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En Nori Süd BilWuch
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Dieses NORD-SÜD BILDERBUCH erschien bis heute in der SCHWEIZ,
in DEUTSCHLAND,in ENGLAND,« FRANKREICH, in DÄNEMARK,
in HOLLAND und in PORTUGAL.
Der gleiche Künstler illustrierte die Geschichte von Mischa Damjan
DER WOLF UND DAS ZICKLEIN
und schrieb und illustrierte DER JUNGE UND DER FISCH
DER ARME HOLZHACKER UND DIE TAUBE
DAS GUTHERZIGE UNGEHEUER
Alle drei Bücher erschienen im Nord-Süd Verlag
@ 1971 Nord-Süd Verlag, Mönchaltorf und Hamburg
Sämtliche Rechte Vorbehalten
Lithographie: Photolitho AG Gossau ZH/Schweiz
Satz: Louis Burlet+Co, Zürich/Sch wei z
Druck: Walter Verlag AG Olten,Schweiz
ISBN j 85825 004X
2. Auflage 1975
Es war einmal ein Maler. Und wie alle Maler war er arm.
Er hatte schon viele schöne Bilder in seinem Leben gemalt,
aber eines liebte er ganz besonders. Es war das Bild eines
wunderschönen Vogels.
BR
Eines Tages kam ein reicher Mann zu ihm und wollte ein Bild
kaufen. Er schaute sich viele Bilder an, aber eines zog er all den
anderen vor. Es war das Bild vom Vogel.
Der Maler wollte seinen Vogel nicht hergeben. Und so bot
der reiche Mann immer mehr Geld, bis schließlich der
arme Maler mit dem Kauf einverstanden war.
Der reiche Mann bezahlte, nahm das Bild und ging damit
nachhause. Aber der Vogel war im Hause des reichen Mannes
nicht glücklich. Er kam sich wie ausgestopft vor inmitten
all der Kostbarkeiten und Möbelstücke. Eines Tages,
im Frühling, hörte er draußen die Vögel singen. In seinem
Polstersessel döste der reiche Mann vor sich hin. Da sprang
der Vogel aus dem Bild, breitete die Flügel aus und flog durch
das Fenster davon.
Vor ihm öffnete sich eine neue Welt. Vögel sangen im Gebüsch
und Grillen zirpten. Er landete auf einerWiese mit herrlichen
bunten Blumen. Ein Hahn flog herbei und fragte neugierig,
was er wolle.
«Ich bin ein Vogel und suche meine Familie», antwortete er
schüchtern. «Ich glaube, du bist hier am falschen Ort», meinte
der Hahn, «aber frag mal bei den Vögeln im Wald nach,
da wirst du sicher deine Verwandten finden.»
Der Vogel war enttäuscht und ein wenig beleidigt. Aber
schließlich befolgte er ihren Rat.
Er flog davon und kreiste über der Stadt, bis er den Zoo
fand. Dort landete er ganz weich auf einem haarigen Ding,
das wie ein Gestrüpp aussah.
«Wer sitzt da auf meinem Kopf?» knurrte der Löwe.
«Ich bin ein Vogel», sagte der Vogel, «ist das der Zoo?»
«Ja, das stimmt», antwortete der Löwe, «und ich bin der König
des Zoos. Wenn du höflich bist, darfst du bleiben und mein
Gast sein.»
So blieb der Vogel.
Und viele Leute kamen, um das seltsame Bild zu sehen:
ein Löwe und ein Vogel lebten friedlich zusammen.
Als der Direktor des Zoos aus dem Fenster schaute, entdeckte
et die vielen Zuschauer. Et rannte zum Löwen und sah den
raren Vogel,
«Wie interessant», sagte er und nahm den Vogel nachhause,
um ihn wissenschaftlich zu untersuchen. Aber er verlor sich
derart in seinen Büchern, daß er den Vogel ganz vergaß.
Und so konnte es geschehen, dass der Vogel entwich und zum
Fenster hinausflog.
Und er flog und flog und war sehr traurig, weil er kein
Zuhause hatte. Er wußte nicht, wo er hingehörte. Da plötzlich
sah er hoch oben am Himmel ein Flugzeug. Das schien ihm
so anders, daß er glaubte, es wäre ein Verwandter von ihm.
Es sah ganz anders aus als die Vögel des Waldes. Freudig
versuchte er, den fremden Vogel zu erreichen, aber der flog viel
schneller und verschwand im Nu.
Enttäuscht kehrte der Vogel zur Erde zurück. Er setzte sich
müde unter einen Kastanienbaum. Ein Junge kam daher-
geschlendert und betrachtete den Vogel erstaunt. «Ach Junge»,
rief derVogel, «ich weiß nicht,wo ich hingehöre!» Er erzählte
ihm seine Geschichte: Vom Maler, vom reichen Mann, von
der Flucht und wie er versucht hatte, ein Zuhause zu finden.
«Ich weiß, wo du hingehörst», sagte der Junge und brachte
den Vogel zum Maler zurück.
Eben trat der reiche Mann ins Haus des Malers. Unter dem Arm
trug er das leere Bild, aus dem der Vogel entwichen war.
Wütend verlangte er all sein Geld zurück, und der Maler zahlte,
denn da war wirklich kein Vogel mehr zu sehen. «Wo ist
denn mein herrlicher Vogel hingekommen?»fragte sich der
Maler traurig.
Der Maler beschloß, daß er den Vogel nie wieder verkaufen
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Tag. Mit seinem Vogel aber verlebte er glückliche Jahre.
Und manchmal verließ der Vogel seinen Platz und schaute
dem Maler bei der Arbeit zu.