Текст
                    BULLETIN
de la
SOCIÜTß IMPERIALE
DES NATURALISTES
DE MOSCOU.
Publiö
sous la Rödaction
du Prof. Dr. M. Menzbier.
ANNfeE 1892.
Nouvelle serie. Tome VI.
(Avec VIII planches).
MOSCOU.
Imprimerie de l'Universitd Impdriale.
1893.

DIE VOGEL DES MOSKAUER GOUYERnEMEHTS. Von Th. Lorenz, mit Vorwort von Prof. M. v. Menzbler. VORWORT. Vor einigen Jahren veröffentlichte ich im Bulletin de la Soc. Imp. des Naturalistes de Moscou, 1881, .V» 3 u. 1883, 1 ein Verzeichniss der Vögel des Moscau’schen Gouvernements, welches sich in ausgedehntem Maasse auf eine Sammlung stützte, die durch liebenswürdige Beihülfe des Hm. Th. Lorenz zusammengebracht war. Seitdem hat sich meine Sammlung beträchtlich vermehrt und konnte das Verzeichniss verbessert und vervollständigt werden. Wäh- rend der letzteren Jahre war ich jedoch verhindert, neue Ausflüge im Moscau’schen Gouvernement zu unternehmen, und die biologi- schen Bedbachtungen über die Moscauer Vögel sind daher beinahe in demselben Zustande verblieben, wie früher. Dies ist der Grund, wesshalb ich mehrmals Hrn. Lorenz aufgefordert habe, seine zahl- reichen und langjährigen Beobachtungen über die Lebensweise der Moskauer Vögel zu veröffentlichen, was nun auch geschieht. Die
—. 264 — Ornithologen werden ohne Zweifel die Arbeit des Hrn. Lorenz, welche ein um so grösseres Interesse beansprucht, als in der letzten Zeit viel mehr leere Namensverzeichnisse, als Schriften mit biolo- gischen Beobachtungen erscheinen, nach ihrem Verdienste würdigen. Der einzige Einwand, den man Hrn. Lorenz vielleicht machen dürfte, betrifft den Umstand, dass in seiner Arbeit die Litteratur über die Vögel des Gouvernements Moscau nicht angegeben ist. Meiner Ansicht nach wäre dieser Vorwurf übrigens ganz unver- dient: die Zeit für eine vollständige Zusammenstellung der ornitho- logischen Daten in Betreff das Gouvernements Moscau ist noch nicht reif und der Schwerpunkt der Arbeit des Hrn. Lorenz liegt vielmehr in den persönlichen Beobachtungen des Verfassers, auf deren Grundlage späterhin das Studium der so überaus verwickel- ten Erscheinungen der Verbreitung und Lebensweise der Vögel Central-Russlands nnd speciell des Moscau’schen Gouvernements fortgesetzt werden kann. Prof. M. v. Menzbier.
I. Pygopodes. 1. Podiceps cristatus, L. Ein häufiger Brutvogel, der Anfang April erscheint und im Sep- tember wegzieht. Es ist der häufigste Taucher, der auf dem Sene- schskoje Osero brütet. 2. Podiceps griseigena, Bodd. Dieser Vogel ist hier sehr selten; ich habe vor Jahren einen Vogel im Hochzeitskleide aus dem Kreise Bronnitzi, und einen aus dem Kreise Klin erhalten, welcher d. 5.V11I.88 geschossen wor- den ist. 8. Podiceps auritus, L. Diese Art ist nicht oft auzutreffen, jedoch häufiger als die Vor- gehende, und ist auf den grösseren Seen als Seneschskoje Osero und Trostjanskoe Osero BrutvogeL 4. Podiceps nigricollis, C. L. Brehm Häufiger Brutvogel, nistet auf dem Seneschskoje Osero und auf dem See bei dem Fabrickdorf Kupawna, Kreis Bogorodsk. 6. Colymbus arcticus, L. Ob dieser grosse Taucher hier brütet, kann ich mit Bestimmt- heit nicht sagen; möglich ist es, dass er auf den grössern Seen nistet, da 'sein Vorkommen hier im Mai diese Voraussetzung be- rechtigt. Der Federnwechsel beginnt bei ihm sehr spät; Ende Sep- J* ä. 1892. 18
— 266 — tember getötete Vögel hatten noch immer das alte Gefieder, das trotzdem aber noch gnt erhalten war. 6. Colymbus septentrionalis, L. Anf dem Zuge kommt der Nordseetaucher vor, aber viel selte- ner als Colymbus arcticus. $ im schönsten Hochzeitskleide im Frühjahr und junge Vögel im Herbst erhielt ich aus dem Klin- schen Kreise vom Seneschskoje Osero. n. Longipennes. 7. Larus fuscus, L. Ein alter Vogel dieser Mövenart wurde im August 1886 bei Moskau geschossen. Dieses Exemplar befindet sich im Museum der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. 8. Larus canus, L. Diese Möve erscheint hier verhältnismässig zeitig, wenn auf den Flüssen das Eis bricht, ungefähr gegen Anfang April, so ist auch diese Möve zu sehen. Häufig fehlt sie jedoch, und ob sie hier brü- tet lasse ich dahingestellt. 9. Larus ridibundus, L. Unter allen hier vorkommenden Möven die häufigste Art; brütet auf allen grösseren Seen, als Seneschskoje und Trostjanskoje Osero etc. Sobald die Flüsse nur teilweise vom Eise befreit sind, sieht man sie in beträchtlicher Anzahl über denselben schweben. 10. Larus minutus, Pall Ein seltener Brutvogel auf dem Seneschskoje Osero im Kreise Klin. 11. Hydrochelidon leucopfera, Sch. Kommt selten vor, ist aber Brutvogel, da ich zwei Exemplare jn der Brutperiode aus dem Kreise Bronnitzi erhielt.
— 267 — 12. Hydrochelidon nigra, L. Ist viel häufiger als die Vorgehende. Auf dem Seneschskoje Osero ist sie als Brntvogel nicht selten. 18. Sterna fluviatilis, Naum. Anf dem Seneschskoje Osero häufiger Brutvogel. D. 17.VI0.87 wurde ein $ bei Rogatschewo im Kreise Dmitroff geschossen. 14. Sterna minuta, L. Kommt vereinzelt vor, aber selten; Vögel dieser Art habe ich im Frühjahr ans dem Kreise Bronnitzi erhalten. III. Idmioolae. 16. Aegialites hiaticula, L. Vor Jahren wurde ein alter Vogel im Mai bei der Presnenskaja Sastawa bei Moskau geschossen, und ein junger im August 1886, hinter dem Simonoff Monastir am Moskwastrom erbeutet. 16. Aegialites fluviatilis, Bechst. Häufiger Brutvogel; bei Worobjewi-Gori am Moskwastrom brü- ten jedes Jahr mehrere Pärchen. 17. Vanellus cristatus, Macg. Ein sehr gemeiner Vogel, welcher an allen grösseren und klei- neren Sümpfen und feuchten Wiesen als Brntvogel anzutreffen ist Sobald im März, gegen die zweite Hälfte desselben, es nur etwas warm wird, ist der Kibitz da und hält sich dann an offenen Sümp- fen und Tümpeln auf. Anfang April habe ich im Kreise Bogo- rodsk schon Eier gefunden. Es ist aber sehr oft der Fall, dass so zeitig gelegte Eier zu Grunde gehen, da die häufig um diese Zeit eintretenden Fröste und Schneefälle die Brut zerstören, wo- von ich mich oft überzeugt habe, wenn ich die Brutplätze des Kibitz nach Schneefällen und Frösten besuchte und die mit Schnee beschütteten Eier fand. Mitte Juli, wenn die Jungen flugbar, sieht man de in bedeutenden GeseUschaften auf feuchten Wiesen ihre Nahrung suchen. Im August fliegen sie fort. 18*
— 268 — Recurvirostra avocetta, L. Nach Aussagen des Herrn Kusnetzoff, eines sehr glaubwürdigen und zuverlässigen Herrn, wurde in der Nähe von Moskau, an einem Teiche bei Lichobori, ein Vogel dieser Art im Juli gesehen; der genannte Herr konnte den Vogel gut beobachten und bestim- men, aber leider nicht erbeuten. 18. Haematopus ostralecjus, L. Ist auf dem Frflhjahrszuge nicht selten. 1869, im April, beo- bachtete ich zwei Austernfischer im Kreise Bogorodsk bei Kablu- kowo, Uber dem Flusse Worja. Aus Bronnitzi, ans dem Kreise Klio, sowie auch vom Moskwastrom bei Moskau erbeutete Vögel habe ich, aber nur immer im Frühjahr, erhalten. 19. Numenius arquatus, L. In den grösseren ausgebreiteten Sümpfen des. Kreises Dmitroff, Busa und Bogorodsk ist die Kronschnepfe ein Brutvogel. Sobald im April der Schnee teilweise geschmolzen, erscheint dieser interessante Vogel, welcher durch seinen melodischen Ruf auf grosse Entfernung leicht zu bestimmen ist. Auf dem Sumpf bei dem Flusse. Worja, dicht bei Kablukowo, im Kreise Bogorodsk nistet jedes Jahr ein Pärchen, und höher hinauf den Fluss entlang auf den ausgebreiteten sumpfigen Wie- sen bei Suchmanicha, Aleksejewsk etc. nehmen immer viele Paa- re Besitz von der Localität, um zu brüten. Jedes Paar vertheidigt einen gewissen Districkt und lässt weder Seinesgleichen noch einen anderen grösseren Vogel nicht unbehelligt vorbeifliegen. Sobald der Feind verjagt, wird der sehr angeuehm klingende Ruf roUend im Fluge und triumphirend hervorgebracht. Sobald kein anderer Vogel in der Nähe, lässt sich die Kron- schnepfe auf einen Erdhügel herab, sichert einige Zeit und sucht dann emsig nach Nahrung, ohne jedoch die grösste Vorsicht 'äus- ser Acht zu lassen, und so wie sich etwas Verdächtiges zeigt, zum Beispiel ein Mensch, Hund oder eine Krähe etc., erhebt sich der Vogel sofort und lässt ununterbrochen seinen wohlklingenden Ruf vernehmen, bis der Störenfried äusser Sicht ist. Die Jungen werden ausserordentlich von beiden Eltern geliebt, und wenn ihnen Gefahr droht, alle Vorächt äusser Acht gelas-
— 269 — sei. Dem Menschen, welchen sie sonst sehr scheuen, nähern sie sich in solchen Fällen ganz nab, und können mit Leichtigkeit geschossen werden. Im Kreise Rusa, in dem Sumpfe, welcher den Trostjanskoe Ose- ro umgiebt, war die Kronschnepfe, als ich im Juni 1890 dort sammelte, nicht selten. Im Kreise Dmitroff, bei Dedenewo, am Flusse Ikscha, ist er auch Brutvogel. Die im Dunenkleide carirt gezeichneten Jungen sind Anfang Juli flugfähig, und sobald die Jungen gut fliegen können, verschwindet die Kronschnepfe, so dass Mitte Juli keine von denselben sicht- bar ist. 20. Nirmenius phaeopus, L. Mitte April zieht diese Art hier durch und hält sich nicht lan- ge auf. Häufig ist sie nicht; ich habe sie im Kreise Bogorodsk an der Worja beobachtet und Exemplare aus dem Kreise Bron- nitzi erhalten. Auf dem Herbstzuge'habe ich sie nie bemerkt. 21. Phalaropus hyperboreus, L. Ist hier nicht selten. D. 8 Juli 1868 wurden mir im Kreise Bogorodsk fünf Stück Junge, aber schon flügge gebracht, die nicht weit von dem Kirchdorf Grebnewo geschossen wurden. Dass dieser Vogel hier brütet, steht fest. Den 9 Mai 1887, schoss ich ein prächtiges $ im Hochzeitskleide bei Worobjewi- Gori, auf einem kleinen Teiche bei Marino. Den 29 August wur- den zwei Stück im Herbstkleide bei Nemtschinowo, Kreis Moskau getötet.. Das $ im Hochzeitskleide tummelte sich lustig auf dem Was- ser und schwamm 'auf der Oberfläche eben so gewandt, wie eine Ente, dabei emsig kleine Insecten von der Oberfläche des Was- sers aufnehmend. Anfang Juli 1887 wurden zwei junge Vögel auf dem See Nara- Osanowo geschossen. 22. Totanus fuscus, L. Auf dem Zuge häufig, auf grösseren ausgebreiteten Wiesen, zu- sammen mit Machetes pugnax anzutreffen. Erscheint in der zwei- ten Hälfte des April. Bei Nara-Osanowo brütet er, von wo ich
— 270 - einen jungen Vogel Anfang Juli erhielt. Im Kreise Bronnitzi, bei Kanabejewo ist er im Frühjahr häufig. Das volle dunkle Hochzeitskleid wird in der ersten Hälfte des Mai angelegt. 23. Totanus calidris, L. Kommt auf dem Frühjahrszuge vor, aber nicht häufig. Aus dem Kreise Bronnitzi habe ich Vögel dieser Art erhalten. Es ist mir kein Fall bekannt, dass dieser Vogel hier gebrütet hätte. 24. Totanüs glottis, Naum. üeberall sehr häufiger Brutvogel, welcher Mitte April hier er- scheint und im August wegzieht. Vor mehreren Jahren, als die Jagd im Frühjahr nicht sehr streng untersagt war, wurden viele dieser Strandläufer im Kreise Bronnitzi geschossen. Anfang Juli sind die Jungen schon selbstständig und man fin- det dieselben auch an kleinen Wassertümpelu und Flüssen. 25. Totanus stagnatilis, Bechst Dieser zierliche Strandläufer ist hier selten und ich habe den- selben nur auf dem Frühjahrszuge beobachtet. 26. Totanus glareola, Gm. Ist häufig und brütet fast auf jedem ausgebreiteten Sumpf und an kleinen Flüssen. Im Juli hält er sich oft da auf, wo Scdopax gaUinago auftritt und lässt im Grase den Schützen nah heran. 27. Totanus ochropus, L. Ein gemeiner Vogel, welcher Anfang April hier erscheint und im August wegzieht. Nistet an allen grossen und kleinen Flüssen. 28. Actitis hypoleucos, L. An allen grösseren und kleineren Flüssen sehr häufiger Brut- vogel.
271 — 29. Machetes pugnax, L. In der zweiten Hälfte des Aprils erscheint der Kampfbahn in grossen Massen; anf den ausgedehnten Sümpfen bei Kanabejewo (Kreis Bronnitzi) wurden früher im Frühjahr aus der Hütte, die an den Kampfplätzen der Kampfhähne errichtet wurde, Tausen- de dieser Vögel geschossen. Unter hundert $ $ im Hochzeitskleide findet man nicht zwei Stück, die sich gleichen; alle sind verschie- den gefärbt. Die Jungen vom vorigen Jahre sind in der Regel etwas kleiner, der Federschmuck am Halse entwickelt sich erst gegen Mitte Mai, dagegen bei den Alten schon am 5-ten Mai der Kragen vollständig ausgebildet ist. Die Jungen im ersten Hoch- zeitskleide haben kleinere Kragen, die Warzen am Gesicht schwach entwickelt; Füsse und Schnabel dunkelgraubrann, nur bei den Alten orangerot. Alte $ $ erhalten zur Paarungszeit am Halse und Rücken auch etwas verlängerte und schwach glänzende Federn, dagegen bei den jungen das Gefieder, obgleich es auch zur Hochzeitszeit am Halse erneuert wird, wenig in der Färbung vom Herbstkleide verschieden ist. Im Juni werfen die Kampfhähne ihre Zierfedern ab und sind Anfang Juli von den jungen, flugbaren Vögeln kaum zu unterscheiden. Vom 8-ten Juli an bevölkern sie zuweilen in bedeutender An- zahl ansgebreitete Sümpfe; dann sind sie weit nicht so vorsichtig, wie im Frühjahr und lassen den Schützen eben so nah heran, wie die Bekassine, ohne aber die Vorsicht der letzteren anzuwen- den, das heisst im Grase sich bei Annäherung des Schützen §o geschickt zu verbergen, dass das geübteste Auge sie nicht sieht, sondern sie setzen rieh einfach, wenn auch der Platz, wo sie sich befinden, fast ohne Gras ist, nieder und erwarten so den Schützen; anf circa zehn Schritt sieht man schon ganz deutlich den Vogel, er fliegt aber erst dann auf, wenn man ganz nah herantritt. Im Juli und August rind sie äusserst fett. In der 2-ten Hälfte des August ziehen sie fort. 30. Terekia cinerea, Güld. Anfang Juli 1884 wurde ein altes $ bei Moskau erlegt und mir übergeben. Das Kleid war ausgezeichnet gut erhalten und halte keine Spur von Mauser. Ich untersuchte die Geschlechtsteile und fänd einen wohlgebildeten Eierstock. Gebrütet hatte es in die- sem Jahre, in welchem es erbeutet wurde, sicher nicht, denn dann müsste ja das Gefieder desorganisirt sein.
— 272 — Den 15. August 1887 wurde am Moskwastrom, hinter dem Kloster Simonoff-Monastir ein Vogel im Jugendkleide getötet. 3]. Limosa melanura, Naum. Auf dem Zuge ist diese Art nicht besondere selten; vereinzelt brütet er auch hier. Ich habe Vögel in der Brutperiode erhalten, so auch junge Exemplare, die bei Nara-Osanowo geschossen wurden. 32. Tringa subarquata, Gtfld. Kommt vor auf dem Frühjahrs- und Herbstzuge, aber nicht häufig. Ein 31 erhielt ich aus Bronnitzi. 1868 beobachtete ich ein Pärchen dieser Vögel d. 20. Juli am Flusse Worja im Kreise Bogorodsk. Die Vögel waren sehr scheu, bei der grössten Vorsicht konnte ich nur einen Vogel schiessen. 33. Tringa canutus, L. Ende August 1891 wurde ein junges Exemplar dieses Strandläufers am Moskwastrom hinter dem Kloster Simonoff-Monastir geschossen. Sonst habe ich diesen Vogel hier nie gesehn. Das genannte Exem- plar befindet sich in der Sammlung des Herrn N. Dehne. 34. Tringa alpina, L. Häufiger Brutvogel am Moskwastrom; ich habe ihn sehr oft an den Ufern des Flusses bei Worobjewi-Gori und weiter hinauf bei Schelepicha in der Brutperiode, so auch bis in den August hinein beobachtet. 35. Tringa minuta, Leid. Ist hier nicht selten und brütet am Moskwastrom, wo ich ibn oft bei Worobjewi-Gori und bei Schelepicha beobachtet habe. 36. Tringa temminkii, Leisi. Kommt auf dem Rückzüge im August zuweilen vor. 37. Limicola platyrhyncha, Temm. Als besondere Rarität wurden im September 1886 ein die- ser Art bei Nara-Osanowo geschossen, und ein anderer Vogel d. 2. August 1887 ebendaselbst erbeutet.
— 273 — 38. Scolopax gallinula, L. Auf dem Frühjahre- und Herbetzuge manches Jahr sehr häufig. Die Harschnepfe komipt her in der ersten Hälfte des Aprils an; die Hauptmasse zieht Ende September fort, Nachzügler aber trifft man zuweilen Ende October, sogar bis in den November hinein. So hob ich eine Schnepfe dieser Art 1868, im Sumpfe bei Ka- blukowo (Kreis Bogorodsk), nachdem der Sumpf, der sonst fast nicht passirbar, fest gefroren war. Im Jahre 1865 wimmelte förmlich der genannte Sumpf im April von diesen Schnepfen. Das- selbe Jahr d. 29. Juni fand ich am Rande dieses Sumpfes zwei noch nicht flügge Junge; der Kopf war noch teilweise mit Dunen bekleidet. Sonst ist mir kein Fall bekannt, dass diese Schnepfe hier genistet hätte. 89. Scolopax gallinago, L. Die Bekassine ist einer der häufigsten Jagdvögel, welcher fast auf allen Sümpfen des Moskauer Gouvernements brütet. Sobald im Sumpfe sich einige Blössen bilden, so ist die Bekas- sine auch schon da. Vom 1-ten bis 10-ten April variirt die An- kunft derselben, doch sind mir Fälle bekannt, dass de, nachdem ein zeitiges Frühjahr eingetreten, schon Ende März hier eintraf. Der Abzug beginnt Ende August und dauert bis Ende Septem- ber. Nachzügler trifft man übrigens auch noch im October. Die alten Schnepfen riehen später weg, als die jungen; unter den Nach- züglern giebt es sehr selten junge Vögel. Die Bekassine hat entschieden zwei Bruten, mindestens die Alten. Die ersten Jungen kriechen schon nach dem 5-ten Mai aus und sind Anfang Juni sich selbst überlassen; die zweite Brut entschlüpft den Eiern in der zweiten Hälfte des Juni; ich habe aber sehr oft brütende $ $ d. 29-sten Juni gefunden; die Eier waren stark be- brütet; das Gelege bestand um diese Zeit auch aus vier Eiern, wie die der 1-sten Brut. Balzende <3 $ hört man vor und nach dem l-sten Juli noch viele. Als eine sehr verspätete Brut kann ich den Fall aufweisen, dass ich nämlich Junge im Kreise Bogorodsk d. 16-ten August fand, die kaum eine Woche alt wa- ren, nur au den Flügeln und der Unterseite blutspulige Federn hatten, sonst noch das Dnnenkleid trugen. Um Petri-Pauli herum, also d. 29-sten Juni, scharen sich die Jungen in Herden von 10 bis 20 Stück und schwärmen an den
— 274 — Sümpfen umher; sie erscheinen dann auch an solchen Plätzen, die dem wirklichen Sumpf kaum entsprechen. So traf ich vor mehre- ren Jahren d. 29 Juni, unweit Worobiewi-Gori auf den ausge- dehnten Feldern, auf denen nach lange anhaltenden Regen, in den Niederungen eine Menge Wassertümpel sich gebildet hatten, Massen von jungen Bekassinen, die aber sehr scheu und vorsichtig wa- ren, da die Wassertümpel ganz offen lagen, die Bekassinen aber, bei Annäherung des Menschen, sich nicht verstecken konnten. Das Schwärmen dauert aber höchstens einige Tage oder eine Woche; später trennen sie sich und jeder einzelne Vogel lebt für sich. Der Federnwechsel beginnt bei den Alten Anfang Juli und wird im halben August beendet. Die Mauser beginnt mit einem Male auf dem ganzen Körper und so rasch, dass der Vogel gegen den 20-sten Juli hin kaum im Stande ist zu fliegen. In der Mauser- periode halten sich die alten Vögel in fast unzugänglichen, dich- verwachsenen Sümpfen und kommen nur früh und abends näher zum Rande des Sumpfes. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass die länger hier blei- benden Jungen auf dem Rücken einige von den langen Federn wechseln; bei den Jungen, im ersten Kleide, ist das Gefieder, na- mentlich auf dem Rücken, viel kürzer als hei den Alten. Bleibt nun ein junger Vogel hier länger als es in der Regel der Fall ist, so findet man bei derartigen Exemplaren neue Federn auf dem Rücken, die im Colorit voller, die gelblichen Kanten der Federn dunkler, die von den Federn des ersten Kleides stark abstehen und länger sind als letztere. Ob nun die jungen Bekassinen an den Winterplätzen die Mauser fortsetzen und bis zum Frühjahr ein neues Kleid anlegen, konnte ich bis jetzt nicht erforschen, da die im Frühjahr hier eintreffenden Bekassinen ein schon sehr stark ver- blichenes und verschossenes Gefieder haben, dass es fast unmöglich ist etwas richtiges in dieser Hinsicht zu entscheiden. Ich habe viele Vögel im Mai untersucht und solche Exempla- re, die dem Anschein nach im ersten Lebensjahre standen, ganz frische Federn an den Schwingen 3-ter Ordnung hatten, und auch das Kleingefieder auf den Oberflügeln war teilweise frisch. Der alte Vogel hat nach beendeter Mauser, also Ende August, eine sehr intensive Färbung; die Längsstreifen auf dem Rücken sind durchgehend breit und dunkel; dass Schwarz hat einen matten violetten Glanz, das Weiss auf der Unterseite ist reiner und mehr ausgebreitet als bei den Jungen. Die Grössenverhältnisse dieser
— 275 — Schnepfe schwanken sehr; ausnahmsweise giebt es $ $, die kleiner als rf sind, in der Rege laber erstere grössere Maasse aufweisen. Die Schnabellänge varürt ungemein. Die von C. L. Brehm als Scolopax burka beschriebene Schnepfe ist nichts anders als alte Scolopax gaüinagot der, wie ich schon oben bemerkte, die hellen Streifen auf dem Röcken durch- gehen und breit sind, dagegen bei den Jungen die Federn kurzn die hellen Kanten schmal und keine durchgehenden Längsstreife4 auf dem Röcken bilden. Im September wird die Bekassine ausserordentlich fett; sie hält dann vor dem Hunde eben so lange aus, wie Scolopax major und fliegt dann nicht beim Aufstehen hin und her, wie sie das gewöhnlich thut, .sondern fliegt niedrig und stumm gerade aus, und fällt bald wieder ein. 40. Scolopax major, Gm. Die Doppelschnepfe ist hier ein gewöhnlicher Vogel, der an geeigneten Orten auch als Brutvogel auftritt. Die Doppelschnepfe erscheint Mer vom 10—15 April und zieht im September fort. Nachzügler findet man auch noch im October. Der Fröhjahrszug dauert einen ganzen Monat; die Ersten sieht man nm d. 10-ten April herum, die letzten Ankömmlinge bis zum 12-15 Mai. Sobald die Witterung, so um den 20-sten April herum, warm wird, beziehen die angekommenen Doppelschnepfen ihre Brutplätze und beginnen in der unmittelbaren Nähe derselben ihre Balze, welche bis Ende Mai, ja bis in den Juni hinein dauert. Die Balz- plätze liegen immer im Sumpfe auf einer Deien Fläche im Durch- messer von circa 3—400 Schritt, umgeben von dichtem aber nicht hohem Strauchwerk. Sobald die Sonne am Horizont verschwindet, hört man auf dem Balzplatz ein eigenthömliches froschähnliches Quacken; diese Laute geben die $ $ von sich um die c? heranzulocken. Diese las- sen nicht lange warten; von allen Seiten kommen sie herangeflo- gen, lassen sich nieder, ducken sich aber erst für kurze Zeit, dann aber stellen sie sich in Position und nehmen eine eigenthöm- liche Haltung an: der Hais wird nach hinten ausgestreckt, der Schnabel längs des Vorderhalses an die Brust gedrückt, die Flü- gel herabgelassen, der Schwanz fächerartig auseinandergebreitet und 89 aufrecht gestellt, dass derselbe mit seinen Enden fast den Hinterkopf berührt.
— 276 — In dieser Stellung verharrt er einige Zeit, worauf man einen ganz eigenthümlichen, fabelhaften Gesang vernimmt, der ah kei- nen Gesang eines anderen Vogels errinnert, dann ein eigenthüm- liches, rasch bintereinanderfolgendes Knappen,' welches durch einen Kamm, an welchem man mit einem Finger rasch an den Zähnen hinauffährt, annäberend wiedergegeben werden kann, dann folgt ein dumpfes, wie unterirdisch klingendes Fuchteln, welches er ver- mittels* seiner Flügel hervorruft. Prächtig sieht der Vogel in der Balzstellung aus: die weissen Schwanzfedern leuchten förmlich, wenn er sie beim Balzen plötzlich hebt. So vorsichtig sonst die- ser Vogel ist, so harmlos und furchtlos benimmt er sich am Balz- platz. Ich sass auf einem kleinen Erdhügel mitten auf dem Balz- platze, um sie zu beobachten; das hinderte die balzenden Schnep- fen durchaus nicht in meiner unmittelbaren Nähe ihr Wesen zu treiben. Wenn man den Vogel nicht sieht (was übrigens bei der eintretenden Dunkelheit und dem ähnlich gefärbten Gefieder des Vogels mit den umstehenden verblichenen Pflanzen berücksichtigt sein muss), so ist es nicht so leicht den Vogel, wenn er auch nah ist, zu bemerken; ist es ganz unmöglich nach den Lauten zu bestimmen, wo eigent- lich der Vogel sich befindet; die Laute, die die Doppelschnepfe hören lässt, sind der Art, dass dieselben auf einer Entfernung von 50 Schritten eben so klingen, als sei der Vogel kaum einige Schritte entfernt; und umgekehrt, die Stimme des ganz nah be- findlichen Vogels wiederum entfernt klingt. Wenn man den Vogel kommen sah und derselbe liess sich ganz nah nieder, da kann man ihn gut zwischen dem Grase sehen, anders nicht. Im Kreise Bogorodsk bei dem Dorfe Kablukowo befindet sich ein sehr grosser, aus gedehnter Sumpf, welcher von vielen Quellen gespeist wird, immer sehr nass, namentlich an den niedrigen Stel- len ist. Der Sumpf ist mit Ausnahme einiger, näher zur angren- zenden Wiese gelegener Flächen mit sehr dichten Birken und Weiden- gestrüpp bestanden. Auf den entblössten Flächen, die an die Wiese grenzen, befinden sich Balzplätze der Doppelschnepfe, wo an einem Platz mindestens hundert Stück sich versammeln und ihre Concerte geben. Ich habe diese Balzplätze sehr oft besucht und konnte mich an dem Spiel der harmlosen Vögel nicht satt sehen. Das Balzen dauerte, wenn die Witterung klar und still war bis spät in die Nacht hinein; in der Dunkelheit balzten sie ebenso eifrig wie am Abend nach Sonnenuntergang und so fort bis es hell wurde; dann
— 277 — liefen oder flogen sie ins Dickicht, um am Abende mit dem Spiele wieder zu beginnen. War die Witterung am Abende nicht klar oder gar windig, dann versammelten sich auf dem Balzplatze de* reu fiel weniger, und das Balzen wurde oft unterbrochen. , Bei Nara-Osanowa brütet die Doppelschnepfe ebenfalls, aber nicht mehr denn einige Paare, da die Locaütät nicht so gross und ausgebreitet ist, als die Brutplätze bei Kablukowo im Kreise Bogorodsk. Bei Nara-Osanowa sind auch Balzplätze, auf welchen sich aber nur einige Vögel versammeln, und nicht allein am Abende und in der Nacht gebaltzt wird, sondern auch am Tage bis 10 Uhr Morgens das Balzen zu hören ist, was ich auf den grossen Balz* plätzeu nie beobachtet habe. Die Brut- und Balzplätze bei Kablukowo erstrecken sich auf circa 7—8 Werst und nehmen eine Breite von mindestens einer Werst ein. Sie ziehen sich paralell dem Flusse Worja in der Ent- fernung einer halben bis 1 Werst von demselben. Durch die Kul- tur des Bodens wird die Doppelschnepfe zuweilen genötigt, ihre Brutplätze zu ändern; da, wo ausgebreitete Moose, die als Brut- plätze für sie dienten, entwässert worden, nistet sie in Hafer- und Kornfeldern, die nicht weit von Sümpfen entfernt stehen. Ende Mai ist das Gelege der Doppelschnepfe, bestehend aus 4 Eiern fertig. Das Nest wird immer im dichten Gestrüpp ange- legt Mitte Juni schlüpfen die Jungen aus; in circa 2 Wochen sind sie ausgewachsen, bleiben aber bis gegen den 8-ten bis.15-ten Juli mit der Alten, welche sie Anfang Juli an die Ränder des Sumpfes, welche ganz frei von Sträuchern sind, täglich am Mor- gen und Abend führt Ich habe die Brutstellen Anfang Juli oft besucht und da immer Massen von Doppelschnepfen gehoben, konnte aber immer nur wenige davon erlegen, da das Gestrüpp derart dicht ist, dass man kaum durchkommen kann. Traf ich sie aber am Rande, so war es mit dem Schiessen nicht schwer. Nach und nach wird das Zusammenleben der Doppelschnepfe gelöst; die Alte kümmert sich nicht mehr um die Jungen, welche von nun an sich selbst überlassen werden. Von 15-ten oder 20-sten Juli an, besucht die Doppelschnepfe ganz offene Sümpfe, auf welchen sie sich bis in den August hin- ein aufhält, dann aber wählt sie zu ihrem Aufenhalte mehr trockene Plätze, welche mit Jungholz bestanden und feuchte Stel- len haben. Merkwürdiger Weise ziehen die alten Doppelschnepfen fast in der Regel früher fort, als die jungen. Im Anfang trifft man viel mehr Alte, und das dauert bis gegen den 15-ten August, dann sind die Jungen in der Mehrzahl.
— 278 - Mitte Juli fängt bei den Alten die Mauser an und wird erat Ende August beendet. Der Federwechsel tritt bei der Doppel* schnepfe nicht so plötzlich wie bei der Bekassine auf, sondern die Mauser geht langsam und regelrecht von Statten, wodurch der Vögel Fliegen durchaus nicht beeinträchtigt wird, da die Schwingen jederseits zu je einer Feder gewechselt werden. Das alte Gefieder ist bei der Doppelschnepfe nie so desorganisirt als bei der Bekassine, und die neuen Federn nur durch ihre volle und intensive Farbe von den alten zu unterscheiden. Manche Doppelschnepfen beginnen die Mauser erst Mitte August und been- den dieselbe erst an den Winterqnartiren. Die Jungen sind immer von den Alten leicht zn nnterscbeiden, da bei ersteren das Gefie- der lockerer nnd kürzer, die Färbung blasser, anf dem Bücken die characteristischen Längstreifen unterbrochen und in der Fär- bung heller als bei den Alten sind. Die weissen Flecken anf den Oberflügeldecken fehlen den Jungen, die Mitte der Brust nnd des Bauches ist nicht rein weiss, mit deutlichen sehr dunklen Wellen- zeichnungen, wie es die Alten haben, sondern das Weiss hat einen granen Schein und die Wellenlinien sind heller nnd undeutlich. Die Stossfedern der Alten sind rein weiss, nur an der Wurzel mit dunklen Querstreifen, dagegen bei den Jungen auf etwas gelblich weissem Grunde durch dunkle Flecken an den Aussen- fahnen gekennzeichnet. In der Balzpefiode sind die Füsse grün- lichgelb; diese Farbe macht aber gegen Ende Juni einer blau- granen Platz, die nur an den Zehen- und Fussgelenken einen grünlichen Farbenlon haben. Bei den Jungen sind die Füsse eben- so wie bei den Alten im Sommer gefärbt, nur sind sie bei erste- ren zarter. Alle Jungen verlassen uns im Jugendgefieder, welches am Winterplatze vollständig abgelegt, und ein neues, volkommen den Alten ähnliches Kleid angelegt wird, da alle im Frühjahr hier eintreffenden Doppelschnepfen gleich gefärbt sind, und die im ersten Lebensjahre stehenden von den Alten nicht zu unter- scheiden sind. Nur die $ $ können durch ihre bedeutendere Grösse und das weniger helle Kleid von den & <$ unterschieden werden, auch sind zu dieser Zeit die $ $ fett, dagegen die ohne allen Fettansatz. 41. Scolopax rusticola, L. Brütet in allen grösseren und feuchten Wäldern des Gouverne- ment Moskau. Auf dem Zuge tritt sie zuweilen in grossen Massen auf. 1864 war sie auf dem Frühjabrszuge ausserordentlich zahlreich, so
— 279 — auch in den Jahren 1879 und 1880. Als sehr reiche Schnepfen- jahre auf dem Herbstzuge nenne ich folgende: 18&8,1862, 1879 und 1880; dann folgten solche Jahre, in welchen die Waldschnep- fe eine Rarität war; so darf ich auch das verflossene Jahr 1891 als ein sehr Schnepfenarmes nennen. Auf dem Frtthjahrszuge des- selben Jahres war sie nicht selten, dagegen im September, zur Zeit des Massenzuges, war sie äusserst selten zu finden. Es wa- ren Tage, wo sie auftrat, so d. 19-te September, den andern Tag aber war nicht mehr Eine zu finden. Der Grund wird wohl darin zu finden sein, dass der Sommer und Herbst ungemein trocken waren, so dass die Schnepfe ihre Nahrung nicht in der trockenen Erde finden konnte. Die Ankunft der Waldschnepfe im Frühjahr schwankt zwischen dem 23-sten März und dem 10-ten April, je nach dem, wie die Witterung ist, im Durchschnitt kann man Anfang April als Norm annehmen. Der Abzug im Herbst dauert vom Anfang September bis Anfang October. Die Haupt- masse des Zuges ist aber vom 15—25 September anzunehmen. Nachzügler trifft man zuweilen den ganzen October hindurch, es sind mir aber auch Fälle bekannt, wo Mitte November, nachdem starke Fröste bis Aber 20° gewesen, Schnepfen an Sümpfen gefunden worden, welche bei den stärksten Frösten nicht zufrieren. So wurde vor mehreren Jahren eine Waldschnepfe am 15-ten November an einem Sumpf im Walde im Kreise Bronnitzi, der nie friert, bei einem Frost von 15° R. geschossen, so auch den* 18-ten November 1890 ein grosswüchsiges $ bei Ragatschewo, Kreis Dmitroff, an einem Waldsumpfe erbeutet. In beiden Fällen waren die Vögel ganz gesund und sehr fett. Die am 18-ten No- vember 1890 getötete Schnepfe hatte Fröste von 20 bis 25° R. äberstanden, was vollkommen beweist, dass die Waldschnepfe sehr starke Fröste aushalten kann, wenn nur kein Mangel an Nahrung ist. Im Magen dieser Schnepfe fand ich Reste von Insecten; sie musste also in dem Sumpfe, wo sie erlegt wurde, hinreichende Nahrung gefunden haben. Bald nach ihrer Ankunft schreitet das $ zum Brutgeschäft. Ende April, in der Regel aber Anfang Mai schlüpfen die Jungen aus. 1886 erhielt ich 4 Junge aus dem Kreise Bogorodsk, die den 26-sten April ausgeschlüpft waren; so zeitiges Ausschlüpfen der Jungen ist selten, die meisten werden vom 1—5 Mai ans- gebrfitet. Die Waldschnepfe brütet ganz bestimmt zwei mal, wenigstens die alten $ $, da ich Junge, die kürzlich ausgebrütet waren, Mit-
— 280 — te Juni oft erhalten habe, so auch die fast bis Ende Juni am Abende mit dem bekannten quarenden Laute ziehen. Die Jungen wachsen sehr rasch heran, Ende Mai sind sie fast eben so gross, wie die Alten, nur haben sie zu dieser Zeit ein sehr mattgefärb- tes und lockeres Gefieder, wodurch de von den Alten sofort unterschieden werden können. Im Frühjahr sind die $ $ von den d1 d1 nicht so schwer zu unter- scheiden; die d1 haben eine hellere Färbung, die Federn mehr abgestossen, namentlich die der Schwingen zweiter und dritter Ordnung, dann ferner sind die & etwas kleiner und zu dieser Zeit immer leicht und nicht fett. Das $ ist grösser, hat ein dunkleres und wenig oder fast gar nicht abgestossenes Gefieder und ist fett und wohlbeleibt. Auf dem Herbstzuge ist der geschlechtliche Unterschied weniger bemerkbar, da das Gefieder dann bei beiden Geschlechtern gleich gefärbt ist, und auch $ mehr oder weniger gnt bei Leibe sind. Die Herbstmauser beginnt bei Alt und Jnng Anfang August; bei Jungen der zweiten Brut etwas später. Ende August bis 8— 10 September ist die Mauser beendet. Die Jungen haben eine mehr braune Farbe, und die schwarzen Zeichnungen sind nicht so tief wie bei den Alten. Die Letzteren sind im Herbste leicht durch die tieferen Farbentöne, so auch an den einigen unvermau- serten Federn der Secundärschwingen gut zu unterscheiden. Im Moskauer Gouvernement brütet nur die grosse typische Form der Waldschnepfe, dagegen die sogenannte Steinschnepfe (russisch Korotisch) Scolopax rusticola parva (Behst.) nur auf dem Durchzuge, ins Besondere aber im Herbst, vorkommt. Wie bekannt unterscheidet sich dies Form durch kleineren Wuchs, dunklere Färbung im AUgemeinem, da dunkel graubraun und schwarz die vorherschenden Farben sind, und durch die graublau gefärbten Füsse. Diese kleine Varietät trifft man im Frühjahr viel seltener als im Herbst. Sie erscheint im Herbst immer später als die typ. Art, nie früher als den 15-ten September, in der Regel aber erst nach dem 20-sten des Monats. Sie unterscheidet sich nicht allein in dem etwas anders gefärb- ten Gefieder und kleinern Wuchs, sondern ihr Benehmen ist an- ders; sie hält sich zum Beispiel nie auf so offenen Stellen wie die grosse Waldschnepfe, ist viel vorsichtiger, geschickter in den Flugwendungen und läuft vor dem suchenden Hunde viel länger bis sie aufsteht.
-- 281 — Manche Jahre sind die Waldschnepfen hier im Herbst sehr selten, obgleich dasselbe Jahr der Schnepfenstrich im Frühjahr zahlreich war und viele brütende $ $ gefunden werden. In solchen Fällen ziehen die hier augebrttteten Schnepfen rasch und unbe- merkt weg, und die aus dem Horden umgehen das Moskauer Gouvernement. 1890 war der Herbstzug der Schnepfen ziemlich stark, in dem angrenzenden Gouvernement Touia um Vieles bedeu- tender, da zogen aber nicht die grossen typischen Waldschnepfen, wie solche im Moskauer Gouvernement vorkommen, sondern et- was kleinere mit düsterer Färbung auf der Ober- und Unterseite. Diese Form gehört mehr dem Osten, denn alle Schnepfen, die ich Gelegenheit hatte zu untersuchen, gehörten dieser kleineren und düstergefärbten Form an. Waldschnepfen aus dem Gouver- nement Samara, Orenburg, Saratow, dem Ural, Transbaikalien und Ussuri representirten immer nur diese und nicht die typi- sche Art. Als ich im Herbst 1883 an der Nordseite des Kauka- sus im November sammelte, traf ich dort viele Waldschnepfen, die auch znr östlichen Form angehörten, sowie auch Vögel aus der Umgebung Odessa’s mit dieser Varietät identisch sind. Im vergangenen Herbst 1*891 gab es sehr wenig Schnep- fen, und die wenigen hielten sich, in Folge der sehr trockenen Witterung nur sehr kurze Zeit auf. Im Gouvernement Touia war denselben Herbst nur, oder richtiger in der Mehrzahl, die typi- sche grosse Waldschnepfe, dagegen die kleinere östliche Form fast gar nicht auftrat... Aus dem Gesagten darf ich schliessen, dass die grosse Waldschnepfe vergangenen Hebst ihre Zugrichtung, welche in früheren Jahren in südwestlicher Richtung gehalten wurde, südlich genommen hat, und die östliche Form der Wald- schnepfe eine mehr östliche Zugrichtung hielt, da letztere im Gouvernement Touia fast gar nicht vorgekommen ist. Fernere For- schungen in dieser Richtung werden wahrscheinlich mehr Auf- schluss über die Unbeständigkeit der Zugrichtung der Waldschnep- fe geben. Die Unterschiede zwischen der typischen und östlichen Form sind nur bei sehr grossem vergleichendem Material sichtbar, eine sichere und feste Grenze zwischen beiden Formen zu setzen ist unmöglich, da beide ins Unendliche in Grösse, Zeichnung und Farbe variiren, wie ja das dasselbe bei der typischen Waldschnep- fe und der im Norden brütenden Scolopax rusticola parva beo- bachtet wird, die auch durch unendliche Varianten in einander verschmelzen. . V 2. 1802. 1!)
— 282 — Die östliche Form hat wiederum ihre besonderen Varietäten, die analog der Scolopax parva kleiner und dunkler gefärbt sind. Auf dem Herbstzuge hält sich die Waldschnepfe hier wie in Laub- so such in Nadelwäldern auf; um diese Zeit vermeidet sie den Hochwald, und es ist selten der Fall, dass man sie um diese Zeit in demselben findet. Die Schnepfe wählt am liebsten nicht sehr dichtes Gestrüpp auf Anhöhen, welche an Grünsaat grenzen; in der Nacht besucht sie zur Aesung die Grünsaat; da ist das Erdreich locker und weich, auch ässt sie sich gern an Viehweiden, was man sehr oft an den Löchern und den Fussspuren im weichen Dünger beo- bachten kann. Ist im Herbst die Witterung trocken, so findet man die Wald- schnepfe oft an den Rändern der Sümpfe, die aber mehr oder weniger dicht mit Bäumen bestanden sind. Bei trockener Witte- rung wird die Schnepfe im Herbst nicht fett, wie das der Fall 1879 war; bis zum 20 September war es sehr trocken und alle Schnepfen waren mager, so wie es aber feucht wurde, gegen d. 25-sten September waren alle Schnepfen sehr fett und wohl- genährt. - Auf dem Wildmarkt kommen jährlich im Herbst gegen 3000 Schnepfen zum Verkauf, die im Gouvernement Moskau geschossen werden. Der Consum im Herbst ist aber nicht sehr gross, dess- halb werden viele von denselben künstlich von den Wildhändlern gefroren und bis in die Mitte des Winters hinein aufbewahrt. Der Preiss der Schnepfen variirt zwischen 1 R. 50 bis 3 R. pr. Paar, je nach Nachfrage und der Anzahl der geschossenen Waldschnepfen. Ausartungen kommen vor, aber selten; 1880 wurde eine fast ganz weisse Schnepfe auf dem Zuge im Frühjahr im Kreise Wereja geschossen; dann mehrere mit weissen Schwingen, sowie auch blassgelblich gefärbte, bei denen die schwarzen Zeichnungen ganz blass schiefergrau waren, dagegen die gelblichen und braunen Farben normal bleiben. Solche Ausartungen haben immer sehr hellen Schnabel und Füsse, aber normal gefärbte Augen. 42. Squatarola Helvetica, L. Auf dem Frühjahrszuge kommt diese Art selten vor; im Herbst häufiger. Diese Art zieht spät durch; ich habe einen Vogel aus Bronuitzi erhalten, der am 3-ten October getötet wurde.
— 283 — 43. Charadrius pluvialis, L. Der Goldregenpfeifer zeigt sich hier in der ersten Hälfte des April in bedeutender Anzahl und hält sich bis zum Wegzuge, welcher Anfang Mai stattfindet, fast immer nur auf der Grünsaat auf. Auf dem Rückzüge kommen sie schon zuweilen Mitte August hier an und bleiben bis Ende September. Sie halten sich in die- ser Zeit auch nur immer auf der Grünsaat. Im Herbst habe ich sie nie in grösseren Herden zusammengerottet gesehn; immer bestand die Bande nicht mehr denn aus höchstens 5—6 Stück, dage- gen im April ich Herden von mehr denn 30 Stück oft beobachtet habe. 44. Strepsilas interpres, L. Hier ein seltener Gast. 1875 wurde im April ein schönes c? im Hochzeitskleide bei Moskau geschossen, und ein junger Vogel d. 17 August 1886 am Moskwastrom bei Moskau nicht weit von Simonoff-kloster erbeutet. IV. Aleotorides. 45. Otis tarda, L. Nach Aussagen eines alten und sehr glaubwürdigen Jägers wur- den 1849, im Kreise Bogorodsk auf einem ausgebreiteten Felde bei dem Dorfe Kablnkowo zwei Trappen im Herbst erlegt. Nach Sabaneeff (3Kypaan> Oxoth 1874. 3), wurden drei Jahre hinte- reinander Trappen im Herbst bei dem Dorfe Kudaewo (Kreis Serpuchoff) beobachtet. 46. Otis tetrax, L. Ein Mal wurde die Zwergtrappe im Moskauer Gouvernement erbeutet; das war im Jahre 1889 d. 16. Septemper, nicht weit von dem Dorfe Nemtschinowo (Kreis Moskau) im niedrigen Ge- büsch, welches an Grünsaat grenzte, da wo die Waldschnepfe ihren Aufenthalt im Herbste hat. Der Vogel liess den Schützen ganz nah heran und wurde beim Auffiiegen flügellahm geschossen und dem Vogelhändler H. Hönisch verkauft. Im Anfang wollte der Vogel keine andere Nahrung als Regen- würmer zu sich nehmen, als dieselben aber nicht zu finden waenr, 19*
— 284 - wurde rohes Fleisch wurmformig geschnittep und ihm gereicht, welches er eben so gern zu sich nahm wie Regenwarmer. Der Vogel wurde bald ganz gesund und zahm, so dass er das Futter aus der Hand nahm. Später kam dieses Exemplar in den zoologi- schen Garten in Antwerpen. Es ist möglich, dass die Zwergtrappe sich öfters hierher ver- fliegt, da ich schon oft Gelegenheit hatte solche sogar aus den nördlichen Gouvernements zu erhalten; so habe ich Vögel aus Arhangel, Twer, Jaroslawl, Kasan und N. Nowgorod bekommen. Es waren aber alles Herbstvögel. Ferner wurde den 13-ten No- vember 1874 eine Zwergtrappe von zwei Stocken, die sich auf Brachfeld zwischen den St. Birjulowo und Podolsk der Kursker Bahn aufhielten, geschossen 47. Grus communis, Bechst Der Kranich ist auf allen geeigneten Stellen des Moskauer Gouvernement Rrutvogel. Anfang April kommt er hier an und zieht Anfang September fort. Im Kreise Bogorodsk bei Kablukowo in dem ausgedehnten Sumpfe am Flusse Worja habe ich ihn häufig als Brutvogel ge- funden. Ein Mal fand ich ein Nest im Hochtannenwalde, in welchem ein kleiner Sumpf lag. Das Nest stand ganz frei auf einem Erdhügel und enthielt zwei Eier. Im Kreise Dmitroff ist er auch nicht selten und im Kreise Rusa beobachtete ich ihn 1890 d. 14 Juni im Sumpfe am Trostjanskoe Osero, wo er auch brütet. Im Kreise Bogorodsk bei dem Dorf Duschenowo nistet er in bedeutender Anzahl in den Sümpfen des grossen Kronswaldes. Als ich im Mai 1892 dort excursirte, sah ich deren stets Banden von 7—8 Stück auf den Feldern ihrer Nahrung nachgehen. V. F u 1 i c a r i a e. 48. Fulica atra, L. Ist hier nicht besonders häufig. Bei Kassino unweit von Moskau kommt er als Brutvogel vor, wo einige Exemplare Anfang Juli geschossen wurden. *) CaßaateBK Sypaan Oxoth, 1874, M 3, 6Tp. 54.
— 285 — 49. Gallinula chloropus, L. Das Wasserhuhn ist hier selten, tritt aber doch als Brntvogel auf. Aus dem Kreise Podolsk habe ich einige Mal alte und einen Jungen Vogel erhalten. Den 1-sten Juni 1888 wnrde mir ein altes aus dem Kreise Bronnitzi gebracht. SO. Crex pratensis, Bechst Im ganzen Gouvernement Moskau sehr häufig. Brütet in der nächsten Nähe von Moskau auf Worobjewi-Gori in den Obstgär- ten. Erscheint hier Ende April oder Anfang Mai und verlässt nns Anfang September. Nachzügler trifft man bis in den October hinein. Nach ihrer Ankunft halten sie sich auf feuchten Wiesen, .grösseren nnd kleineren Sümpfen, die aber nicht sehr nass sind, an Gräben, die mit dichtem Grase bestanden; später, wenn das Korn höher gewachsen, hört man sie allenthalben schnarren. Der Wachtelkönig schreitet spät zur Brut, da die Jungen Anfang Juli noch sehr stark mit Dunen bekleidet sind nnd nur an den Bauch- seiten nnd dem Rücken blutspulige Kielen sich zeigen. Das Gele- ge besteht aus 7—8 Eiern. Anfang August halten sie sich sehr gern in den Kohl- und Kartoffelfeldern, später aber vor dem Abzüge findet man sie oft im leichten Gebüsch. Vor dem Abzüge werden sie ausserordentlich fett und fliegen erst dann auf, wenn der Hund ihnen rasch nachsetzt Nach der Mauser erhalten die alten c? ein mehr düsteres Kleid, als im Frühjahr und sind nur durch die fast einfarbig rostroten Oberflügöldecken von den Jungen zu unterscheiden, bei welchen auf den Oberflügeldecken die Fe- dern helle Säume haben. Anf dem Winterquartier mausern sie ins Hochzeitskleid um. 51. Porzana maruetta, Leach. Ein sehr gemeiner Sumpfvogel, welcher in der zweiten Hälfte des April erscheint und Anfang September fortfliegt. Er brütet in recht nassen Sümpfen und an sumpfigen Flussufern. 62. RaiIus aquaticus, L. Die Wasserralle ist hier sehr selten, die ich nur in zwei Exem- plaren erhielt. Den ersten Vogel erhielt ich Ende September 1883, welcher derart abgemagert war, dass er nicht fliegen konnte und
— 286 — auf dem Drosselherde bei dem Dorfe Romaschkowo (Kreis Mos- kau), auf welchen er, vor Schwäche kaum auf den Füssen ste- hend, heranschwankte, von dem Drosselfänger mit dem Uetz- gedeckt wurde. Der Vogel hatte keine Verletzung am Körper, muss wahrscheinlich durch Mangel an Futter so schwach gewor- den sein. Den zweiten Vogel erhielt ich aus dem Kreise Dmitroff, wo er den 6-ten October 1887 getötet wurde. Dieses Exemplar war ein c? und gut bei Leibe, aber nicht fett. Einen dritten Vo- gel sah ich den 14 September 1891 bei dem Dorfe Nikulino- (Kreis Moskau), konnte ihn aber nicht schiessen. Er hielt sich im dichten Gesträuch auf, wo auch Orex pratensit sich aufhielt. VI. Gallinae. 58. Tetrastes bonasia canescens, Spamn. In fast allen gemischten und reinen Nadelwäldern tritt das Haselhuhn mehr oder weniger häufig auf; in reinem Lanbholz kommt er nicht vor. Sein liebster Aufenthalt sind Nadelwälder. Ganz nah bei Moscan im Walde bei Ismailowo im Swerinetz kommt er vor, wo im September 1891 31 und $ geschossen wur- den. Im Kronswalde, Lossinoi-Ostrow, ist er sehr häufig, so auch in den ausgedehnten Nadel- und gemischten Wäldern des Kreises Bogorodsk, Dmitroff, Rusa, Swenigorod, Podolsk etc. Das Haselhuhn schreitet ziemlich spät zur Brut; erst in der zweiten Hälfte des Mai ist das Gelege fertig. Ich fand im Kreise Bogorodsk ein Gelege, -welches 11 Eier enthielt, es lag dicht an einem jungen Tannenstamme ganz offen, fast ohne Unterlage in einer kleinen Vertiefung. Ende Juni sind die Jungen noch sehr klein, können aber schon fliegen. Uebrigens fliegen sie schon den anderen Tag, nachdem sie ausgekrochen. Ich bezweifle sehr, dass das <3 am Führen der Jungen Teil nimmt; ich habe sehr oft Ketten gehoben, aber nie den alten Hahn dabei gesehen; es war nur immer das $, welches die Jun- gen führte. Im Anfang wachsen die Jungen langsam; Ende Juli sind sie kaum so gross wie eine Wachtel; dann aber wachsen sie rasch heran, und Ende August haben sie schon fast die Grös- se der Alten erreicht und sind nur an dem noch mit Jugendfe- der bedeckten Kopf von den Alten zu unterscheiden. Die Mauser in das fertige Kleid bei den Jungen und der Wech- sel des Gefieders bei den Alten geht verhältnissmässig rasch von
287 — statten. Die alten 33 fangen Mitte Juli mit dem Federwechsei an und Mitte September ist das frische Kleid, bis auf einige blutspulige Federn des Halses, fertig. Die alten $ fangen mit der Mauser etwas später an. Mitte September haben Jung und Alt ihr Winterkleid angelegt, nur die Federn am Tarsus haben noch nicht die Länge um fast die Zehenwurzeln zu berühren. Gegen den October hin ist auch der Fuss soweit bekleidet, dass der Vogel die stärksten Fröste aushalten kann. Die Nahrung im Sommer besteht aus zarten Pflanzen und In- secten. Die Jungen werden im Anfang fast nur mit Insecten genährt, die sie sich geschickt fangen, da das junge Haselhuhn sehr geschickt und behend ist. Später, wenn sie etwas grösser sind, fressen sie Erdbeeren und zarte Pflanzenblätter. Die Winter- nahrung besteht namentlich ans den Samen der Birken, denen Blätterknospen und ab und zu Fichten- und Wachholdernadeln, dann als Leckerbissen Wachholderbeeren. Ist der Schnee nicht tief, dann fressen sie gern die Blätter der Strickbeeren. Mitte September, bei schönem klarem Wetter, versammeln sich zuweilen bis 20 Stück Haselhühner auf einer freien Fläche im Walde; die 3 3 schlagen mit dem Schwänze ein Rad, lassen die Flügel hängen, heben den Schopf und machen in niedlichen Stellungen den $ $ den Hof. dabei trillernde Töne von sich ge- bend. Diese Versammlungen dauern nicht lange; nachdem sich jeder Hahn eine Henne gewählt, trennt sich die Gesellschaft, und nun halten sich die Paare bis zum Frühjahr beisammen. Vom Anfang September bis Ende October an werden die Ha- selhttner durch das Nachahmen vermittelst einer aus Hasenknochen angefertigten Lockpfeife, angelockt und geschossen. Die meisten der auf den Markt von Moskau kommenden Haselhühner werden überall, das heisst im europäischen Russland und Sibirien auf diese Weise erlegt. Die Zahl der jährlich zum Verkauf kommenden Haselhühner ist enorm; mindestens eine Million. Diese Masse wird innerhalb 2 Monaten erbeutet, davon aber auf das Moskauer Gouvernement nur ein winziger Teil kommt, da hier die Meisten dann geschossen werden, wenn aus den. anliegenden Gouvernements, der starken Hitze wegen, im Juli, keine Hasel- hühner transportirt werden können, und solche frisch nur aus den nächsten Kreisen des Gouvernements der Hauptstadt geliefert werden. Später aber, wenn die richtige Lockzeit beginnt, werden hier nicht viel geschossen. Den ganzen Winter hindurch halten sich c? und $ $ beisammen und kommen auch wie im Herbst,
— *288 — nachdem man sie aufgescheucht nnd getrennt hat, auf das Locken; um diese Zeit aber ist der Schnee im Walde so tief, dass es sehr schwer fällt in dem Dickicht, in welchem sich die Haselhühner im Winter aufhalten, hindurchzukommen. Im Früh- jahr, wenn der Schnee teilweise weggegangen, kommen die <3 c? sofort, wenn man wie das $ lockt. Ist es im Winter sehr kalt, so vergraben sich die Hasel- hühner zur Nacht im Schnee; sonst aber, wenn es nicht zu kalt ist, übernachten sie in sehr dichtem Nadelholz auf Bäumen. Die Alten unterscheiden sich im Winter von den Jungen durch helleres und aschgraues Rücken- und Halsgefieder; bei den Jun- gen sind diese Partien mit rot- und schwarzbraun untermischt, wodurch sie ein düstereres Aussehen haben. 54. Tetrao tetrix, L. Der Birkhahn ist im ganzen Gouvernement Moskau verbreitet und brütet schon ganz nah bei Moskau. Bei Galjanowo, längs dem Kronswalde „Lossinoi-Ostrow“ brütet er zahlreich und im Winter sind Herden, bestehend aus 50 Stück, keine Seltenheit. Dann fer- ner brütet er ebenfalls nah bei Moskau in der Umgebung der Dörfer Nikulino, Goworowo, Salarewo etc.; je weiter von der Hauptstadt entfernt, tritt natürlich das Birkhuhn mehr oder weni- ger zahlreicher auf. Anf dem Gute des Herrn H. Wogau Nekljudowo und dessen Umgebung (12 Werst von Moskau) ist in neuerer Zeit das Birk- huhn in bedeutender Anzahl vorhanden, da genannter Herr vor zwei Jahren 65 Paar derselben aus dem Orenburger Gouvernement, Kreis Werchneuralsk, kommen liess nnd dieselben Ende März aus- setzte. Das Resultat war ein sehr günstiges: in demselben Frühjahr brüteten sehr viele von den importirten Hühnern, aber auch die anliegenden, nicht zum Gute des Henn Wogau gehörenden Wal- dungen wurden von den Birkhühnern in Besitz genommen. Das Orenburger Birkhuhn ist eine Varietät des typischen Birk- hahns und von mir kürzlich als Tetrao tetrix viridanus beschrie- ben *). Da das typische Birkhuhn auf dem Gute des Herrn Wo- gau ebenfalls vorkommt, sowie auch in den angrenzenden Wal- dungen mehr oder weniger stark auftritt, haben sich dieselben schon untereinander vermischt. Die $ $ der Varietät sind viel hei- 0 Journal f. Ornitholog. 1891, H. IV.
— 289 — ler, der Flügelspiegel bedeutend breiter, der Bahn besitzt einen auf- fallend grünlichen Schein am Halse und Rücken und die Bastarde der beiden Formen leicht von der typischen Art kenntlich. In den Kreisen Bogorodsk, Dmitroff, Podolsk, Swenigorod, Rusa, Klin etc. tritt das Birkhuhn noch sehr häufig auf. Doch ist sein Auftreten nicht immer gleich zahlreich, namentlich im Winter; manchen Winter findet man sie bestehend aus bedeutenden Her- den, dann aber z. B. im folgenden Winter, obwohl sie im Laufe des Sommers und des Herbstes nicht stark beschossen wurden, bemerkt man nur vereinzelte Vögel. Die Winternahrung besteht namentlich aus Birkensamen und deren Blätterknospen, mitunter auch Wachholder- und Tannennadeln. Zur Vörderung der Verdauung befinden sich, namentlich im Win- ter, eine namhafte Anzahl Kieselsteine im Magen, die in dieser Jahreszeit eine stark zugerundete Form besitzen. Die alten Hähne hört man kullern, wenn das Wetter klar und still ist, mitten im Winter, trotz starken Frösten. Selbstverständ- lich ist dieses bescheidene Kullern nicht mit dem leidenschaftli- chen und feurigen Balzen im Frühjahr zu vergleichen; es ist so zu sagen nur ein leichtes Vorspiel zu demselben. Mitte August, wenn die alten Hähne die Mauser noch lange nicht beendet ha- ben, balzen sie auch schon. In der zweiten Hälfte des März, sobald die Witterung klar und milde ist, beginnt die Balze; zwar balzen die Hähne um diese Zeit noch nicht so eifrig und anhaltend, wie Mitte April, wo die Balze ihren Culminationspnnkt erreicht, doch um vieles eifriger als im Winter. So lange im Walde die Blössen mit Schnee bedeckt, balzen die Hähne auf Bäumen, um beim Schmelzen des Schnees das Balzen fast ausschliesslich auf die Erde zu verlegen. Um dieselbe Zeit bilden sich auf dem Felde vom Schnee entblösste Stellen; und stand auf denselben im vorigen Jahre Buchweizen, so besuchen die Hähne regelmässig von ein bis vier Uhr Nachmittag diese Stellen, um sich an den zurückgebliebenen Buchweizenkörnern zu äsen. Wird an solchen Stellen eine Hütte aus Tannenzweigen her- gerichtet und einige ausgestopfte Hähne in der Nähe derselben auf den Boden gestellt, so kann man auf eine sehr ergiebige Jagd rechnen, nur wenn die Witterung schön und still sein, da sonst keine Hähne erscheinen. Sobald der Schnee von den Feldern weg ist, kommen die Birkhähne nicht mehr zur Aesung auf die- selben, da sie jetzt im Walde auch genug Nahrung finden und
— 290 — das Feld von nun an ausschliesslich nur znr Morgen- und Abend- balze in Anspruch genommen wird. ♦ Nur derjenige, der für die Natur wenig oder keinen Sinn hat, findet an der Birkhahnbalze nichts Anziehendes; den Naturfreund dagegen begeistert das dumpfe Rollen der balzenden Hähne im hohen Grade. Früh am Morgen, wenn es noch ganz dunkel ist und nur die Feldlerche, auf einem kleinen Erdklumpen sitzend, ihren Morgen- grnss dem anbrecbenden Tage darbringt, ertönt das, für das Jäger- ohr wie die schönste Musik klingende, Blasen des Birkhahn’s; es wird in mehreren Zwischenräumen wiederholt, dann hört man ein Rauschen und der Hahn fällt auf dem Balzplatze ein. Im ersten Moment verhält er sich in aufrechter Stellung ganz ruhig und sichert; sobald er sich überzeugt, dass ihm keine Ge- fahr droht, flattert er in die Höbe, dabei blasend, wodurch das Blasen einen eigenthttmlich vibrirenden Ton erhält. So wird das einige Mal wiederholt. Unterdessen sind noch andere Hähne her- angeflogen, die dieselbe Procedur durchmachen, worauf der zuerst erschienene Hahn, nachdem er nach dem Aufflattern eine kleine Panse gemacht, den Hals stark aufbläst, denselben nach unten bogenförmig senkt, den Stoss fächerartig ausbreitet und aufrecht stellt, das Gefieder auf dem Unterrücken sträubt, die Flügel senkt und dieselben etwas vom Leibe hält, wodurch die weissen Achsel- federn recht sichtbar werden und nun, zuerst mit einigen Unter- brechungen, die von Blasen begleitet werden, dann aber, nach- dem der Vogel von seiner Leidenschaft ganz beherscht wird, das Knllern in einem sehr gleichmässigen Tempo vorgetragen wird. Es ist bemerkenswerth, dass alle Zeichnungen des Birkhahns in balzender Stellung, die ich Gelegenheit hatte zu sehn, nicht rich- tig gezeichnet sind; immer ist der Birkhahn in der Stellung des balzenden Auerhahns dargestellt, während er aber nie eine sol- che annimmt, sondern eine ihn characterisirende Stellung beim Balzen hat. Der Hals wird „nie“ nach unten zur Erde und der Kopf nach oben gehalten, wie es der Auerhahn thut, sondern er krümmt den Hals so, dass der Kopf dadurch eine verticale Lage erhält. Unten und an den Seiten bläht sich der Hals stark anf, so wie auch die Kehle, wodurch der Hals, namentlich näher zum Kopfe einen enormen Umfang erhält. Die Federn auf dem Halse aber werden nicht gesträubt, sondern liegen glatt an, wodurch der Birkhahn sich vom Auerhahn, bei dem sich die Halsfedern beim Balzen stark sträuben, unterscheidet.
— 291 — A. Brehm und andere Schriftsteller, die den balzenden Birkhahn beschreiben, meinen, dass der Birkhahn beim Balzen, indem er den Hals nach unten drückt, dadurch die Kehlfedern fast ganz abreibt. Derartigen Ausspruch kann nur derjenige machen, der nie balzende Birkhähne gesehen hat. Der balzende Birkhahn drückt nie den Hals so tief an die Erde, dass er sich die Kehlfedern abreibt, letzteres ist einem ganz anderen Umstande zuzuschreiben, nämlich dem Kampfe mit Seinesgleichen, welcher namentlich zwi- schen den alten Hähnen sehr erbittert geführt wird und im Be- sonderen die Kehlfedern dabei ausgerissen werden. Wurden die Birkhähne die Keblfedern wirklich durch das Abrei- ben verlieren, so müssten ja Jung und Alt gleich denselben Regeln unterworfen sein, was aber eben nicht der Fall ist, da nämlich bei den jungen Hähnen, die noch nicht ein Jahr alt, sehr selten die Kehlfedern desorganisirt sind, und nur bei recht rauflustigen jungen Hähnen die Kehlfedern fehlen, und doch die Jungen eben so eifrig und in derselben Stellung, wie die Alten, balzen, sich aber selten in den Kampf einlassen. Einzeln balzende alte Hähne, die keine Rivalen haben, haben bis zum Ende der Balze eine voll- ständig bekleidete Kehle, wie es bei den meisten Jungen der Fall ist. Ferner werden die Flügel bei dem balzenden Birkhähne nur ganz wenig vom Leibe gehalten, so dass dieselben immer auf den Tragfedern mit ihren Vorderteilen ruhen, die Figuren des balzenden Birkhahns aber werden immer mit weit abstehenden Flügeln gezeichnet, was durchaus nicht richtig ist. Er hält die Flügel weit vom Leibe abstehend und von den Tragfedern nicht gestützt, nur wenn er blässt, was ausschiesslich in sehr senkrech- ter Stellung gethan wird; sobald er aber mit dem Rollen beginnt, senkt er den Kopf, legt die Flügel auf die Tragfedern und hält erstere ganz wenig vom Leibe, nur um so viel, dass die weissen Achselfedern recht zur Geltung kommen. Der balzende Birkhahn gewährt einen herrlichen Anblick: die fast zu einer Kappe sich vereinigenden Brauen, die im prächtigsten Roth prangen und durch das Sonnenlicht noch an Intensität be- deutend gewinnen, leuchten förmlich, wie feurige Flammen und verleihen dadurch dem Vogel etwas ungemein Zauberreiches, dass man sich an dem herrlichen Anblicke nicht satt sehen kann. Die ganze Gestalt und Form des balzenden Hahnes bat etwas so ganz Originelles und Eigenthttmliches, dass es unmöglich ist es richtig und treffend wiederzugeben, damit der Laye sich ein nur annäherndes Bild im Geiste vorstellen kann; man muss selbst hin-
— 292 — aus in Feld und Wald um diesen prächtigen Vogel in der Nähe zu beobachten. Will man aber sich ein volles Bild schaffen, dann muss man nicht als Jäger, sondern als Beobachter und Liebhaber auf den Balzpiatz gehen; und am besten thut man, wenn man die Flinte nicht mitnimmt, sondern dieselbe an der Wand hängen lässt, um nicht sogleich nach Ankunft des Hahnes am Balzplatze, trotz allen guten Vorsätzen, da man der starken Versuchung nicht wieder- stehen kann, dem Burschen das Lebenslicht auszublasen, wozu man, wenn das Gewehr nicht mitgenommen ist auch noch den anderen Tag Zeit hat, da die balzenden Hähne, wenn sie nicht zu arg beschossen werden, stets den Balzplatz innehalten, und wenn die Witterung nicht gar zu schlecht ist am folgenden Morgen ganz bestimmt wieder erscheinen um ihr schönes Spiel wiederum zu beginnen. Der Balzplatz wird oft auch auf freien Waldflächen gewählt, doch ziehen die Birkhähne das freie Feld, wenn solches nicht za weit vom Walde entfernt, den Waldflächen entschieden vor. Frü- her, vor circa 30 Jahren, als die Wälder weniger vernichtet wa- ren als gegenwärtig, versammelten sich auf gewissen Balzplätzen bis gegen 100 Hähne, wie ich das selbst im Kreise Bogorodsk beobachtet habe, jetzt aber findet man selten einen Balzplatz, wo sich höchstens 20 Hähne einfinden. • Der Birkhahn hält sehr zäh an dem einmal gewählten Balz- platze, treffen aber grosse Störungen ein, wie z. B. starkes und wiederholtes Abschiessen der Hähne oder, wenn der Balzplatz auf freien Waldflächen liegt und der sie umgebende Wald wird gefällt, dann wird der Balzplatz anf immer verlassen. Auf dem Felde finden Beeinschränkungen nnd Verlassen des Balzplatzes nur durch beständiges Abschiessen statt, denn ob es anf dem Felde Brach oder frische GrUnsaat ist beeinträchtigt die Balze keines Falls; die Hähne versammeln sich eben so gern anf GrUnsaat, wie auf dem Brachfelde. Im Laufe fast des ganzen April bis in die erste Hälfte des Mai hinein, beginnt die Balze, noch wenn es ganz dunkel ist nnd danert bis 7—8 Uhr Morgens; am Abend bei Sonnenuntergang wird wie- der gebalzt bis es ganz dunkel wird, wo sich dann die Hähne zur Ruhe in den nächsten Wald begeben, um dann nach einigen Stunden wieder mit dem Spiele anzufangen. Früh, wenn es schon etwas hell wird, erscheinen am Rande des Balzplatzes die Hühner nnd machen sich durch Gackern den Hähnen bemerklich. Doch
— 293 — ist es sehr selten, dass ein liebesdürstiger Bahn sofort auf den zärtlichen Ruf der Henne kömmt; in der Regel fliegen oder laufen die Hennen, nachdem sie durch Gackern ihre Ankunft angezeigt, zu den balzenden Hähnen, suchen sich Einen aus, um mit ihm bald in den Wald zu fliegen, wo sie daun fast den ganzen Tag zusammen bleiben. Dass es bei der Bewerbung nicht ganz friedlich zugeht, ersieht man aus den sehr erbitterten Kämpfen unter den Hähnen; da fliegen die ausgerupften Federn und fliesst auch Blut, denn die liebestrunkenen Recken hauen und beissen sich gehörig, was zur Genüge die beschädigten Brauen und die ausgerupften Federn am Kopf und namentlich an der Kehle beweisen. Ernstlichen Schaden aber können sie sich dabei nicht zufügen,- im ärgsten Falle nimmt der Besiegte Reissaus und die Sache ist erledigt. Während sich die Alten herumbalgen benutzen die Jungen, die sich immer etwas abseits von den Alten halten, die Situation und machen den Schö- nen den Hof und entfernen sich dann für den Tag in den Wald, unterdessen die Alten, die von keiner Henne gewählt, bis 7—8 Uhr fortbalzen. Während der Balze ist der Birkhahn äusserst vorsichtig, und hat man keine hinreichende Deckung, so kann man nie schussge- recht ankommen; ist aber etwas Gestrüpp da, so kann man, wenn die nötige Vorsicht und Ausdauer nicht äusser Acht gelassen wird, mit Sicherheit auf Erfolg rechnen, namentlich noch die Vorsicht anwendend, dass man nur dann an den Hahn anschleicht, wenn er kollert, dagegen beim Aufhören und Blasen sich ruhig verhält, da, wie ich es oft erfahren habe, das Gehör während dem Kollern beim Birkhahn nicht sehr gut ist. Natürlich ist die- ser Umstand nicht mit dem Taubsein des Auerhahns während dem Schleifen zu vergleichen; letzterer ist in dem Moment, wo er schleift, total blind und taub, während der Birkhahn beim Kollern nur weniger gut hört, als wie sonst, dabei aber sehr gut sieht. Sobald der Birkhahn einen Menschen gewahr wird, lässt er ihn kaum auf 200 Schritt heran, daher muss man, will man eine ergiebige Jagd haben, ohne vorher einen Schirm auf dem Balzplatze aufzurichten, an den sich die Birkhähne erst gewöhnen müssen, bis sie an denselben nah genug herankommen, wozu mindestens einige Tage nötig sind, sich auf die Erde im Centrum des Balzplatzes recht früh am Morgen niederlegen, eh’noch die Hähne erscheinen und ruhig warten bis dieselben kommen, muss aber abwarten bis es etwas hell Wird, da man zwar die
— 294 — Hähne, die zuweilen sehr nah eingefallen, deutlich sieht, das Korn auf den Gewehrläufen aber ganz unsichtbar ist, wodurch sehr leicht ein Fehlschuss abgegeben werden kann, was in solchen Situationen möglichst zu vermeiden ist. Wird es nur so weit hell, dass man das Korn sehen kann, so kann man feuern. Ist der Hahn beim Feuern zusammengebrochen ohne zu flattern, so blei- ben die anderen ruhig sitzen, hören aber mit dem Balzen für kurze Zeit auf, nur muss man ganz bewegungslos liegen bleiben, da die geringste Bewegung sofort die Hähne verdächtig macht und sie davonfliegen, bei ruhigen Verhalten aber die Hähne bald wie- der balzen und man noch einen oder in günstigen Fällen noch mehrere Hähne erlegen kann. Wird ein Hahn flügellahm geschos- sen, dann ist natürlich die Jagd zu Ende: sobald der angeschos- sene Vogel flattert, erheben sich alle auf dem Balzplatze befind- lichen Hähne sofort, kommen zwar wieder nach einiger Zeit, fallen aber weiter vom Balzplatze äusser Schussweite ein. Den auf der Erde liegenden Schützen beachten die Hähne, solange sie nicht durch Aufflattern eines flügellahm geschossenen Birkhahns vertrieben sind, fast gar nicht, wenn er nur die nötige Vorsicht, den Körper ja nicht zu heben, beobachtet; er kann so- gar, wenn die Hähne äusser Schussweite eingefallen, sich den- selben in langsam kriechender Bewegung nähern, namentlich wenn es noch dunkel ist, und er die Vorsicht beobachtet nur dann sich vorwärts zu bewegen, wenn die zunächst postirten Hähne kollern, sobald sie aber aufhören und sichern, sofort inne hält; dann kann er sicher auf Erfolg rechnen. Anfang Mai balzen die Birkhähne noch sehr eifrig, wogegen Mitte Mai die Balze schon gegen 6 Uhr Morgens aufhört, sowie auch die Abendbalze später anfängt. Ende Mai balzen sie nur bis 3—4 Uhr und mit viel weniger Leidenschaft; am Abend wird um diese Zeit ganz kurze Zeit gebalzt, und Anfang Juni ist die Balze ganz beendet. Die Hähne entfernen sich nach und nach immer weiter vom Balzplatze, um sich dichte Plätze, womöglich in Sümpfen, zur nun bald beginnenden Mauser zu suchen. Von nun an ist der Hahn fast unsichtbar und nur vermittelst eines gut suchenden Hundes zu finden. Bald erhält er ein frisches Ge- fieder an der Kehle und den Kopfseiten, welches aber Ende Au- gust durch neues glänzendsebwarzes, das er dann bis zu Ende der nächsten Balzzeit trägt, ersetzt wird. Das provisorische Gefieder an den Backen und der Kehle, welche der Birkhahn bald nach der Balz- periode erhält, ist an der Mitte der Kehle grauweiss; die Federn
— 295 — am Kiel mit einem feinen scwärzlichen Längsflek; die näher zum Kinn, den Backen nnd der Unterkehle stehenden Federn sind mehr oder weniger breit an den Endungen derselben schwarz gesäumt. Yon der Wurzel des Oberkiefers verläuft unter dem Äuge bis hinter das Ohr ein dunkler, fast schwarzer Streifen. Ober- kopf und Hinterhals verbleichen sehr stark, so dass sie bei den im ersten Jahre stehenden Hähnen rostbraun mit dunklen Querlinien und feinen Flecken gezeichnet sind. Ist der Hahn älter, dann sind diese Parthien dunkler, aber doch um Vieles heller als im Winter und glanzlos. Die helle Kehle des mausernden Birkhahnes hat sehr viel Aenlichkeit mit solcher des jungen Hahnes des Teirao Mlokosiewiari (Tacz.) im ersten Winterkleide und der hahnenfedrigen Birkhennen, namentlich der Varietät Tetrao teirix viridanus (Lor.) da die hahnenfedrigen Birkhennen der typischen Art nicht weisse, sondern rostgelbe Kehlen besitzen. Hicht allein die Kehlfärbung des mausernden Birkhahnes hat viel Aenlichkeit mit derselben von Tetrao Mlokosiewiczi— juv*? im ersten Winterkleide, sondern der Oberkopf und der Hinterhals weisen sehr oft (namentlich einjährige Hähne) Zeichnung und Farbe des jungen kaukasischen Birkhahns auf. Der Federwechsel geht beim Birkhahn sehr langsam von stat- ten, da er denselben erst Ende September, ja zuweilen erst im October beendet. Vorläufig lasse ich den Birkhahn seine Hauser ruhig fortsetzen und gehe nun zu den zur Brut schreitenden Birk- hennen Ober, nm dann wiederum zur Beschreibung des Federn- wechsels des Birkhahnes zurückzukehren. Das Birkhuhn schreitet Hitte April zum Legen. Das Nest besteht aus einer seichten Vertiefung unter Gebüsch nicht weit vom Balz- platze entfernt. Das Gelege besteht aus 8 bis 12 Eiern, letztere Anzahl der Eier ist jedoch selten. Verlässt die Henne die Eier auf kurze Zeit, um Nahrung zu sich zu nehmen, dann bedeckt sie immer dieselben mit trockenem Gras, was ich oft beobachtet und auch bei Birkhühnern, die bei mir in der Gefangenschaft wa- ren, gesehen habe. Mitte Mai, zuweilen auch noch später, je nach- dem die Witterung Mitte April war, schlüpfen die Jungen aus. Den anderen Tag nach dem Ausschlttpfen sind sie schon so flink, dass man sie ohne Hund, wenn man die Kette auch gefunden, schwer im Grase finden kann, da sie sich schon sehr geschickt verbergen können. Die Alte giebt sich dann die grösste Mühe den Störenfried durch hinfälliges Verhalten in der nächsten Nähe des Menschen, von den Jungen abzulenken. Bei Erscheinung eine
— 296 — Fuchses gelingt ihr das in der Regel, widrigen Falls die Brut iB kurzer Zeit vom Fuchse, Dank seinem vorzüglichen Spürvermögen, vertilgt sein würde, denn da hilft den Kleinen ihr geschicktes Verstecken auch im dichtesten Grase nicht, die feine Nase des Fuchses findet sie doch; da aber die Alte sich ganz nah vor dem Fuchse förmlich hinwirft, zieht sie dessen Aufmerksamkeit ganz auf sich und lenkt ihn auf dfese Weise von den Jungen fort, um dann, wenn dieselben äusser Gefahr, auf Umwegen zu ihnen zurückzukehren. Im Anfang wachsen die Jungen langsam, sind sie aber eine Woche alt, dann wachsen sie rasch. Fliegen können sie schon nach einigen Tagen, nachdem sie zur Welt gekommen, machen davon aber nur dann Gebrauch, wenn sie aufgestossen werden. In den ersten Tagen werden sie nur mit kleinen Inseckten gefüttert; später aber nehmen sie auch zarte Blätter und Blumen zu sich. In der ersten Hälfte des Juni, wenn die Erdbeeren reif sind, ist es ihre liebste Nahrung, doch werden dabei allerhand Inseckten eifrig verspeist, sowie auch Ameisen und deren Larven. Erstere sind, wenn zu viele davon gegessen werden, für das Birkwild entschieden tätlich, wovon ich mich hinlänglich an ge- fangenen Birkhühnern überzeugt habe; nicht mir.'den Jungen sind sie schädlich, sondern die Alten gehen auch sofort zu Grunde, wenn sie sieb mit Ameisen sättigen. Anfang Juli sind die Jungen schon grösser als eine Wachtel und am ganzen Körper mit loosem Jugendgefieder bedeckt, welches in der Folge einige Mai durch andere, zwar auch zum Jugendgefieder gehörende, aber grössere Federn ersetzt wird. Anfang Juli, fast in der Regel, ist der Kopf noch mit Dunen bekleidet, die aber im Laufe einer Woche abgeworfen und durch Federchen ersetzt werden. Um diese Zeit sind die Gesclechter noch nicht zu unterscheiden, aber gegen den 10-ten Juli be- merkt man beiden (?<?, auf den Oberflügeldecken zwischen dem Jugendgefieder frische dunkelbraune, fast schwarze Federn her- vorspriessen. Eine Woche später keimen dunkle, stahlblauglänzen- de Federn auf dem Unterrücken hervor, sowie auch dunkle, schon dem fertigen Kleide angehörige Federn an den Brustseiten her- vorkommen. Ende Juli keimen die seitlichen fertigen Stossfedern, die ver- hältnismässig langsam und erst Ende August oder Anfang Sep- tember ausgewachsen sind. Die Mittelfedern kommen später, so
— 297 — dass der junge Hahn an den Seiten schon zwei Zoll lange schwar- ze Federn hat, die mittelsten aber noch die braunen des Jugend- gefieders sind. Im August sind die Jungen nur um ein Weniges kleiner, als die alte Henne, halten sich mehr zerstreut, als wie vordem, sind vorsichtiger bei Annäherung eines Schützen nnd verstehen sich beim Anfstehen so geschickt im Gezweig zn wenden, dass es nur guten Schützen gelingt sie durch einen raschen Schuss zu erbeu- ten. Später, gegen das Ende des August, wann fast der ganze Körper mit den fertigen Federn bedeckt ist und nnr ein Teil des Halses und Kopfes Jugendfedern hat, werden sie weit vorsichti- ger nnd laufen vor dem suchenden Hunde sehr lange ehe sie auf- fliegen, dann aber nur immer so, dass sie durch Bäume vom Schutzen gedeckt sind; dabei sich ebenso geschickt durch dichtes Gezweig schwingend, wie die Alten. Um diese Zeit halten sie sich stets weit auseinander und kommen aufs Locken, wenn sie aufgethan sind gar nicht. Die jungen Hähne üben sich um diese Zeit im Kollern, welches aber mit solchem des ausgewachsenen Vogels keine Aehnlichkeit hat, da es nur ein leises Krächzen ist, was ich schon einige mal Gelegenheit hatte in der Freiheit zu hören, so wie auch solches bei meinen in der Gefangenschaft er- zogenen jungen Hähnen beobachtet habe. Die Stellung nimmt der Hahn bei seinen Balzstudien ebenso an wie die Erwachsenen. Ende September ist das junge Birkwild im Federwechsel nun so weit vorgeschritten, dass vom Jugendkleide nur einige Spuren an den Tertiärschwingen vorhanden, die übrigens dem Vogel den ganzen Winter bis zur zweiten Mauser verbleiben, wonach das Alter der Vögel beiderlei Geschlechts bis nach der Balzperio- de sicher bestimmt werden kann. Der junge Hahn ist übrigens an seinem kürze» Stoss, der schwäche» Metallfarbe nnd den bräun- lichen Schulterfedern sehr gut kenntlich. Bis Mitte October ist der Schnabel bei den jungen Hähnen noch nicht so dunkel, als bei den alten Birkhähnen; namentlich an den Schneiden ist der Schnabel sehr hell, zuweilen sogar weisslich. Spätlinge vermausern später, so dass solche noch Mitte October mit vielen Jugendfedern am Kopf und Halse vorkommen. Die Mauser bei der alten Henne, welche Junge führt, beginnt erst gegen Mitte Juli und geht sehr langsam von statten. So- bald das Gelege vollzählig, rupft sie sich Federn auf dem Bauch oder sie fallen von selbst aus, dieser bleibt ohne Beklei- dung bis in den August hinein. Das Gefieder der alten, jungen- x S. 1SO2 20
— 2S8 — fahrenden Birkhenne ist schon Mitte Juni sehr stark mitgenommen, namentlich das der ganzen Oberseite; anf derselben sind die hel- leren Endungen der Federn so stark bestossen, dass von den hellen Enden nur schmale Säume bleiben, wodurch die schwarze Fleckung mehr, zur Geltung kommt, wovon der Vogel ein weit dunkleres Aussehn gewinnt als im Frühjahr. Später, so gegen Mitte Juli, wenn die schwarze Fleckung durch das Sonnenlicht ausbleicht, wird die Henne wiederum hell, doch von den brillan- ten Farben der Winter- und Frühjahrskleidung ist keine Spur vorhanden; alle Farben sind schal und matt, die Federn aufs Äusserste desqrganisirt, so dass der Vögel jämmerlich aussieht. Ende August sind schon viel Federn erneuert und Ende Septem- ber ist das frische Gefieder vollständig erneuert, nur sind um diese Zeit am Halse.die Federn noch blutspulig. Der Tarsus ist um diese Zeit auch mit frischen Federn bekleidet, doch sind die haarartigen Federn noch nicht vollständig lang, was erst fiütle October stattfindet. Die hornartigen Fransen an den Zehen sind Ende September vollständig erneuert, sowie auch der Schnabel, welcher in der Brutperiode rauh und heller geworden war, wie- der glatt und dunkel wird. Die alten Hennen sind von den Jungen nicht schwer zu unter- scheiden, da das Gefieder der ersteren straffer, glänzender, länger und vollere Farbe hat, sowie auch bei den alten Hühnern immer einige unvermauserte Federn an den Secundärschwingen Zurückbleiben, bei den Jungen dagegen an den Tertiären Jugend- gefieder zurückbleibt und für den Kenner kenntlich ist. Als Kennzeichen der alten Hennen kann ich noch hinzufügen, dass bei denselben im Herbst und Winter der Hals ein seidenartiges Gefie- der hat, und die dunklen Flecken namentlich des Unterrückens viel Metallglanz aulweisen, was bei den Jungen sehr selten auftritt. Hühner, die nicht gebrütet, mausern viel rascher als jungen- führenden, so dass erstere schon Anfang oder Mitte September ihr frisches Kleid angelegt haben. Die Färbung solcher Hühner ist immer dunkler als derjenigen, die Junge erzogen haben und die Metallfarbe ist bedeutend stärker entwickelt. Hahnenfedrigkeiten habe ich hier im Moskauer Gouvernement schon beobachtet, nicht allein bei alten Hühnern, sondern auch bei jungen, die noch kein Jahr alt waren; immer oder vielmehr bei der Mehrzahl ist der Grund der Hahnenfedrigkeit anomale Bildung des Eierstocks, wogegen sterile Hennen in Folge hohen Alters höchst seltene Erscheinungen sind.
— 299 — Ich kehre jetzt wieder zur Beschreibung der Mauser beim alten Birkhahn zurück. Ich habe schon oben eine Bemerkung gemacht, dass nämlich der Birkhahn, sobald die Balze zu Ende ist, eine frische, aber nur provisorische Kehlbefiederung erhält. Wir haben -also gesehen, dass diese provisorischen Federn ganz anders ge- färbt sind als bei Hähnen in anderer Jahreszeit, und füge ich noch hinzu, dass dieses Gefieder sehr locker ist. Ein 15.VII getöteter Birkhahn, ein Vogel, der das zweite fertige Kleid anlegt, also im zweiten Lebensjahre steht, hat am Kopf und Halse uoch keine Spu- ren vom fertigen Gefieder; die Kehle und Backen sind noch mit den provisorischen lockern Federn bedeckt; Oberkopf, der ganze Hals rostbraun mit schwarzen Wellenlinien, die am Oberhalse näher zum Rücken immer breiter werden. Auf dem Oberrücken spriessen schon neue blauglänzende Federn hervor. Der ganze Unterrücken bis in die Bürzelgegend schon vollständig erneuert— prächtig violettblau glänzend. Bürzelfedern und Oberstossdecken fehlen ganz, sowie auch drei Mittelfedern des Stosses, dagegen die übrigen Stossfedern noch festsitzen, die Endungen der äus- sersten aber beschädigt und abgestossen sind. Unterstossdecken sehr wenig vorhanden, die mit ihren Enden um reichlich 3 Cm. das Ende der mittleren Stossfedern nicht erreichen, die schmutzig und an den Enden abgestossen sind. Am Kropf, namentlich an des- sen Seiten stehen schon frische glänzende Federn. Die Unterseite noch mit alten verblichenen Federn bekleidet. Ein Teil der Ober- flügeldecken erneuert, sowie einige Federn der Tertiärschwin- gen, welche an den Aussenfahnen fein dunkelbraun bespritzt sind, sich aber von den alten unvermauserten sehr stark abhe- ben. An den Primären sind je eine Feder jederseits erneuert. Der Tarsus sehr dünn mit alten verblichenen Federn bekleidet, dazwischen sind aber schon frische Federn zu sehn. Die Fransen an den Zehen schieben sich schon etwas hervor, die Nägel sehr lang, weil sie von sich neubildenden vorgeschoben werden, welche später abfallen. Der Schnabel ist rauh und viel heller, als es im Winter der Fall ist; namentlich ist der Unterkiefer in der Mitte sehr hell, fast gelb. Bei einem andern Hahn gleichen Alters, welcher Anfang August erbeutet ist, hat das Rostrot des Halses durch Verblei- chen einem Graubraun Platz gemacht sowie auch schon meh- rere fertige Federn an der Kehle und dem Oberkopf sichtbar sind. Bei diesem Hahn ist der Stoss schon ganz erneuert, doch noch nicht ausgewachsen und daher blutspulig. Im Allgemeinen 20*
— 300 — herrscht das frische Gefieder vor, so dass nur an Kopf, Kehle, Hals, einigen Stellen der Unterseite und an den Secundärschwingen noch alte unvermauserte Federn zur Geltung kommen. Der Schnabel ist noch immer rauh, doch die Färbung desselben schon dunkler als beim ersten Hahn. Ende August sind am Kopf und Hals zur Hälfte die Federn erneuert, aber stark blutspulig; der Stoss sowie auch das Gefieder am übrigen Körper fertig mit Ausnahme einiger langen Schwingen, die ihre normale Länge noch nicht erreicht, sowie mehrerer Secundärschwingen, die ganz zuletzt erneuert wer- den, bei den ganz alten Hähnen zuweilen bis zur nächsten Mauser bleiben. Bei den alten Henne ist es fast Regel, dass einige der Secundären gar nicht vermausern, bei den Hähnen aber, ins Be- sondere bei den jüngeren, ist es selten der Fall. Mitte September sind die Hähne scheinbar mit der Mauser ganz fertig; hebt man aber die Halsfedern, so sieht man, dass um diese Zeit die meisten Federn noch Blutkiele haben. Es dauert bis Ende September, ja zuweilen bis in den October hinein, bis der Vogel seine Mauser ganz beendet hat. Um diese Zeit ist der Schna- bel wieder ganz glatt, die Hornfransen an den Zehen fertig, so- wie auch der Tarsus seine volle Bekleidung erlangt und die Fe- dern an denselben, die auf den Seiten stehen, sich so verlängern, dass der hintere Teil des Tarsus durch die haarartigen Verlän- gerungen bedeckt wird. Jetzt oder noch früher fangen die Birk- hähne und Hühner an zu schwärmen, wozu sie sich zu mehr oder weniger grösseren Banden, bis 100 Stück Jung und Alt versam- meln. Um diese Zeit besuchen sie gern die Felder, wo Buchwei- zen oder Hafer gestanden hat, um die zurückgebliebenen Körner aufzulesen. Uebrigens findet das Birkwild, so lange noch kein Schnee ausgefallen, auch im Walde hinreichend Nahrung, da noch viel Strickbeeren vorhanden, wie auch Wachholderbeeren. Sie fressen auch gern Blätter der Strickbeeren und überhaupt zartere Blätter, verschiedene Pflanzen, später, wenn der Schnee die Erde fusshoch bedeckt, begnügen sie sich mit Birkenknospen und deren Samen. Merkwürdiger Weise besuchen im Herbst die Felder ausschliesslich nur Hähne, denn ich habe um diese Zeit nie eine Henne da beo- bachtet. Zum Schlafen machen sie sich im Schnee, wenn derselbe tief genug, Löcher, lassen dann auch, da sie sich noch am Tage ver- graben, oder wenn man sie früh am Morgen in denselben über- rascht, den Schützen ganz nah heran und fliegen im Anfang nur einzeln auf, wenn aber das Gepolter der aufsteigenden Hähne zu stark wird, verlassen die Uebrigen mit einem Mal den Schnee.
— 301 — Eine sehr ergiebige Jagd im Herbst und Winter ist die aus der Htttte, bei welcher einige ausgestopfte oder aus schwarzem Tuch nachgeformte Hähne auf Bäumen ausgestellt werden. Der Schütze postirt sich in der Hatte, die aus Tannenreisern so her- gestellt ist, dass der Jäger bequem sich darin placiren und sich leicht nach allen Richtungen wenden kann. Unterdessen geht ein Mann zu Fuss, besser aber, wenn der Schnee nicht tief, zu Pferde und treibt die aus der Ferne gut sichtbaren Vögel, die auf den Birkenbänmen sich äsen, io weiten Bogen der Hütte zu. So- bald das Birkwild aufgetban, sieht es die ausgestopften Hähne und die ganze Bande, zuweilen aus 30—50 Stück bestehend, fällt auf die umstehenden Bäume bei der Hütte ein. Sind die Vö- gel noch nicht durch öfteres Abscbiessen scheu gemacht, so kann man 2—3, zuweilen auch mehr aus der Bande herausschiessen, wenn sich der Schütze nur nicht den Vögeln zeigt uud natürlich mit einem Hinterlader versehn ist. Vor dem Knall des Gewehrs haben die Birkhühner durchaus keine Angst; wie gesagt, wenn sie durch Schiessen nicht argwöhnisch gemacht, nach jedem Knall sich kaum bewegen, trotzdem sie das Fallen ihrer Kameraden sehen. Etwas anderes ist es, wenn sie durch zu häufiges Abschies- seo misstrauisch geworden sind, dann fliegen sie sofort nach dem ersten Schuss davon. Ausartungen unter dem Birkwild sind im Moskauer Gouverne- ment erlegt worden; so wurde vor mehreren Jahren im Herbst eine Birkhenne im Kreise Klin geschossen, die eine semmelgelbe ' Farbe hatte; dann im Kreise Bogorodsk ein alter Hahn auf der Balze erbeutet, der über und über weiss gefleckt war. Tetrao lagopoides, Nilss. Ein Männchen dieses Bastardes wurde im Herbst 1871 im Kreise Bogorodsk geschossen. Es war ein junger Vogel, welcher am Halse noch Federn des Jugendgefieders hatte, welche in Fär- bung und Zeichnung an solche des Schneehuhnes und des Birk- huhnes im Jugendkleide erinnerten. Tetrao medius, Nilss. Der Rackeihahn ist hier wiederholt geschossen und beobachtet worden. Im Herbst 1869 beobachtete ich einige Mal zwei Hähne un- weit des Klosters Berljukowskaja Pustin (Kreis Bogorodsk); sie
— 302 — hielten sich da auf wo Birkwild ständig war, in der Nachbarschaft auch nicht selten Schneehühner auftraten. Sie waren ungemein vorsichtig und liessen nie auf Schussweite an, hielten sich dabei immer zusammen, und sobald einer aufflog, folgte der andere so- fort. Vor vier-fünf Jahren schoss ein Jäger unweit des Dorfes Trubino Ende August einen Hahn hart an einem Sumpf; er liess den Jäger ganz nah heran und den Hund einen fermen Stand machen, bis er aufstieg. Vor fünf Jahren wurden zwei Hähne auf einem Birkhahnbalz- platze im Kreise Wereja in der Balzperiode mehrfach beobachtet; diese beiden Hähne hielten sich auch immer beisammen, so auch auf dem Balzplatze, liessen sich aber nicht in Kämpfe mit deu versammelten Birkhähnen ein. Im Sommer 1889* kaufte ein Herr zwei junge lebende Rackei- hähne in Moschaisk bei einem Bauer, der sie unweit der Stadt gefangen hatte! Sie standen noch im vollen Jugendkleide. Er liess sie frei im Hof mit den Hühnern, wo sie sehr gut gediehen und gross wurden. Im Herbst brachte er sie nach Moskau, da er aber in der Stadt keinen passenden Aufenthalt für sie hatte, placierte er sie im Erdgeschoss. Als ich die beiden Hähne sah, waren sie ganz gesund und sehr zahm, so dass man sie mit der Hand berühren konnte, ohne dass sie Scheu an den Tag legten. Leider ging der eine Hahn schon im December zu Grunde, der andere folgte ihm im Februar. Im October 1890 wurde ein alter Hahn bei Suewo (Kreis Bo- gorodsk) getötet und mir zugeschickt. Es ist ein mindestens zum zweiten Mal gemauserter Vogel, da der prächtige sehr stark ent- wickelte Purpurglanz nicht allein am Hals und dem Kopfe viel stärker als bei- den im ersten fertigen Kleide stehenden Hähnen ist, sondern der Glanz erstreckt sich auch auf den ünterrttcken, wogegen er bei den Jungen auf demselben nur kaum angedeutet ist Der Stoss ist bedeutend länger als bei den Jungen, und die Federn breiter, so wie auch die äussersten eine Biegung nach Aussen- haben, was bei den Jungen nie der Fall ist. Alte, schon mehrfach gemauserte Rackeihähne gehören zu den Seltenheiten; unter vielen Jungen findet man nur ab und zu einen alten Hahn, was mir hinreichend Anlass giebt die Vermuthung auszusprechen, dass die Mehrzahl des Rackeiwildes beim zweiten Federwechsel zu Grunde geht; würde das nicht der Fall sein, so müssten die alten, schon mehrfach gemauserten Hähne viel häufi- ger vorkommen, als es in der That ist. Ferner bestätigen zwei
— 303 — Rackeihennen, die ich besitze, auf das Schlagendste meine Vermu- tung, dass die im Spätherbst geschossen noch keine Anstalten zum Wechsel der alten, sehr stark desorganisirten und verblichenen Federn machten, folglich weiter in den Winter hinein sicher ihrem Untergange entgegen gingen *)• Ein ebenfalls dort (Suewo) den 20-ten Juni 1891 geschossener junger Hahn ist insofern interessant, dass das Jngendkleid bei ihm vorherschend ist Im Allgemeinem hat dasselbe viel mehr Aenlichkeit mit dem Jugendkleide vom Tetrao tetrix als von Tetrao urogallus. Bei gleichalten Auerhähnen ist die Mauser ins fertige Kleid weiter vorgeschritten als bei dem Rackeihahn; in dieser Beziehung steht er ebenfalls dem Birkhahn näher als dem Auerhahn, was Übrigens auch nicht anders sein kann, da der Vater dieses Hybriden der Birkhahn und die Mutter eine Auerhenne ist, und bei allen Misch- lingen die Kennzeichen des Vaters stärker in den Vordergrund treten, als die der Mutter. D-r A. B. Meyer’s Annahme *), dass es auch einen auerhahn- änlichen Rackeihahn giebt, also von Tetrao urogallus <$ und Tetrao tetrix $ stammend, führe ich einfach auf hahnenfedrige Auerhennen zurück, sowie auch alle die von ihm citirten Abkömm- linge des Tetrao medius hahnenfedrige Auerhennen repräsentiren, da ich fest überzeugt bin, dass das Rackeiwild entschieden un- fruchtbar ist’). Unter der sehr bedeutenden Anzahl von Rackelhäh- nen, die ich Gelegenheit hatte zu untersuchen, war nicht einer, der mehr Auerhahntypus als Birkhahntypus aufwies; alle Rackei- hähne sind, mit sehr wenigen Ausnahmen, constant gefärbt, und wenn ein Unterschied ab und zu zu bemerken ist, ist es nur ein Altersunterschied. Ich habe noch nie einen Rackeihahn mit Auerhahntypns angetroffen, sowie auch nie einen Abkömmling des Rackeihahns gesehn. 55. Tetrao urogallus, L. Der Auerhahn ist gegenwärtig auf drei Kreise des Moskauer Gouvernement beschränkt, nämlich die Kreise Bogorodsk, Dmit- f) Journal f. Ornithol. 1891, H. IV. T. Lorenz. Einiges über den von Tschusi beschriebenen seltenen Rackeihahn. ’) D-r A. B. Meyer „Unser Auer-, Rackel- und Birkwild“. ’) Journal f. Ornitholog. 1891, H. IV. T. Lorenz. „Einiges über den von Tschusi beschriebenen seltenen Backeihahn".
— 304 — roff und Klin. Im Kreise Serpuchoff tritt er auch noch auf, aber auf einem verhältnismässig kleinem Raum, und nur Dank der He- ge, die ihm dort von dem Herrn Rjaboff zu Teil wird, ist er nicht ausgerottet, weil er den Auerhahn nur während der Balze schiesst, in der anderen Jahreszeit aber selbst keine Auerhühner jagt, sowie anch die Jagd auf dieselben auf das Strengste untersagt. Am häufigsten ist der Auerhahn im nördlichen Teile des Krei- ses Dmitroff im Kronswalde, JRamenskoe, dann ferner im Krons- walde des Kreises Klin und in den ausgebreiteten Wäldern des Fürsten Menschikoff in demselben Kreise. In den Kronswäldern des Kreises Bogorodsk ist er noch zahlreich Dank dem Schutze, den er da, wie in allen Kronswäldern geniesst. Vor circa 15—20 Jahren war der Auerhahn im Kreise Moskau in dem grossen Kronswalde Lossinoi-Ostrow noch ab und zu an- zutreffen, jetzt aber scheint er dort ganz verschwunden zu sein. Der Grund seines Verschwindens ist aber nicht der Ausrottung zuzuschreiben, sondern das Ausroden des Unterholzes hat ihn ver- geben. Im Juli wird der Wildmarkt in Moskau mit jungem Auer- wild fast nur aus den Kreisen Klin und Dmitroff versorgt, dage- gen im August kommen sehr wenige zu Markte, da die umlie- genden Gouvernement’s, als 'Wladimir, Nischni-Nowgorod, Twer den Markt dann überreich damit versorgen. Anfang März, zuweilen schon Ende Februar, wenn die Witterung recht schön ist, nähert sich das Auerwild den ständigen Balzplätzen, die alten Hähne fan- gen auch an zu balzen, doch nur sehr kurze Zeit. Später aber, ge- gen den 20—25 März, balzen die Hähne schon mit voller Lei- denschaft. Am eifrigsten balzen die Auerhähne vom 8 April bis ge- gen den 20-ten hin. Die Witterung übt einen sehr bedeutenden Einfluss auf die Balze; ist das Wetter trüb, so balzt kein Hahn, folgt aber an demselben Tage schönes Wetter, dann balzen sie doch, wenn am Morgen dasselbe nicht schön war. Der Hahn balzt nicht immer in der Stellung, wie er abgebil- det wird; sehr oft kommt es vor, dass der Hahn in ganz nor- maler Stellung mit herabhängendem Stoss und aufrechter Haltung eben so eifrig balzt als mit gesträubtem Gefieder und aufgerichte- tem Schwanz. In der Balzperiode wird beim Auerhahn der Hals- haut enorm breit, die Wände derselben sehr dick und mit einer breiartigen Masse bekleidet. Die Znnge wird tief in den Schlund gezogen und ist, wenn der Vogel während dem Balzen getötet wird, im Schnabel nicht zu sehen. Da die Halshaut sehr ausgedehnt ist, ist dieselbe Ende
— 305 — April an der Kehle sehr lose mit Federn bekleidet, so dass die nackte Hant überall durchblickt. Bei den alten Hähnen sind aus- serdem sehr viele Federn beim Kampf mit Ihresgleichen heraus- gerissen; es wird ungemein erbittert gekämpft, so dass bei alten Hähnen in den meisten Fällen der Kopf mit bedeutenden Verlet- zungen um diese Zeit bedeckt ist. Junge noch kein Jahr alte Hähne lassen sich nie in den Kampf, nicht einmal mit gleich- alten ein, da ich an allen von mir untersuchten jungen Hähnen nie die geringste Verletzung, noch ausgerissene Federn an der Kehle beobachtet habe. In der Zeit, wenn die Hauptbalze' der Alten stattfindet, halten sich die jungen Hähne immer abseits und bal- zen nur sehr wenig, sind um diese Zeit auch noch Stümper im Balzen. Später aber, Anfang Mai, wenn die alten Recken sich vom Balzplatz zurückziehen, balzen die Jungen recht eifrig bis in die zweite Hälfte des Mai hinein. Sobald im Walde der Schnee teilweise weg ist, was fast in der Regel vom 5—10 April der Fall ist, schreitet die Auerhenne zur Brut. Das Nest wird nicht weit vom Balzplatze, nah an hochstäm- migen Bäumen angelegt. Das Nest ist tiefer als bei der Birkhen- ne, was wohl daher kommt, dass es im weichen Moos angelegt wird. Besonderes Baumaterial wird für das Nest nicht genommen, nur ist der Boden desselben immer reichlich mit Federn der Hen- ne gefüttert. Das Gelege besteht aus 6—8 zuweilen 9 Eiern, die auf schmutzig gelblichen Grunde mit hellbraunen Flecken und Pünktchen, die am spitzen Ende dichter stehen, bedeckt sind. Verhältnissmässig zu der Grösse des Auerhuhns sind die Eier klein; sie erreichen kaum die Grösse solcher von gewöhnlichen Haus- hühnereiern. Die Henne sitzt ungemein fest auf den Eiern; man kann sie, wenn sie schon längere Zeit gesessen, fast mit der Hand berüh- ren, ohne dass sie das Nest verlässt. Etwas ganz anderes ist, wenn die Jungen ausgeschlüpft sind; dann lässt sie den Menschen nicht näher als auf 10 Schritt heran, und wird längere Zeit bei dem Neste verweilt, verlässt sie die Jungen ganz und kommt nie mehr zu- rück. Im verflossenen Frühjahr (1892) habe ich mich davon überzeugt, dass die alten Auerhennen, wenn sie vom Nest ver- trieben werden, in dem die Jungen eben ausgefallen, vorsichtig und scheu sind nnd die Jungen verlassen, wenn in der Nähe des Nestes Geräusch gemacht wird. Den 19-ten Mai 1892 fand ich ein Nest einer Auerhenne im Kreise Bogorodsk bei dem Dorfe Duscheuowo im Hochwalde. Das
— 306 — Nest stand an einer sehr dicken und hochstämmigen Fichte zwi- schen Blaubeeren sehr frei. Die Henne liess mich ganz nah heran, so dass ich sie mit der Hand, wenn ich wolte, erreichen konnte. Das Gelege war ein verspätetes (oder die erste Brut war nmge- kommen) und bestand aus 8 Eiern. Täglich besuchte ich das Best bis zum 22-ten. Trotzdem, dass in der Nähe des Nestes alte faule Stämme gefällt wurden, wodurch viel Lärm entstand, trotz meinen täglichen Besuchen, sass die Henne nnnnterbrochen auf den Eiern. Am Morgen des 22-ten, als ich das Nest wieder be- suchte,, liess sie mich kaum auf eine Entfernung von 10 Schritten heran, sondern sprang vom Neste und verliess es laufend. Als ich an dasselbe herantrat, blickten mich ganz verwundert kürzlich ausgeschlüpfte Hühnchen an, ohne das Nest zu verlassen. Sehr nied- lich und allerliebst sahen die kleinen Dinger aus, man konnte schon die Geschlechter unterscheiden; die <3 <3 waren etwas grösser und hatten im Allgemeinen einen dunkleren Farbenton. Beim Birkwild sind die Dunenjungen geschlechtlich nicht zu unterscheiden. Das Dunenkleid des Auerwildes unterscheidet sich von dem Dunenkleide des Birkwildes gleichen Alter dadurch, dass ersteres weniger Rost- farbe hat. Auf dem Kopfe ist keine Spur davon vorhanden, nur am Hinterhalse, den Schultern, dann die Mitte des Rückens und die Steissgegend haben einen leichten rostigen Anflug. Der gelbe Kopf ist nur etwas rostig angehaucht. Ich liess die Hühnchen im Nest, entfernte mich von demselben auf eine gute Entfernung und verbarg mich hinter Gebüsch, um die Rückkehr der Alten abzuwarten. Fast eine Stunde harrte ich vergebens; die Henne kam nicht; das Fällen der faulen Stämme verursachte zn viel Lärm. Ich liess die Jungen vorläufig in Ruh und gedachte nach einigen Stunden wieder zu kommen, um das Nest aus der Erde zu schneiden, da ich ganz gewiss war, dass die Alte doch kommen muss und die Jungen wegführen würde. Als ich nach Verlauf einiger Stunden wieder bei dem Nest er- schien, fand ich zu meiner grossen Verwundernng alle Jungen todt; sie waren, da es an dem Tage frisch war, erstarrt. Die Alte war doch nicht zurückgekehrt, trotz ihrer Hingebung beim Be- brüten der Eier. Im Anfänge wachsen die jungen Auerhühner auch langsam, wie das Birkwild; sobald sie aber über die Grösse einer Wachtel sind, geht das Wachstum ungemein rasch. Ende Juni haben die <3 schon die Grösse eines Schneehuhns. Die Geschlechter unterschei- den sich jetzt sehr scharf, jedoch ist der Vogel noch im voUen
— 307 — Jagendkleide, nur aaf dem Bürzel spriessen fertige Federn hervor. Auf dem Kropfe, auf welchem beim ausgefärbten Hahn das me- tallisch glänzende Schild steht, ist es in dieser Zeit an den Seiten hellrostgelb, jede Feder an der Wurzelbälfte weisslich mit matt schwärzlichen Spritzflecken gezeichnet; in der Mitte des Brustschil- d°,s sind die Federn an der Endhälfte matt schwarz, sehr fein weiss gesäumt und gerieselt; die Wurzelhälfte der Federn weiss, näher zur Basis um den Schaft schwarz. Da das Wachsen nun mit rapider Schnelligkeit vorwärts geht, erreicht der junge Hahn die Grösse einer starken Birkhenne bin- nen drei Tagen. Das Kropfschild ist dunkler und zwischen den dunklen Federn schieben sich schon hin und wieder fertige me- tallischgrün glänzende hindurch. Auf dem Oberrücken, den Schul- tern, den Oberflügeldecken, an den Secundären, dem Unterrücken stehen schon halb entwickelte Federn des fertigen Kleides. Die Stossfedern des Jugendkleides bis auf einige Federn sind schon ausgefallen und kommen die fertigen Schwanzfedern zolllang her- vor, werden aber noch von den zwei Zoll langen Oberstossdecken des fertigen Kleides verdeckt. Den 15-ten Juni ist das Kropfschild in der Mitte dunkel rost- braun, mehr oder weniger schwarz und weisslich gefleckt. Ganz im Centrum des Schildes verläuft ein Streifen bis unter den Kropf, welcher genau die Farbe und Zeichnung der Seiten und Rücken- federn des fertigen Kleides hat, mit etwas grünlichem Glanz, etwas lockeren und strahligen Federn; in höchstens einer Woche sind alle Federn der Mitte des Kropfschildes durch fertige grün- glänzende ersetzt. Die Seiten des Kropfes sind Mitte- Juni durch fertige metallisch glänzende Federn erneuert. Die untere Parthie des Hinterhalses teilweise mit fertigen, teilweise mit Jugendfedern vom letzten Stadium derselben, die aber bei fast gleicher Färbung und Zeichnung des fertigen Gefieders matter gefärbt und weit- stralig sind. Oberrücken, Schultern, die kttrzern Oberflügeldecken, alle Secundären und einige Primärschwingen und der Unterrücken haben fertiges Gefieder vorherschend, dazwischen stehen aber noch Jugendfedern. Auf der Unterseite ist das Jugendkleid noch vorher- schend, nur an den Seiten stehen fertige Federn. Die Bekleidung des Kopfes und des Halses in seiner oberen Hälfte mit Jugend- gefieder; auf der Mitte der Kehle, den Wangen, der Stirn und des Oberkopfes stehen vereinzelt fertige Federn. Am Vorderteil des Tarsus keimen frische Federn des fertigen Kleides hervor. Der Stoss hat fast die Hälfte der Normallänge erreicht; die langen
— 308 — Oberstossdecken erreichen mit ihren Enden das Ende der Stoss- federn. Fertige Unterstossdecken sind noch sehr kurz. Ende Juli ist der junge Hahn schon so gross, wie die alte Henne; das junge Huhn fast so gross, wie die Alte. Das Kropf- schild ist fast ganz fertig, nur in der Mitte desselben verläuft ein schmaler Streifen des Jugendgefieders. Das fertige Kleid ist vor- herschend am ganzen Körper, nur mitunter von einzelnen Jugend- federn unterbrochen. Der Kopf und Hals ist fast zur Hälfte mit fertigem Gefieder durchsetzt. Der Stoss hat fast Normallänge, da- gegen die Unterstossdecken noch sehr kurz sind. Zwischen den langen fertigen Schwingen stehen jederseits nur noch zu je einer Feder des Jugendkleides; die Secundärschwingen alle neu; die länge» Tertiären vom Jugendkleide. Mitte August ist der junge Hahn im Uebergange zum fertigen Kleide nun so weit vorgeschritten, dass nur noch sehr wenig vom Jugendkleide nachgeblieben ist. Das grüne Schild auf dem Kropfe ist fast ganz fertig, nur im Centrum stehen noch einige dunkle glanzlose Federn. Am Kopfe ist das Gefieder unter den Augen, etwas am Kinn und den Halsseiten von Jugendfedern unterbro- chen. Die Mitte der Unterseite der Weichen und die Oberflügel- decken weisen noch hin und wieder Jugendfedern auf. Die Unter- stossdecken haben aber ihre Normallänge noch nicht erlangt. Der Tarsus vorn ist bis auf die Bindehaut der Zehen, die noch von Jugendfedern besetzt sind, frisch mit fertigen Federn bekleidet. Der Unterschnabel und die Schneiden des Oberschnabels sind sehr hell; der Oberschnabel bläulich, auf der Firste und der Spitze des- selben dunkel. Ende August stehen nur einzelne Federn des Jugendkleides am Schnabelwinkel, der Kehle und einige Federn an den Tertiären, die fertigen Federn aber sind noch stark blutspulig. In der zweiten Hälfte des September ist nun der Uebergang ins ausgefärbte Kleid fertig; der Schnabel ist fast ebenso gefärbt, wie bei den alten Hähnen, nur verläuft auf der Firste und der Spitze derselben fast immer ein dunkler Streifen, der sich aber nach und nach verliert. Doch kommen junge Hähne vor, die Mitten im Winter noch den dunklen Streifen auf dem Oberschnabel be- sitzen. Ende September ist der Tarsus so weit bekleidet, dass die Enden der zu unterst stehenden haarartigen Federn die Hälfte der Zehen bedecken. Bei den Hennen geht der Federwechsel ebenso von statten, wie bei den Hähnen, es scheint mir aber, dass bei ersteren der Ueber-
— 309 — gang zum fertigen Kleide etwas rascher, namentlich gegen das Ende der Mauser hin, vor sich geht. Im Allgemeinen beendet das Auerwild, Jung und Alt, etwas ra- scher die Mauser als das Birkwild; es ist höchst selten, dass ein Auerhahn oder Huhn, sei es alt oder jung, Ende September noch nicht den Federwechsel beendet hat, dagegen solches beim Birk- wild sich recht oft in den October hinein zieht. Bald, nachdem die Auerhähne das Balzen beendet, also Anfang Mai (die Jungen etwas später) beziehen sie recht dichte Plätze, womöglich dicht an Sümpfen im Hochwalde und führen nun ein sehr einsames und zurückgezogenes Dasein, welches erst im September verändert wird. Mitte Juni beginnt bei den Auerhähoeu die Mauser und endet Ende September. Der Auerhahn verliert in der Mauserperiode nie die Flngfähigkeit, da die langen Schwingen auf beiden Flügeln gleichmässig ausfallen und bald ebenso erneuert werden. Der mau- sernde Auerhahn ist zwar sehr vorsichtig, doch lässt er, wenn der Wald dicht ist, den Menschen bis auf einige Schritte heran, weiss aber sich beim Aufstehen so geschickt durch die Bäume zu schwingen, dass es selten gelingt ihn mit dem Schüsse herabzu- holen. An heissen Julitagen, gegen die Mittagszeit, gelingt es zu- weilen mit einem ruhigen, gut suchenden Vorstehhunde an den Hahn zu kommen; er lässt den Hund dann recht lange vorstehen, bis er aufsteht, und kann dann leicht geschossen werden. Die Währung des mausernden Hahues besteht aus Kerbthieren, Ameisen- puppen, die er sich durch Zertrümmern vermittelst starker Schna- belhiebe seines kräftigen Schnabels aus verfaulten Baumstämmen holt; dann ferner fressen sie gern allerhand Beeren, Blätter, de- ren Knospen' und Blumen. Anfang September, wenn die Espen- blätter gelb und rot werden und einen säuerlichen Geschmack haben, besuchen die Auerhähne sehr gern Espenbestände, um sich an den Blättern zu sättigen. Zuweilen strotzt der Kropf förmlich von diesen. Um dieselbe Zeit fängt auch die Herbstbalze an; sie dauert aber nur kurze Zeit—höchstens zwei Wocheu. Es versteht sich von selbst, dass nur bei schönem und stillem Wetter gebalzt wird. Im Spätherbst, wenn noch kein Schnee ist, oder noch sehr we- nig, besteht die Nahrung aus verschiedenen Pflanzenblältern, na- mentlich der Strick- und Blaubeere, Fichten- und Tannennadeln, jungen Zapfen der Tanne und Fichte, später, wenn der Schnee tief ist, so dass sie auf dem Boden nichts mehr finden können, hält sich das Auerwild tagsüber fast ausschliesslich auf Bäumen, wo
— 310 — «s nun in .seiner Nahrung nur auf Fichten- und Tannennadeln und deren Zapfenkeime angewiesen ist Hochstämmige Birken werden, wenn solche in der Nähe, gern besucht, um die Samen derselben als Leckerbissen zu verzehren; hierzu müssen auch Wachholder- beeren und dessen Nadeln gezogen werden. Um das Verdauen einer so groben Nahrung zu beschleunigen nimmt das Auerwild recht viel grobe Kieselsteine zu sich; alte Hähne haben Steine im Magen, die bis über ein achtel Pfund wiegen. Wenn sehr starker Frost ist, begiebt sich das Auerwild zur Nachtruhe, wie das Birk- wild, in den Schnee. Leider werden die schlafenden Auerhühner oft vom Luchs überfallen und verzehrt. Ist es nicht sehr kalt, dann übernachten sie auf dichten Bäumen, da fallen sie aber nicht selten dem lautlos fliegenden Uhu und dem Edelmarder zur Beute. Der Uhu ist ein gar arger Feind des Auerwildes; es kommt sehr häufig vor, dass liebestrunkene, balzende Auerhähne von denselben überfallen werden, die dann iu der Regel rettungslos verloren sind. Im Winter hält sich das Auerwild, wo gute Stände sind, wie z. B. im Kreise Bogorodsk und Dmitroff in Herden von 10 bis 20 Stück beiderlei Geschlechts auf; sie halten sich aber nie so dicht beisammen, wie das Birkwild, sondern immer ist jeder Vo- gel in einer gewissen Entfernung vom andern und sind sie äus- serst scheu und vorsichtig und können nur gelegentlich geschos- sen werden. In einem Schlitten lassen sie den Jäger in der Regel auf Schussweite heran, und können dann einer oder zwei Stück aus der Bande geschossen werden. Der Auerhahn erreicht seine vollkommene Grösse erst in 3-4 Jahren und wiegt 12 bis 12*/t Pfund. Jüngere Hähne wiegen 10 bis 11 Pfund, ganz juuge, die noch keine Jahr alt sind, 8 bis 9 Pfund. Alte Hennen wiegen höchstens 5'/, Pfund, junge kaum 5 Pfund. Kehren wir jetzt zur alten Henne mit ihrer Brut zurück. Sobald die Jungen aus den Eiern geschlüpft, werden sie von der Alten mit kleinen Insecten gefüttert; einige Tage später neh- men sie auch zarte Pflanzeublätter und Blumen zu sich. Ameisen und deren Puppen, welche ihnen die Alte aus faulen Baumstum- meln heraushackt, werden sehr gern gefressen. Später, wenn die Erd- und Blaubeeren reif sind, bieten sie ihnen eine sehr gesuchte Nahrung. Im Allgemeinen bilden die Hauptnahrung des jungen Auerwildes verschiedene Beeren und Insecten; Ende August, wenn die Jungen von Beeren nur die Strickbeere zu ihrer Disposition haben, nehmen sie mit Pflanzenblättern und Körnern vorlieb. Die
— 311 — Jagd auf junges Auerwild ist nicht besonders ergiebig, nament- lich, wenn sie schon die Grösse einer Birkhenne erreicht haben. Sowie die Kette gehoben, suchen sie ihr Heil in den dichtesten Zweigen hoher Bäume, wo sie sehr schwer oder gar nicht zu entdecken sind. Wenn man die nötige Geduld hat, um stundenlang zu war- ten, bis sie auf das Locken kommen, welches vermittelst einer Pfeife oder mit dem Munde den Jungen nachgeahmt wird, kön- nen bei günstiger Gelegenheit viele von den Jungen geschos- sen werden; doch ist solch eine Jagd nicht Jedermanns Sache, da ein wirklicher Jäger es verschmäht auf diese Weise junges Auer- wild zu schiessen, oder er lässt dasselbe ganz unbehelligt und geniesst ein viel grösseres und schöneres Vergottgen in der Balz- periode, als die harmlosen Dinger wegzuschiessen, und wenn er es thut, dann nur vor dem Hunde, was aber selten vorkommt. Ende Juni beginnt die Mauser bei der alten Auerhenne und wird Ende September beendet. Das Gefieder der jungenführenden Henne ist Anfang Juli bis Anfang August äusserst bestossen und verblichen, Mitte August ist die Bekleidung schon besser, da schon viele Federn erneuert sind. Die alten Hennen sind fast noch leichter von den Jungen zu unterscheiden, als wie es der Fall beim Birkwilde ist. Sie sind immer grösser, das Gefieder voller und schöner gefärbt; die weis- sen Endungen an den Tertiär- und Secundärschwingen, den Ober- stossdecken und an den Brustseiten und den Weichen breiter und reiner; die dunkle Fleckung deutlicher und voller. Die dunklen Flecken auf dem zimmtbraunen Kropfe metallisch grün glänzend. Die schwarze Fleckung auf dem Hinterhalse ist immer, zwar matt, aber metallisch glänzend, dagegen bei den jungen Weibchen alle Farben bedeutend matter, die weissen Endungen schmäler und weniger prononcirt sind. Bei den alten Hennen bleiben immer ei- nige unvermauserte Secundärschwingen stehen, bei den jungen dagegen sind .immer einige Tertiärschwingen vom Jugendkleide. Hahnenfedrige Auerhennen sind im Moskauer Kreise schon erlegt worden. Das erste Stück, welches ich erhielt, wurde im Kreise Bogorodsk 1872 in der Mauserperiode geschossen. Dann wurden im Herbst noch zwei Stück in Laufschlingen gefangen. Alle diese Exemplare waren unfruchtbar, da bei allen der Eierstock atro- phirt war. Die Färbung derselben war am Kopfe, dem Halse, dem Unterrücken ziemlich nah der des Hahnes, dagegen die Un- terseite viel Weiss aufwies und der Stoss, namentlich bei der
— 312 — einen Henne, die normale Länge hatte, nur viel dunkler gefärbt war. Bei den andern waren die Stösse verlängert nnd fast schwarz. Alle drei Exemplare hatten auf dem Kropfe mehr oder weniger stark entwickelten grünen metallischen Schiller. Ansartungen unter dem Auerwilde sind mir nur in zwei Fällen bekannt; 1879 im April wurde im Kreise Klin ein junger Auerhahn getötet, der am Halse,• dem Rücken und im Stoss einige fast weisse Federn hatte. 1892 im April wurde auf der Balze, eben' falls im Kreise Klin ein recht alter Auerhahn geschossen, bei dem alle Stossfedern in der Mitte schneeweiss waren, so dass sie nur an den Wurzeln und an den Endungen schwarz gefärbt waren. Dieser Hahn hatte auch auf den Flügeln weissgefleckte Secundär- schwingen. Bei alten Auerhähnen kommt letzteres äusserst selten vor, dagegen die Mehrzahl der jungen Hähne eine oder mehrere weissgefleckte Secundärschwingen besitzen. 66. Lagopus albus, Gm. Das Schneehuhn tritt in den Kreisen Bogorodsk und Dmitroff stellenweise häufig als Brutvogel auf. Zu seinem Aufenthalte im Sommer sind moorige Moossümpfe unbedingt nötig. Im Kreise Bogorodsk, bei dem Kloster Berljnkowskaja Fustin, tritt es noch häufig auf; dann bei dem Dorfe Djadkino, ferner bei Wa- siljewo und Kudinowo ist es mehr oder weniger häufig als Brut- vogel anzutreffen. Im Winter verlassen sie die Brutplätze und siedeln in niedriges Weidengestrüpp über, wo sie sich dann den ganzen Winter hindurch, bis Ende März aufhalten. Die Nahrung im Winter besteht fast nur aus Weidenblätterknospen und den feinen Zweigen derselben, die sie geschickt mit dem Schnabel abbeissen. Im Winter unternehmen sie grosse Wanderungen zu ihren Winterplätzen und erscheinen dann da, wo sie im Sommer nie vorkommen. Es ist kein scheuer Vogel, welcher mich im Winter den Schützen immer schussgerecht ankommen lässt, da das blen- dend weisse Kleid ihn auf dem Schnee fast unsichtbar macht. Ende März verlieren die Schneehühner die weissen Kopf- und Halsfedern, welche rasch durch dunkelrotbraune ersetzt werden. Der Uebergang zum Hochzeitskleide beginnt vom Kopf und erstreckt sich über den ganzen Hals bis in den Oberrücken; dann tritt im Federwechsel eine Pause ein, so dass der Vogel wohl über eine
- 313 - Woche im schneeweissen Winterkleide mit dnnkelrotbrannem Kopfe nnd Halse paradirt. Bei den Weibchen geht die Mauser langsamer von statten nnd ist bei ihnen das dunkle Rotbraun heller. Als ich einen Winteranfenthalt des Schneehuhns bei Djadkino (Kreis Bogorodsk) den 25-ten März besuchte, fand ich im Schnee Massen von Kleingefieder des Kopfes und des Halses, welches die Hühner auf ihren Ruheplätzen abgeworfen hatten. Um diese Zeit waren sie schon gepaart, und die Hähne liessen, wenn sie geho- ben wurden, ihre weitschallende und melodische Stimme verneh- men. Als ich denselben Platz eine Woche später besuchte, war nicht mehr ein Schneehuhn da, alle waren zu ihren Brutplätzen gezogen. Ende April haben die Schneehühner ihr volles Hochzeitskleid angelegt. In diesem Kleid ist namentlich das Männchen sehr dun- kel rotbraun gefärbt. Dieses Kleid trägt es aber nicht lange; nach 2—3 Wochen bekommt es ein lichteres und sehr lockeres Ge- fieder; die Unterseite ist nur in der Mitte weiss und die haarartige Befiederung der Füsse wird abgeworfen, so wie auch die sehr langen Nägel mit kurzen und dunkler gefärbten, als die Winter- nägel, gewechselt werden. Nur das Gefieder am Kopfe und dem Halse wird fast den ganzen Sommer hindurch behalten, bleicht aber sehr rasch aus, so dass es schon im Mai recht hell wird. Mitte Juli beginnt der Wechsel der zurückgebliebenen Winter- federn, als Oberflügeldecken, alle Schwingen und das Stossgefie- der, nnd ist Ende Angust beendet. Unterdessen vollzieht sich auch ein mehrmaliges Wechseln des Gefieders an den anderen Körper- teilen; nach nnd nach bildet sich ein Gefieder, welches z. B. im September compackt und nicht so strahlig ist, wie das Sommer- gefieder, dabei schieben sich unter den braunen Federn weisse Federn des Winterkleides hervor, die aber, wenn der Vogel in Ruhe ist, nicht zu sehen sind und erst Ende September mehr oder weniger stark znm Vorschein kommen. Mitte September, wenn das Schneewild schon recht viel weisses Wintergefleder hat, weiss der Vogel, wenn es Not thut, dasselbe so geschickt mit den braunen Federn zu verdecken, dass der zu Boden ge- drückte Vogel ganz unsichtbar wird. Ende October, zuweilen so- gar bis in den November hinein, ist der Hals und der Kopf noch stark mit braunen Federn untermischt, der übrige Körper aber schon schneeweiss. Ganz das Gegenteil von der Frühjahrsmauser bildet die Herbstmauser am Kopfe und dem Halse; im Frühjahr X 2. 1892. 21
— 314 — beginnt dieselbe am Kopf nnd Hals zuerst; bei der Herbstmauser dagegen sind diese Teile die letzten, welche vermausern. Heber das Brntgeschäft fehlen mir die nötigen Daten, ich kann nnr so viel sagen, dass das Gelege ans 8 bis 10 Eiern besteht. Das Männchen nimmt stets Anteil am Führen der Jungen; ich habe, wenn ich im Juli Schneehuhnketten fand, immer beide Alten bei denselben beobachtet. Im Anfang, so bis Mitte Juli, haben die Jungen dunkel fahlgelbe Schwingen, die dann später nach und nach durch weisse ersetzt, die aber dann bei zum nächsten Jahre nicht mehr erneuert werden. Anfang September sind die Jungen von den Alten nur durch kleineren Wuchs, die jungen c? c? von solchen alten durch helleres Rotbraun und gröbere Zeichnung des Gefieders zu unterscheiden. 57. Coturnix communis, Bonnat. Die Wachtel erscheint hier in der zweiten Hälfte Aprils und verlässt uns Ende September; Nachzügler trifft man zuweilen auch noch im October. Die Wachtel beginnt mit dem Brutgeschäft« verhältnismässig spät. Ich fand z. B. Gelege den 7, 10 und 15 Juni, die noch nicht vollzählig waren. Das volle Gelege besteht aus 10 bis 12 Eiern, als seltene Ausnahme sogar aus 15. Junge Wachteln, die eben erst ausgeschlüpft, fand ich Ende Juni und Anfang Juli. Ich habe aber auch Wachteln gefunden, die Ende Juli noch mit Du- nen bedeckt waren, dann auch solche, die den 29 August kaum fliegen konnten. Als sehr zeitiges Ausbrüten der Jungen kann ich einen Fall anführen. Den 24-ten Mai 1892 wurde bei dem Dorfe Goro- dischewo, Kreis Bogorodsk, eine Kette junger Wachteln gefunden, die schon gut fliegen konnten. Selbstverständlich kommen derarti- ge Fälle sehr selten vor, da die normale Brutzeit der Juni Mo- nat ist. Manches Jahr giebt es Massen von Wachteln, wiederum Jahre, in welchen selten eine Wachtel vernommen wird. Die Kehlzeichnung bei den Männchen variirt sehr stark, so dass unter 10 Exemplaren selten 2—3 Stück sich vollkommen gleichen. 58. Perdix cinerea, Lath. In den letzten drei Jahren hat sich das Feldhuhn hier sehr stark vermehrt; ich bin der Meinung, dass die Vermehrung dieses
— 315 — geschätzten Wildes den verhältnismässig schneearmen Wintern zn verdanken ist. Wenn das Rebhuhn den Schnee anfgraben kann, nm zu seiner Nahrung, die namentlich in Roggen-Grünsaat besteht, zu gelan- gen, kann es, trotz starken Frösten, den Winter sehr leicht hindurch- bringen, wird in der Regel dabei auch fett, wenn es nur nicht dnrch zu hohen Schnee, namentlich aber nachdem Thauwetter eingetreten, und es dann wieder friert, nicht zn seiner Nahrung gelangen kann; dann sind die armen Vögel zum Hungertode ver- urteilt; denn das bischen Futter, welches sie sich auf den Wegen und an den Scheunen bei den Dörfen sammeln, ist nicht hinrei- chend sie am Leben zu erhalten. Bei solch ungünstigen klimati- schen Verhältnissen kommen sie in Massen nm. Treten nun solch schroffe klimatische Extreme nicht ein, so sind die Feldhühner bis zum Frühjahr geborgen. Zwar hat das Rebhuhn viele Feinde, die ihm im Winter nachstellen, unter welcher der Wanderfalk und der Habicht oben an zu stellen sind, doch ist die Abnahme durch die Nachstellungen dieser Raubvögel nicht im Geringsten mit den durch ungünstige klimatische Verhältnisse bedingten Massenvertil- gungen zu vergleichen. Ist die Winterwitternng für die Erwährung des Feldhuhnes günstig, so steht denselben kein Hinderniss zur starken Vermehrunng im Wege. Wie ich schon erwähnte, üben starke Fröste im Win- ter keinen nachteiligen Einfluss auf die Existenz der Feldhühner, die Hauptbedingung ihrer Existenz im Winter ist hinreichende Nahrung, und können sie zu derselben ohne besondere Schwie- rigkeiten gelangen,' dann sind sie auch von verschiedenem Raub- zeug viel sicherer gestellt, dagegen die halbverhungerten viel leichter vom Habicht, Fuchs etc. gefangen werden können. Im Winter 1891—92 hielten sich bedeutende Herden von Rebhühnern in der unmittelbaren Nähe der Hauptstadt auf. Bei dem Dorfe Semenowskoe längs der Chaussestrasse, hinter der Kaluschskaja Sastawa z. B. waren Banden von 50—60 Stück, die sich auf den Feldern und in den Obstgärten herumtrie- ben, keine Seltenheit. Ganz dicht bei Moskau, am Moskwastrom auf Worobjewi-Gori bei dem Park von Noeff hielt sich eine Kette von 20—25 Stück den ganzen Winter auf. Im Januar wurden sogar mitten in der Stadt mehrere Rebhühner beobachtet und ge- fangen, welche bei sehr guten Leibe und ganz gesund waren, sich jedenfalls nur verirrt hatten. Bei den Dörfen Nikulino, Salarewo, Treparewo und anderen beobachtete man auch bedeutende Herden bis in den März hinein. Im Kreise Klin sind sie ausserordentlich
— 316 — zahlreich. Heber das Brutgeschäft dieses Vogels ist mir wenig be- kannt, da dieser Vogel früher hier selten war, und in den letzten Jahren ich keine Gelegenheit hatte ihn zu beobachten. Anfang Juli sind die Jungen, die aus 15 bis 20 Stück bestehen und von beiden Alten geleitet werden, noch sehr klein; in dieser Zeit ist der Kopf, der Rücken und die Unterseite noch mit Dunen bedeckt Ich habe die Beobachtung gemacht, dass die alten Weibchen vor der Mauserperiode, welche erst in der zweiten Hälfte des Juli be- ginnt, am Halse und teilweise an der Brust ein provisorisches Ge- fieder erhalten. Es ist in seiner Beschaffenheit, Färbung und Zeichnung dem solchen der jungen Vögel im letzten Stadium des Jugendkleides äulich. Doch ist es merkwürdiger Weise nicht im- mer der Fall, dass die alten Hennen ein solches Gefieder erhalten; ich habe zu derselben Zeit, in welcher dieselben das provisorische Kleid hatten, wiederum solche $ $ gehabt, die keine Spur davon hatten und nur altes verblichenes Wintergefieder aufwiesen. Mitte September sind die Jungen in der Entwickelung so weit fortgeschritten, dass man sie nur an den Resten des Jugendgefie- ders am Halse unterscheiden kann. Ende September ist die Mau- ser bei Jung und Alt vollständig abgeschlossen, und können die Alten dann von den Jungen nur durch intensivere Färbung des Gefieders unterschieden werden. Es kommt häufig vor, dass die $ $ auch den characteristischen hufeisenförmigen Fleck auf der Unterseite besitzen und zuweilen so stark, wie es nur die alten c? haben; bei manchen wiederum ist der Fleck nur angedeutet. Ich denke nicht, dass die starke Entwickelung des braunen Brust- fleckes nur den alten Hennen zukommt; ich vermute eher in der- selben eine individuelle Abänderung. VII. Columbae. 59. Turtur communis, Selby. Die Turteltaube ist hier ein häufiger Brutvogel. Sie kommen hier Mitte April an und ziehen im August fort. Ihren Brutplatz habe ich immer nur in Nadelhölzern gefunden. Das Nest wird auf Tannenbäumen etwas niedriger als die Hälfte des Baumes, aus sehr losem Material gebaut. Im Juli und Augnst sieht man sie oft nicht weit vom Walde in kleinen Banden auf dem Felde ihrer Nahrung nachgehen.
- 317 — 60. Columba oenas, L. Die Holtaube ist hier selten. Als Brutvogel kenne ich sie aus der unmittelbaren Nähe der Stadt, im Park auf Worobjewi Gori, wo sie in den alten Linden- bäumeu io einigen Paren nistet. Im August sieht man sie ab und zu in wenigen Exemplaren auf den Feldern des Dorfes Worobjewo. 61. Columba palumbus, L. Unter den Wildtauben ist die Ringeltaube die häufigste. Im Kreise Moskau, Bogorodsk, Dmitroff, Klin etc. ist sie überall Brutvogel. In der ersten Woche des April, zuweilen noch früher, trifft sie hier ein und zieht Ende September, oder Anfang Octo- ber fort. Auf den ausgebreiteten Feldern bei dem grossen Eichen- walde Ssuschkina Datscha, an der Chause hinter der Kaluschskaja Sastawa, sieht man deren im August und September Herden bis 100 Stück. im Kreise Bogorodsk beobachtete ich Ende Mai 1892 auf vie- len Feldern die Ringeltaube in beträchtlicher Anzahl; besonders viele sah ich bei Litwinowo. Sie brüten eben so gern in Nadel- wie in Laubwäldern. Im Sommer fressen sie sehr gern verschie- dene Beeren, wie z. B. Erdbeeren und Blaubeeren; von letzteren strotzen zuweilen ihre Kröpfe, so auch von Eicheln. 62. Columba livia, J. Gm. In allen Städten und Dörfern des Moskauer Gouvernement zu finden. Namentlich in der Hauptstadt. VIII. Anseres. 63. Mergus albellus, L. Auf dem Durchzuge im Frühjahr, Ende März, oder Anfang Ap- ril sehr häufig. Auf dem Rückzüge, welcher im September statt- findet, weniger. 64. Mergus serrator, L. Sehr seltene Art und nur auf dem Durchzuge.
— 318 — 65. Nlergus merganser, L. Anf dem Durchzuge im Frühjahr oft. Die Ankunft ist bei mir Anfang April notirt. Auf dem Rückzüge ist er seltener, welcher bei einzelnen Vügeln in den October fällt. 66. Oedemia fusca, L. Im Frühjahr habe ich diese Ente niemals beobachtet. Auf dem Herbstzuge kommt sie zuweilen vor. Ende September und Anfang October waren die Männchen schon im vollen Hochzeitskleide. 67. Glaucion clangula, L. Auf dem Frühjahrszuge sehr zahlzeich und dauert derselbe von Ende März bis in den Mai hinein. Dass diese Ente hier brüten sollte, ist mir nicht bekannt. Auf dem Rückzüge im September bis zur Hälfte des October ist sie eben so oft anzutreffen wie im Frühjahr. 68. Nyroca ferruginea, Gm. Auf dem Durchzuge kommt zwar diese Tauchente vor, doch nicht häufig. Im Herbst ist sie seltener. 69. Fuligula cristata, Leach. Recht häufig. Erscheint Ende März oder Anfang April, je nach- dem die Witterung ist. Als Brutvogel kenne ich die Reiherente vom Sseneschskoe Osero, im Kreise Klin, von wo ich Dunenjunge erhalten habe. Auf dem Herbstzuge ist sie auch häufig; beendet den Rückzug erst Mitte October oder noch später. 70. Fuligula marila, L. Auf dem Frühjahrsdurchzuge, welcher Anfang April vor sich geht, häufig. Auf dem Rückzüge, Ende September, seltener. 71. Fuligula ferina, L. Seltener als die Vorgehende. Erscheint hier zu derselben Zeit, wie dieselbe. Auf dem Rückzüge seltener als im Frühjahr.
— 819 — 72. Spatula clypeata, L. Ist hier nicht besonders selten. Im Kreise Bogorodsk, anf dem kleinen Flüsschen Laschntka habe ich sie als Brutvogel gefunden. Sie kommt hier Anfang oder Mitte April an nnd zieht Ende Angust oder Anfang September fort. 73. Querquedula circia, L. Die Knäckente ist hier sehr häufiger Brutvogel. Ende März oder Anfang April erscheint sie zusammen mit der Stock- nnd Spiess- ente. Ende August zieht sie fort. 74. Querquedula crecca, L. Eben so häufiger Brutvogel wie Querquedula circia. Zugdaten dieselben. 76. Chaulelasmus streperus, L. Diese Entenart ist hier nicht häufig. Ob sie hier nistet, weiss ich nicht; möglich jedoch ist es. Sie erscheint hier im Frühjahr Anfang April. 76. Anas boschas, L. Ist hier sehr häufiger Brntvogel. Ende März trifft sie hier ein und zieht erst im October, nachdem die Männchen ihr volles Hochzeitskleid angelegt, fort. Ab und zu wintern hier einzelne Stücke. So beobachtete ich im Kreise Bogorodsk im December und Januar ein $ dieser Art bei einer Mühle, wo das Wasser nicht zufror. 77. Dafila acuta, L. Ist fast eben so häufig wie die Stockente und brütet überall an geeigneten Orten. Sie kommt hier Anfang April an und zieht im September fort. 78. Mareca penelope, L. Kommt hier auch recht häufig als Brntvogel vor. Erscheint im Frühjahr zusammen mit Dafila acuta, zieht auch zu derselben Zeit fort.
— 320 - 79. Cygnus musicus, Bechst. Auf dem Durchzuge ist der Singschwan nicht sehr selten. Ende März beginnt der Durchzug. Ob dieser Schwan hier auch brütet ist mir unbekannt. Der Rückzug ist auf den October zu verlegen. Nachzügler beobachtete ich noch später. Ich erhielt ein junges <$, welches den 20-ten November 1891 bei Kolomna, auf der Oka geschossen wurde. Auf dem Rücken und den Schultern stehen, zwischen dem grauen Jugendgefieder, fertige weisse Federn des ausgewachsenen Vogels. 80. Brenta bernicla, L. Ist hier selten. Doch habe ich Ende der sechziger Jahre, als ich Anfang April auf dem Schnepfenstriche stand, im Kreise Bo- gorodsk, unweit vom Dorfe Kablukowo, eine Herde dieser Wild- gänse Uber mich fliegen sehen, die mindestens aus 200 Stück be- stand. Ich konnte die Art gut bestimmen, da sie nicht hoch zogen und von der Abendsonne so beleuchtet wurden, dass ich sie an der dunklen Körperfarbe und dem weissen Halsring sofort erkannte. 81. Anser albifrons, Scop. Die Blässengans kommt hier auf dem Frühjahrs- nnd Herbst^ znge vor, doch nicht häufig. 82. Anser segetum, J. Gm. Eine sehr seltene Erscheinung auf dem Herbstznge. 83. Anser arvensis, Brehm. Recht häufiger Durchzügler. Ende März sieht man ziemliche Her- den ziehen, dann im September sehr oft auf der Grünsaat sich äsen. Rückzug dauert bis in den October hinein. IX. Herodiones. 84. Ciconia alba, Bechst. Im April 1891 wurde ein Storch bei der Eisenbahnstation Go- lizino, der Brester Bahn, im Kreise Swenigorod, geschossen.
— 321 — 85. Ciconia nigra, L. Ende Augast 1890 wurde ein junger schwarzer Storch bei Mi- tischa, im Kreise Moskau, erbeutet. 86. Botaurus stellaris, L. Ist recht häufig. Er brtttet an allen grossen und ausgebreiteten Sümpfen und Seen, die gut mit Rohr bestanden sind. 87. Ardetta minuta, L. Die kleine Rohrdommel ist hier sehr selten. Aus dem Kreise Bronnitzi erhielt ich Ende Juli einen ausgewachsenen jungen Vo- gel. Dann ferner wurde auch ein junger Vogel im Kreise Bogo- rodsk bei der Fabrick Sobolewo geschossen. 88. Ardea cinerea, L. Der graue Fischreiher ist hier eine häufige Erscheinung Nah bei Moskau, in Sokolniki und dem Kronswalde Lossinoi Ostrow brütet er, von wo aus er seine Sreifereien auf Fischraub ausführt. Oft habe ich den Reiher über die Stadt fliegen sehn, wenn er vom Moskwastrom zu seinem Brutplatze am Abend zurückkehrte. Brutcolonien kenne ich nur aus dem Kreise Dmitroff bei dem Kloster Dedenewo in einem, zwar sehr wenig umfangreichen, aber sehr hohen Fichtenwalde. Da war fast auf jedem Baum ein Rei- hernest, so dass der ganze. Boden des Waldes mit den Excremeu- ten der brütenden Vögel wie getüncht aussah. Es ist beachtenswerte, dass da, wo nicht allein Brutcolonien des Reihers existiren, sondern sogar da, wo einzelne Reihernester sind, in der Regel der Wanderfalk, Falco peregrinus, seinen Horst aufzu- schlagen pflegt; so ist es der Fall bei dem Kloster Dedenewo, wo jahrelang der Wanderfalk seine Jungen ausbrütete; so ist es auf dem Besitztum des Fürsten Jusupoff, Arhangelskoje (Kreis Moskau), in Sokolniki und dem Lossinoi Ostrow, überall brütet Falco pere- grinus in der unmittelbaren Nähe vom Fischreiher. Ende Juni sind die jungen Reiher sich selbst überlassen; um diese Zeit haben sie am Hinterkopfe fast immer einige gelbe Du- nen des Nestkleides. Die Alten verlieren den Federschmuck am Hinterkopfe und die strahügen langen Federn auf dem Rücken schon im Juni. Ende August sieht man keine Reiher mehr. (Fortsetzung folgt.)
BULLETIN de la SOCIETE IMPERIALE DES NATURALISTES DE MOSCOU. Publiö sous la Redaction du Prof. Er. M. Menzbier. ANNtE 1893. Nouve 11 e Serie. Tome VII. (AvecStXII planches). MOSCOU. Imprimerie de l’üniversitd Imperiale. 5\~I894.
DIE VÖGEL DES MOSKAUER GOUTERHEMEHTS '). Von Th. Lorenz. X. Accipitres. 89. Pandion haliaetos, L. Als Brutvogel ist der Fischadler hier selten, doch sind mir einige Fälle von seinem Brüten innerhalb des Moskauer Gv. be- kannt. So wurde ein junger Vogel, der kaum dem Neste entflogen, Ende Juli 1892 im Kr. Klin getötet. Dann ferner wurden ebenfalls im Kr. Klin vor Jahren einem Horst, der in der Nähe des Sse- neschskoe Osero stand, Eier entnommen. Auf dem Herbstzuge, welcher auf den Anfang September fällt, ist der Fischadler keine Seltenheit, wogegen er auf dem Frühjahrszuge sehr selten auftritt. 90. Tinnunculus alaudarius, Gmel. Der Turmlälk ist unter den kleinen Falken der häufigste; er ist überall den Sommer über anzutrefl'en. Seine Ankunft im Frühjahr fällt in den Anfang des April, zuweilen aber auch schon Ende März, je nachdem die Witterung ist. Der Rückzug beginnt Ende August und dauert bis in die Hälfte des Septembers, zuweilen auch noch später. Die Nahrung dieses kleinen Falken besteht meisten- Bulletin des Naturellstes de Moscou, 1892, N® 2, p. 321.
— 338 — teils aus Kerbtieren und Mäusen. Vögel werden selten angegriffen und auch nur schwächliche oder junge. 91. Erythropus vespertinus, L. Dieser hübsche kleine Falk ist hier schon als Brutvogel beo- bachtet worden; so im Kr. Dmitroff, an den Flüssen Sestra und Jachrowa, beobachtete ich vor Jahren, im Mai und Juni ziemlich viele dieser Falken, namentlich alte Männchen, wie sie geschickt und gewandt, rasch über Sümpfe hiustreichend, die grössern Soin- mertocken und dann gegen Abend Mai- und Junikäfer fingen. An- fang August erhielt ich junge Vögel aus dem Kr. Bogorodsk. Die ersten Vögel beobachtete ich auf dem FrühjahrSzuge iu der zweiten Hälfte des April; es waren aber nur immer vereinzelte Vögel, dagegen auf der Rückzüge, welcher Ende August am stärk- sten ist, habe ich sie in namhafter Anzahl gesehen. Ich habe nie geseheu, dass dieser Falk äusser Insecten, Vögel oder Mäuse geraubt hat: alle von mir untersuchten Exemplare hat- ten nur Insecteu im Kropfe. 92. Aesalon regulus, Pall. In der zweiten Hälfte des März erscheint dieser mutige und ge- wandte kleine Edelfalk, bleibt aber nur selten hier zum Brüten. Nur ein Fall ist mir von seinem Nisten im Moskauer Gv. bekannt. Anfang Juni 1890 wurde ein Nest bei Horoschowo, Kr. Moskau entdeckt, in welchem drei Junge im Duneukleide lagen. Die alten wurden am Horst lebeud gefangen und mir gebracht, die Jungen aber leider aus Unwissenheit weggeworfen. Im angrenzenden Gv. Rjasan, Kr. Egoriewsk, fand ich einen Horst mit Jungen, Ende Juni, konute sie aber nicht entnehmen, da das Nest auf einem schwer zu ersteigenden Tannenbaume stand. Als ich in der Nähe des Nestes am Wege vorbeifuhr, setzte sich das alte Männchen ganz nah auf einen Baumast und kröpfte einen Vogel; eben als ich im Begriff war den Vogel für die Sam- mlung zu töten, kam das alte Weibchen mit lautem Geschrei ge- flogen und stiess den ganz harmlos dasitzenden und speisenden Gatt°n von Aste und beide verschwanden sofort und liessen nicht mehr auf Schussweite an. Offenbar hatte das Weibchen die Absicht, den Ehegatten auf die Gefahr aufmerksam zu machen und stiess ihn deshalb vom Aste.
— 339 — Zuweilen bleibt der Merlinfalk den ganzen Winter Uber hier; so wurde vor mehreren Jahren ein noch im Jugendkleide stehendes Männchen, Mitte December, dicht bei Moskau erlegt und mir ge- bracht. Dann ferner wurde ein schönes altes Weibchen den 15 Februar 1892 dicht an der Sspasskaja Sastawa, wo es den Gold- ammern nachstelite, getötet und mir zugestellt. Es ist ein prächti- ges ausgefärbtes Weibchen, an dem alle Federn schon erneuert sind. Eiu am 10 April 1892 im Kr. Moskau getötetes Männchen hat auffallender Weise erst den Wechsel des Kleides begonnen. Oberkopf, Nacken und Mantelfedern sind schon erneuert; Schulter- federn nur teilweise. Auf dem Bürzel stehen vereinzelte bläulich- aschgraue Federn. Im Stoss sind nur die beiden mittleren frisch; die übrigen gehören noch dem Jugendgleide. Auf der Unterseite ist nur eine Reihe Federn am Kropfe und einzelne an den Brust- seiten erneuert Ende August und Anfang September beginnt der Rückzug; die meisten aber, denen man um diese Zeit begegnet, sind junge Vögel. Der Merlinfalk ist äusserst gewandt und ist für die kleinen Vö- gel, namentlich den Lerchen sehr gefährlich. In der Regel streicht er tief über dem Boden und hebt sich erst dann, wenn er dicht neben dem zu erhaschenden Vogel sich befindet. Er fängt aber auch gern Mäuse, denen er nach Bussardart auf einer Erhöhung auflauert. Dass der Vogel Mut und Kraft besitzt, sah ich bei einem Falken- jagdliebhaber, welcher mit Merlinfalken Wachteln mit Erfolg beizte und ein Macheies pugnar sofort von dem kleineu Räuber erwürgt wurde. 93. Hypotriorchis subbuteo, L. Der Baumfolk ist für das Moskauer Gv. als ein ziemlich häu- figer Brutvogel zu betrachten. Er erscheint hier im Frühjahr verhältnismässig spät und verlässt uns schon Ende August. Früher als in der zweiten Hälfte des April habe ich ihn nie beobachtet. Dieser ausgezeichnete Flieger ist nicht allein für die Schwalben, sondern auch den in rasender Schnelligkeit dahinjagenden Cypselus apus gefährlich, und junge Schwalben fängt er mit der grössten Leichtigkeit. Ich sah einst im Kr. Bogorodsk, im Mai, als die Sonne schon am Untergehen war, einen Baumfalken sich auf eine Bande schreiender Turmschwalben stürzen und mit Erfolg eine erhaschen; der Vogel schien ihm aber zu schwer, mit welchem er auch gleich auf den Boden fiel und erhascht wurde, ehe er sich besann, die .¥ 2 <£• 3. 1893. 22
— 340 — Turmschwalbe fallen zu lassen und davon zu fliegen. Es war ein schönes altes Männchen, welches ohne Weiteres meiner Sammlung einverleibt wurde. Er fängt aber auch Insecten, wovon ich mich oft nach Unter* suchen des Kropfes hinreichend überzeugt habe. Dann ferner beo- bachtete ich oft einen Baumfalken im Kr. Bogorodsk, im Mai, auf einer Wiese, nicht weit vom Walde am Abend, kurz vor Sonnen- untergang sehr gewandt Maikäfer fangen und im Fluge verspeisen. Dem Neste entnommene junge Baumfalken sind ungemein liebens- würdige Vögel, die sehr leicht und bald zahm und zutraulich werden. 94. Falco perigrinus Tuust. Dem Wanderfalken begegnet man hier fast ebenso oft’als Brut- vogel, wie dem Baumfalken; in allen grössern Wäldern mit recht hohen Bäumen ist er anzutreffen. In den um die Hauptstadt umlie- genden Ortschaften, wie Sokolniki, Lossinoi-Ostrow, Setun, Hjinskoe, Archangelskoe, Choroschowo etc., nistet er alljährlich, tritt aber auch in den mehr von der Stadt entfernten Wäldern nicht sel- ten auf. Die alten Wanderfalken sind für das Moskauer Gv. fast Stand- vögel, da selbige (fast die Mehrzahl) im Winter in der Hauptstadt fast auf allen höheren Kirchtürmen Stand nehmen, von wo aus sie dann auf die zahlreichen Tauben (Columb. livia domesiica) Jagd machen; doch ziehen sie die Ziertauben den Feldflüchtern vor und werden desshalb von den Taubenliebhabern gehasst und gefürchtet, da sie ihr Unwesen ganz unbestraft in der Stadt treiben können. Auf der Kuppel der Erlöserkirche (Christa Sspassitelja) erscheinen die Wanderfalken gleich nach dem Grossziehn der Jungen, ge- gen die zweite Hälfte des Juli, und verbleiben anf derselben bis Ende März, was aber nach meinen Beobachtungen nicht immer regelmässig der Fall ist; so z. B. im Jahre 1889 verliessen die Wanderfalken die Erlöserkirche schon Ende October, und $ah ich sie wieder erst nachdem sie die Brut beendet hatten, also Ende Juli 1890. Wahrscheinlich ziehen sie im Spätherbste den wegzie- henden Vögeln, dem Süden, nach. Ende August 1889, sah ich mit einem Mal drei Wanderfalken auf der Kuppel der Erlöserkirche, zwei Weibchen und ein Männchen; alle drei Vögel waren alt und ausgefärbt. Junge, noch im Jugend- kleide stehende Wanderfalken habe ich Die auf der Erlöserkirche beobachtet und nur einmal sah ich einen jungen Vogel im Sep-
— 341 leinber auf dem Kirchturme des Jungfernklosters eine Dohle kröp- fen. Überhaupt sind inmitten der Stadt die jungen Vögel sehr selten zu sehen. Auf dem Ssimonow-Monastir lebt seit vielen Jahren ein Wander- falkenpaar, welches auf dem Glockeuturme des Klosters auch brüten soll; was sehr glaublich, da auf der Troitzkaja Baschnja der Kreml- mauer ein Weibchen im Mai 1872 auf dem Neste ergriffen und mir lebend gebracht wurde; der Vogel hatte einen grossen Brutfleck. Seit jenem Falle ist auf dem Turme kein Falk mehr zu sehen. Im März 1878, als die Erlöserkirche im Bau noch nicht been- det war, wurde ein sehr schönes und sehr altes Weibchen geschos- sen und mir gebracht. Später komme ich noch auf diesen Vogel zu sprechen. Er befindet sich gegenwärtig in zool. Kabinet der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg. Wie ich schon oben äusserte, verlässt der Wanderfalk im März die Kirchtürme der Stadt und bezieht die gewohnten Brutplätze in der Umgebung der Stadt etc. In den von der Hauptstadt mehr oder weniger weit entfernten hohen Waldungen ist der Falk auch nicht selten als Brutvogel anzutreffen; so im Kr. Bogorodsk, Dmit- roff, Klin etc. Im Kr. Dmitroff, in der Nähe des Klosters Dedenewo, am Flusse Ikscha, horstete viele Jahre lang ein Wanderfalkenpaar in einem zwar kleinen, aber sehr hohen Fichtenwalde. Seit einigen Jahren ist nun dieses Wäldchen gefällt und natürlich verschwanden auch die Wanderfalken. Es ist sehr bemerkenswert, dass nämlich der Wanderfalk sehr gerne da nistet, wo der Fischreiher. (Ardea ci- nerea) seinen Horst hat; so war es bei Dedenewo auf den Fich- tenbäumen, und so ist es noch bis jetzt bei Arhangelsk auf dem Gute des Fürsten Jussupow. Dasselbe beobachtete Herr P. Suschkin im Gv. Tula, wo in Gesellschaft von Ardea cinerea, Gennaia sacer seinen Horst hatte. Der Brut des Fischreihers S'hadet der Wanderfalk nicht, aber den in der Nähe lebenden Wildenten, Tau- ben, Saatkrähen etc. ist er ein sehr gefährlicher Feind, der den einmal zum Fang bestimmten Vogel selteu fehlstösst. Das Nest wird auf sehr hohen, fast unersteiglichen Fichtenbäu- men angelegt, namentlich auf solchen, bei denen der Stamm von unten an circa 25 Arschinen hoch ohne Äste ist. In den meisten Fällen nimmt er ein altes Nest des schwarzen Milans (Müvüs migrans) in Besitz. Wann die Eier gelegt, deren Zahl zwischen 2—4 schwankt, ist mir unbekannt. Nestjunge, die kaum eine Woche alt waren, 22*
— 342 — erhielt ich am 17 Mai sainmt den beiden Alten, die, nachdem die Jungen dem Neste entnommen, auf dem Boden neben dem Baume, auf welchem das Nest stand, gelegt, mit einem Decknetze gefangen wurden, da die Liebe zu den Kleinen bei den Eltern sehr stark ist. Ende Jnni oder Anfang Juli verlassen die nun flüggen Jungen das Nest, werden aber noch immer von den Alten gefuttert und im Fange unterrichtet. Nicht immer sind die jungen Falken gleich gewandt im Fange; es giebt unter ihnen wirkliche Meister, die den Alten darin bald nicht im Geringsten nachstehn, wiederum aber auch solche, die lange Stttmper bleiben, oder solche, die zum Fange gar nicht fähig, dann aber auch in der Regel zu Grunde gehen. Ich habe junge Wanderfalken gesehen, die in der Hand eines geschickten Falkners, nach Verlauf eines Monats, nachdem sie dem Neste entnommen, vorzüglich Tauben und Wildenten fingen. Ende Juli werden die Jungen sich selbst überlassen und die Alten beziehen ihre gewohnten Plätze auf hohen Kirchtürmen. Bald, nachdem die Jungen das Nest verlassen haben, sind die- selben sehr zutraulich und können sehr leicht geschossen werden, aber nur dann, wenn die Alten nicht zugegen sind. In letzterem Falle werden die Jungen, wenn sich ihnen der Schütze nähern will, sofort mit Gewalt vertrieben, um sie vor der nähernden Ge- fahr zu warnen. Sobald die Jungen selbstständig, werden sie auch vorsichtig, doch immer weit nicht so wie die Alten, denen man nnr sehr selten sich auf Schussnähe nähern kann. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass der Wanderfalk zuwei- len auf der Erde brütet; so wurde mir ein Nest gezeigt, welches erst kürzlich von den Jungen verlassen worden war; es stand in einem sehr ausgedehnten Moor, im Kr. Jegoriewsk, Gv. Rjasan, welcher sehr stark von Lagopus albus bevölkert war und wo Anfhus pratensis seine Brutplätze hatte. Eine Woche vor meiner Besichti- gung des Falkennestes, hatte der Betreffende, welcher mich zum Neste führte, einen jungen Falken aus demselben genommen, der andere aber (es waren 2 St. im Neste) entflohen; es war Falco peregrinus-brevirostris (Menzb.) mit allen sichern Kennzeichen dieser Subspecies. Die beiden Alten und das entflohene Junge hielten sich noch in der Nähe des Nestes, welches sich auf einem Erdhü- gel von der Höhe einer Arschine, umgeben von sehr niedrigem aber dichten Strauchwerk, befand. Das Nest war schon von Weitem be- merkbar, da die im Sumpfe stehenden Bäume (Krüppelkiefern) weit auseinander standen. Es ist bemerkenswert, dass der Wanderfalk, der doch sonst in der Wahl des Horstbaues eine grosse Vorsicht
— 343 — bekundet, im gegebenen Falle letztere äusser Acht liess. Dieses Nest soll, wie mir ein sehr glaubwürdiger dort ansässiger alter Manu mitteilte, seit Menschengedenken von Falken alljährlich benutzt wer- den, trotzdem es schon vorgekommen, dass beide Alten am Neste geschossen und die Eier zerstört wurden, immer aber bezogen dann das andere Jahr neuhinzugekommene Edelfalken dasselbe. Die Anzahl des Geleges schwankt zwischen 2—4 Eiern. In der Mehrzahl findet man im Horste 3 Junge, welche, nachdem sie ausgekrochen, von den Alten mit halbverdauter Nahrung aus dem Kropfe gefüttert werden. In jüngster Zeit habe ich die Bemerkung gemacht, dass der Wanderfalk auch Insekten frisst, wovon ich mich hinreichend den 22 Mai 1892 überzeugte, als ich den Kr. Bogorodsk besuchte. Es war dicht an dem Dorfe Duschonowo, auf eiuem sehr ausgebreiteten Brachfelde, welches sich dicht au einen grossen, hochstämmigen Wald lehnte. Auf demselben sah ich am Abend, kurz vor Sonnenuntergang in bedeutender Entfernung einen Vugel herumhüpfen, den ich, als ich das Glas zu Hülfe nahm, als ein prächtiges, sehr altes Weibchen des Wanderfalken erkannte. Die Unterseite desselben hatte nur sehr geringe dunkle Fleckungen und der Rücken war ausserordentlich hell aschblau. Der Vogel hielt sich ganz wagerecht und hüpfte eigentümlich seitwärts, dabei emsig etwas vom Boden und den dürren Halmen erhaschend. Leider konnte ich den prächtigen Vogel nicht schiessen, da der offene Raum es nicht gestattete schussgerecht anzukommen. Ich vermute, dass der Vogel die Insecten nicht als Nahrung für sich selbst nahm, da er in der nächsten Nähe hinreichend solche hatte, da Vanellus crista- tus, Tauben und Saatkrähen in hinreichender Menge vorhanden wa- ren, er vielmehr die Insecten für seine wahrscheinlich eben ausge- krochenen Jungen sammelte, um sie in so zartem Alter .erst mit Insecten zu füttern, um dann später auf Fleischnahrung zu über- gehen. Junge im Dunenkleide aus dem Neste genommene Falken sind sehr schwer aufzuziehn, da sie fast in der Regel an Knochener- weichung zu Grunde gehen, dagegen halbflügge sehr leicht durch- kommen, sehr zahm und liebenswürdig werden. Der Federwechsel geht bei den alten Wanderfalken sehr langsam von statten; bei einem Weibchen, z. B., welches am 30. Mai ge- tötet wurde, waren nur zu je zwei Federn der grossen Schwingen und einige der Secundären erneuert, sowie auch der Brutfleck mit frischen, etwas rötlich gefärbten Federn bekleidet. Am übrigen Körper sind dagegen noch keine Mauserspuren zu sehen, wogegen
— 344 — auf dem rechten Flügel eine längere Oberflügeldeckfeder noch dem alten vorjährigen Gefieder angehört; sie ist am Ende stark ver- schlissen und durch die blassere Färbung von den sie umgebenden Federn kenntlich. Dann ferner hatte ich ein Weibchen, welches Anfang August getötet war, das noch sehr wenig Mauserspurea an seinem Körper hatte. Ein am 17 December in Transcaucasien (Lenkoran) getötetes altes Weibchen der Subspecies F. peregrinus leucogenys (Brehm) hatte den Federwechsel noch lange nicht beendet, am ganzen Körper stehen noch viele alte verblichene Federn; so wie auch ein sehr altes in Moskau im März geschosse- nes Weibchen am Kropfe teilweise unvermauserte und teilweise blutspulige Federn hatte. Die frischen schon ganz vermauserten Federn am Kropfe waren bei diesem Weibchen herrlich apriko- senfarbig gefärbt. Letztere Farbe verlor sich aber sofort nach dem Abbalzen des Vogels und machte einem fahl-gelblichen Far- bentone Platz. Die Bauptperiode des Federwechsels fällt merkwür- diger Weise in den Winter und geht ausserordentlich langsam von statten, ganz das Gegenteil von den andern Edelfalken, w. z. B. Gennaia sacer, bei dem die Mauser im Mai beginnt, Mitte August aber schon fast ganz beendet ist. Die Jungen werfen das Jugend- kleid im Laufe des kommenden Sommers ab. Soviel ich bemerken konnte, geht der Übergang von Jugend-zum Alterskleide viel rascher vor sich, als der Federwechsel bei den alten Vögeln. Unter den zahlreichen Wanderfalken, die hier vorkommen, giebt es wahrscheinlich auch solche, die nicht- brüten, da ich in letzter Zeit die Beobachtung machte, dass auf der Erlöserkirche und andern höhere Kirchtürmen solche im Mai und Juni ihren Stand haben. Es ist möglich, dass es noch junge vorjährige Vögel sind, die in diesem Alter wohl kaum schon brüten, vielleicht aber auch sehr alte, die nicht mehr brüten. Ich hatte bis jetzt keine Gele- genheit, die in der Brutperiode auf den Türmen lebenden Falken mit dem Glase zu beobachten, um feststellen zu können, zu wel- cher Altersperiode die Vögel angehören, was wohl mehr Licht in diese interessante Frage bringen würde. Ich nehme an, dass beide, d. h. die im ersten Jahre stehenden und noch nicht brütfähigen Falken und schon sehr alten nicht mehr brutfähigen, auf den Türmen in der Brutperiode auftreten, da ihnen in der Stadt die Nahrung in Hülle und Fülle zu Gebote steht, dann aber auch ihnen das Verweilen in derselben mit gar keiner Gefahr ver- knüpft ist.
— 345 — 95. Gennaia sacer, Gmel. Hier ein sehr seltener Vogel. Schon lange vermutete ich, dass der Würgfalk hier, namentlich im Kr. Kolomna, anftreten muss, da in dem angrenzenden Kr. Saraisk (6m. Rjasan) er gar nicht selten als Brutvogel auftritt; zwar ist die Localität des gesagten Kreises fast schon Steppenland, also sein ständiger Aufenthaltsort, doch scheinen ihn auch mehr oder weniger zusammenhängende Wal- dungen durchaus nicht zu verhindern seinen Horst auch im Gm. Moskau aufzuschlagen und mehr und mehr nach Norden sich auszubreiten. So wurden den 20 Juli 1891 drei junge schon ganz flügge Würgfalken zwischen den Dörfern Oreschki und Koko- wino im Kr. Rusa geschossen und ein Männchen davon mir ge- bracht. Die beiden Alten umflogen zu derselben Zeit in weiten Bogen den Schützen, da die Jungen wahrscheinlich erst kürzlich das* Nest verlassen hatten und sehr zutraulich waren, so dass alle drei mit Leichtigkeit getötet wurden. In demselben Jahre beobachtete ich dem n/IX einen Würgfalken (ohne ihn jedoch schiessen zu können) durch ein Glas auf den ausgebreiteten Feldern auf Worobiewi-Gori. 96. Hierofalco uralensis, Sev. <fc Menzb. 1869, Ende October, wurde ein jungen Vogel des Jagdfalken im Gm. Moskau geschossen. Er stimmte in der Färbung sehr gut zu dem Bilde in Prof. Menzbiers „OpninvaomecKaH Feorpa^ia Poetin“. Dass der Jagdfalk im Winter hier vorkommt, unterliegt keinem Zweifel, da solche schon mehrere Mal getötet und ich aus dem angrenzenden Gv. Wladimir ein junges München und ein altes Weibchen erhalten habe. 97. Pernis apivorus, L. Der Wespenbussard ist hier stellenweise häufig. Im Kr. Bogo- rodsk habe ich ibn oft gesehn. Bei Moskau, in der Ssuschkina Datscha, an der Kalugschen Chanssde ist er im Eichenwalde als Brutvogel keine Seltenheit. Wegen Mangel an Zugdaten kann ich über sein Kommen und Wegziehn nichts sagen. Die helle Varietät tritt hier verhältnismässig selten auf.
— 346 — 98. Milvus migrans, Bodd. Ist hier ein sehr häufiger Brutvogel, welcher im ganzen Gou- vernement verbreitet ist. Ubergangsformen zu M. melanotis in der dunklen Färbung der Ohrenbedeckung, namentlich bei jungen Vögeln sind nicht selten. Der Milan erscheint hier Anfang April, zuweilen jedoch, wenn die Witterung günstig, auch schon Ende März. Anfang September verschwinden sie. In der Umgebung der Hauptstadt ist er als Brutvogel sehr häufig; in Sokolniki nistet er colonienweise. 99. Accipiter nisus, L. Der Sperber ist hier häufig, insbesondere aber im Herbst und Frühjahr. Als Brutvogel ist er auch durchaus nicht selten. Anfang April, wenn die Lerchen und andere kleine Vögel ankommen, erscheint dieser kleine Räuber ebenfalls und in beträchtlicher Anszahl. Alte, ausgefärbte Männchen sind viel häufiger anzutreffen als Weibchen, dagegen auf dem Herbstzuge ich immer mehr Weibchen als Männchen beobachtete. Die Färbung der ansgefärbten Männchen variirt, was die Unterseite betrifft, ungemein. Es giebt zuweilen solche Vögel, bei denen die Unterseite mit sehr wenig Rostfarbe ist, wiederum solche bei denen nur Rostrot auf der Unterseite zu sehen ist. Die Querwellen variiren in der Breite ebenfalls; es giebt Männchen, bei denen die Bänder sehr breit sind, wodurch die Unterseite fast einfarbig rostge.b aussieht. Die Färbung der alten Weibchen ist viel constanter. Bei den jungen Männchen variirt die Färbung der Unterseite auch bedeutend, bei den jungen Weibchen weniger. Mitte September verlassen die meisten Sperber das Gou- vernement, doch bleiben einzelne, in der Mehrzahl aber junge, noch nicht ausgefärbte Vögel den ganzen Winter hier. Alte ausge- färbte Weibchen habe ich auch schon im Winter beobachtet, was ich aber von alten Männchen nicht behaupten kann. 100. Astur palumbarius, L. Der Habicht ist hier mindestens ebenso häufig wie der Sperber, ist aber hier entschieden Standvogel, welcher in der kalten Jahreszeit durch winternde Vögel aus dem Norden vermehrt wird. Er ist fast in allen mehr oder weniger grössern Wäldern als
— 347 — Brutvegel anzutreffen, wo er dann unter den Vögeln eine arge Verwüstung anrichtet. Das aus 4—5 Eiern bestehende Gelege ist in der zweiten Hälfte des April fertig und wird von dem Weibchen sehr eifrig bebrütet. Die Jungen, welche in der ersten Hälfte des Mai auschlüpfen, sehen sehr niedlich aus, da sie mit sehr dichtem weissen Flaume bedeckt sind. Sobald sie grösser geworden, er- fordern sie eine grosse Masse Nahrung; dann schleppen die Alten der gefrässigen Brut eine Unmasse von Vögeln herbei; alles wird gefangen, was sich überhaupt fangen lässt, vom kleinsten Vogel an bis zur Krähe, sowie auch junge Saatkrähen, die ohne Um- stände aus den Nestern geholt werden. Da, wo ein Horst dieses argen Räubers ist, ist alles still und leer; kein Vogelgesang wird vernommen, da alles weggefangen oder im besten Falle verscheucht ist. Die Jungen werdeu von den Alten sehr geliebt und unter Umständen von Angriffen des Menschen verteidigt. Bei Ersteigung des Horstes stossen die Alten heftig auf den Feind und man muss sich sehr in Acht nehmen, um nicht von den wütenden Adlern verwundet zu werden. Sobald die Jungen das Nest verlassen ha- ben, werden sie von den Alten noch einige Zeit lang gefüttert, später aber sich selbst überlassen. Es ist nicht selten, dass junge. Habichte, welche im Fang Stümper geblieben sind, derart in Er- mangelung an Nahrung ermatten, dass sie ganz herunterkommen und nicht fliegen können bis sie ganz zu Grunde gehen. Ich schoss einmal einen jungen Habicht Mitte Juli, welcher sich an Tauben machte ohne aber eine zu fangen, trotzdem unter denselben viele junge waren; der Vogel war derart heruntergekommen, dass er nur Haut und Knochen hatte. Die Mauser fängt bei den Alten schon Ende April an; ich habe Weibchen gehabt, die um diese Zeit vom Neste herabgeschossen waren, welche schon viele der Schwingen 1-er und 2-er Ordnung gewechselt hatten. Das Männchen beginnt mit dem Federweichsel etwas später. Die Mauser zieht sich sehr lange hin, so dass es keine Selten- heit ist im October und November Vögel anzutreffen, bei denen sie noch weit nicht beendet ist. Es ist fast Regel, dass das erste ausgefärbte Kleid eine viel gröbere und unreinere dunkle Zeichnung auf der Unterseite hat; ich habe aber auch Habichte gesehn, die die sichersten Kennzeichen an sich trugen (Jugendfedern an den Secundärscbwingen), an der Unterseite aber rein weissen Grund und sehr schmale dunkle Wellenzeichnung, wie es in der Regel nur sehr alte Vögel aufweisen, hatten.
— 348 — Schon Mitte Winter sieht man bei den noch gelblich auf der Unterseite gefärbten Jungen, einzelne Federn auf der Unterseite und den Hosen hervorkeimen, die die Farbe und Zeichnung des ausgefärbten Vogels haben. Mitte Mai ist der grösste Teil der Unterseite schon ausgefärbt, dagegen auf dem Rücken noch nichts vom ausgefärbten Gefieder wahrzunehmen ist. Bei solchen Vögeln dauert der Federwechsel auch bis in den Herbst hinein. 101. Haliaetos albicilla, L. Der Seeadler ist hier selten als Durchzügler beobachtet worden. Es ist mir kein Fall bekannt, dass er im Moskauer Gv. gebrütet hätte. 102. Aquila chrysaötos, L. Nach langjährigen Beobachtungen, die ich Gelegenheit hatte an einer sehr namhaften Anzahl von Goldadlern zu machen, bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es nur eine Art Gol- dadler im europ. Russland giebt, und alle Farbenvariationen nichts mehr und nichts weniger als Altersunterschiede sind *)• Der als Aq. nobilis Pall, benannte Adler immer in sehr gleichmäs- siger und dunkler Farbe des ganzen Körpers und weissem Schwanz mit dunkler Endbinde ist der im ersten Lebensjahre stehende Vo- gel; im nächsten Jahre sind die erneuerten Stossfedern mit einer breiten zur Wurzel hin nicht scharf begrenzten .dunklen Endbinde versehen und gut von den alten unvermauserten zu unterscheiden. Der Körper fast zur Hälfte mit hellem verblichenen Federn be- setzt; die Wurzelhälfte der frischen dunklen Federn mit weniger weiss, als die vom vorigen Jahre. Bei der dritten, vierten u. s. w. Mauser wird die dunkle Endbinde des Stosses immer breiter, die dunkle Farbe heller und auf derselben eine unregelmässige fast schwarze Zeichnung sichtbar, bis bei dem ferneren Federwechsel die weisse Farbe im Stosse ganz verschwindet. Unter allen Adlern, die ich untersuchte (gegen hundert Stück), war nicht ein einziger Vogel, der jung, d. h. im ersten Lebensjahre stehend, einen ganz dunkel gefärbten Stoss hatte; immer waren solche Vögel mehrere Jahre alt, was mit Sicherheit aus dem verblichenen und f) Dies ist ganz unrichtig, da nicht nur die Färbung des Körpers und des Schwanzes, aber auch die Breite der grossen Schwingen ganz verschieden bei den Aq. chrysaetos und nobilis sind. In diesem Verhältnisse die letzte Art mit dem A. fulra übereinslimmt. Prof. 3f. Mtnsbier.
— 349 — verstossenen Gefieder solcher dunkeischwänziger Vögel zu bestim- men war; dagegen die mit weissem Stoss und dunkler Endbinde an demselben nur junge Vögel waren. Ich denke, wurde es einen Adler geben, der schon im ersten Lebensjahre einen ganz dunklen Stoss hat, mir ein solcher unter den von mir untersuchten anfge- fallen wäre. Der Goldadler ist hier schon als Brutvogel früher beobachtet worden; so schoss mein Bruder im Kreise Dmitroff einen jungen Vogel Ende Juli im Hochwalde bei dem Dorfe Sswistucha; dann wurde auch im Juli ein Goldadler im Kr. Bogorodsk im Krons- walde bei Duschonowa getötet. In den ausgedehnten Kronswaldun- gen „Ramenskoe“ im. Kr. Dmitroff soll er brüten. Im Herbste und Winter ist er hier nicht selten. 103. Aquila clanga, Pall. Dieser Adler ist hier kein seltener Brutvogel; aus dem Kr. Moschaisk, Rusa, Dmitroff, Klin und den Kronswalde „Lossinoi- Ostrow“, habe ich in der Brutzeit Vögel verschiedenen Alters er- halten. Zugdaten sind mir unbekannt. 104. Aquila pomarina, Brhm. Ein alter Vogel dieser Art wurde mir aus dem Kr. Dmitroff gebracht; er ist hier sehr selten. Aquila orientalis, Cab. Vor mehreren Jahren wurde dieser Adler mithin im Winter im Moskauer Kr. bei dem Dorfe Nemtschinowo geschossen und mir übergeben; es ist, unstreitig, ein dem Mosk. zoolog. Garten entflo- hener Vogel; denn es ist nicht anzunehmenn, dass diese Art, welche im Winter sogar die Südrussischen Steppen verlässt, hier im Winter vorkommen sollte. 105. Circaetos gallicus, Gmel. Prof. Menzbier theiltc mir mit, dass er diesen Adler in den er- sten Tagen des Juli 1893 im Werej’schen Kreise gesehen habe. An einem schönen Tage, welcher endlich auf eine ganze Reihe regnerischer Tage folgte, ungefähr gegen 5 Uhr morgens, erschien dieser Adler am Rande des Waides und schien hier, auf der Spitze
— 350 — einer Fichte sitzend, mit ausgebreiteten Schwingen sein Gefieder an der Sonne za trocknen. Man konnte sich ihm dabei bis auf ungefähr hundert Schritte nähern, so das die Bestimmung des Vo- gels durchaus keine Schwierigkeit bot. 106. Archibuteo lagopus, Brünn. Der Rauhfussbussard ist hier auf dem Herbstzuge zuweilen recht häufig, dagegen auf dem Frühjahrszuge tritt er nur sehr verein- zelt auf. Winternden Vögeln bin ich selten begegnet. 107. Buteo vulpinus, Licht. Dieser Bussard ist hier sehr häufig als Brutvogel anzutreffen. Anfang April, zuweilen auch etwas früher kommt er an nnd verlässt das Moskauer Gv. in der zweiten Hälfte Septembers. Die Zahl der Jungen shwankt zwischen 3—4, letztere in der Mehrzahl. Mitte Juli sind die Jungen schon so weit herangewach- sen, dass sie von den Alten sich selbst überlassen werden. Im Frühjahr und Herbst mag der Bussard durch Vertilgung von Mänsen, Fröschen und Lurchen wohl Nutzen bringen; was nun aber die Brutperiode und das Grossziehn der Jungen betrifft, muss ich ihn entschieden zu den schädlichen Vögeln ziehn. Ich habe mehrmals den Horst untersucht und fand denselben, sowie auch die Umgebung, wo der Baum stand, auf welchem sich der Horst befand mit Resten von jungem Birkwild und Hasen bedeckt. Altes Wild ist er wohl kaum im Stande zu fangen, junges aber ganz bestimmt. 108. Circus cineraceus, Mont. Ist hier nicht so häufig als C. cyanus. Die Ankunft datirt sich auf die erste Hälfte des April, der Wegzug—Mitte September. 109. Circus macrurus, GmeL Die Steppenweihe ist hier als sehr seltener Gast zu betrachten, da er mir nur einmal in die Hände gekommen ist. Den 27-ten August 1888 wurde ein im 2-ten Lebensjahre stehendes Männchen hinter dem Dorfe Worobjewo geschossen. Der Vogel hat das zweite (d. h. helle) Kleid angelegt; nur auf dem Unterrücken, den Oberflügeldecken und der Oberbrust stehen noch einige, dem
— 351 — Jugendkleide angehörende, verstossene Federn. Dieses Exemplar befindet sich im zool. Museum der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 110. Circus cyaneus, L. Ist hier unter den Weihen der am häufigsten brütende. Die Ankunft und der Wegzug sind fast dieselben, wie bei C. cine- raceus, nur dass C. cyaneus wie es mir scheint im Frühjahre etwas früher antrifft. Ich habe oft die Beobachtung gemacht, dass diese Weihe sich auf kleine Vögel stürzt, und sie so lange verfolgt, bis sie vor Ermüdung ihm zur Beute fallen. Die Wachteln sind vor ihm auch nicht sicher, da er durch seinen lautlosen Flug sehr leicht na- mentlich auf Brachfeldern dieselben berücken kann und sie er- hascht, ehe sie an Flucht oder Kiederducken denken. Es ist mir einige Mal vorgekommen, dass Weihen, nachdem sie hart vor mei- nen Füssen aus dem Grase aufstiegen, halb verzehrte Wachteln fallen liessen. Junge Hasen werden, wenn sie im freien Felde angetroffen werden, energisch verfolgt. 111. Circus aeruginosus, L. Die Rohrweihe ist hier nicht selten; im Kr. Bogorodsk habe ich ihn oft als Brutvogel angetroffen. Die Weihe muss unbedingt zu den schädlichsten Raubvögeln hinzugezogen werden. XI. Striges. 112. Athene noctua, Scop. Am 7-ten December 1888, wurde ein Männchen des Steinkau- zes, im Dorfe Laikowo, Kr. Swenigorod, in einer Scheune getötet und mir gebracht. Dieser Kauz muss zu den Seltenheiten des Moskauer Gv. gezogen werden; im Laufe von 30 Jahren hatte ich nur drei getötete Exemplare erhalten und immer nur aus dem Kr. Swenigorod. 113. Glaucidium passerinum, L. Im Herbste ist dieses schöne Käuzchen hier durhaus nicht selten, dagegen sein Auftreten im Sommer als etwas höchst Seltenes zu betrachten ist. Anfang Juli 1864 wurde ein ganz junger Vogel im
— 352 — Kr. Bogorodsk bei dem Orte Litwinowo getötet, was vollkommen berechtigt ihn als brütenden Vogel des Moskauer Gv. zu betrach- ten. Die Anzahl der im Herbste bis in den Januar hinein vorkom- menden Sperlingseulen schwankt bedeutend; in manchem Jahre tritt er in hinreihender Anzahl auf, manches Jahr aber sehr selten. 114. Bubo ignavus, Forst. Ist durchaus keine Seltenheit; in allen grösseren Wäldern Brut- vogel. Im Herbste trifft man ihn zuweilen in ganz kleinem und niedrigen Gehölz. Fast alljährlich werden Uhus anf Worobjewi Gori im October und November geschossen. Vor einigen Jahren war der Uhu ein sehr gesuchter Handelsartikel; seine Federn wurden als Schmuck für Damenhüte verarbeitet. 115. Scops giu, Scop. Den 17-ten Mai 1891 wurde ein Weibchen dieser schönen Eulenart bei Moskau, in Sokolniki lebend gefangen. Sonst ist mir diese Art hier nie begegnet. 116. Nyctale tengmalmi, Gm. Im Herbst und Winter ein ziemlich gewöhnlicher Vogel. Als Brut- vogel aber selten. 1882 wurde mir ein Weibchen Mitte Mai ge- bracht, das bei dem Dorfe Nemtschinowo (Kr. Moskau) geschossen wurde; es hatte einen grossen Brutfleck. 117. Surnia ulula, L. In manchen Jahren tritt die Sperbereule hier sehr zahlreich auf, immer aber nur im Herbste und Winter. Es ist mir kein Fall von ihrem Brüten hier im Moskauer Gv. bekannt. 118. Syrnium uralense, Pall. Die Uraleule ist hier im Herbst fast jedes Jahr, zwar in gerin- ger Zahl, anzutreffen. Schon in der 2-ten Hälfte des Septembers sieht man sie am hellen Tage auf Baumspitzen sich postiren, von wo aus sie dann auf Vögel und Hasen Jagd macht. Grössere Vö-
— 353 — gel sind vor ihr auch nicht sicher; so wurde mir ein Weibchen, welches im Winter getötet war, gebracht, und nachdem ich ihm den Mageninhalt untersuchte, fand ich, dass es einen Birkhahn verspeist hatte. Nach Mitteilung des verstorbenen Präparators Ewreinow soll diese Enle hier zuweilen auch brüten: er schoss nämlich eine junge Uraleule im Walde des Fürsten Jusupow, bei dem Orte Arhangelsk. Es ist sehr möglich, dass in den grossen Kronswäl- dern „Ramenskoe“ im Kr. Dmitroff die Uraleule als Brutvogel zu finden sein wird. 119. Syrnium lapponicum, Sparrm. 1867 im Januar wurde ein sehr schönes Weibchen der Bart- eule in einer Scheune, im Kr. Bogorodsk lebend gefangen und mir gebracht. Drei Wochen lang lebte sie in der Gefangenschaft, frass sehr gerne Tauben und Hasen, die ich ihr reichte, starb aber doch trotz guter und hinreichender Nahrung. Dann ferner wurde auch ein Weibchen im December 1881 bei Kunzewo, Kr. Moskau geschossen. Ferner sind mir noch zwei Fälle bekannt, dass diese Eule im Moskauer Gv. geschossen wurde. Aus dem Gv. Smolensk, Kr. Duchowschina erhielt ich 1892 zwei Exemplare, von denen das eine im Mai, das andere im Juni getötet wurden. Das im Juni getötete Exemplar hatte einen gros- sen Brutfleck, welcher mit Bestimmtheit darauf hindeutet, dass diese Eule dort brütet. 120. Syrnium aluco, Ger. Ist hier im ganzen Gv. verbreitet und ist Brutvogel. Die fuchs- rote Varietät kommt vor, aber weniger oft als die ‘ typ. graue Art. Übergänge von den fuchsroten Varietät zur typischen kommen oft vor. 121. Nyctaea scandiaca, L. In manchem Winter ist die Schneeeule durchaus nicht selten; 1871 und 1872 war sie ausserordentlich zahlreich; sie wurde in der unmittelbaren Nähe der Hauptstadt beobachtet. Rein weisse, sehr alte Vögel sind sehr selten. Am häufigsten treten junge Weib- chen im ersten ausgefärbten Kleide auf, 1869 wurde eine ganz junge Schneeeule, die noch das volle Jugendkleid hatte, im Sep-
— 354 — tember lebend bei Moskau gefangen. Als sehr spätes Vorkommen der Schneeeule ist bei mir ein Weibchen notirt, welches Anfang Mai 1871, bei dem Kronswalde Lossinoi-Ostrow getötet wurde. 122. Asio brachyotus, Forst. Die Sumpfeule ist hier ein sehr häufiger Brntvogel, welcher Anfang April ankommt und im October uns verlässt. Einzelne Vö- gel bleiben den Winter über hier, aber selten. 123. Asio otus, L. Diese Eule ist in allen zusammenhängenden Wäldern als Brut- vogel anzutreffen. Die meisten verlassen im Winter das Gv.; die Minderzahl bleibt den Winter über hier. (Fortsetsung folgt)
BULLETIN de la SOCIETE IMPERIALE DES NATURAL1STES DE MOSCOU. Publiä sous la Rödaction du Prof. Dr. M. Menzbier. A N N £ E 1894. Nouve 11 e Serie. Tome VIII. (Avec XI planches). MOSCOU. Imprimerie de l’Universitö Imperiale. 1895.
ntE VÖGEL DES MOSKAUER SOTOERHE Ven Th. Lorenz. XII. Picariae. a) Coccyges. 124. Cuculus canorus, L. Der Kukuk ist hier sehr gemein, welcher Mitte April erscheint nnd gegen September hinwegzieht. Als Raupenvertilger ist er ein sehr nützlicher Vogel, welcher der grössten Schonnng zn empfeh- len ist. Uebergangsformen zu C. optatus hatte ich Gelegenheit hier zu beobachten. b) Anisodacty lae. 125. Upupa epops, L. Sehr selten. 1867 beobachtete ich einen Wiedehopf im Kr. Bogorodsk bei Kablukowo im Juni, sowie auch einige lebend auf den Vogelmarkt gebracht wurden, die in der Nähe von Moskan gefangen wurden. 126. Merops apiaster, L. 1880 hielt sich eine Bande von fünf Stück des Bienenfressers fast den ganzen Sommer bei dem Dorfe Masilowo (Kr. Moskau) *) Bulletin des Naturellstes de Moscou, 1898, & 2 & 8, p. 854.
— 326 — auf und wurde im Juni desselben Jahres ein Stück davon gefan- gen, welches ich auf dem Vogelmarkte bei einem Vogelfänger sah. Ein Jahr vordem beobachtete ich einen Bienenfresser in der Stadt Uber dem Exercirhaus fliegen, hart von Schwalben ver- folgt. 127. Coracias garrula, L. Die Blauracke ist hier selten, doch Brutvogel. Im Kr. Bogo- rodsk, näher zum Gouver. Rjasan (Kr. Egoriewsk) soll er brüten. 1867 schoss ich bei Kablukowo (Kr. Bogorodsk) den 15-ten Au- gust ein frisch vermausertes Männchen. 1893 im Juli wurde ein Vogel im Kr. Podolsk, auf dem Gute des Gr. D. Scheremetew, Woronowo, getötet und mir zugeschickt. 128. Alcedo ispida, L Ist nicht besonders selten, wird aber wenig bemerkt. Nah bei Moskau, auf dem Gute des Gr. A. Scheremetew, Ostankino, brütet er und wurde daselbst ein Nest mit 7 Jungen und dem alten $ ge- hoben und mir gebracht. Dann ferner ist der Eisvogel bei dem Dorfe Setun lebend gefangen worden. Bei dem Dorfe Lopasnja (Kr. Serpuchow), dann bei Kargachino kommt er auch vor. c) P i c i. 129. Junx torquilla, Briss. Kommt häufig vor. Erscheint Anfang April und zieht Mitte September fort. 130. Gecinus canus, Gm. Tritt hier verhältnissmässig selten auf; ob er hier brütet, weiss ich nicht, da ich ihn nur im Herbste beobachtete. 131. Gecinus viridis, L. Der Grünspecht ist hier selten,. doch Brutvogel. Vor einigen Jahren wurden mir aus dem Kr. Moskau drei Nestvögel mit der Mutter gebracht. 132. Picoides tridactylus, L. Fast jeden Herbst, im September und October tritt dieser Specht hier vereinzelt auf. Wahrscheinlich nistet er auch in den grossen Kronswäldern der Kreise Klin und Dmitrow.
— 327 — 133. Dendrocopus minor, L. Der kleine Specht ist hier nicht selten, manches Jahr sogar häufig im Herbst. Mitten im Winter hatte ich oft Gelegenheit ihn zu beobachten. Als Brutvogel selten. 134. Dendrocopus leuconotus, Bechst. Ein seltener Vogel hier; ob er hier brütet ist mir unbekannt. Vereinzelte Stücke habe ich mitten im Winter gesehen. 135. Dendrocopus major, L. Von allen Spechtarten die gemeinste; ist das ganze Jahr hindurch in allen Wäldern zu finden. 136. Picus martius, L. Der Schwarzspecht ist hier manches Jahr auf dem Herbstzage häufig. Merkwürdig ist, dass es zur grössten Mehrzahl immer Weibchen sind, dagegen Männchen nur selten angetroffen werden. d) C y p s e 1 i. 137. Caprimulgus europaeus, L. Im ganzen Gouvernement als Brutvogel sehr häufig, welcher in der zweiten Hälfte des April erscheint und im September weg- zieht. Vereinzelte Exemplare habe ich bis in den October hinein beobachtet, immer aber nur sehr kleinwüchsige Weibchen. 138. Cypselus apus, L. Anfang Mai kommt dieser Vogel hier an; die Hauptmasse zieht aber schon Anfang August weg. Vereinzelte Stücke habe ich den 19-ten August beobachtet, sowie auch den 1-ten September 1893 eine namhafte Anzahl bei trüber Witterung über der Hauptstadt fliegen sehen.
— 328 — XUE. P a 8 8 e r e 8. a) Oscines. Sect. 1. Oscines scutelliplantares. 139. Otocoris alpestris, L. Die Alpenlerche erscheint im Herbste zuweilen schon in der zweiten Hälfte des Septembers, bleibt hier bis grössere Mas- sen Schnee ausfallen und zieht dann fort. Es kommt .auch vor, dass sie sich bis tief in den November hier, trotz des vielen Schnees, aufhält und sich dann von verschiedenen Sämereien der trockenen Grasstauden, die vom Schnee nicht bedeckt, nährt. Mitte März, wenn sich anf den Feldern vom Schnee entblöste Steilen bilden, sieht man sie in grossen Herden, zuweilen in Ge- sellschaft von Pledrophanes nivalis. Lange halten sie sich im Frühjahr nicht auf; Ende März oder spätestens Anfang April sind alle fort. 140. Alauda arborea, L Ist hier anf dem Zuge häufig, als Brutvogel aber selten. Im Kr. Bogorodsk habe ich die Heidelerche als Brutvogel einige Mal angetroffen. Anf dem Herbst- und Frtthjahrszuge wird diese Lerche in bedeutender Anzahl lebend gefangen, da sie ihres schönen und reichhaltigen Gesanges wegen gern von Liebhabern in der Ge- fangenschaft gehalten wird. Ende März kommt sie hier an; der Herbstzug fällt in den October, ist aber weniger bemerkbar, als der Frtthjahrszug. 141. Alauda arvensis, L. Ein sehr gemeiner Brutvogel, welcher im Frühjahr in der zwei- ten Hälfte erscheint und im September wegzieht. Vereinzelte Vögel trifft man zuweilen bis Mitte October. Die Feldlerche wird hier im Frühjahr massenhaft gefangen nnd zu Markte gebracht, da es ein sehr beliebter Singvogel ist Sect. 2. Oscines cultrirostres. 142. Corvus corax, L. Der Kolkrabe ist hier durchaus nicht selten; namentlich in den Monaten August und September ist er sogar häufig.
— 329 — 143. Corvus frugilegus, L. Ein sehr gewöhnlicher Brutvogel, welcher Anfang März hier er« scheint nnd Ende October wegzieht. Vereinzelte Exemplare bleiben den ganzen Winter hier. 144. Corvus cornix, L. Einer der häufigsten Vögel überall; im Winter massenhaft in der Hauptstadt. 145. Corvus monedula, L. Sehr zahlreich; im Winter halten sich Scharen von Tausenden in der Stadt auf. 146. Pica leuconota, Brehm. Ein sehr verbreiteter Brutvogel. Im Sommer begegnet man die- sem Vogel nur in zusammenhängenden Wäldern. Im Winter aber kommen sie in die Nähe der Dörfer, dagegen vermeiden sie die Städte stets. 147. Garrulus glandarius, L. Ein sehr gemeiner Vogel; im September namentlich begegnet man dem Vogel sehr oft. Es ist ein für die kleinen Vögel sehr schädlicher Vogel, welcher sogar die flinken Meisen im Dickicht zu fangen versteht, wovon ich mich gut überzeugen konnte, als ich die Eronswälder des Kr. Bogorodsk 1892 besuchte und solch einen Fall beobachtete; nämlich, dass dieser Heher eine Tannen- meise, P. ater, so lange verfolgte, bis er sie im dichtesten Tan- nengeäste fing. Die dunkle Zeichnung auf dem Scheitel variirt ungemein stark, so wie auch die Rückenfärbung vielen Schwan- kungen unterworfen ist. 148. Perisoreus infaustus, L. Im Herbst und Winter ist der Unglückshäher in den Kreisen Klin, Dmitrow und Bogorodsk, in den grossen Eronswälder nicht gerade selten zu finden, wo er wahrscheinlich auch brütet. 149. Nucifraga caryocatactes, L. Im Herbst des Jahres 1882 kam dieser Vogel so massenhaft auf, wie ich das weder früher noch später beobachtet habe; in
— 330 — jedem Wäldchen waren sie anzutreffen. Im Allgemeinen aber ist dieser Vogel hier nicht häufig, doch Brutvogel; 1892 Mitte Juli wurde ein $ bei Podsolnotschnoje, welches einen starken Brutfiecken batte, geschossen nnd mir gebracht. ISO. Sturnus vulgaris, L. üeberall häufig; kommt in der letzten Hälfte des März an und verlässt uns Ende September und Anfang October. Sect. 3. Oscines conirostres. 151. Plectrophanes nivalis, L. Im Herbst und Frühjahr sehr häufig; zuweilen, wenn der Schnee nicht tief ist, halten sie sich bis Ende November hier auf. Auf dem Rückzüge erscheinen sie hier Ende Februar und Anfang März; nm diese Zeit bestehen die Herden zuweilen aus Uber Tausend Stück und werden, wenn es nicht vom Schnee entblösste Stellen anf den Feldern giebt, sehr viele mit Netzen gefangen und lebend zu Markte gebracht. Der Gesang dieser Ammer ist zwar sehr bescheiden, sie werden aber von den Vogelliebhabern doch wegen ihrem ansprechenden Frühjahrskleide gern gekauft. Lange leben sie aber, wie alle nordischen Vögel, in der Gefangenschaft nicht. 162. Calcarius lapponicus, L. Einige mal ist dieser Ammer hier vorgekommen; ich erhielt zwei Männchen, die auf dem Frühjahrszuge: gefangen wurden, nnd ein Weibchen, welches hart bei Moskau im Herbst geschossen wurde. 153. Emberiza schoeniclus, L. Häufiger Brutvogel; in den ausgebreiteten Sümpfen des Kr. Bo* gorodsk am Fl. Worja habe ich ihn als solchen oft beobachtet, sowie er auch am Trostjanoe Osero im Mai sehr häufig auftrat. Im Frühjahr kommt er Anfang April an und zieht Ende Septem* her weg. 154. Emberiza hortulana, L. Den Gartenammer beobachtete ich im Kr. Kolomna im Mai 1888, wo er ebenso sein Liedchen auf den Telegraphendrähten sitzend
— 331 — sang, wie ich das vorher im Kaukasus und dem südlichen Russland gesehen habe. Ein Vogel wurde im Kr. Serpuchow gefangen nnd zum Verkauf nach Moskau gebracht. < 155. Emberiza citrinella, L. Die Goldammer ist ein sehr gemeiner Vogel hier, welcher einer von den wenigen hier winternden Vögeln ist. Die mit rotbrann an der Kehle und den Halsseiten, mehr oder weniger gefleckte Variet. E. dbrineüa brehmi, kommt namentlich im Frtthjahr hier vor. Es giebt darunter Männchen, bei denen das Rotbraun sehr stark entwickelt ist, so dass der Vogel dadurch ein fremdartiges Aussehn gewinnt. 166. Emberiza miliaria, L. Zweimal wurde dieser Vogel im Frühjahr zusammen mit Emb. citrinella im Kr. Moskau gefangen. 157. Emberiza aureola, Pall Vor circa 30—40 Jahren, war dieser Vogel hier gänzlich un- bekannt, dagegen jetzt ist es ein häufiger Brutvogel, den man überall da findet, wo grössere Wiesenflächen im Frtthjahr Über- schwemmt werden. Es ist höchst merkwürdig, wie kurz der Au- fenthalt dieses Vogels hier ist; er erscheint unter allen hier lebenden Vögeln am spätesten, d. h. nie vor dem 10-ten Mai, zuweilen aber noch viel später, so gegen Ende des Mai. Im Juni findet man das Nest, welches immer sehr versteckt im Grase angelegt und schwer zu finden ist, wenn auch das Männchen nicht weit vom Neste ununterbrochen sein zwar kurzes, aber sehr schönes Liedchen hören lässt. Das Männchen sieht prächtig aus, wenn es auf den höheren Grasstauden seinen Stand nimmt; die schöne lebhaft gelbe Unter- seite und der rotbraune Kopf zieren ungemein den Vogel. Er ist mit seinesgleichen sehr unverträglich; die Männchen, sobald ihnen ein Anderes näher kommt, stossen sofort auf den Eindringling und ruhen nicht eher als bis sie denselben vertrieben haben. Die Letzten, die ich im Sommer beobachtete, war d. 8-ten Juli; später habe ich nie einen Vogel .dieser Art gesehen. Es ist anzunehmen, dass sobald die Jungen flttgge sind, der Rückzng sofort angetreten wird. Vor einigen Jahren brüteten sehr viele Pare dieser Ammer in der unmittelbaren Nähe von Moskau, nämlich am Moskwastrom,
— 332 — hinter der Borodinsehen Brücke anf einer ansgebreiteten Wiesen- fläche, d. sogen. „Krasnoi Lag“, welche fast jedes Jahr vom Moskwastrom überschwemmt wird. Jetzt ist die Wiese zu einem Kohlacker nmgebant nnd seitdem sind die Weidenemmer von dort verschwunden. Im Kreise Bronnitza nnd bei dem Kloster Ugreschi kommt er sehr häufig als Brutvogel vor. 158. Emberiza rustica, Pall. Den 2-ten September 1889 wurde ein schönes & dieser Art bei dem Dorfe Nemtschinowo, Kr. Moskau, lebend gefangen und mir gebracht. Es hielt sich im niedriegen Eichengestrüpp auf; an- dere Vögel dieser Art waren nicht dabei. Es ist der zweite Vogel, der im Moskauer Gebiet gefangen worden ist; Ende der sechziger Jahre wurde ebendaselbst noch einer gefangen. 159. Emberiza pusilla, Pall. Für unser Gouvern. eine grosse Rarität; ein Vogel nnd zwar ein schönes im ausgefärbten Herbstkleide stehendes Männchen wurde d. 15-ten September 1893 bei dem Dorfe Nemtschinowo lebend gefangen und von mir erworben. 160. Loxia pithyopsittacus, Bechst. Im Winter des Jahres 1879 trat diese Art in Massen auf, spä- ter aber nur vereinzelt. 161. Loxia bifasciata, Brhm. Manches Jahr sehr häufig, so z. B. iui Jahre 1889 kannte man de nicht nur in Nadelwäldern sehen sondern auch in den Laubwäldern waren sie nicht selten. Ich bin geneigt diesen Kreuzschnabel als Brutvogel für das Moskauer Gouvernement zu betrachten, da ich im Juli Jnnge, noch im vollen Nestkleide stehend, erhielt. 162. *Loxia curvirostra, L. Ein sehr gemeiner Brutvogel, doch sein häufiges Auftreten sehr unbeständig; plötzlich erscheinen de in allen Nadelwäldern, nm dann auf längere Zeit fast gänzlich zu verschwinden. X 3. 1894. 22
— 333 — Die Schnabellänge and Dicke ist vielen Schwankungen unter- worfen, aber nie erreichen solche die Dicke des Lox. pithyopsii- tacus. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass bei dieser Art zuweilen bei den Jungen das Nestgefieder direckt in das rote Gefieder des alten ausgefärbten Vogels, ohne das mittlere gelbe anzulegen, übergeht; derartige Vögel hatten noch den grössten Teil des Nestkleides, dazwischen aber rote Federn des ausgefärbten Vogels. 163. Loxia rubrifasciata, Brhm. Der rotbindige Kreuzschnabel ist manches Jahr nicht selten. Die Meisten, die ich hier sah, waren Herbst- oder Wintervogel; im Frühjahr habe ich ihn nur einige mal beobachtet. Der rotbindige Kreuzschnabel ist ein schöner Vogel, namentlich im Herbst, dann sind die Flügelbinden angenehm rotgefärbt, dagegen im Frühjahr sind sie blass. 164. Pinicola enucleator, L. Alle drei-vier Jahre erscheint hier der Hackeugimpel Ende October zuweilen in grossen Scharen; bleibt den November durch hier und verschwindet dann ganz. Im Frühjahr habe ich ihn hier niemals beobachtet. 165. Pyrrhula coccinea, Sel.-Long. In den grossen Kronswäldern des Kr. Bogorodsk ist er Brutvogel, wo ich oft Gelegenheit hatte ihn in der Brutperiode zu beobachten. Bei Moskau im Lossinoi Ostrow brütet er ebenfalls und wahr- scheinlich auch in den Kreisen Klin und Dmitrow. Im October erscheinen sie aus dem höheren Norden in grossen Massen und überwintern hier. Im Winter werden Tausende dieser Vögel gefan- gen und davon die grösste Anzahl nach Deutschland und England lebend versandt. Bei den jungen $ im ersten ausgefärbten Kleide ist die kürzeste der dritten Schwingen nicht ziegelrot, sondern fast immer bräunlich-grau, was ich bei den Männchen jeden Alters nie beobachtet habe. Weibchen mit rot angeflogenen Backen und etwas Rot an der Kehle habe ich einige Mal beobachtet; ob das nun auf hohes Alter oder angeborene Hahnenfedrigkeit hinzuleiten ist, ist schwer zu sagen. Ein im höchsten Grade interessantes Exemplar des .Dompfaffen erhielt ich den 3-teii November 1891, welches im Kreise Moskau lebend gefangen wurde.
- 334 — Es war nämlich ein Hermaphrodit; die rechte Hälfte des Vo- gels hatte die Färbung des normalen Männchens; die linke Hälfte die des Weibchens, jedoch die Backen und die linke Brusthälfte nut etwas Rot untermischt; an den grauen Seitenfedern schimmert sehr schwach etwas Rot hindurch. Auf dem Rücken ist die rechte Hälfte viel mehr bläulichgrau als auf der linken, welche der Fär- bung der Rückenfarbe des Weibchens vollkommen entspricht. Streng begrenzt ist das Grau des Weibchens und das Rot des Männchens auf der Unterseite nicht, sondern beide Farben gehen um einige Millimeter eine in die andere; das Grau sogar auf der Brust zieht sich in einem sich mehr und mehr verschmälernden Streifen in das Rot der rechten Hälfte hinein. Die kleinen Oberflügeldecken des rechten Flügels besitzen rötliche Aussensäume, wie es die typ. Männchen in der Regel haben; dagegen, am linken Flügel ist keine Spur von Rot sichtbar, wie es immer der Fall bei den weiblichen Vögeln ist. Die schwarze Kappe ist weniger glänzend als beim Männchen. Bei der Untersuchung der Geschlechtsorgane ergab sich fol- gendes: an der linken Seite befand sich ein äusserlich gut ent- wickelter Eierstock; an der rechten Hälfte stand ein, äusserlich betrachtet, normal entwickelter Testiculus. Im Legeschlauch fand ich ein Ei, welches die halbe Grösse des Normaleies hatte und von einer sehr dünnen und weichen Schale, welche blass grünlich- blau gefärbt war, bekleidet. Ich übergab die Geschlechtsorgane an Hr. Professor A. A. Tichomirow, welcher dieselben microscöpisch untersuchte und den Fall als einzig dastehend in einem besonderen Aufsatz beschrieb. 166. Carpodacus erythrinus, Pall. Der Carmingimpel ist hier ein sehr gewöhnlicher Brutvogel. Das Nest legt der Vogel am liebsten in Eichengestrüpp, dann auf Faulbeerbäumen, zuweilen auch auf niedrigen aber dichten Tannen- , bäumchen. Das Gelege besteht aus 5—6 Eiern. Der Vogel kommt hier in den ersten Tagen des Mai an, lässt seinen laut flötenden Gesang bis in die zweite Hälfte des Juni hören und verschwindet dann plötzlich. Von alten, roten Männchen habe ich nur eins den 20-ten Juli gesehn, sonst nicht. Junge Vögel im Nestkleide erlegte ich den 29-ten August. Das schöne Carminrot bekommen die Männchen erst nach der 22*
— 335 — zweiten Mauser. Die jungen Männchen im grauen Gefieder pflanzen sich aber auch schon fort. 167. Linota linaria, L. Vom September an bis in den April hinein ist dieser Vogel mehr oder weniger häufig. 168. Linota holbölli, Brhm. Der grosse langschnäblige Birkenzeisig kommt hier zuweilen in Gesellschaft des Ersten vor. 169. Linota betularum, Sund. In manchen Jahren erscheint diese, der nächstfolgenden sehr nahestehende Form, in grosser Anzahl, in manchen Jahren aber ist sie selten zu sehen. 170. Linota exilipes, Coues. Im Winter 1880—81 war diese Form die vorherrschende; Herden von Tausenden schwärmten in den Birkenwäldern herum. In den folgenden Jahren waren sie viel seltener und i§ den letzten Jahren sehr selten. 171. Linota cannabina,L. Ein sehr gewöhnlicher Brotvogel, welcher Ende März ankommt und im October fortzieht. Es kommt zuweilen vor, dass kleine Banden den ganzen Winter hier bleiben. 172. Fringilla montifringilla, L. Als Brutvogel habe ich diesen Vogel hier nie angetroffen. Seine' Brutplätze werden wohl in den Gouverq. Wologda, Nowgorod etc. zu finden sein, da schon Anfang August grosse Massen, dieser Art hier erscheinen, welche bis in den Oktober hier bleiben. Im Früh- jahr kommen sie in der zweiten Hälfte des April zusammen mit der nächstfolgenden Art an.
— 336 — 173. Fringilla coelebs, L. üeberall gemein als Brutvogel; kommt in der zweiten Hälfte des März an und verlässt uns im October. Einzelne Vögel habe ich den ganzen Winter durch beobachtet. • 174. Passer domesticus, L. Ausserordentlich gemeiner Brut- und Standvogel. 175. Passer montanus, L. % Weniger häufig, wie der vorhergehende. 176. Coccothraustes vulgaris, Pall. Ist hier selten, wahrscheinlich aber brütet er hier, da ich ihn im Sommer beobachtet habe. Einzelne Stücke sind auch im Winter beobachtet worden. Ich habe Vögel dieser Art gehabt, die ebenso viel Weiss am Stoss hatten wie C. japonicus. . 177. Ligurinus chloris, L. Ist hier nicht selten, namentlich im Frühjahr, als Brutvogel aber nicht häufig. Ende März kommt er an und zieht im September fort Ich habe Gelegenheit gehabt mehrere Stücke im Winter zu schiessen, was aber immerhin eine Seltenheit ist. 178. Chrysomitris spinus, L. • Sehr gemein und brütet in allen grösseren Nadelwäldern. Im März, sobald die Witterung etwas gelinder wird, kommt der Zeisig in grossen Scharen an, hält sich auf offenen Grasplätzen bis in den April hinein auf und bezieht dann seine Brutplätze, welche er mit der jungen Brut Ende August verlässt und sich bis in den November in Birkenwäldern herumtreibt. Kleine Banden rieht man zuweilen den ganzen Winter hindurch, in Gesellschaft v. L. linaria. Bastarde vom Chr. spinus und L. linaria sind mir einige Mal lebend gebracht worden. Es waren immer Männchen, der Gesang war angenehm und reichhaltiger als von Chr. spinus'
— 337 — 179. Carduelis elegans, Steph. Eine sehr häufige Erscheinung, namentlich im Winter, ist aber auch nicht selten BrutvogeL Im Herbst und Winter werden sehr viele gefangen und nach Deutschland und England zusammen mit Pyrrh. coccinea versandt. Sect. 4. Oscines curvirostres. 180. Certhia familiaris, L. Sehr gewöhnlicher Brutvogel. Im Herbst und Winter streichen sie in Gesellschaft der Meisen und Kleiber umher. Sect. 5. Oscines latirostres. 181. Cotyle riparia, L. An allen grösseren Flüssen mit steilabfallenden Lehmufern trifft man Brutcolonien an. Ende April kommt diese Schwalbe hier an und verlässt uns Ende August. 182. Chelidon urbica, L. Diese Art ist hier nicht sonderlich häufig. Ende April oder An- fang Mai (erscheint sie und fliegt in der zweiten Hälfte des Au- gust fort. 183. Hirundo rustica, L. Seit circa zehn Jahren bat sich die Anzahl der Gabelschwalben bedeutend verringert. Ist der Grund nicht etwa in der Massen- vertilgung der Schwalben im Süd-Frankreich, wo sie zu Mo- deartikeln verwendet werden, zu suchen? Diese Art erscheint hier zwischen dem 10-ten und 25 sten April, je nachdem die Witte- rung ist; der Abzug der Hauptmasse findet Ende August statt. Nachzügler trifft man bis in den October hinein.
— 338 — Sect. 6. Oscines dentirostres. 184. Muscicapa parva, Bechst. Scheinbar ist dieser Fliegenfänger hier nicht häufig, in Wirklich- keit ist er aber durchaus nicht selten; der Vogel führt eine sehr versteckte Lebensweise, ist deshalb wenig bemerkbar. Fast in allen Laubwäldern, wenn man den Vogel sucht, findet man ihn auch. Die Männchen erhalten die lebhaft hellrostrote Kehle und Brust erst im zweiten Lebensjahre; im ersten Jahr sind sie von dem Weibchen nicht zu unterscheiden. Anfang Mai kommt er hier an und verlässt uns im August. 185. Muscicapa collaris, Bechst Den 4-ten Mai 1890 wurde ein schönes ausgefärbtes Männchen dieses hier äusserst seltenen Fliegenfängers bei dem Dorfe Tsche- repkowo, im Kr. Moskau, lebend gefangen und von mir erworben. Ich verglich den Vogel mit derselben Art aus dem Gouv. Char- kow, die Ende April dort geschossen waren, und land, dass der Moskauer Vogel etwas kleiner war, das Schwarz weniger tief, sowie das Weiss am Hinterhalse nicht so rein, die Oberfltigeldecken stellenweise noch grau, bei den Charkower Vögeln aber schon schwarz waren. 186. Muscicapa atricapilla, L. Ein sehr verbreiteter Brutvogel der Laubwaldungen. Ende April kommt dieser Vogel hier an und verweilt hier bis in den September hinein. 187. Muscicapa grisola, L. Sehr gewöhnlicher Brntvogel, der zum Nisten sich auch mit abseits stehenden Scheunen begnügt Kommt hier Anfang Mai an und zieht Ende August fort. 188. Ampelis garrulus, L. In manchen Wintern erscheinen hier Massen des Seidenschwan- zes, in manchen Jahren aber sieht man nicht einen Vogel. In
— 339 — der Regel kommen sie Ende September an; ist hinreichend Nah- rang da, bleiben sie bis in den April hier, um dann'gänzlich zu verschwinden. Die ersten Ankömmlinge sind fast immer junge Vögel mit Resten des Nestgefieders, später gegen Ende October oder An- fang November kommen die alten schon ganz umgemauserten Vögel an. Es werden hier im Herbst sehr viele Seidenschwänze lebend gefangen, wovon die schönsten auf dem Vogelmarkt den Liebhabern feilgeboten werden; die Uebrigen aber werden getötet, um für die Küche den Wildhändlern verkauft zu werden. 189. Lanius collurio, L. Sehr gewöhnlicher Brutvogel, welcher erst Ende April hier ankommt und schon in der zweiten Hälfte des August wegzieht. 190. Lanius excubitor, L. Im Herbst und Frühjahr nicht selten; seltener im Winter. Als Brntvogel kenne ich ihn nur aus dem Kr. Bogorodsk, wo ich 1868, im Juni, kaum aus dem Neste geflogene Junge sammt den Alten, in einem nicht hohen Birkenwäldchen untermischt mit Tan- nen nnd Wachholder, antraf. In der Nähe des Ortes, wo ich die Jungen antraf, fand ich viele junge Nestvögel der Feldlerche und Mäuse an trockenen Aesten angespiesst, die meisten davon waren halb verwest. Uebergänge in der Färbung zu Lan. homeyeri habe ich an hiesigen Exemplaren einige Mal beobachtet. 191. Lanius rapax, Brehm. Weniger häufig als L. excubitor. Ich habe ihn hier nur im Spätherbst und Winter beobachtet, ausnahmsweise einmal im Winter. 192. Lanius major, Pall. Dieser Würger ist hier schon einige Mal vorgekommen. Ich erhielt ein $, welches d. 20-sten November bei dem Dorfe Nem- tschinow© erbeutet wurde. Ich verglich meinen Vogel mit solchen aus Ost-Sibirien und konnte keinen Unterschied finden.
— 340 — 193. Oriolus galbula, L. Im ganzen Gouvernement, wo es Lanbhölzer giebt, ist der Pirol nicht selten. Die Ankunft fällt in die ersten Tage des Mai, in der zweiten Hälfte des August ziehen sie fort. 194. Anthus trivialis. L. Ein sehr verbreiteter Mistvogel. Anfang April, -wenn das Wet- ter günstig, kommt er hier an; Ende September ziehen sie fort. Nachzügler habe ich übrigens auch im October beobachtet. 195. Anthus cervinus, Pall. Ende April nnd Anfang Mai ist dieser Pieper anf dem Durch- zuge zuweilen hänfig; er hält sich hier bis zum 8-ten, spätestens 10-ten Mai anf nnd zieht fort, nm Anfang September auf dem Rückzüge sich einige Wochen hier aufzuhalten. Im Herbste halten de sich oft in der Gesellschaft von Anth. pratensis. Im Herbst- kleide sind sie nur vom Kenner vom Sumpfpieper zu unterschei- den; nur die ganz alten c?, haben eine rotbraune Kehle und Brust. Ende September oder Anfang October verschwinden sie ganz. 196. Anthus pratensis, L. In den meisten Sümpfen gewöhnlicher Brutvogel. Anfang April ist er schon hier. Verschwindet Ende September oder Anfang October. 197. Motacilla flava, L. Typisch kommt diese Stelze nicht häufig hier vor; die meisten, die hier auftreten, repräsentiren Uebergänge zu der Nächstfolgen- den. Zwischen dem ersten und fünfzehnten April, je nachdem die Witterung ist, kommt sie an und verbleibt hier bis in die ersten Tage des Septembers. Als Brutvogel trifft man sie sehr häufig. 198. Motacilla borealis, Sund. Typisch ebenso selten, wie Jf. flava, dagegen Repräsentanten mit Uebergängen zu letzterer kommen sehr häufig vor. Erscheint und zieht mit M. flava fort. Brütet ebenso häufig hier, wie die Vorhergehende.
— 341 — 199. Motacilla alba, L. Sehr gemeiner Brutvogel, kommt hier zuweilen schon Ende März an, um gegen Mitte September wegznziehen. 200. Troglodytes parvulus, Koch. Als Brutvogel habe ich dieses Vögelchen ganz nahe bei Moskau, z. B. im Swerinez, einem Hochnadelwald, wiederum in dichten Laubwäldern beobachtet. Im Winter bei sehr starken Frösten habe ich ihn auch gesehen, im Herbst ist er manche Jahre ziemlich häufig. 201. Sitta europaea. L. Im Winter und Herbst ist diese Art sehr häufig; als Brutvogel ist er hier auch nicht selten. 202. Sitta uralensis, Licht. Kommt zuweilen im Herbst und Winter vor. 203. Lophophanes cristatus, L. Die Haubenmeise ist hier nicht sehr häufig anzutreffen, doch brütet sie hier und sogar in der Nähe von Moskau, bei Ostankino. 204. Cyanistes coeruleus, L. Häufiger Brutvogel, welcher auch im Winter zuweilen nicht selten ist. 205. Cyanistes cyanus, Palt Vor 30—35 Jahren war die Lasurmeise fast ganz unbekannt, später wurde sie häufiger und, zwar selten, Brutvogel. Manchen Winter ist diese Meise durchaus nicht selten. 206. Cyanistes pleskei, Cab. Fast jeden Herbst werden einige dieser interessanten Meisen le- bend gefangen. Sie kommt hier auch im Winter zuweilen vor. Im Frühjahr erhielt ich einmal ein Stück. Der Gesang ist ein Mittelding zwischen C. coeruleus und C. cynaus, der Ruf erinnert
— 342 — mehr an C. coeruleus. Ich bin fast geneigt in dieser Meise keine selbstständige Art, sondern einen Bastard des C. coeruleus und C. cyanus zn sehen: 1) ihr Vorkommen nnr da, wo beide genannten Alten auftreten (Gouv. Petersburg, Moskau und Orenburg, wo diese Meise bis jetzt gefunden worden ist), 2) ihr seltenes Vor- kommen da, wo sie bis jetzt gefunden worden ist, 3) das starke Variiren in der Färbung und den Grössenverhältnissen. Die Mehrzahl steht in der Färbung dem C. coeruleus näher, als dem C. cyanus, es giebt aber, zwar selten, Exemplare, die der Färbung und Grösse so nahe stehen, dass man sie nur an den unbedeutenden gelben Flecken an der Oberbrust und dem sehr hellblauen Scheitel von C. cyanus unterscheiden kann. Meine Ansicht ist die, dass nämlich die häufiger auftretende Form, welche der C. coeruleus in der Färbung näher steht, vom C. coeruleus <3 und dem C. cyanus ? stammt, dagegen die seltenere hell gefärbte Form von C. cyanus und C. coeruleus $ ihre Abstammung hat. Bei Bastarden ist es fast Regel, dass solche mehr Aehnlichkeit mit dem Vater als mit der Mutter haben. Alle diese Belege bestimmten mich diese Meise als einen Bastard und nicht als besondere Species zu betrachten. 207. Poecile borealis, De Selys. Ist hier ein sehr gemeiner Brutvogel nnd einer von den we- nigen, die den Winter hier verbleiben. 208. Poecile cincta, Bodd. Ist hier schon einige Mal im Spätherbst gefangen worden. Ei- nige von den Gefangenen habe ich gesehen; sie waren sehr ruhig, ganz das Gegenteil von andern Meisen. 209. Parus ater, L. Manchen Herbst hier sehr zahlreich. -Nistet überall in den grös- seren Nadelwäldern. Die Tannenmeise beginnt Ende August zu streichen; Ende October oder Anfang November sieht man keine mehr. 210. Parus mejor, L. Ein sehr gewöhnlicher Brutvogel, von welchen viele über- wintern.
— 343 — 211. Orites caudatus, L. Tritt hier ziemlich häufig anf; im Winter ist er auch nicht selten in Gesellschaft von Meisen anzutreffen. Ist hier Brntrogel. 212. Accentor modularis, L. Anf dem Herbstzuge ist dieser Vogel hier häufig und verweilt hier von Anfang September bis in den October hinein. Im Früh- jahr ist er in den ersten Tagen des April hier, bleibt aber nicht lange; in der zweiten Hälfte desselben Monats ist er schon fort. 213. Locustella fluviatilis, Wol£ Als Brntvogel habe ich diesen Vogel in vielen, mit dichtem Gestrüpp bestandenen Sümpfen und Obstgärten mit starkem Unter- wuchs beobachtet. Das Nest wird immer in sehr hohem nnd dichtem Grase oder unter Nesseln angelegt, wo es aber sehr schwer zn finden ist, da der Vogel das Nest immer nnr laufend verlässt nnd dann erst auffiiegt, wenn er vom Nest weit entfernt ist. Das Gelege besteht ans 5 bis 6 Eiern. Der Vogel erscheint hier Anfang Mai und verschwindet im August. 214. Locustella naevia, L. Ebenso häufig wie der eben Genannte, welcher aber schon in der zweiten Hälfte des April hier ist und bis Ende Angust oder Anfang September sich hier aufhält. Ich habe sein Nest oft in ganz nassen Sümpfen gefunden, sowie aber auch auf ganz trocke- nen hoch liegenden, vom Wasser weit entfernten Stellen. Die Lo- custella straminea Sew. tritt hier auch auf, aber seltener als die typ. Art. 215. Calamodyta phragmitis, Bechst. Ein hier ziemlich häufig vorkommender Rohrsänger, welcher Ende April oder Anfang Mai ankommt und in der ersten Hälfte des Septembers wegzieht. Ist hier Brutvogel. 216. Acrocephalus palustris, Bechst. Unter den Rohrsängern die am häufigsten hier vorkommende Art; erscheint fast zugleich mit C. phragmitis, zieht aber etwas zeitiger fort. Als Brutvogel habe ich diesen Rohrsänger in der
— 344 — Nähe von Moskau, anf dem „Krasnvi Lug“ kennen gelernt. Sie nisteten da in Colonien, so dass anf einer Quadratfläche von 50 bis 60 Schritt viele Nester im dichten und hohen Unkraut ange- legt waren. Der Gesang dieses Vogels ist zwar sehr nett, aber er kann sich darin mit A. magnirostris durchaus nicht messen. 217. Acrocephalus magnirostris, Liljeb. Nur der Sprosser kann mit dem Gesang dieses herrlichen Sän- gers wetteifern; alle andern hier vorkommenden guten Sänger als & atricapiUa, Hypolais icterina etc. stehen, was Reich- haltigkeit und flötende Töne betrifft, weit zurttck. Man wird ganz entzückt, wenn man den Vogel in schöner warmer Mainacht hört; so schön ist der herrliche Gesang dieses sehr bescheiden gefärb- ten Vogels. Er wird von den Vogelstellern vielfach gleich nach seiner Ankunft gefangen und sehr gern von Liebhabern, seines schönen Gesanges wegen, gekauft und bis in den Juli hinein gehalten. Unter der Liebhabern ist er unter die Benennung „Sa- dowaja Malinowka“ sehr wohlbekannt. Das Nest wird oft in Obstgärten mit dichtem Unterwuchs, in Sümpfen mit dichtem Gestrüpp, an Flüssen und zuweilen auch in trockenem, hocbliegendem, niedrigem, aber dichtem Gehölz ange- legt. Das Nest steht zwischen Aesten, selten höher als ein Ar- schin vom Boden, in welchem 5—6 Eier zu finden sind. Erst nach dem 5-ten Mai kommt diese Art hier an und fliegt Ende August fort. Ganz das Gegentheil von A. palustris, führt dieser Vogel nach der Brutperiode ein sehr verstecktes Dasein; erstere Art sieht man viel öfter, als letztere, trotzdem der Vogel auch nach der Brut- periode hier nicht selten ist. • 218. Hypolais icterina, VieilL Ist hier nicht selten; Anfang Mai kommt dieser Sänger an und zieht im August fort. Wird hier von Liebhabern auch geschätzt und ist ihnen unter dem Namen „Lessnaja Malinowka“ wohlbe- kannt. 219. Hypolais caligata, Licht Als ich Anfang Juli 1881 die ersten Vögel dieser Art nicht weit von Moskau, auf den Worobjewi Gori erbeutete und sie dem verstorbenen Dr. Sewerzow vorlegte, war er im höchsten Grade
— 345 — erstaunt, diesen von ihm nur im Gouv. Orenburg und in Central- Asien gefundenen Vogel hier zu sehen; und doch ist dieser Vogel hier durchaus keine Seltenheit und an vielen Stellen du sehr ge- wöhnlicher, durch sein wenig scheues Benehmen und seinen origi- nellen Gesang auffallender Bruhogel. Sein kurzer leierartiger Ge- sang ist so eigentümlich, dass er mit keinem anderen Vogelgesang verwechselt werden kann, entfernt erinnert er an einen solchen der Sylvia hortensis, aber weniger melodisch und mehr schnar- rend klingend. Nähert man sich dem Nest, so lassen die Alten einen schnar- renden Warnungslaut, fast ebenso wie die Rohrsänger, hören. Die Brutplätze sind in wenig dichtem Gestrüpp, welches ans einer kleine Weidenart besteht, oder auch im Kornfelde, aber im- mer in der Nähe de» kleinen Weidengestrüppe. Der Vogel kommt hier Anfang Mai an, schreitet aber znm Nestbau erst Mitte Mai, nicht früher als bis an der kleinen Weidenart die Wolle reif ist, die sie zum Ausfüttern ihrer Nester gebrauchen. Das Nest steht immer auf der Erde, ziemlich frei in einer Vertiefung, es ist rund und verengt sich nach oben, das Material besteht aus feinen trocke- nen Gräsern und die Fütterung aus Weidenwolle, wodurch das Innere des Nestes gelblich-weiss aussieht, sowie mit Pferdehaaren ausgepolstert. Ich habe auch schon Nester gefunden, die nicht mit Weidenwolle, sondern mit Mäusehaareu, die von den Gewöllen der Eulen entnommen, gefüttert waren, wovon das Innere des Ne- stes ein ganz eigentümliches Aussehen gewann. Ende Mai oder Anfang Juni ist das aus 5 bis 6 Eiern beste- hende Gelege fertig, welche auf rötlich-weissem Grund dunkel- braun geflekt und bespritzt sind, am stumpfen Ende gröber und dichter. Anfang Juli verlassen die Jungen das Nest, haben aber und diese Zeit noch ganz kurze Schwänze und sind noch schlechte Flieger. Anfang August halten sie sich in kleinen Gesellschaften an ihren Brutplätzen, verschwinden aber bald nachher ganz von dort, und in den Kraut- und Kartoffelfeldern ihrer Nahrung nachzugehn, um dann Ende Angust oder Anfang September ganz wegzuziehen. In den Kohl- und Kartoffelfeldern sind sie nur für Augenblicke dann sichtbar, wenn man dieselben gut absucht, sonst sind die Vögelchen nicht zu sehen noch zu bemerken. 220. Phylloscopus sibilatrix, Bechst üeberall, namentlich im Frühjahr und Sommer sehr häufig. Die Ankunft fällt in die Mitte des April, der Abzug Ende August.
— 346 — 221. Phylloscopus viridanus, Blyth. Nachdem Herr P. P. Ssuschkin diesen asiatischen Laubsänger im Gouvern. Tula fand, vermutete ich sehr, dass er auch in un- serem Gebiet vorkommen muss, was sich auch wirklich bestätigte, indem Herr Prof. Kaigorodow dieses Vögelchen am 1-sten Juni 1893 auf dem Gute des Grafen S. D. Scheremetew, im. Kr. Po- dolsk schoss, welches dann Herr Th. Pleske in St. Peters- burg bestimmte. Herr L. Sabaneew theilte mir schon vor mehre- ren Jahren mit, dass er diesen ihm aus dem Ural bekannten Laub- sänger im Kr. Podolsk jeden Sommer beobachtet habe, sowie auch Herr P. P. Ssuschkin mir mittheilte, dass er ihn im Walde von Petrowsky-Rasumowsky gehört hätte nnd ihn leicht nach dem Ge- sang bestimmen konnte, da er ihm aus dem Gouv. Tula bekannt war. 222. Phylloscopus trochilus, L. Hier sehr gemein. Unter den Laubsängern ist er der erste, wel- cher hier ankommt, nämlich schon Anfang April und fliegt Ende September fort; Nachzügler habe ich noch im-October, sogar nach Schneefall beobachtet. Im Frühjahr wird er viel gefangen; es sind hier für dieses Vögelchen viele Liebhaber, die ihn wegen des zwar kurzen, aber sehr ansprechenden Liedchens gern halten, um ihm in den meisten Fällen Anfang Juli die Freiheit zu schenken. 223. Phylloscopus collybita, Vieill. In der ersten Hälfte des April kommen sie hier an, halten sich kurze Zeit in lichten Laubwäldern und Obstgärten auf, um bald ihre Brutplätze in den Hochwäldern zu beziehen. In dem Kr. Bogorodsk und Swenigorod bin ich diesem Laub- sänger oft begegnet, namentlich in den ausgebreiteten Kronswäl- dern des Kr. Bogorodsk, wo im Mai der einfache, aber angenehme Gesang ununterbrochen zu hören war. Ende August beginnt der Abzug nnd dauert fast den ganzen September hindurch; dann trifft man sie viel häufiger in Laub- als in Nadelwäldern. Im September, bei schönem Wetter, lassen sie auch ihren Gesang hören. 224. Regulus cristatus, Koch. Hier ein häufiger Brutvogel. Im Herbst und Winter sieht man sie häufig in Gesellschaft von Meisen streichen. Regulus igni-
— 347 — capillus habe ich hier niemals gesehen; alle d1 des R. cristatus haben einen fast ebenso feurig roten Scheitel wie erstere Art, weshalb die hier ständige Art irrtümlich ' * der südwestlichen verwechselt wird. 22ß. Sylvia nisoria, Bechst. Die Sperbergrassmücke ist hier verhältnissmässig nicht häufig; auf Worobjewi Gori in den Obstgärten, sowie auch in allen Obst- gärten der zunächstliegenden Dörfern ist sie kein seltener Brut- vogel. Ende April oder Anfang Mai trifft sie hier ein; wann sie weg- zieht weiss ich nicht; ich habe sie nur einmal den 29-sten Au- gust erbentet; es war ein junger Vogel, sonst ist sie, sobald die Jungen das Nest verlassen, unsichtbar. 226. Sylvia hortensis, Bechst. Ein sehr häufiger Brutvogel; kommt hier Ende April an nnd zieht Ende August fort. 227. Sylvia atricapilla, L. Dieser prächtige Singvogel ist im ganzen Gouv. verbreitet. Seine Ankunft fällt in die ersten Tage des Mai; im Herbst hält er sich zuweilen bis in den October hier auf. 228. Sylvia cinerea, Bechst. Die häufigste hier auftretende Art unter den Grasmücken, kommt in der zweiten Hälfte des April und verlässt uns Anfang September. 229. Sylvia curruca, L. Hier eine seltene Art, welche ich nur im Mai beobachtet habe. 280. Daulias philomela, Bechst Der Sprosser tritt im ganzen Gonvern. als Brutvogel auf. Seine Ankunft datiert sich fast in der Regel nach dem 20-sten April; in der zweiten Hälfte des Septembers ziehen sie fort. Die besten Schläger, die ich hier Gelegenheit hatte zn hören, waren Sprosser aus dem Kr. Bogorodsk, unter welchen sich solche befanden, die den besten Schlägern aus Kursk nnd Kiew nicht nachstanden, wo- gegen Sprosser aus dem Kr. Moskau meistenteils Stümper sind.
— 348 — 231. Cyanecula suecica, L. Im April, Lod dem Zuge, zuweilen häufig; brütet auch nicht selten hier; der Abzug findet in der ersten Hälfte des September statt. Unter den typ. Vögeln kommen oft solche vor, bei denen im zimmtbraunen Fleck kleine weisse glänzende Flecke stehen; wahr- scheinlich sind es Bastarde zwischen dieser und C. leucocyana, Brehm. 232. Cyanecula leucocyana, Brehm. Auf dem Frühjabrsznge ist das weisssternige Blaukehlchen auch nicht selten; im Herbst dagegen habe ich sie nie gesehen. Auch unter diesen Blaukehlchen habe ich oft solche gesehen, die auf dem weissen Stern zimmtbraune Flecken hatten, welches wohl auf Verbastardirung mit der C. suecica zurückzuführen sein wird. 233. Cyanecula Wolfii, Brehm. Nur einmal ist mir dieses Blaukehlchen begegnet; es wurde im Hai im Kr. Moskau lebend gefangen. Die Kehle war schön blau, von einem Fleck war keine Spur. 234. Erythacus rubecula, L. Ende März oder Anfang April, sobald es nur ganz kleine vom Schnee entblöste Stellen giebt, kommt dieses niedliche Vögelchen an, um erst im October, wenn es schon recht kalt ist, fortzuziebn. Als Brutvogel ist er hier häufig. 235. Ruticilla phoenicura, L. Ein sehr häufig hier vorkommender brütender Vogel, welcher Kitte April erscheint und gegen Ende September verschwindet. 236. Pratincola rubetra, L. Ist ausserordentlich häufig; überall, wo kleines lichtes Holz, auf Aekerfeldern, an Sümpfen und Flussufern, mit einem Wort überall, mit Ausnahme von Wäldern, ist dieser Vogel zu sehen und zu hören. Er kommt hier in der zweiten Hälfte des April an und zieht Anfang September fort. X 3. 1894. 28
— 349 — 237. Saxicola oenanthe, L. An steilen baumlosen Ufern, alten verlassenen Gebäuden und Scheunen ist dieser Vogel oft zu sehen. Anfang April kommt er an und zieht Anfang September weg. 238. Turdus merula, L. Die Schwarzdrossel tritt hier überall, wo dichtes Unterholz ist, auf. Es ist selten, das man sie siebt, da sie ein sehr verstecktes Dasein fuhrt und man sich nur an ihrem Gesang von ihrem Vor- kommen überzeugen kann. In der ersten Hälfte des April kommt sie an und hält sich bis tief in den September hier auf. • 239. Turdus pilaris, L. In den meisten grössten Birkenbeständen brütet hier diese Drossel co Ionien weise. Auf Worobjewi Gori nisteu in dem Birkenwalde viele Paare dicht beisammen. Ende März oder Anfang April kom- men sie hier an, um ihre Brutplätze zu beziehen. Anfang Septem- ber, zuweilen aber auch erst in der Mitte des Monats, vereinigen sie sich zu bedeutenden Herden und streichen dann bis in den November hinein umher. Zuweilen, wenn der Winter nicht zu schneereich, die Eberesch- und Wacbholderbeeren gut geraten sind, halten sie sich den ganzen Winter hier auf. Im Herbst werden hier Tausende von Krammetsvögel mit Netzen gefangen und auf den Wildmarkt zum Verspeisen gebracht. Weissgefleckte und blaugefärbte habe ich nicht selten beo- bachtet Eine merkwürdige und seltene Ausartung dieser Drossel, die ich nicht unerwähnt lassen kann, wurde den 15-ten October 1891 im Kr. Moskau gefangen. Der ganze Vogel sah so aus als wäre er mit brauner Farbe begossen worden; nur die Mitte des Bauches bis in die Afterge- gend war weiss. Das Aschgrau auf dem Scheitel war dunkelgrau- braun; der Bürzel lebhaft braun, uur etwas heller wie der dun- kelbraune Rücken. Die Brust, deren Seiten und die Weichenge- gend braun, die Federendungen heller. Unterstossdecken näher zum After bräunlich weiss, die längeren braun, die ganz langen an der Wurzelhälfte schwarzbraun. Im allgemeinen hat dieser Vo- gel etwas Aenlichkeit mit dem Ost*Sibirischen Turdus fuscatus.
— 350 — 230. Turdus iliacus, L. Die Weissdrossel ist hier ein sehr verbreiteter Brutvogel. Zu- weilen schon Ende März kommt sie hier an und bleibt bis fast Ende September hier. 241. Turdus musicus, L. Ebenso wie die Vorgehende, kommt ‘aber etwas später, ge- gen Anfang April an und fliegt gegen Ende September fort. Die Singdrossel ist hier ein sehr häufiger Brutvogel. 242. Turdus viscivorus, L. Brütet hier in allen grössern Nadelwäldern, ist in den ersten Tagen des April hier, schwärmt aber nie in grosser Anzahl, zu- weilen mit T. Pilaris bis gegen Ende September und zieht dann fort. 28*