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                    lG er ~5.0
~.
DIE TEXTGESCHICHTE
DER PSEUDO-ARISTOTELISCHEN SCHRIFT
TIEPI ATOMIlN rPAMMIlN
Ein kodikologis eh- kulturgeschichtlicher Beitrag
zur Klärung der Überlieferungsverhältnisse
im Corpus Aristotelicum
Dieter Harlfinger
VERLAG ADOLF M. HAKKERT
-
AMSTERDAM
1971


INHALTSVERZEICHNIS Vorwort ••••••.•. • . . . . . . . . . . . . . 5 I. Einleitende Bemerkungen 1. Ziel, Anlage und Methode der Untersuchung. .• 9 2. Nebenergebnisse a) Koinzidenz von Lesarten • • • • • • • • " 18 b) Lagensignierungen als Uberlieferungs- geschichtliche Indizien • • • • • • • . •• 26 c) Wasserzeichen als Bestimmungs- und Datierungshilfe • • • • • . • • . . . 31 11. Einige GrundzUge der Aristoteles-Überlieferung •• 36 111. Materialsammlung zu DEpt a~6μwv ypaμμwv 1. Die Forschungslage 2. Testimonien und Heuristik 86 96 IV. Die Filiation der griechischen Handschriften 104 1. Die Familie a Der Stammvater Par.2032 (i) und sein Apographon Par.1860 (1) 2. Die Familie ß Der Stammvater ß und seine Apographa Vat.258 (N) und Vat.266 (V) ••.•• 3. Die Familie y Der Stammvater y und seine Apographa 6 und E. • 140 104 127 a) 6 und seine Deszendenz ••.•••••• " 146 Laur.87,21 (za) •••.•• •. . • • • •• 146 Die griechische Vorlage des Robert Grosseteste • . • • • • • • • • • • • • . • 153 b) E und seine Apographa 11 und ~. • • • • • •• 157 a) 11 und seine Apographa Vat.253 (L) und Marc.214 (Ha) • • • • . . . • • • • . 159 Die Deszendenz von Ha • • • . • • . • •• 173 Marc.212 (Ga) • • • • . • • • • • • •. 174 Marc.200 (Q) •••.••• •.•••. 183 Ottoboniani 45 (Ua) und 153 . • • • •• 191 Vind.Phil.206, Par.1851 und Urb.38 (Qa) 213 ß) ~ und seine Apographa Vat.1339 (P), Berol.Phill.1507, Mosqu.240, Mon.502 247
4. Die kontaminierten Handschriften • · · · · 262 a) ~ und seine Deszendenz · . · · · 262 Die Apographa von ~: Vat.905 und Urb.44 (Wa) · · · · · · 266 Ambr.A 174 sup. und Vind.Phil.231 · 269 Matr.4563 • . . . . · · · · 285 b) P und seine Apographa Ambr.D 124 inf., Marc.XI.ll, Vind.Phil.l1 · · · · · · 290 c) Marc.215 (Na) . . · · · · · · 309 5. Das Verhältnis der Stammväter zueinander. · 319 6. Der Archetypus . · · · · 339 V. Die Paraphrase des Georgios Pachymeres . . . .. 345 VI. Die lateinischen Textmaterialien 1. Die translatio des Robert Grosseteste 361 2. Die Paraphrase des Albertus Magnus · · 368 3. Die Obersetzung des Iulius Martianus Rota · 371 VII. Die Textausgaben 1. Die Editio princeps des Henricus Stephanus (1557) 2. Die nachfolgenden Editionen bis 1619 ... VIII. Ergebnisse 1. Stemma . . . . . . . . . . . . . 2. Zur Neukonstituierung des Textes Anhang: Neuidentifizierte Kopisten griechischer Aristoteles-Handschriften der Renaissance . . 405 Faksimiles Literaturverzeichnis ................ 421 Indices 1. Index Aristotelicus 2. Index codicum 3. Index nominum 4. Index rerum 425 428 434 442 380 389 391 393 - 5- VORWORT Die Basis, auf der die vorliegende Arbeit, von Herrn Prof. P.Moraux angeregt und gefördert, erwach- sen konnte, ist das in verschiedenen Bibliotheken Europas verstreute handschriftliche Material der pseudo-aristotelischen Schrift fiEpl QT6μwv ypaμμwv. Im Rahmen meiner Tätigkeit an dem von Herrn Prof. Moraux im Seminar für Klassische Philologie der Freien Universität Berlin geleiteten Aristoteles- Archiv war es mir möglich, dank der großzügigen Rei- semittelzuwendung von seiten des Kurators der Frei- en Universität Berlin und der Deutschen Forschungs- gemeinschaft - die Reise nach Moskau finanzierte dankenswerterweise das Referat für wissenschaftli- che Beziehungen zur Sowjetunion der DFG - neben den über 300 von ca.llOO Handschriften, die ich für den am Aristoteles-Archiv in Arbeit befindlichen Katalog der griechischen Aristoteles-Handschriften, den 'Aristoteles Graecus', untersucht habe, auch sämtli- che Handschriften des im folgenden behandelten Trak- tats in Autopsie zu studieren. Mein Dank gebührt in diesem Zusammenhang allen Bibliotheken, die mir ihre handschriftlichen Bestän- de bereitwilligst zugänglich machten: der Deutschen Staatsbibliothek in Berlin, der R. Biblioteca de EI Escorial, der Biblioteca Medicea Laurenziana in Flo- renz, der Biblioteca Nacional in Madrid, der Biblio- teca Ambrosiana in Mailand, dem Istoriceskij Muzej in Moskau, der Bayerischen Staatsbibliothek in Mün- chen, der Bibliotheque Nationale in Paris, der Bi-
- 6- blioteca Apostolica Vaticana, der Biblioteca Marcia- na in Venedig und der Österreichischen National- bibliothek in wien. Nicht selten boten die Bibliotheksreisen (1966 bis 1968) Gelegenheit, mit Experten und Kennern grie. chischer Handschriften wissenschaftliche Kontakte aufzunehmen und nützliche Gespräche zu führen. P .G . de Andres in EI Escorial, Ch.Astruc in Paris, Mgr. P.Canart im Vatikan, M. - L .Concasty in Paris, F.Di Benedetto in Florenz, J.M .Fern~ndez Pomar in Madrid, H.Hunger in Wien, E.Mioni in Padua-Venedig, Abbe M. Richard in Paris, M.V . ~ ~ epkina in Moskau und U.Win- ter in Berlin - ihnen allen sei an dieser Stelle für ihre Aufgeschlossenheit gegenüber meinen Fragen herz. lieh gedankt. Eine unschätzbare Hilfe war mir überdies die Fil- mothek aller Aristoteles-Handschriften im obengenann' ten Aristoteles-Archiv. Ihr Reichtum an Vergleichs- material half Erfahrungen auf dem Gebiet der Kodiko- logie und der Paläographie sammeln, so daß d:e für unseren Traktat gewonnenen Ergebnisse in einen grö- ßeren Zusammenhang gestellt werden konnten. Die ursprüngliche Fassung dieser Arbeit, wie sie der Philosophischen Fakultät der Freien Universität Berlin im Wintersemester 1969/70 als Dissertation vorgelegen hat, ist für diesen Druck um einiges ge- kürzt worden. So konnten die detaillierten kodikolo- gisehen Beschreibungen der griechischen Handschrif_ ten unseres Traktats, die en bloc in alphabetischer Reihenfolge der Städte, in denen sie aUfbewahrt wer- - 7- den, auf Kapitel 111 (Materialsammlung) fOlgten, wegfallen, da sie im 'Aristoteles Graecus' vollstän- dig publiziert werden. Für das Verständnis der Aus- führungen notwendige Angaben daraus sind selbstver- ständlich an den entsprechenden Stellen eingefügt worden. Die vor allem der Veranschaulichung der Feh- lertypologie und Kopistenarbeit wegen sehr häufig in ihrer Gesamtheit aufgeführten und analysierten Son- derfehlerlisten sind nun auf wenige Beispiele redu- ziert, sie werden möglicherweise in anderem Rahmen zugänglich gemacht werden. Die zunächst in Kapitel 11 (Grundzüge) integrier- te Liste neuidentifizierter Renaissance-Kopisten von Aristoteles-Handschriften konnte im Verlaufe einer Bibliotheksreise im Sommer 1970 stark erweitert wer- den und ist nun gesondert in einen Anhang gebracht worden.
- 9- I. EINLEITENDE BEMERKUNGEN 1. ZIEL, ANLAGE UND METHODE DER UNTERSUCHUNG Der im Corpus Aristotelicum überlieferten Schrift fiEpt aT6μwv ypaμμwv (De lineis insecabilibus)l hat die Fachwelt nur wenig Interesse entgegengebracht. Der kleine Traktat ist jedoch nicht ohne Bedeutung, etwa für die Geschichte der griechischen Mathematik und des antiken Atomismus, und er gewährt immerhin einen ausschnittartigen Einblick in die philosophi- schen Auseinandersetzungen zwischen Akademie und Peripatos. Lin. ist unsere Hauptquelle zur Wiederge- winnung der Atomlinientheorie der platonischen Schu- le und insbesondere des Xenokrates, der als der eigentliche wissenschaftliche Repräsentant dieser Theorie gilt und in dessen philosophischem System sie keine geringe Rolle spielt2. Erst jüngst schließ- lich bildete diese Schrift die Grundlage für die Re- konstruktion der Lehre Platons von atomaren Elemen- tareinheiten innerhalb der 'Ungeschriebenen Lehre' des Philosophen3. Fortan kurz Lin. genannt. 2 Die Testimonien hat R.Heinze, Xenokrates. Darstel- lung der Lehre und Sammlung der Fragmente, Leipzig 1892, S.173-178, zusammengestellt. Auf ein im 'ara- bischen' Alexander von Aphrodisias erhaltenes Par- allelzeugnis zu Lin.968al0 sqq. hat S.Pines, A New Fragment of Xenocrates and its Implications, Trans- actions of the American Philosophical Society, N. S. VOl.51, Part 2, Philadelphia 1961, aufmerksam gemacht. 3 K.Gaiser, Platons ungeschriebene Lehre. Studien zur systematischen und geschichtlichen Begründung
- 10- Das Verständnis und eine gründliche Analyse des schon inhaltlich und stilistisch nicht leicht zu- gänglichen Traktats über die Atomlinien wird durch den allgemein als schlecht erachteten Zustand des Textes, wie er uns in der auch heute noch maßgebli- chen Ausgabe Apelts1 vorliegt, beträchtlich er- schwert. Es hat nach Apelt nicht an Versuchen ge- fehlt, auf dem Wege vor allem der Konjekturalkritik zu einem befriedigenderen Text zu gelangen2• Da sich aber die Edition Apelts im wesentlichen auf die Kol- lationen Bekkers in dessen Gesamtausgabe des Arisco- teles (1831) stützt3, also lediglich auf den von Bekker herangezogenen Textzeugen und somit auf einer kleinen mehr oder weniger zufällig zusammengekomme- nen Reihe von Handschriften4 basiert, muß der Text- kritiker es als vordringliche Aufgabe ansehen, nun das verfügbare handschriftliche Material in seiner der Wissenschaften in der platonischen Schule, Stuttgart 11963, 21968, S.158-163 und 510-511 . Aristotelis quae feruntur De plantis, De mirabili- bus auscultationibus, Mechanica, De lineis inseca- bilibus, Ventorum situs et nomina, De Melisso Xe- nophane Gorgia, edidit O.Apelt, Leipzig (Teubner) 1888. - Auch die soeben erschienene Ausgabe von Maria Timpanaro Cardini, Pseudo-Aristotele. De li- neis insecabilibus, introduzione, traduzione e commento a cura di ••• , Varese-Milano 1970 (:Testi e documenti per lo studio dell' Antichita 32) druckt den Apeltschen Grundtext wieder ab. 2 Zum Näheren vgl.unten S.86 sqq. 3 Der Unterschied besteht darin, daß ARelt den von Bekker nur ankollationierten Kodex Z ganz durch- vergleichen ließ, vgl.unten S.91. 4 Man kann freilich, auf das gesamte Corpus des Sta- giriten bezoge~, .Bekke: ni7ht ein feines Gespür für die textkr~t ~sch w~cht~gsten aus der Masse der Handschriften absprechen. - 11- Gesamtheit zu untersuchen und zu klassifizieren. So versteht sich denn die vorliegende Arbeit als derje- nige Teil der Textkonstituierung, den man mit dem Begriff recensio zu bezeichnen pflegt, als textge- schichtliche Grundlage für eine kritische Edition von fiEpt QT6μwv ypaμμwv1• Es hat sich gezeigt2 - und das will auch diese Untersuchung vor Augen führen daß die Text- und Überlieferungsgeschichte eines Autors oder Werkes, soll sie auf maximal gesicherten Erkenntnissen und Resultaten beruhen und vor einem plastischen Hinter- grund erscheinen, eine organische Verquickung der stemmatisch-philologischen Gegebenheiten mit kodiko- logischen Daten und kUlturgeschichtlichen Zusammen- hängen verlangt. Den Ergebnissen der reinen Stemma- tik werden also, soweit möglich, eine relativ ge- naue Datierung der Handschriften anhand des Duktus und der Wasserzeichen, die Identifizierung von Ko- pisten und Korrektoren, Auftraggebern oder Besitzern aufgrund paläographischer Evidenz bzw. kulturge- schichtlicher Zeugnisse, um nur einiges zu nennen, an die Seite gestellt, sie dienen ihrer Überprüfung, ermöglichen nicht selten Modifizierungen und Präzi- Diese, mit einer Übersetzung von P.Moraux, ist in der Collection des Universit's de France ("Bude") geplant. 2 Vgl. die richtungweisende Untersuchung von M.Si- cherl, Die Handschriften, Ausgaben und Übersetzun- gen Von Iamblichos De mysteriis. Eine kritisch- historische Studie, Berlin 1957 (: Texte und Un- tersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur 62), besonders die programmatischen Aus- führungen des Verfassers, der sich auf Gelehrte wie P.Henry und A.Dain berufen kann, S.2-3.
- 12- sierungen, die sich dann auch im apparatus criticus niederschlagen können, und lassen nicht zuletzt in dem an sich toten Stemma den gesamten Überlieferungs- prozeß lebendig werden. Die Tradierung der Schrift Lin. muß verständli- cherweise in enger Beziehung zur Überlieferung des ganzen Corpus Aristotelicum gesehen werden. Die Hand- schriften bieten unseren Traktat im Verband mit ande- ren aristotelischen Schriften, so daß sich die Frage aufdrängt,.ob ein für Lin. festgestelltes Abhängig- keitsverhältnis nicht auch für andere Texte gilt. Vor allem auf die oft in Überlieferungsgemeinschaft mit Lin. anzutreffenden Traktate Col., Mech. und Mir. wird denn auch im Verlaufe der Arbeit an den entspre- chenden Stellen ein Streiflicht geworfen1• Die Beob- achtungen im kodikologisch-kulturgeschichtlichen Be- reich unserer Schrift liefern, wenn man sie vorsich- tig abstrahiert, erste Anhaltspunkte für eine umfas- sende Geschichte der Überlieferung des Corpus Aristo- telicum im byzantinischen Mittelalter und in der Re- naissance. Denn wir dürfen mit Bestimmtheit annehmen, daß z.B. Herkunftsmilieu, Umstände der Entstehung und Wanderungen unserer Handschriften, ihre Schick- sale, in ihrer Art keine isolierten Erscheinungen Große Teile dieser dre~ pseudo-aristotelischen Schriften habe ich in allen verfügbaren Manuskrip- ten kollationiert; die Ergebnisse in ihrer Gesamt- heit sollen anderenorts mitgeteilt werden (Für die Filiation der Mirabilien vgl. vorerst die knappe Skizzierung unten S.207-211 .) . Außerdem wurden ge- legentlich auch Stichproben bei anderen Traktaten vorgenommen und nicht zUletzt, soweit vorhanden die stemmatischen Resultate der bisherigen For-' schung mit berücksichtigt. sind, sondern sich bei der kaum überschaubaren Mas- se der Aristoteles-Manuskripte (und wohl nicht nur dort) mehr oder weniger vergleichbar ständig wieder- finden; die namentlich bekannten und die anonymen Gelehrten und Berufskopisten, deren vielfältige Ak- tivitäten und Arbeitsweise wir kennenlernen, sie ge- hören zu dem Kreis von Personen, in deren Händen die Fäden der handschriftlichen Überlieferung des Aristoteles überhaupt zusammenliefen. Ein Ansatz zur Erhellung gewisser Grundzüge einer Überlieferungs geschichte des aristotelischen Corpus ist meiner eigentlichen Untersuchung vorausgeschickt. Es ist und kann hier nicht mehr sein als eine provi- sorische Skizze und ein Versuch, die Textgeschichte der Schrift über die Atomlinien in einen größeren Rahmen zu stellen. In Kapitel IV, dem Kernstück der Untersuchung, werden jeweils von den drei voneinander unabhängigen Stammvätern ausgehend und dem Gang der Tradierung in ihren einzelnen Kanälen von Stufe zu Stufe fOlgend zunächst deren "jungfräuliche" Deszendenten, sodann die contaminati besprochen. Die Textzeugen werden dabei in der Regel nicht jeder gesondert, sondern gemeinsam mit den ihnen stemmatisch am nächsten ver- wandten Manuskripten behandelt; dieses Verfahren bietet viele Vorteile, so z.B . die Möglichkeit, die SChreibleistungen der Kopisten zu beurteilen oder Entstehung und Provenienz von Handschriften zu ver- gleichen oder über Umstände der Weitergabe von Hand- schriften und der gelehrten Beschäftigung mit ihnen Näheres in Erfahrung zu bringen, und erweist sich angesichts der zahlreichen codices deperditi, die
- 14- sich ja nur mit Hilfe bzw. aufgrund von zwei aus ih- nen nebeneinander abgeleiteten Kodizes fixieren und rekonstruieren lassen, ohnehin als angebracht. - Dieser Teil der Arbeit endet mit der - freilich nicht in sämtlichen Einzelfällen durchgeführten - Varian- tenprüfung und versucht, die Spaltungen jenseits der drei Stammväter und den Archetypus aller unserer griechischen Handschriften zu bestimmen. Nach Untersuchung der mittelalterlichen (und spä- teren) 'Nebenüberlieferung', wenn wir in unserem Fal- le wirklich zu dieser Bezeichnung greifen wollen, und der ersten gedruckten Ausgaben mündet dann die vorliegende Arbeit nach der graphischen Darstellung der Überlieferungsverhältnisse in einem Gesamtstemma in einen vorausweisenden Ausblick auf die Erforder- nisse einer Neuedierung des Textes. Die Vorarbeiten zur Feststellung der Filiation im einzelnen bestanden im vollständigen Kollationieren aller verfügbaren Lin. - Kodizes auf der Grundlage der Ausgabe Bekkers1 anhand von Mikrofilmen bzw. Fotoko- pien und in einer gezielten Überprüfung und Präzi- sierung des Ermittelten zur größtmöglichen Sicherung vor allem von Rasuren, Korrekturen und anderen Spu- ren von Überarbeitungen durch das Studium sämtlicher Textzeugen in situ. Entsprechend dem von M.Sicherl mit Erfolg angewandten Verfahren habe auch ich eine mit Hilfe der herkömmlichen stemmatischen Methode festgestellte Abhängigkeit durch Hervorhebung sol- cher Sonderlesungen und sonstiger AUffälligkeiten Sie ist näher am Tex~ der Handschr~ften als dieje- nige Apelts und verd1ent deshalb h1er den Vor zug. zu - 15- veranschaulichen gesucht, deren Ursprung schlechthin in der äußeren Beschaffenheit der Vorlage begründet ist1• Dank der Fototechnik ist der dazu nötige zwei- te Arbeitsgang, die entsprechende Durchsicht und Überprüfung aller erhaltenen Antigrapha, unschätzbar erleichtert und ohne Schwierigkeiten zu verwirkli- chen. Wenn diese Methode in unserem Falle nicht über- all realisiert ist - man vergleiche aber z.B . die illustrativen Beispiele in der Sukzession Ha+Ga+Q so liegt das weniger an dem geringen Umfang unserer Schrift als vielmehr daran, daß uns die Vorlagen re- lativ vieler Textzeugen nicht erhalten sind. Die von Stufe zu Stufe der Überlieferung entstan- denen Fehler bzw. Sonderlesungen - unter diesen Be- griff muß man textkritisch gesehen auch die Konjek- turen und selbst die Emendationen unterordnen - wa- ren in der ursprünglichen Fassung dieser Arbeit VOllständig herausgeschrieben. Das war wegen der Kürze unseres Traktats möglich und schien aufgrund folgender Überlegungen angebracht: Die aus den Va- rianten abgeleiteten Rückschlüsse auf die Filiation sind so für den Leser jederzeit und in allen Einzel- heiten nachprüfbar. Er erhält einen vollständigen Einen Überblick über seine einzelnen Erfahrungen gibt M.Sicherl S.14 -15i sie decken sich mit den meinigen. Vgl. auch F.W .Köhler, Textgeschichte von Hierokles' Kommentar zum Carmen aureum der Pytha- goreer, Diss.Mainz, Münster 1965, S.IX -X . Schon yor 40 Jahren haben P.Maas, Textkritik, Leipzig 1927 (als Teil 7 von Gercke - Norden, Einleitung in die Altertumswissenschaft, Bd.I3) (21950,31957. 41960), § 8a, und sein Rezensent G.Pasquali, in: Gnomon 5, 1929, S.417-435, 498-521, dort S.419, auf die stemmatische Bedeutung solcher Fehler hin- gewiesen.
- 16- und detaillierten Eindruck von der Qualität der vom Kopisten geleisteten Arbeit, von ihren etwaigen Schwächen, von den Freiheiten, die sich der Schrei- ber herausnimmt, usw. Die Zusammenstellung der Son- derfehler in ihrer Gesamtheit kann überdies der Ein- sicht in die Fehlertypologie dienen und ein Mosaik- steinchen in einer Geschichte der Korruptel sein. Im wesentlichen nach Gattungen geordnet1, illustriert sie an einem geschlossenen homogenen Komplex Art und Beschaffenheit der Fehler und ihre Häufigkeit. Dar- auf. daß eine Einsicht in die Fehlerwahrscheinlich_ keit auch der selectio und der divinatio von Nutzen sein kann. hat P.Maas deutlich genug hingewiesen2• _ Diesen Intentionen mag - wenn auch in geringerem Ma- ße - auch die Auswahl von Sonderlesungen, auf die sich die vorliegende gekürzte Fassung beschränkt, ge- recht werden. Zum rein Technischen dieser Arbeit bleibt noch zu erwähnen: Die von Bekker gewählten Sigel habe ich beibehalten und, da keine Notwendigkeit dazu bestand, für die anderen erhaltenen Handschriften keine einge- setzt. Bei der Nennung Von Signaturen griechischer Handschriften verzichte ich der Einfachheit halber auf die Hinzufügung von "gr(aecus)", da die Gefahr Es konnte freilich nicht jede einzelne Abweichung in diesem Sinne analysiert und eingruppiert Wer- den, zumal sich nicht immer ein augenfälliges ty- pisches Kennzeichen anbietet. Auch gibt es biswei- len sicherlich nicht n~r ei~e einz~ge Zuordnungs_ möglichkeit. Und wer w~ll m~t Best~mmtheit ent- scheiden, ob eine Sonderlesung ein bewußter Ein- griff (Konjektur) von seiten des Kopisten ist. 2 P.Maas, § 16. - 17- einer Verwechslung mit anderssprachigen Manuskripten in unserem Falle nicht besteht. Aus entsprechendem Grunde konnten auch die beiden ersten Ziffern der Bekkerseiten - Lin. steht 5.968 -972 - bei Stellenan- gaben weggelassen werden, 968al erscheint also als 8al usw. Der Pfeil (+) zwischen zwei Lesarten be- zeichnet den Wandel von der Ausgangslesung zur Son- derlesung des jeweils behandelten Kodex.
- 18- 2. NEB ~NERGEBNISSE ie Beschäftigung mit den Lin. -Handschriften im besonderen und den Aristoteles-Handschriften im all- gemeinen hat im textkritisch-stemmatischen und im kodikologischen Bereich zu einigen Beobachtungen grundsätzlicher Art geführt, die bisher in der Fach- literatur nur zum Teil zur Sprache gekommen und ef- fektiv berücksichtigt worden sind. Auf sie sei hier vorwegnehmend kurz eingegangen; in der Untersuchung zur Überlieferungsgeschichte unseres Textes sind sie oft stillschweigend vorausgesetzt. a) Koinzidenz von Lesarten In der Lehre von den Abhängigkeitsverhältnissen der Handschriften ist die Rolle des Zufalls kaum je beleuchtet worden. P .Maas hat in seiner meisterhaf- ten Darstellung der Koinzidenz eigentlich nur in einem einzigen Aspekt und auch hier nur beiläufig Rechnung getragen, wenn er nämlich hinsichtlich der RekonstrUktion einer verlorenen Vorlage bei Zwei- oder Dreispaltigkeit des Stemmas die MögliChkeit nicht ausschließt, daß zwei Textzeugen "unabhängig voneinander in denselben Fehler verfallen" sein könntenl. so daß in einem sOlchen Fall der Text der gemeinsamen Quelle durch consensus nicht sicherge_ stellt ware. Vor übereilten Rückschlüssen Von ge- meinsamen 50nderlesungen auf das Verhältnis der Ko- 1P.Maas, §8und9. - 19- dizes zueinander hat erst sein Rezensent G.Pasquali) mit aller Deutlichkeit gewarnt: " ... Gemeinsame Feh- ler besagen erst dann etwas, wenn sie nicht zu nahe liegen, oder wenn sie sich anhäufen. Gewisse gemein- same Verschreibungen von Eigennamen, gemeinsame Ver- wechslungen von bestimmten Wörtern miteinander wie- gen nicht schwerer als Orthographica; gemeinsame An- gleichungen von Kasusendungen, gemeinsame Auslassun- gen infolge von Homoioteleuta besagen nicht viel mehr." Es war vielleicht dieser Appell Pasqualis, der Maas in einem späteren Aufsatz2 veranlaßte, als echte 'Bindefehler' nur solche Sonderlesungen anzu- erkennen, die "aller Wahrscheinlichkeit nach nicht unabhängig voneinander" entstehen konnten. In der Tat läßt sich diese in der Theorie ein- leuchtende Annahme möglicher Koinzidenz auch durch konkrete Beispiele in der Lin. -Tradierung belegen3• In den mir vOllständig vorliegenden Kollationen sämt- licher Handschriften unseres Traktats ist das zufäl- lige Zusammentreffen von Schreiberversehen jeglicher Art und von Konjekturen beileibe keine Seltenheit. G.Pasquali, in: Gnomon 5, 1929, 5.420. 2 PM' . . aas, Le1tfehler und stemmatische Typen, 1n: By- zantinische Zeitschrift 37, 1937, S.289-294; seit der 2.Auflage auch der 'Textkritik' als Anhang I angefügt, dort 5.26 (unten) - 27 (oben) (in der 4. Aufl.1960). 3 Vgl. des weiteren u.a. M .Sicherl, Register '2.Sa- chen' unter 'Koinzidenz', E.Lobel, The Greek Manu- scripts of Aristotle's Poetics, Oxford 1933, 5.18, M.Fuhrmann, Untersuchungen zur Textgeschichte der pseudo-aristotelischen Alexander-Rhetorik (der T€X- vn des Anaximenes von Lampsakos), Wiesbaden 1965, 5.86,90,95, und den generellen Hinweis Pasqualis auf seine "schmerzlichen Erfahrungen" (5.420).
- 20- Ich gebe im folgenden eine Auswahl davon 1 : 8a3/4 TOUTOI~: aßy+ a4 μIKpbv:aßY+ tOUtwv : n Berol. μIKtbv : Ga Vind.Phil.206 a + μIKpbv: Q Q Par.1851 • a..,a + anaOlv: Zn" p.corr. tb QμEP~~: wa Berol. p a8 a8 a14 alS b21 änavTa: ß Rob. e TIQμEP~~: ßy+ om. yap: i Rob. μnö~v:aßY+ouö~v:~Mon. at npwTal: a ß y + (n) npWToV: Vp.corr. Rob.II Pach. b23 b26 rönov: ßE + T6no~: a152 EV TW oUVe€TW lac. ypaμμal: E + CV TW OUV- e€TW ypallμal (sine lac.!): Ha Berol. KaTa TOUTWV aT6μwv: a ß y + Kata TOUTWV TWV aT6μwv: n Matr. om. EXEIV Kat &nEfpou~- nEnEPaOμ€va~: Vind.ll om. Kat anEfpou~-nEnEPaOμ€va~ EXEI: Za b26 9al1-13 a32 b18 b22 b24 b24 VOfiOEIEV: aß y VOnOEI: ~ Berol. a a Tlva: a ß y + Tlva~: Z L p.corr.(?) G KIV11en: aERob. V oT6v TE: a ß y + OtOvTal: Za, oTovtal: P 15€Tlva:aßy+önTlva:1QaetVind. Phil.206 p V p.corr. H .St .3 ~avEPWtEPOV: ay+ ~avEp6v: ß Na 4 b29 Oa4 om. n:NZa TW:aßy+Tn:Zap b2 b 3/4 om, Tb μi)KO~ b4 TOμn:aßy+tbμn:pMatr.Ua Zu den Handschriften und sonstigen Textmaterialien und deren Sigeln oder Abkürzungen vgl.unten S.101/ 102 und das Stemma 5.392. 2 Vgl. auch unten 5.142, Anm.3. 3 Vgl. auch unten S.384. 4 Vgl. auch unten 5.317, Anm.l . + aUTnV ypaμμnv: E • ::.. a ypallμnv aUTIIV: 15 N Betrachten wir diese Koinzidenzfälle in ihrem Kon- Ob 6/7 b32 la5 all a12 a18 a20 a24 a26 a28 b1 b4 b23 b28 2a 1/2 a17 a28 a32 b14/5 b23 - 21- om. WOTE ouvaKOAOUefioEI: ß y + OUVUKOAOUeEl: an n(OTIV: a ß y + nrOtnv: Ga Eerol. - ß :. aa a ortvun: Cl y + OtlYμII: H Z Berol. W Vind.Phil.231 TOUTOI~ (v.l .TouTo,TouTou,TouTw): aß+ TOUTWV: Na H.St. ypaμμn OTlyμi)~: a y + oTlyμn ypaμμn ypallμn~: ß OTlYμn ypaμμii~: Za p.corr. (ut vid. Hp om. aAAfiAoI~ ( -aL~): a za oTlyμat: a ß y + OTlyμi): N za nOIOlEV: a n (nolnoEIEv: Za) nOIE1EV: ß e Q ÖAn~:VY(+)ÖAW~:Nn OX6VTWV: a P E:X6VTWV: ß y , - EK OTlYμWv: a y EK OTlyμi)~: ß Na 2 Ecj>cinTETal: Za ~ änTETal: ClVy+ EOTal A6yo~: Cl ß y + A6yo~ EOTal: 1 Na E:nloTlYIli): E + OTlyμi)~: V p.corr. - :. a aUa OTlYμn: Clßy+ oTlYμII:Z LW Et n TOμn: Cl ß Y (auch Vat.905) + Etn Tb Iln: Wa Vind.Phil.231 TWV Evunapx6vTWV: a ß y + TWV unapx6vTwV: Vind.Phil.231 Matr.a .corr. TOcH:ßy+TWö~:Zawa text und ordnen wir sie nach Gesichtspunkten der Feh- lertYPologie, so finden sich die von Pasquali erwähn- ten Auslassungen durch Homoioteleuton3 (9a11-13,Ob3/4, Vgl. hierzu auch unten S.315. 2 Vgl. auch unten 5.317, Anm.1 . 3 Ihnen spricht auch Maas in seinem spateren Aufsatz die bindende Kraft ab (Textkritik,S.28,Petitdruck).
- 22- Ob6/7) und Assimilationen von Kasusendungen (8b23, 9b18, la24), sodann Itazismen (Oa41, laS, la262), Auslassungen von einzelnen Wörtern oder Silben (8a14, 9a32, Oa41, la20, 2a32), Verwechslungen des endbeton- ten Femininums im Nominativ und Dativ Singular (lall, 2a17). Viele andere Versehen wiederum lassen sich kaum eindeutig oder gar nicht klassifizieren. Den größten Teil aber unter diesen zufälligen Gemeinsam- keiten bilden offensichtliche Konjekturen (8a4, 8a8, 8b21, 8b26 KaTa .•• , 9b24 (on Tlva), la18, 2al/2). Informieren wir uns anhand der graphischen Dar- stellung auf 5.392 über den stemmatischen Platz der Handschriften, für die obige Lesarten jeweils bezeugt sind, so bleibt in den allermeisten Fällen hinsicht- lich der Zufälligkeit der Übereinstimmungen nicht der geringste Zweifel. Die fraglichen Kodizes können nach den Gesetzen natürlicher Filiation absolut nichts miteinander zu tun haben; die eventuelle Wer- tung der Gemeinsamkeiten als Bindefehler kommt also überhaupt nicht in Betracht. Auch Kontamination scheidet hier ohne weiteres aus. Wer sollte an einer ganz vereinzelten Textstelle ausgerechnet eine fal- sche Lesart aus einem Zweitkodex herausgreifen3? Und Durch Itazismus geförderte Haplographie? 2 Hier ist die Lesart des Archetypus nicht zu sichern. Es liegt also entweder Koinzidenz der Konjektur (an) oder einer itazistischen Verschreibung (ß~) vor. Wie dem auch sei, der Kodex Q, ein Deszendent von 11 ist jedenfalls unabhängig vom Archetypus bzw. von ' ß~ auf denselben Fehler verfallen. 3 Die Übernahme von augenfälligen Fehlern der einen trotz richtiger Lesungen der anderen Handschrift kommt gelegentlich freilich vor, aber Offensicht_ lich nur bei Ineinanderarbeitungen größeren Umfan gs. - 23- warum sollen nicht zwei oder auch mehr Humanisten unabhängig voneinander dieselbe Konjektur vorgenom- men habenl? Aus allem ergibt sich das folgende Bild: Koinzi- denz wird sich in der Geschichte jedes Textes bele- gen lassen. Bei Konjekturen2 und Fehlern ganz be- stimmter Gattungen (z.B. die drei ersten obengenann- ten Gruppen) ist begreiflicherweise am ehesten damit zu rechnen; selbst dreifaches (8a4, 8a8, Ob21, 9b18, Ob4, la18) und noch häufigeres (9b24, lall, 2a17) Zusammentreffen in Konjektur oder Versehen ist nicht auszuschließen. Je größer die Zahl der Sonderlesun- gen in einer Handschrift, desto eher besteht die Mög- lichkeit, daß die eine oder andere Abweichung sich irgenwoanders wiederholt (vgl. z.B. das relativ häu- fige Auftauchen der stark verderbten Lin.-Kodizes Za und Berol. in der obigen Liste). Gemeinsame Sonderlesungen werden in der Stemmatik Vgl. auch die Beispiele bei M.Sicherl, 5.39, 41, 119/20. 2 Neben den Fällen, wo zwei Personen unabhängig von- einander dieselbe Konjektur vornehmen (vgl.die ge- nannten Beispiele), gibt es - darauf sei hier bei- läufig hingewiesen - natürlich auch solche, wo durch Konjektur eine bezeugte authentische Les- art, die inzwischen irgendwo im Überlieferungspro- zeß verderbt war, wiederhergestellt wird; so z.B. in unSerer Schrift 8a5 EXov: aßy+EOXov: Vat. 905 + EXov: Matr. oder 8a18 EOTI TI äμEP~~: ß+ EOTlV äμEP~~: ay + (OTI TI äμ(PE~: n oder Oa3 OUμμETPOI μnKEI: a ß y + OUμμETPOI näoal μnKEI:E + OUμμETPOI μnKEI: Pach. oder Oa20 ypaμμn~: ß+ ypaμμn: ay + ypaμμn~: Qa 1 oder 1a29 äAAO: aßy + äAAa: Vat.905 + äAAO: Matr. Die jeweils mittle- ren Lesarten (zwischen den Pfeilen) sind also 50n- derlesungen ohne trennende Kraft.
- 24- überall dort relevant, wo von ihrer Einschätzung entweder als Bindefehler oder als Koinzidenz die Be- stimmung des Verhältnisses von Textzeugen zueinander entscheidend abhängtl. Wie läßt sich in solchen Fäl- len zwischen zufälligem Zusammentreffen und genealo- gischer Wiederkehr von Lesarten unterscheiden? Liegt nur eine einzelne gemeinsame Sonderlesung vor, so gibt es, wie mir scheint, überhaupt keine Klärungs- möglichkeit. Die oben zitierte Definition von Pas- quali und Maas, wonach Bindefehler solche Gemeinsam- keiten sind, die "nicht zu nahe liegen" bzw. "aller Wahrscheinlichkeit nach nicht unabhängig voneinander" entstehen konnten, vermag ich nicht in vollem Umfang gelten zu lassen. Kein Fehler ist so paradox und ab- wegig, daß er sich nicht auch zufällig wiederholen konnte2. Gleiche Auslassungen Von einzelnen Wörtern z.B . liegen doch in der Regel keineswegs nahe, und dennoch kommt es vor, daß zwei Kopisten ein und das- selbe Wort vergessen (vgl. 8a14 und la20 in der obi- gen Liste). Freilich wird niemand abstreiten wollen, daß gewisse Fehler viel leichter wiederkehren konn- ten als andere. Ausschlaggebendes Kriterium für die Entscheidung unserer Frage ist nicht so sehr die Art, Sondern vielmehr die Frequenz gemeinsamer Fehler, die Pas- quali an zweiter Stelle hervorhebt. Je zahlreicher Unter den obigen Beispielen gibt es zufäll' '. di 1.ger- we1.se ke1.nen Fall 1.eser Art. 2 Auf den iSOlierten Einzelfall bezogen hat 1 d ( '.. aSo er Maassche Satz aus se1.nem spateren AUfsatz . Textkritik, S.28, Petitdruck), daß "die me~ Jetzt . h1B'df 1.Sten Trennfehler zugle1.C a s 1.n e ehler Verwe db sind", keine absolute GÜltigkeit. n ar - 25- gemeinsame Sonderlesungen - auch Quisquilien und äußerst naheliegende Fehler! '- in zwei Handschriften begegnen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß es sich nicht ausschließlich um Koinzidenz handelt. So machen die mitunter äußerst geringfügigen, aber relativ häufigen (mehr als ein Dutzend in unserem kurzen Traktatl) Übereinstimmungen etwa in Ua und Ott.153 (vgl. unten 5.192) bzw. in Qa und Vind.Phil. 206 (vgl.unten S.214/5)1 unbestreitbar die Ansetzung einer gemeinsamen heute verschollenen Vorlage erfor- derlich. - Tatsächliche Bindefehler werden sich in der Regel in solcher Frequenz einstellen2, daß Ko- inzidenz unvorstellbar ist3. Oder z.B . auch in Ambr.A 174 sup. und Vind.Phil. 231, vgl. unten S.269/270, wo sich ca. 30 überein- stimmende Sonderlesungen finden. 2 Und zwar entsprechend der Art und dem Schwierig- keitsgrad der betreffenden Schrift und der Zuver- läsSigkeit und der Textestreue des betreffenden Kopisten. 3 Die dreimalige Übereinstimmung der Handschriften N und Za (9b22. Oa4. la24) sowie Za und Wa (8a8,lal1, 2a17) in der obigen Liste läßt allerdings erkennen, innerhalb welchen Spielraums etwa in unserem Trak- tat die Entscheidung schwerfällt. Es soll nicht verhehlt werden daß das wiederholte Zusammengehen a ' . Von N und Z eventuell als Bindung dieser be1.den KOdizes aneinander hätte angesehen werden können, wäre diese nicht insgesamt gesehen überlie.rfrungs- geschichtlich eindeutig ausgeschl_ssen. " -,
- 26- b) Lagen s ign ierungen als übe rlie fer_l.1n~el>chi ch t li- che Indizien Der kodikologische Befund der Signierung von La- gen, aus denen sich eine Handschrift zusammensetzt, kann unter Umständen über seinen Selbstzweck hinaus für die Textgeschichte gewisse Anhaltspunkte bietenl Diese Signaturen, sog. Kustoden, - griechische Unzi- al- oder Minuskelbuchstaben auf jedem ersten Recto meist in der äußeren Ecke des unteren Randes und nicht selten auf dem letzten Verso der Lage wieder- holt (mitunter wegen nachträglichen Beschneidens der Ränder nicht mehr erhalten) - , die hin und wieder durch die Art ihrer zusätzlichen Verzierung Rück- schlüsse auf die Herkunft eines Kodex aus einem be- stimmten Scriptorium erlauben2, waren nicht zuletzt für den Buchbinder oft einzige Kontrollzeichen3 für die richtige Reihenfolge der Lagen4• Fehlen heute in einer Handschrift innerhalb einer Kustodenkette ir- gendwelche Glieder, so ist ein Textverlust auch ohne Vgl. Th.Birt, Kritik und Hermeneutik nebst Abriß des antiken Buchwesens, München 1913 (Handbuch der Klassischen Altertumswissenschaften , 1. Bd., 3. Abt.), S .15. 2 Vgl. auch H.Hunger, Antikes und mittelalterliches Buch- und SChriftwesen, in: GeschiChte der Textüber- lieferung der antiken und mittelalterlichen Litera- tur, Bd.I, von H.Hunger u.a .• Zürich 1961, S.50 -51. 3 Die Foliierung wird erst spät üblich. 4 In der Renaissancezeit (vor allem im 16.Jh.) konnte auch der sog. Reklamant, d.i . eine Angabe des Text- beginns (normalerweise höchstens zwei Worte umfas- send) der nachfolgenden Lage rechts auf dem unteren Rand des letzten Versos der v~rangehenden (auch in vertikaler Schriftführung), d~ese ROlle übernehmen. - 27- Lektüre des Textes augenfällig, und wir können sei- nen Umfang sogleich recht gen au bestimmenl. Von weitreichender Bedeutung ist die Konstatie- rung eines Kustodenausfalls natürlich dann, wenn sich ergibt, daß eine ganze Schrift oder mehr mit den Lagen verlorenging, was sonst nicht auffallen würde, und sich mit Hilfe anderer Kriterien ermit- teln läßt, um welche Schrift oder Schriften es sich handelt. In der Überlieferungsgeschichte des Corpus Aristotelicum gibt es einige solcher Fälle. So kann z.B ., was die EE betrifft, letztlich aufgrund 4 feh- lender Lagensignaturen im Ambr.L 76 sup. nachgewie- sen werden, daß dieser Kodex neben jener Ethik und der genuinen Rhetorik ursprünglich auch einmal die Alexander-Rhetorik enthielt, wodurch sich in Verbin- dung mit anderen Indizien wiederum die textgeschicht- lich relevante konstantinopolitanische Herkunft des Hyparchetypus Laur.81,15 glaubhaft machen läßt2 Auch in dem berühmten Par.1741, der u.a. Rhetorik und Poetik vollständig enthält, gibt es eine größere Lücke in der Lagensignierung, und ein Pinax verrät, daß es die peripateTischen Traktate Phgn., Sign., Vent. und Theophrasts Charaktere sind, die hier ab- handen kamen. Damit ist in der Tradierung jener Trak- An Beispielen dieser Art fehlt es nicht. Es sei, um im Griechischen und Aristotelischen zu bleiben, nur an einen bekannten Fall erinnert, und zwar an den mutilierten Par.2036, der Archetypus für die Problemata (?) und Ps.-Longins fiEpl ü~ou~ ist. 2 Zu den Einzelheiten dieses Nachweises, der auf der Kombination von Fakten aus Kodikologie, Kulturge- schichte und Stemmatik beruht, vgl. D.Harlfinger, ?ie Überlieferungsgeschichte der Eudemischen Ethik, ln: Untersuchungen zur Eud.Ethik, hrsg.von P.Moraux und D.Harlfinger, Berlin 1971, 5.1-50, dort 5.4-5.
- 28- tate die Exist~nz eines schon durch sein Alter her- vorragenden Textzeugen erschlossen, dessen Textge- stalt und stemmatischen Ort zu rekonstruieren, von großer Bedeutung wäre1• Das letzte Beispiel dieser Reihe, die sich fortsetzen ließe, ist der auch in der vorliegenden Untersuchung behandelte Vind.Phil. 231. Hier zeigt die an den der Kustoden ablesbare Zahl Lagen, daß nicht allein das Ende Anfang von Vent. verlorengegangen sind, sondern darüber hinaus zwischen den beiden Traktaten die gesamte Schrift Sign.2 • von ausgefallenen Phgn. und der Aber es ist nicht so sehr die Möglichkeit einer Überprüfung auf VOllständigkeit von Handschriften, die hier hervorgehoben werden soll. Aus den Lagen- signierungen ergeben sich mitunter auch erste Hin- weise auf Entstehung und Zusammensetzung der in einem Band vereinigten handschriftlichen Materialien, nämlich dann, wenn eine Handschrift keine von Anfang bis Ende durchgehende Lagenzählung, sondern zwei oder mehr aneinander anschließende separate Kusto- denfolgen aufweist3• In Konvoluten, in denen hetero- Vgl. hierzu D.Harlfinger - D.Reinsch, Die Aristo- telica des Parisinus gr.17~1 . Zur Cberlieferung von Poetik, Rhetorik, Physiognomonik, De signis, De ventorum situ, in: Philologus 114, 1970,S.28 _50. 2 Vgl. zum Näheren auch unten S.282/283. 3 Angesichts dieses hier und im vorhergehenden ange- deuteten Wertes der Kustoden für den KOdikologen und Textkritiker ist es um so bedauerlicher, daß etwa in den sonst überaus mustergültigen modernen Katalogen eines Teils der Vindobonenses graeci von H.Hunger (Teil 1, 1961; Teil 2~ U ~ter Mitarbeit von O.Kresten 1969) den Lagenslgnlerungen generell keine Beachtung geschenkt ist. So ist ihm denn auch nicht aUfgefallen, daß - wie wir hervorgeho_ - 29- gene sich kodikologisch deutlich unterscheidende Stücke zusammengebunden wurden, sind separate Signie- rungen, wie etwa unter den Lin.- Handschriften in Par. 1851 und Ott.451, selbstverständlich. Nicht so hinge- gen in einem Kodex, der von der Hand eines einzigen oder mehrerer in ein und demselben Schreibatelier zu- sammen arbeitender Kopisten stammt. Die Untersuchun- gen im Rahmen dieser Arbeit haben über diese Frage einigen Aufschluß gegeben: Separate Lagenzählungen bedeuten in einem solchen Falle verschiedene Vorla- gen. Bei jedem Neueinsatz (a) in der Kustodenfolge wurde also ein anderes Antigraphon benutzt. Einen anschaulichen Beleg bietet innerhalb der Aristoteles-Überlieferung z.B. der Par.1861. Er ent- hält nach Schriften des Stagiriten, die uns hier nicht zu interessieren brauchen, auch Parva natura- lia, Col., Gener.Corr., Mete., Metaph. und Plant. in dieser Anordnung. Die Vorlage unseres Kodex ist zu- nächst, wie KOllationsstichproben ergeben haben, der Par.2035 . In letzterem fehlen aber Metaph. und Plant., so daß hierfür auf ein anderes Antigraphon zurückge- griffen werden mußte. Und so findet sich denn auch im Par.1861 ab Metaph. eine mit a einsetzende neue Kustodenreihe. Auch unter den Lin.- Manuskripten gibt es Beispiele: In dem von Michael Apostolios geschrie- benen Urb.38 (Qa) entsprechen die sich durch geson- derte Lagensignierung voneinander abhebenden drei Teile schon deshalb jeweils verschiedenen Vorlagen, ben haben - im Vind.Phil.231 mehr abhanden gekom- men sein muß als nur das Ende von Phgn. und der Anfang von Vent. Vgl. hierzu und zum folgenden die Handschriften- Beschreibungen im 'Aristoteles Graecus'.
- 30- weil sie in einem alten Inventarium noch als getrenn- te Einheiten aufgeführt sind1• Der hauptsächlich von a zwei Kopistenkollegen hergestellte Marc.212 (G ), der einen großen Teil des Corpus Aristotelicum in sich leitet sich, wie zunächst nur Signaturreihen und rende inhaltliche Spaltung in Blöcke zu erkennen geben, aus mehreren separaten Vor- lagen her2, und zwar aus einer mit EN, aus einer an- deren mit Cael., Gener.Corr., Mete., aus einer drit- ten mit Hist.An., aus einer vierten mit mindestens Part.An. und Inc.An .• danach sind keine Kustoden mehr vorhanden. Zwei gesonderte Kustodenfolgen im Vat.905, die eine für Tzetzes (Ilias-Scholien) und die andere für die aristotelischen SChriften (Lin., Mech., Mu., Hist.An.), zeigen, daß der Schreiber des Kodex (Demetrios) Tzetzes und Aristoteles nicht in Oberlieferungsgemeinschaft vorfand. Dasselbe trifft beim Mon.502 zu, dessen Schriftengemeinschaft insge- samt ebenfalls erstmalig zu sein scheint. Während also der Neueinsatz einer Lagenzählung in der Regel als Zeichen für den Wechsel der Vorlage gelten darf, garantiert umgekehrt eine einzige durch- gehende Signierung nicht unbedingt, daß auch nur eine Vorlage zugrunde lag. Denn die KOPisten konnten na- türlich auch trotz mehrerer Antigrapha die Lagen ih- rer eigenen als Bucheinheit geplanten Kopie fortlau_ fend signieren. Durchgehende ursprüngliche Lagenzäh_ lung spiegelt in einem von verschiedenen Händen stam- vereinigt, schiedenen die ver- die damit korrespondie_ mehrere thematische Vgl. außer der Beschreibung dieser Handschrift im 'Aristoteles Graecus' auch unten S.238-240. 2 Vgl. auch unten S.174. - 31- menden Kodex das Teamwork der Schreiber wider und läßt normalerweise auf die Benutzung der Vorlagen ein und demselben Ort schließen. an c) Wasserzeichen als Bestimmungs- und Datierungshilfe Eine kodikologische Untersuchung der aristoteli- schen Manuskripte in Madrid (Frühjahr 1967), die größ- tenteils von Konstantin Laskaris geschrieben sind, hat u.a. ergeben, daß in den Kodizes der Mailänder Pe- riode dieses Humanisten häufig das Wasserzeichen Blu- me : Briquet 6597 wiederkehrt. Bei einer späteren Durchsicht des von H.Hunger verfaßten Katalogs der Wiener griechischen Handschriften (Teil 1) stieß ich in der Beschreibung des Vind.Phil.230 zufällig auf dasselbe Wasserzeichen. Da der Vind.Phil.230 die Gram- matik des Konstantin Laskaris enthält, lag der Gedan- ke nahe, es könnte sich um das Autographon des Verfas- sers handeln. Die Autopsie dieses Kodex (Dezember 1967) hat dies bestätigt: ff.1 -44 stammen von der Hand dieses griechischen Gelehrten. Die Bedeutung der in Papiermanuskripten seit dem Ausgang des 13.Jhs. vorkommenden Wasserzeichen als Hilfsmittel für die Einordnung von Handschriften in bestimmte Scriptorien und Schreibateliers und für die Identifizierung von Schreiberhänden hat bisher allem Anschein nach kaum Beachtung gefunden1• Es Als erster hatte A.Dain, Les manuscrits, Paris 21964. S .65 (:11949, S.60), auf den Nutzen der Aus- wertung der Wasserzeichen für die griechische Phi- lologie aufmerksam gemacht. - Sieht man von gele- gentlichen Beobachtungen am Rande, wie z.B . in den
- 32- liegt jedoch auf der Hand, daß namentlich dort, Wo Papier in großen Mengen benötigt wurde, also z.B . bei den professionellen HandschriftenkoPisten, je- weils größere - gleichwohl meist schnell verbrauch_ te - Vorräte dieses Beschreibstoffes aus der laufen- den ProdUktion eines bestimmten Papierfabrikations_ zentrums angelegt Wurden und daß sich diese Papier- sorten Von den vorangehenden oder den folgenden und Von den Erzeugnissen anderer Papiermühlen unterschie_ den. Daher leuchtet es ein, daß außer kodikologisch_ paläographischen Merkmalen, wie z.B . DUktus, Anlage des SChriftsPiegels, Illumination, Lagensignierung u.dgl., auch identische Papierformen chen auf die gleiche Provenienz Scriptorium) hindeuten können. leicht einprägsame und relativ zuverlässige Hilfs- mittel bei der Erforschung und Rekonstruktion kul- turgeschichtlicher Zusammenhänge, in denen sich ~ei- tergabe und Verbreitung Von Literatur jeglicher Gat- tung und 5prache Seit dem 14.Jh . V01',ogen. Es emp- fiehlt sich deShalb, aUch die Wasser'eichen sowohl und Wasserzei_ (Entstehungszeit und Diese sind somit Arbeiten M.Witteks (Manuscrits et COdicOlogie, in, Scriptorium 7, 1953, 5.274-297) und M.5icherls, ab, so findet sich die, soWeit ich sehe, erste metho_ disch konsequent durchgeführte UntersUChung dieser Art in der in jeder Hinsicht vorbildlichen Arbeit P.Canarts, Les manuscrits copi~s par Emmanuel Pro- vataris (1546-1570). Essai d'~tude COdicOlogique, in, M~langes E.Tisserant VI, CittA deI Vaticano 1964 (" Studi e Testi 236), 5.173-2'7. Auch die VOr'üglichen Arbeiten O.Krestens über Andreas Dar_ marios (insbesondere seine Dissertation, Der SChrei- ber Andreas Darmarios. Eine kOdikOlogiSCh_pal.ogra_ phische Studie, Wien 1967, Masch~nenschrift) sind in diesem Zusammenhang zu nennen. - 33- in Betrachtungen synchronistischer Art, die etwa be- stimmten Scriptorien oder Kopisten gewidmet sind, als auch in diachronistischen Untersuchungen zur Überlieferungsgeschichte dieses oder jenes Autors oder Werks - wo möglich - mit einzubeziehen1• Ich habe versucht, diesen speziellen kodikologisch-kul- turgeschichtlichen Aspekt zu berücksichtigen und einige Verbindungen zwischen verwendeten Papiersor- ten einerseits und Kopisten sowie Herkunft der Kodi- zes andererseits herauszustellen, man vergleiche die Beschreibungen im 'Aristoteles Graecus' oder mitun- ter auch die Ausführungen zu den Lin.- Handschriften weiter unten. Die Bedeutung der Wasserzeichen für die Datierung von Archivalien und Handschriften ist demgegenüber spätestens seit dem Erscheinen von Briquets großer Sammlung (1907)2 allgemein erkannt. Hinsichtlich der Präzision und Effektivität einer Auswertung der Was- serzeichen ist allerdings in den meisten modernen Handschriften-Katalogen und textgeschichtlichen Stu- dien eine eher skeptische und äußerst vorsichtige Haltung zu beobachten, man sieht in den Wasserzei- chen kaum mehr als eine approximativ auf große Zeit- räume hinführende Datierungshilfe. Laut Briquet ( S. XVIII-XXIII) liegt die durchschnittliche obere Gren- In diesem Zusammenhang wäre auch eine Wiedergabe der in den bisherigen Veröffentlichungen nicht be- legten Wasserzeichen in Originalgröße wünschens- wert. 2 Ch.M .Briquet, Les filigranes. Dictionnaire histo- rique des marques de papier des leur apparition vers 1282 jusqu'en 1600, Genf 11907, ~ eipzig 21923, The New Briquet, Jubilee Edition ••• , Sup- plementary Material, Amsterdam 1968.
- 34- ze der Zeitspanne von der Herstellung eines Papiers bis zu seinem Verbrauch für Normalformate bei 15 Jahren, für großformatiges Papier bei 30 Jahren und darüber. M.Sicherl, der sich auf eigene und P.Henrys Untersuchungen zu Wasserzeichen stützt, hat in einem methodisch interessanten Beitrag seines wertvollen Buches (5.7 -13) den in Frage kommenden Zeitraum auf durchschnittlich 25 Jahre angesetzt. Wir können jedoch, wie ich mit den neueren Exper- ten der wasserzeichenforSchung1 meine, weSentlich oPtimistischer sein. Die Hauptvoraussetzung ist al- lerdings, daß sich die gefundenen Wasserzeichen nach Form und POSition im Papierbogen und aUch die Anlag. der BOden_ und Bindedrähte mit denen datierter SChriftstücke gänzlich Zur Deckung bringen lassen, was allerdings bei der bisherigen Vergleichsbasis, der Briquet-Sammlung, deren Datenangaben zudem mit Vorsicht zu verwenden sind, nur Selten der Fall ist. Die ersten Veröffentlichungen der Staatlichen Ar- chivverWaltung Baden-Württ.mberg, Sonderreihe Die Wasserzeichenkartei Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. seit 1961 fortlaufend .rscheinend. geben Vgl. z .B . V .Mo~in. Die EVidentierung und Datierung der Wasserzeichen. in, PaPierg.sChichte S 19S5 . . " S.49-S7 . G.Piccard. D1e wasserz.1chenforSChung als historische HilfsWissenschaft. in, Archivalische Zeitschrift S2. Müncqen 19S6. S.62-11S. besonders S"". Th.Gerardy. Datieren mit Hilfe Von Wasser_ zeichen •••• Bück.burg 1964 (0 SChaUmburger Stu_ dien Heft 4). und J.1rigoin. La datation Par les ' '. filigranes, in: Internat~onale Geme~nschaft der Papierhistoriker - 1nformat~on ••• F, I,'. 1967, S.33 -35j weitere Literatur ~ n der B~bl~ograPhie des New Briquet (dort S.*39/*40). - 35- jedoch zu der Hoffnung Anlaß, daß wir in absehbarer Zeit anhand umfassenderer, zuverlässiger Kollektio- nen von Wasserzeichen typen und -formen genauere Da- tierungen vornehmen können. Es scheint sich bereits jetzt das Ergebnis abzuzeichnen, daß ein und dassel- be Wasserzeichen nur auf wenige Jahre begrenzt vor- kommtl. Nach meinen eigenen bisherigen Erfahrungen - Wasserzeichen datierter oder recht genau datierba- rer Handschriften als Exaktheitsprobe; äußerst mini- maler Spielraum bei mehreren Wasserzeichen in ein und demselben undatierten Manuskript (vgl. z.B. un- ten Vind.Phil.206) - scheint es in der Regel durch- aus möglich, ein mindestens bis auf ±3-S Jahre ge- naues Entstehungsdatum einer Handschrift zu ermit- teln, besonders dann, wenn man nicht nur Einzelfor- men, sondern auch Formenpaare von Wasserzeichen mit datierten Vergleichsobjekten identifizieren kann2• Ausnahmefälle - fernab von den Zentren der Papier- produktion entstandene Handschriften; zuunterst ge- lagertes Papier, auf das immer neu angekauftes ge- stapelt wurde; später beschriebene Leerblätter von älteren Handschriften und dgl. - wird es freilich immer geben. Piccard gibt für gewöhnliches Papier 3-4 Jahre an, Gerardy, S.65, stimmt dem zu. 2 Ich hoffe, in naher Zukunft diese These im Bereich der griechischen Handschriften durch ausführliches Beweismaterial untermauern zu können.
- 36_ 11. EINIGE GRUNDZÜGE DER ARISTOTELES-ÜBERLIEFERUNG In de, Ühe"iefe,ungsgeSChichte des Co'pus Ari,to. telicum wie der meisten anderen Schriftwerke der g'iechischen Antike sind Handsch'iften als Träge, de, Textt'adie,ung e'st Seit dem 9. nachch'istli_ chen Jahrhundert der Photianischen oEaTEPO~ €AA~V\aμ6~, erhalten oder strUie'harl. Fur den Zeit'aum von meh, als einem Jahrtausend nach de, Ent'tehung de, authentischen Werke des Stagi'iten und de, seinem CO'pus einver- leibten apok'YPhen SChriften sind wi, zu, E'fo,_ sehung der Textgeschichte, in Welche, die Von Stra- hon herichtete Und in einigen ASPekten mögliche,wei_ se der WirkliChkeit entsprechende Geschichte vom 'Kelle, in Skepsis' und vom weite'en Schicksal des a,istotelischen NaChlasses' genauso wie die Ausgahe der esote'ischen Traktate durch den Pe'ipatetiker Androniko, von Rhados im 1.Jh .v .Chr. und die Tätig- keit gelehrter Männe, in den PhilosoPhensChulen und KUlturzent,en Von Athen, Alexandria, Antioehia, Rom und Später Byzanz einen hedeutenden Platz einneh_ men3, angewiesen auf die wenigen indirekten Zeugnis_ Renaissance, des genauer rekon- Von den Wenigen papyruS,eUgnissen fur die Werke des Aristoteles (vgl. R .A .Pack, The Greek and La- tin Literary Texts from GreC?-Roman EgyPt, Ann A,- hor, '1965, S.26 sq.) kann h"e, ahgeSeh~n werden. ' Strahon 13,54, P.608, da,u Plutarch, SUlla 26. Vgl. A .H .Chroust, The Miraculous Disappearanee and Recovery of the Corpus Aristotelicum, in, Classica et Mediaevalia 23, 1962, S.50-67, mit Li- teraturangaben. 3 Vgl. A .Tuilier, La tradition aristOt~licienne l Byzance des origines au VIIe si~cle. La formation - 37- se bei einzelnen Schriftstellern und auf die text- kritische Auswertung der zahlreichen Commentaria in Aristotelem Graeca des ausgehenden Altertums1 und der frühen Übersetzungen der verschiedensten Schrif- ten im Armenischen, Syrischen, Arabischen, Hebräi- schen und Lateinischen (Boethius). Daß die Textgestalt der einzelnen Schriften des Corpus in jenen Jahrhunderten keineswegs als ein- heitlich gelten darf, zeigen Erörterungen von Text- problemen2 und gelegentliche Hinweise auf äAAn ypa~n (oder oEuT€pa ypa~n)3 u.a .m . bei den Aristoteles- Exegeten sehr deutlich. Andererseits müssen z.B. im Falle von Cat. (und von Int.) die enge Verwandt- schaft des Ambr.L 93 sup.(n) mit denjenigen griechi- schen Originalen, die den geographisch und kulturell de la scolastique byzantine, in: Association G.Bu- deo Congres de Lyon. Actes du Congres, Paris 1960, S.186 -197, K.Oehler, Aristotle in Byzantium, in: Greek, Roman and Byzantine Studies 5, 1964, 5.133 bis 1~6 (jetzt auch in dt.Übers. in: Aristoteles in der neueren Forschung, hrsg. von P.Moraux (Wis- sensch.Buchgesellschaft, Wege der Forschung Bd. LXI), Darmstadt 1968, 5.381 -399, dort 5.381 -386, und in: K.Oehler, Antike Philosophie und byzanti- nisches Mittelalter. Aufsätze zur Geschichte des griechischen Denkens, München 1969, S.272-286, dort 5.272 -276). Zu einem wichtigen Abschnitt der Kommentatorenzeit ist eine umfassende Darstellung von P.Moraux, Ge- schichte des Aristotelismus von Andronikos bis Alexander von Aphrodisias, in Vorbereitung. 2 Vgl. z .B . einen interessanten von P.Moraux behan- delten Fall: Eine Korrektur des Mittelplatonikers Eudoros zum Text der Metaphysik des Aristoteles, in: Beiträge zur alten Geschichte und deren Nach- leben. Festschrift für Fr.Altheim zum 6.10.1968,1, Berlin 1969, S.492 -504. 3 Man vergleiche die Indices der CAG s.v. ypa~n .
- 38- so weit Voneinander entfernten Übersetzungen des Bo- ethius im Lateinisehen und des Georgios im Syriseh," zugrunde lagen, auf der einen und die Verbindung des Mare.201 (B) mit der armenisehen und der syrisehen Übersetzung des Jakob auf der anderen Seite' auffal_ len. Erst durch eine systematische Untersuchung der Te'tgesehichte des Corpus Aristotelicum bis zur mit- telbyzantinischen Epoche, in der nicht nur das ge- samte erwähnte Material aUfgearbeitet, sondern auch i. Vergleieh dazu die Charakteristischen Überliefe_ rungSmerk.ale der erhaltenen Te'tzeugen analysiert werden mÜßten, werden sich wahrscheinlich die diffi- zilen Fragen nach Herkunft, Umfang, Überlieferungs_ gemeinsehaft, Anordnung Und bUChtechnischer Anlage, nach Te'tform Und Qualität der verlorenen Majuskel- exemplare und nach dem, was uns davon weitertradiert worden ist, einer EntSCheidung näherbringen lassen. Dann wird sich zeigen, ob der ArehetyPUs unSerer Ma- nuskripte ein mit reichlichen marginalen Und inter- linearen Varianten versehener Unzialkode, gewesen ist, wie H.Diels in seiner berUhmten Abhandlung "Zur TextgeSchichte der aristOtelisehen Physik'" für diesen Traktat zu beweisen versuChte, Und im 7.oder B.Jh. angesetzt werden muß' oder ob der für die Vgl.hierzu L.Minio-Paluello, Aristot"is Categori_ ae .t Liber d. interpr.tatione, O'ford 1956, S.XX . ' In, Abhandlung.n d.r kgl.Akad.mi. der Wissenschaf_ ten zu B.rlin, Phi,.-hiSt·"" •• 2, .erlin ' •• 2 S.1-42, besonders S.7,19 sqq. , , Dieser Zeitansatz Von Diels findet sich aUch _ et_ Was verschoben - bei A.Tuilier (vgl.Oben 5.36 . "e' , An•• ,), S.196, Anm., W'eder, est probablement au VIe ou VIIe si~cle qu'il faut fi'.r "arCh~typ. de nos manuserits grecs d'Aristote." - 39- Textgestalt unserer Kodizes letzten Endes entschei- dende Beitrag nicht vielmehr in Verbindung mit der Umschrift des Werkes in die MinuSkel geleistet wor- den ist. Der mühseligen Arbeit der Transliterierung unterzog man sich, zumal in demselben geistig-kultu- rellen Milieu, verständlicherweise nur in den selte- neren Fällen mehr als einmall. Hier verbürgt die ge- lehrte Gewissenhaftigkeit solcher Männer wie Leon, Photios und Arethas eine hohe Qualität und größtmög- liche Authentizität der sicherlich unter Heranzie- hung, Vergleichung und Aussortierung aller gerade verfügbaren Textzeugen und nicht ohne Konjektural- kritik entstandenen frühesten Minuskelexemplare. Da- her wird man den Vorgang des μETaxapaKTnplOμ6~ auch unter dem Gesichtspunkt einer kritischen Editionsar- beit betrachten und diese wiederum bei allen nicht geringen Unterschieden in Art und Umfang des zur Freilich wird der eine oder andere Text sehr wohl zweimal und vielleicht auch öfter transliteriert worden sein; vgl. auch G.Pasquali, Storia della tradizione e critica del testo, Firenze 21952, S. 15-16. A.Dain, Les manuscrits, 21964, 5.130, gibt eine Liste der möglichen Beispiele einer doppelten Umschrift; R.Browning, Recentiores non deteriores, in: University of London, Institute of Classical Studies, Bulletin Number 7, 1960, 5.11-21, hält die Existenz und Auswertung von Unzialhandschrif- ten sogar noch im 13. und 14.Jh.für wahrscheinlich. - Was das Corpus Aristotelicum betrifft, so hat P. Moraux für Cael. (Aristote, Du ciel, Paris 1965, S.CLXVIII) zwei anhand getrennter Vorlagen getä- tigte μETaxapaKTnplOμO( nachgewiesen, auf die die beiden Handschriften-Familien mit ihren jeweiligen Repräsentanten Par.1853 (E) (Unzialfehler! , vgl. Moraux, S.CLXXIV) und Vind.Phil.l00 (J) zurückge- hen. Da beide genannten ManUSkripte außerdem auch die Schriften Phys., Gener.Corr., Mete., Metaph. und das Metaphysik-Fragment des Theophrast enthal- ten, dürfte auch bei diesen Traktaten eine doppel- te Transliteration sehr naheliegen.
f .... .J.. d...:..- erschie ens"ten s a •• ns er• . Aris ot:e es S"t I'"!a-~ gte profane 6~ie- er Verbre':'1: ~ igen chris1:lichen en voran Vom g eure .a- n eX"ten euen e~t:a- ryns, Un fragment in€dit d'un cte ~n onciales, in: Revue des ~L5, S.350-373, 1 Taf. en sich aufgezählt bei A.War- manuscrits grecs d'Aristote rs. Contribution ~ l'histoire , Paris 1963; erste Nachträge - J.Wieaner, Die griechischen Ar[btoteles und seiner Kommenta_ opium 18, 1964, S.238 -257. hllch in don verschiedenen Fonds Apo8tOllcü Vaticana) befinden sich h~jlten; es fOlgen Paris mit Ca.170, .120, M~11dnd mit ca.70, Wien und . 50 ManuSkripten usw. e- - 41- ment1, von Johannes Chrysostomos2 und Johannes Ud- maskenos3, erreicht oder übertroffen. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Wertsch~t - zung und Beliebtheit, derer sich ein Autor die Jahr- hunderte hindurch erfreute, die wichtigsten Faktoren bei der Erhaltung und Ausbreitung seiner Werke gewe- sen sind4• Daß von den beiden großen Philosophen der Antike in der byzantinischen Zeit bis zum Ausgang des Mittelalters Aristoteles gegenüber Platon insge- samt den Vorzug genossen hat - das macht schon ein Vergleich der Zahl der erhaltenen Handschriften deutlich, die für Platon etwa 260 beträgtS - , ver- dankt der Stagirit in erster Linie der großen Be- Davon gibt es allein 2646 Minuskeln, vgl. K.Aland, Kurzgefaßte Liste der griechischen Handschriften des Neuen Testaments, I.Gesamtübersicht, Berlin 1963. 2 Vgl. A.Wartelle, S.XIII . Allein in England und Ir- land gibt es 298, in Deutschland 105 Chrysostomos- Handschriften, vgl. Codices Chrysostomi Graeci, I, Britanniae et Hiberniae, deser. M .Aubineau, Paris 1968; fI, Germaniae, descr. R.E.Carter, Paris 1968. 3 759 Handschriften allein für die Pege gnoseos, vgl. B.Kotter, Die Überlieferung der Pege gnoseos des hl.Johannes von Damaskos (: 5tudia patristica et byzantina 5), Ettal 1959. 4 Vgl. M.Sicherl Platonismus und Textüberlieferung, . . ~ n : Jahrbuch der Österreichischen Byzantinischen G~sellschaft 15, 1966, 5.201-229, dort S.201, mit ~ ~ teratur, auch zur parallelen Erscheinung bei der Überlieferung der römischen Schriftwerke. S Vgl. N.G .Wilson A List of Plato Manuscripts, in: Scriptorium 16, '1962, S.386 -395, und The Plato Ma- nuscripts. A New Index, prepared by the Plato Mi- crofilm Project of the Yale University Library un- der the Direction of R.S .Brumbaugh and R.Wells, New Haven - London 1968.
- 42- deutung kirche, Platon. seiner PhilosoPhie für die Theologie de~ Ost_ die ihm aufgeschlossener gegenüberstand als So ist denn auch Aristoteles der am meisten kom- mentierte und paraphrasierte griechische Autor nicht nur im ausgehenden Altertum, sondern auch im byzantinischen Mittelalter. Anders als im Falle z.B. der griechischen Tragiker, des AristoPhanes, Hesiod, Pindar und Arat sind es nicht die großen byzantini_ schen Philologen Und Textkritiker der frÜhen Palaio- logenzeit, wie Maximos Planudes, Demetrios Trikli- nios, Thomas Magistros und Manuel MoschopUlos1, son- dern die ünaTol TWv ~lAoo6~wv, die byzantinischen Professoren und ebendie Aristoteles_Exegeten, die zur Verbreitung aUch der originalen Werke in ent- scheidendem Maße beigetragen haben und durch deren Hände viele HandsChriften und Texte gegangen sein müssen. Vom 9. bis 14.Jh. ist die Reihe dieser Aristoteliker nie abgerissen. Mit den Namen und dem Wirken dieser Männer, die in der Geschichte sowohl des Aristotelismus als auch Vor allem der byzantinischen PhilosoPhie einen wich- tigen Platz einnehmen, wird man sich bei der Erfor_ Schung der ÜberlieferungsgeSChichte des Aristoteles vertraut machen mÜSsen. Ich gebe im fOlgenden ein. chronologisch angelegte Liste der byzantinischen Aristoteles-Kommentatoren des 9. - 14.Jhs. mit Nennung der von ihn.n bearbeiteten und uns erhaltenen Origi_ 1 Vgl. M .Sicherl, 5.202 mit Literatur. - 43- nalschriften1: Im 9.Jh . Photios (Cat.2), Ende des 9. und Anfang des 10.Jhs. Arethas (Cat.3), im 11.Jh. Gregorios Aneponymos (Logik~), Michael Psellos (Cat., Int., Anal.Pr., Anal.Post., SE, Phys., Mete., An., Parva naturalia (?» und Johannes Italos (Cat., Int., Top.II-IV, Rhet.), Ende des 11. und Anfang des 12. Jhs. Michael Ephesios (Int., SE, Metaph.(Teile), EN (Teile), Parva naturalia, Gener.An., Part.An., Mot. An., Inc.An., Pol., Col.5) und Eustratios (EN, Anal. Diese Liste, die keinen Anspruch auf VOllständig- keit erhebt, beruht nicht auf eigenen Ergebnissen, sondern ist aus zweiter Hand zusammengestellt, nämlich vorwiegend aus dem oben 5.36, Anm.3 zi- tierten einführenden Überblick von K.Oehler, des- sen 5.398 (1968), Anm.3 angekündigte Geschichte der byzantinischen Philosophie mit großem Interes- se erwartet werden darf, aus dem nur mit Vorsicht zu benutzenden Index Commentariorum bei A.Wartelle, 5.183-198, und aus den Praefationes der 'Commenta- ria in Aristotelem Graeca'. - Über diese byzanti- nischen Gelehrten informiert generell neben K. Krumbacher, Geschichte der byzantinischen Littera- tur, München 21897 (Handb.d .Altertumswiss.9,1) auch B.Tatakis, La philosophie byzantine, Paris 1949 (in: E.Brehier, Histoire de la philosophie, fasc.suppl.II). Auf das Anführen von Spezialarbei- ten und Editionen kann im Rahmen dieses Überblicks verzichtet werden. 2 Quaestiones ad Amphilochium 137-147; auch separat als O~VO~IS oa~~s TWV l KaTnYOplWV überliefert. 3 Wahrscheinlich ist der semiunziale marginale Kom- mentar im Urb.35 das Autographon des Erzbischofs von Kaisareia. Dieser Meinung ist auch der Arethas- Kenner L.G .Westerink (nach mün~licher Mitteilung im Juli 1968). 4 Der Text ist zuletzt ediert von J.L .Heiberg, Ano- nymi logica et quadrivium, in: Det kgl.Danske Vi- denskabernes Selskab, Historisk-filologiske Med- delelser, Kopenhagen 1929, xV,l, S.1-50. S Unediert bisher nur der Kommentar zu Int. und der- jenige zu COl •• den ich in drei jungen Handschrif-
- 44- POst.II), im 12.Jh . Theodoros Prodrom os (Int., Anal. Post.) und Johannes Tzetzes (zur Isagoge nischen Trimetern, Part.An.1), im 13.Jh . BlemmYdes (Epitome logica et Physica), Demetrios Chomatianos (O"gdnOn), Manuel HOlobolos (Anal.p".,) und Georgios Pachymeres (12 Bücher umfassende Philo- sophia, die die meisten SChriften des Corpus para- phrasiert, vgl.unten S.345), im 13./14.Jh. Josephos Rhakendytes (In universos libros expositi03), der Mönch Sophonias (Cat., SE, An., Parva natU"alia, Ethik, Phys., Metaph.4), Theodoros Metochites (Phys., Cael., Mete., Gener.cO""., An., Parva naturalia, Part.An. und Gener.An.) und Johannes Pediasimos (Int., Anal.Pr., AnaLPost.), im 14.Jh. Leon Hagen- tinos (Organon), Neophytos Prod"omos (Logik), Isaak Argy"Os (Organon) Und Josephos Philag"ios (Cat., Int.), im 14./15.Jh. Johannes Chortasmenos (Organon, Rhet.) Und - chronologisCh nicht genauer fixierbar5- in byzanti_ Nikephoros ten des 16.Jhs. (Ambr.c 233-234 inf., Ambr.D 4742 info und 8arb.84) entdeckt habe, wo er ohne Ver- fass,rnamen und Tit" ersch'int. D'r POlitik-Kom_ mentar ist verschollen, Exzerpte daraus finden sich als Marginali'n im 8,rol.Ham.41 Und im Leid. Scal.26; vgl. O.Immisch, Aristotelis POlitica, L'ip'ig 1909, S.XV -XX, Und A.Dr'i"hnter, Aristo_ tel,s' POlitik. Eing"'it,t, kritisch hrsg. Und mit Indices verseh,n, München 1970 (" Studia et Testimonia Antiqua VII), S.XIX, Anm.53 . Vgl. K.Krumbacher, S.533, 535. 2 Vgl. K .Krumbacher, S.772, 773. 3 Anscheinend t,ilw'ise identisch mit d'n SChriften des Georgios Pachymeres. 4 Bis auf An. ist di, Autorschaft d,s SOPhonias fragliCh. 5 Aufgrund der Datierung der ManUSkripte, Texte enthalten, ist terminus ante quem die ihre für Drosos - 45- Drosos (Int.) und Alusianos (Anal.Pr.)l. Die Erforschung des Anteils dieses oder jenes by- zantinischen Gelehrten und Kommentators an der Text- geschichte und Tradierung der einen oder anderen Schrift im Corpus Aristotelicum steckt noch völlig in den Anfängen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich unter den heute bekannten Handschriften noch manch ein Autographon eines byzantinischen Aristote- likers entdecken ließe oder daß dessen eigenhändige Marginalien und Korrekturen identifiziert oder doch wenigstens die in seinem Auftrag von Berufskopisten angefertigten Manuskripte - wie nachweislich z.B . die weiter unten erwähnten für Arethas geschriebe- nen Kodizes - ermittelt werden könnten. Da entspre- chende Subskriptionen oder Notizen in den Handschrif- ten selbst so gut wie nie vorhanden sind, bleibt es die schwierige Aufgabe der Paläographie, mit den ihr eigenen Mitteln, v.a . durch Identifizierung des Duk- tus aufgrund von paläographischer Evidenz, den ent- scheidenden Beitrag zu leisten. Hierbei mag die Fül- le des vergleichbaren handschriftlichen Materials - neben den zeitgenössischen Kodizes mit den betref- fenden Kommentaren auch diejenigen mit den oft zahl- reichen und verschiedenartigen anderen Schriften der byzantinischen Aristoteles-Exegeten - diese Arbeit etwas aussichtsreicher, wenn schon nicht leichter machen. In diesem Zusammenhang bedeutet es auch eine der Anfang und für Alusianos die Mitte des 14.Jhs. Die Veröffentlichung der noch nicht pUblizierten Kommentare ist in Fortsetzung der Commentaria in Aristotelem Graeca (1882-1909) am Aristoteles-Ar- chiv Berlin geplant.
- 46_ entscheidende Hilfe, daß die Kommentatoren, beson_ ders die jüngeren, den Originaltext des Stagiriten oft über weite Strecken hin wörtlich zitierenl, so daß es verhältnismäßig einfach ist, nicht nur den ziemlich genauen Platz des Zugrunde liegenden Text- zeugen innerhalb der Filiation der entsprechenden Schrift Zu bestimmen2, Sondern auch bei Kenntnis der Textgestalt aller in Frage kommenden Handschrif_ ten den betreffenden KOdex entweder zu identifizie_ ren oder aber seinen Verlust festzUstellen. Die Geschichte der Minuskelüberlieferung auch des Aristoteles_Textes ist im lokalen Bereich engsten, mit Konstantinopel verknÜpft. Zwar war nach der Z.it des Themistio, (etwa "7-, •• ) die griechische Philo- sophie und mit ihr der Aristotelismus in Konstanti_ nopel ziemlich vernachlässigt worden. Aber im 7.Jh . forschte und lehrte dort wieder der au, Alexandria Stammende Stephanos, der sich Vorwiegend mit aristo- telischer PhilosoPhie beschäftigte. Seitdem blieb das Interesse für Aristoteles, wenn aUch mit einige, dunklen Ab,chnitten im '.Jh. Und noch wenig erforsch- ten Jahrzehnten de, 10.Jhs., in die'er Stadt leben- dig. Hier ließ der Kalif al-Mamun von Bagdad im Jah- re "4 nach griechisChen Aristoteles-ManuskriPten für die eben einsetzende arabische PhilosoPhie, die dem Stagiriten Sehr aUfgeschlossen gegenüberstand, suchen, und hier studierte im Jahre "4 der gro'e Exempli gratia sei nur auf den An. -Kommentar de, Sophonias hingewiesen, in dem U.a . ein großer Teil Von Col. im Wortlaut herausgeSChrieben ist. 2 Vgl. z.B. Unten 5.'51-'55 zur Lin. - Paraphrase des Georgios Pachymeres. - 47- syrisch-arabische Übersetzer des Aristoteles Hunain ibn Ishaq und sammelte auch die Originalmaterialien für seine Übertragungen1• So scheint denn auch für alle auf uns gekommenen Aristoteles-Traktate die Um- schrift in Konstantinopel stattgefunden zu haben, so daß sämtliche uns erhaltenen Handschriften letz- ten Endes ebendort ihren Ursprung genommen haben; es sei denn, daß sich für das von K.Treu unter Pho- tographien von Handschriftenresten der Umayyaden- Moschee zu Damaskus entdeckte Palimpsest-Fragment mit Int.17a35-18a16 als oberem Text2 (aus dem 9.Jh .) die syrische Provenienz nachweisen lassen würde. Auch der älteste und wohl wertvollste Textzeuge für die direkte Überlieferung der apokryphen Schrift Virt., der Mosqu.394 (Savva; 231 Vladimir), ist nicht unbedingt in der Hauptstadt entstanden; denn er wurde von Stylianos im Jahre 932 für Arethas ge- schrieben, der damals Erzbischof von Kaisareia war. Wer waren die Persönlichkeiten, die sich während der byzantinischen Renaissance des 9. und 10.Jhs. der Werke des Stagiriten annahmen, sich mit ihnen in Unterricht und Forschung beschäftigten und sie aus der Majuskel in die Minuskel umschreiben ließen und so für uns retteten? Die Ursprünge des "zweiten Hellenismus" sind eng mit dem Namen des Philosophen Vgl. zu allem K.Oehler, 5.386 (1968), und insbe- sondere L.Minio-Paluello, Giacomo Veneto e l'Ari- stotelismo latino, in: Venezia e l'Oriente fra tardo Medioevo e Rinascimento, Firenze 1966, S.53-74, dort 5.62. 2B.f . r~e l~che Mitteilung von J.Irmscher an P.Moraux vom 23.12.65
- 48- Leon und des Photios verbundenl. Beide werden auch entscheidenden Anteil an der Verbreitung des Aristo_ teles und seiner Kommentatoren gehabt haben. So be- schäftigen sich die Erotapokriseis 77 und 137-147 der Amphilochia des Photios unter Berücksichtigung von Porphyrios und Ammonios mit den Kategorien. Pho- tios hat laut K.Oehler2 Kommentare auch zu anderen Traktaten des Aristoteles verfaßt und verschiedene davon für den SChulgebrauch Publiziert. Photianische Aristoteles-Handschriften sind uns freilich unter en erhaltenen vetustissimi (noch?) nicht begegnet, aber es sollte keineswegs überraschen, wenn sich eines Tages ein solcher KOdex oder mehrere oder we- nigstens direkte Abkömmlinge Von ihnen identifizie_ ren ließen. Was Leon, den PhilosoPhen bzw. Mathema- tiker, anlangt, hat es J.Irigoin3 immerhin in den Bereich des Möglichen erhoben, daß der Vindobonensis J (Vind.Phil.l00: Physikalische SChriften und Me- taph.) und der kleine Handschriftenrest im Par. SUPPl.1156 (Hist.An.) - beide Vom selben Kopisten geschrieben - unter seiner Regie entstanden sein könnten. Unter den Bestellern oder BeSitzern VOn Aristote_ les-Handschriften des 9. Und 10.Jhs. ist nur ein Die Bedeutung beider - auch des Leon _ für diese Erneuerung des byzantinischen Geisteslebens hat J.Irigoin einprägsam dargestellt: Survie et renou- Veau de la litterature antique ~ ConstantinoPle (IXe si~cle), in: Cahiers de Civilisation Medie_ vale 5, 1962, S.287-302. 2 K.Oehler, S.387 (1968). 3 J.Irigoin, L'Aristote de Vienne, in: Jahrb.d . Österr.Byzant.Gesellsch.6, 1957, S.5 -10. einziger namentlich bezeugt: der bibliophile Photios- Schüler Arethas. Er hat nicht nur den schon erwähn- ten Mosqu.394 (231) mit Virt., sondern auch, was be- deutend stärker ins Gewicht fällt, den Organon-Kodex Urb.35 (A) anfertigen lassen und mit eigenhändigen Marginalien versehen. Er kannte außerdem, vielleicht Lektüre, mindestens Phys., Mete., An., EN, MM und die genuine sowie die wie aus den Zitaten in seinen aus eigener Metaph., Gener. An. , Alexander-Rhetorik, Briefen1 hervorgeht. Ins 9.Jh . gehören des weiteren der Oxon.C .C .C .l08 mit einer Sammlung aus den biologisch-zoologischen Schriften und der Laur.81,11 mit EN und MM, die im Duktus dem Vind.Phil.l00/Par.Suppl.1156 sehr ähnlich, jedoch wohl weder mit diesem noch untereinander iden- tisch sind, und der Organon-Kodex Ambr.L 93 sup. Aus dem 10.Jh . schließlich sind abgesehen von kleineren Fragmenten zu nennen: die Organon-Manuskripte Marc. 201 (anno 954, Schreiber: Ephraim; nach K. und S. Lake2 vielleicht in einer von Arethas in Kaisareia gegründeten Schreibschule) und Barb.87, der mit letzterem Kodex entstehungsgeschichtlich näher in Verbindung zu bringende Par.1741, der innerhalb einer Rhetoren-Sammlung auch Rhet. und Poet. über- liefert und ebenfalls ursprünglich einmal Phgn., Sign. und wahrscheinlich Vent. enthielt, der Par. 1853 (E) mit physikalisch_naturwissenschaftlichen Traktaten sowie Metaph. und der Par.2036 mit den Vgl. Arethae archiepiscopi Caesariensis scripta minora, vol.I, rec. L .G .Westerink, Leipzig 1968. 2 K. und S.Lake, The Scribe Ephraim, in: Journal of Biblical Literature 62, 1943,S.263-268,dort S.267.
- so- pseudo-aristotelischen Probl.; alle diese Handschrif_ ten sind, wie bereits angedeutet, noch keinem be- stimmten Urheber zugewiesen. Angesichts der relativ großen Menge und der the- matischen Verschiedenartigkeit der uns erhaltenen Schriften des Corpus Aristotelicum stellt sich die Frage sowohl nach Zusammenstellung und Überliefe_ rungsgemeinschaft bestimmter Traktate in separaten Handschriften als auch nach der Verbreitung und Ver- teilung der verschiedenen Traktatgruppen durch die byzantinischen Jahrhunderte hindurch. Das aristote- lische Schriften-Corpus ist an Umfang natürlich viel zu groß, als daß es in zwei oder drei oder gar in einer einzigen Pergamenthandschriftl hätte Platz finden können, sieht man einmal ganz davon ab, daß es zur Zeit der Transliteration wohl selten, wenn überhaupt. irgendwo gesammelt vorlag. Immerhin bot die raumsparende Minuskel gegenÜber ihrer Vorgänge- rin, der Unzialschrift, in dieser Hinsicht bessere Möglichkeiten. In der Minuskel gelten wohl die von alters her überkommenen und dem PhilosoPhischen System des Sta- giriten angepaßten SammlungsgesichtsPUnkte. Vier SChriftengruPPierungen lassen sich zunächst, wenn wir uns noch einmal den Inhalt der obengenannten Ko- dizes vergegenwärtigen, unterscheiden. Die eine um- faßt sämtliche logischen SChriften in der üblichen Reihenfolge, eine Zweite die PhysikalisChen Traktate Der junge im Jahre 1457 von Johannes Rhosos für Bessarion angelegte Marc.200 riesigen Formats mit allen Schriften außer den logischen ist eine Aus_ nahmeerscheinung. - 51- (Phys., Cael., Gener.Corr., Mete.) zusammen mit Me- taph. und dem metaphysischen Bruchstück des Theo- phrast1, eine dritte, die in zwei voneinander etwas divergierenden Zusammenstellungen auftritt, wird von tierkundlichen Werken2 gebildet, und schließlich gibt es das ethische Corpus (EN, MM)3. Im großen und blieben diese vier Hauptkombinationen im Kern Jahrhunderte bestehen. Das hinderte frei- lich nicht daran, daß immer wieder - lich bei den Organon-Handschriften Beschneidungen und insbesondere Erweiterungen, des Plans vorgenommen wurden. So weist Par.1853 eine viel umfangrei- physikalisch-naturwissenschaft- ganzen durch die außer eigent- Modifizierungen. ursprünglichen bereits der erwähnte chere Kollektion von Dieses Bruchstück des Theophrast verdankt seine Erhaltung zweifellos ebenso der Überlieferungsge- meinschaft mit Aristotelica (speziell Metaph.) (vgl. auch W.Jaeger, in: Gnomon 8, 1932, S.289) wie seine Schrift De sensibus, deren beide Hypar- chetypi (Par.1921 und Laur.87,20: vgl. J.B .McDiar- mid, The Manuscripts of Theophrastus' De sensibus, in: Arch.f.Gesch.d .Philos.44, 1962, S.1 -32) in der Hauptsache Aristoteles-Handschriften sind. 2 Der Oxon.C .C .C .l08 enthält heute Part.An.II-IV, Inc.An., Gener.An. und von den Parva naturalia die biologischen Opuscula Long. und spir.; er ist am Anfang mutiliert. Die Hist.An. ihrerseits bil- dete den Kern einer analogen Sammlung (vgl. das Fragment in Par.Suppl.1156), von der wir nicht wis- sen, ob und welche weiteren Schriften überliefert waren. 3 Rhet., Poet., Phgn., Sign., Vent. und Theophrast, Characteres wurden in dem ebenfalls schon genann- ten Par.1741 im Rahmen einer größeren Rhetoren- Sammlung vereinigt, vgl. D .Harlfinger - D .Reinsch (vgl.oben S.28, Anm.l), S.34. Diese Überliefe- rungsgemeinschaft der 6 peripatetischen Schriften -. auch die spezielle von Rhet. und Poet. - hat s~ch allerdinbs im Mittelalter nicht durchsetzen
- 52- lichen Schriften auf als der Vind.Phil.l00. Weitere häufig belegte Zusammenlegungen und Vermischungen sind etwa die von naturwissenschaftlichen und zoolo- gischen Traktaten und die der Ethiken (darunter ein- mal auch EE) mit Pol. und Oec., um nur die wichtig- sten dieses Typs zu nennen. Eine Art Überlieferungs_ gemeinschaft aber bilden U.a. bisweilen auch Probl. und Mir. oder Virt. und Mu., letztere eingestreut in eine Chrestomathie mit heterogenen Texten. Bis auf empfindliche Lücken im 11. und 12.Jh ., also in der Zeit des POlitischen und wirtschaftli_ chen Niedergangs des mittelbyzantinischen Reiches, der mit der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer 1203 und 1204 besiegelt wurde, sind die genannten Einzelschriften und Traktatgruppierungen jede für sich in der Regel in allen Jahrhunderten der byzantinischen Ära durch Handschriften relativ gut vertreten, was von einem andauernden Interesse für die Werke des Aristoteles zeugt. Bei dieser allgemeinen Wertschätzung der aristotelischen Philo- sophie werden allerdings gewisse Disziplinen deut- lich bevorzugt. So entstehen in allen Epochen z.B . wesentlich mehr Physikalische KOdizes als zoologi- sche. und viel häufiger als die Pol. wird etwa die EN handschriftlich vervielfältigt. Allem weit voran in der "Auflagenhöhe" steht jedoch das Organon. Es mag hier genügen, den in der Textgeschichte samtli- chen profanen SChrifttums der Antike einmaligen Fall hervorzuheben, daß wir allein über vier ve- tustissimi der Logik (vgl.oben) verfügen. Diese do- minierende ROlle des Organons erklärt sich wohl weitgehend aus den Erfordernissen des hÖheren Unter_ richts in Byzanz, der neben Grammatik, Rhetorik und - 53- Mathematik auch die Philosophie und hier wieder Lo- gik, Dialektik und Syllogistik, wo natürlich das Organon des Aristoteles grundlegend war, zu seinen Hauptfächern zählte. Zudem ist bekannt, von welch ~ roßer Bedeutung die aristotelische Logik für die Theologie der Ostkirche war1• Es bedeutet nur scheinbar einen Bruch und Um- schwung in der Haltung gegenüber der aristotelischen Logik, wenn im Italien der Renaissancezeit fast überhaupt keine Organon-Manuskripte mehr kopiert wurden2• Darin dokumentiert sich nicht etwa ein Des- interesse an der Logik schlechthin; ausschlaggebend war vielmehr. daß bereits die vorangegangenen Jahr- hunderte genügend organon-Handschriften hervorge- bracht hatten. Der Bedarf der Humanisten wurde voll- kommen durch die Handschriften-Importe aus dem Osten Europas gedeckt, unter denen sich die Mehrzahl der heute noch vorhandenen ca.140 Organon-Kodizes befand. Beinahe umgekehrt - freilich in anderen Größen- ordnungen _ verhält es sich in der Zeit der Minus- kelüberlieferung mit dem Schicksal der Poetik. Nur zwei Textzeugen konnten im 15.Jh . nach Italien hin- Übergerettet werden, und es hat auch nicht den An- schein, als ob jemals wesentlich mehr Exemplare die- ser Schrift in Byzanz existierten. Von dem einen dieser beiden Kodizes, dem genannten Par.1741, aus- gehend _ der akephale Ricc.46 (14.Jh .) mußte zwangs- läufig unentdeckt bleiben - erlebte die aristoteli- S.391-396 (1968). des Corpus Aristotelicum beispielsweise fehlt nur des das Vgl. z .B . K .Oehler, 2 In der Gesamtausgabe Marc.200 (anno 1457) Organon.
- 54- sehe Poetik in der Folgezeit eine Renaissance1, in einer Zeit, die sich der Theorie der Dichtung auch in einer Reihe eigener Poetiken widmete. Die Poetik ist nicht die einzige S~hrift des Sta- giriten, die in der Mittel- und spätbyzantinischen Periode zeitweise in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Für einige Traktate, Mech., Lin., EE, Oec. und Rhet.Al., setzt unsere handschriftliche Überlie- ferung erst mit dem 13./14.Jh . ein. Hier mag zum Teil nur Zufall sein, daß ältere Textzeugen nicht auf uns gekommen sind. denn schließlich sind das win- zige Fragment aus Hist.An. im Par.SuPPl.1156, die Palimpsest-Reste Von Pol. im Vat.1298 (10.Jh.) und der Pinax im Par.1741, der die dort nicht enthalte- nen Schriften Phgn. und Sign. nennt, auch nur zufäl- lig erhaltene Spuren von der Existenz jener Traktate in der Frühzeit der Minuskel, Die eine oder andere Schrift mag aber auch lange Zeit hindurch kaum oder gar nicht gelesen worden sein. Als eine solche GleichgÜltigkeit gegenüber gewis- sen Traktaten kann auch gewertet werden, daß mehrere Schriften des Corpus Aristotelicum nie kommentiert oder paraphrasiert Worden sind. Unter den obenge- nannten sind dies EE, Oec. und Rhet.Al., in diese Reihe gehören auch Probl., Mir., MM, Spir., Poet., Mu., Virt., MXG, Phgn., Sign. und Vent. Sicherlich eignen sich verschiedene unter diesen Traktaten auch Die diametral entgegengesetzte Ansicht A.Gudemans, Die Textüberlieferung der aristotelischen Poetik, in: Philologus 90, 1935, S.26 -56. 156-175, 441-460, dort S.158, beruht auf einer Verkennung der Gege_ benheiten. - 55- schlecht zur Kommentierung, und es fällt auf, daß sich viele Apokrypha und kleine Opuscula unter ihnen befinden. Aufschlußreich ist zum Vergleich auch, daß einige - freilich wenige - Schriften nicht in mit- lateinischer Übersetzung vorhanden VIII 1-3), Spir., Mech., MXG und telalterlicher sind: EE (außer Vent. byzantinischen Hauptstadt zu ver- Schulen oder sonstige Kreise gegeben, die of- fast sämtlicher Werke des Stagiriten angelegt haben. Die von ein und demselben Kopisten und sicher für ein und denselben Auftraggeber angefertigten Vind.Phil.l00 und Par. Suppl.1156 mit jeweils verschiedener Schriftengemein- schaft lassen so etwas wie eine Gesamtausgabe der Werke des Aristoteles oder den wenigstens teilweise realisierten Plan dazu schon für das 9.Jh . erahnen. Mindestens zwei solcher "Editionen" des Corpus Aristotelicum aus späterer Zeit, in denen der origi- nale Grundtext stets auch von parallelen Marginal- kommentaren der bekannten Aristoteles-Exegeten be- gleitet wird, sind uns zu großen Teilen erhalten ge- blieben. Die eine Sammlung, im dritten Viertel des 14. Jhs. angelegt, setzt sich a u s folgenden Kodizes zusammen: Par.1921 (Tierbücher, An., Parva natura- lia), Par.Coisl.161 (MM, EN, Pol., Oec., Metaph.), Par.Coisl.166 (Physikalische Pragmatien)l und Es hat in der schiedenen Zeiten Gelehrte, philosophisch interessierte fensichtlich einheitliche Sammlungen Die Zusammengehörigkeit dieser drei Parisini hat als erster J.Mogenet, AutolycuS de Pitane.Histoire du texte, Louvain 1950, S.81, bemerkt. Nach ihm gehört auch der Par.2342 (Mathematiker) zu dieser Handschriftengruppe.
- 56- Hieros.Sancti Sepulcri 150 (Organon). Diese vier Ma- nuskripte stammen von derselben Hand (bzw. von den- selben Händen) und haben mehrere identische Wasser- zeichenl. Die andere Ausgabe ist etwa drei Genera- tionen später, um 1450, entstanden. zu ihr gehören mit Sicherheit der Alexandr.87 (Physikalische Trak- tate und Parva naturalia) und die Mosquenses 6 (Me- taph.),8 (MM, EN, Pol., Oec.), 239 (Phys.) _ alle vier Kodizes Von derselben Hand2. Auch zwischen sämtlichen unten 5.247-49 und 413 aufgezählten Hand- schriften des Matthaios Kamariotes und dieser Edi- tion könnte es eine Beziehung geben. obschon jene nur die Grundtexte bieten. Beide genannten Sammlun- gen sind auffälligerweise stemmatisch engstens mit- einander verwandt3, aber keineswegs so, daß die jüngeren Manuskripte aus den älteren geflossen wä- ren. Alle Handschriften scheinen vielmehr unabhän- gig voneinander auf einer ähnlich konzipierten Ge- samtausgabe des Corpus zu basieren, die in der Hauptstadt unter den Philologen und speziell unter den Aristotelikern einen guten Ruf genossen haben Meine Vermutung, daß der Hieros. auch papiermäßig mit den Parisini zusammengehört, hat jetzt P.Mo- raux (Bibliotheksreise März 1971) bestätigt. Der Mosqu.6 (und auch 7) ist also nicht, wie J.Mo- genet, S.81, im Anschluß an J.L.Heiberg, Hand- schriftliches Zum Commentar des Simplicius zu Aristoteles de Caelo, in: Sitzungs-Berichte d. kgl.Pr.Akad.d.Wiss. zu Berlin, 1892, S.73, meint, mit den Obengenannten Parisini zeitlich auf eine Stufe zu stellen. 3 Für verschiedene Traktate konnte ich dies durch eigene KOllationen feststellen. zu demselben stem- matischen Ergebnis gelangten für Pol. und Oec. A. Dreizehnter und U.Victor, denen ich für diese freundliche Auskunft danke. 2 - 57- muß. Die Ausgaben aus dem dritten Viertel des 14.Jhs. und aus der Mitte des 15.Jhs. sind also im Grunde nichts anderes als gleichsam Neuauflagen jener frü- heren großen Edition, die vielleicht mit Nikephoros Gregoras1 (1290/91-1359/60), dem großen Lehrer der Planudes, in irgendeine en- werden darf2• Generation nach Maximos gere Verbindung gebracht Es wird kein Zufall sein, daß die meisten Kodizes der beiden Sammlungen, nämlich nachweislich der Par. Coisl.161 und alle Mosquenses, später auf den Athos gelangt sind3• Vielleicht ist die Übereinstimmung im Schicksal der Handschriften darin begründet, daß auch die älteren von ihnen schon in der Mitte des 15.Jhs., als die jüngeren vielleicht in der Umgebung Über dessen Lehrtätigkeit vgl. F.Fuchs, Die höhe- ren Schulen von Konstantinopel im Mittelalter, 1926 (: Byz.Archiv 8) (Nachdruck Amsterdam 1964), 5.62-65 . 2 Es ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß J.L.Heiberg, vgl.oben 5.56, Anm.2 , und Apol- lonii Pergaei Quae graece exstant, II, Leipzig 1893, S.LXIX sq., für die im Par.2342, der aus demselben Scriptorium wie die Parisini und der Hieros. stammt (vgl.oben 5.55, Anm.l) zutage tre- tende Diorthosis (des Eutokios-Textes) mit guten Gründen in ebendem Nikephoros Gregoras den Urheber sehen möchte. Wenn Mogenet, 5.83, gegen Heiberg nachweist, daß diese Diorthosis (hinsichtlich Auto- lykos, Eutokios und anderer Mathematiker) nicht erst im Par.2342, sondern in dessen verschollener Vorlage vorgenommen worden sein muß, entspricht das genau der geschilderten Sachlage in der Aristo- teles-Überlieferung. 3 Die Handschriften tragen entsprechende Exlibris; zur Geschichte der Mosquenses vgl. ihre Beschrei- bung im 'Aristoteles Graecus'; zum Par.Coisl. vgl. R.Devreesse, Bibliotheque Nationale. Catalogue des manuserits grecs, Le fonds Coislin, Paris 1945, S.145 sq.
- 58- e s Gennadios SC'1Olal'ics und seines Schülers Mat- thaios Kamariotes angefertigt wurden. oder auch et- was später im Besitz ebendesselben Mannes in Kon- stantinopel waren wie die Mosquenses. Jener wird seine Bibliothek bei seinem Tode dem Athos hinter- lassen haben. wohin er sich vielleicht auf seine al- ten Tage ZUrückgezogen hatte; all dies wäre keine Seltenheit in Byzanz. Für die ROlle der byzantinischen Kloster bei der Pflege und Verbreitung der SChriften des Aristote- les ist das geschilderte Beispiel einer Athosprove- nienz von Manuskripten symptomatisch. Wie eigent- lich die gesamte klassische Literatur, so scheint auch Aristoteles nur selten und auch dann eher dank esonderer Umstände in die Klosterbibliotheken ge- langt zu seinl. Überhaupt ist die Bedeutung des by- zantinischen Mönchstums für die KUlturentwicklung nd insbesondere die Bewahrung des antiken Erbes un- gleich geringer als die der abendlandischen Klöster2. In Byzanz hatten Universitäten, Patriarchat(sschule), Kaiserhof und die mit diesen Institutionen eng ver- bundenen gelehrten Personlichkeiten und all die vie- len anderen weltlichen Und geistlichen Gebildeten diese Aufgabe übernommen3. Wir haben bei den wenigen oben dargelegten Aspekten aus der Überlieferungsge_ schichte des Aristoteles gesehen, daß auch unser Autor vornehmlich in jenen Kreisen gelesen, Studiert Vgl. O.VOlk, Die nyzantinischen Klosterbibliothe_ ken von ronstantinopel, Thessalonike und Klein_ asien, Diss. München 1955, ~.1~. 2 Vgl. U .VOlk, ~.3. Vgl. wiederum O.volk, 5.3, und vor allem Jas oben ~ . 57, Anm.l genannte Buch von F.Fuchs. - 59- und tradiert wurde. Wir verlassen den byzantinischen Osten, wo sich in der Minuskelzeit jener für die Bewahrung der uns überkommenen griechischen Literatur so entscheiden- de erste Überlieferungsprozeß vollzog, dessen Etap- pen noch wenig erforscht sind und deren einzelne Re- präsentanten in der Mehrzahl noch einer befriedigen- den Bewertung bedürfen. Es steht zu erwarten, daß der Überlieferungshistoriker insbesondere für das 13., 14. und beginnende 15.Jh . zu weitreichenden Er- gebnissen gelangen wird, auch was das Corpus Aristo- telicum anlangt. Aus dieser Zeit sind zum einen re- lativ viele Kodizes erhalten geblieben; in ihnen gibt es immerhin hier und da SubSkriptionen, Besit- zernotizen und ähnlich wertvolle Hinweise. Zum ande- ren finden sich häufige Anspielungen auf Handschrif- ten und Texte im zeitgenössischen Schrifttum, vor allem in den zahlreichen Epistolarienl. Auf die Be- deutung der byzantinischen Kommentare in diesem Ab- schnitt der Textüberlieferung ist für Aristoteles schon hingewiesen worden. Um die Griechisch-Kenntnisse des Westens war es im Mittelalter schlecht bestellt. Wenn man mit den Schriften und dem philosophischen System des Aristo- teles trotzdem ziemlich gut vertraut war, so ist das Als ein Beispiel unter vielen mag das Testament des Joseph Bryennios (1340/50-ca.1431) stehen: Un- ter seinen Büchern, die er der Sophienkirche ver- machte, sind an Aristotelica aufgezählt Rhet.(?), Organon, Phys., Metaph. und Probl. (vgl. A.Papado- poulos-Kerameus, Varia Graeca Sacra. Sbornik gre- ~e skich neizdannych bogoslovskich tekstov IV-XV vekov ••• , S.Petersburg 1909 (: Zap.Ist. -Fil.Fak. Imp.Univ.95), S.295/6).
- 60- in erster Linie einigen wenigen zu verdanken, die lateinische Übersetzungen aus dem (Arabischen und dem) Griechischen angefertigt hatten. Außer Jacobus Venetus und Henricus Aristippus aus dem 12.Jh . sind hier aus dem in dieser Hinsicht fruchtbarsten 13.Jh. vor allem drei Übersetzerpersönlichkeiten zu nennen: RObert Grosseteste, Wilhelm von Moerbeke und Bartho- lomaeus Von Messina. Es gibt nur wenige Schriften des aristotelischen Corpus, die nicht übersetzt Wor- den sind (vgl.oben), von den größeren ist es nur die EE; manche Traktate existieren Sogar in zwei ver- schiedenen Fassungen. Ein Teil der Übersetzungen ist unzweideutig auf SÜditalien konzentriert: Nicht nur daß der Kalabrese Aristippus und Bartholomaeus dort tätig waren, auch ein Großteil der Originalvorlagen selbst ist offensichtlich sÜditalienischer Prove- nienz; wir werden z.B . sehen, daß auch RObert Gros- seteste eine Handschrift aus Magna Graecia seiner Lin. - Übersetzung Zugrunde legte. Der Anteil an Unteritalienischen und sizilischen Original-Handschriften bis einSChließlich der ersten Jahrzehnte des 15.Jhs. in der Masse der uns überkom- menen Aristoteles-Kodizes beläuft sich nach meinen Sondierungen auf eine Zahl Von über 40 Exemplarenl. I~h nenne im fOlgenden die Signaturen und Aristo- teles-Traktate der aufgrund paläographischer und anderer Kriterien aus SÜditalien stammenden bzw. von italo-griechischen Kopisten geschriebenen Handschriften, die in ihrer Mehrzahl als solche bisher nicht bekannt waren; ihre nähere kodikolo_ gische Einordnung und Gegenüberstellung werde ich andernorts vornehmen. Es fällt das starke Überge_ wicht der ManUSkripte mit logischen SChriften auf; die übrigen sind zu einem Großteil jung (oft aus der 2.Hälfte des 15.Jhs.) . di~ Aristoteles-Tra- in !4agna Wie war es zu einer solchen für dierung durchaus relevanten Entwicklung italo-griechischen Kulturbe- immer wieder Männer ge- nach Konstan- Graecia gekommen? Im reich hat es seit dem 11.Jh . geben, die von ihren (Sammler-)Reisen tinopel griechische Handschriften mit heimbrachten; aber es gab bei den guten kulturellen Beziehungen zwischen dem griechischen Osten und dem Süden Ita- liens auch andere Möglichkeiten (etwa Schenkung, Be- stellung etc.), in den Besitz von codices graeci zu gelangen. Zu den Sammlerpersönlichkeiten sind vor allem Scolario-Saba1und Henricus Aristippus1 aus dem Brix.A .IV.3 (Cat., Int.); Brux.II 4944 (Juv.); Cant.Ii.5.44 (MM, EN, EE, Oec.); Laur.58,2 (Mu.); 71,11 (Cat.); 71,35 (Cat., Int.); 72,3 (?) (Orga- non); 72,14 (Cat.); 72,16 (Cat.); 72,19 (Anal.Pr.); 72,22 (Cat.); 87,21 (Sens., Mem., Somn., Insomn., Div.Somn., Mot.An., Lin.); Lesb.Leim.58 (Phys.); Ambr.A 110 sup. (Epist.); C 97 sup. (Cat., Int.); 047 s up . (Cat., Int.); D 48 sup. (Int.); E 26 sup. (Sententiae); Mon.176 (Rhet.); New Haven, Yalens. Zisk.4 (Phill.7717) (Int.); Zisk.8 (Phill.6445) (Cat., Int.); Oxon.M.C .15 (Int.); Par.1973 (?) (Int.); 2019 (Cat., SE); 2029 (An.); Supp1.643 (Phys., Gener.Corr.); Patm.413 (Cat., Int., Top.I); Salm.2747 (Mete.); Vat.238 (Cat.); 316 (Mu.); 1019 (Cat.); 1134 (Cat., Anal.Pr.); 1342 (MM, EN, EE, Oec.); Barb.75 (EN, MM); Ott.178 (Rhet.Al.); 335 (Mu.); Marc.204 (7) (Organon); 265 (Mu.); Vind. Phi1.2 (Phys., Gener.Corr., Cael., An.); 4 (EN); 29 (Rhet.); 41 (Int., Anal.Pr., Anal.Post., Top.), 66 (Metaph.); 300 (?) (Cat., Int.); 311 (Virt.) . - In dieser Liste sind die von Konstantin Laskaris in Messina geschriebenen Kodizes nicht auf genom- men. F.Lo Parco, Scolario-Saba, bibliofilo italiota, vissuto tra l'XI e il XII secolo ••• , in: Atti della R.Accademia di Archeologia, Lettere e Belle Arti (N.S.) 1, Napoli 1910, S.207-286 (zu Aristo- teles-Handschriften und _Übersetzungen bes. 5 .258 sqq.). _ Zu Henricus Aristippus vgl. L .Labowsky
- 62- 11. -12.Jh . und Nikolaos-Nektarios1. der Abt (1219 bis 1225) des Klosters Hagios bei Otranto zu rechnen, die phisch stark interessiert waren. Im italo-griechi_ schen Raum selbst gab es darüber hinaus verschiede_ ne Kloster-Scriptorien, in denen solche Textzeugen leicht vervielfältigt werden konnten. Einige bisher untersuchte sÜditalienische Aristo- teles-Handschriften haben einen hohen textkritischen Wert. Dazu gehört z.B . der eine von zwei voneinander unabhängigen Überlieferungsarmen für EE und Oec. (Vat.1342, Cant.Ii.5 .44)2, und auch die wortwörtli- chen Übersetzungen des Bartholomaeus von Messina sind für die recensio der Schriften Phgn. und Sign. von erstrangigem Nutzen3. - Es fällt nebenbei be- merkt auf, daß Bartholomaeus viele kleine Schriften des Corpus und ausschließlich Pseudo-Aristotelica (Mir., Phgn., Sign., Probl., MM, Mu., COl.) über- setzt hat. So wird es auch kein Zufall sein, daß sich die ersten vier der genannten Schriften im Nikolaos von Casole alle drei auch philoso- in: Plato Latinus I, Meno Interprete Henrico Aristippo, ed. V.Kordeuter, rec. et praef. instr. L.Labowsky, London 1940, S.IX sqq. Vgl. J .M.Hoeck - R.J .Loenertz, Nikolaos-Nektarios von Otranto, Abt von Casole, Ettal 1965 (5.30 -67 über seine Reisen). 2 Vgl. D.Harlfinger (vgl.oben 5.27, Anm.2), 5.6 -9; U.Victor danke ich für die Bestätigung dieser ÜberlieferungSspaltung im Falle von Oec. 3 Vgl. R .Foerster, Scriptores Physiognomonici Grae- ci et Latini, Vol.I, Leipzig 1893, S.L -LII, und W.Kley, Theophrasts Metaphysisches BrUChstüCk und die Schrift fiEP~ anμELWv in der lateinischen Über- setzung des Bartholomaeus von Messina, Diss. Ber- lin 1936. - 63- Marc.IV .58 ebenfalls vereint finden. Die Entschei- dung darüber, was übersetzt wird, ist also offen- sichtlich eng mit der Frage des Zugangs zu bestimm- ten Texten verbunden. Bis zum Anfang des 15.Jhs. lag die Tradierung der Texte des Aristoteles wie auch der übrigen griechi- schen Antike schlechthin fast ausschließlich in den Händen der Byzantiner und Italo-Griechen. Die im Abendland während des Mittelalters vorhandenen Ori- ginal-Handschriften können nur von verschwindend ge- ringer Zahl gewesen sein. mögen auch z.B . die Kreuz- fahrer das eine oder andere Manuskript importiert haben. Eine für diese Zeit im Westen schon erstaun- liche Ansammlung von Aristotelica findet sich aller- dings in der Papst-Bibliothek unter Bonifatius VIII. Von den 23 Handschriften des Inventariums von 12951 sind es allein 10; neben Kommentaren vor allem von Simplikios und Philoponos begegnen zweimal Phys. und einmal Rhet. _ Seit dem beginnenden 15.Jh . endlich Vollzieht sich jene weitreichende Verlagerung der griechischen Überlieferung nach dem Westen. Es kann nicht Aufgabe dieses Abrisses sein, ein auch nur annähernd vollständiges Bild von den Aristo- teles-Handschriften im 15.Jh . zu zeichnen. Die all- gemeinÜberli~ferungsgeschichtliche Situation des griechischen Schrifttums im Italien der Renaissance ist in ihren Grundzügen hinreichend beleuchtet2• Zuletzt abgedruckt bei R.Devreesse, Le fonds grec d~ la bibliotheque Vaticane des origines l Paul V, C~ttl del Vaticano 1965 (= Studi e Testi 244), 5.3 . 2 I7h nenne nur: R.Sabbadini, Le scoperte dei codi- c~ latini e greci ne' secoli xIV e XV, Firenze
- 64- Was Aristoteles betrifft, könnte nur eine systemati_ sche und fein detaillierte Auswertung einer Unmenge von Einzelfakten und Materialien zu einem sicherlich interessanten Gesamtüberblick fÜhren. Im folgenden sollen daher - auch zugunsten einer etwas ausführli_ cheren Behandlung der ersten Hälfte des 16.Jhs. nur einige wenige Aspekte wiederholt werden. Ein sichtbarer Ausdruck des immer enger werdenden kulturellen und angesichts der akuten Türkengefahr auch POlitischen Kontaktes zwischen Italien und By- zanz sind ohne Zweifel die beiderseitigen Besuchs- reisen führender Männer aus Diplomatie und Geistes- wissenschaft. Das im Westen erwachende Interesse an der Literatur der Griechen und der Eindruck, den der berühmte Byzantiner Manuel Chrysoloras, der sich seit 1397 vorübergehend in Italien aUfhielt, hinter- lassen hatte, fÜhrten zu Beginn des Jahrhunderts verschiedene Humanisten zum Studium und zum Sammeln Von Handschriften nach Konstantinopel. Hier hielten sich, um nur die wichtigsten zu nennen, Guarino Ve- ronese (1403-1408), Giovanni Aurispa (1405-1413; 1421-1423) und Francesco Filelfo (1420-1427) auf. 1905, dort S.43-69 (Capitolo III: Le scoperte dei codici greci (sec.xv», H.Rüdiger, Die Wiederent- deckung der antiken Literatur im Zeitalter der Re- naissance, in: Geschichte der Textüberlieferung der antiken und mittelalterlichen Literatur, Bd.I, Zürich 1961, 5.511-580, dort bes. S .559 sqq., L.D . ReynOlds-N .G .Wilson, Scribes and SCholars• A Guide to the Transmission of Greek and Latin Literature, Oxford 1968, dort bes. S .121 sqq., Und K.Oehler, Renaissancehumanismus und byzantinisches Mittelal_ ter, in: K.Oehler, Antike Philosophie und byzanti_ nisches Mittelalter, München 1969, S.328 -335. Die- se Arbeiten lagen den folgenden Ausführungen zu- grunde. - 65- Von den beiden letzteren weiß man, daß sie auch meh- rere Aristoteles-Manuskripte heimbrachten; so zählt Aurispa unter seinen im Jahr 1423 importierten 238 Kodizes 'gentilium auctorum' folgende Schriften auf1: EE (Laur.81,15), Rhet. und Rhet.Al. (Vat.1580), Div. Somn., Mir. (Marc.IV.58 7), Mech. und plura a Li a . Filelfo nennt u.a . (llqui mihi nostri in Italiam li- bri gesti sunt")2: Rhet. (Laur.60,18 7), EN (Vat. 1689), MM, EE (Laur.81,20), Oec., Pol., Hist.An., Part.An., Phys., Metaph., An. et alia quaedam. Auch Guarino, der Besitzer des Vind.Phil.75 (physikali- sche Schriften), wird nicht ohne Aristotelica zu- rückgekehrt sein. weitete sich nach Chry- Wolfenbütteler Orga- Geist- In umgekehrter Richtung soloras (er besaß übrigens den non-Kodex, Gud.24) der Zustrom griechischer licher, Diplomaten und gelehrter Emigranten nach Italien zusehends aus. Neben Manuel Kalekas, dem wir schon 1402 in Mailand begegnen, haben sich später vor allem Johannes Argyropulos, Demetrios Chalkon- dyles, Andronikos Kallistos, Konstantin Laskaris und Theodoros Gazes, sämtlich Professoren an italie- nischen Universitäten (meist Florenz), in Aristote- licis verdient gemacht. Alle besaßen natürlich Bi- Vgl. R.Sabbadini, Carteggio di Giovanni Aurispa, Roma 1931, S.XVII . 2 Vgl. Ambrosii Traversarii Camaldulensis Latinae epistolae a P.Canneto in libros XXV tributae ..• (edente L.Mehus), Firenze 1759, Ep.XXIV,32. Zur Beschäftigung des Filelfo mit Aristoteles-Hand- schriften vgl. auch A.Calderini, Ricerche intorno alla biblioteca e alla cultura greca di Francesco Filelfo, in: Studi Italiani di Filologia Classica 20, 1913, S.204-424, dort S.266-278.
- 66- bliotheken, deren Bücher wohl zu einem kleinen Teil aus der Heimat mitgebracht, in der Mehrzahl aber in Italien - oft eigenhändig - angefertigt worden waren. Neben Manuskripten des Aristoteles selbst befanden sich darunter auch solche seiner Kommentatoren, die man offensichtlich auch zur Vorbereitung der häufig abgehaltenen Aristoteles-Vorlesungen benötigte; neun ArgyropUlos-Autographa mit Commentaria in Aristotelem Graeca z.B . bewahrt die Marciana1 auf. - Wir dÜrfen in diesem Zusammenhang natürlich nicht die Männer in Italien übersehen, die durch ihre ma- terielle Förderung, aber auch durch eigene philolo- gische Leistungen das fruchtbare Schaffen jener Griechen überhaupt ermöglichten und ausbauen halfen, wie etwa Palla Strozzi, Niccol~ NiccOli, Ambrogio Traversari, Vittorino da Feltre, Lorenzo Valla, Francesco Barbaro, die zu den bekanntesten aus der Schar der hauptsächlich in der ersten Hälfte des Jahrhunderts wirkenden Humanisten gehören. Das herausragende Ereignis in der Berührung von italienischer und byzantinischer Gelehrsamkeit war zweifellos das Wiedervereinigungskonzil der östli- chen und Westlichen Kirche zu Ferrara-Florenz 1438/ 1439. Aus der Reihe der Großen, die damals italie- nischen Boden betraten, nenne ich nur drei Namen: Isidor von Kiev, dessen Aristoteles-Handschriften sich heute in der Vaticana befinden, den Platoniker Gemistos Plethon, der anscheinend für die Überliefe_ rung von Metaph. keine geringe ROlle gespielt hat, Marciani IV.6, IV.13, IV.14, IV.15, IV.16, IV.17, IV.1S, IV.19, IV.20 (Identifizierungen auferund des DUktus). - 67- und schließlich den späteren Kardinal Bessarion, der zweifellos die für die Tradierung des gesamten aristotelischen Corpus im 15.Jh. bedeutendste Ge- stalt war und auf den wir noch einmal kurz eingehen werden. Wir haben bisher nur von den Gelehrten aus dem Osten gesprochen. Die immer bedrohlicher werdende Türkenmacht und schließlich der Fall Konstantinopels hatten aber Tausende zur Emigration in den Westen getrieben, auch weniger Begabte oder weniger Glück- liche, die sich ihren Lebensunterhalt als Kopisten verdienen mußten. So überschwemmte eine wahre Flut von codices graeci - die vor den Türken geretteten älteren und ebenjene der neueren Produktion - den lateinischen Westen. Das Handschriftengeschäft blüh- te wie nie zuvor. Staatliche, fürstliche und unge- zählte private Bibliotheken entstanden in der dama- ligen Zeit, sehr viele auch mit einer griechischen Abteilung. So etwa waren die meisten Handschriften griechischen Fonds der in der 2.Hälfte errichteten Bibliothek des Herzogs von Urbino, Federigo da Montefeltro, auS dem bekannten kretischen Scriptorium des Michael Apostolios (viel- leicht über die Vermittlung des Buchhändlers Vespa- Bisticci) angekauft worden. Aristoteles, griechische Autor mit seinen zahl- reichen Schriften aus nahezU allen Wissensbereichen, war selbstverständlich hier und auch sonst fast überall vertreten. Wenn wir uns vor Augen führen, daß wir von der Hand des Johannes RhosoS z.B . EN sechsmal, Pol. und Oec. je fünfmal und von der Hand des Johannes Skutariotes Pol. fünfmal und Organon des großen des lS.Jhs. siano da der meistgelesene
- 68- dreimal und von beiden fast alle anderen Traktate des Stagiriten mindestens einmal besitzen und daß so manche Handschrift dieser beiden höchst produk- tiven Kopisten des 15.Jhs. noch verlorengegangen sein wird, so können wir den damaligen Beddrf an Aristotelica ungefähr ermessen. Die ungewöhnlich intensive Verbreitung des grie- chischen SChrifttums durch seine handschriftlichen Träger in der Zeit der Renaissance scheint, insge- samt gesehen, durch die geschilderten zwei Faktoren und ihre enge Verflechtung und gegenseitige Wechsel- wirkung wesentlich bestimmt worden zu sein: stetig wachsendes Interesse und Begeisterung für die grie- chische Literatur und Kultur bei den Westeuropäern, insbesondere den Italienern, einerseits und Einwan- derung von immer mehr griechischen Gelehrten und Schreibern in den Westen andererseits. So ist denn das 15.Jh . die fruchtbarste Epoche in der handschriftlichen Verbreitung der griechi- schen Literatur sChlechthin, und es versteht sich, daß dieser Zeitabschnitt wie auch das weiter unten beleuchtete 16.Jh ., insbesondere in seiner ersten Hälfte, auch für Textgeschichte und recensio von einiger Bedeutung ist. Da die meisten Textzeugen aus dieser Zeit stammen, wird sich ein Texthistori- ker, der sich um möglichst restlose Klärung der Überlieferungsverhältnisse eines Autors bemüht, im- mer wieder und ausgiebig mit jenen jungen und jüng- sten HandsChriften zu befassen haben, zumal sich die Feststellung 'recentiores non deteriores' be- kanntlich häufig bestätigen läßt. Wer sich der Bedeutung von Kodikologie und kUl- - 69- turgeschichtlichen sowie biographischen Daten für Überlieferungsgeschichte und Stemmatik bewußt ist, großen Vorteile verzichten wollen, verschiedenen Personen, die sich hinter den Manuskripten verbergen, bietet. Zur richtigen Beurteilung der Textgestalt einer Hand- schrift ist es ausschlaggebend, ob wir die getreue Kopie einer Vorlage zu erwarten haben oder ob wir mit einer Art Edition durch einen Gelehrten rechnen müssen. Erwägungen, ob und in welchem Schwierigkeits- grad in einem Textzeugen Korrekturen und Konjekturen im Bereich des Möglichen liegen und ob in dem einen oder anderen Fall Zugang zu wertvollem älteren Hand- schriftenmaterial bestanden haben mag, wird man öf- ters anstellen müssen, wie es auch für die divinatio mitunter nicht unwichtig ist, das persönliche Fehler- repertoire eines Schreibers zu kennen. Und schließ- lich sollten die Resultate der reinen Stemmatik im Regelfall erst dann als gesichert gelten, wenn sich die äußeren Daten der Kodikologie und KulturgeschiCh- te mit ihnen ohne Schwierigkeit in Einklang bringen lassen. Daher kreisen denn auf dem Gebiet der Über- lieferungsgeschichte die Überlegungen naturgemäß auch um die Gestalt des Kopisten, des Auftraggebers, wird nicht auf die die eine Kenntnis der des Korrektors usw. Nun sind zwar nur die wenigsten Manuskripte sub- skribiert, aber gerade was das 15. und 16.Jh . be- trifft, ist die Chance, einen Schreiber aufgrund des paläographischen VergleichS zu identifizieren, trotz noch sehr unzureichender Hilfsmittell relativ gelegentlichen Veröffentlichungen Schriftproben ab. so ist H.Omont, Sieht man von von einzelnen
- 70- günstig. So ist denn im Anhang S.405 -420 der Versuch unternommen, die bisher keinem Kopisten zugewiesenen aristotelischen Handschriften (oder -teile) des 15. und 16.Jhs. einer entsprechenden Sichtung zu unter- ziehen. Die überragende Gestalt dieser für die Textüber- lieferung der griechischen Schriftwerke so wichti- gen Epoche ist Bessarion, "Latinorum graecissimus Graecorum latinissimus" (L.Valla). Als römischer Kardinal in einer einflußreichen Position war er auch der große Patron seiner griechischen Landsleu- te, von denen viele bei ihm als Kopisten arbeiten konnten. Die Gesichtspunkte, nach denen er seine Bi- bliothek aUfbaute, hat er selbst in Worte gefaßt, und wir können nur bestätigen, daß er sein großes Programm erfolgreich erfüllt hat: "Quamvis autem huic rei toto animo semper tamen studio post incubuerim, ardentiori excidium et deflendam By- perquirendis Graecis libris omnes meas vires, omnem curam, omnem operam, facul- tatem industriamque consumpsi. Verebar enim et vehe- mentissime formidabam, ne cum ceteris rebus tot ex- cellentissimi libri tot summorum virorum sudores at- que vigiliae, tot lumina orbis terrae brevi tempore periclitarentur atque perirent ..• Conati autem su- mus, quantum in nobis fUit, non tam multos quam opti- mos libros colligere, et singulorum operum singula Graeciae zantii captivitatem, in Fac-similes de manuscrits grecs des XVe et XVIe siecles, Paris 1887, mit 50 Abbildungen die einzi- ge größere Beispielsammlung. - Ähnliche Faksimile- Alben mit Schrifttafeln von Kopisten, die sich nicht bei Omont finden, beabsichtige ich in näch- ster Zukunft zu veröffentlichen. - 71- volumina, sicque cuncta fere sapientium Graecorum opera, praesertim quae rara erant et inventu diffi- cilia, coegimus."l Die griechische Bibliothek des Kardinals war die größte und reichhaltigste ihrer Zeit. Aus ihr ver- schenkte er den größten Teil noch zu seinen Lebzei- ten im Jahre 1468 an die Republik Venedig, darunter 482 griechische Bände. Diese Schenkung trug dazu bei, daß Venedig in der 2.Hälfte des 15.Jhs. und be- sonders in der 1.Hälfte des 16.Jhs. das Zentrum der griechischen Textüberlieferung und Hauptbüchermarkt wurde und damit Florenz und Rom den Rang ablief. - Die Bibliothek Bessarions enthält drei Schwerpunkte: Platon, Aristoteles nebst Kommentatoren und Rhetori- sches. Die Aristoteles-Handschriften lassen sich chronologisch in drei Gruppen gliedern. Da sind zu- nächst die zahlreichen älteren Textzeugen bis ein- schließlich des 14.Jhs., die für die recensio so manchen Traktats von hohem Wert sind, zum anderen die für Bessarion sowohl noch im Osten als auch in den ersten Jahren seines Italienaufenthaltes ge- schriebenen Exemplare. Vor allem hinter dieser Grup- pe, zu der etwa die Marciani 200, 212 und 216 gehö- ren, spürt man deutlich jenes Bestreben, die Litera- tur in möglichst weitgehender Vollständigkeit zu retten und zu erhalten. Die dritte Gruppe schließ- lich mit Manuskripten aus den 60er Jahren und Texten, über die Bessarion bereits verfügte - hier sind z.B . Aus seinem Schreiben des Jahres 1468 an die Stadt Venedig, in dem er dieser die SchenKung seiner Bü- cher mitteilt; vgl. Migne PG 161, Sp.701, zuletzt abgedruckt bei T.Gasparrini Leporace-E .Mioni, Cen- to codici Bessarionei, Catalogo di mostra, Venezia 1968, S.101 -102.
- 72- die Marciani 206, 207, 213 und 215 einzureihen _ , zeugt vom philologischen Interesse des Kardinals. Es ging nicht mehr einfach um die bloße Vervielfälti_ gung einer SChrift, sondern um die Herstellung eines lesbaren, durchkorrigierten Textes. In den Hand- schriften dieser Gruppe wird man immer wieder auf Kontaminationen und Konjekturen stoßen, von denen letztere sicherlich häufig auf Bessarion selbst zu- rückgehen. Die 2.Hälfte des Jahrhunderts ist überhaupt durch die "Editions-Arbeit" der Humanisten gekennzeichnet. Nicht nur Bessarion, sondern auch andere Gelehrte, wie z.B. Demetrios Chalkondyles (etwa in Ambr.E 40 sup. mit EE und Par.2023 mit EN, Pol., MM und Oec.) und Andronikos Kallistos ( etwa im Par.2038 mit Rhet., Rhet.Al. und Poet.), sind in dieser Richtung tätig. Material für Kontamination und Diorthosis ist jetzt in der Regel reichlich vorhanden. Man leiht sich die Handschriften gegenseitig aus; und auch die Liberalität der großen Bibliotheken _ die Vaticana z.B. verlieh in der Zeit von 1475 bis 1548 allein 387 griechische KOdizes, davon 308 mit profanen Autoren1 - ist zur Genüge belegt. Auch jetzt kehren noch Sammler von Orientreisen mit zahlreichen neuen Textzeugen heim, wie z.B . Janos Laskaris, der den Osten im Auftrage der Medici in Florenz bereiste. Einen gewissen Impuls für diese neUe Art von Hand- schriftenstudien hatten im Falle des Aristoteles Vgl. R .Devreesse, Le pr@t des manuscrits a la Bi- bliotheque Vaticane de 1475 a 1547, in: BUlletin de l'Association G.Bude, S~r .2, N03, 5.121 -124, dort S.124. - 73- auch die Übersetzungen1 gegeben, die trotz des Vor- mittelalterlichen translationes Jahrhunderts entstanden - oft Schrift - und sich in handenseins der seit der Mitte des mehrere zu ein und derselben elegantem Latein auch um das Textverständnis be- mühten. Die skizzierte Entwicklung dieser Phase der Aristoteles-Überlieferung endet im ausgehenden Jahr- hundert mit der Druckausgabe des Aldus Manutius. (1495-1498 und deren Auflagenhöhe der ans chließend Nach dem Erscheinen der Aldina 1508 für Rhet., Rhet.Al., Poet.), relativ groß gewesen sein muß und rasch nicht nur zahlreiche Spezialausgaben mit ein- zelnen Schriften oder Gruppen inhaltlich zusammen- gehörender Traktate, sondern auch Aristoteles-Ge- samtausgaben (Editio Erasmi prima 1531, secunda 1539, tertia 1550 etc.) folgten, läßt die Produktion der handgeschriebenen Texte des Aristoteles naturgemäß merklich nach. Sind es in dem für die handschriftli- che Verbreitung der griechischen Literatur so frucht- baren 15.Jh . weit über 400 Manuskripte allein unter den heute erhaltenen, so geht diese Zahl im 16.Jh . auf etwa 200 Exemplare zurück. Von diesen sind außer- dem etliche nicht mehr Glieder in der Kette der hand- schriftlichen Überlieferung, sondern stellen bereits Abschriften von gedruckten Vorlagen dar. Zu ihnen und den Übersetzern vgl. E .Garin, Le tra- duzioni umanistiche di Aristotele nel secolo XV, in: Atti e Memorie dell'Accademia Fiorentina di Scienze Morali, La Colombaria, vol.16, N.S .II, Anni 1947-1950 (Florenz 1951), S.55 -104.
- 74- So sind nach meinen Sondierungen] z.B. die Regi- nenses 123, 124, 125, die etwa um 1500 von ein und demselben sicherlich nicht griechischen Kopisten hergestellt wurden, aus der kurz vorher auf den Markt gekommenen Aldina geflossen. Dabei entspre- chen in Zusammenstellung und Abfolge des Inhalts der Reg.123 dem 2.Band der Editio princeps, der Reg.124 dem 4.Band und der Reg.125 dem 5. und letzten Band. Auch im Harburgensis 1,1,40,2 (Rhetorica graece cum versione latina Joanne Strazelio interprete) und im Basil.0.III .6 (Mirabilia cum Anonymi latina versio- ne) - beide offensichtlich ebenfalls von der Hand eines Westeuropäers - ist der griechische Teil, der dort nur als Paralleltext zur lateinischen Überset- zung beigegeben ist, aus einer Edition genommen wor- den2• Des weiteren konnten von der bisherigen For- schung auch verschiedene andere Handschriften auf gedruckte Vorlagen zurückgeführt und damit als Text- zeugen ausgeschieden werden3. Wieviele Manuskripte insgesamt unter diese überlieferungsgeschichtlich wertlosen Druckapographa eingereiht werden müssen, ist noch nicht zu übersehen. Diese in der handschriftlichen Tradierung der griechischen Literatur letzte Etappe des 16.Jhs. un - Diese basieren auf KOllationen aus Mech. im Reg. 124 und EE im Reg.125 . 2 Abgesehen Von den eindeutigen Kollationen zeigt sich dies auch in einer kleinen ÄUßerlichkeit: Die in den Drucken zur Satzgliederung erstmals ver- wendeten Klammern ( ••• ) sind übernommen worden. 3 Par.2117, Par.Suppl.488, Lond.Burney 64, Athous Batop.778, Ricc.16, Ferr.II.348 (LobeI); Oxon. Auct.F .4 .6 (Misc.105) (Foerster); Vat.1896 (Fuhr- mann); Rav.38l, Buc.59 (Harlfinger-Reinsch). - 75- das Corpus Aristotelicum von Perioden der Überlieferung nicht nur durch den wegen des Aufkommens der preis- werten Drucke1 zahlenmäßigen Rückgang der in ihr an- gefertigten Manuskripte. Der wesentliche und auffäl- ligste Unterschied besteht darin, daß die aus dem 16.Jh . datierenden Kodizes meist nur einen einzigen oder ganz wenige Traktate des Aristoteles umfassen. Bände, in denen nach bestimmten Sammlungsgesichts- punkten eine ganze Reihe von logischen, physikali- schen, zoologisch-biologischen oder ethischen Schrif- ten zusammengestellt oder wie in der überwiegenden Zahl der Fälle einfach aus den Vorlagen vollständig übernommen wurden, bilden jetzt nur noch die Ausnah- me. Handschriften wie der Par.1861 mit 17 meist na- turwissenschaftlichen Traktaten oder der Lips.24 mit EN, Pol., Oec. und Rhet., die zudem noch aus der Zeit um die Wende vom 15. zum 16.Jh . stammen, oder der Ambr.P 34 sup. mit Rhet., Poet., Phgn., Sign. und Vent. sind in der Tat recht selten geworden. Daraus ergibt sich auch, daß durch eine bloße zah- lenmäßige Gegenüberstellung der Handschriften - d .h . von handschriftlichem Material, das in einem Band und unter einer Signatur vereinigt ist - des 15. und terscheidet sich für den voraufgegangenen Für einen Druck mußte man durchschnittlich nur noch den fünften bis achten Teil des Preises einer Handschrift ausgeben (vgl. Handbuch der Biblio- thekswissenschaft, begründet von F.Milkau, 2.Aufl. hrsg. von G.Leyh, I: Schrift und Buch, Wiesbaden 1952, 5.876 (in Kap.l0: Geschichte des BuchhandelS von E.Kuhnert». Die 5bändige Aristoteles-Aldina kostete komplett 11 Dukaten oder 136 2/5 Marcelli, was in Silber etwa 93, in Gold etwa 128 Francs zu Anfang des 19.Jhs. entsprach (vgl. A .Firmin-Didot, AIde Manuce et l'hellenisme a Venise, Paris 1875, 5.115, Anm.l).
- 76- 16.Jhs. über die Häufigkeit der Vervielfältigung der einzelnen Traktate ein falscher Eindruck entsteht. In Wirklichkeit ist nämlich der erwähnte Rückgang der Handschriftenproduktion im Laufe des 16.Jhs. noch viel größer. Die also im 16.Jh . zahlreicher werdenden Spezial- handschriften des Aristoteles mit einzelnen Trakta- ten sind nun nicht etwa eine zufällige Erscheinung. Denn mit dem Aufkommen von einheitlichen, gut leser- lichen und relativ Zuverlässigen gedruckten Editio- nen, die sich Von der Mehrzahl der vergleichbaren Handschriften der Zeit unmittelbar vor der Editio princeps in der Regel dadurch unterscheiden, daß man als Druckvorlage nicht einen gerade verfügbaren Kodex allein benutzte, Sondern halbwegs kritisch den jeweils bestmöglichen Text durch Vergleich und Aus- wahl aller irgendwie zugänglichen Textzeugen herzu- stellen versuchtel, ließ das Interesse der Gelehr- tenwelt an handschriftlichen Sammelbänden als Lese-, Arbeits_ und Bibliotheksexemplaren stark nach. In das Zentrum der Wissenschaftlichen und bibliotheka- rischen Bemühungen im handschriftlichen Bereich rückten die Kommentatoren des Aristoteles. Die Nach- frage nach den bis dahin im Vergleich mit den Origi- nalschriften vernachlässigten Texten der griechi- schen Aristoteles-Interpreten, die nunmehr zur Kom- mentierung und Klärung Von sachlich-Philosophischen und textkritischen Fragen der Originale genauso wie zu Studien über die peripatetische SChule und den Aristotelismus immer Öfter herangezogen wurden, Man hatte dabei freilich nicht immer eine glÜckli- che Hand. - 77- wuchs beachtlich. So ist es auch zu erklären, daß der größere Teil aller Kommentar-Manuskriptel dem 16.Jh . angehört. Bei den bekannten professionellen Kopisten machen diese Handschriften einen nicht ge- ringen Teil ihrer Arbeit aus: Für Angelos Bergikios z.B . verzeichnen schon vogel-Gardthausen2 6, für Ma- nuel Moros ebenfalls 6, für Camillus Venetus 7 und für Andreas Darmarios, den vielleicht produktivsten griechischen Schreiber überhaupt3, gar 15 verschie- dene Kodizes; und wieviele bisher nicht ermittelte Handschriften dieser Männer mag es sonst noch geben? Wir haben darauf hingewiesen, daß immerhin noch einzelne Traktate des Corpus Aristotelicum relativ häufig in Spezialhandschriften weiterhin abgeschrie- ben wurden. Darin zeigt sich zweifellos ein vorwie- gend textkritisches Interesse an dieser oder jener Schrift, das von der durch die Aldina und die nach- folgenden Frühdrucke geschaffenen Textgrundlage of- fenbar nicht hatte zufriedengestellt werden können. Daher entstanden denn auch verschiedene emendierte, erheblich überarbeitete und kontaminierte Hand- schriften, wie etwa Ott.172 mit Col. oder Par.2115 und New Haven, Yalens.Zisk.5 (Phill.7488) mit Mech.- Die Initiative in Verbreitung und textkritischer Be- schäftigung mit den Schriften des Stagiriten und seiner Kommentatoren war in der ersten Hälfte des Sie finden sich gesammelt - allerdings unvollstän- dig und oft voller Fehler! - bei A.Wartelle; vgl. dazu D.Harlfinger-J .Wiesner (vgl.oben 5.40, Anm.2). 2 M.Vogel-V .Gardthausen (vgl.unten 5.78, Anm.2), s.v . 3 Ihm hat jetzt O.Kresten eine in der Methode und der Ausführung vorbildliche Studie gewidmet (vgl. oben 5.31, Anm.l).
- 78- neuen Jahrhunderts immer mehr auf abendländische Hu- manisten übergegangen, ob di3se sich nun als Drucker, Übersetzer oder gelehrte Leser und Korrektoren be- stimmter Traktate betätigten. Abschluß und Höhepunkt jener oben skizzierten neuen Entwicklung in der Überlieferungsgeschichte des Aristoteles, die nach dem Erscheinen der Editio princeps einsetzte, bildet die bisher kaum bekannte, geschweige denn gewürdigte "Aristotelische Akademie" von Trientl. Gut 100 Jahre nach dem auch für die Er- schließung griechischer Literatur so bedeutenden Konzil von Ferrara/Florenz (1438/39) war es wieder ein Konzil, das von Trient (1545-1563), welches den äußeren Rahmen und die günstige Gelegenheit bot. Der hier versammelte Kreis anerkannter Theologen, von denen viele auch humanistische Neigungen hegten und die griechische PhilosOPhie und Literatur schätz- ten, lockte verständlicherweise auch Buchhändler und Schreiber nach Trient, unter ihnen den geschäfts- tüchtigsten aller Kopisten, Andreas Darmarios2• Ch.Graux, Es~ai sur les origines du fonds grec de l'Escurial. Episode de l'histoire de la renaissan- ce des lettres en Espagne, Paris 1880, bietet als erster und eigentlich als einziger im Vorüberge- hen einige wesentliche Aspekte dieser kleinen Aka- demie und hat die Quellen für ihre Rekonstruktion zugänglich gemacht (5.80 sq., 168 sq.) . Was J.Fre- senmair, D.Diego Hurtado de Mendoza, ein spani- scher Humanist des XVI.Jahrhunderts, 1-111, Pro- gramm d.kgl.Wilhelmsgymnasiums 1881/82 und 1883/84, dort I, S.27 sq., und A.Gonz~lez Palencia y E.Mele, Vida y obras de Don Diego Hurtado de Mendoza, I, Madrid 1941, 11 1942, 111 1943, dort I, S.313-314, mitteilen, ist nichts anderes als eine Reproduk_ tion der von Graux geäUßerten Gedanken. 2 Vgl. M .Vogel-V.Gardthausen, Die griechischen - 79- Aristoteles stand im Mittelpunkt des Interesses außerhalb des offiziellen theologischen Konzilpro- gramms, und es mag keine allzu große Übertreibung sein, wenn das, was sich zu Beginn des Konzils von Trient herausbildete, von den Teilnehmern als "Aristotelische Akademie" bezeichnet worden ist: " ... porque este hibierno tenemos concertada un a gran academia de hombres muy eruditos, que se dedi- can todos a entender en Arist6teles, dum sub nivibus stupet alma te llus, .•. " 1 Die wichtigsten Nachrichten über die Arbeit die- ser Akademie verdanken wir mehreren Briefen des spa- nischen Gelehrten Juan P~ez de castr02, der im Som- mer 1545 zur Teilnahme am Konzil nach Trient gekom- men war und in den Kreis der Aristoteliker aufgenom- men wurde3, von denen er ohne Zweifel einer der eif- rigsten war. Neben ihm muß als eines der bedeutend- sten Mitglieder der Akademie, wenn nicht überhaupt als ihr Initiator der berühmte spanische Humanist und Bibliophile Don Diego Hurtado de Mendoza (1503 Schreiber des MittelalterS und der Renaissance, Leipzig 1909 (= Zentralblatt für Bibliothekswesen. Beiheft XXXIII), Nachdruck Hildesheim 1966, 5.17, wo in mehreren Subskriptionen Trient als Entste- hungsort der Handschriften genannt ist. Siehe auch Ch.Graux, 5.288/289 und M.Sicherl, 5.66 . Über T:ient als Mittelpunkt der Handschriften-produk- t~on während des KonzilS vgl. A .Dain, S.155(21964). Juan Paez de Castro in einem Brief vom 9.8 .1545 aus Trient an Geronimo Zurita (Ch.Graux, 5.80, Anm.l . J .Fresenmair, I, 5.27). 2 ..Uber ihn vgl. auch unten 5.204-207; dort auch Li- teratur. 3 An das oben zitierte Briefstück schließt unmittel- bar an: "y han me recibido: en parte creo que ha- remos gran cosas "
- 80- bis 1575)1, der Botschafter Karls V. bei der Sere- nissima in den Jahren 1539-1547 und offizieller Ver- treter des Kaisers beim Konzil, genannt werden. Über die möglichen anderen Teilnehmer kann beim gegenwär- tigen Stand der Untersuchungen nur wenig in Erfah- rung gebracht werden. Namentlich bekannt ist sonst keine Persönlichkeit, aber man wird vermuten dürfen, daß zu dem Kreis vor allem Freunde des Mendoza und Spanier aus seinem Gefolge gehörten. So scheinen vor allem spanische Humanisten den wiChtigsten Beitrag in dieser kurzen Phase des neu auflebenden Aristote- lismus geleistet zu haben2. Weiterhin wird auch der Flame Arnold Arlenius3, der gelehrte Bibliothekar Mendozas während jener Zeit, nicht gefehlt haben. Die am Rande des Konzils im Sommer 1545 im Hinblick auf die lange Winterzeit4 geschaffene Akademie, de- ren Betriebsamkeit zudem dadurch gefördert wurde, daß sich die Eröffnung des Konzils verzögerteS, war allerdings nicht von langer Dauer. Es ist anzunehmen, daß sie sich aUflöste, als Mendoza im Jahre 1547 nach Rom übersiedelte, um dort seinen Botschöfter- Über ihn vgl. Ch .Graux, 5.163-273 und passim, J. Fresenmair und A.Gonzalez Palencia-E.Mele. 2 Auf der anderen Seite sind auch die Aristotelische Akademie und das Tridentinum für die Entwicklung und den Aufschwung der klassischen StUdien und die Kenntnis der griechischen Literatur im Spanien des 16.Jhs. nicht ohne Einfluß geblieben (vgl. Ch . Graux, S.80). 3 Über ihn vgl. nten S.198 -202 . 4 Vgl. das oben wiedergebene Stück aus dem Brief des paez. 5 Vgl. J .Fresenmair, I, 5.27 sq.; die Eröffnung fand schließlich am 13.Dezember statt. - 81- posten wahrzunehmen. Die Forschungen dieses aristotelischen Arbeits~ kreises zielten im philologischen Bereich genau in die Richtung, die wir für das 16.Jh . als charakteri- stisch erkannt haben. Man bemühte sich um die Her- stellung eines möglichst authentischen Textes ein- zelner Schriften des Corpus Aristotelicum. Hierzu bediente man sich in beinahe modernem textkritischen Verfahren nicht nur der Lesarten verschiedener Manu- skripte oder der Konjektur, sondern berücksichtigte ebenfalls die Nebenüberlieferung in den zahlreichen Die Grundlage und den Ausgangspunkt die- bildete die Aldina. Die Arbeitsbedingungen und die bibliothekstechni- schen Voraussetzungen in der stillen Provinzstadt hätten nicht besser sein können. Mendoza stellte große Teile seiner reichhaltigen Bibliothek, in der nach der Theologie am häufigsten die griechische fast vollständig die aristote- Verfügung1 und verlieh Handschriften und Druk- der große Büchermarkt wo man sich alles Nö- oder Abschriften Kommentaren. ser editoralen Tätigkeit Philosophie, und zwar lische, vertreten war, zur an Interessenten freizügig ke2• Eine weitere Quelle war der damaligen Zeit. Venedig, tige besorgte, d.h. entlieh, herstellen ließ3• Mendoza selbst kaufte beschäftigte un- Vgl. Ch vGr-aux, 5.168. 2 Vgl. z.B. im Brief des P~ez an Zurita vom 10.8 . 1545 (Ch.Graux, 5.80, Anm.2, und J.Fresenmair, I, S. ~ 8): "Tengo La casa llena de quant os libros qu~ero suyos (Mendozas) impressos y de mano, y s u s cartapacios."). 3 Paez an Zurita, aus Trient 5.80, Anm.l; J.Fresenmair, am 9.8 .1545 (Ch.Graux, 1,5.27): "Lo princi-
- 82- ter der Leitung des Arlenius ein ganzes Mitarbeiter_ team von griechischen Schreibernl, die ihre Antigra- pha größtenteils in Venedig, hauptsächlich in der Marciana mit den Beständen der ehemaligen Bibliothek Bessarions, fanden. Insgesamt 24 griechische Hand- schriften hat Mendoza zwischen dem 29.3 .1545 und dem 20.12.1546, also gerade während der Zeit des Beste- hens der Akademie, in der Marciana ausgeliehen2. Un- ter ihnen befanden sich drei Aristoteles-Handschrif_ ten, und zwar das wichtigste Organon-Manuskript in Venedig, der vetustissimus Marc.201 (B), und der be- kannte Marc.214 (Ha), den er Monate lang bei sich zu Hause hatte, und außerdem der Marc.212 (Ga)3. Einzelheiten berichtet P~ez nur von seiner eige- nen Arbeit im Rahmen der Akademie und von der Zusam- menarbeit mit Mendoza: Die textkritischen Bemühungen und die Kollation neuen handschriftlichen Materials haben sich gelohnt. Der in der Aldina edierte Text pal que yo tengo de traer (aus Venedig nach Trient zurückkommend) es, Arist6teles de impression de Aldo, y todos los comentarios griegos que hallar~, y algunos latinos, que seran Averrois y santo Tho- mas, porque ... "; es folgen die oben wiedergegebe- nen Zeilen über die Aristotelische Akademie. Zu diesem vgl. Ch.Graux, S.189 sq. 2 Das Ausleihregister der Marciana vom 29.3 .1545-18. 11.1548 (und 1551-1559) ist erhalten. Es ist abge- druckt bei C.Castellani, 11 prestito dei codici manoscritti della biblioteca di San Marco in Vene- zia ne' suoi primi tempi e Ie conseguenti perdite deI codici stessi, ricerche e notizie di "" in: Atti deI Reale Istituto Veneto di Scienze, Lette- re ed Arti (Tomo LV), Serie VII, Tomo 8 (Venezia 1096/97), 5.311-377. Die Mendoza betreffenden Ein- tragungen findet man auch bei Ch.Graux, 5.408-413 (Appendice 8). 3 C.Castellani, S.328, 330, 334. - 83- verschiedener Traktate, und zwar die ethischen Schriften, die Tierschriften, die Problemata und die kleinen Pseudo-Aristotelica Mir. und Lin., konnte wesentlich verbessert werden: "Quanto , las obras de Arist6teles, yo digo , V.M . que es cosa muy gran- de, porque las mas lacunas en las Morales, Y prin- cipalmente en lo De mirandis auscultationibus, est'n llenas. El tratado De lineis insecabilibus es muy otro: los Problemas tienen cosas nuevas: los De ani- malibus, muy buenas"l. Zusammen mit Mendoza arbeite- te er auch an Mech.: "Agora entendemos en la Mecha- nica de Arist6teles, demonstrando grandes cosas, porque ~l la tiene trasladada en romance, Y Ie ha hecho glossa; creo que Ie ayudar~ en parte."2 Einige Früchte, konkrete Ergebnisse, dieser Ent- deckungen und Bemühungen sind noch heute greifbar: Für Lin. der Ott.153, für Mir. der in der Editio 68. V.12 des Escorial handschriftlich nachgetragene Text, für beide Traktate wahrscheinlich der Ott.45 und vielleicht die gemeinsame, heute verschollene Vorla- Textzeugen, für Mech. der Yalens.Zisk. schließlich der Ott.147, der Kol- Corpus Aristoteli- ge aller drei 5 (Phill.7488) und lationen zu vielen Schriften des Paez an Honorato Juan aus Trient am 8.6 .1546 (Ch. Graux, S.81, Anm.l, und 5.404 (Appendice 6». 2 Paez an Zurita aus Trient am 10.8 .1545 (Ch.Graux, S.168, Anm.2). _ Die kastilische Mechanik-Überset- zung des Mendoza ist in zwei vOllständigen Hand- schriften auf uns gekommen (Esc.f .III .15 (von der Hand eines Sekretärs mit Korrekturen des Mendoza) und f.IlI.27. ein Fragment auch in k.IlI.8; vgl. Ch.Graux, 5.168, Anm.l, und A.Gonzalez Palencia- E:Mele, I, 287 sq. Die Übersetzung ist veröffent- l:cht von R.Foulch~- Delbosc, Mechanica de Aristo- t~les, in: Revue Hispanique 5, 1898, 5.365-405•
- 84- cum enthält1• Des weiteren zeigen mehrere Druckexem_ plare der Aldina und der Erasmiana in der Biblioteca EI Escorial an ihren Rändern die Spuren der gelehr- ten Tätigkeit Von Männern wie Mendoza, P~ez und Ar- lenius. Es ist schon betont worden, daß man sich zur Wie- dergewinnung eines möglichst authentischen Textes der Werke des Aristoteles nicht allein auf die Hand- schriften verließ. Neben diesen primären Trägern der Überlieferung Wurden auch die diversen spätanti- ken und mittelalterlichen Kommentare vor allem im Hinblick auf ihren Wert für die Herstellung des kom- mentierten Originaltextes und keineswegs in erster Linie um ihrer selbst und der durch sie vermittel- ten Testimonien willen gelesen Und ausgeschöpft. Eine entsprechende Charakterisierung seiner eigenen Beschäftigung mit den Kommentatoren findet sich denn auch in einem Brief des Pa~z, wo außerdem meh- rere Kommentare genannt sind2. Beide Hauptvertreter der Aristotelischen Akademie trugen sich mit dem Plan, das gesamte Werk des Aristoteles zu erläutern und zu kommentieren. Ob Mendozas Projekt je zur Ausführung gelangte, ist noch nicht geklärt. Eine lateinische Paraphrase zu Phys. befindet sich im Esc.f .II .63, von der jedoch Zahlreiche Randkorrekturen des Arlenius enthält der in der Mitte des 16.Jhs. entstandene Ott.172 mit Col. 2 Paez an Honorato Juan, aus Trient am 8.6 .1546 (Ch. Graux, S.81, Anm.2 und S.404 sq. (Appendice 6». 3 G.Antol!n, Catalogo de los COdices Latinos de la Real Biblioteca dei Escorial, 11, Madrid 1911, S. 154-156; vgl. auch A.Gonzalez Palencia-E .Mele, I, - 85- nicht feststeht, ob sie tatsächlich von Mendoza stammtl. P ~ez hatte während des Konzils ein großes Opus über Aristoteles und Platon als eine Art Syn- these der griechischen Philosophie ins Auge gefaßt und diese Absicht auch nach seiner Rückkehr nach Spanien nicht aufgegeben, konnte seinen Plan jedoch nie ausführen2• Mit Mendoza und P~ez und ihrer Aristotelischen Akademie schließt dieser Überblick; nach dem Konzil von Trient ist das CorpuS Aristotelicum praktisch nicht mehr handschriftlich verbreitet worden. Die 6 von Mathusalas Macheir zu Beginn der 2.Hälfte des 16.Jhs. im östlichen Mittelmeerraum geschriebenen und heute in Wien befindlichen Manuskripte3 stellen eine singuläre Erscheinung dar. Wenn ein gewisser Josephos Kretikos noch am Anfang des 17.Jhs. für den damaligen Herzog von Urbino drei Aristoteles- (Urb.40, 41, 48) schrieb, so kann das gewertet werden. Manuskripte nur als ein Kuriosum S.286 und 111, S.140. G.Antolfn schreibt sie a.a .O . Mendoza zu, meldet aber IV, Madrid 1916, 5.296 (in den Corrigenda) Zweifel an; vgl. auch A.Gonzalez Palencia-E .Mele, I, 5.286. 2 Vgl. Ch .Graux. 5 .81 sq. 3V· ~ nd.Phil.l10, 155, 189, 215, 217, Theol.230.
- 86- 111. MATERIALSAMMLUNG ZU flEPI ATOMON rPAMMON 1. DIE FORSCHUNGS LAGE Der erste Versuch einer kritischen Edierung der pseudo-aristotelischen Schrift fiept aT6μwv YPGμμWV ist in der Aristoteles-Gesamtausgabe der Preußi- schen Akademie von 1831 unternommen worden. Der dort (S.968 -972) von I.Bekker pUblizierte Text ist jedoch nach allgemeinem Urteil in großem Umfang un- verständlich. Bekker hatte sich offensichtlich gar nicht erst bemüht - sieht man von unerheblichen Quisquilien ab - , über die Auswertung der ihm zu- gänglichen Textzeugen hinaus durch befriedigenderen Wortlaut stens, wo nötig, textkritische Emendation einen herzustellen oder wenig- eine crux zu setzen. Eine wirklich Bearbeitung unserer Schrift beginnt erst mit M.Hayduck, dem in einem bedeutenden Auf- satzl eine ganze Reihe Von glänzenden Konjekturen gelang. O .Apelt hat dann 1888, sich die Ergebnisse Hayducks zunutze machend, einen brauchbareren Text bei Teubner ediert2, nicht ohne eine Vielzahl eige- ner Konjekturen zu wagen, Von denen er etliche in den prolegomena näher begründeti diese Ausgabe ist bis heute die maßgebliche geblieben. Ihr ließ Apelt drei Jahre später eine deutsche Übersetzung fOI- M.Hayduck, De Aristotelis qui fertur nEp~ aToμwv YPGμμwv libello, in: Jahrbücher für classische Philologie (Fleckeisen), 20.Jahrgang, 1874 (= Neue Jahrbücher für Philologie und Paedagogik 109), S.161-171. 2 O.Apelt, Aristotelis quae feruntur .• . (vgl. oben S.10, Anm.l), dort S.141-157. - 87- gen1, die als solche ein Weiteres zum Verständnis des Textes beiträgt. Eine englische 'Paraphrase' des Traktats von H.H .Joachim (1908)2 ist mit ihren unge- wöhnlich zahlreichen und ausführlichen Anmerkungen eine Fundgrube wertvoller textkritischer Anregungen und gediegener Einzelbeiträge zur Erklärung des schwierigen Textes. Fast ein halbes Jahrhundert spä- ter hat sodann W. Hirsch3 durch eine "nochmalige Son- dierung des gesamten philologischen Materials" in einer Art Bestandsaufnahme der Ergebnisse der älte- ren Forschung und durch die Heranziehung neuer Hand- schriften in den textkritischen Fragen unserer Schrift einen weiteren Schritt vorankommen können. Ein anderer textkritischer Beitrag stammt von natur- wissenschaftlich orientierter Seite und muß schon deshalb die Aufmerksamkeit des Philologen auf sich ziehen. M .Schramm4 hat in umfangreichen und sorgfäl- tigen Analysen, wo er sich wesentlich konservativer O.Apelt, Die Widersacher der Mathematik im Alter- tum, in: O.Apelt, Beiträge zur Geschichte der Phi- losophie, Leipzig 1891, 5.253-286, dort S~271-286. 2 H.H .Joachim, De lineis insecabilibus, Oxford 1908, in der von J.A .Smith und W.D .Ross heraUsgegebenen Reihe "The Works of Aristotle translated into Eng- lish" (separat und auch im Bd.VI: Opuscula, Ox- ford 1913, veröffentlicht). 3 In seiner Dissertation: Der pseudo_aristotelische Traktat De lineis insecabilibus, Heidelberg 1953 (Maschinenschrift), die sich hauptsächlich mit dem philosophischen Gehalt der Schrift beschäftigt. - Ich danke dem Verfasser für die unbefristete Aus- leihung seiner Arbeit und die freundliche Überlas- sung von photographien der Pariser Lin.- Hss. 4 M.Schramm, Zur Schrift über die unteilbaren Linien a~s dem Corpus Aristotelicum, in: Classica et Me- d~aevalia 18, 1957, 5.36 -58.
- 88- zeigt als insbesondere Apelt, versucht, "einen les- baren Text herzustellen", und ist dabei nicht selten zu Lösungen gelangt, die auch schon Joachim vorge- schlagen hatte. ZUletzt ist schließlich soeben eine eingehende, auch um das Textverständnis sehr bemüh- te Untersuchung des Traktats von M.Timpanaro Cardi- nil erschienen, die zwar den Text Apelts reprodu- ziert, aber im kritischen Apparat, in der Überset- zung und im Kommentar die bisherige Konjekturalkri- tik gewissenhaft auswertet und darüber hinaus eige- ne Konjekturen vornimmt2• Vgl.oben 5.10, Anm.l . 2 Wir wollen es in diesem Überblick nicht versäumen, wenigstens beiläufig auch auf die folgenden Bei- träge hinzuweisen. In der Didotiana steht Lin. im 4.Bd. (Paris 1857), S.47 -53; sieht man von eini- gen wenigen Konjekturen Bussemakers ab, so handelt es sich um den Bekkerschen Text. Einige Textver- besserungsvorschläge finden sich bei J.L .Heiberg, Mathematisches zu Aristoteles, Abhandlungen zur Geschichte der Mathematischen Wissenschaften, 18. Heft, Leipzig 1904, wo auf S.34-37 Lin. behandelt ist (Übrigens ist ein sehr frÜher Vorgänger Hei- bergs für dieses Thema J.Blancanus, Aristotelis loca mathematica ex universis ipsius operibus co l- lecta et explicata, Bononiae 1615, bei dem es 5.201-209 auch einen Abschnitt "In libellum De li- neis insecabilibus, sive individuis" gibt.) . Für das Textverständnis der Passage 8b4-21 ist jüngst ein weiterer Fortschritt erzielt worden: K.Gaiser (vgl.oben S.9, Anm.3), 5.510-511 . Neben den Über- setzungen Apelts und Joachims gibt es auch eine in 'The Loeb Classical Library' von W.S .Hett (Aristotle. Minor Works, London 1936, S.413-447) auf der Grundlage des parallel mit abgedruckten Apeltschen Textes veröffentlichte, die Zwar keine Erläuterungen enthält, aber nichtsdestoweniger sehr beachtenswert ist. Dies kann man leider von einer zweiten deutschen Übersetzung _ P.Gohlke, Aristoteles. Kleine SChriften zur Physik und Meta- physik, Paderborn 1957, 5.61-76 - ganz und gar - 89- Welches handschriftliche Material lag nun den obigen Editionen und Untersuchungen zugrunde, und wie wurde es klassifiziert? Um die Ausgabe Bekkers in dieser Hinsicht beurteilen zu können, sind wir auf eine nachträgliche Auswertung seines kritischen Apparates angewiesen. Denn eine praefatio zur Aristo- tales-Ausgabe, in der er über die Grundsätze seiner Textgestaltung und über die benutzten Handschriften Rechenschaft abgelegt hätte, ist von Bekker bekannt- lich nie veröffentlicht worden. Der Apparat nennt . aaaal vornewegachtKod~zes-LNPQHUWZ -, und man könnte nun annehmen, daß deren Varianten im folgenden sämtlich aufgeführt sind. Eine genaue .. a Uberprüfung des Apparates lehrt jedoch, daß Q und U nur am Anfang des Traktats herangezogen worden sind a _ U wird zuletzt 8b17 zitiert (und einmal la2), und die Lesarten von Q sind überhaupt nur für die aller- ersten Zeilen bis 8a14 vollständig (danach nur noch Ba25 und b9) verzeichnet - , daß Ha nur im ersten Viertel der Schrift kollationiert (zuletzt zu 9a26 genannt) und daß Za obschon für die ersten 30 Zei- , len häufiger, im folgenden nur noch ganz sporadisch (nämlich Ob19, Ob27, la6 und ganz am Ende der Schrift 2b30 und 33) erwähnt worden ist. Bekker hat diese vier Handschriften also nur ankollationiert, um dann auf sie "more suo tacitetl2 zU verzichten, da er sie n~ch~ behaupten; es spricht schon für sich, daß d~e Ubersetzung nach der überholten Bekkerschen Edition angefertigt worden ist. Ein Verzeichnis der Handschriften und der sie be- zeichnenden Sigel findet sich unten 5.101/102. 2 O.Apelt, Aristotelis quae feruntur, S.VIII . Bekker hat allerdings das hier von ihm praktizierte Ver-
- 90- vermutlich entweder für zu stark verderbt oder für Apographa hielt. Die Bekkersche Ausgabe beruht somit auf den vier verbleibenden Kodizes L N p wa, deren Varianten im Apparat durchweg verzeichnet sind. Diese Textzeugen, sämtlich aus der Vatikanischen Bibliothek, gehören mit der einen Ausnahme des Kodex N - wie die früh ausgeschiedenen zwei Marciani (Q Ha) zu den Bekker- schen "Stammhandschriften", dvh , zu den auch bei der constitutio textus anderer Traktate immer wieder herangezogenen Exemplaren. Im einzelnen folgt der in der Akademie-Ausgabe gedruckte Text vorwiegend den gemeinsamen Lesarten der drei "Stamm-Vaticani" (L P Wa); hin und wieder hat sich der Editor mit N oder mit N Wa gegen die anderen Handschriften entschie- den 1. Die Ausgabe Apelts bietet, wie schon erwähnt, für die handschriftliche Grundlage gegenüber der Bekkers eigentlich nichts Neues. So ist der kritische Appa- rat der Akademie-Ausgabe vOllständig Übernommen. Leider hat Apelt jedoch den negativen Apparat Bek- kers an manchen Stellen zu einem positiven umgestal- tet, so daß jetzt z.B. für den Kodex Q, den Bekker fahren anderenorts ausdrücklich als solches gekenn- zeichnet: "Codices '" et ab initio .•. " (Caei. s . 268 und EE S.1214) oder "Codices ..• et nonnullis locis •.. " (ce i • S. 791 und MXG 8.974) oder "Codi- ces .•. et hinc inde ... " (Mech. S.847). Es scheint, als habe sich Bekker, mit dem Text seiner Handschriften nicht immer zUfrieden, in der Vaticana nach einem zusätzlichen Textzeugen umge- sehen und diesen dann in N gefunden. Aus demselben Grund hatte er sich vielleicht auch zur Einsicht in den sonst nicht wieder benutzten Kodex Za der Laurenziana veranlaßt gesehen. - 91- ja nach 8a14 eliminiert hatte, Lesarten angegeben sind (vgl. z .B . 142,11,142,17; 1"2,22 (Apelt)etc.), die dieser gar nicht aufweist. Ansonsten ist ledig- lich der Laurentianus (Za) nun doch von H.RassoW in Florenz auf Bitten Apelts ganz durchverglichen wor- denl• Die enorme Menge seiner Sonderlesungen hat den Apparat der Teubner-Ausgabe nicht unbeträcht- lich anschwellen lassen. - Wenn der von Apelt her- ausgegebene Text dennoch gegenüber dem seines Vor- gängers stark geändert und verbessert ist, so liegt das, sieht man einmal von den Früchten der bereits erwähnten Konjekturalkritik ab, an einer "richtige- ren Verwertung der Handschriften,,2. Apelt betraeh- a tet den Kodex N, dessen Varianten mitunter durch Z bestätigt werden, als den bei weitem besten Textzeu- gen und folgt ihm, wo nur möglich, bei der Konstitu- Textes3• Nach seinen Beobachtungen P aus einer gemeinsamen MittelsteIlung zwi- auf der anderen ierung seines stammen die Kodizes L und Quelle, während Wa und Za eine sehen L und P auf der einen und N Apelt hat außerdem, wie schon Bussemaker für die Didotiana (vgl.dort 5.11), die paraphrase des By- zantiners Georgios Pachymeres, wenn auch praktisch ohne jeden Nutzen (vgl. S .XVII), eingesehen. Da war denn die lateinische Renaissance-übersetzung des Iulius Martianus Rota von wesentlich größerem Wert für Apelt, sie scheint, um das schon hier zu sagen, einigen seiner Konjekturen auch dort Pate gestanden zu haben wo wir den Namen Rota vergeb- lich im Apparat su~hen. 2 Vgl. O .Apelt, Die Widersacher (vgl.oben 5.87, Anm. 1), 8.270. 3 O:A~elt, Aristotelis quae feruntur, S.IX: " ... co- d~c ~s praestantissimi N, quem praecipuum ducem in recensendo libro sequendUm censuimus".
- 92- Seite einnehmenl. Wie bereits angedeutet, hat W.Hirsch in der Hoff- nung, die Textkritik unserer Schrift weiter fördern zu können, drei bis dahin nicht eingesehene Parisini (i, 1 und 1851) anhand von Photographien kOllatio- niert und die Lesarten VOllständig mitgeteilt2. In der Tat erbrachte die Heranziehung voniundI,um mit Hirsch selbst zu reden, "insgesamt über 20 Text- verbesserungen, die allerdings schon größtenteils durch Konjekturalkritiker eingesetzt waren,,3. Nach Hirsch ist der Kodex I über eine korrigierte Zwi- schenstufe aus i geflossen, während der Par.1851 "mit Ha und L im wesentlichen übereinstimmt"4. _ Es ist das Verdienst Hirschs, als erster die mittel- alterlichen lateinischen Materialien für unsere SChrift, und zwar die Übersetzung des Robert Grosse- teste und die Paraphrase des Albertus Magnus, ausge- wertet zu haben; von dieser Seite ergab sich so gut wie kein weiterer Fortschritt in textkritischen Fra- gen S. Im Rahmen seiner Untersuchung über die griechi- schen Aristoteles-Handschriften in Venedig (Udine und Verona) ist E.Mioni auch auf die Überlieferung unserer Schrift eingegangen und hat "post integram O.Apelt, Aristotelis quae feruntur, S.VIII -IX . 2 Bei Hirsch (vgl.oben S.87, Anm.3) tragen die drei Kodizes die Sigel R], R2 und 5; die KOllationen finden sich S.11 -23 . 3 W.Hirsch, S.24; eine tabellarische Aufstellung dieser Textstellen gibt er S.42. 4 W.Hirsch, S.24-25. 5 W.Hirsch, 5.25-27. - 93- et novam recognitionem" und unter Beifügung ausge- wählter Varianten eine Klassifizierung der fünf Lin. - Marciani, unter ihnen die bereits von Bekker ankol- lationierten Kodizes Ha und Q, versuchtl. Auf seine Ergebnisse, deren wichtigstes, fallS es sich bestä- Einschätzung des Kodex Ha als "in inspiciendus" wäre, wird im im engeren Zusammenhang tigen ließe, die futura editione totus Verlauf der Arbeit jeweils eingegangen werden. Grundlegende Voraussetzung für eine sichere con- stitutio textus ist die zuverlässigkeit der Kolla- tionen. Betrachtet man unter diesem Aspekt die bis- herigen Arbeiten zu Lin., so ist leider festzustel- len, daß in ihnen diese Forderung keineswegs erfüllt ist. dieser Hinsicht oh- Fast jeder Gelehrte, aristo- Die Autorität Bekkers ist in nehin oft angegriffen worden. der sich zur Vorbereitung der Edition einer telischen Einzelschrift mit den bereits von Bekker benutzten Handschriften beschäftigte, mußte eine Un- menge von Fehlern, Versehen und anderen Unzuläng- li chke i ten in den Kollationen Bekkers entde ck e n . "In apparatu construendo errori valde obnoxius", schreibt z.B . A.Förster in der praefatio (S.V) seiner De ani- ma-Ausgabe (Budapest 1912), um hier nur dieses Ur- t.il über Bekker zu zitieren; p.Siwek2 hat einige solcher negativen Äußerungen auS der Aristoteles-Li- 1 E.Mioni, Aristotelis codices graeci qui in biblio- thecis Venetis adservantur, Padua 1958, 5.74 -76. 2 P.Siwek, Les manuscrits greCS des Parva naturalia d'Aristote, Rom etc. 1961 (collectio Philosophica Lateranensis 4), 5.14 -15 .
- 94- teratur zusammengetragen. Wir mÜSsen den großen Edi- tor Bekker, der im Laufe seines Lebens mehr als 400 Manuskripte kOllationiert hat], allerdings zugute halten, daß er aus zeitlichen Gründen bei der Bewäl- tigung seines gewaltigen Unternehmens, der ersten kritischen Ausgabe des gesamten Corpus Aristotelicum, das zudem nur eines von vielen darstellt, nicht so viel Sorgfalt und Akribie aufwenden konnte, wie man es bei der Edition einer Einzelschrift erwarten dürfte. Es wäre mÜßig, nun all die Irrtümer Bekkers auf- zuzählen. Einen hinreichenden Eindruck von dem Grad der ZuverläsSigkeit seiner Kollationen vermittelt wohl auch eine knappe statistische Übersicht: über 30 falsche bzw. fehlende Angaben im Apparat bei L, etwa50beiN,etwa55beiP,etwa50beiWaundet- wa 12 im ersten Viertel der Schrift bei Ha. um diese Zahlen in der richtigen Relation zu sehen, muß man sich vergegenWärtigen, daß unsere Schrift nur 312 Zeilen in der Bekkerschen Ausgabe umfaßt. Diese Er- rata im kritischen Apparat sind freilich nur zu einem gewissen Teil Kollationsfehler im paläographi- schen Sinne. Verschiedene Versehen resUltieren of- fensichtlich auch einfach aus der wohl nachträgli- chen Verwechslung von Handschriften bzw. deren Si- geln2 oder ähnlichen technischen Pannen. Ein be- Vgl. B .A.van Groningen, Traite d'histoire et de critique des textes grecs, Amsterdam 1963, 5.71. 2 Dieselbe Beobachtung machte auch K.Bitterauf, Neue Textstudien zum Schlußteil der aristotelischen Biologie, Wissensch.Beilage zum Jahresbericht des Gymn.Kempten 1913/14, S.4 -5 . - 95- zeichnendes Beispiel mag genügen: Wa soll laut Bek- ker am Anfang unseres Traktats folgende Randnotiz tragen: ,0 npw,o,unov ACav Eo~aAμevov.Kat μn ,~~ μOL μEμ~e,w' Ka~w ~ yap opw, oü,w ypa~w . In Wirklichkeit aber steht diese Schreiberformel nicht hier, sondern . a ~ m Kodex V (Urb.108) am oberen Freirand von f.143, auf dem MXG endet und Mir. anfängt. Ließ sich für die Unzulänglichkeiten im Apparat Bekkers noch so manche Entschuldigung finden, so mu- tet doch die Nachlässigkeit, mit der H.Rassow für Apelt den allerdings nicht kalligraphierten Kodex a Z , kollationierte _ VerwechSlUngsmöglichkeiten gab es diesmal nicht! _ , geradezu unglaublich an. Etwa 70mal stimmen seine Angaben nicht mit dem wirkli- chen Befund überein. - Die Kollationen Hirschs aus den drei Parisini sind im Vergleich zu denen Bekkers und Rassows gründlicher, weisen aber insgesamt im- merhin über 30 Fehler auf. - In der stichprobenarti- gen Auswahl von Varianten schließlich, die Mioni bietet, ist mehr falsch als richtig, was sich nur zum Teil aus der Übernahme irriger Lesarten Bekkers erklärt. also, die die Notwendigkeit unterstreicht. Eine desolate Bilanz einer neuen Bestandsaufnahme
- 96- 2. TESTIMONIEN UND HEURISTIK Die in unseren Handschriften unter dem Namen des Aristoteles laufende Schrift nEp~ aToμwv ypaμμwv ist im Altertum auch dem Theophrast zugewiesen worden. Sie findet sich im Schriftenverzeichnis des Eresiers bei Diogenes Laertios V.42, das auf eine ältere Quelle, letzten Endes wohl Hermippos zurückgehtl. Sodann gibt es eine bei drei Aristoteles-Kommentato_ ren wörtlich wiederkehrende Notiz, die ausdrücklich belegt, daß die Zuschreibung an Aristoteles oder seinen Schüler kontrovers war2. Themistios, In Cael. P.148,39-149,2 Landauer, Simplikios, In Cael. p .566, 25-26 Heiberg, und Philoponos, In Gener.Corr. p .34,3 Vitelli, verweisen in ihren Kommentaren beiläufig auf das 'aristotelische' Büchlein über die Atomli- nien, beeilen sich aber hinzuzufügen ö T~VE ~ Et~ 8EO~paaTov ava~EPoua~v3. Vielleicht war es Androni- kos, der die ursprünglich im Corpus des Theophrast überlieferte Schrift diesem absprach und sie unter die aristotelischen Werke einreihte. Denn Lin. fin- det sich unter den Schriften des Aristoteles erst- Vgl. H.Usener. Analecta Theophrastea, Bonn 1858 (= Kleine Schriften I, Leipzig-Berlin 1912, 5.50 bis 90), 5.68 sqq., O.Regenbogen, Artikel 'Theo- phrastos', in: RE SuPpl.VII (1940), Sp.1354-1562, dort Sp.1367, und P.Moraux, Les listes anciennes des ouvrages d'Aristote, Louvain 1951, 5.246 (auch Anm.148). 2 Schwankende Zuweisungen dieser Art begegnen öfters, vgl. O .Regenbogen, Sp.1416, 1449, und P.Moraux, S.41 sq. 3 Themistios ist nur in hebräischer bzw. lateinischer Übersetzung erhalten: quem nonnulli Theophrasto ascribunt. - 97- malig in der ptolemaios-Listel, wichtigen Argumenten im wesentlichen zurückgeführt hat2• - Es bleibt noch zu erwähnen, daß die Autorschaft des Aristoteles in den knappen Verweisen auf unsere Schrift bei Simplikios, In Phys. p.492,3 sqq. Dieis, und bei Philoponos, In Phys.p. ~65,5 sqq.und In Gener.Corr.p .164,10 sqq. Vitelli, nicht in Frage gestellt ist3. - Dies sind, soweit die P.Moraux mit ge- auf Andronikos Vgl. P .Moraux, 5.294, und I.Düring, Aristotle in the Ancient Biographical Tradition (= studia Grae- ca et Latina Gothoburgensia V), Göteborg 1957, S. 222. Dort werden 3 BUcher für Lin. angegeben, aber Moraux hat den Irrtum, dem eine Buchstabenverwechs- lung (r statt A) zugrunde liegt, aufgeklärt. 2 P.Moraux, S.306 -309 . Die Verfasserfrage muß vom modernen Standpunkt aus gesehen als noch ungelöst bezeichnet werden (vgl. I.Düring, Artikel 'Aristoteles', in: RE Suppl.XI (:968), Sp.159-336, dort Sp.315). Einig ist man s~ch heute nur darüber, daß Lin. nicht von Aristo- teles selbst stammt. An Theophrast denkt E.Zeller, Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtli- chen Entwicklung, 11,24, Leipzig 1921, s.90,Anm.1, und auch P.Moraux, 5.294 und M.Schramm, 5.55 hal- ten die Autorschaft des Eresiers durchaus für mög- l~ch. Das in der Zuweisung herrschende schwa~ke~ mogen z.B . folgende Zitate deutlich machen: Zw~ - schen diesen beiden (sc. Theophrast und Straton) würden wir demnach die Wahl haben" (o.Apelt, Die Widersacher, 5.270); "mag es nun Theophrast oder Straton oder sonst ein Peripatetiker sein, so viel steht fest, daß es ein Zeitgenosse des Xenokrates war" (R.Heinze, Xenokrates (vgl.oben 5.9, Anm.2), 5.61); "there are grounds for ascribing it to Theophrastus: whilst, for all we can tell, it may have been written neither bY Aristotle nor by Theophrastus, but by Strato, or possiblY by some ~ ne otherwise unknown" (H.H.Joachim? «r e can hard- iY ~ave been written by Aristotle h~mself .:. But t ~s certainly the work of some one belong~ng to ~~e school" (Th.Heath, A History of Greek Mathema- ~ cs, I: From Thales to Euclid, oxford 1921, S.
- 98- ich sehe, alle antiken Testimonien für Lin.1• In mittelbyzantinischer Zeit, noch Vor den ersten erhaltenen Handschriften unseres Traktats, begegnen wir ihm im Physik-Kommentar des Michael Psellos (1018-1079 (?» zweimal2: npOS o~ T ~V O~XOToμCav, nv O~TO' (sc. napμEVCOns) €~ avayxns €~OCE~ xa~ eOECxvo TO napf EXECVOLS EV $v nOAAa, €VEOCOOOV (sc. OL KEP~ nAaTwva)noLoOVTES äToμa μEY{~n, KPOS 8 EV äAAOLS aVTaywVC(;ETaL 0 ~LA6aoqlos "nEp~ aToμwv" ypa- qlWV "ypaμμ!iiv" (In Phys.I,3, 187a3 sqq.) und s t o~ nAaTWv TCenaL T~S aToμooS ypaμμas, ou XaAEROV aUTaS 342), "written by some author of the Peripatetic school" (W.S.Hett, S.415); "Als Verfasser kommt jeder geistig nicht allzu bedeutende Peripatetiker in Frage ... Man wird daher dem Theophrast und Strato diesen Traktat nicht zuschreiben dürfen" (W.Hirsch, 5.122); "vermutlich von Theophrast ... (wenn •.. nicht noch jünger)" (O.Becker, in: Gno- mon 27,1955, S.267); "is generally thought to have been written by a member of the Peripatos of the first generation, probably under the headship of Theophrastus" (J.A .Philip. The "Pythagorean" Theory of the Derivation of Magnitudes , in: Phoe- nix 20, 1966, 5.32-50, dort 5.39 -40); "Pereib nel- la fiorente scuola di Teofrasto dovette circolare il libretto polemico" (M.Timpanaro Cardini, S.38). Verschiedene Ansichten zum Verfasserproblem refe- riert auch M.Untersteiner, Zenone. Testimonianze e frammenti. Introduzione, traduzione e commento a cura di ... , Firenze 1963, S.102 sq. Die von E.Diehl im Apparat seiner Edition von Prok- los In Timaeum (Leipzig 1903/6) auf Lin.8al bezoge- nen Stellen (vgl. Bd.III, im Index Auctorum 5.360) sind in Wirklichkeit, wie A.J .Festugiere, Proclus. Commentaire sur Ie Timee, 11, Paris 1967, S.109, erkannt hat, Anspielungen auf An.411bS sqq. 2 Ich danke L.Benakis, mir diese beiden Stellen aus dem Psellos-Kommentar noch Vor seiner Veröffent_ lichung freundlicherweise mitgeteilt zu haben. - 99- aV&A&LV OL'gnLXELPnμaTwv, KaeWS Kat KOLEt EV ETEPOLS ypa~wv ßLßXCOV nEp~ aT6μwv ypaμμwv (In Phys.III 6, 206a9 sqq.) . Niemand wird allein aus diesen allge- mein gehaltenen Hinweisen schließen wollen, Psellos schöpfe hier aus der eigenen Lektüre unserer Schrift. Er kannte natürlich seine Vorgänger unter den Kom- mentatoren _ zu ebender zweiten PhysiksteIle (206a9 sqq.) gab ja Philoponos (p.465,5 sqq., vgl.oben) den Verweis - und hat die "bibliographi- einfach von dort über- betreffenden sehe" Angabe wahrscheinlich nommen. Sein Schüler Michael von Ephesos (um 1050 - um 1120) hat sich möglicherweise eingehend mit Lin. be- schäftigt, wenn wir drei Zeugnissen aus spätestens dem 13./14.Jh . Glauben schenken können, hat er sogar einen regelrechten Kommentar zu unserer Schrift ver- faßt. Denn in der Liste der Aristoteles-Kommentato- ren, die uns im Marc.203, f.2301, im Vat.241, f.62 und im Angel.42, f.4193 überkommen ist, wird eine Exegese des Ephesiers zu Lin. ausdrücklich genannt. Ein solcher Kommentar ist bislang nicht aufgetaucht, aber an der RiChtigkeit dieser Nachricht zu zweifeln, haben wir eigentlich keine VeranlaSSUng, zumal die aufgezählten Arbeiten - sieht ab _ tatsächlich erhalten anderen für Michael man von der zu Hist.An.4 ~~l. H:Usener, in' Rhein.Mus.20, 19.5, 5.133-13. _ Kle~ne Schriften, 111, 5.3 -6). 2 V~l. Stephani in librum Aristotelis De interpreta- t(~one commentarium ed. M .Hayduck, Berlin 1885 = CAG XVIII 3), S.V . 3 Entdeckt von D.Reinsch vgl. die Beschreibung der Handschrift im 'Aristo~eles Graecus'. 4V' ~ elleicht ist diese schrift einfach automatisch
- 100 - sind; auch den bisher nicht bekannten Kommentar zu Col., den Michael allerdings selbst (CAG XXIIi, p. 149,15-16 Wendland) angekündigt hat, habe ich anonym in drei jungen Handschriftenl gefunden. Das Fehlen2 des Lin.- Kommentars ist um so bedauerlicher, als er uns wahrscheinlich geholfen hätte, eine Tradierungs- stufe genauer kennenzulernen, die etwa zwei Jahrhun- derte weiter zurückliegt als die ältesten erhaltenen Vertreter unserer handschriftlichen Überlieferung (Ha Za), die frühestens aus der zweiten Hälfte des 13.Jhs. datieren3. Bei der Erfassung der griechischen Handschriften, die den Traktat über die Atomlinien enthalten, konn- te ich mich auf eine im Aristoteles-Archiv unter meiner Mitwirkung erarbeitete Handschriften-Kartei bei der Aufzählung der Zoologischen Traktate mit angehängt worden; vgl. K .Praechter, Rezension von CAG XXII 2 ed. M.Hayduck, in: Göttingische Gelehr- te Anzeigen 11, 1906, S.861-907, dort S.864, Anm.3. VgI.oben 5.43, Anm.5 . 2 Beim gegenwärtigen Stand der Katalogisierungsar_ beiten zu griechischen Handschriften ist jedoch seine Entdeckung nicht ganz ausgeschlossen. 3 Der VOllständigkeit halber sei hier auch der auf Bessarion weisende Par.2042 aus der Mitte des 15. Jhs. als Zeugnis der Beschäftigung mit unserer Schrift erwähnt, der UROμVnμaTa xaL EXAoyaL EV ER~TOμ9 EX TWV uRoyeypaμμEvWV ap~OToTEAOUs B~BACWV enthält und in dem wir f.203v folgendes Resurne von Lin. lesen: EV T~ Rep~ aToμwV ypaμμwv ER~xe~pet RPWTOV EX TOO EvavTCoU 6e~xvu~ erva~ aToμou~ ypaμ- μas xal μn eR' ~ Re~POv erva~ 6~a~peTas. erTa Auoas TOUS TO~OUTOUS TWV EvaVTCwV AOYOUS aoe~s 6eCxvuo~ 6~a RAe~ovWV ETEPWV ER~xe~PDμaTWV μn erva~ aTOμOUS ypaμμas. - 101 - stützen. In diesem Zettelkatalog sind als Vorarbeit für die Fertigstellung einer ausführlichen wissen- schaftlichen Beschreibung der griechischen Aristote- les-Manuskripte, des 'Aristoteles Graecus', alle in Frage kommenden Handschriften auS sämtlichen über 1000 regionalen Bibliothekskatalogen, die im R~per- toire von M.Richardl aufgeführt sind, und aus dem in der Section grecque im Institut de Recherche et d'Histoire des Textes vorliegenden Material erfaßt ca.l100 ermittelten Aristoteles-Ko- 27 die Schrift Lin.2: worden. Von den dizes enthalten Berolinensis Phill.1507 a Z Laurentianus 87,21 Matritensis 4563 (olim Ambrosianus A 174 sup. D 124 info 453 Vladimir; 227 Mat- thaei) N 26) I Ambrosianus Mosquensis 240 (Savva; Monacensis gr.502 Parisinus gr.1851 Parisinus gr.1860 Pari sinus gr.2032 Vaticanus gr.253 Vaticanus gr.258 Vaticanus gr.266 Vaticanus gr.905 i L N V P Vaticanus gr.1339 Vaticanus Ottobonianus gr.45 M.Richard, Repertoire des bibliotheques et des ca- talogues des manuscrits greCS, Paris 21958 und Supplement I (1958-1963), Paris 1964. 2W' a e bereits oben S.100, Anm.2 ~rw .. t:rpt' e:t'lauh:t auch hier der gegenwärtige sta .. der i<atalogi~$i~ - rung kein absolut gesicherteS X'iel)'Oi~, was die Vollständigkeit angeht. II .........:.::1 _ --
- 102 - Vaticanus Ottobonianus gr.153 Vaticanus Urbinas gr.38 Vaticanus Urbinas gr.44 Marcianus gr.200 (coI1.327) Marcianus gr.212 (coll.606) Marci an us gr.214 (coI1.479) Marcianus gr.215 (coI1.752) Marcianus gr.XI .ll (coI1.1375) Vindobonensis Phil.gr.l1 Vindobonensis Phil.gr.206 Vindobonensis Phil.gr.231 Der Mut.a .T .9 .21 (olim 76) der Biblioteca Estense in Modena enthält entgegen den Angaben der Kataloge nicht den pseudo-aristotelischen Text von Lin., son- dern die entsprechende Paraphrase des Byzantiners Georgios Pachymeres1• Der von A.Wartelle2 benannte Laur.87,2 ist keine Handschrift, sondern ein Druck- exemplar des 1497 erschienenen 3.Bandes der Editio princeps des Aristoteles von Aldus Manutius. An Textmaterialien sind weiter vorhanden und wur- den ausgewertet: die spätbyzantinische Paraphrase des Georgios Pa- chymeres (Pach.) die mittelalterliche translatio des Robert Gros- seteste (Rob.) die lateinische Paraphrase des Albertus Magnus (Alb. ) die lateinische Übersetzung des IUlius Martianus Rota die Editio princeps des Henricus Stephanus (1557) (H.St .) Vgl. auch unten 5.346. 2 A.Wartelle (vgl.oben 5.40, Anm.2), 5.40, Nr.581 . - 103 - Bearbeitung unserer Schrift ist bis- gewordenl Eine arabische her nicht bekannt Die neueste über das arabische Material informie- rende Untersuchung ist F.E .Peters, Aristoteles Arabus. The Orient al Translations and Commenta- ries on the Aristotelian Corpus, Leiden 1968, da- zu Ergänzungen in der Rezension von H.Daiber, in: Gnomon 42, 1970, 5.538-547.
- 104 - IV. DIE FILIATION DER GRIECHISCHEN HANDSCHRIFTEN Die 27 erhaltenen griechischen Lin. -Handschrif- ten lassen sich stemmatisch drei Familien zuordnen, und zwar 18 ausschließlich je einer von diesen, die restlichen 9 (contaminati) mindestens zweien gleich- zeitig. Eine eindeutige Abgrenzung dieser Hand- schriftenfamilien gegeneinander ergibt sich aus je- weils nur in einer Familie nachweisbaren Spezifika, unter ihnen etliche Trennfehler. Diese Merkmale, die also alle Glieder einer Familie verbinden, werden im folgenden der Betrachtung der einzelnen Familien, die nach ihren Stammvätern (0. 6 Y) benannt sind, vorangeschickt, textkritisch ausgewertet jedoch erst im 5.Abschnitt dieses Kapitels. 1. DIE FAMILIE 0. Der Stammvater Par.2032 (i) und sein Apographon Par.1860 (1) Zur Familie 0. gehören nur zwei Kodizes; der i ältere von ihnen, der Par.2032 (i), ist der Stammvater, d.h . der zweite Kodex, der Par. 1860 (1), geht auf ihn zurück. Von den Stammvätern der beiden anderen Familien (6 und y) unterscheidet sich i durch eine FÜlle von Varianten und Besonder- heiten: 0. (=i) 6y 8a3 om, '{c EXe:~ a6 Ba7 a13 a14 a15 a21 b13 b16 b18 b19 b20 b22 b23 b26 - 105 - 0. (=i) om. e:t OE - a9 μ~KPOV ax!\μa tW npc)'t"e:pov ta a'{o~xe:~a "0'11 a auμμe:'{po~ μ&tP~ov (ut vid.) pn'{ov OO'{E aAoyOV '110'11 non qJaaL toO &nELpoV~ EXE~V '{ono~ ypaμμaL' da\ OE ypaμμaL' 9a 2 o~a(pE(nV a 8 μ~KPWV a13 nEnEpaaμEvnv EXOV o~aLpEa~v a17 ouo' a19 add. '{00 npoKE~μlvo\) post &va~poOa~ a20 '{wV AOYWV a30 tW oe:Cte:~V CYKA (VCH: 6 CYXAC\le:~\I: c CI.tOμO\)~ K~VE~a~a~ (ut vid.) &qJ' &xaa'{ov b10 Ea'{a~ b13 6ELf;e:~~ b23 b25 Y(\lEa~a~ , , . , EqJ EKaa'{nV 6Y awμa yap npOHpa a,{o~XE ~a npotEPOV aUV~E'{O~ μ&'{pOV pn'{n eör' aAoyO~ '110'11 on qJuaE~~ tO &ndpov~ EXOV '{onov " " " ypaμμa~ e:~a~ ypaμμa~ o~aCpe:a~~ μe:pwv ne:ne:paaμEva~ EXE~ o~a~p{ae:~~ oto· .. '{o
Oa12 - 106 - a (=i) μEPW\I a15 ßy aμEPWV an~ Tn~ aTOμOU: ß an~ TOO aTOμOU: E TETpan>.aa~O\l Eypa~E\I: ß E aU\layoL EE; EVa\lTLa~: s EE; EVa\lT,: y Cut vLd,) choμo~: y (om.ß) biO add. μ€\I post anaaa b21 EE; oux b27 b32 a17 TETpan>.aaLW\I a17 Eypaepn: a 6 a18 aU\layayoL a21 EE; E:\la\lTLW\I a26 a28 aTOllO~ post aToμo~ add. ET~ EL anaaa ypaμμn napa Tn~ CtTOμOU a33 b3 b8 om. T~ μ~xo~ - b4 aTOμW\I add. Tl ante oux , .. orn , TaUTO aUVa)(OAOUßE~ a2 1a1 om. Er\IaL om. a4/5 ~Eu6Er~ xa~ E\la\lTLOL 6oE;a~~ naaaL~ Tar~ np~~ lICaT~V taxuouaaL~ a5 add. o~V ante ÖTL a5 add. n ante ypaμμn . , om. EX TOUTW\I OUX .. a\l a6 a6 a6 add. n ante ypaμμn a9EL~raanEE;apTLwv d~ aVLC1a aU\laxo>'OUßnaEL 6€ ~Eu6Et~ E\la\lTLaL (+6€:ß) 6oE;aL näaa~ (näaL:ß) TOr~ taxuouaL np~~ nCaTLv exh.: ß om. EX TOUTW\I ÖTL ou6' ClV: y oU6' Cl\l: ß - 107 - a (=i) a19 EXEL a20 om. aXXnXOLS a20 ouvcxi'\ a22μn6€n~ a24 a25 a26 a26 a26 a28 a29 iIlaTE oör' ., a\l om. waTE " , n OUT av alla\l öXn öXou äv add. na\lTn post EtvaL a29 Ent ßaTEpa a31 Ta nXECw b1 b6ax .. , xaL E\I b8 b8 b9 bl0 bl0 bl1 bl1 b12 b14 b19 /20 E:epeE;ouaL TW )( aL Y<lP , 1 add. T6n~ post aUT~ " om. OVTa npWTW xaL allTEC1~aL EU~ECa xat Ti'\ ~ ä~ETaL Ou6€ ypaμμn\l aU\lTL- ~tvaL b20 om. nOTE b24 chXw~ ßy aUVEXEr~ μn6€ht E» 6€ ou6' a\\I , ., oux a\l ÖXW~ vel öXn~ Ti ~(iTEpO\l nXECW x6 aHwv: ß, aHw Eep€E;E L d6'€:V lIpWTOV (illTEOeClL Eu~da Xelt Tii anTETaL ou6' Et\lelL TO\l ypaμμoV OTqμov
lb27 b31 b31 2a1 a2 - 108 - a (=i) T0 EIj)E~TiS 6\v add. R ante TaS aTLyμa~ add. μn ante E!vaL (lTOμOS a5/6 ßy ClTOltOV awμaTOS a8/9 spatium: om. EltLltEÖOV EX ypaμμwv EL Ö'E~ ~v a9Ci' a13 a14 a14 alS 2a16 a17 a17 a20 a22 a22 a22 /23 a23 a23 a7 a7 " t '" om. xaL n aTLYμn μEpOS T~ awμaTa alO spatium: om. EaTaL TaOTa aL aTLyμa~ &v ELnaav (vel ~aav) spatium: om. aTOLXEra (ÖE) OUÖETEpa TW ELÖEL xa~ yap EL ÖE all om. EVÖEXE Ta L YLv6μEVOV μEYE~OS add. waTE ante EaTaL OXEP add. yap post e I , om,TO ypaμμnv aIj)EAE!V add. &v ante EvöeXOLTO ltPWTWV aAA' 0UÖ• EL yap ltpOaTE~EV E'V CAov To\ho s : xa~ TO: Ee ypaμμfjs f:.VÖeXOL- ß • xa~ ypaμμfjs f:.y- XWpEr: y - 109- - desinit mutile 2a24 •. . xata auμßEßnx6S. Außerdem begegnen in i ein paar interlineare Va- rianten anscheinend von erster Hand, die entweder gegen die Grundlesung von i mit ß y im Einklang ste- hen oder aber in der gulär sind: 8al1 tn~ t, • 0 Q1tELPOUS EXELV, la14 Lin.- Überlieferung völlig sin- EL 'w '0 Ij)VOLV, 8a24 ~attOV, 8b22 toO Er ÖLLEvaL; und la29 liest man statt μn EOtLV (ß y) post rasuram μn &μa. - Die übrigen Texteingriffe und Varianten stammen von jün- gerer Hand; auf sie wird im Rahmen der Behandlung des Apographons 1 eingegangen werden. Der Kodex i ist im 14.Jh . entstanden, und zwar, nach den in ihm vorhandenen Wasserzeichen zu urtei- lenl, mit Gewißheit im ausgehenden zweiten Viertel dieses Jahrhunderts. Er ist sorgfältig und sauber geschrieben und läßt sich sehr gut lesen. Gegenüber Handschriften der Familien ß und y, die ebenfalls ins 14.Jh . gehören, weist er einen gleichmäßigeren und ruhigeren, zu keinerlei Abnormitäten neigenden Duktus auf. Dieser Schriftstil ist einer der ty- pischsten des byzantinischen Ostens im 14.Jh .; man findet ihn in zahlreichen Handschriften, zu denen z.B . auch die hier beiläufig genannten gehören: Bonon.3635, Ambr.B 95 sup., Neap.III .E .1 (323), Vat. 254 (sämtlich Aristoteles-Mauskripte) oder Mon.545, ff.l07-129v, Par.Suppl.1185, Par.1776, 2003, Vat. 1 ff.IV, 1-7, 56-111 112/119, 120-325: Gewicht, ähnlich Briquet 12~02 (= Mo~in-Tralji6 6782) (a.1343), ff.8-55, 115/116: Engel, Briquet ohne Beleg, ähnlich Mo~in-Traljic 176 (a.1343) und 177 (a.1344).
- 110 - 13651, Vaticani 704, 11112; in A.Turyns großem Al- bum3 präsentieren die Tafeln 110 und 126 diesen Stil. Sehr wahrscheinlich identisch ist die Hand unseres Manuskripts i mit der des Par.2105. von welchem I. ~ ev~enk04 ein Faksimile bietet, und der des Urb.37. ff.1 -118. Letzterer ist ebenfalls eine Aristoteles- Handschrift und hat mit i die meisten Traktate ge- meinsam. Es wird nun, da die Identität der Schrei- berhände dieser beiden Kodizes ziemlich feststeht, bestimmt kein Zufall sein, daß auch eine enge stem- matische Verwandtschaft vorliegt, wie die bisherigen Untersuchungen - zu Parva naturalia und Col. - ge- zeigt habenS. Die Herkunft dieser Handschriften muß Von letzteren drei Handschriften finden sich Ab- bildungen bei I. ~ ev~enko. La vie intellectuelle et ~ olitique ~ Byzance sous les premiers Paleologues. ttudes sur la pOlemique entre Theodore Metochite et Nicephore Choumnos, Brüssel 1962 (= Corpus Bru- xellense Historiae Byzantinae, Subsidia 111), pl. II-IV . 2 Faksimiles der beiden letztgenannten Vaticani bei G.Mercati, Notizie di Procoro e Demetrio Cidone, Manuele Caleca e Teodoro Meliteniota ed altri ap- punti per la storia della teologia e della lette- ratura bizantina deI secolo XIV, Citt~ dei Vatica- no 1931 (= Studi e Testi 56), tav.Xa und XIIb. 3 A.Turyn, Codices Graeci Vaticani saeculis XIII et XIV scripti annorumque notis instructi "', Citt~ deI Vaticano 1964. 4 I. ~ ev~enko, pl.VIII . S Zu den Parva naturalia vgl. die Rubrik 'Bibliogra- phie' der Beschreibung der Handschrift im 'Aristo- teles Graecus'; für Col. haben meine eigenen Kol- lationen zu diesem Ergebnis geführt (beide Hand- schriften sind aus derselben Quelle geflossen; beiderseitige Trennfehler). Vgl. auch F.H .Fobes, Aristotelis Meteorologicorum libri quattuor. Cambridge/Mass.1919 (Nachdruck Hildesheim 1967). S .XXXIV, zu der .. - 111 ~ vorläufig noch ungeklärt bleiben. Wenn sich der Par. 2105 in irgendeine Verbindung mit Nikephoros Chumnos (um 1250-1327), dessen Schriften er enthält, bringen ließe1, so wäre das für unsere Handschriften irrele- vant, zumal sie (zumindest i) wohl nicht mehr zu Lebzeiten des Chumnos entstanden sind. Lediglich über das spätere Schicksal von i lassen sich auf- grund dessen, daß wir den Ursprung seines Apogra- einige Fakten erschließen phons 1 genau kennen, (vg1.unten)• Der Lin.- Text im Par.2032 (i) bricht leider vor- zeitig mit 2a24 X~Ta aUμßEßnXOs ab; damit fällt der Kodex für etwa das letzte Zehntel der Schrift als Textzeuge aus. Die Ursache für diese Textverstümme- lung ist keineswegs etwa in den kodikologischen Ge- gebenheiten von i selbst zu suchen, hört doch der Text in i auf einem Recto (f.l07r) nach 28 gegenüber sonst üblichen 30-31 Zeilen auf; f.l07v und die 5 nachfolgenden Blätter blieben leer. Die seiner Vorgänger die Erwägungen auch immer ließ oder Frage, ob Schrift der Kopist oder einer hier von sich aus - welche ausschlaggebend gewesen sein mögen - enden ob er wegen einer mechanischen Beschädigung des tigraphons dazu gezwungen war, läßt sich anhand einer Gesamtbetrachtung des äußeren Textzustandes von i am Ende der Kopie mit einiger Sicherheit be- An- antworten. Auf demselben Recto des Kodex i, ein paar Zeilen in einer einzelnen charakteri- beider Textzeugen stischen Variante. I. ~ ev~enko läßt diese Frage unberührt.
- 112 - vor Jem Abbruch der Schrift, befindet sich nämlich eine auffallend große fenestra: In den Zeilen 16,17 und 18 bricht jeweils etwa in der Zeilenmitte der Text ab, und es fehlen folgende in ß und y tradier- te Textstückei: 2a8/9 b: C1IE60\l ~x ypaμμw\I c I 6 ' U~ ~ \l2 al0 EOTaL rcüre at ... .. ELnOa\l (bzw.~o a,,) oTLyμaL a\l all OTOLXEta ( 6E) OU6ETEpa TW EL6EL Der gleichmäßige Umfang der ausgesparten Stücke (et- wa 25 Buchstaben) und der regelmäßige Abstand, in welchem die Spatien auftreten (nach ca.30 Buchsta- ben), zeugen von einer mechanischen Verderbnis des zugrunde liegenden Antigraphons, der drei aufeinan- derfolgende Zeilen, für die sich somit eine Länge von ca.55 Buchstaben erschließen läßt, etwa zur Hälfte zum Opfer gefallen sind. Man hat sogar Grund anzunehmen, daß auch die drei dieser Lücke unmittel- bar vorangehenden Zeilen der Vorlage in ungefähr gleichem Maße unter dieser Verderbnis gelitten ha- ben. Den drei Spatien in unserer Abschrift gehen nämlich drei weitere nicht kenntlich gemachte Lük- ken vorauf, deren Umfang und Art der Aufeinanderfol- ge sowie der Abstand der letzten Auslassung vom er- sten Spatium die Folgerung zulassen, daß in der Vor- lage insgesamt sechs Zeilen hintereinander etwa zur Hälfte fehlten. In den zwei ersten dieser Zeilen er- setzte der Kopist von i den verlorenen Text notdürf- tigst durch irgendwie mit dem Kontext einen Sinn schaffende knappe Einfügungen, und zwar 2a3/4 n Vgl. auch unten Tafel 9. 2 Die zusätzliche Wendung 2a8/9 aL 6c ypaμμa~ EX OTLYμW\I in den Textausgaben ist handschriftlich überhaupt nicht belegt (vgl. dazu unten 5.398). - 113 - ypaμμn xaT' Ou6ETEpa\l TW\I OTLYμW" aAA' a\la durch TL aμEPC~, 2a5/6 T~~ μLa~ OTLYμ~~ xwpa TOUTO 6' a6u\la- TO" durch oTLyμn μEC~W\l. Die Lücke der dritten Zei- le der Vorlage (2a7 xat n OTLyμn μEpO~)l umging er. indem er das anschließende owμaTo~ zu Ta owμaTa ab- änderte und damit einen Satzzusammenhang herstellte. Bei den drei letzten verstümmelten Zeilen schließ- lich war unser Schreiber, wie es scheint, mit seiner Kunst am Ende; nun sparte er den Platz für den feh- lenden Text aus. Derart großflächige und totale Beschädigungen sind, so lehrt die Erfahrung, nicht auf bloße Ver- klecksung oder Verwischung der Schrift, auf Stock- flecken oder Wurmfraß zurückzuführen, so daß man ziemlich sicher sein darf, daß die betreffende Stel- le des Foliums _ naturgemäß kommt am ehesten der äußere Blattbereich in Frage - weggerissen war. Wenn dem so ist, befand sich der verstümmelte Text im An- tigraphon von i nicht auf einem Verso, da sich sonst die entsprechende Lücke des Rectos im vorangehenden Text von i nachweisen lassen müßte, was nicht der Fall ist. Geht man davon aus, daß der unmittelbare Grund für das endgültige Abbrechen des Textes nach eventuell unversehrten2 10 Manuskript-Zeilen (2a12 D~ese Auslassung ist zwar in i nicht so lang wie d:e fünf anderen, doch hat der Kopist vielleicht d~e letzten Buchstaben des vorangehenden (a\laAV- OL:O Et~) oTLyμa~ selbst richtig ergänzt, was bei- sp~elsweise bei einem in der Vorlage noch z~ le- senden Wortansatz OT ••• nicht schwierig war. Zudem k?nnte das betreffende Stück in der Vorlage zufäl- l~g breiter (z.B. ohne suspensionen) geschrieben gewesen sein. 2 Unversehrt, sofern nicht die ersten in i auf die
- 114 - bis 2a24) ebenfalls in mechanischer Beschädigung zu sehen ist, so schält sich aus den verschiedenen Kom- binationsmöglichkeiten zur Erklärung der besonderen Textgestalt in i eine als die plausibelste heraus: Es könnte sich in der Vorlage von i um ein Recto ge- handelt haben, dessen obere rechte Ecke so weit ab- gerissen war, daß die ersten sechs Zeilen in der oben beschriebenen Weise lädiert waren; die nachfol- genden Zeilen mögen nahezu unversehrt geblieben sein. In der unteren Partie schließlich kann der Blattver- lust So groß gewesen sein, daß von den restlichen Zeilen - wenn überhaupt etwas - zu wenig übrigblieb, um den Text annähernd brauchbar fortzuführen. Auf das, was dann noch an Text auf dem Verso, auf dem der Traktat geendet haben wird, entsprechend dem Recto zu lesen war, mag der Schreiber verzichtet ha- ber., da der Sinnzusammenhang weitgehend gestört warl. fenestra folgenden Abweichungen vom Text der Fami- lien Bund y dadurch zustande gekommen sind, daß noch vier weitere Male die Zeilen der Vorlage _ hier nur an ihrem äußersten Ende - unvollständig waren und unser SChreiber, wie auch schon im vor- angegangenen, nach Gutdünken, allerdings zweimal grob sinnentstellend, den Text gestaltete (2a13 ch,).' ouö': B y -+- )(a~ yiXp, 2a14 c I yiXp E:Vöe:xe:Ta~ a~a ~pe:~~va~: B y -+- e:t ö? a~a~pe:~nva~, 2a15 TC ~poaTe:~?v: B y (korrupt) -+ - TC y~v6μe:vov (Emenda- tion?), 2a16 ev ö,).ov: B y -+ - μe:ye:~o~). Für diese Hypothese spricht der Abstand von 50-55 Buchsta- ben (= etwa eine Zeilen länge der Vorlage) der er- sten Sonderlesung vom letzten Spatium ur.d der Son- derlesungen voneinander. Man ist natürlich zunächst versucht, zwischen Aus- lassungen und Spatien einerseits und endgültigem Abbruch des Textes andererseits einen konkreten direkten Zusammenhang solcher Art zu sehen, daß sich beide Male - zuerst Recto, dann Verso - die- selbe (sich auf sechs Zeilen erstreckende) mecha- - 115 - am ehesten die er- Kodex ausgesetzt. Beschädigungen sind naturgemäß sten und die letzten Folien eines Daher liegt der Gedanke nahe, daß sich Lin. in der Vorlage von i am Ende des Bandes be- Stellung des Traktats in unserem Kodex i zwischen den - wenn gemeinsam überliefert - so gut wie nie getrennten Schriften Phys. und Cael. ohnehin nicht ererbt ist, macht ein Blick auf den bereits erwähnten gemellus von i, Urb.37, wahrscheinlich. Dieser Kodex enthält Phys. und Lin. überhaupt nicht mit Cael. Man darf also wohl vermuten, aus einem zweiten Antigraphon Kopist für die Erweiterung von i die wahrscheinlich überlieferten Trakta- verschollenen fand. Daß die und beginnt daß Phys. und Lin. stammen, das unser zusätzlich zur ersten Vorlage, alle in i und Urb.37 gemeinsam te enthielt, heranzog. Situation in i erlaubt eS, Vorlage Rückschlüsse zu ziehen. Was die Textmerkmale des Antigraphons an- geht, so ist in i im Falle der negativen Abweichun- gen gegenüber den anderen beiden Familien natürlich Die oben beschriebene auf den äußeren Zustand der n~sche Verderbnis ausgewirkt hätte. Wenn dem so ware, entspräche der Text zwischen der ersten Aus- lassung (2a3/4) und der AbbruchsteIle in i (2a24) dem Umfang von genau einer Seite der Vorlage, die dann ziemlich exakt 16 Zeilen gehabt hätte, und zwar die sechs lädierten Zeilen plUS - wie in i - etwa 10 Zeilen für den weiteren noch vorhandenen T:xt. Die Unhaltbarkeit dieser Hypothese erweist s~~h jedoch dadurch, daß eine Breite des Schrift- sp~egels von ca.55 Buchstaben auS buchtechnischen Gr~nden im Regelfall eine Höhe von mindestens 25 (n~cht 16!) Zeilen verlangt. - Abgesehen von die- sem kodikologischen Argument müßte man sich fra- gen, wieso dann unser Kopist beim Verso nicht ge- nauso verfahren wäre wie beim Recto.
- 116 - nicht mehr Ererbtes von Eigenem zu unterscheiden. Wenn man sich allerdings vergegenwärtigt, daß die Auslassung durch Homoioteleuton 8a7-9 ca.ll0 Buch- staben umfaßt und daß die Homoioteleuta, die 9a19 und Oa28 Dittographien verursachten, ca.60 bzw. 110 Buchstaben voneinander entfernt sind, was im Umfang einmal einer und zweimal zwei Textzeilen der Vorla- ge (mit durchschnittlich 55 Buchstaben) recht genau entsprechen würde, wäre es immerhin sehr wohl denk- bar, daß ebendiese Fehler dem Kopisten von i unter- liefen. Der Pergament-Kodex Par.1860 (I) ist durch I die Zusammenarbeit von zwei zeitgenössischen Kopisten entstanden. Die ff.1 -71v und wohl auch 73-170v, 237-243v schrieb wahrscheinlich Palla di Nofri Strozzi (1372-1462)1, der bekannte italie- nische Humanist und Staatsmann; das ergibt ein Duk- tusvergleich mit den nachweislich zum Teil von ihm geschriebenen Parisini 1908, 1909 und 1919.2 Im er- Über seine Person vgl.unten 5.221 mit Anm.2, wo die Literatur über ihn und seine Bibliothek zusam- mengestellt ist; weitere (besonders ältere) Lite- ratur auch bei M.Vogel-V .Gardthausen, S.456, Anm.2 . 2 Inzwischen habe ich im Sommer 1970 den Urb.32, der ein Autographon des Leonardo Bruni (Aretino) (1369-1444) sein soll, flüchtig eingesehen. Die Ähnlichkeit der Hände des Bruni und des Strozzi ist verblüffend. Leider fehlen mir mangels ausrei- chender Schriftproben zur Zeit noch die Kriterien, den Duktus beider Humanisten voneinander und von dem ihres Lehrers Manuel Chrysoloras zu unter- scheiden. Ich werde dem Problem nachgehen. Vorläu- fig muß im folgenden dort, wo von Palla Strozzi die Rede ist, damit gerechnet werden, daß es sich auch um Leonardo Bruni handeln könnte. - 117 sten Testament des Palla Strozzi (1447), in welchem er seine Bücher dem Kloster S.Giustina di Padova Physik-Handschrift "di man di durchaus mit 1 der ehemaligen Ko- vermacht, ist eine Palla" aufgeführt 1; diese könnte identisch sein, zumal sich viele dizes des Benediktinerklosters jetzt in Paris befin- den2. Von der Hand des Palla stammt (aufgrund des Duktus) auch der zweite Teil des weiter unten stu- dierten Par.1851. Der zweite Schreiber des Kodex I steuerte ff.171-236v bei. Er läßt sich wiederum an- hand der Schrift identifizieren, und zwar als der byzantinische Gelehrte und Dogmatiker Manuel Kale- kas (t1410), wie ein Vergleich mit den autographen Marc.156 und Vaticani 1091 und 1092 - die beiden er- steren anno 1401 wie der zweite Teil des Par.1851 (dieser anno 1402) im Ambrosiuskloster zu Mailand geschrieben _ deutlich zeigt3• Kalekas' Interesse für die Philosophie des Aristoteles ist gut bezeugt. So bittet er in einem zwischen 1391 und 1396 in Kon- stantinopel verfaßten Brief einen Freund (Konstan- tin Asanes?). ihm einen Kodex mit den gesamten lo- gischen Schriften des Stagiriten auszuleihen, da er bisher nur einen Teil davon kenne; vor allem an den Vgl. V .Fanelli (vgl.unten 5.221, Anm.2), 5.64. 2 Vgl. M .Vogel_v.Gardthausen, 5.456, Anm.2 . - Der Kodex I gelangte wie sein Antigraphon i über die Sammlung des Kardinals Niccolo Ridolfi in die Bibliotheque Nationale. 3 Ein Specimen aus dem Marc. findet sich als tav.24 bei T.Gasparrini Leporace - E .Mioni (vgl.oben S. 71, Anm.l) und aus dem Vat.l092 bei G.Mercati (vgl.oben 5.110, Anm.2), tav.3; vgl. außerdem Mercati, S.81, zur Zuweisung von Marc. und Vat. 1091 an Manuel Kalekas.
- 118 - Sophistici Elenchi liege ihm sehrl• Sodann enthält der Vat.486 autographe Scholien dieses Gelehrten zur Physik des Aristoteles (ff.115 -117v)2. Der Kodex 1 muß wegen der Beteiligung des Palla Strozzi im Westen angefertigt worden sein. Da sich nun Manuel Kalekas nur zwischen 1401 und ungefähr 1403 in Italien aufhielt3, ist in dieser Zeitspanne die Entstehung von I anzusetzen. Das Manuskript, das, soweit ich sehe, den ersten Beleg für eine per- sönliche Bekanntschaft zwischen dem Griechen und dem Italiener liefert, könnte wie der Par.1851 des Palla und die Kodizes Marc.156 und Vat.1091 des Ka- lekas in Mailand geschrieben worden sein. Seine Vor- lage, die Handschrift i, befand sich also bereits um die Jahrhundertwende in Italien, wer sie dorthin gebracht hatte, läßt sich nicht mehr klären. Viel- leicht war es der hochberühmte Manuel Chrysoloras aus Konstantinopel (1350-1415), Lehrer des Palla Strozzi und Freund des Manuel Kalekas, der sich zu ebender genannten Zeit auch in Mailand~ aufhieltS. Vgl. R .J.Loenertz, Correspondance de Manuel Cale- cas, Citt~ deI Vaticano 1950 (= Studi e Testi 152), S.lll und 181-182 (Brief text); auf den genannten Kodex kommt er auch in mehreren späteren Briefen wieder zu sprechen; vgl. Loenertz, S.lll . 2 Vgl. G .Mercati, 5.87, Codices Vaticani Graeci, 11: Codices 330-603, rec. R .Devreesse, Citt~ deI Vati- cano 1937, 5.299, und R.J.Loenertz, 5.11 . _ Merca- ti, S.91, weist ihm außerdem die ff.143-162 des Physik-Kommentars des Simplikios im Vat.614 zu. 3 Vgl. R .J .Loenertz, 5.39 -43. ~ Vgl. G.Mercati, 5.81, Anm.3 (auf 5.82). 5 Oder war es vielleicht Kalekas selbst, der die Handschrift aus dem Osten mitbrachte, oder wußte sie sich Palla wie viele andere Bücher aus Grie- - 119 - Der Kodex 1 ist, wie bereits angedeutet, aus i abgeschrieben. Lin. stammt von der Hand des Kalekas. Dieser hat seine Ko- pierarbeit äußerst sorgfältig durchge- führt. Nur selten weicht sein Text von dem des Antigraphons ab, und von den vorkommenden Besonderheiten sind zudem sehr viele höchstwahrscheinlich Konjekturen oft ist das Richtige (mit ß und y oder gar Vulgata) getroffen. Ein paar Beispiele: lädierte Vorlage Ii I1 bzw. Korrekturen; gegen die i 8a26 -+ b17 ~lEhpo\) : ß y -+ b26 xaTa -ro üruivt ey -+ 9al/2 i'i ö~ ypaμμn öLaCpE- -+ aLV (-aL!;: ß y) 1 a 4 Tμn~nvaL: ßy b24ör.: sy Oa20 ypaμμn: y om. xa~' {xaaTOV μe:TPOV (recte) x a~' J}v (Konj•?) Tn!; ö~ ypaμμn!; ÖLaLpE- ocs (Konj•) -+ TEμEtV (Konj.?) -+ ön (recte) - + ypaμμn!;: ß (recte) - + /iToμO!; (recte) a26 . aTOltO!; In der vorangegangenen Betrachtung des Kodex i war von Texteingriffen und Varianten einer jüngeren Hand die Rede; sie ist die des Manuel Kalekas. Kale- kas selbst war es auch, der seine eigene Kopie (1) mit ein paar Marginalien und Interlinearien versah, gleichlautend sind. Das Grundtext von 1 die zum Teil mit denen in i Verhältnis von Überarbeitung von i, chendland zu beschaffen? - Auch an Demetrios Ky- dones (etwa 1324-1397/8), den Lehrer des Chryso- loras und des Kalekas der wiederholt in Italien . ' we~lte (zuletzt 1390 bis 1396), könnte man denken. Vgl. auch unten 5.123, Anm.l .
- 120 - und Varianten von 1 zueinander hat im einzelnen fOl- gendes Aussehen: a) Kalekas' Korrekturen am Text vonisindin1 bereits im Grundtext berücksichtigt, z.B.: i Korr. 1 8b21 at ltpiha ~ - + ltpiiiTov ltPWTOV o?iv o?iv oux1 b21 μ~v , -+μ€V. μ€V OI)X OI)H 9a 8 μe:pwv: ß y ] μ~xpwv -+ μe:pwv μe:pwv μnHOI)S e:~ μnHe:~ a26 μnHOI)S a27 ou o\)v lte:1tEpao--+ ou . , , ltEXEpaO- EV ltEltEpaO- OI)H EV μcvw xpovw μcvw Xpovw μcvw Xpovw Ob25 n yap ~t , yap -+ Tl yap e:~ p,corr . b) Von zwei Korrekturen sich im Apographon 1 des Kalekas in i findet keine Spur: i Korr. I -+ T~ Ef, apxns TOO EE; apx!iS 0'" ... -+ Ö~a Tnv ö~a TTlV 9a24 b21 TOO EE; apxns ö~a T~V c) Gleichlautende ltpai 8bll Tnv TlμCOELav2 eIELTl bll äv ELTl μETPOV Varianten in i und I: und in mg.: yp.ltp~S Ta avaLpoOo~ :?~ ~~?~~~~~~?~ (Expunktierung) d) Nur in I vorhandene Varianten: i I: ox!iμa, I in mg.: Owμa 9a19 8a13 Möglicherweise Sollte das von Kalekas in i supra lineam eingefügte o~v ursprünglich nicht Ergän- zung sein, sondern in voreilig falscher Auslegung des Gedankengangs das oux ersetzen. 2 In 1 ist ltp~S allerdings nicht supra lineam, son- dern am Freirand direkt vor Tnv gesetzt. - 121 - Clv asic 1: HVOS eLn Ob3/4 i I: om. TO μ!ixos &va~pe:~noe:Ta~ n μCOTl Toμn tW" &tOμWv 1 in mg.: €V äAAO~S OÖTWS / TO μ!ixoS 8'.1 acpa~- POtTO n μCOTl Toμn tWV aToμwv TlV 1: ltapa Ta,has b14 e) Direkt bei der Abschrift konzipierte und in den Text von 1 eingeschmolzene Abänderungen: hier- her gehört der größte Teil der von i abweichenden Lesungen in 1 (vgl.oben 5.119). Bevor wir die hier zutage tretende Arbeitsweise des Manuel Kalekas analysieren, sei die Herkunft der Varianten und Korrekturen untersucht. Die mei- sten von ihnen sind weder Früchte eigener textkriti- scher Überlegungen des Kalekas noch Entlehnungen aus irgendeiner der erhaltenen griechischen Handschrif- ten _ auch unter den verschollenen ist keine ent- sprechende denkbar. Sie stammen vielmehr großenteils aus der von Robert Grosseteste (um 1175-1253), dem gelehrten Bischof von Lincoln, angefertigten latei- nischen Übersetzung unseres Traktats, und zwar nicht aus der Primärfassung, wie sie im Ambr.lat•E 71 sup. vorliegt, sondern aus der überarbeiteten Redaktion, wie wir sie z.B. in den beiden Drucken der transla- tio aus den Jahren 1482 und 1496 lesenl. Als Rück- übersetzungen aus dem Lateinischen verraten sich nämlich besonders anschaulich vier der Varianten: 8bl1 (c) ist Ö~ltA~aLa (bzw.-av) TnV nμCOELav der Vul- gata lateinisch als duplae ad medietatem wiedergege- ben; prompt wird denn auch die präposition als ltPOS 1 Vgl. zum einzelnen unten 5.362 sqq.
- 122 - im Griechischen ergänzt. Ebenfalls 8bll (c) ist der Text aller Handschriften durch die Weglassung eines a6LaCpETov vor ~v (richtig ergänzt von Martianus Ro- ta, Hayduck und Apelt) so korrumpiert, daß Grosse- teste die Optativ-Partikel ~v vor Ern als Konjunk- tion ~v (= Eav) auffaßte und im Lateinischen si sit übersetzte. Kalekas reagierte mit Et ELn. 9a25/6 (a) wird μäAAOV ••• Owμa μnHou~ (Gen.comp.) aller grie- chischen Handschriften in der translatio richtig mit magis .• . corpus longitudine (Abl.comp.) wiedergege- ben. Kalekas erkannte jedoch den Ablativus compara- tionis nicht als solchen und rückübersetzte ihn ein- fach mit dem Dativ (μnHEL). Ob3/4 (d) wird das avaL- pEßnoETat aller codices graeci - der Sinnzusammen- hang erfordert etwa eine Übersetzung wie "wird sich wieder einstellen" (Apelt), "will be seen a g a I.n " (Hett), "we shall here again find" (Joachim). daher liegt vielleicht eine Korruptel aus aVEuPEßnoETaL vor (Apelt, Joachim) - im Lateinischen sinnwidrig, aber buchstabengetreu mit auferetur übersetzt; au- ferre hinwiederum wurde von Kalekas bei der Ergän- zung der lacuna ex homoeoteleuto in I (und i) natür- lich mit a~aLPErV wiedergegeben: &v a~aLporTol. Auch einige andere Korrekturen und Varianten las- sen ihre Herkunft aus der translatio (Rob.), und zwar der zweiten Redaktion (Rob.II), deutlich erken- nen, da sie sich mit singulären Lesarten dieser la- Das lateinische Futur hielt er offensichtlich für einen Ersatz des griechischen Optativs mit ~V; letzterer wird in den mittelalterlichen lateini- schen Übersetzungen in der Regel mit utique + Fu- tur übersetzt. - 123 - teinischen Version (gegen die Vulgata der griechi- schen Kodizes) decken; z.B .: (a) 8b21 at ~pwTaL 1 primae: Rob. (b) TOO E~ apxi\~ Rob.+TOE~ + - / ~PWTOV 11 primo: Rob. 1 eo quod ex principio: apxn~ 1 id quod ex princi- pio: Rob.Il 9a24 (d) Ob14 ~apa TavTa~ + ~apa Ta~TnV 1 praeter hanct Rob, Es leuchtet nun ein, daß auch viele der übrigen Konjekturen, durch welche Sonderlesungen der Fami- lie a in Übereinstimmung mit den Lesarten der Fami- lien ß und y (zur letzteren gehört auch die transla- tio, wie sich unten zeigen wird) berichtigt worden sind, anhand der Übersetzung des Robert Grosseteste vorgenommen wurden. Die Verbesserungen und Konjektu- ren, die sich handschriftlich nirgends - auch nicht in der translatio _ belegen lassen und somit Kalekas zugeschrieben werden dürfen, stellen das hohe Niveau seiner eigenen textkritischen Leistung unter Beweis (vgl. z .B . oben 5.119: 8b17, b26, 9a1/2, a4, b24, Oa26), auch dort, wo wir - aus welchen Gründen auch immer _ auf seine Vorschläge verzichten können. Kehren wir zur Anfangsfrage, wie man sich das diorthotische Vorgehen des Manuel Kalekas in Vorla- 1 ge und Apographon (i und 1) im einzelnen vorstel- len soll, zurück. Es gibt, wie eS scheint, zwei Mög- Nebeneinander der fast ausschließ- Grosseteste basierenden lichkeiten, das lieh auf der translatio des Übrigens spricht auch die Tatsache, daß Kalekas unbedenklich in seiner Vorlage Korrekturen etc. vornehmen konnte, für die Provenienz des Kodex i aus dem Besitz seines Freundeskreises (vgl.oben 5.118, Anm.5).
- 124 - Korrekturen im Antigraphon i, die in 1 berücksich- tigt sind, einerseits und der Varianten in I, die nur dort und nicht in i begegnen, andererseits zu erklären. Entweder korrigierte Manuel Kalekas in einem ersten Arbeitsgang die Vorlage i anhand eines Kodex der späteren Redaktion der translatio durch, kopierte dann in einem zweiten Arbeitsgang den auf diese Weise gründlich präparierten Kodex i-dabei hätte er sich in den zwei Fällen der Gruppe b) letzt- lich doch für die ursprüngliche Lesart von i ent- schieden, und im Falle der Gruppe c) hätte er schwan- kend jeweils beide Varianten beibehalten - und revi- dierte schließlich in einem dritten Arbeitsgang das neu entstandene Exemplar mit Hilfe des lateinischen Manuskripts noch einmal (Gruppe d), oder aber er hatte sowohl i als auch die translatio aufgeschla- gen vor sich liegen und verglich in einem einzigen und entsprechend mühevolleren Arbeitsgang beide Vor- lagen Stück für Stück miteinander - vor allem an den Stellen, wo es ihm inhaltlich notwendig erschien überarbeitete i und stellte gleichzeitig Zug um Zug die neue Kopie (I) her; bei diesem komplizierteren Verfahren hätte Kalekas dann einige Male vergessen, eine in den eigenen Text als Variante aufgenommene Abweichung der lateinischen Quelle auch in das grie- chische Antigraphon zu übertragen. Wie dem auch sei, die variae lectiones der Gruppe d) in I müssen di- rekt aus der translatio übernommen worden sein. Im Kodex I bricht der Lin.- Text nicht wie in i erst mit 2a24 ab, sondern Manuel Kalekas, darf man vermuten, hat es für besser gehalten, angesichts der klaffenden Lücken der Vorlage 2a8/9, 2a10 und - 125 - 2al1, der trotz der notdürftigen Herstellung eines Zusammenhangs durch den Kopisten von i offenkundigen unmittelbar vorangehenden Passage aperte corruptus" (Apelt) Verstümmelung der (2a3-2a7) und des "locus (2al/2) - i überliefert: o,nμn rv' ~ ypaμμn xaL EnLo,nμn ••• - den Text weiter abzuschreiben und mit lb31 ouv&Xn enden zu lassen. Die Motivierung, die Kalekas in margine da- für gibt (oux ~v nA€OV EV ,w npw,o,o~w), muß also cum grano salis verstanden werden. Der Par.1860 (l) enthält dieselben Aristoteles- Traktate wie sein Antigraphon, der Par.2032 (i). Of - fensichtlich ist nicht nur Lin.l, sondern sind auch sämtliche anderen Schriften in I aus dieser Vorlage geflossen2; im Falle von Cael., An., Parva naturalia und Col. ist dies bereits gesichert3. Allerdings ist " ,. ". &,L EL a,oμO$ o,Lyμn EWL- nicht W.Hirsch, 5.25, glaubt übrigens, wegen der (selbst- ve~ständlichen!) Hinzufügung eines Artikels (lb6 xaL ••• o,Lyμn: i + xaL ~ ••• O,Lyμn) und der Ver- nachlässigung der in i 9a24 (b) vorgenommenen Kor- rektur von ,00 + ,0 in der Handschrift 1 zwischen dieser und dem Kodex i eine verschollene Zwischen- stufe, die ihrerseits von demselben Korrektor wie i überarbeitet worden wäre, ansetzen zu müssen. Es dürfte nach obigen Ausführungen klar geworden sein, ~ or~uf derartige "Abweichungen" (sie sind in l"im ubr~gen ja nicht einmal die einzigen bewußten Ande- rungen!) zurückgehen. _ Überhaupt müßten wir bei grundsätzlicher Anerkennung der stemmatischen Me- thode Hirschs für die Beziehungen so gut wie aller Handschriften zueinander mit Zwischenstufen, die zudem mit Hilfe unbekannter Quellen korrigiert worden wären, rechnen. 2 Es ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, daß i am Anfang von Phys.I Scholien von der Hand des Palla aufweist. der diesen Traktat in 1 schrieb. 3 Vgl. die Rubrik 'Bibliographie' der Beschreibung der Handschrift im 'Aristoteles Graecus'; für Col.
- 126 - zu bemerken, daß Palla Strozzi und Manuel Kalekas die wegen der Stellung von Lin. zwischen Phys. und Cael. und von Col. zwischen Mete. und An. unorthodo- xe Schriftenabfolge in i, die vermutlich auf die Verwendung von mindestens zwei verschiedenen Anti- grapha zurückgeht (vgl.oben S.115), entsprechend der traditionellen Reihenfolge (d.h .: Phys., Cael., Ge- ner.Corr., Mete., An., Parva naturalia, Lin., Co1. abgeändert haben. haben meine eigenen KOllationen zu diesem Resul- tat geführt. - 127 - 2. DIE FAMILIE s Der Stammvater ß und seine Apographa zahl 8a3-5 a7 alO Die Familie ß wird wie auch die Familie ~ nur von zwei der auf uns gekommenen Hand- schriften repräsentiert. Diese beiden Ko- dizes (Vaticani 258 und 266) verbindet Familien eine Viel- Vat.258 (N) und Vat.266 (V) Der Stamm- vater gegenüber den anderen gemeinsamer Merkmale: ß Textabfolge wie bei Bekker und Apelt yap TtPOH:pa TOO ÖAO\) all om. a,hn a14 a18 a19 b2 b7 b8 b12 b13 b14 b19 b23 b26 awμaTO!:; EaT ~ TC aμEpE!:; add. TOO post TOV add. ~V post EVOEXETa~ μETpouμEvaL, Ttaaa~ Etat aUμμETPO~ Ttaaa~ μETpn~naov,a~ UlI' aUTi'\!:; om. aL xat . EV ~ y om.a3 (TE:a) TtOA~ et ponit a3/4 xa~ TO μEY~ xat Ta äVT~XECμEV~ TOUTOL!:; TOTE post a5 ~OA~ OE: y (om.a) TOO ÖAO\) ltPOTEpa awμaT~ . ." EaTLV aμEpE!:; aUμμETPO~, .aa~L Etat μETPOUμEvaL μETPn~naOVTa~ .aaa~ l>lt' aUTOO . xav aTtOTOμnV ÖAW!:; &V Tot!:; a\)V~lTOL!:; . .. aTtOTOμn ÖAOV EV Tot!:; a\)μμlTPO~!:;
s 8b26 9a4 c'ineLpoL OL AOYOL a20 a32/3 E~anTea~aL Tnv oLa- VOLav b8/9 XaTa Tnv EV TOt~ μa~nμaaLv uno~eaLV bl0 add. yap post μEv biO add. Te post ypaμμnv (ut vid.) b12 b13 b14 ~a aXOVTa (ut vid.) EYMACvaL b17 b20 nepL~epi'l: N nepL~ep-: V - 128 - aY MaL y~p OLa E~anTea~aL: a E~anTea~aL TWV aneCpwv Tnv oLavoLav: Y MaT~ Tnv uno~eaLv Tnv EV TOr~ μa~nμaaLv MaT~ ~ aaMovTe~ EMMACveLv: a eYMA Cve LV: c napanenera~aC AEyeTaL äneLpOL OACygL: a äneLpOL OALY : Y a4/5 Tμn~nvaL ouvaTOv Tnv Tμn~~vaL TOV EXLTax- μn äTOμOV TOV EnLTax- ~EvTa ouvaTOv Tnv μn ~ EvTa äTOμOV b23 om. TOLaOTa b25 om. μn b26 om. μäAAOV b27 EM ye b28/9 Ex TWV o'a'v YEV0LT0 b29 ~avepov b32 om. öpo~ Da1 uno Ti'i~ aToμoU a5 napaAaμßavoμevov u.6 alS ' ... TI'\~ aToμOU alto a17 Eypacloev: a e EM Te EM TWV OE YEVOLT'&V ~ avep(lhepov napaßaAAoμevov: a (ähnlich auch y) . " , , ano aTOμOU: a ano TOÜ aToμoU: e Eypa~n: a. Oa20 a21 a22 a24 a25 a30 b4 b7 bll - 129 - ß ypaμμi'\~ XOLer add. 6LaLplaeL~ post x).,eCou~ om. äxaaa - 26 äTOμO~ add. OE post xaaa om. Ti μlan . ... . aVLaa xaL Laa ypaμμaL ••• TO~TOL~ b15 μCa b21 altaan &aTaL ypaμμ!l b25 , y~p ... e:L aTLyμn b26 om. ypaμμn b27/8 lt&pa~ e:!vaL TWV auv- e:xwv b29 OE b30 add. d post &TL la4 add. OE ante OO~ClL a4 ltQaL a6 add. EX TO~T(i)V post oi'\).,ov 0' a6 a6 oU0' &v add. äTOμO~ . oi'i).,ov 0& EX aTLYμwv e:Ln ypaμμn post ypaμμn add. ÖTL ante ao~vaToV . " . ... . ... ;;, n -o r Lyμn ypaμμn ypaμ- n ypaμμn OT LYμ"~ μi'\~ a12 a18 a18 a20 a26 om, &aTL ypaμμaL ltOLe:te:V ay ypaμμn €~ &VaVTCwv: a &~ EvavT': y (ut vid.) ltOLnoe:L exh.: y om. b3-4: a e:t~ Loa xaL äVLoa ypaμμn ••• TO~T(i)V μa).,LoTa ., . altaOn~ e:aTaL Ti yap aTqμn ypaμμ!l~ 1t&pa~ tWV ouve:xouowv te oux Clv: a (om. y)
lb3 b4 b7 b12 b13 b21 b22 b31 2al/2 a5 al0 all a13 a22 a23 - 130 - ß om. C1UVe:XES ex C1nyμl'jsl aHwv e:tyap . , " WC1T e:~ e:x OUÖE TI'j .e:PLepe:pe:i:' C1UVe:XWS e_LC1Tnμns ••• eXL- OTnμns ypaμμa~ a'~ ~oav C1TOLxe:i:'a öe OUÖETe:pa add. eOTL ante C1TLYμnv ay EX C1TLyμliiv aU.nAwv: a, aAAW TLVC :y s WC1Te: n EX OUÖEV lte:p L epe:pe: Ca C1uve:xii EltLC1Tnμn ... EltLC1Tnμn ~ V e:CnC1av: y (spat. a) C1TOLxe:i:'a OUÖ€Te:pa: y (spat. a) öe apxn: a ö'~v n apxn: y al'hns' n Da der Stammvater der Familie a mutile mit 2a24 xa- Ta OUμße:ßnH6s abbricht, unterscheiden wir also für den Rest des Traktats nur noch die Familien ß und y, deren voneinander abweichende Lesarten im folgenden gegenÜbergestellt sind: 2a25 a26 a28 a30 a31 y n öe C1T ~Yμ1l ~ μEV o~v ypaμμiis cC1TaL C1TLYμn μe:Ctwv . '" o aUTos Et eXLltEÖWV EH ypaμμliiv EAaxCC1Tn TWV - 131 - e y 2a33 b3 , e:C1TL (}iv H&XLC1T6v om. CI~ b4 n ÖE C1uμ-lac. - TI'j yp. :Ve:t ÖE C1uμßAnTaV TI'j yp. n öe -lac.- TI'j yp.:N b6/7 Vltapxe:L b7 om.T~S2 bll EVUltapxe: LV EVUltapxe:L C1UμßClAAOμEvns: e: C1uμßaAA6μe:va: Ö b18 C1UAAaßoμlvns b19 OUÖE Tliiv EV b23 b24 b25 b26 b27 b27 C1T LYμnV aUTllv XaTa Ta,hns . , OT L OUJ( ÖUo!v öpos ÖUO!V ÖPOLV TO ÖE om. EC1TL2. NV Schon bei der Beleuchtung der Frage nach der Herkunft des Vat.258 (N) und des Vat. 266 (V) zeichnen sich gewisse Berührungs- punkte ab, durch die die stemmatische Zusammengehö- rigkeit der beiden Kodizes einen konkreten Hinter- grund erhält. Die Entstehungsdaten müssen ziemlich dicht beieinander liegen; aufgrund der Wasserzei- chen sind beide Handschriften im ersten Viertel des 14.Jhs. anzusetzenl• Beide Texzeugen stammen somit Beide Vaticani gehören zu den frühesten griechi- schen Manuskripten mit Wasserzeichen. N: ff.1-8, 159-162, 165-172, 197-228: Name Tinto A (nicht TIN und VO, wie bei p.Franchi deI Cavalieri, in: Codices Vaticani Graeci I: Codices 1-329, rec. Ioannes Mercati et Pius Franchi deI Cavalieri, Rom 1923, 5.339), = Mo~in-Tralji6 6563 (a.1324)ö ff.34-37, 102-125, 134-141. 269-292:Name Gibio ••
- 132 - aus der zweiten Hälfte der Regierungszeit Androni_ kost 11. (1282-1328) und scheinen in das geistig_ kUlturelle Milieu von Männern wie Maximos PlanUdes (um 1255-1305), Nikephoros Chumnos (um 1250-1327), Manuel Phiies (um 1275-1345), Nikephoros Gregoras (1290/1-1359/60) und Theodoros Hyrtakenos (13./14. Jh.) zu gehören; dafür sprechen einige Anzeichen. In dem wohl von drei Schreibern (I: ff.1 -18, 157r oben und vielleicht 18v_68; 11: ff.70-155v oben, v v1 157 unten -158 , 111: ff.159-325) hergestellten Kodex N lesen wir nämlich in MonokondYlien am Schluß des Bandes (f.325v) auf die übliche Subskriptions_ formel (ETELAELW~n TO .apov BLBAL(OV) 6L~ XELPO~ EμOO) folgend den Namen Johannes Bardales2• Dieser (?), Briquet und MO~in-Traljic ohne Beleg; ff.17 bis 33, 38-69, 126-133, 157, 158, 163, 164, 172 bis 196, 229-236, 259, 263-266, 293, 299, 300, 301-325: Name Maso T, Briquet und Mo~in-Tral- jic ohne Beleg (aber Maso P, Briquet 12014 und Mo- ~ in-Traljic 6543, 6544, a.1311); ff.239-242, 295 bis 298: Buchstabengruppe AA NA (?), ähnlich Bri- quet 9391 (= MO~in-Traljic 5684) (a.1312-13)und einige unbestimmbare Buchstabenkombinationen. V: ff.124-240: Kombination von MC,N und Schild mit Kreuz; Schild ähnlich Briquet 840 (= Mo~in-Traljic 494) (a.1311); MC nur entfernt ähnlich Briquet 9570 (= Mosin-Traljic 5747) (a.1299-1301). Der Abgrenzung der Hände, wie sie F.H .Fobes (vgl. oben S.110, Anm.5), S.XXXII, und P.Franchi de' Ca- valieri, S.339, vornehmen, kann ich nicht zustim- men. 2 Chr.A .Brandis, Die aristotelischen Handschriften der Vatikanischen Bibliothek, Sitzungsber.Akad. Wiss.Berlin 1831, 5.64, und F.H .Fobes (vgl.oben S. 110, Anm.5), S.XXXI, entziffern vom Familiennamen nur TOO Bapa •••• und P.Franchi deI Cavalieri , S. 340, liest TOO BapaAE ••• Das 6 ist jedoch durch eine analoge Form im 6L~ derselben Subskription gesichert. - 133 - _ ansonsten ziemlich unbekannt - ist offensichtlich identisch mit einem der Adressaten des Maximos Pla- nudes1. Wahrscheinlich sind aus dem Kreis um diesen Johannes Bardales auch verschiedene andere Aristote- les-Handschriften hervorgegangen, und zwar die Vati- cani 92 (?), 253 (enthält auch Lin., vgl.unten), 1950, Pal.260 und Cant.Add.1732. In allen diesen Ko- dizes begegnet nämlich, wie es scheint, die Hand des ersten Kopisten von N, und Pal. hat außerdem mit N ein Wasserzeichen (Name: Tinto A) gemeinsam. Als Besitzer des Kodex V bezeichnet sich auf einem Vorsatzblatt wiederum in Monokondylien ein Jo- hannes Gabras Meliteniotes 0 €~t TOO xav~xAECOV. Der Titel ("kaiserlicher Tintenfaßbewahrer") gibt ihn als den Innaber eines hohen Staatsamtes, als Präfek- ten der SChreibkanzlei2, zu erkennen. Daher ist es durchaus möglich, daß er der Johannes Meliteniotes (t 3.11 .1332) ist, der als naher Vertrauter von An- dronikos 11. im Jahre 1326 an einer Gesandtschafts- M.Treu, Maximi Monachi Planudis epistulae, Breslau 1890 (NachdrucK Amsterdam 1960), Briefe 10,20,21; vgl. auch Treu, 5.200, wo er außerdem einen Leon B. nachweist; auch ±m Brief 14 an Johannes Phakra- ses wird ein Bardales erwähnt. Desgleichen sind zwei Briefe des Theodoros Hyrtakenos an einen B. gerichtet, und schließlich gibt es von Manuel Phi- les ein für die Textgeschichte des Theophrast in- teressantes (Philes schrieb Gedichte auf die Eigen- schaften von Pflanzenl) Gedicht ~po~ TOV Bap6aA~v ÖTE aVTl~Eμ~EV aVT9 TOV 8E6~paaTov (E.Miller, Ma- nuelis Philae Carmina 11, 1857, 5.150, zitiert nach Treu, 5.200). 2 Nikephoros Chumnos z.B . beschloß seinen cursus ho- norum mit diesem Titel. zur Funktion des 0 E~t TOO xav~xAECOV vgl. I .Sevöenko (vgl.oben 5.110, Anm.l), 5.5/6 (mit weiterer Literatur) und 5.161, Anm.l .
- 134 - reise nach Serbien teiln~hml. Ein Johannes Gabras - vermutlich der unsrige - ist als Verfasser eines AOYos ELS Tnv ErOOoov Tns UWEpayCas OEOKOCVns ~ μ~v ~ EOT6MOU Tnv EtS T& äYLa TWV ayCwv bekannt2, Dieser oder (sein Bruder?) Michael Gabras ist sicher auch in einem Brief des Maximos Planudes an Johannes Phakrases in Thessalonike anno 1299 und als Empfän- ger zweier Briefe des Nikephoros Gregoras gemeint, wo jeweils lediglich der Familienname genannt ist; im Briefcorpus des Nikephoros Chumnos schließlich existiert ein Brief T~ raBp~ xaL T~ aOEA~~ aUTo03, Während sich über das Schicksal des Kodex V in den zwei Jahrhunderten zwischen seiner Entstehung bzw. seiner Zugehörigkeit zur Bibliothek des Johan- nes Gabras Meliteniotes und seiner wenig vor 1510~ erfolgten Eingliederung in die Vaticana nichts Nä- heres in Erfahrung bringen läßt, sind uns im Falle des Kodex N der Vorname und die Nationalität eines ZwIschenbesitzers bezeugt; f.III trägt das EXlibris G.Mercati (vgl.oben S.110, Anm.2}, 5.188. Zu dem Problem der Identifizierung Mercati, 5.188, Anm.l: "Se questo Giovanni possa essere il Giovanni 0 ra.pas ecc. dei Vat.gr.266 ••. , non so." _ Zum Cognomen MEALTEVLWTns vgl. Mercati, 5.185, Anm.3 . 2 M.Treu, S.203. Zum Familiennamen Gabras vgl. K . Krumbacher, S.482. Auch einen Kopisten namens Jo- hannes Gabras kennt man; vgl. A .Turyn, The Byzan- tine Manuscript Tradition of the Tragedies of Eu- ripides, Urbano 1957 (= Illinois Studies in Lan- guage and Literature 43), S.125, auch Anm.168. 3 Zu all diesen Erwähnungen von Männern namens Gabras vgl. M .Treu, S.203. ~ Er taucht jedenfalls erst unter Julius 11. im In- ventarium VOn 1510 auf, vgl. R .Devreesse (vgl.oben 5.63, Anm.l), S.167. - 135 - fort.saec .XIV", deI Cavalieri): ste liber est Man ist natürlich geneigt, an einen denken, der unter die- Nach diesem (ttmanu demetri greci. der bedeutenderen Griechen zu sem Vornamen in Italien gut bekannt war. Gesichtspunkt kommt am ehesten einer der bekannten Männer wie D.Kydones (um 1324-1397/8; reiste mehr- mals nach Italien), D.Skaranos (hielt sich seit 1404 im Westen auf; t 1426)1 oder D.Chalkondyles (seit 1449 in Italien; t 1511)2 in Frage. Obwohl die Iden- tifizierung unseres Kodex N mit Nr.296 des Vatikani- des Platina vom Jahre 14753 eini- bereitet, steht es außer Zweifel, bereits vor 1457 in Rom befand, da Johannes Rhosos ihn für Mete. im Marc.200 (Q) (vollendet 15.7 .1457) als Vorlage verwendete~. Das gen aue stemmatische Verhältnis von N und V zueinander ist durch das Studium der Kol- lationen schnell bestimmt. Beide Textzeugen sihd unabhängig voneinander aus derselben Vorlage, dem Stammvater der Familie ß, kopiert wordenS, da auf beiden Seiten eine nicht geringe Zahl von Son- schen Inventariums ge Schwierigkeiten daß sich der Kodex s (\V Über ihn vgl. R . _ J,Loenertz (vgl.oben S.118, Anm. 1), S.86 -89 (mit sämtlicher Literatur). 2 Zu ihm vgl.unten 5.224/225. 3 Vgl. R .Devreesse (vgl.oben 5.63, Anm.l), 5.57. 4 Von Rhosos'Hand rühren auch Marginalien und ff.155v unten -156 in N selbst (= Ergänzung des mutilier- ten Schlusses von Mete.) . VgI.zum Verhältnis N-Q auch unten S.189. 5 Es sei dazu vermerkt, daß laut p.Siwek (vgl.oben 5.93, Anm.2), S.81, beide Handschriften auch für die biologischen Traktate der Parva naturalia stem- matisch eng verwandt sind und daß sie nach meinen Beobachtungen außer für Lin. auch für Col. auf ein und dieselbe Vorlage zurückgehen.
- 136 - derfehlern zu verzeichnen ist, wie z.B.: ß(=V+ay) N 8a14 b25 cl). >. • 9a1 ~ a8 6• EaT~ Oa32 o\hws; lb27 μEV b31 .. Tl ß(=N+ay) v 8a8 9a3 b20 Ob19 lb8 2a20 a'u:CpWV μETa~11 aT~yμwv EipC~E~ TOltOV EV Ti) aipaLpou- μCVTl ypaμμi) Ti) ypaμμi) om. xa~ .. .\ om. altaaa av μETa~11 altECpwv ypaμμwv TOllOV EipC~EL €:v Ti'\ ö>'Tl ypaμμi) Ti) aipaLpOUμCVTl Tar~ ypaμμar~ bll Es gibt in N und V nicht wenige Fehler, deren Ur- sache unverkennbar in einer falschen Auflösung von Kompendien der gemeinsamen Vorlage, des Stammvaters ß, zu suchen ist. Dreimal (9a32, Ob12, lb3) lesen wir statt des genuinen äpa (a y) in N eaTaL, V schreibt dafür an den beiden ersten Stellen yap' und an der dritten Stelle das Zeichen~ • Auch ohne die- ses Zeichen - es ist freilich eine willkommene zu- sätzliche Bestätigung - beweist dieser in ß jedesmal der nach rechts geneigte gebräuchliche Abkürzung für äpa gestanden haben Befund, daß Anker ~ als - 137 - mußl, was von den beiden Kopisten nicht mehr verstan- den wurde. Geradezu klassisch in der griechischen Pa- läographie ist die Variante ltap« - 1tEpt2• Sie beruht auf einer Verwechslung der sich ähnelnden Kompendien E ..,J ~ !>3 • It = ltEP~. lt oder lt = ltap~ • Wenn also N a m ganzen 7mal ltEpt statt des richtigen ltap«, das uns V über- liefert, bietet (Oa5,a7,a8,a26, 2b7,b12,b15), so be- weist das, daß im Antigraphon ß das besagte Kompen- dium vorgelegen haben muß. Auch für den Sonderfehler Erva~ + yap (9a25) in N wird man als plausibelste Motivierung eine falsche Deutung der Minuskelabkür- zung für E{va~ annehmen dürfen4• - Ob sich auch hin- ter den Lesarten KEipaAaCwv: N und μovwv: V (9b21), die an die Stelle des wahrscheinlich richtigen KVK- AWV (a y) getreten sind, eine verschieden und je- weils falsch interpretierte Kürzung in der Vorlage verbirgt? Existieren doch Abkürzungen wie ~E= KEipa- \ \J.( 0 , 0 - 5 d' st Aa~ov. ~ = KvKAO~. μ = μova~, ~ = μOVTl~ , un ~ Vgl. zu dieser Abkürzung O.Lehmann, Die tachygra- phischen Abkürzungen der griechischen Handschrif- ten, Leipzig 1880 (Nachdruck Hildesheim 1965), § 49, 5.89 -91, und Tafel 9, sowie G.F .Cereteli, 50- kra§~enija v gre~eskich rukopisjach preimu~~est- venno podatirovannym rukopisjam S. _ Peterburga i Moskvy, St.Petersburg 1904 (Nachdruck Hildesheim 1969), 5.112 -116, und Tabl.IX . 2 In der Lin. - Überlieferung häufig belegt, vgl.auch M.Sicherl, 5.171-172 mit Hinweis auf weitere Li- teratur. 3 Vgl. O .Lehmann, § 49, 5.90 -91. 4 Vgl. zu den Kompendien V.Gardthausen II, 5.336; O.Lehmann, § 50, 5.91-94, § 57, 5.105-106, sowie besonders die Tafeln 9 und 10, und G.F .Cereteli, S.20-24, 35-37, sowie besonders Tabl.II und IV. 5 Vgl. V .Gardthausen, II, S.347-348.
- 138 - doch die Verwechslung Von Hund μ in der Minuskel keine Seltenheit. An einer Stelle war der Stammvater entweder me- chanisch besChädigt oder nicht entzifferbar, da 2b4 in N ein Spatium für das ganze Wort aUUßAnTov und in V für BAnTov freigelassen worden ist. Im ganzen scheint sich V etwas besser bei der Entzifferung von B zurechtgefunden zu haben als N, da ersterer Kodex bei drei weiteren fenestrae Von N, nämlich 1a29 om. ev, 2a18 om.-ov TE und 2a27 av~ μ{aov ~ av~ x ••• , den authentischen Text überliefert. In beiden Manuskripten trifft man auf Spuren textkrit~scher Eingriffe. In N hat z.B. eine zweite Hand des 14./15.Jhs. Oa12 die ausgezeichnete Emenda- TPOU tion Apelts um 500 Jahre vorweggenommen: 6~~ μeaou , und in einem Randscholion zu 9b32 eine Definition der EU~E!Q hinterlassen. Im KOdex V sind derartige meist nach Rasur vorgenommene Korrekturen, die wahr- scheinlich sowohl Vom Kopisten als auch von einem nahezu zeitgenössischen Leser stammenl, zahlreicher. Sie übertreffen alles in den Vergleichbaren Lin.- Ko- dizes Gebotene um ein beträchtliches und können sich durchaus neben der textkritischen Leistung der mo- dernen Gelehrten, die sich mit der Schrift befaßt haben, behauPten. Als Beispiele seien genannt: N,V a.corr. 8b21 V p.corr. ltpiiiTov (recte)2 Die beiden Hände laSsen sich nicht überall unter- scheiden. 2 So auch von Kalekas in i verbessert. Bessarion b . Ga " H . Ver esserte ~n zu n ltPWTQL, woraus enr~cus - 139 - 9a27 N,V a.corr. ou a~v 1tE~EPQaμEVW bl1 EH XOL\lOV μETPOV b13 qJaaxOVTQ b19 OL~ OE Tii~ EU~ECQ~ ... xCvnaLv b26 01'1 . μäAAOV 2al/2 V p.corr. ~ ltEltEpaaμEVW (r-ecte)! ~ EV TL HOL\lOV μ{TpOV (recte): a y ~ ipaa)(OVTE~ TA' OLa Ti'I~ xCvnaLv2, ~ d)~ECa~ ••• in mg.oL~ OE T"\I (recte) add.s .lin. μäAAOV (recte): a y aTLYμ"\I ypaμμii~ Lva ~ ypaμμ"v aTLyμii~ ~ Stephanus n ltPWTOV machte, was alle späteren Edi- tionen beibehielten. Vorwegnahme der Emendation Apelts. Apelt Konjiziert. Hervorragende 2 So auch wiederum von
- 140 - 3. DIE FAMILIE Y Der Stammvater Y und seine Apographa 6 und E Der gemeinsame Vorfahr dieser Familie, der Stammvater y, ist nicht erhalten, er läßt sich aber weitgehend rekonstru- ieren. Seine Deszendenz ist wesentlich größer als die der beiden anderen Stamm- väter: allein 14 Kodizes dieser Familie sind auf Der Stamm- vater uns gekommen, und mindestens S deperditi haben deut- liche Spuren hinterlassen. Spezifische Merkmale des Stammvaters X sind nur diejenigen Lesarten, die nicht bei den zwei anderen Stammvätern oder auch nur einem von ihnen, wohl aber bei jedem Vertreter der Familie Xl wiederkehren. Folgende Lesungen erfüllen diese beiden Voraussetzungen: Y aß Sb13/4 Et aμEpwv et aμe:TPwv EXE~V 9a9 EXOV a24 add. μäAAOV2 post oaw E~aKTEa~a~ TWV anEC- pwv TllV ö~avo~av wS Ti'! E~' E' nEp~ veL It En~ μe:anv a32 e~anTEa~a~: a. e ~aKTEa- ~a~ T ~V 6~avo~av: ß waTE (waT': ß) E~' napa Ex ~ μe:aov et EvaVTCWV: a et E:VaVTCa~: ß b25 Oa7 alO a21 , , T' Et Evav (ut vid.) Mit der Einschränkung, daß durchaus hier und da einmal eine solche Lesart bewußt oder unbewußt verändert Worden sein kann. Ob3 b14 b26 la4 a6 a12 b7 - 141 - y aß om. EX ante KEP~TTWV TaOTa EaTa~ anyμi'\ TClIJTas EaTa~ o r qμTi Itaaa~~: a, ltaa~: ß om. EX TOUTWV: Cl exh.: ß , om, EX TO\JTWV OTL ouö' t1.v TOOTO (vel TOUTOU) , xa~ xa~ b 8 om. TOltOV om. biO 2al0 all a14 a22 a22 ,. . av E~naClV aTo~XE!a Ouöe:TEpa ~V ~a av: ß (spat. a) aToLXE!a ö~ OuöETEpa:ß (spat. a) ~ avEpw~i'\VClL Ö' ~v n apxn a~ClLpE~i'ivaL ÖE: apxn: a Ö' ~v apxn: ß EL Xpaμμi'\s Evöe:XETaL:a xat EL ypaμμi'i~ Ev6e:XOL- TO: ß Die weiteren Lesarten der Familie X sind bereits oben 5.130/131 in der rechten Spalte gesammelt. wor- auf hier verwiesen sei. Der Stammvater X ist zweimal abgeschrieben worden. Wie er so sind auch diese Kopien (ö und E) nicht erhalten geblieben. Diese Spaltung der Überlieferung innerhalb der Familie y in zwei voneinander unabhängige Arme dokumentiert sich in mehreren Trennfehlern auf beiden Seiten. Die authentische Lesart des Stammvaters y ergibt sich eines der beiden Über- ÖE dabei stets durch consensus lieferungsarme mitaundß.
- 142 _ Von den beim Kopieren des Kodex ö Von VI und des Kodex E Von V entstandenen Sonderlesungen seien nachstehend ein paar herausgegriffen. Da sich der Text von Ö nicht ohne die lateinische Übersetzung des Robert Grosseteste wiedergewinnen läßt2, sind Klammern beigefügt. auch die iateinischen Beiege in y (=E+aß) 8b23 TOltO,,3 .. .. 9a4 .... a31/2e] . apa TL~ .. .. 2a3 Tμn~naETaL .. .. a5 vpaμμa eaTaL .. .. (vpaμμa~: ß) ö T6lto~ (locus)3 add. Ma~ (et) post altELpOL EL ~pa TLS (si utrum quis) Tμn~naovTaL (dividen- tur) vpaμμf'i eaTaL (in line a eri t) Man müßte vorsichtiger von den "auf dem Überliefe- rungswege zwischen V und Ö" entstandenen Abwei- chungen sprechen, um auch eventuell verlorengegan_ genen Zwischengliedern Rechnung zu tragen. Direk- te Abhängigkeit ist in jeder Filiation nur dann mit Sicherheit zu konstatieren, wenn sich zu den stemmatischen Erkenntnissen auch Beweise aus dem kUlturgeschichtlichen Bereich hinzugesellen. Ob- wohl dieser konkrete Nachweis in der vorliegenden Untersuchung nicht immer erbracht werden kann, verzichte ich nach dem Grundsatz "non sunt entia multiPlicanda praeter necessitatem" meist auf die ausdrückliche Einräumung Von ZWischenstufen. 2 Zu den näheren Einzelheiten vgl.unten 5.153-157. Der translatio des Grosseteste ist außerdem ein eigenes Kapitel gewidmet (unten S.361-367). 3 Zwar Schreibt a auch TOltOS, doch ist nur der Ak- kusativ richtig. Also liegt bei a und ö Koinzi- denz eines Fehlers vor, der sich psychologisch sehr leicht durch den Ausgang -o ~ in nächster Nachbarschaft und die räumliche Entfernung des Verbs erklären läßt: TaltOV MaC μ€VE~OS ••• A€VOμEV. - 143 - V (=E+aß) ö 2a9 EC ~" npwTw" Evunap- .... XOVTWV EC ~" ltPWTOV EVUltap- XOVTWV (ex his quae primum insunt) ÖELVTI &pxn (aptum principium) a22 y (=ö+aß) 8a9 9a15 TCS bll/2 eTL MOLVOV μlTPOV om• TC MOLVOV μCTPOV eTL om. n\ μlVE LV add. näaaL post auμ- μETPOL b30 Oa3 la16 a19 . . . ... EaTL TL EM add. . ante n .. .. wanEp apxn .... ltPWTjV .. .. om • oliv a31 npOTEPOV b5 2bll TL EX TOUTWV EvöEXETaL yap EVÖEXETaL Ö€ Vergleicht man die Varianten von Ö und E in ihrer Gesamtheit, so zeigt sich, daß in ö - die Zahl der Sonderlesungen ist hier nur halb so groß wie in E - offensichtlich nur die hinlänglich bekannten unbe- absichtigten Fehler, wie kleine omissiones von Arti- kel, Partikel und Endbqchstaben, syntaktische Assi- milation an den unmittelbaren Kontext, aussprache- bedingte Abänderungen, Verwechslung der Akzente und Transposition, begegnen, während in & darüber hin- aus anscheinend bewußt Veränderungen vorgenommen wurden. Bei Vertauschungen von Wörtern in & scheint mitunter das Einfache dem Komplizierten vorgezogen b23
- 144 - worden zu sein,und die kleinen, allerdings überflüs_ sigen und zweimal sogar verschlimmbessernden (la16, la19) Ergänzungen zum Grundtext der Vorlage sollten offensichtlich zur besseren Verständlichkeit des Wortlautes beitragen. Wenn schließlich 2al und 2al/2 zweimal die itazistische Korruptel i.LOTnμn(s) der gesamten von E unabhängigen Überlieferung zu i~~ OTLYμn(s) verbessert wurde. womit eine annähernde Heilung der Stelle gelang, bestätigt sich die Ver- mutung, daß die Schrift Lin. in E einen ganz leich- ten Einfluß einer konjizierenden Hand aufweist. Ob- schon diese Eingriffe vielleicht auch vom Schreiber currente calamo vorgenommen worden sein können, ist doch eine Ausbesserung durch denselben nach der Nie- derschrift oder durch einen Besitzer oder einen son- stigen Leser am wahrscheinlichsten. Die getrennt voneinander aus E geflossenen Hand- schriften n und ~l zeigen zweimal übereinstimmend eine fenestra mit Textverlust: Sb26 om. ypaμμaC ELOL und Oal1 om. TETpaywvov. Demnach war E entweder zu der Zeit. als n und ~ entstanden, an diesen Stellen mechanisch beschädigt (etwa durch einen Fleck oder ein Loch), oder aber die Fenster befanden sich be- reits von Anfang an so in E. Träfe letzteres zu, dann wäre entweder die Beschädigung schon im Stamm- vater y erfolgt. allerdings erst nachdem ö abge- schrieben worden war, da sich die Lücken dort nicht finden, womit zugleich die Priorität von ö vor E ge- sichert wäre; oder es existierte zwischen y und E noch eine ZWischenstufe, die nun ihrerseits beschä- Von ihnen wird weiter unten ausführlicher die Re- de sein. - 145 - digt OQer vielleicht auch nur unleserlich gewesen wäre. - Mechanische Beschädigung scheint aber nicht die einzige denkbare Ursache für die fenestrae - zu- von Oall - zu sein. Wenn man berücksich- mathematischer Terminus (TETpa- ywvov) ausgelassen wird. dann fällt das Vorhanden- sein einer anderen Variante in E um so mehr auf: 9b19 können wir statt des in a und ß einheitlich überlieferten und unstreitig authentischen EtS TO nμLxuxALOV xCvnOLv für das eine Apographon von E auf EtS TO nμL6ALOV xCvnOLV (n) und für das andere Apographon auf EtS TO nμLO spat. xCvnOLV (~) schlie- ßen. Verbirgt sich dahinter vielleicht die auch sonst nicht ungebräuchliche mathematische Abkürzung o für xUXA(os)l. die wohl als Omikron mißverstan- den wurde, so daß man einerseits mit dem Wort nichts mehr anzufangen wußte (~) und andererseits daraus ein neues griechisches Wort konjizierte (n)? Ebenso konnte vielleicht auch die dem Kopisten nicht mehr geläufige Abkürzung CJ für TETpaywvOv2 der Grund für die Aussparung dieses Wortes gewesen sein. Nach der Situation in n und ~ zu urteilen, wären dann die beiden Lücken wohl auch schon in E vorhanden ge- wesen, so daß sich die mathematischen Zeichen im Stammvater y3 oder in der möglichen Zwischenhand- mindest die tigt, daß hier ein Sie findet sich z.B . auch in dem Aristoteles-Ma- nuskript Marc.201 (a.954) (G.Wattenbach und A.von Velsen, Exempla codicum graecorum litteris minus- culis scriptorum, Heidelberg 1878, Tafel 5, Zeile 2 der Scholien am oberen Rand), vgl. O .Lehmann (vgl.oben 5.137, Anm.l), 5.107. 2 Vgl. O .Lehmann, 5.106. 3 Dann wären sie in ö im Gegensatz zu E richtig ver- standen und aufgelöst worden.
- 146 - weis schrift zwischen y und E (oder auch in beiden) gefunden hätten. Ob mechanischer Verlust oder mathematische Abkürzung (oder beides wegen Sb26), ob Zwischen_ handschrift oder nicht, für keine der Möglichkeiten kann ein entscheidender Be- geliefert werden. y 6~ E a) 6 und seine Deszendenz Während zum Zweig E der Familie y insgesamt 13 erhaltene Handschriften gehören, lassen sich auf 6 Dur zwei Zeugen der Überlieferung zurückführen. Die- ses sind der Laur.S7,21 und die lateinische Überset- zung unserer Schrift durch RObert Grosseteste. Letz- tere zeichnet sich - wie bekanntlich die mittelal- terlichen griechisch-lateinischen Übersetzungen über- haupt - durch ihre extrem enge Anpassung an den grie- chischen Text aus, so daß es nicht sChwerfällt, die griechische Originalvorlage Wort für Wort zu rekon- struieren. Der Laur.S7,21 ist eine der interessantesten und ungewöhnlichsten Handschriften überhaupt. Er ist ein codex bis rescriptus; ein noch nicht identifizier_ ter griechischer Unzialtext wurde im 11. oder 12.Jh . Homers Ilias, diese wiederum den Parva naturalia und der Schrift Lin. geopfert. So lassen sich z.B . vom "mittleren" Text die ff.27rv/30rv als Ilias I, vv. 91-146 entziffern. Die 64 FOlien unseres KOdex - 147 - (= 32 Folien des Homer-Kodex1) umfassen also den kleineren Teil des ehemaligen Homer-Manuskripts. Der Laurentianus ist nicht das einzige Aristote- les-Palimpsest. Außer dem bereits oben 5.47 erwähn- ten alten Fragment aus Damaskus mit einem Stück aus Int. (über Unziale mit Sapientia Salomonis) sind z. B. noch Laur.72,3 (Organon über Johannes Chrysosto- mos), Laur.72,14 (Ammonios und Cat. über Christlich- Religiösem?), Magl.II X 59 (Vit. 10), ff.1 -40 (15. Jh., Rhet. über lateinischem Text), Mon.289 (15.Jh., Virt. über italienischen Terzinen), Vat.1855 (Johan- nes Philoponos und Part.An. über lateinischem Text) und die offensichtlich von ein und demselben Kopi- sten herrührenden Vat.316 (unterer Text: vorwiegend Philon) und Marc.265 (unterer Text: Gregor von Na- zianz) mit nahezu identischem Inhalt (Johannes Ita- los und Mu.), außer Magl. und Mon. alle aus dem 13. oder 14.Jh ., zu nennen2. Während in diesen Manu- skripten die Aristoteles-Texte stets die jüngeren waren, befindet sich in Athen (Nationalbibliothek. Palimpsest 55) eine ursprünglich aristotelische Handschrift - auf jeden Fall enthielt sie Ammonios' Kommentar zur Isagoge des Porphyrios und zu den Ka- tegorien, sodann Photios, nEp~ TW~ oμw~uμw~, viel- leicht aber auch das Organon selbst oder Teile da- von - , die jetzt EuayycXLa TOO E~LauTOO ent- Vgl. zum Näheren die Beschreibung der Handschrift im 'Aristoteles GraecuS'. 2 Außerdem enthält der Vat.1298 npalimpsestblätter, auf denen Fragmente der aristotelischen Politik stehen" (A.Dreizehnter, Untersuchungen zur Text- geschichte der aristotelischen Politik, Leiden 1962 (= Philosophia antiqua 10), 5.5).
- 148 - hält]. Was die Provenienz dieser Palimpseste be- trifft, bin ich aufgrund verschiedener paläographi_ scher Indizien ziemlich sicher, daß die Aristoteles_ Texte der beiden Laurentiani sowie des Vat.316 und des Marc. in Magna Graecia geschrieben worden sind. Ist es mehr als bloßer Zufall, daß sich auch für unseren codex rescriptus die süditali~nische Her- kunft nachweisen läßt?2 Der Laur.87.21, den jeder W.Reich, Über die Palimpseste der Universitäts_ und Nationalbibliothek in Athen, in: Festgruß an H.Heerwagen, Erlangen 1882, S.91-101. 2 Es fällt auf, daß sich unter den über 40 Aristo- teles-Handschriften sÜditalienischer Provenienz (vgl.oben S.60, Anm.l) fünf Palimpseste befinden bzw. daß fünf von acht bzw. neun Aristoteles-Pa_ limpsesten in Magna Graecia entstanden sind. Be- merkenswert zahlreich sind auch die Palimpseste unter den sÜditalienischen Handschriften, die bei R.Devreesse, Les manuscrits grecs de l'Italie me- ridionale (Histoire, classement, paleographie), Citta deI Vaticano 1955 (= Studi e Testi 183), und bei A.Turyn (vgl.oben S.110, Anm.3) behandelt wer- den. "Plusieurs des mss grecs SOus-jacents sont italo-grecs" (P.Canart, Catalogue des manuscrits grecs de l'Archivio di San Pietro, Citta deI Vati- cano 1966 (= Studi e Testi 246), S.67). Das im Grunde wirtschaftsgeschichtliche Problem, ob und gegebenenfalls wann wir gerade in SÜditalien mit einer generellen Knappheit an Pergament zu rech- nen haben, ließe sich wohl erst in einer aus ver- schiedenen anderen Gründen nützlichen umfassenden Studie über (griechische) Palimpseste einer Lö- sung näherbringen. - "L'Italie manquait Ie parche- min. C'est un fait indiscutable. De la, l'emploi de peaux de mauvaise qualite, mal preparees; de la aussi, l'emploi frequent de feuillets pris a des manuscrits plus anciens". (M. - L .Concasty, Ma- nuscrits grecs de l'Italie meridionale conserves a Paris, in: Atti dello VIII Congresso Intern.di Studi Bizantini, I, Rom 1953 (= Studi Bizantini e Neoellenici 7, 1953), S.22 -34, dort S.34). - 149 - Kenner der griechischen Paläographie in die erste Hälfte des 14 •• wenn nicht gar ins 13.Jh . datieren nämlich nicht nur charakteristische griechischen Duktus der süditalieni- schen Kopierzentren, wie sie in den entsprechenden Faksimiles der Arbeiten von M. - L .Concasty, R.Devre- esse und A.Turyn2 deutlich zutage treten. Er ent- hält darüber hinaus am Ende des Bandes den Anfang des 1.Syntagmas der Abhandlung Tria syntagmata des Nikolaos (Klostername Nektarios), Abt des 1099 ge- gründeten Klosters Hagios Nikolaos von Casole bei Otranto in der Zeit 1219-1235, woraus man mit Recht auf die Herkunft unserer Handschrift aus ebendie sem Kloster geschlossen hat3 wird 1, ze igt Merkmale des Wenn man also weiß, daß die Handschrift im Scrip- torium des Klosters, dem Kultur- und Kopierzentrum von Apulien, angefertigt worden ist, stellt sich so- dann die Frage nach ihrer Vorlage. Diese oder auch deren Antigraphon ist natürlich aus dem griechischen Osten im~ortiert worden; wann und von wem, darüber ließen sich verschiedene Hypothesen aufstellen. Man könnte zunächst direkt an den genannten Nikolaos- Nektarios denken. Er unternahm als päpstlicher Di- Jahrzehnten des 13.Jhs. ausge- Thessalonike und Athen plomat in den ersten dehnte Reisen, die ihn über Er gilt bisher allgemein als Kodex des 15.Jhs. - Der Duktus ähnelt sehr dem des rescriptus Laur.5, 10 vom Anfang des 14.Jhs. 2 VgI.oben S.148. Anm.2. 3 A.e O.Parlangeli, II monastero di San Nicola di Casole cent ro di cultura Bizantina in terra d' Otranto, in: Bolletino della Badia Greca di Grot- taferrata, N.S .5, 1951, 5.30 -45, dort 5.42.
- 150 - nach Konstantinopel fÜhrten1, und "sumptui minime parcens quos per universam Graeciam invenire potuit librorum omnis generis bibliothecam ••. congessittt2• Aber auch schon einer der früheren Äbte des Klosters, Nikolaos (1153-1174), hatte eine reichhaltige Biblio- thek angelegt3• Unter den damals Von einigen Filial- klöstern der Umgebung zur Anfertigung von Apographa entliehenen Manuskripten befand sich z.B . auch ein Aristoteles-Kodex mit SE4. Außerhalb des Nikolaos- Klosters von Casole kämen schließlich mehrere biblio- phile und an der griechischen Literatur, insbesonde- re der Philosophie, interessierte Persönlichkeiten SÜditaliens als mögliche Erwerber und Besitzer der gesuchten Vorlage in Frage, namentlich z.B . die schon im Kapitel 11 erwähnten Scolario-Saba und Hen- ricus Aristippus aus dem 11. - 1 2 .Jh . _ Nach Florenz Vgl. R .Devreesse (vgl.oben 5.148, Anm.2), S.45; J.M .Hoeck und R. J .Loenertz, Nikolaos-Nektarios von Otranto, Abt von Casole, Ettal 1965, S.30 -67 (4.Kap.: Reisen), und N.G.Wilson, The Libraries of the Byzantine World, in: Greek, Roman and By- zantine Studies 8, 1967, S.53-80, dort 5.74 . 2 Antonio Galateo von Lecce (um 1500), De situ Iapy- giae, Basel 1558, p.45, zitiert nach N.G .Wilson, 5.73, der den ganzen sich auf das hier interes- sierende Kloster beziehenden Abschnitt herausge- schrieben hat. 3 Handbuch der Bibliothekswissenschaft, begründet von F.Milkau. 2 .Aufl.hrsg.von G.Leyh, 111: Ge- schichte der Bibliotheken, Wiesbaden 21955, 5.172 (in Kap.3: Der byzantinische Kulturkreis von V. Burr ). 4 H.Omont, Le typicon de Saint-Nicolas di Casole pres d'Otrante, in: Revue des Etudes Grecques 3, 1890, 5.381-391, dort S.390 (5.389 -391: La biblio- theque de Saint-Nicolas di Casole)j vgl. Handbuch der Bibliothekswiss., S.173, und N.G.Wilson, 5.75. - 151 - gelangte unser Palimpsest vermutlich durch Janos Laskaris (t1535), einen der berühmten griechischen hatte im Auftrag von Lorenzo deI Emigranten. Dieser Medici den griechischen Osten zur Erwerbung von Handschriften bereist und war 1491/92 wahrscheinlich im Anschluß an eine solche Reise auch nach Südita- lien gekommen, wo er sich in Kalabrien und - in un- serem Zusammenhang besonders wichtig - in der Pro- vinz von Otranto nachweislich aufhieltl• Im Laur.87,21 (Za) ist die Textverderbtheit trotz des relativ hohen Alters des Kodex im Vergleich mit allen anderen Handschriften fast hoffnungslos fort- geschritten. Es wimmelt von Fehlern und TextentsteI- lungen, und zwar nicht nur in der Schrift über die Atomlinien: "Nous y rencontrons a chaque pas une teile abondance de le~ons particulieres que l'esprit en devient encombre", schreibt p.Siwek2 im Hinblick naturalia; allein für den Traktat denen sich in kei- der anderen Manuskripte eine Spur findet. Ob je- Textzustand nur dem Kopisten von Za und seiner höchst unvollkommenen Kenntnis zur Last gelegt werden muß, dahingestellt. Wir kennen die direk~e Vorlage des Kopisten nicht - weder für die Parva naturalia noch für Lin. - nur, daß Za vermutlich den Endpunkt auf die Parva Sens. zählt er 300 Lesarten, von nem doch dieser fehlerhafte der griechischen Sprache wie P.Siwek meint3, bleibt , sondern wissen einer Entwick- B.Knös, Un ambassadeur d'Hell~nisme - Janus Laska- ris _ et la tradition gr~co -byzan~ine dans l'huma- nisme fran~ais, Uppsala 1945, bes. 5 .40-41. 2 P.Siwek (vgl.oben 5.93, Anm.2), S.125 . 3 P.Siwek, S.126.
- 152 - lung im unteritalienischen Raum darstellt, in der wir möglicherweise mit anderen verschollenen Zwi- schengliedern in der Texttradierung zu rechnen ha- ben. Der Duktus von Za läßt jedenfalls auf eine ge- wisse Vertrautheit des Schreibers mit der griechi- schen Sprache und Schrift schließen. Der Text weist eine grOße Zahl von Ligaturen. Kompendien und Sus- pensionen auf und wirkt einigermaßen flüssig ge- schriebenl• Aus der langen Liste der Abweichungen jeglicher Art des Laurentianus von 62 sei hier we- nigstens hingewiesen auf die drei längeren omissio- nes, zwei davon ex homoeoteleuto: 9a11-13 om. xa~ &.&CpOU~ - EX&~, la7/8 om. &vayxn - oTLyμnV und 2b4/5 om. EL 6~ - Ehax~oTov, und auch eine gewisse Neigung zur Vertauschung der beiden am häufigsten vorkommenden SUbstantive ypaμμn und oTLyμn gegen Schluß des Traktats: 2a7 oTLyμn + ypaμμn, 2a13/4 &.~ ypaμμ~~ + ex OT~Yμ~~, 2a27 ex OT~YμWV + EX OTLY , OT~Yuh • ypaμμ"" 2b3 OTLYμn + ypaμμ~ und auch schon la18 n , • OT~yμn 3 ypaμμn OTLYμ~, + n ypaμμnO ~μ~~ (sie) • Vgl. Tafel 2. 2 Einen gewissen Eindruck vermitteln Irrtümer die Kollationen von Za im Ausgabe ApeIt s , trotz vieler Apparat der 3 Da dies eindeutig singuläre Lesarten und Ver- schreibungen sind, geht es nicht an, mit M.Schramm, 5.38 . aufgrund von 2a27 und 2b3 für Lin. auf die bekannten von H.Diels (vgl.oben S.38. Anm.2), S. 19, Postulierten Kodizes mit Alternativlesarten an den Rändern und über den Zeilen zu schließen. - 153 - Die griechische Vorlage des Robert Grosseteste Die Sonderlesungen von 6 ergeben sich aus dem consensus des Laur.87,21 (Za) und der lateinischen Übersetzung des Robert Grosseteste. Von den soeben in Kleiner Auswahl dargebotenen Textverderbnissen in Za Kehrt keine einzige in der translatio wieder, so daß es sich tatsächlich um echte Trennfehler von a .. Z handelt. Die Abweichungen der Ubersetzung - so wie sie mir in einer Photokopie aus dem Ambr.lat.E 71 sup. vorliegt - können in diesem Zusammenhang außer acht gelassen werden. Denn für die Rekonstruk- tion des Textes der griechischen Vorlage des Grosse- teste haben sie keinen Aussagewert. Sie könnten al- lesamt Schreibversehen oder sogar Übersetzungsfeh- ler des gelehrten Bischofs von Lincoln sein oder auch bei der eigenständigen handschriftlichen Ver- breitung der lateinischen Übersetzung entstanden sein. Deshalb sollen zunächst nur Entstehungszeit der be- und -ort der Übersetzung und die Provenienz nutzten ~riginalvorlage interessierenl Für die Übersetzertätigkeit des Robert Grosse- teste lassen sich nach E.Franceschini2 vor allem zwei Perioden in seinem Leben ausmachen. In die zwei- te. welche die Jahre 1240-1253 umfaßt, gehören alle seine Übersetzungen von Aristoteles-Schriften. In- Der Übersetzung selbst und ihrer Bezeugung, soweit sie mir zugänglich war, ist ein eigener Abschnitt (unten 5.361-367) gewidmet. 2 E.Franceschini, Roberto Grossateste vescovo di Lincoln e Ie sue traduzioni latine, in: Atti deI Reale Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti, a.acad. 1933-34, tomo 43, parte sec., 5.1 -138, dort 5.72-73.
- 154 - nerhalb dieses Zeitraums hat S.H .Thomson1 die Über- setzung von Lin. durch sehr ansprechende Kombinatio- nen recht genau fixieren können. Der älteste Text- zeuge und zugleich der einzige, der die translatio dem Bischof zuweist, eben der Ambr.E 71 sup., stammt nämlich aus der Mitte des 13.Jhs. und ist südfranzö- sischer Herkunft. Es ist daher sehr wahrscheinlich, daß Grosseteste die Übersetzung - wie auch diejeni- ge der Scnrift Virt. - während seiner Anwesenheit beim Konzil von Lyon 1245 angefertigt hat. Woher bezog Grosseteste die Originalvorlage? Er wußte sich ohne Zweifel die verschiedensten griechi- schen Handschriften zu beschaffen2• Bemerkungen wie "exemplaria nostra greca habebant" oder "ut est in nostris exemplaribus grecis,,3 sind sicherlich ganz wörtlich aufzufassen. Wir erfahren z.B ., daß John of Basingstoke, ein Mitarbeiter Grossetestes bei dessen griechischen Studien, mit einer Menge grie- S.H .Thomson, The Writings of Bishop of Lincoln 1235-1253, 36 und besonders 67-68 . Robert Grosseteste, Cambridge 1940, 5.17, 2 R.W .Hunt zählt im Kapitel "The Library of Robert Grosseteste" des von D.A .Callus herausgegebenen Essay-Bandes: Robert Grosseteste. Scholar and Bi- shop, Oxford 1955, S.133-135, ein paar solcher heute vor allem in Oxford und Cambridge befindli- cher lat. und griech. Handschriften aus dem Besitz des Bischofs auf. - Für die Erforschung der Über- lieferungsgeschichte des Aristoteles-Textes ist es von besonderem Interesse, daß Hunt den berühm- ten Oxforder Aristoteles-Kodex C.C .C .108 aus dem 9.Jh . mit Grosseteste - wenn auch äußerst vorsich- tig - in Verbindung bringt: Die Schrift in einem Inhaltsverzeichnis am unteren Rand der letzten Seite ähnelt in starkem Maße der des Bischofs im Bodl.198 (5.135 unter Nr.9). 3 Vgl. E .Franceschini (vgl.oben 5.153, Anm.2), 5.18. - 155 - chischer Kodizes von Athen nach England zurückkehr- tel. Athen war sicherlich nicht der einzige Ort, wo- her Grosseteste sich griechische Handschriften kom- men ließ. Von seinen "coadiutores", von denen er selbst öfters spricht und die laut Roger Bacon zahl- reich gewesen sind2 stammten viele aus Magna Graecia. Über einen Nicolaus Graecus aus Süditalien z.B. gibt es gewisse Vermutungen3. W . L .Lorimer hat die Möglichkeit erwogen, daß dieser mit Nicolaus Sicu- lus, dem Übersetzer von Mu., identisch sein könnte4, und L.Minio-Paluello hat diese Verbindung recht wahrscheinlich machen könnenS. Nach M.Powicke6 war Eine andere interessante Notiz über den Aufenthalt des John of Basingstoke in Griechenland hat uns Matthew Paris (Matthew Paris, Chronica Maiora V, 5.284-285, vgl. E .Franceschini, 5.15, und D.A .Cal- lus, S.40) hinterlassen: "Magister Ioannes de Ba- singstoke ... intimaverat episcopo Lilncolniensi Roberto quod quando studuit Athenis viderat et audierat ab peritis Graecorum doctoribus quaedam Latinis incognita; inter quae ... unde idem epis- copus misit in Graeciam et, cum ea habuisset, transtuli t de Graeco in Latinum sermonern" . 2 Vgl. E .Franceschini, S.13 sqq., und D.A .Callus, 5.39 sq. und außerdem R.Barbour, A Manuscript of Ps. - Dionysius Areopagita copied for Robert Grosse- teste, in: The Bodleian Library Record 6, 1957/61, S.401-416, dort S.409-410. J .C .Russell, The Pre- ferments and 'Adiutores' of Robert Grosseteste, in: Harvard Theological Review 26, 1933, S.161-172, bringt für unsere Zwecke nichts Neues. 3 Vgl. D .A .Callus, 5.40. 4A. :~stoteles Latinus XI 1-2, De mundo, ed. W .L .Lo- r~mer, Roma 1951, S.10-13. SAristoteies Latinus XI 1-2, De mundo, ed. W .L .Lo- rimer, rev. L .Minio-Paluello, ed.alt. Bruges-Paris 1965, S.XXVIII. 6 M.Powicke, Robert Grosseteste and the Nicomachean Ethics, in: Proceedings of the British Academy 16, 1930, S.22; vgl. auch E.Franceschini, 5.18/19.
- 156 - es Nicolaus Graecus, der dem Bischof eine Hand- schrift mit den Kommentaren von Eustratios, Michael von Ephesos und Aspasios zur Nikomachischen Ethik des Aristoteles, welche Gr05seteste zwischen 1245 und 1247 übersetzte, mitbrachte. Da nun im Falle von Lin. die einzige mit Grosse- testes Vorlage stemmatisch eng verwandte Handschrift, der Laur.87,21 (Za), unteritalienischer Provenienz ist, besteht kein Zweifel daran, daß auch das grie- chische Arbeitsexemplar des Bischofs durch Nicolaus Graecus oder durch einen der anderen süditalieni- schen Griechen, die Grosseteste bei seiner Überset- zertätigkeit unterstützten,wOhl um 1245 aus Magna Graecia nach Lyon mitgebracht oder herbeigeschafft worden ist. Über das Verhältnis dieses Manuskripts zu Za und beider zu 6 lassen sich nur Vermutungen anstellen. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß die Handschrift des Grosseteste auch das Antigraphon von Za gewesen wäre. Denn dann müßte man sich vorstellen _ Za da- tiert wohl später als die translatio _ , daß die fragliche Handschrift nur eine Leihgabe war und an- schließend den weiten Rückweg von Lyon nach Casole angetreten hätte. Wenn diese Handschrift mit ebendem Exemplar identisch sein sOllte, das aus dem griechi- schen Osten nach Unteritalien gebracht worden war und für dessen Wanderung nunmehr durch die transla- tio das Jahr 1245 als fester terminus ante quem er- mittelt ist, dann müßte Za auf ein noch vor 1245 im italo-griechischen Raum entstandenes Apographon des- selben zurückgehen. Die ansprechendste Lösung dieses Problems ist vielleicht die Annahme, daß Grosse- - 157 - testes Originalvorlage ebenso wie der Kodex Za - dieser möglicherwei- se über eine verschollene Zwischen- stufe - ein Apographon jener aus Griechenland importierten und höchstwahrscheinlich im Kloster und Scriptorium von Casole sorgsam gehüteten Handschrift (6) ist. b) E und seine Apographa nund~ E wurde zweimal abgeschrieben. Beide Kopien )\ (n und ~) sind verschollen, lassen sich aber mit Hilfe ihrer erhaltenen Abkömmlinge rekon- n ~ t' F"· · d..LihSdI s ru~eren. ur s~e s~n samt ~c e onere- sungen von y und E anzusetzen und außerdem jeweilS eigene Fehler und Abänderungen. ~ weicht lediglich in etwa 10 Fällen von der Vorlage (E) ab und variiert dabei deren Wort- laut nur geringfügig, z.B . E ( =n+6) e Oa20 ÖAn~ -+ ÖAW!> 1a25 e\lIJ1tc:iPxolJC1~\I -+ evu1tapxOUC1Cl~ b21 EU~ErCl -+ EU~E(Cl eilto ypClμμiiiv 2a13/4 altO ypClμμn!> -+ Trotzdem sind die Sonderlesungen für die getrennt voneinander aus ~ geflossenen zwei bzw. (bis 9a4) drei Kodizes (vgl.unten) insgesamt wohl echte Bin- ausschließen, sodaß~ ist defehler, welche Koinzidenz gleichgesetzt werden kann. ~ außergewöhnlich sorgfältige Kopie nicht etwa mit E vielmehr als eine
- 158 - anzusehen, die innerhalb der Lin.- Überlieferung nicht ihresgleichen hat. Im Vergleich mit ~ schneidet das andere Apo- n graphon (n) wesentlich schlechter ab. Zahl und Grad der Divergenzen von der gemeinsamen Vorlage E sind ungleich beträchtliCher. Wenn man einmal viele Lesarten, welche nichts anderes als die üblichen von einer Überlieferungsstufe zur nächsten entstehenden mechanischen Versehen darstellen (z.B . 8a19 TL -+ TE, Oa13 om. ltAEupa, la26 μeYE~o ~ - + μeyCl), ganz außer acht läßt, so bleibt eine Reihe von Vari- anten, deren Entstehung auf andere Ursachen zurück- geführt werden kann: E (=~+ö) n 8a 8 EV clltClVTL Ultap~EL -+ , ältCla~v EVUltap~E ~ EV 9a 8 μEpiiiv -+ μEyaAWV b22 .. .. ClV -+ XClV Oal0 auaTCl~r)OETClL OUOTClLn ,I -+ ClV a19 TOr!> €:.v TOr!> μCl~r)- -+ TOr~ TOLO\hOL~ μCl~r)μClOL μClO~ b15 d μ~V yap -+ , ... yap EL μn la28 ÖAn!> -+ ÖAW!> b28 EvöeXETClL -+ EVÖEXOLTO Während man bei der Beurteilung einiger dieser Stel- len noch schwanken könnte, lassen sich etwa die Bei- spiele von Oa19 und la28, vom Kontext her betrachtet. als bewußte Texteingriffe deuten. Ein gewisser Wil- le zur sprachlichen und inhaltlichen Glättung anstö- ßig erscheinender Stellen wird vollends bei den fol- genden Lesarten offenkundig: Oal0 (vgl.oben) Soll der vorsichtigere Potentialis das bestimmtere Futur ersetzen, 2a30 ist TO OTEPEOV &~ f:.ltLlteÖWV XCl~ TO - 159- f:.1tCltEÖOV EX YPClμμiiiv (Emendation Apelts) durch haplo- graphischen bzw. homoioteleutischen Ausfall bereits im Archetypus aller Handschriften zu TO OTEPEOV E~ f:.ltLltCÖWV EX YPClμμiiiv geworden; in n ist nun der Ver- such unternommen, den verstümmelten Zusammenhang we- nigstens rein syntaktisch zu heilen, indem EX durch )(Clt ersetzt wurde. la2 schließlich störte den "Sti- listen" von n die unmittelbare Wiederholung des Sub- stantivs (oiiiμa μ€V Y~P XClT' EltCltEÖOV, Elt(ltEÖOV Ö€ )(Clta YPClμμnv). und deshalb wählte er statt des zwei- ten Elt(ltEÖOV das Personalpronomen ClUT6. Cl) n und seine a Apographa Vat.253 (L) und Marc.214(H ) n ist der Stammvater von 9 erhaltenen Manuskrip- dieser Handschriftengrup- ten. Die ältesten Vertreter pe, die innerhalb des Überlieferungszweiges von E durch ihren consensus gegenüber den fehlerhaften Les- arten von ~ und vor allem durch die gemeinsamen erst- malig in n aufgetretenen Leitfehler klar gekennzeich- sind der Vat.253 (L) und der Marc.214 (Ha). beiden Kodizes zuein- daß sich auf net ist, Das Verhältnis dieser ander wird dadurch bestimmt, beiden Seiten Trennfehler finden. Die gegen- beider Textzeugen ist also aus- voneinander auf n seitige Abhängigkeit geschlossen; sie gehen getrennt zurück. Einige Beispiele: n (=L+~) 8b26 aUV~CTW spat. ypaμμCl~l -+ C1UV~&tW ypaμμClt 1 VgI.oben S.144.
- 160 - n (=L+~) Ha -+ TOμnv ... tnv -+ EXELV -+ Ö6~ELClV -+ om. sine fenestra 9a5trlVμn a8EXEL a24 Ö6~ELEV Oall om. TETpaywvov cum1 fenestra L Ob21 -+ om. E ~EL - 23 TETpaywvov (ex homoeot.)2 om, yap ÖLQCjlOPOV la2 b24 -+ 2all ouvwvuμa a14/5 -+ OUVWVIJμO~ -+ om. öuvaTov2 -+ 1tPOOTE~r)tW3 In L hat außerdem ein Korrektor _ die Hand scheint in die 2.Hälfte des 15. oder in die 1.Hälf- te des 16.Jhs. zu gehören - einige Spuren hinterlas- sen. Mit Hilfe eines anderen Kodex hat er nicht nur zwei individuelle Auslassungen und eine verdorbene Lesart Von L berichtigt4, sondern auch 9a5 Tnv μn ätoμov zu Tnv TOμnv äTOμOV geändert, wohl inspiriert a von der individuellen Lesart TOμnv Tnv äTOμOV in H und dessen Abkömmlingen. Daraus ergibt die zweite Handschrift des Korrektors repräsentierten Überlieferungsarm unseres Traktats angehört; auch bei der Ergänzung der Lücke Ob21-23 sich, daß dem durch Ha VgI.oben S.144. 2 Ein jüngerer Korrektor (zu ihm vgl.unten) hat das Ausgelassene in margine bzw. supra lineam ergänzt. 3 Am Rand ist die richtige Lesart vom Korrektor ein- getragen. 4 VgI.oben Anm.2 und 3. - 161 - wiederholt der Korrektor eine zuerst bei Ha (gegen die Vulgata) eingeführte Variante Ob22 Ö~ClLPEtOV für ÖLClLPETEOV. Wenn er 2a14 statt CjlClVEpW~nva~ in einer Marginalie das richtige aCjlCl~PE~nVCl~ beibringt, lassen sich dadurch der Kreis, aus dem die von ihm benutzte zweite Handschrift stammt, und das Datum der Tätigkeit des Korrektors noch präziser bestim- men. Denn diese Lesart findet sich noch nicht in Ha selbst, sondern ist erst von Bessarion in Ga durch Korrektur hergestellt worden1• Schließlich hat je- ner Leser auch eine eigene Konjektur versucht: 2b31 OWμClTL -+ at6μClTL. Die gemeinsame Vorlage (n) von L und Ha scheint relativ viele Suspensionen und Abbreviaturen enthal- ten zu haben. Diese sind in Ha wohl überall getreu wiederhOlt, wohingegen in L durchweg deren Auflösung vorgenommen ist, allerdings nicht immer richtig, was beweist, daß die Abkürzungen nicht erst in Ha ent- standen sind, z.B.: n Ha L 8bll -Cl ' ÖLltAaOLOV ÖLlt~ -+ 1a4 , T, f:.VClVtCClL EVClV -+ a30 ... , E~ Ta aμeow!>2 T Cl ClIJv- -+ 2b29 ÖL Clf6 -+ ÖLClCjlOPW!> Auch ltClP~ wurde in n fast regelmäßig als Kürzel ge- VgI.unten S.180. 2 Ein Musterbeispiel für die Verlesung der paläogra- phischen Form der Vorlage: Statt T~ aμEpn auszu- schreiben, wählte n (oder schon E) eine Suspen- sion, in welcher p mit dem üblichen Abkürzungs- strich verbunden wurde. Das so entstandene Gebil- de konnte tatsächlich leicht als das bekannte Kom- pendium für w!> (~) aufgefaßt werden.
- 162 - schrieben. Wieder hat Ha die Form der Vorlage meist bewahrt, und zwar nicht ganz gleichmäßig, sondern entweder als lte (Oa7) oder als lt~ (Oa5,8,26), wäh- rend in L immer falsch zu ltEp~laufgelöst ist2. Unter den tachygraphischen Abbreviaturen, die Ha bewahrt hat, findet sich gleich viermal (9a27, 9b27, Ib14, 2a28) statt urSprünglichem AOYOS bzw. AOYW" eine Kürzung (~' oder ähnlich), deren hochgestelltes E durch die entsprechende Auflösung in L (AE w", AE- ywv, AEYEL) auch für n gesichert ist. Da es schlech- terdings undenkbar ist, daß ein Sch~eiber das Sub- stantiv AOYO!; derartig abkürzt, muß das E ein sekun- därer Fehler sein. Dieser verdankt seine Entstehung offensichtlich der Mißdeutung einer bereits in E vorhandenen Abkürzung (~' bzw. ~ ?\' oder ähnlich) von seiten des Kopisten Von n, der dahinter das entspre- chende Verb (AEYE~ oder AEYWV) vermutete3• Hinsichtlich der Datierung vonnodergarvonE können beim gegenwärtigen Stand der Forschung zur grieChischen Paläographie aus dem Auftreten der Kür- zungssUspensionen keinerlei präzise Schlüsse gezo- gen werden. Denn diese Art von Abkürzungen ist schon in Handschriften des 9.Jhs. bezeugt4. Lediglich aus Zu dieser bekannten Verwechslung vgl.oben S.137. 2 Auch Ob14 kann man dieselbe Kürzel in n noch mit Händen fassen; denn in Ha steht 1tap~, in L dagegen wie üblich 1tEP~ . Umgekehrt hat der Schreiber von L 9b23 in scribendo sein ltapa zu einem diesmal rich- tigen ltEP~ (auch Ha) korrigiert. 3 Daß bereits für E auch andere Abbreviaturen ange- nommen werden müssen, zeigt sich 8bll, wo ÖLlt~a' (Ha) gleichfalls in zwei Apographa von~(pund Mosqu.) wiederkehrt. 4 Vgl. O .Lehmann (vgl.oben S.137, Anm.l). S .4 (von - 163 - der Häufigkeit und lenfalls nach entsprechenden Vorarbeiten neue rungshilfen gewinnen. Vorläufig gibt es keine An- haltspunkte, um innerhalb der Minuskel der byzanti- nischen Zeit verlorengegangene Textzeugen aufgrund derjenigen paläographischen Gegebenheiten, die sich aus dem Schriftbild und den visuellen Fehlern ihrer zeitlich genauer zu fi- Verwendungsbreite ließen sich al- Datie- Kopien erschließen lassen, xieren. Wir müssen uns also für n allein mit dem terminus ante quem begnügen, der sich durch die Ent- stehungszeit des älteren der beiden Apographa L und HaI von selbst ergibt. Demgegenüber sind wir dank der Möglichkeit, den Text von n mit dem seines Antigraphons E zu verglei- chen, über die individuelle Textgestalt in n wesent- lich besser informiert. Ihr auffälligstes Merkmal ist die oben S.158/9 aufgezeigte Tendenz zu einer stilistischen Glättung des authentischen Textes .. In diesem Zusammenhang ist es interessant, daß P.Moraux Neigung zur sprachlichen entdeckt hat2 in Ha eine ganz ähnliche Normalisierung des Textes von An. Es scheint durchaus möglich, daß auch die "stilisti- sche ÖLOP~WOL!;" von An. nicht erst dem Kopisten von Ha, sondern demselben Gelehrten zuzuschreiben ist, der auch für unseren Text verantwortlich ist3, so ihm als "currentschriftliche Kürzung" bezeichnet). Über deren Datierung vgl.unten. 2 P.Moraux, Rezension von Aristote: De l'äme. Texte etabli par A.Jannone, Trad. et notes de E.Barbo- tin, Paris 1966, in: Gnomon 40, 1968, S.760-765, dort besonders S.765. 3 Was seine Person betrifft, sprechen einige Indi- zien für Georgios Pachymeres, wie unten S.356 nä-
- 164 - daß man ohne weiteres für Lin. und An. an ein und dasselbe Antigraphon, nämlich n, denken könnte. Die Hinzuziehung des Kodex L hilft in diesem Zusammen_ hang nicht weiter, da dort von An. heute nur noch das III.Buch vorhanden ist und dieses stemmatisch zudem einem anderen Überlieferungszweig angehört, wenn man P.Siwek1 Glauben schenken kann. Es liegt nun nahe, einen Blick auf die anderen von Ha und L gemeinsam überlieferten Traktate zu werfen und zu fragen, ob die für Lin. ermittelte Verwandtschaftsbeziehung auch bei einigen von die- sen Schriften vorliegt, so daß man daraus ziemlich verbindlich auf den weiteren Inhalt der gemeinsamen Quelle (n) schließen könnte. Sofern dazu Untersu- chungen vorliegen, wird das Ergebnis in der Tat teilweise bestätigt. Denn für die Parva naturalia gehen laut P.Siwek2 beide Textzeugen auf ein und dieselbe Vorlage zurück, und für Col.3 und Mech. ha- ben meine eigenen Kollationen zu denselben Resulta- ten geführt4• Andererseits scheint Ha für andere her angedeutet werden soll. 1 P.Siwek, Le "De anima" d'Aristote dans les manu- scrits grecs, Citta deI Vaticano 1965 (= Studi e Testi 241), passim. 2 P.Siwek (vgl.oben S.93, Anm.2), S.42-46; vgl.auch E.Mioni (vgl.oben S.93, Anm.l), S.51: "Ha artiore propinquitatis vinculo codici L quam ceteris con- iunctus est", der daraus jedoch den Schluß zieht, daß L aus Ha abgeleitet sein müsse. 3 VgI.auch E.Mioni, S.64: "L totus e x Ha vel e x eius exemplari pendet". 4 Allein aus diesem Grunde muß E.Mionis Behauptung, S.103, Ha "in libro, qui Mechanica inscribitur, est archetypum omnium codicum qui ad hoc tempus innotuerunt", korrigiert werden. - Es ist außer- - 165 - Schriften auch Zugang zu einem sehr alten Manuskript gehabt zu haben. So ist z.B . die Schrift Cael. nach P.Morauxl aus dem antiquissimus Vind.Phil.100 (J) geflossen; dennoch ist es interessant, daß nach E. Mioni2 vor allem das erste Buch von zweiter Hand mit Hilfe des Kodex L oder dessen Vorlage durchkorri- giert worden sein soll. Über die Datierung der bereits unter Nico- laus V. (1447-1455) in der Vaticana befindli- chen3 Bombycin-Handschrift L hat man sich bislang nicht einigen können4• Während sich die Aristoteles-Editoren früherer Jahrzehnte im großen und ganzen für das 14.Jh . entschieden, tendiert man in neuerer Zeit, offensichtlich unter dem Einfluß des offiziellen Katalogs der Vaticana von G.Mercati - P.Franchi de' Cavalieri, immer mehr zu einer Da- tierung ins 13.Jh . Es ist jedoch am 14.Jh . festzu- halten. Der Kopist von L, dessen Duktus übrigens auch dem des Manuel TzykandylesS (datierte Hand- L dem zu fragen, ob nicht vielleicht auch bei Spir. dasselbe Verwandtschaftsverhältnis vorliegt, ob- wohl Mioni, S.53, L auch hier von Ha abhängen läßt. Die Authentizität von Ha scheint von ihm generell überbewertet worden zu sein. P.Moraux (vgl.oben S.39, Anm.1), S.CLXXIX; vgl. auch E.Mioni, S.34. 2 E.Mioni, S.34. 3 Vgl. R.Devreesse (vgl.oben S.63, Anm.1), S.28. Der leichte Zweifel Devreesses hinsichtlich der Identität des in dem entsprechenden alten Inven- tarium genannten Kodex mit dem Vat.253 scheint mir unbegründet. 4 Vgl. die Rubrik 'Bibliographie' in der Beschrei- bung der Handschrift im 'Aristoteles Graecus'. 5 Schriftproben seiner Hand z.B . bei A.Turyn (vgl.
- 166 - schriften von 1358 bis 1374) sehr ähnelt, ist näm- lich mit dem ersten Schreiber des oben behandelten Vat.258 (N) identischl, der aufgrund der Wasserzei_ chen in das erste Viertel des 14.Jhs. zu datieren ist. Hinsichtlich des Datums der zweikolumnigen Ha Pergament-Handschrift Ha divergieren die Meinungen der Gelehrten noch viel stärker2• Sie bewegen sich in der ungewöhnlich großen Spanne von fünf Jahrhunderten: Der erste gedruckte Katalog der Marciana gibt das 11.Jh. an3, und diese Datie- rung wurde von A.Jannone, da er den Kodex in der re- censio sehr hoch einschätzt, gern wiederaufgegrif_ fen4• Eine diametral entgegengesetzte Ansicht ver- tritt A.Förster; nach ihm stammt das Manuskript aus dem 14. oder 15.Jh .S • Zwischen diesen extremen Stand- punkten liegen, um nur einige herauszugreifen, die Zeitansätze E.Mionis (12.Jh .Ende), K.Hornas (13.Jh . Mitte) und Wilamowitz' (etwa 14.Jh .)6. oben S.110, Anm.3), Tab.140 und 142; dort S.162 allch die weitere Literatur zu TzykandYles. VgI.unten Tafeln 10 und 11. 2 Zu den einzelnen DatierungsVersuchen vgl. die Ru- brik 'Bibliographie' in der Beschreibung der Hand- schrift im 'Aristoteles Graecus'. Einen knappen Überblick über die verschiedenen Standpunkte geben auch P.Siwek (vgl.oben S.93, Anm.2), S.30/31, und A.Jannone (vgl.oben S.163, Anm.2), S.XXXII . 3 A.M .Zanetti, Graeca d.Marci Bibliotheca codicum manuscriptorum per titulos digesta ... , Venezia 1740, S.115: "saeculo circiter XI". 4 A.Jannone (vgl.oben S.163, Anm.2), S.XXXII. 5 A.Förster, Aristotelis De anima libri tres, Buda- pest 1912, S.XV. 6 E.Mioni (vgl.oben S.93, Anm.l), S.102; K.Horna, - 167 - Bei dem Versuch einer Datierung von Ha muß not- wendigerweise die ganze Handschrift einer Betrach- tung unterzogen werden. Entgegen dem Urteil E.Mio- nis und A.Jannonesl scheint sie nicht von einem ein- zigen, sondern von zwei Kopisten geschrieben zu sein: A ff.1 -142, B2 ff.142v-238v. Denn die eklatan- Schriftstil der beiden Teile dies- Seitenumlaufs 142r/142v las- sen sich nur schwer als die innerhalb der Varia- tionsbreite einer einzigen Hand mögliche Verschie- denartigkeit interpretieren, wenngleich auch insge- Verwandtschaft im Duktus nicht zu Kopisten müssen trotz der Tat- sache, daß der Duktus des zweiten Schreibers zugege- benermaßen archaischer wirkt als der des ersten, Zeitgenossen gewesen sein, da der zweite Kopist oben auf dem Verso dort fortfährt, wo der erste un- aufgehört hat. Das bedeutet wie- Datierung den auf- schlußreicheren Duktus des ersten Kopisten zugrunde legen müssen. Damit scheidet unweigerlich der frühe Zeitansatz ins 11. oder 12.Jh. von vornherein aus3. ten Gegensätze im seits und jenseits des samt eine gewisse verkennen ist. Beide ten auf dem Recto derum, daß wir zum Zwecke der Beiträge zur Überlieferung der aristotelischen Rhetorik, in: Wiener Studien 51, 1933, S.31-56, dort S.32; Wilamowitz' Datierung nach einer Unter- suchung in si tu ist wiedergegeben bei F.Susemihl, Die Bekkerschen Handschriften der Nikomachischen Ethik, in: Jahrbücher für classische Philologie (Fleckeisen), 24.Jahrgang, 1878 (= Neue Jahrbü- cher für Philologie und Paedagogik 117), S.625 bis 632, dort S.625. E.Mioni, S.130; A.Jannone, S.XXXII, Anm.4 . 2 VgI.unten Tafel 19. 3 In keinem einzigen Beispiel der von K.und S.Lake, Dated Greek Minuscule Manuscripts to the Year
- 168 - Ein jüngeres Alter verraten denn auch sehr deutlich beide Kopisten dort, wo sie vorübergehend flüchtig . vb vb schrel.ben: A z.B . f .137 , B z.B . f.142 • Anderer_ seits weist die in Ha vorliegende Minuskel noch kei- neswegs die allbekannten typischen Schriftmerkmale des 15.Jhs. auf. Es bleiben also das 13. und 14.Jh ., und man wird wohl kaum fehlgehen, wenn man Ha ir- gendwann zwischen etwa 1270 und 1370 ansetzt. Als paläographisch annähernd mit A vergleichbare Hand- schriften, die eine Datierungssubskription tragen, können z.B . Par.1186 (a.1306) und Reg.181 (a.1364) angesehen werdenl. Über die Provenienz von Ha vor der Eingliederung in die Bibliothek des Kardinals Bessarion (im Vor- satz befindet sich sein übliches Exlibris) ist bis- lang nichts bekannt geworden. Zur Erhellung kann je- doch die stemmatische Abhängigkeit J -+ Ha im Falle von Cael. ein weSentliches Faktum liefern. Denn der 1200, 10 Bde., Boston 1934-193~ veröffentlichten Faksimiles aus Manuskripten dieser Jahrhunderte läßt sich auch nur die geringste Ähnlichkeit mit Ha beobachten. - Der Verdacht drängt sich auf, daß die bei profanem Inhalt nur ganz selten belegte und oft auf hohes Alter weisende Zweispaltigkeit in unserem KOdex zu der Frühdatierung mit beige- tragen hat. - Mir sind außerdem sechs weitere Aristoteles-Handschriften mit zwei Kolumnen pro Seite bekannt. Von ihnen ist Patm.413 wegen der parallelen lateinischen Übersetzung so angelegt; Brix.A IV 3 (a.1449), Oxon.40036 (Byw.4) (a.1418/ 19), Dubl.C .l .10 und der Exzerpt-Kodex Leid.Periz. F 6 stammen aus dem 15.Jh .; lediglich Marc.IV .53 (zweikolumnig allerdings nur bis f.32v) hat ein hohes Alter. Vgl. die Faksimiles bei H.Omont, Fac-similes des manuscrits grecs dates de la Bibliotheque Natio- nale du IXe au XIve siecle, Paris 1891, pl. LXXVI, und A.Turyn (vgl.oben S.110, Anm.3), Tab.138. - 169 - laut Iri goin 1 im 9.Jh . in Konstantinopel entstande- ne Vindobonensis wurde erst von Augerius von Busbeck, dem Botschafter Ferdinands II. am Hof von Soliman II. Jahren 1555-1562, in Konstantinopel erworben gebracht2• in den und im Jahre 1562 nach Wien Ha scheint sich schon im Jahre 1432 befunden zu haben. Denn von ebendiesem Kodex ist wohl in zwei Briefen des Ambrogio Traversari (1386 bis 1439) an Niccolo Niccoli (um 1364-1437) die Re- de. Aus ihnen sei hier ausführlicher zitiert: "Ex Urbe.III .Martii 1432. Petrus ille Calaber volumen habet Aristotelis, quod modo est apud me, continens libros LV. sed isti inter eos praecipui: Cleomedis Meteora libri IV, in quibus plerumque Aristotelem carpit, et Metaphysicorum libri XII. cetera communia sunt. conabor in hac parte Caroli nostri voluntati satisfacere, tentaboque, an illud vendere forte ad- quiescat. volumen ce~te gratum est in membranis et optimis literis, licet minutis,,3. - "1432 Romae V Kalendas Maii •••. Nescio quo pacto ereptum est mihi, ne proxime rescriberem de Aristotelico illo volumine, quod hactenus est penes met de quo et Carolus noster, antequam proficiscerer a vobis, verba mihi fecerat in Italien ~ . Irigoin, L'Aristote de Vienne, in: Jahrbuch der Osterreichischen Byzantinischen Gesellschaft 6, 1957, S.5 -10, dort S.8 -9 . 2 Vgl. außer J.Irigoin, a.a .O ., auch A.Gercke, Aris- toteleum, in: Wiener Studien 14, 1892, S.146-148, und H,Hunger, Katalog der griechischen Handschrif- ten der Österreichischen Nationalbibliothek, I, Wien 1961, S.209. 3 Ambrosii Traversarii Camaldulensis Latinae episto- lae a P.Canneto in libros XXV tributae ••• (edente L.Mehus), Firenze 1759, Ep.VIII, 42, Sp.407/8.
- 170 - et tu ardentissime plane iam secundo scripsisti. rem factu difficillimam fore existimo: quia vir ille sa- ne eruditus multi illum aestimat, tantique ut nihil fere magis. est tamen mihi magna cum illo familiari_ tas: neque desistam tentare omnia, ut amicissimi nostri votis fiat satis. quod si emere illum non da- bitur; mecum tamen feram acceptum mutuo, ut trans- scribi apud nos possit '" nam plurimum ille dili- git me: facileque adducetur, ut librum permittat fi- dei meae"l. Daß die hier erwähnte Handschrift des Petrus Ca- laber (Pietro Vitali2) mit dem Marc.214 (Ha) iden- tisch ist, darf außer Zweifel stehen. Denn erstens existieren m.w . abgesehen Von dem jüngeren MarC.200 (Q) nur zwei KOdizes mit einer ungefähr entsprechen- den Anzahl (55) einzelner Bücher: der berühmte Par. 1853 (E) und Ha. Zweitens enthält unter den Aristo- teles-Handschriften nur Ha (ff.151-170v) auch des Kleomedes Schrift De motu circulari corporum cae- lestium, und diese ist dort tatsächlich in vier und nicht, wie sonst üblich, in zwei Bücher eingeteilt. Drittens kommen wir in der Tat auf genau 55 Bücher in Ha, wenn wir die Zählung des teilweise erhalte- nen griechischen Pinax aus der ersten Hälfte des 15.Jhs. zugrunde legen und fortführen. Dieser ver- zeichnet sorgfältig Schrift für Schrift und Buch Ep.VIII,44, Sp.410. 2 Über ihn vgl. R .Sabbadini (vgl.oben S.63, Anm.2), S.56 und Appendice c (S.70); M.E .Cosenza, Biogra- phical and Bibliographical Dictionary of the Ita- lian Humanists and of the World of Classical Scholarship in Italy 1300-1800, 6 Bände, Boston 21962, 1967, dort IV, S.3701 und V, Karte 1902. - 171 - für Buch mit Titel und Incipit und zählt die einzel- nen Bücher fortlaufend durch. Auf diese Weise ist mit einschließlich Div.Somn. das Fußende des Versos des zur Aufnahme des Index vorgehefteten Blattes und die Zahl 44 (μö) erreicht, wobei ein Buch für den von Rhet. nur überlieferten Anfang des I.Buches ebenso wie für Mem., Somn. und Div.Somn. zusammen gerechnet worden istl• Ein zweites Indexblatt, auf dem die Bücher 45-55 aufgezählt gewesen sein werden, ist (wahrscheinlich beim Neubinden des Kodex in der Marciana) verlorengegangen. Jene 11 noch fehlenden Einzelbücher finden sich denn auch im Kodex Ha im Anschluß an Div.Somn. auf ff.184-238v, und zwar Mot. An. (1), Long. (1), Juv.Respir. (1, da ohne Zwi- schentitel ineinander übergehend), Col. (1), Lin. (1), Mech. (1), Spir. (1) und Cael. (4). Nur das Vorhandensein dieses Pinax mit fortlaufender Buch- zählung erklärt auch die an sich recht ungewöhnli- che Angabe der Gesamtbücherzahl in dem oben zitier- ten Brief. Das Datum dieses Briefes (1432) ist da- her der terminus ante quem für die Aufstellung des Pipax, der durchaus von der Hand des Vorbesitzers Pietro Vitali stammen könnTe. Pietro Vitali hatte sich vor 1432 zum Studium in Konstantinopel aufge- halten2, und man wird annehmen dürfen, daß er selbst es war, der unseren Kodex dort erwarb und in den Westen mitbrachte. Die Metaphysik um faßt - mit Trennung von A und Cl EAClTtov - die traditionellen 14 Bücher. Somit muß bei der Angabe "libri XII" im oben zitierten er- sten Brief des Traversari irgendein Lapsus vor- liegen. 2 Vgl. R .Sabbadini (vgl.oben S.63, Anm.2), S.56.
- 172 - Wie und wann genau die Weitergabe des KOdex, an dem Pietro Vitali, wie aus dem zweiten Brief zu ent- nehmen ist, so sehr hing, an Kardinal Bessarion er- fOlgte, ist kaum noch in allen Einzelheiten zu re- konstruieren. Doch haben diese beiden Männer wohl seit dem Konzil Von Ferrara-Florenz (1438-39) in en- gen Beziehungen zueinander gestanden. Pietro Vitali war 30 Jahre lang (1432-1462) Abt von Grottaferrata und Bessarion spätestens seit 1446 Protektor der dortigen Basilianermönchei. Und als Vitali 1463 als Archimandrit des Klosters S.Salvatore nach Messina beordert wurde, löste er Bessarion ab, der diese Stellung seit 1456 innegehabt hatte. Ha wird übrigens nicht in dem Verzeichnis der Schenkungsurkunde vom Monat Mai des Jahres 1468, mit der Bessarion seine Bibliothek offiziell der Stadt Venedig vermachte2, aUfgeführt. Die Handschrift ist deshalb entweder noch bis April 1469, dem Datum des Transports der Bücher von Rom nach Venedig, in das munus aufgenommen worden3 oder aber erst nach dem TOde des Kardinals (1472) in VOllstreckung seines Testaments in die Lagunenstadt gelangt. Es ist auch sonst bekannt, daß Bessarion nach 1468 SOwohl Hand- Vgl. L .Mohler, Kardinal Bessarion als Theologe, Humanist und Staatsmann. Funde und Forschungen,I: Darstellung, Paderborn 1923, S.254. 2 Sie ist öfters publiziert worden (vgl. E .Mioni, S. 103, Anm.1, und M.Sicherl, S.96, Anm.3), zuletzt bei T.Gasparrini Leporace _ E.Mioni (vgl.oben S. 71, Anm.l), S.99-148. 3 Im Frachtbrief zu den Bücherkisten bei ihrer Ver- sendung (vgl. Migne PG 161, 702-712) tau~ht sie jedoch auch nicht auf. - 173 - schriften zurückbehalten als auch weiter gesammelt hat1• Die Deszendenz von Ha Während L im Hinblick auf die erhaltenen Lin. - Handschriften steril war, hat Ha die größte Nachkom- menschaft. Von den 27 existierenden Manuskripten gehen allein 7 auf diesen Kodex zurück und scheiden damit als Variantenträger für die Textkritik selbst- verständlich aus. Direkt von Ha stammt jedoch nur ein einziger Kodex ab, der Marc.212 (Ga)L; die 6 an- deren Handschriften sind nur durch seine Vermittlung auf Ha zurückzuführen. Vgl. M .Sicherl, S.102. - Eine bibliotheksgeschicht- liche Arbeit über die Handschriften Bessarions, in wel~her unter Auswertung der in den Exlibris erwähnten (je nach der Zeit der Eintragung ver- schiedenen) Titel des Kardinals, der tono!>-Signatu- ren seiner Hand, der Schenkungsurkunde, des Frachtbriefes und anderer Gegebenheiten eine an- nähernde Chronologie der Entstehung und der Wei- tergabe der Bibliothek des Humanistenkardinals ge- lingen müßte, ist ein großes Desideratum, dessen Verwirklichung wir von L.Labowsky erwarten dürfen. Eine solche Untersuchung dürfte auch für die For- schungen zur Überlieferungsgeschichte manches griechischen Autors von beträchtlichem Nutzen sein. 2 Dahingehend muß also das vorsichtige Urteil E.Mi- onis präzisiert werden, der S.76 folgendes aus- führt: "Si concedas scribas ipsos, qui satis dcc- ti videntur, quandam rationem criticam adhibuisse, Ga Ha e codice manare, qui locum medium inter Ha p (= Vat.1339) fortasse habet, .. , satis adparet".
- 174 - Der wie auch Ha aus der Bibliothek des Kardinals Bessarion stammende Marc.212 (Ga) bildet, was die stemmatische Herkunft der in ihm enthaltenen Schrif- ten und die kodikologische Seite betrifft, kein ho- mogenes Ganzes. Für die einzelnen Traktate sind zu- meist verschiedene Vorlagen herangezogen worden: eine für EN, eine andere für die naturwissenschaft_ lichen Traktate Cael., Gener.Corr. und vielleicht auch Mete.I , eine weitere für Hist.An.I _IX, nämlich der Marc.2082, und schließlich noch Anzahl - unter ihnen auf jeden Fall für den Rest der Schriften. Dem Wechsel der Vorla- gen entspricht die jeweilige mit a neu einsetzende separate Lagenzählung4. eine unbekannte der Vat.2613 _ Abgesehen Von diesen chen Unterschieden der chronOlogische überlieferungsgeschichtli_ Herkunft besteht auch eine Diskrepanz in der Fertigstellung der Für EN hat E.Mioni keine Vorlage namhaft machen können; für Cael. und Gener.Corr. stellte er enge Verwandtschaft zu Ha fest (S"34,35) _ für erste- ren Traktat gelangte P.Moraux (vgl.oben S.39, Anm.1) zu demselben Ergebnis (S.CLXXIX) _ , wäh- rend für Mete. laut Mioni (S.38/9) enge Beziehun- gen zum Vat.l027 und manchmal auch zum Marc.211 bestehen. 2 E.Mioni, 8.54; meine KOllationen haben ebenfalls den Marc.208 post correcturam als Antigraphon er- mittelt. 3 Nach E.Mioni (S.59,60,61) für Mot.An., Inc.An. und Gener.An. 4 Zu den Details vgl. die Beschreibung des Kodex im 'Aristoteles Graecus'. Zum generellen Zusammen_ hang zwischen Lagenzählung und Vorlage vgl.oben S.28-31. - 175 - einzelnen Traktate innerhalb von Ga. Während die Masse der Schriften etwa um 1430I aus der Feder von zwei vermutlich zeitgenössischen Kopisten desselben Ateliers geflossen ist2, stammen das X.Buch von Hist.An. (ff.338v-341v), die ursprüngliche ausgelas- sene und dann hinzugefügte Partie 565b20-567b26 der- . v v v v selben Schr~ft (ff.341 -342 ), An. (ff.412 ,413 bis 424) und Lin. (ff.498-499v) von einer dritten, jüngeren Hand. Als nachträgliche Einschübe erweisen sich diese Teile der Handschrift durch die Lagenver- hältnisse (ff.340-343 sind in einen schon bestehen- den Quaternio eingefügt worden), durch die Wasser- zeichen3, die etwa um 1440 und damit später als die Filigrane des ursprünglichen Teils des Kodex bezeugt sind, und durch marginale Bemerkungen Bessarions am Ende des IX.Buches von Hist.An.(f.338)4. Hier teilt Bessarion zunächst mit, daß ihm das X.Buch des Trak- tats im griechischen Original bisher nicht begegnet Nach dem Duktus und den ca.20 verschiedenen Was- serzeichen zu urteilen, die zum Teil im Vat.905 und im Berol.Phill.1582 (zu ihnen vgl.unten S.266) ähnlich wiederkehren; zu den Einzelheiten hier wie im folgenden verweise ich auf die Beschreibung des Kodex im 'Aristoteles Graecus'. 2 Kopisten: A ff.1-262,346-406v; B ff.265-338 (außer ff.296 unten-297 oben), 407-412 oben, 425-497v (B ist identisch mit dem Schreiber des gleichformati- gen Marc.529, ff.49-124V); die von E.Mioni, S.128 vorgenommene Verteilung auf 3 Hände muß entspre- chend korrigiert werden. 3 ff.340-343: Blume, sehr ähnlich Briquet 6306 Ca. 1438, mit Varianten 1438-1454); f.415: Dreiberg, Briquet ohne Beleg, ähnlich Par.1919 (a.1442); ff.416-424,498: Glocke, ähnlich Briquet 3984 (a. 1435, mit Varianten 1436-1444). 4 Sie sind bei Bekker, S.633 im Apparat und bei E. Mioni, S.54, herausgeschrieben.
- 176 - sei, um später jedoch hinzuzufügen: aAAa vuv f:.VEtU- XOμEV aUt~ )(Cl~ EV t~ EAAnVL)(~ KavTaü~Cl f:.VEYPQ~aμEv und die Abschrift dieses Buches auf ff.338v_341v durch den dritten Schreiber zu veranlassen. Daß die- se Supplemente im Auftrag Bessarions eingefügt wur- den, wird auch dadurch eVident, daß zwei kürzere Stücke am Anfang Von An. selbstl geschrieben unten-413)2. anscheinend vom Kardinal sind (ff.412 oben-412voben; 412v Von diesen Ergänzungen sind das X.Buch der Tier- geschichte aus dem Vat.262 (Mioni, S.54), An. _ hier bestätigen meine BeObaChtungen diejenigen Mionis (S. 43) - und die uns interessierende Schrift über die Atomlinien, wie bereits erWähnt, aus Ha kopiert wor- den. Da sich Ha spätestens seit 1432 in Italien be- fand, wie oben S.169-173 dargelegt worden ist, und andererseits die Supplemente Von Ga kaum vor diesem Zeitpunkt datieren, müssen letztere demnach in Ita- lien geschrieben worden sein. Berücksichtigt man, daß der Initiator jener Einschübe, Kardinal Bessa- rion, erstmalig 1438, anläßlich des Konzils von Fer- rara-Florenz, italieniSChen Boden betrat und daß auf der anderen Seite einer im Falle Marc.200 a der Abkömmlinge von G von Lln. und weiteren Traktaten, nämlich (Q), im Jahre 1457 fertiggestellt wurde, Der Duktus des Bessarion ist allerdings nicht im- mer leicht Von dem seines librarius Theodoros (im Sinait.2124, für Bessarion angefertigt) zu unter- scheiden. - Der dritte Kopist in Ga Sowie Bessa- rion wechseln sich auch im Marc.261 auf engstem Raum ~ehrmals ab. 2 Des weiteren stammen von ihm ff.296 unten _ 297 oben. - 177 - so gewinnt man damit die extremen Daten, innerhalb derer der dritte Kopist gearbeitet haben muß. Wei- ter eingrenzend werden wir aufgrund der Wasserzei- chen aus dieser Zeitspanne (1438-1457) eher die er- sten Jahre ansetzen dürfen, also vermutlich die Zeit, in welcher sich Bessarion bei der Kurie in Flo- renz aufhielt (1438-1443). Es ist schon darauf hin- gewiesen worden, daß sich Bessarion und Pietro Vita- li, der Vorbesitzer von Ha, wahrscheinlich auf dem Konzil kennengelernt haben. Genauso wie der kalabri- sche Theologe seinen wertvollen Kodex Ha einige Jah- re zuvor an den Camaldulenser-General Ambrogio Tra- versari ausgeliehen hatte, so mag er ihu auch jetzt Bessarion für Kopien zur Verfügung gestellt haben. Es ist nicht einmal ausgeschlossen, daß sich der Be- sitzerwechsel schon zu dieser Zeit vollzog. a . .. In der Textgestalt von G muß man zwe~ Vber- lieferungsstadien scharf voneinander trennen: erstens die "jungfräuliche Abschrift" aus Ha, in der sich alle Eigentümlichkeiten der Vor- lage wiederfinden, in die aber auch zahlreiche eige- ne Fehler Eingang gefunden habenl, und zweitens den durch die öL6p~wo~!> des Bessarion2 geschaffenen Text, I:G in dem nicht nur viele Versehen des Kopisten besei- tigt, sondern auch mehrere aus der Vorlage ererbte Fehler korrigiert worden sind. Fast keine Abschrift ohne Auslassungen, um nur Von diesen sind einige wenige anscheinend vom Ko- pisten selbst nach Rasur verbessert worden. 2 Daß es Bessarion, der Eigentümer des Kodex, war, der den Text überarbeitete, steht aufgrund des Duktus außer Frage; vgl. auch E.Mioni, S.128.
- 176 - diese zu nennen, - so auch Ga, und zwar in besonde_ rem Maße. Während Ib27 nur ein Wort (o~v) fehlt, finden sich an gleich 4 Stellen Musterbeispiele für das Überspringen von längeren Textteilen aufgrund von Homoioteleuton. In allen Fällen stehen nämlich in der Vorlage Ha die betreffenden gleichlautenden Wörter, von denen eines samt dem dazwischen liegen- den Text weggefallen ist, im Abstand von einer oder gar zwei Zeilen exakt untereinander: 6a4/5 )(a~ om. TO - oACyov, om. Ob14/15 EV μ~v _ .. I EOTaL , om. OTOLXEra. (ltOμo!> - YPCljJμrj, om. 2all Owμatwv 1 a5/6 Die direkte Abhängigkeit unserer Handschrift von Ha läßt sich sogar bis in paläographische Einzelhei- Len hinein verfolgen. Die getreu aus Ha übernommenen Kompendien und SUspensionen machen deutlich, wie weit die rein mechanische Nachahmung gehen kann. Es ist freilich zu berücksichtigen, daß die Frage, ob und in welchen Fällen dabei die Unfähigkeit, diese zum Teil mehrdeutigen Abkürzungen richtig aufzulösen, oder die Absicht, die authentische Schreibung des An- tigraphons zu übermitteln, eine Rolle gespielt ha- ben, schwer zu entscheiden ist. Auf jede positive a oder auch nur bewußte Abänderung des Textes von H hat der Schreiber Von Ga verzichtet. Dafür, daß er "satis doctus"2 gewesen wäre, gibt es in unserem Text kein Anzeichen. Der ursprüngliche Text von Lin. hat in Ga durch die Überarbeitung des Bessarion, wie oben angedeu- tet, an mehreren Stellen ein neues Aussehen erhal- Ha bietet Ob15 eOTaL, nicht EOTLV. 2 Wie E.Mioni meint (vgl.oben S.173, Anm.2). - 179 - ten. Die Konjekturen, die der Kardinal suo Marte vornahm, können naturgemäß nicht mehr gegen die aus anderen Textzeugen hergeleiteten Verbesserungen ab- gegrenzt werden. Mit beiden Quellen muß man jedoch rechnen. Denn einem Gelehrten wie Bessarion, den darüber hinaus die Schrift über die Atomlinien sehr interessierte, was die unten näher analysierten autographen Marginalien und Randeinteilungen zum In- bereitete es keine Schwie- und halt der Schrift beweisen, rigkeit, von sich aus Itazismen, orthographische grammatische sowie bestimmte inhaltliche Anstöße zu beseitigen. Während durch die meisten Korrekturen die Lesun- gen der Vulgata hergestellt worden sind, gelang ihm zweimal eine Konjektur gegen die Vulgata, die sich seitdem in der handschriftlichen Überlieferung durch- gesetzt und auch in den Text aller Druckausgaben, einschließlich der modernen kritischen Editionen, Eingang gefunden hat: 8a7 avayxn tO E!VClL aμEPE!> μe- YE~O!> -+ avayxn tL E!VClL aμEP€!> μEYE~O!> und 8b21 Clt ltPWtClL -+ n ltpiiiTClLl Bessarion hat gleichwohl auch einen fremden Text- nach den aus ihm geschöpften Lesarten nicht zur hier behandelten Familie y gehört, zu Rate gezogen und mit dessen Hilfe einige zeugen, der zu urteilen Die Autopsie hat erbracht, daß auch an der Endung von ltpiiiTaL radiert und zu korrigieren versucht wor- den ist. Nur lese ich nach wie vor ltpiiitClL, wie übrigens auch die Abkömmlinge von Ga; allenfalls käme auch ltpiiitCl in Frage. Das ltpiiitov aller unserer Ausgaben seit der Editio princeps, das sich zeit- lich vor Ga schon in i,l und V (allerdings überall nach Korrektur aus npiiiTaL) findet, kann es jeden- falls nicht sein. Das n bezeugt erstmalig Ga.
- 180 _ weitere individuelle oder ererbte Ga ausgemerzt, Z.B. Ob29 ÖLOLOEL: 2a14 Cjla\lEPW~DVClL: Verderbnisse Von n -+ TL Ö~OLOE~, Y ~ aCjlaLPE~DVaL: a B. Auch Von den bei der Abschrift aus Ha entstandenen lacunae ex ho- moeoteleuto hat er drei am Rand ergänzt (8a4/5, 1a5/6, 2all). Hingegen ist ihm die Auslassung von o~v (lb27) und der homoioteleutisch bedingte Text- verlust Ob14/15 beim Vergleich mit dem hinzugezoge_ nen KOdex nicht aufgefallen. Da auch Lesarten, die für die ganze Familie y charakteristisch sind, korrigiert wurden, kommt the- oretisch nur eine Handschrift der Familie Cl oder ß (also i, 1 oder N, V) oder Von den contaminati _ bei zUsätzlicher Beachtung der Chronologie _ nur der Vat.905 als KOllationsexemplar in Frage, wenn man nicht noch mit einem verlorenen Manuskript rechnen will. Die Handschriften der Familie a scheiden je- doch als Korrektivexemplar aus, denn aus ihnen hätte die Lücke 2all nicht ergänzt werden können, daini das betreffende Textstück mutile und in I überhaupt nicht vorhanden ist. Jener Von Bessarion benutzte zweite Textzeuge kann sehr wohl der Vat.258 (N) ge- wesen sein, wie schon Mioni vermutetel. Dieser war dem Kardinal sehr wohl bekannt, da Johannes Rhosos aus ebendem KOdex in seinem Auftrag für den Sammel- band Marc.200 (Q) Mete. abschrieb2 Sämtliche Spuren der Überarbeitung Bessarions finden sich in allen Abkömmlingen von Ga ebenso wie- E.Mioni, S.76: "Ga, POstquam Bessarion eius exemplari ipsum correxit, " 2 VgI.unten S.189. exNvel - 181 - der wie die nunmehr als spezifische Leitfehler auf- tretenden Auslassungen von Ib27 und Ob14/15, die Bessarion übersehen hatte. Terminus ante quem für die Beschäftigung Bessarions mit Lin. in Ga ist dem- nach das Jahr 1457, aus welchem Q, das vermutlich älteste der erhaltenen Apographa, datiert. Bessarion hat sich in Ga aber nicht nur textkri- tisch als Korrektor betätigt. Er hat unsere Schrift über die Atomlinien auch inhaltlich gründlich stu- diert. An den Rändern ist nämlich von seiner Hand eine sorgfältige Gliederung der Schrift vorgenommen, die zeigt, daß der Kardinal den Aufbau des Traktats richtig erkannt hat: Die 5 Thesen der Vertreter der Atomlinientheorie (8al-b21) sind am Rand mit Cl (zu 8a2 sqq.), B (zu 8a9 sqq.), y (zu 8a14 sqq.), Ö (zu 8a18 sqq.) und E (zu 8b4 sqq.) hervorgehoben; die Wi- derlegung dieser Argumente durch den Verfasser der Schrift (8b21-9b28) ist zu 8b21 mit der marginalen Bemerkung E\lTEO~EV Clt AU(OEL~) eingeleitetl, worauf die Angaben npo!> tO Cl (zu 8b21), ltpo!> TO ß (zu 9a17), ltpo!> TO y (zu 9a21), ltpo!> tO Ö (zu 9a26) und ltpO~ tO E (zu 9b6) folgen. Alle weiteren Gegenargumente der Widerlegung (9b28-2b33) sind dann nach dem pro- grammatischen Hinweis ÖTL oux aVCl(Y)(ClrOV) at6μou!> EtVClL YPClμμa!> (vgl.9b27/28) von Bessarion mit 1-30 (Cl-A) durchnummeriert worden. Das mathematisch-naturwissenschaftliche Interesse des Humanistenkardinals ist auch sonst gut bezeugt. Schon in seiner Jugend widmete er sich in Konstanti- Bis hierher findet sich dieselbe Einteilung auch im Vat.258 (N), was ebenfalls für die Benutzung dieses Kodex als Korrektivexemplar spricht.
- 182 - nopel dem Studium der Mathematikl. Authentische Be- lege für diese Neigung stellen auch die eigenhändi_ gen Marginalien in seinen Handschriften von Euklids Optik, Marc.304, und von ArChimedes, Marc.305, dar. Noch in hohem Alter (1470) erörterte er die Frage des astronomisch richtig berechneten Osterfestes2. a3 . Der Kodex G war, so darf man fOlgern, das prl- vate Hand- und Arbeitsexemplar Bessarions für eine Reihe von aristotelischen Schriften. Seine Lemmata, Scholien und Korrekturen begleiten auch die übrigen v Traktate, Mete. ausgenommen. Zu EN (ff.1 -94 ) hat Bessarion sogar die Paraphrase des Georgios Pachyme- res auf den Freirändern hinzugefügt (ff.1-44). Da die oben erwähnten auf seinen Wunsch hin vorgenomme- nen Erweiterungen der Handschrift, zu denen auch Lin. gehört, aus den allerersten Jahren seines Aufent- halts in Italien datieren, war Ga ohne Zweifel einer der ersten Bände seiner später so großen Bibliothek. Man könnte sogar vermuten, daß die Handschrift in ihrem urSprünglichen Umfang bereits vor dem Floren- tinum in Bessarions Besitz war und von ihm selbst in den Westen mitgebracht wurde. Möglicherweise war sie auch in seinem Auftrag geschrieben worden; die Entstehungszeit des Hauptteils der Handschrift (um 1430) und die Tatsache, daß der Kardinal noch einen Vgl. L.Mohler (vgl.oben S.172, Anm.l), Kap.V: Bes- sarion als Humanist, S.325 sqq., dort S.334. 2 Vgl. L .Mohler, S.300,334. 3 Er befindet sich übrigens unter den in der Schen- kungsurkunde an die Republik Venedig aUfgeführten ManUSkripten (vgl. hierzu oben S.172 mit Anm.2) und trägt dort die Nr.383 . - 183 - weiteren Kodex genau gleichen Formats besaß (Marc. dem der zweite Kopist von Ga mitgearbeitet 529), an hatl, würden gut dazu passen. Marc.200 (Q) Wir wollen in der Bibliothek Bessarions bleiben und von den Kodizes, die sämtlich dieselbe aus Ga ererbte Lücke Ob14/15 aufweisen, als ersten den Marc.200 (Q) betrachten. Dieser mächtige Foliant, den einer der bekannte- sten und vielbeschäftigtsten Kalligraphen des 15.Jhs., Johannes Rhosos2, anno 1457 in Rom im Auftrage und auf Kosten des Kardinals Bessarion geschrieben hat, enthält bis auf das Organon sämtliche auf uns gekom- menen Schriften des Corpus Aristotelicum3 - ein in der Überlieferungsgeschichte des Aristoteles einma- liger Fall. Es war dabei zweifellos Bessarions Ab- sicht, eine einbändige nahezu vollständige Gesamt- ausgabe des aristotelischen Corpus sein eigen nennen zu können. Nicht zuletzt befriedigten die elegante Kalligraphie und die dekorative Ausstattung dieses Pergament-Kodex die bibliophilen Ansprüche des Kar- dinals4• Es ist eine sehr plausible Vermutung von VgI.oben S.175, Anm.2 . 2- Uber die Rolle dieses professionellen Schreibers bei der handschriftlichen Verbreitung des Corpus Aristotelicum vgl. oben 5.67. 3 Dazu die fast immer zusammen mit Vent. überliefer- te pseudo-theophrastische Schrift Sign. 4 Im Schenkungs verzeichnis der Bibliothek Bessarions wird die Handschrift unter Nr.359 wie folgt be-
- 184 _ Lotte Labowskyl, daß dieser Aristoteles_Kodex und der ebenfalls Von Rhosos' Hand stammende Marc.184 mit Platons VOllständigen SChriften Von Bessarion als "companion pieces" geplant ben worden sind. Labowsky Traktate im Marc.200 und in Auftrag gege- hat auch der Anordnung der durch Bessarion einige interes- sante Zeilen gewidmet; die Annahme eines Einflusses der Schriftenfolge des Marc. auf die Aldina vermag allerdings nicht zu überzeugen2 Der Marc. 200 (Q) ist, was Lin. betrifft, ein direkter Abkömmling des Marc.212 (Ga) in seiner durch Bessarions Überarbeitung gege- rQ benen Form. Die meisten Spezifischen Merkmale von Ga tauchen getreu wieder auf. Abgesehen von der besprochenen schrieben: "liber novus et PUlcherrimus in perga- meno, continens omnia opera Aristotelis, praeter logicam eius" (vgl.oben S.172, Anm.2), und im Ko- dex selbst steht im eigenhändigen EXlibris des Kar- dinals die Bemerkung: ßLßALOV äPlOtOV. L.Labowsky, Aristoteles De Plantis and Bessarion. Bessarion Studies II, in: Mediaeval and Renaissance Studies 5, 1961, S.132 -154, dort S.148-151. 2 Auch die Erklärung für das Weglassen der logischen SChriften ist meiner Meinung nach vielleicht etwas zu kompliziert und weitreichend: " ... may indicate that he (Bessarion) shared the opinion of those who jUdged the logical works to constitute a pre- parat ion for, rather than apart of philosophy" (S.151). Es liegt vielleicht näher, den Grund da- für statt in einer PhilosOPhischen Überzeugung vielmehr in dem einfachen Umstand zu suchen, daß Bessarion vier ältere OrganOn-Handschriften besaß (Marciani 201, 202, 203, 204), Wobei freilich u~ - geklärt bleibt, ob sich alle bereits 1457 in sel- nem Besitz befanden. - Zum Rückgang der Verviel- fältigung VOn Oraganon-Kodizes im lS.Jh. überhaupt vz i . oben S.53. - 185 - Auslassung Ob14/15 fehlt ebenfalls Ib27 o~v . Die Ab- hängigkeit geht so weit, daß Rhosos sogar solch of- fenkundige Verschreibungen wie laS ~COTnv und 2a30 woa~To~ mechanisch übernimmt. Auch die meisten schon aus Ha ererbten Suspensionen werden ohne den Versuch einer Auflösung beibehalten. Alle Korrekturen Bessa- rions in Ga sind sorgfältig beachtet und VOllständig berücksichtigt worden. Andere Versehen hat Rhosos selbst currente calamo richtiggestellt. Trotz der eindeutig direkten und völligen Abhän- gigkeit des Marc.200 von Ga stoßen wir in dem jünge- ren Manuskript allenthalben auf Lesarten, die sich in Ga weder im Grundtext noch in Interlinearien oder Marginalien belegen lassen. Damit sind keineswegs diejenigen normalen Sonderfehler gemeint, die in dieser Form mehr oder weniger häufig in jeder hand- schriftlichen Kopie vorkommen, wie Auslassungen einzelner Buchstaben und Partikel, Itazismen, Akzent- fehler oder Verwechslung von Nominativ und Dativ im Singular. des Femininums. Es sind vielmehr völlig neue Varianten und Hinzufügungen, die in der sonsti- gen, von Q unabhängigen Überlieferung nicht begegnen. Sie alle beruhen jedoch nun nicht etwa auf Konjektur oder dem Einfluß einer nicht näher definierbaren Texttradition, sondern ausschließlich auf eindeuti- gen Lesefehlern des Kopisten Johannes Rhosos. Meist sind undeutlich geschriebene oder verwischte zwei- deutige Stellen der Vorlage Ga der Grund für die Ver- lesungen gewesen. Aus einem in seinen Anfangsbuchstaben in Ga ver- schriebenen und im Wort selbst von Bessarion berich- tigten Tμn~nOETa~ (2a3; vgl.Tafel 18, Zeile 8 von
- 186 _ unten) ist in Q das Völlig unsinnige xa~ )(An8~aEtaL a hervorgegangen. Vor allem der Hang von G zu krumm" und gebogenen BUChstaben hat im Text Von Q große Verwirrung angerichtet. Das in seiner unteren Hälf- te nach links abgebogene L wurde oft gänzlich Ver- kannt und immer wieder falsch gelesen. Besonders in der Verbindung mit T im Indefinitpronomen TL_das Wort sieht tatsächlich einem TL nicht mehr sehr ähn- lich - las Rhosos statt dessen la16 xa~, la21 f:.OtL USW. Das ParadebeisPiel freilich für die Verlesung der paläographischen Form der Vorlage findet sich 2a20/ 21. Gegen die VUlgata schreibt Q nämlich statt Ee TOO öAov aCjlaLPOuμevou xa~ n apXD xa~ T~ nepa~ aCjloL- PELtOL ypaμμn!>: Ga fOlgenden Text: EL TOÜ ÖAOV a~ClL- PErTClL xa~ n apxn xo~ T~ 1tEPCl~ aYPQμμns. Was veran- laßte Rhosos, aus aCjlaLPouμevou aCjlaLPErTaL und aus ·.·,p<r,., YP.uuo, da, 'innlo'e aYP.uuij, zu machen? Ein Blick in die Handschrift Ga offenbart des Rät'el, Lö,ung. Der er'te Teil de, fraglichen Satze, 'teht dort nämlich in der letzten Zeile de, Recte, 499, und zwar so, daß die Normalzeile mit dem An- fangs_a Von aCjlQLPELTQL abschließt und das Von diesem Wort nOch fehlende ~a ~PErTaL unterhalb der letzten Zeile hinter einem in Solchem Falle üblichen AUßenrand hin geÖffneten (vgl. Tafel 18). Der zum rechten Winkel ergänzt wird Zufall will es, daß dabei nicht unter aCjlClLPOUμEVOU zu stehen nOch dazu die Vertikale des Win- in etwa die Verlängerung des ~ -Senkrechtstrichs nach unten darstellt. Rhosos glaUbte also, ~ aLpou- μevou durch ~aLPErTClL ersetzen zu Sollen Und schrieb nur CjlClLPErTClL direkt kommt, Sondern daß kels - 187 - daher aCjlaLpErTClL. Das nunmehr am Zeilenende übrigge- bliebene a (vom eigentlichen aCjlClLPErTClL) verband er sodann mit YPClμμn~, dem ersten Wort auf dem neuen Verso, zu aYPClμμn~ . Der Marc.200 ist eine der bekanntesten Aristote- les-Handschriften überhaupt. An Volumen von keinem anderen Kodex erreicht, an kalligraphischer Ausstat- tung nur mit wenigen vergleichbar, genoß dieser li- ber pulcherrimus in der modernen Textforschung des Aristoteles viel mehr Aufmerksamkeit und größere Autorität als er in stemmatischer Hinsicht eigent- lich verdient. Denn E.Mionil konnte für die meisten der in Q enthaltenen Traktate die direkten Vorlagen - unter ihnen auch Ga - ermitteln. Vor allem Marcia- ni und Vaticani machen den Großteil der Antigrapha aus. Die einen konnte der Auftraggeber Bessarion aus seiner eigenen Bibliothek, manchmal bereits korri- giert, zur Verfügung stellen, die anderen fand er oder Rhosos in der bedeutendsten Bibliothek Roms2• Aus der Bibliothek seines Auftraggebers dienten dem Kalligraphen laut E.Mioni verschiedene Hand- Schriften als Vorlage: Wie bei Lin. war es auch bei Mot.An., Inc.An., Gener.An., Col. (womit meine Beob- a achtungen übereinstimmen) undENderKodexG.Aus E.Mioni, S.100 und passim. 2 Da Q datiert ist, ergibt sich bei diesen Vaticani somit das Jahr 1457 als terminus ante quem für ih- re Eingliederung in die päpstliche Bibliothek oder doch wenigstens für ihr Vorhandensein in Rom. Eine kleine zusätzliche Möglichkeit neben der Auswer- tung alter Inventarien und Bibliotheksdokumente also, um die Geschichte einer Handschriftensamm- lung zu erhellen.
- 188 - dem im Jahre 1445 für Bessarion von Johannes Skuta_ riotesl geschriebenen Marc.216 . welcher seinerseits seine Hauptvorlage im Marc.IV.58 hat, stammen Phgnf, MXG, Plant. und Mu.3 ebenso wie Mir. und Mech.; mei- ne eigenen KOllationen aus den zwei letzten Trakta- ten haben zu demselben Ergebnis geführt. Gehörten die beiden genannten Vorlagen der ersten Hälfte des 15.Jhs. an, so diente der ältere einige andere SChriften über die und Marc.216 auch der Großvater von Q ist, als di- rekte Vorlage für Phys., Cael., Spir. und vielleicht Gener.Corr.4 und Parva naturaliaS. Des weiteren kom- men laut E.Mioni der Marc.205 für Metaph. und der Marc.IV.58 für Sign. und Vent. als Quellen in Frage. Letzterer ist allerdings nach den neuesten Beobach- +"-gen6 n"l"> ;_. >: _ Kodex Ha, der für ZWischenglieder Ga nur ~IIQ.l.reKt über die Vermittlung des bei anderen SChriften bereits angefÜhrten Marc.216 für Identifizierung (zu ReCht) Von N.G .Wilson, The Ma- nuscripts of TheoPhrastus, in: Scriptorium 16, 1962, S.96 -102, dort S.101. 2 Der Text ist allerdings Von Rhosos selbst durch- korrigiert worden, und zwar nach R.Foerster (vgl. oben S.62, Anm.3), S.XLVI, mit Hilfe des Harleia- nus 5635, nach E.Mioni, S.64, mit Hilfe des gleiChfalls Von Rhosos geschriebenen Marc.263. 3 E.Mioni, S.41, rechnet hier aber auch den Par.2381 (Z bei Lorimer) zu den Quellen. 4 Hier läßt E.Mioni, S.36, die Wahl zwischen Ha und Ga: "ex Ha Ga omnino procedat". 5 E.Mioni, S.51, weist aber auf einen Zusätzlichen Einfluß des Marc.209 hin, während P.Siwek (vgl. oben S.93, Anm.2) für die biologischen Traktate in Ha (S.35,38), für die PsychOlogischen Traktate hingegen im Vat.260 (S.51 -53) die Vorlage sieht. 6 Vgl. D .Harlfinger - D .Reinsch (vgl.oben S.28, Anm. 1), S.47 . - 189 - den Text verantwortlich. E .Mioni nennt außerdem für Rhet. den Marc.215 (Na) - dieser ist jedoch nach- weislich jünger als unser Kodexl - und den Marc.208 für Hist.An., wo allerdings meine Kollationen die a Abfolge Marc.208 -+ G - + Q sehr nahelegen. Drei weitere Vorlagen stammen nach E.Mioni aus der Vaticana: der damals bereits etwa 4 Jahrhunderte alte Vat.260 für An.2 und Part.An. sowie teilweise für Inc.An.3 und laut P.Siwek für die psychologi- schen Schriften unter den Parva naturalia4; sodann der Vat.258 für Mete. und schließlich der Vat.1342 für MMS. Aus einem weiteren Vaticanus (2384) soll Rhet.AI . abgeschrieben worden sein6• Die Behauptung, daß Rhosos und sein Auftraggeber die Vat.258 und 260 benutzten, läßt sich überdies durch andere Feststel- lungen stützen. Im Vat.258 ist das Ende von Mete. (f.156) ein Supplement von Rhosos' Hand, und der Vat.260 gehört wahrscheinlich zu den Büchern, die Bessarion aus der Vaticana entliehen und am 14.3 . 1458 (Q .wurde am 15.7 .1457 vollendet!) zurückgege- Vgl. unten S.310/311. 2 P.Siwek (vgl.oben S.164, Anm.l), S.93,99, bestä- tigt diese Filiation für das I.Buch; die Bücher II und III führt er über ein verlorenes Zwischen- glied auf Ha zurück (S.79). 3 E.Mioni, S.60: "Rhosus Ga usus est, sed in priore parte perspexit etiam codicem U" (= Vat.260). 4 Vgl. oben S.188, Anm.5 . 5 E.Mioni, S.89, während er S.100 MM zu den Schrif- ten zählt, für welche er keine Quelle namhaft ma- chen konnte. Es wäre zu prüfen, ob nicht viel- leicht der Rav.210, die Vorlage im Falle von EE (vgl.unten) auch hier in Frage kommt. 6 M.Fuhrmann (vgl.oben S.19, Anm.3), S.73
- 190 _ ben het!. Die direkte Vorlage im Falle von EE ist der Rav. 2102, der durch Bessarions Hände ging und auch eine Abschrift Von MM, 1442 Von Athanasios Chalkeopulos fertiggestellt, enthält. Für die übrigen in Q ent- haltenen Traktate konnten bislang die direkten Anti- grapha nicht nachgewiesen werden. Im Falle von Poet. scneint ein codex deperditus die unmittelbare Vor- lage zu sein3, und der Text Von ProbI. läßt sich wohl nur apprOXimativ mit dem des vetustissimus Par. 2036 Vergleichen4• Die Auswahlkriterien, nach welchen Bessarion (und Rhosos) die Vorlagen für den riesigen Sammelkodex Q aUSSUChten, scheinen nach dem bis jetzt Bekannten nicht in allen Einzelheiten erhellt werden zu kön- nen. Immerhin lassen sich drei Fakten festhalten, wenngleich wir auch nicht wissen, ob wirklich in je- dem Falle die Möglichkeit der Wahl zwischen mehreren Zugrunde zu legenden Textzeugen bestand. Von dem an Alter die übrigen Handschriften überragenden Vat.260 sind verständlicherweise sämtliche enthaltenen Tex- te, Part.An., Inc.An., An., Sens., Mem., Somn., In- Vgl. R .Devreesse (vgl.oben S.63, Anm.1), S.40. 2 Vgl. D.Harlfinger (vgl.oben S.27, Anm.2), S.17 . 3 Vgl. E .Lobel (vgl.oben S.19, Anm.3), S.20-24, und D.Harlfinger - D.Reinsch (vgl.oben S.28, Anm.l), S.41 . 4- G.Marenghi, La tradizione manoscritta dei Proble- mata physica Aristotelici, in: Bolletino deI Comi- tato per la preparaZione della edizione nazionale dei classici greci e latini 9, 1961, S.47 -57, dort 5.49/50: "da ya (= Par.2036) pill 0 meno diretta- mente .. · "i E.Mioni, S.73, ist zuverSiChtlicher: "Dect:a linea ex ya '" Na Q manant". - 191 - somn., Div.Somn., übernommen worden. Gleich eine ganze Reihe von kleineren Traktaten hat Rhosos en bloc aus dem Marc.216 (ff.5 -110v) abgeschrieben: Phgn., Sign., Vent., Mir., Mu., MXG, Mech. Der Marc. 212 (Ga) schließlich mag wegen der Diorthosis des Bessarion als Textvorlage herangezogen worden sein, und zwar für Mot.An., Gener.An., Col., Lin. und EN. Ottoboniani 45 (Ua) und 153 Der Kodex Q diente seinerseits anderen Handschrif- ten als Quelle. Seine obengenannten charakteristi- schen Lesarten aCjla~pErtClL statt aCjlClLPOUμevou und aYPClμμn~ statt aCjlClLPELTClL ypaμμ~!> (2a20/1) sowie XCl~ )(An~nOETClL statt Tμn~r)oETClL (2a3) kehren ebenso wie die anderen Eigentümlichkeiten des Manuskripts in den jüngeren Ottoboniani 45 (Ua) und 153 wieder. Die Abhängigkeit dieser beiden Handschriften von Q zeigt sich schon bei einem Blick auf den Titel. Johannes Rhosos, der Kopist von Q, pflegte die von ihm angefertigten Bücher in ihrer äußeren Ausstat- tung mit viel kalligraphischem Dekor und der Über- sichtlichkeit dienenden formalen Besonderheiten, wie laufenden Titeln, TeAo~ - Formeln usw., pedantisch ge- nau zu versehen. So fügte er, wie in allen anderen in Q enthaltenen Schriften und überhaupt in vielen seiner Manuskripte, hinter den Titel nEp~ &t6μwv YPClμμiiiv eine Angabe über die Buchzahl, ACYO!> Er!>, und über den Umfang des Textes, Cjl~AACl ß, hinzu. In a U und im Ott.153 taucht denn auch die Ergänzung ACYO!> Er!> wieder auf. In Ua liest man außerdem so- gar ~dAACl ß. Während aber diese Angabe in Q den Ge-
~:n 1.!' ... 1 .. eme .:. .3'. : 3 .... I" 1's -s- . -+- . g ~ C i.-. ,_ , ~ C tt.153 1 . 153 111 c- ,~a uj auf jeden FaLL unabhängig voc Ott.153 ent- da letzterer zahlreiche :rennfehler auf- n der Ha~Ptsache wohl auf m~olt Und Unkonzentriertheit des Kopisten zurilck- ~ ufnhren sind, wie z.B .: ;'01 , di e Unaufmerk- qVa I~~O laovTCIL r'b 37 ~po FI Am ßl'&V 1 e T'Qnd n LUOy.on dUT'oh Tc) μtya, 9013.1 -3 J Ott.153 äYOVTClL ÖPCl~ om. n' öAov TLv6~ n sind im Ott.153 die Homoioteleuton: 9al0/11 OI)X eaTLV _ fünf gro- ClltECpoUS 6Lavo~av, Oa8-15 ETL - 193 - , cL 1tpO~ aT6μoul, Ob24/25 EOtClL - OtLYμn und 2b20/21 EAaXLotov. Auf der anderen Seite kennzeichnen aber auch Ua mehrere Trennfehler gegenüber dem Ott.153, so daß letzterer ebensowenig unmittelbar aus Ua geflossen sein kann wie umgekehrt. Ein paar Beispiele: Q Ott.153 Oa22 b9 la12 a27 bll 2a22 aμEPl'I EAeYX~n aÖl1VClTOV aμEpOrV cA{x~n (recte) öllvClTov om. öAovl om. EU~ErCl OtLyμnv Von den anderen Sonder lesungen in Ua hat ein Kor- rektor einige berichtigt • Die Filiation der Handschriften Ua und Ott.153 ist also dur~n die gemeinsamen Bindefehler gegenüber Q und die beiderseitigen Sonderfehler ~ Ua Ott.153 festgelegt. Beide Abschriften gehen ge- sondert auf ein heute verlorenes Manu- skript zurück, das seinerseits ein Ab- kömmling von Q ist. Lin. ist in Ua nicht die einzige Schrift, die überlieferungsgeschichtlich einen Kodex aus der Bibliothek Bessarions zum Vorfahren hat. Unter den im ersten Teil des Konvoluts Ua2 ent- ~ ies ist die bei weitem umfangreichste Auslassung 1m Bereich der Lin.- Überlieferung. 20' 1e Handschrift besteht kodikologisch gesehen (nach Format, Wasserzeichen, Kustoden, Kopisten und Inhalt - zum einzelnen vgl. die Beschreibung
- 194 _ haltenen Texten ist bis 13v) direkt TheoPhrasts De sensibus (ff.l aus dem Marc.263 kopiert der wie Q VOn Rhosos' Hand stammt2 Kopist des TheoPhrast-Traktats auch Damascii in De caelo parecbolae (ff.23_42v) geschrieben, und es ist kaum wahrscheinlich, daß er anstatt ebenfalls den Marc.263, der auch die Parekbolai des Damaskios ent- hält, zu verwenden, sich dafür eine andere Vorlage gesucht hätte. Für das OpUScUlum rrEp~ Xpovou des Za- a charias VOn Chalkedon (f.45) sind bisher außer U nur noch zwei Handschriften, eine davon ein Bessa- rion-Kodex (vetustissimus Marc.258), bekannt gewor- den3; es spricht nichts gegen die Abhängigkeit des Ott. Von diesem Marc. Der Traktat Lin. in kannten librarius Johannes Mauromates geschrieben worden4; trotz fehlender SUbskription kann es auf- grund der Übereinstimmung des SChriftbildes mit dem wordenI, In Ua hat der ua (ff.15-19) ist von dem be- im 'Aristoteles GraeCUS') aus mehreren Teilen zu wiederum mehreren Fa,zikeln, Von denen hier nur. die bis f.83 interessieren. Das weitere ist zwe1 Kopisten zUZuweisen: ff.84-139v Valeriano Albini, ff.140-257 JOhannes Mauromates. Vgl. J .B .McDiarmid (vgl.oben S.51, Anm.1), S.ll . 2 Zwar ohne SUb'kriPtion, aber E.Mioni (S.138) und J.B .McDiarmid schreiben Rhosos den KOdex mit Recht zu. , Vgl. K .Oehler, Zacharia, von Chalkedon über die Zeit, in: Byzantinische Zeitschrift 50, 1957, S. 31-38, wiederabgedruckt in: K.Oehler, Antike Phi- losophie (vgl.oben S.36, Anm.3), S.300 -308. Den zwei dort genannten Manuskripten (Ua Und Marc.258) ist der Havn.Fabr.88 _80 hinzuZufügen. 4 Al, Kopi,t der Mir. - Kapitel auf ff.20/21 läßt ,ich Petros Karnabaka identifizieren. - 195 - subskribierter Manuskripte dieses Kopisten1 keinen Zweifel an der Identität geben. Die Kopistentätig- keit des aus Korfu stammenden Griechen2 ist nach dem Zeugnis der datierten Handschriften mindestens für die Zeit zwischen 1541 und 1565, und zwar (in chro- nologischer ReihenfOlge) für die Städte Venedig (26. 1.1542, 1543), Rom (17.3 .1548 - 3 .2.1553 und Aug. 1559), Florenz (16.5 .1554) und Bologna (11.8 .1554, 15.2 .1555) belegt. Es liegt auf der Hand, daß Ua aus der frühesten Periode dieser Schaffenszeit stammt, da alles, wie wir sahen, darauf hindeutet, daß die Vorlagen für Ua aus der ehemaligen Bibliothek Bessa- rions kommen, also in Venedig oder in der weiteren Umgebung der Stadt kopiert wurden. Die Datierung von Ua in die erste Hälfte oder um die Mitte der vierziger Jahre des 16.Jhs. wird auch durch andere Indizien gestützt. Von den Wasserzei- chen des hier interessierenden Teils ist das erste - Anker im Kreis mit Stern und Gegenmarke S~C (ff.l bis 14, 23-45,53) - ähnlich Briquet 517, welches a. 1544 belegt ist, und deckungsgleich mit dem Wasser- Ein Faksimile findet sich bei Ch.Graux - M.A .Mar- tin, Fac-similes de manuscrits grecs d'Espagne, Paris 1891, Nr.58, bei P.Canart (vgl.oben 5.31, Anm.l), pl.14, und bei K.A.de Meyier (vgl.unten S.405, Anm.2), pl.31a. 2- Uber ihn vgl. M .Vogel-V .Gardthausen, S.177/178 und (die bibliographischen Angaben vgl.unten S.405, 2) Ch.G .Patrinelis, S.97, P.Canart, Scibes, S.65, P. Canart (vgl.oben S.31, Anm.l), S.209/10 (zu Mauro- mates als Mitarbeiter des Emmanuel Provataris), K.A .de Meyier, S.260. Wir dürfen eine Studie über Mauromates von P.Canart erwarten, der (vgl. seine Ankündigung, Provataris, S.209, Anm.98) zahlreiche neUe Kopien dieses Mannes in der Vaticana entdeckt hat.
- 196 _ zeichen des Esc. 'f. Ir. 2, den Petros Karnabaka am 12. 5.1546 vollendet hat. Die Armbrust im Kreis mit Li- lie (ff.15/22, 18/19, 46-52 e t c • ) (entfernt ähnlich Briquet 761, a.1533-34) begegnet im Esc.y .I .14, in den zusammengehörenden Esc.'f.I .9 und 'f.I .10, die al- le Von Johannes Mauromates _ ersterer 1542 in Vene- dig, letzterer 1543 - geschrieben Worden sind, und im Esc. ~ . I .I0, der 1542 zum größten Teil Von Niko- laos Murmuris (ff.1 -127v, 144-231), aber unter Mit- wirkung Von Johannes Mauromates (ff.128-143 ein- schließlich Zeile 7)1 und Petros Karnabaka (ff.143, Zeile 8 - 143a) fertiggestellt worden ist. Die Buch- stabenkombination 3-B (ff.16/21, 17/20, 64/67 e t c , ) schließlich kehrt nicht nur im genannten Esc.y .I .14, Sondern auch im ~ . I .5 (ff.1-116, a.1543 von Karnaba- ka geschrieben) und im 'f.I .6 wieder, der Ende 1545 Von Petros Karnabaka Die angefertigt wurde2• Identifizierung der manus adnotatrix im Lin.- Text von Ua dürfte - nicht zUletzt wegen der unten zu besprechenden VerWendung dieses KOdex samt seinen Korrekturen als indirekte Vorlage für die Editio princeps des Henricus Stephanus (1557) _ für die Er- kundung der Umstände der Entstehung dieses Manu- skripts und für die Erhellung nicht geringer Bedeutung stammen in Ua nämlich seiner Geschichte von sein. Von derselben Hand auch viele Marginalien zu Mir. Entgegen G.de Andres, Catalogo de los codices grie- gos de la Real Biblioteca de EI Escorial, II, Ma- drid 1965, S.17, der ff.128-143a ganz Von Petros Karnabaka geschrieben glaubt. 2 Zu sämtlichen Escorialenses vgl. Anm.1 genannten mOdernen Katalog II, Madrid 1965; III, 1967. auch den oben Von G.de Andres, - 197 - (z.B . f.20), zu den Parekbolai des Damaskios (z.B . ff.28,31) und zu den Mete. -Scholien der ff.54-76 (z.B . f.62v); bei Theophrast De sensibus entspricht sie der von McDiarmidl als 04 bezeichneten Hand, und schließlich hat sie ff.78-82 die EXOALCl Et!> t~ toO 'Ap~otoTeAou~ METEwpoAoYLxa oltopaönv zusammengetra- gen; ff.26 und 41v schreibt sie auch lateinische Be- merkungen. Die marginalen und interlinearen Notizen nebst dem eigenhändig kopierten Text weisen den da- für Verantwortlichen nicht als flüchtigen Leser, sondern als gelehrten, an Textverbesserungen und - erweiterungen und, wie es scheint, an peripateti- scher Philosophie interessierten Auftraggeber, Vor- besitzer oder leitenden Bibliothekar aus. Die an sich naheliegende Vermutung, Henricus Stephanus kön- ne der gesuchte Humanist und Besitzer zumindest der Faszikel bis f.83 in Ua sein, stellt sich bei einem Vergleich schon mit der lateinischen Hand des ge- lehrten Druckers in zwei autographen Briefen an U. Fugger im Pal.lat.1902, ff.58-61, und vollends bei einer Heranziehung der ihm zugewiesenen griechischen ManUSkripte Pal.4212 und Par.2889 als unhaltbar her- aus. Nun begegnet dieselbe marginale Hand auch häufig in solchen Escorialenses graeci, die aus der Biblio- J.B .McDiarmid (vgl.oben S.51, Anm.l), S.14 sqq. 2E. , . s ~st allerdings höchst interessant, daß ~n d~e - Sem Pal. neben anderen auch die Hand unseres ge- suchten Gelehrten an den Rändern - meist mit dem Zeichen * - griechische und lateinische Bemerkun- gen beifügt. Wenn außerdem ff.226 und 367v sogar auf H(enricus) St(ephanus) verwiesen wird, so be- deutet das möglicherweise, daß zwischen beiden Männern Beziehungen bestanden haben.
- 198 _ thek des Don Diego Hurtado de Mendoza stammenl. Da Mendoza selbst sicherlich ausscheidet _ seine Hand in einigen Von G.de Andres benannten Frühdrucken2 sieht der unsrigen nicht ähnlich _ , kommt eigent- lich nur noch sein Bibliothekar Arnold Arlenius in Frage. In der Tat war es die gelehrte Tätigkeit die- ses Humanisten, welcher sich um die Vermittlung und Wiedergewinnung der antiken Literatur sehr verdient gemacht hat3, die auch in Ua ihre Spuren hinterlas- Exempli gratia nenne ich: Esc. T .II .l, Y.I .I0, y.I .I0, y.I .12, y.I.14, ~ .I .I0, ~.I .15, X.I .4, ~.I.6, ~.I.9, ~. I .I0, n.I .l1, Editio 25.III .ll und Editio 69.VI.2. - Über den Fonds Mendoza in der Biblioteca EI Escorial vgl. die immer noch unübertroffene Darstellung bei Ch.Graux (vgl.oben S.78, Anm.l), S.163 sqq. 2 Vgl. G .de Andres (vgl.oben S.196, Anm.l), III, S.260 sqq. 3 Dieser noch nicht sehr bekannten, aber in der euro- päischen Gelehrtenwelt des 16.Jhs. bedeutenden Persönlichkeit ist eigentlich erst in jüngerer Zeit größere Aufmerksamkeit geschenkt worden: M. SChanz, Über Arnold Arlenius Peraxylus, in: Zeit- schrift für die Österreichischen Gymnasien 35, 1884, S.161-185; G.Mercati, Un indice di codici greci posseduti da Arnoldo Arlenio, in: Studi Bi- zantini 2, 1927, S.111 -120; G.J .Hoogewerff, Arnol- dus Arlenius PeraxYlus, een brabantsch Humanist, in: Meededeelingen Van het Nederlandsch Historisch Institut te Rome, tweede Reeks I, 1931, S.117-144; Nieuw Nederlandsch Biogr.Woordenboek, Bd.9, Sp.247 bis 250, s.v . Arnout van Eynthouts; P.Tentori, in: Dizionario biografico degli Italiani 4 (Roma 1962), S.213-214; B.R.Jenny, Arlenius in Basel, in: Basler Zeitschrift für GeschiChte und Alter- tumskunde 64, 1964, S.5 -45; interessante Einzel- heiten über diesen Mann finden sich auch bei Ch. Graux, S.185-189 (Arlenius als Organisator der Bi- bliothek Mendozas); vgl. außerdem J.Fresenmair (vgl.oben S.78, Anm.l), I, S.16-18; A.Gonzalez Pa- lencia y E.Mele (vgl.oben S.78, Anm.1), I, S.257 bis 259 (IIArnoldo Arlenio, bibliotecario de Men- - 199 - Gewißheit darüber schafft ein Autographon, dem Basil.F . in Photokopie vorliegtl. sen hat. Arlens griechischem von dem mir f.212rv Aus der Lebensgeschichte des Flamen Arnoldus Ar- (um 1510 - etwa 1574), der als Bibliothekar, Buchkorrektor in Bologna, Venedig und Flo- renz wirkte2, dürfte hier wegen der zur Provenienz von Ua bereits ermittelten Fakten besonders seine Zeit in Venedig interessieren. Er weilte dort von Ende 1542 bis 15473 als Bibliothekar und Organisator einer ständig anwachsenden und vorwiegend griechi- schen Bibliothek im Dienste des großen spanischen Don Diego Hurtado de Mendoza, des Bot- der Republik Venedig (1538 fügen sich ausgezeichnet in Vergleich mit I.as, lenius Peraxylus Handschriftenhändler, und Verleger vor allem Humanisten schafters Karls V. bei bis 1547). Diese Daten doza"); H.Gerstinger, Johannes Sambucus als Hand- schriftensammler, in: Festschr.d .Nationalbiblio- thek in Wien, hrsg. zur Feier des 200jährigen Be- stehens des Gebäudes, Wien 1926, S.251 -400, S.333 (Arlenius als Vorbesitzer bzw. Verkäufer von Vin- dobonenses graeci); M.Sicherl, S.58-62. Es sei an dieser Stelle Herrn Dr.M .Burckhardt, dem Konservator der Handschriften der Öffentl. Bibliothek der Univ.Basel für seine Freundlichkeit gedankt, mir diese Specimina auf meine Bitte hin zugeschickt zu haben. Die Handschrift gehört zu den mindestens 10. Basilienses , in denen B. R. Jenny (vgl. die vorangehende Anm.), S.26/27 (nebst Anm. 59), die Hand des Arlenius nachweisen konnte. Ein Specimen der Hand des Arlenius - diesem dort al- lerdings nicht zugewiesen - ist publiziert von I. Lana, Progimnasmi di Elio Teone, I, La storia deI testo, Turin 1959, tav.5 (Oxon.Auct.F .I .6). 2 Zu den genauen Einzelheiten vgl. die oben S.198, Anm.3 genannten Arbeiten. 3 Zu den Daten vgl. vor allem B.R .Jenny, S.22/23.
- 200 _ den Rahmen der anhand der Wasserzeichen und anderer Kriterien ermittelten Entstehungszeit Von Ua• Es darf gefolgert werden, daß die ff.1 -83 (vielleicht auch ff.84-139) der Handschrift zwischen 1542 und 1547 in Venedig oder Umgebung im Auftrage des Arle- nius entstanden. Dieser rührige Gräzist wird nicht nur Abschriften für die Bibliothek Mendozas vermit- telt, sondern auch auf eine eigene Handschriften_ sammlung großen Wert gelegt haben, die seinen per- sönlichen wissenschaftlichen Plänen entsprach und auch kommerziellen Zwecken dienen konnte. Es über- rascht nicht, daß er ebendieseIben Kopisten für sich anstellte (z.B . Johannes Mauromates und Petros Karnabaka), deren Ar- beit er ohnehin im AUftrage Mendozas beaufsiChtigte. professionellen im Falle von Ua Seine literarischen und editoralen Interessen Spiegeln sich denn auch in dem nicht etwa zufälligen Inhalt VOn Ua wider. So sind die Scholien zur Meteo- rOlogie des Aristoteles (ff.54 _76v und 78-82) nicht ohne besonderen Grund in den KOdex aufgenommen; Con- rad Gesner, der Arlenius sehr sChätzte, nennt näm- lich in seiner Bibliotheca universalis unter den be- absichtigten, aber nicht ausgeführten Arbeiten phi- lOlogischer Art des Arlenius auch die folgende: Olympiodori magni PhilosoPhi Platonici et Peripate- tici commentarios ad Aristotelis Meteoral; auch mit Damaskios (ff.23 _42v) hat sich Arlenius öfters be- sChäftigt2• Vgl. M .Schanz (vgl.oben S.198, Anm.3), S.169. 2 So im Basil.F .II.la; vs i . B .R .Jenny (vgl.oben S. 198, Anm.3), S.26 . - 201 - Die von M.Schanz und B.R .Jenny eingeleitete Beur- teilung des Arlenius als eines Philologen und Hand- schriftensammlers könnte durch eine Untersuchung be- sonders der Manuskripte, die außerhalb der Sammlung Mendozas durch Arlenius' Hände gingen, entscheidend erweitert werden. Es steht außer Zweifel, daß seine Tätigkeit in einer weit größeren Anzahl griechischer Kodizes als bisher bekannt deutliche Spuren hinter- lassen hat. In den meisten heute existierenden grie- chischen Handschriftenbibliotheken, sofern diese auch Bestände besitzen, die in der Zeit zwischen et- wa 1530 und 1575 im oberitalienischen Raum mit sei- nen Schreibateliers und Büchermärkten ihren Ursprung nahmen oder weitergegeben wurden, werden wir nicht selten, besonders in den Marginalien auf die zierli- che, aber doch energische Hand des Arlenius stoßenl. a Es spricht einiges dafür, daß der Kodex U ur- sprünglich nicht so, wie er uns heute vorliegt. von Arlenius angelegt war. Der relativ umfangreiche letz- te Teil (ff.140-237) ist zwar auch von Johannes Hau- romates kopiert worden, aber gerade weil sich sein Duktus hier wesentlich von dem in Lin. unterschei- det, z.B . größerer Wortabstand, flüchtigere Schrift, insgesamt dem von P.Canart beigebrachten Faksimile aus dem Ott.446 viel ähnlicher2, ist er wohl nicht gleiChzeitig mit den übrigen Stücken entstanden. Man wird mit einer Datierung dieses Teils in das sechste Jahrzehnt des 16.Jhs. wohl kaum fehlgehen, da die Ich bereite einen Aufsatz über Arlenius_als k ' ~-. " " re tor und Kopist griechi~cher Kod1~es ~OP, ~n zahlreiche Handschriften nachgewi~~ werden. 2 P.Canart (vgl.oben S.31, Anm.l),
- 202 _ Wasserzeichen I und der in der zwischen 1550 und 1556 belegt sind Schrift vergleichbare Ott.446 etwa aus der Zeit zwischen 1551 und 1559 stammt2• Ob die- Ser Teil ebenfalls für Arlenius angefertig~ wurde bzw. aus seiner Bibliothek kommt _ Bemerkungen Von seiner Hand sind nicht vorhanden _ oder ob erst ein Späterer Besitzer die beiden getrennten Teile ver- einigte, ist schwer zu ermitteln3. Mindestens bis etwa zum Jahre 15574 befanden sich jedenfalls die ff.1-83 (vielleicht auch ff.84-139) im Besitz des flämischen Humanisten. Unter welchen Umständen die Handschrift zu dem großen italienischen Theologen und Humanisten Guglielmo Sirleto (1514-1583)5 ge- langte, läßt sich beim gegenwärtigen Stand der Arle- nius- und Sirleto-ForSchung6 nicht genau klären. Eines Von ihnen entspricht P.Canart, Nr.5 (S.274). 2 Vgl. P .Canart, Tableau I, Nr.l01 (S.269). 3 Der Einband ist der übliche der Ottoboniani mit dem Wappen VOn Pius IX. (1846-78), und das Vor- SatZblatt, das kaum datierbar ist (Wasserzeichen: Menschl.KoPf im Kreis, nur entfernt ähnlich Bri- quet 15658, a.1553), hilft nicht weiter, zumal es als Schutzblatt SOWohl des Bandes im jetzigen Um- fang als auch des sicher aus Arlenius' Besitz stammenden Teiles gedient haben könnte. 4 Zum Näheren vgl.unten S.388/389. 5 Über ihn vgl. D .Taccone-Gallucci, Monografia deI card. G .Sirleto, Roma 1909; F.Lo Parco, II cardi- nale G.Sirleto. Notizie bio-bibliografico COn la PUbblicazione deI SUo testamento inedito, NapOli 1919. 6 Insbesondere was die Beziehungen zwischen Arlenius und dem römischen Kardinal und die Vorgeschichte der Bibliothek Sirletos betrifft. - 203 - Der Ott.153 ist ein mit dem üblichen Ein- band der Ottoboniani versehenes Konvolut mit 18 Einzelfaszikeln, die von beinahe ebensovielen verschiedenen Schreibern ko- piert1 sind und aus dem 15. und 16.Jh . stammen. Von Ott. 153 diesen heterogenen Stücken interessiert hier nur der 8.Faszikel, der die Schrift über die Atomlinien ent- hält. Der separate Quaternio (ff.75-82) stammt von einer Hand, die in den anderen Teilen dieses Sammel- bandes nicht wieder auftaucht. Die zahlreichen und verschiedenartigen oben S.192-193 in Auswahl ange- führten Sonderlesungen sind nicht die einzigen Feh- ler, die dem Kopisten unterlaufen sind. Neben aus- sprachebedingten Versehen, die im Ott.153 häufiger begegnen als in allen übrigen Textzeugen von Lin~ kommen auch solche Flüchtigkeitsfehler vor wie v.a . Auslassung von Buchstaben im Wortinnern oder wie 2b15 YPClμμa!> -+ XPClμμa!>. Diese kleinen, aber in ih- rer Menge auffälligen Eigentümlichkeiten nebst öf- ters fehlenden oder falschen Akzenten und Spiritus, häufigen Verschreibungen, die in scribendo korri- giert wurden, und einem solchen orthographischen Lapsus wie die Verwechslung von ~ und t (9a16 μEYE- emv -+ μEYEtmV) erwecken ganz den Eindruck, als sei der Kopist des Textes nicht mit der griechischen Sprache aufgewachsen und als bereite ihm die etymo- logische Unterscheidung bestimmter Wörter einige SChwierigkeiten. Ebenso verrät der Gesamtcharakter Folgende konnte ich identifizieren: ff.83 -95v: Konstantin Mesobotes, ff.96 -152, 213-221v: Theodo- r?s Gazes, ff.153-158v: Camillus Venetus, ff.166 ~ ~ s 172~: Manuel Moros, ff.260-274v: Librarius lorent1nus; zum Kopisten von Lin. vgl.unten.
- 204 _ des SChriftbildes' - man beachte z.B . die Art der Majuskelinitialen bei Eigennamen und am Anfang ne u , er Abschnitte (meist ET L) - die Hand eines Westeuro_ päers. Da somit ein professioneller Schreiber wohl nicht in Frage kommt', darf man hinter jener Hand einen Humanisten und GräZisten des 16.Jhs. ver"t", Daher macht sich denn auch trotz aller Flüchtig. keiten eine leichte Tendenz zur Verbesserung de, Textes im Ott.153 bemerkbar, überall dort nämlich, wo gegen die LeSungen Von Q und Ua der Versuch einer Emendation unternommen warden ist, z.B . 9a13 &,.,t, + &"", 9b25 W. Tij + .aTc, Obl om .•• t post Ou(' OELQV, Ib31 YPQμμn - + YPQμμnv, 2b13 ÖVTW~ -+ ÖVto!>. Es ist mir gelungen, den DUktus im Ott.153 als den des bedeutenden spanischen Gelehrten Juan P~e, de Castro' (t1570) zu identifizieren. Ein im Esco. rial befindliches Exemplar des 3.Bandes (a.1497) der Aristoteles_Aldina, Editio 6B.V.12, welches einst Paez gehörte, enthält nämlich auf f.Brv, di, Vgl. Tafel 16. , Ein Lateiner mit Griechischkenntnissen paßt in der Regel nicht gUt in die Ralle eines einfachen Kop i « steno 3.. )S Uber ihn Vgl. Ch.Graux (vgl.oben S.7B, Anm.l, ' 79-101 und passim; J.Fresenmair (vgl.oben S.7B, Anm.l), r, 5.20/21, 26.2 .; A.Gonzalez Palencia . E.Mele (vgl.oben S.7B, Anm.l), I, 5.314-326 ("Paez de Castro Y Oon Diego" ); c. GUtierrez, Espanoles en Trento, Valladolid 1951, 5.663-669; •. Sicherl, 5, 66/67. Eine umfassende biographische Würdigung dieses Humanisten ist ein wichtiges Desideratum (vgl. Gonzalez Palencia - Mele,r, 5.326); wie mir G.de Andres (EI Escorial) mitteilt, bereitet er eine AUsgabe nOch unverÖffentlichter Briefe des Paez vor. , Das Blatt gehört zur Editio, ist aber zum größeren - 205 - vom Besitzer selbst Kap.152 -163.4 .9.5.164-169 ren Aristoteles-Band, dem handschriftlich eingetragenen von Mir.l . In einem weite- Kodex New Haven, Yalens. Zisk.5 (Phill.7488) mit Mech. lassen sich viele Ver- besserungen nach Rasur und Marginalien (meist Vari- anten) aus der Feder des Spaniers nachweisen; und schließlich stammt von seiner Hand der gesamte Ott. 147 mit Kollationen zu Aristoteles-Schriften2 Abgesehen von der paläographischen Evidenz ist die Beschäftigung des Paez mit Lin. sowie mit Mir., Traktaten aus dem Corpus Aristote- bezeugt. Am 8.Ju- am 19.Konzil Mech. und anderen licum ausdrücklich von ihm selbst ni 1546 berichtet er aus Trient, wo er (1545-1563) teilnahm, in einem Brief an Honorato Juan (1507-1566) über seine Beobachtungen und Ergeb- nisse zu Texten des Aristoteles u.a.: "las mas de las lacunas ... principalmente en lo De mirandis auscultationibus, estan llenas. EI tratado De lineis insecabilibus es muy otro,,3. Diese Aussagen werden Bedeutung vor dem Hintergrund der Manutius' Editio princeps der (1495-1498) und den nachfol- Mitte des 16.Jhs. fehlen von Mir.4, und statt der in ihrer ganzen Aldina klar. In Aldus Werke des Aristoteles gen den Editionen bis zur nämlich die Kap.152 sqq. oben, wo der Schluß der Teil unbedruckt (außer 8r praefatio steht). Vgl. G .de Andr~s (vgl.oben S.196, S.259. 2 V gl. D .Harlfinger (vgl.oben S.27, Anm.2), S.21, Anm.62. 3V1 . 6g . Ch.Graux, S.81, Anm.1, und 5.404 (Append~ce ). Zum weiteren Text des Briefes vgl.oben Kap.II. 4 Vgl. dazu ausführlicher unten S.209 sqq. Anm,2), III ,
- 2(;6 _ pseudo-aristotelischen Schrift über die Atomlinien is t i rrtümli eh die Paraph rase de s byzantinischen Ge- lehrten Georgios Pachymeres abgedruckt wordenl• Ein anderer Brief. und zwar Vom 10. August 1545 ebenfalls aus Trient an Ger6nimo Zurita, berichtet von P~ez' und Mendozas Arbeit an der Mechanik: "Agora entende- m o s e n la Mechanica de Arist6teles"2. Wir sind damit mitten in den wissenschaftlichen Bemühungen der so- genannten Aristotelischen Akademie Von Trient 1545/ 46, die am Rande des Konzils Von einigen dort ver- sammelten gelehrten Theologen ins Leben gerufen wor- den war und deren Arbeiten und Pläne S.78-85 dieser Arbeit ausführlicher beleuchtet worden sind. Die Vermutung liegt nahe, daß der Lin.- Text des Ott.153 während dieser Zeit in Trient (oder auch im nahen Venedig) Von P~ez geschrieben worden ist3• Es läßt sich allerdings kaum eindeutig feststellen, ob der Ott.153 sein Arbeitsexemplar war, Was nicht zuletzt wegen des Fehlens jeglicher Merkmale einer Überar- beitung fraglich ist, oder ob die Handschrift nicht eher eine einfache Kopie des bisher noch nicht im Druck Vorliegenden Textes für seine eigene Biblio- thek oder für die eines anderen Gelehrten darstellt. Die beiden Lin. - O t toboniani sind also etwa zur Näheres dazu unten S.345/346, 380/381. 2 "gI. Ch .Graux, S.168, An •. 2; J.Fresenmair (vgl. oben S.78, An•. l), S.28. Zur Charakterisierung dieser BemÜhungen vgl.oben S.83, wo der weitere Brief text wiedergegeben ist. ' Das .it Hilfe des Wasserzeichens _ Engel i. Kreis mit Stern und Buchstaben Bund Gegenmarke A, recht ähnlich Briquet 670 (dort allerdings ohne Gegenmarke), a.1543 - erschließbare Datum paßt niCht sChlecht zu dieser HYPothese. - 207 - gleichen Zeit (um 1545) in Trient oder Venedig aus ein und derselben Vorlage geflossen. Dieser unmit- telbaren Nähe in Stemma und Herkunft entsprechen die Beziehungen zwischen den mit diesen Handschriften in Verbindung zu bringenden Personen. P ~ez, der Freund und Mitarbeiter Mendozas, ist der Schreiber des einen Manuskripts; Arlenius, der Bibliothekar des spanischen Gesandten, ist Auftraggeber oder doch Korrektor der anderen Handschrift, Johannes Mauroma- tes, einer der ständigen Kopisten Mendozas, deren Schreiber. In diesem Kreis und im inoffiziellen Be- reich des Konzils war die Aufmerksamkeit unter ande- rem auch auf Lin. gelenkt worden. In derselben Umge- bung kann man sich auch am ehesten die verschollene gemeinsame Vorlage entstanden denken. Es ist müßig zu überlegen, ob diese Vorlage außer Lin. noch ande- re der in Ua vorhandenen Schriften enthalten haben wird, die großenteilS, wie wir gesehen haben, auf Marciani zurückgehen. Sie konnten ebensogut einzeln in Venedig oder nach Ausleihe in Trient direkt ab- geschrieben worden sein. Ein Streiflicht sei nur auf den Traktat Mir. geworfen. Auch hier kommen wir ohne eine verlorene Zwischenhandschrift nicht ausdenB'd . 'l' , n ~ n efehler auf der einen und Jewe~ ~ge Sonderf hl f" Ua e er auf der anderen Seite verlangen ur , EscEdit] .' V . ~ 10 68.V .12 und Ott.147 e~ne geme1nSame or- lage. Zudem stammen Esc. und Ott.147 wie Ott.153 Von der Hand des P~ez, so daß wir bei Mir. sowohl hinsichtl' . ~ ch der Filiation als auch der Proven~enz Wiederholung der Überlieferungs- drängt sich daher Mir. eine ziemlich exakte lage Von Lin. vor uns haben. Es
- 208 - die ypot i f, eSe aß es sie ei er verscnol.l.ene Vor S'te e iGer mde raJetate sel..~ e e ndel aben kÖnnte. Die Vor deperditus seinerseits ist aue der Harc.2CO (Q)l, we schließlich; der leichte E' rion-Kode~, des Marc.215 ( bar, z.B.: 845b35 .3 ~ld'E Ottoboniani Esc. A ci,ese eocex wiede .ir. aue auS- eines a)2, iST: a::lcere- :ieutlic Bes- ~..:..g • . ..- lta-; .:~ci~E St:el. ~en :t.at: ce!" z~ vermeicen. drc.2!5 Die '.dchtigsten Esc. sind: 845b33 T,1a';a Bindefen.ler Von Ottcboniani. b33/4 6~6, spat. aUTo:Na 6La~ x spat. OE a' 0: -+ 6~o~ spa-:.6€ b3 o?i Der als lopist dieses Tei.ls Petros Y.arnaba~a hat bungen a. ~ ZuschUlden ko r.oAoTuxoL ~n~ 846a32 des Juan "af;.z in zum grÖßten Teil i'pische Fehler': Von sich nur zwei e n lassen: 8 enrifiziert:e Kleine Verschrei- 6a29 r;nA6TultoL ~ öwv 3. Lsc.Editio 68.V .12 und Ott.147 sind für einen Nicht-Griechen besonders 846a9 arTVn -+ l~vn, a12 YEpovTa~ -+ öCiv -+ ie Irrtümer Lesart ist Ober die Editio des Henricus (vgl.unten S.388) in den gedruckten Text n und hat sich trotz der anderslauten_ ung der VUlgata (μwöäv) hartnäckig in allen rncn Ausg~ben gehalten. - 209 - Y&POVtCl, a13 aUTiiiv -+ aut ...... ,b16 ÖiiyμCl nige andere mehr. ö!1)(μa und WA- Bei dieser Gelegenheit mag endgültig eine Fehl- kombination beseitigt werden, der seit A.Westermann1 alle Editoren von Mir. zum Opfer gefallen sind. Die isolierte Überlieferung der Kapitel 152-163.4 .9.5. 164-176.1 (bis 830a12).177 .178.33 in Ua beweist kei- neswegs, wie behauptet wird, daß diese unabhängig von den übrigen abgefaßt und erst später beigefügt worden sind. Es liegt vielmehr auf der Hand, daß in a U nur die in der Editio princeps des Aldus Manu- tius nicht vorhandenen bzw. vollkommen anders lau- tenden Abschnitte sekundär herausgeschrieben sind2. Die Situation in der Aldina freilich ist auf die allgemeine Überlieferungslage zurückzuführen, die sich in ihren wesentlichen Zügen folgendermaßen skiz- zieren läßt: Marc.IV.58 IMarc.216 Die Filiation des Traktats Mir. wird von zwei (nicht vier, wie bisher angenommen) unabhängigen Familien gebil- det. Die erste Familie über- liefert folgende Kapitel der Bekkerschen Ausgabe in dieser Reihenfolge: 152-163. 4.9 .5 .164-176.1 (bis 830a12). Ambr.A Marc. Marc. 1745Up. 2X': Esc.Ed. U Ott .147 Scriptores rerum mirabilium graeci, BrunSvigae 1839, S.IV, XXVI 2 • Daß diese Ergänzung in Ua, Ott.147 und Esc.Ed.68. V.12 (letzterer Textzeuge bricht mit Kap.169 ab) auf die textkritische Arbeit der Aristotelischen Ak~demie von Trient zurückzuführen ist, wurde be- re~ts oben S.83 eingehend besprochen.
- 210 _ 177.178.32-75 .77 .76.78_151 . Ihr Hyparchetypus ist der Marc.Iv.58; das obige Stemma veranschaUlicht seine Deszendenz. Die zweite Familie umfaßt demge_ genüber die Kapitel 1-1511• Sie ist in zwei unabhän_ gige Überlieferungsarme geSpalten, deren einer (a) durch die Laurentiani 86,32 und 60,19, auf die der Havn.Fabr.60 _4° und der Ambr.c 4 sup. zurückgehen, und deren anderer (b) durch den gegen Ende der Schrift mutile abbrechenden Londin.Lamb.Pal.1204 und den Vat.1302 repräsentiert wird. Letzterer ist der Stammvater der Voneinander unabhängigen Urb.l08, Pal.162 und schließlich Bern.402, welcher seiner- seits das Antigraphon des Leid.Voss.Q 25 darstellt3• Die beiden Familien unterscheiden sich am auffäl- ligsten dadurch Voneinander, daß die ersten 31 Kapi- tel der Schrift inhaltlich nicht übereinstimmen; erst ab Kap.32 überliefern beide Familien denselben Text4, Dieser Umstand ist im Überlieferungsarm a be- Auf die Kenntlichmachung ganz vereinzelter Auslas- Sungen und unbedeutender Umstellungen heterogener Art innerhalb der Handschriften dieser Familie sei verzichtet. 2 Im Laur.86,3 ist die abhanden gekommene zweite Hälfte Von einer wesentlich Späteren Hand, wohl der des Camillus Venetus, ergänzt, die einen Kodex aus dem gleich zu nennenden Überlieferungszweig b als Vorlage benutzte. 3 Auch die Aldina hat ihre Vorlage aus diesem Zweig der Überlieferung genommen. 4 Eine inhaltliche Analyse muß zeigen, ob beide An- fänge authentische Teile der Schrift sind Und mög- licherweise hintereinander in den Text gehören oder ob wir es mit Zwei verschiedenen FaSsungen, welcher Herkunft sie auch immer sein mögen, zu tun haben. - Es sei hier nur beiläufig darauf hinge- wiesen, daß sich der fragliche Text auf beiden - 211 - merkt worden und hat dazu geführt, daß die Kapitel 152 ... bis ••• 178 an den Schluß des Textes (hinter Kap.151) mit der folgenden Bemerkung (vgl.Laur.60, 19, Havn. und Ambr.C 4 sup.) angefügt wurden: EV äAAW aVTLypa~W n ltPOXELμEvn aPXn ltaOCl twV ltClpaö6~wv axouoμatwv CAELltEV äxp~ TOi) "Ev ßL~UV(Cl oe ti'i!> ~pa- xn!> EV Tot!> μETaAAO~!>" (=832b27), ~ oClV 0€ avt'EXEC- vwv t~ UltOTETClYμEVCl: - Wenn hier statt 832b21 (= Be- ginn von Kap.32) erst 832b27 als der Beginn des über- einstimmenden Textes angegeben wird, so hat das of- fensichtlich seinen Grund darin, daß die übereinstim- menden dazwischen liegenden Stellen wegen einiger ab- weichender Lesarten - so ergänzt die erste Familie z.B . ltEpt TWV EX yn~ aVClCjlUOμeVwv ltUPWV direkt vor (xa~) f:.V ßL~UV(Cl •. • - nicht als solche dem zitierten gesehen wurde. Wir kehren zur Lin. -Überlieferung zurück. Mit den in diesem Abschnitt behandelten Ottoboniani ist vom Stammvater der Familie y ausgehend die achte Handschriftengeneration in gerader Linie erreicht. Zum Schluß mag deshalb eine tabellarische Übersicht Idee von J.Mogenet1 die von Stufe zu Stu- Textkorrumpierung zahlenmäßig einzelne Überlieferungs- nach einer fe fortschreitende veranschaUlichen. Für jede Seiten in genau 31 Kapitel gliedert, jeweilS ge- danklich gut zum Anschluß paßt und mit denselben Wort • ,- • en endet: ••• Tn!> ~apaxoltn~, E~nOEV EXE~VOV aUt~ TOV Xp6vov nÖLoTa ßEßLiiio~ClL (= Kap.31, 832b 20/21 und Kap.178, 847b9/10). J.Mog~net, Autolycus de pitane. Histoire du :exte, LOuvaln 1950 (= Universite de Louvain. Recue~l de Travaux d'Histoire et de Philologie, 3e S~rie, Fasc.37), S.67 sqq.
- 212 - stufe wird die Zahl der größeren Auslassungen (meist ex homoeoteleuto) = A, der kleineren Auslassungen von Silben, einzelnen Wörtern oder Wortgruppen =a, der sonstigen Fehler verschiedener Art = F, der Transpositionen = T, der Ergänzungen =Eundder itazistischen oder sonstwie aussprachebedingten Ab- weichungen = I notiert; daneben sind auch die Kor- rekturen und Überarbeitungen jeglicher Herkunft =K durch welche in fünf Textzeugen Fehler verSChiedensten Generationen wieder geheilt wor- den sind: verzeichnet, der A a F E 7 17 In 5 33 la 3 11 H la 4 1 10 G IQ 4 19 I 3 10 • UaQ53 0/4 6/10 9/10 T E I 2 1 7/9 K 6 4 2 4 1 5 22 3 3 3 4/0 - 213 - Vind.Phi1.206, Par.1851 und Urb.38 (Qa) Wir müssen noch einmal zum "Urgroßvater" der so- eben behandelten Ottoboniani, dem Marc.212 (Ga), zu- rückkehren. Denn aus ihm sind unabhängig von Q auch drei andere Handschriften geflossen. Alle seine spe- zifischen Merkmale kehren wie in Q auch in Vind. Phi1.206, Par.1851 und Urb.38 (Qa) wieder. Auch bei diesen Abkömmlingen fand die Übernahme erst statt, nachdem der Kodex von Bessarion überarbeitet worden war, da die meisten seiner Korrekturenl und margina- len Ergänzungen Berücksichtigung gefunden haben. Ein Blick auf die Kollationen aus den drei Handschriften läßt erkennen, daß Vind. und Par. viel enger miteinander verwandt sind als mit Qa und daß die eine Seite nicht die andere beeinflußt haben kann, da wir Par. sowohl hier wie dort komplizierte Trennfehler fin- den. Auf beiden Seiten begegnen die zur Genüge be- kannten Kategorien von Sonderlesungen, vor allem Auslassungen jeglicher Art - von Buchstaben, Wörtern und Wortgruppen - , aber auch Hinzufügungen, Trans- POSitionen, Itazismen, orthographische Verschieden- heiten usw., wobei oftmals bewußte Versuche einer Emendierung vorzuliegen scheinen. Ein paar Beispie- le aus den langen Variantenlisten zur Illustration: Vind.Par. Ba:l triv q)\lo LV ti; e!\JOEL ZIl en Ausnahmen vgl. unten 5.216.
Ga Qa 8b7 -+ 9a17 ta~ aTOμOu!> -+ Oa4 , ri -+ EL a22/3 -+ a24/5 -+ Ib24 öAw!> -+ Ga Vind.Par. a24 b16 Oa8 Ga 8bll 9b24 6{ TLVCl Oa16 Ti'js la23 ötav Y~P 2b15 E» Verbindende - 214 _ Vind.Par. om. öoaL - μETPO~μEvaL (ex homoeot.) ln6)Jou~ Die Vorlage, Von welcher Qa einerseits und Vind. Par. andererseits unabhängig voneinander abstammen, kann nicht mit Ga selbst identifiziert werden, da die drei jüngeren Handschriften auch gemeinsame Bin- defehler gegenüber Ga zeigen, wie etwa: , t ELU orn , om. ÖLa TO - OUVEXE~ (ex homoeot.) ÖAW~ ÖAOU (Konj.?) ErvaL ÖLltAaat.'avl -+ EXEL (recte) -+ 66~ELEV (recte) , -+ om, TCl -+ add. μn post EL (Konj.?) Qa Vind.Par. om. "av Ör) TLva TOÜ yap μn (Konj.?) gemeinsame Merkmale sind auch mehrere Offensichtlich der Versuch, die Auflösung der pension mit einer Korrektur zu kombinieren. Sus- - 215 - gelungene Konjekturen und orthographische Verbesse- rungen (mit der Vulgata meist gegen Ha und dessen Abkömmlinge) • z , B. Ga (Ha) Qa Vind.Par. 8a9 YPClμμS~ -+ YPClμμi'j!> , A6yo~ 9a27 V -+ 1all OTqμn -+ OT LYμn 2a19 oTLyμn -+ otLYμnv a29 OTEPPOO -+ OTEPEOO Es ist nunmehr sicher, daß unsere drei Textzeugen indirekt über ein vermitteln- des Zwischenglied auf Ga zurückgehen. Da diese vermittelnde Handschrift mit keiner der erhaltenen gleichgesetzt werden kann, Par. muß sie verlorengegangen sein. Ihre Textgestalt läßt sich jedoch aufgrund der Existenz zweier getrennter Abschriften mit großer Genauigkeit rekonstruieren. Überall dort, wo erstens Qa, Vind. und Par. gemein- same Fehler gegenüber Ga aufweisen und zweitens Ga entweder mit Qa oder mit Vind. und Par. zusammen- geht, werden wir ebendiese Lesarten auch für den Text des deperditus ansetzen dürfen. Fertiggestellt in der Zeit zwischen der Entste- hungs. a e~ner Vorlage G oder vielmehr der Korrektu- ren Bessarions, die ja größtenteilS berücksichtigt sind, und des älteren seiner drei Apographa, stellt dieser verschollene Kodex eine ungewöhnlich sorgfäl- tige und gewissenhafte Abschrift dar. Von der hohen Qualit"t d' . E' a ~ e se s Textzeugen bekommt man e~nen ~n- druck ' t , wenn man sich vor Augen führt, daß ~nsgesam
- 216 _ sieben kleinen Versehenl, VOn denen zudem das eine oder andere als Versuch einer Konjektur aufgefaßt werden könnte, eine fast doppelt so große Zahl Von gelungenen Emendationen gegenübersteht, durch die die Lesart der VUlgata gegen eine Verderbnis der eigenen Familie wiederhergestellt worden ist. Auch an die Auflösung einiger Abbreviaturen hat sich der ' , T' , , Kop~st herangetraut, z.B. la4 Evav -+ EVaVtLClL, b EP, _ _ Ö. 1 21 ltEPLf - + ltEPLCjlEPELa und 2b29 öLa~o ltWS -+ La- <popov 1tW~ . Wie schon erwähnt, lagen dem Schreiber dieses Ma- nuskripts die Korrekturen Bessarions in Ga bereits vor. Dennoch fehlen in allen drei Apographa ebenso wie im Grundtext VOn Ga die Wörter 2al1 owμaTwv aTOLXEra, eine Auslassung durch Homoioteleuton, die der griechische Kardinal am Rand nachgetragen hatte. Es gibt zwei Möglichkeiten, diese Tatsache zu erklä- ren: Entweder wurde die Marginalie bei der Abschrift Übersehen, oder Bessarion ergänzte sie erst bei einer späteren Revision, die also nach der Fertig- stellung des verschollenen KOdex, aber auf jeden Fall nOch Vor 1457 st~ttgefunden haben mUßte, da Rhosos die Ergänzung bereits in Q eingearbeitet hat. Analog verhält es sich mit einer anderen Korrektur Bessarions (9a20/1): Der übergeschriebenen (kaum zu Cl• n entdeCkenden) Variante tiii ECÖEL in Ga, durch die der riChtige WOrtlaut entsprechend der VUlgata her- a gestellt wird, ist bei Q Rechnung getragen, bei Q Unter ihnen kein einziger wirklich gravierender Fehler, aUch keine längere AUSlassung, Was in der Tradierung Von Lin. eine höchst seltene Leistung darstellt. - Theoretisch könnte die Handschrift natürlich aUch durchkorrigiert worden sein. - 217 - run g wird man über das exakte Kodex nichts Näheres einer sicheren Klä- Problems, zumal und Vind./Par. hingegen nicht. Zu hinsichtlich dieses Entstehungsdatum des verschollenen auszumachen ist, nicht gelangen können. zur mühelos und rekonstruierbaren Text- äußere Gegebenheiten in Erfahrung bloße Ver- Im Unterschied form läßt sich über Anlage des codex deperditus nicht mehr viel bringen. Immerhin dürfte es mehr als eine mutung sein, daß hier die Schrift An. dem Text von Lin. voranging, wenn man sich vergegenwärtigt, daß sowohl in Vind./Par. als auch in Qa, den unabhängig voneinander aus jenem Kodex geflossenen Abschriften, gerade diese Traktate aufeinander folgen. Vielleicht darf man auch eine vorsichtige Hypothese über die Zeilenlänge jener Handschrift äußern. Sie mag durch- schnittlich etwa 35 Buchstaben umfaßt haben, wenn man von der ziemlich gleichmäßigen Länge der drei AUslassungen du~ch Homoioteleuton im Überlieferungs- zweig von Vind./Par. (8b7 = 39, Oa22/23 = 36 bzw. 431, Oa24/25 = 302 Buchstaben) ausgeht3• Die enge Verwandtschaft des Vind. und des Par. wird eindeutig durch zahlreiche Binde- Vind. Par. J: nachdem, ob man Oa22 tnV öAnV mitrechnet oder n~cht. de h" .' W'd h ' nn auc hLer w~rd letztl~ch die ie er- olung' ..t ' ..( - (0 OU ltOL'I0EL μE(~W (Oa22)/oU ltOL'I0EL μE~~OV a23) zum Ausfall des Stückes geführt haben. 2. Ohne Oa24 öLClLpeoEL~ was in Ga und Qa und somit auchid ',' 3 n em verlorenen zw~schengl~ed fehlt. Das A d . ~ ge des Kopisten gleitet am ehesten ab, wenn ~e s~h . b' d c w~ederholende gleiche Buchstabenver ~n- ung etwa untereinander steht. Daher machen lacu- naeexh ' Z' I omoeoteleuto oft ziemlich genau e~ne e~- e des zugrunde liegenden Textes auS.
- 218 - fehler gegenüber ihrem Vorfahren Ga und ihrem Sei- tenverwandten Qa bewiesen. Im Verhältnis der beiden Textzeugen zueinander scheint von den drei stemmati_ schen Grundtypen eine Möglichkeit. nämlich die di- rekte Abhängigkeit des Par. vom Vind •• dadurch aus- geschlossen zu sein, daß die Wiener Handschrift et- wa ein halbes Jahrhundert jünger ist als der Par., wenn man einer SChreibernotiz im letzteren Glauben schenkt. Der Vind. datiert selbst bei vorsichtiger Auswertung der Wasserzeichen, die ähnlich für 1460- 62 belegt sindl, aus dem dritten Viertel des 15.Jhs., während die SUbskription des Pariser Pergament-Ko- dex das Jahr 1402 angibt. Doch diese Datierung des Par. ist aus zWei Gründen mehr als problematisch: Erstens weist der paläographische Befund den Duktus des ersten Teiles des ManUskripts (ff.1 -22; Lin.: ff.18v_21) nicht der Wende Vom 14. zum 15.Jh •• son- dern vielmehr der zweiten Hälfte des 15.Jhs. zu, Und zweitens schließt die relative Chronologie der Filiation. Wonach der seinerseits erst nach 1438 entstandene2 Marc.212 (Ga) geradliniger Vorfahr im zweit(~ Glied Von Qa Vind.Par. ist, diesen frühen Zeitansatz gänzliCh aus. Zur Lösung des Problems führt die kOdikologische ff.l-10: Ochsenkopf mit Blume, recht ähnlich G. Piccard, OChsenkoPf-wasserzeichen, 3 Teile, Stutt- gart 1966, XII,431 (a.1461/62), jedoch Stange kür- zer und Blume größer (Briquet 14759, so bei Hunger (vgl.oben S.169, Anm.2), S.316, kommt kaum in Fra- ge); ff.11 -52: Dreiberg im Kreis mit Kreuz, ähn- lich Briquet 11883 (a.1460), jedoCh etwas weiterer Abstand der BOdendrähte (Briquet 11895, so bei Hunger, kommt kaum in Frage). 2 Vgl. oben S.176-177 . - 219 - Untersuchung des Par. Dieser besteht aus zwei Tei- len - a) An. und Lin.: ff.1-22 = 2 Lagen (1 Quinio und 1 Senio). nur die erste (mit Cl) signiert; b) Themistios, In An. comm.: ff. 23 -76 = 6 Lagen (2 Qui- nionen, 3 Quaternionen, 1 Quinio) Cl-E, die letzte nicht signiert - , die von zwei verschiedenen Kopi- sten geschrieben sind. Die erwähnte Subskription steht am Ende des zweiten Teiles (f.75v) und stammt von der Hand des betreffenden zweiten Kopisten. Aus diesen Beobachtungen ergibt sich, daß im Par.1851 zwei Teile verschiedener Herkunft und verschiedenen Alters vereinigt worden sind, deren erster aus der zwei ten Hälfte des 15. Jhs. stammt und deren zweiter im Jahre 1402 fertiggestellt wurde. Dabei sind na- türlich inhaltliche Gesichtspunkte für die Zusammen- legung der Originalschrift An. (und Lin.) mit dem dazugehörigen Kommentar des Themistios ausschlagge- bend gewesen. Wie es scheint, hat sogar der jüngere Kopist den älteren Kommentarteil vor sich gehabt und seine eigene Arbeit als Supplement im Hinblick auf die beabsichtigte Vereinigung in einem einzigen Band angelegt. So jedenfalls läßt sich wahrscheinlich die äußerliche Übereinstimmung deuten: jeweilS 39 ge- pro Seite und gleiches Format des 195x130) im ersten Teil und schriebene Zeilen Schriftspiegels (ca. mm im erste Q' , n u~n~o des zweiten Teiles. Die Subskr-i , . 'I t r~pt~on am Ende des alteren Tel eS nenn zwark. e~nen Schreibernamen, wohl aber außer dem Jahr auch d . en gen auen Ort der Entstehung; sie lautet w~e fOlgt (f v , ' . 7 5 ): EypaCjln E» μEÖ~OAavw Tii~ ALyuoHxi'\~ c v tiii μO\)ClOTll ' .,' ' """,. PLW TO~ ClYLOU ClμßPOOLOU KClL EtEAELwvn EtEL tf\!> XÜ 0 ' , Ö axpwaEws X~ALOOTW TETpaxOoLootW ÖEUTCPW E-
- 220 - HEBpCou X~: - Jahr, Ort und Kloster bringen unSe- ren KOdex in auffallende Nähe zu zwei von G.Mercati identifizierten Autographa des Manuel Kalekas (t1410), und zwar zum Vat.l091 mit der Schrift "De fide deque principiis fidei catholicae" des Kalekas und zum Marc.156 mit der Schrift seines Lehrers und Freundes Demetrios Kydones "De processione Spiritus Sancti", die im September bzw. Januar des vorange- gangenen Jahres 1401 in ebendemselben Kloster ge- schrieben wurdenl. Mit seiner unübertroffenen Ge- lehrsamkeit und Kombinationsgabe hat Mercati, der anhand einer Photographie feststellte, daß die ma- nus des Par. nicht die des Kalekas ist, aus verschie- denen Indizien den Schluß gezogen, daß die Hand un- seres Textzeugen "quasi certamente di un latino" stammt2• und hat darüber hinaus vermutet, daß wir es vielleicht mit einem SchÜler des berühmten Manuel Chrysoloras3 (um 1350-1415), der ein Freund des Ka- Vgl. G .Mercati (vgl.oben S.110, Anm.2), S.81; ebd., Anm.l, diskutiert Mercati die Lokalisierung des Klosters. - VgI.auch oben S.117. 2 G.Mercati, 8.81, Anm.3 (auf S.82): "Avevo creduto dapprima che la permanenza deI frate (= Kalekas) a Milano potesse essere attestata anche per il 29 dicembre 1402 ( ... ) dall'Aristotele Parisino gr. 1851 ... , ma Una fotografia '" mi ha dimostrato cio che Ie gravi varianti nella denominazione di Milano edel monastero e nell' uso deI era volga- re (in den beiden Kalekas-Handschriften heißt es nämlich: f:.\1 TOr~ MEÖLoAavoLS tv T~ μov~ ••• lTOU~ ,qA() facevano sospettare, e cioa che la scrittu- ra a di una mano affatto diversa, quasi certamen- tedi un 1atin0 , ... ". 3 Ober diesen für die Geistesgeschichte der Renais- sance so bedeutenden byzantinischen Gelehrten vgl. vor allem G.Cammelli, I dotti bizantini e Ie ori- gini delI' umanesimo, I: Manuele Crisolora, Firen- ze 1941. - 221 - lekas war und sich damals in Mailand aufhielt, zu tun haben1 . Mit beiden Vermutungen behält Mercati recht. Denn der Schreiber des zweiten und älteren Teiles des Par.1851 ist Italiener und zudem des Manuel Chryso- loras Schüler und Freund: Palla di Nofri Strozzi2 (1372-1462), wie ein Vergleich mit den subskribier- ten Parisini 1908.1909 und 1919 lehrt3• In den von L. A . Ferrai, V. Fane lli und G. Fiocco veröffentlichten Inventarien der Bibliothek des Palla Strozzi, die G.Mercati, loc.cit.: "Uno scolaro del Crisolora a Firenze? a Milano ( ••• ) 0 a Pavia?". 2 ..V ~:r ~eine Person vgl. A .Fabroni, Pallantis Stroc- t~~ v ~ta, Parma 1802; G.Fiocco, La casa di Palla Strozzi, in: Memorie dei Lincei, Classe scienze morali~ serie VIII, vol.V, fasc.7, 1954, 5.361 - 382. Uber Palla Strozzi als Humanisten und För- derer griechischer Bildung kurze Bemerkungen bei G.Voigt, Die Wiederbelebung des classischen Al- terthums, Berlin 1859, S.152; E.Ferrai, L'Ellenis- mo nello studio di Padova, Padova 1876, S.26 sqq.; G:Cammelli, S.57-60 und passim (vor allem über d~e Beziehungen zwischen Chrysoloras und Strozzi); G.Cammelli, I dotti bizantini e Ie origini dell' umanesimo, II: Giovanni Argiropulo, Firenze 1941, S.21 sqq. und passim. Über seine Bibliothek han- deln L.A .Ferrai, La biblioteca di S.Giustina di Pad . . I ova, Kap.II, als Appendix zu G.Mazzat~nt~, n- Ventario dei manoscritti Italiani delle bibliote- c~e .di Francia, II, Roma 1887, S.566-574; R:Sabba- d7n~ (vgl.oben S.63 Anm.l), S.55; V.Fanell~, I ~~ bri di messer Palia di Nofri Strozzi (1372-1462), ~n: Convivium 1 1949 S 57-73' G.Fiocco, La bi- bl' "". . ' ~ oteca di Palla Strozzi in: Studi d~ b ~bl~o - grafia e di storia in ono;e di Tammaro de Marinis, III, 1964, 5.289-310. _ Eine umfassende Darstel- lun d . . t e .g ,es W~rkens dieses bedeutenden Huma~~s e ~ . ~ ~ st~ert, wenn ich richtig informiert b~n, n~cht, s~e .. ware ein dringendes Desideratum. 3 V gl. jedoch oben S.116, Anm.2 .
- 222 - zumindest von den griechischen KOdizes, die er im Laufe seines langen Lebens sammelte, nur einen Bruch_ teil erfaßt zu haben scheinen, ist diese Handschrift nicht aUfgeführt. Der Name des jüngeren Kopisten, also desjenigen des ersten und hier hauptsächlich interessierenden Teiles des Par.1851, ist mir unbekannt geblieben. Auch E.Lobel, der hervorragende Kenner griechischer Schreiberhände der Renaissancezeit, vermochte den Kopisten des Laur.60,14 (Poet.), der meiner Ansicht nach mit dem des Par. sicher gleichzusetzen ist, nicht namhaft zu machenl. Dieser Schreiber muß eine enorme Menge griechischer ManUSkripte angefertigt haben. Schon Lobel hat außer dem Laur. sechs weitere Kodizes aUfgefÜhrt, und allein unter den Aristoteles- Handschriften ist mir seine Hand etliche Male begeg- net2• Lobel hat m.E. sehr überzeugend dargelegt, daß dieser Schreiber - wir Wollen ihm nun wegen seiner Produktivität und Bedeutung einen Namen geben: Li- brarius Florentinus - in Florenz tätig war und den Laur.60,14 dort zwischen 1473 und 1492 (oder sogar spätestens 1483) geschrieben hat3. Auf die Verbin- E.Lobel (vgl.oben S.19, Anm.3), S.53 (= Appendix VI ): "I have not sUcceeded in identifying this scribe, but it is reasonably certain that he worked in Florence". Er ist sicher nicht identisch mit Demetrios Chalkondyles, Wenngleich mit ihm in Beziehung stehend (vgl.unten), wie A.Diller, The Manuscripts of Pausanias, in: Transactions and Proceedings of the Amer.Philol.Ass.88, 1957, S.169 bis 188, dort S.176, Anm.42, vorsichtig vermutet. 2 Vgl. unten Anhang, S.417 (Anonymus 1). 3 E.Lobel, S.14/15 und 53. - 223 - Florenz weist auch das Wappen ihm geschriebenen Mon.1511 (Li) und die nicht zu übersehende Tatsache, daß die meisten der ihm zuzuweisenden Kodizes sich in der Laurenziana zu Florenz befinden2, wobei seine Re- staurierungen im Laur.C .S .AF 2604 (192) möglicher- weise auf offizielle Bibliothekstätigkeit hindeuten. dun g des Kopisten mit der Medici in dem von einem Artikel zur causis plantarum3 Briefen des Ambro- Traktats von der Nun hat jüngst A.Colonna in Textgeschichte von Theophrasts De zu beweisen versucht, daß eine in gio Traversari erwähnte Kopie jenes Hand des Paolo dal Pozzo Toscanelli (Paulus medicus bzw. physicus) (1397-1482) sich heute im Laur.85,3 wiederfinde, der ganz von eben unserem Librarius Florentinus geschrieben ist. Die Gleichsetzung des berühmten Mathematikers und Astronoms, des Brief- partners von Columbus, mit diesem Schreiber, dessen Duktus schwerlich der eines Lateiners sein kann, muß jedoch mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Denn Paolo dal Pozzo Toscanelli, der den besagten Theo- Dieser Kodex mit Kommentaren des Alexander von Aphrodisias und Michael von Ephesos zu den Parva ~ ~ t ~ra~ia wurde von Clemens VII. (Giuliano dei Me- ~C1) ~m Jahre 1532 dem deutschen Humanisten und Klassischen Philolo$en Johann Albrecht widmann- stetter geschenkt. 2 Die Reihe der mir bekannten nicht_aristotelischen ~anuskripte dieses Schreibers in der Laurenziana ~ st noch wesentlich stattlicher. 3 A.Colonna, Per una edizione critica deI Oe causis plantarum di Teofrasto, in: Bolletino dei comit~to per la preparazione della edizione nazionale de~ classici greci e latini N.S .14, 1966, S.1-12, dort S.6 -7 . '
- 224 - phrast-Kodex im Jahre 1431 schriebI, war bereits seit zwei Jahrzehnten tot, als der Matr.4578 (N41), an dem der Librarius Florentinus mitwirkte, ent- stand2• Der Schreiber der Lin. -Handschrift Vind.Phil.206 ist, wie ein Vergleich mit dem von H.Omont3 publi- Zu den Einzelheiten vgl. die Beschreibung des Laur.85,22 im 'Aristoteles Graecus', wo ich die Vermutung äUßere. daß ebendieser Kodex das Auto- graphon des Toscanelli sein könnte. 2 Der Matr.4578 (mit Oec. und POl.) ist zum größten Teil von Konstantin Laskaris im Alter von 66 Jah- ren im Jahre 1501 und etwas später geschrieben; er enthält f.97v eine lange SUbskription des Ge- lehrten: '" f:." μEaOn"n T~~ OLXEAt.'as ETEL QltO ~EO- yovt.'as aCjlCl T~ μev otxovOμLXa npo ltOAAOO XCl~ TLva Tiiiv ltOALTLXiiiv, Ta Ö€ TEAEUTara UOTEPOV xa~ ltpo!> T~ T€AEL TOO ßt.'ou ••• Vom Librarius Florentinus stammt nur ein einziger Quinio (ff.54-63v) mit eigenem Wasserzeichen (Adler = Briquet 90, a.1503), der genau mitten in einen Quaternio des Laskaris (ff.50 -53v, 64-67v) eingefügt ist, so daß insge- samt eine Lage mit 18 Blättern entstanden ist. Da der laufende Text an allen Nahtstellen lückenlos und völlig gleichmäßig (d.h .gleiche SChriftdichte, Zeilenzahl etc.) ineinander übergeht, handelt es sich nicht um die sekundäre Einfügung von etwas Ausgefallenem oder Ausgelassenem. sondern um die FortfÜhrung der von Laskaris f.53v unterbrochenen Arbeit auf einer Extralage, an die wiederum Las- karis seinerseits später anknüpft; er verwendet dabei ab f.64 viel dunklere Tinte als vorher: T~ öe TE\EUtarCl UOTEPOV? 3 H.Omont (vgl.oben S.69, Anm.l), pl.16 aus dem Par. 2783. Diesen KOdex will D.C .C .Young. A Codicologi- cal Inventory of Theognis Manuscripts, in: Scrip- torium 7, 1953, S.3-36, dort S.3, Anm.l, eher Ja- nos Laskaris Zuweisen: "No.16, ascribed to Chal- condylas, seems rather to be a good sampIe of J. Lascaris." Aufgrund des Vergleichs mit Par.2023 (vgl. M .Vogel-V .Gardthausen, S.107) bin ich jedoch VÖllig sicher, daß wir in dem von Omont veröffent- lichten Specimen sehr wohl Demetrios Chalkondyles' - 225 - zierten Specimen und mit dem Aristoteles-Kodex Par. 2023 lehrt, kein anderer als der bekannte byzantini- sche Humanist Demetrios Chalkondyles I (1424-1511), der dritte bedeutende Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie und griechische Literatur in Florenz nach Hanuel Chrysoloras und Johannes Argyropulos. Zwischen ihm und dem Librarius Florentinus hat eS offensicht li ch gewisse Verbindungen gegeben; unter den Marginalien des Par.1851 sind nämlich auch eini- ge (z.B. ff .15v,61v,66v) von der Hand des Chalkondy- lesL. Es leuchtet daher ein, daß in der im Vorsatz des Par. befindlichen Notiz des EinbandmeisterS über eine Auftragsausführung nur der gelehrte Byzantiner gemeint sein kann: Dominus Demetrio / cop(er)to tut- t o , So war er es offensichtlich, der den Librarius Florentinus mit der oben besprochenen Erweiterung des jetzt zweiten Teiles des Par.1851 (ThemistioS, In An. comm.) um die OriginalS chrift deS Stagiri ten (plus Lin.) betraute und dann die beiden Teile in einen Band binden ließ. Weiterhin ist ZU bemerken. Hand vor scheinen u~s haben. Youngs Identifizierungen , m~r auch ' ~stzBd' sonst etwas problematlSch: So •• aeH dd eine Sch'f an es Pal.102• von der er pl.9.e die des ~' tprobe beibringt. mit Sicherheit nicht chael L ~manuel Atramyttenos. sondern die deS Mi- yg~zos. G.Cammelli, I dotti bizantini e Ie Firenze 19 umanesimo• rrr, Demetrio Calcondila. ten aus d 54. - Mehrere aristotelische Handschrif- rung auf er Feder des Chalkondyles (rdentifizie- aUfgeZählgrUnd des Duktus) sind unten im Anhang t. Über ihn vgl. origini delI' 2" ' Ahnliche Fälle der zusammenarbelt Männer in ein und demselben Kodex ger; darüber andernortS.
- 226 - daß sich die enge stemmatische Beziehung der vom Li- brarius Florentinus und Von Demetrios ChalkondYles gefertigten Kopien von Lin. auch in der Filiation von Poet. analog wiederholt. Die direkte Vorlage des Vom Librarius Florentinus geschriebenen (obengenann_ t e n ) Laur.60,14 ist nämlich laut E.Lobel der von ihm zu Recht dem Demetrios ChalkondYles zugewiesene Ambr.o 52 s up i I , Es wird sich zeigen, ob auch im Fal- le von Lin. das Manuskript des byzantinischen Gelehr- ten (Vind.Phi1.206) die Quelle des vom Librarius Flo- rentinus geschriebenen Par.1851 gewesen ist. In diesem Par. entspricht der den Librarius Flo- rentinus kennzeichnenden Tadellosigkeit der Ausfüh- rung auch die hOhe Qualität der Kopie, was ihre Treue gegenüber dem Text der Vorlage betrifft. Nur die fOlgenden spezifischen Merkmale lassen sich auf- sPüren. Drei kleine Weglassungen: 9bl0 om. μ€V, Ib29 OUö€V -+ ouöe, 2a32 EvunapXoVTWV -+ ultapXovTWV, ein orthographisches Versehen in der Vokallänge: 8bl Xp6vw -+ Xpwvw und drei (zum Teil völlig sinnändern- de) VerwechSlungen von Buchstaben: 9a28 wö~ -+ wöe Oa22 Tnv ÖAnv -+ Tnv ÜAnv, Ib8 TOO M -+ TOO n. Damit steht trotz der relativ geringen Fehleraus- beute fest, daß der Par. nicht die Quelle des Vind., der diese Eigentümlichkeiten nicht aUfweist, gewe- sen sein kann2. Berücksichtigt man nun, daß es im Vgl. E .Lobel, S.14/15, 44/45, 53. 2 Zu demselben Ergebnis fÜhrt auch eine andere klei- ne Beobachtung. Das aus Ha an Ga weitervererbte Kürzel lte- (Oa7) begegnet ähnlich auch im Vind. (n~), nicht aber im Par., wo zu ltEP~ aUfgelöst ist. Da sich in der chronologiSchen Entwicklung der späten Minuskel eine Tendenz zur AUflösung - 227 - Vind. gegenüber dem Par. keinen einzigen echten Trennfehler gibt, so liegt es nahe, daß vielmehr der Par. vom Vind. abgeschrieben ist. Denn ein geschwi- sterliches Verhältnis zwischen den beiden Textzeu- gen, wobei dann nur zufällig im Wiener Manuskript kein Trennfehler entstanden wäre, scheint bei dem zwar kurzen, aber zu Fehlern geradezu ständig Gelegenheit bietenden Text von Lin. so gut wie ausgeschlossen. Die einzige negative Abweichung des V Ln d- gegen- über dem Par. findet sich 8a4, wo μLXTOV statt μL- XPO\) stehtl. Doch die richtige Lesart im Par. ist auf jeden Fall eine Konjektur - im TextzUsammenhang sehrI' " ...... o'v e~cht zu finden: T6 tE OALYOV KClL tO μLXP _ , da das fehlerhafte μLKTOV schon in Ga2 vorhanden war; und das, was im Großvater (Ga) und im Enkel (Vind.) belegt ist, muß auch im Vater (dem verschol- lenen Manuskript) gestanden haben. Dieselbe sich an- bietende Emendation gelang übrigens auch dem anderen Enkel (Qa) und dem Vaterbruder (Q). Vind. \ Par. von Abk" (d urzungen, nicht aber zU deren Neuschöpfung zuema seLb .. us gere chnet an einer Stelle, an der das+ ve he Kurzel eine bzw. zwei überlieferUngsstufen or er (Ga) "ß . t d ' auch vorhanden war) bemerken la t, ~s ~e Abh" . , ang,gkeit de' Vind. vom Par. au,ge'ChlO'- a en: Ein Beweis mehr dafür welche Bedeutung der- rtage u h" . nsc e~nbare BeObachtUngen neben Textvar~- anten S h . d . ,c re,bver,ehen etc - und er,t recht, wenn ~ese . h • ' , n~c t vorhanden sind - in der Stemmat~k ge- w~nnen können. Inei. dI n~gen anderen Fällen hat DemetriOs Chalkon- yesei . .. ~n ~hm unterlaufenes Versehen selbst kor- ragi.er-t • 2DerFhl " E..e er unterlief Be"arion i n der marg,nalen rganzung einer Auslassung durch Homoioteleuton.
- 228 _ Nachdem die Sukzession Vind. -+ Par. sehr wahr- scheinlich gemacht ist, erhebt sich natürlich die Frage nach dem Verhältnis zwis chen den Verderbnissen im Par. und den paläographischen Gegebenheiten im Vind. Es ergibt sich in der Tat, daß die Schriftei_ gentümlichkeiten im letzteren die Ursache der Buch- stabenänderungen im ersteren gewesen sind. Denn 9a28 hat im Vind. das L in wö~, Vor allem wegen des in einem kleinen Bogen hochgezogenen unteren Teils, die Form einer schmalen 6 angenommen, so daß zugege- benermaßen leicht ein E darin gesehen werden konnte. Oa22 bemerkt man bei T~\I ÖAnv über dem v von Tnv zwei ziemlich waagrecht nebeneinander angeordnete Pünktchen, die den Librarius Florentinus vielleicht mechanisch-unbewußt zu einem v in ÜAnv statt ÖADV verleitet haben. Schließlich konnte Ib8, wenn auch ein Vergleich mit den SOnst gebräuchlichen Buchsta- benformen klarstellt, daß wir es im Wiener Kodex mit dem Buchstaben K zu tun haben, jener Buchstabe nur zu leicht als ein unziales n gedeutet werden (TOU )( -+ TOO n), zumal er nicht Teil eines Wortes ist, son- dern als EinzelbuChstabe einen geOmetrischen Ort be- . h I ze~c net • Es darf nUn als sicher gelten, daß der Par. aus dem Vind. geflossen ist. Die Qualität der Abschrift des Demetrios Chalkon- dYles, der kein professioneller Kopist war, sondern wohl nur für seinen eigenen Gebrauch kopierte, läßt zu wünSchen übrig. Sämtliche Abweichungen in Vind./ Die VerweChSlung dieser beiden BUChstaben als Ein- zelzeichen kommt im übrigen auch sonst häufig vor; z.B. wiederholt in Mech. oder auch Lin. Ib6 TOO (TO) K: VUlgo + T~ n (Ha?) Ga etc. - 229 - mehrere umfang- Fehler, jP ..b a a ar. gegenu er G und Q , darunter reiche Aus lassungen und andere gravierende scheinen allein auf sein Konto zu gehen. Insgesamt hat man den Eindruck, daß Demetrios ziemlich rasch und infolgedessen auch flüchtig gearbeitet hat. Es scheint, als ob sich die lange Wanderung des Lin. - Kodex des Demetrios Chalkondyles bis in die ehemalige Hofbibliothek zu Wien lückenhaft rekon- struieren läßt. Denn die Bibliothek des byzantini- schen Gelehrten gelangte nach seinem Tode (1511) an Schwiegersohn, den Humanisten Aulo Giano Par- Ct1521), der seine Handschriften und Drucke an den Kardinal Antonio Seripando (t1563) vererbte2 Die~er deponierte sie in der von seinem Bruder Gi- rolamo Seripando errichteten Bibliothek im Kloster S.Giovanni a Carbonara zU Neape13• Dort wird der Ph' ~ lologe und Handschriftensammler Johannes Sambu- cus das Manuskript, in dem sich mehrere Marginalien seinen rasio! Über ihn 1 " St d' ,vg. F .Lo Parco, Aulo G,ano parra,'o, 2 u ~o b~ografico-critiCO, Vasto 1899• Vgl, da, EXlibri, in einem Ari,totele,-Manu,kriPt met Rh~t ., Cant.Ff.V., (129'l, f.l0'v, Antonii Se- rK~pand~ ex Jani Parrhasii testamento. Auch dieser ode . Ch x g,ng vorher durch die Hände de' DemetriO' alkondyles, denn er enthält Marginalien von des- sen Hand (z.B. f .3v 14 52 60v, 61v etc.) · 3 ' , , ~ u allem v,l. M .vogel_v .GardthaU,en, 5.107, Anm.2; . Gerstinger, Johannes Sambucus als HandSchriften- ~ammler, in' Fe,t,chrift der Nationalbibliothek ~ n Wien, hrsg. zur Feier deS 200jährigen Bestehens ~ e, Gebäude', Wien 192., 5.251-400, dort 5.323, nm.2, 337, Anm.6; G.Guerrieri, 11 catalogo dei manoscritti greci della Biblioteca Nazionale di Napol' , ' NS a , a n : Atti del1a Accademia pontan~ana, .. , vol.X11, 1962/63, S.309 -312, dort S.310 sq.
- 230 _ von seiner Hand befinden (z.B. f.14,15,44)I, während seines Neapel-AUfenthaltes 1562/63 erworben haben, wie z , B. auch den ebenfalls aus dem Besitz des Par- rhasius stammenden Vind.lat.3101 oder die ehemali_ gen Pontanus-Manuskripte2. Heute gehört der Kodex zu den nahezu 600 SambucUs-Handschriften der Öster- reichischen Nationalbibliothek. Beide Handschriften, der Vind.Phil.206 und der Par.1851, enthalten in gewiß nicht zufälligem Zusammentreffen auf den FOlien vor Lin. die Schrift An.; dieselbe Zusammen- De anima stellung - allerdings mit weiteren Traktaten vor An. und hinter Lin. - begegnet auch in Qa. Man wi~ zunächst apriori vermuten, daß auch für An. dassel- be Abhängigkeitsverhältnis Vorliegt. Demgegenüber hat P.Siwek in einer der handschriftlichen Überlie- ferung Von An. gewidmeten Untersuchung3 zwar auch die enge Verbindung bei der Textzeugen festgestellt, jedoch beiderseitige Trennfehler aUfgeführt, die eine Abhängigkeit des Par. Vom Vind. natürlich aus- schließen Würden. Eine Überprüfung aller von Siwek benannten Sonderlesungen im Vind. hat jedoch die Ungenauigkeit seiner Beobachtungen erwiesen. Entwe- der entsprechen diese überhauPt nicht den textli- chen Gegebenheiten im Vind.4, oder sie berücksichti- Vgl.auch H.Hunger (vgl.oben S.169. Anm.2), S.316. 2 Zum Neapel-Aufenthalt und zu den Handschriften des J.J .Pontanus vgl. H.Gerstinger (vgl.oben S.229, Anm.3), S.320-322; zum Vind.lat.3101 vgl. Gerstin- ger, S.323 sq. 3 P.Siwek (vgl.oben S.164, Anm.l), S.120 sq. 4 426b17: Beide in der Zeile vorkommenden Infinitive - 231 - gen nur den primären und nicht den durch anschlie- ßende Verbesserung von Demetrios Chalkondyles selbst hergestellten endgültigen Textzustand1, oder sie übersehen, daß der Par. dieselben Besonderheiten zeigt2• Was bleibt, ist der weggelassene Artikel vor ataßnCH!; (424a22)3; doch niemand wird bestreiten wol- len, daß die Ergänzung des n im Par. eine Selbstver- ständlichkeit darstellt. Auch die meinerseits für An. pr ob e n" widersprechen nicht der vorgenommenen Stich- Annahme, daß auch M' PLVE~V sind als solche vorhanden (f.31V); 433al: doch M~VErTCl~ (nicht MLVE't), mit der gebräuchli- chen Abkürzung der Endung durch HochsteIlung des t mit Abwärtsschleife (f.40); 435al1: tE doch vor- handen (f.43). 412a12/13: die Dittographie tClOtCl - apxCl~ durch Unterpunktierung getilgt (f.ll); 416a3: ltaOL tO supra lineam (f.16V). 416a29' das nach mClot einge- f" ,.. . ugte μEV durch Unterstreichung getilgt (f.17); ~ 1Ba24' ,a r, ,. am Rand ergänzt (L19v l; 420a"," ~ ber der Zeile ergänzt (f.22l (übrigenS lassen :nd. und Par. EtVCl~ aus); 421b7: das vor boμn~ e~ngeschobene tnv durch unterstreichung getilgt (f.24). Wenn laut siwek (S.121) fünf andere Hand- schriften des engeren verwandtschaftskreises neben dem V' ' d ~nd. eine vermutlich von Marc.209 her ~n en T:xt geratene längere Glosse (435b24) aufweisen. d:ese jedoch im Vind. durch unterstreichung ge- t~lgt ist und im Par. von Anfang an gar nicht,auf- t~ucht, drängt sich die Sukzession Vind.(korr1- g~ert) -+ Par. förmlich auf. 2A ' uch im Par. fehlen 424a27 YE und 430b2 EV, 3E' ." 'h ~ ne weitere Auslassung des ArtikelS n laßt s:c wegen einer falschen Stellenangabe (412b8?) nlcht verifizieren. 4 ':h habe in den betreffenden Handschriften.(a~ßer. V~nd.Par. auch Qa) folgende Stellen kollatlOnlert. 406al-408b34 und 424b22-427a7. Außerdem si~d auch d~e von P.Siwek (S.120) für den par. angefuhrte~ Sonderfehler dort und im Vind. verifiziert worden.
- 232 - diese SChrift des Par. aus dem Vind. geflossen ist; im Gegenteil, sie bestätigen diese Filiation eindeu_ tig. Sonderfehler des Par. sind wie im Falle von Lin. selten, aber vorhanden: 407bl aUTn~ -+ ClUT~, b20 om. AEYELV, b33 om. oIov, 425b19 opiiiv -+ opav. Gewisse Sonderlesungen sind sogar gerade oder nur dann leicht zu erklären, wenn der Vind. die Vorlage war, und zwar diejenigen, bei denen die paläographische Form dieses KOdex tatsächlich Mißverständnisse her- vorrufen konnte, wie z.B.I 403b24 ltPO~Eo~aL -+ ltpO- o ~EO~W, 419b27 altWO~n - + altW~n; auch heterogene Vari- anten und Hinzufügungen des Par., die im Vind. auf interlinearem oder marginalem Wege Wohl erstmalig in die Überlieferung gelangt sind: z.B. 415a28 (ltOLnOaL2) -+ YEVVnoaL; 425a15 add. μn ante KClTa; 426a30 Cjl~E'PEo~aL -+ Cjl~E(PELV; b26 add. TOTE ante xa~3; 431a23 add. ~v post apL~μiii sprechen für unse- re These. Die wenigen kleinen Besonderheiten des Vind. ge- genüber dem Par. sind derart offenkundige Verschrei- bungen, daß sie vom Kopisten des Pariser Manuskripts (Librarius Florentinus) im Satzzusammenhang ohne weiteres richtiggestellt werden konnten: 407a28 avaKaVaXaμlttouoL + avaxaμnTouoL, a32 nOLKEV -+ €OLXEV, 426b31 wö~ T~V KLVEr tnv aLo~. -+ wöt KLVEr tnv ClLOa., 427al MCl~ D Tnv va~oLV + Ma~ Tnv vanoLv, a7tOöe E!vaL -+ Tiii öe E!VClL. Ich verzichte hier auf die genaue Beschreibung der paläographischen Lage im Vind. 2 Das ~OLnoClL der VUlgata fehlt im Vind. gänzlich. 3 Übrigens auch in T laut Bekker. - 233 - In einem wesentlichen Punkt unterscheidet sich freilich der Vind. vom Par. und allen anderen Text- zeugen. Demetrios Chalkondyles hat im LBuch von An. r f,7 unten mit 407b34 K~vEtv aufgehört 1 und für den fehlenden Rest des Buches die Folien 7v _10v freige- lassen. Der Par. weist dagegen das vollständige I. Buch auf; folglich muß der Librarius Florentinus einen zweiten Kode,x zur Ausfüllung der Lücke hinzu- gezogen haben. Die Einwirkung eines anderen Textzeu- bei genauer Betrachtung auch sonst: hat bisweilen am Rand oder eingetragen, von wel- findet: 406a9, a26, gen zeigt sich Der Librarius Florentinus zwischen den Zeilen Lesarten chen sich im Vind. keine Spur 427a6. Über die Gründe, die für die Fortlassung des letz- ten Te' I ~ es des I.Buches im wiener Kodex ausschlagge- bend gewesen sein könnten, ließen sich verschiedene Speku1at' ' ~onen anstellen. Eine einigermaßen s~chere Erkläru k . ng ann freilich höchstens im Rahmen e~ner umfass d ' A en en Untersuchung der Texttradierung von n. gefund ' h en werden. Dort wäre der Ort, die stemmat~SC e Stellung d ' es V~nd. und die seiner Vorfahren ZU eru- ieren H' ß . ~er soll lediglich angedeutet werden, da V' ~nd. und Par. in der Tat, wie p.Siwek2 herausgear- beitet h '1' r at, zu Beginn der Schr~ft eng zur Fam~ ~e die auch in ver- hat noch ein 408a26 'wo\) Eine s .. sChiedPenatere Hand (des 16.Jhs.), en Ma' ' Stück d rg~nal~en wiederkehrt, nachgetes anschließenden Textes bis 2p, ragen t s ,»>, 8roben) . . S~wek ( die, all vgl.oben 5.16', Anm.1), 5.16" Er hat das' B erd,ng, nur .Ir den Par. geltend gema•ht' ni'ht'buc~ im Vind. hat Siwek an,cheinend gar erucksichtigt.
- 234 - gehören, während sie sonst eher der Familie 1t fOl- gen. Warum sich der Übergang jedoch ausgerechnet bei 407b9I Vollzogen haben soll, ist nicht recht einzusehen. Meine Kollationen aus dem Laur.87,22 (Siwek: Bd), einer Handschrift der Familie t. schei- nen eher darauf hinzudeuten, daß dieser Wechsel ge- nau mit dem Beginn der Lücke im Vind. (407b34) zu- sammenfällt2• Man muß sich also fragen, ob nicht vielleicht die AUssetzung des Textes im Vind. mit dem Wechsel der Vorlage in irgendeine Verbindung zu bringen ist. Es ist also im Unterschied zu Lin. alles andere als eine "jungfräuliche" Überlieferung, die für An. in Vind. und Par. evident ist. Zu den Vorfahren die- ser Manuskripte scheint allerdings neben Vertretern der Familie T und der Familie 1t _ bei letzterer ma- chen einige Indizien den Marc.2093 wahrscheinlich _ auch Ha, möglicherweise wie im Falle von Lin. über die Vermittlung von Ga, zu zählen. Die in Ha von zweiter Hand am Rand hinter 424b25 EXOμEV hinzuge- fügte Wendung ~avTw~ EMaoTn OUX a1tOAE~Cjl~DaEta~ OUÖE- v~s Tiiiv OtMECWV kehrt nämlich in Ga Vind.Par. sowie auch in Qa4 im normal fortlaufenden Text wieder. Vgl. P.Siwek, S.161,163. 2 Übrigens reproduziert Laur.87,22 in der ebenfalls überprüften KOlumne 408a verschiedene der von Bek- ker für T (= Vat.256) angegebenen Trennfehler. Nach Siwek (S.95 u.ö .) ist T aber Repräsentant einer ganz anderen Familie (~) . 3 Es fällt auf, daß eine von Bessarion im Marc.209, f.lav am Anfang Von Buch II marginal hinzugefügte Glosse auch im Vind. als Randbemerkung (mit klei- nen Varianten) wieder auftaucht. 4 Qa. für Lin. auf dieselbe Vorlage zUrückgehend wie - 235 - Der Urb.38 (Qa) ist ganz von dem bekannten Handschriftenkopisten und _händler Michael Apostolios geschriebenl. Seine Subsription μ~xaliAO(; a.1tooT6Ans; ßUz;;6.v'r 1.0S; H;{ypClq,EV lesen wir auf f.211 am Ende der schrift Cael. Aber auch das daran anschließende I I. Buch von plant. stammt von dersel- ben Hand. a Q befand sich bereits gegen Ende des 15.Jhs. in der B'bIi 1 i ot he k von Urbino, die Federigo I da Monte- feltro (um 1410-1482), der Schüler deS berühmten V' i ct o r i n u s FeItrensis, in der zweiten Hälfte deS 15. Jhs. mit' ,,' e~nem Kostenaufwand von 40000 Dukaten ~m Wetteife ' ' d r m~t Corvinus von Ungarn, den Med~ceern un S' i xt us IV. , ,2 gegründet hatte. Wir begegnen dem Kodex vecchio", dem Inventarverzeichnis ausgehenden 15.Jh . zusammen- (sic) (saeculi XV exeuntis) nämlich im "indi ce der Bibliothek. das im gestellt, im Urb.lat.1761 der Vind . Ie die,eibze,gt auch in der Schrift über die See- auch in d.en Merkmale und i,t von p.Siwek (5.1'4) ae Famil' . Üb ' a e • e,ngeordnet worden. . er die Kopi ,,' ' M.chael A 't~ntat,gke't und da' scriptorium de' M.Wittek p~stOI'OS vgl. die MateriaI,ammiUng von ~ tude d' a~uscrits et codicoIOgie. 4' pour une u scr~pto' d ' .. sorts' r~um e M~chel Apostoles et con- , ~n' S ' auch weit. cr:ptorium 7. 1953. 5.'90-,97 (dort Michael Aere L.teratur). Derselbe Gelehrte widmete Dissert tPo,tOI'OS und de,sen Krei' auch sein- ren Ver~f ~on (~gI. Gymna,ium 77. 1970. 5 .430). de- wartet E.entI:chUng man mit großem Interesse er- chael ~ a n e "ngehende Studie mit dem Titel ".i- COilectPostOliS. Byzantine copyist and ManU,cript haLtsr- ~ r a n crete" findet sich auch in dem in- Iar, i:'~he~ Buch von D.J .GeanakopIO" Greek Scho- 2V en,se. Cambridge (Mas',) 196,.5.73-110. gl.FBI 111 S. 5 ume. Iter Italicum. I -IV . Berlin ,.,4-36, Anm:,)' 3/54, vgl. C.Gua,ti (vgI.unten 5.'36, , 6, S.128.
- 236 - überliefert und von Stornajolol publiziert worden ist. Er befindet sich dagegen anscheinend nicht in einem anderen Inventarium, zusammengestellt Von dem Bibliothekar Federicus Veteranus, das C.Guasti2 ver- öffentlicht hat. Die Frage der Priorität in bezug auf die beiden Verzeichnisse ist noch nicht endgül- tig geklärt3. Qa wird also schon im 'indice vecchio' aufge- fÜhrt, nur birgt der vorsichtige Identifizierungs_ versuch C.Stornajolos4 entweder mit Nr.15 oder mit Nr.275 des alten Index beträchtliche SChwierigkeiten in sich. Beide Möglichkeiten _ die Beschreibung lautet von Nr.15: Aristotelis philosophorum princi- pis physicae auscultationes Libri octo. Idem de Cae- lo. In pupureo, und Von Nr.27: Aristotelis metheorum C.Stornajolo, Codices Urbinates Graeci Bibliothe- cae Vaticanae descripti, Rom 1895, S.LV sqq.(S.CLX bis CLXXV die griechischen Handschriften). 2 C.Guasti, Inventario della libreria Urbinate com- pilato nel secolo XV da Federigo Veterano biblio- tecario di Federigo I da Montefeltro duca d'Urbi- no, in: Giornale storico degli Archivi Toscani 6 (Florenz 1862), S.127 -147, und 7 (Florenz 1863), S.46-55, 130-154 (Graeci: 6, S.149 -152 = laufende Nummern 608-700). 3 C.Stornajolo, S.XXIV, möchte den Katalog des Fede- ricus früher ansetzen. Die Tatsache, daß Qa noch nicht dort, wohl aber im 'indice vecchio' er- scheint - wenn ich richtig sehe, gilt das auch für die Aristoteles-Handschriften Urb.42 und 43 _ , dürfte für seine Hypothese sprechen. Qa ist also wahrscheinlich in der Zeit zwischen den beiden Ka- talogen in den Besitz des Herzogs Federigo ge- langt. 4 Mit Fragezeichen versehen in seiner Konkordanz, S. CLXXVII und CLXXVIII. 5 C.Stornajolo, v.CLXI und CLXII. - 237 - eUro reliquis. In azurro - befriedigen nicht recht, da jeweils nur teilweise eine inhaltliche Überein- stimmung mit Qa gegeben ist. Hingegen liegt eine an- dere Identifizierung zunächst viel näher: Unter den "Libri Graeci in Armario"l befindet sich nämlich folgende Beschreibung (Nr.168): (A)Ristotelis meteororum quint .12. a'f(:)μwv ypClμμiiiv . " ,.." Ligati in ~ nc~p~ens E~~ ön tO quint.14 Aristotelis x e o t (A)Ristotelis o p u s viridi (A)Ristotelis de plantis liber secundus (A)Ristotelis opus incipiens ~EP t CjlUOEWS Abgesehen von An. sind hier alle in Qa enthaltenen Aristoteles-Traktate aufgezählt. Denn bei dem opus incipiens Eltt ön TO handelt e s sich ohne zweifel um die Physik (inc.: 'E~E~ön tO), wie schon StornajolO hatte. In Qa fehlt tatsächlich der die Schrift nur mit ihrem in- falls man sie nicht Worten n&pt gemeint (inc.: Titel nebst die im indi- richtig bemerkt Schrifttitel, so daß ciit' , pi zitiert werden konnte, kannte. ,Mi t dem Traktat, der mit den ,UOEW!> einsetzt, ist eindeutig Cael. . .. a H ltEPL CjlUOEW!;); hier fehlt in Q der Initiale. Was die Schrift An. betrifft, ce fehlt, so wird der Schreiber deS Verzeichnisses d' durch- lesen Text einfach übersehen haben, indem er bl" An wohl atternderweise den Übergang von Mete. ZU . Diese Rub r i Handschcif~k (C.StocnajolO, S.CLXXII-CLXXV, unsere des grI . S .CLXXV) umfaßt die Nummern 131-168 Lechischen T . " ' hI< Sozusa e"es dec damal,gen .,bl,ot e , "Gce c i, ~en als Nach tcag zu den unter dem Ti tel schrift vochec aufgezählten 130 griechischen Hand- libri en. Stocnajolo hat füc die meisten dieser h graeci in' ' ' lt eutig armar~o keine Identif~z ~erung ml en Urb' ~nates mehr versucht.
- 238 - nicht bemerkt und die drei Bücher den vieren des er- sten Traktats einfach hinzugezählt hat. Wenn die ermutung zutrifft, daß mit der Bezeichnung 'quint. 12' bzv, 'quint.14' Lagen schlechthin gemeint s i n d l , haben wir eben darin auch den endgültigen Beweis für die Identität dieser Handschrift' mit Qa. Die Schrif- ten Mete. und An. umfa~sen zusammen nämlich 12 La- gen (a-Lß = ff.1 -96; die letzten vier Blätter der 12.Lage enthalten außerdem den Traktat Lin., dessen Schluß auf den Zwei ersten Blättern eines weiteren, sonst unbeschriebenen Binios = Ly angefügt ist), die Schriften Phys. und Cael. zusammen 14 Lagen (a- LO = ff.101-212). In diesem Zusammehhang sei jedoch darauf hinge- wiesen, daß die Von C.Stornajolo als mögliche Ent- sprechung für Qa genannten Nummern 15 und 27 des al- ten Index mit keinem anderen heutigen Manuskript der Bibliothek identifiziert werden können2. Wenn wir nicht mit ~em Verlust dieser Texte rechnen wOllen, So könnte man auf die Idee kommen. daß sowohl mit den Nummern 15 plus 27 als auch mit dem unter den Büchern in armario beschriebenen KOdex (Nr.168) ein und dasselbe handschriftliche Material, eben unser QUint. ist die Abkürzung für qUinternus oder quin- ternio (= Lage Von 5 Doppelblättern. sonst auch. Quinio genannt). Es handelt sich im KOdex Qa fre~ - lieh nicht um QUinionen, sondern um Quaternionen. Dazu muß bemerkt werden. daß überall. Wo in der Sektion 'Libri Graeci in Armario' eine Angabe über die Zahl der Lagen gemacht wird. diese stereotyp mit quint. bezeichnet werden. 2 Denn der möglicherweise in Frage kommende Urb.37 entspriCht eindeutig Nr.17. der Urb.36 entspricht Nr.16. - 239 - i e Be hreib 1gen Be ~eme Ln t ist. ann nur zwei aufei.nan lio-:heksinternen Entwicklung wi Prozeß einer gewissen Umgruppierun5t :'.!sammenlegung und eines Neubindens von Handschrif- t e n sicht, bar machen. Die beiden ursprünglich ge- :renn~ existierenden Teile Nr.27: Aristotelis meth-- c rcm CUID reliqc.is Cd.h . Met:e •• An •• Lin. = Urb. ff.!-lCQ) und Nr.15: Phys. und Cael. (= Urb.3o. ären somit erst: sekundär z u einer Buchein- nei: verbunden worden. Dieser Gedanke wird dadurch ntermauert, daß Qa kodikolOgiscb gesehenl in d .at aus zwei gesonderten Hauptteilen besteht. di mit den Nummern 15 und 27 de~ 'indice vecchio' :r.cex I' n er n en gena korrespondieren. Nun enthält Qa am SchlU nocn eine mit ß signierte Lag Plant., das auch in der oben zitierten der Handschriften in armario (Nr.168) ist2• Die naheliegende Vermutung. daß des ~odex hinter cael. mit dem II.Buch von Bp-schreibun n Uhrt f'e h-: u ni 1 D ..n . nach der getrennten La teilung und Datierung der Papl schiedlichen Zeilenzahl usw. (vgl. bung des Kodex im 'A~istotcl~A Gra 2
- 240 _ lenden Lage a das I.Buch Von Plant. gestanden haben mÜßte, das schon zur Zeit der ersten Iuventarisie_ rung der Handschrift nicht mehr vorhanden war, da der 'indice vecchio' ausdrücklich nur liber secundus nennt, hat sich bestätigt. In unmittelbarer Stand_ ortnähe Von Qa (Urb.38), und Zwar im Urb.39, am Ende des Manuskripts ff.125 -132v, fand C.Stornajolo (S. 46) die vermißte Lage a mit dem vermißten Text. wie ß (II.Buch) Von Michael ApostOlios geschrieben und mit denselben kOdikologischen Merkmalen (Zeilenzahl, Schriftspiegel und Wasserzeichen). Um festzustellen, Wo sich die beiden Bücher von Plant., die heute getrennt voneinander an den Schluß der Urbinates 38 und 39 angehängt sind, ursprünglich befanden, betrachten wir diejenige Beschreibung im 'indice vecchio' näher, in der der Urb.39 wiederzu- erkennen ist; sie lautet wie fOlgtl: Aristotelis de animalibus historiae ex alia bi- bliotheca non ligatus sed factus ligari a me cum alio opere Aristotelis incipiente: n€p~ ö~ XPD- oCμwv2: Item de Plantis. De Animalibus. De parti- culis animalium. De longitudine vitae animalium. De Iuventute et Senectute Vita et morte animalium. rium dadurch zu jener seltsamen Textabfolge gekom- men, daß der Verfasser die SChrift Cael. (wie schon An.) zunächst übersehen, dann aber am Schluß nachgetragen hat. c.Stornajolo, ~ . CLXII, Nr.24. 2 c.Stornajolo. S .CLXII, Anm.l: "Esse 0PuSculum Aristotelis de motu Animalium constat." Er irrt; es handelt sich um Inc.An. Auch seine Beschrei_ bung des Urb.39 (S.47) muß entsprechend geändert werden. - 241 - In Rubro. (U; iiHns; ß.)l. Beschreibung. die uns expressis verbis den erschlossene Zusammenlegen und Neubinden bestimmten handschriftlichen Materials liefert. sind nicht nur alle heute im Urb. 39 enthal- tenen Schriften aufgeführt - Hist. An. findet sich von der Hand eines Mitarbeiters des Apostolios, näm- lich Georgios Tzangaropulos2 auf ff.1-973• während von der Hand des Chefs selbst Inc.An. sowie Long. und Juv.'+ sich ff.l01-122 anschließenS - • sondern darüber hinaus wohl noch eine weitere Kopie von Hist.An.6 und die Schrift Part.An., zwei Traktate, In dieser Beleg für das oben nur Zu "ex alia bibliotheca" b z w . "ef; c'iAAns; ß(~ßA~O- e~xns;)" vgl. C.Stornajolo. S.XVIII: "Ducem Fride- r~cum non unam vel non uno loco bibliothecam suam constituisse"; es folgt der Hinweis auf die besag- ten Bemerkungen, dann: "Quas duo bibliothecas in unam coactas fuisse mortuo Friderico verisimile est." 2 Zu diesem Kopisten vgl.v .a . M.Vogel_v .Gardthausen, 5.84/85; J.E.powell. The Cretan Manuscripts of Thucydides. in: Classical QuaterlY 32. 1938, 5.103 bis 108, dort S.107/108; M.Wittek (vgl.oben S.235, Anm.l), S.292. 3 Dieses Stück weist interessanterweise zahlreiche Marginalien von der Hand des Demetrios Chalkondy- les auf (z.B .ff .4,9V,15.18V,87V,96V), der, wie wir gesehen haben. den Vind.Phil.206, den stemmati- schen Bruder deS Urb.38, schrieb. '+ Von Plant. wird gleiCh noch die Rede sein. S Vereinigt werden alSO, wie wir schon im Falle von Qa beobachtet haben, Traktate desselben Autors in Handschriftenteilen gleicher Provenienz, ähnlichen Formats und einander entsprechender buchtechni- scher Anlage der Texte. 6 Um diese schrift wird es sich bei "De Animalibus" am ehesten handeln. Oder sollte Gener.An. ge- meint sein?
- 242 - die im heutigen Bestand der Bibliothek nicht nachzu- weisen sindl. Außerdem ist auch Plant. genannt. und es gibt kein Indiz dafür, daß damit etwa nur das I, Buch und nicht die VOllständige Schrift in zwei Bü- chern gemeint ist. Der Traktat gehörte also ur- Sprünglich2 zu dem handschriftlichen Material, aus dessen Vereinigung der Urb.39 hervorgegangen ist3• Es ist vOrstellbar, daß die Schrift Plant. zusammen mit den ganz verlorengegangenen tierkundliehen Schriften aus diesem Konglomerat zunächst herausge- löst, aber bald danach - auseinandergerissen in ih- re jeweils genau eine Lage umfassenden zwei Bücher _ an die Urbinates 38 und 39 hintangefügt worden ist. Was die Datierung unseres KOdex Qa betrifft, so deuten die Wasserzeichen für den hinteren Teil des Bandes (ff.101-212, Nr.15 im 'indice vecchio', und ff.213-222) Ungefähr auf die Mitte der 60er Jahre des 15.Jhs.4 und für den vorderen Teil (ff.1 -100, Urb.40 mit Part.An. ist weSentlich jünger als das Invental'i um. 2 Noch Vor der Fertigstellung der Beschreibung, die sich unter den "Libri Graeci in Armario" findet. 3 Im Urb.39 stellen allerdings Inc.An., Lang. und Juv. etc. eine kOdikologische Einheit dar (ff.l0l bis 124 = a-y VOn der Hand des Kopisten). Dagegen sind im 'indice vecchio' hinter Inc.An. (ff.l0l bis 108 = a) die Traktate Plant., Hist.An. (2. Kopie) und Part.An. eingefügt. Die LÖSung dieses Widerspruchs liegt vielleiCht in unsystematischem Vorgehen des betreffenden Bibliothekars bei der Inventarisie~ung. 4 ff.l01-118,123-135,138_156: BUChstabe S mit Kreuz. ohne Beleg (Typ Briquet 9056, a.1459-61), = Urb.39, ff.10l-108j ff.119-122,136,137,157_212: Dreiberg mit Kreuz, ohne Beleg, = Urb.39, ff.109-124; ff.213-222: Griechisches Kreuz mit Blume, ähnlich - 243 - Nr.27 im 'indice vecchio'), der auch Lin. enthält, ziemlich genau auf die Mitte der zweiten Hälfte des 15.Jhs. hin1• Es spricht vorläufig nichts dagegen, Teil von Qa tatsächlich um diese Zeit entstanden ist. Ungelöst bliebe dann freilich die Frage, auf welchem Wege und aufgrund welcher näheren Umstände die heute verschollene Vor- lage von Qa, die, wie wir gesehen haben, etwa 15 (ca.1460/2) in Italien dem Demetrios als Vorlage für den Vind.Phil.206 ge- gelangte3 daß dieser auf Kreta2 Jahre vorher Chalkondyles dient hatte, nach Kreta Briquet 5554 (a.1464, mit Varianten 1466,1468); vgl. des weiteren unten S.267 zum Urb.44 (Wa). - Auf die Wichtigkeit einer Studie über die von den kretischen Schreibern verwendeten papiersorten ha- ben bereits mehrere Gelehrte aufmerksam gemacht; M.Wittek (vgl.oben S.235, Anm.l), S.296; er ver- weist Anm.122 auf C.Wendel, Die Überlieferung der Scholien zu Apollonios von Rhodos, in: Abh.d .Ge- sellsch.d.Wissensch.zu Göttingen, Philöhist.Kl., 3.Folge, 1, 1932, 5.16, und A.Dain (vgl.oben S.31, Anm.l), 5.60 (11949). ff.1 -96: Waage im Kreis mit Stern, ähnlich Briquet 2453 (a.1475, mit Varianten 1475-77); ff.97-100: Waage im Kreis, ähnlich Briquet 2493 (a.1473, mit Varianten 1475). - Zu der um etwa 10 Jahre diffe- rierenden Datierung der beiden Handschriftenteile paßt eine Notiz im 'indice vecchio' unter Nr.27: habitus post inventarium. 2 Michael könnte den Kodex allerdings eines seiner Aufenthalte in Italien haben. 3 Brachte sie Michael selbst oder einer seiner Ge- währsmänner oder Mitarbeiter aus Italien mit? Kaufte oder entlieh er sie, oder fertigte er an Ort und Stelle eine heute ebenfalls nicht erhalte- ne Kopie von ihr an, die dann ihrerseits im kreti- schen Scriptorium als Vervielfältigungsexemplar gedient hätte? Schickte sie ein Gelehrter oder eine andere Persönlichkeit, deren Klient Michael auch während geschrieben
- 244 _ Wenn Michael ApostOlios den KOdex Qa direkt und nicht über eine Zwischenstufe, die anzusetzen es eigentlich keinen Grund gibt, aus dem auch von Deme- trios ChalkondYles benutzten Manuskript abgeschrie_ ben hat, ist es ohne weiteres möglich, die Qualität seiner Arbeit zu beurteilen, da er in diesem Falle ja selbst für alle Abweichungen gegenüber der ver- schollenen Vorlage (rekonstruiert aus der Überein- stimmung Von Ga und Vind.) verantwortlich ist. Er hat Lin. relativ gewissenhaft angefertigt; negative Abweichungen sind meist geringfügiger Art und insge- samt ziemlich selten. Dagegen hat er kleinere auf der Hand liegende Fehler nach Gutdünken korrigiertl und auf diese Weise bei sechs vermutlich bewußten Eingriffen viermal richtig den Text der VUlgata wie- derhergestellt2. war, nach Kreta? Könnte der mögliche Transport nach Kreta die Ursache für ihren späteren Verlust sein? - Oder erübrigen sich alle diese Fragen, weil Qa eben doch in Italien entstanden und die Vorlage also nie das Land verlassen hat? Die Frage nach den Vorlagen scheint mir über- . haupt zu den interessantesten und wichtigsten Kap~- teln bei der Analyse und Beurteilung jenes Schreib- ateliers auf Kreta zu gehören. Bis heute ist zu diesem Problem nur sehr wenig Konkretes bekannt. Für die ThukYdides-Überlieferung hat J.E .Powell (vgl.oben S.241, Anm.2) als Stammvater aller kre- tischen Manuskripte einen von Michael in Konstan- tinopel erstandenen Kodex ermittelt. _ Von der Veröffentlichung der Studie M.Witteks (vgl.oben S.235, Anm.l) dürfen wir vermutlich nähere Aus- künfte zu diesem Problemkreis erhOffen. Dieselbe Beobachtung hat auch J.Irigoin. Histoire du texte de Pindare, Paris 1952, S.365/366, ge- macht. 2 Ein paar Beispiele oben 8.214. - 245 - Unter den 165 griechischen Urbinates, von denen nur ein gutes Drittel ins 15.Jh . zu datieren ist, befindet sich eine auffallend große Zahl von Hand- schriften, die ganz oder teilweise von der Hand des Michael Apostolios herrührenl. Auch die Zahl derje- nigen Manuskripte, die, ohne seine eigene Hand auf- zuweisen, aus seinem Schreibatelier auf Kreta her- vorgegangen sind, scheint nicht gering ZU sein2 Wenn man außerdem alle diejenigen Urbinates des 15. Jhs. außer acht läßt, die nicht aus der zweiten Hälfte des Jhs. stammen, als Herzog Federigo seine Handschriften-Sammlung aufbaute3, so stellt sich einwandfrei heraus, daß auS der zeitgenössischen griechischen Handschriftenproduktion Michael Aposto- lios der Hauptlieferant für die Bibliothek von Urbi- no gewesen ist. Diese Tatsache ist leicht zu verste- hen, wenn man sich vor Augen hält, daß Michael Apo- stolios ohnehin einer der bedeutendsten und produk- tivsten Kopisten in der zweiten Hälfte des 15.Jhs. war und daß sein Patron Bessarion bis zu seinem To- de (1472) freundschaftliche Beziehungen zu Federigo unterhielt und in entscheidendem Maße zu Belebung und Blüte der griechischen Studien am Hof von Urbi- C.StornajolO, 5.318 (im Index 111: Scribae) zählt 11, davon 3 mit Fragezeichen, auf. 2 Vgl. hierzu weitere Einzelheiten in theksgeschichtlichen Abriß über den binates im 'Aristoteles Graecus'. 3It••• tenendo per molti anni a Urbino, a Firenze e in altri luoghi, da trenta 0 quaranta scrittorilt, C.Guasti (vgl.oben S.236. Anm.2), 6, S.128. Damit werden wohl vorwiegend lateinische und italieni- sche Kopisten gemeint sein. dem biblio- Fonds der Ur-
no beigetragen hatl. Speziell über rigo von Sektion - 246 - die Interessen und Pläne des Fede- Montefeltro beim Aufbau der griechischen seiner Bibliothek weiß der Zeitgenosse Ves- pasiano Bisticci aus Florenz zu berichten2: "volle avere tutti i libri greci s I trovavano, tutte le ope- re di Aristotele in greco"3. Was das Corpus Aristo- telicum betrifft, so hat er dieses Ziel für einige Traktate gleich mit mehreren Exemplaren bei weitem erreicht4• während andere, zum Teil wichtige Schrif- ten unter seinen Nachfolgern in die Bibliothek ge- langtenS und drei kleinere Texte im Fonds der Urbi- nates üherhaupt nicht belegt sind6• Zu letzterem vgl. C.H .Clough, Cardinal Bessarion and Greek at the Court of Urbino. in: Manuscripta 8, 1964. S .160-171. 2 Vite di uomini illustri del secolo XV, scritte da Vespasiano Bisticci, Firenze 1859. 3 Usw., eine stattliche Reihe von profanen und theo- logischen SChriftstellern; die ganze Passage ist Von C.Stornajolo, S.XXII -XXIII, herausgeschrieben. 4 Cat. und EN 4mal; Int. 3mal; Anal.Pr., Phys •• Cael., Mete. und Lin. 2mal. 5 In Handschriften des 16. An., Gener.An., Metaph .• plar mit Part.An. war ja 6 Inc.An., Phgn. und Vent. oder 17.Jhs.: Spir. ,Part. Virt. Ein älteres Exem- abhanden gekommen. - 247 - ß) & und seine Apographa Vat.1339 (p),Berol.Phill.1507,MOSqu.240,Mon.502 Nach der Darstellung des von n ausgehenden Über- lieferungsarmes innerhalb der Familie Y gilt es nun, die Deszendenz von ~, dem stemmatischen Bruderkodex von n, einer ausführlichen Betrachtung zu unterzie- hen. Vier Handschriften sind es, die durch die für ~ gegenüber dessen Vorlage E erschlossenen Sonderle- sungen (vgl.oben S.157) charakterisiert werden: Vat. 1339 (P), Berol.Phill.1507, Mosqu.240 (Savva1; 453 Vladimir) und Mon.502• Die drei letzeren stellen auch aufgrund chronolo- gischer, kodikologischer und kulturgeschichtlicher Kriterien eine eng zusammenhängende Gruppe dar: Als Schreiber des MosqU. und der letzten Folien (350, Zeile 13 _ 353v) des Berol. konnte ich Matthaios Ka- mariotes ermitteln2; der Kopist der ff.292-309 des Berol. ist identisch mit dem des Mon. und ebendie seI' Die heutigen Standortsignaturen im Istori~eskij Mu- zej in Moskau sind die des älteren Katalogs von Savva• 2 Specimina seiner Hand finden sich bei Ch.Astruc, La fin in~dite du Contra Plethonem de Matthieu Ca- marioteS, in: Scriptorium 9. 1955, S.246-262, pl. 30a,b, 31b, und Ch.AstruC, Manuserits autographes de Matthieu camariotes. in: scriptorium 10, 1956, S.100-102, pl.12a. - Die Identifizierung kam beim Vergleich der im Photo-Archiv der Kommission für Byzantinistik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu Wien vorliegenden Schriftproben zustande. Herrn Prof.Dr.H.Hunger sei an dieser Stelle für die Erlaubnis zur Einsichtnahme in die- se Materialien herzlichst gedankt.
- 248 - SChreiber, den ich fortan Anonymus KB nennen werde, hat in den eine Einheit bildenden Aristoteles_Hand_ schriften Vind.Phil.213 und 214 mit Kamariotes zu- sammengearbeitet1. Ein zweiter Mitarbeiter des Ka- mariotes im Berol. (ff.1 -50v etc.) ist als Andreas Joannu Arnes zu identifizieren, ein dritter (ff. 205-211 etc.) begegnete mir im Laur.69,15 (a.1455), und ein vierter schließlich (ff.51 _58v etc.), von dessen Hand auch Lin. stammt, ist im Esc.E .I .13, v ff.46-59 , 74-80, bezeugt. Autographa des Matthaios Kamariotes2. μ&ya~ pntwp und Rektor der Patriarchatsschule nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken, sind in letzter Zeit Gegenstand dreier AUfsätze im 'Scriptorium' ge- wesen3, deren Autoren, Ch.Astruc und D.H .Saffrey, zu den bis dahin bekannten zwei4 noch fünf weitere Ma- nuskripte ans Licht gezogen haben, darunter auch den Par.SuPPl.652, der U.a . die aristotelische Pol. und die Oec. enthält. Nunmehr kann also die Zahl der Autographa um die vier obengenannten Manuskripte Matthaios Kamariotes schrieb Vind.Phil.213, ff.l bis 16v, 69V-80V, 107-128v und Vind.Phil.214 ganz; Anonymus KB schrieb Vind.Phil.213, ff.33-69v, 81 bis 107. 2 Ober ihn vgl. F .Fuchs, Die hÖheren Schulen von Konstantinopel im Mittelalter, 1926 (Byzantini- sches Archiv, Heft 8), Nachdruck Amsterdam 1964, S.75/76; A.Biedl, Matthaeus Camariotes. Specimen Prosopographiae Byzantinae, in: Byz.Ztschr.35, 1935, S.337-339; TusCulum-Lexikon (1963),S.274/275. 3 Die beiden oben S.247, Anm.2 genannten Beiträge von Ch.Astruc sowie H.D .Saffrey, Nouveaux manu- scrits copies par Matthieu Camariotes, in: Scrip- torium 14, 1960, S.340-344. 4 Vgl. M .Vogel-V .Gardthausen, S.295. - 249 - unter den Aristote- (zum Teil), deI' und der Par.1921 noch neun Kodizes, höchstwahrschein- überar- vermehrt werden, zu denen sich les-Handschriften der Laur.86,19 Athous Ib.209, der Taur.B VII 23 (nur Marg.) gese llen • Somit zeugen oder teilweise Gebrauch schrieb (bzw. Interessen die Kamariotes ganz lich zum persönlichen bei tete), von den aristotelischen Studien dieses Gelehrten. Der Anonymus KB muß zweifellos auch in Konstanti- nopel, und zwar in der Umgebung des Kamariotes, ge- sucht werden. Man darf annehmen, daß auch sein Name eines Tages ermittelt werden kann, da er ein vielbe- schäftigter Kopist gewesen zu sein scheint. Außer an den drei obengenannten Manuskripten war er an zwei weiteren Aristoteles-Handschriften, dem unten behan- delten Marc.215 (Na) und dem Mon.490, beteiligt. Zur näheren Bestimmung der Person des Anonymus KBI bietet insbesondere der Marc. wichtige Anhalts- punkte. So steht nämlich fest, daß er in Italien im Auftrag Bessarions geschrieben worden ist und daß an seiner Herstellung auch Demetrios Triboles beteiligt war2, dessen Aufenthalt in Rom durch zwei Subskrip- tionen für die Jahre 1469 und 1472 belegt ist3• Dar- aus ergibt sich nicht nur, daß sich AnonymuS KB et- wa seit den 60er Jahren des 15.Jhs. in Italien auf- und E.Mioni hält ihn laut mündlicher Mitteilung für Demetrios Sguropulos; dieser Identifizierung kann ich mich nicht anschließen. 2 Er schrieb ff.1 -35v (Identifizierung aufgrund des Duktus). vgl. P.Henry. Etudes plotiniennes, 11: Les manuscrits des Enneades, Brüssel 21948, S.208. 3 Vgl. M .Vogel-V .Gardthausen, S.106. 1465 schrieb er noch auf Kreta.
- 250 - hielt, Sondern auch ein terminus ante quem für die Entstehung der gemeinsam mit Kamariotes angefertig_ ten Manuskripte. Denn die Priorität der Tätigkeit dieses Anonymus in Konstantinopel gegenüber seinem AUftauchen in der Nähe Bessarions liegt auf der Hand. Er wird wie viele seiner Landsleute bald nach den Ereignissen um 1453 seine Heimat verlassen ha- ben und nach Italien emigriert sein, wo Bessarion auch ihn in seine Dienste nahm (Anonymus KB als Mit- arbeiter Von K(amariotes) und B(essarion». Es braucht in diesem Zusammenhang nur an Männer wie den byzantinischen Rhetor Johannes DOkeianos, der um die Jahrhundertmitte in Konstantinopel wirktel und spä- ter in Italien für Bessarion arbeitete2, oder auch wie den erwähnten Demetrios Triboles oder Charitony- mos Hermonymos U.a .m. erinnert zu werden. Die hier interessierenden KOdizes des Kamariotes und Anonymus KB sind. wie nicht verwunderlich, ziem- lich gleichzeitig entstanden. Ihre zahlreichen Was- serzeichen3 - einige kommen sogar jeweils in zwei Manuskripten vor, nämlich Ochsenkopf und Schere in Mon. und Berol. sowie Hufeisen in Mosqu. und Berol. - ermöglichen eine Datierung ziemlich genau in die Mitte des 15.Jhs. oder kurz danach. Dementsprechend sind die bisherigen Datierungen des Berol. im Kata- log Von W.Studemund-L .Cohn (tt16.Jh.tt) und des Mosqu. Vgl. K .Krumbacher, S.497. 2 Vgl. D .C .C .Young, A COdicological Inventory ,f Theognis Manuscripts, in: Scriptorium 7, 1953, S. 3-36, dort S.8 . 3 Vgl. die Handschriften-Beschreibungen im 'Aristo- teies Graecus'. - 251 - (tt17.Jh .tt) zu korrigieren. zeitliche Fixierung zu behandelnden dieser umfang- in allen drei Katalogenl Ein echtes Problem stellt die des VQ~. 1339 (P), des vierten hier Lin. -Kodex, dar. Die Entstehungszeit reichen Pergament-Handschrift war bereits Gegen- stand zahlreicher Erörterungen. Das fatale Gesamter- gebnis ist der immense Zeitraum von 5 Jahrhunderten (11. - 1 5.Jh .), auf den sich die verschiedenen Meinun- gen verteilen. Zu den einzelnen Standpunkten verwei- se ich auf die Beschreibung der Handschrift im 'Aristoteles GraecuS'. Zusammenfassende Übersichten über den Stand der Diskussion finden sich bei W.L . Lorimer2 und p.Siwek3. Besonders verwundert ist man über die extrem divergierenden Ansichten solcher Ex- perten der griechischen paläographie wie p.Maas und G.Mercati. Während Maas den Kodex P im 12.Jh . an- setzt4, gibt Mercati in einem Brief an Lorimer fol- 1 Die hier zutage getretene grobe Ungenauigkeit der Datierung in den Moskauer Bibliothekskatalogen ist übrigens keine Ausnahme. Zahlreiche der von mir im Original untersuchten griechischen Handschriften (darunter mehrere mit Texten aus dem Bereich der Klassischen Philologie) sind nämlich zu einem mit- unter wesentlich früheren Zeitpunkt entstanden, alS in den Handschriften-Katalogen angegeben wird. deren Datierung wohl großenteils auf der Autori- tät deS Katalogs (des Jahres 1733) des Athanasios Schiada auS Korfu (Professor an der griechisch- hellenischen Schule in Moskau) beruhen. 2 W.L .Lorimer, The Text Tradition of pseudo-Aristo- tle 'De mundo' ., ., Oxford 1924 (St.AndrewS Uni v. Publ.18), S.5, Anm.1 . 3 p.Siwek (vgl.oben S.93, Anm.2), S.129/130. 4 Laut H.J .Drossaart Lulofs, Aristotelis De genera- tione animalium, recogn •••. , Oxford 1965, S. VII.
- 252 - gendes Urteil abI: " •.• La preparazione della perga- mena e il carattere artefatto e bastardo della scrittura, insomma l'aspetto esterno deI MS. lascia a me. e cos ~ al Collega Sr Comm. Pio Franchi de' Ca- valieri, l'impressione ehe il codice edel Rinasci- mento. Pero non Scenderei di molto oltre la met~ del secolo XV". Es hatte den Anschein, als ob nunmehr I.Düring die Frage der strittigen Datierung von der Hand- schriften-Filiation her endgültig entschieden hätte: P soll nämlich dem Vat.261 (Y), der anhand der Was- serzeichen etwa um 1300 angesetzt werden kann2, überlieferungsgeschichtlich und damit zeitlich vor- angehen3• Die Diskussion läßt sich jedoch mit neuen Argumenten fortsetzen. Die Aufmerksamkeit gilt nun dem Kopisten des Ko- dex p. einem - nach der communis opinio, zu der wei- ter unten noch Stellung genommen werden soll _ ge- lehrten Mann. Seine Subskription auf f.460 der Hand- schrift lautet fOlgendermaßen: EAa߀ nEpa~ €VTaÜ~a n ß'ßAO~ öLa X€LP~~ TOO €V μOvaXor~ OLxTPoTaTou; es fOlgt eine Rasur. mit welcher, wie so häufig, der Schreibername gelöscht worden ist. Nach der Länge der Rasur zu urteilen, muß der Name etwa 5-7 Buch- staben (nebeneinander gerechnet) umfaßt haben. Nir- gends in der textgeschichtlichen Spezialliteratur Vgl. W .L .Lorimer, a.a.O . 2 Vgl. die Beschreibung der Handschrift im 'Aristo- teles Graecus'. 3 I.Düring, Aristotle's De partibus animalium. Cri- tical and Literary Commentaries. Göteborg 1943, S.3a. - 253 - zu Aristoteles. die sich sehr häufig mit P beschäf- tigt hat, ist ein Entzifferungsversuch unternommen worden. Nichtsdestoweniger existiert bereits seit 1909, in der Fachwelt völlig unbemerkt, ein solcher Leseversuch von Marie Vogel in ihrem (und V.Gardt- hausens)1 verdienstvollem Buch "Die griechischen ", S. 221, auch Anm . 3: "Der Schreiber- mehr deutlich zu erkennen; am ehesten raten. , ,2 Schreiber name ist nicht würde man auf 'Iwcrn~ Ich muß gestehen, daß mir selbst mit Hilfe von eine vollständige Verifizierung möglich war. Dennoch läßt sich Recht hatte. Es ist mir einigem Suchen gelungen, ein zweites von demselben Schreiber angefertigtes Manuskript zu finden. Dies ist der Pergament-Kodex Vind.Hist.16 mit der Chronik des Niketas Choniates (t1213), der f.478 folgende Subskription trägt: &ypa~€L xaL TOOTO X€POL μ€μOAUoμevaL~ &x nOAAWV aμapTCWV TOO 'Lwacra~. Zwar ist auch hier der Schreibername ausgekratzt, er kann jedoch ohne größere Schwierigkeiten mit UV- ultraviolettem Licht dieser Lesung nicht beweisen, daß Marie Vogel nämlich nach "Das Werk wird geWÖhnlich unter beiden Namen zi- tiert. stammt aber von Marie vogel, während Gardt- hausen einzelne Zusätze und ein Vorwort beigesteu- ert hat, in dem er sich von der Grundkonzeption distanziert." _ bemerkt zutreffend K.Treu, Grie- chische Schreibernotizen als Quelle für politi- sche, soziale und kulturelle Verhältnisse ihrer Zeit, in: Byzantinobulgarica 11 (Sofia 1966), 5.127-143, dort 5.128, Anm.10. 2 Dieser ~ine F~ll zeigt deutliCh, wie wichtig in e~ner neuerdings öfters angeregten Neubearbeitung d~eses grundlegenden Werkes ein index codicum wäre.
- 254 - Licht sichtbar gemacht werdenl. Die Person, die sich hinter diesem Namen verbirgt, ist allerdings noch in Völliges Dunkel gehÜllt. Immerhin gewinnen wir aus dem Vind. einen siche- ren Beweis für die Datierung der Schreiberhand. Die erste Seite des Kodex (f.lr) ist für die Beurteilung des Duktus äUßerst aufschlußreich. Hier verrät sich der Kopist für einen kurzen Augenblick, und sein DUktus bietet das durchaus normale Bild einer jungen Schrift des 14.Jhs.2, um dann ziemlich rasch in eine erstaunlich gelungene Imitation einer wesentlich ar- chaischeren Schrift überzugehen, in welcher auch die gesamte Handschrift P gehalten ist. Mir Scheinen die jungen Züge der Handschrift, die hinter dem "caratte- re artefatto e bastardo della scrittura" (Mercati) sichtbar werden, sogar eine Datierung in die zweite Hälfte des 14.Jhs. Zuzulassen. Das Manuskript wird aber m.E . dem Rinascimento keineswegs in dem Sinne angehören, daß es auch in Italien und gar in Flo- renz, wie K.Horna meint3• geschrieben worden wäre. Vielmehr sprechen gute Gründe aus dem stemmatischen Vgl. H .Hunger (vgl.oben S.169, Anm.2), S.20. 2 So hat denn auch H.Hunger den Kodex diesem Jahr- hundert zugewiesen. 3 Er hat den Kodex für L.Dittmeyer untersucht; vgl. L.Dittmeyer, Aristotelis De animalibus historia, Leipzig 1907, S.XII -XIII . AUch K.E .Bitterauf, Der Schlußteil der aristotelischen Biologie. Beiträge zur Textgeschichte und Textkritik der Schrift "De generatione animalium", Wissensch.Beilage zum Jah- resber.d .kgl.humanist.Gymn. Kempten 1912/13, S.15, hat sich für diese LOkalisierung ausgespro- chen. - 255 - Bereich dafür, daß die Handschrift wie die drei an- deren jüngeren Textzeugen aus dem Kreis des Matthai- os Kamariotes ebenfalls in Konstantinopel entstan- den ist. Diese Provenienz wird entscheidend durch die Tatsache gestützt, daß eine Marginalie in P (f.192) wohl von der Hand des dort wirkenden Geor- gios Scholarios, des Lehrers von Kamariotes, stammt. Die Datierung von P widerspricht zwar der von I. Düring vertretenen Priorität der Handschrift gegen- über dem Vat.261 (Y), es fragt sich aber, ob nicht vielleicht der umgekehrte Einfluß von Y auf P oder ganz andere verwandtschaftliche Beziehungen vorlie- dieser Arbeit auf dieses Problem nä- jedoch nicht möglich. gen. Im Rahmen her einzugehen, ist Wie nun verhalten sich die vier Lin. - Handschrif- ten zueinander? Obwohl zwei von ihnen heute nur noch Fragmente darstellen - der Mosqu. bricht schon Bb12 ~ t μeTpouμevaL mit dem Ende der letzten erhaltenen Lage ab, während der ebenfalls mechanische Verlust einer Lage im Mon. den Text mit 9a4 öneLpoL oACya aufhören läßt - kann man feststellen, daß keine der jüngeren Handschriften vom älteren Kodex P abhängt. Denn P weist bereits in dem Stück bis Bb12, das al- len Manuskripten gemeinsam ist, einen , • .,' 'C auf: Ba21 TO nμLOU + enL TW n~· Die von P mehren sich dann im weiteren Text, wo frei- lich nur noch die Lesarten des Berol. zum Vergleich herangezogen werden können. Zwischen Mon. und Mosqu. besteht zweifellos eine engere Beziehung, z.B .: Trennfehler Sonderfehler
- 256 _ Ba a7 P Berol.l'j (ucCpw!: TO Mon. Mosq ..... TO O:JlJaTa: P ow~ : Bero P6TCPOV (IlPoTE, : Berol.) Eine Abh:ngigkeit ces Mosq~ . Vom Mon. scheidet egen der Trennfehler des letzteren aus: 8a5 add. " '1 '. 0" O%€6o~ ante oux. 8a9 om. TO und ea15 lJl1öc\I ~ OU C\I. Im Mosqu. kommen keine solchen Versehen der möglichen Abhängigkeit des Mon. Vom Mosqu. ist aber in diesem falle auch eine gemeinsame Vorlage für beide Handschriften denkbar, da eine völlig kor- rekte Abschrift des Kamariotes im Hosqu. für das kurze Stück bis 8b12 nicht ausgeschlossen zu sein SCheint. Um zu einer sicheren Entscheidung zu kom- men, habe ich meine KOllationen der von beiden Kodi- Zes gleichfalls überlieferten Schrift Col. (Bekker 791a-793b und 798a-799b) mit ausgewertet. Das nie en~Spricht genau demjenigen für von Lin.: Trennfehler, wenn auch in sehr geringer Zahl, auf der Seite des Münchner KOdex, keine nega- tiven Merkmale gegenÜber dem Mon. auf seiten der Moskauer Handschrift. Damit ist die Sukzession Mosqu. ~ Mon. ziemlich gesichert. da eine VÖllig fehlerfreie Kopie über ganze 6 Bek- kerseiten nach meinen Erfahrungen sehr unwahrscheinlich ist. In dem kurzen StÜCk, das uns im Mon. über den Textabbruch im Mosqu. hinaus noch erhalten ist (8b12 4), SCheint sich w~iterhin die leichte kriti- al er ' :XTO!ö 21 vor. ~ ~eben Ergeb- das Fragment bi - 257 - tische Beschäftigung mit dem Text der Schrift fort- zusetzen, die sich in den gegen die eigene Familie abgeänderten Lesarten vom Anfang des Traktats (vgl. oben 8a4, 8a7 und 8a14) andeutet. Letztere gehen si- cherlich auf die Initiative des Matthaios Kamariotes im Mosqu. zurück und bieten genau das, wofür sich auch die modernen Editoren entschieden haben. So wird denn auch der Konjekturversuch 9a3 änaera n Toμn ätoμo!> non, den heute freilich nur noch der Mon. des Anonymus KB bezeugt, auf den byzantinischen Gelehr- ten zurückgehen. An der Heilung derselben Stelle. die von L Ha als änaoa n μn äTOμO!> von P als änaoa n μn äTOμO!> ~v überliefert wird, hat sich auch der Schreiber des Berol. versucht: änaoa n μEV (aus μn korrigiert) äTOμO!> E!va~. Was nun das VerhältniS von P, Berol. und Mosqu. zueinander betrifft, so hat sich bereits erwiesen, daß P die beiden anderen Kodizes nicht beeinflußt haben kann; der umgekehrte Fall ist schon allein auS chronol9gischen Gründen auszuschließen. Ebenso ist der Mosqu. ohne Einwirkung auf den zeitgenössischen Berol. geblieben. denn von den oben angeführten Cha- rakteristika des Moskauer Kodex, unter welchen 8a21 ein echter Trennfehler ist, findet sich im Berliner Manuskript keine Spur. Es bliebe noch die Möglich- keit, daß der Mosqu. vom Berol. abhängig wäre; dem widersprechen jedoch die zahlrei- e Asqu. Berol. \ Mon. chen Trennfehler des letzteren. Da die drei Handschriften also vonein- ander unabhängig entstanden sind, müssen sie auf eine gemeinsame ver- schollene Vorlage, nämlich den co- dex deperditus e, zurü~kgehen.
- 258 - Die Zahl der individuellen AbweiChungen der KOdi- zes P und Berol. von dieser gemeinsamen Quelle ist erstaunlich hoch und die Skala der vorkommenden Feh- lertypen ziemlich breit. Besondere Sorgfalt haben weder Joasaph noch der Kopist aus dem Kreis des Ka- mariotes bei dieser Abschrift walten lassen. Davon zeugt die aUßergewöhnlich lange Liste von Sonderfeh- lern, VOn denen nachstehend einige herausgegriffen sind. Der Varianten-Katalog mit alles in allem ungefähr 100 Sonderlesungen, davon die Mehrzahl auf seiten des Berliner Manuskripts, innerhalb eines Traktats von nur etwa 300 Bekkerzeilen demonstriert auf ekla- 9all b23 b24 2a13 9b28 la12 Ob28 lb29 2b19 8a13 b22 9a17 a32 b7 rbzs 2b30 Tl Berol. p tw \ to tE:~E:WPTlta~ oföv tE: ~E:WpE:LTaL OfOVtaL om, )(a~ OUO~ TO h TC (recte) E:VOEXE:ta~ (ex homoeot •• cf.2b22) TlP E:1tCltE:Oov: Mosqu• Mon. Berol. , , E:1tE:1tE:OE:V oL0'h voriOE:LE:V ... . om. μn .. .. ouo~v .... VOnoE:~ . ws .... om. WS ÖtL ,\ ä1tTE:O~a~ .. .. om, Tl .. .. OLO OLOp~PW!; - 259 - tante Weise, welchen Wandlungen ein Text schon von einer Überlieferungsstufe zur anderen ausgesetzt sein kann. Wie schwer wäre es, die verderbten Stel- len zu heilen, wenn die Texttradierung der Schrift erst bei einem der beiden Kodizes als ArchetypuS (bei Verlust des anderen) einsetzen würde! In den Reihen der modernen Aristoteles-Editoren ist man allgemein vom hohen Wert des Textzeugen P überzeugtl, sei es, daß man den Kopisten (alSO Joa- saph) für einen gelehrten Mann hält, der sich selb- ständig um eine Rezension des Textes bemühte2, sei es, daß man _ vor allem die Verfechter einer jungen Datierung des Kodex - mit einer vorzüglichen Text- quelle für P rechnet3 und dabei sogar so weit geht, eine Unzialhandschrift als Vorlage anzunehmen4• Für die Schrift Lin. hat sich diese Beurteilung in kei- ner Weise bestätigt. Im Gegenteil, weder ist hier ~ Die einzige nennenswerte Ausnahme bildet L.Ditt- meyer (vgl.oben S.254, Anm.3), S.XIII: "Is codex quo magis gloriola vetustatis privatuS est, eO minus mireris eum omnis generis scatere vitiis." 2 Es seien hier nur zwei urteile angeführt, z.B . H . Rabe, De anima, liber B, Berlin 1891,5.9: "li- brarius quidam admodum doctuS ... "; I. Düring (vgl. oben S.252, Anm.3), S.38: "The Ms. is written by a learned man who earnestly devoted himself to a recension of the t ext "> 3 Vgl. z.B . K .E .Bitterauf (vgl.oben S.254, Anm.3), 5.21 . 4 P.Louis, Aristote. Les parties deS animaux, Paris 1956, s.XXXIII -XXXIV: "Le scribe, quel que soit le siecle ou il a v~cu, a eu a sa disPosition un manuscrit ancien, probablement ~crit en onciale •.. ". Diese Ansicht hat derselbe Gelehrte in et- was modifizierter Form auch für Hist.An. wieder- holt, Aristote. Histoire deS animaux, I, Paris 1964, S.LI .
- 260 _ die Vorlage Von P, oder auch E, die Vorlage Von ~. eine besonders gute Textquelle und schon gar nicht ein Unzialkodex, noch besteht aufgrund der vorlie_ genden Abschrift irgendeine Berechtigung, Joasaph als einen Gelehrten zu charakterisieren. Wie dem auch sei, man darf natürlich nicht vergessen, daß sich diese konträren Beobachtungen auf die Filiation jeweils anderer Traktate beziehen; die Oberliefe_ rungslage ist sicherlich nicht überall die gleiche. Es handelt sich jedoch für alle Schriften in P um ein und denselben Schreiber. Daher dürfte der per- sönliche Anteil des Kopisten an der Textgestaltung der Schrift über die Atomlinien, der abgesehen von drei relativ einfachen BeriChtigungen nur aus Ver- sehen, Fehlern und FlÜchtigkeiten besteht, auch für die Übrigen Traktate des KOdex durchaus repräsenta- tiv sein. Ich habe meine Kollationen auf die Schriften Col. (davon verglichen: Bekker 791a-793b und 798a-799b), Mech. (847a-849b und 857a-858b), Hist.An. (496a-b und 567a-570b) und Part. An. (vereinzelte Stichpro- ben aus einigen Manuskripten) ausgedehnt. Sie geben keinen Anlaß, die oben vertretene Ansicht irgendwie zu reVidieren. Bei allen herangezogenen Traktaten existieren mit dem KOdex P stemmatisch eng verwand- te, aber Von ihm VÖllig unabhängige Textzeugen. So läßt sich auch dort die Leistung des Kopisten ziem- lich exakt beurteilen; sie entspricht genau dem be- reits Festgestelltenl. Überdies verliert sich P wie Für Col. finden sich bei P Sogar Zwei längere Aus- lassungen durch Homoioteleuton. die in keinem an- deren KOdex wiederauftauchen: 791b12/13 om. ~wS _ - 261 - im Falle von Lin. so auch im Stemma von Col. und Mech. in einem von mehreren Oberlieferungszweigen einer bestimmten Familie, wohingegen die Handschrift für die beiden überprüften Tierschriften tatsächlich, wenn auch gemeinsam mit anderen unabhängig von ihr entstandenen Textzeugen, einem textkritisch recht beachtenswerten Oberlieferungsarm anzugehören scheint. Ein gutes Beispiel für die Möglichkeit einer von Schrift zu Schrift entsprechend der Quali- tät und Breite der sonstigen Bezeugung variierenden textkritischen Relevanz eines Kodex. Alle in diesem Abschnitt behandelten Handschrif- ten gehören nach der Filiation wenigstens einiger der in ihnen enthaltenen Traktate und nach ihrem kulturgeschichtlichen Hintergrund ZU den Gxemplaren, die auf der oben 5.55 -57 erwähnten vielleicht auf Nikephoros Gregoras zurückgehenden Gesamtausgabe des Corpus Aristotelicum basieren. MÖglicherweise waren es Früchte dieser editoralen Tätigkeit, wodurch der hohe tex~kritische Wert jener Manuskripte in der Überlieferung der Tierbücher zustande kaml• xpwμa und 799a3-5 om. na~Ta - onAO~ OE. Auch die Zeilenüberspringung in Part.An. 665a19/20 xaC - xEta~a ~ wiederholt sich nicht in dem ansonsten auch für diesen Traktat nah verwandten Mosqu. 1 Für Hist.An• besteht engste stemmatische Verwandt- schaft zwischen P Mosqu. Berol. und dem Par.1921, einem der Bände der Neuauflage auS dem dritten Viertel des 14.Jhs. von jener älteren Gesamtaus- gabe. Zur Gruppe der Kodizes dieses Ursprungs ge- hören für Hist.An. außerdem Vat.506, Vat.905 und Urb.39 . - Für Part.An. fehlen mir noch die Kolla- tionen aus einigen Textzeugen, zumal aus Par.1921; die beiden neuesten Editoren der Schrift (I.Düring und P.Louis) haben allerdings auch hier auf die
- 262 _ 4. DIE KONTAMINIERTEN HANDSCHRIFTEN Die bisher behandelten, in drei Familien geglie- derten Handschriften tragen das Merkmal absOluter "JUngfräulichkeit", d.h. sie basieren allesamt nur auf je einer Vorlage. Daneben gibt es eine Reihe Von KOdizes - die restlichen 9 unseres Traktats _ , deren Text aus mehr als einer Quelle zusammenge_ stellt ist. Diese COntaminati zerfallen wiederum in drei Gruppen vOllkommen verschiedenen stemmatischen Ursprungs. Wir haben somit in der Textüberlieferung Von Lin. drei verschiedene Kontaminationen zu unter- sCheiden. a) ~ und seine Deszendenz Mehr als die Hälfte dieser kontaminierten ~ Handschriften, nämlich 5 (Urb.44 (Wa), Vat. 905, Vind.Phil.231. Ambr.A 174 sup. und Matr.4563) lassen sich auf ein und denselben ver- schollenen Vorfahren, der ~ genannt sei, zurückfüh- ren. In diesem KOdex, dessen Text sich aus zwei er- haltenen Apographa Wiedergewinnen läßt, wurde eine der drei nachweisbaren Kontaminationen Vorgenommen. In der ersten Hälfte des Traktats sind allerdings noch keineswegs Lesarten unterschiedlicher Herkunft Zusammengehörigkeit Von p und Par.1921 hingewie- sen. (Es dürfte sich aber kaum bewahrheiten, daß der Par.1921 eine Abschrift aus P ist, wie Düring meint; Louis erschließt eine gemeinsame Vorlage für die beiden KOdizes.) - 263 - diesem direktes miteinander verschmolzen, sondern ~ ist in Textstück wie n und ß ausschließlich Wir finden hier nämlich erstens Lesarten von y gegenüber Trennfehler von &, je- n oder ß. die Übereinstim- & selten (z. gegenüber μ&- la4 EV~vTCa~ 06 - 66~a ~~ ~ äaa~~: ~. tauchen plötzlich ersten Apographon von &. sämtliche kennzeichnenden a und ß, zweitens sämtliche doch nicht die Trennfehler von Ziemlich genau ab Oa29 wird dann mung mit den Charakteristika von y und B. Obi9 T~V aT~yμ~v EaTa~ μ&T~~~: &~ Ta~~ T~V aT~Yμwv EaT~~: ~ ß0 und ~a~ ~äa~~: y ~ gegenüber EV~VTCO~ cvavTCa~ OE oo~a~ näa~: ß), und es Lesarten der Familie ß aufl, wie z.B.: c (y) Oa29 a30 .. . xoi, coc b7 bll biS lalB TOUTWV: ~ μaA~aTa exh.: a μCa: a om , EaT~ a20 Ta vOv: a ypaμμa~ om. a\)v&XE~ exh.: a Im letzten Teil der Schrift. insbesondere etwa ab lbl, bildet dann die Familie ß die fast alleinige Quelle für tö der Text von & bleibt aber weiterhin präsent, was durch die Vermeidung einiger Varian- ten der Familie ß zum Ausdruck kommt, wie z.B .: b3 nur an einer einzigen Stelle: Oa22 ~o~n- gegenüber .o~&!:ß ~ • Vor Oa29 <1&~: a Y
- 264 _ e: (y) F,; Ob27/8 TWV OUVe:XOUOWV: a b30 s 2b4 e:C OE oUμßXnTQV TD YP. e:rva~ TWV ouve:xwv add. eL post eH ,;OEspat,Tfjn.: N ,; OE ouu spar , TTj yp.: V Im Kodex F,; handelt es sich also mit Ausnahme des Mittelteiles nicht so sehr um eine Kontamination in dem Sinne, daß er ständig aus zwei Quellen gespeist worden wäre, sondern vielmehr um einen Vorlagenwech_ sel: e: diente als Quelle bis Oa29, und zwar aus- sChließlich, und eine Handschrift aus der Familie ß lag ab etwa Ibl vor; nur hin und wieder wurde im letzten Stück auch die beiseite gelegte erste Vorla- ge zu Rate gezogen. Lediglich im Mittelstück zwi- s~hen Oa29 und Ibl wechseln sich Lesungen aus beiden Familien ständig ab. Man hat den Eindruck, daß der Kopist, dem zwei Lin. -Kodizes zur Verfügung standen, zunächst den einen Von ihnen (e:) abzuSchreiben be- gann, aber nach etwa der Hälfte der SChrift mit sei- ner Vorlage nicht mehr zufrieden war und deshalb häufig die zweite Handschrift einsah, um sich schließlich (etwa ab 1bl) ganz für sie als Antigra- phon zu entscheiden Und erstere Vorlage nur noch in Ausnahmefällen, wie Z.B . beim 'locus fenestratus' 2b4, heranzuziehen. 'V Es ist durchaus möglich, den zweiten zu- grunde liegenden Kodex, nämlich den aus der Familie s , zu bestimmen. Dieser ist we de I' F,; mit dem Stammvater s selbst noch mit dem Vat.266 (V) , Sondern zweifelsfrei mit dem Vat.258 (N) des Johannes Bardales identisch, wiederholt doch der KOdex F,; mehrere der individuellen Sonderfehler - 265 - vonN,z,B.: Vulgo N F,; .... add. n post aTav ... . cy .. .. .. .... T~V~ T~VOS .. .. OAW .... ltcpL' Oa32 b5 u OTe: 1a27 TC TLVOS b7 oXou 2b7 ltapa b15 Auch einige negative Antigrapha e: und N sind Sonderlesungen gegenüber den in F,; nicht ausgeblieben, so etwa: .. N 8a2 alS a16 WS OOOEV add. Tnv ~UOLV post ltpoT .. pa b17 Te:Tayμcvnv xaL' WpLOμEvnv 1ato b6 ~ ltEpaS - oTLyμn (ex homoeot.) 2a25 -27 om. b27 , cL Der Zeitraum, in dem der Kodex F,; entstanden sein muß, läßt sich auf etwa 100 Jahre begrenzen. Den ter- minus post quem bildet dIe Entstehungszeit von N, der zweiten Vorlage von F,;, die, wie oben erläutert, im ersten Viertel des 14.Jhs. anzusetzen ist; der terminus ante quem liegt um das Jahr 1430, dem ap- proximativen Datum des ältesten Apographons von F,;, nämlich des Vat.905. Auch zur geographischen Her- kunft der Handschrift F,; lassen sich am ehesten aus
- 266 - der Provenienz der Apographa, auf die jetzt einge- gangen werden soll, gewisse Anhaltspunkte gewinnen. Die Apographa Von t: Vat.905 und Urb.44 (Wa2 .: • Wa 905 Vom Kodex ~ sind uns zwei Abschriften er- halten, die eine, der Vat.905, wie be- reits erwähnt, um 14301, die andere, der Urb.44 (Wa), etwa 35 Jahre später entstan- den. Der Kopist des Vat.905 ist identisch mit dem des Berol.Phill.1582 (Medizinische Texte) und hat dort in MonokondYlien als Demetrios subskribiert2• Diese beiden Handschriften sind auch sonst in kodikologi- scher Hinsicht verwandt. Da der Einband des Berol. nach Griechenland weist - laut I.Schunke3 nach Jo- annina - , wird auch der Vat. in Griechenland ent- standen sein. Auch dürfte somit die Vorlage ~ östli- cher Provenienz sein, zumal auch ihr Antigraphon N a und vermutlich ihr zweites Apographon, nämlich W , aus dem byzantinischen Osten stammen. Wa ist Von Georgios Tzangaropulos geschrieben, Zu den Einzelheiten hier und im folgenden vgl.die Beschreibung des Kodex im 'Aristoteles Graecus'. 2 Das zweite Wort der Unterschrift konnte ich bisher nicht eindeutig entziffern: 0 paAAa (?) (jedoch nicht identisch mit Dem.Rhaul Kabakes); W.Stude- mund und L.Cohn, Verzeichnis der griechischen Handschriften der kgl.Bibliothek zu Berlin, Ber- lin 1890, S.78 lesen Ö ypa~a ~ . 3 I.Schunke, Die griechischen Einbände aus der Hand- Schriften-Sammlung Meerman-Phillipps in Berlin, in: Philobiblon 8, 1964, 8.108-128, dort S.123, 127. - 267 - wie ein Vergleich mit verschiedenen von ihm subskri- bierten Handschriften zeigt1• Tzangaropulos war Mit- arbeiter des Michael Apostolios, und es gibt gute Gründe für die Annahme, daß Wa im scriptorium des letzteren wohl auf Kreta entstanden ist. Das einzige . a lnW vorkommende Wasserzeichen - Dreiberg mit Stan- ge _ kehrt im Urb.117, ff.1 -88 und 169-236, wieder, der unter Beteiligung des Tzangaropulos im Jahre 1464 auf Kreta geschrieben wurde2• Damit steht also auch das Datum des Urb.44 (Wa) ziemlich genau fest. Beide Apographa des Kodex ~ sind keine besonders sorgältigen Abschriften. Neben den hinlänglich be- kannten Fehlertypen,wie AuslassUngen, Itazismen, Un- Akzentuierung der Endung des femi- a Nominativ und Dativ, fällt in W Silbe vor allem zweisilbi- Eine Auswahl auS der Liste sicherheit in der ninen Singulars bei die Weglassung der ersten ger Wörter besonders auf. der Sonderfehler: 9a3 Oa26 b22 Der 8chreibstil des Tzangaropulos (über ihn vgl. die oben S.241, Anm.2 genannte Literatur) ist nicht einheitlich; der Duktus in Wa entspricht dem der Schriftprobe bei A.Komines. nCvax&~ XPovoAoyn- μ €VwV naTμ~ax~v xwöCxwv. Athen 1968, 44. 2 Am Urb.117 haben außer Andreas (ff.169-234V) (Sub- skription) fOlgende kretische Schreiber mitgear- beitet (identifiziert aufgrund deS Duktus): Geor- gios Tzangaropulos (ff.1 -64v, 159-168V), Michael Lygizos (ff.65-70v, 71v_112V), Georgios Tribizias (:f.237-264). _ Das genannte Wasserzeichen findet slch auch im Tzangaropulos-Teil des Urb.39 (zu die- sem vgl.oben S.241 und 242 mit Anm.2).
- 268 - Ob3/4 om. TO μ~HO~ - aTOμwv (ex homoeot.) E!Ta - ypaμμ!) (ex homoeot.) b16 om, Ib16 Von den Sonderfehlern des Vat.905, wie z.B.: 8b1 b26 Oal/2 Vat.905 d 1 a12 b15 b19 /20 b20/1 apμoaEL om. EaovTa~ - aUμμETpO~ (ex homoeot.) om. aT~yμnv - änTEa~aL Ce x homoeot.) sind die beiden merkwürdigen Verlesungen 8b26 und 2b20 besonders zu erwähnen. Daß letztere nicht blo- ßer UnaUfmerksamkeit zugeschrieben werden kann, be- weist ihre Wiederholung in einer durch Homoioteleu_ ton verursachten und nachträglich getilgten Ditto- graphie Von 2b19 - b20/1. Sowohl der Vat.905 als auch Wa enthalten außer Lin. verschiedene andere aristotelische Traktate, darunter beide Mech. Wie schon zu vermuten war, ha- ben KOllationen ergeben, daß beide Kodizes auch im Falle von Mech. unabhängig voneinander derselben verschollenen Vorlage entstammen (gemeinsame Binde- fehler, beiderseitige Trennfehler). An der dieses verlorengegangenen Manuskripts mit kein Zweifel bestehen. Identität , dürfte - 269 - Ambr.A 174 sup. und Vind.Phil.231 Aus dem Vat.905 sind die drei jüngeren Handschrif- ten Ambr.A 174 sup., Vind.Phil.231 und Matr.4563 ge- flossen. Von diesen AbKömmlingen sind der Vind. und der Ambr. ihrerseits wiederum enger miteinander ver- bunden. wie ihre gemeinsamen Bindefehler beweisen, deren Entstehung sich zum Teil besonders leicht durch die paläographischen Gegebenheiten der Vorlage (Vat.905) erKlären läßtl, z.B.: Vat.905 Ambr.Vind. Bb15 aUμμETpO~2 äna + fenestra: Ambr. änä': Vind. om. oμoCw~ - 0~a ~pEaE~~4 nEpa~ μblS 9a3 änaaa (ut vid.)3 ~ aB/9 In solchen Fällen wird in AnmerKungen zu der nach- folgenden Auswahlliste der Bindefehler entspre- chend ~arauf hingewiesen. 2 Fehlerquelle war offensichtlich eine durch die Li- gatur von -'[pa bedingte "zweiteilige" Schreibung des a mit einem nach unten verlängerten Schluß- schnörkel: ~. 3 Im Vat.905 ist -aa in unleserlichen SchnörKeln hochgestellt (äna~) und daher nicht entziffert bzw. nicht beachtet worden. 4 Durch Homoioteleuton bedingte Auslassung; der Vat. hat folgende tückische Textanordnung: &xe:~ o~a~ &Xov 6~a~ pEae:~~ oμoCw~ •• ••• ••• •••• ••• •••• ••• p{ae:~~ ... 5 Die Schreibung des Wortes im Vat. mit Worttrennung wegen Zeilenendes und tachygra~hischem Zeichen für die Endung -a ~ (nE.~aa/μE~') konnte bei flüch- tigem Hinsehen die Verlesung bewirken.
Oa6 b28 2b2 - 270 - Vat.905 Ambr. Vind. llCUOLa(as: Vind.! u {pas om. , oux Wie verhalten sich ander? Eine erste an sich möglichen herein durch die Der Ambr. ist fähr um 14702 geschrieben Jahre jünger der Ambr. und der Vind. zuein- Einschränkung der drei stemmatisch Beziehungen ergibt sich von vorn- Entstehungsdaten beider Kodizes. mit größter Wahrscheinlichkeit unge- worden und damit einige als der nach einer Subskription im Jah- re 1458 entstandene Vind. Aber auch das Wiener Ma- nuskript kann seinerseits nicht die Vorlage des Ambr. gewesen sein, da wir in ihm Anzahl von Sonderlesungen, Trennfehler, stoßen, z.B.: liehe echte 8b19 auf eine beträcht- darunter etliche Vat.905 Vind. OUOEμ(a 9al0/1 ),{YOLTO a25 Oa6 a22 lall a31 b6 2a32 awμa μnxous (μn- + xou: Ambr.) nOEμ(a ),{YOL T~ awμa )( + fenestra · PoaTE~E't'aa aTLyμi'\ om. a1t~ Ti'\S a _ :2.Hd. llpoaTEX~ELaCl aTLYμn ÖV ,\ OV y6 TWV EvullapxovTWV Der Schreiber des Ambr. nige Silbe llClL- - ihren weg, notiert sie jedoch 2 Vgl. dazu die Belege läßt kritisch die unsin- Platz im Text aussparend für alle Fälle am Rand. unten S.273. - 271 - Da demnach die gegenseitige Beeinflus- sung der beiden Handschriften ausge- schlossen ist und andererseits auf- grund ihrer Bindefehler gegenüber dem Vat. die Möglichkeit direkter Abhän- gigkeit von diesem ausscheidet, müssen sie unabhän- gig voneinander aus einer gemeinsamen heute ver- schollenen Vorlage geflossen sein, die ihrerseits auf den Vat.905 zurückgeht. Auch der Ambr. ist wie sein Wiener "Bruder" ge- genüber jener verlorenen Vorlage natürlich nicht von Irrtümern und Versehen verschont geblieben, z.B.: Vat.905 Ambr. 8b26 ypaμμat -+ ypaμμ(is Oa2 at ouvaμEL -+ at ouvaμELS alS ' .. TOO aToμOU ' .. aToμOU allO -+ allO a30 -+ om. μEv μn llCiaa OE 2a6 oLaLPO't'T , ,\ 6L<lLpEL-rClL .. aV -+ av Hinsichtlich der Qualität der in Vind. und Ambr. geleisteten Kopierarbeit schneidet der Mailänder Ko- dex wesentlich günstiger ab. Allein die zahlenmäßi- ge Gegenüberstellung der jeweilS vorhandenen nega- tiven Besonderheiten, die sich hier wie dort in Art und Grad der Fehlerhaftigkeit im großen und ganzen kaum unterscheiden, zeigt auf seiten des Vind. dop- pelt so viele Irrtümer und Abweichungen. Ambr. Im nicht subskribierten Ambr.A 174 sup. ist der Traktat Lin. von Johannes Rhosos geschrieben, wie schon E.Martini und D.Bassi1 rich- 1 E.Martini-D .Bassi, Catalogus codicum graecorum Bi-
- 272 - tig gesehen haben. Sie bemerkten aber nicht oder hielten es nicht für nötig, darauf hinzuweisen, daß jedoch nur ein paar kleine Abschnitte des Kodex von Rhosos' Hand stammen, nämlich ff.1_2v, 9-16v, 99 Mitte - 102v (Lin.), 158-182 (An.) und 209-218v (Mech.), während alle übrigen Teile des ManUSkripts einem zweiten Kopisten zuzuweisen sind, dessen Duk- tus sich nicht unerheblich von dem des Rhosos unter- scheidet. Dieser Schreiber ist unzweifelhaft iden- tisch mit dem von Konstantin Laskaris so genannten Manuel ~a ~nTn~l . der mehrere Madrider Handschriften für oder gemeinsam mit Laskaris geschrieben hat2, unter ihnen den weiter unten zu behandelnden Lin. - Kodex. Von seiner Hand stammen aufgrund des Duktus auch mehrere andere Aristoteles-Handschriften3. Die Person dieses Schülers und Mitarbeiters des Konstantin Laskaris bleibt allerdings ziemlich im Dunkeln. Er ist bereits in der Mailänder Periode des Laskaris (1458-1465) in dessen Umgebung zu finden und hat seinen Lehrer offensichtlich auch für be- stimmte Zeit nach Messina begleitet, wie wir aus den bliothecae Ambrosianae, 1-11 . Milano 1906, I, S. 80: ttManu Joh.Rhositt. Zu dem zum größten Teil von Konstantin Laskaris kopierten Matr.4676 findet sich folgende Subskrip- tion des Gelehrten: K6no~ KaL KTn~a KwvoTavTCvoo AaoKapEw~ '" Ta μ?v E~ aUTOO, Ta o? EH MavovnAOU μa~nTOO (vgl. J .M . Fern&ndez Pomar, La colecci6n de Uceda Y los manuscritos griegos de Constanti- no Lascaris, in: Emerita 34, 1966, S.211 -288, dort S.228, Anm.1); Manuel schrieb ff.54-57v und 102-145v des Matr.4676. 2 Vgl. J .M .Fernandez Pomar, S.240, Anm.5 . 3 Vgl. unten Anhang S.414. - 273 - Zeit- und Orts angaben einiger Subskriptionen des Las- karis in den fraglichen Handschriften schließen dür- fenl, falls alle Teile dieser Manuskripte wirklich zur gleichen Zeit entstanden sind. Zeitweilig muß sich Manuel auch in Rom, möglicherweise im Auftrage seines Meisters, aufgehalten haben, wie aus einer Subskription von der Hand des Laskaris im Matr.4636 (MavoonA EV 'PWμ? €tlypa~E) hervorgeht. Rom kommt wohl auch am ehesten als Entstehungsort unseres Ambr. in Frage2; die Entstehungszeit dürfte um 1470 anzusetzen sein. Denn das einzige Wasserzei- chen (Horn mit Kreuz, sehr ähnlich Briquet 7834) ist Rom 1470 in Archivalien belegt und und deckt sich mit dem in Par.1910 (Simplikios, In Cael.comm.) und Laur.55,9 (Theodoros Gazes), die beide ganz von Jo- hannes Rhosos, dem zweiten Schreiber der Mailänder Handschrift, in Rom 1471 geschrieben wurden3• Der Ambr. ist vielleicht unter der kalligraphischen Lei- tung des RhosoS hergestellt (er schrieb die ersten zwei Blätter vor und beteiligte sich im weiteren nur für kurze Partien). Auf jeden Fall dokumentiert das Manuskript die zusammenarbeit des Manuel mit dem wohl bekanntesten griechischen Kopisten seiner Zeit. Der mögliche Auftraggeber und die späteren Eigentü- 1 Matritenses 4692: Mailand 1460; 4676: Mailand 1462; 4630: Mailand 1464; 4563: Messina 1470;4689: Messina 1488; vgl.J .M .Fernandez Pomar, S.284-287. 2 Dazu würde passen, daß der Ambr. laut P.Siwek (vgl.oben S.93, Anm.2), S.80, eng zum Vat.258 ge- hört und daß er für Col. nach meinen Kollationen auS dem Vat.253 geflossen ist. 3 Dasselbe Wasserzeichen begegnet auch im Manuel- Kodex Ricc.13.
- 274 - mer des mit einigen kunstvoll ornamentierten GOld- initialen ausgestatteten liber pulcherrimus vor des- sen Auftauchen in der Bibliothek des Caesar Rovi- diusl (im 16.Jh .) sind nicht bekannt; mit Konstantin Laskaris ist er anscheinend nicht in Verbindung zu bringen. Die von Rhosos bei der Abschrift von Lin. gebote- ne Arbeit ist, wie bereits erwähnt. wesentlich bes- ser als die seines Kollegen im Vind., und sie über- trifft an Sorgfalt auch die eigene Leistung im Mam- mutwerk Marc.200 (Q) aus den ersten Jahren seiner beruflichen Tätigkeit. Die Kopie läßt keine über den Rahmen des Üblichen hinausgehende Anfälligkeit für bestimmte Fehlerarten erkennen. Rhosos hat sich hier seiner Aufgabe gewissenhaft gewidmet und zeigt sich als "bon copiste" im Sinne A.Dains2, wenn er Oa63 und 9b34 unleserliche und unverständliche Wortteile wenigstens in margine getreu reproduziert. Eigene Konjekturversuche finden sich so gut wie gar nicht. Der Kopist des Vind.Phil.231 hat seinen Na- Vind. men in einer längeren Auslassungskryptogra_ phieS mitgeteilt: Emmanuel 0 KaAOUμ€VO~ Zu seiner Person vgl. E .Martini-D .Bassi (vgl.oben S.271, Anm.l). I, S.XII -XIII . Er erbte die Biblio- thek seines Lehrers Octavianus Ferrarius, zu wel- cher vielleicht auch schon unser Kodex gehörte. 2 A.Dain (vgl.oben S.31, Anm.l), 21964, S.17-18. 3 Vgl.oben S.270, Anm.l . 4 " ~ " μ€T €.~cr~ ~ Vat.905 + μET €n~crT + fenestra, am Rand: ~v... 5 Zur EntZifferung und zum Typ dieser Auslassungs- kryptographie vgl. in einer speziellen Arbeit J. Bick, Die kryptographische sUbscriptio im cod. - 275 - ~ voK6μnAO~ (?); er hat den Kodex am 20.Januar 1458 in Neapel beendet. Über seine Person wissen wir sonst überhaupt nichts; M.Vogel_v .Gardthausen notie- ren für ihn nur unseren Kodex. Vom Duktus her könnte man einerseits geneigt sein. eine Gleichsetzung mit der Hand des Kreters Emmanuel Atramyttenos1 im Pal. 115 vorzunehmen. Andererseits existieren beachtliche Unterschiede im Schriftbild - jedoch nicht nur des Vind., sondern auch des Pal.115 - gegenüber der von H.Omont2 veröffentlichten Schriftprobe und dem auto- graphen Mon.321, die allerdings aus einer späteren Lebensperiode datieren könnten. Außerdem ist über einen so frühen Aufenthalt des Kreters in Italien nichts bekannt. Was die Qualität anlangt, so ist das Schreibpro- dukt unseres Kopisten nicht besonders hochstehend. allgemeinen keine groben Entstellun- verzeichnen, aber der und Uneben- Es sind zwar im gen und größeren Irrtümer zu Text steckt voller Flüchtigkeitsfehler heiten. Der ziemlich ungelenke Duktus gibt zudem im elementar_orthographischen Bereich ein sehr ungün- Vind.Phil.Gr.231, in: Wiener Studien 36, 1914, S.332-337• Zu seiner Person vgl. M .Wittek (vgl.oben 5.235, Anm.l), S.292 (dort wird auch ältere in diesem Zu- sammenhang interessierende Literatur genannt); p.Lehmann, Eine Geschichte der alten Fuggerbiblio- theken. 1 .Teil, Tübingen 1956 (Schwäb.Forschungs- gem. bei d.Komm.f.Bayer.Landesgesch., Reihe 4, Bd.3; Studien zur Fuggergesch.12), S.135, und I. Maier, Les manuscrits d'Ange politien. Catalogue descriptif, Genf 1965 (= Travaux d'Humanisme et Renaissance 70), S.371, Anm.1 (mit reichen Litera- turangaben. 2 H.Omont (vgl.oben S.69, Anm.1), pl.19.
- 276 - stiges Bild ab. Der Text ist angefÜllt mit Verschrei_ bungen, die in scribendo verbessert sind, und schwankt häufig in der Setzung und Differenzierung der verschiedenen Akzente und Spiritus. Dieser negative Eindruck, den man aus KOllation und Lektüre von Lin. gewinnt, bestätigt sich im vol- len Umfang auch in den übrigen Traktaten des Vind. Daher wäre es nur konsequent, sich dem harten Urteil anzuschließen, das Foersterl im Hinblick auf die Schrift Phgn. gefällt hat: "Vind.231 mendosissi- me ab homine graecarum litterarum parum gnaro ••• scriptus". In keiner der uns erhaltenen Lin. - Handschriften finden sich derart viele Marginalien und interline- are Bemerkungen wie im Vind. Es sind Korrekturen und Varianten in Griechisch und Latein. die nur bei den Traktaten Mech. und Phgn.2 fehlen. Bei diesen adno- tationes sind mehrere Hände zu unterscheiden, doch ist für die überwiegende Mehrzahl von ihnen ein einziger Korrektor verantwortlich. Von diesem stam- men die meisten lateinischen wie auch griechischen Notizen zu Mir .• Mu., Spir., MXG und Lin. Zu Lin. sind sie sicherlich in einem Arbeitsgang entstanden, was gleiche Federstärke und Tintenfärbung nahelegen. Die Provenienz der Randbemerkungen zu Lin., unter denen die lateinischen weit zahlreicher sind, läßt sich genau bestimmen. Textgrundlage war die lateini- sche Übersetzung des Traktats von Robert Grosse- R.Foerster, Scriptores Physiognomonici. I, Leip- zig 1893, S.XLI/XLII. 2 Abgesehen von einigen wenigen Spuren. - 277 - testel. Der gelehrte Korrektor hat demnach den grie- chischen Text der Handschrift mit dem der Überset- zung Grossetestes durchverglichen. Überall dort, wo er im Vind. auf negative Abweichungen stieß, hat er den Wortlaut der lateinischen Version am Freirand oder zwischen den Zeilen notiert, wobei er oft ein "i.L ." (in Latina translatione oder in Latino exem- plari) hinzufügte2• Bisweilen findet sich auch eine griechische Variante mit dem Vermerk li.L ."; hierbei haben wir es dann offensichtlich mit Rückübersetzun- gen vom Lateinischen ins Griechische zu tun3• Bei dieser Art der Textvergleichung wurden viel- fach nicht nur die Sonderfehler des Vind., sondern auch viele der bereits ererbten Korruptelen, z.B . die diversen großen Auslassungen ex homoeoteleuto, richtiggestellt, und zwar innerhalb der Grenzen, die Unternehmen durch die stemmatische Stellung der griechischen Filiation und durch die eigenen Überlieferungsmerkmale des der diesem der translatio in 1 Zu dieser Übersetzung vgl. ausführlich unten S.361 bis 367. Auch die lateinischen Marginalien zur Schrift Mu. (ff.71v-I05V) sind auS einer mittelal- terlichen lateinischen Übersetzung, der translatio anonyma. übernommen (vgl. G .Lacombe, Aristoteles Latinus, I, Bruges-Paris 1957, S.29a, Nr.140). 2 Im griechischen Grundtext bezeichnen meist zwei nebeneinander liegende Punkte die betreffende Stelle. 3 Das läßt sich auch deutlich an zwei Kleinigkeiten zeigen: Vind. hat 2b12 x~~ Ta~ yp~μμa~ ausgelas- sen, der Korrektor ergänzt x~~ yp~μμa~. da er bei et lineas natürlich keinen Artikel vorfindet. - Den ace. Graecus aal1 Tnv ~va ~v gibt die transla- tio richtig mit secundum naturam wieder; nun sieht sich aber der Korrektor bemüßigt, ein xaTa auch im griechischen Text zu ergänzen.
- 278 - Überarbeitung zugrunde liegenden Manuskripts ge- steckt waren. Wie bei allen (byzantinischen und) hu- manistischen OLop~waELs dieser Art sind freilich auch hier dem Korrektor verschiedene Fehler entgan- gen. die mit Hilfe der Übersetzung hätten ausgemerzt werden können. Anhand etlicher Lesarten lassen sich auch über die genauere Position des benutzten Kodex innerhalb der Tradierung der Übersetzung Aussagen machen. Es muß hier diejenige Textredaktion vorliegen, die sich auch in den beiden Drucken der translatio aus den Jahren 1482 und 1496 wiederfindet! und sich vor al- lem durch eine evidente philologische Bearbeitung des Textes von der im Ambr.lat.E 71 sup. enthaltenen Fassung abhebt. So lesen wir im Wiener Manuskript Varianten. die in den genannten Drucken, nicht aber in der Mailänder lateinischen Handschrift belegt sind, z.B. 8a5 post OACyOV add. xa~ μLXPOV (et par- v um ) (om.: Ambr.), 8a8 post EV clnav'tL a d d , quanto (om.: Ambr.), 8b21 at npihaL μev + primo quidem (primae quidem: Ambr.), 9a15 quaedam (quidam: Ambr.), laS post ypaμμn ä'toμos add. manifestum autem quod non ex punctis erit linea (om.: Ambr.), Ib18 non possibile (non est impossibile: Ambr.), 2a26 secun- dum (quam: Ambr.), 2bl0 post awμa add. neque linea (om.: Ambr.) . Einige der griechischen Varianten lassen sich handschriftlich nicht in den mir bisher bekannten lateinischen Textzeugen belegen und sind daher wahr- scheinlich als Emendationsversuche des Bearbeiters 1 Vgl. dazu unten S.362 sqq. - 219 - anzusehenl: 9a24 add. Ö'tL ante öaw, bl0 add. 'tw ante .a aav, Oa12 oLa μlaou + oLaμETPoo2 (recte), a32 in mg. Et, b6 add. Et post waTE, b32 add. oe ante OUX, " la14 o~ E!vaL + transire otLEvaL3 (recte), 2b6 x~t, bl1 Et~4 (recte?), b25 ~TL (recte). Die Konjekturen sind durchweg sehr beachtenswert und treffen bisweilen sogar das Richtige. Sie zeugen von den textkritischen Fähigkeiten eines gelehrten Humanisten und sollten in einer künftigen Edition der Sc'hrift im Auge behalten werden. Es könnte sich lohnen, auch die Glossen zu den anderen Traktaten im Vind., wie z.B . zu MXG, wo sie um so interessanter zu sein scheinen, als es keine mittelalterljche la- teinische Übersetzung gibt, die als Überarbeitungs- auf ihren textkriti- grundlage gedient haben könnte, sehen Wert hin zu überprüfen. Beim Versuch der Identifizierung des Korrektors führen verschiedene Indizien auf die Person des be- deutenden Staatsmannes und berühmten Humanisten Gio- vanni Gioviano Pontan05 (1426-1503), den Besitzer Drei von ihnen kommen zwar in anderen griechischen Textzeugen vor (vgl.gleich unten zu Oa12, la14, 2b17). Doch die zusätzliche Kenntnis dieser Kodi- zes oder auch nur eines von ihnen hätte ganz ande- re Konsequenzen hinsichtlich des Umfangs der dann möglichen Korrekturen nach sich ziehen müssen. 2 Damit wird Apelts Emendation bereits zum zweiten Mal (erstmals im Kodex N von 2.Hand) vorweggenom- men. 3 6LLlvaL auchiniund1. 4 Et lesen wir auch in Za, Ambr.A 114 sup., Ambr.D 124 inf., Marc.XI .11, Vind.Phil.l1• 5 Über diesen Schiller des Antonius Panormita vgl. E.percopo, Vita di Giovanni Pontano, Napoli 1938.
- 280 - es Kodex. Das entsprechende Exlibris muß beim Neu- binden der Handschrift durch Gerard van Swieten im Jahre 1754 verlorengegangen sein; denn noch in den alten Katalogen von Nessel (1690) und Lambeck-Kollar (1766-82) ist die VorbesitzerSChaft des Pontano aus- drücklich bezeugtl. Ein Vergleich mit dem lateini- schen Autographon Pontanos im Vind.lat.3413 und mit Schriftproben aus dem Berol.Ham.4712 schafft ziemli- che Gewißheit, daß Pontano die marginalen und inter- linearen Anmerkungen geschrieben hat. Es ist durch- aus möglich, daß die Handschrift auf seine Bestel- lung hin angefertigt wurde; ihre Entstehung in Nea- pel im Jahre 1458 spricht dafür: Dort könnte sie von Sambucus (Marginalien von seiner Hand) während sei- nes Neapel-Aufenthaltes 1562/1563 erworben worden sein. Der Kodex ist allerdings nicht in der Liste der Bücher enthalten, die Pontanos Tochter Eugenia im Jahre 1505 der Kirche S.Domenico Maggiore in Nea- pel vermachte3• Doch scheint Pontano wesentlich mehr ManUSkripte als nur die in jenem Verzeichnis erwähn- ten besessen zu haben, über deren Verbleib nichts Vgl. H .Gcrstinger (vgl.oben S.229, Anm.3), S.321- 322, und H.Hunger (vgl.oben S.169, Anm.2), 5.341. 2 Vgl. F .~unari, Il codice Hamilton 471 di Ovidio (Ars amatoria. Remedia amoris. Amores); In Appen- dice: B.L .Ullman, Pontano's Marginalia in Berlin, Hamilton 471, Roma 1965 (= Note e discussioni eru- dite 9), tav.II, 111, IV, VI. 3 "I libri di Messer Gioviano Pontano donati alla Biblioteca di S.Domenico Maggiore di Napoli", auf- geführt bei G.Filangieri, Documenti per la storia Ie arti e le industrie delle Provincie Napoleta- ne, 111, Napoli 1885, S.50-58, und E.percopo (vgl. oben S.279, Anm.5), S.313-314 (uber die Bibliothek Pontanos: S.119-135). - 281 - Näheres bekannt ist1• Während die Beschäftigung des italienischen Huma- nisten mit der römischen Literatur in verschiedenen Handschriften von hohem bibliophilen und textge- schichtlichen Rang mit Verken von Properz, Tibull, Tacitus und _ jüngst entdeckt - Ovid2 konkret in Er- scheinung tritt, haben wir im Vind., soweit ich se- he, erstmalig einen Textzeugen der griechischen An- tike vor uns, in welchem die philologische Tätig- keit des Pontano ihre Spuren hinterlassen hat. Auf- auch kurzen Schriftzeug- zahlreichen, wenn griechischen Hand des Pontano in unserem Kodex war es möglich, andere griechische Aristoteles- Handschriften namhaft zu machen, die gleichfallS durch seine Hände gegangen sind und von seiner Be- schäftigung und Vertrautheit mit den Schriften des Stagiriten - so stützt sich etwa auf dessen einschlä- gigen Traktat seine eigene astrologische Abhandlung Meteorum3 _ zeugen; sie sind unten im Anhang aufge- führt. Das Interesse des Pontano für griechische Handschriften4 offenbart sich z.B . in einem Brief (ohne Jahr) an seinen Lehrer Antonio Beccadelli Panormita (1394-1471). in welchem es um eine kleine griechische Bibliothek geht, die irgendwO auftauch- grund der nisse der Vgl. auch E.percopo, S.124. 2 Vgl. die oben S.280, Anm.2 zitierten Arbeiten von F.Munari und B.L .Ullman. 3 Vgl. E .percopo, S.216. 4I . n dem oben 8.280, Anm.3 genannten Inventar~um eines Teils seiner Bibliothp.k sind mit Sicherheit drei Handschriften griechisch: Ilias, Odyssee und Xenophons Kyrupädie.
- 282 - te und dann in die Vaticana eingegliedert wurde1• Die verschollene Kaum eine verschollene Handschrift läßt sich so genau nach Inhalt, Da- tierung, Entstehungsort und Filiation rekonstruieren wie die gemeinsame Vorlage Vorlage von Ambr. und Vind. Was ihren Inhalt be- trifft, wird man zunächst einmal von der Arbeitshy- pothese ausgehen, daß sie am ehesten die in beiden Abschriften gemeinsam tradierten Traktate enthalten haben könnte, also Phgn., Vent., Mir., Mu., Mech., Lin. Dazu kommt, wenngleich nur im Ambr. vorhanden, die pseudo-theophrastische Schrift Sign., denn die- se war ursprünglich auch im Vind. enthalten und ist später durch eine mechanische Beschädigung, der drei Quaternionen und drei Einzelblätter zum Opfer ge- fallen sind2, verlorengegangen. Der Verlust dieser ganzen Schrift mitsamt dem Schluß von Phgn. und dem größeren ersten Teil von Vent., und zwar in der Stellung zwischen den beiden Aristotelica, wird stringent augenscheinlich durch die Beobachtung, daß E.P ~rcopo. Lettere di Giovanni Pontano a principi ed amici, Atti della Accademia Pontaniana 37, Se- rie 11. Vol.XII, Napoli 1907, S.79: "Codices grae- ci, quos mihi denotasti, iam Romam adlati ponti- ficia bibliotheca servantur, sed a Jano (ob Janos Laskaris?) audivi, omnes recentiores sese, et paucis abhinc annis descriptos, praeter vetustis- simam variorum epigrammatum cOllectionem, quae antiquissima et pretiosissima erat. Sed ego viro amicissimo Romam scripsi, ut, si possibile est, eam nobis fideliter exscriptam quam citissime mittat." 2 Es fehlen zwischen ff.23v und 241': das letzte Blatt des mit ß signierten Quaternios (ab f.17), die Lagen y 0 E vollständig und die ersten beiden Blätter des Quaternios ~ (bis f.29). - 283 - die drei Traktate Phgn., Sign. und Vent. meist ge- meinsam in ebendieseI' Reihenfolge überliefert sind. Es ist dies eine charakteristische Anordnung, die nicht erst seit dem Marc.IV .58, dem ältesten erhal- sondern sehr wahrschein- Par.1741 laut des- tenen Textzeugen, be~teht, lieh bereits einmal im berühmten sen Pinax verwirklicht warl• Der nebst dem der fehlenden Stücke von Phgn. umfaßt ca.600 Bekkerzeilen, wodurch sich bei gleich- bleibender durchschnittlicher Beschriftung eines Fo- liums mit ca.23 Bekkerzeilen nahezu exakt die fehlen- den 27 Folien erschließen lassen2. Text von Sign. und Vent. Systematische Teilkollationen aus Phgn., Mir. und Mech.3 haben ergeben, daß Ambr. und Vind. auch in diesen Fällen getrennt voneinander aus ein und der- selben nicht erhaltenen Vorlage geflossen sind, die ihrerseits auf den Marc.216 zurückgeht. Der Textver- Sign. und Vent. in Marc.216 und Ambr. Verwandtschaft dieser beiden Mailänder gegenüber gleich von zeigt ebenfalls die Textzeugen (mit Trennfehlern des dem Venezianer Kodex). Da sich auch die noch übrig- bleibende gemeinsam überlieferte Schrift Mu. im Marc.216 findet, darf man annehmen, daß wiederum dieselbe filiation vorliegt. Damit ergibt sich also für Phgn., Sign., Vent.4, Mir., Mu. und Mech. fol- 1 Vgl. D .Harlfinger _ D .Reinsch (vgl.oben S.28, Anm. 1), S.28-50, dort S.34, 43/44. 2 Zu den rechnerischen Details vgl. die Beschreibung des Manuskripts im 'Aristoteles GraecuS'. 3 Kollationiert wurden von mir: B05ab, 830a-832b, 845a-849b, 857a-858b. 4 Zu Phgn., Sign. und Vent. vgl. auch D.Harlfinger - D.Reinsch (vgl.oben S.28, Anm.l), 5.47/48.
- 284 - gendes Stemma: . h Lin.: Vat 1905 VergLeLc e /'\_ b Vind. Am r. Es leuchtet ein, daß die verschollene Vorlage der sechs Traktate sicherlich mit dem codex deperditus, aus welchem Lin. abgeschrieben wurde, identisch ist1• Damit wäre nun ein Kodex erschlossen, in dem mehrere kleine apokryphe Traktate des Corpus Aristo- telicum zusammengestellt waren. Zunächst übernahm der Schreiber die meisten dieser Traktate aus dem Marc.216, dessen Abfolge der Schriften er zumindest bis einschließlich Mu. (also Phgn., Sign., Vent., Mir., Mu.) beibehielt, wie die Übereinstimmung mit der Reihenfolge des Vind. nahelegt 2. Sodann fügte er aus dem Vat.905 Lin. hinzu3• Außer den auch in der verlorenen Vorlage nach- weisbaren Traktaten enthält der Vind. MXG und Spir. Da diese beiden Schriften auch im Marc.216 vorlie- gen, würde die bei einem Textvergleich festgestell- Andernfalls hätte man zu erklären, wie es kommt. daß zwei verschiedene Kopisten zu verschiedener Zeit und an verschiedenen Orten dieselben sieben Schriften aus denselben zwei Vorlagen in der glei- chen Auswahl abgeschrieben haben. 2 Im Ambr •• dem Ergebnis der Zusammenarbeit zweier Kopisten. die ihn durch zahlreiche andere Aristo- teles-Texte erweiterten, ist die genuine Schrif- tenabfolge nicht gewahrt worden. 3 Daß der Marc.216 vor dem Vat.905 benutzt wurde. läßt sich wohl auch daraus ableiten, daß Mech. nicht aus dem Vat .• sondern aus dem Mare. übernom- men wurde. Auch Mu. ist im Vat. vorhanden. - 285 - te etwaige Herkunft des Wiener Kodex aus dem Marc. 216 mit großer Wahrscheinlichkeit darauf schließen lassen. daß sie ebenfalls in der verschollenen Zwi- schenstufe zu finden waren. Dasselbe würde auch für die nur in Ambr. und Marc.216 überlieferten Proble- mata gelten. Entstehungszeit und -ort der verlorenen Vorlage lassen sich recht genau ermitteln. Terminus post quem ist der 4.11.1445, das Abschlußdatum des Anti- graphons Marc.216, terminus ante quem der 20.1.1458, das Datum des ältesten Apographons, des Vind. Der Entstehungsort ist höchstwahrscheinlich dort zu su- chen, wo sowohl der Vat.905 als auch der Marc.216 dem Kopisten zugänglich waren. Es muß Rom gewesen sein, wo wir Bessarion, den Auftraggeber und Besit- zer des Mare. seit 1445 mit zeitweiligen Unterbre- chungen antreffen. In Rom hat unser Kodex um 1470 auch dem Ambr. als Vorlage gedient, während er etwa 12 Jahre vorher von Pontano oder dem Kopisten Emma- nuel für die Abschrift des Vind. nach Neapel ent- liehen worden war. Welche Umstände zu seinem Ver- lust geführt haben, bleibt ungeklärt. Matr.4563 Vat. 905 IMatr. Aus dem Vat.905 ist auf direktem Wege der Matr.4563 (olim N26) geflossen. Letzterer wiederholt alle charakteristischen Merkma- le des Vat. und bietet ein paar eigene Son- derfehler, weist aber auch eine stattliche Anzahl von Emendationen auf. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß dieser Kodex von Konstantin Laskaris (1434-etwa
- 286 - 1501), dem gelehrten byzantinischen Humanisten, Pro- fessor des Griechischen und Autor einer viel benutz- ten griechischen Grammatik, geschrieben worden ist, bedarf der Ursprung der zahlreichen Korrekturen zu Orthographie, Grammatik und Gedankengang keiner wei- teren Erklärung. Einige Beispiele nur: Vat.905 Matr. 8a4 .. (ante aXe:oo\l) .. €XO\l e:aXo\l b26 T0lohW\I ClT6jJW\I .. rodrev TW\I ClT6jJW\I 9b5 ltpoataTtcuä\l .. Ttpoae:taTtcuä\l ( ut v Ld , ) b26 ÖH .. .. e:T~ la26 ltOLe:'i:e:\I .. ltO~OLe:\I b6 TO\) x OE .. TOO )(-0 b29 äHa + äHo 2b19 ojJo(W!; OE .. ojJo(W!; OE )(a~ Diese positiven Abänderungen des Textes der Vor- lage, die mit ganz wenigen Ausnahmen in scribendo vorgenommen worden sind, zeugen nicht allein an den Stellen, wo sie auf Anhieb die genuine Lesung der Vulgata treffen. von dem guten Textverständnis des Konstantin Laskaris. Im Gegensatz zu den meisten pro- fessionellen Schreibern war Laskaris ganz allgemein fähig und souverain genug, um gewisse Verderbnisse auch über Elementargrammatisches hinaus zu heilen. Mit seinen Konjekturen wird sich die Textkritik aus- einanderzusetzen haben. Natürlich ist auch die Abschrift des Laskaris nicht von Fehlern verschont geblieben. Doch halten sich diese in ungewöhnlich engen Grenzen. Beispiele sind: - 287 - Vat.905 Matr. 8a20 Ob6/7 TjJnßnae:TCH (ex homoeot.) 2al0 b12 aWjJClTW\ll ypajJjJch Von der Hand des Konstantin Laskaris stammt nur der hintere Teil des Kodex (ab f.135), den er auch mit einer Subskription versehen hat. Diese besagt, daß das Manuskript von ihm 1470 in Messina geschrie- ben wurde. Der erste Teil des Kodex (ff.3-133) kann aufgrund der Schriftzüge seinem Schüler Manuel zuge- wiesen werden2. Da zwei der drei Hauptwasserzeichen in beiden Teilen begegnen. ist auch die Datierung der von Manuel kopierten Hälfte gesichert. Man wird vielleicht annehmen dürfen. daß dieser Manuel, der sich etwa um die angegebene Zeit auch in Rom aufge- halten hat3, den Vat.905 dort entlieh4 und nach Mes- sina mitbrachte. Wenn dem Laskaris der Vat.905 nun einmal in Mes- sina vorlag, ist es einleuchtend, daß er die Gele- genheit ergriff und gleich alle darin enthaltenen Ex homoeoteleuto (aTo~xe:ta) mit dem Auge für einen Moment eine Zeile tiefer (nach 2al0/l) geraten. 2 Vgl. J .M .Fernandez Pomar (vgl.oben S.272, Anm.l), S.240. Anm.5 . - Zu diesem Manuel vgl. auch oben S.272/273. 3 Vgl. dazu oben S.273. 4 Zum ersten Mal bezeugt für die Vaticana ist der Vat.905 allerdings erst in dem von Bartolomeo Pla- tina und dessen Schüler Demetrio Guazzelli ange- fertigten Inventarium des Jahres 1481, noch nicht aber in dem von 1475 (vgl. R .Devreesse (vgl.oben S.63, Anm.l), S.102).
- 288 - Aristotelica, von denen er noch kein handschriftli_ ches Exemplar besaß, kopierte. So finden sich denn auch in unserem Matr. hinter Lin. noch Mech. und Hist.An.I -V (dieselbe Abfolge wie im Vat.) . Wie nicht anders zu erwarten, bestätigen die von mir für Mech. vorgenommenen Kollationen (847a-849b, 857a bis 858b) die Abhängigkeit des Madrider Kodex vom Vat.; im Falle von Hist.An. ist ein zusätzliches In- diz darin gegeben, daß beide Handschriften nur die ersten fünf Bücher überliefern. Einzig Mu. ist aus dem Vat. nicht übernommen worden; denn hiervon be- saß Laskaris bereits eine autographe Kopie aus dem Jahre 1464 (Matr.4630, olim N109). Von den anderen im Matr. gesammelten Traktaten sind die Parva natu- ralia und An. laut P.Siwek aus dem Marc.214 (Ha) ge- flossenl. Dieselbe Abhängigkeit liegt nach meinen Feststellungen auch bei Col. vor. Was wir bezüglich der Geschichte jener Bessarion-Handschrift (Ha) sonst erschließen konnten2, läßt sich durchaus mit diesen Beobachtungen zur Filiation vereinen. Sie ge- langte nicht mit den meisten anderen Kodizes des Bessarion im Jahre 1468, sondern wohl erst nach dem Tode des griechischen Kardinals (1472) aus Rom nach Venedig und kann daher sehr wohl wie vielleicht auch der Vat.905 in Rom im Jahre 1470 oder kurz vorher von Manuel, von dessen Hand die besagten Traktate stammen, nach Messina3 ausgeliehen worden sein. P.Siwek (vgl.oben S.93, Anm.2), S.38, und P.Siwek (vgl.oben S.164, Anm.1), S.77/78. 2 Vgl. die Einzelheiten oben S.172. 3 Oder soll man sich vielleicht vorstellen, daß Ma- nuel an Ort und Stelle in Rom im Auftrag des Las- karis eine Abschrift vom Marc.214 anfertigte (vgl. - 289 - Konstantin Laskaris besaß eine reichhaltige grie- chische Bibliothek, von der er viele Bücher selbst geschrieben hattel. In ihr sind auch die meisten Schriften des Corpus Aristotelicum vertreten; auf- fällig ist aber das Fehlen eines Organon-Kodex. Im Gegensatz etwa zu Bessarion und den Päpsten, die ganz andere Mittel besaßen. stets über einen ganzen Schreiberstab verfügten und deshalb häufig bestimm- te Autoren und Texte zwei- oder mehrfach anschaff- ten, beschränkte sich Laskaris darauf, wie das Bei- spiel der Abteilung 'Aristoteles' in seiner Biblio- thek deutlich lehrt, jeweils nur ein Exemplar einer Schrift sein eigen zu nennen. Eine Ausnahme bilden nur die in dem aus dem 14.Jh . datierenden Matr.4684 (N 54) vereinten Werke, von welchen auch Kopien des Laskaris (und Manuels) existieren. Vielleicht darf man so weit gehen, daraus zu schließen, daß Laskaris erst in den Besitz des Kodex gelangte, nachdem er z.B . des Laskaris Vermerk im Matr.4636: MavovnA €v 'PWμ? e~Eypa~E; dazu auch oben S.273) und die Abschrift sowie den Vat.905 mitsamt einer Sendung Papier, von welchem er bereits etwas für seine Arbeit genommen hatte, an seinen Lehrer nach Mes- sina schickte? Das wesentliche Problem bei der Einschätzung der prinzipiellen Möglichkeit dieser hypothetischen Verknüpfung ist die Identität des von Laskaris und Manuel verwendeten Papiers. Es zu lösen, bedürfte einer weitreichenden Kenntnis von Papierfabrikation und -handel im Italien je- ner Zeit. Wäre es absurd gewesen. Papier aus Rom nach Messina zu liefern? Sie befindet sich heute fast geschlossen in der Madrider Biblioteca Nacional. - Jüngst hat J.M . Fern&ndez Pomar eine kodikologisch ausgerichtete Studie zu den Handschriften des Laskaris veröf- fentlicht (vgl.oben S.272, Anm.l), in der auch die ältere Literatur zu dessen Person zitiert und ausgewertet ist.
- 290 - sich bereits der Mühe einer eigenhändigen anderwei_ tigen Abschrift jener Texte unterzogen hatte. Die sieben Aristoteles-Handschriften von Laska- ris' Hand sind großenteils während der Mailänder Jah- re des Gelehrten (1458-1465) entstanden. In Messina wurde außer unserem Lin. - Kodex auch der Matr.4578 (N 41) (etwa 1501) angefertigt. Die Ausstattung der Papier-Manuskripte ist schlicht, dem Verwendungs_ zweck als Lese- und Arbeitsexemplare und nicht als Bibliotheksprunkstücke entsprechend. Was die Vorla- gen für seine Kopierarbeit betrifft, so bemühte er sich um sie zunächst an Ort und Stelle. Daher las- sen sich z.B . mit Hilfe von Stichprobenkollationen für EE im Matr.4627 (N 65)1 und für Rhet. im Matr. 4687 (N 58) zwei Antigrapha aus dem Besitze des da- mals am Mailänder Hof weilenden Francesco Filelfo, nämlich die heutigen Laur.81,20 und 60,18, ausfin- dig machen. Auch diese Texte zeigen dem Leser, der ihre Vorlage kennt. sehr SChnell, daß die Kopien des Konstantin Laskaris auch für die moderne Text- kritik von Wert sein kö~nten. b) ~ und seine Apographa Ambr.D 124 inf., Marc.XI .l1, Vind.Phil.l1 Von den 5 jüngsten, im 16.Jh . entstandenen grie- chischen Textzeugen unserer SChrift, die sämtlich als separate "Spezialausgaben" gelten können. erwei- sen sich neben den beiden bereits oben untersuchten eng zusammengehörenden Ottoboniani auch die drei 1 Vgl. D .Harlfinger (vgl.oben S.27, Anm.2), S.12 . - 291 - verbleibenden Handschriften, nämlich der Ambr.D 124 inf., der Marc.XI .ll und der Vind.Phil.ll als nah miteinander verwandt. sowohl in stemmatischer als auch in kodikologischer Hinsicht. Der Ambr. und der Marc.1 sind von ein und demsel- ben Kopisten geschrieben. In beiden Fällen fehlt eine Subskription; es steht m.E . jedoch außer Zwei- fel, daß dieser Schreiber mit BartOlomeo Zanetti aus Brescia zu identifizieren ist, dessen Hand mir aus vielen Phillippici der Deutschen Staatsbibliothek Berlin bekannt ist2• Genaueres zur Person dieses in den biographischen Nachschlagewerken nahezu unbe- kannten Mannes hat man erst in jüngerer Zeit in Er- fahrung gebracht: Er ist der Vater des bekannten und vielbeschäftigten Kalligraphen Camillus Venetus (Ca- millo Zanetti)3 und nicht, wie früher angenommen Und zwar Teil 111, ff.1 -8 (Lin.) und ff.33 -41. 2 Vgl. den Index 11 "Nomina librariorum" in: W.Stu- demund und L.Cohn (vgl.oben S.266, Anm.2), S.119, wo s.v . Bartholomaeus de Zanettis diesem Kopisten die Beteiligung an der Herstellung von 18 Kodi- zes (nur Phill.1630 und 1639 sind subskribiert) zugeschrieben wird. Die Liste ist fast exakt: Phill.14~7 und 1554 sind jedoch zu streichen, Phill.1610 (ff.28-31V) ist hinzuzufügen. 3 Das hat zuerst R.Cessi, Bartolomeo e Camillo Za- netti, tipografi e ca~ligrafi deI '500, in: Ar- chivio Veneto-Tridentino 8, 1925, S.174-182, nach- Zuweisen versucht. In einem neu veröffentlichten Dokument findet sich dafür die einwandfreie Bestä- tigung: Am 24.2 .1546 entleiht Guilelmino Guidi aus der Biblioteca Vaticana einen Kodex mit Diophan- tos' Arithmetica und schreibt in das Ausleihregi- ster der Vaticana: " ••• quale libro a dato a Ca- millo Vinitiano. figlio di Bertolomeo Bresciani, a copiare ••• " (vgl. M .Bertala, I due primi regi- stri di prestito della Biblioteca Apostolica Va- ticana. Codici Vaticani Latini 3964, 3966, Citt~
- 292 - wurde, mit diesem identischl. Bartolomeo Zanetti (geb.1486 oder 1487), Von Beruf Buchdrucker2, ließ sich nach Zwischenstationen in Florenz und Rom vor 1528 in Venedig nieder und gründete eine eigene Druckerei. die zwischen 1535 und 1541 unter Mitwir_ kung seiner beiden Söhne Cristoforo und Camillo ihre größte Aktivität entfaltete. Schon gegen Ende dieser Periode scheint er außerdem ein Schreibatelier ge- leitet zu haben, dem er sich nach dem Bankrott sei- ner Buchdruckerei (wohl 1541) in verstärktem Maße widmete. Zanettis finanzielle Lage scheint sich je- doch in der ersten Hälfte der 40er Jahre des Jhs. nicht wesentlich gebessert zu haben, so daß er in Florenz neu Fuß zu fassen versuchte. Doch auch dort hatte er kein Glück und begab sich daher nach Rom3. Hier finden wir seine Spur in den Ausleihregistern der Vaticana wieder. In der Funktion eines Angestell- ten der Bibliothek hat er mehrere Male, zuletzt am 18.4 .1547. mit seiner Unterschrift die Ausleihe von Handschriften an fremde Personen abgezeichnet bzw. del Vaticano 1942. S.74). So bei E.Martini, Chi era il copista Camillo Vene- to?, in: Atti R.Accad.Arch.Lett.Belle Arti, N.S •• 11. 1910. S .269-277 (mit 4 Abbildungen); schon M. Vogel-V .Gardthausen, S.227, Anm.4, hatten diese Gleichsetzung erwogen. 2 Vgl. auch P.Lugano, Del tipografo bresciano Barto- lomeo de Zanettis al servizio di Camaldoli e della "Regula vite eremite" stampata a Fontebuona nel 1520. in: Bibliofilia 14. 1912/13, S.177-183. 210 bis 227, 285-?94, 338-344. 3 "Da questo punto di lui perdiamo ogni traccia", R.CesSi. S .179. Die Daten aus dem Leben des Barto- lomeo Zanetti hat Cessi, S.177-179, herausgearbei_ tet. - 293 - die Rückgabe der Bücher quittiertl• Ob Bartolomeo bis zum Ende seines Lebens in Rom2 blieb oder wieder nach Venedig zurückkehrte, entzieht sich wie das To- desdatum selbst unserer Kenntnis. BartOlomeo war, wie die Liste der von ihm gefer- tigten Manuskripte3 deutlich zeigt, an der Herstel- lung vieler dieser Handschriften nur beteiligt, was eindeutig auf eine Gemeinschaftsarbeit innerhalb eines Schreibateliers hindeutet. Nichts spricht da- gegen, daß es in vielen Fällen das von ihm geleitete gewesen ist4• Über die Mitarbeiter des Bartolomeo läßt sich noch wenig sagen. Bislang konnten Nikolaos Aulotes (Phill.1426, ff.195-229v; Phill.1552 . ff .57 bis 164), Michael Maleas (Phill.1443 gegen Ende) und Nikolaos Choniates (Phill.1513, ff.1 -179) aufgrund des Duktus mit ziemlicher Sicherheit namhaft gemacht werden. Vgl. M .Bertola (vgl.oben 8.291, Anm.3), S.64,69, 101,104,105,109,114 und 115. und die entsprechen- den Tafeln mit den Autographa. 2 Dorthin scheint ihn sein Sohn Camillus Venetus be- gleitet zu haben, vgl. R .Cessi, S.179; dafür spricht die oben S.291, Anm.3 zitierte Notiz im Ausleihbuch; 1552 hat Camillus in Rom für Mendoza, Kardinal von Burgos, Teile des Matr.4715 (0 37) geschrieben, vgl. Ch .Graux (vgl.oben S.78, Anm.l). S.78. und M.Vogel-V .Gardthausen, S.228. 3 Vgl. M .Vogel-V .Gardthausen, 8.49; von meinen Er- gänzungen sind diejenigen aus dem aristotelischen Bereich unten im Anhang S.417 genannt. 4 Unter den Berliner Handschriften bestätigt sich diese Vermutung z.B . schon durch die schreibtech- nische Anlage des im Jahre 1542 entstandenen Phill.1518: Bartolomeo hat den drei anderen Kopi- sten des ManUSkripts durch das Vorschreiben der ersten Seite (f.lr) ein Muster für ihre Arbeit an die Hand gegeben.
- 294 - - 295 - Wichtigster Mitarbeiter des Bartolomeo Zanetti war zweifellos sein Sohn, Camillus Venetus. Von des- sen Hand stammt denn auch der Lin. -Text des dritten hier zu behandelnden Kodex, des Vind.Phil.ll1, was ein Vergleich mit Schriftproben aus sUbskribierten Handschriften2 nahelegt; auch die ff.11 -31 des Mare. XI.ll sind ihm zuzuweisen. Die unten im Anhang S.409 erfaßten Aristoteles-Handschriften des Camillus ge- ben einen ausschnittartigen Eindruck davon, was für eine Flut von griechischen Kodizes wir seiner bisher bekannten enormen Produktion3 letztlich werden hin- zurechnen müssen. gleichformatigel' SChriftspiegel (etwa 170xl00 mm) und nahezu gleicher Seitenumlauf1. Die in diesen Ko- dizes verwendeten Papiersorten und ihre Wasserzei- chen ermöglichen sodann einen Vergleich in bezug auf die Datierung der drei Handschriften. Das einzige Wasserzeichen des Ambr., P~3, begeg- net auch in den beiden anderen Manuskripten. Der (als Hauptwasserzeichen zu P~3 gehörige?) Anker im Kreis mit Stern des Mare. findet sich auch im Vind. wieder. letzterer Kodex hat noch weitere Papiermar- ken2• Die Wiederkehr gleicher Wasserzeichen in allen drei Lin. - Handschriften, d.h . die Verwendung dersel- ben Papiersorte(n), ist, zumal es sich um dasselbe Schreibatelier handelt, ein ziemlich sicherer Hin- weis auf in etwa ein und dieselbe Entstehungszeit dieser Kodizes3• Zusätzlich zu Briquet, wo P~3 NI'. 9674 (a.1548-56), Anker mit Gegenzeichen P~3 Nr.523 (a.1551) und Anker allein Nr.485 (a.1547, 1553) ent- spricht, ermöglicht ein Vergleich dieser Filigrane mit sOlchen. die sich in exakt datierten oder auf- grund anderer Kriterien approximativ datierbaren Handschriften des gleichen Herkunftsmilieus wieder- finden, eine ziemlich gen aue Datierung. Sowohl P~3 als auch Löwe mit Gegenzeichen 3a (letzteres im Vind., ff.58 sqq.) begegnen nämlich auch im datier- v( v ten Mon.75. dessen ff.~13-332 ff.297-332: Rhet. Die gemeinsame Herkunft der drei Lin. - Handschrif_ ten aus dem Atelier des Bartolomeo Zanetti darf nach obigen Ausführungen als sicher gelten. Es ist des- halb kein ZUfall, daß ebendiese Provenienz auch in verschiedenen paläographischen Einzelheiten zutage tritt: dieselbe Art der Illumination am Anfang des Textes sowie in Mare. und Ambr. jeweils 26 Zeilen, ff.252 -256v, außerdem ff.1 -145v. 2 Specimina finden sich veröffentlicht bei E.Marti_ ni (vgl.oben S.292. Anm.l). tav.l,2,3 (Taf.4 gibt nicht, wie Martini glaubt, eine SChriftprobe des Sohnes, sondern des Vaters Bartolomeo); mir liegen außerdem vor eine Kopie des von E.Martini-D .Bassi (vgl.oben S.271, Anm.1) dem Camillus zugewiesenen Ambr.D 4742inf. und dank der freundlichen Unter- stützung VOn P.Moraux einige SChriftproben aus dem sUbskribierten Matr.4715 (0 37), in welchem die ff.320-455v von einem zweiten Kopisten geschrie- ben sind. 3 Vgl. M .Vogel-V .Gardthausen, S.227-230. Sieben wei- tere Handschriften hat P.Costil, Andre Dudith. Hu- maniste Hongrois (1533-1589). Son oeuvre et ses manuserits grecs, Paris 1935, S.297, Anm.3, iden- tifiziert. Der Vind. hat ein größeres Format und damit auch eine andere Zeilenzahl und einen anderen Schrift- spiegel. 2 Zu allen näheren Einzelheiten über die Wasserzei- chen vgl. die Beschreibungen im 'Aristoteles Grae- cus'. 3 Vgl. in diesem ZU3ammenhang oben S.31 sqq.
- 296 - Al.) von Petros Karneades am 26.3.1550 fertigge_ stellt wurden (Subskription f.332v)l. Es scheint sich damit eine annähernde Datierung der drei Lin. - Handschriften recht genau um die Mitte des 16.Jhs. anzubieten. Eine zusätzliche Möglichkeit, die Entstehungszeit weiter einzugrenzen, liefert im Falle dieser drei Handschriften die mit Hilfe der Stemmatik aufstell_ bare relative Chronologie: Der Marc.XI .ll enthält ff.11 -31 Theophrasts Schrift De sensibus, die sich auch in einer zweiten Lin. - Handschrift, dem Ott.45, ff.1-13v, wiederfindet. Wie McDiarmid2 nachgewiesen hat. sind, anders als im Falle Von Lin., diese bei- den Textzeugen eng miteinander verwandt. Der Ott., den wir oben in der ersten Hälfte oder um die Mitte der 40er Jahre des 16.Jhs. angesetzt haben, ist da- nach stemmatisch der "Urgroßvater" des Mare. Von den zwei vermittelnden Zwischengliedern ist die direkte Vorlage des Mare., nämlich der Mon.81 (ff.443-457v), erhalten. Laut einer Eintragung von späterer Hand (f.458) wurde der Theophrast-Text des Mon. am 24.4 . 1552 von Michael Sophianos durchkorrigiert E& TO ap- XETVKOV aVDHEOTW& Sv OLE~eapμcvov3. Zwar scheint die- Auch im Mon.l02. der U.a . Virt. und Mu. enthält und dessen ff.1-199v Johannes Mauromates im Jahre 1549 geschrieben hat. finden wir ff.200-260b P~3 . 2 J.B .McDiarmid (vgl.oben S.51, Anm.1), S.1 -32. _ Ein weiterer handschriftlicher Textzeuge des Trak- tats, der McDiarmid nicht bekannt sein konnte, be- findet sich übrigens in Mendozas Druckexemplar der bei J.Oporinus (Basel 1541) veranstalteten Theo- phrast-Ausgabe (Escorial, Editio 68.VI.12). und zwar hinter f.271 auf 14 eingeschobenen Blättern (vgl.G .de Andres (vgl.oben S.196, Anm.2).III,S.260. 3 Vgl. J .B .McDiarmid. 8.4 . - 297 - se Hand nicht mit der sonst bekannten des Michael Sophianos identisch zu seinl, dennoch wird man das Datum der Korrektur als terminus post quem für die Entstehung des Marc., der diesen Verbesserungen Rech- nung getragen hat, ansetzen dürfen. Der Mon. bietet aber nun nicht nur für die Bestimmung der Entste- hungszeit. sondern auch für die des Entstehungsorts des Marc. einen Anhaltspunkt. Da er aus der Biblio- thek des berühmten Kaufmanns Johann Jakob Fugger stammt, dessen Sammlung griechischer Handschriften in Venedig zusammengetragen wurde2, wird er vermut- lich ebendort dem Marc. als Vorlage gedient haben. Bartolomeo Zanetti hat also die gemelli Marc.XI . 11 und Ambr.D 124 info im Alter von etwa 65 Jahren vermutlich bald nach dem 24.4 .1552 in Venedig ge- schrieben, wo etwa um dieselbe Zeit, wahrscheinlich unter seiner Aufsicht, auch der Vind.Phil.l1 ent- stand. Mit dieser zeitlichen und örtlichen Determi- nierung gewinnen wir zugleich ein neues biographi- sches patum für Bartolomeo Zanetti, so daß über das bisher letzte "Lebenszeichen" (18.4 .1547)3 hinaus mindestens fünf weitere Lebensjahre mit Wahrschein- lichkeit erschlossen werden können. Auf weitere Aspekte, die sich durch die Identifi- zierung von Korrektoren und Kopisten schon aus die- sem begrenzten Bereich der Tradierung von Lin. und der Theophrast-Schrift De sensibus ergeben, kann Vgl. J .B .McDiarmid, S.13, das deckt sich mit mei- nen Beobachtungen in Autopsie. 2 Vgl. P .Lehmann (vgl.oben S.275, Anm.l), passim. 3 Vgl. oben S.292.
- 298 - hier nur beiläufig hingewiesen werden. Wenn man sich vergegenwärtigt. daß einerseits Arnold Arlenius nicht nur ff.78-82 und verschiedene Marginalien im Ott.45, sondern auch zahlreiche Randnotizen im Mon. 81 geschrieben hat und daß andererseits Bartolomeo Zanetti als Schreiber oder Ateliersleiter nicht nur an Marc.XI .l1, Ambr.D 124 info und Vind.Phil.ll mit- gewirkt, sondern auch ff.443-457v (Theophrast De sen- sibus) und ff.459-479 im Mon.81 fertiggestellt hat. so bekommt man einen Eindruck davon. wie komplex mit- unter die Zusammenhänge gewesen sein mögen, die die handschriftliche Vervielfältigung griechischer Texte um die Mitte des 16.Jhs. kennzeichnen. Es Überrascht nicht, um nun auf die Filiation von Lin. zurückzukommen, daß der engen kodikologischen Zusammengehörigkeit der drei in diesem Kapitel be- handelten Handschriften eine nahe stemmatische Ver- wandtschaft entspricht. Es gibt nur relativ gerinfü- gige Abweichungen im Text dieser KOdizes untereinan- der, aber erhebliche gegenüber allen anderen Lin. - Manuskripten. Das Verhältnis der drei Textzeugen zu- einander läßt sich durch die Sonderfehler eines je- den Kodex, die im fOlgenden auszugsweise aufgeführt sind, genauer bestimmen: Ambr. Vind. Mare. o t AOLJtO~ )(6 TWV Ambr. om. AEYOμEV om. lv Oa16 Ib13 2a19 yo Marc.Vind. 8b24 9a12 - 299 - Marc.Vind. Ambr. Ob29 la8 C1T~yμn ypaμμi'\s; TEμvnTa~ O'T~yμn O'TLyμns; TEμvETaL Ambr. Mare. Vind. C1UY)(E~VTaL 8b14 9al1 -13 Ob 28 T~ om. EXELV - ~ EJtEpaC1μEvas; (ex homoeot.) Ta 2b18 b32 AEYELV Aus diesen Abweichungen ist er- daß alle drei Hand- sichtlich, schriften unabhängig voneinander aus derselben Vorlage, sie sei p abgeschrieben wurden. Die unbeabsichtigte, größ- be- genannt, jeweiligen Besonderheiten sind tenteils leichtere Versehen der üblichen Art, so sonders Fehler, die durch die Aussprache bedingt sind, Auslassungen von einzelnen meist kurzen Wör- tern und Änderungen aufgrund des assimilatorischen Einflusses der näheren textlichen Umgebung. Die Feh- lerquote ist in Ambr. und Mare. verglichen mit den meisten anderen Lin. - Handschriften gering, was über die Qualität der Kopierarbeit des Bartolomeo Zanetti Aufschluß gibt. Er hat sich bemüht, den Text der vervielfältigen. Auch im Vorlage pein liehst genau zu Vind. ist nirgends eine bewußte Textänderung vorge- nommen worden; der Kopist des Kodex, Camillus Vene- tus, hat allerdings etwas unkonzentrierter gearbei- tet als sein greiser Vater, wie die größere Zahl von Abweichungen gegenüber der Vorlage und eine längere
- 300 _ Auslassung zeigen. Die gemeinsame Vorlage (p) von Ambr., Mare. P und Vind. ist heute nicht mehr erhalten, läßt sich jedoch rekonstruieren. Ihr authentischer Text ergibt sich mühelos aus der Übereinstimmung Von mindestens zwei ihrer Apographa. Er ist kontinuier_ lich aus zwei Quellen kontaminiert, und zwar aus einer Handschrift der Familie a und aus einer Hand- schrift der Familie y. Es wäre müßig und unproduk_ tiv, hier den jeweiligen consensus mit der einen oder der anderen Vorlage Von Fall zu Fall zu be- schreiben. Insgesamt gesehen scheint das Manuskript der Familie a die Primärquelle gewesen zu sein, d. h. aus ihm wurde zunächst einmal der Grundtext von p geschöpft. Entsprechende Indizien kann man darin erblicken, daß an weit mehr als der Hälfte der Stel- len, wo a und y divergieren, P die Lesart von a wie- dergibt, was nicht allein auf einer selektiven Be- vorzugung Von a beruhen dürfte, und vor allem darin, daß diejenigen marginalen und interlinearen Varian- ten in P, die einen anderen Ursprung als die betref- fenden Lesungen des Grundtextes haben, ohne Ausnahme aus der Familie y stammen; denn es wird einleuchten. daß Lesarten am Rand und zwischen den Zeilen letzt- lich immer eine sekundäre Schicht verkörpern. Eini- ge Beispiele: P - Grundtext 8b13 P - in margine 9a4 0\1: y O).(yaL: a a8 1.IE:pw\I: a in mg. YPol.ILKPW\I: i lu:ya).w\I: TJ - 301 - p - Grundtext P - in margine 9b19 n~L)(~)(>'LO\l: a 2a16/7 ~EY€~O ~ no~€tv: a yp.n>'L6).LOV: TJ YP.tv ö>.ov nOL€~V: Y Schon durch die rechten Spalte der Lesarten 9aB und 9b19 aus der obigen Tabelle ist der Kreis der Handschriften, aus dem die der Familie y angehören- de sekundäre Vorlage von p kommt, eingeengt; denn diese Varianten sind erst mit der Handschrift TJ in die Überlieferung von Lin. eingedrungen. Ganz ähn- lich verhält es sich auch bei einer Lesung des Grund- textesvonp,Ob15€t~€Vyap: aß0~ + €t ~n yap: TJ + €t yap ~n: p, übrigens ein anschauliches Beispiel dafür, wie ein einmal entstandener Fehler (TJ) eine weitere (bewußte) Abänderung (p) nach sich zieht. Wenn sodann in p Sonderlesungen von Ha, dem Apographon von TJ, vertreten sind - z.B . 9a5 TnV ~n: TJ + To~nv TnV: Ha+ Deszendenten - und schließlich auch ein Spezifikum von Ga, dem Apographon von Ha, auftaucht - 8b21 a~ npwTaL: Ha Vulgo + ~,PWTO'V : a pscor-r, Caleca: . + ~ npwTov: p TJ npIiiTa~: Ga p.corr. Bessar~on~s , so ist die Zahl der als sekundäre Vorlage von p in Frage kommenden Handschriften auf Ga und seine Deszendenz beschränktl: Vind. Phil. 206 p.L,. 1851 ~ (_v I 1 Sofern wir letzteres Spezifikum für a~schlagge-
- 302 - Von diesen 9 Kodizes scheiden wiederum Ua und Ott. 153 (beide aus der Mitte des 16.Jhs.) aus chronolo- gischen Gründen von vornherein aus, da auf den Kodex p bereits der etwa um 1470 geschriebene Marc.215 (Na) zurüCKgreift (vgl.unten). Vermutlich kommen auch Qa, Vind.Phil.206, Par.1B51 und deren verlore- nes Antigraphon nicht als Quelle in Betracht. In ih- nen ist nämlich 2b27 aus der verderbten Lesung o~aC- pea~v μäAAOV ihres Vorfahren Ga, die in dessen Vor- lage Ha erstmalig auftaucht, das o~aCp€a~s μäAAOV der älteren Vertreter der Familie yl hergestellt. Die Lesart in p aber - eine augenfällige Konjektur: o~aCpea~v μäAAOV anμaCve~ - kann eigentlich nur von o~aCpea~v μaAAov ausgehend zustande gekommen sein. Es bleiben also noch drei Handschriften der Fami- lie y als mögliche Zweitquelle des contaminatus p übrig: Ga, Q und dessen verlorenes Apographon. Unter ihnen ist nun die tatsächliche Vorlage nicht mehr ausfindig zu machen. Immerhin läßt sich jetzt die Entstehungszeit von p bzw. die Zeit der Einarbeitung der aus der Familie y übernommenen Lesungen recht genau fixieren. Als terminus ante quem ist, wie be- reits erwähnt, durch die Datierung des Kodex Na, der p voraussetzt. ungefähr das Jahr 1470 gegeben; der terminus post quem liegt aufgrund der wohl nachträg- bend erachten und nicht annehmen wollen, daß der Kontaminator unabhängig von Bessarion at zu n ver- bessert hat. Andernfalls müßte auch Ha als Vorlage im Gespräch bleiben. ß überliefert o~aCpeaCs Ea.~ μäAAOV, was auch die authentische Lesart des Archetypus unserer Hand- schriften gewesen sein dürfte; das Zeugnis von a fehlt infolge der mechanischen Beschädigung. - 303 - lichen Korrekturen Bessarions in Ga zwischen ca.1440 (approximative Entstehungszeit von Ga) und 1457, dem Datum des aus Ga geflossenen Apographons Q, in dem die Korrekturen des Kardinals berücksichtigt sind. Da weiterhin der Lin. - Text von Ga im Auftrag Bessa- rions in Italien geschrieben wurde, gibt es auch an der italienischen Provenienz von p keinen Zweifel. Die Primärquelle unseres contamina- tus p war, wie oben festgestellt, eine Handschrift der Familie a. Die erste marginale Variante zu 9aB in der obigen Liste deutet schon darauf hin, daß nicht 1, sondern i das Anti- graphon gewesen ist, da die Lesart μ~xpwv lediglich in i erscheint; und es ist nicht das einzige Mal, daß in p eine völlig singuläre Lesung oder Korrektur des Kodex i wiederkehrt, die in dessen Apographon 1 nicht vorh anden ist: 9b21 o~~ .nv: Vulgo + 6~a .~v:i+o~aTC':p Oa12 . - Vulgo + μepwv: i p aμepwv: 2a1 " Vulgo + (hoμo~: i p cronov: Das letzte Beispiel stammt bereits aus dem Textstück in i, das Manuel Kalekas, der Kopist von l, wegen der totalen Verderbtheit von sich aus gar nicht erst mitabgeschrieben hatte. In dieser ganzen Passage (2al-2a24) basiert p weiterhin bis zum letzten Mo- ment hauptsächlich auf i. Daß der Schreiber von p die marginalen und interlinearen Korrekturen, die Kalekas in seiner Vorlage i eigenhändig mit Hilfe der redigierten translatio Robert Grossetestes ange- bracht hatte, schon vorfand, ergibt sich nicht nur aus der Überlegung, daß p einige Jahrzehnte jünger
- 304 - ist als diese zwischen 1401 und 1403 datierenden Überarbeitungen, sondern manifestiert sich auch in concreto darin, daß einige Kalekas übernommen wurden, .. s o9S, , 8bl1 Tnv n~~aE~a ~: ~ . yp.ltpOS TO nμLau: ~ dieser Texteingriffe des z,B• bll " • Ei. ELn av E~n i ... ... v ltpoS TO nu~C1V: p YP.ltp~S Tl)V riμ(- C1ELav: p inmg. ~ EL ELn: p ~ mg. in Der Kontaminator des Kodex p hat sich seine Auf- gabe. einen verständlichen Text zu schaffen, nicht leicht gemacht. Er richtete sein Bemühen nicht nur darauf, Lesungen der einen Vorlage durch ihm rich- tiger erscheinende der anderen zu ersetzen, sondern ging so weit, zwei divergierende Lesarten seiner Quellen miteinander zu einer neuen kombinierend zu verschmelzen, und sah sich mitunter sogar veranlaßt, auf beide angebotenen Varianten zugunsten einer eigenen, d.h . VÖllig neuen Lesung zu verzichten, wie z.B.: P ETL • TO TETpaywvov: Oa11 EL i ETL d ~ ETL . .. TO spat. : Ga EltL TOU TETpayw- bzw.Desz. 1 \lOU: Na la3 cltd MaL: i hd' H : Ga bzw.Desz. ~ CltEL oliv2: Na bll ltpC.lTW llPWTa MaL ällTEa~aL: i ällTEa~aL: Ga bzw.Desz. ~ llpWTa 2a7 ELS aTLyμa!; Ta awμa- Ta MaL Ti aTLYμ~ μc- PO!; TOU awμaTO!; ELltEP Mit und 2 Vgl. what Desz(endenten) sind hier und im folgenden Q dessen verschollenes Apographon gemeint. Joachim Zur Stelle: ItWe should expect a some- stronger particle than OE in a3 to introduce - 305 - 2all /12 waTE auvwvuμa spat. ~ avEpov: i • waTE auv- wvuμa aTOLXEta OUO{- TEpa TW ELOEL ~avEpov: Ga bzw.Desz. p OuocTEpa TW ErOE~ . ~ waTE OUOE auvwvuμa ~avEpov Die Kontaminationen und Konjekturen verraten zum großen Teil das souveräne Urteilsvermögen und die Sprach- und Sachkenntnis eines gelehrten griechi- schen oder italienischen Humanisten.Unter Berück- sichtigung der Grenzen. die dem Kontaminator z.B . durch die verglichen mit der modernen Textkritik be- scheidenen philologischen Hilfsmittel und Methoden gesteckt waren, läßt sich die Arbeit dieses Gelehr- ten, wie mir scheint, mit selectio und divinatio im modernen textkritischen Sinne annähernd vergleichen. Die divinatio handhabte er recht großzügig, zwar oh- ne viel Respekt vor der Überlieferung, aber oftmals nicht ohne Erfolg. Daß die Sonderlesungen des Kodex p, von denen nachstehend weitere herausgegriffen sind, bei weitem nicht alle bloße Versehen sind, sondern ein Großteil von ihnen dem Willen zur Ver- besserung des Textes entspringt, läßt sich unschwer erkennenl. i, Ga bzw.Desz. p 8bl0 ~ .. " TLVO!; av a summing-up of this kind: but it is difficult to make a convincing emendation. It In der Liste sind unter p auch die Kodizes ver- merkt, in denen sich dieselbe Lesung findet. Es handelt sich dann stets - eine Ausnahme bildet der Kodex Na, da er u.a . auf p basiert, vgl.unten - um Koinzidenz des Fehlers oder der Konjektur. 2 Das &v ist in 1 von Manuel Kalekas supra lineam hinzugefügt.
- 306 - - 307 - L, Ga bzw.Desz. Ga bzw.Desz. P p Oa23 add, eL post l'n (recte, Apelt): Na -+ W~ oux EOTa~ -+ n OTLYJ.ln J.ll'ixo~ Ti EnCneoov ~ oTEpeaV -+ EX TOUTWV T~: Vulgo WOT' oux EOTa~ (recte):ß Ti oT~yμn, Ti μl'ixo~, Ti EnC- neoov Ti oTepEaV ~ EX TOU- TWV TL (recte, Hayduck) J.lnXO~, ~ EnL~&veLa, Ti OTepeaV (recte, Hayduck) ETL er TO cXaX~OTOV (et~ - +et: Apelt, Za Ambr.A174 sup. Vind.Phil.231p.corr~ μn (recte?, Hayduck) Ta o~ (recte): ß 2b3 b 33 Owμa OUH eOTLv -+ eL oe owμa OUH eOTLv: Na (eoTaL: Ga bzw.Desz.) (owμa ot OUH COTLV: H.St. Apelt) b8 /9 la18 Ha~ n ypaμμn OTLy- μii~ J.lI'iHO~ n En~~ave~a oTepEaV: Vulgo ETL et~ 8 EXax~o- -+ T6v TL: Vulgo b14 -+ OTLYμn ypaUJ.lii~ (recte): E,; a30 b17 . om,e~ b19 /20 ouoe T?iV ypaμUnv eIvaL OTLYl-nv b18 J.lnTe: Vulgo -+ b27noe -+ - a b29 0~a~6 nw~: G bzw. Desz.(o~a~opa nw~:ßj b30 -+ Besonders genial sind die Konjekturen unseres Kontami~ators im letzten Teil der Schrift. Wo er we- gen des vorzeitigen Abbrechens des Kodex i einzig auf jene junge Handschrift (Ga bzw.Desz.) der Fami- lie y angewiesen war. Dort gelang es ihm nicht nur, dreimal die in der anderen (ihm nicht bekannten) Fa- milie ß bewahrte genuine Lesart des Archetypus aller unserer HandsChriften wiederherzustellen; ihm glück- te sogar eine ganze Reihe ausgezeichneter Verbesse- rungen von Korruptelen der VUlgata unserer Überlie- ferung. Mit diesen nahm er die Emendationen eines Hayduck und Apelt um mehrere Jahrhunderte vorweg. Ga bzw.Desz. oLa~6pw~ nw~ om. Ta (recte, Hayduck, Joachim) Man könnte angesichts dieser Fülle von treffli- chen Konjekturen zunächst geneigt sein zu glauben, der gelehrte Humanist unseres contaminatus p habe all die Verbesserungen in einer Handschrift der un- abhängigen Familie a gefunden, in welcher der Schluß der Schrift (im Gegensatz zu i) noch vorhanden war; dieser Hypothese wird jedoch der Boden entzogen, wenn man sich wieder vergegenwärtigt, daß p ja ein- deutig, wie oben bewiesen, die von Kalekas speziell in i eingearbeiteten Lesungen voraussetzt. Die Kon- jekturen und Emendationsversuche der verschollenen Handschrift sind also-Früchte der textkritischen Er- wägungen ihres Kontaminators. p o~ ye n{pa~ (fort. recte) (O~ Ta ncpa~: Apelt) post OT~YJ.ln add. nEpa~ ypaμμn~ et μ~v o~v ypaμμii~ 2a24 OUTe n{pa~: Vulgo -+ a25 a26 Ein letztes Beispiel gestattet besonders anschau- lich einen Einblick in die Arbeitsweise unseres Kon- jekturalkritikers: 2b21-25 lautet die Argumentation des Verfassers unserer Schrift in Übersetzung folgen- dermaßen: "Ferner, wenn etwas, was nicht im Hause a28 Ha~ €n~ TI'i~ TOμI'i~ (recte): ß
- 308 - sich befindet, nicht das kleinste derjenigen Dinge sein kann, die sich im Hause befinden, und ebenso in allen anderen Fällen, und wenn es möglich ist (ev- 6cXETaL OE: ß 0 Joachim, Schramm; nicht wie Apelt und Timpanaro Cardini mit E: €VOeXETaL yap), daß ein Punkt isoliert für sich (OTLyμnv aUTnv xa~'auTnv: ß, y schreibt falsch aUTnv ypaμμnv xa~'auTnv) existiert, so ist es nicht richtig, von diesem (xaTa TQUTnS: ß, xaTa TauTnv: y) zu sagen, daß er das kleinste in einer Linie ist. Ferner aber ist der Punkt auch nicht . •. " Dem Kontaminator vonplagnuninGabzw. Desz. ein in verschiedenen Punkten anders lautender Text vor. Da er aUTnv ypaμμnv statt oTLyμnv aUTnv las, konnte er in XQTa TauTn~ (sc. oTLyμn~ bzw. xaTa TauTnV, sc. oTLyμnv) nicht mehr das logische Subjekt der Apodosis erkennen, änderte also neutral zu xaTa TOOTO (in mg. TauTnv) und ergänzte als nunmehr unbe- dingt notwendiges Subjekt oTLyμn hinter 2a24 EAaXLo- Tovi die anderen von ihm an dieser Stelle vorgenom- menen Konjekturen geben sich dem Betrachter, der den nachstehenden Text von p mit dem von Ga bzw.Desz., welcher wie der Bekkers lautet (außer 2b24 TauTnv: Ga bzw.Desz.), vergleicht, als solche ohne weiteres zu erkennen: (2b23-25) Et.ErV xaTa TOÜTO ÖTL TO EV ypaμμn EAaXLoTov oTLyμn, ouo' a~ ÖTL n oTLyμn &p~pov Die Person jenes gelehrten Konjekturalkritikers und Kontaminators ist leider nicht mehr zu ermit- teln. Seine Kontaminationsmethode selbst ist wahr- scheinlich keine simultane, sondern eine sukzessive, d.h. er benutzte i und die andere Handschrift (Ga bzw.Desz.) kaum gleichzeitig nebeneinander, sondern - 309 - arbeitete in das vielleicht von ihm selbst aus i ab- geschriebene Manuskript p die ihm wertvoll erschei- nenden Abweichungen der zweiten Vorlage nachträglich ein und ergänzte den in i nicht vorhandenen Schluß. Möglicherweise war es gerade dieses Fehlen des Schriftendes, das den Anstoß dazu gab, ein zweites Textexemplar heranzuziehen, welches dann zur Korrek- tivhandschrift für den gesamten Traktat wurde. - Die näheren Umstände, wie Bartolomeo Zanetti, der für die drei Apographa1 von p verantwortliche Kopist bzw. Schreibateliersleiter, an jenes wertvolle Anti- graphon, das man als die erste kritische Edition un- serer Schrift zu bezeichnen versucht sein könnte, gelangt ist, sind nicht mehr nachzuzeichnen. Ebenso können wir über die Gründe, die zu dem Verlust die- ses Kodex geführt haben, nur Vermutungen anstellen2• c) Marc.215 (Na) Der Marc.215 (Na) ist stemmatisch ein Einzelgän- ger; es gibt unter den erhaltenen sowie den bisher durch Kombination rekonstruierten Lin. -Handschriften keine, die ihm annähernd verwandt wäre. Na ist ein Über den textkritischen Wert des Marc.XI.ll fällt E.Mioni (vgl.oben S.93, Anm.l), S.76, fOlgendes Urteil: "nihil bonum elici pot est !", Angesichts der Tatsache, daß p, das Antigraphon des Marc., zum einen seinerseits in erster Linie die Lesarten des in den bisherigen Editionen unserer Schrift nicht berücksichtigten unabhängigen Überlieferungszwei- ges a präsentiert und zum anderen eine Fundgrube kluger Konjekturen darstellt, ist diese negative Einschätzung unberechtigt. 2 Vgl. unten S.317/318.
- 310 - überaus stark kontaminierter Kodex; er weist jedoch kein einziges äußerlich sichtbares Merkmal, wie etwa Rasuren, Tilgungen, interlineare und marginale Vari- anten oder Hinzufügungen, auf, das den Vorgang der Ineinanderarbeitung des Textes mehrerer Vorlagen er- kennen ließe. Daraus ergibt sich zwangsläufig die FOlgerung, daß die Verschmelzung der verschiedenen Antigrapha nicht unmittelbar im Kodex Na vollzogen wurde, sondern vielmehr in dessen heute verscholle- ner Vorlage erfolgt sein wird. Na selbst ist ein im Auftrag des Kardinals Bessa- rion - er trägt dessen Exlibris - vermutlich in Rom gefertigter Pergament-Kodex. Nach Ga und dem riesi- gen Folianten Q ist Na somit das dritte Lin. - Manu- skript, das auf die Initiative des Humanistenkardi_ nals hin entstand. An der Handschrift waren vier Ko- pisten beteiligt, von denen keiner sUbskribiert hat. Aufgrund paläographischer Evidenz läßt sich jedoch der erste Teil (ff.1 -35v) Demetrios Triboles zuwei- sen, während das anschließende Stück (ff.36 -185) und somit auch Lin. (ff.168-172) Von jenem noch unbekann- ten Kopisten stammt, der auch den oben behandelten Mon.502 - diesen allerdings noch in Konstantinopel, wohl in der Umgebung des Matthaios Kamariotes _ schrieb und den wir Anonymus K(amariotes) B(essarion) genannt haben. Das Entstehungsdatum Von Na liegt in der Zeitspanne zwischen 1465 und 1472: Bessarion starb am 18.11.1472, und Demetrios Triboles ist bis mindestens 1465 noch im griechischen Osten (zuletzt auf Kreta) weilend bezeugt1• Damit ist auch E.Mionis Zu den Details und Belegen vgl. die Beschreibung der Handschrift im 'Aristoteles Graecus' (Rubrik "Provenienz"). wo auch die Möglichkeit einer wei- - 311 - Zeitansatz1 - "Marcianus 215 (=Na) Romae, in Biblio- theca Bessarionis, meo iudicio, ante annum 1457, quod in Marc.200 describendo Rhosus ex eo quasdam opellas excerpsit, exaratus est." - nicht haltbar, und seine Ausführungen zur Filiation können nicht zutreffen. In der Tat zeigen stichprobenartige Kol- lationen aus Rhet. - auf diese Schrift haben sich die quaedam opellae Mionis bei genauer Überprüfung seiner Einzelergebnisse reduziert - , daß nicht. wie Mioni angibt, Q (Marc.200) aus Na abgeschrieben wurde2, sondern beide Handschriften gesondert letzt- lich auf eine gemeinsame Quelle zurückgehen; Trenn- fehler von Na: z.B . 1419a16 om. ex homoeot. n ~~ μ~v ~~ o'oü, 1419a19 om. ÖT~ μaA~aTa, 1419b17 om. ex ho- moeot. 0 O'ÖT~ - a~Aws; Trennfehler von Q: z.B . 1419 a33 om. 0 o~, 1419b21/2 om. ex homoeot. Ta ~&~pay- μiva - )(a~ yap. Das verlorene Antigraphon von Na in der Tradie- rung unserer Schrift über die Atomlinien ist von drei Richtungen her kontaminiert: aus einer Hand- schrift der Gruppe t, aus p und aus einer Handschrift der Gruppe ~. Da t wie auch p ihrerseits kontami- niert sind, ersterer Kodex aus & und N, letzterer aus i und Ga bzw.Desz., finden sich in Na bzw. sei- ner Vorlage schließlich Lesarten aus allen drei Fa- milien vertreten3; Na ist also sozusagen ein conta- teren Eingrenzung der Entstehungszeit erwogen wird. E.Mioni (vgl.oben S.93, Anm.l), S.103. 2EM' . Q descr I ' . ~on~, S. 95: " ••• codex •.. ascr-Lptus ex ~p- so Na iudicandus nobis est". 3 E.Mioni hat bei dem handschriftlichen Material, dessen er sich bedienen konnte und dessen Lesarten
- 312 - minatus in Potenz. Die Handschrift aus der Gruppe ~ bildet die Primärquelle - insofern als der weitaus überwiegende Anteil relevanter Lesarten aus ihr stammt - für etwa das erste Viertel der Schrift (bis ca.9all) (a), anschließend bis etwa la20 dominiert der Einfluß von p (b), und im letzten Drittel tritt dann die Handschrift aus der Deszendenz von ~ an die erste Stelle (c). Jeweils ein paar spezifische Bei- spiele mögen genügen, um diese Verteilung der Ein- flußbereiche zu dOkumentieren: a) Vulgo Ba 2 WC1lte:p alS ~no~v a16 -+ W!; -+ ouo~v -+ add. TDV ~ O C1~V post ltp6- Te:pa b17 Te:Tqy~{vnv xa~ -+ WP~C1~{vnv xa~ Te:Tay~€ - WPLC1~Evnv vnv b) Fälle, in denen Na die Sonderlesungen (meist Kon- jekturen) von p aUfgreift, sind bereits im vorherge- henden Abschnitt (S.304 und 306) vermerkt; aus p hat Na natürlich außerdem sOlche Lesarten geschöpft, die ersterer aus dem Grundtext von i oder aus den dortigen Korrekturen des Manuel Kalekas übernommen hatte. In diesem Zusammenhang sei dem möglichen Ein- wand begegnet. es könne ebensogut umgekehrt p von er in den kritischen Apparaten von Bekker und Apelt vorfand. was Na betrifft, gar nicht so un- recht. wenn er feststellt (S.76): It ••• GaNa e co- dice manare, qui locum medium inter Hap fortasse habet ••• It; denn p gehört zur Deszendenz von e und Ha zu der von e: und ist außerdem direktes An- tigraphon Von Ga; entsprechend dem letzteren Ab- hängigkeitsverhältnis muß freilich Mionis Beobach- tung zur Filiation von Ga korrigiert werden. - 313 - Na beeinflußt sein. Die Tatsache, daß von den charak- teristischen Lesarten des Kodex i im Text der Hand- schrift p bedeutend mehr vertreten sind als in Na, beweist, daß p unabhängig von Na auf i zurückgeht. Da sich in Na keine einzige auf i zurückzuführende Variante findet, die nicht auch in dieser Form in p wiederkehrt, ist es weiterhin kaum wahrscheinlich, daß Na unabhängig von c) Vulgo p aus i gespeist wurde. eNa -+ EVUltapXOUC1a~ -+ äUw T~VC: y -+ cpave:pwenva~: y la25 EVUltapxOUC1~V aAATP..wV: a clAAWV: ß b7 2a14 &cpa~pe:~nvaL Innerhalb der genannten Haupteinflußbereiche der drei Vorlagen stellt man darüber hinaus Nebeneinwir- kungen fest, bei a) aus p, bei b) und c) aus ~; d.h . e ist nicht in a) und b) herangezogen worden bzw. hat dort für den Text nichts hergegeben, und das gleiche gilt für p in c). Dies alles läßt bezweifeln, daß wir es mit einer streng systematisch durchgeführten Kontamination zu tun haben, bei welcher, entweder von einem bereits aus einem bestimmten Antigraphon abgeschriebenen Grundtext und zwei zur Überarbeitung hinzugezogenen nebeneinander bzw. nacheinander ausgewerteten Kor- rektivvorlagen oder aber von drei bei der Herstel- lung des neuen Textes gleichzeitigl eingesehenen Vorlagen ausgehend, die dem Kontaminator bzw. den Fall als richtig erschei- Kontaminatoren von Fall zu nende Lesart im Text beibehalten bzw. aufgenommen 1 Oder auch zwei gleichzeitig und die dritte später.
- 314 - worden wäre. Wenn man nicht gerade annehmen will, in einen zunächst aus einer einzigen Vorlage kopierten vollständigen Text seien später über bestimmte grö- ßere Partien hin die Lesarten aus zwei anderen Hand- schriften derart eingearbeitet worden, daß sie die- sen Teilen des Traktats VÖllig das fremde Gepräge mitsamt den beim Vergleich leicht erkennbaren Feh- lern aufgedrückt hätten, so wird man wohl nicht um- hinkönnen, die Entstehung des Na zugrunde liegenden Kodex im weSentlichen durch einen Wechsel der Haupt- vorlagen zu erklären. Die nachträgliche (vielleicht auch gleichzeitige) Einsichtnahme in die jeweils se- kundär verwendeten Handschriften verlief sodann nicht sehr gründlich1, so daß etliche Fehler des Grundtextes nicht ausgemerzt werden konnten. Welche Handschriften im einzelnen - ~ und ~ oder einer ihrer Deszen- denten - außer P dem verschollenen contaminatus vorgelegen haben, läßt sich nicht mehr eruieren. Was ~ und seine Ab- kömmlinge betrifft, gibt es nämlich in Na keine ein- zige Lesart, die sich mit einer gravierenden Sonder- lesung eines diesem Zweig der Überlieferung angehö- renden Manuskripts decken würde; es lassen sich heu- te allerdings nur noch P und Berol. vergleichen. da in Mosqu. und Mon. der größte Teil unserer Schrift mechanisch abhanden gekommen ist2• Daß Berol. und Es wäre nicht das einzige Mal, daß bei einer Re- vision eines Textes verschiedene Fehler und Abwei- chungen einfach übersehen wurden. Ich verweise nur auf die Überarbeitung von Lin. im Kodex Ga durch Bessarion. 2 Der Mosqu. kommt als Vorlage ohnehin nicht in Fra- - 315 - Na als einzige 2b24 xaTa TaOTa bieten. reicht kaum aus, um sie stemmatisch miteinander in bringen. Auch die Tatsache. daß sowohl Mon. von der Hand des Anonymus KB stammen, will noch nichts besagen, da Na selbst lediglich ein Apogra- phon der hier in Frage kommenden kontaminierten Hand- schrift ist. Betrachtet man auf der anderen Seite ~ und seine Deszendenz, so findet sich zwar auffälli- gerweise in Matr. und Na ein und dieselbe homoiote- Auslassung Ob6/7 om. waTE - Tμn~naETa~, des Faktums, daß der Matr. und dort Verbindung zu Na als auch leutische doch wird man im Jahre 1470 angesichts in Messina geschrieben wurde verblieb, während unser verlorengegangener contami- natus erstens an einem Ort gefertigt wurde, wo alle drei Quellen zugänglich waren, also sicherlich nicht um dieselbe Zeit be- in Messina1, und zweitens etwa reits dem Kodex Na in Rom vorlag, mangels anderer Indizien vielleicht auf Fehlerkoinzidenz schließen dürfen2• Aus diesem negativen Ergebnis bei der nähe- ren Bestimmung der aus der Gruppe t und der Gruppe ~ benutzten Kodizes mit Hilfe von eindeutigen Leitfeh- lern resultiert bei einer kontaminierten Hand- schrift, in welcher solche Fehler leicht beseitigt werden konnten, freilich auch nicht unbedingt, daß diese nun aus den Vorfahren t und ~ selbst abge- schrieben wurden. ge: Er befand sich nie im Westen wohingegen unser contaminatus in den ist. (vgl.oben S.57), Italien entstan- Allerdings hätte der Matr. aus Messina Besitzer Konstantin Laskaris entliehen sein können. bei seinem worden 2 Im Matr. auf der einen Seite, im contaminatus oder in Na auf der anderen Seite.
- 316 - Immerhin haben wir in p wenigstens eines der drei Antigrapha ermitteJt. Das wiederum ermöglicht eine approximative Datierung unseres contaminatus. Für diesen gilt wie auch für p etwa das Jahr 1440 (unge- fähr frühstmögliches Datum der Korrekturen Bessari- . a ons~nG, die p zugrunde liegen) als terminus post quem und etwa das Jahr 1470 (ungefähres Datum des Apographons Na) als terminus ante quem. Da p in Ita- lien geschrieben wurde und ebendort auch um die Mit- te des 16.Jhs. den im vorigen Abschnitt untersuch- ten Ambr .• Mare. und Vind. als Quelle diente, ist auch für unseren contaminatus die italienische Pro- venienz gesichert; der Kopist der Handschrift Na, der Anonymus KB, schöpfte aus ihm, wie bereits an- gedeutet, offensichtlich in Rom. Eine Untersuchung der Abhängigkeitsverhältnisse der COl. -Handschriften zeigt, daß Na wie auch Ott. 172. letzterer aus der Mitte des 16.Jhs. und von Ar- nold Arlenius durchgängig mit Hilfe einer fremden Quelle überarbeitet, gesondert aus einer verscholle- nen Handschrift abgeschrieben worden sind, die ih- rerseits den KOdex i Zur Vorlage hattel. Eine ge- wisse Parallelität der Filiation von Col. und Lin. ist mithin nicht zu übersehen. Der codex deperditus p hat also möglicherweise auch Col. enthalten: Lin.: i Col.: ly ~ "a Ambr.Marc.V ~nd. N E.Mionis Festellung (S.64): "reeta profecto linea codex Na ex Ha effluxit" trifft also nicht zu. - 317 - Es bleibt noch übrig, für unseren Traktat ein Merkmalen in Na zu notieren, die vorgegeben waren. Eine Na als paar von denjenigen in keiner der drei Quellen Verteilung dieser Sonderlesungen sowohl auf auch auf das verlorene Antigraphon ist zwar anzuneh- men, kann aber im einzelnen (Oa12 ausgenommen) nicht mehr nachvollzogen werden. 8a14 awμaTa: a y , awμa- TOS: ß ~ awμaT~, 8b9 μEpn μeTpou ~ μETpa μepn, 8b13 μETPOU ~ XEVTPOU, 8b26 a d d , ChOμOL post aUVTE~W (= (= Heilungsversuch; ähnlich Joachim), 8b26 AEYETa~ ~ AEy6μEva~, 9a31-33 om. EL äpa - o ~avo~av, 9b29 ~avEpwTEPOV ~ ~avEp~v: ß1, Oa12 o~a μeaou ~ o~a μE- TPOU p.corr.(recte): N2 Apelt, Ib4 EX aT~Yμwv ~ EX aT~yμns: ßI, Ib29 T~ o~ ~ μn OE. - Unter den zahl- reichen Abweichungen vom Text der Vorlagen scheinen Konjekturen der Schreiber (des ver- Na) oder eher nicht wenige als lorenen contaminatus und des Kodex des Kontaminators angesehen werden zu dürfen. Am Schluß der Untersuchung der kontaminierten Handsch~iften fällt dem rückblickenden Betrachter auf, daß keiner der Prototypen der drei aufgezeig- ten Redaktionen, in denen mehrere Vorlagen ineinan- dergearbeitet wurden, d.h . keines der drei Kontami- nationsoriginale (~, p, Antigraphon von Na), auf uns gekommen ist. Es scheint sich dabei nicht um eine zufällige oder isolierte Feststellung zu han- deln; so haben z.B., um im Corpus Aristotelicum zu 9b29 und Ib4 sind die Lesarten von Na mit denen von ß identisch; entweder liegt Koinzidenz vor, oder - was unwahrscheinlicher ist - das Antigra- phon von Na war zusätzlich einem Einfluß aus vier- ter Richtung (nämlich von N oder V her) ausgesetzt.
- 318 - bleiben, E.Lobel und M.Fuhrmann in der Überlieferung von Poet. und Rhet.Al. derartige Redak~ions_ und Re- visionsoriginale rekonstruieren könnenl. Man kann die Kurzlebigkeit solcher Handschriften vielleicht folgendermaßen erklären: Kontaminierte oder gründ- lich überarbeitete handschriftliche Exemplare eines Textes sind gleichsam Editionen, und wie die Verlu- ste unter den Handschriften, die einem Druck zugrun- de lagen, besonders hoch sind, weil man diese, falls sie nicht gerade bibliophile oder archaische Raritä- ten oder fremdes Eigentum darstellten, nach dem Er- scheinen des Drucks, der sie als Leseexemplare über- flüssig machte, bisweilen zu vernachlässigen oder zu vernichten pflegte, so werden auch viele contaminati - durch Rasuren, Korrekturen, Überschreibungen, Er- gänzungen u.dgl. äUßerlich nicht sehr ansehnlich und nicht ohne weiteres fließend lesbar _ nicht mehr ge- hütet worden sein, nachdem eine saubere Reinschrift aus ihnen angefertigt worden war. Falls sich diese Hypothese nach Heranziehung von umfangreicherem Ver- gleichsmaterial im weSentlichen bestätigen sOllte, dürfte man in vielen Fällen dieser Art vermutlich voraussetzen, daß die Entstehung der rekonstruierba_ ren Vorlage bzw. der Kontamination selbst und die des sauberen Apographons, das also Sozusagen die Rein- schrift wäre, nicht allzu weit auseinanderliegen2. Im Falle von Rhet.AI . scheint mir die Ansetzung eines verlorenen vOllständigen Antigraphons für den Par.2038 Unumgänglich; Fuhrmanns Alternativ_ erklärung, der Korrektor habe "sich mit dem Schrei- ber durch skizzenhafte AUfzeichnungen, einzelne Hinweise u.dgl. verständigt" (S.60). würde. so- weit ich sehe, allen Gepflogenheiten der Hand- schriftenpraxis widersprechen. - Anm.2 s. S .319 ~ - 319 - 5. DAS VERHÄLTNIS DER STAMMVÄTER ZUEINANDER Wir haben uns bislang nur mit den einzelnen Ver- tretern der drei Familien - ob erhalten oder nicht - beschäftigt und müssen uns nun fragen. wie sich die drei Familien, oder besser die Stammväter (a ß y) zueinander verhalten. Es ist bereits (S.104) angedeutet worden. daß al- le drei Familien stemmatisch voneinander unabhängig sind. Als unumstößlicher Beweis dafür genügt die Tatsache, daß jeder der drei Stammväter eigene, durch Konjektur nicht zu beseitigende Trennfehler aufweist und daher nicht Vorlage oder sonstiger Vor- fahr der anderen oder eines der anderen gewesen sein kann. Entsprechendes Belegmaterial läßt sich un- schwer den oben zusammengestellten Listen mit Spezi- fika jeder einzelnen Familie (a: S.104-108, ß: S.127 bis 131. y: S.140/141 und 130/131) entnehmen. In die- ser Hinsicht völlig eindeutige Belege sind natürlich die Auslassungen von inhaltsnotwendigen Textstücken und Wörtern. Das kennzeichnendste negative Merkmal des Par. 2032 (i), des Stammvaters der Familie a, ist sein frühzeitiges Abbrechen mit 2a24, das ererbt ist. 2 (zu S.318) In der Tradierung von Lin. trifft letz- teres allerdings für t nicht zu. sofern Vat.905 und Wa (Mitte der ersten und Mitte der zweiten Hälfte des 15.Jhs.) unmittelbar auf diesen conta- minatus zurückgehen. Auch im Falle von P (etwa 3. Viertel des 15.Jhs.) haben wir von der Existenz einer Reinschrift, die wesentlich früher als die direkten Abkömmlinge Ambr., Marc •• Vind. (16.Jh. M.) datiert, keine Kenntnis.
- 320 - Durch eine mechanische Beschädigung der Vorlage ver- ursacht sind auch die drei ausgesparten Lücken 2aB/9, 2al0 und 2all und höchstwahrscheinlich ebenso die Auslassungen bzw. Verkürzungen ab 2a3/4 (vgl.oben S. 112/113). Nicht weniger ins Gewicht fallen die bei- den lacunae ex homoeoteleuto 8a7-9 und Ob3/4. Im ge- meinsamen Antigraphon von N und V, dem Stammvater ß, finden sich folgende Auslassungen als in der Mehr- zahl echte Trennfehler: 9b26 om. μäAAOV, 9b32 om. ÖPO&, Oa25/26 om. anacra und lb3 om. crUVEX~&. Beim Stammvater y schließlich springen die Fehler Zwar nicht so sehr ins Auge _ . , )d' -2 d~e Auslassungen von EX (Ob3), Tonov (lb8 un aUTW (lbl0) hätte zudem ein aufmerksamer Schreiber oder Leser selbst ergänzen können - , dennoch sind Spezi- fika wie etwa la6 om , U:x TOlhwv) ÖT~ oU6'a'v, lb7 aAAnAwv: a Hayduck (äAAWV: ß) + äAAW T~V' und viel- leicht 2a14 a~a ~PE ~nva~ + ~avEPW~nva~ wirkliche Trennfehler. Nachdem also feststeht, daß keiner der drei Stamm- väter die Vorlage eines der beiden anderen darstellt, ist nun zu fragen, welcher der damit auf vier redu- zierten möglichen Stemmatypenl in der Überlieferung der Schrift Lin. vorliegt. Stammen a, ß und y direkt aus derselben gemeinsamen Quelle, dem Archetypus w, oder lassen sich zwei Familien gegenüber der dritten wegen bestimmter Bindefehler (mit trennender Kraft) nur über eine Zwischenstufe ~ auf W zurückführen? 1 Vgl. P .Maas, Textkritik, 41960, 5.28. - 321 - 1) 2) 3) 4) W w w w a~y /\~I /\ {\y rßA/'ß a y Im Falle 1) würde an Variantenstellen der consen- sus zwischen zwei beliebjgen Stammvätern gegenüber dem dritten in der Regell den authentischen Text des Archetypus gewährleisten, und die in den obigen Li- sten mit Familienspezifika aufgeführten Lesarten wä- ren, sofern sie sich einer einheitlichen Lesung in den beiden anderen Familien gegenübersehen, sämtlich als nicht im Archetypus belegte Sonderfehler zu be- trachten. Doch dieser für die constitutio textus günstigste Fall scheidet ohne jeden Zweifel aus. Die mehreren Stellen allein Familie ß bietet nämlich an die absolut richtige Lesart gegenüber einer meist gleichlautenden Korruptel in a und y. Die folgende Gegenüberstellung mag dies verdeutlichen; eine je- weilige philologische Erörterung dürfte sich auch angesichts der communis opinio sämtlicher modernen Alternativlesarten aus den Ap- waren, erübrigen: Kritiker2, denen die paraten Bekkers und Apelts bekannt a y (Bindefehler) om.a3 (TE:a) nOA~ et ponit a3/4 xa~ Ta μeya xat Ta aVT~XE'μEva TO~ - TO~& TOTE post a5 nOA~ ß (recte) 8a3-S Textabfolge wie bei Bekker und Apelt Ausnahmen könnten sich lern ergeben. 2 Zum Bibliographischen 5.86 -88 . durch Koinzidenz von Feh- für das folgende vgl. oben
- 322 - s (recte) 8a14 crwμaTO& a18 EcrT~ TC aμEp~& 9a4 o L AOYO~ b27 . EX YE Oa24 bll TOUTO~S b15 μCa b2S d yap crTLYμn b27 nepas Erva~l la6 a12 a Y (Bindefehler) crwμaTa . ' ... EcrT~V aμEpEs bACya~: a, 6A~Y': Y om. 6 ~a ~pe:crE~S TO~TWV μaA~crTa nyap orLyμn nepas orn , EX TOlhwv om. v OT~ Aufgrund dieser einzig Vom Stammvater ß gebotenen authentischen Lesungen2 würde man unter Zugrundele- gung normaler stemmatischer Konstellation die Über- lieferungslage unseres Traktats nunmehr durch den drittgenannten der obigen Stammbäume darstellen: ß auf der einen Seite und ~n. die gemeinsame Vorlage der gesonderten Abschriften a und y, auf der anderen Seite wären unabhängig voneinander aus dem Archety- pus w geflossen. Beiden Abschriften blieben selbst- verständlich Fehler nicht erspart. Die gravierend- Diese Lesart von ß (= N V) ist bisher unbekannt ge- blieben, da sie Bekker in N entging; sie ist sehr wahrscheinlich als authentisch in den Text aufzu- nehmen, vgl. Joachim zur Stelle "sc.e!vaL" und in gewisser Weise auch Schramm, 5.45 . 2 Ansonsten begegnet unter den Spezifika von ß noch die eine oder andere Lesart, die nicht unbedingt hinter der entsprechenden Lesung in a Y zurückste- hen muß; Sicherheit über die Authentizität ist je- doch in solchen Fällen nur schwer zu erlangen,und ein Beweiswert für unsere Zwecke ist daraus erst recht nicht abzuleiten. - 323 - sten Versehen von ß, die omissiones, wurden bereits genannt (5.320); die übrigen Fehler verschiedenster Ar~ sind der Variantenliste S.127 -131 zu entnehmen. Die soeben aufgezählten Bindefehler von a y wären dem Kopisten von ~n (und seinen potentiellen Vorgän- gern bei eventuellen Zwischengliedern) anzulasten. Unter ihnen befinden sich die hinlänglich bekannten Kategorien von Versehen: Auslassungen (8a18 Haplo- graphie, Oa24, Ob27, la6, la12), Itazismus (Ob2S), Assimilation (8a14; an nachfolgendes crToLXE~a), Ver- wechslung lautlich verwandter Wörter (9a4; gleicher Konsonantenbestandl), wie auch die geläufigen Vari- anten YE - TE (9b27). Für die Versetzung des Text- stückes 8a3/4 hinter 8aS nOA~ könnte etwa folgende Erklärung beigebracht werden. In der originalen Wort- abfolge, wie sie ß bewahrt hat, EL yap oμoCws unapXE~ TOTE nOA~ xat TO μeya xat Ta aVTLXELμEva TO~TO~S TOTE OACyOV xat TO μLXPOV Ta 6'anELpous crXE60v 6~aLpecrE~S EXOV oux EcrTLV OALYOV aAAa noA~. ~aVEPOV ÖT~ nenEpacrμeVas E~e ~ TaS 6LaLpecrELS Ta OALYOV xat TO μLxp6v sind zunächst, wie ich vermuten möchte, die Wörter nOAu bis TOTE (bzw. TOTE bis TO~TOLS) durch Homoio- teleuton (zweimal TOTE) übersprungen worden2. Später Möglicherweise begünstigte außerdem eine Suspen- s~on gie Verwechslung; vgl. die Lesart von Y (CALY ) und oben S.162 die für n rekonstruierbare und in Ha bewahrte, wenn auch schon verfälschte Ab- kürzung für AOyOS. Außerdem steht kurz vorher μL- xpa(v). womit OALY- in unserer Schrift häufig ver- bunden wird; das konnte gleichfalls verleiten. 2 Der oben angeführte Text soll die mögliche Text- situation der Vorlage auch optisch veranscnauli- chen. - Derartige Auslassungen durch Homoioteleu- ton sind auch am Anfang einer Schrift, der natur-
- 324 - ist dann der ausgelassene Text am Rand nachgetragen worden. Als nun jene korrigierte Handschrift ihrer- seits als Vorlage herangezogen wurde. setzte der be- treffende Kopist die am Rand ergänzten Wörter. deren Position der Korrektor nicht unmißverständlich be- zeichnet hatte, in seinem Text an die falsche Stelle, wobei er offensichtlich rein mechanisch nOA~, das erste Wort am Rand, als stichwortartigen Hinweis auf das ~OA~ des verbliebenen Grundtextes (8aS) als An- schlußstelle auffaßte und das in der Marginalie fol- gende xa~ TO μeya etc. einfach hinter nOAu in den Text einfügtel. Ist die Entstehungstheorie für diesen eklatante- sten Fehler in ~rr richtig, so dürfte wohl _ voraus- gesetzt, daß jener am Rand korrigierte KOdex nicht mit dem Archetypus W identisch ist, was allerdings durchaus möglich erscheint, - eine kleine MOdifizie- gemäß Sorgfältiger kopiert wird, keine Seltenheit; man Vergleiche die Lücken in Ga (8a4/S) und in i (8a7-9). Es liegt nahe, daß der auf diese Weise in ~rr neu entstandene Textablauf, der nunmehr selbstver_ ständlich keinen befriedigenden Sinn ergab (Trotz- dem hat er sich in a, wenn man von der Auslassung des TE (8a3) in i absieht, und 6 erhalten!), in der Deszendenz Von ~n zu Konjekturen geradezu her- ausforderte. So versuchte man in e, den Text durch die Tilgung VOn TO vor μcya und von xa~ hinter μcya wenigstens einigermaßen verständlich zu ge- stalten. Ein übriges tat der Redaktor (Rob.II) der Übersetzung des RObert Grosseteste (zu Einzel- heiten vgl. unten), indem er hinter 8as OACyOV/ paucum ein et parvum einschob. Es spricht für die- Se Korrekturen, wenn W.Hirsch (S.27/8) sich täu- schen ließ Und dem aus e und Rob.II hergestellten Text gegenüber dem authentischen von ß. wie er auch von Bekker und Apelt geboten wird, den Vor- zug gab. - 325 - rung des aufgestellten Stemmas vonnöten sein. Da nämlich die Gleichsetzung der korrigierten Hand- schrift mit ~n nicht recht befriedigt - a und y wä- ren wohl kaum beide auf dieselbe verfehlte Placie- rung des marginalen Nachtrags innerhalb ihres Grund- textes verfallen, es sei denn, sie hätten z.B . in ~n bereits ein an der falschen Stelle befindliches Verweiszeichen o.ä . vorgefunden - , müß- te man den fraglichen Textzeugen zwi- schen w und ~n ansetzen. Seinem Kopisten wäre also, als er aus w abschrieb, die homoioteleutische Auslassung unterlau- fen, und ~n hätte das später am Rand hinzugefügte Textstück an falscher Stelle eingeschoben. - Sicher- heit hinsichtlich der Identifizierung entweder mit w oder mit diesem möglichen Zwischenglied läßt sich freilich nicht gewinnen. Die im Verhältnis unserer drei Familien zueinan- der sich anbietende Filiation, nämlich das gleichbe- rechtigte Nebeneinander von ß und a y (=~H) als Va- riantenträgern, erweist sich nach stemmatischer Ge- setzmäßigkeit dann als absolut gesichert, wenn nach- stehende Maxime mit der Textsituation in a, ß und y im Einklang steht: consensus zwischen ß und a gegen- über y und zwischen ß und y gegenüber a gewährlei- stet im Normalfall die Lesung des Archetypus unserer Demnach könnten die Sonderlesungen der Familie Y - außer originalen Text bie- Handschriften. der Familie a und diejenigen niemals den in Ausnahmefällen ten. Die Überprüfung sämtlicher Stammvaters y bestätigt diesen Sonderlesungen des Grundsatz in der Tat.
- 326 - - 327 - Keines der in der auf S.140/141 zusammengestellten Liste angeführten Spezifika Von Y. von einer Ausnah- me abgesehen (vgl.unten), besitzt eine inhaltliche Berechtigung; es handelt sich stets um sekundäre Ab- weichungen vom originalen Wortlaut. Dazu gehören nicht nur die bereits (S.320) hervorgehobenen Auslas- sungen, sondern auch andere Fehlerarten, wie Unsi- cherheit in der Akzentuierung des Nominativs und des Dativs im Singular des endbetonten Femininums (Ob26) und Verwechslung der Kompendien für napa und nEpC (Oa7). Einer gewissen Tendenz zur sprachlichen Nor- malisierung und inhaltlichen Glättung verdanken of- fensichtlich die beiden Ergänzungen (9a24,9a32) ihr Entstehen; ganz eindeutig ein stilistischer Eingriff schließlich ist 2a22 die Austauschung des originalen €:V6cXETal (bzw. EV6cXOLTO) gegen EYXWPEL. um eine Wiederholung im Ausdruck (vgl. 2a23 EV6cXOLTO) zu vermeiden. - Lediglich einmal scheinen wir, wie be- reits angedeutet, der Lesart in y den Vorzug gegen- über der Von a ß überlieferten geben zu mÜSsen: 8b13/4 ist nämlich nicht mit E~ aμcTpWV (a ß), son- dern offensichtlich mit E~ aμepwv (y) das Richtige gegeben. Das Zusammengehen von a und ß bedeutet hier nichts anderes als Fehlerkoinzidenz. Der vorangehen- de Kontext mit seiner ständigen Wiederkehr von Wör- tern des Stammes μeTp- macht sie begreiflich. Allen- falls wäre auch die Möglichkeit einer Emendation in y nicht ganz auszuschließen. einer Reihe von Fällen ganz allein die wahrschein- lich oder sogar zweifelsfrei authentische Lesartl ge- genüber und trotz consensus von ß und y. Es ist hier- bei beeindruckend, wie oft die Konjekturalkritik eines Hayduck, dem die Vertreter der Familie a nicht nachträglich eine glänzende Bestäti- bekannt waren, gun g erfährt 2 : ß y (Bindefehler) a (recte) ypaμμnv2 (Hayduck) 6L~ivaL (Hayduck) änav vielleicht richtig (Hirsch mit Hinweis auf Phys.231b2, und Timpanaro Cardini) öAn öXou (Hirsch; man öXws vel öXns erwartet eher öXn öXns) äv änToLTo (Hayduck) änToLTO Beweisganges ist so, wie er verderbt. Die Fami- Ab- ypaμμT! iaio a14 a26 a28 a28 lb4 sqq.: Der Text des bei Bekker steht, in hohem Maße lie a schafft ohne Zweifel in mehreren Punkten hilfe: lb6 erfordert die Gedankenführung statt n &V T~ K~ crTLyμn (ß Za n) mit a (Rob.) ~ 3 den Wortlaut Es versteht sich auf der anderen Seite, daß sehr viele der Spezifika von a nichts anderes als Schreiberversehen darstellen, auf deren Aufgliede- rung nach den zur Genüge bekannten Typen hier ver- zichtet sei. 2 In der folgenden Zusammenstellung werden die be- reits als Konjekturen vorgeschlagenen und häufig in den Text aufgenommenen Varianten durch Nennung des betreffenden Gelehrten (fast ausschließlich Hayduck!) gekennzeichnet; desgleichen wird ver- merkt, wenn als erster Hirsch sich für eine Lesart von a entschied. 3 Der unerwartete consensus zwischen a (Rob.) ~ ist kaum stemmatologisch begründet. sondern offensicht- Unterzieht man nun auch die spezifischen Varian- ten Von a (S.104-108) einer entsprechenden textkri- tischen Bewertung, so erweist sich jene Maxime als hinfällig. Die Familie a überliefert nämlich in
- 328 - nEVT~AKxa~n(nom.i)EVT~ K~crTLYμn, den bereits Bussemaker gemäß dem Kodex P in die Didotia- na aufgenommen hatte, und Hayduck (5.167) sowie Apelt und die anderen Gelehrten natürlich haben. - lb7 ergeben die Lesarten aAA~ aAAwv (ß) absolut keinen Sinn; Hayduck Begründung S.168) hat zu Recht aAAnAwv chim: aAAnAoLv) konjiziert. was denn auch die Fami- lie a überliefert. - Als Subjekt des mit wcrTe (lb8) beginnenden Satzes sind offensichtlich n EV TÖ AK xa~ n €:V Tij K~ crT~Yμn (vgl.la6) aUfzufassen, was Hay- duck (S.168), Joachim und Timpanaro Cardini _ und auch schon Martianus Rotal - richtig erkannt haben. (Wenn Apelt, Hett und Gohlke TO aμepcs aus dem un- mittelbar vOrangehenden Satz als Subjekt betrach- ten, so gibt dies höchstens insofern einen Sinn und gedanklichen Fortschritt, als mit Ta aμepe& in con- creto natürlich die genannten crTLyμaC gemeint sein müssen (vgl.auch la27/8 n 6~ crT~Yμn aμEpn&), denn nur sie qua aμEP€S, nicht TO aμep€s schlechthin, nehmen denselben Platz ein wie K (TOV aUTov Tonov T~ K); für den syntaktischen Zusammenhang erscheint aber ein solcher gedanklicher Umweg zu umständlich.) Mithin erklärt sich der Singular des Verbs E~e ~E ~, wie schon ä~eTa~ (lb6), durch die gesonderte Anfüh- rung der einen wie der anderen crT~yμn, oder aber man setzt mit a den Plural E~€~OUcrL in den gleich sich dahinter auch der ak zeptiert TLV~ Cy) bzw. (vgl. seine (Apelt, Joa- Text, wenn- bewußte Eingriff eines lich lich Über zufälliger Art; in ~ (und Rob.) liegt vermut- eine Konjektur vor. seine Lin.- Übersetzung aus dem 16.Jh . vgl. unten S.371-379. - 329 - Schreibers vermuten ließe. - lb8 ist T~ K (a) viel besser als TOO K (ß y); der Dativ war im übrigen auch schon von Apelt (in den Prolegomena und im Ap- parat, nicht im Text selbst). Joachim und Schramm (5.47) konjiziert worden. - Schließlich ist lb11 aus a auch npwT~ - nur durch dieses neue Element unter- scheidet sich der Satz Ta yap - avayxatcv gedanklich von dem vorhergehenden. den er begründen soll, - statt npwTov (ß Za) (npwTa: E) zu übernehmen, was ebenfalls bereits von Hayduck (5.168) und Joachim postuliert und von Timpanaro Cardini übernommen wor- den ist; Joachim hat unter Hinweis auf zwei Paral- lelstellen in der Physik (209a33 und 226b22) die Be- deutung von ev T~ aUT~ Ton~ ~PWT ~ überzeugend dar- gelegt. Trotz dieser Änderungen ist der Text ab lb4 immer noch nicht in Ordnung. Joachim hat den Gang der Ar- gumentation richtig erkannt: Der Verfasser unserer Schrift zeigt. daß die genannten zwei Punkte in Be- rührung mit einem dritten Punkt K (1b6), da diese Berührung öXov öXou (1b7) stattfindet, denselben "continent place" wie K (lbB) und deshalb auch un- tereinander (lb9) einnehmen und infolgedessen auch miteinander in Berührung stehen (lbl0, 1blO/ll; vgl. auch lb7 wcrTe xat aAAnAWV als AUSgangsbehauptung). Joachims Erweiterung der Lesung xat an~oμEvaL ~T ~y- μaL (lb8/9) in ß y zu xat TOO K anTOμ&va~ GL ~~~y - μaC, der sich Timpanaro Cardini anschließt, ist da- her voil gerechtfertigt; auch Apelts Heilungsver- such (in den Prolegomena und im Apparat) ist im Grunde ähnlich. In G nun lesen wir einen anderen Text, den Hirsch (5.38) für "ohne weitere Änderungen
- 330 - durchaus verständlich" ansieht; er lautet im Zusam- menhang fOlgendermaßen: (lb8 sqq.) waTe TOV aOTOV t~e~OUcrL Tonov T~ K.aL yap anToμeva~ crT~yμat EV T~ aUT~ TOX~ aAAnAa~s. xaLEL(stattEeö'inßy)€v T~ aUT~ TOX~ . xa~ änTovTa~ . T~ y~p €:V T~ aÖT~ TOX~ XPWT~ Ha~ äXTEcr~a~ avayxaLov ••• Ich kann indessen diesem Wortlaut keinen befriedigenden Sinn entneh- men: Denn daß die sich berührenden Punkte _ K inbe- griffen oder nicht - sich miteinander auf derselben Stelle befinden, ist doch gerade eine Folgerung, die sich aus der Berührung ö~ov ÖAOU von Punkten als un- teilbaren Einheiten ergibt, und keineswegs eine Be- gründung (y&p!) ebendafür oder für den schon im un- mittelbar vorangehenden Satz (wcrTe _ T ~ K) daraus ge- zogenen Schluß. - Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß wir es in a mit einem verfehlten se- kundären Texteingriff, auch was MaL EL statt eL ö' (lb9) betrifft, zu tun haben. a (recte) ßy lb12/3 xat T~~ K r (Joachim) b24 QAAWS (Hayduck) xa~ TnKr b27 b31 T0 E~E ~i'jS 6'v R μn Erva~ (Bonitz, vgl. Apelt im Apparat) , , ~ TO E~C~i'js av n' CrvcL 2alS ist das Von ß y gebotene Ta npocrTe~ev ohne Zwei- fel falsch. Apelt (ihm schließen sich Joachim, Hirsch und Timpanaro Cardini an) konjiziert daher Ta ~ xpocreTe~n, was inhaltlich allerdings nur befrie- digt, wenn man damit gleichsam das Endprodukt (TO ~ xpoae,e~n + TO XPOcrTE~ev) vor Augen hat; dieser Sinn läßt sich jedoch jener Konjektur Apelts kaum entneh- - 331 - dessen liberlieferte Ta y~vo- jenes Endprodukt gut bezeich- net wäre, bietet demgegenüber keinen Anstoß dieser Art und sollte vielleicht in den Text aufgenommen werden2, der Gen.comp. TOij et BPX~S (alS/16) müßte dann freilich "als das ursprüngliche Quantum" und nicht "als es ursprünglich war" (Apelt; so auch Jo- achim, Hett und Timpanaro Cardini) übersetzt werden. menl• Das von a statt μEVO~, mit dem gerade 2a17 a (recte) WcrTC EcrTaL3 (Hirsch) (Hayduck: EcrTa~ apa) E t yap (Hayduck) tVÖeXETaL ßy a20 a22 , EL EVÖEXOLTO: ß hXWPE~: y add. ypaμμnv post Evöe- XETaL (vgl. Hayduck) " • 1 ( av cVÖ~XO~TO Hayduck) Ziehen wir das Fazit auS dieser Untersuchung über die Bedeutung der von den einzelnen Familien bzw. den Stammvätern dargebotenen Lesarten für die consti- tutio textus: Die Familie Y ist zwar so gut wie nie alleiniger Träger des authentischen Textes, dennoch von den beiden anderen Familien völlig unabhängig; a22/3 a23 Vgl. auch den Einwand von Schramm (5.48), der zu Recht darauf hinweist, daß Ta ~ npocrETE~n ja mit jenem &~ &PX~S (2a16) identisch ist; er unternimmt im übrigen einen anderen Heilungsversuch. 2 Es ist allerdings nicht ganz auszuschließen, daß wir es hierbei in a mit einer Konjektur zu tun ha- ben; vgl.oben 5.113, Anm.2 . 3 Die dichte Aufeinanderfolge von waTC (a16 und a17) ist zwar stilistisch etwas hart, gerade deshalb ~ ber kein Grund, dahinter eine behelfsmäßige Kon- Jektur zu vermuten.
- 332 - die Familien a und ß überliefern jede für sich eine stattliche Reihe originaler Lesungen gegenüber je- weils meist gleichlautenden Korruptelen in den bei- den übrigen Familien. Das Stemma von dem oben wegen der nur in ß vorhandenen richti- gen Lesarten zunächst ausgegangen worden war, hat sich somit als unzutreffend erwiesen, da es den so- eben aufgeführten authentischen Spezifika von a nicht gerecht wird. Letztere Postulieren vielmehr, für sich allein betrachtet, das oben an zweiter Stel- le wiedergegebene Stemma wobei ~r für die genannten Bindefehler von ß y ver- antwortlich wäre, die größtenteils in die üblichen Fehlerkategorien einzureihen sind (insbesondere Aus- lassungen von Endbuchstaben: lal0, lb12/13, Silben: lb7 und Wörtern: la28, lb6, lb31, 2a17, 2a20, 2a22 /23, 2a23; und auch ein itazistisches Versehen: la14). Dieser AUfspaltung der Verwandtschaftsbezie_ hungen widersprechen natürlich die authentischen Le- sungen von ß. Wir stehen damit vor einer stemmatischen Aporie. Das Verhältnis der drei Familien bzw. Stammväter zu- einander läßt sich mit den Gesetzmäßigkeiten eines jungfräulichen Stemmas nicht in Einklang bringen. Die Annahme einer Kontamination bleibt als einzige befriedigende Erklärung übrig. - 333 - Falle allerdings drei grund- Möglichkeiten der Kontamina- daß für dieses frü- Es gibt in unserem sätzlich verschiedene tion, und es liegt auf der Hand. he Stadium der handschriftlichen Überlieferung unse- rer Schrift eine definitive Entscheidung zugunsten drei Vorschläge mangels positiver Krite- gefällt werden kann. Den zwei ersten Er- liegen im Prinzip die beiden zugrunde: eines der rien nicht klärungsmöglichkeiten zuletzt besprochenen Stemmata a) b) ~ ~ a Y Im ersten Fall (a) wären die dem Grundschema wider- sprechenden richtigen Lesarten von a auf dem Wege der Kontamination aus einer von w unabhängigen Vor- lage ~ geflossen, während im zweiten Fall (b) aus jener Quelle ~ die authentischen Lesungen von ß kon- taminie~t worden wären. Entspräche eine dieser Lö- sungen den tatsächlichen Gegebenheiten der Überlie- ferung, so hätten wir mit ~ die Existenz eines erst- rangigen Textzeugen erschlossen; denn es steht fest, daß dieser Kodex neben w durchaus selbständig wäre, und darüber hinaus müßte ernsthaft die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, daß ~ sogar die Vorlage oder ein Vorfahr von w gewesen sein könnte. Im falle a) müßte, da in i selbst keinerlei äußere Spuren einer Überarbeitung sichtbar sind, ein Vorfahr von i jener contaminatus gewesen sein. Bei diesem könnte es sich möglicherweise gleichzeitig auch um jenes später mutilierte Antigraphon von i ß
- 334 - handeln. Beides wiederum, den mutilatus und den con- taminatus, könnte - in der Spekulation ist auch das möglich - der Kodex ~n in sich vereinigen, wenn wir annehmen, daß y aus ~rr vor dessen Kontaminierung und Verstümmelung abgeschrieben worden wäre. Analog läge natürlich auch im Falle b) die Gleichsetzung der kon- taminierten Handschrift mit ~I im Bereich des Mög- lichen. - Die beigefügten Zeichnungen können nicht gleiChzeitig allen diesen verschiedenen Möglichkei- ten Rechnung tragen; sie sollen nur das Grundschema verdeutlichen helfen. SOllte man nicht statt der Kontamination aus einer zusätzlichen Textquelle mit der Möglichkeit einer Emendationstätigkeit von seiten eines Schrei- bers, Redaktors oder Lesers in a bzw. ß selbst rech- nen? Dies ist zugleich eine Frage nach dem Stand und den Fähigkeiten der Konjekturalkritik nicht nur zu jener Zeit. Und da ist denn auch die Hypothese einer entsprechenden Diorthosis in ß von vornherein zu ver- werfen; insbesondere eine Entdeckung und Richtig- stellung jener Versetzung des Textstückes 8a3/4 (vgl.oben 5.323) ist höchst unwahrscheinlich. Etwas anders könnte man hingegen die Lage in a einschätzen. Der größere Teil der dort gebotenen richtigen Lesun- gen ist so oder ähnlich auch von der modernen Text- kritik ohne Kenntnis einer Handschrift der Familie a konjiziert worden. Doch welcher "mittelalterliche Hayduck" - oder welche Byzantiner, wenn es mehrere Gelehrte gleichzeitig oder nacheinander gewesen wä- ren - konnte schon seinen modernen Nachfolger nebst Bonitz, Apelt und Joachim, die modernen philologi_ schen Hilfsmittel nicht zu vergessen, in vielen Fäl- - 335 - len ersetzen und außerdem mehrfach sogar treffen? Die Kontaminationsthese scheint doch das Nächstliegende. weit über- mir also Methodik und Modalitäten einer Kontamination sind nur in wenigen Fällen heute rational ganz greifbar. Daß dabei gemessen an moderner Textkritik häufig ziemlich unsystematisch vorgegangen wurde, dafür fan- auch in der Textgeschichte unseres Traktats (vgl.oben S.264 und 313/14). Demgegenüber tritt das bei der vorliegenden Kontamination ange- wandte Verfahren ziemlich offen zutage, wenn man von der Verteilung der jeweiligen authentischen Spezifi- ka in a und ß ausgeht. Diese reichen nämlich in ß lediglich bis la12 und setzen in a erst ab lal0 einl• In welchem der beiden Stammväter auch immer die Kon- tamination vollzogen worden wäre, beide Male befän- de sich etwa lal0-12 die Nahtstelle, an welcher im Falle von a (a) der Kodex ~ mit herangezogen worden wäre bzw. vielleicht sogar die bisherige Textgrund- lage (~rr) vollkommen ersetzt hätte oder an der im Falle von ß (b) die zusätzliche Einsichtnahme in ~ aufgehört hätte bzw. vielleicht sogar die bis dahin alleinige Tex~vorlage (~) Zugunsten von ~J aufgege- den sich Beispiele ben worden wäre. der Vorlage an eines Über die Gründe für den Wechsel dieser Nahtstelle bzw. für die Mitauswertung zweiten Textzeugen nur bis zu oder erst ab diesem Punkt lassen sich nur Vermutungen anstellen. Jene Nahtstelle stimmt, was den Inhalt des Traktats be- 1 Man nen vergleiche die in diesem Abschnitt beigegebe- Variantenlisten •
- 336 - trifft, fast genau mit dem Übergang von der allge- meinen Abhandlung über die Atomlinien zur Appendix über den Punktatomismus (la6 sqq.) überein. Sollte vielleicht hierin irgendeine kausale Beziehung zur Austauschung bzw. Ergänzung der einen Textvorlage durch die andere zu suchen sein? Sollte man viel- leicht im Falle von ß (b) den zweiten Kodex (~) an der besagten Stelle wieder beiseite gelassen haben, weil man sich vornehmlich für d~n Hauptteil unserer Schrift interessierte, oder sollte im Falle von a (a) erst für den Anhang über die Punkte, der dem Be- treffenden besonders am Herzen gelegen haben mag, eine zusätzliche Quelle (~) zur Korrektur des Textes herangezogen worden sein? Derartige Überlegungen mÜSsen aber wohl als heute nicht mehr entscheidbar auf sich beruhen bleiben, zumal, wie bereits ange- deutet. noch mit einer dritten generellen Möglich- keit der Kontamination im Verhältnis der drei Fami- lien zueinander gerechnet werden muß. Diese dritte hypothetische Lösung, die ich für die wahrscheinlichste halten möchte, kommt ohne die Postulierung einer zusätzlichen von w unabhängigen Hilfsquelle aus. Sie geht davon aus, daß jener codex contaminatus in der Textgeschichte unserer Schrift nicht etwa a oder ß, sondern y war: c) a s bis lal0/2 y - 337 - Zwischen a und w sowie zwischen ß und w wäre je eine Zwischenstufe (~n, ~I) anzusetzen. Die Handschrift y ginge nun bis etwa lal0-12 auf das Antigraphon von a (<pn:) und danach auf das Antigraphon von ß (~I) zu- rück. Auf diese Weise fänden die bis zur genannten Nahtstelle reichenden Bindefehler von a und y gegen- über den authentischen Lesungen in ß und die danach einsetzenden Bindefehler von ß und richtigen Lesarten in a eine natürliche y gegenüber den Erklärung. könnte z.B . die inhaltliche Hauptteil und Abhandlung schrift Auch in diesem Falle Zäsur zwischen allgemeinem über den Punktatomismus innerhalb unserer mit ein Anlaß für den Wechsel der Vorlage durch den Kopisten von Y gewesen sein. Gegenüber den beiden erstbehandelten Kontaminationsmöglichkeiten böte jedoch auch ein anderes Motiv an. Es könn- gewesen sein, der jene starke Muti- der schrift Lin. aufwies, von der plötzliche Abbrechen mit 2a24 in i Zeugnis ablegen. Falls auch y diesen Zustand von <pU vorfand, konnte vielleicht dies der Grund ge- wesen sein, sich rechtzeitig eine zweite Textquelle (~I) zu beschaffen. Die oben beobachtete leichte Tendenz einer sprachlichen und inhaltlichen Glättung im Kodex y bescheinigt ja dem Kopisten oder dem Auf- traggeber ein gewisses Sonderinteresse an unserem sich hier te der Kodex ~n lierung am Ende die fenestrae und das Traktat. Die Frage, welche der drei möglichen Kontamina- tionen in der Textüberlieferung unserer Schrift vor- ist für das Schlußstück ab 2a24 Da hier das ZeugniS der Familie stehen sich ohnehin allein ß gelegen haben mag, nahezu irrelevant. a vOllständig fehlt,
- 338 - und y als gleichberechtigte Variantenträger gegen- über. Im Hinblick auf die drei oben skizzierten Mög- lichkeiten der Filiation ergeben sich Unterschiede nur insofern, als im ersten Fall (a) der Archetypus W die gemeinsame Quelle Von ß und y darstellen wür- de, auf die letzterer freilich nur indirekt über ~H Zurückginge, während bei (b) und (c) jene gemeinsa- me Vorlage eine ÜberlieferungSstufe tiefer mit ~I, dem Apographon Von w, zu identifizieren wärel• Die voneinander abweichenden Lesarten Von ß und y in diesem letzten Textstück sind oben 8.130/131 vOllständig zusammengestellt. Die Fehler Vertei_ len sich ziemlich gleichmäßig auf beide Familien; Fehler Von ß: z.B. 2a2S, b4, b6/7, bll, b26, Fehler von y: z.B. 2a31, b3, b23, b27. - 339 - 6. DER ARCHETYPUS Im Rahmen einer Untersuchung über die handschrift- liche Überlieferung eines Werkes pflegt das Kapitel über den Archetypus eines der wichtigsten und inter- essantesten zu sein. In unserem Fall jedoch sind äußere Gestalt, Schicksal und all die anderen Daten, welche zur Beurteilung dieses für die constitutio textus maßgeblichen Zeugen von hoher Bedeutung sind, in tiefes Dunkel gehüllt. Was sich über den Archety- pus der Schrift Lin. mitteilen läßt, sind entweder nur Selbstverständlichkeiten oder ganz approximative Werte. Außerdem ist der ArchetypuS in unserem Falle keine stemmatisch genau lokalisierbare Größe; das hängt eng mit dem nicht definitiv zu lösenden Pro- blem der soeben besprochenen Kontamination im Ver- hältnis der drei Stammväter zueinander zusammen. Sollte unser codex contaminatus aus jenem frühen und überwiegend nur durch Rekonstruktion zu gliedernden Bereich der Tradierung unserer Schrift mit ~ (a) oder mit ß (b) zu identifizieren sein. dann müßte man, wie wir gesehen haben, außer dem Kodex w noch einen weiteren Textzeugen (~) ansetzen. Während sich jedoch w in seiner Textform einigermaßen genau er- frei- und ob schließen läßt. wären von ~ lediglich Spuren lich gegenüber dem Text von w nur positive - , zwar entweder ab 1al0 oder bis la12, je nachdem (a) oder (b) zutrifft, nachzuweisen. Das exakte Ver- hältnis von w und ~ zueinander entzöge sich jedoch für immer unserer Kenntnis. Fest steht nur, daß ~ von w unabhängig wäre; es bliebe demnach folgende ~ ili stemmatische Alternative:
- 340 - Nur im dritten Fall (c), wenn also y jener contami_ natus wäre, hätten wir in w den Archetypus unSerer gesamten Überlieferung vor uns. - Schließlich sei unter Hinweis auf den letzten Absatz des vorangehen- den Abschnitts noch einmal festgehalten, daß nach 2a24, wo die Familie a schweigt, in den Fällen b) und c) der ArChetypus unserer Handschriften nicht w, sondern ~I, das Apographon des uns hier in seinen Textmerkmalen unbekannten Kodex w, wäre. Wie dem auch sei, sowohl der Kodex wals auch die potentiellen Textzeugen ~, ~I und ~H sind im grie- chischen Osten, höchstwahrscheinlich in Konstantino- pel, entstanden; das darf nicht zUletzt aufgrund un- serer sonstigen Kenntnis von den Überlieferungsgege_ benheiten der griechischen Literatur als sicher gel- ten. Nicht einmal annähernd genau bestimmen läßt sich dagegen die Entstehungszeit des Archetypus. Ir- gendwann in den ersten vier bis fünf Jahrhunderten der Minuskel wird er geschrieben worden sein. Nichts deutet darauf hin, daß wir in der Überlieferungsge_ schichte unseres Traktats mit einem doppelten μeTa- xapaHTnp~crμos zu rechnen und somit einen Archetypus in Unziale anzunehmen hätten. Das Fehlen der einzi- gen positiven Belege für eine mehrfache Translitera- tion, nämlich jeweils nur in einer Handschriftenfa_ milie aUftauchende typische Unzialfehler, kann an- gesichts des geringen Umfangs unserer Schrift aller- dings nicht als Beweis für einen Archetypus in Mi- nuskel gelten. Das älteste greifbare Datum in der Oberlieferungsgeschichte unserer Schrift, der termi- nus ante quem für den Archetypus, ist das Jahr 1245; damals übersetzte Robert Grosseteste den Traktat ins - 341 - Lateinische. Die griechische Vorlage des Grosseteste ist, wie wir gesehen haben, vielleicht mit 6, eher je- doch mit einem Apographon dieser Handschrift gleich- zusetzen. Zwischen der Mitte des 13.Jhs. und dem Ar- chetypus liegen also mindestens drei Handschriften- nämlich 6, y und ~. Wie groß die Zeit- ArchetypuS und lateinischer Überset- war. läßt sich daraus freilich generationen, spanne zwis chen zung absolut gesehen nicht ableiten. Was den Inhalt des ArchetypuS betrifft, so steht es wohl außer Zweifel, daß in ihm neben Lin. auch andere Schriften des Corpus Aristotelicum anzutref- fen warenl. Aufgrund der schriftenzusammenstellun- gen in den uns erhaltenen Kodizes könnte man am ehe- sten vermuten, daß unser Traktat im ArchetypuS zu- sammen mit Col. und Parva naturalia tradiert war. Hinaufverfolgen bis zum ArchetypuS läßt sich diese mögliche überlieferUngsgemeinschaft jedoch nicht; sie kann nur für ß und E angesetzt werden. (Für & ist da~über hinaus durch consensus von HaL mit P die Schriftengemeinschaft Col. - Lin. - Mech. - spir. (in dieser Abfolgel) gesichert.) Schon für y, das Antigraphon von e. ist der Inhalt nicht mehr sicher zu eruieren; falls Za den authentischen Zustand von ö, dem zweiten Apographon von y, bewahrt hat, so wä- re immerhin ein Teil der Parva naturalia in Y vor- auszusetzen. Der Kodex i schließlich, der Stammva- ~aß Lin. ursprünglich einmal in einer fremden u~erlieferUngsgemeinschaft. etwa in einer mathema- t~schen Sammelhandschrift, tradiert worden wäre, h~lte ich für wenig wahrscheinlich, verdankt doch d:e Schrift überhaupt ihre Erhaltung offensicht- l~ch der Einverleibung in das aristotelische corpus.
- 342 - ter der Familie a, SCheint, wie oben vermutet, seine Schriften aus zwei getrennten Quellen zusammengetra_ gen zu haben - möglicherweise sind gerade Lin. einer- seits und Col. sowie Parva naturalia andererseits verschiedener Herkunft - , so daß aus ihm keine Schlüsse gezogen werden können. Da eine absolute Ge- wißheit über die inhaltliche Zusammensetzung des Ar- che~ypus nur durch einen consensus in a, ß und y ge- wonnen werden kann, der jedoch nicht vorliegt, müs- sen wir die Frage auf sich beruhen lassen. Werfen wir nunmehr einen Blick auf die Textform des Archetypus. In ihm haben sich zahlreiche Korrup- ~ elen, eigene und aus der älteren Überlieferung er- erbte, angesammelt. Die Kollationen haben gezeigt, welche Arten von Fehlern es sind, die in den Hand- schriften immer wieder auftauchen. Die Textmerkmale des Archetypus bilden da keine Ausnahme. Ich greife nur solche Fälle heraus, die nach der communis opi- nio als überzeugend geheilt gelten: Wortauslassungen (oft haplographischer Natur) Archetypus 8bll a6~vaTOv aö~aCPETOV ~ aöuvaTov (Rot a Hayduck) 9b19 T~V Tfi~ (V s .lin. ~ Tn& Apelt ) Oa23 EHd, (p Apelt) ~ ET~ , EX EX b2S Ta ecrxaTov, w TO ecrxaTOV ecrxaTOV + (Rota Bussemaker) 2a26 ypaμlJ~ ypaμμ!1s (Apelt ) ~ ypaμμn: ß ypaμIl!'i!;: y a30 E~~~{ÖWV ... TO EXC- ~ €nllteÖWV xa~ xE60v (Rota Apelt) (insbesondere von Flexionsendungen) + pnTaL xat aXoyo~ aL npri)Ta~ μg'l) - 343 - 2b8/9 b14 Assimilationen 8b21 pnTaL xaL &XOYOL n nprilTOV μ~' J (p Rota Editionen; cf.Vp.corr. i et 1 p.corr. Rob.II Gap. corr.) 9a27 ou cruμßLßQ~eL WS €'1) nEnEpacrμEVw (V p.corr• Apelt) lb20 ypaμμn'l) o r qμw'J (Hayduck) klangliche Angleichungen Oa12 öLaμETpOU EμnEcro~crns (N2 Vind.Phil.231 in m g , Rota Apelt) b12 äxXo xaL o~ (Rota Bekker) Archetypus + + sonstiger Art + ö~a μecrou EμltEaO~an& + O~ griechischen Textgeschichte belegte Varianten + EnE~ön 1 und andere in der auch sonst häufig 8bl1 eneL ö~ (Rota Apelt) Oa24 YLVETa~ (Rota Apelt) eT~ (Vind.Phil.231 s. + lin. Hayduck) b29 eTL (t Rota Apelt) 2b2S + + ön Bei allen aufgeführten Fehlern läßt sich nicht entscheiden, ob sie in der Minuskel- oder schon in 1"F . requens varia lectio", Bon~tz, licus, p.266b2/3 (vgl. W .Hirsch, Index Aristote- S. 29).
- 344 - der Majuskelzeit in die Überlieferung eingedrungen sind. Majuskelverderbnisse liegen aber vielleicht zugrunde bei 8b19 AYNAMEIPHTAI + NYN~HEIPHTAI: Arch., falls diese Konjektur Schramms (S.40) im Anschluß an einen Vorschlag Apelts (6uvaμELs) richtig istl, und bei 2b21 ETIEI (Apelt) + EITEI: Arch.2 . Spezifi- sche Minuskelkorruptelen lassen sich im Archetypus, soweit wir es bis jetzt beurteilen können, nicht nachweisen3• K.Gaiser (vgl.oben S.9, Anm.3), 8.511, konjiziert, einen Vorschlag Von Wilamowitz mOdifizierend,(ws) vOv 6~~pnTa~; in diesem Falle wäre der Fehler un- serer Handschriften itazistischer Art. 2 Die Verlesung 8b19 änoToμ~ n (Apelt) + anoTOμnv: Arch. ist sicherlich kein spezifischer Unzialfeh_ ler. 3 Es sei denn, man entscheidet sich mit Apelt, Hirsch und Timpanaro ~ardini in 9a8 für aXoyoV statt für evxoyoV der Handschriften (Verwechslun_ gen von eU-Ligatur und a sind für die Minuskel ty- pisch; vgl. Z.B . M.Sicherl, S.168). Joachim und Schramm (5.41/42) erwägen jedoch die Rückkehr zur Lesart unserer KOdizes. - 345 - V. DIE PARAPHRASE DES GEORGIOS PACHYMERES Georgios PachymereS (1242-um 1310), byzantini- scher Philosoph, Historiker und Inhaber hoher kirch- licher und staatlicher Ämter, den K.Krumbacher den größten Polyhistor seiner Zeit genannt hatl, verfaß- te u.a . ein exegetisches Kompendium der Philosophie (~~XOao~La) in 12 Büchern. Dieser Philosophie, der unS in zahlreichen Handschriften überliefert ist2, umfaßt die folgenden Teile: Prooemium, I: Organum, 11: Phys., 111: Cael., IV: Gener.corr., V: Mete., VI: Part.An., VII: AN., VIII: Parva naturalia, IX: Ge- ner.An., X: Metaph., XI: EN, XII: co i . , Lin., Mech. des Aristoteles Abriß der aristotelischen Von dem Kompendium ist, sieht man von Lin. ab, bisher nur der erste Teil, die Logik, ediert worden, und zwar vollständig zuerst in Paris 15483• Das Ge- samtwerk ist nur in der lateinischen Übersetzung von D.Ph.Becchius (Basel 1560) publiziert. Die Paraphra- se von Lin. liegt in mehreren griechischen Drucken vor4• 8ie nimmt in den ersten 60 Jahren der Geschich- K.Krumbacher (vgl.oben 5.43, Anml), S.289. 2 Allein bei A.Wartelle (vgl.oben S.40, Anm.2) sind 30 Kodizes für das gesamte Werk aufgeführt; die Zahl dürfte in Wirklichkeit noch höher liegen; so ist z.B. der Alex.23 nachzutragen, und der Mon.604 enthält nicht nur die Phys. _ paraphrase (so Wartel- le 5.84), sondern Buch lI-XII des Kompendiums. 3 Zu weiteren Ausgaben der Logik vgl• K.Krumbacher, S.290. 4 Vgl.unten 5.380 und 389. Neben den mir als handschriftliche Textgrundlage Ham.S12 (zu ihm vgl.unten S.3S7 Sqq.)· Drucken diente der Berol.
- 346 _ te des gedruckten Aristoteles-Textes sogar den Platz unserer pseudo-aristotelischen Schrift ein; denn in der Sbändigen von Aldus Manutius veranstalteten Edi- tio princeps des Aristoteles findet sich im 3.Band v " (1497), ff.426 -4 35, unter dem Titel APIETOTEAOYE, rr(E)PI ATOMnN rPAMMnN ebendiese Paraphrase des Pa- chymeres verÖffentlicht. Erst im Jahre 1557 edierte Henricus Stephanus das pseudo-aristotelische Origi- nal. Wie konnte es zu dem irrtümlichen Abdruck der Pa- raphrase in der Aldina kommen? Es gibt m.E. nur eine einzige ErklärungSmöglichkeit: Aldus Manutius nahm den Text selbstverständlich nicht aus einer Hand- sChrift, die das gesamte Kompendium des Byzantiners enthielt, sondern aus einer Vorlage, in der die Pa- raphrase zu dem Traktat über die Atomlinien aus der ~~ Aocro~La herausgelöst und ohne den Verfassernamen des Pachymeres, vielleicht zusammen mit echten Schriften aus dem Corpus Aristotelicum, enthalten war. Ein in dieser Hinsicht Vergleichbarer Kodex ist der Mut.a.T.9 .21 (76). Er enthält neben authenti_ schen Aristoteles-Schriften ff.122 -134 die Lin. -Pa_ raphrase des Pachymeres mit der Überschrift TLTAO& -os -ov -ovl ", ßxea ~ EPL aToμwv ypaμμwv ohne Verfasseran_ gabe2• Der Mut. selbst kann allerdings nicht jene Druckvorlage gewesen sein, da er längere, durch Ho- moioteleuton verursachte Auslassungen gegenüber der Pachymeres hat sein gesamtes Kompendium in T'TAC~ und He~aAa~a eingeteilt; Lin. ist nach Col. der zweite "Titel" im 12.Buch. 2 Was im Mut. als letzter Traktat fOlgt, ist auch nicht die Mech. des Corpus Aristotelicum, Sondern die betreffende Paraphrase des Pachymeres. - 347 - Aldina aufweist 1 • Die Kommentierungsmethode des Georgios Pachymeres in dessen Bearbeitung der aristotelischen Werke ent- spricht weitgehend jenen Grundsätzen, zu denen sich der Mönch Sophonias im Proömium seiner An. -Paraphra- se bekannt, die er theoretiSch dargelegt2 und an- schließend in praxi auch konsequent verwirklicht hat3. Die wesentlichen Gedanken und Erörterungen des Stagiriten werden, obschon nicht immer als solche ge- kennzeichnet, im Wortlaut herausgeschrieben4. Die eigene Leistung des Exegeten besteht in der Auswahl der Zitate und in der Schaffung eines einheitlichen Ganzen durch passende Überleitungen und Verbindungen, durch zusammenfassende oder auch weitschweifige Wie- dergabe der ausgelassenen Passagen und durch gele- gentlich eingefügte verdeutlichende Erklärungen Auch in der Aldina (f.430v, Zeile 1 von unten) gibt es eine lacuna ex homoeoteleutO: Von dem Satz (vgl. Bekker 969aS/6) ETL TO μlya EX μLXPW~ TL~WV a~yxeL- 1:ClL '\ 'J: ,... • 1" - - , n OUV OU~EV ecrTaL TO μ~ya, EL eX TWV μLXPWV ouy~eLTClL, &Toμa 6~ .. • ist hier die zweite Hälfte ab n o~v bis cr~yxELTaL ausgelassen. Dieser Text- verlust in der Paraphrase des Pachymeres ist übri- gens in allen nachfolgenden Editionen nicht mehr vorhanden, was zeigt, daß man die Aldina keines- wegs einfach mechanisch nachdruckte. 2 50phoniae in libros Aristotelis De anima paraphra- sis, ed. M.Hayduck, Berlin 1883 (= CAG XXIII 1), p.1-3 (besonders p.2, 28-38). 3 Vgl. F.Littig, Die ~LXocro~Ca des GeorgioS Pachy- meres, Programm des Maximilian-Gymnasiums München 1891, S.89 -98, dort 5.97. 4 So hat Sophonias z.B . einen großen Teil der ersten dr' . . h.ft e~ Kap~tel der pseudo_aristotel~schen Sc r~ Col. in seiner Paraphrase zitiert: CAG XXIII 1, p.79,36 _ 82,35 Hayduck (vgl. H.B .Gottschalk, The De coloribus and its Author, in: HermeS 92, 1964, 5.59 -85, dort 5.59).
- 348 - und umschreibende Erweiterungen des Gesagten. Im Falle der Lin.-Paraphrasel wirkt sich das so aus, daß Pachymeres nach einer längeren allgemeinen Einleitung den Inhalt der pseudo-aristotelischen Schrift zu referieren beginnt, wobei den Kern der Ausführungen die wörtlichen Zitate bilden. Diese werden entweder in längeren, in einem Stück zusammen- hängenden Exzerpten des Originaltextes geboten, wie z.B. 9a33-9b16, oder in lauter kürzeren Einzelglie- dern und Sätzen, die vom Text des Pachymeres durch- setzt sind, aber aneinandergereiht einen zusammen- hängenden Primärtext ergeben. Es versteht sich aller- dings, daß bei letzterem Verfahren die eine oder an- dere authentische Satzkonstruktion u.dgl. mit dem neuen Text syntaktisch verknüpft werden mUßte, so daß es zu leichten Umformulierungen und Abändp.rungen kam. Sieht man von kleineren Lücken ab, so sind fol- gende größere Gesamtpartien unserer Schrift in die Paraphrase eingegangen: 8a14-8bl0, 8b13-9b16, 9b27 bis Oa3 und Obll-lal. Wie diese Aufstellung verrät, werden die Wörtlichen Übernahmen in der zweiten Hälf- te des Traktats, also etwa in dem Teil, wo nach der systematisch durchgeführten Widerlegung der 5 Argu- mente der Vertreter der Atomlinien weitere Gegenar- gumente ab 9b28 beigebracht werden, und vor allem in den Erörterungen über die Punkte ab la6, zunehmend - 349 - durch eigene sinngemäße Formulierungen, die zudem stark komprimiert sind, ersetztl; am Schluß ist die Passage über das Verhältnis von OTLyμn und &pßpov (2b2S-33) ganz fortgelassen2. - Insgesamt gesehen weist die Paraphrase des PachymereS einen größeren Textumfang auf als die Originalschrift selbst. Zwei Beobachtungen, die sich bei der Sichtung des wörtlich Zitierten machen lassen, verdienen beson- ders hervorgehoben zu werden. Zunächst zeigt sich, daß Pachymeres mit verschiedenen Textstellen seiner Originalvorlage offensichtlich überhaupt nichts an- zufangen wußte. Denn eS ist bestimmt kein Zufall, wenn er inmitten ausgiebiger Zitate gewisse kleinere Textstücke unterschlägt, und zwar gerade auch solche, die bereits im ArchetypuS unserer Handschriften oder wenigstens in einem Teil der Textzeugen restloS ver- derbt waren; so überspringt er z.B . 8b1B/19 das sinnlose OÖTE TWV _ erpnTa~, dessen annähernde Hei- lung erst Apelt gelungen ist, oder 8b10-12 WOTe - aUTOU, ~a3/4 CVLa~ _ ot xoyo~ u.a.m. - Sodann findet man inmitten wörtlich wiedergegebener Passagen den- noch gelegentlich heterogene kleine Abänderungen, Zusätze und Einschiebsel in Form von einzelnen Wör- tern, kurzen Relativsätzen oder ähnlichem. Diese des leichteren Verständnisses wegen eingefügten Erläute- rungen geben sich nicht ohne weiteres als solche zu Über ihren inhaltlichen Wert hat O.Apelt, S.XVII, ein niederschmetterndes Urteil gefällt: "Vilissi_ mus est commentarius in nostrum librum confectus a Pachymere quodam ••• Quod oPuSculum ut verborum copia, ita rerum exilitate paene risum movet ••. " Er hat offensichtlich andere Maßstäbe angelegt als die soeben für Sophonias dargelegten. ~~ wörtlich wiedergegebenen Passagen sind nach lal u erhaupt nur noch folgende Stellen zu notieren: la16/17, 20, 22/23; lb3-S, 21-26; 2a6-13; 2b17 bis 21. 2 Abe . r auch schon vorher waren gewisse Argumentat~O- nb:n vollkommen übersprungen worden. z.B . Oa26 ~ s Ob10.
- 350 _ erkennen. Im Gegenteil, sie scheinen auf den ersten Blick einen glatteren Text, eine bessere Überliefe_ rung zu bieten. So kommt es denn auch, daß die gedruckten Lin.- Editionen, um dieses Faktum schon hier vorgreifend zu erwähnen, bis auf den heutigen Tag 'pachymerische Fremdkörper' enthalten. Sie sind in relativ großer Zahl über die Editio princeps in den gedruckten Text eingedrungen und Von Bekker nur teilweise wieder be- seitigt worden. Das Von Bekker Eliminierte habe ich unten 5.386 und die in den modernen Ausgaben (Bek- kers, Apelts, Hetts und Timpanaro Cardinis) in Un- kenntnis der wahren Zusammenhänge mitgeschleppten geistigen Produkte des Pachymeres unten S.398 voll- ständig aufgezählt. Es sei hier nur am Rande erwähnt, daß ähnliche paraphrastische Interpolationen des Pa- chymeres auch in den kritischen Editionen von Mech. bis heute unerkannt dem Originaltext einverleibt sind. Für die aristotelische Textgeschichte ist die Pa- raphr-se des Georgios Pachymeres ihrer vielen wört- lichen Zitate wegen insgesamt ist Von unserem Trak- tat etwa die Hälfte im Wortlaut herausgeschrieben von nicht geringem Wert; sie kann gleichsam als "halber" Textzeuge der Schrift Lin. angesehen werden. In jedem Falle Vor 1310, dem ungefähren TOdesdatum des Pachymeres, entstanden, wird dieser Textzeuge an Alter, wenn überhaUPt, nur Von Zwei der erhaltenen Handschriften, dem Marc.214 (Ha) Und dem Laur.87,21 (Za), übertrOffen; lediglich die recht genau rekon- struierbare griechische Vorlage des RObert Grosse_ teste muß, wie wir gesehen haben, mit Sicherheit - 351 - früher, und zwar vor 1245, angesetzt werden. Die Frage der stemmatischen Klassifizierung des Aristoteles-Manuskripts, das Pachymeres als Textquel- le diente, läßt sich eindeutig klären. Dieses Manu- skript gehört ohne jeden Zweifel zur Familie y, was Wiederkehr aller Charakteristika dieser gleichzeitigen Fehlen jeglicher spe- Familien a und ß im wörtlich Die mit y gemeinsamen Lesar- aufgezählt: sich aus der Familie und dem zifischen Lesart der zitierten Text ergibt. ten seien vollständig y pach. aß Bb13 9a2~ a32 Oal0 2a10 b18 b19 ou6~ TWV EV: ß1 Des weiteren wird te deutlich, Jaß jenes sentierten Überlieferungs arm an den Textmerkmalen der zita- AntigraphOn dem von & reprä- entstammt: & pach. aß0 9b3C Ob19 von a fehlt bekanntliCh am Ende der 1 Das Zeugnis Schrift.
- 352 - aßö Ob33 EcrT~V la16 EcrTlV , ex b21 EcrTLV EU~Era E Pach. EcrT~ T~ EX: E €crTa~ T~ EX: Pach. EU~Era €crTaL: n Pach , (EU~ECa EaH:~) EcrT~ TaÜTa 2al0 EcrTaL TaUTa (spat.a) + Wie schon die Variante von lb21 zeigt, läßt sich der Kreis der Handschriften, die innerhalb des Über- lieferungsarmes E dem Byzantiner als Quelle zur Ver- fügung gestanden haben könnten, noch weiter einen- gen. Der gesuchte KOdex wies nämlich zweifelsfrei die mit n, dem einen Apographon von E, erstmalig in die handschriftliche Bezeugung eingegangenen Sonder- lesungen auf, die sich sämtlich bei ~, dem anderen unabhängigen Apographon Von e, nicht finden; nach- stehende Eigentümlichkeiten des Kodex n kehren bei Pachymeres wieder: aßö~ 8a22 b4 9a2 a8 alteC'pous μEPWV n Pach. -+ ecrTaL -+ om. TL!; -+ aneC'pws -+ μEyaAwv crucrTaC'Tl " -+ av -+ e:crTcu TauTOV ouvaXOAOu~er Oa9/10 crucrTa~ncreTa~ blS EcrTlV b27 b32 TauTO (om. a) cruvaXOAOU~ncre~: (cruvaxOAou{jer: lcrT~V ßö~ a) lb21 Welches war nun dds Manuskript, das chymeres benutzte? Von den beiden uns schriften des KOdex Tl scheidet der Georgios Pa- bekannten Ab- wahr-scheinli ch _ 353 - nach 1310 entstandene Vat.2S3 (L), wenn nicht allein schon aus chronologischen Gründen, so doch mit Be- stimmtheit deshalb aus, weil er eine große lacuna ex homoeoteleuto (Ob21-23) an einer Stelle aufweist, wo sich in der Paraphrase fast der volle Wortlaut fin- det. Aber auch der zweite Abkömmling, der Marc.214 (Ha), der zeitlich eventuell in Frage kommen könnte, ist aufgrund eines Trennfehlers gegenüber n L Pach., 9aS TnV μn • .. .. .. Ha s ~TOμOV -+ Toμnv TnV aTOμOv: ,au- zuklammern• Bleibt also als einzig mögliche Quelle deS Pachymeres der codex deperdituS Tl; denn einen an- deren spurlos verloren gegangenen Textzeugen anzuset- zen, haben wir keinen Anlaß. Der gelehrte Byzantiner hat sich im übrigen nicht sklavisch an die Lesarten seiner vorlage n gehalten und in einigen Fällen fehlerhafte Abweichungen meist des Kopisten von n, aber auch etwa desjenigen von Y heilen können, z.B.: pach. 8b21 at npwTa~: aßY 9a7 nenEpaoμ~va: n a 9 lxov: Y a20/1TW ECÖEL: n b27 \~ ve1 XtYOlv: Tl Oa1/2 ltacra ••• μeTPn~ncrE- Ta~: n n npWTOV: Editionenl nenEP~Oμ~vas: aßö~ EXe~v: a ß Ta döTl: aeöe ).oyOlV: aßö~ naoa~. " μeTPn~naovTaL: ~ ßö~ -+ "n:aßö~ b19~vel1i:n oben 5.164 nachzuweisen Der Kodex Tl enthielt, wie 1 Vgl. auch oben S.343.
- 354 - versucht wurde, höchstwahrscheinlich auch die Parva a naturalia und die Schriften Col. und Mech.; denn. H und L, die beide diese Traktate aUfweisen, gehen auch hier auf dieselbe gemeinsame Vorlage zurück. Es liegt deshalb nahe, daß des Pachymeres Paraphrasen zu den soeben genannten Schriften gleichfallS auf dem Text des Kodex n basieren. Während eine entspre- chende Überprüfung des Kompendiums der Parva natura- lia noch aussteht, ist diese Vermutung durch meine Kollationen für Col. und Mech. bestätigt worden; a schon die übereinstimmende Schriftenabfolge in H L und bei Pachymeres, nämlich COl.Lin.Mech.l, läßt kaum noch einen Zweifel. Was die Lesungen betrifft, bereitet die Analyse von Col. und Mech. überhaupt keine SChwierigkeiten. Denn der Text des byzantini- schen POlyhistors ist ein regelrechter Zeuge der Überlieferung dieser beiden pseudo-aristotelischen Traktate. Was Georgios Pachymeres als seine Paraphra- se anbietet, ist wortwörtliCh der fortlaufende und, wie es sCheint, nahezu vollständige authentische Text der Originale; nur hin und wieder schiebt er eigene erklärende Zusätze und erläuternde Gedanken in seine Kopien ein2• Hier ein paar herausgegriffene Lesarten, durch die das Stemma n auch für L~Ch. Col. und Mech. belegt wird: Diese Reihenfolge ist Teil einer Schriftenzusammen_ stellung, die sich bis e zurückverfOlgen läßt. 2 Weglassungen Von Originaltext habe ich bei den bis- her überpr6ften Stücken (791a-793b, 798a-799b für Col. und 847a-849b, 8S7a-8S7b für Mech.) nur in der "Paraphrase" von COl., und zwar selten und le- diglich über ziemlich kurze Strecken hin, fest- stellen können. _ 355 - wiederkehrende Sonderlesungen von n, bei L Ha Pach. L Ha Pach. wie Vulgo μEV o~v: p MosqU. X Coisl.323 Sophonias μEV:EiM 791a 2 add• EXOV et xat 6~a ~a ~oö~o μ6vov ano~np~V ~€v~es yCvov~a ~ TW Xpwμa~~ 5~EaTnxaToV Trennfehler von L gegen Ha und Pach. und gegen n, wie z.B . 847a22 ~~xpav ~ ~~xpa: nep~exouan ~ napaoxouan: L, und schließlich Trenn- fehler von Ha gegen L und Pach. und somit auch ge- b8 b8/9 792a 2 somitauch L, 847b23 847b2S gen n, wie Vulg.(L Pach. etc.) eoa~vonTa gX TO~TWV μeXa~voμeVW ~ ewpnμa~a ~ auμaaLW~€P~S Was die provenienz der ältesten Handschriften der Fami1 . b . ~ey etr~fft, so kann man entsprechend der ziemli h . a' c s~cheren Herkunft von H auS Konstant~no- pellauhd' .... . Kd . c a e nachsten Verwandten" d~eses 0ex~n der Hauptstadt lokalisieren. Durch die Einbeziehung der Paraphrase des GeorgioS pachymereS in die Unter- überlieferUngsverhältniSse unsereS Trak- Bestätigung dieser Annahme. pachymeres kam nämlich 791all 792blO EX TOVTWV EUOUVon~a μeAa~vOμ€V(l)V ~ ewpn~(hwv ~a\)μaOLwTEPO\) 847a26 b17 suchung der tats gewinnen wir eine Der 1242 in Nikaia geborene 1Zuden 171. entsprechenden Indizien vgl.oben S.168/169,
- 356 - im Jahre 1261 nach der Vertreibung der Lateiner zu- sammen mit Georgios Akropolites und anderen nach Kon- stantinopel und bekleidete alsbald hohe kirchliche und staatliche Ämter1; ebendort, wo ihm die benötig- ten handschriftlichen Materialien in verschiedenen öffentlichen und privaten Bibliotheken zugänglich waren, verfaßte er auch seinen Abriß der aristoteli- schen Philosophie. Anläßlich der Analyse der Sonderlesungen des Ko- dex n (oben 5.158/159 und 163/164) stellten wir eine gewisse Tendenz zur stilistischen Glättung und sprachlichen Normalisierung des aus E übernommenen Textes fest. Wenn wir nunmehr erwägen, ob nicht viel- leicht Georgios Pachymeres für jene stilistische Überarbeitung in n verantwortlich sein könnte, so hat das seinen Grund darin, daß dieser byzantinische Gelehrte, wie erwähnt, unseren KOdex n wahrschein- lich in Händen gehabt hat und man ihm ohne weiteres derartige Eingriffe zutrauen möchte2. Dennoch kann dies kaum mehr als eine Vermutung sein, zumal man in diesem Falle z.B. fragen mÜßte, warum Pachymeres die obengenannten Textkorrekturen, die er in seinem Kompendium vornahm, nicht auch im Grundtext seiner Vorlage n eingetragen hätte. Es bedarf in erster Li- nie einer PUblikation3 der gesamten Paraphrase des Zur Vita des Pachymeres vgl. Martini Hankii De By- zantinarum rerum scriptoribus graecis liber, Lip- siae 1677, 5.566 -577: Georgios Pachymeres. 2 Wenn dem so wäre, dann hätten wir aus den Lebens- daten des Pachymeres einen sicheren Beweis für die GÜltigkeit des oben 5.168 angegebenen ungefähren terminus post quem (um 1270) für die stark um- strittene Datierung von Ha. 3 Diese gehört zu dem Programm _ 357 - Georgios Pachymeres und einer gründlichen Überprü- fung des Textes der anderen von L und Ha gemeinsam Uberlieferten Schriften, um eventuell mit Hilfe an- derer Indizienl die Identifizierung deS Korrektors von n mit Pachymeres vollziehen ZU können. Die Vorarbeiten für eine solche Edierung der ~L- Acac~Ca des pachymeres2 können trotz der oben er- wähnten relativ starken handschriftlichen Bezeugung . uf ein Minimum beschränkt bleiben. da ich das Ori- ginal bzw. die beiden originalen Fassungen des Autors ausfindig machen konnte" Berol.Ham.512 und Aristoteles-Archivs geplanten Fortsetzung der 'com- mentaria in Aristotelem Graeca' unter BerückSiCh- tigung aller byzantinischen Aristoteliker bis ein- schließlich des 14.Jhs. Als ein solches Indiz könnte gegebenenfallS einmal gewertet werden. daß in Mech. (B.7b2' hinter ."n- ,.v). sowohl in L als auch in der paraphrase. ein vielleicht "pachymeriSches" Scholion von etwa 5 Manuskriptzeilen in den Text eingegangen ist. 2 Den Bemerkungen f.Littigs (vgl.oben 5.3.7• Anm.3). S:9B. über die Bedeutung einer solchen Ausgabe ist n i cb t s hinzuzufügen, "Eine Erörterung über die von Pachymeres sonst noch benutzten Schriften. eine Kennzeichnung seiner Stellung als vorläufer der Renaissance. die Erörterung über Eigentümlichkei- ten seines StilS und seines wortschatzes. all das sei einer kritischen Ausgabe der PhilOSophia vor- behalten. die der Verfasser dieser Studie nicht bloß im Hinblick auf die Textkritik deS ,ristote- les und die Geschichte der überlieferUng seiner Werke. sondern auch um ihrer selbst willen als eines hochbedeutsamen KultUrdenkmals aUs dem Mit- telalter als höchst wünschenswert bezeichnen möch- te." 3 Vorerst beiläufig weise ich hier darauf hin, daß a h - ' uc das Autographon seines E~v'oyμo ,.v ,.ooo,.v μo'oμ&'.v erhalten ist' Angel•3B (C.3.7). den G. Mercati (vgl. V.Laurent• pr~face. 5 •••• 11• Anm.' . zu p.Tannery_E .St ~phanoU, Quadrivium de Georges
- 358 - Par.1930 . Ersteres Manuskript ist mit Hilfe seiner vielen Wasserzeichen in die allerletzten Jahre des 13.Jhs. zu datieren und muß somit noch zu Lebzeiten des Pachymeres entstanden sein. Der von einer einzi- gen Hand geschriebene Kodexl zeigt auf Schritt und Tritt, daß er nicht rein mechanische Abschrift eines professionellen Schreibers ist. Es handelt sich viel- mehr um eine Manuskript-Fassung im modernen Sinne des Wortes. Man findet darin überklebte Stellen, an denen offensichtlich ein ursprünglicher Entwurf durch einen zweiten ersetzt wurde (vgl. z .B. Tafel 26, obere Hälfte). Sehr häufig begegnen _ stets von der ersten Hand - Verbesserungen nach Rasur oder durch Überschreibung und interlineare oder marginale Ergänzungen und dgl. mehr (vgl. z.B. Tafel 25). Es versteht sich beinahe von selbst, daß sich diese äußerlich sichtbaren Überarbeitungsspuren fast aus- schließlich in den Passagen finden, die keine wört- lichen Zitate des Aristoteles_Textes sind, sondern eigene Gedanken oder Wendungen des Pachymere3 brin- gen2• Wo inmitten eines Zitates vereinzelt insbeson- dere Interlinearien dennoch vorkommen, handelt es sich stets um sekundäre Eingriffe des Byzantiners; Pachym~re ••• , Citt~ del Vaticano 1940 (= Studi e Testi 94» von Theodoros Meliteniotes geschrieben glaubt. Er ist am Anfang und am Ende mutiliert; den Schluß hat Bartolomeo Zanetti ergänzt. 2 Ein instruktives Beispiel zeigt Tafel 25. Die er- sten 6 Zeilen zitieren wörtlich Mech. 849a9 8 öo- ~ er - 849a18 ~ EAaTTWV ~tpeTa~ . Die 7.Zeile und der Anfang der 8.Zeile stellen einen Einschub des Pachymeres dar; er weist denn auch die erwähnten äußeren Überarbeitungsmerkmale zur Genüge auf. _ 359 - so z.B . im Falle einiger in den gedruckten Lin. - Text eingegangener Ergänzungen und Abänderungen dem Text der Vulgata: Ba24 add. XpO\lW s.lin., add. OUμμe:TPO\l in mg., 9b12 ET~: L Ha + dva~ p .ras. Nach all dem ist klar, daß wir im Berol. ein Autogra- phon des Georgios Pachymeres vor unS haben. Ob eS die allererste Fassung war, wissen wir nicht. Der Berol. ist jedenfalls nicht das ginalexemplar. Auch im Par.1930, der zum ben Wasserzeichen aufweist wie der Berol., stammen ff.221-236v von der Hand des GeorgioS Pachymeres• Der insgesamt von mehreren Kopisten geschriebene Par. ist offensichtlich eine unter der Aufsicht deS Pa- chymeres fertiggestellte Kopie des Berol., wie aUS einer GegenüberstellUng der beiden Textzeugen hervor- "ht. B,sonders aufschlußreich ist der Vergleich deS von PachymereS selbst geschriebenen Stückes im Par., welches das 11. und den größten Teil des unS hier ,orwiegend interessierenden 12.Buches deS Kompendi- ums umfaßt, mit dem entsprechenden im Berol.l • Die meisten Zusätze und Korrekturen der Berliner Hand- schrift sind bereits in den Grundtext des Par. inte- griert'. sie beweisen eindeutig die posteriorität des Pariser Manuskripts. Es begegnen im Par. auch, meist äußerlich als Korrekturen leicht erkennbar, Stellen, wo der wortlaut über den Berol• hinauS ab- geändert worden ist3; sie zeigen, daß pachymeres gegenüber 9bl1 einzige Ori- Teil diesel- Bei . ) sp,elshalber ist zu Tafel 25 (Berol.Ham.512 , das Pendant auS dem Par. als Tafel 2" bei,e,eben. ~~" z:B. Bero1.(Tafe1 25) zeile 15 mit par.(Tafel ) Ze"e 13 (._t), Berol.Z .16 mit par.Z.1" (-) 3 und Berol.Z.19 mit Par.Z•17 (_0,0)' V". z.B . Par.(Tafel 2') Z.5 (Anfang) mit Berol.
- 360 - sich nicht mit dem einmal Formulierten zufriedeng~, sondern auch in der neueren Kopie am Text weiterfeil_ te • Schließlich kommt es gar nicht selten vor, daß er in beiden Textzeugen dieselben nachträglichen Ab- änderungen und Berichtigungen angebracht ha t l • Diese werfen natürlich die Frage nach der generellen Ar- bei tsmethode des Pachymeres auf2. Korrigierte er bei- de Exemplare nach der Fertigstellung des zweiten gleichzeitig durch? Oder nahm er die Verbesserungen während der Anfertigung des Par. vor, indem er die betreffenden Stellen unmittelbar nach ihrer zunächst unveränderten Übernahme doch noch in Vorlage und Ko- pie überarbeitete? Dann könnte er auch die nur im Berol. als nachträgliche Abänderungen kenntlichen Eingriffe unmittelbar bei der Anfertigung des Par. konzipiert und in diesem neuen Exemplar bereits im Grundtext berücksichtigt haben. Letzterem wider- spricht allerdings, daß derartige Fälle ohne Unter- schied auch in den Teilen der Paraphrase vorkommen, die im Par. Von fremder Hand stammen; oder sollte hier Pachymeres aus dem Berol. diktiert und dabei hin und wieder korrigiert haben? Wie dem auch sei, das Arbeitsverfahren des Pachymeres wird sich erst nach einem gründlichen und vollständigeren Vergleich der beiden originalen Textzeugen, der aber den Rah- men der vorliegenden Arbeit sprengen würde, analy- sieren lassen. Vielleicht wird man dann zu wesent- lich differenzierteren Schlußfolgerungen gelangen. (Tafel 25) Z.6/7. Vgl. z .B . Berol.(Tafel 25) Z.7,8 und 9 mit Par (Tafel 24) Z.5,6 und 7, Berol.Z .1S mit Par.Z.13 (Orμal) und Berol.Z .24 mit Par.Z.23 (&μa). 2 Es ist vielleicht nützlich, hier auf den oben - 361 - VI. DIE LATEINI SCHEN TEXTMATERIALIEN 1. DIE TRANSLATIO DES ROBERT GROSSETESTE Das Verdienst, den Traktat fiEpt QTOμW~ ypaμμW~ erstmalig dem lateinischen Westen in einer Überset- zung zugänglich gemacht zu haben, gebührt Robert Grosseteste (um 1175-1253), Bischof von Lincoln• Ihm konnte die bis dahin als anonym geltende translatio graeco-latina in den 30er Jahren unseres Jhs. zuge- wiesen werden, als unabhängig voneinander M.ussanil, S.H.Thomson2 und F.Pelster3 folgende Notiz im Ambr. lat.E 71 sup. entdeckten: Aristotelis de lineis in- liber incipit translatuS ab episcoPo in latinum. divisibilibuS Linconiensi de greCO Die Beschäftigung des gelehrten pliziertem mathematischen Stoff dieser keineswegs eine Ausnahme in seinem Schaffen dar. Grossetestes reges Interesse an mathematisCh-physi- S.123/124 dargelegten Versuch einer Analyse des Verfahrens des Manuel Kalekas in i und 1 zum Ver- gleich zurückzuverweisen. Im Zusammenhang mit den untersuchungen zum 'Aristo- teles Latinus'; vgl. M.ussani, in: Relazione dell' anno accademico 1930-31 (Roma 1931), S.15 ( in zwei weiteren publikationen wiederholt); dazu vgl. auch E.Franceschini (vgl.oben 5.153, Anm.2), S.62, 2SH . • Thomson A Note on Grosseteste's Work of Trans- Lat i ' . at~on, 11, in: Journal of TheolOgical Stud~es 34, 1933, S.Sl/S2. 3 F.Pelster, Beiträge zur Aristotelesbenutzung Al- bt . . .er , de' Grossen ". Der übersetzer von De "ne's Lndi . .' .' p .,v,s'bi1ibUS und De passionibUS an,mae, ,n' h~losophisches Jahrbuch 47, 1934, S.SS-57. BischofS mit kom- Art stellt Anm.l .
- 362 - kalischen fragestellungen wird durch eigene Traktate, wie Compotus, ~e quadratura circuli, De compositione chilindri, De sphera und De lineis angulis et figu- ris, hinreichend bezeugt]. Die Übersetzungen und Kom- mentare zu Schriften des Aristoteles und zu Pseudo- Aristotelica nehmen einen bedeutenden Platz im Werk Robert Grossetestes ein; uns sind Kommentare aus seiner feder zu den Schriften SE, Anal.Post. und Phys. und, abgesehen von unserem Traktat, Übersetzun- gen der Schriften EN, Cael. und Virt. bekannt2• Die Übersetzung des Traktats über die Atomlinien hat seit ihrer Entstehung in der Mitte des 13.Jhs. eine wesentlich größere handschriftliche Verbreitung erfahren - im 'Aristoteles Latinus' von G.Lacombe und L.Minio-Paluello zählt man 67 Manuskripte _ als das griechische Original selbst; sie ist sogar in zwei Inkunabeln aus dem Jahre 14823 und 14964 zusam- Vgl. auch S.H.Thomson, S.Sl/52. 2 Zu den Übersetzungen vgl. die ausführliche Abhand- lung mit Untersuchungen zur Technik der Überset- zung von E.Franceschini (vgl.oben 5.153, Anm.2); zu den Kommentaren vgl. S .12 sqq. des von D.A. Callus verfaßten Kapitels 'Robert Grosseteste as SchOlar' im oben 5.154, Anm.2 genannten Essay-Band. 3 Opera Aristotelis de naturali philosophia impressa Venetiis Duce inclito Ioanne Mocenico per magis- trum Philipum (sic) Venetum eiusque impensis dili- gentissime emendata: Anno domini Millesimo CCCCL XXXII pridie Nonas Aprilis. - Diese Inkunabel (oh- ne FOliierung bzw. Paginierung; Lin. etwa in der Mitte des Bandes) war mir in der Biblioteca Mar- ciana in Venedig (Signatur: Inc.Ven.444) zugänglich. 4 Aristotelis opera, Latine. Venetiis per Gregorium de Gregoriis expensis Benedicti Fontanae. Anno ..• MCCCCXCVI. Die Vero XIII Julii. - Diese Ausgabe habe ich in der Bayerischen Staatsbibliothek Mün- chen (Signatur: 20Inc.c.a.3293) eingesehen. _ 363 - men mit anderen Schriften anonym publiziert worden. Verbindliche und endgültige Aussagen zum genauen Text der translatio, über deren griechische Vorlage (= Apographon von 0), Entstehungszeit und -ort (etwa 1245 in Lyon) bereits oben S.153 -1S7 gesprochen wur- ". ,ind erst nach Sichtung der eigenständigen Filia- tion der Übersetzung möglichl. Doch läßt sich immer- hin ,chan jetzt feststellen. daß wir - wie ,0 häufig bei den mittelalterlichen lateinischen Übersetzungen des Aristoteles _ mit einer älteren (Rob.) und einer jüngeren Redaktion (Rob.II) ZU rechnen haben. Der oben erwähnte Ambr.lat.E 71 sup. verkörpert die er- ,t, Redaktion; seine EntstehUngszeit (13.Jh .M.) und Provenienz (Südfrankreich) lassen darauf schließen, daß der von ihm gebotene Text auf die Originalfas- ,ung des Robert Grosseteste zurückgeht. Die b,iden genannten Druckausgaben sowie alle von mir bislang in Stichprobenkollation überprüften Kodizes, näm- lich Vat.lat.20B3. Mon.lat.B003. par.lat.160BB. Mar- ciani lat.234, VI.49, VI.33, zuzüglich der von Ma- nuel Kalekas zur Korrektur von i und 1 und von Gio- vanni Gioviano Pontano zur gründlichen überarbeitung des Vind.Phil.231 benutzten Manuskripte. überliefern den Te<t der späteren Revision. Die,e Revision. di' schon sehr bald nach dem Bekanntwerden der primär- fas'ung veranstaltet worden sein muß - d,r Vat.20B3• einer ihrer ältesten vertreter. datiert vom Jahr' 12B4 _ und sich dann auch alS Vulgata durchgesetzt zu haben scheint, stellt allerdings nur eine ganz leichte Überarbeitung des ursprünglichen Te<tes dar; 1 Diese Vorarbeiten für eine im Rahmen des 'Aristoteles bereits begonnen worden. Edierung der translatiO LatinuS' sind von mir
- 364 - sie wird als solche greifbar, wenn man beispielswei_ Se die fOlgenden Änderungen analysiert: + primo quidem (recte) a ßy) eo quod ex princi_ + pio (TOO E~ apxns: aßy) Von den beiden ZUsätzen ist der erste (8a5) um der logischen EntspreChung willen innerhalb eines durch Textvertauschung gestörten Zusammenhangsl eingefügt, also eine typische durch einen vorangegangenen Feh- ler hervorgerUfene Abänderung, während der zweite (8a8) eine bloße inhaltliche Verdeutlichung dar- stellt. In 8b21 haben wir eine Emendation zu sehen, die auch in griechischen Handschriften wiederkehrt, und in 9a24 eine Konjektur, die übrigens Manuel Ka- lekas akzeptiert und im KOdex i eingeführt hat, aus welchem sie in den KOdex P und seine drei Apographa gelangte; ebenso konjizierte auch Georgios Pachyme_ res, auf dem die Lesart aller gedruckten (auch der modernen) Ausgaben basiert. Die vier oben des Primärtextes Rob. 8a5 non est paucum sed multum et magnum (OUH EcrT~V oXCyoV aXAa nOAU xaL (TO) μ{ya: a y) in omni existet + (€:V äxavT~ unap~e~: ßy) a8 b21 primae quidem (aL ltPWTa~ μ~v: 9a24 aUfgeführten sind Früchte Vgl. dazu im einzelnen oben 5.323/324. Rob,II + non est paucum et parvum sed multum et magnum in omni quanto existet id quod ex principio bewußten Änderungen philologisch-kriti_ _ 365 - scher Erwägungen. Ob dem Redaktor außerdem ein grie- chisches Kollationsexemplar zur Verfügung stand, und .. enn ja, ob dieses eine andere Handschrift war a Ls die für oder von Robert Grosseteste importierte ita- lo_griechische, so daß sich eventuell bereits im 13. h. eine zweite griechische Handschrift unseres Traktats im Westen befunden hätte, kann beim gegen- wärtigen Stand der entsprechenden Vorarbeiten nicht endgültig entschieden werden. Das Fehlen jeglicher Abweichung in Rob.II von Rob. bzw. Ii bei gleichZei- tiger Übereinstimmung mit einem der anderen Überlie- ferungsarme des griechischen Originals macht dies von vornherein sehr unwahrscheinlich. Falls sich al- lerdings herausstellen sollte, daß die handschrift- lichen Zeugen der revidierten übersetzung echte Nach- fahren ebenjenes Ambr.lat.E 71 sup. sind, der die erste Fassung repräsentiert, wäre eS unumgänglich, eine zusätzlich herangezogene griechische oder we- nigstens eine vom Ambr. unabhängige lateinische Kor- rektiv-Handschrift anzusetzen; denn im Ambr. findet sich eine nicht eben geringe Zahl negativer sonder- lesungen gegenüber dem Vulgatatext der jüngeren Re- daktion, wie z.B.: 8b24 om. μLXPOV/parvum, 9a3 6~a ~- pcoe~s/divisiones ~ dicens, Oa26 om. Et ä~ac~/si om- nis, Oa29 om. TEμveT~L/dividitur, laS add• eX punc- 'i, po,' .,,",,/indivi,ibili', ,.,9om•••t " "p" let terminus, 1b18 μn 6uva~ov/non possibile ~ non est impossibile, lb26 om . ~ än~EO'~a~/vel tangere, lb30 om. altToμevwv/tangentibUS, 2b27/B om. ETL n yp~μμn/amplius linea - EOOvTa~/erunt. Viell . h e~c t aber deuten gerade diese eklatanten 'ehler (. . me~st AuslassUngen) eher darauf hin, daß w~r
- 366 - es im Ambr. mit irgendeiner flüchtig hergestellten Kopie einer maßgeblicheren VervielfältigungsVOrlage zu tun haben, auf die denn auch der handschriftli_ che Prototyp der revidierten Fassung direkt oder in- direkt zurückzuführen wäre. Diese maßgebliche Vorla- ge wäre aber gewiß nicht mit der (autographen?) Ori- ginalfassung der translatio gleichzusetzen, sondern höchstens mit ihrer mechanisch gefertigten Rein- schrift. Im Ambr. wie auch in Rob. l(d;cte~dece) Ro(,I"Sbr. den Manuskripten der zweiten Redaktion existiert nämlich der gleiche typische lateinische Kopistenfehler: 8b19 ~V vOv ön erpnTa~: ß Y + earum quae nunc utique dec~ sunt. Ro- bert Grossetestes Übersetzung lautete zweifellos dicte sunt; bei der erwähnten Kopie aber mißdeutete man eine entsprechende Abbreviatur (vgl. Ob9 EA€x~n /dcm est; lb30 AeYOμEV/dms) als decem. Ein anderer Sonderfehler aller von mir bisher konsultierten lateinischen KOdizes, lbl μn EX6VTWV + non entium, ist dagegen ambivalent; er kann durch Silbenauslassung (vgl. zudem das unmittelbar voran- gehende OVTwv/entium) ebenso in der lateinischen Tradierung (habentium ~ entium) wie auch in der grie- chischen (EXOVTWV + ÖVTWV), d.h. also etwa in der Originalvorlage des Grosseteste, Zustande gekommen sein. Wenn allerdings 2a15/6 TcQ E~ apxns als non ex principio wiedergegeben ist, übersetzte der ge- lehrte Bischof Von Lincoln offensichtlich ein cu (statt TOÜ) seiner Vorlage. Damit sind wir nun auch bei denjenigen Abweichun_ gen vom Wortlaut des Archetypus der griechischen _ 367 - beim Übertra- verschuldet Quelle Handschriften, die entweder Grosseteste gen von der einen Sprache in die andere hat oder zum Teil auch in seiner griechischen vorgefunden haben mag. Während man in einigen Fäl- len noch mehr oder weniger mit beiden Möglichkeiten rechnen muß, und zwar bei Oa32/3 e~ TWV apT'WV + ex impartibilibus (das wäre: E~ aμepwV) statt e x per- fectis (so kurz vorher in Oa31), bei Ob2lt yap + erit höchstwahrscheinlich liegt hier paläographische Verlesung eines tachygraphischen Zeichens für yap vorl _ und bei 2a16 OU~EV + neque unum (das wäre: cu6'tv) statt nihil, entpUppen sich zwei Stellen ziemlich augenfällig als regelrechte Übersetzungsfeh- ler Grossetestes: 8b11 ~V Etn + si sit - die optativ- partikel ~v wurde also als Konjunktion !v (= eav) aufgefaßt2 _ und besonders evident 9b3 TC yap ap~~- μe~v COT\ Ta μET'En~OTGOCG~ (bzW• - oew~) + numerare enim est quod cum scTa (= scientia) - Verwechslung von cnLoTnμn und E~~oTaoCa (bzw• -OLS) - • Schließ- lich sei der einzige positive Texteingriff des Ro- bert Grosseteste hervorgehoben: 8a11 öLaLPETn: Vulgo + indivisibilis, womit er die allgemeiL gebilligte Emendation Hayducks (&Ö~GLPETOS) lange v~rwegnahm. 1 Vgl. ganz ähnlich oben 5.136/137 die Fehlauflösun- g~n de' Kompendiums für äp. a1' ,0'·' und ,ap so- w~ed'V , ,e erwechs1ung von .!v.' und ,ap. Vgl h' . ~erzu auch oben 5.122.
- 368 - 2. JIE PARAPHRASE DES ALBERTUS MAGNUS Albertus Magnus (um 1193-1280) hat in der ersten Schrift seiner Aristoteles-Paraphrase, der sicher vor 1258 entstandenen Physikl, hinter das sechste Buch, n welchem sich Aristoteles eingehend mit dem Problem der unteilbaren Größen auseinandersetzt, die Paraphrase des Traktats Lin. als gesonderte Abhand- lung eingefügt: "Liber de indivisibilibus lineis, qui facit ad scientiam libri sexti physicorum,,2. Der von Albertus Magnus gebotene Text besteht zu einem guten Teil aus Wörtlichen oder leicht abgewandelten Zitaten aus dem Traktat selbst. Durch eingeschobene kurze Erklärungen und ZUSätze, durch Textumstellun- gen und -wiederholungen, durch Verweise auf andere Werke des Stagiriten (meist eben auf das 6.Buch der Physik) und mitunter durch längere Exkurse hat die Schrift jedoch einen stark paraphrastischen und kom- mentierenden Charakter erhalten. Sie ist außerdem in gesonderte Kapitel mit Extraüberschriften eingeteilt. Von urkundlichem Wert für die Textkritik von Lin. is" die Paraphrase des Albertus allerdings nicht. Sie gibt nämlich unschwer die translatio des Grosse- teste als ihre Quelle zu erkennen3; zu den charakte- ristischen Übereinstimmungen gehören z.B.: Vgl. F.Pelster (vgl.oben S.361, Anm.3), 5.55. 2 B.Alberti Magni opera omnia, ed. A .Borgnet, Vol. III, Paris 1890, S.463 -481. 3 Die Formulierungen W.Hirschs, 5.25/26, der die translatio textkritisch ausgewertet hat, lassen darauf SChließen, daß er glaubt, Albertus Magnus habe sich einer griechischen Vorlage bedient. _ 369 - Bbll &" c Ln μl"tpov: a -+ ßY 9a32d&paTI.S:aßE-+ si sit mensura: Rob. si ••• sit mensura: Alb. Et Ap~ tl.S: 6 Isi utrum quis: Rob., (dubitatiO enim est) utrum (etiam) quis: Alb. &pl.~ μEtV eo"t\ Ta ,. ' μeT E1tl.cr"tCloOI.CIoS (-oeCils): a ß Y 2a15/6 TO\) et &PXI'\S: a ßY est quod Rob.Alb. numerare enim cum scientia: non ex principio: b3 Rob. Alb. 6EI."~ &PX~: 6 I aptum -+ principium: Rob., ap- tum ••• principium: Alb. Ball ist evident, daß der Paraphrase die Emendation 6~a~peTn -+ indivisibilis des Grosseteste zUgrunde li,gt, d,s weiteren hat Albertu' wi, Grosseteste 1b1 non entium statt griechisch μn eX6v"twv. Schließlich verraten gleich zwei Formulierungen ZU Bb19, daß er den oben S.366 erwähnten lateinischen Kopistenfehler dicte sunt -+ decem sunt bereits vorfand: et hoc mo- do dividuntur lineae in decem ordines in geometria sowie et sie de aliis decem differentiiS linearum. Was die stemmatische Klassifizierung d,r lateini- sch,n Vorlage des AlbertuS KagnuS betrifft. so ist dies' auf j,den Fall völlig unabh.ngig vom Ambr•lat. E 71 sup. mit der prim'rfassung der translatiO deS Grosseteste, da sich an den im wortlaut nachprüfba- r,n Ste",n d,r Paraphrase die sond,rfehler des "ai- länder Manuskripts. wie z.B. di, AUslassung,n oa2' om. un .'v/nihil. Oa2. om •• ( & •••• /si omnis• 2b27/' om. ET~ n ypaμμn/amplius linea - EGOVTCIoI./erunt, oder d . . . er Kopistenfehler 9a3 6I.aI.PEGel.s/d~V~s~ones • dicens. nicht wiederhol,n. Hing,g,n geht die Vor- lage des AlbertuS eng mit der zweit,n Redaktion der a22
- 370 - translatio (Rob.II) zusammen, wie sich an folgenden übereinstimmenden Textmerkmalen leicht ablesen läßt: Rob. Rob. I I Alb. primo quidem: Rob.II (dicamus) primo (ad pri- mum respondentes): Alb. lineae autem 8b 21 primae quidem (aL npWTa~ JJ~v: -+ aßy) 9a 1 linea autem (n 6~ ypaμμn: 6) eo quod ex princi_ a24 pio (TOO E~ apxns: + id quod ex principio aßy) War also der bisherige terminus ante quem für die Revision der translatio des Grosseteste das Jahr 1284 (Datum des Vat.lat.2083; vgl.oben S.363), so dürfen wir diesen nunmehr wohl um ein Vierteljahrhun- dert, nämlich bis zum Jahre 1258, dem spätest mögli- chen Entstehungszeitpunkt der Phys. -Paraphrase des Albertus (vgl.oben), vorverlegen. Die griechisch-la- teinische Übertragung unseres Traktats durch Robert Grosseteste (um 1245), deren einziger, wenn auch durch mechanische KOPistenversehen verderbter Vertre- ter vorläufig der Ambr.lat.E 71 sup. ist, und ihre ReViSion, die offenbar Von den meisten anderen Kodi- zes repräsentiert wird, liegen Somit zeitlich sehr nahe beisammen. - SOllte vielleicht Albertus Magnus selbst der Spiritus rector der Revision gewesen sein? Rob. (um 1245) (dicte -+ dece) Rob.I~ Ambr. (13.Jh.M.) Alb. (vor 1258) _ 371 - Die Umschreibungen und Interpretationen des Alber- tus MagnUS sind, soweit ich sehe, für die Konjektu- ralkritik unserer Schrift nur in einem Fall von Nut- zen, und zwar Oa12 ö~a \lEOO\) Eμ1teoouondper mediam incidentem -+ diametrum incidentem: Alb., S.471a, Zeile 25 von unten, wo er den Sinn einer korrupten Stelle richtig erfaßt hat. Bei der Wiederholung des- selben Gedankens ein paar Zeilen später - et diame- ter in e o indivisibilis producatur per lineam inci- dentem eum per medium (S.471a, Z.3/4 v.u.) - zeigt e r jedoch, daß er dabei die in ••• "<nou/per mediam liegende Korruptel (statt ö~a\ll"(pou/diametrum) als solche nicht erkannt hat 1 • 3. DIE ÜBERSETZUNG DES IULIUS MARTIANUS ROTA lateinische Übersetzung unseres TraktatS von Iulius Martianus Rota2 wurde erstmalig 1552 im 7. Band (ff.B6-90) der lateinischen Aristoteles-AUSgabe 'pud Juntas (Venedig 1550-1552) veröffentlicht" Sie Die W:Hirsch, S.26 und 34 hält demgegenüber diametrum fur . ' .. e i.n e authent i e che LeS art der vorlage und aUs- druck 1ich nicht für das " Ge danken gut de s Albertus" 'Flo . . . ru~t ~ m 2.Viertel deS 16.Jhs.; ZU ihm vgl. dle ~ urze Notiz in' Chr.G .JÖcher, Allgemeines Gelehr- Menlexikon, Bd.ll1, Leipzig 1751, Sp.22'" und D.E .cosenza (vgl.oben 5.170, Anm.2), Bd.1V, 5.3100. :~ "medicus" 1.M .Rota, ein bisher kaUm bekannter e ehrter, scheint sich vor allem alS Herausgeber verdi (2 ,ent gemacht zu haben; er edierte Galens opera Oer Jahre), Boethius (1556) und auch den Kommen- tar d 'k ( es Johannes Philoponos zur zweiten Analytl 1558). im III.Band der Bekker- und im IV.Band der Dido- 3 Zuletzt wieder abgedruckt schen Ausgabe, 5.474 -476,
- 372 - wird dort Abschnitt für Abschnitt durch entsprechen_ de Einschübe in Petit-Druck aus dem ebenfalls über- setzten Kompendium des Georgios Pachymeresl unter- brochen. Das Ganze trägt den folgenden Titel: Aristo- telis liber de lineis insecabilibus, apud latinos nondum visus: nec non Georgii Pachymerii eadere compendium, hactenus falso Aristoteli ascriptum: nunc vero fidelissime e graeco in latinum sermonem conversum: IUlio Martiano Rota interprete2. Der stol- ze Hinweis auf die Erstmaligkeit ist allerdings nicht korrekt, war doch die redigierte Fassung der trans- latio des Robert Grosseteste bereits 1482 und dann wieder 1496 pUbliziert worden. Die Übertragung des I.M .Rota ist eine typische Schöpfung der Renaissance. In relativ eleganter Form ist hier der schwierige und nüchterne mathematische Stoff literarisch ansprechend wiedergegeben. Die freiere und vom Wortlaut der griechischen Vorlage tiana (1857), S.47 -S3 parallel zum griechischen Text. Rota Übersetzte die Paraphrase des Pachymeres aus der Aldina; denn auch in seiner Übersetzung fehlt das dort wegen Homoioteleuton ausgelassene Text- stück (vgl.oben S.347, Anm.l). 2 Ähnlich heißt es auch im Vorwort zum 7.Band, f.10: ••• Iuxta hos libellus est Aristotelis de lineis insecabilibus Georgiique Pachymerii Super eundem compendium, quae ambo IUlius Martianus Rota nunc primum accuratissime latina fecit, et ad pristi- num candorem redegit; ex quo hominum suspitio de- leta est, qui ante Georgii compendium Aristotelis eSSe putaverant: propterea Verus germanusque ip- sius liber minime reperiebatur; oder auch im an- schließenden Index, f.17: ..• De lineis insecabi_ libus liber, numquam antea, nec graece, nec la- tine impressus '" 1.M.Rota medico interprete. _ 373 - weitgehendst gelöste Art der Wiedergabe kann am be- sten ein Vergleich mit der übersetzung "verbum de verbo" des Grosseteste und mit der paraphrase des 1\1- bertus MagnuS veranschaulichen; ein kleines Beispiel mag genügen: Der Satz WO'T:' ou μO'llOV EV TOLS vonTO~S ."a K.t ," ,ot, .to.",ot, ,0,C (,.) •• ,pl, (8a17/18) lautet bei dem mittelalterlichen übersetzer: quare non solum in intelligibilibus sed in sensibilibUs est impartibile, bei dem mittelalterlichen paraphra- sten: ergo, sicut dictum est, non solum in intellec- tibus mathematicis sunt indivisibilia prima, sed etiam in sensibilibus, und bei Rota: quare non solum in rebu' qua' cogno,cimu' intellectu, verum etiam in his quae sensu percipimus, quippiam erit, quod par- te' non habet. Rota hat an ,einer Über,et,ung offen- ,ichtlich mit be,onderer Sorgfalt und einigem ,tili- ,ti,chen Ehrgei' gearbeitet. GelegentliCh finden wir noch die Spuren von ver,chiedenen Fa"ungen. zwei ,ich inhaltlich genau ent,prechende, aber ,tili,ti,ch und 'trukturell unterschiedliche Ober,et,ung,entwür- fe von nicht gerade kur,en Text,tücken, nämlich 9b26 bi, 33 und Obl0-14, ,ind wahr,cheinliCh ver,ehent- lich hintereinander in den gedruckten Text geraten' Als Beispiel sei hier der größte Teil (9b26-31) der ersten Doppelfassung angeführt; der Text der rechten Spalte folgt bei Rota dem der linKen: q~amvis autem ex confuta- manife,tum est igitur tis nup .' .' t" er rat~on~bus ap- eX anted~ct~S ra ~on~- par,at, ut neque neces- bUS, quod neque nece'- s~r .um, neque probabile sariu., neque prob~i - s.t lineas ullas indivi- le sit linea, in,eca- duas e h' .. xstare, tamen e x bile' eSse· ex rs ~~s eti b' . ~ am, quae deinceps autem, quae SU ~c ~en- sub' . u~gam, multo magis tUr, manifestum adhuC persp.cuum evadet, et magi' fieri possit ac
- 374 - W.Hirsch (S.26) ist der Ansicht, daß die Überset_ zung des Rota für textkritische Zwecke "meistens oh- ne jeden Belang" sei. M .Hayduck und O.Apelt, um nur sie zu nennen, scheinen jedoch vom Gegenteil über- zeugt gewesen zu sein, da sie nicht selten eben mit Hilfe oder im Einklang mit dieser Übersetzung den Text unserer Schrift entscheidend verbessert haben. Verschiedene der nachstehenden in dieser Hinsicht relevanten Lesarten (8all, Oa12, Oa28, Ob3/4, Ob12, Ob25, 2a30) müssen als Rotas persönliche textkriti- sche Leistung gewertet werden, da sie sonst nirgends (Oa12 ausgenommen) bezeugt sind: Rota 8bl1 quoniam Vero hoc fieri nequit, indi- visibilis eSSe men- sura debet diametro protracta Oa12 a21/2 una linea alteri cOpulata a28 dividua fiet inse- cabilis linea b 3/4 redibit primo quidem per ea, quae Mathematici demonstrant, atque addiscenda proponunt, quae mutare non decet, nisi probabiliores rationes habeamus. EnELÖn (+E~et ö~: Apelt) ToüT'aö~vaTov, (aöLaCpe- TOV) ~V Ern μe:TPOV (Hay- duck Apelt) ÖLa μecrou EμnEcroucrns + Ö~aμ€TPOU EμnEcroucrns (Apelt) ypaμμD (ypaμμÖ) npocrTE~EL- cra (Apelt nach Pachymeres) WcrT'aö~aCpeTos n äTOμOS ~ EcrTa~ ö~aLpeTn (öLa~pE- Tas: Didotiana) n aToμos (Hayduck Apelt) ava~PE~ncrETa~ + a~ eupE~n- OETQL (Apelt app.crit.) / aveupe~ncreTaL (Joachim) primo quidem per ea. quae in mathematicis demonstrata sUPposi_ taque sunt, quae iustum non est aliter quam certioribus rationibus amovere. _ 375 - Rota äxXou + BAAO (Bekker Apelt) Ob12 non ~O &aXa~ov, <EaXa~ov) 6~ (Didotiana Apelt) B.Te~a ~ OÜT& .lpa~ + &.~ &- Ta~ O~ Ta .lpas (Apelt) xat <~a &.' .&60V) &x ypaμ- μWV (Apelt) μ~xo~ n &.L~ ~V&La a~&pEOV + μ~XO~ n E.L ~aV&La n a~e- P&OV (Hayduck Apelt) μnT& + μn (Hayduck) Einige dieser Lesungen sind bereits geeignet, die Frage nach den Rota zur Anfertigung der übersetzung unserer Schrift zugänglichen Materialien beantworten zu helfen. Es liegt zunächst auf der Hand, daß Rota zur Kontrolle des Grundtextes die paraphrase deS Ge- orgios Pachymeres, die er ja gleichzeitig übersetzte, einsah. So stammen denn auch die Lesarten Oa21/2 und Ob12 offensichtlich aus dem Kompendium des Byzanti- ners. Noch ein weiteres Beispiel mag ausreichen, die- sen nicht unerheblichen Einfluß endgültig aufzudek- ken, 9b30 (8 ., •••• v ~ "iv<" ~ •• a,.,i, •• , ,6Y'" ~ •• v<tv) hat pachymeres den durch den Ausfall von n μcveLv in E widersinnig gewordenen zusammenhang durch die Einfügung der Negation .6 vor ., ••••• wie- der einigermaßen repariert. Die übersetzung deS Rota, die an dieser Stelle sogar in DoppelfassUng vorhan- den ist, entspricht e.akt dem neuen Te.t deS Byzan- t' .. 1ners' quae mutare non decet, nisi probab1110res rat' l't ~ ones habeamus und: quae iustum non eSt a ~ er b2S extremum est, ex- tremum vero tangit illud cuius est finis et superficies e lineis vel longitudO vel superficies vel corpus 2a24 a30 b14 b18 non Die beiden Varianten fassung begründet. sind in der erwähnten Doppel-
- 376 - quam certioribus rationibus amovere. Die eigentliche Textquelle des Rota ist jedoch ~ originalhandschriftlichen Bereich unseres Traktats zu suchen. Die obigen Lesarten 2a24, 2b14 und 2b18 geben zu erkennen, daß sich Rota einer Handschrift aus der durch den Kodex p und dessen drei Apographa gebildeten Gruppe bedientel. Daneben lag ihm aber noch eine andere Originalhandschrift vor; denn oft- mals bietet Rota eine andere Lesung als p. Vier zifika am Schluß des Traktats zeigen denn auch, gesamt betrachtet, daß diese andere Vorlage ein dex der Gruppe ~ gewesen sein muß: 2b19 ouö~ TO cv ypaμμn EXaXLcrTOV: yp b23 rap:ep b29 Ö TL: ßyp b31 E TL: ßyp ouö~ TWV EV ypaμμn CAa- XLcrTOV: ß~1nihil eor~ quae sunt in linea mini- mum: Rota ö~:ßÖ~1autem: Rota ETL: ~ / praeterea: Rota ET~ ö~: ~ 1 postea vero: Rota Diesen die Lesarten darf man höchstwahrscheinlich folgende Ergänzung beiordnen: 8a16 npoTepa: aßyp;.npoTepa auch Tnv ~UcrLV: ~ 1 natu- ra priores: Rota p oder ~ oder Wir haben somit je ein Manu- Dvesz. Desz. Skript aus den Gruppen p und ~ sowie die Paraphrase des Pachymeres als Quellen der Rota _ Ubersetzung des r.M.Rota er- mittelt. Eine Überprüfung sämtlicher Lesarten der Renaissanceübersetzung ergibt, daß sich 1 Jene Lesarten hatten sich oben jekturen des Kontaminators von Pach. in der Tat S.306/307 als Kon- perwiesen. Spe- _ 377 - alle Lesungen bei Rota (sof€rn handschriftlich über- haupt belegbar) hinreichend auS irgendeiner dieser drei Quellen erklären lassenl. Der von Rot~ gebotene Text ist alsO, zumal seine Hauptquellen (p oder DesZ., t oder Desz.) selbst kontaminiert sind, ein ausge- sprochener mixtus. Rota vollzog die Konstituierung seines Textes keineswegs etwa mechanisch, sondern wählte ganz offensichtlich von Fall zu Fall nach wohlüberlegten philolOgischen Gesichtspunkten auS. Wie schon öfter innerhalb dieser Arbeit bei anderen Kontaminatoren beobachtet, so bleibt auch bei Rota das eine oder andere Übersehen einer richtigen Le- ,ung oder gar Fehlurteil nicht au" So hätte er z.B. an der obenerwähnten Stelle 9b30, wo er den Text de' Pachymere' über,etzt, da' au,gela"ene ~ μluc'u in der Gruppe P le,en können', oder auch la14 über,etzt Rota mit< und De'z. 'n clu." während in p und Oe'z. das richtige ÖLLlvaL steht; die Beispiele ließen sich vermehren. Welcher Handschriften sich Rota nun im einzelnen bediente, ist nicht mit Gewißheit ZU entscheiden, da einerseitS weitergehende individuelle Textmerkma- Wenn Rota ebensO wie der RedaktOr der übersetzung des Gros,eteste (Rob.11) BaS hinter o,(vou I pau- eum ein parvum ergänzt (non e,t paucum et parvum' Rob.", ne,ue paueum ne,ue parvum e,t' Rota), da' be' dem korrupten Text der familien • und V (ent- gegen dem richtigen Text bei ß) durchauS ,innvoll und notwendig ist ,cheint das nicht zwang,,·ufig d~e (allerdings m;gliehe) zusätzliche Benutzung e,ner entsprechenden lateiniSchen vorlage voraus- zusetzen. 2 Rota befindet sich hier "brigens in guter Gesell- schaft, auch Bekker hat die richtige Le,art in den Apparat verbannt. ins- Ko-
erse.L en re erartlger arf, aß ,e sgangshandschrif_ n jene ie arer. Ar grapna ware .... ct1t- ene- gefer'"tig adt der Drue afür s?rie~~ Cer Umsta aß die- 8 er Dersetz 6 is- ad da . ier im Jahre 15~5 aus der arciana Dersö °ch inen Ale%ander Von Tralleis_ dex, en Marc.295, ntliehl. Dazu fUgt sien ausgezeicnne itte des Jhs., alse zu e~ender Zei daß in der als Rota sei- ne UDerBetzung fGr den Druck von 1552 anfertigte, im venezianischen Schreibatelier des Bartolomeo Za- netti die A ~ Rrc.%1 .11 Bchrif~en des ~odex p. Ambr.D 124 inf., nd Vind.Phil.l1, entstanden. Eines die- ~ ier Manuskripte benutzte, wie wir sahen, Rota, nd wir können nun vielleicht aufgrund dessen zwi- ehen ihm und Bartolomeo Zanetti irgendeine Bezie- hung 'lermuten. - Wenn wir voraussetzen wollen, daß Rota auch die Handschrift aus der Gruppe ~ in Vene- dig einoah und sie nicht aus einer anderen Stadt ntlieh, was allerdings nicht auszuschließen wäre, o scheint in diesem Falle nur der Ambr.A 174 sup. oder in und des Vind.Phil.231 verschollenes Anti- phon, Ubep depen damaliges Schicksal nichts be- kannt ia~_ Als potentielle Textquelle angesehen Denn nur unoep Übrrsetzer kann mit "Martial Rotta, phiaicho" im Ausleihregister der Marciana moint sein; vgl. C .Castellani (vgl.oben S.82, Anm.2), 8.328/329. a _ 379 - dürfen. Denn die übrigen Handschriften auS befanden sich in jener Zeit, das ist fernab von Venedigl. Nachdem nun die handschriftlichen Grundlagen der Übersetzung des Rota bekannt sind, herrscht auch Klarheit über ihren textkritischen Wert; sie liefert keine neuen authentischen Lesungen. Nichtsdesto.eni- .er wird man diese übersetzung, derer sich "ayduck und Apelt in Unkenntnis des Textes der Familie • und der hauptsächlich auS dieser Familie geflOSSenen Gruppe p an mancher Stelle mit Erfolg bedienen konn- ten, auch heute noch, nicht zuletzt .egen zahlrei- cher beigefügter ZeichnUngen mit Nutzen für daS Ver- ständnis des schwierigen Textes zur Hand nehmen. werden zu der Gruppe F; ziemlich gewiß, 1 Zu Einzelheiten vgl. die BeschreibUngen dieser Handschriften im 'Aristoteles Graecus' und ihre Behandlung oben 5.262-290.
- 380 - VII. DIE TEXTAUSGABEN 1. DIE EDITIO PRINCEPS DES HENRICUS STEPHANUS (1557) Die Geschichte des gedruckten griechischen Lin. - Textes beginnt mit einem peinlichen Irrtum. Aldus Manutius veröffentlicht 1497 im 3.Band (ff.426v-435) der Editio princeps des Gesamtwerkes des Aristote- lesl, wie bereits erwähnt, unter dem Namen des Sta- giriten fälschlicherweise die Paraphrase des Byzan- tiners Georgios Pachymeres2. Auch die drei folgenden Renaissance-Editionen, die Ausgabe der naturhistori- schen Schriften des Aristoteles ... omnia ex exem- plaribus N.Leonici Tomaei .. emendata .. Florentiae per haeredes Philippi Juntae Vom Jahre 15273 sowie die erste und die zweite Auflage der von Erasmus veranstalteten Aristoteles-Gesamtausgabe von 1531 bzw. 1539: APIETOTEAOYE AITANTA per Des. Erasmum Ro- terodamum. Basileae apud Jo. Beb.4, sind Opfer die- ses Irrtums und bieten statt des originalen Textes die Paraphrase. Erst in der verbesserten Editio Erasmi tertia vom Jahre 1550 gilt Aristoteles nicht mehr als Autor Sbändig in den Jahren 1495-98 in Venedig herausge- geben. 2 Diese Verwechslung ist um so peinlicher, als in der Paraphrase z.B . des öfteren mit 0 ~~X6cro~os auf Aristoteles angespielt wird. 3 lbändig; die Paraphrase des Pachymeres steht ff.300 -30SV• 4 2bändig; die Paraphrase des Pachymeres steht im 1.Band ff.327v-330V; in der 2.Aufl. S .S84-589 . _ 381 - di,'" Komp,ndium,. Dennoch druckt man " wi,d,r ab (5.559-564), und zwar mit nach'tehendem Titel' UEPI ATOMON rPAMMON ToilT' EoHU, !n ou, EOT' y,aμμn &TO- μ,s, dem in einem untertitel folgende Erklärung bei- g,'ügt Ls t : 0 ypa.e~S, ,OT C, ,0TC wu (ou ya, 'Ap ,OTO- lEAns ye, E~E ~ön lots ~XXOLS ~Lxoo6~0~s, Ta TO~ . A,,",OT<Aou, "aß,ß"'WU, ,"X<"eO TnU 'A' ,OTOT'- AO\)!; 66~a\l toX\)pCr;;E~, ÖT~ OU ö~\laTaL etvaL μCye~O!; a6L~CPE10V, &XA'elS ~ ~EL pa ÖL~CpeTO\l. griechischel Ausgabe des pseudo-aristo- besorgte endlich im Jahre 1557 Hen- "Aristotelis et Theophrasti scripta ,uaedam, quae vel nunquam antea, vel minu' emendata ,uam nunc, edita ,unt. E . officina Henrici Stephani Pari'ienoi' typOgraph;' An. MDLVII" 2. In dem petru' Victoriu' gewidmeten Geleitwort konnte ,ich der ge- lehrte Editor einer ironischen Bemerkung über ,eine Vorgänger nicht enthalten, "Mirum e,t vero ..titi"e ullo' homine' tam ,axe,', ut, qUUm uaxuμ"Cou para- phra,in in librum Ari'totelis ",t .,,μwu y,aμμOU haberent, ipsum se AristoteliS librum habere, omnino ,ibi persuaderent. Quam multa enim vel in ipso limi- ne reperiuntur, e. quibU' id a lectore etiam dormi- tante deprehendi facile poterat? quae certe apud ho- mine' adeo .ax"" uti di.i, A,"Oμ"O' e.plicare me pudeat, verbum igitur hac de r-e non addam". Ober die Hand,chrift, welche ,einer Au,gabe zu- i Nachdem bereits drei lateinische Editionen (1482 und 1496 die redigierte tran"atiO deS Robe,t Gro'- ,eteste, 1552 die freie Ober,etzung d'S Iul'U' Mar- t' ~anus Rota) erschienen waren. , Lin. steht s.58-67. Stephanus hat die paraphrase des Pachymeres weggelassen. Die erste telischen Textes ri cus Stephanus:
- 382 - grunde lag, hat sich Henricus Stephanus in der an Petrus Victorius gerichteten Briefpraefatio mit kei- nem Wort geäußert. Es darf jedoch als sicher gelten. daß es der junge Ott.45 (Ua) gewesen ist. In der Editio princeps finden wir nämlich den überwiegenden Teil der Sonderlesungen des Kodex Ua und aller sei- ( a a ). ner Vorfahren Y.e,n,H,G , Q, cod.deperd. w~e- der. Als Belege seien hier einige der in der Edition des Henricus Stephanus (H.St.) bezeugten negativen Spezifika nur der drei jüngsten Glieder (Q, cod.de- perd., Ua) jener langen Ahnenreihe beigebracht; zu- nächst ein paar der hauptsächlich als Lesefehler er- wiesenen Divergenzen, die Johannes Rhosos, dem Schreiber des Kodex Q, zur Last gelegt werden müssen: Vulgo Ob1 + la16 EcrTL , TLEX:e -+ a21 μEYE~OS TL + a2S Evunapxoucr~v + 2a3 Tμn~ncrETa~ + a20/1 a~a ~pouμEVOU + a21 , a~a ~pELTa~ ypaμ - -+ μi'is Q Ua H.St. add. post nμLcre~av . EcrT~ , EX μeYE~OS E:crT~ EV uxapXoVTL xa~ XAn~ncreTa~ aipaLpeLTa~ aypaμμi'is Von den Sonderlesungen des Kodex Ua bzw. seiner verschollenen Vorlagel gingen u.a . folgende in den Text der Editio princeps ein: Q 8b24 Als Fehler dieser Vorlage haben diejenigen zu gel- ten, die auch im Ott.153, dem stemmatischen Bru- der von Ua, wiederkehren. _ 383 - Q 9a~μ~l!Pa -+ Oa12 cμneoouon.; -+ 1a1 -+ a27 -+ b11 -+ 2a28 ... . , ... -+ l!CH 0 E1t~ μo,xpa: Ott.153 Eμeoo~ons: Ua -+ μ&Oouons: H.St. add. ~W ante aU~W: Ott.1S3 .\ .. n o~V(μal. b1 Der Korrekturen. die Arnold Arlenius. der Besit- zerdeKda' s ° ex U • angebracht hatte. konnte "ch Hen- bereits bedienen. so z.B . der Erg'n- Wörter: EAa~~oVL (Ob2), aOTOV ricus StephanuS zungen ausgelasSener (1b8), &μepES ~ ol) (1b23). Die Editio princeps de' TraktatS aber die Atomli- nienist.d d ,e och kein mechanischer Abdruck der Han - schrift Ua H" f' k.kt . au ,g hat HenricuS Stephanus on,e u- ralindeT . . W· n ext e,ngegriffen und auf d,e,e e,se zahlrei h k" . d ce le,ne (me,st orthOgraph"che un gram- mati,che) fehler. die sich von Stufe zu Stufe der handsch' ft . <\ • r, "chen uberlieferung in den Te.t e,nge- scnLi • ,chen hatten. völlig im Einklang mit den an d,a- sen St II . h.t e en unverderbten Hanuskripten ber'c t,g • und zwar z.B . 8a2. '0 •• ,.,'0: Ga ~ '0.""'" Oa17 ":,h: Q ~ ü" •• Ob' ,a.•n: Ua ~ ".n. Ob2•• "y.~l: U ~ ."y.n. Ob2••••• ,.: Ua ~ μ.c •••• 1a•• n"· .' ." y~ .~" •• 'ö". 1a12 .~••',., Ua ~ ••~••" •• 2a15 ",."Bl."" cod.deperd. ~ ."."Bl."'· 2a1' o r I..,,μ .... Ha a - 2b27 • n. ~ ."yμn •• 2b13 6.'." U ~ ,.'0" . '."'0'.: Ha ~ .,.C, •• ". An anderen Stellen tun seine K . G" d~ orrekturen zwar der Grammat" enuge ° e·
_ 385 - - 384 - zeigen, daß die Verderbnis als solche erkannt worden ist, treffen jedoch nicht das überlieferungsmäßig Richtige, wie etwa: Oa7 öCno: cod.deperd. ~ önxou: (, ) ,\ - H.St. Ö~ROUV: Vulg., öLnXnv: Apelt , la26 av socet : a ,\ ,I » M' U ~ av no~ij: H.St. (av no~o ~ev (recte: Vulgo • it- unter ändert der gelehrte französische Drucker den Text auch gegen eine (meist) einheitliche Bezeugung der drei Stammväter (a ß y) und somit auch gegen den ArChetypus aller unserer Handschriften, und man kann ihm eine gewisse Effektivität seiner Konjekturen nicht absprechen: Vulgo H.St. + add. d post . (recte) : eT~ Rota + äRTEcr~a~l + ön2 + TWV an03 + add. Öt post crwμa (Apelt) + TOlhwv ~ TWV xa~ 9a5 a28 clnTETaL b24 ö~ Oa6Ta , ... aRO b33 la12 TOUTOLS: as TOl.ltOU: n a31 TWV yap Der Infinitiv findet sich auch in der translatio des Grosseteste und ist von dort als interlineare Variante in die Handschrift i geraten (durch Manu- el Kalekas) und sodann in deren Apographa in den Grundtext gesetzt worden. - Nach Bekker und Apelt (beide kannten wohlgemerkt i und 1 nicht) gilt auch diese Lesung als handschriftlich gesichert: Bei Bekker steht sie sogar im Text; Apelt hat sie zwar zu Recht aus dem Grundtext verbannt, aber in den Apparat (ä~Tecr~a~ ceteri!) aufgenommen. 2 So auch in einigen Handschriften in eigener Regie konjiziert. 3 So auch bei Bekker im Text; Apelt emendiert T~ a~a (im Apparat: ... TWV ceteri). H.St. Vulgo ~ Ta E~e ~n~ QRTea~aL (Bekker Apelt) Doch auch der Text der Editio princeps ist nicht mechanischen Fehlern verschont geblieben: la17 AE(ELV ~ AEyeL, lb12 om. ~ . Neben den erwähnten oft positiven Änderungen ge- genüber dem Text der handscnriftliChen Quelle exi- stieren in der Editio princeps noch etliche andere . a ,n U nicht belegte. beträchtliCh abweichende Lesar- ten. Es ist kaum denkbar. daß ,etztere auf rein kon- jekturalem Wege in die AUSgabe Eingang gefunden ha- ben. zählt doch ZU ihnen z.B. auch die richtige Er- gänzung des in Ga und seiner Deszendenz (alSO auch a U ) ausgelassenen Verbs ,,0vJ,' (,a25). Eine grund- sätzliche an den Leser gerichtete Bemerkung deS Ste- p hanuS i führt zur Klärung dieses prob lem" "Quod autem attinet ad Aristotelis librUm ."t ."u·v Y'ou- noxuu"C,u in eUro '0",,0°" ( ... ). eX castigare poteris: dum caetero- meliore aliquO exemplari eXpec- lb27 &. v (o\v: a) ä.R1:Ea~a.L ganz von 9aS om. TWV, exstat l6coS nonnullos rum castigationem a tabis" . Henricus Stephanus hat sich also die Hühe den Text deS Kodex Ua mit Hilfe der paraphrase Georgios pachymeres• die ihm ja seit der Aldina gleich in mehreren Editionen zur VerfÜgung stand. vor der Drucklegung seiner AUSgabe vollständig zu überprüfen. Auf diesem Wege konnte er denn auch ein paar korrupte Stellen der Originalvorlage berichti- gen. z.B .' 'a25 add• "avJ" (om· Ua etc.). 'b21 ~ μWV, qua gemacht, deS 1 5.151:
- 386 - ~pWTaL: U a .\ - 22' - Ua 1. etc. - +- n ltPWTOV, Oa aμEpOLV: + a;μEp~ . In vielen anderen Fällen gelangten jedoch auch heterogene Lesarten, erläuternde Zusätze und Um- sChreibungen des Pachymeres unberechtigterweise in den Originalwortlaut der pseudo-aristotelischen Schrift. Es war einfach nicht immer möglich, bei Pa- chymeres Paraphrastisches und Authentisches vonein- ander zu unterscheiden, zumal dann, wenn der Byzan- tiner inmitten eines langen wörtlichen Zitats aus dem Original ein kleines Wort oder eine kurze Wen- dung u.dgl. eingeschoben bzw. eine leichte Änderung vorgenommen hatte. Erst Bekker, dem umfangreicheres handschriftliches Material zugänglich war als dem französischen Humanisten, hat verschiedene dieser sekundären Ingredienzien mit Recht wieder eliminiert, und zwar: VUlg.(Bekker) Pach. H.St . 8b9/10 Ta μtPI1 μCTPOU Ta μepn TOUTOU , μe:TPOU + OU TLVOS TLVOS 9a3 add. WS ante n ... -+- μn a5 -+- add. AOYOV post EltLTax- ~e:vTal a16 -+- add. ap~ßμo& post äneL- pos a3? xa~ VoncrELEV -+- EvvorfcrELev , ... TOO ~EPOμcvou: Pach. . ~epoμcvwv EnL b1 n TWV + , ... TWV ~epoμe:vwv: H.St . enL Oa23 -+- add. TO ltpchepov post μe~r;ov b20 -+- add. äpa ante ypaμμn b23 add. apa ante . -+- eTL Von Bekker eliminiert, in Apelts Grundtext (I) wieder zu Ehren gekommen. _ 387 - pach. H.St . add.o~a~pETOV post TeTpaywVOV Dennoch blieben mehrere jener nicht authentiSchen Elemente bis heute, d.h . einschließlich der immer noch maßgeblichen kritischen AuSgabe von Apelt, fest i. Te.t unserer Schrift verankert'. Sie machen die unten S.39B als Interpolationen im gedruckten Te.t ,ufgezählten Lesungen aus, deren Herkunft auS der des byzantinischen Aristotelikers bereits festgestellt worden ist. HenricuS Stepha- nuS war also derjenige, der sie in den Originalte.t Vulg.(Bekker) Ob23 Paraphrase oben 5.350 Was die technische Vorbereitung der Edition be- trifft, legen eS die vielfältigen oben aufgeführten Abwei h . a c ungen vom Te.t deS Manuskr,ptS U nahe, daß diese . h . 5 n'c t unmittelbare Druckvorlage ge.esen se,n wird. In der Tat fehlen in Ua die in solchem ralle "b u lichen umbruchvermerke und Spuren von Drucker- schwärze. Wir können vermuten, daß HenricuS Stepha- nus de .h' a . l'ß n ~ m vorl~egenden Kodex U kop~eren ~e (oder vielleicht sogar selbst abschrieb) und in die- Abschrift seine eigenen .onjektUren und die auS des pachymeres gewonnenen Korrek- turen einarbeitete, um dann dieseS neue E.emplar alS direkte Vorlage für seinen Druck ZU verwenden. Nach der Fertigstellung der Edition eins chmolz• se der Paraphrase 1 Nur.an einer einzigen Stelle hat Apelt den inter- pol,erten Te.t Bekkers entSprechend dem ZeugniS der Ha d' . . .' 6' ,\' n schr,ften korr,.,ert' 9b30 0 , •• ,ou n ",- veev· ' · ,." • • n.aß6Apelt+Q6Cxa~ovn:E+aOUo~- xa~o ,\ v n: Fach. H .St. Bekker•
- 388 - Abschrift - durch die Überarbeitung und die Abnut- zung in der Druckerei zudem unansehnlich _ überflüs_ sig geworden und ist vielleiCht deshalb wie so viele Druckvorlagen nicht erhalten geblieben. Die Edition des Stephanus enthält u.a. wie auch die ihr im Falle von Lin. mittelbar zugrunde liegen- de Handschrift Ua einen Teil der Mirabilien (Kap.152 sqq.) und Theophrasts De sensibus, und die Vermutung, es könnten auch bei diesen beiden Schriften analoge Abhängigkeitsverhältnisse vorliegen, drängt sich nach den vorangegangenen Feststellungen geradezu auf. So hat denn auch McDiarmidl die enge Verbindung zwi- schen den zahlreichen Korrekturen in Ua von vierter Hand (bei ihm 04), die wir Arnold Arlenius zuweisen konnten, Und Lesarten der Druckausgabe des Stepha- nus aUfgezeigt, und meine eigenen KOllationen haben bestätigt, daß auch im gedruckten Text von Mir. die mit der Bemerkung 'IcrTeov ÖTL ROXXa TWV naxaLWV av- T~ypa~wv eup~crxETaL EV ors oux exeCvn ecrTLV n apx~ TOÜ Rep~ ~auμacrCwv axOUcrμaTwv ~v TE~ELxaμEV, aXX' aÜTn (S.13S)2 eingeleiteten Kapitel 152 sqq. den 7ext des Kodex Ua reproduzieren. Wie aber gelangte der Kodex Ua des Arnold Arle- nius in die Hände des Henricus Stephanus? Daß beide Gelehrte in wissenschaftlichen Beziehungen zueinan- der standen, ist absolut sicher. Arlenius scheint sich nach seinem Aufenthalt in Basel, wo er Ende De- zember 1555 eingetroffen war, nach Paris begeben zu haben. Dort veranstaltete Stephanus nämlich auf sei- _ 389 - ne V<ranla,sung hin eine Ausgabe des Maximos !yrioS I und zwar im Jahre 1557; dies ist auch das Jahr der Editio princeps von Lin. Die "Aristotelis et Theo- phrasti scripta quaedam .,. e x officina Henrici st e - An.MDLVII" sind ein weiteres wichtiges zusammenarbeit zwischen A.Arlenius nähere untersuchUng2 ein in- in der Gelehrtengeschichte deS phani .. , Zeugnis für die und H. 5tephanus, deren teressantes Kapitel 16.Jhs. erhellen könnte. 2. DIE NACHFOLGENDEN EDITIONEN BI5 1619 Von den auf die Editio princeps folgenden TextauS- gaben habe ich die sechs ersten bis zum Jahre 1619 verglichen, und zwar die Editionen von F.5ylburg (158.- 1 587)3. I.Casaubonus (1590)'. J .pacius (1597)5. S.Crispinus (1605)6. p .de la Roniere (1607-1608)7 Vgl. B.R.Jenny (vgl.oben 5.198, Anm.3), 5.28. 2 VgI. ~ uch B.R .Jenny. s .28. Anm.63' "EbensO bedür- fen d,e Beziehungen Arlens ZU •• Stephanus in paris I Genf der untersuchUng." 3 8d.III. S .16-26' Linol S.26-",' paraphrase deS Pa- chymeres. 4 N~chgedruckt 1596 und 1597; S.7 .3-' ·' Lin·; S.7.5 b's 752' paraphrase deS pachymeres mit paralleler lateinischer übersetzung deS JacobuS scekchius. 5 N~chgedruckt 1607; Bd.II• S.1173-77' Lin.; S.1177 b's 1193' Paraphrase deS pachymereS .it paralleler lateinischer übersetzung deS JacobuS scekchius. , S.d.I. S .925-29' Lin. mit paralleler lateinischer Ubersetzung des I.M . Rota; S.930 -38, par;phrase de' Pachymeres mit paralleler lateiniScher Ubersetzung des Jacobus 5cekchius. 7 F~st identiSch mit der Editio pacii; Bd.11• s.1173 b~s 1177: Lin.; 5.1177-93: paraphrase deS Pachyme- J.B.McDiarmid (vgl.oben 5.51, Anm.1), S.16 sqq. 2 Zum Problem der zwei VÖllig divergierenden Fassun- gen des Anfangs der Schrift vgl.oben S.210/211.
- 390 - und G.du Val (1619)1. Sie sind für die Geschichte des gedruckten Lin.- Textes jedoch ohne jegliche Bedeutung, da in ihnen der Text des Henricus Stephanus einfach nachgedruckt ist. Lediglich die Zeichensetzung ist bisweilen ge- ringfügig geändert worden. Textverbesserungen sind ganz selten; ich habe nur eine bei Casaubonus Evunapxoucr~ richtig mit den besten Handschriften statt cv u~apXoVT~ (la2S) - bemerkt. Ansonsten fin- den sich an Abweichungen nur noch Druckfehler, wie z.B . bei Pacius aμEp~S + aμEPoS (8a2), Xoyov ~ AO- ywv (9b17) und bei Casaubonus om. TOUS (9b16), a+w (lb6), ET~ + ÖTL (lb26). Erst die wissenschaftliche kritische Gesamtausga- be des griechischen Aristoteles-Textes durch I.Bek- Ker (1831) stellt in der Geschichte des gedruckten Lin.- Textes die entscheidende Zäsur dar. res mit paralleler lateinischer Übersetzung des Jacobus Scekchius. Nachgedruckt 1629, 1639, 1654; Bd.I, S.1221 -27: Lin. mit paralleler lateinischer Übersetzung des I.M.Rota, 5.1228 -40: Paraphrase des Pachymeres mit paralleler lateinischer Übersetzung des Scekchius. _ 391 - VIII. ERGEBNISSE 1. STEMMA Vorbemerkung: 0 bezeichnet die erhaltenen Hand- schriften (und Textmaterialien) und * die verschol- lenen, aber einwandfrei rekonstruierbaren. wir das Zahlenverhältnis von erhalte- nen und codices deperditi, so stehen den 27 auf unS .,komm,nen griechischen Handschriften mindestens 17 verlorene gegenüber. Darüber hinaus muß man anneh- men, daß viele Minuskel_Handschriften zUgrunde ge- gangen sind. ohne eine sichtbare Spur zu hinterlas- sen. Sollte diese proportion für das gesamte Corpus Aristotelicum repräsentatiV sein. so müßten .ir bei ,a.ll00 vorhandenen Manuskripten mit ca.700 verlore- Vergleichen nen rechnenl. Ind .. er Uberl' f hältnis 3' "erung der EE allerdings ist daS ver- baren T .1. 21 erhaltene gegenüber 7 rekonstruier- Anm.2) e~tzeugen. Vgl.D .Harlfinger (vgl.oben s.27. sehen T .' .0 (Stemma). Es scheint in der griechi- verhälte~tuberlieferUng jedOch noch viel e.tremere ne 'Kn,sse zu geben alS das für Lin. erschlosse- de; h~ ~tter. Die überlieferung der Pege gnOseOS Teilko~loh~nnes von DamaskoS. Ettal 1959. ist nach dieses wat,one~ auS sämtlichen 759 Hands'hriften gekomm erke~ uberzeugt. daß die zahl der abhanden tem Übenen ~,e der e.istierenden Kodizes bei .ei- mata e~st"gt (S. 23.)' .. Oie zerklüftung der Stem- rÜCkg:~ auf ei~en Verlust der Bindeglieder zU- ehe' en und läßt vermuten. daß der ursprüngli- betrae,tand an Hss ein Mehrfaches vom erhaltenen gen hat."
w e) a)l W ab la v<::, a a Par. 2032 Ci) Vat. 258 CN). Vat. 266 CV) Par71860 (1) I r. Mare. D124 XLii info H.St. CEd.prine.) _ 393 - 2. ZUR NEUKONSTITUIERUNG DES TEXTES Die constitutio textuS der Schrift LiD. hat vom ArchetypuS auszugehen. Seinen Text gilt es also je- weils zu bestimmen, bevor dieser seinerseits Gegen- stand der weiteren examinatio wird. Er ist gemäß den oben im Kapitel IV,S dargelegten Frühspaltungenvon c , grundsätzlich sichergestellt bei 1) consensus ß und y, 2) consensus von a und ß gegen y, 3) con- sensus von ß und y gegen a im ersten Textteil bis lalO-12 und 4) consensus von a und y gegen ß im fol- genden Textteil, zwischen la10-12 und 2a24; im letz- ten Textstück nach Abbrechen von a (2a24) ist er durch 5) consensus von ß und Y gewährleistet. zwei Varianten stehen zur Wahl, wenn keine dieser Über- einstimmungen gegeben ist, also a y gegen ß im er- sten Textteil bis lal0-12 und ß y gegen a im folgen- den Textteil zwischen lal0-12 und 2a24, zusammenge- hen und ß und y im SchlußstüCk nach 2a24 divergie- renl• In diesen Fällen muß die LeSung des Archety- pus mit-Hilfe der selectio ermittelt werden- Die Überprüfung der Varianten zeigt. daß dabei keine der Seiten etwa grundsätzlich den Vorzug verdient; eben- sowenig läßt sich irgendWO eine abnorme Tendenz zu einer bestimmten Fehlergattung beobachten2. Derar- 1 Wo a, ß und y drei verschiedene Lesungen bieten, was naturgemäß ziemlich selten vorkommt, werden sich in der Regel zwei von ihnen wegen wesentlich engerer verwandtschaft im Vergleich mit der drit- ten im Grunde auf eine einzige reduzieren lassen, so daß von ebenden genannten Grundsätzen ausgegan- gen werden kann. 2E' . ,n'ge Beispiele für die üblichen Fehlertypen in den Variantenträgern sind oben in Kapitel IV,S gesammelt worden.
- 394 - tiges war aber bei der Kürze der Schrift Lin. ohne- hin nicht zu erwarten. - Bei sämtlichen soeben auf- geführten Bedingungen für die Ermittlung des Textes des Archetypus ist es irrelevant, welche der drei stemmatischen Möglichkeiten im Verhältnis der Stamm- väter zueinander (Kap.IV,5) der Wirklichkeit ent- spricht; sie gelten ohne Einschränkung und Modifizie- rung gleichermaßen bei a), b) und c). Nur kann der Archetypus niemals ein und derselbe Kodex in allen drei Fällen sein, wie oben in Kap.IV,6 angedeutet worden ist. Durch die recensio unserer Schrift ist eine gan- ze Reihe von Textzeugen ans Licht gekommen, die we- der direkt noch über Zwischenstufen von einer erhal- tenen Vorlage abstammen, und zwar i, N, a a V,Z,H, L, P, Berol., Mosqu. und die translatio des Robert Grosseteste sowie die Paraphrase des Pachymeres; hin- zuzufügen sind eigentlich auch Vat.905 und Wa (sowie vielleicht Na), da sie auf verlorene contaminati zu- rückgehen, die ihrerseits wenigstens teilweise nicht aus vorhandenen Handschriften schöpfen. Sie alle helfen gemäß den aUfgezeigten Spaltungen, die Text- form von a, ß und y exakt zu erschließen. In ihrer Authentizität und Bedeutung hinsichtlich der recen- sio sind sie allerdings von höchst unterschiedli_ chem Rang. So sind z.B., um die Extreme hervorzuhe- ben, die Lesungen von i gleichzusetzen mit denen von a, während L und Ha oder auch P, Berol. und Mosqu. von y durch zwei Zwischenstufen getrennt sind. Von den in den kritischen Editionen Bekkers und Apelts bisher als Grundlage herangezogenen acht Hand- schriften (NZaHaLPQUaWa)gehören zwei (Q Ua) _ 395 - zum Kreis der codices descripti. Diese hat Bekker mit sicherem Blick nach wenigen Zeilen ausgeschieden. Eb"'O eliminierte er s cb on bald die Kodize' Za und a H , ersteren wohl wegen der Unmenge der in ihm \olU- ehernden Sonderfehler, letzteren offensichtlich \ole- gen seiner Bindung zu L. Za ist jedoch von Apelt ("apparet non spernendum e"e auxilium codici' Za ad textum const i tuendum", S .IX) durch vollständige Ko L> lotionen im Apparat, und Ha von Mioni ("totu, in,pi- ciendus est,,)l rehabilitiert \olorden. Ein Blick auf das Stemma in der vorliegenden untersuchung läßt er- kennen, daß Apelt das Verhältnis seiner fünf Haupt- handschriften (N L P Za Wa) zueinander durchauS richtig beurteilt hat, \olenn er schreibt: "LetP arctissime inter se cohaerere, ut ex unO fonte eOS fluxisse verisimile sit; a quO fonte longissime d. a ~stat N .•• Medium inter N et LP locum tenent W et Za modo cum his, modo cum illo facientes, ita ta- men, ut ips i quoque inter s e ,.epe dissent iant." Die "gemeins ame Que 11e" von L und p i,t C; der Text von a W (über Vermittlung von ~) ist tatsächlich aUS e a . h• und N kontaminiert und der KodeX Z , der s'c .,e , C ,chließlieh auf y zurückführen läßt, geht überall dort nicht mit c, sondern mit N zusammen, .0 c ,eine 1E.Mioni(1b . k. t . vg .0 en S.93, Anm.l), 5.76. p i e text rl.- ~sch E' . d . e ~genbedeutung dieses Kodex hat er aller- a.n g "b . s u erbe.ertet ("etiam optimas lectiones su" exh~bet") . . . Td . ' .,. überhaupt bei ihm d,e en enz zu eaner' wi . . Hhh"t , e es sche,nt, unberecht,gten oe sc a - zung v Ha' . T on auch ,n bezug auf versch,edene andere Kradktate auffällt. Eine ähnliche Überhe.ertung de' oexHaf'd .' AJ v ,n en .,r ,n der neue,ten von • annone pe~an'talteten Edition der schrift An., .ie .i oraux (in' Gnomon .0, 1968, 5.763-765) nachge- esen hat.
e ::'e :. e!" -.!.i.e ':e- ~'e-= - :- zeug~n ieder a) r~ur ch or, Hni f der n erg Lbr a rec9nsio der SchrifT Ober die ich also die NotwendigkeiT eugestaltung des TexTes r wird Von der bisher In vielen Punk t"om- einer um- Der künftige maßgeblichen Ausgabe en nicht unerheblich abweichen Edi Apel u n, Um mit dem apparatus criticus zu beginnen: hier llgemeinen nur sämtliche Lesarten von a ß und y zu verzeichnen~ in wenigen begründe- n Auonahmefällen, z.B. vor allem wenn sich ß oder nd 1m (" 1). lßcklich in seinem Urteil war E.Mioni, der die filiation der Marciani, außer der 12kelt Ga • 0, gründlich verkannt hat. _ 397 - Y ,icht mit Gewißheit rekonstruieren lassen (Subva- ria,t.' I , sind die Lesarten von N und V oder' und e (oder sogar n, ~, Rob. und Za) anzuführen. Es li.gt auf der Hand, daß ein neuer variant.napparat, b.fr.it von all dem Ballast an isolierten sonderle- ,u,gen der Apeltschen fünf Hauptzeugen (N L P Za ,al u,d d.r rekonstruierbaren Vorfahren dies,eitS von Y, ,icht nur hinsichtlich der kritischen Substanz ein völlig anderes Aussehen alS bei Bekker und Apelt er- halten wird. er wird auch wesentliCh knapper, über- ,chaubarer und Systematischer in der Anlage sein. Nichtsdestoweniger wird er seine vorgänger an Leben- digkeit übertreffen. Mehrere moderne Emendationen (insbesondere die HayduckSI finden sich in der Ober- li.ferung bestätigt, viele kluge KonjektUren sind in Mittelalter und Renaissance vorweggenommen, und auch manch interessante Te.tveränderung in den Hand- schriften wäre erwähnenswert; auch die MögliChkeit, verschiedene dieser KonjektUren mit dem Namen ihreS Urhebers zu verbinden, stellt eine Bereicherung des apparatuS dar. Schließlich sollte der kritiSche Ap- parat in unserem falle auch die fu,ktion haben, den Leser über die wahre Natur und Herkunft etlicher Lesarten und einzelner Bestandteile deS bisher edier- ten Te.teS, die aufgrund der recensio nicht alS ori- ginal gelten können und daher aufZUgeben sind, zu unterrichten. Damit kommen wir nun zum Te.t selbst'. Aus dem gedruckten Te.t entfernt bZw •• ntSprechend der uber- 1 reh beziehe mich für die te.tkritiSchen D.tails ~ u n mehr auf die heute maßgebliche AuSgabe von pelt.
- 398 - lieferung modifiziert werden müssen folgende Lesun- genl: 1. Die über die Editio princeps in die modernen Ausgaben eingedrungenen Interpolationen des Pachy- meres2: Pach. Apelt 8a24 Xpovw3 b5 ypaμμn3 9a5 Xoyovlt alS <\ TW\l apL~μWV apxn E(1T~ 0 a19 ö~ , iliv a23 AaμBavoucr~v a25/6 crwμa Kat μnxos a29 yap bll crUμμeTpov bl1/2 xo~vav μeTPOV elvaL ci~LOi}v 2a8 crwμa E~ En~neöwv a8/9 aL öt ypaμμa~ EX crT~y- μwv3 aßy om. om. om. om. om. crwμa μnxous5 ö~ om. €TL XOLVOV μeTPOV a~~oüv: aßö,XOL- ..., . vov μETPOV ETL a~~oQv: E crwμa EnCnEöov om. Die examinatio hat allerdings auch hier zu prüfen. ob das Überlieferte als authentisch angesehen wer- den darf. Koinzidenz von Fehlern kommt ja gelegent- lich vor, und mitunter mögen auch die im folgenden aufgeführten Lesarten durchaus Konjekturalwert ha- ben; vgl. z .B . in der ersten Liste 9bll, 2a8, in der Liste 2a) 8b26, lb21, 2d) Oa32, 2e) 9b24. 2 Vgl.oben 5.350 und 386/387. 3 Als Zusatz auch von M.Schramm, 8.39, bezeichnet. It Von Apelt aus der Editio princeps ergänzt, von Hirsch, S.32, gutgeheißen, von Joachim und Schramm, 5.41, jedoch verworfen. 5 Für diesen Text entschied sich später auch Apelt in seiner Übersetzung (Die Widersacher •..• S.275, _ 399 - 2. Die nach dem Grundsatz der eliminatio lectio- num singularium zu verwerfenden sonderlesungen a)vonn n Apelt EV\)~clp~e ~ (om.a) Ba8 b26 Oa4 orn- a5 n Apelt lb21 EOTClL b)vonc E Apelt aßö 9alS Oa3 b19 lb13 2b23 c)vony y Apelt aß om. 9a24 a32 μä.XXOV2 TWV aneCpOlV OalO μconV Anm.l), und so liest auch Schramm, S.42. 1 ~ o konjizieren auch J,L,Heiberg (vgl,oben S,BB, nm,2), S,3S, Anm' und J C,Wil'OO, On the GoO- metri ' .' ' >cal problem in PlatO" Meoo• B6e s.", W>th a Not ' ..' e 00 a passage io the Treat>se De l>ne>s ,n- slecabilibuS (970aS) in' Journal of PhilolOgy 28, 903 ' • 2 ' S.222-240, dort S.240. Vgl. auch oben S.308 .
- 400 - Y Apelt EYXWPEtl d)VonN aß 2a22 N Apelt ltOAAaxi'i x ~vn~i'iva~: Za n2 ayV 9blS b22 Oa32 la27 nOAAaxws XLVn~n2 om. T~V~ T~Vas e) von einzelnen anderen Handschriften Apelt aßY 8b14 TO 6'aUTa (Ta 6'aUTO 6~ sic: Wa)3 a T~vas: Z Lp.corr.(?) Haa.corr. Ga crT~yμi'is (Ex crT~yμl'jS: H.St .) 9b18 T~va 2a28 Entscheidend profitiert die constitutio textus durch die volle textkritische Auswertung des neu hinzugekommenen Variantenträgers i (Familie a). Et- liche Male überliefert allein er den genuinen Wort- einzelnen Stellen sind oben 5.327-331 auf- Einige dieser Lesungen hatte allerdings laut; die geführt 5. Vgl. zur Beurteilung dieser Lesart oben S.326. 2 Für diese Lesart Plädiert auch Schramm, S.43. 3 Bekker, auf den sich Apelt stützt, hat seine Le- sung sicher aus Wa abgeleitet, obschon er im Ap- parat für diesen Kodex (und zwar nur für ihn) die Lesart der VUlgata angibt (Sigelvertauschung). ~ So liest mit Za auch Joachim (vgl. zur Stelle). 5 In verschiedenen anderen Fällen müssen die variae _ 401 - sr.e r- die Konjekturalkritik gefunden. Es sind etwa - Ien , an denen die von Apelt gebotenen durch tisch erscheinende Lesarten auS dem Kodex i ersecz~ werden müßten. So wird denn, insgesamt gesehen, bei einer neuen Konstituierung der Text Apelts allein aufgrund der recensio an fast 50 Einzelstellen korrigiert werden müssen. Statistisch betrachtet läuft das bei unsere~ kurzen Traktat auf eine Änderung in durchschnittliCh beinahe jeder 6. Bekkerzeile hinaus. Dennoch bleibt der vorliegende Text der Schrift Lin., in den die Konjekturalkritik schon so viel Mü- he und Können investiert hat, in vielen Einzelheiten alles andere als befriedigend. Man ahnt in etwa, welches Ausmaß die Textkorrumpierung im ArchetyPUS unserer Manuskripte erreicht haben mag, wenn man die Textgeschichte unserer Schrift in der Zeit der er- haltenen Manuskripte entsprechend analysiert. Hier hat ~ich fast durchweg gezeigt, in wie erschrecken- dem Umfang Korruptelen aller Art von Stufe zu Stufe der Tradierung, von einer HandschriftengeneratiOn zur anderen, auftreten, sich summieren und potenzie- ren. Und mit dem ArchetyPuS befinden wir unS bereits im hohen Mittelalter. Wie viele direkte Vorfahren mag er gehabt haben! Sucht man nach den Gründen, die den Traktat über die Atomlinien zU einem der verderbtesten des cor- pus Aristotelicum und seine einzelnen erhaltenen Handschriften zu Sammelbecken von sonderfehlern ge- lectiones von i noch auf ihre tät hin überprüft werden.
- 402 _ macht habenl, so scheinen sie im Charakter der Schrift selbst zu liegen. Ihre Skizzenhaftigkeit, ihr Konzeptcharakter2 gepaart mit Abruptheit des Ausdrucks (vor allem gegen Ende), Brachylogien, El- lipsen, einem aufs knappste begrenzten Wortschatz, vielen stereotypen oder kaum abgewandelten Formu- lierungen, parallelen und antithetischen Argumenten, all das konnte nur zu leicht und immer wieder zu Auslassungen insbesondere durch Homoioteleuton, zu Haplographien, Assimilationen vor allem von Worten- dungen, Transpositionen, unwillkürlichen Zusätzen und Wiederholungen und Schreibfehlern ähnlicher Art führen3• Hinzu kommt, daß auch die Materie selbst in ihrer Sprödigkeit und Schwierigkeit keineswegs günstige Voraussetzungen für eine weitgehend heile handschriftliche Weitergabe bot. Die einzelnen psy- chOlogischen Phasen des Kopiervorgangs4 waren also durch Form und Inhalt unseres Traktats beträchtlich erschwert. Es mag in diesem Zusammenhang erlaubt sein, eine These zu formUlieren, die natürlich durch weitere Belege gestützt werden müßte: Je schwieriger und unverständlicher eine Schrift in sprachlich-sti- listischer und stofflicher Hinsicht, desto größer die Textverschlechterung bei der Tradierung. Ein Vergleich mit KOllationen aus verschiedenen anderen Traktaten des Corpus zeigt eine ungewöhn- liche Fehlerfrequenz in den Lin. - Manuskripten. 2 Vgl. O.Regenbogen (vgl.oben S.96, Anm.1), Sp.1542, 1559. 3 F.Dirlmeier, Aristoteles. Eudemische Ethik, über- setzt und kommentiert, Berlin 21969, S.111, hat ähnliches für die EE vermutet. 4 Vgl. hierzu A.Dain (vgl.oben S.31, Anm.1), 21964, S.40 sqq. - 403 - Trotz aller Einsicht in die Textgeschichte unse- nach Auswertung sämtlichen verfügbaren also angesichts des schlechten Ober- lieferungszustandes auch bei einer Neuedierung der divinatio eine besondere Bedeutung zu. Mitunter mö- gen ihr bei der Heilung der Korruptelen jenseits des ArchetypuS die Erfahrungen von Nutzen sein, die sich aus der Beschaffenheit der Fehler und dem Ver- derbnisprozeß diesseits des ArchetyPuS gewinnen las- sen. Einen Beitrag zur Lösung dieser schwierigen Aufgabe werden auch die Humanisten-Konjekturen ver- schiedener Textzeugen leisten. r e r Schrift Materials kommt
- 403 - Trotz aller Einsicht in die Textgeschichte unse- rer Schrift nach Auswertung sämtlichen verfügbaren Materials kommt also angesichts des schlechten Ober- lieferungszustandes auch bei einer Neuedierung der divinatio eine besondere Bedeutung zu. Mitunter mö- gen ihr bei der Heilung der Korruptelen jenseits des Archetypus die Erfahrungen von Nutzen sein, die sich aus der Beschaffenheit der Fehler und dem Ver- derbnisprozeß diesseits des ArchetyPuS gewinnen las- sen. Einen Beitrag zur Lösung dieser schwierigen Aufgabe werden auch die Humanisten-Konjekturen ver- schiedener Textzeugen leisten.
- 405 - ANHANG Neuidentifizierte Kopisten griechischer Aristoteles Handschriften der Renaissance Von der Gesamtheit der erhaltenen griechischen Aristoteles-Handschriften datieren etwa 700 auS dem 15. und 16.Jh. Die Durchsicht dieser Manuskripte hat gezeigt, daß auf dem Felde der Kopisten-Identifizie- rung nicht geringe Fortschritte möglich sind. Das Ergebnis sind über 600 Identifizierungen für 105 na- mentlich bekannte und 52 anonyme Kopisten (Griechen und Westeuropäer)l. Wenn auch dabei zu beachten ist, daß an ein und derselben Handschrift vielfach zwei oder mehr Schreiber oder Korrektoren beteiligt wa- ren, wird in etwa deutlich, wie weit man mit syste- matischen Untersuchungen2 zu den Schreibern der über Unabhängig von meiner Arbeit haben sich meine Kol- legen am Aristoteles-Archiv ebenfalls mit der Iden- tifizierung von Kopisten beschäftigt: U.Victor - J.Wiesner, Griechische Schreiber der Renaissance, Nachträge zu den Repertorien von Vogel_Gardthausen, Patrinelis, Canart, de Meyier, in: Rivista di stu- di bizantini e neoellenici N.S .8, 1971 (im Druck). Ein Teil ihrer Ergebnisse bestätigt hier vorgenom- mene Zuweisungen. 2 Nach dem grundlegenden Handbuch von M.Vogel - V.Gardthausen, Die griechischen Schreiber des Mit- telalters und der Renaissance, Leipzig 1909 (=Zen- tralblatt für Bibliothekswesen. Beiheft 33), Nach- druck Hildesheim 1966, hat Ch.G .patrineliS, wEXXn- vc~ xWÖLXoypa~oL ~wv Xp6vwv ~~~ av~ycvvnOCw~, in: 'E~c ~npt~ ~oO Mco~LWVLXoO 'APXCCoU 8-9, 1958/9 (Athen 1961), 5.63 -125, auS sämtlichen ihm bekann- ten Handschriften-Katalogen und überlieferungSge- schichtlichen Arbeiten der dem Repertoire von Vo- gel-Gardthausen nachfolgenden 50 Jahre ca.500 wei- tere Handschriften(teile) für 84 Kopisten (griechi- scher Herkunft) zusammengestellt. p.Canart,
- 406 - 40000 heute noch existierenden griechischen Manu- skripte gelangen könntel. Es liegt auf der Hand, welchen Nutzen neben der Paläographie und der Text- kritik der Autoren (vgl.oben S.69) auch die Geistes- und KUlturgeschichte (oder im speziellen etwa auch die Familiengeschichte) des byzantinischen Mittelal- ters und der Renaissance aus einem solchen Unterneh- men ziehen würde2. Nachstehende Liste3, die zunächst die namentlich bekannten und sodann die noch anonymen, aber mehr- fach bezeugten Kopisten verzeichnet, mußte in diesem Rahmen im wesentlichen auf die bloße Anführung des Scribes grecs de la Renaissance. Additions et cor- rections aux repertoires de Vogel-Gardthausen et de Patrinelis, in: Scriptorium 17, 1963, S.56-82, und K.A .de Meyier, Scribes grecs de la Renaissance. Additions et corrections aux repertoir~de Vogel- Gardthausen, de Patrinelis et de Canart, in: Scrip- torium 18, 1964, S.2S8-266, trugen (nur zum Teil aus zweiter Hand) ca.1S0 bzw. 90 Zuweisungen an 59 bzw. 3S Schreiber nach. Über 20 Hss. und 8 Ko- pisten sind sodann genannt bei B.L .Fonki~, Gre~es - kie piscy epochi vozro~denija, in: Vizantijskij Vremennik 26, 1965, S.266-271, und 28, 1968, 5.283 bis 285. Victor-Wiesner (vgl.oben Anm.l) schließ- lich ergänzen ca.l00 zum größten Teil eigene Iden- tifizierungen für 3S Kopisten; davon betreffen die allermeisten Aristoteles-Kodizes und finden sich fast ausnahmslos auch in meiner Liste. Wenn es Zeit und finanzielle Voraussetzungen erlau- ben, werde ich eine neue umfassende Sammlung grie- chischer Kopisten des Mittelalters und der Renais- sance auf lange Sicht vorbereiten; neben den hier gebotenen liegen bereits an Umfang vergleichbare Materialien zu nichtaristotelischen Handschriften vor. 2 Vgl. auch J.Bick, Die Schreiber der Wiener griechi- schen Handschriften, Wien etc. 1920, 5.12 . 3 In ihr sind auch einige wenige Kodizes mit Aristo- teles-Kommentaren enthalten. _ 407 - Schreibernamens und der Handschriftensignaturenl be- schränkt bleiben2, obschon z.B . die Nennung der in den Kodizes enthaltenen Traktate sicherlich so man- chen Schreiber als regelrechten spezialisten auf einem bestimmten Arbeitsgebiet (einzelne Schriften, Traktatgruppen, "Gesamtausgaben", Überarbeitungen etc.) ausweisen würde3• - Die Identifizierungen ba- sieren auf der Einsichtnahme in subskribierte Hand- schriften in Autopsie, Mikrofilm, PhotokOpie und einschlägigen publikationen. 1 Diese sind, nach Bibliotheken gegliedert, in den index codicum (vgl.unten) aufgenommen, 2DO ~ e betreffenden Folien sind manchmal schon des- halb nicht genannt worden, weil das Aristoteles- Archiv bei Miszellan_Handschriften nur über AuS- züge im Film verfügt; entsprechende Einzelheiten werden jedoch im 'Aristoteles Graecus' erscheinen. Falls mir zu einzelnen Kopisten veröffentlichte Specimina bekannt sind, nenne ich diese, sofern nicht bereits bei vogel_GardthaUsen, patrinelis, Canart und de Meyier auf schriftproben hingewie- sen ist. 3 Das hätte auch eine Einbeziehung der subskribier- ten und bereits früher identifizierten Aristote- les_Handschriften vorausgesetzt. - Immerhin sei beispielshalber erwähnt, daß sich die Tätigkeit deS Arnold Arlenius insbesondere auf das Korrigie- ren von Handschriften erstreckte, daß Georgios H~rmonymos ein Fachmann für kleine prunkausgaben m~t lateinischer übersetzung von Virt. war und daß es unter den Schreibern mehrere poet._ spezialisten gab.
- 408 - Acciaioli, Zenobio ?: Mon.289 Agallianos,Theodoros: Lips.Rep.I 68a; Ambr.A 160 sup.; Par.1919 (ff.124-163V); Vat.1777 Albini, Valeriano: Ott.45 (ff.84-139V) Alexandru, Georgios1: Esc.Y .III .l0 (ff.38 -47V, 107, 126V); Oxon.Auct.T .3 .21 (Misc.238) (ff.51-92V, 95-157V); Par.1888; Marc.222 (ff.22 -307); 604 (ff.180-199V, 210-219V) Alphonsos Athenaios: Par.1818 (ff.1 -81) ? Andreas (Urb.117): Esc.T .II .21; Par.1848 (f.63rv) Antonios (Mut.a .V .7.5 , olim 176): Par.2652 Antonios Athenaios: Laur.81,20 (ff.33-125V) Apostolides, Aristobulos: Lips.24 (ff.1 -77); Mut. ~. V.6 . 5 (198) (ff.58-102V); a.V .6 .12 (210) (ff.2 bis 176V); Neap.Gerol.MCF 3.16 (XVI.XVI) (ff.l bis 313V) ?; Marc.IV,8 (ff.1 -157V); IV,9; IV,12 ApostOlios, Michae12: Ambr.M 41 sup. (ff.90 -97); Par.2938 (f.183rV); Vat.72 (teilw.)3; Urb.50 (Marg. ) Argyropulos, Johannes: Laur.81,16 (Marg.f .61); Par. 1818 (ff.83 -152); 1858; 1910 (Marg.); 1921 (Marg.); 1971 (SuPPl.); 2900 (PP.203-216) ?; Utin.VI,2 (Marg.); Vat.252; 259 (lauf.Titel); Barb.208; Marc.IV .6; IV.13; IV.14; IV.15; IV.16; IV.17; IV.18; IV.19; IV.20 Arlenius, Arnold4: Esc. ~ . I.l0 (Korr.rf.128-143a); Vat.1302 (Marg.ff .203 sqq.); Ott.45 (ff.78-82 und ~ lrg.); 172 (ff.1 -23 und Marg.) Arnes, Andreas Joannu: Berol.Phill.1507 (ff.1-50V, 59-78v, 87-204V) Ihm ist auch der Jamblich-Hyparchetypus Marc.244 zuzuweisen, aus dem M.Sicherl, Die Handschriften, Ausgaben und Übersetzungen von Iamblichos De myste- riis, Berlin 1957, Tafel VIII, eine Schriftprobe bietet. 2 Zu ihm vgl.oben S.235 sqq. 3 Vgl. F .W .Köhler, Textgeschichte von Hierokles' Kommentar zum Carmen aureum der Pythagoreer, Diss. Mainz, Münster 1965, S.69/70. 4 Zu ihm vgl.oben S.198-202 und unten Tafel 15. _ 409 - Atrapes, Manuell: Laur.60,16 (ff.27-47V); Lond.Harl. 5635 (ff.1 -38, 138-201v, 203-215V); Vat.263; Vind. Phi1.64 (teilW., z.B .ff .9v sqq.) Barbaro. Ermolao: Neap.III D 35 (319) (Marg.); Oxon. Bodl.40036 (Byw.4) (Marg.); par.Suppl.1285 (Marg.); Marc.IV .53 (Marg.) Bembaines, Emmanuel: Vallic•75 Bergikios, Angelos: NeW Haven, Coll.Ewart Marston 1; Oxon.Barocc.145 (ff.179-206aV) ? (oder Christoph Auer); Auct.F .4.5 (Misc.104) (pp.379-395) Bessarion2: Marg. und Notizen ZU zahlreichen Marcia- ni; sodann Berol.Ham.41 (Marg.); Bruxell.11270-75 (ff.99v• 101v, 103rv) ?; Esc.t •I•12 (ff.54-56); Lond.Harl.5697 (ff.109V-l10); Matr.4553 (N15) (Marg.); Ambr.A 168 s up- (Marg.f .1); Neap.IIl ES (327) (Marg.); Oxon.N .C .233 (Marg.); par.20~1 (ff.1-215V); 2042 (ff.1-62, 69-181, 183v_192, 199 sqq.); Suppl.767 ; Sinait.2124 (Marg.; teilw. Text?); Marc•202 (ff.307_308); 212 (ff.412-413 zum Teil); 216 (f.77); 508 (ff ••. - 130V) Bitzimanos• Thomas: Harv.17 (ff.39- ~ 6); Laur.72,2 7; Par.2938 (ff.189-232); Salm.M 54 (ff.1 -15v, ~2 bis 105V); Vat.1908 (ff.bis ~4); pal.370 Blastos, Nikolaos: par.1862 Buonamico, Lazzaro: Ambr.I 22~ info (teilW.) Camill~s VenetuS3, Laur.l0,21 (ff.l05-109V, 124-155V); 31,37 (Suppl.); 71,19 (ff.1 -71V); 71,31 (Restaur.); Ein Specimen dieseS Kopisten bei T.GaSparrini Le- porace _ E .Mioni, Cento codici Bessarionei. Cata- logo di Mostra Venezia 19.' tav.30 (dort fälsch- 10 ' , ~ ch Bessarion zugewiesen). 2 Schriftproben seiner Hand, die sich mitunter nur schwer von der seines librarius Theodoros (vgl.un - ten) unterscheiden läßt, sind öfters publiziert, z.B . T .Gasparrini Leporace - E.Mioni (vgl.oben Anm.l), tav.1, 13, 2811, 29, 31, 37. 3 Zu ihm vgl.oben S.29~, dazu unten Tafel 21. - Trotz gewisser unterschiede im DuktUS der hier aufgezählten Handschriften - unter diesen bilden die Laurentiani eine homOgene Gruppe - halte ich zunächst an nur einem Kopisten (camilluS V.) fest.
- 410 - 72,1 (ff.1 -59V, 65-66, 83-87, 183-262V); 72,3 (ff.4 -5v, 24-34v, 98-111V); 72,10 (ff.1-7V, 36v, 197rv, 204-205V, 211-216v, 225-237V); 72,11 (ff. 71-80V); 72,15 (SuPPl.); 72,17 (Suppl.); 72,19 (ff.60 -65); 72,26 (ff.9-25V, 34-46v, 92-93); 85,3 (Titel); 85,21 (Restaur.); 85,22 (Titel); 85,27 (ff.1 -26, 187-188); 86,3 (ff.190-204V, 226rv, 232rv); 87,10 (ff.68 -87V); 87,12 (Restaur. und Schol. zu ff.485V-593); 87,14 (f.144 Restaur.); 87,16 (ff.372-384V); 87,17 (ff.245V-256V, 337 bis 341, 358rv, 391-393); 87,18 (ff.l05-106V); 87,19 (ff.150V-152V); 87,20 (f.241); Ricc.l0 (ff.328-335); Ott.153 (ff.153-158V); 172 (ff.25 bis 150V, 159-205, 207-233V); Marc.XI .ll (ff.ll bis 31); Vind.Phil.ll (ff.1 -145V, 252-256V) Carteromachus, Scipio (Scipione Fortiguerri): Vat. 1326 (Marg.) Chalkeopulos, Athanasios ?l: Bruxell.11270-75 (ff. 104-105V); Ambr.B 96 sup.; Vat.2384 Chalkondyles, Demetrios2: Cant.Ff.5 .8 (1298) (Marg.); Laur.31,14 (Marg.); 58,20 (Marg.); 60,14 (ff.83 bis 113); 71,3 (Marg.); 72,12 (Marg.); 81,S (Marg.); 81,7 (Marg.); C.S. AF 2755 (47) (Korr.); Ricc.13 (Marg.); Havn.Fabr.60 _40 (ff.1 -30; 140 bis 164 ?); Harl.5635 (ff.248-252); Ambr.A 174 s up , (Marg.); E 40 sup.; L 117 sup.; Mon.330 (Marg.); Neap.III D 4 (288) (Marg.) ?; III D 5 (289) (Marg.)?; III D 6 (290) (Marg.)?; III E 2 (324) (Marg.); 111 E 19 (341) (fast alles); Oxon. N.C .226; Par.1851 (Marg.); 1919 (Marg.)?; Suppl. 333 (ff.79-222V); Vat.2183 (Marg.); Pal.160 (Marg.)?; 255 (Marg.); Urb.39 (Marg.); Marc.IV .8 (ff.159-295); Vind.Phil.206 Chionopulos, Johannes: Par.1852; 2372 Chrysokokkes, Georgios: Laur.60,18 (ff.1 -196); Ambr. G 86 sup.?; Taur.C I 9 (56) Der Duktus der hier genannten Manuskripte hat auch Ähnlichkeit mit dem des Demetrios Sguropulos und dem des Anonymus 30 (vgl.unten). 2 Zu ihm vgl.oben S.224 sqq., dazu unten Tafel 22. - Seine Hand läßt sich, namentlich in kurzen Margi- nalproben, nicht immer eindeutig von denjenigen des Kaisar Strategos, des Harmonios Athenaios oder des Zenobio Acciaioli unterscheiden. _ 411 - Damilas, Antonios: Laur.85,27 (ff,65-84v, 135-166V); Mut. ~ . V.8 .13 (189) (ff.57a-58); ~. Q .4 .13 (235) (ff.83 -102v, 183-253v, 259-266V) Dekanaleus, Paulos: Mon.493 Demetrios (Berol.Phill.1582)1: Vat.905 Dokeianos, Georgios: Laur.81,20 (ff.1 -32V); Vat.265 DonoS, Andreas ?: Lond.Harl.6301 ?; Neap.II E 1 (136) ?; Oxon.Barocc.70 (ff.1-182v, 191-Ende); Barocc.117; Vat.1386 ? Effimanuel aus Konstantinopel: par.2030 (ab f.37); 2056 Eparchos, Antonios: Berol.Phill.1599 (Marg.) ?; Esc.Y .III .7 (ff.1-4V) ?; Y.III .10 (ff.99 -106) Feliciano, Bernardo: oxon.gr.class.C 13 (ab f.167) Filelfo, Francesco ?: Laur.28,45 (Marg.); 60,21; 81,4 (Marg.); 81,15 (Marg.); 81,20 (Marg.); Acqu.' (Marg.); par.20," (Marg.); Ott.260 (Marg.); Urb.45 (Marg.) Gaze', Theodoros2, Laur.81,20 (ff.126-131); Perus.1 108 (ff.351-354); Ott.153 (ff.96 -152, 213-221V) Gerardos aus patras3: Laur.72,18; Lond.Add.140BO; Mut.Q.T .8 .3 (100) (ff.5 -61V); par.2024; vat.1388; 1904 (ff.230-259V); 2183; pal.148 (ff.1 -52V) Gregoropulos, Georgios"' Laur.87,ll; Lond.Harl.62957; Mut.o .U.9 .3 (5') (ff.1-66 etc.)?; 0.T.8 .5 (135) (ff.3-115V); Mon.200 (ff.1 _173)?; par.Suppl.5 .' (bis f.154V); pa1.209?; Marc.IV .51? Zu ihm vgl.oben S.266, dazu unten Tafel 13. 2 Eine Schriftprobe bei p.Franchi deI cavalieri : J.Lietzmann, specimina codicum graecorum, Berl~n 21929, Tafel 60. 3 Zwei Faksimiles seiner Hand sind - allerdings anO- nym _ publiziert von A.Severyns, Recherches sur la Chrestomathie de procloS, 111, paris 1953, pl. IX und XII. ~ Die Hand des GeorgioS GregoropUlOS ist oft nur schwer von der seines Sohnes Manuel zu unterschei- den; hier wäre zunächst subtile paläOgraphische Vorarbeit vonnöten (Stammen z.B . Subskriptionen und Text überall von derselben Hand?).
- 412 - Gregoropulos, Manuell: Berol.Phill.1508 ?; Vratisl. Hagd.l069; Harv.17 (ff.47-54); Esc.L .III.2; Laur. 85,27 (2.Hd. ab f.27); Ricc.14; Lips.24 (ff.79 _ Ende); Mut.a.P .5 .8 (118)?; Par.1861 ?; Marc.604 (ff.1 -122) ? Gremisus, Vitantonius ?: Oxon.Can.l07; Ver.1560 Harmonios Athenaios: Laur.87,27 Hermonymos (Par.Maz.7): Par.1974 (teilw.) Hermonymos, Charitonymos2: Vind.Phil.86 Hermonymos, Georgios: Darmst.2773 (Marg.); New York P.L.59; Oxon.Auct.F .4 .5 (Misc.l04) (pp.160-208, 353-370) Hieronymos (Pal.78) ?: Ambr.R 119 sup.; Mut. ~ . Q.4 .13 (235) (ff.254-258V, 267-272); Vat.1396 (ff.l0l sqq.); Pal.134 Honorios, Johannes: Neap.III D 7 (291) (Restaur.); 111 D 31 (315) (Restaur.); III E 1 (323) (Restaur.), Vat.261 (Restaur.) ? Hypsilas, Petros: Oxon.C .c .c.112; C.C .C .113 Johannes (Bruxell.11281)3: Laur.58,2 (ff.2 -45, 104 bis 144V); Matr.4549 (Nl0); 4612 (N80) (ff.61 bis 69); Vat.2173 JOhannu, Markos: Laur.60,10; Vat.2215 (Restaur. ) Kabakes, Demetrios Rhau14: Voss.Q .51; Mut. ~. T .8 .12 (144) (ff.114, 119-122 etc.); Perus.G . 715; Vat. 1378; Ott.151; 188 Vgl.oben 5.411, Anm.4 . 2 Zwei Faksimiles seiner Hand bei A.Diller, Three Greek Scribes working for Bessarion: Trivizias, Callistus, Hermonymus, in: Italia Medioevale e Umanistica 10, 1967, pl.XXVII und XXVIII. 3 Ein Specimen dieses Kopisten bei M.Wittek, Album de paleographie grecque, Gand 1967, pl.40. 4 Eine interessante, wenn auch knappe Schriftprobe bei M.Bert~la, I due primi registri di prestito della Biblioteca Apostolica Vaticana. Codici Vati- cani latini 3964, 3966, Citt~ deI Vaticano 1942, f.25 (Vat.lat.3964). 5 Die Handschrift ist dem Kabakes zugewiesen auch von A.Dreizehnter, Aristoteles' POlitik, Eingel., krit.hrsg •..• , München 1970, S.XXXI . _ 413 - I(alekas, Manuell: Par.1860 (ff.171-236V); 2032 (Korr.) Kallierges, Zacharias: Laur.87,22; par.1847; Taur.B 117 (85); Vat.1294 (ff.249 sqq.) Kallistos, Andronikos2: cant.li,5.44 (1879) (ff.85a bis 85d, Marg.)?; Erl.89 (1227); Laur.60,16 (H. 92-97); Ambr.I 56 sup.; D 78 info (Restaur.); Mut. ~ .T .9 .1 (38); ~ . U.9 .3 (54) (f,119v, Marg., Kustoden); a.T.8 .3 (100) (Marg.); ~ . P.5 .20 (109) (Korr.ff.1,16); Mon.332 (Marg.); par.1852 (Marg.):; 2069; 2086 (Restaur.)?; Supp1.541 (ff.155 sqq·, Marg.); Vat.249; 257; 2201 (Marg.); Ross.l025 Kamariotes, Matthaios3: Athous,Ib.209; Berol.Phill. 1507 (ff.350-353V); Laur.86,19 (teilw.); Mosqu. 240 (453); Par.1921 (Marg.); Taur.B VII 23 (345); Vind.Phil.213 (ff.1 -16V, 69v-80v, 107-128V); 214 Karnabaka, Petros4: Vat.1302 (ff.203 Sqq.); Ott.45 (ff.20-21, 54-76V); 76 (ff.27-66) Karneades, Petros: Mon.48 (ff.1 Sqq·); 102 (ff.200 bis 260V) Kyathos, Laurentios: Barb.139 (ff.1 -155V) Ky ... kos, Theodoros: Sinait.1677 Kykandyles, Demetrios5, Lond.Burn.1DO; Perus.F 5'; Tub.Mb 15 (1.Hd.) Matthaios Sebastos: Vind.Phil.127 Jüngere: urb.45 Lampudes, Lapus Castellunculus der 1Zu°h ~ m vgl.oben 5.117-126, dazU unten Tafel 8. 2 Specimina seiner Hand sind öfters publiziert, z.B . A.Diller (vgl.oben S.412, Anm.2), pl.XXV, XXVI, oder T.Gasparrini Leporace _ E .Mioni (vgl.oben S. . 0 9, Anm.l), tav.3 (die dortige Legende ist ent- sprechend zu ändern). 3Zu°h ~ m vgl.oben 5.247-249 dazU unten TafelS. 4 ' Ei~e Schriftprobe (nicht identifiziert) bei,G.Bal- la,ra, La storia del testO del n,pt t.· ,.p . on- μ~o."" oxnμ.t .' del retore Tiberio, in' Bolle- t:no del Comitato per la preparazione della edi- z~one ° ° 1°°N5 naz~onale dei classici grec~ e at~n ~, .' 5 11, 1963, S.33 -90, tav.V11 (oxon.Auct.F .I .6). ~ in Specimen bei J.Bick (vgl.oben 5 •• 06, Anm.')' afel XXXIV.
- 414 - Laskaris, Janos: Par.l038 (Harg.)?; 2080 (Harg.) Laskaris, Konstantinos1: Hatr.4684 (N54) (Karg.); Ambr.C 6 sup.; H 41 sup. (ff.32V-34V); Oxon.Laud. 5 (ff.1 -36, 110-161V); Par.2028 (ff.1 -70V) Lygizos, Hichae12: Laur.Acqu.65; Acqu.68; Hatr.4571 (N35) (ff.1-80V); Ambr.H 41 sup. (ff.1 -32v, 36 bis 87V, 122-157v, 166-198, 202-209); Par.2031; Casan.1386 (f.l04); Utin.VI,2; Vat.259 Kalaxos, Hanue13:Ott.302; Vind.Hed.27 Halaxos, Nikolaos ?: Par.Suppl.1090; Vat.1735 Hamunas, Harkos4: Angel.47 (f.VIIV) HanuelS, Schüler des Konstantin Laskaris: Ricc.13; Havn.1628-40; Hatr.4557 (N19); 4563 (N26) (ff.3 bis 133); 4687 (N58) (ff.86v, 87, 94-120); Ambr. A 174 sup. (ff.3 -8v, 17-99, 103-157v, 183-208v, 219-338); Neap.III D 30 (314) (ff.1 -149V); Oxon. Laud.45 (ff.36v-ll0); Ang.78 Mauromates, Johannes6: Esc.~ . I .l0 (ff.128-143); Par. 2021; Ott.45 (ff.15-19, 140-237); 172 (ff.153-157) Melanchroinos, Nikolaos: Esc.E .I .12 (ff.68 -70V) Hesobotes, Konstantinos7: Par.1891 (ff. bis 172); Ott.153 (ff.83 -95V) Zu ihm vgl.oben S.28S-290, dazu unten Tafel 3. 2 Ein Specimen seiner Hand z.B . bei M.Wittek (vgl. oben S.412, Anm.3), pl.36 . 3 Ein Faksimile seiner Hand bei P.Canart, Les manu- scrits copies par Emmanuel Provataris (1546-1570). Essai d'etude codicOlogique, in: Melanges E.Tisse- rant VI, Vatikan 1964, S.173-287, dort pl.15 . 4 Vgl. M .Vogel-V .Gardthausen (vgl.oben S.405, Anm.2), S.290. S Zu ihm vgl.oben S.272/273, dazu unten Tafel 4. _ Die beiden ersteren Matritenses zuerst identifi- ziert von J.M .Fern§ndez Pomar, La colecci6n de Uceda y los manuscritos griegos de Constantino Lascaris, in: Emerita 34, 1966, S.211 -288, dort S.240. 6 Zu ihm vgl.oben S.194 sq., dazu unten Tafel 15. 7 Ein Specimen dieses Schreibers bei M.Wittek, pl. 52 . _ 415 - Moros, Manuel: Ott.153 (ff.166-172V) Moschos, Demetrios: Harv.17 (ff.2-38); Esc.E .III .19 (ff.1 -65V); ~ . I V .1; Ambr.A 62 sup.; oxon.Auct.T . 3.21 (Misc.238) (ff.1 -50); Taur.C 111 5 (316); Marc.604 (ff.133-178V); Vind.Phil.27 Moschos, Georgios: Esc.Y .III .7 (ff.5-10) Nikodemos (Monachos) (Laur.59,11): Lips.Rep.I 44C, Oxon.Can.121 Nukios, Andronikos1: Mon.200 (ff.174-237V) Okko, Adolf: Mon.323; Tub.Mb 15 (2.Hd.) Paez de Castro, Juan2: NeW Haven, Yalens.Zisk.5 (7488) (Marg.); Ott.147; 153 (ff.75-82) Paulos (Paolo Bombasio?) ?: Harv.17 (ff.55 -173); Par.1887 (ff. bis 80v, 194-204V); 1893 (ff.135 bis 196); 1911; 1916; 1919 (ff.165 Sqq.) Petros Kretikos: oxon.Barocc.216 (ff.200-208) PlusiadenoS, Johannes' Esc.Y .III.7 (ff.53V_163V); Par.2992 poliziano, Angelo: Par.1387 (f.213V)? Pontano, Giovanni Gioviano3: Vind.Phil.75 (Marg.); 231 (Marg.); dazu die von victor-Wiesner unter "Anonymus Vindobonensis" zusammengestellten Vind.Phil.66 (Marg.); 134 (Marg.); 152 (ff.89 bis 102v und Marg.); Neap.III.D.30 (314) (ff. 150-151v und Marg.) Rhentios, Theodoros: Mon.456 Rhosos, Johannes" Laur.72,12 (f.7rv) 7; Lond.aarl. 6295 7; Mut .•• U.9•3 (5') (ff.113-119. 121 -132); Neap.III B 9 (233) (teil•. ); 000 •• N .C .227 ~; 5'- nait.1720; Vat.258 (f.156 und Marg.); 2370; 5 Marc.IV,3 M.Sicher1 (vgl.oben 5.408, 1EO ~ ne Schriftprobe bei Anm.l), Tafel IV.S .79-85, 204-208, dazU unten Ta- 3 Zu ihm vgl.oben S.279-282, dazU unten Tafel 23. 4 Zu ihm vgl.oben 5.183-187, 271-274, dazU unten Tafel 4. 5DO ~e Hand des Vat.2370 und deS Marc. als die des Rhosos identifiziert auch von A.Dreizehnter (vgl. oben 5.412, Anm.5), 5.XXXIII und XXXVI. 2 Zu ihm vgl.oben fel 16.
- 416 - Rhusotas, Emmanuell: Esc.Y .III.7 (ff.12 -53); Laur. 81,9; Voss.F .63; Neap.III E 4 (326) Rufus, Christophorus: Brix.C 11 20 ?; Ferr.II 348 Sagundinos, Nikolaos: Cant.Dd.4 .16 (191) Scholarios, Georgios2: Laur.72,12 (Marg.)?; Matr. 4684 (N54) (ff.3,5v; Marg.); Par.1417 (ff.1 -7v, 8v, 186V-188V; Schol.); 1941 (f.146rV); Vat.998?; 1339 (Marg. f.192). Serbopulos, Johannes: Par.Suppl.333 (ff.1-75V, 223 bis 244) Sguropulos, Demetrios3: Laur.28,45; Marc.604 (ff.220 bis 303) ? Skutariotes, Johannes: Laur.81,5(ff.1-69V);89,sup.77; Acqu.4 (ff.l0V-126V); C.S . AF 2739 (25); C.S . AF 2902 (23); Ricc.46 (ff.1 -5V); Matr.4809; Mon.332; Neap.III D 33 (317); Par.1850 (ff.60V-70V, 77-91); 2832; TOlet.94-12; Barb.147 (ff. bis 43V); Urb.34; Vind.SuPP1.35 Sozomeno da Pistoia: Laur.81,17; Lond.Harl.6874 Strategos, Kaisar: Esc.E .III.19 (ff.66 -237) ?; Laur. 72,24; 85,27 (ff.85-134V) Strozzi, Palla4: Laur.81,18 (ff.1 -2V); Acqu.4 (ff.l bis 10)5; Par.1851 (ff,23-75V); 1852 (Marg.); 1860 (ff.1-170V, 237-243V); 2032 (Marg.) SUliardos, Michael: Esc.n .IV .22 (ff.133-138V); Hei- delb.132 (ff.150 sqq.); Meteoron Metam.91; Mon. 287; Oxon.Auct.F .4 .5 (Misc.l04) (Pp.76-137); Vat. 1326; Ott.192; Vind.Phil.172 Zu Vergleichen ist auch die Hand des Frankiskos Vitalios (Specimen bei J.Bick (vgl.oben S.406, Anm.2), Tafel LI). 2 Eine Schriftprobe z.B . bei P.franchi deI Cavalieri - J.Lietzmann (vgl.oben S.411, Anm.2), Tafel 59. - Vgl. auch Anonymus 18. 3 Vgl.oben S.410, Anm.l . Eine SChriftprobe bei T. Gasparrini Leporace - E .Mioni (vgl.oben S.409, Anm.l), tav.28III. 4 Zum Problem der Identifizierung vgl.oben S.116, ~ n m .2 . Zu Palla Strozzi vgl.oben S.116-118. 5 So auch A.Dreizehnter (vgl.oben 5.412, Anm.5), S.XXIV. - 417 - Theodoros (Sinait.2124): Urb.l08, Marc.206 (ff.282 bis 291); Marc.220 (ff.440-540V) Toscanelli, Paolo dal pozzo1: Laur.85,22 ? Tribizias, Georgios: Par.1919 (ff.51 -123V); 2042 (ff.192-198V); Pal.255; Marc.219 (ff.4 -319v, 340 bis 354); 222 (ff.1-21V) Triboles, Demetrios: Marc.207 (ff.1-229V); 213 (ff. 6v-276); 215 (ff.1 -3SV); 219 (ff.319V-339V); 221 (ff.94-96v, 100-116v etc.) Tzangaropulos, Georgios2: Urb.39 (ff.1 -97); 44 Valla, Georgius: Mut. ~ . T .9.1 (38) (f.1V); ~ . U .9 .3 (54) (Marg.); ~ . T .9 .21 (76) (Marg.); ~ .P .5 .20 (109) (Marg.); ~ . V .7 .14 (149) (Marg.); Vat.1314 (f.2V) Zacharides, (Emmanue1?)3: Mut. ~ . V .7.14 (149); Oxon. N.C .234 7; Par.Coisl.324 (ff.22 -67) Zanetti, Bartolome04: Berol.Ham.512 (ff.233-234); Ambr.D 124 inf.; G 115 inf.; I 224 info (ff.136 bis 167); oxon.Auct.T .3.20 a,b (Misc•237) ?; Par. 1867; Vat.1902 (ff.37 sqq.); Ott.76 (ff.1 -25); Marc.XI .l1 (ff.1-8, 33-41) Anonymi 1. Librarius FlorentinusS: Laur.60,14 (ff.1 -8 ~; 72,11 (ff.1-70v, 81-288); 81,5 (ff.69v-77V); 85,3; C.S . AF 2604 (192) (ff.1rv, 146rv); Havn.Fabr.60 _ 40 (ff.50-139V); Matr.4578 (N41) (ff.54-63V); Ambr.C 4 sup.; Mut. ~ . W .2 .8 (75) (ff.186-200); Neap.III E 2 (324); Par.1851 (ff.1 -21); Vat.1890 (ab f.254); Barb.22; 215 1; Ott.153 (ff.260-274V) 1 Vgl.oben 5.224, Anm.1 . 2 Zu ihm vgl.oben S.266/267, 3 E 0~ne Schriftprobe bei M.Wittek Anm , 3), pL; 47. 4 Zu ihm vgl.oben 5.291 sqq., dazU unten Tafel 5 Zu ihm vgl.oben 5.222 sqq., dazU unten Tafel 7. dazU unten Tafel 17. (vgl.oben S.412, 20.
- 418 - 2. Anonymus KBl: Berol.Phill.1507 (ff.292 -309); Laur.71,33 (f.187 Marg.); Mon.490 (ff.319-333V); 502; Marc.215 (ff.36-185)2; Vind.Phil.213 (ff.33 bis 69v, 81-107) 3. Alexandria 87; Mosqu.6 (450); 8 (451); 239 (449) 4. a) Athen.l067; Constant.39; Par.1974 (teilw.), Barb.85; Marc.205 (teilw.); b) (Barb.85) Vind.Phil.213 (ff.17 -28V) 5. Bern.402; Par.2043 6. Bonon.3637 (ff.83-134); Lond.Harl.5697 (ff.1-56V, 65-134V); Matr.4553 (N15) (ff.1-17) 7. Cant.Add.1732 (ff.140-141); Ang.47; Vind.Phil.157 8. Crem.160; Ese.E .I .12 (ff.60-67V); Constant.19; Vat.266 (Vorsatz) 9. Dresd.DA 4 (Marg.); Laur.81,8 (f.VIv; Marg.); 87,26 (Marg.); Matr.4684 (N54) (Marg.); Mut.a .V . 8.13 (189) (Marg.); Par.1850 (ff.70V-76V; Marg.); 1865 (ff.1 -20V; Marg.) 10. Esc.E.II.7; Ambr.A 80 sup.; Par.1603; Parm.6; Vat.l002 (ff. bis 135), Vat.1305 (ff.21-207) 11. Laur.7,35 (teilw.); 59,17; Ambr.E 118 s up , (Re- staur.); Par.1874 (Restaur.); Vat.l021 (ff.ll sqq. ) 12. Laur.56,18; 60,19, 81,10; 87,19 (ff.1-150); 87723 (fast alles); Par.2042 (ff.62v-68, 181v bis 183v, 231 sqq.); Marc.215 (ff.185-208V) 13. Laur.71,12; 72,8 14. Laur.72,12 (ff.145-150 und Marg.); Magl.X 1159 15. Laur.81,153; Par.Suppl.212 (ff.1 -7V); Vat.1580 16. Laur.81,16; Mut. ~ . T.8 .3 (100) (ff.64-76)?; Par. 1856 1 Zu ihm vgl.oben 5.248-250,310, dazu unten Tafel 6. 2 H.D .Saffrey, in: Studi e Testi 233 (1964). 5 .290, hält die Hand zu Unrecht für die des Demetrios Sguropulos (vgl. auch oben S.249, Anm.l). 3 Speeimina bei D.Harlfinger, Die Überlieferungsge- schichte der Eudemischen Ethik, in: Untersuchun- gen zur Eud.Ethik, hrsg. von P.Moraux und D.Harl- finger. Berlin 1971, S.1 -50, dort Tafeln IIIa und IIIb. _ 419 - 17. Laur.81,21; Rav.210 (pp.l01-207); Urb.43; ~6 181 Laur.86 .19 (teilW.); Mut.a .T•9.13 (50) (ff.l0 sqq.); Par.1941 (ff. bis 145V); Suppl.652 (teilW.) 19. Laur.87,17 (ff.1-245v, 257-336v, 3~2 -358); voss. Q.42i Ambr.E 6 sup. (ff.226V-234V); oxon.BarocC. 87 (ff.95-351)i Auct.T .4 .23 (Misc.261) (ff.1 -12 ~); Auct.T .4 .24 (Misc.262); Par.2281 20. Magl.XXI,109 (3); XXI.ll0 (46) 21. Ricc.81 (ab f.19); Marc.IV,45 22. Leid.Periz.F .6 (ff. bis 10V), Mon.490 (ff.l, 4 bis 157v ete.); ~95 (ff.23rv• 38-39 etc.) 23. Leid.Periz.F .6 (ab f.l1); par.963; 1739 2~. Leid.Misc.16 (ff.2-10v, 18-26); Oxon.N.C .233 25. Lond.Harl.5635 (ff.38-42v etc.); Vind.Phil.64 (ff.219 sqq.) 26. Lond.Harl.5635 (ff.43-51, 52-62); Marc.212 (ff. 338v-342v, 412v, 413v-424, 498_ ~9 9V)2?; Vind. Phil.64 (ff.453-499V) 27. Lond.Roy.16 C XXV (ff.2 -61V,67); Ott.372 28. Lond.Add.6790; Ambr.C 46 sup.; Chis.32 (ff.1-27, 29-30v, 31-94V) 29. Matr.4553 (N15) bis 406V)3 30~ Ambr.B 96 sup.; (f.67); Marc.212 (ff.1 -262, 346 B 105 sup.; par.1863 (ff.58-60V) Neap.III E 19 (3~1) (ff.1rv, 10 (ff.27-112, 115-118V); Marc. 182V-209V, 210V); 31. Ambr,M 52 sup•; bis 11v etc.) Mut.a .T.8 .12 (144) 220 (teilw.) Mut.a .V .6.2 (195) (ff.1-181V, a.V .6 .5 (198) (ff.2-57V) 32. 33. in Verbindung zu bringen. vgl.oben 5.175 sqq., dazU 1 MO~t Georgios Scholarios 2 Zu dieser Hand im Mare. unten Tafel 18. 3 Eine Schriftprobe auS diesem Kodex bei T.Gaspar- rini Leporace _ E .Mioni (vgl.oben S. ~ 0 9, Anm.l), tav.29. 4 Vgl.oben 5.410, Anm.1•
- 420 - 34. Mut.a.V.6 .5 (198) (ff.l04-115); Ott.76 (ff.219 sqq.) 35. Mut. ~. V .6 .12 (210) (ff.178-267v etc.); Neap.III C 8 (266); Par.1941 (ff.147 sqq.); Salm.M 54 (ff.16-41V) 36. Mon.90; Neap.Gerol.MCF 3.16 (XVI.XVI) (ff.314 bis 515V); Casan.1386 (f.l03V)? 37. Mon.490 (ff.172-193); 495 (ff.24-37v etc.) 38. Neap.III 0 29 (313) (ff.1-20); 111 D 35 (319) (ff.1 -73) 39. Neap.III E 5 (327); Sen.H IX 9 ? 40. Neap.Gerol.MCF 2.11 (XXII.I) (ff. bis 410V); Vat.260 (Vorsatz); Marc.205 (teilw.)?; 206 (ff. 178-282) 41. Neap.~ erol.MCF 3.16 (XVI.XVI) (ff.1 -313V)?; Par. 1892 42. New Haven, Yalens.Zisk.7 (6764); 43. Oxon.Barocc.152; Par.1864 44. Par.1417 (ff.8V, 9-71V, 73-186), Casan.1325 ? 45. Par.2114; 2120 46. Vat.1481; Ott.153 (ff.43-74) 47. Vat.1733 (teilw., z.B . f .72V); 2141 (teilw., z.B . ff .308v/9) 48. Vat.1770 (ff. bis 111); 1908 (ab f.45) 49. Vat.1878 (ab f.327); 1890 (ff. bis 253V) SO. Vat.1902; Ott.200 (ff.4 -6V) 51. Vat.2170bis; 2201 (ff.51 -149V) 52. Vat.2271; Ott.172 (ff.236-249) Laur.C .S. AF 2755 (47) Tafel 1 ~ Deutsche staatsbibliothek Berlin: a2rol~ Phi11. 1507, f. 223 2a29-b34 und St);.i.r . \ 481a1-5 15.Jh.Mitte
Tafel 2 Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana: Laur.87,21 (Za), f.54v 9b14-0a6 13./14.Jh. (Palimpsest) Tafel 3 , '11 " .' .......... .. - /J I~... ' ...., ,.,. .. ~,., "'I~~' ~ ~~AW' "" ...~ I"'~"" " 'f" """1'7.~IA ', ..,J .1 ,..... ,,";'i,-'''' . " ",:,~ ., .,',l. /w;.• ....;~r,.,.;.. '1.A'...-rl':""" ..~'t"":~- ., • " ",J ,,..,, ._, ... 4- ~'A ~.Io, , ...." ~~ .... ~ .... ..",. ! ,.. ~".....--_.-#,.... ~~ ... I'~/_,,.IF~-'I" ~~~..,. ~1.;."'IIIII'..rl. ""'~Ür-,_:'1. _'_M:•. //f':--~- ~1 1-!~~" _ " ;" .J .Ij.; '_ ~'~ ,r4'f#JoI" ...-,1. ~"':;"'1. .;".y~ ... 1.',..,;+'. '( '/"'.1 .". ',,,'" ~ ,._'," '".,' I"'" 1 .~~_ '1",.'_1''''''''''' ".1J""~' ..,., ~ .".,...",_,..",""_''JeA ~ t. 1. .1.;;' • ." .1., - ~,/1M"''fI.'~JI. ";..; .IitT..,, ., -Jo·~;;"''l~I'#., .u . ..,''';~rov . '/'I' • 0/'... ' A. ,..J" , ,I ' _. ~ :_, .. ~ "~,,_,,, _"'-'1:"'- ,_. ,μ .-' _ .".0,...., .,-,0./,.... ~ .~ ._~ . ,w., .,":";'"~ i,jJ- -/1, f,..;-4· .;p.,.~ ;;...w. ,'1:' .... ,."-e.'.,,.:'1. :JJ:~'Il.t;k. ,. . c- ... ... .". . ~~.I, .. .,V1_I"·~,~';j,'7,',:;i _~ ';4. , U'1~ ,.. .., ;' f7't" .... , ..~' ~.,~,~_"" _ f,:;"t.f;. _"...: ..;.1.;; ..... ~;. ·r' ~ ..~ .' . /I' .r ' . " ,''' 1 .1" e-rrR~'" - ,., 1"'''''''' Ao'f'P, tJU ... ~ z..... ,. .. ,~· ., .., - -ir1 ,<fio',AJ,,,....(- ,." .." .,~o':"',{h'" $.~''''' ~~ ;,~, .. ;,.:l~" _ .. .~.A _ .,..t--'" ~ ,~, ~/,..,/~ 1,,..,,.4,, . -;,,;;,,, ~ ~,../ • ..., .: ./... ... -.;.. .;_'" ~. ,.. • '.<I"r '"" . . I. . ... . ' ~ )' ] .. -" ':~"" ,_J,">'f/-""'_'''- -:- "." .,.,~ • .,p..."""" », lrh~, ..,r- J • 1r: ,t... 1 ~ f »r: ,_ • ''''~~''''' 'T"/("/~oI~, I~/I# . ,/1.H#I..u ,..,- . -~ "'/1...r'/"""",,,",,, A 4>"':';;"1.,ICA",,~r __ ~/''':"'~~''' ,,~1. ~,;~_ •• N'~'~"- -rt_flH1j- .. , , ~ "~,,,,,,.I'#,.t.s.-;" ,. i,"';,''1"~'" _ ~ -:-A~''1'' - .I" p'•~ I ,. .. I, ~.~ _"." ~ .,1} 1",~ ..tJWA" ." .~ • • . .J7.r"rr~' ~~·7oA1"·-·""'-""~ ,Ai-,..". .{J...;."1, ......;.• ., .... /.#.-.. 'f'_'~/':'" . .:./••:;.:.; ,~ ,;'.H ~ ~ . - l" .... ~h~,.v~/--;. ..I:f"· ~:~"- .;:.~~! :~ ._. ,5; ~,: .,."., .. . r;~:J,/I _~ ,.Jo ~ _,I-;';- ';":'n... ,1 -1;~ .; ~4~ ~ .1m.'./ ~ ~~.;~~ .'; 'J~ ~ . .. ~, ,:;'''#17tJ1''''''U~ '" 1" ' • ":' • 'n ,. .' ~ ... .. 11. ".. ~ ,.I#oJIJ__ "_11o~· ~_ .R'_M~"_-4--"''''''r vr..; ./'.,'/ #01'- .1 ~ ~;.r,.· l-:- .J#,~/~ . . .,~.'/',.,,..,,,I- -;;..:.:: n- ~Io,.i _ jt..,1" •• ".." ...hI. rl-I;'''; ,-:.:...,.. :~;Lμ' ~ ~ _ . . ..", ~. ll ~fJ .~. -'t/,rlJ1.' :...,."..μ,;1. z-..-.,. ... _.,...t,,,..' .. "1 '''' __ ..L' _ ... ~ J >I;.L"'A' "_. ,~ ,,__ ,. ;<~.- ~., ,_ . .. ,~.,or"r·" ,~,. "' .J'~' ""',..r...,...· . ":' ,r' -:0 , "". f- _ • , •1 - .. .,,,,.., .. ._.",..,_~,_ liw~".-~_",,~'I"""'" A4_/ ~ , • __ ,_ . I,' .,"' •• AI" • , 1 ,vn .. ,, . "rr.-~ • .",o.,,;.,J.~h .. .".,-/- _"Ji~1 .. . .",...,., -~ , ., /'7' JI'''' .. , . . ~ 111' ,... _ ,..... ....... '"" .. ~A-,..~,~ f~ __ '~'!.u,.' _,.., .. _,IJ ~, , j;..'Iμ', 1.(-,. .t4~,M ... ... ;""!,u.,...". _~'..S ..4' ~"...,:,;r,... ~).; .. • • , , ' r L' .~ r'.·" , ~ , ,,~,..., _ "':'''' ~_~,.,. ~ 4C4' c;:;'/'\ ' 1""_'''''''''-''''''_ l_', .," " ,. , ., • 1 1 1 P ,_ ... ,~. __ /~ ....'1t--/4,,._ ']., .. .., -,. _ ~./~/'_ - ,,",,.f?"'~ J.n ,,~'/1~.,..,.~ K.J .''f''r-' r_,.I~"_'_ . .,.';-, .1-':;' .. ;".t&04~ .;;.~ -- /S. r Biblioteca Naciona1:. Mat{~.563~) 8a1-9a3 1470 KOPl.st: '~n~ ~, . sn~' Laskarl.S ~ Madrid, f.284 st an tin
Tafel 4 .' Mailand, Biblioteca Ambrosiana: Ambr. A 174 sup., f. 99 Phys• 267b14-26 und Bal-lB um 1470 Kopisten: Manuel, Schüler d.Konstantin Laskaris (oben); Johannes Rhosos (unten) Tafel 5
Tafel 6 München, Bayerische Staatsbibliothek: Mon.S02, f.l09v 8aS-9a4 lS.Jh .Mitte Kopist: Anonymus KB Tafe17
Tafel 8 ~. 1 Paris, Bibliotheque Nationale: Par.1860 (1), f.233v 8a1-b14 zwischen 1401 und 1403 Kopist: Manuel Kalekas Tafel 9
Tafel 11 Tafel 10 Biblioteca Apostolica Vaticana: Vat.253 (L), f.244 Ob4-31 14.Jh .l .Hälfte
Tafel 13 Tafel 12 Biblioteca Apostolica Vaticana: Vat.266 (V), f.8 Col.799b2-20 und 8al-l0 14.Jh .l .Viertel ') Apostolica Vaticana: vat.~O ~ um 1430 Kopist: De,l'Ietri~r "J1\\;I Biblioteca f.30 8a1-24
Tafel 15 Tafel 14 Biblioteca (P), f.280 Joasaph Apostolica Vaticana: Ob28-1a29 14.Jh. Vat.1339 Kopist
Tafel Biblioteca Apostolica f.81v 2a30-b17 um Paez de Castro Vaticana: Ott.153, 1545 Kopist: Juan , . • Tafel 17 ") BiblioteCa Apostolica (Wa), f.65v 8a1-b20 GeorgioS Tzangaropulos Vaticana: um 1464
Tafel 18 li·o 1.00 0 Venedig, Biblioteca (Ga), f.499 ginalien zum Teil von Marciana: Ob22-2a21 Marc.212 um 1440 Bessarion Mar- i Tafel 19 . /,,~ VenedLg, Bibliote c a MarcianO' MardJ14 C\ (Hal, <.20iv 9ai9-0aB 13./i4.J .l:,. ~I
Tafel 21 Tafel 20 Venedig, Biblioteea Mareiana: Mare.Xl.ll, f.2 8b16-9al0 kurz naeh 1550 Kopist: Bartolomeo Zanetti
Tafel 23 Tafel 22 Wien, Ös.terreiChische Nationalbibliothek: Vind.Phil.206, f.45 8b17-9a14 15.Jh. 3.Viertel Kopist: Demetrios Chalkondyles Wien, österreichische Nationalbibliothek: Vind.Phil.231, f.189v lal0-21 1~ Kopist: Emmanuel ,0",60n"0< (?) It» Adnotator: Giovanni Gioviano pontt"'o .-;' ~ ~.J ~,~ 'I~ .. . .iI~I'
Tafel 25 " _.... Deutsche staatsbibliothek Ber1in: BE·~ ~ , Ham.5' •• f .•• 5v GeorgloS pachymer •• J Mech. _Paraphrase um .300 Autograpn n'~ Tafel 24 , e'- Paris, Bibliotheque Nationale: Par.1930, f.236v Georgios Pachymeres, Mech. -Pa- raphrase um 1300 Autographon
Tafel 26 Deutsche Staatsbibliothek Ham.512, f.220v Georgios Lin. -Paraphrase um 1300 Berlin: Berol. Pachymeres, Autographon _ ~21 - LITERATURVERZEICHNI5 1. Aristotelisches Apelt00edA0 0 0 • ." . ",,,oU 1" quao ferun,ur .e ,1On'''' .~ m:rabilibn. an.cnl,a,ionibn••• echanic,. '0 l~ne~S insecabilibUS, Ventorum sitUS et nomina, De Melisso Xenophane Gorgia, Lipsiae 1888. ',e1'. 0.' 'ie Wider ••oher der .a,hema,i' i. 'l,or- ,u~. in' 0 ••,.1" ,.i,r.go ,nr Ge,chich'o der Ph~losophie, Leipzig 1891, 5.253-286. 'e"er, 1.' Ari.'eteH' 0,." ex ,,0. 1. ,."ori ed. Academia R.Borussica, Berlin 1831 (21960). ,orgne'. '.' ed. 'lber,n' •• ~u'· o,er' omnia• vol. 111, PariS 1890. Oiol" '.' Znr 'e"ge,ohioh,e der .ri.,o,oli.oh.n 'hy.i'. in •• bh.ndl.d.,gl ••,.d .mie dor Wi,.on- . ch.f,en. 'hil.- hi., .<l. "", ,.1 -"" ,.r1in 1882. Fnhrm.nn• '.' un,er.nohnnoen ,or ,e"O •• ohioh,e d.r ,.endo_ . ri.,o,eli.ohen .1e,ander-RhO,orik (dor "XV, de' .n .,i.one. von L.m,'·'o.)•• io.b•den 1965 (, .k.d .Wi••. o .Li' •• ,ain" . bh.ndl.d .Gei- steS- u.50zialwiSS.Kl., Jg.196~, Nr.7) . ••ydno' ••• ' DO .ri.,o,eli' qoi for,nr "pt 'r'μ·v yp'μμ'v libo110• io' Jahrbdohor für ol.,·i,obo 'hil010,iO (Fl0Ckei,en). ,O.JO" ,,7" (0 '00' J.hrbdoher für 'hil0100io ond ,.0d.ooOik 109). 5.161-171. 'e'" W.'" .ri.,o'le •• inor Work' •• i,b .n tn,li,h ,r.n,l.,ion• London 1936 ('he Loeb Cl•••• Libr.) . • ir,oh ••• , Der "endo_. ri"o,eli.OhO ,r.k'" De li- noi' in.eo .bilibo" Di., •• eidelboro 1953 ( •••ohi- nenschrift) . Jo.ohi•• ,., .' De linei' in.eo.bilibn" in' 'hO Work' of .ri.,o"e• ,r.n., .in'o t.011•h undor ,hO tdi,or.hi, of J ••• ,ml,h •• d W.D.'O'" O,ford 190' und in Bd.V!: opuscula, Oxford 1913. Laoo•bo• G. nnd .i.io_, .10el10. L .' .ri.,o,.l .' L'- ,inu" Codlo'" ,ar' ,r10r 1939• ,ar' ,o.,orio, 1955. supplementa altera 1961.
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- 424 - Sabbadini, R.: Le scoperte dei codici latini e greci ne' secoli XIV e XV, Firenze 1905. Sicherl, M.: Die Handschriften, Ausgaben und Über- setzungen von Iamblichos De mysteriis. Eine kri- tisch-historische Studie, Berlin 1957 (= Texte u. Unters.z .Gesch.d.altchristl.Lit.62). Turyn, A.: Codices Graeci Vaticani saeculis XIIlet XIV scripti annorumque notis instructi, Citt~ del Vaticano 1964 (= Codices e Vaticanis selecti quam simillime expressi ." vol.28). Vogel, M. - Gardthausen, V.: Die griechischen Schrei- ber des Mittelalters und der Renaissance, Leipzig 1909 (Zentralblatt für Bibliothekswesen, Beiheft 33) INDICES 1. Index Aristotelicus An.: De anima Anal. Post. = Analytica posteriora Anal. Pr. : Analytica priora cael. = De caelo Cat. = categoriae Col.= De coloribus Div.somn .= De divinatione per somnium EE = Ethica Eudemia EN = Ethica Nicomachea Gener. An. = De genel'atione animalium Gener.corr. = ne generatione et ""o,'ion. . ""An,~ .i"ori •• nim.'ium Inn,An,~ D. in- cesSU animalium Insomn.= De insomniis Int.= De interpre- ~"i,n. Juv,' De iov.n'u'•• ' ,.n.n,u,e Lin,' De ,in.i, lnsecabilibus Long.= De longitudine et brevitate vitae Mech.= Mechanica Mem. = De memoria et reminiscentia M~,.,h,' •• ,.,hy,'n. . e'.'~ •• ,eoro,ogin' Mir,~ .ir•• i- llum auscultationes MM = Magna moralia Mot.An. = De motu ,~'m"iom .u,~ De mundo . xG ~ De •• 1i,'0 Xeno,haneGor- gla Oec.= Oeconomica part.An.= De partibUs animalium Phgn," Phy,iognomom'n. Phy'" phy,in. Plan"~ D . ,l.n'" Poet.= Poetica pol. = Politica probl.= problemata Re- "i,,~ D. re,pir.'ione Rhe"~ Rhe,orin. Rh."Al,· Rh.'o- "~no .d Alex.ndrum s.n"" D. , .n'u ., , .n,i.ili.o, Sign, ",D. ,igni, somo,Vig,'D. ,omno .' vigili' SE ~ Sophi,ri- ".'enchi spir,~ De ,p'ri'o ToP'" Top,na Ven"~ D . v.n'o,um,i'u ., nomini•o' v'r"~ De v,r,ori.o, e' v"i,e a) Stellen Phys.209a33: 329; 226b22: 329; 231b2: 327 A~.4 11b 5 sqq.: 98,1 Mlr.832b20/21: 210,4; 846a32: 208; 847b9/10: 210,4 Lin. nur textkritiSCh oder sonst relevante Stellen; vgl.darüber hinaus die Va- riantenlisten der Stammvä- ter: 104-108, 127-131, 140-141 8a3/4: 323f.; 8a3-5: 321. 323f.; 8a5: 323f.; 8a7: 179; 8a8: 399; 8al0 Sqq·: 9,2; 8al1: 367.369; 8a14: 322; Ba18: 322; 8a24: 398; 8b5: 398; 8bl1: 122.342.343; 8b13 /14: 326; Bb14: 400; Bb19: 344.344,2; 8b21: 179,1.343; Bb26: 144f.399; 9a4: 322; 9a5: 398; 9a8: 344,3; 9a15: 398.399; 9a19: 398; 9a23: 398; 9a24: 326.399; 9a25/6: 39B; 9a27: 343; 9a28: 384,1; 9a29: 39B; 9a32: 326.399; 9bl1: 39B; 9bl1/2: 39B; 9b15: 400; 9b18: 400; 9b19: 145.342; 9b22: 400; 9b27: 322; 9b32: 138; Oa3: 399; Oa4: 399; Oa5: 399; oa7: 326; oal0: 399; oa12: 13B.343.371; oa23: 342; oa24: 322.343; oa25: 342; Oa32: 400; Ob3/4: 122; Obl1: 322; Ob12: 343; Ob15: 322; Ob19: 399; Ob25: 322; Ob26: 326; Ob27: 322; la6: 322; lal0: 327; lal0-12: 335; la12: 322; 1a14: 327; la26: 327; la27: 400; la28: 327; lb4-12: 327-330; lb12/3: 330; lb13: 399; lb20: 343; 1b21: 399; lb24: 330; 1b27: 330; lb31: 330; 2al/2: 144; 2a8: 398; 2a8/9: 112,2.398; 2a15: 330f.; 2a17: 331; 2a20: 331; 2a22: 326.331. 400; 2a22/3: 331; 2a23: 331; 2a26: 342; 2a28: 400; 2a30: 342; 2b8/9: 343; 2bl1: 344; 2b14:
343; 2b21-25: 307f.; 2b23: 399; 2b25: 343; 2b29: 343 Philoponos,Johannes In Phys.p.465,5 sqq.: 97. 99 In Gener.Corr.p.34,3: 96; p.164,10 sqq.: 97 Psellos,Hichael In Phys.I3,187a3 sqq.: 98; III6,206a9 sqq.: 99 Simplikios In Phys.p .492,3 sqq.: 97 In Cael.p .566,25-26: 96 Sophonias In An.p.1 -3: 347,2; p.79, 36-82,35: 347,4 Themistios In Cael.p .148,39-149,2: 96 b) Überlieferung/Handschriften a) fo!y~s_A ~i~t~t~llc~m allgemein: 12.13 .38 Ausgabe d.Andronikos: 36 mittelalt.Gesamtausgaben: 55-58.262 in d.Renaissance: 63ff. Schicksal: 36 Standorte: 40 süditalienische Hss.: 60-62. 148f. syrische Provenienz: 47 Textgestalt: 37 vetustissimi: 48ff. im Westen: 60ff. Zahl: 40 einzelne Schriften: Organon: 49.50.52f.56.59,1. 67.117.147.289 Cat.: 37.48.147.246,4 Int.: 37.47.147 Anal.Pr.: 246,4 SE: 40.118.150 Physikal.Schriften: 48.50f . 55f. Phys.: 39,1.51 .56.59,1.63 .65. 115.125f .188.236-239 .246,4 Cael.: 30.39,l.51 .115.125f. 165.168.174 .188.237-239. 246,4 Gener.Corr.: 29.30 .39,1.51. 126.174.188 Hete.: 29.30.39,1.51.126 .135. 174.180.189 .236-239.246,4 Hu.: 30.62f.147.188.i91.276f. 282-284.288 - 426 - - lat.Übers.: 155.277,1 An.: 55.65.125f.163f.175f . 189.190 .217.219 .230-234. 237ff.246,5.288 .395,l Parva naturalia: 29.55f.110 . 125f.135,5.146.151 .164. 188.189 .190f .273,2.288. 341f.354 Div.Somn.: 65 Long.: 51.241 Juv.: 241 Spir.: 51,2.188.246,5.276 . 284f.341 Biolog.-z oolog.Schriften: 49 Tierschriften: 51.55.83 Hist.An.: 30.48.51,2.54.65. 174.175f.189 .241.259-261 . 288 Part.An.: 30.51,2.65.147 .189. 190.241 .246,5.259-261 Hot.An.: 174,3.187 .191 Inc.An.: 30.51,2.174,3.187. 189.190 .240,2.241.246,6 Gener.An.: 51,2.174,3.187 . 191.246,5 Col.: 12.29.46,l.62f .77 .110. 125f.135,5.164.187 .191. 256.260f.273,2.288.316. 341f.347,4.354f. Phgn.:27f. 49. 51,3.54. 62f .188. 191.246,6.276 .282-284 Plant.: 29.188.237ff. Mir.: 12.62f .65 .74.83.95.188 . 191.196f .205f .207-211.276. 282-284.388 Mech.: 12.30 .54 .65 .74,1.77 . 83.164.188 .191.205f .228,l. 260f.268 .276.282 -284.288 . 341.350.354f.357,l kastil.Übers.: 83,2 Probl.: 27,l.50 .59,1.62f .83 . 190.285 Vent.: 27f.49.51,3.54 .188. 191.246,6.282 -284 Sign.: 27f.49.51,3.62f.188 . 191.282-284 MXG: 95.188.191 .276.279 .284f . Hetaph.: 29.39,l.48 .49 .55f. 59,1.65.66.188.246,5 Ethische Schriften: 83 EN: 30.49 .51 .55f.65.67.72. 174.187.191 .246,4 HH: 49.51 .55f.62f .65 .72 .189. 190 EE: 27.54 .62 .65 .72 .74,1.290. 391,1 Virt.: 47.49.147 .246,5.407,3. - transl.d.Grosseteste: 154 - 427 - Pol.: 54.55f.65.67.72.147,2. 224,2 54.55f.62.65.67.72. oec.: 224,2 Rhet.: 49.51,3.59,1.63.65.72. 74.147.189.229,2.290.311 Rhet.Al.: 27.54 .65 .72 .189. 318 Poet.: 51,3.53f.72.190 .226. 318.407,3 ß) !o~m~n.!.a~0.Ee!l_ _ allgemein: 66.71 .76 Alexander von Aphrodisias In Parva naturalia: 223,1 Ammonios: 147 Aspasios In EN: 156 Damaskios In Cael.: 194.197 Eustratios In EN: 156 Kalekas ,Manuel In Phys.: 118.125,2 Mete.-Scholien: 197.200 Michael von Ephesos In Parva naturalia: 223,1 In Hist.An.: 99 In EN: 156 Olympiodor In Mete.: 200 Pachymeres,Georgios s.Index 3a Photios In Cat.: 147 Simplikios In Phys.: 118,2 In Cael.: 273 Themistios In An.: 219.225 c) Sonstiges Akademie,Aristotelische von Trient, s.Index 4 Aldina: 73f.75,l.81.B2.1B4. 204.205f.209.210,3.346.3BO Aristoteles Beliebtheit in byz.Zeit: 41f .52f . __ bestimmter Schriften (_gruppen): 52f.60,1.117f . Kommentatoren: 37.42-46.99 s.auch Index 3a: Pachyme- reS und Index lbß nichtkommentierte Schrif- ten: 54f. _ nicht ins Lateinische über- setzte Schriften: 55 Übersetzer: 60 s.auch Index 3a:(Albertus Hagnus) Grosseteste,Rota Übersetzungen _ mittelalterl.verschie- densprachig: 37f. Renaissance - : 73 Vorlesung in Renaissance: 66 Aristoteles-Archiv: 5.6.100 . 356,3.405,1.407,~ 'Aristoteles Graecus': 5.6 . 29,1.30,1.33 .57,3.99,3.101. 110,5.125,3.147,1.165,4. 166,2.174,4.175,1.193,2. 224,1.239,1.245,2.250,3. 251.252,2.266,1.295,2. 310,1.379 .407,2 'Aristoteles Latinus': 362. 363,1 Aristotelismus: 42.46 'commentaria in Aristotelem Graeca': 43,1.45,1.356,3 Didotiana: BB,2.374f. Erasmiana: 73.3BOf. Lin. _ Autorschaft: 96f. _ Bedeutung: 9 inhaltl.Gliederung in Ga: lBl _ Textzustand: 10.401f . ptolemaios,schriftenVerzeich- nis: 97
- 428 - 2. Index codicum Lin.- deperditi Archetypus w: 320ff.339 -344 . 393f.401 : 333-336 .339 . .: 320ff. Vorlage von i (a): 112-116 . 333f.337 ß: 127-131 .263 .319ff.393.396 y: 130-131 .140 -141 .145f .319ff. 341.351 .393 .395f .399f. 6: 141-146 .156f .397 c: 141-146 .260 .263 .324,1.341 . 351f.395 .397 .399 griech.Vorlage d.Grosseteste: 153-157 .341 .350 Vorlage von za: 149-151 .156f . n: 144.157 -165 .302.352_357. 397.399 ~: 144.157f .247 .259 .311 _315 . 397 ~ Berol.Ham.41: 43,5.409; Ham. 512: 345,4.357-360 .417 und Tafeln 25.26 Berol.Phillippici: 291; Phill.1417: 291,2; 1426: 293; 1443: 293; 1507: 23.101 .247 -250 .255 _258 . 261,l.314f .394 .408 .413 . 418 und Tafel 1; 1508: 412; 1513: 293; 1518: 293,4; 1552: 293; 1554: 291,2; 1582: 175,1.266 . 411; 1599: 411; 1610: 291,2; 1630: 291,2; 1639: 291,2 Bern Bern.402: 210.418 t: 262-266.268.311-315 .318,1. 376 Bologna p: 299-309 .311 -316 .318,1.364. 376-378 Bonon.3635: 109; 3637: 418 Vorlage von Vind.Phil.206 und Qa: 214-217 .302 Vorlage von ua und Ott.153: 192.207 .208 .302 Vorlage von Ambr.A 174 sup. nd Vind.Phil.231: 271. 282-285 .378f . Vorlage von Na: 311-317 Druckvorlage des Henricus Stephanus: 387f. Alexandria Alex.23: 345,2; 87: 56.418 ~,Nationalbibliothek Athen.1067: 418; Palimpsest 55: 147f. Athos Atnous Batop.778: 74,3; Ib. 209: 249.413 Basel Basil.F .I .8b: 199; f.II.1a: 200,2; O.III .6: 74 Brescia Brix.A IV 3: 60,1.167,3; CII20:416 Breslau Vratisl.Magd.1069: 412 Brüssel Bruxell.11270 -75: 409.410; 11281: 412; 114944: 60,1 Bukarest Buc.59: 74,3 Cambridge Cant.Dd.4 .16 (191): 416; ff.5 .8 (1298): 229,2.410; IL5.44: 60,1.62 .413; Add.1732: 133.418 Cambridge (Ma~~ . ) Harv.17: 409.412 .415 (2mal) _ 429 - Cremona Crem.160: 418 Damaskus Int. _ Palimpsest: 47.147 Darmstadt Darmst.2773: 412 Dresden Dresd.DA 4: 418 ~ Dubl.C .l .l0: 167,3 Erlangen Erl.89 (1227): 413 Escorial Esc.E.I .12: 414.418; E.I .13: 248; E.II .7: 418; E.III.2: 412; E.III.19: 415.416; T.ll.1: 198,1; T.II .21: 408; t.l.S: 196; t.l.10: 196.198,1.408 .414 t.I .1S: 198,1; y.I .l0: 198,1; y.III .7: 411.415 (2mal).416; y.III.l0: 408. 411; y.I.l0: 198,1; y.I.12: 198,1; y.I.14: 196.198,1; X.I.4: 198,1; ~ .I .6: 196.198,1; ~ . I.9: 196.198,1; f.I .l0: 196. 198,1; f.II .2: 196; ~ . I V.l: 415; 0.1 .11: 198, 1; 0.IV .22: 416 Esc.EditiO 25.111 .11: 198,1; 68.V•12: 83.204 .207 -209; 69.V1•2: 198,1 ~ ferr.11 .348: 74,3.416 ~ Laur.5,10: 149,1; 7,35: 418; 10,21: 409; 28,45: 411. 416; 31,14: 410; 31,37: 409; 55,9: 273; 56,18: 418; 58,2: 60,1.412; 58,20: 410; 59,11: 415; 59,17: 418; 60,10: 412; 60,14: 222.226.410 .417; 60,16: 409.413; 60,18: 65.290 ~10;69,19 :210f418; 60,21: 411; 69,15: 248; 71,3: 410; 71,11: 60,1; 71,12: 418; 71,19: 409; 71,31: 409; 71,33: 418; 71,35: 60,1: 72,1: 410; 72,2: 409; 72,3: 60,1. 147f.410; 72,8: 418; 72,10: 410; 72,11: 410. 417; 72,12: 410.415 .416 • 418; 72,14: 60,l.147f .; 72,15: 410; 72,16: 60,1; 72,17: 410; 72,18: 411; 72,19: 60,1.410; 72,22: 60,1; 72,24: 416; 72,26: 410; 81,4: 411; 81,S: 410.416.417; 81,7: 410; 81,8: 418; 81,9: 416; 81,10: 418; 81,11: 49; 81,15: 27.65 .411 .418; 81,16: 408.418; 81,17: 416; 81,18: 416; 81,20: 65.290 .408 .411 (2mal); 81,21: 419; 85,3: 223. 410.417; 85,21: 410; 85,22: 224,1.410 .417; 85,27: 410.411.412 .416; 86,3: 210.410; 86,19: 249.413 .419; 87,10: 410; 87,11: 411; 87,12: 410; 87,14: 410; 87,16: 410; 87,17: 410.419; 87,18: 410; 87,19: 410.418; 87,20: 51,1.410; 87,21 (Za): 10,3.23.25,3.60,1. 89.91 .95 .100 .101 .146 -152 . 153.156 .341 .350 .394ff .400 und Tafel 2; 87,22: 234. 413; 87,23: 418; 87,26: 418; 87,27: 412; 89, sup. 77: 416 Acqu.4: 416 (2mal); 65: 414; 68: 414; C.S .Af 2604 (192): 223. 417; 2739 (25): 416; 2755 (47): 410.420; 2902 (23): 416 Maglo II X 59 (10): 147.418; XXI.l09 (3): 419; XXI.l10 (46): 419 Ricc.l0: 410; 13: 273,3.410 . 414; 14: 412; 16: 74,3; 46: 53.416; 81: 419
Harb.I,l,40,2: 74 Heidelberg Heidelb.132: 416 Istanbul Constant.19: 418; 39: 418 Hieros.S.Sep.150: 56 openhagen Bavn.1628 -40: 414; Fabr.60-40: 210f.410.417; 88-80: 194,3 Leiden Leid.Periz.F 6: 167,3.419 (2mal) Voss.F 63: 416; Q 25: Q 42: 419; Q 51: 412; Hise.16: 419 Sea1.26: 43,5 Leipzig Stadtbibliothek Lips.Rep.I 44 e: 415; I68a:408 Universitätsbibliothek Lips.24: 75.408 .412 Lesbos Lesb.Leim.58: 60,1 London Lond.Burn.64: 74,3; 100: 413 Harl.5635: 188,2.409.410 . 419 (2mal); 5697: 409.418 . 6295: 411.415; 6301: 411; 6874: 416; Roy.16 CXXV: 419 Add.6790: 419; 14080: 411 Lond.Lamb.Pal.1204: 210 Madrid Matr.4549 (Nl0): 412; 4553 (H15): 409.418 .419; 4557 - 430 - (N19): 414; 4563 (N26): 101.262.269 .273,1.285-288 . 315.414 und Tafel 3; 4571 (N35): 414; 4578 (N41): 224,2.417; 4627 (N65): 290; 4630 (N109): 273,1.288; 4636 (N115): 288,3: 4676 (N9): 272,1. 273,1; 4684 (N54): 289f. 414.416 .418; 4687 (N58): 290.414; 4612 (N80): 412; 4689 (N56): 273,1; 4692 (N62): 273,1; 4715 (037): 293,2.294,2; 4809: 416 Mailand --- 210; Ambr.A 62 sup.: 415; A 80 sup,. : 418; A 110 sup.: 60,1; A 160 sup.: 408; A168sup,.:409;A174 sup.: 25,1.101 .209 .262 . 269-274 .282.285 .378f .410. 414 und Tafel 4; B 95 sup.: 109; B 96 sup.: 410.419; B105sup,:419; C4sup.: 210f.417; C 6 sup.: 414; C46sup.:419; C97sup,: 60,1; D 47 sup.: 60,1; D48sup.:60,l; E6sup.: 419; E 26 sup.: 60,1; E 40 sup.: 72.410; E 118 sup.: 418; G 86 sup.: 410; I 56 sup.: 413; L 76 sup.: 27; L 93 sup.: 37.49; L 117 sup.: 410; M 41 sup.: 408.414 (2mal); M 52 sup.: 419; 0 52 sup.: 226; P 34 sup.: 75; R 119 sup.: 412; C 233- 234 inf: 43,S; D 78 inf.: 413; D 124 inf.: 101.291. 294-300.378 .417; D 4742 inf.: 43,5.294,2; G 115 int.: 417; I 224 inf.: 409.417 Meteoron,Metam.91: 416 Modena Mut.a .P .5.8 (118): 412; a.P . 5.20 (109): 413.417; a.Q . 4.13 (235): 411.412; a.T . 8.3 (100): 411.413 .418; 3.T .8.5 (135): 411; _ 431 - n.T .8.12 (144): 412.419; n.T .9 .1 (38): 413.417; n.T .9 .13 (50): 419; n.T.9 .21 (76): 102.346. 417; a.U.9.3 (54): 411. 413.415.417; a.V•6•2 (195): 419; a.V .6.5 (19B): 408.419.420; a.V .6 •12 (210): 408.420; a.V.7 •5 (176): 40B; a.V•7.14 (149): 417 (2mal); a.V .B . 13 (189): 411.418; a.W .2. 8 (75): 417 Mosquenses _ Datierung: 251,1 Provenienz: 57 Mosqu.6 (450): 56.41B; 7 (448): 56,2; 8 (451): 56.41B; 239 (449): 56. 418; 240 (453): 101. 162,3.247-250 .255-257 . 261,1.394.413 und Tafel 5; 394 (231): 47.49 München Mon.48: 413; 81: 296f.298; 90: 420; 102: 296,1.413; 151: 223; 176: 60,1; 200: 411.415; 287: 416; 289: 147.408; 321: 275; 323: 415; 330: 410; 332: 413.416; 456: 415; 490: 249.418 .419.420; 493: 411; 495: 419.420; 502: 30.101 .247_250 .255f .418 und Tafel 6; 545: 109; 604: 345,2 Neapel Neap.ll E 1 (136): 411; 111 B 9 (233): 415; 111 C 8 (266): 420; III D 4 (288): 410; 111 D 5 (289): 410; III D 6 (290): 410; 111 D 7 (291): 412; 111 D 29 (313): 420; 111 D 30 (314): 414.415; 111 D 31 (315): 412; 111 D 33 (317): 416; 111 D 35 (319): 409.420; 111 E 1 (323): 109.412. 111 E 2 (324): 410.417 ~ 111 E 4 (326): 416; 111 E 5 (327): 409.420; 111 E 19 (341): 410.419 Gerol.MCr 2.11 (XXII.I): 420; HCr 3.16 (XVI.XVI): 408. 420 (2mal) Coll.Ewart Harston 1: 409 Yalens.Zisk.4 (Phill.7717): 60,1; 5 (748B): 77.83• 205.415; 7 (6764): 420; 8 (6445): 60,1 NeW Yo~ P.L .59: 412 ~ oxon.Baroee.70: 411; 87: 419; 117: 411; 145: 409; 152: 420; 216: 415 can.107: 412; 121: 415 Laud.45: 414 (2mal) gr.elass.c 13: 411 Auet.r .I .6: 199,1.413; F.4.5 (Mise.104): 409.412; 416; F.4 .6 (Hise.l05): 74,3; T.3 .21 (Mise•238): 408.415; T.3.20a,b (Mise. 237): 417; T.4.23 (Mise. 261): 419; T.4.24 (Mise. 262): 419 Bodl.40036 (BYW.4): 167,3. 409 oxon.C.C .C .108: 49.51,2.154,2; 112: 412; 113: 412 oxon.M .C•15: 60,1 oxon.N .C.226: 410; 227: 415; 233: 409.419; 234: 417 par.963: 419; 1038: 414; 1186: 168; 1387: 415; 1417: 416.420; 1603: 418; 1739: 419; 1741: 27.49 • 51,3.53 .54 .283; 1776:109; 1818: 408 (2mal); 1847: 413; 1848: 408; 1850: 416.418; 1851: 29.92 .101. 117f.213 _215.217 -228.230 - 234.302 .410.416 .417 und Tafel 7; 1852: 410.413 • 416; 1853: 39,1.49.51 . 170; 1856: 41B; 1858:408;
Parm.6: 418 Patmos,Patm.413: 60,1.167,3 - 432 - Perugia Perus.F 54: 413 G 71: 412; I 108: 411 Ravenna Rav.210: 189,5.190.419; 381: 74,3 Angel.42: 99; 47: 414.418; 78: 414 Casan.1325: 420; 1386: 414. 420 Vallie.75: 409 Salamanca Salm.2747: 60,1; 420 M 54: 409. Sen.H IX 9: 420 Sinait.1677: 413; 1720: 2124: 176,1.409.417 Toledo 415; Tolet.94-12: 416 Tübingen Tub.Mb 15: 413.415 Taur.B I B VII (56): 415 17 (85): 413; 23: 249.413; 410; C!II 5 CI9 (316): Vatikan Vat.72: 408; 92: 133; 238: 60,1; 241: 99; 249: 413; 252: 408; 253 (L): 89-92. 94.101.133.159-166 .273,2. 353-35S.357.394f.400 und _ 433 - 415 (2mal).417.420 und Ta- fel16; 172: 77.84,1.316. 408.410.414.420; 178: 60,1; 188: 412; 192: 416; 200: 420; 302: 414; 335: 60,1; 372: 419; 446: 201 pal.78: 412; 102: 115: 275; 134: 411; 160: 410; 209: 411; 255: 260: 133; 370: 197 Reg.123: 74; 124: 74; 125: 74; 181: 168 Ross.1025: 413 urbinates: 245f• Urb.32: 116,2; 34: 416; 35: 43,3.49; 36: 238,2; 37: 110.115.238,2; 38 (Qa): 25.29f .l02.213-215.217. 234.285-302; 39: 240-242• 261,1.410.417; 40: 85. 242,1.408; 41: 85; 42: 236,3; 43: 236,3.419; 44 (Wa): 25,3.89_91.94f.l02. 262.266_268.394ff .400.417 und Tafel 17; 45: 413; 46: 419; 48: 85; 108: 95.210.417; 117: 408.267 Tafel 10; 254: 109; 256 (T): 232,3.234,2; 257: 413; 258 (N): 25,3.89-91 • 94.101.127 -139.166.180. 181,1.189.264f .273,2. 322,1.394ff.400.415und Tafel 11; 259: 408.414; 260: 188,5.189.190.420; 261: 174.252.255.412; 262: 176; 263: 409; 265: 411; 266 (V): 101.127- 139.394 .396 .418 und Tafel 12; 316: 60,l.147f.; 486: 118; 506: 261,1; 614: 118,2; 704: 110; 905: 30.101.175,1.261,1. 262.265.266-271.284.285- 288.394 .411 und Tafel 13; 998: 416; 1002: 418; 1019: 60,1; 1021: 418; 1027: 174,1; 1091: 117. 220; 1092: 117; 1111: 110; 1134: 60,1; 1294: 413; 1298: 54.147,2; 1302: 210.408.413; 1305: 418; 1314: 417; 1326: 410.416; 1339 (p): 89-91 • 94.101.162,3.247.251-261. 394ff.416 und Tafel 14; 1342: 60,1.62.189; 1365: 110; 1378: 412; 1386: 411; 1388: 411; 1396: 412; 1481: 420; 1580: 65.418; 1689: 65; 1733: 420; 1735: 414; 1770: 420; 1777: 408; 1855: 147; 1890: 417.420; 1896: 74,3; 1902: 417. 420; 1904: 411; 1908: 409.420; 1950: 133; 2141: 420; 2170bis: 420; 2173: 412; 2183: 410.411; 2201: 413.420; 2215: 412; 2271: 420; 2370: 415; 23811: 189.1I10 Barb.22: 1I17; 75: 60,1; 811: 435. 85: 1I18; 87: 1I9; 139:'1I13; 1117: 1I16; 208: 1I08; 215: 1I17 Chis.32: '119 Ott.L15 (Ua): 25.29.83.89.102 191_202.208.209.296.298. 382_384.387.3911.1I08(2mal). 1I13.4111 und Tafel 15; 76: 1I13.1I17.1I20; 1117: 83.205. 207_209.1I15; 151: 412; 153: 25.83 .102.191-193. 203_207.382f.410.411.414. 1860 (1): 92.101.104.116- 126.363.1I13.416und Ta- fel 8; 1861: 29.75.1I12; 1862: 409; 1863: 419; 1864: 420; 1865: 418; 1867: 417; 1874: 418; 1887: 415; 1888: 408; 1891: 414; 1892: 420; 1893: 415; 1908: 116; 1909: 116; 1910: 273.408; 1911: 415; 1916: 415; Rom 1919: 116.408.410.415.417; --- 1921: 51,l.55f.249.261,l. 408.413; 1930: 358-360 und Tafel 24; 1941: 416. 419.420; 1971: 408; 1973: 60,1; 1974: 412. 418; 2003: 109; 2019: 60,1; 2021: 414; 2023: 72.224,3; 2024: 411; 2028: 414; 2029: 60,1; 2030: 411; 2031: 414; 2032 (i): 92.101.104-116. 117,2.118-121.123,1.124- 126.138,2.303ff.313.316. 319ff.363f.394.396.400f . 413.416 und Tafel 9; 2035: 29; 2036: 27,1.49. 190; 2038: 72.318,1.409; 2041: 409; 2042: 100,3. 417.418; 2043: 418; 2056: 411; 2069: 413; 2080: 414; 2086: 413; 2105: 110; 2114: 420; 2115: 77; 2117: 74,3; 2120: 420; 2281: 419; 2342: 55,1.57,2; 2372: 410; 2381: 188,3; 2652: 408; 2783: 224,3; 2832: 416; 2889: 197; 2900: 08; 2938: 408.409; 2992: 415 Coisl.161: 55.57; 166: 55; 324: 417 Suppl.212: 418; 333: 410 416; 488: 74,3; 4151: 411 .413; €.43: 60,1; 652 : 248.419; 767: 409; 1090: Udine 414; 1156: 4&.49.51,2.54. --- 55; 1185: 109; 1285: Utin.VI,2: 408.413 409; 1362: 40 Maz.7 (4456): 412 224,3; 412; 148: 162: 210; 410.417; 409; 421: ~ Mare.156: 117.220; 1811: 184; 200 (Q): 15.50,1.53,1.71 . 89f.93.102.135.170.176. 183_193.208.209.216.302f. 311.382f.395; 201: 38.1I9. 82.1811,2; 202: 1811,2.lI09; 203: 99.1811,2; 201l: 60,1. 1811,2; 205: 188.1I18.420; 206: 72.417.420; 207: 72. 417; 208: 174.189; 209: 188,5.231,1.234; 211: 174,1; 212 (Ga): 15.30 • 71.82.93.102.161.173-183. 188f.191 .213-216.234.301- 303.409.419 (2mal) und Ta- fel 18; - oder Deszendenz: 306-308; 213: 72.417; 214 (Ha): 15.82.89f.92f. 94.100.102.159-173 .178. 188.208.234.288.301.350 . 353_355.356,2.357.394f. 400 und Tafel 19; 215 (Na): 72.93.102.189.209. 249.302.309 -311.417.418 (2mal); 216: 71.188.191.
209.283-285.409; 219:417 (2mal); 220: 417.419; 221: 417; 222: 408.417; 244: 408,1; 258: 194; 261: 176,1; 263: 188,2. 194; 265: 60,1.147f.; 304: 182; 305: 182; 508: 409; 529: 175,2.183; 604: 408.412.415.416; 1V.3: 415; IV.6: 66,1. 408; IV.8: 408.410; 1V.9: 408; 1V.12: 408; IV.13: 66,1 .408; IV.14: 66,1 .408; IV.15: 66,1. 408; IV.16: 66,1.408; IV.17: 66,1 .408; IV.18: 66,1 .408; IV.19: 66,1. 408; IV.20: 66,1.408; IV.45: 419; IV.51: 411; IV.53: 167,3.409; IV.58: 63.65.188.209f .283; XI.ll: 93.102.291.294 -300. 309,1.378 .410.417 und Ta- fel 20 ~ ver.1560: 412 ~ ien Vind.Hist.16: 253 Hed.27: 414 Phil.2: 60,1; 4: 60,1; 11: 102.291 .294-300.378. 410 und Tafel 21; 27: 415; 29: 60,1; 41: 60,1; 64: 409.419 (2mal); 66: 60,1 .415; 75: 65.415; 86: 412; 100: 39,1 .48.49 . - 434 - 52.55.165.168f.; 110: 85,3; 127: 413; 134: 415; 152: 415; 155: 85,3; 157: 418; 172: 416; 189: 85,3; 206: 25. 35.102.213-215.217 -218. 224-234.243.302.410 und Tafel 22; 213: 248.413. 418 (2mal); 214: 248.413; 215: 85,3; 217: 85,3; 230: 31; 231: 25,1.28. 102.209.262.269-271.274 - 283.284f .363.415 und Ta- fel23; 300: 60,1; 311: 60,1 Theol.230: 85,3 Suppl. 35: 416 Wolfenbüttel Guelf.Gud.24: 65 nicht-griechische Hss. Berol.Ham.471 (lat.): 280 Esc.f .II.6: 84; f.III .15: 83,2; f.l11.27: 83,2; k.III.15: 83,2 Ambr.lat.E 71 sup.: 121.153f. 278.361.363.365.369f. Mon.lat.8003: 363 Bodl.198: 154,2 Par.lat.16088: 363 Vat.lat.2083: 363.370 Pal.lat.1902: 197 Urb.lat.1761: 235 Marc.lat.234: 363; VI.33: 363; V1.49: 363 Vind.lat.3101: 230; 3413: 280 3. Index nominum a) ant~ke Autoren,Byzantiner ü~anisten,Kopisten etc. Acciaioli,Zenobio: 408.410,2 Agallianos,Theodoros: 408 Akropolites,Georgios: 356 Albertus Hagnus: 92.102.368 - 371.373 Albini, Valeriano: 193,2.408 Alexander von Aphrodisias: 9,2 Alexander von Tralleis: 378 Alexandru,Georgios: 408 Alphonsos Athenaios: 408 Alusianos: 45 Ammonios: 48 Andreas: 267,2.408 Andronikos 11.: 132 Andronikos von Rhodos: 36.97 Anonymus KB: 248-250.310.315f. 418 Antonios: 408 Antonios Athenaios: 408 Apostolides,Aristobulos: 408 Apostolios,Michael: 29.67 . 235.240-245 .267.408 Arat, - Überlief.: 42 Archimedes, - Hss.: 182 _ 435 - Emmanuel auS Konstantinopel: 411 Emmanuel ~vo~6μnhO~ (7): 274f.285 ' Eparchos,Antonios: 411 tphraim: 49 Eudoros: 37,2 Euklid, - Hss.: 182 tustratios: 43 tutokios, - Hss.: 57,2 federicuS veteranus: 236 federigo da MontefeltrO, Her- zog v.Urbino: 67.235 .241 ,1 . 24Sf. feliciano,Bernardo: 411 ferdinand IIJ 169 filelfo,francesco: 64f.290. 411 fUgger,Johann Jakob: 297 fUgger,UldaricuS: 197
Gabras,Johannes, s. Helite- niotes Gabras,Hichael: 134 Galateo,Antonio: 150,2 Gazes,Theodoros: 203.1.411 - OberlieL/Hss.: 273 Georgios (syr.Obers.): 38 Gerardos aus Patras: 411 Gesner,Conrad: 200 Gregor von Nazianz: 147 Gregoras,Nikephoros: 57.132. 134.261 Gregorios Aneponymos: 43 Gregoropulos,Georgios: 411 Gregoropulos,Hanuel: 411,4. 412 Gremisus,Vitantonius: 412 Grosseteste,Robert (Lin.- translatio, auch redigier- te Fassung): 60.92.102. 121ff.142 .146.153 -157. 276-278 .303.324,l.340f . 361-367 .368-370 .372f .394 Guarino Veronese: 64f. Guazzelli,Demetrio: 287,4 Guidi,Guilelmino: 291,3 Harmonios Athenaios: 410,2. 412 Henricus Stephanus {Editio princeps von Lin}: 102. 138,2.197.346 .380-389 Hermippos: 96 Hermonymos: 412 Hermonymos,Charitonymos: 250.412 Hermonymos,Georgios: 407,3. 412 Hesiod, - Überlief.: 42 Hieronyrnos: 1112 HOlobolos,Hanuel: 114 Homer, llias, - Hss.: 1116L 281,4 Honorato,Juan: 83,1.84,2.205 Honorios,Johannes: 412 Hunain ibn lshaq: 47 Hypsilas,Petros: 412 Hyrtakenos,Theodoros: 132. 133,1 Isidcr von Kiev: 66 Jaccbus Venetus: 60 Jakob (syr.Obers.): 38 Joasaph: 253f.259f. Johannes: 412 Johannes Damaskenos, - Hss.: 41.391,1 - 436 - Johannes Italos: 43 - Oberlief./Hss.: 147 Johannu,Harkos: 412 John of Basingstoke: 154f. Josephos Kretikos: 85 Julius 11. {Papst}: 134,4 Kabakes,Demetrios Rhaul: 266,2.412 Kalekas,Hanuel: 65.117-126 . 138,2.220.303f.307 .312. 360,2.363f .413 Kallierges,Zacharias: 413 Kallistos,Andronikos: 65.72 . 413 Kamariotes,Hatthaios: 56.58 . 247-250.256f.310 .413 Karl V.{Kaiser}: 80.199 Karnabaka,Petros: 194,4.196. 200.208.413 Karneades,Petros: 296.413 Kleomedes, - Hss.: 170 Kyathos,Laurentios: 413 Kydones,Demetrios: 118,5.135. 220 Ky •. . kos,Theodoros: 413 Kykandyles,Demetrios: 413 Lampudes,Hatthaios Sebastos: 413 Lapus Castellunculus d Jünge- re: 413 Laskaris,Janos: 72.151.224,3. 414 Laskaris,Konstantin: 31.60,1. 65.224,2.272-274.285-290. 315,1.414 autographe Grammatik: 31 Bibliothek: 289f. Leon (Philosoph): 39.48 Librarius Florentinus: 203,1. 222-226.228 .232f .417 Ps.-Longinos, ßEpt ü~ov ~, - Archetypus: 27,1 Lygizos,Hichael: 224,3.267,2. 414 Hacheir,Hathusalas: 85 Hagentinos,Leon: 44 Hagistros,Thomas: 42 Halaxos,Hanuel: 414 Halaxos,Nikolaos: 414 Haleas,Hichael: 293 al-Hamun, Kalif: 46 Hamunas,Harkos: 414 Hanuel, Schüler des Konstan- tin Laskaris: 272f.287 . 288.414 _ 437 - ManutiuS,Aldus: 73.346; s. auch Aldina (Index 1C) Kauromates,Johannes: 193,2. 194_196 .200.201f.296,1.414 Kaximos TyrioS (Edi t Lo de s Henr.Steph.): 389 Kedici: 72.223.235 _ , Lorenzo de': 151 Kelanchroinos ,Nil<olaos: 414 Keliteniotes,JOh.Gabras: 133f. KelitenioteS, Theodoros: 357,3 Kendo7.a, Kardinal v , Burgos: 293,2 Mendoza,Diego HurtadO de: 79_85.198 -200.207 Mesobotes,Konstantin: 203,1. 414 Metochites,Theodoros: 44 Michael Ephesios: 43.99f• (Lin. _Komm.).100 (col. - Komm. ) Moros,Manuel: 77.203,1.415 MoschopuloS ,Manuel: 42 Moschos,Demetrios: 415 Moschos,Georgios: 415 Murmuris,Nil<Olaos: 196
- 438 - Serbopulos,Johannes: 416 Seripando,Antonio: 229 Seripando,Girolamo: 229 Sguropulos,Demetrios: 249,1. 410,1.418,2.416 Simplikios: 63.96f . Sirleto,Guglielmo: 202 Sixtus IV. (Papst): 235 Skaranos,Demetrios: 135 Skutariotes,Johannes: 67f.416 Soliman 11.: 169 Sophianos,Michael: 296f. Sophonias: 44.46,1.347 .348,1 Sozomeno da Pistoia: 416 Stephanos: 46 Stephanus, s. Henricus St. Strabon 13,54, p.608: 36,1 Strategos,Kaisar: 410,2.416 Strazelius,Johannes: 74 Strozzi,Palla di Nofri: 66. 116-118.125,2.126 .221f .416 Stylianos: 47 Suliardos,Michael: 416 Sylburg,F.: 389 Tacitus, - Hss.: 281 Themistios: 46.96 Theodoros: 176,1.409,2.417 Theophrast: 96f. ,Characteres, - Hss.: 27f. 51,3 ,Metaph. Fgt., - Überlief.1 Hss.: 39,1.51 ,Pflanzenschriften, - Über- lief./Hss.: 133,1 ,De causis plantarum: 223f. ,De sensibus, - Hss.: 51,1. 194.197.296ff .388 Ps.-Theophrast, Sign., s. In- dex lba Thomas v.Aquin: 81,3 Tibull, - Hss.: 281 Tomaeus,N.Leonicus (Editio): 380 Toscanelli,Paolo dal Pozzo: 223f.417 Tragiker, - Überlief.: 42 Traversari,Ambrogio: 66.169f. 171,1.177 .223 Tribizias,Georgios: 267,2.417 Triboles,Demetrios: 249f.310. 417 Triklinios,Demetrios: 42 Tzangaropulos,Georgios: 241. 266f.417 Tzetzes,Johannes: 30.44 Tzykandyles,Hanuel: 165f. Val,G.du: 390 Valla,Georgios: 417 Valla,Lorenzo: 66.70 Vespasiano da Bisticci: 67 Victorinus Feltrensis: 235 Victorius,Petrus: 381 Vitali,Pietro, s. Petrus Ca- laber Vitalios,Frankiskos: 416,1 Vittorino da Feltre: 66 Widmannstetter,Johann Al- brecht: 223,1 Wilhelm von Moerbeke: 60 Xenokrates, - Atomlinienthe- orie:9 Xenophon, Kyrupädie, - Hss.: 281,4 Zacharias von Chalkedon, n&P~ Xp6vov, - Hss.: 194 Zacharides (Emmanuel?): 417 Zanetti,Bartolomeo: 291-294. 297-300.309 .358,1.378 .417 Zanetti,Camillo, s. Camillus Venetus Zanetti,Cristoforo: 292 Zurita,Ger6nimo: 79,1.81,3. 83,2.206 b) moderne Autoren Aland,K.: 41,1 Andres,G.de: 6.196,1.196,2. 198.204,3.205,1 Antolrn,G.: 84,3.85,1 Apelt,O.: 10.86f .89,2.90 -92. 97,3.122.138.139,1.139,2. 152,2.279,2.306.321.324,1. 328-331.334 .342-344.348,1. 349f.374f.377,2.379 .384f . 386,1.394ff .398ff. Astruc,Ch.: 6.247 Aubineau,M.: 41,2 Ballaira,G.: 413,4 Barbour,R.: 155,2 Bassi,D.: 271.274,1.294,2 Bekker,I.: 10.14.16.86.89f . 93ff.175,4.321.322,1.343. 350.377,2.384,1.384,3. 385.386 .387.390 .394ff. Becker,O.: 97,3.308 Benakis,L.: 98,2 Bert~la,H.: 291,3.293,1.412,4
Guerrieri,G.: 229,3 Guti~rrez,C.: 204,3 Hankius,H.: 356,1 Harlfinger,D .: 27,2.28,1 . 40,1.51 ,3.6 ~,2 .74,3.77,1. 188,6.190,2 .190 ,3.205,2. 283,1.283,4 .290,1.391,1. 418,3 Hayduck,H.: 86.99,2.122.306- 308.320.327 -331 .334.342f. 347,2.347,4 .367 .374f.379. 397 Heath,Th.: 97,3 Heiberg,J.L.: 43,4.56,2 .57 ,2. 88,2.399,1 Heinze,R .: 9,2 .97,3 Henry,P.: 11,2 .34.249 ,2 Hett,W.S .: 88,2.97 ,3.328.331 . 350 Hirsch,W .: 87.92.95.97,3. 125,1.324,1 .327. 329f. 343,1.344,3 .368,3.371,1. 374.396.398 ,4 Hoeck,J.H.: 62,1.150,1 Hoogewerff,J .: 198,3 Horna,K.: 254 Hunger,H .: 6.26,2.28,3.31 . 169,2.218,1 .230,1.247,2. 254,1.254,2 Hunt,R.W .: 154,2 Immisch,O .: 43,S Irigoin,J.: 34,1.48 .48 ,1.169. 244,1 Irmscher,J.: 47,2 Jaeger,W.: 51,1 Jannone,A.: 166f.395,l Jenny,B.R.: 198,3.199,1.199,3 . 200,2.201.389,1.389,2 Joachim,H.H .: 87f.97,3.304 ,2. 308.322 ,1.328-331.334.344 , 3.374.398,4 .400 ,4 JÖcher,Chr.G.: 371,2 Kley,W.: 62,3 Knös,B.: 151,1 Köhler,F .W.: 15,1.408,3 Kollar,A.r.: 280 Komines,A.: 267,1 Kotter,B .: 41,3.391,1 Kresten,O.: 28,3.31,1.77,2 Krumbacher,K.: 43,1 .44,1. 44,2.134,2 .250,1.345 Kuhnert,r.: 75,1 Labowsky,L .: 61,1.173,1.184 - 440 - Lacombe,G .: 277,1.362 Lake,K.u.S.: 49.167,3 Lambeck,P.: 280 Lana,I.: 199,1 Laurent,V.: 357,3 Lehmann,O.: 137,1.137,3 . 137,4.162,4 Lehmann,P.: 275,1.297,2 Lietzmann,J.: 411,2.416,2 Littig,r .: 347,3.357,2 Lobel,E.: 19,3 .74,3.190,3 . 222.226 ,1. 318 Loenertz,R.J .: 62,1.118,1. 118,2.118,3 .135,1 Lo Parco,F .: 61,1.202,5 . 229,1 Lorimer,W.L.: 155.251.252,1 Louis,P.: 259,4.261,1 Lugano,P .: 292,2 Maas,P.: 15,1 .16.18.19.24. 251.320 ,1 Haier,I.: 275,1 Harenghi ,G .: 190,4 Hartin,M .A.: 195,1 Hartini,E.: 271.274 ,1.292,1. 294,2 McDiarmid,J .B.: 51,1.194,1. 197.296 .297 ,1.388 Hehus,L.: 169,3 Mele,E.: 78,1 .80,1.83,2.84,3. 85,1.198,3 .204 ,3 Hercati,G.: 110,2.117,3.118, 2.118,4 .134,1.165 .198 ,3. 220f.251.254 Heyier,K.A.de: 195,1 .195 ,2 405,2.407,2 Hinio-Paluello,L.: 38,1 .47,1. 155.362 Hioni,E.: 6.71 ,1.92f.95. 117,3.164,2.164,3 .164 ,4. 165.166f.172,2.173,2. 174,1.174,2.174,3 .175 ,2. 175,4.176.177,2.178,2 .180 . 187-189 .190,4.194 ,2.249,1 . 309,1.310f .316 ,l.395. 396,1.409,1.409,2 .413 ,2. 416,3.419,3 Mogenet,J.: 55,1.56 ,2.57,2 . 211 MOhler,L.: 172,1.182,1 .182,2 Moraux,P .: 5.11,1.37,1.37 ,2. 39,1.47 ,2.56,1 .96,1.96,2. 97.163 .165 .174,1.294,2. 395,1 Ho~in,V .A.: 34,1.109,1.131 ,1 Munari,f.: 280,2.281,2 _ 441 - Nessel, D. de: 280 Oehler,K .: 36,3 .43 ,1.47 ,1.48. 53,1.63 ,2.194,3 Omont,H.: 69,1.150,4.168,1 . 224.275 Pacl<,R.A.: 36,1 papadOpouloS-KerameUs ,A.: 59,1 Parangeli,A.U.D.: 149,3 Pasquali,G.: 15,1 .19.21.24. 39,1 patrineliS,Ch.G.: 195,2. 405,2.407,2 Pelster,f.: 361.368 ,1 percopo,E.: 279,5.280,3.281,1. 281,3.282,1 Peters,f.E.: 103,1 Philip,J.A.: 97,3 piccard,G.: 34,1.35,1.218 ,1 Pines,S .: 9,2 powell,J .E.: 241,2.243,3 powicl<e,M.: 155 praechter,K.: 99,4 Rabe,H.: 259,2 Rassow,H .: 91.95 Regenbogen,O.: 96,1.96,2. 402,2 Reich,W .: 148,1 Reinsch,D.: 28,1 .51 ,3.74,3 . 99,3 .188 ,6.190,3.283,1 . 283,4 ReynoldS,L .D.: 63,2 Richard,M.: 6.101 Rüdiger,H.: 63,2 Russell,J.C.: 155,2 sabbadini,R.: 63,2.65,1. 170,2.171 ,2 .221 ,2 saffrey,H.D .: 418,2 savva,Archimandrit: 247,1 ~6epl<ina,M.V,: 6 Schanz,M.: 198,3.200 ,1.201 SChiada,Athanasios: 251,1 Schramm,M.: 87f.97,3.152,3 . 322,1.331,1.344.398 3 398,4.400,2 ' • Schunl<e,I.: 266 ~ e vl!enl<o,r.: 110 . 111 1 133,2 ' • severyns,A .: 40,1 .411,3 Sicherl,M.: 11,2.14.15,1 . 19,3.23,1.31,1.34 .41,4. 42,1.78 ,2.137,2.172,2 . 173,1.198,3 .204 ,3.344 3 . 408,1 .415,1 ' Siwel<,P.: 93.135,5 .151 .164. 166,2 .188,5.189 .230 .231,1. 231,4 .233 ,2.234.251 .273 ,2. 288 Stornajolo,C.: 236.237 ,1 .238 . 240.241 ,1.245,1.246,3 Studemund,W.: 250.266,2.291 ,2 susemihl,f.: 166,6 swieten,G.van: 280 Taccone-GallUCci,D .: 202,5 Tatal<is,B.: 43,1 Tentori,P.: 198,3 Thomson,S .H.: 154.361.362,1 Timpanara cardini,M.: 10,1. 88.97,3.308.327 -331 .344,3. 350 Tralji6,S.M.: 109,1.131,1 Treu,K.: 47.253,1 Treu,M.: 133,1.134,2 .134 ,3 Tuilier,A.: 36, ~.38 ,3 Turyn,A.: 110.134,2.148,2 . 149.165,5.168,1 Ullman,B.L .: 280,2 .281 ,2 untersteiner,M .: 97,3 usener,H .: 96,1 .99 ,1 ussani,M.: 361 Victor,U.: 56,3.62,2.405,1. 405,2.415 Vogel,M .: 77.78,2.116 ,1.117,2. 195,2.229,3.241,2 .248 ,4. 249,3 .253 .275 .292,1.293,2. 293,3 .405,2.407 ,2.414,4 Voigt,G.: 221,2 Voll<,O.: 58,1.58 ,2.58,3 wartelle,A.: 40.41,2.43 ,1. 77,1 .102.345,2 Wells,R.: 41,5 Wendel,C.: 242,4 Westerinl<,L.G .: 43,3 .49,1 Westermann,A.: 209 Wiesner,J.: 40,1.77 ,1.405,1. 405,2 .415 Wilamowitz-Moellendorff,U.v . : 166.344,1 Wilson,J.C.: 399,1 Wilson,N .G.: 41,5.63,2.150 ,1. 150,2.150,4 .188 ,1 winter ,U.: 6 Wittel<,M.: 31,1.235,1.241,2 . 242,4.243,3.275,1 .412 ,3. 414,2.414 ,7.417,3 young,D.C .C.: 224,3.250,2
Zanetti,A.H.: 166,3 - 442 - Zeller,E. 97,3 4. Index rerum Adnotatores (Korrektoren,Auf- traggeber): 11.69 und pas- sim Akademie, Aristotelische von Trient: 78-85 .206f.209,2 Akademie (Platon): 9 Akzentfehler: 143.185 .203 . 276 Alexandria: 36 Ambrosiuskloster Hailand: 117.219f. Antiochia: 36 apparatus criticus: 12.90f. 396f. Archetypusfrage: 38f. Assimilationen (meist Endun- gen): 19.22 .142 ,3.143.299. 323.343.402 Athen: 36.149.155 Athos: 57f. Auslassungen (Buchstaben, Silben,Wörter): 22.24 .143. 178.185.203.212.213 .226 . 267.299.320.323.332 .342f. 365 (Homoioteleuton,Zeilen- sprung): 19.21.116.152. 159.178.192f .212.217,3. 227,2 .260,1.269 ,4.287,1 . 320.323.346.347,1.402 Ausleihe von Hss.: 72.82.292f. Autographa, byzantinische: 45 Autopsie von Hss.: 5.14 Beschädigung, mechanische von Hss.: 111-116 .144f.320 Bindefehler: 19.22.24.25 und passim Binden (Neu-) (Zusammenlegen von Hss.): 239.241.280 Bologna: 195 'bon copiste': 274 Buchbinder: 26.225 Buchpreis : 75,1 Buchstabenverwechslung: 97,1. 226 Büchermarkt: 71.78.81 Byzanz, s . Konstantinopel Casole bei Otranto: 62.149f . 1S6f. contaminati, Schicksal d. - : 31H. Damaskus: 47 Datierung von Hss., anhand d.Duktus: 11 - anhand von Wasserzeichen: 11.33-35, s.auch Wasserz. deperditi (allgemein): 13f. 391, s.auch Index 2 Dittographie: 116.231,1 .268 divinatio: 403 S.Domenico Haggiore in Nea- pel: 280 Druckapographa: 73f. Druckvorlage: 346.387f. Editionsarbeit (Mittelalter und Renaissance): 39.72. 81-84.318, s .auch Index 3a, s .v. Henr.Steph. Einband (griech.): 266 Eingriffe, textkritische späterer Hände: 109.119ff. 138f.160f.177 .178 -181. 196-199.205.216.276ff. eliminatio lectionum singula- rium: 399 iAA~vLaμ6~, ÖC~TCPO~: 36.47 Emigration von Byzantinern nach Italien: 65f.67.68 Epistolarien: 59 examinatio: 393.396.398,1 cuac~a: 138 Fehler, aussprachebedingte: 143.212.226.299, s.auch Itazismus , charakteristische für Nicht-Griechen: 208f. , visuelle: 163 häufigkeit: 16 repertoire eines Schreibers: 69 typologie: 7.17 übernahme trotz Korrektur- möglichkeit, s. Revision, - Gründlichkeit wahrscheinlichkeit: 16 fenestra (spatium): 112.138. 144f.320 Ferrara, s. Konzil Filiation: 14f. und passim Florenz: 40,3.65 .71 .150 .177 . 195.222f.254, s.duch Konzil Foliierung: 26,3 &e::. - _ l1a=..l. ~1:€XI: a~sare:a: q7.49 'a!!!graphische Ausstattung: '~:3.!87.191 . : ~ ~;lc(oU.a l.t TOO, 133 ~ !Öster, byzantinische: 58 ~odi~olOgle, s . Kulturgesch. ~inzidenz von Fehlern: 18- 25.142,3.315 .317 ,1.321,1. 32&.399,1 (.ollatlonsn: 14.19.83.93-95. 205 Kolumnen, zwei - in Hss.: 167. J Kompendien (Abbreviaturen, Ligaturen,Suspensionen) und deren (falsche) Auf- lösUng: 136f.145.15? 161_163.178.185.?14,1. 216.226.323,1 .326.367 Konjekturen (Korrekturen, Emendationen,Diorthosis): 15.16.22.23,2.69.72.112 t", 114,1.119.123.125,l.138f. 143f.145 .158f.177.178-181 . 185.196f .204 .212.213.21~. 216.227.244.257.278f .2851. 302.304-308.317.324,l.32b. 327,3.331,2.334.353.364f . r, 8 \ f\- "u r j_, ,:1 . ""ntn- " Madrid:
,ailand: 40,3.65 .118 Majuskelexemplare: 3S.39,l. 40.50 Marciana: 82 Marginalien / Interlinearien: 1C9.119.138f.160f .177ff. 197.232.276ff. und passim Hessina: 272f.288.315 μETaxapaMTnp~aμ6~, s. Trans- literation Mikrofilme und Photokopien: 6.14.15 Hinuskelexemplare (- überlie- ferung): 39.40 .46 .50 Minuskelverlesungen: 138.228. 344,3 Mönchstum, byzantinisches: 58 Monokondylien: 132 Mutiiierung: 111-116 achahmung (Übernahme), me- chanische - von paläogr. Eigentümlichkeiten d.Vor- lage: 178.185 .191.274 Neapel: 275.285 ebenüberlieferung: 14.81 .84 Nikolaos-Kloster von Casole bei Otranto: 62.149f. Orthographica: 19.179.213.275 Otranto: 62.149 -151 Oxford: 40,3 Paläographie, griech.: 162 Palimpseste: 47.54.146 -149 - , codex bis rescriptus: 146 - und Stiditalien: 148 Papst-Biblithek: 63 Paris: 40,3.388f. Peripatos: 9 Philologen, byzantinische: 42 Philosophenschulen: 36 Philosophie, arabische: 46 - , byzantinische: 42.43,1 Platonische Schule, Atomli- nientheorie: 9 Provenienz von Hss.: 12.13.26. 46f.und passim Punktatomismus: 336f. Rasuren: 179,1.252 Reinschrift: 318 Reklamanten: 26,4 Renaissance, photianische: 36.47ff. Revision (DiorthoSis), Gründ- lichkeit d.- : 22,3.180 . 278.377 - 444 - Rom: 36.40,3.71 .135.195 .249. 273.285.288.292f .315 Rückübersetzung: 121f.277 S.Salvator-Kloster Messina: 172 Sammlerreisen in d.Osten: 61. 64f.72.149f.151 Scriptorium (Schreibatelier, Schreibschule): 49.62.149. 292ff. , kretisches: 67.243,3.245. 267 Schrift, archaisierend: 254 Schriftenabfolge (-gruppie- rungen) in Hss.: SO-52. 115.126 .184.354, s.auch Überlieferungsgemeinschaft Sekundärfehler: 301.324,2.364 Sigelvertauschung: 94f.400,3 Skepsis, Keller von - : 36 Sonderfehler: 7.15 .16.18-25 und passim Spanien, klass.griech.Studien: 80,2 Spezialhss. im 16.Jh.: 73ft. Stemmata (außer Lin.): 209. 284.316 Stemmatik, Verbindung mit Ko- dikologie und Kulturgesch. s. Kulturgeschichte Subskriptionen: 132.219f .224, 2.235.252.253.273.274 .287 Süditalien / Sizilien (Pro- venienz): 60-62.148 -151. 155-157 Textglättung (sprachl.Norma- lisierung): 158f.163f.326. 337.356 Textkorrumpierung, fort- schreitende: 211f., s .auch Sekundärfehler Gründe für - : 401f. Textverlust in Hss.: 26ff.282f . Thessalonike: 149 Traktatausfall: 27 Transliteration: 39f.47.50 - , zweifache: 39,1.340 Transposition: 143.213.402 Trennfehler: passim Trient: 206f., s.auch Akade- mie und Konzil Oberlieferungsgemeinschaft: 12.50-52.217 .219.230 .268. 282ff.341f.388, s.auch Schriften abfolge Übersetzungsfehler: 153 umayyaden-Moschee (Damaskus): 47 Unterpunktierung, Tilgung durch - : 231,1 Unzialhandschriften, s.Ma- j uske lexemplare Unzialfehler: 39,1.340 .344 - vorlage: 259 Urbino: 67.85.245f. Bibliothek von - : 235ff. 245f. - , 'indice vecchio': 235 ff. _ Inventarium d.Federicus Veteranus: 236ff. UV-Licht: 253f. Variante ypaμμn - aT~yμn: 152 Varianten, typische: 136f. 161f.323 .326 kodizes (Alternativlesar- ten): 38.152,3 prüfung: 14.319ff .393 Vaticana: 72.292f. - 445 - Venedig: 71.81f .92.172.195f. 199f.207 .292f .378 Verlesungen d.paläogr.Form d.Vorlage: 15.161,2.185- 187.228.232 .269f. Verschlimmbesserungen: 144 Verwechslung von Nominativ und Dativ Fem.Sing.: 22. 185.267 .326 Vorlagenauswahl: 190f. Wasserzeichen als Bestimmungs- und Datierungshilfe, sowie einzelne - : 31-35.56.109 . 131.133.166 .175.177 .195f. 202.206,3.218.224,2.242f. 250.252.267.273.287.295f. 358f. kartei G.piccard: 34 Wien: 40,3 ünaTo~ TWV ~ ~ Aoa6~wv: 42 Zeilenlänge: 114,1.116 .217 Zwischenglieder, verlorene: allgemein: 142,1; einzelne _ , s. Index 2 (deperditi)