeiten sein, und desto länger ist die Gesamtrestaurierungszeit. Als Einflußfaktor ist daher zu betrachten: Verfügbarkeitsanforderungen: Je höher die Verfügbarkeitsanforderungen sind, um so schneller müssen die Datenträger der Datensicherung verfügbar sein. Werden aus Sicherheitsgründen die Datenträger extern ausgelagert, so ist bei sehr hohen Verfügbarkeitsanforderungen zu erwägen, Kopien der Datensicherung zusätzlich in unmittelbarer Nähe des IT-Systems vorzuhalten. Vertraulichkeitsbedarf und Integritätsbedarf der Daten: Je höher dieser Bedarf ist, um so besser muß verhindert werden, daß an den Datenträgern manipuliert werden kann. Die notwendige Zutrittskontrolle läßt sich i. allg. nur durch entsprechende infrastrukturelle und organisatorische Maßnahmen erreichen, vgl. Kapitel 4.3.3 Datenträgerarchiv. Datenvolumen: Mit steigendem Datenenvolumen gewinnt die Sicherheit des Aufbewahrungsortes an Bedeutung. Anforderungen an das Datensicherungsarchiv Aufgrund der Konzentration von Daten auf Datensicherungsmedien besitzen diese einen mindestens ebenso hohen Schutzbedarf bezüglich Vertraulichkeit und Integrität wie die gesicherten Daten selbst. Bei der Aufbewahrung in einem zentralen Datensicherungsarchiv sind daher entsprechend wirksame ITSicherheitsmaßnahmen wie z. B. Zutrittskontrolle notwendig. Zusätzlich muß durch organisatorische und personelle Maßnahmen (Datenträgerverwaltung) sichergestellt werden, daß der schnelle und gezielte Zugriff auf benötigte Datenträger möglich ist. Hierzu sind die Maßnahme M 2.3 Datenträgerverwaltung und Kapitel 4.3.3 Datenträgerarchiv zu beachten. Folgende Einflußfaktoren müssen beachtet werden: Verfügbarkeitsanforderungen: Je höher die Verfügbarkeitsanforderungen sind, um so schneller muß der gezielte Zugriff auf benötigte Datenträger möglich sein. Wenn eine manuelle Bestandsführung den Verfügbarkeitsanforderungen nicht genügt, _____________________________________________________________________ .......................................... 60 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... können automatisierte Zugriffsverfahren (z. B. Roboter-Kassettenarchiv) zum Einsatz kommen. Datenvolumen: Das Datenvolumen bestimmt letztendlich die Anzahl der aufzubewahrenden Datenträger. Für entsprechend große Datenvolumen ist eine ausreichende Aufbewahrungskapazität im Datenträgerarchiv vorzusehen. Fristen: Sind Löschungsfristen einzuhalten, muß die Organisation des Datensicherungsarchivs dem angepaßt sein und ggf. müssen auch die erforderlichen Löscheinrichtungen vorhanden sein. Zu den vorgegebenen Löschungszeitpunkten ist im Datensicherungsarchiv die Löschung zu initiieren bzw. durchzuführen und zu dokumentieren. Ist eine Löschung technisch nicht möglich, so ist durch organisatorische Maßnahmen eine Wiederverwendung zu löschender Daten zu verhindern. Vertraulichkeits- und Integritätsbedarf der Daten: Je höher dieser Bedarf ist, um so besser muß verhindert werden, daß an den Datenträgern manipuliert werden kann. Die notwendige Zutrittskontrolle läßt sich i. allg. nur durch entsprechende infrastrukturelle und organisatorische Maßnahmen erreichen vergleichbar dem Kapitel 4.3.3 Datenträgerarchiv. Transportmodalitäten Bei der Durchführung einer Datensicherung werden Daten transportiert. Sei es, daß sie über ein Netz oder eine Leitung übertragen werden, sei es, daß Datenträger zum Datenträgerarchiv transportiert werden. Dabei gilt es folgendes zu beachten: Verfügbarkeitsanforderungen: Je höher die Verfügbarkeitsanforderungen sind, desto schneller müssen die Daten zur Restaurierung bereitstellbar sein. Dies ist bei der Auswahl des Datenübertragungsmediums bzw. bei Auswahl des Datenträger-Transportweges zu berücksichtigen. Datenvolumen: Wenn zur Datenrestaurierung die Daten über ein Netz übertragen werden, so muß bei der Auswahl der Übertragungskapazität des Netzes das Datenvolumen beachtet werden. Es muß gewährleistet sein, daß das Datenvolumen innerhalb der erforderlichen Zeit (Verfügbarkeitsanforderung) übertragen werden kann. Änderungszeitpunkte der Daten: Werden Datensicherungen über ein Netz durchgeführt (insbesondere zu ausgewählten Terminen), kann aufgrund des zu übertragenen Datenvolumens ein Kapazitätsengpaß entstehen. Daher ist zum Zeitpunkt der Datensicherung eine ausreichende Datenübertragungskapazität sicherzustellen. _____________________________________________________________________ .......................................... 61 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.35 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Vertraulichkeits- und Integritätsbedarf der Daten: Je höher dieser Bedarf ist, um so besser muß verhindert werden, daß die Daten auf dem Transport abgehört, unbefugt kopiert oder manipuliert werden. Bei Datenübertragungen ist schließlich eine Verschlüsselung oder ein kryptographischer Manipulationsschutz zu überdenken, beim physikalischen Transport sind sichere Behältnisse und Wege zu benutzen und ggf. auch der Nutzen und Aufwand einer Verschlüsselung abzuwägen. Aufbewahrungsmodalität Im Rahmen des Datensicherungskonzeptes sollte mitbetrachtet werden, ob für bestimmte Daten Aufbewahrungs- oder Löschfristen einzuhalten sind. Fristen: Falls Aufbewahrungsfristen einzuhalten sind, kann dem durch die Archivierung einer Datensicherungsgeneration nachgekommen werden. Sind die Aufbewahrungsfristen lang, so ist zusätzlich sicherzustellen, daß die erforderlichen Lesegeräte bevorratet werden und daß unter Umständen ein Refresh (erneutes Aufspielen der magnetisch gespeicherten Daten) bei magnetischen Datenträgern erforderlich werden kann, da diese mit der Zeit ihre Magnetisierung und damit den Dateninhalt verlieren. Falls Löschfristen einzuhalten sind, muß der organisatorische Ablauf festgelegt werden und ggf. müssen auch die erforderlichen Löscheinrichtungen vorhanden sein. Zu den vorgegebenen Löschungszeitpunkten ist die Löschung zu initiieren bzw. durchzuführen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wird die Vorgehensweise zur Datensicherung bei veränderter IT-Ausstattung aktualisiert? - Werden sporadisch Übungen zur Daten-Restaurierung durchgeführt? - Werden Kontrollen durchgeführt, ob die im Datensicherungskonzept festgelegten Modalitäten eingehalten werden? - Werden die Verantwortlichen für ihre Aufgaben bei der Datensicherung ausreichend geschult? _____________________________________________________________________ .......................................... 62 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.36 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.36 Festlegung des Minimaldatensicherungskonzeptes Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Für ein Unternehmen/eine Behörde ist festzulegen, welche Minimalforderungen zur Datensicherung eingehalten werden müssen. Damit können viele Fälle, in denen eingehende Untersuchungen und die Erstellung eines Datensicherungskonzeptes zu aufwendig sind, pauschal behandelt werden. Weiterhin ist damit eine Grundlage gegeben, die generell für alle ITSysteme gültig ist und auch für neue IT-Systeme, für die noch kein Datensicherungskonzept erarbeitet wurde. Ein Beispiel soll dies erläutern: Minimaldatensicherungskonzept Software: Sämtliche Software, erworben oder selbst erstellt, ist einmalig mittels einer Vollsicherung zu sichern. Systemdaten: Systemdaten sind mindestens einmal monatlich mit einer Generation zu sichern. Anwendungsdaten: Alle Anwendungsdaten sind mindestens einmal monatlich mittels einer Vollsicherung im Drei-Generationen-Prinzip zu sichern. Protokolldaten: Sämtliche Protokolldaten sind mindestens einmal monatlich mittels einer Vollsicherung im Drei-Generationen-Prinzip zu sichern. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden sämtliche Mitarbeiter, auch neu eingestellte, auf ein Datensicherungskonzept oder ersatzweise auf das Minimaldatensicherungskonzept hingewiesen und verpflichtet? - Wird das Minimaldatensicherungskonzept aktualisiert? - Werden die notwendigen Betriebsmittel für die Minimaldatensicherung bereitgestellt? _____________________________________________________________________ .......................................... 63 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.37 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.37 Dokumentation der Datensicherung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Verantwortliche für die Datensicherung In einem Datensicherungskonzept muß festgelegt werden, wie die Dokumentation der Datensicherung zu erfolgen hat. Für eine ordnungsgemäße und funktionierende Datensicherung ist eine Dokumentation erforderlich. So ist bei der Erstellung der Datensicherung für jedes IT-System zu dokumentieren: - das Datum der Datensicherung, - der Datensicherungsumfang (welche Dateien/Verzeichnisse wurden gesichert), - der Datenträger, auf dem die Daten im operativen Betrieb gespeichert sind, - der Datenträger, auf dem die Daten gesichert wurden, - die für die Datensicherung eingesetzte Hard- und Software (mit Versionsnummer) und - die bei der Datensicherung gewählten Parameter (Art der Datensicherung usw.). Darüber hinaus bedarf es einer Beschreibung der Vorgehensweise für die Wiederherstellung eines Datensicherungsbestandes. Auch hier muß eine Beschreibung der erforderlichen Hard- und Software, der benötigten Parameter und der Vorgehensweise, nach der die Datenrekonstruktion zu erfolgen hat, erstellt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Datensicherungen im genannten Umfang dokumentiert? - Kann eine Datenrestaurierung aufgrund der Dokumentation vorgenommen werden, selbst wenn derjenige, der die Datensicherung vorgenommen hat, verhindert ist? _____________________________________________________________________ .......................................... 64 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.38 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.38 Sicherungskopie der übermittelten Daten Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Sind die zu übertragenden Daten nur zum Zweck der Datenübertragung erstellt bzw. zusammengestellt worden und nicht auf einem weiteren Medium gespeichert, sollte eine Sicherungskopie dieser Daten vorgehalten werden. Bei Verlust oder Beschädigung des Datenträgers kann der Versand mit geringfügigem Aufwand erneut erfolgen. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Erstellung einer Sicherungskopie für auszutauschende Datenträger vorzusehen? _____________________________________________________________________ .......................................... 65 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.39 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.39 Auflistung von Händleradressen zur Fax-Wiederbeschaffung Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Fax-Verantwortlicher, Beschaffer Es sollte in den Not- und Katastrophenplan eine Liste von Fachhändlern für Fax-Geräte aufgenommen werden, bei denen im Notfall unverzüglich neue Geräte beschafft werden können, wenn eine Reparatur aus Zeitgründen nicht möglich ist. Ergänzende Kontrollfragen: - Existiert eine Liste der Fachhändler für Fax-Geräte im Notfallplan? _____________________________________________________________________ .......................................... 66 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.40 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.40 Regelmäßige Batterieprüfung/-wechsel Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Batterien und Akkumulatoren verlieren mit der Zeit ihre Kapazität. Daher sollten bei Anrufbeantwortern mit digitaler Ansagetext- oder Anrufspeicherung diese Energiequellen für die Notstromversorgung regelmäßig ausgewechselt werden. In der Regel sollte ein Batteriewechsel im Jahresrhythmus erfolgen. _____________________________________________________________________ .......................................... 67 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.41 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.41 Übungen zur Datenrekonstruktion Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Verantwortliche für die Datensicherung Die Rekonstruktion von Daten mit Hilfe von Datensicherungsbeständen muß sporadisch, zumindestens aber nach jeder Änderung des Datensicherungsverfahrens, getestet werden. Hierbei muß zumindest einmal nachgewiesen werden, daß eine vollständige Datenrekonstruktion (z. B. der Gesamtdatenbestand eines Servers) möglich ist. Auf diese Weise kann zuverlässig ermittelt werden, ob - die Datenrekonstruktion überhaupt möglich ist, - die Verfahrensweise der Datensicherung praktikabel ist, - eine ausreichende Dokumentation der Datensicherung vorliegt, damit ggf. auch ein Vertreter die Datenrekonstruktion vornehmen kann und - die erforderliche Zeit zur Datenrekonstruktion den Anforderungen an die Verfügbarkeit entspricht (siehe M 6.1 Erstellung einer Übersicht über Verfügbarkeitsanforderungen). Bei Übungen zur Datenrekonstruktion sollte auch berücksichtigt werden, daß - die Daten ggf. auf einem Ausweich-IT-System installiert werden müssen, - für die Datensicherung und Datenrekonstruktion unterschiedliche Schreib/Lesegeräte benutzt werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Kann eine sachverständiger Dritter die Datenrestaurierung anhand der vorhandenen Dokumentation durchführen? _____________________________________________________________________ .......................................... 68 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.42 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.42 Erstellung von Rettungsdisketten für Windows NT Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Für jedes unter Windows NT betriebene System, das über ein Diskettenlaufwerk verfügt, sollte ein Satz von Reparaturdisketten bereitgehalten werden. Dieser besteht für Rechner mit Intel-Prozessoren aus den drei Setup-Disketten, die mit Windows NT geliefert werden, sowie einer Notfalldiskette, mit der sich der anfängliche Setup-Status wiederherstellen läßt, wenn Dateien beschädigt werden. Für jeden Rechner muß eine eigene Notfalldiskette erstellt werden, da diese Disketten nicht zwischen verschiedenen Rechnern ausgetauscht werden können. Während des Windows NT Setup wird der Benutzer gefragt, ob er eine Notfalldiskette erstellen will. Zur Erstellung der Notfalldiskette muß eine leere 3½"-Diskette auf Anforderung in Laufwerk A: eingelegt werden, auf der dann die zur Reparatur des Systems benötigten Informationen gespeichert werden. Sofern bei der Installation keine Notfalldiskette erstellt wurde, kann diese auch nachträglich mit dem Dienstprogramm RDISK (im Windows-Systemverzeichnis %SystemRoot%\SYSTEM32, z. B. \WINNT\SYSTEM32) erzeugt werden. Das Programm ist mit dem Parameter /s zu starten, wenn die Benutzerkonten und die Zugriffsberechtigungen mit gesichert werden sollen. Die Wahl dieses Parameters kann jedoch dazu führen, daß die Sicherung nicht mehr auf eine Diskette paßt, wenn auf dem betreffenden System eine größere Anzahl von Benutzerprofilen definiert ist. Daher sollte zunächst die Option "Notfall-Informationen aktualisieren" gewählt werden, um den aktuellen Systemzustand zu retten, und dann sollte mit der Option "Erstellen einer Notfalldiskette" die eigentliche Notfalldiskette generiert werden. Hinweis: Dieser Prozeß sollte nach jeder Veränderung der Systemkonfiguration wiederholt werden, damit die Notfalldiskette stets den aktuellen Systemzustand widerspiegelt. Nur so wird sichergestellt, daß in den Reparaturinformationen neue Angaben zur Konfiguration, wie Zuweisung von Laufwerkbuchstaben, Stripe Sets, Datenträgersätzen, Spiegelungen usw. berücksichtigt werden. Im anderen Fall kann der Zugriff auf bestimmte Laufwerke nach Systemfehlern unmöglich sein. Die Erstellung der Notfalldiskette sollte nach dem nächsten erfolgreichen Systemstart durchgeführt werden, um sicher zu sein, daß eine lauffähige Systemversion gesichert wird. Falls keine Setup-Disketten verfügbar sind, können diese mit dem Windows NT Setup-Programm (WINNT für das Setup von MS-DOS oder Windows 95, WINNT32 für das Setup von Windows NT aus) der Windows NT Installations-CD erzeugt werden, indem dieses Programm mit dem Parameter /ox aufgerufen wird. Das Programm fordert dann drei leere 3½"-Disketten in Laufwerk A: an und kopiert die zum Starten von Windows NT benötigten Dateien auf diese Disketten. Falls Systemdateien, Bootvariablen oder der Bootsektor beschädigt werden, und sich die vorherige Startkonfiguration mit der Methode der letzten als _____________________________________________________________________ .......................................... 69 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.42 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... funktionierend bekannten Konfiguration nicht wiederherstellen läßt, muß der Reparaturprozeß im Windows NT Setup verwendet werden, um den ursprünglichen Systemzustand wiederherzustellen. Zum Reparieren einer Windows NT Installation benötigt das Setup-Programm entweder die Konfigurationsinformationen, die im Unterverzeichnis REPAIR des Windows-Verzeichnisses %SystemRoot%, z. B. in \WINNT\REPAIR, gespeichert sind, oder die Notfalldiskette. Zum Wiederherstellen einer beschädigten Windows NT Installation ist die erste der drei Setup-Disketten in Laufwerk A: einzulegen und der Rechner dann von diesem Laufwerk aus zu booten. Im Textbildschirm des Setup-Programms, in dem gefragt wird, ob Windows NT installiert oder Dateien repariert werden sollen, ist der Parameter r einzugeben. Das Setup-Programm fragt dann nach der Notfalldiskette. Falls keine Notfalldiskette vorhanden ist, zeigt das Setup-Programm eine Liste der vorhandenen Windows NT Installationen an, die auf dem Computer gefunden wurden, und fragt, welche Installation repariert werden soll. Nach Erscheinen der abschließenden Meldung ist die Notfalldiskette aus Laufwerk A: zu entfernen und der Rechner neu zu starten. Der Reparaturprozeß im Setup-Programm ermöglicht es, verschiedene Elemente zur Reparatur auszuwählen: - Systemdateien - Das Setup-Programm überprüft die Übereinstimmung des Verzeichnisbaumes von Windows NT mit der Protokolldatei auf der Notfalldiskette, um sicherzustellen, daß alle Systemdateien vorhanden und unbeschädigt sind. Fehlen Dateien oder werden beschädigte Dateien gefunden, so werden diese von der jeweiligen Windows NT Setup-Quelle (z. B. CD-ROM) wiederhergestellt. Das Setup-Programm überprüft auch die Windows NT Dateien auf der System-Partition, um sicherzustellen, daß alle Bootdateien vorhanden und unbeschädigt sind. - Standard-Systemkonfiguration - Das Setup-Programm bietet die Möglichkeit, fehlerhafte Dateien der Registrierung aus denjenigen wiederherzustellen, die bei der Installation von Windows NT angelegt wurden. Dabei ist zu beachten, daß Benutzerkonten und Berechtigungen, die seit der ersten Installation bzw. der letzten Aktualisierung der Notfalldiskette eingerichtet wurden, verlorengehen. - Bootvariablen - Bei Wahl dieser Option stellt das Setup-Programm die Bootvariablen für die spezielle Installation von Windows NT auf der Festplatte von der Notfalldiskette wieder her. - Bootsektor (nur bei Computern mit x86-Prozessor) - Bei Wahl dieser Option legt das Setup-Programm auf der System-Partition einen neuen Bootsektor an. Falls andere Dateien fehlen oder beschädigt sind, so stellt das Setup-Programm diese von der entsprechenden Windows NT Setup-Diskette oder von CD-ROM wieder her. Falls die System-Partition auf einem Computer mit x86Prozessor irrtümlich formatiert oder geändert wurde, so daß Windows NT nicht mehr startet, stellt das Reparaturprogramm die ursprüngliche Bootkonfiguration wieder her. _____________________________________________________________________ .......................................... 70 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.42 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Hinweis: Wenn die Systemdateien repariert werden, entfernt Setup die Sicherheitseinstellungen von diesen Dateien, falls diese sich auf einer NTFSPartition befinden. Dies ist sinnvoll, um falsch vergebene Berechtigungen für Systemdateien zurücksetzen zu können, die sonst verhindern würden, daß Windows NT auf die Systemdateien zugreifen kann, die zum Starten des Systems erforderlich sind. Es ist aus diesem Grund unbedingt erforderlich, die Notfalldiskette und die Setup-Disketten so zu verwahren, daß sie gegen Mißbrauch geschützt sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die Informationen auf der Notfalldiskette aktuell? - Werden die Reparaturdisketten unter Verschluß gehalten, um eventuellen Mißbrauch zu vermeiden? - Ist für jedes Windows NT System eine Notfalldiskette erstellt worden? _____________________________________________________________________ .......................................... 71 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.43 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.43 Einsatz redundanter Windows NT Server Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement, Leiter IT Verantwortlich für Umsetzung: Administrator In Abhängigkeit von den Verfügbarkeitsanforderungen der Daten und Anwendungen ist eine Redundanz zu schaffen, die einem Totalverlust der Daten mit akzeptablem Aufwand vorbeugt. Je nach diesen Anforderungen sind Teile des Datenbestandes oder auch der gesamte Datenbestand parallel auf mehreren Plattenspeichern zu führen, so daß auch bei Ausfall eines Plattenlaufwerks dessen Daten nicht verloren sind und die Benutzer weiterarbeiten können, ohne auf das Wiedereinspielen einer Datensicherung warten zu müssen. Die Systeme können je nach den definierten Verfügbarkeitsanforderungen so ausgelegt werden, daß bei Ausfall eines Servers dessen Aufgaben von einem oder mehreren anderen Servern übernommen werden können. Dabei muß jedoch dafür gesorgt werden, daß diese verteilten Datenbestände konsistent bleiben, und dies muß auch bei Ausfall einzelner Geräte gewährleistet bleiben. In dieser Beziehung bestehen gravierende Unterschiede hinsichtlich der Leistungsfähigkeit verschiedener Redundanzkonzepte: - Eine direkte physikalische Redundanz läßt sich mit RAID-Plattensystemen (RAID: Redundant Array of Independent Disks) erreichen. Zu beachten ist bei der Entscheidung für dieses Verfahren, daß der räumliche Abstand zwischen den einzelnen Platten eines RAID-Systems starken Einschränkungen unterworfen ist, so daß im Falle eines Brandes oder eines ähnlichen Schadens alle Parallelkopien gleichermaßen zerstört werden. RAID-Systeme sind daher kein Ersatz für Datensicherungen. - Durch Einsatz von Windows NT Clustern können parallele Kopien des Datenbestandes verteilt auf verschiedene Platten und unter Kontrolle verschiedener Rechner geführt werden. Durch die Verwendung leistungsstarker Cluster mit bis zu vier Servern läßt sich die Zahl der Serversysteme reduzieren, was wiederum zu einer Reduktion des Administrationsaufwandes und damit zu einer Verbesserung der Sicherheit führt. - Die Replikation einzelner Verzeichnisse erlaubt eine ähnlich weite Verteilung der Daten, doch stehen hier keine Synchronisationsmechanismen zur Verfügung, die es erlauben, auch die aktuell in Bearbeitung befindlichen Dateien konsistent parallel zu führen. Ein Ausfall des primären Plattenlaufwerks führt hier somit immer zu mehr oder weniger großen Datenverlusten. Der Einsatz der Replikatordienste unter Windows NT sollte daher auf die Fälle beschränkt bleiben, in denen nur an einer Stelle geändert wird, und er darf keinesfalls als Ersatz für die regelmäßige Durchführung von Datensicherungen angesehen werden. Um einem Ausfall der Server-Rechner vorzubeugen, sind diese bei Bedarf redundant auszulegen. Hier stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, unter denen, ausgehend von der tolerierbaren Ausfallzeit, eine geeignete Alternative auszuwählen ist: - Wenn Ausfälle in der Größenordnung einer halben Stunde tolerierbar sind, ist ein separater Rechner zur Verfügung zu stellen, der bei Ausfall eines _____________________________________________________________________ .......................................... 72 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.43 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Servers dessen Aufgaben übernimmt. Um Zugriff auf die Daten des ausgefallenen Servers zu erhalten, müssen dessen Plattenlaufwerke auf den Ausweichrechner umgeschaltet werden. - Wenn Ausfälle von maximal einigen Minuten tolerierbar sind, ist ein Cluster-System mit Zugriff aller Rechner auf alle Platten einzusetzen. Das System ist so zu konfigurieren, daß bei Ausfall eines Servers automatisch auf einen Ersatzrechner innerhalb des Systems umgeschaltet wird. - Wenn äußerstenfalls Ausfälle im Sekundenbereich toleriert werden können, ist der Einsatz eines voll redundanten, ausfallsicheren Systems mit parallel arbeitenden mehrfachen CPUs erforderlich. In diesem Fall bleibt ein Ausfall einer CPU oder eines Hauptspeichermoduls für den Benutzer unbemerkbar. Diese Lösung bietet somit die größte Ausfallsicherheit, doch ist sie gleichzeitig auch erheblich aufwendiger und teurer als die beiden anderen Lösungen, so daß man nur bei extremen Anforderungen an die Verfügbarkeit auf sie zurückgreifen wird. Windows NT kann derzeit so hohe Anforderungen nicht erfüllen, so daß in diesem Fall Spezialsysteme einzusetzen sind, die unter anderen Betriebssystemen laufen. Es muß in jedem Fall anhand einer sorgfältigen Analyse festgestellt werden, welche konkreten Verfügbarkeitsanforderungen gegeben sind, und im Rahmen einer detaillierten Planung der System- und Netzarchitektur muß dann eine geeignete Kombination redundanter Rechner und/oder Plattenlaufwerke gefunden werden, die diesen Anforderungen genügt. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind die aktuellen Verfügbarkeitsanforderungen der Anwendungen und deren Abhängigkeiten untereinander bekannt? _____________________________________________________________________ .......................................... 73 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.44 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.44 Datensicherung unter Windows NT Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Unter Windows NT kann die Datensicherung mit dem zum System gehörigen Dienstprogramm NTBACKUP.EXE durchgeführt werden, wobei zu beachten ist, daß dieses Programm nur Sicherungen auf Band unterstützt und auch nicht in der Lage ist, die Sicherungsbänder zu verschlüsseln, so daß diese gesichert aufbewahrt werden müssen. Bei der Durchführung der Datensicherung sind die folgenden Punkte zu beachten: - Für die Datensicherung sind Zugriffsrechte auf das Windows-Systemverzeichnis %SysRoot%\SYSTEM32 (in der Regel \WINNT\SYSTEM32) notwendig, da NTBACKUP dort temporäre Dateien und Log-Dateien anlegt. - Die Sicherungssoftware ist in der Lage, die Registrierung des lokalen Rechners zu sichern. Dies sollte in regelmäßigen Abständen und nach größeren Änderungen der Konfiguration durchgeführt werden. - In regelmäßigen Abständen (nach jeweils etwa 20 Nutzungen) sollten zur Datensicherung verwendete Viertelzoll-Bänder durch Wahl der Option "Band spannen" sauber aufgewickelt werden, um lockere Stellen und dadurch mögliche Beschädigung des Bandes durch Abrieb zu vermeiden. 4 mm (DAT-) und 8 mm (Video 8-) Bänder erfordern diese Maßnahme nicht; die entsprechende Operation steht für diese Bänder nicht zur Verfügung. - Bei Angabe der Option "Band löschen" sollte "Sicheres Löschen" gewählt werden, wenn schutzwürdige Daten auf dem Band waren, da hiermit die alten Daten überschrieben werden. Sofern diese Option nicht gewählt wird, bleibt der größte Teil der ursprünglich auf diesem Band gespeicherten Daten erhalten und kann ohne großen Aufwand wieder rekonstruiert werden. - Bei der Durchführung der Sicherungsoperation ist unbedingt die Möglichkeit zu nutzen, eine Protokolldatei anzulegen. Nach Abschluß der Operation ist die Protokolldatei daraufhin zu überprüfen, ob alle zu sichernden Daten auch tatsächlich gesichert werden konnten oder ob während der Sicherung Fehler aufgetreten sind. Dabei ist die Option "Alle Angaben protokollieren" empfehlenswert, da man damit auch feststellen kann, ob alle zu sichernden Daten gesichert wurden und ob überhaupt die Verzeichnisse in die Datensicherung einbezogen wurden, die gesichert werden sollen. - Bei der Wiederherstellung gesicherter Dateien wird deren Zugriffsschutz ebenfalls wiederhergestellt, sofern diese Dateien in einem Verzeichnis wiederhergestellt werden, das keine explizite Zugriffskontrolle für die darin gespeicherten Dateien vorgibt. Ist jedoch eine solche Vorgabe im Verzeichnis spezifiziert, so wird diese übernommen, und die ursprüngliche Zugriffskontrollinformation wird ignoriert. _____________________________________________________________________ .......................................... 74 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.44 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Die Auswahl der zu sichernden Dateien und Verzeichnisse kann unter der graphischen Bedienoberfläche nicht gespeichert werden. Um regelmäßig dieselben Verzeichnisse zu sichern, können Skripten angelegt werden; diese sind jedoch nicht für Dateiauswahl geeignet. Wegen der durch das Dienstprogramm NTBACKUP.EXE gegebenen Einschränkungen sollte für umfangreichere Installationen bzw. bei hohen Verfügbarkeitsanforderungen zusätzliche Software zur Durchführung von Datensicherungen eingesetzt werden. Bei der Auswahl derartiger Sicherungssoftware sollte darauf geachtet werden, daß sie die folgenden Anforderungen erfüllt: - Die eingesetzten Dateisysteme, also FAT, NTFS und ggf. auch HPFS sollten bei der Sicherung und Wiederherstellung unterstützt werden. - Es sollte möglich sein, Sicherungen automatisch zu vorwählbaren Zeiten bzw. in einstellbaren Intervallen durchführen zu lassen, ohne daß hierzu manuelle Eingriffe (außer dem eventuell notwendigen Bereitstellen von Sicherungsdatenträgern) erforderlich wären. - Es sollte möglich sein, einen oder mehrere ausgewählte Benutzer automatisch über das Sicherungsergebnis und eventuelle Fehlermeldungen per EMail oder ähnliche Mechanismen zu informieren. - Die Sicherungssoftware sollte die Sicherung des Backup-Mediums durch ein Paßwort, oder noch besser durch Verschlüsselung unterstützen. Weiterhin sollte sie in der Lage sein, die gesicherten Daten in komprimierter Form abzuspeichern. - Durch Vorgabe geeigneter Include- und Exclude-Listen bei der Datei- und Verzeichnisauswahl sollte genau spezifiziert werden können, welche Daten zu sichern sind und welche nicht. Es sollte möglich sein, diese Listen zu Sicherungsprofilen zusammenzufassen, abzuspeichern und für spätere Sicherungsläufe wieder zu benutzen. - Es sollte möglich sein, die zu sichernden Daten in Abhängigkeit vom Datum ihrer Erstellung bzw. ihrer letzten Modifikation auszuwählen. - Die Sicherungssoftware sollte die Erzeugung logischer und physischer Vollkopien sowie inkrementeller Kopien (Änderungssicherungen) unterstützen. - Die Sicherung sollte auch auf Festplatten und Netzlaufwerken erfolgen können. - Die Sicherungssoftware sollte in der Lage sein, nach der Sicherung einen automatischen Vergleich der gesicherten Daten mit dem Original durchzuführen und nach der Wiederherstellung von Daten einen entsprechenden Vergleich zwischen den rekonstruierten Daten und dem Inhalt des Sicherungsdatenträgers durchzuführen. - Bei der Wiederherstellung von Dateien sollte es möglich sein auszuwählen, ob die Dateien am ursprünglichen Ort oder auf einer anderen Platte bzw. in einem anderen Verzeichnis wiederhergestellt werden. Ebenso sollte es möglich sein, das Verhalten der Software für den Fall zu steuern, daß am Zielort schon eine Datei gleichen Namens vorhanden ist. Dabei sollte man _____________________________________________________________________ .......................................... 75 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.44 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... wählen können, ob diese Datei immer, nie oder nur in dem Fall, daß sie älter als die zu rekonstruierende Datei ist, überschrieben wird, oder daß in diesem Fall eine explizite Anfrage erfolgt. Zusätzlich zur Durchführung der normalen Datensicherungen ist es empfehlenswert, die aktuelle Systemkonfiguration nach jeder größeren Änderung mit dem Dienstprogramm RDISK in den Rettungsverzeichnis %SystemRoot%\REPAIR (z. B. \WINNT\REPAIR) sowie auf eine Notfalldiskette zu sichern, um sie bei eventuellen Inkonsistenzen wiederherstellen zu können (siehe auch M 6.42 Erstellung von Rettungsdisketten für Windows NT). Dabei ist zu beachten, daß die aktuellen Sicherheitseinträge der Registrierung (in den Bereichen SECURITY und SAM) nur dann gesichert werden, wenn RDISK mit dem Parameter /s aufgerufen wird. Dies kann jedoch dazu führen, daß die Sicherung nicht mehr auf eine Diskette paßt, wenn auf dem betreffenden System eine größere Anzahl von Benutzerprofilen definiert ist. Eine Sicherung der Registrierung ist auch mit dem Dienstprogramm REGBACK.EXE des Windows NT Resource Kits möglich; die Wiederherstellung erfolgt in diesem Fall mit dem Dienstprogramm REGREST.EXE des Windows NT Resource Kits. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind alle Daten eines Rechners gesichert? - Wird der Datensicherungsvorgang dokumentiert? - Ist der Datensicherungsvorgang konform zu einem vorhandenen Datensicherungskonzept? _____________________________________________________________________ .......................................... 76 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.45 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.45 Datensicherung unter Windows 95 Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Benutzer Generell zu beachten sind die Anforderungen aus M 6.32 Regelmäßige Datensicherung. Nachfolgend soll aufgezeigt werden, welche besonderen Aspekte unter Windows 95 zu berücksichtigen sind. Unter Windows 95 sollten nach Möglichkeit nur Programme zur Datensicherung eingesetzt werden, die lange Dateinamen unterstützen (zum Beispiel das Windows 95 Programm BACKUP.EXE). Zur Konvertierung langer Dateinamen in die 8.3-Dateinamen-Konvention steht das zum Lieferumfang gehörenden Programm LFNBK.EXE zur Verfügung. Allerdings ist beim Einsatz dieses Programmes besondere Vorsicht geboten, da möglicherweise Dateinamen oder sogar einzelne Dateien nicht rekonstruiert werden können, falls nach der Sicherung Veränderungen an der Verzeichnisstruktur auf dem PC, von dem gesichert wurde, vorgenommen worden sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Werden Programme zur Datensicherung eingesetzt, die lange Dateinamen nicht verarbeiten können? _____________________________________________________________________ .......................................... 77 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.46 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.46 Erstellung von Rettungsdisketten für Windows 95 Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Für jeden Windows 95-Rechner sollten Rettungsdisketten erstellt werden, um bei Systemproblemen den Rechner wieder starten und ggf. benutzerspezifischen Profile wieder herstellen zu können. Dazu benötigt man zum einen eine startfähige Systemdiskette, die für alle Rechner gemeinsam genutzt werden kann, zum anderen eine rechner- und benutzerspezifische Diskette, die die individuellen Einstellungen des Benutzers und des jeweiligen Rechners enthält. Erzeugen der startfähigen Systemdiskette Eine für alle Rechner nutzbare Systemdiskette kann mit der Registerkarte STARTDISKETTE unter der Systemsteuerungsoption SOFTWARE erzeugt werden. Allerdings benötigt man dazu eine Windows 95 CD. Stattdessen kann der erfahrene Benutzer alle relevante Dateien auch manuell auf die Diskette kopieren. Dazu gehören beispielsweise COMMAND.COM, IO.SYS, DRVSPACE.BIN und MSDOS.SYS. In diesem Fall sollten außerdem der deutsche Tastaturtreiber KEYB.COM sowie KEYBOARD.SYS, COUNTRY.SYS und ggf. weitere Systemdateien (z. B. einen CD-ROM-Treiber) kopiert werden. Die deutsche Tastatur stellt man dann mit dem Befehl KEYB GR,,KEYBOARD.SYS ein. Für andere notwendige Dateien, z. B. einen Editor, Programme zur Festplattendekomprimierung oder Backup-Programme, kann ggf. eine zusätzliche Diskette verwendet werden. Erzeugen von rechner- und benutzerspezifischen Disketten Hierzu wird für jeden Rechner eine vorformatierte Diskette und das Programm EMERGENCY RECOVERY UTILITY (ERU) benötigt, welches zum Systemumfang gehört. Dieses wird zwar nicht standardmäßig installiert, befindet sich aber auf der mitgelieferten Windows 95 CD-ROM. Mit diesem Programm lassen sich in einfacher Weise die relevanten und aktuellen Systemdateien, insbesondere die Datei mit den Benutzereinstellungen USER.DAT bzw. die Datei mit den Systemeinstellungen SYSTEM.DAT, auf Diskette kopieren. Die Dateien USER.DAT und SYSTEM.DAT beinhalten die entsprechenden Informationen, die unter Windows 3.x in den ini-Dateien gespeichert sind. Diese Diskette sollte bei umfangreichen oder wichtigen Änderungen an der Rechnerkonfiguartion oder an den Benutzereinstellungen aktualisiert werden. Nach dem Erstellen der Rettungsdisketten sollten diese auf Computer-Viren überprüft und danach schreibgeschützt werden. Nutzung der Start-Diskette Um von der Systemdiskette zu starten, wird diese in das Diskettenlaufwerk eingelegt, die Start-Reihenfolge im BIOS zugunsten des Diskettenlaufwerkes priorisiert und der Rechner neu gestartet. Der Rechner fährt dann im Zeilenmodus hoch. _____________________________________________________________________ .......................................... 78 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.46 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Nutzung der rechner- und benutzerspezifischen Diskette Falls der Rechner ordnungsgemäß startet (mit oder ohne Start-Diskette), die rechner- und benutzerspezifischen Dateien jedoch zerstört sind, können diese mit dem Programm ERD.EXE, das sich auf der rechner- und benutzerspezifischen Diskette befindet, zurückgespielt werden. Die korrespondierende Dateien auf der Festplatte werden zuvor in das Verzeichnis C:\WINDOWS\ERUNDO verschoben und können mit den Befehl ERD /UNDO ggf. rekonstruiert werden. Hinweis: Für die Nutzung des Programmes ERD.EXE ist es notwendig, den Rechner im Zeilenmodus zu starten. Dies erreicht man zum Beispiel, indem man von der Startdiskette startet, beim Beenden von Windows 95 COMPUTER IM MS-DOS MODUS STARTEN wählt oder beim Starten des Rechners während der Nachricht “Windows 95 wird gestartet” die F8-Taste betätigt und anschließend “5. Nur Eingabeaufforderung” wählt. Letzteres ist allerdings nur dann möglich, wenn in der Datei MSDOS.SYS die Zeile BootKeys=1 eingetragen ist. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde für Windows 95 Rechner eine startfähige Systemdiskette erstellt? - Wurde für jeden Windows 95 Rechner eine rechner- und benutzerspezifische Rettungsdiskette erstellt? _____________________________________________________________________ .......................................... 79 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.47 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.47 Aufbewahrung der Backup-Datenträger für Telearbeit Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Telearbeiter Backup-Datenträger müssen im häuslichen Bereich verschlossen aufbewahrt werden. Es ist sicherzustellen, daß nur der Telearbeiter selber bzw. sein Vertreter darauf Zugriff hat. Jeweils eine Generation der Backup-Datenträger sollte jedoch in der Institution aufbewahrt werden, damit im Katastrophenfall der Vertreter auf die Backup-Datenträger zugreifen kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Wo werden die Datenträger der Datensicherungen des Telearbeiters aufbewahrt? _____________________________________________________________________ .......................................... 80 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.48 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.48 Verhaltensregeln nach Verlust der Datenbankintegrität Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Falls sich das Datenbanksystem in nicht vorgesehener Weise verhält (zum Beispiel undefiniertes Systemverhalten, nicht auffindbare Tabellen oder Datensätze, veränderte Tabelleninhalte, unerklärlich langes Antwortzeitverhalten), kann ein Verlust der Datenbankintegrität vorliegen. Dieser kann auch durch missbräuchliche Nutzung des Systems verursacht worden sein, zum Beispiel durch Veränderungen der Systemeinstellungen oder Überschreiten der maximal zulässigen Connects. missbräuchliche Nutzung Dann sollten die Benutzer folgende Punkte beachten: - Ruhe bewahren! Keine Panik! - Benachrichtigen Sie den Datenbankadministrator. - Greifen sie nicht mehr auf die Datenbank zu. Der Datenbankadministrator sollte folgende Schritte durchführen: - Benachrichtigung aller betroffenen Benutzer, - Herunterfahren des Datenbanksystems, - Hochfahren des Datenbanksystems im Exklusiv-Modus (falls dies vom Datenbanksystem unterstützt wird), - Sichern aller Dateien, die Aufschluss über die Art und Ursache des aufgetretenen Problems geben könnten (z. B. ob tatsächlich ein Angriff erfolgt ist und auf welche Weise der Angreifer eindringen konnte), d. h. insbesondere Sichern aller relevanten Protokolldateien, Protokolldateien sichern - Überprüfung und ggf. Zurücksetzen der Zugriffsrechte auf Systemtabellen, - Überprüfung der Datenbanksoftware auf sichtbare Veränderungen, z. B. Erstellungsdatum und Größe der entsprechenden Dateien (Da diese von einem Angreifer auch wieder auf ihre Ursprungswerte zurückgesetzt werden können, sollte die Integrität der Dateien mit Prüfsummenverfahren überprüft werden.), Software auf Veränderungen prüfen - ggf. Löschen der Datenbanksoftware und Wiedereinspielen der OriginalDateien von schreibgeschützten Datenträgern (vgl. M 6.21 Sicherungskopie der eingesetzten Software). Programme aus existierenden Datensicherungen sollten nicht wiedereingespielt werden, da diese den Fehler schon enthalten können, Originaldateien wieder einspielen - Überprüfung der Protokolldateien nach Auffälligkeiten (in Zusammenarbeit mit dem Revisor), - Änderung aller Passwörter, - Benachrichtigung der Benutzer mit der Bitte, ihre Bereiche auf Unregelmäßigkeiten zu prüfen. _____________________________________________________________________ .......................................... 81 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.48 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Nach der Änderung aller Passwörter müssen diese den betroffenen Benutzern mitgeteilt werden. Hierbei sollte kein allen Benutzern bekanntes Passwort oder Ableitungsschema benutzt werden. Besser ist es, die Passwörter zufällig zu erzeugen und den Benutzern auf zuverlässigem Weg mitzuteilen, z. B. in versiegelten Umschlägen. Diese Passwörter sollten unmittelbar nach der Erstanmeldung geändert werden. neue Passwörter zufällig erzeugen Falls Daten gelöscht oder unerwünscht geändert wurden, können diese aus den Datensicherungen wiedereingespielt werden (siehe M 6.51 Wiederherstellung einer Datenbank). Wenn Anzeichen auf einen vorsätzlichen Angriff gegen eine Datenbank vorliegen, ist für die Schadensminimierung und weitere Schadensabwehr sofortiges Handeln notwendig. Hierzu ist ein Alarmplan erforderlich, in dem die einzuleitenden Schritte aufgeführt werden und festgelegt wird, welche Personen über den Vorfall zu unterrichten sind (siehe auch M 6.60 Verhaltensregeln und Meldewege bei Sicherheitsvorfällen). Der Alarmplan enthält ggf. auch Informationen darüber, ob und wie der Datenschutzbeauftragte und die Rechtsabteilung zu beteiligen sind. Alarmplan heranziehen Ergänzende Kontrollfragen: - Werden die Benutzer regelmäßig darüber informiert, dass bei Auftreten von Unregelmäßigkeiten sofort der Datenbankadministrator benachrichtigt werden muss? - Wird diese Regelung auch angewendet? - Gibt es Datenbankadministratoren mit entsprechenden Kenntnissen? - Ist ein Verfahren zur schnellen Vergabe von Passwörtern etabliert und getestet? _____________________________________________________________________ .......................................... 82 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.49 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.49 Datensicherung einer Datenbank Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Die Sicherung der Daten eines Datenbanksystems kann in aller Regel nicht mit den Datensicherungsprogrammen auf Betriebssystemebene vollständig abgedeckt werden. Letztere bilden in den meisten Fällen lediglich das Bindeglied, um die zu sichernden Daten auf ein Sicherungsmedium zu schreiben. Zur Sicherung des DBMS und der Daten müssen dagegen für die meisten Datenbankprodukte zusätzlich die jeweiligen Dienstprogramme des DBMS eingesetzt werden. Die einfachste Möglichkeit einer Datenbanksicherung, die zugleich die sicherste darstellt, ist eine Komplettsicherung der Datenbank in heruntergefahrenem Zustand. Dabei werden alle zur Datenbank gehörenden Dateien auf dem Sicherungsmedium gesichert. Meist ist dieses Vorgehen allerdings aus Gründen der Verfügbarkeitsanforderungen an die Datenbank oder aufgrund des zu sichernden Datenvolumens nicht durchführbar. Eine Alternative zur oben beschriebenen Komplettsicherung ist eine OnlineSicherung der Datenbank. Die Sicherung erfolgt dann während des laufenden Betriebs, d. h. die Datenbank muß nicht heruntergefahren werden. Die Nachteile dieser Sicherungsart sind, daß Inkonsistenzen nicht explizit ausgeschlossen werden können, und daß auch in diesem Fall bei einer Zerstörung der Datenbank eine (Offline-) Komplettsicherung existieren muß, auf der aufbauend die Online-Sicherungen zurückgespielt werden können. Online-Sicherungen sollten aus diesem Grund nur dann durchgeführt werden, wenn eine permanente Verfügbarkeit der Datenbank gefordert ist. Auf eine OfflineKomplettsicherung, die in vertretbar großen Zeitabständen durchgeführt werden kann, sollte trotzdem nicht verzichtet werden. Partielle Datenbanksicherungen stellen eine weitere Möglichkeit dar. Sie sollten immer dann verwendet werden, wenn das zu sichernde Datenvolumen zu groß ist, um eine vollständige Sicherung durchführen zu können. Dies kann daraus resultieren, daß die Kapazitäten der Sicherungsmedien nicht ausreichen oder daß der zur Verfügung stehende Zeitrahmen je Sicherung nicht genügt, um eine vollständige Sicherung durchführen zu können. Falls möglich, so sollten in jedem Fall alle Transaktionen zwischen zwei Offline-Komplettsicherungen archiviert werden. Oracle bietet dazu beispielsweise die Möglichkeit an, indem der sogenannte ARCHIVE-Mode für die Datenbank aktiviert wird. Transaktionen werden bei Oracle in sogenannten Log-Dateien protokolliert, von denen es mehrere gibt. Diese werden nacheinander beschrieben und sobald alle Log-Dateien voll sind, so wird wieder die erste Log-Datei überschrieben. Der ARCHIVE-Mode erstellt von diesen Log-Dateien eine Sicherungskopie, bevor sie wieder überschrieben werden. Auf diese Art und Weise können bei einer Zerstörung der Datenbank alle Transaktionen komplett rekonstruiert werden. Auch hierfür ist allerdings die Existenz einer Komplettsicherung der Datenbank die Voraussetzung. Die Dauer eines solchen Recovery wächst mit der Anzahl der zurückzuspielenden Archiv-Log-Dateien an. _____________________________________________________________________ .......................................... 83 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.49 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Für die Datensicherung eines Datenbanksystems muß ein eigenes Datensicherungskonzept erstellt werden. Einflußfaktoren für ein solches Konzept sind: - Verfügbarkeitsanforderungen an die Datenbank Wenn beispielsweise eine Datenbank werktags rund um die Uhr zur Verfügung stehen muß, so kann eine Komplettsicherung nur am Wochenende durchgeführt werden, da dies im allgemeinen ein Herunterfahren der Datenbank erfordert. - Datenvolumen Das gesamte zu sichernde Datenvolumen muß mit den zur Verfügung stehenden Sicherungskapazitäten verglichen werden. Dabei muß festgestellt werden, ob die Sicherungskapazitäten (z. B. ein DAT-Tape pro Sicherungslauf) für das entsprechende Datenvolumen der Datenbank ausreichend dimensioniert sind. Falls dies nicht der Fall ist, muß ein Konzept zur Teilsicherung des Datenvolumens erstellt werden. Dies kann z. B. bedeuten, daß die Daten einzelner Anwendungen oder einzelner Bereiche der Datenbank immer im Wechsel gesichert werden bzw. nur die aktuellen Änderungen. Die Möglichkeiten einer Teilsicherung hängen von der verwendeten DatenbankSoftware ab. - Maximal verkraftbarer Datenverlust Hier muß festgelegt werden, ob bei einer Zerstörung der Datenbank der Datenverlust eines Tages verkraftbar ist, oder ob die Datenbank bis zur letzten Transaktion wiederherstellbar sein muß. Dies ist im allgemeinen bei einer hohen Anforderung an die Verfügbarkeit bzw. Integrität der Daten der Fall. - Wiederanlaufzeit Auch die maximal zulässige Zeitdauer des Wiederherstellens der Datenbank nach einem Absturz muß festgelegt werden, um den Verfügbarkeitsanforderungen zu genügen. - Datensicherungsmöglichkeiten der Datenbank-Software Im allgemeinen werden von einer Datenbank-Standardsoftware nicht alle denkbaren Datensicherungsmöglichkeiten unterstützt, wie z. B. eine partielle Datenbanksicherung. Im konkreten Fall gilt es also zu prüfen, ob das erstellte Datensicherungskonzept mit den zur Verfügung stehenden Mechanismen auch umgesetzt werden kann. Anhand dieser Informationen kann ein Konzept für die Datensicherung der Datenbank erstellt werden. In diesem Sicherungskonzept wird u. a. festgelegt (siehe hierzu auch Kapitel 3.4 Datensicherungskonzept) - wer für die ordnungsgemäße Durchführung von Datensicherungen zuständig ist, - in welchen Zeitabständen eine Datenbanksicherung durchgeführt wird, - in welcher Art und Weise die Datenbanksicherung zu erfolgen hat, _____________________________________________________________________ .......................................... 84 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.49 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - zu welchem Zeitpunkt die Datenbanksicherung durchgeführt wird, - die Spezifikation des zu sichernden Datenvolumens je Sicherung. - wie die Erstellung von Datensicherungen zu dokumentieren ist, und - wo die Datensicherungsmedien aufbewahrt werden. Beispiel: Sicherung von Montag bis Samstag: - Startzeit: morgens um 3.00h - Es erfolgt eine vollständige Sicherung der Daten, wobei die Datenbank nicht heruntergefahren, sondern die Möglichkeit der Online-Sicherung des DBMS genutzt wird. Sicherung am Sonntag - Startzeit: morgens um 3.00h - Die Datenbank wird heruntergefahren und es erfolgt eine Komplettsicherung der Datenbank. Ergänzende Kontrollfragen: - Existiert eine Dokumentation, wie im Falle eines Absturzes der Datenbank diese wiederherzustellen ist? - Ist für die Institution ein aktuelles Datensicherungskonzept für den Bereich Datenbanken dokumentiert? - Wie werden Mitarbeiter über den sie betreffenden Teil des Konzepts unterrichtet? - Wird die Einhaltung dieses Konzepts kontrolliert? - Wie werden Änderungen der Einflußfaktoren berücksichtigt? _____________________________________________________________________ .......................................... 85 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.50 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.50 Archivierung von Datenbeständen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Ist eine Archivierung von Daten eines Datenbanksystems erforderlich, so muß dazu ein entsprechendes Konzept erstellt werden, um die Datenbestände zu einem späteren Zeitpunkt wieder zur Verfügung stellen zu können. Hierbei sind folgende Punkte zu berücksichtigen: Archivierung - Die zur Verfügung stehenden Archivierungsmöglichkeiten müssen identifiziert werden. - Es muß dokumentiert werden, welches Datenmodell den zu archivierenden Daten zugrunde liegt. - Der Zeitpunkt der Archivierung ist zu dokumentieren. - Aufbau, Systematik und Ordnungskriterien des Archivs müssen spezifiziert werden. - Für alle Archivierungsmedien ist anhand von Herstellerangaben und Erfahrungswerten eine maximale Lebensdauer zu bestimmen. Entsprechend dessen müssen Zeitpunkte für die Auffrischung des archivierten Datenbestandes festgelegt werden. - Die geforderte Verfügbarkeit der archivierten Datenbestände ist zu überprüfen und gegebenenfalls an die konkreten Anforderungen anzupassen. Es kann beispielsweise gefordert sein, archivierte Datenbestände der letzten sechs Monate kurzfristig zur Verfügung zu stellen, während Datenbestände älteren Datums nur auf Anfrage und mit längeren Vorlaufzeiten wiedereingespielt werden müssen. Dieses Kriterium hat u. a. Auswirkungen auf die Wahl des Archivierungsmediums sowie auf die Art und Weise der Archivierung. Bei hohen Verfügbarkeitsanforderungen muß evtl. ein redundantes Archiv geführt werden. - Es muß sichergestellt sein, daß vorgegebene Aufbewahrungsfristen eingehalten werden. Wiedereinspielen - Der aktuelle Datenbestand darf von dem archivierten Datenbestand nicht beeinflußt werden. - Für die Wiedereinspielung von archivierten Datenbeständen muß genügend Speicherplatz zur Verfügung gestellt werden. - Der archivierte Datenbestand muß wiederherstellbar sein, auch wenn sich zwischenzeitlich das Datenmodell geändert hat. In diesem Fall muß das Datenmodell zum Archivierungszeitpunkt bekannt sein, um den alten Stand wiederherstellen zu können. - Wenn die wiedereingespielten Daten von einer Anwendung verarbeitet werden sollen, muß auch von dieser Anwendung eine Version vorhanden sein, die das "alte" Datenmodell unterstützt. _____________________________________________________________________ .......................................... 86 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.50 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Es muß sporadisch überprüft werden, ob sich der archivierte Datenbestand wiedereinspielen läßt. Bei der Archivierung von Datenbeständen, die personenbezogene Daten enthalten, muß darüber hinaus berücksichtigt werden, daß die Betroffenen ein Recht auf Berichtigung, Sperrung bzw. Löschung der über sie gespeicherten Daten haben. Um dies zu gewährleisten, sind entsprechende technisch-organisatorische Verfahren zu entwickeln. Insbesondere müssen auch nach dem Wiedereinspielen alter Datenbestände vorher durchgeführte Berichtigungen, Sperrungen bzw. Löschungen erhalten bleiben. Ergänzende Kontrollfragen: - Existiert eine Dokumentation, wie beim Wiedereinspielen von archivierten Datenbeständen zu verfahren ist? - Ist für die Institution ein aktuelles Archivierungskonzept dokumentiert? - Wie werden Änderungen der Einflußfaktoren berücksichtigt? _____________________________________________________________________ .......................................... 87 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.51 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.51 Wiederherstellung einer Datenbank Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Es ist ein Konzept zu erstellen, wie das Wiedereinspielen von Datenbanksicherungen durchzuführen ist. Dem Konzept zugrunde gelegt werden müssen - das Datensicherungskonzept (siehe M 6.49 Datensicherung einer Datenbank) und - die möglichen Fehlersituationen, die ein Wiedereinspielen von Datenbanksicherungen erforderlich machen können. Anhand dieser beiden Punkte ist abzuleiten, welche Datenbanksicherungen in welcher Form wiedereingespielt werden müssen. Die Wiederherstellung einer Datenbank ist eine komplexe Aufgabe, die ein äußerst sorgfältiges Vorgehen und viel Übung erfordert. Trotzdem sollte immer damit gerechnet werden, daß eine Wiederherstellung nicht reibungslos und fehlerfrei funktionieren wird. Daher sollte die zerstörte Datenbank nicht durch ein einfaches Zurückspielen der Datenbanksicherung überschrieben werden. Häufig läßt sich die für korrupt gehaltene Datenbank wieder bereinigen. Um jedoch die Wiederanlaufzeit zu minimieren, sollte parallel zur Fehlersuche mit der Wiederherstellung der Datenbank in einem getrennten Speicherbereich begonnen werden. Auch wenn sich die beschädigte Datenbank nicht mehr reparieren läßt, sollte sie dennoch erhalten bleiben, um sie analysieren und die Fehlerursache feststellen zu können. Bei der Wiederherstellung sollte die Datenbanksicherung daher zuerst auf getrennten Speichermedien eingespielt werden. Dabei ist zu beachten, daß hierfür das gleiche Volumen an Speicherkapazität benötigt wird wie für die defekte Datenbank. Diese Speicherkapazitäten müssen für den Notfall vorgehalten werden, um einem Verlust der Datenbankintegrität vorzubeugen und die Verfügbarkeitsanforderungen zu erfüllen. Ist dies nicht möglich, so ist festzulegen, auf welche Weise kurzfristig die erforderlichen Speicherkapazitäten zur Verfügung gestellt werden können. Selbstverständlich darf dies nicht zu einem zusätzlichen Datenverlust führen, wenn beispielsweise Festplattenbereiche mit anderen Daten gelöscht werden sollen, um die erforderlichen Ressourcen für das Wiedereinspielen der Datenbanksicherung zur Verfügung zu stellen. Müssen aufgrund mangelnder Speicherkapazitäten andere Daten gelöscht werden, so sind diese sorgfältig zu sichern, damit gewährleistet werden kann, daß die Daten nach Abschluß der Restaurierungsmaßnahme wieder ordnungsgemäß zur Verfügung stehen. Für den Fall, daß keine vollständige Restaurierung der Datenbank notwendig ist, sondern lediglich einzelne Datenbestände wiederherzustellen sind, so ist ein Wiedereinspielen der Daten immer getrennt von den Originaldatenbeständen durchzuführen. Auch hier sind dann entsprechende Speicherkapazitäten erforderlich. Es ist an dieser Stelle sinnvoller, hierfür parallel eine eigene _____________________________________________________________________ .......................................... 88 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.51 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Datenbank einzurichten, damit die Datenbestände der Originaldatenbank auf jeden Fall unbeeinfußt bleiben. Dies gilt selbst dann, wenn die Möglichkeit besteht, die Daten in der Originaldatenbank gesondert einzuspielen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde ein Konzept zum Wiedereinspielen von Datenbanksicherungen erstellt? - Wann wurde das Wiedereinspielen von Datenbanksicherungen das letzte Mal geübt? - Werden für den Notfall genügend Speichermedien bereitgehalten? _____________________________________________________________________ .......................................... 89 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.52 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.52 Regelmäßige Sicherung der Konfigurationsdaten aktiver Netzkomponenten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator An die Verfügbarkeit der zentralen aktiven Netzkomponenten müssen hohe Anforderungen gestellt werden, da in der Regel viele Benutzer vom reibungslosen Funktionieren eines lokalen Netzes abhängig sind. Damit in einem Fehlerfall der Betrieb so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden kann, müssen alle Konfigurationsdaten der aktiven Netzkomponenten in elektronischer Form gesichert werden (vgl. auch M 6.32 Regelmäßige Datensicherung). Diese Sicherung kann prinzipiell lokal an den einzelnen Komponenten erfolgen oder über das Netz, z. B. mit Hilfe eines Netzmanagementtools. Wurden die Daten elektronisch gesichert, kann in diesem Fall das Wiederherstellen einer Konfiguration schneller und sicherer durchgeführt werden und eine zeitaufwendige manuelle Eingabe entfallen. Das Wiedereinspielen der Daten kann hierbei automatisch, z. B. durch ein zentrales Netzmanagementtool oder manuell durch den Eingriff eines Administrators erfolgen. Bei einer Sicherung der Konfigurationsdaten über das Netz ist jedoch, im Gegensatz zu einer lokalen Sicherung, zu beachten, daß die übertragenen Daten eventuell mitgelesen werden können und potentielle Angreifer möglicherweise sicherheitskritische Informationen über die Konfiguration der aktiven Netzkomponenten, wie z. B. Paßwörter, und damit möglicherweise über die gesamte Netzkonfiguration erhalten. Dabei werden im allgemeinen die Protokolle Trivial File Transfer Protocol (TFTP) oder Remote Copy Protocol (RCP) eingesetzt, wobei nach Möglichkeit RCP mit Authentifizierung verwendet werden sollte (siehe M 5.20 Einsatz der Sicherheitsmechanismen von rlogin, rsh und rcp). TFTP bietet dagegen keine Schutzmechanismen vor einem unbefugten Zugriff auf die Konfigurationsdaten (siehe auch M 5.21 Sicherer Einsatz von telnet, ftp, tftp und rexec), so daß von dessen Einsatz abgeraten wird. Bei allen Sicherungsmethoden muß ein Test durchgeführt werden, ob die Sicherung ordnungsgemäß durchgeführt wurde und die Wiederherstellung der Konfigurationsdaten möglich ist. Dies gilt insbesondere bei der Sicherung über das Netz, da hier nach einem Fehlerfall das Netz u. U. in einem Zustand ist, der keine Wiederherstellung über das Netz ermöglicht. Ergänzende Kontrollfragen: - Sind alle Konfigurationsdaten aktiver Netzkomponenten gesichert? - Wird der Datensicherungsvorgang dokumentiert? - Ist der Datensicherungsvorgang konform zu einem vorhandenen Datensicherungskonzept (vgl. M 6.13 Erstellung eines Datensicherungsplans)? _____________________________________________________________________ .......................................... 90 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.53 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.53 Redundante Auslegung der Netzkomponenten Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Beschaffungsstelle An die Verfügbarkeit der zentralen Netzkomponenten müssen hohe Anforderungen gestellt werden, da in der Regel viele Benutzer vom reibungslosen Funktionieren eines lokalen Netzes abhängig sind. Damit in einem Fehlerfall der Betrieb so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden kann, ist in Abhängigkeit von den entsprechenden Verfügbarkeitsanforderungen im jeweiligen Bereich Redundanz zu schaffen, die einem Teil- oder Totalausfall der relevanten Netzkomponenten mit akzeptablem Aufwand vorbeugt. Dabei gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, Redundanz zu erreichen: - Die Netzkomponenten können redundant im Lager vorgehalten werden, um in einem Notfall kurzfristig einen Austausch durchführen zu können. Wird dies nicht beachtet, sind oft langwierige Beschaffungsvorgänge nötig, bevor die Störung behoben werden kann. Alternativ sind Wartungs- bzw. Lieferverträge mit den entsprechenden Herstellern abzuschließen, die einen schnellen Ersatz defekter Komponenten garantieren (siehe auch M 6.14 Ersatzbeschaffungsplan). Danach können die gesicherten Konfigurationsdaten wieder eingespielt werden, um die Ausfallzeit der betroffenen Netzsegmente so gering wie möglich zu halten (siehe M 6.52 Regelmäßige Sicherung der Konfigurationsdaten aktiver Netzkomponenten). - Es ist weiterhin sinnvoll, bereits bei der Konzeption des Netzes eine redundante Auslegung der Netzkomponenten einzuplanen. So sollten alle zentralen Switches und je nach den verwendeten Protokollen alle Router zumindest doppelt in das Netz eingebunden sein, um die Anbindung der Server und die Verbindung zwischen den einzelnen Netzkomponenten redundant zu halten (siehe Abb. 1). Die korrekte Funktionsweise ist durch eine geeignete logische Netzkonfiguration zu gewährleisten. Hub Endgerät Switch Switch Serversystem Abb. 1: Redundante Verbindungen der Netzkomponenten _____________________________________________________________________ .......................................... 91 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.53 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ist je nach Verfügbarkeitsanforderungen auch eine Redundanz im Endgeräte-Bereich nötig, so müssen zusätzlich alle Endgeräte mit zwei Netzadaptern ausgerüstet werden (siehe Abb. 2). Hubs Endgerät Switch Switch Serversystem Abb. 2: Redundanz bis in den Endgeräte-Bereich Dabei gilt es im konkreten Fall zu prüfen, ob diese Technik von den eingesetzten aktiven Netzkomponenten und Betriebssystemen unterstützt wird. Weiterhin stellt das Netzteil von aktiven Netzkomponenten eine häufige Störungsursache dar, da diese auf eine stabile Stromversorgung angewiesen sind. Viele Komponenten lassen sich deshalb mit redundanten Netzteilen ausrüsten oder sind hiermit bereits ausgestattet. So läßt sich die Ausfallsicherheit einzelner Netzkomponenten erhöhen, ohne daß zwei Netzkomponenten eingesetzt werden müssen. Durch solch eine Maßnahme wird aber nicht die Ausfallsicherheit der eigentlichen Funktionalität der Netzkomponenten erhöht. Es muß in jedem Fall anhand einer sorgfältigen Analyse festgestellt werden, welche konkreten Verfügbarkeitsanforderungen gegeben sind. Im Rahmen einer detaillierten Planung der System- und Netzarchitektur muß dann ein geeignetes Redundanzkonzept entwickelt werden, welches diesen Anforderungen genügt. In diesem Zusammenhang ist auch die Maßnahme M 6.18 Redundante Leitungsführung zu beachten. _____________________________________________________________________ .......................................... 92 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.53 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wurden die Verfügbarkeitsanforderungen an das Netz ermittelt und dokumentiert? - Werden alle wichtigen Netzkomponenten im Lager vorgehalten bzw. existieren dazu Lieferverträge? - Wurde bei der Planung des Netzes die Redundanz der Komponenten berücksichtigt? _____________________________________________________________________ .......................................... 93 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.54 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.54 Verhaltensregeln nach Verlust der Netzintegrität Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, IT-Benutzer Falls sich das Netz in nicht vorgesehener Weise verhält (z. B. Server sind nicht verfügbar, Zugriff auf Netzressourcen ist nicht möglich, Netzperformance bricht dauerhaft ein), kann ein Verlust der Netzintegrität vorliegen. Dieser kann durch missbräuchliche Nutzung des Netzes verursacht worden sein, z. B. durch Veränderungen der Konfigurationen der aktiven Netzkomponenten oder deren Beschädigung. missbräuchliche Nutzung Dann sollten die Benutzer folgende Punkte beachten: - Sicherung der Arbeitsergebnisse und ggf. Beendigung aktiver Programme. - Der Administrator muss über eine geeignete Eskalationsstufe (z. B. User Help Desk) von den Benutzern benachrichtigt werden. Dabei ist sicherzustellen, dass der Administrator durch den Benachrichtigungsprozess in seiner Arbeit nicht wesentlich behindert wird. Administrator benachrichtigen Der Netzadministrator sollte folgende Schritte durchführen: - Eingrenzen des fehlerhaften Verhaltens auf ein Netzsegment bzw. eine Netzkomponente, - Überprüfen der Konfigurationen der dort vorhandenen aktiven Netzkomponenten (darunter fällt auch die Kontrolle der Passwörter), - Sichern aller Dateien, die Aufschluss über die Art und Ursache des aufgetretenen Problems geben könnten (z. B. ob tatsächlich ein Angriff erfolgt ist und auf welche Weise der Angreifer eindringen konnte), d. h. insbesondere Sichern aller relevanten Protokolldateien, Protokolldateien sichern - ggf. Wiedereinspielen der Original-Konfigurationsdaten (siehe M 6.52 Regelmäßige Sicherung der Konfigurationsdaten aktiver Netzkomponenten), - ggf. Überprüfung der eingesetzten Hardware (Verkabelung, Steckverbindungen, aktive Netzkomponenten usw.) auf Defekte, - Benachrichtigung der Benutzer mit der Bitte, ihre Arbeitsbereiche auf Unregelmäßigkeiten zu prüfen. Wenn Anzeichen auf einen vorsätzlichen Angriff gegen das Netz vorliegen, ist für die Schadensminimierung und weitere Schadensabwehr sofortiges Handeln notwendig. Hierzu ist ein Alarmplan erforderlich, in dem die einzuleitenden Schritte aufgeführt werden und festgelegt wird, welche Personen über den Vorfall zu unterrichten sind (siehe auch M 6.60 Verhaltensregeln und Meldewege bei Sicherheitsvorfällen). Der Alarmplan enthält ggf. auch Informationen darüber, ob und wie der Datenschutzbeauftragte und die Rechtsabteilung zu beteiligen sind. Alarmplan heranziehen _____________________________________________________________________ .......................................... 94 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.54 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Ergänzende Kontrollfragen: - Wie ist sichergestellt, dass der Administrator effektiv benachrichtigt wird? - Wird diese Regelung auch angewendet? - Ist ein Verfahren zur schnellen Vergabe von Passwörtern etabliert und getestet? _____________________________________________________________________ .......................................... 94.1 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.55 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.55 Reduzierung der Wiederanlaufzeit für Novell Netware Server Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Um die Wiederanlaufzeit eines Novell Netware Servers nach einem Ausfall zu reduzieren, sollten die erforderliche Software und die notwendigen Starttreiber (für Festplatte, Netzadapterkarte usw.) für den Fall einer Neuinstallation gesondert abgespeichert und auf externen Datenträgern ausgelagert werden. Es empfiehlt sich eine Aufbewahrung zusammen mit den Backupmedien der sonstigen Datensicherungen. Die benötigten Konfigurationsparameter können der zugehörigen Dokumentation des Servers entnommen werden (siehe M 2.153 Dokumentation von Novell Netware 4x Servern). Weiterhin sollte eine Vorgehensweise für den Wiederanlauf eines Netware Servers mit den dafür verantwortlichen Personen entwickelt werden. Diese Prozedur sollte regelmäßig im Rahmen von Notfallübungen simuliert und durchgeführt werden, um das Verfahren zu verifizieren und auf seine Durchführbarkeit zu testen. Insbesondere ist bei der Durchführung solcher Übungen zu testen, ob der ausschließliche Einsatz der Software und Daten, die in internen oder externen Sicherungsarchiven aufbewahrt werden reicht, um eine vollständige Rekonstruktion durchzuführen. Die für einen Wiederanlauf der Novell Netware Server erforderlichen Schritte müssen in einem Notfall-Handbuch erläutert werden (siehe M 6.3 Erstellung eines Notfall-Handbuches, Teil D). Beispiele für solche Schritte sind: - Aufbau und Installation der eventuell notwendigen Hardware-Komponenten, - Einspielen der Systemsoftware, - Einspielen der Starttreiber, - Bereitstellen der notwendigen Daten einschließlich Konfigurationsdateien und - Wiederanlauf. Der Wiederanlauf kann, je nach Umfang und Komplexität der NDS, mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden sein. Der Zeitaufwand für die mit dem Wiederanlauf verbundenen Maßnahmen kann durch solche Übungen ermittelt werden und ist bei der Überarbeitung des Wiederanlaufplans zu berücksichtigen. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde der Wiederanlaufplan erprobt? - Wann wurde zuletzt überprüft, ob die gesicherten Daten rekonstruiert werden können? _____________________________________________________________________ .......................................... 95 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.56 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.56 Datensicherung bei Einsatz kryptographischer Verfahren Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsbeauftragter Beim Einsatz kryptographischer Verfahren darf die Frage der Datensicherung nicht vernachlässigt werden. Neben der Frage, wie sinnvollerweise eine Datensicherung der verschlüsselten Daten erfolgen sollte, muß auch überlegt werden, ob und wie die benutzten kryptographischen Schlüssel gespeichert werden sollen. Daneben ist es noch zweckmäßig, die Konfigurationsdaten der eingesetzten Kryptoprodukte zu sichern. Datensicherung der Schlüssel Es muß sehr genau überlegt werden, ob und wie die benutzten kryptographischen Schlüssel gespeichert werden sollen, da jede Schlüsselkopie eine potentielle Schwachstelle ist. Trotzdem kann es aus verschiedenen Gründen notwendig sein, kryptographische Schlüssel zu speichern. Es gibt unterschiedliche Methoden der Schlüsselspeicherung: - die Speicherung zu Transportzwecken auf einem transportablen Datenträger, z. B. Diskette, Chipkarte (dient vor allem zur Schlüsselverteilung bzw. zum Schlüsselaustausch, siehe M 2.46 Geeignetes Schlüsselmanagement), - die Speicherung in IT-Komponenten, die dauerhaft auf kryptographische Schlüssel zugreifen müssen, also z. B. zur Kommunikationsverschlüsselung, - die Schlüsselhinterlegung als Vorbeugung gegen Schlüsselverlust oder im Rahmen von Vertretungsregelungen. Hierbei ist grundsätzlich zu beachten: - Kryptographische Schlüssel sollten so gespeichert bzw. aufbewahrt werden, daß Unbefugte sie nicht unbemerkt auslesen können. Beispielsweise könnten Schlüssel in spezieller Sicherheitshardware gespeichert werden, die die Schlüssel bei Angriffen automatisch löscht. Falls sie in Software gespeichert werden, sollten sie auf jeden Fall überschlüsselt werden. Hierbei ist zu bedenken, daß die meisten Standard-Anwendungen, bei denen Schlüssel oder Paßwörter in der Anwendung gespeichert werden, dies im allgemeinen mit leicht zu brechenden Verfahren geschieht. Als weitere Variante kann auch das Vier-Augen-Prinzip bei der Schlüsselspeicherung benutzt werden, also die Speicherung eines Schlüssels in Schlüsselhälften oder Schlüsselteilen. - Von Kommunikationsschlüsseln und anderen kurzlebigen Schlüsseln sollten keine Kopien erstellt werden. Damit eine unautorisierte Nutzung ausgeschlossen ist, sollten auch von privaten Signaturschlüsseln i. allg. keine Kopien existieren. Falls jedoch für die Schlüsselspeicherung eine reine Softwarelösung gewählt wurde, d. h. wenn keine Chipkarte o. ä. verwendet wird, ist das Risiko des Schlüsselverlustes erhöht, z. B. durch _____________________________________________________________________ .......................................... 96 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.56 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Bitfehler oder Festplattendefekt. In diesem Fall ist es unter Umständen weniger aufwendig, eine ausreichend gesicherte Möglichkeit der Schlüsselhinterlegung zu schaffen, als bei jedem Schlüsselverlust alle Kommunikationspartner zu informieren. - Von langlebigen Schlüsseln, die z. B. zur Archivierung von Daten oder zur Generierung von Kommunikationsschlüsseln eingesetzt werden, sollten auf jeden Fall Sicherungskopien angefertigt werden. Datensicherung der verschlüsselten Daten Besondere Sorgfalt ist bei der Datensicherung von verschlüsselten Daten bzw. beim Einsatz von Verschlüsselung während der Datenspeicherung notwendig. Treten hierbei Fehler auf, sind nicht nur einige Datensätze, sondern meist alle Daten unbrauchbar. Die Langzeitspeicherung von verschlüsselten oder signierten Daten bringt viele zusätzliche Probleme mit sich. Hierbei muß nicht nur sichergestellt werden, daß die Datenträger regelmäßig aufgefrischt werden und jederzeit noch die technischen Komponenten zum Verarbeiten dieser zur Verfügung stehen, sondern daß die verwendeten kryptographischen Algorithmen und die Schlüssellänge noch dem Stand der Technik entsprechen. Bei der langfristigen Archivierung von Daten kann es daher sinnvoller sein, diese unverschlüsselt zu speichern und dafür entsprechend sicher zu lagern, also z. B. in Tresoren. Die verwendeten Kryptomodule sollten vorsichtshalber immer archiviert werden, da die Erfahrung zeigt, daß auch noch nach Jahren Daten auftauchen, die nicht im Archiv gelagert waren. Datensicherung der Konfigurationsdaten der eingesetzten Produkte Bei komplexeren Kryptoprodukten sollte nicht vergessen werden, deren Konfigurationsdaten zu sichern (siehe auch M 4.78 Sorgfältige Durchführung von Konfigurationsänderungen). Die gewählte Konfiguration sollte dokumentiert sein, damit sie nach einem Systemversagen oder einer Neuinstallation schnell wieder eingerichtet werden kann. Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es eine Vorgabe innerhalb des Unternehmens bzw. der Behörde zur Hinterlegung von Schlüsselkopien? - Wie wird sichergestellt, daß auf verschlüsselt gespeicherte Daten auch nach längeren Zeiträumen noch zugegriffen werden kann? _____________________________________________________________________ .......................................... 97 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.57 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.57 Erstellen eines Notfallplanes für den Ausfall des Managementsystems Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator Auch ein Managementsystem kann aus verschiedenen Gründen ausfallen, etwa durch einen Rechnerabsturz durch Software- oder Hardwarefehler, durch einen Stromausfall oder Sabotage. Da Managementsysteme vor allem bei größeren Systemen eingesetzt werden, sollten für diese Systeme sowohl ein Notfallvorsorgekonzept wie in Kapitel 3.3 beschrieben als auch ein Datensicherungskonzept (siehe Kapitel 3.4) vorhanden sein. Im Rahmen eines solchen Notfallvorsorgekonzeptes müssen dann auch für den Ausfall des Managementsystems Regelungen festgelegt und dokumentiert werden. Insbesondere sind Regelungen zu treffen, die Verhaltensrichtlinien für den Ausfall der verschiedenen Managementsystemkomponenten (Manager, Management Server, Managementkonsole) enthalten. Desweiteren ist die Erstellung eines Wiederanlaufplanes für das Managementsystem insgesamt oder dessen Einzelkomponenten zwingend erforderlich. Im Idealfall sollte ein automatisches Wiederanlaufen des Managementsystems erfolgen. Im Rahmen der Datensicherung sollten für den Fall des Datentotalverlustes (Plattencrash) Sicherungskopien der Managementsystemsoftware vorhanden sein. Der Aufbewahrungsort ist im Notfallhandbuch zu vermerken. Ebenso sind dort die Kenntnisse zu vermerken, die benötigt werden, um Zutritt oder Zugriff zum Aufbewahrungsort zu erhalten, z. B. Namen und Telefonnummern der Mitarbeiter, die erforderliche Tresorkombinationen oder Paßwörter kennen (siehe auch M 2.22 Hinterlegen des Paßwortes). _____________________________________________________________________ .......................................... 98 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Juli 1999
M 6.58 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.58 Etablierung eines Managementsystems zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Mit der zunehmenden Einbindung der IT in alle Abläufe einer Behörde oder eines Unternehmens nimmt auch die Abhängigkeit von deren korrekten Funktionieren immer weiter zu. Eine wichtige Aufgabe des IT-Sicherheitsmanagements ist daher die Vorbereitung auf den angemessenen Umgang mit Sicherheitsvorfällen aller Art. Sicherheitsvorfälle können durch eine Vielzahl von Ereignissen ausgelöst werden und z. B. zum Verlust der Verfügbarkeit, Integrität und/oder Vertraulichkeit von Daten, einzelnen IT-Systemen oder des gesamten Netzes führen. Sicherheitsvorfälle, die im Rahmen des IT-Sicherheitsmanagements einer besonderen Behandlung bedürfen, sind solche, die das Potential für große Schäden besitzen. Sicherheitsprobleme, die nur lokal begrenzte und geringfügige Schäden verursachen oder verursachen können, sollten auch in der lokalen Verantwortlichkeit gelöst werden, um das IT-Sicherheitsmanagement nicht zu überlasten. Die Behandlung von Sicherheitsvorfällen verfolgt als Teil des IT-Sicherheitsmanagements dabei folgende Ziele: Ziele bei der Behandlung von Sicherheitsvorfällen - Reaktionsfähigkeit, damit Sicherheitsvorfälle und Sicherheitsprobleme rechtzeitig bemerkt und an eine zuständige Stelle gemeldet werden, - Entscheidungsfähigkeit, ob es sich um ein lokales Sicherheitsproblem oder um einen Sicherheitsvorfall handelt, - Handlungsfähigkeit, damit bei einem Sicherheitsvorfall die notwendigen Maßnahmen kurzfristig ergriffen und umgesetzt werden, - Schadensminimierung, in dem weitere potentiell betroffene Bereiche rechtzeitig benachrichtigt werden und - Effektivität, in dem die Fähigkeit zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen geübt und überwacht wird. Um diese Ziele erreichen zu können, ist ein Managementsystem zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen zu etablieren. Unbedingte Voraussetzung dafür ist, dass die Behörden- oder Unternehmensleitung beteiligt wird und letztlich das Managementsystem in Kraft setzt, um die notwendige Sensibilisierung für IT-Sicherheit, die Vergabe von Entscheidungskompetenzen und die Unterstützung der Sicherheitsziele zu gewährleisten. Beteiligung der Leitungsebene Zur Etablierung eines Managementsystems zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen kann man sich an folgenden Schritten orientieren: Schritt 1: Berücksichtigung in der Sicherheitsleitlinie Als Teil des IT-Sicherheitsmanagements sollte die Behandlung von Sicherheitsvorfällen in der Sicherheitsleitlinie bzw. im IT-Sicherheitskonzept der Behörde bzw. des Unternehmens geregelt werden. Hier ist festzulegen, dass Sicherheitsvorfälle und Sicherheitsprobleme von den Benutzern und _____________________________________________________________________ .......................................... 99 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.58 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Betroffenen dem zuständigen Sicherheitsverantwortlichen gemeldet werden. Darüber hinaus sind die Entscheidungsfindungswege zu beschreiben und die Notwendigkeit zu motivieren. Mit der Aufnahme in die Sicherheitsleitlinie wird gleichzeitig die Unterstützung der IT-Sicherheit durch die Behördenbzw. Unternehmensleitung manifestiert. Schritt 2: Festlegung von Verantwortlichkeiten In diesem Schritt wird festgelegt, wer welche Verantwortung beim Auftreten von Sicherheitsvorfällen hat. Verantwortung tragen dabei unter anderem folgende Gruppen für die exemplarisch beschriebenen Aufgaben: - IT-Benutzer: Meldung von Sicherheitsproblemen und -vorfällen - IT-Administratoren: Entgegennahme von Meldungen und erste Entscheidungsvorbereitung zwischen Sicherheitsproblem und -vorfall sowie Einleitung der Eskalation - Verantwortliche für IT-Anwendung: Beteiligung als Träger des Schutzbedarfs der betroffenen IT-Anwendung bei Entscheidungsfindung und Maßnahmenauswahl - IT-Sicherheitsbeauftragte bzw. IT-Sicherheitsmanagement: Entgegennahme von Meldungen und Entscheidungsfindung zwischen Sicherheitsproblem und -vorfall, Einschaltung des Eskalationswegs und Einleitung notwendiger Maßnahmen - Sicherheitsvorfall-Team: ein aus betroffenen IT-Administratoren, ITAnwendern, IT-Sicherheitsbeauftragten, Öffentlichkeitsarbeit und ggf. Leitungsebene zusammengesetztes Team zur Abwicklung eines Sicherheitsvorfalls - Öffentlichkeitsarbeit bzw. Pressestelle: bei Bedarf Vorbereitung der Informationspolitik bezüglich des Sicherheitsvorfalls - IT-Sicherheitsrevision: Überprüfung des Managementsystems und Nachbereitung eines Sicherheitsvorfalls - Behörden-/Unternehmensleitung: Abschließende Entscheidungsfindung Die Verantwortlichkeiten sind zu regeln und in Kraft zu setzen. Näheres ist in Maßnahme M 6.59 Festlegung von Verantwortlichkeiten bei Sicherheitsvorfällen beschrieben. Schritt 3: Verhaltensregeln und Meldeweg bei Auftreten eines Sicherheitsvorfalls Für die effektive Behandlung von Sicherheitsvorfällen ist entscheidend, dass sich Betroffene richtig und besonnen verhalten und den Vorfall unverzüglich weitermelden. Dazu sind die Verhaltensregeln (Ruhe bewahren, Meldepflicht, Auskunftspflicht über Begleitumstände, etc.) zu fixieren und die IT-Benutzer entsprechend zu schulen. Insbesondere ist dabei festzulegen, an wen ein ITSicherheitsproblem oder -vorfall gemeldet werden muss. Für eine Reihe von typischerweise zu erwartenden Sicherheitsvorfällen (z. B. Auftreten eines Computer-Virus, Datenmanipulation durch Innentäter, Hackingversuche durch Außentäter, ...) können vorab Handlungsanweisungen typische Sicherheitsvorfälle im Vorfeld berücksichtigen _____________________________________________________________________ .......................................... 100 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.58 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... ausgearbeitet werden, was in einem solchen Fall zu tun ist. Dies beschleunigt im Ernstfall die Reaktionen und trägt damit zur Schadensbegrenzung bei. Da der Aufwand zur Erstellung dieser Handlungsoptionen nicht unerheblich ist, sollte er auf die relevanten planbaren Bereiche beschränkt werden. Ausführlich wird dieses Thema in der Maßnahme M 6.60 Verhaltensregeln und Meldewege bei Sicherheitsvorfällen beschrieben. Schritt 4: Eskalationsstrategie bei Sicherheitsvorfällen Je kritischer ein Sicherheitsvorfall ist, desto mehr Kompetenzen werden bei der Behandlung des Sicherheitsvorfalls in der Regel benötigt. Dies kann so weit führen, dass die Behörden- bzw. Unternehmensleitung informiert und eingeschaltet werden muss, um notwendige Maßnahmen wie Verbot der Informationsweitergabe, Einschaltung der Polizei, kostenträchtige Ersatzmaßnahmen etc. einleiten zu dürfen. Dazu bedarf es jedoch einer im Vorfeld erarbeiteten Eskalationsstrategie, wer in welchen Fällen hinzuzuziehen ist. Näheres dazu ist in Maßnahme M 6.61 Eskalationsstrategie für Sicherheitsvorfälle beschrieben. Schritt 5: Prioritätensetzung Da ein Sicherheitsvorfall meist aus einer Verkettung verschiedener Ursachen entsteht und auch Auswirkungen auf verschiedene betroffene IT-Anwendungsbereiche besitzt, sollten die zu treffenden Maßnahmen anhand einer Prioritätenliste umgesetzt werden. Diese Prioritätensetzung hängt vom Schutzbedarf, von den IT-Einsatzbereichen und -Anwendungen sowie von den individuellen Abhängigkeiten der Behörde bzw. des Unternehmens ab. Analog zur Schutzbedarfsfeststellung ist vorab eine Prioritätensetzung durchzuführen, um festzulegen, in welcher Reihenfolge die aus einem Sicherheitsvorfall resultierenden Schäden bearbeitet werden sollen (vgl. M 6.62 Festlegung von Prioritäten für die Behandlung von Sicherheitsvorfällen). Schritt 6: Methodik zur Untersuchung und Bewertung von Sicherheitsvorfällen Nach Eingang einer Meldung über eine sicherheitsrelevante Unregelmäßigkeit muss zunächst entschieden werden, ob es sich um ein lokales Sicherheitsproblem oder um einen Sicherheitsvorfall mit ggf. zu erwartenden größeren Schäden handelt. Für diese Entscheidung sind eine Reihe von Einflussfaktoren (potentielle Schadenshöhe und Folgeschäden, Ursache, betroffene IT-Systeme, notwendige Sofortmaßnahmen) zu erheben und zu bewerten. Bei Bedarf sind gemäß einer Eskalationsstrategie die nächsten Managementebenen einzubeziehen. Einzelheiten dazu finden sich in Maßnahme M 6.63 Untersuchung und Bewertung eines Sicherheitsvorfalls. Schritt 7: Umsetzung von Maßnahmen zur Behebung von Sicherheitsvorfällen Bei der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen zur Behebung von Sicherheitsvorfällen ist zu beachten, dass diese Maßnahmen meist unter Zeitdruck vollzogen werden. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch diese Maßnahmen neue Probleme entstehen. Als Folge dessen ist es sinnvoll, die Umsetzung der Maßnahmen ausreichend zu dokumentieren. Darüber hinaus sollte, vorsätzliches Handeln bei Sicherheitsvorfällen vorausgesetzt, auch die _____________________________________________________________________ .......................................... 101 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.58 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Behandlung des "Täters" mitbedacht werden. Unter Umständen sind personelle Konsequenzen zu überdenken. Näheres dazu findet man in M 6.64 Behebung von Sicherheitsvorfällen. Schritt 8: Benachrichtigung betroffener Stellen Sollte sich herausstellen, dass ein Sicherheitsvorfall in den Auswirkungen nicht nur auf die Behörde bzw. das Unternehmen oder einzelne Organisationsbereiche beschränkt ist, muss zur Schadensminimierung eine Benachrichtigung der evtl. betroffenen Stellen erfolgen. Dazu sollten vorab die Kommunikationswege erhoben werden und eine Abhängigkeitsanalyse durchgeführt worden sein, um die Benachrichtigung zu beschleunigen (siehe M 6.65 Benachrichtigung betroffener Stellen). Schritt 9: Nachbereitung eines Sicherheitsvorfalls Um den Lerneffekt eines eingetretenen Sicherheitsvorfalls nicht zu vernachlässigen, sollte für die Behandlung von Sicherheitsvorfälle die Nachbereitung festgelegt werden. Oftmals lassen sich daraus Verbesserungen für den Umgang mit Sicherheitsvorfällen herausarbeiten oder Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der IT-Sicherheitskonzeption ziehen. Dabei sind unter anderem folgende Aspekte zu beachten: - Reaktionszeit - Bekanntheitsgrad des Meldewegs - Wirksamkeit der Eskalationsstrategie - Effektivität der Untersuchung - Möglichkeiten der Benachrichtigung betroffener Stellen Ausführlich behandelt wird dieses Thema in Maßnahme M 6.66 Nachbereitung von Sicherheitsvorfällen. Schritt 10: Einsatz von Detektionsmaßnahmen für Sicherheitsvorfälle Je schneller ein Sicherheitsvorfall entdeckt und gemeldet wird, umso effektiver können Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Hierbei kann es sinnvoll sein, die technisch möglichen Detektionsmaßnahmen zu nutzen, um Verzögerungen durch menschliches Handeln zu reduzieren. Hier sind insbesondere Viren-Suchprogramme, Auswertungen von Protokolldaten und Intrusion Detection Systeme zu nennen. Die Identifikation und Aktivierung dieser Maßnahmen sowie deren Meldewege werden in Maßnahme M 6.67 Einsatz von Detektionsmaßnahmen für Sicherheitsvorfälle beschrieben. Schritt 11: Effizienzprüfung Um die Effektivität eines Managementsystems zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen messen zu können und um die notwendige Praxis dieser Managementaufgaben zu fördern, sind Übungen bzw. Planspiele durchzuführen. Da dies eines erheblichen Personaleinsatzes bedarf und sich auf den normalen Geschäftsablauf störend auswirken kann, sollte dies auf wichtige Bereiche beschränkt werden. Weitere Anregungen finden sich in Maßnahme M 6.68 Effizienzprüfung des Managementsystems zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen. _____________________________________________________________________ .......................................... 102 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.58 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Die Ergebnisse dieser Schritte sollten sinnvollerweise in einem "Konzept zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen" dokumentiert werden. Dieses Konzept ist in regelmäßigen Abständen zu aktualisieren und in geeigneter Weise den Betroffenen bekanntzugeben. Konzept erstellen und regelmäßig aktualisieren Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es klar definierte Abläufe und Regeln für die verschiedenen Arten von Sicherheitsvorfällen? - Sind die Verhaltensregeln und Meldewege bei Sicherheitsvorfällen schriftlich fixiert? - Sind diese allen Mitarbeitern bekannt? _____________________________________________________________________ .......................................... 103 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.59 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.59 Festlegung von Verantwortlichkeiten bei Sicherheitsvorfällen Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, heitsmanagement IT-Sicher- Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Um die Verantwortlichkeiten zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen festzulegen, bietet es sich an, sich am imaginären zeitlichen Ablauf eines Sicherheitsvorfalls zu orientieren. Für die handelnden Personengruppen ist dabei festzulegen, welche Aufgaben und Kompetenzen sie haben und auf welche Art sie verpflichtet bzw. unterrichtet werden. Beispielhaft soll dies für einige der typischerweise betroffenen Gruppen beschrieben werden. Aufgaben und Kompetenzen festlegen IT-Benutzer Aufgabe: Sobald IT-Benutzer eine sicherheitsrelevante Unregelmäßigkeit bemerken, müssen sie die entsprechenden Verhaltensregeln einhalten und die Unregelmäßigkeit melden. Kompetenz: IT-Benutzer müssen entscheiden, welcher Meldeweg in dem vorliegenden Fall einzuschlagen ist (vgl. M 6.60 Untersuchung und Bewertung eines Sicherheitsvorfalls). Verpflichtung / Unterrichtung: Jeder IT-Benutzer sollte über die Sicherheitsleitlinie des Hauses verpflichtet werden, sicherheitsrelevante Unregelmäßigkeiten zu melden. Darüber hinaus sollten alle Benutzer schriftliche Handlungsanweisungen ausgehändigt bekommen, wie sie sich zu verhalten haben und an wen welche Vorfälle zu melden sind. IT-Administrator Aufgabe: Der IT-Administrator erhält in diesem Zusammenhang die Aufgabe, Meldungen über sicherheitsrelevante Unregelmäßigkeiten, die mit den von ihm betreuten IT-Systemen verbunden sind, entgegenzunehmen. Anschließend hat er zu entscheiden, ob er selbst diese Unregelmäßigkeit behebt oder ob er die nächst höhere Eskalationsebene zu unterrichten hat. Kompetenz: Ein Administrator muss entscheiden können, ob ein Sicherheitsproblem vorliegt, ob er dieses eigenverantwortlich beheben kann, ob er sofort andere Personen hinzuzieht (entsprechend dem Eskalationsplan) und wen er informiert. Verpflichtung / Unterrichtung: Dies sollte in der Stellenbeschreibung und im Konzept zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen festgelegt werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 104 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.59 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... IT-Sicherheitsbeauftragter / IT-Sicherheitsmanagement Aufgabe: Der IT-Sicherheitsbeauftragte nimmt Meldungen über Sicherheitsvorfälle entgegen. Er führt die Untersuchung und Bewertung des Vorfalls durch. Er wählt notwendige Maßnahmen aus und veranlasst deren Umsetzung, soweit dies nicht seinen Kompetenzbereich überschreitet. Bei Bedarf ruft er ein Sicherheitsvorfall-Team zusammen bzw. unterrichtet zur Eskalation die Leitungsebene. Kompetenz: Er ist befugt, die Bewertung eines Sicherheitsvorfalls durchzuführen, einen Vorfall weiter zu eskalieren. Darüber hinaus sind ihm finanzielle und personelle Ressourcen (z. B. 100.000 DM und 2 Personenmonate) zugebilligt, die er zur Behebung von Vorfällen selbständig einsetzen darf. Verpflichtung / Unterrichtung: Das IT-Sicherheitsmanagement erarbeitet das Konzept zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen. Daher sollten alle IT-Sicherheitsbeauftragten über ihre Aufgaben und Kompetenzen bei der Behandlung von Sicherheitsvorfällen informiert sein. IT-Sicherheitsrevision Aufgabe: Der IT-Sicherheitsrevision kann die Aufgabe übertragen werden, in Abständen die Wirksamkeit des Managementsystems für Sicherheitsvorfälle zu prüfen. Darüber hinaus kann sie beauftragt werden, bei der Nachbereitung von Sicherheitsvorfällen mitzuwirken. Kompetenz: In Absprache mit der Leitungsebene können genannte Prüfungen initiiert und durchgeführt werden. Verpflichtung / Unterrichtung: Dies sollte in der Stellenbeschreibung und im Konzept zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen festgelegt werden. Öffentlichkeitsarbeit / Pressestelle Aufgabe: Die Information der Öffentlichkeit sollte bei schwerwiegenden Sicherheitsvorfällen ausschließlich durch die Pressestelle erfolgen. Dabei sollte der Vorfall nicht beschönigt oder verharmlost, sondern sachlich dargestellt werden, um keinen Imageverlust bei gegenteiligen Informationen zu erleiden. Kompetenz: Die Pressestelle muss Informationen über den Sicherheitsvorfall zusammen mit den technischen Experten aufbereiten und mit der Leitungsebene vor der Weitergabe abstimmen. _____________________________________________________________________ .......................................... 105 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.59 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Verpflichtung / Unterrichtung: Dies sollte in der Stellenbeschreibung und im Konzept zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen festgelegt werden. Behörden-/Unternehmensleitung Aufgabe: Sie wird bei schwerwiegenden Sicherheitsvorfällen unterrichtet und ggf. mit der Entscheidungsfindung konfrontiert. Kompetenz: Als die die Gesamtverantwortung tragende Stelle kann sie die Verantwortung an oben genannte Gruppen delegieren. Darüber hinaus kann sie Polizei und Strafverfolgungsbehörden einschalten, wenn der Verdacht auf kriminelle Handlungen besteht. Verpflichtung / Unterrichtung: Die Behörden- bzw. Unternehmensleitung muss dem Konzept zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen und den darauf aufbauenden Eskalationsplänen zustimmen. Dabei wird die Leitungsebene auch über ihre Rolle bei der Behandlung von Sicherheitsvorfällen unterrichtet. Sicherheitsvorfall-Team Neben diesen Gruppen kann es bei einem schwierigen oder schwerwiegenden Sicherheitsvorfall notwendig sein, zu dessen Behandlung ein Sicherheitsvorfall-Team zeitlich befristet einzuberufen. Dies wird üblicherweise vom ITSicherheitsbeauftragten initiiert, der ggf. die Leitungsebene vorab beteiligt. Auch wenn das Sicherheitsvorfall-Team nur für einen konkreten Sicherheitsvorfall zusammentritt, müssen bereits im Vorfeld dessen Mitglieder benannt und in ihre Aufgaben eingewiesen sein, damit die Reaktion auf den Sicherheitsvorfall schnellstmöglich erfolgen kann. Die Mitglieder des Sicherheitsvorfall-Teams sollten befugt sein, die ihnen übertragenen Aufgaben eigenverantwortlich durchzuführen. Die hierzu erforderlichen Regelungen sind schriftlich festzuhalten und von der Behörden- bzw. Unternehmensleitung zu autorisieren. Insbesondere ist festzulegen, wer die Leitung dieses Teams übernimmt. Mitglieder benennen und Aufgaben festlegen Zu einem Sicherheitsvorfall-Team können (je nach Art des Sicherheitsvorfalls) beispielsweise gehören: - Behörden-/Unternehmensleitung - IT-Sicherheitsmanagement / IT-Sicherheitsbeauftragter - Leiter IT - Pressestelle - Datenschutzbeauftragter - Justitiar - Personalrat/Betriebsrat _____________________________________________________________________ .......................................... 106 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.59 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Falls es erforderlich ist, müssen weitere Bereiche hinzugezogen werden, wie z. B. - die betroffenen Fachabteilungen (Leiter, IT-Verfahrensverantwortlicher), - IT-Administratoren, - die Bereiche Beschaffung, Haustechnik, Innerer Dienst, Organisation, Personal und - Brandschutzbeauftragter. Es sollte im Vorfeld abgeklärt sein, wie mit der im Rahmen von Sicherheitsvorfällen anfallenden Mehrarbeit umzugehen ist, also ob die Arbeitszeitregelungen der Behörde bzw. des Unternehmens um Ausnahmeregelungen für Mehrarbeit, Wochenendarbeit, etc. bei Sicherheitsvorfällen erweitert werden muss. Darüber hinaus ist auch sicherzustellen, dass dieses Team bei Bedarf auch die Diensträume außerhalb der regulären Arbeitszeit nutzen kann. Regelungen für Mehrarbeit Ergänzende Kontrollfragen: - Ist ein Sicherheitsvorfall-Team benannt worden? - Sind die betroffenen Mitglieder des Teams in ihre Aufgaben eingewiesen worden? - Wer koordiniert welche Maßnahmen? - Wann wurde der Aufbau des Katastrophen-Management-Teams zuletzt aktualisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 107 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.60 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.60 Verhaltensregeln und Meldewege bei Sicherheitsvorfällen Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, heitsmanagement IT-Sicher- Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Viele Sicherheitsvorfälle werden erst durch falsche Reaktionen zu einem größeren Problem, wenn überhastet Entscheidungen getroffen werden, beispielsweise wenn spontan Daten gelöscht werden, die zum Nachvollziehen des Ereignisses notwendig gewesen wären. Zu unterscheiden ist hierbei zwischen allgemeingültigen Verhaltensregeln, die für sämtliche vorstellbaren Sicherheitsvorfälle gelten, und den IT-spezifischen Verhaltensregeln. Folgende allgemeingültige Verhaltensregeln können für alle Arten von sicherheitsrelevanten Unregelmäßigkeiten festgehalten werden: - Alle Beteiligten sollten Ruhe bewahren und keine übereilten Maßnahmen ergreifen. Keine Panik! - Unregelmäßigkeiten sollten gemäß eines Meldeplans unverzüglich gemeldet werden. Geordnet vorgehen! - Gegenmaßnahmen dürfen erst nach Aufforderung durch Berechtigte ergriffen werden. - Alle Begleitumstände sind ungeschönt, offen und transparent zu erläutern, um damit zur Schadensminderung beizutragen. Nichts verschleiern! - Es sollte eine erste auf den persönlichen Erfahrungen beruhende Einschätzung der möglichen Schadenshöhe, der Folgeschäden, der potentiell intern und extern Betroffenen und möglicher Konsequenzen abgegeben werden. Einschätzung des Schadens - Informationen über den Sicherheitsvorfall dürfen nicht unautorisiert an Dritte weitergegeben werden. Diese allgemeinen Verhaltensregeln müssen in geeigneter Weise allen potentiell betroffenen Angehörigen einer Behörde bzw. eines Unternehmens bekanntgegeben werden. Darüber hinaus können spezifische Verhaltensregeln an die Betroffenen weitergegeben werden, insbesondere an diejenigen, die als Meldestellen für Sicherheitsvorfälle fungieren und die ersten Entscheidungen fällen bzw. die ersten Maßnahmen ergreifen sollen. Dazu gehören die IT-Administratoren, die IT-Anwendungsverantwortlichen und das IT-Sicherheitsmanagement. Zu diesen Verhaltensregeln zählen die in den folgenden Maßnahmen beschriebenen: - M 6.23 Verhaltensregeln bei Auftreten eines Computer-Virus - M 6.31 Verhaltensregeln nach Verlust der Systemintegrität - M 6.48 Verhaltensregeln nach Verlust der Datenbankintegrität - M 6.54 Verhaltensregeln nach Verlust der Netzintegrität Verhaltensregeln bekannt geben _____________________________________________________________________ .......................................... 108 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.60 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Neben der Festlegung der Verhaltensregeln sind auch die Meldewege zu definieren. Hier bietet sich folgendes Muster an: - Bei Gefährdungen höherer Gewalt wie Feuer, Wasser, Stromausfall, Einbruch und Diebstahl sind die örtlich verfügbaren Einsatzkräfte zu unterrichten (Feuerwehr, Haustechnik, Pforte, Wachdienst, ...). - Bei hardware-technischen Problemen oder bei Unregelmäßigkeiten bei Betrieb der IT-Systeme ist der zuständige IT-Administrator zu benachrichtigen. - Bei vermuteten vorsätzlichen Handlungen und bei ansonsten nicht zuzuordnenden Ereignissen (z. B. Datenmanipulationen, unerlaubter Ausübung von Rechten, Spionage- und Sabotageverdacht) ist der IT-Sicherheitsbeauftragte bzw. das IT-Sicherheitsmanagement zu benachrichtigen. Wichtig ist hier insbesondere, dass allen Mitarbeitern die Ansprechpartner und die Meldewege für alle Arten von Sicherheitsvorfällen bekannt sind. Hierzu könnte z. B. im internen Telefonverzeichnis oder im Intranet eine Liste mit Namen, Telefonnummern und E-Mailadressen der jeweiligen Ansprechpartner enthalten sein. Es darf jedoch weder schwierig noch zeitaufwendig sein, Verdachtsfälle weiterzumelden. Dafür müssen schnelle und sichere Kommunikationsverbindungen bereitstehen. Die Authentizität des Kommunikationspartners und die Vertraulichkeit der über den Verdachtsfall gemeldeten Informationen ist sicherzustellen. Meldewege bekannt geben Es sollten auch alle Mitarbeiter darüber informiert sein, dass Auskünfte über den Sicherheitsvorfall gegenüber Dritten nur über das IT-Sicherheitsmanagement erfolgen dürfen (siehe M 6.65 Benachrichtigung betroffener Stellen). Durch Übungen sollte auch sporadisch überprüft werden, ob die Verhaltensregeln für Sicherheitsvorfälle angemessen und durchführbar sind und ob sie allen Mitarbeitern bekannt sind (siehe auch M 6.68 Effizienzprüfung des Managementsystems zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen). Übungen durchführen Besonders bei Sicherheitsvorfällen zeigt es sich immer wieder, wie wichtig ein gutes Betriebsklima und eine gesunde Kommunikationskultur sind, damit Sicherheitsvorfälle auch umgehend weitergemeldet und offen angegangen werden (siehe auch M 3.8 Vermeidung von Störungen des Betriebsklimas). Ein Beispiel, wie die Verhaltensregeln und der Meldeplan jedem betroffenen Mitarbeiter bekanntgegeben werden können, ist ein von der Behörden- bzw. Unternehmensleitung unterzeichnetes Informationsblatt, auf dem die wichtigsten Informationen zusammengefasst sind und das am Arbeitsplatz und ergänzend im Intranet vorgehalten werden kann. Ein Beispiel für ein solches Informationsblatt findet sich unter den Hilfsmitteln auf der CD-ROM zum ITGrundschutzhandbuch (Verzeichnis ...\HILFSMI\15VERHAL.DOC). Damit die Information im Ernstfall auch tatsächlich verfügbar ist, ist es nicht sinnvoll, diese nur in elektronischer Form zu verbreiten, da dann auch genau diese Information vom Sicherheitsvorfall betroffen sein könnte. Merkblatt mit Meldeplan und den wichtigsten Verhaltensregeln Alle Informationsblätter zu potentiellen Sicherheitsvorfällen müssen bei jeder relevanten Änderung in der Organisation sofort aktualisiert werden, damit die _____________________________________________________________________ .......................................... 109 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.60 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... dort beschriebenen Verhaltensregeln noch greifen und die Meldewege korrekt sind. Ergänzende Kontrollfragen: - Gibt es klar definierte Verhaltensregeln für die verschiedenen Arten von Sicherheitsvorfällen? - Sind diese allen Mitarbeitern bekannt? - Wann wurde diese Information letztmalig aktualisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 110 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.61 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.61 Eskalationsstrategie für Sicherheitsvorfälle Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, heitsmanagement IT-Sicher- Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Nachdem die Verantwortlichkeiten für Sicherheitsvorfälle geregelt sind (siehe M 6.59 Festlegung von Verantwortlichkeiten bei Sicherheitsvorfällen) und die Verhaltensregeln und Meldewege allen Betroffenen bekanntgegeben worden sind (siehe M 6.60 Verhaltensregeln und Meldewege bei Sicherheitsvorfällen), ist als Nächstes zu regeln, wie mit eingegangenen Meldungen weiter verfahren wird. Derjenige, der eine Meldung über einen Sicherheitsvorfall erhalten hat, muss diesen zunächst untersuchen und bewerten (siehe auch M 6.63). Falls es sich tatsächlich um einen Sicherheitsvorfall handelt, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden. Dabei stellen sich folgende Fragen: - Wer ist im Fall einer Eskalation, also der Ausweitung der Aktionskette, zu unterrichten? - In welchen Fällen ist eine sofortige Eskalation vorzunehmen? - Unter welchen Umständen ist ansonsten eine Eskalation durchzuführen? - Wann wird diese Eskalation vorgenommen (sofort, am nächsten Tag, am nächsten Werktag)? - Über welche Medien wird die Meldung weitergegeben? Die Antworten zu diesen Fragen sind in einer Eskalationsstrategie festzulegen und bekanntzugeben. Die Eskalationsstrategie kann in drei Schritten erstellt werden: Schritt 1: Festlegung der Eskalationswege Wer für die Behandlung von Sicherheitsvorfällen verantwortlich ist, wurde in Maßnahme M 6.59 Festlegung von Verantwortlichkeiten bei Sicherheitsvorfällen festgelegt. In der Festlegung des Eskalationsweges ist zu definieren, wer an wen eine Meldung weitergibt. Dies lässt sich in einfacher Weise durch einen gerichteten Graphen veranschaulichen. Dabei sollten sowohl die regulären Eskalationswege als auch der Vertretungsfall berücksichtigt werden. Wer informiert wen? _____________________________________________________________________ .......................................... 111 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.61 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Beispiel: Vorstand Vorstandsbereich IT IT-Sicherheitsbeauftragter Leiter IT lokaler IT-SicherIT-Administrator heitsbeauftragter Virenschutzbeauftragter Pförtner IT-Benutzer Meldeweg Ersatzweg Schritt 2: Entscheidungshilfe für Eskalation In diesem Schritt ist zunächst festzulegen, in welchen Fällen eine sofortige Eskalation ohne weitere Untersuchungen und Bewertungen durchgeführt werden sollte. Ein Beispiel für eine tabellarische Aufstellung ist: Ereignis sofortige Unterrichtung von Infektion mit einem Computer-Virus Virenschutzbeauftragter, Administrator Brand Pförtner, Feuerwehr Vorsätzliche Handlungen und vermutete kriminelle Handlungen IT-Sicherheitsbeauftragter Verdacht auf Werksspionage IT-Sicherheitsbeauftragter, Vorstand Notwendigkeit, Polizeien und Strafverfolgungsbehörden einzuschalten Vorstand Existenzbedrohende Schäden Vorstand Wer muss wie schnell informiert werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 112 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.61 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Anschließend ist für die restlichen Fälle vorzugeben, wann eine Eskalation stattzufinden hat. Gründe dafür können sein: - Die zu erwartende Schadenshöhe übertrifft den Verantwortungsbereich der Stelle, die die Meldung entgegengenommen hat. - Die Kosten und Ressourcen für die Schadensregulierung übertreffen deren Kompetenzbereich. - Die Komplexität des Sicherheitsvorfalls übersteigt deren Kompetenz- bzw. Zuständigkeitsbereich. Schritt 3: Art und Weise der Eskalation Hierbei ist festzulegen, auf welche Weise die jeweils nächste Stelle in der Eskalationskette unterrichtet werden soll. Möglichkeiten dazu sind: Wie wird alarmiert? - persönliche Vorsprache - schriftlicher Bericht - E-Mail - Telefon, Handy - Bote mit verschlossenem Umschlag Ebenso ist festzulegen, wann diese Meldung weitergegeben wird. Beispiele sind: - bei Ereignissen, die eine sofortige Weitergabe erfordern: sofort innerhalb einer Stunde. - bei Ereignissen, die Sofortmaßnahmen erforden: sofort innerhalb einer Stunde. - bei Ereignissen, die zwar beherrscht werden, aber einer Unterrichtung der nächsten Eskalationsstufe erfordern: am nächsten Werktag. Diese Eskalationsstrategie sollten alle möglichen Empfänger von Meldungen über Sicherheitsvorfälle erhalten, um zügige Reaktionen zu ermöglichen. Zur Eindämmung eines Sicherheitsvorfalls ist im Allgemeinen kurzfristiges Handeln erforderlich. Eventuell müssen Mitarbeiter aus anderen Projekten abgerufen oder auch außerhalb der Arbeitszeit herangezogen werden. Daher muss auch geregelt sein, wie mit der anfallenden Mehrarbeit umzugehen und wie eine Rufbereitschaft geregelt ist (siehe auch M 6.59 Festlegung von Verantwortlichkeiten bei Sicherheitsvorfällen). Regelungen für Mehrarbeit Ergänzende Kontrollfragen: - Wann wurde die Eskalationsstrategie letztmalig aktualisiert? - Wurden die Eskalationswege in Übungen erprobt? _____________________________________________________________________ .......................................... 113 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.62 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.62 Festlegung von Prioritäten für die Behandlung von Sicherheitsvorfällen Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, heitsmanagement IT-Sicher- Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Ein Sicherheitsvorfall entsteht erfahrungsgemäß durch eine Verkettung verschiedener Ursachen. Daraus ergibt sich meist, dass die resultierenden potentiellen Schäden verschiedenen Schadenskategorien zugerechnet werden können (zum Beispiel Beeinträchtigung der persönlichen Unversehrtheit, negative Außenwirkung, finanzielle Auswirkungen, vgl. Schutzbedarfsfeststellung Kapitel 2.2). Daher ist es wichtig, die Prioritäten für die Problembeseitigung möglichst vorab festzulegen. Von dieser Prioritätensetzung hängt unter anderem ab, in welcher Reihenfolge die Probleme angegangen werden sollen. Eine Prioritätensetzung hängt dabei stark von den Gegebenheiten der jeweiligen Organisation ab. Für die Prioritätensetzung sind folgende Fragen zu bearbeiten: Sicherheitsvorfälle stehen in Konkurrenz zu anderen Problemen - Welche Schadenskategorien sind für die Organisation relevant? - In welcher Reihenfolge sollten Schäden der einzelnen Schadenskategorien behoben werden? Hilfestellung für die Bearbeitung der Fragen bietet eine nach IT-Grundschutz (vgl. Kapitel 2.2) durchgeführte Schutzbedarfsfeststellung. In dieser Schutzbedarfsfeststellung werden die für die Organisation relevanten Schadenskategorien definiert. Beispiel: Relevante Schadenskategorien sind: - Verstoß gegen Gesetze, Vorschriften oder Verträge Beeinträchtigung des informationellen Selbstbestimmungsrechts Beeinträchtigung der persönlichen Unversehrtheit Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung Negative Außenwirkung Finanzielle Auswirkungen Wie schwerwiegend sind die Schäden? Ebenso wird im Rahmen der Schutzbedarfsfeststellung eine Definition erarbeitet, wie zu jeder Schadenskategorie die Schadenshöhe definiert wird. Beispiel: Schadensdefinition Finanzielle Auswirkungen Schadenskategorie Finanzielle Auswirkungen Schaden mittel Schaden kleiner 25.000.- DM Schaden hoch Schaden zwischen 25.000.- und 5.000.000.- DM Schaden sehr hoch Schaden höher als 5.000.000.- DM _____________________________________________________________________ .......................................... 114 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.62 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Anhand dieser Kategorien und Schadenshöhenbestimmung kann man die Prioritätensetzung wie folgt durchführen. In einer Tabelle werden in der ersten Spalte die Schadenskategorien aufgeführt. Die drei anschließenden Spalten erhalten als Überschrift die Schadenshöhen mittel, hoch und sehr hoch. Anschließend wird jeder Kombination von Schadenskategorie und Schadenshöhe eine Priorität zugeordnet. Die Prioritätensetzung kann einerseits durch eine Prioritätenklassifizierung mit Einteilungen wie Priorisierung in drei Stufen oder durch Reihenfolge 1 = besonders wichtig, 2 = wichtig, 3 = nachrangig oder durch die Festlegung einer Reihenfolge stattfinden. Beispiel: Betrachtet wird als Organisation eine Stadtverwaltung, die dem Bürger ihre Dienstleistungen auch über das Internet anbietet. Dazu kann der Bürger Anträge per E-Mail an die Stadtverwaltung senden und über das Internet die Bearbeitungsfortschritte seines Antrags beobachten. Als Informationsdienst bietet diese Stadtverwaltung einen Internet-Server an. Beispielergebnis mit Prioritätenklassifizierung: Schadenskategorie Schaden mittel Schaden hoch Schaden sehr hoch Verstoß gegen Gesetze, Vorschriften oder Verträge 2 2 2 Beeinträchtigung des informationellen Selbstbestimmungsrechts 2 2 1 Beeinträchtigung der persönlichen Unversehrtheit 2 1 1 Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung 3 3 2 Negative Außenwirkung 3 2 1 Finanzielle Auswirkungen 3 3 2 _____________________________________________________________________ .......................................... 115 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.62 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Beispielergebnis mit Prioritätensetzung durch Reihenfolge: Schadenskategorie Schaden mittel Schaden hoch Schaden sehr hoch Verstoß gegen Gesetze, Vorschriften oder Verträge 13 12 11 Beeinträchtigung des informationellen Selbstbestimmungsrechts 8 6 3 Beeinträchtigung der persönlichen Unversehrtheit 5 2 1 Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung 15 14 7 Negative Außenwirkung 17 9 4 Finanzielle Auswirkungen 18 16 10 Diese Prioritätensetzung muss durch die Behörden- bzw. Unternehmensleitung gebilligt und in Kraft gesetzt werden. Die Prioritätensetzung ist allen Entscheidungsträgern bei der Behandlung von Sicherheitsvorfällen bekanntzugeben. Genehmigung durch die Leitungsebene Tritt ein Sicherheitsvorfall ein, so kann die Prioritätensetzung wie folgt verwendet werden. Nach der Untersuchung und Bewertung des Sicherheitsvorfalls kann eingeschätzt werden, welche Schäden zu erwarten wären. Diese Schäden können den bekannten Schadenskategorien zugeordnet werden. Anschließend sind diese Schäden in die Klassen "mittel", "hoch" und "sehr hoch" einzuteilen. Aus der tabellarischen Übersicht der Prioritätensetzung kann dann abgelesen werden, in welcher Reihenfolge die einzelnen Schäden behoben werden sollten. Hierbei sollte allerdings beachtet werden, dass die vorab vorgenommene Prioritätensetzung nur eine erste Orientierung bietet. Gegebenenfalls muss sie im individuellen Fall angepasst werden. Beispiel: Angenommen wird, dass es in der obigen Beispiel-Stadtverwaltung einem Hacker gelungen ist, die Informationen auf dem Internet-Informationsserver zu manipulieren, so dass die Stadtverwaltung verunglimpft wird. Dies wird frühzeitig bemerkt, das IT-Sicherheitsmanagement eingeschaltet und die obige Schadenseinschätzung durchgeführt. Diese hätte zum Ergebnis, dass folgende Schäden zu erwarten sind: _____________________________________________________________________ .......................................... 116 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.62 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Schadenskategorie Verstoß gegen Gesetze, Vorschriften oder Verträge Schaden mittel Schaden hoch Schaden sehr hoch S1 Beeinträchtigung des informationellen Selbstbestimmungsrechts Beeinträchtigung der persönlichen Unversehrtheit Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung S2 Negative Außenwirkung Finanzielle Auswirkungen S3 S4 Den Schäden S1, ..., S4 werden anhand der Prioritätensetzung folgende Prioritäten zugeordnet: Prioritätenklassifizierung: S1 = 2, S2 = 3, S3 = 1, S4 = 3 Prioritätenreihenfolge: S1 = 13, S2 = 15, S3 = 4, S4 = 18 In beiden Fällen würde deutlich, dass die Anstrengungen der Schadensbegrenzung sich zunächst auf den Schaden S3 (negative Außenwirkung) konzentrieren müssten, bevor die anderen Schäden angegangen würden. Im Beispiel würde man, um die negative Außenwirkung zu begrenzen, den manipulierten Internet-Server vom Netz nehmen, um anschließend weitere Maßnahmen zu ergreifen. Hätte man die Schäden der negativen Außenwirkung niedriger priorisiert und hingegen die Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung in den Vordergrund gestellt, würde man gegebenenfalls von der Abschaltung des Internet-Servers als Sofortmaßnahme absehen. Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die getroffene Prioritätensetzung mit der Behörden- bzw. Unternehmensleitung abgestimmt? - Ist die Prioritätensetzung allen Entscheidungsträgern des Managementsystems zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen bekannt? - Wann wurde die Prioritätensetzung aktualisiert? _____________________________________________________________________ .......................................... 117 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.63 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.63 Untersuchung und Bewertung eines Sicherheitsvorfalls Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, IT-Administrator, IT-Anwendungsverantwortlicher, Sicherheitsvorfall-Team Nicht jeder Sicherheitsvorfall ist unmittelbar als solcher zu erkennen. Viele Sicherheitsvorfälle, insbesondere wenn es sich um gezielte vorsätzliche Angriffe auf IT-Systeme handelt, fallen erst nach Tagen oder Wochen auf. Oftmals kommt es auch zu Fehlalarmen, z. B. weil Hard- oder SoftwareProbleme als Infektion mit Computer-Viren fehlinterpretiert werden. Um jedoch eine sicherheitsrelevante Unregelmäßigkeit untersuchen und bewerten zu können, muss vorausgesetzt werden können, dass bestimmte Vorabfeststellungen schon durchgeführt wurden. Dazu zählen - die Erhebung der vorhandenen IT-Struktur und IT-Vernetzung, - die Erhebung der Ansprechpartner bzw. Benutzer der IT-Systeme, - die Erhebung der IT-Anwendungen auf den jeweiligen IT-Systemen und - die Schutzbedarfsfeststellung der IT-Systeme. Diese Untersuchungen werden im ersten Schritt der Anwendung des ITGrundschutzhandbuchs durchgeführt (siehe Kapitel 2.2) und müssten daher dem IT-Sicherheitsmanagement im Ergebnis vorliegen. Anhand dieser Informationen kann bei einer eingehenden Meldung kurzfristig entschieden werden, welches IT-System mit welchen IT-Anwendungen und mit welchem Schutzbedarf betroffen ist. Gleichzeitig ist bekannt, wer als Ansprechpartner benannt ist und kurzfristig zur Entscheidungsfindung hinzugezogen werden kann. Was ist alles betroffen? Stellt sich dabei heraus, dass ein IT-System oder eine IT-Anwendung mit einem hohen Schutzbedarf betroffen ist, so liegt ein Sicherheitsvorfall vor und die festgelegten Schritte zu dessen Behandlung sind einzuleiten. Sind hingegen nur IT-Anwendungen und IT-Systeme mit geringem Schutzbedarf betroffen, kann versucht werden, das Sicherheitsproblem lokal zu beheben. Zeichnet es sich ab, dass der Sicherheitsvorfall schwerwiegende Folgen haben könnte und eine hinreichend große Komplexität besitzt, kann es sinnvoll sein, das Sicherheitsvorfall-Team (siehe M 6.59 Festlegung von Verantwortlichkeiten bei Sicherheitsvorfällen) kurzfristig einzuberufen. Mobilisieren des Sicherheitsvorfall-Teams Zur Untersuchung und Bewertung des Sicherheitsvorfalls sind als Nächstes folgende Einflussfaktoren zu erheben: - Welche IT-Systeme und IT-Anwendungen können von dem Sicherheitsvorfall zusätzlich betroffen sein? - Können Folgeschäden auch durch die Vernetzung der IT-Systeme entstehen? _____________________________________________________________________ .......................................... 118 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.63 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Für welche IT-Systeme und IT-Anwendungen können Schäden und Folgeschäden ausgeschlossen werden? - Wie hoch kann der durch den Sicherheitsvorfall verursachte direkte Schaden oder Folgeschaden sein? Dabei ist insbesondere die Abhängigkeit der verschiedenen IT-Systeme und IT-Anwendungen zu beachten. - Wodurch wurde der Sicherheitsvorfall ausgelöst (z. B. durch Unachtsamkeit, Angreifer oder Ausfall der Infrastruktur)? - Wann und an welcher Stelle hat sich der Sicherheitsvorfall ereignet? Dies kann auch weit vor der ersten Beobachtung des Sicherheitsvorfalls liegen. Auch bei dieser Untersuchung sind gut geführte Protokolldateien eine wertvolle Hilfe, aber nur, wenn man sich darauf verlassen kann, dass sie nicht manipuliert worden sind. Protokolle zu Rate ziehen - Sind durch den Sicherheitsvorfall nur interne IT-Benutzer oder auch externe Dritte betroffen? - Wie viele Informationen über den Sicherheitsvorfall sind bereits an die Öffentlichkeit gedrungen? Stellt sich dabei heraus, dass der Sicherheitsvorfall schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann, ist zumindest die nächste Eskalationsebene zu beteiligen. Nach dieser Erhebung der Einflussfaktoren sind die Handlungsoptionen zu erarbeiten, die aus Sofortmaßnahmen und ergänzenden Maßnahmen bestehen. Hierbei sind die getroffenen Prioritätenfestlegungen zu beachten (siehe M 6.62 Festlegung von Prioritäten für die Behandlung von Sicherheitsvorfällen). Dazu ist auch die notwendige Zeit für die Durchführung dieser Maßnahmen und die erforderlichen Kosten und Ressourcen für die Problembehebung und Wiederherstellung abzuschätzen. Aktionen festlegen Übersteigen Schadenshöhe, Zeit und Kosten eine vorbestimmte Grenze, ist vor der Entscheidung über die Maßnahmenauswahl die nächsthöhere Eskalations- und Entscheidungsebene miteinzubeziehen. Im Ergebnis liegen nach einer so strukturierten Untersuchung und Bewertung eines Sicherheitsvorfalls die Handlungsoptionen vor. Ergänzende Kontrollfragen: - Liegen die erforderlichen Informationen aus der Schutzbedarfsfeststellung den Meldestellen und den nachfolgenden Eskalationsebenen vor? - Sind Hilfsmittel vorhanden, um die Auswertung von Sicherheitsvorfällen technisch zu unterstützen, beispielsweise Tools zur Auswertung von Protokolldaten? _____________________________________________________________________ .......................................... 119 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.64 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.64 Behebung von Sicherheitsvorfällen Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator Leiter IT, Sobald die Ursache eines Sicherheitsvorfalls identifiziert worden ist, sollten die erforderlichen Maßnahmen zu dessen Behebung ausgewählt und umgesetzt werden. Dazu muss zunächst das Problem eingegrenzt und beseitigt werden und anschließend der "normale" Zustand wiederhergestellt werden. Bereitstellung des notwendigen Expertenwissens Die unabdingbare Voraussetzung für die Untersuchung und Beseitigung einer Sicherheitslücke ist das entsprechende Fachwissen. Daher muss das Personal entsprechend geschult sein oder es müssen Experten zu Rate gezogen werden. Dafür sollte eine Liste mit den Kontaktadressen von einschlägigen internen und externen Experten aus den verschiedenen Themenbereichen vorbereitet sein, damit diese schnell zu Rate gezogen werden können. Zu den externen Experten gehören unter anderem Liste mit ExpertenAdressen - Computer Emergency Response Teams (CERTs) (siehe auch M 2.35 Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems), - Hersteller bzw. Vertreiber der betroffenen IT-Systeme (siehe auch M 4.107 Nutzung von Hersteller-Ressourcen), - Hersteller bzw. Vertreiber der eingesetzten Sicherheitssysteme, wie ComputerViren-Schutzprogramm, Firewall, Zutrittskontrolle, etc., - externe Berater mit sicherheitsspezifischem Fachwissen. Wiederherstellung des sicheren Zustands Zur Beseitigung von Sicherheitslücken müssen die betroffenen IT-Systeme vom Netz genommen und alle Dateien gesichert werden, die Aufschluss über die Art und Ursache des aufgetretenen Problems geben könnten. Hierzu gehören insbesondere alle relevanten Protokolldateien. Da das gesamte ITSystem als unsicher oder manipuliert betrachtet werden sollte, müssen das Betriebssystem und alle Applikationen auf Veränderungen untersucht werden. Neben Programmen müssen aber auch Konfigurationsdateien und Benutzerdateien auf Manipulationen untersucht werden. Sinnvollerweise sollten hierfür Prüfsummenverfahren eingesetzt werden. Dies setzt allerdings voraus, dass die Prüfsummen des "sicheren" Zustandes im Vorfeld erhoben und auf schreibgeschützte Datenträger ausgelagert wurden (siehe auch M 4.93 Regelmäßige Integritätsprüfung). Untersuchung der betroffenen IT-Systeme Um sicherzugehen, dass von einem Angreifer hinterlassene trojanische Pferde wirklich beseitigt worden sind, sollten die Original-Dateien von schreibgeschützten Datenträgern wiedereingespielt werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass alle sicherheitsrelevanten Konfigurationen und Patches mitaufgespielt werden. Wenn Dateien aus Datensicherungen wiedereingespielt werden, muss sichergestellt sein, dass diese vom Sicherheitsvorfall nicht betroffen waren, also z. B. nicht bereits mit dem Computer-Virus infiziert sind. Die Untersuchung der Datensicherungen kann andererseits hilfreich sein, Vorsicht beim Einspielen von Datensicherungen! _____________________________________________________________________ .......................................... 120 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.64 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... um den Beginn eines Angriffs oder einer Computer-Virusinfektion festzustellen. Vor der Wiederinbetriebnahme nach einem Angriff sollten alle Passwörter auf den betroffenen IT-Systemen geändert werden. Dies schließt auch die ITSysteme ein, die nicht unmittelbar durch Manipulationen betroffen waren, von denen aber der Angreifer vielleicht bereits Informationen über die Benutzer und/oder Passwörter eingeholt hat. Passwörter ändern! Es sollte damit gerechnet werden, dass nach dem Wiederherstellen des "sicheren" Zustands der Angreifer eine erneute Attacke versucht. Deshalb sollten die IT-Systeme, insbesondere die Netzübergänge, mit den entsprechenden Überwachungstools beobachtet werden (siehe auch M 5.71 Intrusion Detection und Intrusion Response Systeme). Überwachung der betroffenen IT-Systeme Dokumentation Während der Behebung eines Sicherheitsproblems sollten alle durchgeführten Aktionen möglichst detailliert dokumentiert werden, - um den Überblick zu behalten, - um die aufgetretenen Probleme nachvollziehbar zu machen, - um einen Fehler, der bei der meist zügigen Umsetzung der Gegenmaßnahmen erfolgen kann, wieder beheben zu können, - um bereits bekannte Probleme bei einem erneuten Auftreten schneller bereinigen zu können, - um die Sicherheitslücken schließen und vorbeugende Maßnahmen ausarbeiten zu können und - um für eine mögliche Strafverfolgung Beweise zu sammeln. Zu einer solchen Dokumentation gehören nicht nur eine Beschreibung der durchgeführten Aktionen inklusive der Zeitpunkte, sondern auch die Protokolldateien der betroffenen IT-Systeme. Reaktion auf vorsätzliche Handlungen Bei Sicherheitsvorfällen, die durch einen Angreifer ausgelöst wurden, muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob der entdeckte Angriff beobachtet oder möglichst schnell Gegenmaßnahmen durchgeführt werden sollen. Natürlich kann versucht werden, den Angreifer "auf frischer Tat" zu ertappen, aber dies birgt auch das Risiko, dass der Angreifer in der Zwischenzeit Daten zerstört, manipuliert oder ausliest. Leider stellt sich bei der Untersuchung von Sicherheitsproblemen häufig heraus, dass diese von eigenen Mitarbeitern verursacht worden sind. Dies kann durch Versehen, fehlerhafte Arbeitsabläufe oder technische Probleme passieren, aber auch durch Nichtbeachtung von Sicherheitsmaßnahmen oder vorsätzliche Handlungen. Umgang mit Innentätern Es muss bei allen intern verursachten Sicherheitsproblemen der Auslöser untersucht werden. In vielen Fällen wird sich zeigen, dass die Probleme aus fehlerhaften oder missverständlichen Regelungen resultieren. Dann müssen _____________________________________________________________________ .......................................... 121 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.64 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... die Regelungen entsprechend geändert oder um weitere, z. B. technische Maßnahmen, ergänzt werden. Sind Sicherheitsprobleme vorsätzlich oder aus Nachlässigkeit verursacht worden, sollten angemessene disziplinarische Maßnahmen ergriffen werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Wann wurde die Liste der Sicherheitsexperten letztmalig aktualisiert? - Sind schon vorsätzliche Angriffe durch Innentäter beobachtet worden? _____________________________________________________________________ .......................................... 122 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.65 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.65 Benachrichtigung betroffener Stellen Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, Administrator, Pressestelle Leiter IT, Wenn ein Sicherheitsvorfall eingetreten ist, müssen alle davon betroffenen internen und externen Stellen darüber informiert werden. Dies sind insbesondere diejenigen Stellen, die direkt durch den Sicherheitsvorfall Schäden erleiden könnten, Gegenmaßnahmen ergreifen müssen oder solche, die Informationen über Sicherheitsvorfälle aufbereiten und bei der Vorbeugung oder Behebung helfen können. Bei Bedarf sollte auch die Öffentlichkeit aufgeklärt werden, insbesondere wenn schon Informationen durchgesickert sind. Hierzu muss individuell für den Sicherheitsvorfall ein klares Konzept entwickelt werden, wer durch wen in welcher Reihenfolge in welcher Tiefe informiert wird. Dazu muss sichergestellt sein, dass Auskünfte über den Sicherheitsvorfall ausschließlich durch benannte Verantwortliche, wie zum Beispiel das IT-Sicherheitsmanagement oder die Pressestelle, gegeben werden. Wer informiert wen? Wer Informationen in welchem Detaillierungsgrad erhält, hängt natürlich insbesondere vom fachlichen Hintergrund ab. Es sollten keine falschen oder schöngefärbten Informationen weitergegeben werden, da dies zu Verwirrung, Fehleinschätzungen und Imageverlust führen kann. Nichts beschönigen! Beispielhaft soll nachfolgend aufgezeigt werden, welche Stellen typischerweise über welche Inhalte aufgeklärt werden: Interne Stellen Besteht noch Unklarheit darüber, ob ein Sicherheitsvorfall vorliegt oder wie schwerwiegend er ist, sollten die potentiell betroffenen internen Kräfte gebeten werden, ihre Arbeitsbereiche auf Unregelmäßigkeiten zu prüfen. Sind die erforderlichen Gegenmaßnahmen bei einem Sicherheitsvorfall bekannt, müssen die betroffenen internen Stellen kurzfristig darüber informiert werden, was sie tun müssen, um die Auswirkungen eines Sicherheitsvorfalls zu minimieren oder um den sicheren Zustand wiederherzustellen. Zu berücksichtigen sind dabei u. a. folgende Gruppen: - Leiter IT Leiter von betroffenen Fachabteilungen, IT-Benutzer, IT-Administratoren, IT-Benutzerservice, Haustechnik Überwachungspersonal, interne Sicherheitskräfte und Pförtner. _____________________________________________________________________ .......................................... 123 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.65 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Externe Stellen Falls der Sicherheitsvorfall nicht intern begrenzt ist, sollten alle externen Stellen, die ebenfalls betroffen sind oder sein können, darüber informiert werden, welches Sicherheitsproblem aufgetreten ist, welche Gegenmaßnahmen notwendig sind und wie die Auswirkungen eingedämmt werden können. Sollte diese Informationsweitergabe nicht erfolgen, kann dies im Falle des Bekanntwerdens eine weitere konstruktive Zusammenarbeit nachhaltig schädigen und ein bestehendes Vertrauensverhältnis beeinträchtigen. Zu berücksichtigen sind dabei folgende Gruppen: - Kunden, Lieferanten, freie Mitarbeiter, Subunternehmen, IT-Service-Dienstleister, Stellen, zu denen Kommunikationsverbindungen existieren, Software-Entwicklungsunternehmen und Netzbetreiber. Je nach Art des Vorfalls kann es außerdem notwendig sein, die Polizei bzw. einen Rechtsbeistand hinzuzuziehen. Öffentlichkeit Bei größeren oder komplexeren Sicherheitsvorfällen kann es notwendig sein, die Öffentlichkeit aufzuklären. Alle Pressekontakte sollten hierbei ausschließlich über den Pressesprecher laufen. Dazu ist sicherzustellen, dass der Pressesprecher über den Sicherheitsvorfall, über Schadenshöhe und erforderliche Gegenmaßnahmen und über benachrichtigte Stellen ausreichend vorab informiert wird. öffentliche Aussagen nur durch den Pressesprecher Die Informationen für die Öffentlichkeit sollten jedoch so weit abstrahiert werden, dass keine Nachahmer animiert werden. Bei allen Personen, die Informationen über Sicherheitsvorfälle einholen wollen, ist es wichtig, deren Identität zu überprüfen, damit sich der Angreifer nicht über den Erfolg seiner Attacke auf dem Laufenden halten kann. IT-Sicherheitsgemeinde Ist der Sicherheitsvorfall auf eine noch nicht bekannte Sicherheitslücke zurückzuführen, sollte diese Erkenntnis nicht verheimlicht, sondern an weitere Stellen geleitet werden, damit vor der Sicherheitslücke gewarnt wird und Gegenmaßnahmen entwickelt werden können. Als Adressaten kommen dabei typischerweise folgende Stellen in Betracht: Warnung vor Sicherheitslücke weiterleiten - Hersteller des Computer-Viren-Suchprogramms, wenn der Verdacht besteht, dass ein neuartiger Computer-Virus IT-Systeme infiziert hat, aber der Viren-Scanner diesen nicht erkennt, - Hersteller des Betriebssystems oder der Applikationssoftware, falls die Sicherheitslücke darin aufgetreten ist, _____________________________________________________________________ .......................................... 124 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.65 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Computer Emergency Response Team (CERT, siehe auch M 2.35 Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems), wenn der Sicherheitsvorfall auf system- oder applikationsspezifischen Sicherheitslücken beruht, - IT-Sicherheitsfachpresse oder - für IT-Sicherheit zuständige öffentliche Stellen wie das BSI. Beispiel: Es wurde bemerkt, dass sporadisch Daten auf PCs manipuliert oder unauffindbar waren. Nach Meldung und anschließender Untersuchung stellte sich heraus, dass ein bislang unbekannter Makro-Virus aufgetreten ist. Dieser Virus verbreitet sich über an E-Mail angehängte Dateien. In diesem Fall sollten folgende Stellen umgehend benachrichtigt werden: - Leiter IT, - IT-Benutzer, - IT-Administratoren, - IT-Benutzerservice, - sämtliche Stellen, mit denen seit dem ersten Auftreten des Computer-Virus Daten ausgetauscht wurden, - Hersteller des Computer-Viren-Suchprogramms, da der Viren-Scanner diesen nicht erkannt hat, - ein Computer Emergency Response Team. Ergänzende Kontrollfragen: - Wer gibt Informationen über Sicherheitsvorfälle an Dritte weiter? - Wie wird sichergestellt, dass keine unautorisierte Person Informationen über den Sicherheitsvorfall weitergibt? _____________________________________________________________________ .......................................... 125 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.66 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.66 Nachbereitung von Sicherheitsvorfällen Verantwortlich für Initiierung: Behörden-/Unternehmensleitung, heitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, revision IT-Sicher- IT-Sicherheits- Aus jedem Sicherheitsvorfall kann man etwas lernen. Um aus einem eingetretenen Sicherheitsvorfall den maximalen Lerneffekt ziehen zu können, darf die Nachbereitung nicht vernachlässigt werden. Oftmals lassen sich daraus Verbesserungen im Umgang mit Sicherheitsvorfällen herausarbeiten oder Rückschlüsse auf die Wirksamkeit des IT-Sicherheitsmanagements bzw. der vorhandenen IT-Sicherheitsmaßnahmen ziehen. Dabei sind unter anderem folgende Aspekte zu beachten: Reaktionszeit Untersucht werden sollte, wie schnell der Sicherheitsvorfall bemerkt wurde. Dabei ist zu prüfen, ob es sinnvoll ist, technische Detektionsmaßnahmen nachzurüsten. Darüber hinaus sollte auch der Frage nachgegangen werden, wie lange es dauerte, bis die Meldung den erforderlichen Meldeweg durchlaufen hat. Schließlich sollte der Aspekt betrachtet werden, wie schnell die Entscheidungen über die zu treffenden Maßnahmen erfolgte, wie lange deren Umsetzung dauerte und wann die Benachrichtigung der betroffenen internen und externen Stellen erfolgte. Bei der Rückverfolgung des Meldewegs sollte überprüft werden, ob der Meldeweg jedem bekannt war oder ob zusätzliche Sensibilisierungsmaßnahmen und Informationen notwendig sind. Hat der Informationsfluss funktioniert? Wirksamkeit der Eskalationsstrategie Anhand des konkreten Sicherheitsvorfalls sollte untersucht werden, ob die festgelegte Eskalationsstrategie eingehalten wurde, welche zusätzlichen Informationen notwendig sind und ob eine Anpassung der Eskalationsstrategie notwendig ist. Effektivität der Untersuchung In einer Rückschau sollte betrachtet werden, ob die Einschätzung der Schadenshöhe des Sicherheitsvorfalls korrekt war, ob die berücksichtigten Prioritäten angemessen waren und ob ein für die Untersuchung geeignetes Sicherheitsvorfall-Team eingesetzt wurde. Benachrichtigung betroffener Stellen Überprüft werden sollte, ob tatsächlich sämtliche betroffenen Stellen benachrichtigt wurden und ob die Benachrichtigung zeitlich ausreichend schnell war. Unter Umständen müssen schnellere Wege der Benachrichtigung gefunden werden. _____________________________________________________________________ .......................................... 126 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.66 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... Rückmeldung an meldende Stelle Diejenigen Stellen, die einen Sicherheitsvorfall entdeckt haben und diesen an die zuständigen Experten weitergemeldet haben, sollten nach dessen Behebung auch über die entstandenen Schäden und ergriffenen Maßnahmen informiert werden. Dies zeigt, dass solche Meldungen ernst genommen werden und fördert die Motivation. Zusätzlich könnte auch eine Belobigung oder Belohnung für die korrekte Weitermeldung ausgesprochen werden, um für das Betriebsklima ein Signal zu setzen, wie wichtig das Meldewesen für Sicherheitsvorfälle ist. Tätermotivation Stellt sich heraus, dass der Sicherheitsvorfall auf eine vorsätzliche Handlung zurückzuführen ist, sollte die Motivation des Täters untersucht werden. Handelt es sich dabei um einen Innentäter, kommt der Motivation eine besondere Bedeutung zu. Stellt sich heraus, dass die Ursache im Bereich des Betriebsklimas zu sehen ist, sollte dies auch der Leitungsebene bekanntgegeben werden, da zu erwarten ist, dass Fehlhandlungen und vorsätzliche Handlungen wiederholt auftreten werden. Je nach Relevanz der Nachbereitungsergebnisse sollte die Leitungsebene unterrichtet werden, um Verbesserungen zu veranlassen. Daher kann es sinnvoll sein, diese Nachbereitung durch eine Organisationseinheit durchzuführen, die nicht Teil des Meldeplans ist. Entwicklung einer Handlungsanweisung Im Rahmen der Nachbereitung eines Sicherheitsvorfalls ist es sinnvoll, aus den Erfahrungen heraus eine Handlungsanweisung zu erstellen bzw. zu überarbeiten, wie bei Auftreten eines vergleichbaren Sicherheitsvorfalls zu verfahren ist. Da jetzt die Probleme real bearbeitet wurden, können Handlungsanweisungen noch effizienter ausgearbeitet werden als bei der Erstellung auf einer theoretischen Basis. Darüber hinaus beweist der aufgetretene Sicherheitsvorfall, dass ein Bedarf für eine Handlungsanweisung konkret für diese Art von Sicherheitsvorfall gegeben ist. Eine derart erstellte Handlungsanweisung ist den relevanten Personengruppen in geeigneter Weise bekanntzugeben. Ergänzende Kontrollfragen: - Wurde eine Nachbereitung der letzten Sicherheitsvorfälle durchgeführt? - Findet eine jährliche Unterrichtung der Leitungsebene über die Sicherheitsvorfälle statt? - Wie werden die konkreten Handlungsanweisungen aktualisiert und bekanntgegeben? _____________________________________________________________________ .......................................... 127 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.67 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.67 Einsatz von Detektionsmaßnahmen für Sicherheitsvorfälle Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement Neben der Prävention kommt auch der Detektion von Sicherheitsvorfällen große Bedeutung zu. Es gibt eine Reihe von sicherheitsrelevanten Unregelmäßigkeiten, die mit entsprechender technischer Unterstützung automatisiert und daher frühzeitig erkannt werden können. Diese Detektionsmaßnahmen erhöhen meist die Zuverlässigkeit der Feststellung und verkürzen die Zeit zwischen Auftreten und Erkennen einer Unregelmäßigkeit drastisch. Dem Gewinn an Reaktionsfähigkeit und -zeit steht jedoch der Aufwand zur Implementation und Kontrolle gegenüber, der vorher abgeschätzt werden sollte. Praktisch unverzichtbar sind solche Detektionsmaßnahmen, wenn im Schadensfall sehr große Schäden bis hin zum Personenschaden zu erwarten sind. Aufdecken von Sicherheitsvorfällen Beispiele für solche technischen Detektionsmaßnahmen sind: - Gefahrenmeldeanlage (siehe M 1.18 Gefahrenmeldeanlage) - Fernanzeige von Störungen (siehe M 1.31 Fernanzeige von Störungen) - Computer-Viren-Suchprogramme (siehe M 2.157 Auswahl eines geeigneten Computer-Viren-Suchprogramms) - Intrusion Detection und Intrusion Response Systeme (siehe M 5.71 Intrusion Detection und Intrusion Response Systeme) - Kryptographische Checksummen (siehe M 4.34 Einsatz von Verschlüsselung, Checksummen oder Digitalen Signaturen) Nicht alle Sicherheitsvorfälle lassen sich durch rein technische Maßnahmen rechtzeitig feststellen. Häufig müssen zusätzlich organisatorische Maßnahmen hinzukommen. Die Zuverlässigkeit von technischen Detektionsmaßnahmen ist im Allgemeinen davon abhängig, wie aktuell diese sind und wie gut diese auf die tatsächlichen Gegebenheiten angepasst sind. Die Zuverlässigkeit von organisatorischen Detektionsmaßnahmen hängt stark davon ab, wie zuverlässig die mit deren Umsetzung beauftragten Personen sind, aber auch, in wie weit die Maßnahmen sich im laufenden Betrieb tatsächlich umsetzen lassen. Kombination von technischen und organisatorischen Maßnahmen Typische Beispiele von Detektionsmaßnahmen, die ganz oder teilweise organisatorischer Natur sind, sind: - Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken (siehe M 2.35 Informationsbeschaffung über Sicherheitslücken des Systems) - Regelmäßiger Sicherheitscheck ausgewählter IT-Systeme (siehe z. B. M 2.92 Durchführung von Sicherheitskontrollen im Windows NT-ClientServer-Netz, M 4.93 Regelmäßige Integritätsprüfung, M 5.8 Monatlicher Sicherheitscheck des Netzes) _____________________________________________________________________ .......................................... 128 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.67 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... - Regelmäßige Auswertung von Protokoll-Dateien (siehe z. B. M 2.64 Kontrolle der Protokolldateien, M 4.5 Protokollierung der TK-Administrationsarbeiten, M 4.25 Einsatz der Protokollierung im UnixSystem, M 4.47 Protokollierung der Firewall-Aktivitäten, M 4.54 Protokollierung unter Windows NT, M 5.9 Protokollierung am Server) Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Detektionsmaßnahmen kommen zum Einsatz? - Ist sichergestellt, dass Auffälligkeiten in Protokoll-Dateien gemeldet werden? _____________________________________________________________________ .......................................... 129 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.68 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.68 Effizienzprüfung des Managementsystems zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen Verantwortlich für Initiierung: IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: IT-Sicherheitsmanagement, revision IT-Sicherheits- Das Managementsystem zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen muss regelmäßig auf seine Aktualität und Wirksamkeit geprüft werden. Daneben sollten auch die darin formulierten Maßnahmen regelmäßig daraufhin getestet werden, ob sie - den betroffenen Mitarbeitern bekannt sind, - unter Stress umsetzbar sind, also auch bei einem Sicherheitsvorfall, der einen ungeordnet ablaufenden Betrieb zur Folge hat, und - in den Betriebsablauf integrierbar sind. Um die Wirksamkeit zu testen, sollte durch simulierte Schadensereignisse überprüft werden, ob der festgelegte Handlungsablauf eingehalten wird bzw. überhaupt eingehalten werden kann. Ist er das nicht, müssen entsprechende Änderungen eingebracht werden. Überprüfung des Managementsystems Dazu könnten sowohl angekündigte als auch unangekündigte Übungen durchgeführt werden. Bei allen unangekündigten Übungen dürfen auf keinen Fall irgendwelche Aktionen ausgelöst werden, die zu irgendeinem nicht oder nur schwer behebbaren Schaden an IT-Systemen, Daten oder sonstigem führen können. Durch Übungen darf kein Schaden eintreten! Sehr genau sollte vor dem Beginn jeder Übung überlegt werden, wer alles vorab darüber informiert wird. Es ist immer unbedingt sicherzustellen, dass die Übung durch die Behörden- bzw. Unternehmensleitung autorisiert ist. Manchmal kann es nützlich sein, bestimmte Personengruppen nicht zu informieren, z. B. die Pförtner oder die Administratoren. Es sollte aber sichergestellt sein, dass dabei die Situation unter Kontrolle bleibt. Es sollte also vermieden werden, dass z. B. Polizei oder Feuerwehr alarmiert oder alle Netzverbindungen der Behörde bzw. des Unternehmens gekappt werden. Beispiele: - Rufen Sie bei der Telefonzentrale ihres Unternehmens bzw. Behörde an und geben Sie sich als Hacker aus, der in das interne Netz eingebrochen ist. Wahlweise kann man sich auch als Journalist ausgeben, der darüber informiert sein will, dass ein Hacker ins interne Netz eingebrochen ist und sensitive Daten kopiert hat. Es können auch solche Mitarbeiter angerufen werden, an die typischerweise in solchen Fällen verwiesen wird, also beispielsweise der Pressesprecher oder der Leiter IT. Bei einem solchen Anruf sollte sich zeigen, ob intern Panik ausbricht oder ob gezielt die Aktionen eingeleitet werden, die in einem solchen Fall adäquat wären. simulierte Schadensereignisse - An einem beliebigen Tag könnten alle bei einer Computer-Viren-Infektion durchzuführenden Handlungen und Meldewege getestet werden. Hierbei müssen nicht unbedingt alle Beteiligten vorher informiert werden, _____________________________________________________________________ .......................................... 130 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.68 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... spätestens aber in dem Moment, wo sie in die Handlungskette integriert werden. Ergänzende Kontrollfragen: - Welche Übungen wurden zuletzt durchgeführt? - Werden Übungen vorher mit der Leitungsebene abgestimmt? _____________________________________________________________________ .......................................... 131 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.69 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... M 6.69 Notfallvorsorge und Ausfallsicherheit bei Faxservern Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT, IT-Sicherheitsmanagement Verantwortlich für Umsetzung: Administrator, Fax-Poststelle Die Maßnahmen für Notfallvorsorge und Ausfallsicherheit von Faxservern sind abhängig vom Volumen, das über den oder die Faxserver abgewickelt wird und von den Anforderungen an die Verfügbarkeit dieses Dienstes. Zunächst ist grundsätzlich sicherzustellen, dass alle Konfigurationsparameter der benutzten Kommunikationskarten, des Betriebssystems und der FaxserverApplikation dokumentiert werden. Bei Veränderungen an der Konfiguration ist die Dokumentation entsprechend zu aktualisieren. Nur so kann sichergestellt werden, dass im Notfall ein Faxserver in kürzester Zeit neu installiert werden kann. Konfigurationsparameter dokumentieren Weiterhin sollten in regelmäßigen Abständen gemäß den Festlegungen des Datensicherungskonzeptes und der Sicherheitspolitik Datensicherungen durchgeführt werden. Dabei sollten neben den Datenpartitionen auch die Partitionen, auf denen sich das Betriebssystem und die Faxserver-Applikation befinden, mit in die Datensicherung einbezogen werden. regelmäßige Datensicherung Die auf dem Faxserver gespeicherten Faxsendungen müssen regelmäßig gesichert werden. Sofern eine dauerhafte Archivierung von Faxdaten gewünscht ist, sollte diese nicht auf dem Faxserver sondern auf externen Datenmedien erfolgen. Um bei einem Ausfall des Faxservers bzw. des Netzes auch weiterhin Faxe versenden und empfangen zu können, sollten ggf. ein oder mehrere herkömmliche Faxgeräte vorgehalten werden. Die Anzahl der benötigten Geräte ist vom Volumen an ein- und ausgehenden Faxsendungen im Notfall abhängig. Sinnvoll ist, als Notfallreserve die Faxgeräte zu verwahren, die schon vor Installation des Faxservers verwendet wurden. herkömmliche Faxgeräte vorhalten Alle weiteren Maßnahmen zur Erhöhung der Ausfallsicherheit verursachen z. T. erhebliche Kosten und werden daher wohl nur bei höheren Anforderungen an die Verfügbarkeit in Betracht kommen und müssen einzeln erwogen werden. Zunächst kann das IT-System, auf dem der Faxserver installiert ist, mit einem RAID-System ausgerüstet werden. Dabei werden mehrere Festplatten zu einem Stapel zusammengefasst und die darauf befindlichen Daten unter Bildung von Redundanzen auf die verschiedenen Festplatten verteilt. Dies führt z. B. bei einem so genannten RAID Level 5 dazu, dass auch beim Ausfall einer Festplatte keine Datenverluste auftreten. Allerdings verringert sich beim Einsatz der RAID-Technologie die freie Gesamtkapazität der Festplatten wegen der Redundanzbildung. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass diese Lösung kein Ersatz für die externe Datensicherung ist und auch nicht vor dem Gesamtausfall des Systems schützt. Einsatz von RAIDSystemen Ausfallsicherheit kann auch durch den Einsatz mehrerer Faxserver erreicht werden. Sofern ein Server ausfällt, kann die Last auf die anderen Server verteilt werden. Vorteilhaft an dieser Lösung ist zudem, dass auch eine Last- Einsatz mehrerer Faxserver _____________________________________________________________________ .......................................... 132 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000
M 6.69 Maßnahmenkatalog Notfallvorsorge Bemerkungen _____________________________________________________________________ .......................................... trennung erreicht wird und die Gefahr einer Überlastung eines einzelnen Faxservers vermindert wird. Nachteilig ist allerdings, dass eingegangene Faxsendungen, die sich auf dem ausgefallenen Server befinden, zumindest für die Dauer des Ausfalls nicht mehr verfügbar sind. Sofern Ausfälle bei Faxservern aufgrund der Verfügbarkeitsanforderungen allenfalls im Minutenbereich tolerierbar sind, bietet sich der Einsatz redundanter Server an. Für jeden Faxserver, der in ein solches Redundanzkonzept eingebunden wird, ist dann ein zweiter Server verfügbar, auf den die entsprechenden Daten repliziert werden. Diese Lösung bietet - ggf. in Kombination mit RAID-Systemen - die höchstmögliche Ausfallsicherheit, verursacht aber auch erhebliche Kosten. Einsatz redundanter Faxserver Ergänzende Kontrollfragen: - Ist die Dokumentation der Konfiguration aktuell? - Wer ist für die Durchführung der Datensicherung zuständig? - Stehen herkömmliche Faxgeräte als Notfallreserve zur Verfügung? _____________________________________________________________________ .......................................... 133 IT-Grundschutzhandbuch: Stand Januar 2000