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Текст
lG er ~5.0
~.
DIE TEXTGESCHICHTE
DER PSEUDO-ARISTOTELISCHEN SCHRIFT
TIEPI ATOMIlN rPAMMIlN
Ein kodikologis eh- kulturgeschichtlicher Beitrag
zur Klärung der Überlieferungsverhältnisse
im Corpus Aristotelicum
Dieter Harlfinger
VERLAG ADOLF M. HAKKERT
-
AMSTERDAM
1971
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort ••••••.•. •
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5
I. Einleitende Bemerkungen
1. Ziel, Anlage und Methode der Untersuchung.
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9
2. Nebenergebnisse
a) Koinzidenz von Lesarten
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"
18
b) Lagensignierungen
als Uberlieferungs-
geschichtliche Indizien
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26
c) Wasserzeichen
als Bestimmungs- und
Datierungshilfe
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31
11. Einige GrundzUge der Aristoteles-Überlieferung
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36
111. Materialsammlung
zu DEpt a~6μwv ypaμμwv
1. Die Forschungslage
2. Testimonien und Heuristik
86
96
IV. Die Filiation der griechischen Handschriften
104
1. Die Familie a
Der Stammvater Par.2032 (i) und sein
Apographon Par.1860 (1)
2. Die Familie ß
Der Stammvater ß und seine Apographa
Vat.258 (N) und Vat.266 (V) ••.••
3. Die Familie y
Der Stammvater y und seine Apographa 6 und E.
•
140
104
127
a) 6 und seine Deszendenz ••.••••••
"
146
Laur.87,21 (za)
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146
Die griechische Vorlage des Robert
Grosseteste
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153
b) E und seine Apographa 11 und ~.
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157
a) 11 und seine Apographa Vat.253 (L)
und Marc.214 (Ha) • • • •
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159
Die Deszendenz von Ha • • •
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173
Marc.212 (Ga) • • • •
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174
Marc.200 (Q) •••.••• •.•••.
183
Ottoboniani 45 (Ua) und 153 .
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191
Vind.Phil.206, Par.1851 und Urb.38 (Qa) 213
ß) ~ und seine Apographa Vat.1339 (P),
Berol.Phill.1507, Mosqu.240, Mon.502
247
4. Die kontaminierten Handschriften •
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262
a) ~ und seine Deszendenz
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262
Die Apographa von ~: Vat.905
und Urb.44 (Wa)
·
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266
Ambr.A 174 sup. und Vind.Phil.231
·
269
Matr.4563 •
.
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285
b) P und seine Apographa Ambr.D 124 inf.,
Marc.XI.ll, Vind.Phil.l1
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290
c) Marc.215 (Na) .
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309
5. Das Verhältnis der Stammväter zueinander.
·
319
6. Der Archetypus
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·
·
339
V. Die Paraphrase des Georgios Pachymeres . . . ..
345
VI. Die lateinischen Textmaterialien
1. Die translatio des Robert Grosseteste
361
2. Die Paraphrase des Albertus Magnus
·
·
368
3. Die Obersetzung des Iulius Martianus Rota
·
371
VII. Die Textausgaben
1. Die Editio princeps des Henricus Stephanus
(1557)
2. Die nachfolgenden Editionen bis 1619 ...
VIII. Ergebnisse
1. Stemma .
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2. Zur Neukonstituierung des Textes
Anhang: Neuidentifizierte Kopisten griechischer
Aristoteles-Handschriften der Renaissance . .
405
Faksimiles
Literaturverzeichnis ................
421
Indices
1. Index Aristotelicus
2. Index codicum
3. Index nominum
4. Index rerum
425
428
434
442
380
389
391
393
-
5-
VORWORT
Die Basis, auf der die vorliegende Arbeit, von
Herrn Prof. P.Moraux angeregt und gefördert,
erwach-
sen konnte,
ist das in verschiedenen Bibliotheken
Europas verstreute handschriftliche Material der
pseudo-aristotelischen
Schrift fiEpl QT6μwv ypaμμwv.
Im Rahmen meiner Tätigkeit an dem von Herrn Prof.
Moraux im Seminar für Klassische Philologie der
Freien Universität Berlin geleiteten Aristoteles-
Archiv war es mir möglich, dank der großzügigen Rei-
semittelzuwendung von seiten des Kurators der Frei-
en Universität Berlin und der Deutschen
Forschungs-
gemeinschaft
-
die Reise nach Moskau finanzierte
dankenswerterweise das Referat für wissenschaftli-
che Beziehungen zur Sowjetunion
der DFG - neben den
über 300 von ca.llOO Handschriften, die ich für den
am Aristoteles-Archiv in Arbeit befindlichen Katalog
der griechischen Aristoteles-Handschriften,
den
'Aristoteles Graecus',
untersucht
habe, auch sämtli-
che Handschriften des im folgenden
behandelten Trak-
tats in Autopsie
zu studieren.
Mein Dank gebührt in diesem Zusammenhang allen
Bibliotheken, die mir ihre handschriftlichen Bestän-
de bereitwilligst zugänglich machten:
der Deutschen
Staatsbibliothek in Berlin,
der R. Biblioteca de EI
Escorial, der Biblioteca Medicea Laurenziana in Flo-
renz, der Biblioteca Nacional in Madrid, der Biblio-
teca Ambrosiana in Mailand, dem Istoriceskij Muzej
in Moskau, der Bayerischen Staatsbibliothek in Mün-
chen, der Bibliotheque Nationale in Paris, der Bi-
-
6-
blioteca Apostolica Vaticana, der Biblioteca Marcia-
na in Venedig und der Österreichischen National-
bibliothek in wien.
Nicht selten boten die Bibliotheksreisen (1966
bis 1968) Gelegenheit, mit Experten und Kennern grie.
chischer Handschriften wissenschaftliche Kontakte
aufzunehmen und nützliche Gespräche zu führen. P .G .
de Andres in EI Escorial, Ch.Astruc in Paris, Mgr.
P.Canart im Vatikan, M. - L .Concasty in Paris, F.Di
Benedetto in Florenz, J.M .Fern~ndez Pomar in Madrid,
H.Hunger in Wien, E.Mioni in Padua-Venedig, Abbe M.
Richard in Paris, M.V . ~ ~ epkina in Moskau und U.Win-
ter in Berlin - ihnen allen sei an dieser Stelle für
ihre Aufgeschlossenheit gegenüber meinen Fragen herz.
lieh gedankt.
Eine unschätzbare Hilfe war mir überdies die Fil-
mothek aller Aristoteles-Handschriften im obengenann'
ten Aristoteles-Archiv. Ihr Reichtum an Vergleichs-
material half Erfahrungen auf dem Gebiet der Kodiko-
logie und der Paläographie sammeln, so daß d:e für
unseren Traktat gewonnenen Ergebnisse in einen grö-
ßeren Zusammenhang gestellt werden konnten.
Die ursprüngliche Fassung dieser Arbeit, wie sie
der Philosophischen Fakultät der Freien Universität
Berlin im Wintersemester 1969/70 als Dissertation
vorgelegen hat, ist für diesen Druck um einiges ge-
kürzt worden. So konnten die detaillierten kodikolo-
gisehen Beschreibungen der griechischen Handschrif_
ten unseres Traktats, die en bloc in alphabetischer
Reihenfolge der Städte, in denen sie aUfbewahrt wer-
-
7-
den, auf Kapitel 111 (Materialsammlung) fOlgten,
wegfallen, da sie im 'Aristoteles Graecus' vollstän-
dig publiziert werden. Für das Verständnis der Aus-
führungen notwendige Angaben daraus sind selbstver-
ständlich an den entsprechenden Stellen eingefügt
worden. Die vor allem der Veranschaulichung der Feh-
lertypologie und Kopistenarbeit wegen sehr häufig in
ihrer Gesamtheit aufgeführten und analysierten Son-
derfehlerlisten sind nun auf wenige Beispiele redu-
ziert, sie werden möglicherweise in anderem Rahmen
zugänglich gemacht werden.
Die zunächst in Kapitel 11 (Grundzüge) integrier-
te Liste neuidentifizierter Renaissance-Kopisten von
Aristoteles-Handschriften konnte im Verlaufe einer
Bibliotheksreise im Sommer 1970 stark erweitert wer-
den und ist nun gesondert in einen Anhang gebracht
worden.
-
9-
I. EINLEITENDE
BEMERKUNGEN
1. ZIEL, ANLAGE UND METHODE DER UNTERSUCHUNG
Der im Corpus Aristotelicum
überlieferten
Schrift
fiEpt aT6μwv ypaμμwv (De lineis insecabilibus)l
hat
die Fachwelt nur wenig Interesse entgegengebracht.
Der kleine Traktat ist jedoch nicht ohne Bedeutung,
etwa für die Geschichte der griechischen
Mathematik
und des antiken Atomismus,
und er gewährt immerhin
einen ausschnittartigen
Einblick in die philosophi-
schen Auseinandersetzungen
zwischen Akademie und
Peripatos.
Lin. ist unsere Hauptquelle
zur Wiederge-
winnung der Atomlinientheorie
der platonischen
Schu-
le und insbesondere
des Xenokrates,
der als der
eigentliche
wissenschaftliche
Repräsentant dieser
Theorie gilt und in dessen philosophischem
System
sie keine geringe Rolle spielt2.
Erst jüngst schließ-
lich bildete diese Schrift die Grundlage für die Re-
konstruktion
der Lehre Platons von atomaren Elemen-
tareinheiten
innerhalb der 'Ungeschriebenen
Lehre'
des Philosophen3.
Fortan kurz Lin. genannt.
2 Die Testimonien
hat R.Heinze,
Xenokrates.
Darstel-
lung der Lehre und Sammlung der Fragmente,
Leipzig
1892, S.173-178,
zusammengestellt.
Auf ein im 'ara-
bischen'
Alexander
von Aphrodisias
erhaltenes
Par-
allelzeugnis
zu Lin.968al0 sqq. hat S.Pines, A New
Fragment
of Xenocrates
and its Implications,
Trans-
actions of the American
Philosophical Society, N.
S. VOl.51, Part 2, Philadelphia 1961, aufmerksam
gemacht.
3 K.Gaiser,
Platons ungeschriebene
Lehre. Studien
zur systematischen
und geschichtlichen
Begründung
-
10-
Das Verständnis
und eine gründliche Analyse des
schon inhaltlich
und stilistisch
nicht leicht zu-
gänglichen
Traktats über die Atomlinien
wird durch
den allgemein
als schlecht erachteten
Zustand des
Textes, wie er uns in der auch heute noch maßgebli-
chen Ausgabe Apelts1
vorliegt, beträchtlich
er-
schwert. Es hat nach Apelt nicht an Versuchen
ge-
fehlt, auf dem Wege vor allem der Konjekturalkritik
zu einem befriedigenderen
Text zu gelangen2•
Da sich
aber die Edition Apelts im wesentlichen
auf die Kol-
lationen Bekkers in dessen Gesamtausgabe des Arisco-
teles (1831) stützt3,
also lediglich
auf den von
Bekker herangezogenen
Textzeugen
und somit auf einer
kleinen mehr oder weniger zufällig zusammengekomme-
nen Reihe von Handschriften4 basiert, muß der Text-
kritiker es als vordringliche Aufgabe ansehen,
nun
das verfügbare
handschriftliche
Material in seiner
der Wissenschaften
in der platonischen
Schule,
Stuttgart
11963, 21968, S.158-163
und 510-511 .
Aristotelis quae feruntur De plantis,
De mirabili-
bus auscultationibus,
Mechanica,
De lineis inseca-
bilibus, Ventorum situs et nomina, De Melisso Xe-
nophane Gorgia, edidit O.Apelt, Leipzig (Teubner)
1888.
-
Auch die soeben erschienene
Ausgabe von
Maria Timpanaro
Cardini, Pseudo-Aristotele.
De li-
neis insecabilibus,
introduzione,
traduzione e
commento a cura di ••• ,
Varese-Milano
1970 (:Testi
e documenti per lo studio dell' Antichita 32)
druckt den Apeltschen
Grundtext
wieder ab.
2 Zum Näheren vgl.unten
S.86 sqq.
3 Der Unterschied besteht darin, daß ARelt den von
Bekker nur ankollationierten
Kodex Z ganz durch-
vergleichen
ließ, vgl.unten
S.91.
4 Man kann freilich,
auf das gesamte Corpus des Sta-
giriten bezoge~, .Bekke:
ni7ht ein feines Gespür
für die textkr~t ~sch
w~cht~gsten
aus der Masse der
Handschriften
absprechen.
-
11-
Gesamtheit zu untersuchen
und zu klassifizieren.
So
versteht sich denn die vorliegende Arbeit als derje-
nige Teil der Textkonstituierung,
den man mit dem
Begriff recensio
zu bezeichnen
pflegt, als textge-
schichtliche Grundlage für eine kritische Edition
von fiEpt QT6μwv ypaμμwv1•
Es hat sich gezeigt2 - und das will auch diese
Untersuchung
vor Augen führen
daß die Text- und
Überlieferungsgeschichte
eines Autors oder Werkes,
soll sie auf maximal gesicherten
Erkenntnissen
und
Resultaten
beruhen und vor einem plastischen
Hinter-
grund erscheinen,
eine organische Verquickung der
stemmatisch-philologischen
Gegebenheiten
mit kodiko-
logischen
Daten und kUlturgeschichtlichen
Zusammen-
hängen verlangt. Den Ergebnissen
der reinen Stemma-
tik werden also, soweit möglich, eine relativ ge-
naue Datierung der Handschriften
anhand des Duktus
und der Wasserzeichen,
die Identifizierung
von Ko-
pisten und Korrektoren,
Auftraggebern
oder Besitzern
aufgrund paläographischer
Evidenz bzw. kulturge-
schichtlicher
Zeugnisse,
um nur einiges zu nennen,
an die Seite gestellt,
sie dienen ihrer Überprüfung,
ermöglichen
nicht selten Modifizierungen
und Präzi-
Diese, mit einer Übersetzung
von P.Moraux,
ist in
der Collection
des Universit's
de France ("Bude")
geplant.
2 Vgl. die richtungweisende
Untersuchung
von M.Si-
cherl, Die Handschriften,
Ausgaben und Übersetzun-
gen Von Iamblichos De mysteriis.
Eine kritisch-
historische Studie, Berlin 1957 (: Texte und Un-
tersuchungen
zur Geschichte der altchristlichen
Literatur 62), besonders
die programmatischen
Aus-
führungen
des Verfassers,
der sich auf Gelehrte
wie P.Henry
und A.Dain berufen kann, S.2-3.
-
12-
sierungen,
die sich dann auch im apparatus
criticus
niederschlagen
können, und lassen nicht zuletzt in
dem an sich toten Stemma den gesamten Überlieferungs-
prozeß lebendig werden.
Die Tradierung der Schrift Lin. muß verständli-
cherweise in enger Beziehung
zur Überlieferung
des
ganzen Corpus Aristotelicum
gesehen werden.
Die Hand-
schriften bieten unseren Traktat im Verband mit ande-
ren aristotelischen
Schriften,
so daß sich die Frage
aufdrängt,.ob
ein für Lin. festgestelltes
Abhängig-
keitsverhältnis
nicht auch für andere Texte gilt.
Vor allem auf die oft in Überlieferungsgemeinschaft
mit Lin. anzutreffenden
Traktate Col.,
Mech. und Mir.
wird denn auch im Verlaufe der Arbeit an den entspre-
chenden Stellen ein Streiflicht geworfen1•
Die Beob-
achtungen im kodikologisch-kulturgeschichtlichen Be-
reich unserer Schrift liefern, wenn man sie vorsich-
tig abstrahiert, erste Anhaltspunkte für eine umfas-
sende Geschichte der Überlieferung des Corpus Aristo-
telicum im byzantinischen Mittelalter und in der Re-
naissance. Denn wir dürfen mit Bestimmtheit annehmen,
daß z.B. Herkunftsmilieu, Umstände der Entstehung
und Wanderungen unserer Handschriften, ihre Schick-
sale, in ihrer Art keine isolierten Erscheinungen
Große Teile dieser dre~ pseudo-aristotelischen
Schriften habe ich in allen verfügbaren Manuskrip-
ten kollationiert; die Ergebnisse in ihrer Gesamt-
heit sollen anderenorts mitgeteilt werden (Für die
Filiation der Mirabilien vgl. vorerst die knappe
Skizzierung unten S.207-211 .) . Außerdem wurden ge-
legentlich auch Stichproben bei anderen Traktaten
vorgenommen und nicht zUletzt, soweit vorhanden
die stemmatischen Resultate der bisherigen For-'
schung mit berücksichtigt.
sind, sondern sich bei der kaum überschaubaren Mas-
se der Aristoteles-Manuskripte (und wohl nicht nur
dort) mehr oder weniger vergleichbar ständig wieder-
finden; die namentlich bekannten und die anonymen
Gelehrten und Berufskopisten, deren vielfältige Ak-
tivitäten und Arbeitsweise wir kennenlernen, sie ge-
hören zu dem Kreis von Personen, in deren Händen
die Fäden der handschriftlichen Überlieferung des
Aristoteles überhaupt zusammenliefen.
Ein Ansatz zur Erhellung gewisser Grundzüge einer
Überlieferungs geschichte des aristotelischen Corpus
ist meiner eigentlichen Untersuchung vorausgeschickt.
Es ist und kann hier nicht mehr sein als eine provi-
sorische Skizze und ein Versuch, die Textgeschichte
der Schrift über die Atomlinien in einen größeren
Rahmen zu stellen.
In Kapitel IV, dem Kernstück der Untersuchung,
werden jeweils von den drei voneinander unabhängigen
Stammvätern ausgehend und dem Gang der Tradierung in
ihren einzelnen Kanälen von Stufe zu Stufe fOlgend
zunächst deren "jungfräuliche" Deszendenten, sodann
die contaminati besprochen. Die Textzeugen werden
dabei in der Regel nicht jeder gesondert, sondern
gemeinsam mit den ihnen stemmatisch am nächsten ver-
wandten Manuskripten behandelt; dieses Verfahren
bietet viele Vorteile, so z.B . die Möglichkeit, die
SChreibleistungen der Kopisten zu beurteilen oder
Entstehung und Provenienz von Handschriften zu ver-
gleichen oder über Umstände der Weitergabe von Hand-
schriften und der gelehrten Beschäftigung mit ihnen
Näheres in Erfahrung zu bringen, und erweist sich
angesichts der zahlreichen codices deperditi, die
-
14-
sich ja nur mit Hilfe bzw. aufgrund
von zwei aus ih-
nen nebeneinander
abgeleiteten
Kodizes fixieren
und
rekonstruieren
lassen, ohnehin als angebracht.
-
Dieser Teil der Arbeit endet mit der - freilich
nicht
in sämtlichen
Einzelfällen
durchgeführten
-
Varian-
tenprüfung
und versucht, die Spaltungen
jenseits der
drei Stammväter
und den Archetypus
aller unserer
griechischen
Handschriften
zu bestimmen.
Nach Untersuchung der mittelalterlichen
(und spä-
teren)
'Nebenüberlieferung',
wenn wir in unserem
Fal-
le wirklich zu dieser Bezeichnung
greifen wollen,
und der ersten gedruckten
Ausgaben mündet dann die
vorliegende Arbeit nach der graphischen
Darstellung
der Überlieferungsverhältnisse
in einem Gesamtstemma
in einen vorausweisenden
Ausblick auf die Erforder-
nisse einer Neuedierung des Textes.
Die Vorarbeiten
zur Feststellung der Filiation
im
einzelnen
bestanden
im vollständigen
Kollationieren
aller verfügbaren
Lin. - Kodizes
auf der Grundlage der
Ausgabe Bekkers1
anhand von Mikrofilmen bzw. Fotoko-
pien und in einer gezielten Überprüfung
und Präzi-
sierung des Ermittelten
zur größtmöglichen
Sicherung
vor allem von Rasuren,
Korrekturen
und anderen Spu-
ren von Überarbeitungen
durch das Studium sämtlicher
Textzeugen
in situ. Entsprechend
dem von M.Sicherl
mit Erfolg angewandten
Verfahren habe auch ich eine
mit Hilfe der herkömmlichen
stemmatischen
Methode
festgestellte
Abhängigkeit durch Hervorhebung
sol-
cher Sonderlesungen
und sonstiger AUffälligkeiten
Sie ist näher am Tex~ der Handschr~ften
als dieje-
nige Apelts und verd1ent deshalb h1er den Vor
zug.
zu
-
15-
veranschaulichen
gesucht, deren Ursprung schlechthin
in der äußeren
Beschaffenheit
der Vorlage begründet
ist1•
Dank der Fototechnik ist der dazu nötige zwei-
te Arbeitsgang,
die entsprechende
Durchsicht
und
Überprüfung
aller erhaltenen
Antigrapha,
unschätzbar
erleichtert
und ohne Schwierigkeiten
zu verwirkli-
chen. Wenn diese Methode in unserem Falle nicht über-
all realisiert ist - man vergleiche
aber z.B . die
illustrativen
Beispiele in der Sukzession
Ha+Ga+Q
so liegt das weniger
an dem geringen Umfang unserer
Schrift als vielmehr daran, daß uns die Vorlagen re-
lativ vieler Textzeugen
nicht erhalten sind.
Die von Stufe zu Stufe der Überlieferung
entstan-
denen Fehler bzw. Sonderlesungen
-
unter diesen Be-
griff muß man textkritisch gesehen auch die Konjek-
turen und selbst die Emendationen
unterordnen
-
wa-
ren in der ursprünglichen
Fassung dieser Arbeit
VOllständig herausgeschrieben.
Das war wegen der
Kürze unseres Traktats möglich und schien aufgrund
folgender
Überlegungen
angebracht: Die aus den Va-
rianten abgeleiteten
Rückschlüsse auf die Filiation
sind so für den Leser jederzeit und in allen Einzel-
heiten nachprüfbar.
Er erhält einen vollständigen
Einen Überblick über seine einzelnen
Erfahrungen
gibt M.Sicherl
S.14 -15i sie decken sich mit den
meinigen.
Vgl. auch F.W .Köhler,
Textgeschichte
von
Hierokles'
Kommentar
zum Carmen aureum der Pytha-
goreer,
Diss.Mainz,
Münster 1965, S.IX -X . Schon
yor 40 Jahren haben P.Maas, Textkritik, Leipzig
1927 (als Teil 7 von Gercke - Norden, Einleitung
in die Altertumswissenschaft,
Bd.I3) (21950,31957.
41960), § 8a, und sein Rezensent
G.Pasquali, in:
Gnomon 5, 1929, S.417-435, 498-521, dort S.419,
auf die stemmatische
Bedeutung
solcher Fehler hin-
gewiesen.
-
16-
und detaillierten
Eindruck von der Qualität der vom
Kopisten geleisteten
Arbeit,
von ihren etwaigen
Schwächen,
von den Freiheiten,
die sich der Schrei-
ber herausnimmt,
usw. Die Zusammenstellung
der Son-
derfehler in ihrer Gesamtheit kann überdies der Ein-
sicht in die Fehlertypologie dienen und ein Mosaik-
steinchen
in einer Geschichte der Korruptel
sein.
Im wesentlichen
nach Gattungen geordnet1,
illustriert
sie an einem geschlossenen
homogenen Komplex Art und
Beschaffenheit der Fehler und ihre Häufigkeit.
Dar-
auf. daß eine Einsicht in die Fehlerwahrscheinlich_
keit auch der selectio und der divinatio von Nutzen
sein kann. hat P.Maas deutlich genug hingewiesen2•
_
Diesen Intentionen
mag - wenn auch in geringerem
Ma-
ße - auch die Auswahl von Sonderlesungen,
auf die
sich die vorliegende gekürzte Fassung beschränkt, ge-
recht werden.
Zum rein Technischen
dieser Arbeit bleibt noch zu
erwähnen:
Die von Bekker gewählten Sigel habe ich
beibehalten
und, da keine Notwendigkeit dazu bestand,
für die anderen erhaltenen
Handschriften
keine einge-
setzt. Bei der Nennung Von Signaturen griechischer
Handschriften
verzichte ich der Einfachheit halber
auf die Hinzufügung
von "gr(aecus)", da die Gefahr
Es konnte freilich nicht jede einzelne Abweichung
in diesem Sinne analysiert
und eingruppiert Wer-
den, zumal sich nicht immer ein augenfälliges ty-
pisches Kennzeichen
anbietet. Auch gibt es biswei-
len sicherlich
nicht n~r ei~e einz~ge Zuordnungs_
möglichkeit.
Und wer w~ll m~t Best~mmtheit ent-
scheiden,
ob eine Sonderlesung
ein bewußter Ein-
griff (Konjektur)
von seiten des Kopisten ist.
2 P.Maas, § 16.
-
17-
einer Verwechslung
mit anderssprachigen
Manuskripten
in unserem Falle nicht besteht. Aus entsprechendem
Grunde konnten
auch die beiden ersten Ziffern der
Bekkerseiten
-
Lin. steht 5.968 -972
-
bei Stellenan-
gaben weggelassen
werden,
968al erscheint also als
8al usw. Der Pfeil (+)
zwischen zwei Lesarten be-
zeichnet den Wandel von der Ausgangslesung
zur Son-
derlesung des jeweils behandelten
Kodex.
-
18-
2. NEB ~NERGEBNISSE
ie Beschäftigung
mit den Lin. -Handschriften
im
besonderen
und den Aristoteles-Handschriften
im all-
gemeinen hat im textkritisch-stemmatischen
und im
kodikologischen
Bereich zu einigen Beobachtungen
grundsätzlicher
Art geführt, die bisher in der Fach-
literatur nur zum Teil zur Sprache gekommen
und ef-
fektiv berücksichtigt worden sind. Auf sie sei hier
vorwegnehmend kurz eingegangen;
in der Untersuchung
zur Überlieferungsgeschichte
unseres Textes sind sie
oft stillschweigend
vorausgesetzt.
a) Koinzidenz
von Lesarten
In der Lehre von den Abhängigkeitsverhältnissen
der Handschriften
ist die Rolle des Zufalls kaum je
beleuchtet
worden. P .Maas hat in seiner meisterhaf-
ten Darstellung der Koinzidenz
eigentlich nur in
einem einzigen Aspekt und auch hier nur beiläufig
Rechnung getragen,
wenn er nämlich hinsichtlich der
RekonstrUktion
einer verlorenen Vorlage bei Zwei-
oder Dreispaltigkeit
des Stemmas die MögliChkeit
nicht ausschließt, daß zwei Textzeugen
"unabhängig
voneinander
in denselben
Fehler verfallen" sein
könntenl.
so daß in einem sOlchen Fall der Text
der
gemeinsamen
Quelle durch consensus nicht sicherge_
stellt ware. Vor übereilten
Rückschlüssen
Von ge-
meinsamen
50nderlesungen
auf das Verhältnis der Ko-
1P.Maas, §8und9.
-
19-
dizes zueinander
hat erst sein Rezensent G.Pasquali)
mit aller Deutlichkeit
gewarnt:
" ...
Gemeinsame Feh-
ler besagen erst dann etwas, wenn sie nicht zu nahe
liegen, oder wenn sie sich anhäufen.
Gewisse gemein-
same Verschreibungen
von Eigennamen,
gemeinsame Ver-
wechslungen
von bestimmten
Wörtern miteinander
wie-
gen nicht schwerer
als Orthographica;
gemeinsame An-
gleichungen
von Kasusendungen,
gemeinsame Auslassun-
gen infolge von Homoioteleuta besagen nicht viel
mehr."
Es war vielleicht dieser Appell Pasqualis,
der Maas in einem späteren
Aufsatz2
veranlaßte, als
echte 'Bindefehler'
nur solche Sonderlesungen
anzu-
erkennen,
die "aller Wahrscheinlichkeit
nach nicht
unabhängig voneinander"
entstehen konnten.
In der Tat läßt sich diese in der Theorie ein-
leuchtende Annahme
möglicher
Koinzidenz
auch durch
konkrete Beispiele in der Lin. -Tradierung belegen3•
In den mir vOllständig vorliegenden
Kollationen sämt-
licher Handschriften unseres Traktats ist das zufäl-
lige Zusammentreffen
von Schreiberversehen
jeglicher
Art und von Konjekturen
beileibe keine Seltenheit.
G.Pasquali, in: Gnomon 5, 1929, 5.420.
2 PM'
.
.
aas, Le1tfehler
und stemmatische Typen, 1n: By-
zantinische Zeitschrift 37, 1937, S.289-294; seit
der 2.Auflage
auch der 'Textkritik'
als Anhang I
angefügt, dort 5.26 (unten) - 27 (oben) (in der 4.
Aufl.1960).
3
Vgl. des weiteren
u.a. M .Sicherl, Register
'2.Sa-
chen' unter
'Koinzidenz',
E.Lobel, The Greek Manu-
scripts of Aristotle's
Poetics, Oxford 1933, 5.18,
M.Fuhrmann,
Untersuchungen
zur Textgeschichte der
pseudo-aristotelischen
Alexander-Rhetorik
(der T€X-
vn des Anaximenes
von Lampsakos), Wiesbaden 1965,
5.86,90,95,
und den generellen
Hinweis Pasqualis
auf seine "schmerzlichen
Erfahrungen"
(5.420).
-
20-
Ich gebe im folgenden
eine Auswahl davon 1 :
8a3/4 TOUTOI~: aßy+
a4
μIKpbv:aßY+
tOUtwv : n Berol.
μIKtbv : Ga Vind.Phil.206
a
+
μIKpbv: Q Q Par.1851
•
a..,a
+
anaOlv: Zn"
p.corr.
tb QμEP~~: wa Berol. p
a8
a8
a14
alS
b21
änavTa: ß Rob. e
TIQμEP~~: ßy+
om. yap: i Rob.
μnö~v:aßY+ouö~v:~Mon.
at npwTal: a ß y + (n) npWToV: Vp.corr.
Rob.II Pach.
b23
b26
rönov: ßE + T6no~: a152
EV TW oUVe€TW lac. ypaμμal: E
+
CV TW OUV-
e€TW ypallμal (sine lac.!): Ha Berol.
KaTa TOUTWV aT6μwv: a ß y + Kata TOUTWV
TWV aT6μwv: n Matr.
om. EXEIV Kat &nEfpou~- nEnEPaOμ€va~:
Vind.ll
om.
Kat anEfpou~-nEnEPaOμ€va~
EXEI: Za
b26
9al1-13
a32
b18
b22
b24
b24
VOfiOEIEV: aß y
VOnOEI: ~ Berol.
a
a
Tlva: a ß y + Tlva~: Z L p.corr.(?) G
KIV11en: aERob. V
oT6v TE: a ß y + OtOvTal: Za, oTovtal: P
15€Tlva:aßy+önTlva:1QaetVind.
Phil.206 p V p.corr. H .St .3
~avEPWtEPOV:
ay+
~avEp6v: ß Na 4
b29
Oa4
om. n:NZa
TW:aßy+Tn:Zap
b2
b 3/4 om, Tb μi)KO~
b4
TOμn:aßy+tbμn:pMatr.Ua
Zu den Handschriften
und sonstigen Textmaterialien
und deren Sigeln oder Abkürzungen
vgl.unten S.101/
102 und das Stemma 5.392.
2 Vgl. auch unten 5.142, Anm.3.
3 Vgl. auch unten S.384.
4 Vgl. auch unten 5.317, Anm.l .
+
aUTnV ypaμμnv: E
•
::..
a
ypallμnv aUTIIV: 15 N
Betrachten
wir diese Koinzidenzfälle in ihrem Kon-
Ob 6/7
b32
la5
all
a12
a18
a20
a24
a26
a28
b1
b4
b23
b28
2a 1/2
a17
a28
a32
b14/5
b23
-
21-
om. WOTE
ouvaKOAOUefioEI: ß y + OUVUKOAOUeEl:
an
n(OTIV: a ß y + nrOtnv: Ga Eerol.
-
ß
:.
aa
a
ortvun: Cl
y + OtlYμII: H Z Berol. W
Vind.Phil.231
TOUTOI~ (v.l .TouTo,TouTou,TouTw):
aß+
TOUTWV: Na H.St.
ypaμμn OTlyμi)~: a y
+
oTlyμn ypaμμn ypallμn~: ß
OTlYμn ypaμμii~:
Za p.corr.
(ut vid. Hp
om. aAAfiAoI~ ( -aL~): a za
oTlyμat: a ß y + OTlyμi): N za
nOIOlEV: a n (nolnoEIEv: Za) nOIE1EV: ß e Q
ÖAn~:VY(+)ÖAW~:Nn
OX6VTWV: a P
E:X6VTWV: ß y
,
-
EK OTlYμWv: a y
EK OTlyμi)~: ß Na 2
Ecj>cinTETal: Za ~
änTETal:
ClVy+
EOTal A6yo~: Cl ß y + A6yo~ EOTal: 1 Na
E:nloTlYIli): E
+ OTlyμi)~: V
p.corr.
-
:.
a
aUa
OTlYμn: Clßy+ oTlYμII:Z LW
Et n TOμn: Cl ß Y (auch Vat.905) + Etn Tb Iln:
Wa Vind.Phil.231
TWV Evunapx6vTWV:
a ß y + TWV unapx6vTwV:
Vind.Phil.231 Matr.a .corr.
TOcH:ßy+TWö~:Zawa
text und ordnen wir sie nach Gesichtspunkten
der Feh-
lertYPologie,
so finden sich die von Pasquali erwähn-
ten Auslassungen
durch Homoioteleuton3 (9a11-13,Ob3/4,
Vgl. hierzu auch unten S.315.
2
Vgl. auch unten 5.317, Anm.1 .
3
Ihnen spricht auch Maas in seinem spateren Aufsatz
die bindende Kraft ab (Textkritik,S.28,Petitdruck).
-
22-
Ob6/7) und Assimilationen
von Kasusendungen
(8b23,
9b18, la24), sodann Itazismen
(Oa41,
laS, la262),
Auslassungen
von einzelnen Wörtern oder Silben (8a14,
9a32, Oa41,
la20, 2a32), Verwechslungen
des endbeton-
ten Femininums
im Nominativ
und Dativ Singular
(lall,
2a17). Viele andere Versehen wiederum lassen sich
kaum eindeutig oder gar nicht klassifizieren.
Den
größten Teil aber unter diesen zufälligen
Gemeinsam-
keiten bilden offensichtliche
Konjekturen
(8a4, 8a8,
8b21, 8b26 KaTa
.•• ,
9b24 (on Tlva), la18, 2al/2).
Informieren
wir uns anhand der graphischen
Dar-
stellung auf 5.392 über den stemmatischen
Platz der
Handschriften,
für die obige Lesarten jeweils bezeugt
sind, so bleibt in den allermeisten
Fällen hinsicht-
lich der Zufälligkeit der Übereinstimmungen
nicht
der geringste Zweifel. Die fraglichen Kodizes können
nach den Gesetzen natürlicher
Filiation absolut
nichts miteinander
zu tun haben; die eventuelle Wer-
tung der Gemeinsamkeiten
als Bindefehler kommt also
überhaupt nicht in Betracht. Auch Kontamination
scheidet hier ohne weiteres aus. Wer sollte an einer
ganz vereinzelten
Textstelle
ausgerechnet eine fal-
sche Lesart aus einem Zweitkodex herausgreifen3?
Und
Durch Itazismus
geförderte Haplographie?
2 Hier ist die Lesart des Archetypus
nicht zu sichern.
Es liegt also entweder Koinzidenz
der Konjektur (an)
oder einer itazistischen
Verschreibung (ß~)
vor.
Wie dem auch sei, der Kodex Q, ein Deszendent von 11
ist jedenfalls
unabhängig vom Archetypus bzw. von
'
ß~ auf denselben
Fehler verfallen.
3 Die Übernahme
von augenfälligen
Fehlern der einen
trotz richtiger
Lesungen der anderen Handschrift
kommt gelegentlich freilich vor, aber Offensicht_
lich nur bei Ineinanderarbeitungen
größeren Umfan
gs.
-
23-
warum sollen nicht zwei oder auch mehr Humanisten
unabhängig voneinander
dieselbe Konjektur vorgenom-
men habenl?
Aus allem ergibt sich das folgende Bild: Koinzi-
denz wird sich in der Geschichte jedes Textes bele-
gen lassen. Bei Konjekturen2
und Fehlern ganz be-
stimmter Gattungen
(z.B. die drei ersten obengenann-
ten Gruppen) ist begreiflicherweise
am ehesten damit
zu rechnen;
selbst dreifaches (8a4, 8a8, Ob21, 9b18,
Ob4, la18) und noch häufigeres
(9b24, lall, 2a17)
Zusammentreffen
in Konjektur
oder Versehen ist nicht
auszuschließen.
Je größer die Zahl der Sonderlesun-
gen in einer Handschrift,
desto eher besteht die Mög-
lichkeit, daß die eine oder andere Abweichung sich
irgenwoanders
wiederholt (vgl. z.B. das relativ häu-
fige Auftauchen
der stark verderbten
Lin.-Kodizes
Za
und Berol. in der obigen Liste).
Gemeinsame
Sonderlesungen
werden in der Stemmatik
Vgl. auch die Beispiele bei M.Sicherl, 5.39, 41,
119/20.
2 Neben den Fällen,
wo zwei Personen unabhängig von-
einander
dieselbe Konjektur
vornehmen
(vgl.die ge-
nannten Beispiele), gibt es - darauf sei hier bei-
läufig hingewiesen
-
natürlich
auch solche, wo
durch Konjektur
eine bezeugte authentische Les-
art, die inzwischen
irgendwo im Überlieferungspro-
zeß verderbt war, wiederhergestellt
wird; so z.B.
in unSerer Schrift 8a5 EXov:
aßy+EOXov:
Vat.
905 + EXov:
Matr. oder 8a18 EOTI TI äμEP~~:
ß+
EOTlV äμEP~~:
ay
+
(OTI TI äμ(PE~:
n oder Oa3
OUμμETPOI
μnKEI:
a ß y + OUμμETPOI
näoal μnKEI:E
+
OUμμETPOI
μnKEI:
Pach. oder Oa20 ypaμμn~:
ß+
ypaμμn:
ay
+
ypaμμn~:
Qa 1 oder 1a29 äAAO:
aßy
+ äAAa:
Vat.905
+
äAAO: Matr. Die jeweils mittle-
ren Lesarten
(zwischen
den Pfeilen) sind also 50n-
derlesungen
ohne trennende Kraft.
-
24-
überall dort relevant,
wo von ihrer Einschätzung
entweder als Bindefehler
oder als Koinzidenz
die Be-
stimmung des Verhältnisses
von Textzeugen
zueinander
entscheidend
abhängtl. Wie läßt sich in solchen Fäl-
len zwischen
zufälligem Zusammentreffen
und genealo-
gischer Wiederkehr
von Lesarten unterscheiden?
Liegt
nur eine einzelne gemeinsame
Sonderlesung
vor, so
gibt es, wie mir scheint, überhaupt keine Klärungs-
möglichkeit.
Die oben zitierte Definition
von Pas-
quali und Maas, wonach Bindefehler
solche Gemeinsam-
keiten sind, die "nicht zu nahe liegen" bzw.
"aller
Wahrscheinlichkeit
nach nicht unabhängig voneinander"
entstehen konnten,
vermag ich nicht in vollem Umfang
gelten zu lassen. Kein Fehler ist so paradox
und ab-
wegig, daß er sich nicht auch zufällig wiederholen
konnte2. Gleiche Auslassungen
Von einzelnen
Wörtern
z.B . liegen doch in der Regel keineswegs nahe, und
dennoch kommt es vor, daß zwei Kopisten ein und das-
selbe Wort vergessen
(vgl. 8a14 und la20 in der obi-
gen Liste). Freilich wird niemand abstreiten
wollen,
daß gewisse Fehler viel leichter wiederkehren
konn-
ten als andere.
Ausschlaggebendes
Kriterium für die Entscheidung
unserer Frage ist nicht so sehr die Art, Sondern
vielmehr die Frequenz gemeinsamer
Fehler, die Pas-
quali an zweiter Stelle hervorhebt. Je zahlreicher
Unter den obigen Beispielen
gibt es zufäll'
'.
di
1.ger-
we1.se ke1.nen Fall
1.eser Art.
2 Auf den iSOlierten
Einzelfall bezogen hat 1
d
(
'..
aSo
er
Maassche Satz
aus se1.nem spateren AUfsatz
.
Textkritik, S.28, Petitdruck), daß "die me~ Jetzt
.
h1B'df
1.Sten
Trennfehler
zugle1.C a s 1.n e ehler Verwe db
sind",
keine absolute GÜltigkeit.
n
ar
-
25-
gemeinsame
Sonderlesungen
-
auch Quisquilien und
äußerst naheliegende
Fehler! '- in zwei Handschriften
begegnen,
desto größer die Wahrscheinlichkeit,
daß
es sich nicht ausschließlich
um Koinzidenz handelt.
So machen die mitunter äußerst geringfügigen,
aber
relativ häufigen
(mehr als ein Dutzend in unserem
kurzen Traktatl) Übereinstimmungen
etwa in Ua und
Ott.153 (vgl. unten 5.192) bzw. in Qa und Vind.Phil.
206 (vgl.unten
S.214/5)1 unbestreitbar
die Ansetzung
einer gemeinsamen
heute verschollenen
Vorlage erfor-
derlich.
-
Tatsächliche
Bindefehler
werden sich in
der Regel in solcher Frequenz einstellen2, daß Ko-
inzidenz unvorstellbar ist3.
Oder z.B . auch in Ambr.A 174 sup. und Vind.Phil.
231, vgl. unten S.269/270,
wo sich ca. 30 überein-
stimmende Sonderlesungen
finden.
2 Und zwar entsprechend der Art und dem Schwierig-
keitsgrad
der betreffenden
Schrift und der Zuver-
läsSigkeit und der Textestreue
des betreffenden
Kopisten.
3 Die dreimalige Übereinstimmung
der Handschriften
N
und Za (9b22. Oa4. la24) sowie Za und Wa (8a8,lal1,
2a17) in der obigen Liste läßt allerdings erkennen,
innerhalb welchen
Spielraums
etwa in unserem Trak-
tat die Entscheidung schwerfällt. Es soll nicht
verhehlt werden
daß das wiederholte Zusammengehen
a
'
.
Von N und Z eventuell
als Bindung dieser be1.den
KOdizes aneinander
hätte angesehen werden können,
wäre diese nicht insgesamt gesehen überlie.rfrungs-
geschichtlich
eindeutig ausgeschl_ssen.
"
-,
-
26-
b) Lagen s ign ierungen als übe rlie fer_l.1n~el>chi ch t li-
che Indizien
Der kodikologische
Befund der Signierung
von La-
gen, aus denen sich eine Handschrift zusammensetzt,
kann unter Umständen über seinen Selbstzweck
hinaus
für die Textgeschichte
gewisse Anhaltspunkte
bietenl
Diese Signaturen,
sog. Kustoden,
-
griechische
Unzi-
al- oder Minuskelbuchstaben
auf jedem ersten Recto
meist in der äußeren Ecke des unteren Randes und
nicht selten auf dem letzten Verso der Lage wieder-
holt (mitunter wegen nachträglichen
Beschneidens
der
Ränder nicht mehr erhalten) - ,
die hin und wieder
durch die Art ihrer zusätzlichen
Verzierung Rück-
schlüsse auf die Herkunft eines Kodex aus einem be-
stimmten Scriptorium
erlauben2,
waren nicht zuletzt
für den Buchbinder
oft einzige Kontrollzeichen3
für
die richtige Reihenfolge der Lagen4•
Fehlen heute in
einer Handschrift innerhalb einer Kustodenkette
ir-
gendwelche Glieder,
so ist ein Textverlust
auch ohne
Vgl. Th.Birt, Kritik und Hermeneutik nebst Abriß
des antiken Buchwesens,
München 1913 (Handbuch der
Klassischen
Altertumswissenschaften
,
1. Bd.,
3. Abt.),
S .15.
2 Vgl. auch H.Hunger,
Antikes und mittelalterliches
Buch- und SChriftwesen,
in: GeschiChte der Textüber-
lieferung der antiken und mittelalterlichen
Litera-
tur, Bd.I, von H.Hunger u.a .•
Zürich 1961, S.50 -51.
3 Die Foliierung
wird erst spät üblich.
4 In der Renaissancezeit
(vor allem im 16.Jh.) konnte
auch der sog. Reklamant, d.i . eine Angabe des Text-
beginns
(normalerweise höchstens
zwei Worte umfas-
send) der nachfolgenden
Lage rechts auf dem unteren
Rand des letzten Versos der v~rangehenden
(auch in
vertikaler
Schriftführung),
d~ese ROlle übernehmen.
-
27-
Lektüre des Textes augenfällig,
und wir können sei-
nen Umfang sogleich
recht gen au bestimmenl.
Von weitreichender Bedeutung ist die Konstatie-
rung eines Kustodenausfalls
natürlich dann, wenn
sich ergibt, daß eine ganze Schrift oder mehr mit
den Lagen verlorenging,
was sonst nicht auffallen
würde, und sich mit Hilfe anderer Kriterien ermit-
teln läßt, um welche Schrift oder Schriften es sich
handelt. In der Überlieferungsgeschichte
des Corpus
Aristotelicum
gibt es einige solcher Fälle. So kann
z.B .,
was die EE betrifft, letztlich aufgrund 4 feh-
lender Lagensignaturen
im Ambr.L 76 sup. nachgewie-
sen werden,
daß dieser Kodex neben jener Ethik und
der genuinen
Rhetorik ursprünglich
auch einmal die
Alexander-Rhetorik
enthielt,
wodurch sich in Verbin-
dung mit anderen
Indizien
wiederum die textgeschicht-
lich relevante konstantinopolitanische
Herkunft des
Hyparchetypus
Laur.81,15 glaubhaft machen läßt2
Auch in dem berühmten
Par.1741, der u.a. Rhetorik
und Poetik vollständig enthält, gibt es eine größere
Lücke in der Lagensignierung,
und ein Pinax verrät,
daß es die peripateTischen Traktate Phgn.,
Sign.,
Vent. und Theophrasts
Charaktere
sind, die hier ab-
handen kamen.
Damit ist in der Tradierung jener Trak-
An Beispielen
dieser Art fehlt es nicht. Es sei,
um im Griechischen
und Aristotelischen
zu bleiben,
nur an einen bekannten
Fall erinnert,
und zwar an
den mutilierten
Par.2036, der Archetypus
für die
Problemata (?) und Ps.-Longins
fiEpl ü~ou~ ist.
2
Zu den Einzelheiten
dieses Nachweises,
der auf der
Kombination
von Fakten aus Kodikologie,
Kulturge-
schichte und Stemmatik beruht,
vgl. D.Harlfinger,
?ie Überlieferungsgeschichte der Eudemischen
Ethik,
ln: Untersuchungen zur Eud.Ethik, hrsg.von P.Moraux
und D.Harlfinger,
Berlin 1971, 5.1-50, dort 5.4-5.
-
28-
tate die Exist~nz
eines schon durch sein Alter her-
vorragenden
Textzeugen
erschlossen,
dessen Textge-
stalt und stemmatischen
Ort zu rekonstruieren,
von
großer Bedeutung
wäre1•
Das letzte Beispiel dieser
Reihe, die sich fortsetzen
ließe, ist der auch in
der vorliegenden
Untersuchung behandelte Vind.Phil.
231. Hier zeigt die an den
der
Kustoden ablesbare
Zahl
Lagen, daß nicht allein das Ende
Anfang von Vent. verlorengegangen
sind, sondern darüber hinaus zwischen den beiden
Traktaten
die gesamte Schrift Sign.2 •
von
ausgefallenen
Phgn. und der
Aber es ist nicht so sehr die Möglichkeit einer
Überprüfung
auf VOllständigkeit von Handschriften,
die hier hervorgehoben
werden soll. Aus den Lagen-
signierungen
ergeben sich mitunter auch erste Hin-
weise auf Entstehung
und Zusammensetzung
der in
einem Band vereinigten
handschriftlichen
Materialien,
nämlich dann, wenn eine Handschrift keine von Anfang
bis Ende durchgehende Lagenzählung,
sondern zwei
oder mehr aneinander
anschließende
separate Kusto-
denfolgen
aufweist3•
In Konvoluten,
in denen hetero-
Vgl. hierzu D.Harlfinger
-
D.Reinsch, Die Aristo-
telica des Parisinus
gr.17~1 . Zur Cberlieferung
von Poetik, Rhetorik, Physiognomonik, De signis,
De ventorum situ, in: Philologus 114, 1970,S.28 _50.
2 Vgl. zum Näheren auch unten S.282/283.
3 Angesichts dieses hier und im vorhergehenden
ange-
deuteten Wertes der Kustoden für den KOdikologen
und Textkritiker
ist es um so bedauerlicher,
daß
etwa in den sonst überaus mustergültigen
modernen
Katalogen
eines Teils der Vindobonenses
graeci von
H.Hunger
(Teil 1, 1961; Teil 2~ U ~ter Mitarbeit
von O.Kresten
1969) den Lagenslgnlerungen
generell
keine Beachtung geschenkt ist. So ist ihm denn
auch nicht aUfgefallen,
daß - wie wir hervorgeho_
-
29-
gene sich kodikologisch
deutlich unterscheidende
Stücke zusammengebunden
wurden, sind separate Signie-
rungen, wie etwa unter den Lin.- Handschriften
in Par.
1851 und Ott.451,
selbstverständlich.
Nicht so hinge-
gen in einem Kodex,
der von der Hand eines einzigen
oder mehrerer
in ein und demselben
Schreibatelier
zu-
sammen arbeitender
Kopisten stammt. Die Untersuchun-
gen im Rahmen dieser Arbeit haben über diese Frage
einigen Aufschluß gegeben:
Separate Lagenzählungen
bedeuten in einem solchen Falle verschiedene
Vorla-
gen. Bei jedem Neueinsatz (a) in der Kustodenfolge
wurde also ein anderes Antigraphon
benutzt.
Einen anschaulichen
Beleg bietet innerhalb der
Aristoteles-Überlieferung
z.B. der Par.1861. Er ent-
hält nach Schriften
des Stagiriten,
die uns hier
nicht zu interessieren
brauchen,
auch Parva natura-
lia, Col.,
Gener.Corr.,
Mete.,
Metaph. und Plant. in
dieser Anordnung. Die Vorlage unseres Kodex ist zu-
nächst,
wie KOllationsstichproben
ergeben haben, der
Par.2035 . In letzterem
fehlen aber Metaph. und Plant.,
so daß hierfür auf ein anderes Antigraphon
zurückge-
griffen werden mußte. Und so findet sich denn auch
im Par.1861
ab Metaph. eine mit a einsetzende
neue
Kustodenreihe.
Auch unter den Lin.- Manuskripten
gibt
es Beispiele:
In dem von Michael Apostolios geschrie-
benen Urb.38 (Qa) entsprechen
die sich durch geson-
derte Lagensignierung
voneinander
abhebenden
drei
Teile schon deshalb jeweils verschiedenen
Vorlagen,
ben haben - im Vind.Phil.231
mehr abhanden gekom-
men sein muß als nur das Ende von Phgn. und der
Anfang von Vent.
Vgl. hierzu und zum folgenden
die Handschriften-
Beschreibungen
im 'Aristoteles Graecus'.
-
30-
weil sie in einem alten Inventarium
noch als getrenn-
te Einheiten
aufgeführt
sind1•
Der hauptsächlich von
a
zwei Kopistenkollegen hergestellte Marc.212 (G ), der
einen großen Teil des Corpus Aristotelicum in sich
leitet sich, wie zunächst nur
Signaturreihen und
rende inhaltliche Spaltung in
Blöcke zu erkennen geben, aus mehreren separaten Vor-
lagen her2, und zwar aus einer mit EN, aus einer an-
deren mit Cael., Gener.Corr., Mete., aus einer drit-
ten mit Hist.An., aus einer vierten mit mindestens
Part.An. und Inc.An .•
danach sind keine Kustoden
mehr vorhanden. Zwei gesonderte Kustodenfolgen im
Vat.905, die eine für Tzetzes (Ilias-Scholien) und
die andere für die aristotelischen SChriften (Lin.,
Mech., Mu., Hist.An.), zeigen, daß der Schreiber des
Kodex (Demetrios) Tzetzes und Aristoteles nicht in
Oberlieferungsgemeinschaft vorfand. Dasselbe trifft
beim Mon.502 zu, dessen Schriftengemeinschaft insge-
samt ebenfalls erstmalig zu sein scheint.
Während also der Neueinsatz einer Lagenzählung in
der Regel als Zeichen für den Wechsel der Vorlage
gelten darf, garantiert umgekehrt eine einzige durch-
gehende Signierung nicht unbedingt, daß auch nur eine
Vorlage zugrunde lag. Denn die KOPisten konnten na-
türlich auch trotz mehrerer Antigrapha die Lagen ih-
rer eigenen als Bucheinheit geplanten Kopie fortlau_
fend signieren. Durchgehende ursprüngliche Lagenzäh_
lung spiegelt in einem von verschiedenen Händen stam-
vereinigt,
schiedenen
die ver-
die damit korrespondie_
mehrere thematische
Vgl. außer der Beschreibung dieser Handschrift im
'Aristoteles Graecus' auch unten S.238-240.
2 Vgl. auch unten S.174.
-
31-
menden Kodex das Teamwork der Schreiber wider und
läßt normalerweise auf die Benutzung der Vorlagen
ein und demselben Ort schließen.
an
c) Wasserzeichen als Bestimmungs- und Datierungshilfe
Eine kodikologische Untersuchung der aristoteli-
schen Manuskripte in Madrid (Frühjahr 1967), die größ-
tenteils von Konstantin Laskaris geschrieben sind,
hat u.a. ergeben, daß in den Kodizes der Mailänder Pe-
riode dieses Humanisten häufig das Wasserzeichen Blu-
me : Briquet 6597 wiederkehrt. Bei einer späteren
Durchsicht des von H.Hunger verfaßten Katalogs der
Wiener griechischen Handschriften (Teil 1) stieß ich
in der Beschreibung des Vind.Phil.230 zufällig auf
dasselbe Wasserzeichen. Da der Vind.Phil.230 die Gram-
matik des Konstantin Laskaris enthält, lag der Gedan-
ke nahe, es könnte sich um das Autographon des Verfas-
sers handeln. Die Autopsie dieses Kodex (Dezember
1967) hat dies bestätigt: ff.1 -44 stammen von der
Hand dieses griechischen Gelehrten.
Die Bedeutung der in Papiermanuskripten seit dem
Ausgang des 13.Jhs. vorkommenden Wasserzeichen als
Hilfsmittel für die Einordnung von Handschriften in
bestimmte Scriptorien und Schreibateliers und für
die Identifizierung von Schreiberhänden hat bisher
allem Anschein nach kaum Beachtung gefunden1• Es
Als erster hatte A.Dain, Les manuscrits, Paris
21964. S .65 (:11949, S.60), auf den Nutzen der Aus-
wertung der Wasserzeichen für die griechische Phi-
lologie aufmerksam gemacht.
-
Sieht man von gele-
gentlichen Beobachtungen am Rande, wie z.B . in den
-
32-
liegt jedoch auf der Hand, daß namentlich dort, Wo
Papier in großen Mengen benötigt wurde, also z.B .
bei den professionellen
HandschriftenkoPisten,
je-
weils größere - gleichwohl
meist schnell
verbrauch_
te - Vorräte dieses Beschreibstoffes
aus der laufen-
den ProdUktion
eines bestimmten
Papierfabrikations_
zentrums angelegt Wurden und daß sich diese Papier-
sorten Von den vorangehenden
oder den folgenden
und
Von den Erzeugnissen
anderer Papiermühlen
unterschie_
den. Daher leuchtet es ein, daß außer kodikologisch_
paläographischen
Merkmalen,
wie z.B . DUktus,
Anlage
des SChriftsPiegels,
Illumination,
Lagensignierung
u.dgl.,
auch identische Papierformen
chen auf die gleiche Provenienz
Scriptorium) hindeuten können.
leicht einprägsame
und relativ zuverlässige Hilfs-
mittel bei der Erforschung
und Rekonstruktion
kul-
turgeschichtlicher
Zusammenhänge,
in denen sich ~ei-
tergabe und Verbreitung Von Literatur jeglicher
Gat-
tung und 5prache Seit dem 14.Jh . V01',ogen.
Es emp-
fiehlt sich deShalb, aUch die Wasser'eichen
sowohl
und Wasserzei_
(Entstehungszeit
und
Diese sind somit
Arbeiten M.Witteks (Manuscrits et COdicOlogie,
in,
Scriptorium
7, 1953, 5.274-297) und M.5icherls,
ab,
so findet sich die, soWeit ich sehe, erste metho_
disch konsequent durchgeführte UntersUChung dieser
Art in der in jeder Hinsicht vorbildlichen
Arbeit
P.Canarts,
Les manuscrits copi~s par Emmanuel Pro-
vataris (1546-1570).
Essai d'~tude COdicOlogique,
in, M~langes E.Tisserant VI, CittA deI Vaticano
1964 (" Studi e Testi 236), 5.173-2'7. Auch die
VOr'üglichen
Arbeiten O.Krestens
über Andreas Dar_
marios (insbesondere
seine Dissertation,
Der SChrei-
ber Andreas Darmarios.
Eine kOdikOlogiSCh_pal.ogra_
phische Studie, Wien 1967, Masch~nenschrift)
sind
in diesem Zusammenhang
zu nennen.
-
33-
in Betrachtungen
synchronistischer
Art, die etwa be-
stimmten Scriptorien
oder Kopisten gewidmet sind,
als auch in diachronistischen
Untersuchungen
zur
Überlieferungsgeschichte
dieses oder jenes Autors
oder Werks - wo möglich - mit einzubeziehen1•
Ich
habe versucht, diesen speziellen
kodikologisch-kul-
turgeschichtlichen
Aspekt zu berücksichtigen
und
einige Verbindungen
zwischen verwendeten
Papiersor-
ten einerseits und Kopisten sowie Herkunft der Kodi-
zes andererseits herauszustellen,
man vergleiche die
Beschreibungen
im 'Aristoteles Graecus' oder mitun-
ter auch die Ausführungen
zu den Lin.- Handschriften
weiter unten.
Die Bedeutung der Wasserzeichen
für die Datierung
von Archivalien
und Handschriften
ist demgegenüber
spätestens
seit dem Erscheinen
von Briquets großer
Sammlung (1907)2 allgemein erkannt. Hinsichtlich der
Präzision
und Effektivität einer Auswertung der Was-
serzeichen
ist allerdings in den meisten modernen
Handschriften-Katalogen
und textgeschichtlichen
Stu-
dien eine eher skeptische
und äußerst vorsichtige
Haltung zu beobachten,
man sieht in den Wasserzei-
chen kaum mehr als eine approximativ
auf große Zeit-
räume hinführende Datierungshilfe.
Laut Briquet ( S.
XVIII-XXIII) liegt die durchschnittliche
obere Gren-
In diesem Zusammenhang
wäre auch eine Wiedergabe
der in den bisherigen
Veröffentlichungen
nicht be-
legten Wasserzeichen
in Originalgröße
wünschens-
wert.
2 Ch.M .Briquet,
Les filigranes.
Dictionnaire
histo-
rique des marques de papier des leur apparition
vers 1282 jusqu'en 1600, Genf 11907,
~ eipzig
21923, The New Briquet, Jubilee Edition
••• ,
Sup-
plementary Material, Amsterdam
1968.
-
34-
ze der Zeitspanne
von der Herstellung
eines
Papiers
bis zu seinem
Verbrauch
für Normalformate
bei 15
Jahren,
für großformatiges
Papier
bei 30 Jahren
und
darüber.
M.Sicherl,
der sich auf eigene
und P.Henrys
Untersuchungen
zu Wasserzeichen
stützt, hat in einem
methodisch
interessanten
Beitrag
seines
wertvollen
Buches (5.7 -13) den in Frage kommenden
Zeitraum
auf
durchschnittlich
25 Jahre angesetzt.
Wir können
jedoch,
wie ich mit den neueren
Exper-
ten der wasserzeichenforSchung1
meine,
weSentlich
oPtimistischer
sein. Die Hauptvoraussetzung
ist
al-
lerdings,
daß sich die gefundenen
Wasserzeichen
nach
Form und POSition im Papierbogen und aUch die Anlag.
der BOden_ und Bindedrähte
mit denen datierter
SChriftstücke gänzlich Zur Deckung bringen lassen,
was allerdings bei der bisherigen Vergleichsbasis,
der Briquet-Sammlung, deren Datenangaben zudem mit
Vorsicht zu verwenden sind, nur Selten der Fall ist.
Die ersten Veröffentlichungen der Staatlichen Ar-
chivverWaltung Baden-Württ.mberg, Sonderreihe Die
Wasserzeichenkartei Piccard im Hauptstaatsarchiv
Stuttgart. seit 1961 fortlaufend .rscheinend. geben
Vgl. z .B . V .Mo~in. Die EVidentierung und Datierung
der Wasserzeichen. in, PaPierg.sChichte S 19S5
.
.
"
S.49-S7 . G.Piccard. D1e wasserz.1chenforSChung als
historische HilfsWissenschaft. in, Archivalische
Zeitschrift S2. Müncqen 19S6. S.62-11S. besonders
S"".
Th.Gerardy. Datieren mit Hilfe Von Wasser_
zeichen •••• Bück.burg 1964 (0 SChaUmburger Stu_
dien Heft 4). und J.1rigoin. La datation Par les
'
'.
filigranes,
in: Internat~onale Geme~nschaft der
Papierhistoriker - 1nformat~on ••• F, I,'.
1967,
S.33 -35j weitere
Literatur
~ n der B~bl~ograPhie
des New Briquet (dort S.*39/*40).
-
35-
jedoch zu der Hoffnung
Anlaß, daß wir in absehbarer
Zeit anhand
umfassenderer,
zuverlässiger
Kollektio-
nen von Wasserzeichen typen und -formen
genauere
Da-
tierungen
vornehmen
können.
Es scheint
sich bereits
jetzt das Ergebnis
abzuzeichnen,
daß ein und dassel-
be Wasserzeichen
nur auf wenige Jahre begrenzt
vor-
kommtl.
Nach meinen
eigenen
bisherigen
Erfahrungen
-
Wasserzeichen
datierter
oder recht genau datierba-
rer Handschriften
als Exaktheitsprobe;
äußerst
mini-
maler Spielraum
bei mehreren
Wasserzeichen
in ein
und demselben
undatierten
Manuskript
(vgl. z.B. un-
ten Vind.Phil.206)
-
scheint
es in der Regel durch-
aus möglich,
ein mindestens
bis auf ±3-S Jahre ge-
naues Entstehungsdatum
einer Handschrift
zu ermit-
teln, besonders
dann, wenn man nicht nur Einzelfor-
men, sondern
auch Formenpaare
von Wasserzeichen
mit
datierten
Vergleichsobjekten
identifizieren
kann2•
Ausnahmefälle
-
fernab
von den Zentren
der Papier-
produktion
entstandene
Handschriften;
zuunterst ge-
lagertes
Papier,
auf das immer neu angekauftes
ge-
stapelt
wurde;
später beschriebene
Leerblätter
von
älteren
Handschriften
und dgl.
-
wird es freilich
immer geben.
Piccard
gibt für gewöhnliches
Papier
3-4 Jahre an,
Gerardy,
S.65, stimmt dem zu.
2 Ich hoffe,
in naher Zukunft diese These im Bereich
der griechischen
Handschriften
durch ausführliches
Beweismaterial
untermauern
zu können.
-
36_
11. EINIGE GRUNDZÜGE DER ARISTOTELES-ÜBERLIEFERUNG
In de, Ühe"iefe,ungsgeSChichte
des Co'pus Ari,to.
telicum
wie der meisten
anderen
Schriftwerke
der
g'iechischen Antike sind Handsch'iften als Träge,
de, Textt'adie,ung e'st Seit dem 9. nachch'istli_
chen Jahrhundert
der Photianischen
oEaTEPO~ €AA~V\aμ6~,
erhalten
oder
strUie'harl. Fur den Zeit'aum von meh, als einem
Jahrtausend nach de, Ent'tehung de, authentischen
Werke des Stagi'iten und de, seinem CO'pus einver-
leibten apok'YPhen SChriften sind wi, zu, E'fo,_
sehung der Textgeschichte, in Welche, die Von Stra-
hon herichtete Und in einigen ASPekten mögliche,wei_
se der WirkliChkeit entsprechende Geschichte vom
'Kelle, in Skepsis' und vom weite'en Schicksal des
a,istotelischen NaChlasses' genauso wie die Ausgahe
der esote'ischen Traktate durch den Pe'ipatetiker
Androniko, von Rhados im 1.Jh .v .Chr. und die Tätig-
keit gelehrter Männe, in den PhilosoPhensChulen und
KUlturzent,en Von Athen, Alexandria, Antioehia, Rom
und Später Byzanz einen hedeutenden Platz einneh_
men3, angewiesen auf die wenigen indirekten Zeugnis_
Renaissance,
des
genauer
rekon-
Von den Wenigen papyruS,eUgnissen fur die Werke
des Aristoteles (vgl. R .A .Pack, The Greek and La-
tin Literary Texts from GreC?-Roman EgyPt, Ann A,-
hor, '1965, S.26 sq.) kann h"e, ahgeSeh~n werden.
' Strahon 13,54, P.608, da,u Plutarch, SUlla 26.
Vgl. A .H .Chroust, The Miraculous Disappearanee
and Recovery of the Corpus Aristotelicum, in,
Classica et Mediaevalia 23, 1962, S.50-67, mit Li-
teraturangaben.
3 Vgl. A .Tuilier, La tradition aristOt~licienne l
Byzance des origines au VIIe si~cle. La formation
-
37-
se bei einzelnen
Schriftstellern
und auf die text-
kritische
Auswertung
der zahlreichen
Commentaria
in
Aristotelem
Graeca
des ausgehenden
Altertums1
und
der frühen
Übersetzungen
der verschiedensten
Schrif-
ten im Armenischen,
Syrischen,
Arabischen,
Hebräi-
schen und Lateinischen
(Boethius).
Daß die Textgestalt
der einzelnen
Schriften
des
Corpus
in jenen Jahrhunderten
keineswegs
als ein-
heitlich
gelten
darf,
zeigen Erörterungen
von Text-
problemen2
und gelegentliche
Hinweise
auf äAAn ypa~n
(oder oEuT€pa ypa~n)3 u.a .m .
bei den Aristoteles-
Exegeten
sehr deutlich.
Andererseits
müssen
z.B. im
Falle von Cat. (und von Int.) die enge Verwandt-
schaft des Ambr.L 93 sup.(n)
mit denjenigen
griechi-
schen Originalen,
die den geographisch
und kulturell
de la scolastique
byzantine,
in: Association
G.Bu-
deo Congres
de Lyon. Actes du Congres,
Paris 1960,
S.186 -197,
K.Oehler,
Aristotle
in Byzantium,
in:
Greek, Roman and Byzantine
Studies 5, 1964, 5.133
bis 1~6 (jetzt auch in dt.Übers.
in: Aristoteles
in der neueren
Forschung,
hrsg.
von P.Moraux
(Wis-
sensch.Buchgesellschaft,
Wege der Forschung
Bd.
LXI), Darmstadt
1968, 5.381 -399,
dort 5.381 -386,
und in: K.Oehler,
Antike Philosophie
und byzanti-
nisches
Mittelalter.
Aufsätze
zur Geschichte
des
griechischen
Denkens,
München
1969, S.272-286,
dort 5.272 -276).
Zu einem
wichtigen
Abschnitt
der Kommentatorenzeit
ist eine umfassende
Darstellung
von P.Moraux,
Ge-
schichte des Aristotelismus
von Andronikos
bis
Alexander
von Aphrodisias,
in Vorbereitung.
2 Vgl. z .B . einen interessanten
von P.Moraux
behan-
delten
Fall: Eine Korrektur
des Mittelplatonikers
Eudoros
zum Text der Metaphysik
des Aristoteles,
in: Beiträge
zur alten Geschichte
und deren Nach-
leben.
Festschrift
für Fr.Altheim
zum 6.10.1968,1,
Berlin 1969, S.492 -504.
3 Man vergleiche
die Indices der CAG s.v. ypa~n .
-
38-
so weit Voneinander
entfernten
Übersetzungen des Bo-
ethius im Lateinisehen und des Georgios im Syriseh,"
zugrunde lagen,
auf der einen
und die Verbindung des
Mare.201 (B) mit der armenisehen und der syrisehen
Übersetzung des Jakob auf der anderen Seite' auffal_
len.
Erst durch eine systematische
Untersuchung der
Te'tgesehichte des Corpus Aristotelicum bis zur mit-
telbyzantinischen Epoche, in der nicht nur das ge-
samte erwähnte Material aUfgearbeitet, sondern auch
i. Vergleieh dazu die Charakteristischen Überliefe_
rungSmerk.ale der erhaltenen Te'tzeugen analysiert
werden mÜßten, werden sich wahrscheinlich die diffi-
zilen Fragen nach Herkunft, Umfang, Überlieferungs_
gemeinsehaft, Anordnung Und bUChtechnischer Anlage,
nach Te'tform Und Qualität der verlorenen Majuskel-
exemplare und nach dem, was uns davon weitertradiert
worden ist, einer EntSCheidung näherbringen lassen.
Dann wird sich zeigen, ob der ArehetyPUs unSerer Ma-
nuskripte ein mit reichlichen marginalen Und inter-
linearen Varianten versehener Unzialkode, gewesen
ist, wie H.Diels in seiner berUhmten Abhandlung
"Zur TextgeSchichte der aristOtelisehen Physik'"
für
diesen Traktat zu beweisen versuChte, Und im 7.oder
B.Jh. angesetzt werden muß' oder ob der für die
Vgl.hierzu L.Minio-Paluello, Aristot"is Categori_
ae .t Liber d. interpr.tatione, O'ford
1956,
S.XX .
' In, Abhandlung.n d.r kgl.Akad.mi. der Wissenschaf_
ten zu B.rlin, Phi,.-hiSt·"" •• 2, .erlin ' •• 2
S.1-42, besonders
S.7,19 sqq.
,
, Dieser Zeitansatz Von Diels findet sich aUch _ et_
Was verschoben
-
bei A.Tuilier
(vgl.Oben
5.36
.
"e'
,
An•• ,), S.196, Anm., W'eder,
est probablement
au VIe ou VIIe si~cle qu'il faut fi'.r "arCh~typ.
de nos manuserits
grecs d'Aristote."
-
39-
Textgestalt
unserer
Kodizes
letzten
Endes entschei-
dende Beitrag
nicht
vielmehr in Verbindung
mit der
Umschrift
des Werkes in die MinuSkel geleistet
wor-
den ist. Der mühseligen
Arbeit der Transliterierung
unterzog
man sich,
zumal in demselben
geistig-kultu-
rellen
Milieu,
verständlicherweise
nur in den selte-
neren Fällen
mehr als einmall.
Hier verbürgt die ge-
lehrte Gewissenhaftigkeit
solcher
Männer
wie Leon,
Photios
und Arethas
eine hohe Qualität
und größtmög-
liche Authentizität
der sicherlich
unter Heranzie-
hung, Vergleichung
und Aussortierung
aller gerade
verfügbaren
Textzeugen
und nicht ohne Konjektural-
kritik
entstandenen
frühesten
Minuskelexemplare.
Da-
her wird man den Vorgang
des μETaxapaKTnplOμ6~ auch
unter dem Gesichtspunkt
einer kritischen
Editionsar-
beit betrachten
und diese wiederum
bei allen nicht
geringen
Unterschieden
in Art und Umfang des zur
Freilich
wird der eine oder andere Text sehr wohl
zweimal
und vielleicht
auch öfter transliteriert
worden
sein;
vgl. auch G.Pasquali,
Storia della
tradizione
e critica del testo,
Firenze
21952, S.
15-16. A.Dain,
Les manuscrits,
21964, 5.130, gibt
eine Liste der möglichen
Beispiele
einer doppelten
Umschrift;
R.Browning,
Recentiores
non deteriores,
in: University
of London,
Institute
of Classical
Studies,
Bulletin
Number
7, 1960, 5.11-21, hält
die Existenz
und Auswertung
von Unzialhandschrif-
ten sogar noch im 13. und 14.Jh.für
wahrscheinlich.
-
Was das Corpus
Aristotelicum
betrifft,
so hat P.
Moraux
für Cael. (Aristote,
Du ciel, Paris 1965,
S.CLXVIII)
zwei anhand
getrennter
Vorlagen
getä-
tigte μETaxapaKTnplOμO(
nachgewiesen,
auf die die
beiden
Handschriften-Familien
mit ihren jeweiligen
Repräsentanten
Par.1853 (E) (Unzialfehler!
,
vgl.
Moraux,
S.CLXXIV)
und Vind.Phil.l00
(J) zurückge-
hen. Da beide genannten
ManUSkripte
außerdem
auch
die Schriften
Phys.,
Gener.Corr.,
Mete.,
Metaph.
und das Metaphysik-Fragment
des Theophrast
enthal-
ten, dürfte
auch bei diesen
Traktaten
eine doppel-
te Transliteration
sehr naheliegen.
f
....
.J.. d...:..-
erschie ens"ten s a ••
ns
er• .
Aris ot:e es
S"t I'"!a-~
gte profane 6~ie-
er Verbre':'1:
~ igen chris1:lichen
en voran Vom
g eure
.a-
n
eX"ten
euen
e~t:a-
ryns, Un fragment in€dit d'un
cte ~n onciales,
in: Revue des
~L5, S.350-373, 1 Taf.
en sich aufgezählt bei A.War-
manuscrits grecs d'Aristote
rs. Contribution ~ l'histoire
,
Paris 1963; erste Nachträge
-
J.Wieaner,
Die griechischen
Ar[btoteles und seiner Kommenta_
opium 18, 1964, S.238 -257.
hllch in don verschiedenen
Fonds
Apo8tOllcü Vaticana) befinden sich
h~jlten; es fOlgen Paris mit Ca.170,
.120, M~11dnd mit ca.70, Wien und
. 50 ManuSkripten
usw.
e-
-
41-
ment1,
von Johannes
Chrysostomos2 und Johannes Ud-
maskenos3,
erreicht
oder übertroffen.
Es ist eine bekannte Tatsache,
daß die Wertsch~t -
zung und Beliebtheit, derer sich ein Autor die Jahr-
hunderte hindurch erfreute,
die wichtigsten
Faktoren
bei der Erhaltung und Ausbreitung
seiner Werke gewe-
sen sind4•
Daß von den beiden großen Philosophen der
Antike in der byzantinischen Zeit bis zum Ausgang
des Mittelalters
Aristoteles gegenüber Platon insge-
samt den Vorzug genossen
hat - das macht schon ein
Vergleich der Zahl der erhaltenen
Handschriften
deutlich, die für Platon etwa 260 beträgtS -
,
ver-
dankt der Stagirit in erster Linie der großen Be-
Davon gibt es allein 2646 Minuskeln,
vgl. K.Aland,
Kurzgefaßte Liste der griechischen
Handschriften
des Neuen Testaments,
I.Gesamtübersicht,
Berlin
1963.
2 Vgl. A.Wartelle,
S.XIII . Allein in England und Ir-
land gibt es 298, in Deutschland 105 Chrysostomos-
Handschriften,
vgl. Codices Chrysostomi Graeci, I,
Britanniae
et Hiberniae,
deser. M .Aubineau,
Paris
1968; fI, Germaniae,
descr. R.E.Carter,
Paris
1968.
3 759 Handschriften
allein für die Pege gnoseos,
vgl. B.Kotter,
Die Überlieferung der Pege gnoseos
des hl.Johannes
von Damaskos (: 5tudia patristica
et byzantina 5), Ettal 1959.
4 Vgl. M.Sicherl Platonismus
und Textüberlieferung,
.
.
~ n : Jahrbuch der Österreichischen
Byzantinischen
G~sellschaft 15, 1966, 5.201-229, dort S.201, mit
~ ~ teratur,
auch zur parallelen
Erscheinung bei der
Überlieferung
der römischen
Schriftwerke.
S Vgl. N.G .Wilson
A List of Plato Manuscripts,
in:
Scriptorium
16, '1962, S.386 -395, und The Plato Ma-
nuscripts.
A New Index, prepared by the Plato Mi-
crofilm Project of the Yale University Library un-
der the Direction
of R.S .Brumbaugh
and R.Wells,
New Haven - London 1968.
-
42-
deutung
kirche,
Platon.
seiner PhilosoPhie für die Theologie de~ Ost_
die ihm aufgeschlossener
gegenüberstand
als
So ist denn auch Aristoteles der am meisten kom-
mentierte
und paraphrasierte
griechische
Autor
nicht nur im ausgehenden
Altertum,
sondern
auch im
byzantinischen
Mittelalter.
Anders als im Falle z.B.
der griechischen
Tragiker,
des AristoPhanes,
Hesiod,
Pindar und Arat sind es nicht die großen byzantini_
schen Philologen
Und Textkritiker
der frÜhen Palaio-
logenzeit,
wie Maximos Planudes,
Demetrios Trikli-
nios, Thomas Magistros
und Manuel MoschopUlos1,
son-
dern die ünaTol TWv ~lAoo6~wv,
die byzantinischen
Professoren
und ebendie Aristoteles_Exegeten,
die
zur Verbreitung
aUch der originalen
Werke in ent-
scheidendem
Maße beigetragen
haben und durch deren
Hände viele HandsChriften
und Texte gegangen
sein
müssen.
Vom 9. bis 14.Jh. ist die Reihe dieser
Aristoteliker
nie abgerissen.
Mit den Namen und dem Wirken dieser Männer,
die
in der Geschichte
sowohl des Aristotelismus
als auch
Vor allem der byzantinischen
PhilosoPhie einen wich-
tigen Platz einnehmen,
wird man sich bei der Erfor_
Schung der ÜberlieferungsgeSChichte
des Aristoteles
vertraut machen mÜSsen.
Ich gebe im fOlgenden
ein.
chronologisch
angelegte Liste der byzantinischen
Aristoteles-Kommentatoren
des 9. - 14.Jhs.
mit Nennung
der von ihn.n bearbeiteten
und uns erhaltenen
Origi_
1 Vgl. M .Sicherl,
5.202 mit Literatur.
-
43-
nalschriften1:
Im 9.Jh . Photios (Cat.2),
Ende des 9.
und Anfang des 10.Jhs. Arethas (Cat.3),
im 11.Jh.
Gregorios Aneponymos
(Logik~), Michael Psellos (Cat.,
Int.,
Anal.Pr.,
Anal.Post.,
SE, Phys.,
Mete.,
An.,
Parva naturalia (?» und Johannes
Italos (Cat.,
Int.,
Top.II-IV, Rhet.), Ende des 11. und Anfang des 12.
Jhs. Michael Ephesios (Int.,
SE, Metaph.(Teile),
EN
(Teile), Parva naturalia,
Gener.An.,
Part.An.,
Mot.
An.,
Inc.An.,
Pol.,
Col.5)
und Eustratios (EN, Anal.
Diese Liste, die keinen Anspruch
auf VOllständig-
keit erhebt, beruht nicht auf eigenen Ergebnissen,
sondern
ist aus zweiter Hand zusammengestellt,
nämlich vorwiegend
aus dem oben 5.36, Anm.3 zi-
tierten einführenden
Überblick
von K.Oehler,
des-
sen 5.398 (1968), Anm.3 angekündigte Geschichte
der byzantinischen
Philosophie
mit großem Interes-
se erwartet
werden darf, aus dem nur mit Vorsicht
zu benutzenden
Index Commentariorum
bei A.Wartelle,
5.183-198,
und aus den Praefationes
der 'Commenta-
ria in Aristotelem
Graeca'.
-
Über diese byzanti-
nischen
Gelehrten
informiert generell neben K.
Krumbacher,
Geschichte der byzantinischen
Littera-
tur, München
21897 (Handb.d .Altertumswiss.9,1)
auch B.Tatakis,
La philosophie byzantine,
Paris
1949 (in: E.Brehier,
Histoire de la philosophie,
fasc.suppl.II).
Auf das Anführen von Spezialarbei-
ten und Editionen
kann im Rahmen dieses Überblicks
verzichtet
werden.
2 Quaestiones
ad Amphilochium
137-147; auch separat
als O~VO~IS
oa~~s
TWV l KaTnYOplWV
überliefert.
3 Wahrscheinlich
ist der semiunziale
marginale Kom-
mentar im Urb.35 das Autographon
des Erzbischofs
von Kaisareia.
Dieser Meinung ist auch der Arethas-
Kenner L.G .Westerink
(nach mün~licher
Mitteilung
im Juli 1968).
4 Der Text ist zuletzt ediert von J.L .Heiberg,
Ano-
nymi logica et quadrivium,
in: Det kgl.Danske Vi-
denskabernes
Selskab, Historisk-filologiske
Med-
delelser,
Kopenhagen
1929, xV,l, S.1-50.
S Unediert bisher nur der Kommentar
zu Int. und der-
jenige zu COl •• den ich in drei jungen Handschrif-
-
44-
POst.II), im 12.Jh . Theodoros
Prodrom os (Int.,
Anal.
Post.)
und Johannes
Tzetzes
(zur Isagoge
nischen
Trimetern,
Part.An.1),
im 13.Jh .
BlemmYdes
(Epitome
logica et Physica),
Demetrios
Chomatianos (O"gdnOn), Manuel HOlobolos (Anal.p".,)
und Georgios
Pachymeres
(12 Bücher
umfassende
Philo-
sophia,
die die meisten
SChriften
des Corpus
para-
phrasiert, vgl.unten S.345), im 13./14.Jh. Josephos
Rhakendytes
(In universos
libros
expositi03),
der
Mönch Sophonias (Cat., SE, An., Parva natU"alia,
Ethik, Phys., Metaph.4), Theodoros Metochites (Phys.,
Cael., Mete., Gener.cO""., An., Parva naturalia,
Part.An.
und Gener.An.)
und Johannes
Pediasimos
(Int., Anal.Pr., AnaLPost.), im 14.Jh. Leon Hagen-
tinos (Organon), Neophytos Prod"omos (Logik), Isaak
Argy"Os (Organon) Und Josephos Philag"ios (Cat.,
Int.), im 14./15.Jh. Johannes Chortasmenos (Organon,
Rhet.) Und - chronologisCh nicht genauer fixierbar5-
in byzanti_
Nikephoros
ten des 16.Jhs. (Ambr.c 233-234 inf., Ambr.D 4742
info und 8arb.84) entdeckt habe, wo er ohne Ver-
fass,rnamen und Tit" ersch'int. D'r POlitik-Kom_
mentar
ist verschollen,
Exzerpte daraus
finden
sich als Marginali'n im 8,rol.Ham.41 Und im Leid.
Scal.26; vgl. O.Immisch, Aristotelis POlitica,
L'ip'ig 1909, S.XV -XX, Und A.Dr'i"hnter,
Aristo_
tel,s' POlitik. Eing"'it,t, kritisch hrsg. Und
mit Indices verseh,n, München 1970 (" Studia et
Testimonia
Antiqua
VII), S.XIX, Anm.53 .
Vgl. K.Krumbacher,
S.533, 535.
2 Vgl. K .Krumbacher,
S.772, 773.
3 Anscheinend t,ilw'ise identisch mit d'n SChriften
des Georgios
Pachymeres.
4 Bis auf An. ist di, Autorschaft d,s SOPhonias
fragliCh.
5 Aufgrund der Datierung
der ManUSkripte,
Texte enthalten,
ist terminus
ante quem die ihre
für Drosos
-
45-
Drosos (Int.)
und Alusianos
(Anal.Pr.)l.
Die Erforschung
des Anteils dieses oder jenes by-
zantinischen
Gelehrten
und Kommentators
an der Text-
geschichte
und Tradierung
der einen oder anderen
Schrift im Corpus
Aristotelicum
steckt
noch völlig
in den Anfängen.
Es ist nicht
ausgeschlossen,
daß
sich unter
den heute bekannten
Handschriften
noch
manch ein Autographon
eines byzantinischen
Aristote-
likers entdecken
ließe oder daß dessen eigenhändige
Marginalien
und Korrekturen
identifiziert
oder doch
wenigstens
die in seinem
Auftrag
von Berufskopisten
angefertigten
Manuskripte
-
wie nachweislich
z.B .
die weiter
unten erwähnten
für Arethas geschriebe-
nen Kodizes
-
ermittelt
werden
könnten.
Da entspre-
chende Subskriptionen
oder Notizen
in den Handschrif-
ten selbst
so gut wie nie vorhanden
sind, bleibt es
die schwierige
Aufgabe der Paläographie,
mit den ihr
eigenen
Mitteln,
v.a . durch Identifizierung
des Duk-
tus aufgrund
von paläographischer
Evidenz,
den ent-
scheidenden
Beitrag
zu leisten.
Hierbei
mag die Fül-
le des vergleichbaren
handschriftlichen
Materials
-
neben
den zeitgenössischen
Kodizes
mit den betref-
fenden
Kommentaren
auch diejenigen
mit den oft zahl-
reichen
und verschiedenartigen
anderen
Schriften
der
byzantinischen
Aristoteles-Exegeten
-
diese Arbeit
etwas aussichtsreicher,
wenn schon nicht leichter
machen.
In diesem
Zusammenhang
bedeutet
es auch eine
der Anfang
und für Alusianos
die Mitte des 14.Jhs.
Die Veröffentlichung
der noch nicht pUblizierten
Kommentare
ist in Fortsetzung
der Commentaria
in
Aristotelem
Graeca
(1882-1909)
am Aristoteles-Ar-
chiv Berlin geplant.
-
46_
entscheidende
Hilfe, daß die Kommentatoren,
beson_
ders die jüngeren,
den Originaltext
des Stagiriten
oft über weite Strecken
hin wörtlich
zitierenl,
so
daß es verhältnismäßig
einfach ist, nicht nur den
ziemlich genauen Platz des Zugrunde liegenden
Text-
zeugen innerhalb der Filiation
der entsprechenden
Schrift Zu bestimmen2, Sondern
auch bei Kenntnis
der Textgestalt
aller in Frage kommenden
Handschrif_
ten den betreffenden
KOdex entweder
zu identifizie_
ren oder aber seinen Verlust festzUstellen.
Die Geschichte der Minuskelüberlieferung
auch des
Aristoteles_Textes
ist im lokalen Bereich
engsten,
mit Konstantinopel
verknÜpft. Zwar war nach der Z.it
des Themistio,
(etwa "7-, •• ) die griechische Philo-
sophie und mit ihr der Aristotelismus
in Konstanti_
nopel ziemlich
vernachlässigt
worden.
Aber im 7.Jh .
forschte
und lehrte dort wieder der au, Alexandria
Stammende Stephanos,
der sich Vorwiegend
mit aristo-
telischer
PhilosoPhie beschäftigte.
Seitdem blieb
das Interesse für Aristoteles,
wenn aUch mit einige,
dunklen Ab,chnitten
im '.Jh. Und noch wenig erforsch-
ten Jahrzehnten
de, 10.Jhs.,
in die'er Stadt leben-
dig. Hier ließ der Kalif al-Mamun von Bagdad im Jah-
re "4
nach griechisChen
Aristoteles-ManuskriPten
für die eben einsetzende
arabische PhilosoPhie,
die
dem Stagiriten
Sehr aUfgeschlossen
gegenüberstand,
suchen,
und hier studierte im Jahre "4 der gro'e
Exempli gratia sei nur auf den An. -Kommentar
de,
Sophonias hingewiesen,
in dem U.a . ein großer
Teil Von Col. im Wortlaut herausgeSChrieben
ist.
2 Vgl. z.B. Unten 5.'51-'55
zur Lin. - Paraphrase
des
Georgios Pachymeres.
-
47-
syrisch-arabische
Übersetzer
des Aristoteles Hunain
ibn Ishaq und sammelte
auch die Originalmaterialien
für seine Übertragungen1•
So scheint denn auch für
alle auf uns gekommenen
Aristoteles-Traktate
die Um-
schrift in Konstantinopel
stattgefunden
zu haben,
so daß sämtliche
uns erhaltenen
Handschriften
letz-
ten Endes ebendort ihren Ursprung genommen haben;
es sei denn, daß sich für das von K.Treu unter Pho-
tographien
von Handschriftenresten
der Umayyaden-
Moschee zu Damaskus
entdeckte Palimpsest-Fragment
mit Int.17a35-18a16
als oberem Text2 (aus dem 9.Jh .)
die syrische Provenienz
nachweisen
lassen würde.
Auch der älteste
und wohl wertvollste Textzeuge für
die direkte Überlieferung
der apokryphen
Schrift
Virt.,
der Mosqu.394 (Savva; 231 Vladimir), ist
nicht unbedingt in der Hauptstadt entstanden; denn
er wurde von Stylianos
im Jahre 932 für Arethas ge-
schrieben,
der damals Erzbischof
von Kaisareia war.
Wer waren die Persönlichkeiten,
die sich während
der byzantinischen
Renaissance
des 9. und 10.Jhs.
der Werke des Stagiriten
annahmen,
sich mit ihnen
in Unterricht
und Forschung beschäftigten
und sie
aus der Majuskel in die Minuskel umschreiben
ließen
und so für uns retteten? Die Ursprünge des "zweiten
Hellenismus"
sind eng mit dem Namen des Philosophen
Vgl. zu allem K.Oehler,
5.386 (1968), und insbe-
sondere L.Minio-Paluello,
Giacomo Veneto e l'Ari-
stotelismo
latino, in: Venezia e l'Oriente fra
tardo Medioevo
e Rinascimento,
Firenze 1966,
S.53-74, dort 5.62.
2B.f
.
r~e l~che Mitteilung
von J.Irmscher
an P.Moraux
vom 23.12.65
-
48-
Leon und des Photios verbundenl.
Beide werden auch
entscheidenden
Anteil an der Verbreitung
des Aristo_
teles und seiner Kommentatoren
gehabt haben.
So be-
schäftigen
sich die Erotapokriseis
77 und 137-147
der Amphilochia des Photios unter Berücksichtigung
von Porphyrios
und Ammonios
mit den Kategorien.
Pho-
tios hat laut K.Oehler2 Kommentare
auch zu anderen
Traktaten
des Aristoteles
verfaßt und verschiedene
davon für den SChulgebrauch
Publiziert.
Photianische
Aristoteles-Handschriften
sind uns freilich
unter
en erhaltenen
vetustissimi (noch?) nicht begegnet,
aber es sollte keineswegs überraschen,
wenn sich
eines Tages ein solcher KOdex oder mehrere
oder we-
nigstens
direkte Abkömmlinge Von ihnen identifizie_
ren ließen. Was Leon, den PhilosoPhen
bzw. Mathema-
tiker, anlangt, hat es J.Irigoin3 immerhin in den
Bereich des Möglichen
erhoben,
daß der Vindobonensis
J (Vind.Phil.l00:
Physikalische
SChriften
und Me-
taph.) und der kleine Handschriftenrest
im Par.
SUPPl.1156 (Hist.An.)
-
beide Vom selben Kopisten
geschrieben
-
unter seiner Regie entstanden
sein
könnten.
Unter den Bestellern
oder BeSitzern
VOn Aristote_
les-Handschriften
des 9. Und 10.Jhs. ist nur ein
Die Bedeutung
beider - auch des Leon _ für diese
Erneuerung
des byzantinischen
Geisteslebens
hat
J.Irigoin
einprägsam
dargestellt: Survie et renou-
Veau de la litterature
antique ~ ConstantinoPle
(IXe si~cle), in: Cahiers de Civilisation
Medie_
vale 5, 1962, S.287-302.
2 K.Oehler,
S.387 (1968).
3 J.Irigoin,
L'Aristote de Vienne, in: Jahrb.d .
Österr.Byzant.Gesellsch.6,
1957, S.5 -10.
einziger namentlich bezeugt: der bibliophile Photios-
Schüler Arethas.
Er hat nicht nur den schon erwähn-
ten Mosqu.394 (231) mit Virt.,
sondern auch, was be-
deutend stärker ins Gewicht fällt, den Organon-Kodex
Urb.35 (A) anfertigen
lassen und mit eigenhändigen
Marginalien
versehen.
Er kannte außerdem,
vielleicht
Lektüre,
mindestens
Phys.,
Mete.,
An.,
EN, MM und die genuine sowie die
wie aus den Zitaten in seinen
aus eigener
Metaph.,
Gener. An. ,
Alexander-Rhetorik,
Briefen1 hervorgeht.
Ins 9.Jh . gehören des weiteren der Oxon.C .C .C .l08
mit einer Sammlung
aus den biologisch-zoologischen
Schriften und der Laur.81,11
mit EN und MM, die im
Duktus dem Vind.Phil.l00/Par.Suppl.1156
sehr ähnlich,
jedoch wohl weder mit diesem noch untereinander
iden-
tisch sind, und der Organon-Kodex
Ambr.L 93 sup. Aus
dem 10.Jh . schließlich
sind abgesehen von kleineren
Fragmenten
zu nennen:
die Organon-Manuskripte
Marc.
201 (anno 954, Schreiber:
Ephraim; nach K. und S.
Lake2 vielleicht in einer von Arethas in Kaisareia
gegründeten
Schreibschule)
und Barb.87, der mit
letzterem
Kodex entstehungsgeschichtlich
näher in
Verbindung
zu bringende Par.1741, der innerhalb
einer Rhetoren-Sammlung
auch Rhet. und Poet. über-
liefert und ebenfalls
ursprünglich
einmal Phgn.,
Sign. und wahrscheinlich
Vent. enthielt, der Par.
1853 (E) mit physikalisch_naturwissenschaftlichen
Traktaten
sowie Metaph. und der Par.2036 mit den
Vgl. Arethae archiepiscopi Caesariensis
scripta
minora,
vol.I, rec. L .G .Westerink,
Leipzig 1968.
2 K. und S.Lake, The Scribe Ephraim,
in: Journal of
Biblical Literature
62, 1943,S.263-268,dort
S.267.
-
so-
pseudo-aristotelischen Probl.; alle diese Handschrif_
ten sind, wie bereits angedeutet, noch keinem be-
stimmten Urheber zugewiesen.
Angesichts der relativ großen Menge und der the-
matischen Verschiedenartigkeit der uns erhaltenen
Schriften des Corpus Aristotelicum stellt sich die
Frage sowohl nach Zusammenstellung und Überliefe_
rungsgemeinschaft bestimmter Traktate in separaten
Handschriften als auch nach der Verbreitung und Ver-
teilung der verschiedenen Traktatgruppen durch die
byzantinischen Jahrhunderte hindurch. Das aristote-
lische Schriften-Corpus ist an Umfang natürlich viel
zu groß, als daß es in zwei oder drei oder gar in
einer einzigen Pergamenthandschriftl hätte Platz
finden können, sieht man einmal ganz davon ab, daß
es zur Zeit der Transliteration wohl selten, wenn
überhaupt. irgendwo gesammelt vorlag. Immerhin bot
die raumsparende Minuskel gegenÜber ihrer Vorgänge-
rin, der Unzialschrift, in dieser Hinsicht bessere
Möglichkeiten.
In der Minuskel gelten wohl die von alters her
überkommenen und dem PhilosoPhischen System des Sta-
giriten angepaßten SammlungsgesichtsPUnkte. Vier
SChriftengruPPierungen lassen sich zunächst, wenn
wir uns noch einmal den Inhalt der obengenannten Ko-
dizes vergegenwärtigen, unterscheiden. Die eine um-
faßt sämtliche logischen SChriften in der üblichen
Reihenfolge, eine Zweite die PhysikalisChen Traktate
Der junge im Jahre 1457 von Johannes Rhosos für
Bessarion angelegte Marc.200 riesigen Formats mit
allen Schriften außer den logischen ist eine Aus_
nahmeerscheinung.
-
51-
(Phys., Cael., Gener.Corr.,
Mete.) zusammen mit Me-
taph. und dem metaphysischen Bruchstück des Theo-
phrast1, eine dritte, die in zwei voneinander etwas
divergierenden Zusammenstellungen auftritt, wird von
tierkundlichen Werken2 gebildet, und schließlich
gibt es das ethische Corpus (EN, MM)3. Im großen und
blieben diese vier Hauptkombinationen im Kern
Jahrhunderte bestehen. Das hinderte frei-
lich nicht daran, daß immer wieder -
lich bei den Organon-Handschriften
Beschneidungen und insbesondere Erweiterungen, des
Plans vorgenommen wurden. So weist
Par.1853 eine viel umfangrei-
physikalisch-naturwissenschaft-
ganzen
durch die
außer eigent-
Modifizierungen.
ursprünglichen
bereits der erwähnte
chere Kollektion von
Dieses Bruchstück des Theophrast verdankt seine
Erhaltung zweifellos ebenso der Überlieferungsge-
meinschaft mit Aristotelica (speziell Metaph.)
(vgl. auch W.Jaeger, in: Gnomon 8, 1932, S.289)
wie seine Schrift De sensibus, deren beide Hypar-
chetypi (Par.1921 und Laur.87,20: vgl. J.B .McDiar-
mid, The Manuscripts of Theophrastus' De sensibus,
in: Arch.f.Gesch.d .Philos.44, 1962, S.1 -32) in
der Hauptsache Aristoteles-Handschriften sind.
2 Der Oxon.C .C .C .l08 enthält heute Part.An.II-IV,
Inc.An., Gener.An. und von den Parva naturalia
die biologischen Opuscula Long. und spir.; er ist
am Anfang mutiliert. Die Hist.An. ihrerseits bil-
dete den Kern einer analogen Sammlung (vgl. das
Fragment in Par.Suppl.1156), von der wir nicht wis-
sen, ob und welche weiteren Schriften überliefert
waren.
3 Rhet., Poet., Phgn., Sign., Vent. und Theophrast,
Characteres wurden in dem ebenfalls schon genann-
ten Par.1741 im Rahmen einer größeren Rhetoren-
Sammlung vereinigt, vgl. D .Harlfinger - D .Reinsch
(vgl.oben S.28, Anm.l), S.34. Diese Überliefe-
rungsgemeinschaft der 6 peripatetischen Schriften
-. auch die spezielle von Rhet. und Poet.
-
hat
s~ch allerdinbs im Mittelalter nicht durchsetzen
-
52-
lichen Schriften
auf als der Vind.Phil.l00.
Weitere
häufig belegte Zusammenlegungen
und Vermischungen
sind etwa die von naturwissenschaftlichen
und zoolo-
gischen Traktaten
und die der Ethiken
(darunter
ein-
mal auch EE) mit Pol. und Oec.,
um nur die wichtig-
sten dieses Typs zu nennen.
Eine Art Überlieferungs_
gemeinschaft
aber bilden U.a. bisweilen
auch Probl.
und Mir. oder Virt. und Mu.,
letztere
eingestreut
in eine Chrestomathie
mit heterogenen
Texten.
Bis auf empfindliche Lücken im 11. und 12.Jh .,
also in der Zeit des POlitischen und wirtschaftli_
chen Niedergangs des mittelbyzantinischen Reiches,
der mit der Eroberung Konstantinopels durch die
Kreuzfahrer 1203 und 1204 besiegelt wurde, sind die
genannten Einzelschriften und Traktatgruppierungen
jede für sich in der Regel in allen Jahrhunderten
der byzantinischen Ära durch Handschriften relativ
gut vertreten, was von einem andauernden Interesse
für die Werke des Aristoteles zeugt. Bei dieser
allgemeinen Wertschätzung der aristotelischen Philo-
sophie werden allerdings gewisse Disziplinen deut-
lich bevorzugt. So entstehen in allen Epochen z.B .
wesentlich mehr Physikalische KOdizes als zoologi-
sche. und viel häufiger als die Pol. wird etwa die
EN handschriftlich vervielfältigt. Allem weit voran
in der "Auflagenhöhe" steht jedoch das Organon. Es
mag hier genügen, den in der Textgeschichte samtli-
chen profanen SChrifttums der Antike einmaligen
Fall hervorzuheben, daß wir allein über vier ve-
tustissimi der Logik (vgl.oben) verfügen. Diese do-
minierende ROlle des Organons erklärt sich wohl
weitgehend aus den Erfordernissen des hÖheren Unter_
richts in Byzanz, der neben Grammatik, Rhetorik und
-
53-
Mathematik auch die Philosophie und hier wieder Lo-
gik, Dialektik und Syllogistik, wo natürlich das
Organon des Aristoteles grundlegend war, zu seinen
Hauptfächern zählte. Zudem ist bekannt, von welch
~ roßer Bedeutung die aristotelische Logik für die
Theologie der Ostkirche war1•
Es bedeutet nur scheinbar einen Bruch und Um-
schwung in der Haltung gegenüber der aristotelischen
Logik, wenn im Italien der Renaissancezeit fast
überhaupt keine Organon-Manuskripte mehr kopiert
wurden2• Darin dokumentiert sich nicht etwa ein Des-
interesse an der Logik schlechthin; ausschlaggebend
war vielmehr. daß bereits die vorangegangenen Jahr-
hunderte genügend organon-Handschriften hervorge-
bracht hatten. Der Bedarf der Humanisten wurde voll-
kommen durch die Handschriften-Importe aus dem Osten
Europas gedeckt, unter denen sich die Mehrzahl der
heute noch vorhandenen ca.140 Organon-Kodizes befand.
Beinahe umgekehrt - freilich in anderen Größen-
ordnungen _ verhält es sich in der Zeit der Minus-
kelüberlieferung mit dem Schicksal der Poetik. Nur
zwei Textzeugen konnten im 15.Jh . nach Italien hin-
Übergerettet werden, und es hat auch nicht den An-
schein, als ob jemals wesentlich mehr Exemplare die-
ser Schrift in Byzanz existierten. Von dem einen
dieser beiden Kodizes, dem genannten Par.1741, aus-
gehend _ der akephale Ricc.46 (14.Jh .) mußte zwangs-
läufig unentdeckt bleiben - erlebte die aristoteli-
S.391-396 (1968).
des Corpus Aristotelicum
beispielsweise fehlt nur
des
das
Vgl. z .B . K .Oehler,
2 In der Gesamtausgabe
Marc.200 (anno 1457)
Organon.
-
54-
sehe Poetik in der Folgezeit eine Renaissance1,
in
einer Zeit, die sich der Theorie der Dichtung
auch
in einer Reihe eigener Poetiken
widmete.
Die Poetik ist nicht die einzige S~hrift des Sta-
giriten,
die in der Mittel- und spätbyzantinischen
Periode zeitweise in Vergessenheit
geraten
zu sein
scheint. Für einige Traktate,
Mech.,
Lin.,
EE, Oec.
und Rhet.Al.,
setzt unsere handschriftliche
Überlie-
ferung erst mit dem 13./14.Jh .
ein. Hier mag zum
Teil nur Zufall sein, daß ältere Textzeugen
nicht
auf uns gekommen
sind. denn schließlich
sind das win-
zige Fragment
aus Hist.An.
im Par.SuPPl.1156,
die
Palimpsest-Reste
Von Pol. im Vat.1298 (10.Jh.) und
der Pinax im Par.1741, der die dort nicht enthalte-
nen Schriften
Phgn. und Sign. nennt, auch nur zufäl-
lig erhaltene
Spuren von der Existenz
jener Traktate
in der Frühzeit der Minuskel, Die eine oder andere
Schrift mag aber auch lange Zeit hindurch
kaum oder
gar nicht gelesen worden sein.
Als eine solche GleichgÜltigkeit
gegenüber
gewis-
sen Traktaten kann auch gewertet werden,
daß mehrere
Schriften
des Corpus Aristotelicum
nie kommentiert
oder paraphrasiert
Worden sind. Unter den obenge-
nannten sind dies EE, Oec. und Rhet.Al.,
in diese
Reihe gehören auch Probl.,
Mir.,
MM, Spir.,
Poet.,
Mu.,
Virt.,
MXG, Phgn.,
Sign. und Vent. Sicherlich
eignen sich verschiedene
unter diesen Traktaten
auch
Die diametral
entgegengesetzte
Ansicht A.Gudemans,
Die Textüberlieferung
der aristotelischen
Poetik,
in: Philologus 90, 1935, S.26 -56. 156-175, 441-460,
dort S.158, beruht auf einer Verkennung der Gege_
benheiten.
-
55-
schlecht zur Kommentierung,
und es fällt auf, daß
sich viele Apokrypha
und kleine Opuscula unter ihnen
befinden.
Aufschlußreich
ist zum Vergleich auch, daß
einige - freilich
wenige - Schriften nicht in mit-
lateinischer
Übersetzung
vorhanden
VIII 1-3), Spir.,
Mech.,
MXG und
telalterlicher
sind: EE (außer
Vent.
byzantinischen
Hauptstadt zu ver-
Schulen oder sonstige
Kreise gegeben, die of-
fast sämtlicher
Werke des Stagiriten
angelegt haben. Die von ein und
demselben
Kopisten
und sicher für ein und denselben
Auftraggeber
angefertigten
Vind.Phil.l00 und Par.
Suppl.1156 mit jeweils verschiedener
Schriftengemein-
schaft lassen so etwas wie eine Gesamtausgabe der
Werke des Aristoteles
oder den wenigstens
teilweise
realisierten
Plan dazu schon für das 9.Jh . erahnen.
Mindestens
zwei solcher "Editionen"
des Corpus
Aristotelicum
aus späterer Zeit, in denen der origi-
nale Grundtext
stets auch von parallelen
Marginal-
kommentaren
der bekannten
Aristoteles-Exegeten
be-
gleitet wird, sind uns zu großen Teilen erhalten ge-
blieben.
Die eine Sammlung, im dritten Viertel des
14. Jhs. angelegt,
setzt sich a u s folgenden Kodizes
zusammen:
Par.1921 (Tierbücher,
An.,
Parva natura-
lia), Par.Coisl.161
(MM, EN, Pol.,
Oec.,
Metaph.),
Par.Coisl.166
(Physikalische
Pragmatien)l und
Es hat in der
schiedenen
Zeiten Gelehrte,
philosophisch
interessierte
fensichtlich
einheitliche
Sammlungen
Die Zusammengehörigkeit
dieser drei Parisini hat
als erster J.Mogenet, AutolycuS de Pitane.Histoire
du texte, Louvain 1950, S.81, bemerkt. Nach ihm
gehört auch der Par.2342 (Mathematiker)
zu dieser
Handschriftengruppe.
-
56-
Hieros.Sancti Sepulcri 150 (Organon). Diese vier Ma-
nuskripte stammen von derselben
Hand (bzw. von den-
selben Händen) und haben mehrere
identische Wasser-
zeichenl.
Die andere Ausgabe ist etwa drei Genera-
tionen später, um 1450, entstanden. zu ihr gehören
mit Sicherheit der Alexandr.87 (Physikalische Trak-
tate und Parva naturalia) und die Mosquenses 6 (Me-
taph.),8 (MM, EN, Pol., Oec.), 239 (Phys.)
_
alle
vier Kodizes Von derselben Hand2. Auch zwischen
sämtlichen unten 5.247-49 und 413 aufgezählten Hand-
schriften des Matthaios Kamariotes und dieser Edi-
tion könnte es eine Beziehung geben. obschon jene
nur die Grundtexte bieten. Beide genannten Sammlun-
gen sind auffälligerweise stemmatisch engstens mit-
einander verwandt3, aber keineswegs so, daß die
jüngeren Manuskripte aus den älteren geflossen wä-
ren. Alle Handschriften scheinen vielmehr unabhän-
gig voneinander auf einer ähnlich konzipierten Ge-
samtausgabe des Corpus zu basieren, die in der
Hauptstadt unter den Philologen und speziell unter
den Aristotelikern einen guten Ruf genossen haben
Meine Vermutung, daß der Hieros. auch papiermäßig
mit den Parisini zusammengehört, hat jetzt P.Mo-
raux (Bibliotheksreise März 1971) bestätigt.
Der Mosqu.6 (und auch 7) ist also nicht, wie J.Mo-
genet, S.81, im Anschluß an J.L.Heiberg, Hand-
schriftliches Zum Commentar des Simplicius zu
Aristoteles de Caelo, in: Sitzungs-Berichte d.
kgl.Pr.Akad.d.Wiss. zu Berlin, 1892, S.73, meint,
mit den Obengenannten Parisini zeitlich auf eine
Stufe zu stellen.
3 Für verschiedene Traktate konnte ich dies durch
eigene KOllationen feststellen. zu demselben stem-
matischen Ergebnis gelangten für Pol. und Oec. A.
Dreizehnter und U.Victor, denen ich für diese
freundliche Auskunft danke.
2
-
57-
muß. Die Ausgaben aus dem dritten Viertel des 14.Jhs.
und aus der Mitte des 15.Jhs. sind also im Grunde
nichts anderes als gleichsam Neuauflagen jener frü-
heren großen Edition, die vielleicht mit Nikephoros
Gregoras1 (1290/91-1359/60), dem großen Lehrer der
Planudes, in irgendeine en-
werden darf2•
Generation nach Maximos
gere Verbindung gebracht
Es wird kein Zufall sein, daß die meisten Kodizes
der beiden Sammlungen, nämlich nachweislich der Par.
Coisl.161 und alle Mosquenses, später auf den Athos
gelangt sind3• Vielleicht ist die Übereinstimmung im
Schicksal der Handschriften darin begründet, daß
auch die älteren von ihnen schon in der Mitte des
15.Jhs., als die jüngeren vielleicht in der Umgebung
Über dessen Lehrtätigkeit vgl. F.Fuchs, Die höhe-
ren Schulen von Konstantinopel im Mittelalter,
1926 (: Byz.Archiv 8) (Nachdruck Amsterdam 1964),
5.62-65 .
2 Es ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen,
daß J.L.Heiberg, vgl.oben 5.56, Anm.2 , und Apol-
lonii Pergaei Quae graece exstant, II, Leipzig
1893, S.LXIX sq., für die im Par.2342, der aus
demselben Scriptorium wie die Parisini und der
Hieros. stammt (vgl.oben 5.55, Anm.l) zutage tre-
tende Diorthosis (des Eutokios-Textes) mit guten
Gründen in ebendem Nikephoros Gregoras den Urheber
sehen möchte. Wenn Mogenet, 5.83, gegen Heiberg
nachweist, daß diese Diorthosis (hinsichtlich Auto-
lykos, Eutokios und anderer Mathematiker) nicht
erst im Par.2342, sondern in dessen verschollener
Vorlage vorgenommen worden sein muß, entspricht
das genau der geschilderten Sachlage in der Aristo-
teles-Überlieferung.
3 Die Handschriften tragen entsprechende Exlibris;
zur Geschichte der Mosquenses vgl. ihre Beschrei-
bung im 'Aristoteles Graecus'; zum Par.Coisl. vgl.
R.Devreesse, Bibliotheque Nationale. Catalogue
des manuserits grecs, Le fonds Coislin, Paris 1945,
S.145 sq.
-
58-
e s Gennadios SC'1Olal'ics und seines Schülers
Mat-
thaios Kamariotes
angefertigt wurden.
oder auch et-
was später im Besitz ebendesselben Mannes in Kon-
stantinopel
waren wie die Mosquenses.
Jener wird
seine Bibliothek bei seinem Tode dem Athos hinter-
lassen haben. wohin er sich vielleicht auf seine al-
ten Tage ZUrückgezogen
hatte; all dies wäre keine
Seltenheit in Byzanz.
Für die ROlle der byzantinischen Kloster bei der
Pflege und Verbreitung der SChriften
des Aristote-
les ist das geschilderte Beispiel
einer Athosprove-
nienz von Manuskripten
symptomatisch.
Wie eigent-
lich die gesamte klassische Literatur,
so scheint
auch Aristoteles
nur selten und auch dann eher dank
esonderer
Umstände in die Klosterbibliotheken
ge-
langt zu seinl. Überhaupt ist die Bedeutung des by-
zantinischen
Mönchstums
für die KUlturentwicklung
nd insbesondere
die Bewahrung des antiken Erbes un-
gleich geringer als die der abendlandischen
Klöster2.
In Byzanz hatten Universitäten,
Patriarchat(sschule),
Kaiserhof
und die mit diesen Institutionen
eng ver-
bundenen
gelehrten
Personlichkeiten
und all die vie-
len anderen weltlichen
Und geistlichen
Gebildeten
diese Aufgabe übernommen3. Wir haben bei den wenigen
oben dargelegten
Aspekten aus der Überlieferungsge_
schichte des Aristoteles gesehen,
daß auch unser
Autor vornehmlich in jenen Kreisen gelesen,
Studiert
Vgl. O.VOlk, Die nyzantinischen
Klosterbibliothe_
ken von ronstantinopel,
Thessalonike und Klein_
asien, Diss. München 1955,
~.1~.
2 Vgl. U .VOlk,
~.3.
Vgl. wiederum
O.volk, 5.3, und vor allem Jas oben
~ . 57, Anm.l genannte Buch von F.Fuchs.
-
59-
und tradiert
wurde.
Wir verlassen
den byzantinischen
Osten, wo sich
in der Minuskelzeit jener für die Bewahrung der uns
überkommenen
griechischen
Literatur so entscheiden-
de erste Überlieferungsprozeß vollzog, dessen Etap-
pen noch wenig erforscht
sind und deren einzelne Re-
präsentanten
in der Mehrzahl noch einer befriedigen-
den Bewertung bedürfen.
Es steht zu erwarten,
daß
der Überlieferungshistoriker
insbesondere
für das
13.,
14. und beginnende 15.Jh . zu weitreichenden
Er-
gebnissen
gelangen
wird, auch was das Corpus Aristo-
telicum anlangt. Aus dieser Zeit sind zum einen re-
lativ viele Kodizes erhalten geblieben; in ihnen
gibt es immerhin hier und da SubSkriptionen,
Besit-
zernotizen
und ähnlich wertvolle Hinweise. Zum ande-
ren finden sich häufige Anspielungen
auf Handschrif-
ten und Texte im zeitgenössischen
Schrifttum,
vor
allem in den zahlreichen
Epistolarienl. Auf die Be-
deutung der byzantinischen
Kommentare
in diesem Ab-
schnitt der Textüberlieferung
ist für Aristoteles
schon hingewiesen
worden.
Um die Griechisch-Kenntnisse
des Westens war es
im Mittelalter
schlecht bestellt. Wenn man mit den
Schriften
und dem philosophischen
System des Aristo-
teles trotzdem
ziemlich gut vertraut war, so ist das
Als ein Beispiel
unter vielen mag das Testament
des Joseph Bryennios (1340/50-ca.1431)
stehen: Un-
ter seinen Büchern,
die er der Sophienkirche
ver-
machte, sind an Aristotelica aufgezählt Rhet.(?),
Organon,
Phys.,
Metaph. und Probl. (vgl. A.Papado-
poulos-Kerameus,
Varia Graeca Sacra. Sbornik gre-
~e skich neizdannych bogoslovskich tekstov IV-XV
vekov ••• ,
S.Petersburg
1909 (: Zap.Ist. -Fil.Fak.
Imp.Univ.95), S.295/6).
-
60-
in erster Linie einigen wenigen
zu verdanken,
die
lateinische Übersetzungen
aus dem (Arabischen
und
dem) Griechischen
angefertigt hatten.
Außer Jacobus
Venetus und Henricus Aristippus aus dem 12.Jh . sind
hier aus dem in dieser Hinsicht fruchtbarsten
13.Jh.
vor allem drei Übersetzerpersönlichkeiten
zu nennen:
RObert Grosseteste,
Wilhelm
von Moerbeke
und Bartho-
lomaeus Von Messina.
Es gibt nur wenige Schriften
des aristotelischen
Corpus, die nicht übersetzt Wor-
den sind (vgl.oben),
von den größeren
ist es nur die
EE; manche Traktate existieren
Sogar in zwei ver-
schiedenen
Fassungen.
Ein Teil der Übersetzungen
ist
unzweideutig auf SÜditalien
konzentriert:
Nicht nur
daß der Kalabrese
Aristippus und Bartholomaeus
dort
tätig waren, auch ein Großteil der Originalvorlagen
selbst ist offensichtlich
sÜditalienischer
Prove-
nienz; wir werden z.B . sehen, daß auch RObert Gros-
seteste eine Handschrift aus Magna Graecia seiner
Lin. - Übersetzung
Zugrunde legte.
Der Anteil an Unteritalienischen
und sizilischen
Original-Handschriften
bis einSChließlich
der ersten
Jahrzehnte des 15.Jhs. in der Masse der uns überkom-
menen Aristoteles-Kodizes
beläuft sich nach meinen
Sondierungen
auf eine Zahl Von über 40 Exemplarenl.
I~h nenne im fOlgenden
die Signaturen
und Aristo-
teles-Traktate
der aufgrund paläographischer
und
anderer Kriterien
aus SÜditalien
stammenden
bzw.
von italo-griechischen
Kopisten geschriebenen
Handschriften,
die in ihrer Mehrzahl als solche
bisher nicht bekannt waren; ihre nähere kodikolo_
gische Einordnung
und Gegenüberstellung
werde ich
andernorts
vornehmen.
Es fällt das starke Überge_
wicht der ManUSkripte
mit logischen
SChriften
auf;
die übrigen sind zu einem Großteil jung (oft aus
der 2.Hälfte des 15.Jhs.) .
di~ Aristoteles-Tra-
in !4agna
Wie war es zu einer solchen für
dierung durchaus
relevanten
Entwicklung
italo-griechischen
Kulturbe-
immer wieder Männer ge-
nach Konstan-
Graecia gekommen? Im
reich hat es seit dem 11.Jh .
geben, die von ihren (Sammler-)Reisen
tinopel griechische
Handschriften
mit heimbrachten;
aber es gab bei den guten kulturellen
Beziehungen
zwischen dem griechischen
Osten und dem Süden Ita-
liens auch andere Möglichkeiten
(etwa Schenkung, Be-
stellung etc.), in den Besitz von codices graeci zu
gelangen.
Zu den Sammlerpersönlichkeiten
sind vor
allem Scolario-Saba1und
Henricus Aristippus1
aus dem
Brix.A .IV.3 (Cat.,
Int.); Brux.II 4944 (Juv.);
Cant.Ii.5.44
(MM, EN, EE, Oec.); Laur.58,2 (Mu.);
71,11 (Cat.); 71,35 (Cat.,
Int.); 72,3 (?) (Orga-
non); 72,14 (Cat.); 72,16 (Cat.); 72,19 (Anal.Pr.);
72,22 (Cat.); 87,21 (Sens.,
Mem.,
Somn.,
Insomn.,
Div.Somn.,
Mot.An.,
Lin.); Lesb.Leim.58 (Phys.);
Ambr.A 110 sup. (Epist.); C 97 sup. (Cat.,
Int.);
047 s up . (Cat.,
Int.); D 48 sup. (Int.); E 26 sup.
(Sententiae);
Mon.176 (Rhet.); New Haven, Yalens.
Zisk.4 (Phill.7717)
(Int.); Zisk.8 (Phill.6445)
(Cat.,
Int.); Oxon.M.C .15 (Int.); Par.1973 (?)
(Int.); 2019 (Cat.,
SE); 2029 (An.); Supp1.643
(Phys.,
Gener.Corr.);
Patm.413 (Cat.,
Int.,
Top.I);
Salm.2747 (Mete.); Vat.238 (Cat.); 316 (Mu.); 1019
(Cat.); 1134 (Cat.,
Anal.Pr.); 1342 (MM, EN, EE,
Oec.); Barb.75 (EN, MM); Ott.178 (Rhet.Al.); 335
(Mu.); Marc.204 (7) (Organon); 265 (Mu.); Vind.
Phi1.2 (Phys.,
Gener.Corr.,
Cael.,
An.); 4 (EN);
29 (Rhet.); 41 (Int.,
Anal.Pr.,
Anal.Post.,
Top.),
66 (Metaph.); 300 (?) (Cat.,
Int.); 311 (Virt.) . -
In dieser Liste sind die von Konstantin Laskaris
in Messina geschriebenen
Kodizes nicht auf genom-
men.
F.Lo Parco, Scolario-Saba,
bibliofilo italiota,
vissuto tra l'XI e il XII secolo ••• ,
in: Atti
della R.Accademia di Archeologia,
Lettere e Belle
Arti (N.S.) 1, Napoli 1910, S.207-286 (zu Aristo-
teles-Handschriften
und _Übersetzungen
bes. 5 .258
sqq.).
_
Zu Henricus Aristippus
vgl. L .Labowsky
-
62-
11. -12.Jh .
und Nikolaos-Nektarios1.
der Abt (1219
bis 1225) des Klosters
Hagios
bei Otranto zu rechnen,
die
phisch stark interessiert
waren.
Im italo-griechi_
schen Raum selbst gab es darüber hinaus
verschiede_
ne Kloster-Scriptorien,
in denen solche Textzeugen
leicht vervielfältigt
werden konnten.
Einige bisher untersuchte
sÜditalienische
Aristo-
teles-Handschriften
haben einen hohen textkritischen
Wert. Dazu gehört z.B . der eine von zwei voneinander
unabhängigen
Überlieferungsarmen
für EE und Oec.
(Vat.1342, Cant.Ii.5 .44)2,
und auch die wortwörtli-
chen Übersetzungen
des Bartholomaeus
von Messina
sind für die recensio der Schriften
Phgn. und Sign.
von erstrangigem
Nutzen3.
-
Es fällt nebenbei be-
merkt auf, daß Bartholomaeus
viele kleine Schriften
des Corpus und ausschließlich
Pseudo-Aristotelica
(Mir.,
Phgn.,
Sign.,
Probl.,
MM, Mu.,
COl.) über-
setzt hat. So wird es auch kein Zufall sein, daß
sich die ersten vier der genannten
Schriften
im
Nikolaos
von Casole
alle drei auch philoso-
in: Plato Latinus I, Meno Interprete Henrico
Aristippo,
ed. V.Kordeuter,
rec. et praef. instr.
L.Labowsky, London 1940, S.IX sqq.
Vgl. J .M.Hoeck
-
R.J .Loenertz,
Nikolaos-Nektarios
von Otranto,
Abt von Casole, Ettal 1965 (5.30 -67
über seine Reisen).
2 Vgl. D.Harlfinger
(vgl.oben 5.27, Anm.2), 5.6 -9;
U.Victor
danke ich für die Bestätigung dieser
ÜberlieferungSspaltung
im Falle von Oec.
3 Vgl. R .Foerster,
Scriptores
Physiognomonici
Grae-
ci et Latini, Vol.I, Leipzig 1893, S.L -LII, und
W.Kley, Theophrasts Metaphysisches
BrUChstüCk und
die Schrift fiEP~ anμELWv
in der lateinischen
Über-
setzung des Bartholomaeus
von Messina,
Diss. Ber-
lin 1936.
-
63-
Marc.IV .58 ebenfalls
vereint finden. Die Entschei-
dung darüber, was übersetzt
wird, ist also offen-
sichtlich eng mit der Frage des Zugangs zu bestimm-
ten Texten verbunden.
Bis zum Anfang des 15.Jhs. lag die Tradierung der
Texte des Aristoteles
wie auch der übrigen griechi-
schen Antike schlechthin fast ausschließlich in den
Händen der Byzantiner
und Italo-Griechen.
Die im
Abendland während
des Mittelalters
vorhandenen
Ori-
ginal-Handschriften
können nur von verschwindend ge-
ringer Zahl gewesen sein. mögen auch z.B . die Kreuz-
fahrer das eine oder andere Manuskript importiert
haben. Eine für diese Zeit im Westen schon erstaun-
liche Ansammlung
von Aristotelica findet sich aller-
dings in der Papst-Bibliothek
unter Bonifatius VIII.
Von den 23 Handschriften
des Inventariums
von 12951
sind es allein 10; neben Kommentaren
vor allem von
Simplikios und Philoponos
begegnen
zweimal Phys. und
einmal Rhet.
_
Seit dem beginnenden
15.Jh . endlich
Vollzieht
sich jene weitreichende
Verlagerung der
griechischen
Überlieferung
nach dem Westen.
Es kann nicht Aufgabe dieses Abrisses sein, ein
auch nur annähernd
vollständiges Bild von den Aristo-
teles-Handschriften
im 15.Jh . zu zeichnen.
Die all-
gemeinÜberli~ferungsgeschichtliche
Situation des
griechischen
Schrifttums
im Italien der Renaissance
ist in ihren Grundzügen
hinreichend
beleuchtet2•
Zuletzt abgedruckt bei R.Devreesse,
Le fonds grec
d~ la bibliotheque
Vaticane des origines l Paul V,
C~ttl del Vaticano 1965 (= Studi e Testi 244), 5.3 .
2 I7h nenne nur: R.Sabbadini, Le scoperte dei codi-
c~ latini e greci ne' secoli xIV e XV, Firenze
-
64-
Was Aristoteles betrifft, könnte nur eine systemati_
sche und fein detaillierte
Auswertung
einer Unmenge
von Einzelfakten
und Materialien
zu einem sicherlich
interessanten
Gesamtüberblick
fÜhren.
Im folgenden
sollen daher - auch zugunsten
einer etwas ausführli_
cheren Behandlung der ersten Hälfte des 16.Jhs.
nur einige wenige Aspekte wiederholt
werden.
Ein sichtbarer
Ausdruck des immer enger werdenden
kulturellen
und angesichts der akuten Türkengefahr
auch POlitischen
Kontaktes
zwischen
Italien und By-
zanz sind ohne Zweifel die beiderseitigen
Besuchs-
reisen führender
Männer aus Diplomatie und Geistes-
wissenschaft.
Das im Westen erwachende
Interesse
an
der Literatur
der Griechen
und der Eindruck, den der
berühmte Byzantiner
Manuel Chrysoloras,
der sich
seit 1397 vorübergehend
in Italien aUfhielt, hinter-
lassen hatte, fÜhrten zu Beginn des Jahrhunderts
verschiedene
Humanisten
zum Studium und zum Sammeln
Von Handschriften
nach Konstantinopel.
Hier hielten
sich, um nur die wichtigsten
zu nennen,
Guarino Ve-
ronese (1403-1408), Giovanni Aurispa (1405-1413;
1421-1423) und Francesco
Filelfo (1420-1427) auf.
1905, dort S.43-69 (Capitolo III: Le scoperte dei
codici greci (sec.xv»,
H.Rüdiger,
Die Wiederent-
deckung der antiken Literatur
im Zeitalter
der Re-
naissance,
in: Geschichte der Textüberlieferung
der antiken und mittelalterlichen
Literatur,
Bd.I,
Zürich 1961, 5.511-580,
dort bes. S .559 sqq.,
L.D .
ReynOlds-N .G .Wilson,
Scribes and SCholars•
A Guide
to the Transmission
of Greek and Latin Literature,
Oxford 1968, dort bes. S .121 sqq.,
Und K.Oehler,
Renaissancehumanismus
und byzantinisches
Mittelal_
ter, in: K.Oehler,
Antike Philosophie und byzanti_
nisches Mittelalter,
München 1969, S.328 -335. Die-
se Arbeiten
lagen den folgenden
Ausführungen
zu-
grunde.
-
65-
Von den beiden letzteren
weiß man, daß sie auch meh-
rere Aristoteles-Manuskripte
heimbrachten;
so zählt
Aurispa unter seinen im Jahr 1423 importierten
238
Kodizes 'gentilium
auctorum'
folgende Schriften auf1:
EE (Laur.81,15), Rhet. und Rhet.Al. (Vat.1580), Div.
Somn., Mir. (Marc.IV.58 7), Mech. und plura a Li a .
Filelfo nennt u.a . (llqui mihi nostri in Italiam li-
bri gesti sunt")2: Rhet. (Laur.60,18 7), EN (Vat.
1689), MM, EE (Laur.81,20),
Oec.,
Pol.,
Hist.An.,
Part.An.,
Phys.,
Metaph.,
An. et alia quaedam. Auch
Guarino, der Besitzer
des Vind.Phil.75 (physikali-
sche Schriften),
wird nicht ohne Aristotelica
zu-
rückgekehrt
sein.
weitete sich nach Chry-
Wolfenbütteler
Orga-
Geist-
In umgekehrter
Richtung
soloras (er besaß übrigens
den
non-Kodex,
Gud.24) der Zustrom griechischer
licher, Diplomaten
und gelehrter
Emigranten nach
Italien zusehends
aus. Neben Manuel Kalekas, dem wir
schon 1402 in Mailand begegnen,
haben sich später
vor allem Johannes
Argyropulos,
Demetrios Chalkon-
dyles, Andronikos Kallistos,
Konstantin Laskaris
und Theodoros
Gazes, sämtlich Professoren
an italie-
nischen Universitäten
(meist Florenz), in Aristote-
licis verdient
gemacht. Alle besaßen natürlich Bi-
Vgl. R.Sabbadini,
Carteggio di Giovanni Aurispa,
Roma 1931, S.XVII .
2 Vgl. Ambrosii Traversarii Camaldulensis Latinae
epistolae
a P.Canneto in libros XXV tributae
..•
(edente L.Mehus), Firenze 1759, Ep.XXIV,32. Zur
Beschäftigung
des Filelfo mit Aristoteles-Hand-
schriften
vgl. auch A.Calderini, Ricerche intorno
alla biblioteca
e alla cultura greca di Francesco
Filelfo,
in: Studi Italiani di Filologia Classica
20, 1913, S.204-424, dort S.266-278.
-
66-
bliotheken, deren Bücher wohl zu einem kleinen Teil
aus der Heimat mitgebracht, in der Mehrzahl aber in
Italien - oft eigenhändig - angefertigt worden waren.
Neben Manuskripten des Aristoteles selbst befanden
sich darunter auch solche seiner Kommentatoren, die
man offensichtlich auch zur Vorbereitung der häufig
abgehaltenen Aristoteles-Vorlesungen benötigte;
neun ArgyropUlos-Autographa mit Commentaria in
Aristotelem Graeca z.B . bewahrt die Marciana1 auf. -
Wir dÜrfen in diesem Zusammenhang natürlich nicht
die Männer in Italien übersehen, die durch ihre ma-
terielle Förderung, aber auch durch eigene philolo-
gische Leistungen das fruchtbare Schaffen jener
Griechen überhaupt ermöglichten und ausbauen halfen,
wie etwa Palla Strozzi, Niccol~ NiccOli, Ambrogio
Traversari, Vittorino da Feltre, Lorenzo Valla,
Francesco Barbaro, die zu den bekanntesten aus der
Schar der hauptsächlich in der ersten Hälfte des
Jahrhunderts wirkenden Humanisten gehören.
Das herausragende Ereignis in der Berührung von
italienischer und byzantinischer Gelehrsamkeit war
zweifellos das Wiedervereinigungskonzil der östli-
chen und Westlichen Kirche zu Ferrara-Florenz 1438/
1439. Aus der Reihe der Großen, die damals italie-
nischen Boden betraten, nenne ich nur drei Namen:
Isidor von Kiev, dessen Aristoteles-Handschriften
sich heute in der Vaticana befinden, den Platoniker
Gemistos Plethon, der anscheinend für die Überliefe_
rung von Metaph. keine geringe ROlle gespielt hat,
Marciani IV.6, IV.13, IV.14, IV.15, IV.16, IV.17,
IV.1S, IV.19, IV.20 (Identifizierungen auferund
des DUktus).
-
67-
und schließlich den späteren Kardinal Bessarion, der
zweifellos die für die Tradierung des gesamten
aristotelischen Corpus im 15.Jh. bedeutendste Ge-
stalt war und auf den wir noch einmal kurz eingehen
werden.
Wir haben bisher nur von den Gelehrten aus dem
Osten gesprochen. Die immer bedrohlicher werdende
Türkenmacht und schließlich der Fall Konstantinopels
hatten aber Tausende zur Emigration in den Westen
getrieben, auch weniger Begabte oder weniger Glück-
liche, die sich ihren Lebensunterhalt als Kopisten
verdienen mußten. So überschwemmte eine wahre Flut
von codices graeci - die vor den Türken geretteten
älteren und ebenjene der neueren Produktion - den
lateinischen Westen. Das Handschriftengeschäft blüh-
te wie nie zuvor. Staatliche, fürstliche und unge-
zählte private Bibliotheken entstanden in der dama-
ligen Zeit, sehr viele auch mit einer griechischen
Abteilung. So etwa waren die meisten Handschriften
griechischen Fonds der in der 2.Hälfte
errichteten Bibliothek des Herzogs von
Urbino, Federigo da Montefeltro, auS dem bekannten
kretischen Scriptorium des Michael Apostolios (viel-
leicht über die Vermittlung des Buchhändlers Vespa-
Bisticci) angekauft worden. Aristoteles,
griechische Autor mit seinen zahl-
reichen Schriften aus nahezU allen Wissensbereichen,
war selbstverständlich hier und auch sonst fast
überall vertreten. Wenn wir uns vor Augen führen,
daß wir von der Hand des Johannes RhosoS z.B . EN
sechsmal, Pol. und Oec. je fünfmal und von der Hand
des Johannes Skutariotes Pol. fünfmal und Organon
des großen
des lS.Jhs.
siano da
der meistgelesene
-
68-
dreimal und von beiden fast alle anderen Traktate
des Stagiriten mindestens einmal besitzen und daß
so manche Handschrift dieser beiden höchst produk-
tiven Kopisten des 15.Jhs. noch verlorengegangen
sein wird, so können wir den damaligen Beddrf an
Aristotelica ungefähr ermessen.
Die ungewöhnlich intensive Verbreitung des grie-
chischen SChrifttums durch seine handschriftlichen
Träger in der Zeit der Renaissance scheint, insge-
samt gesehen, durch die geschilderten zwei Faktoren
und ihre enge Verflechtung und gegenseitige Wechsel-
wirkung wesentlich bestimmt worden zu sein: stetig
wachsendes Interesse und Begeisterung für die grie-
chische Literatur und Kultur bei den Westeuropäern,
insbesondere den Italienern, einerseits und Einwan-
derung von immer mehr griechischen Gelehrten und
Schreibern in den Westen andererseits.
So ist denn das 15.Jh . die fruchtbarste Epoche
in der handschriftlichen Verbreitung der griechi-
schen Literatur sChlechthin, und es versteht sich,
daß dieser Zeitabschnitt wie auch das weiter unten
beleuchtete 16.Jh ., insbesondere in seiner ersten
Hälfte, auch für Textgeschichte und recensio von
einiger Bedeutung ist. Da die meisten Textzeugen
aus dieser Zeit stammen, wird sich ein Texthistori-
ker, der sich um möglichst restlose Klärung der
Überlieferungsverhältnisse eines Autors bemüht, im-
mer wieder und ausgiebig mit jenen jungen und jüng-
sten HandsChriften zu befassen haben, zumal sich
die Feststellung 'recentiores non deteriores' be-
kanntlich häufig bestätigen läßt.
Wer sich der Bedeutung von Kodikologie und kUl-
-
69-
turgeschichtlichen sowie biographischen Daten für
Überlieferungsgeschichte und Stemmatik bewußt ist,
großen Vorteile verzichten wollen,
verschiedenen Personen, die
sich hinter den Manuskripten verbergen, bietet. Zur
richtigen Beurteilung der Textgestalt einer Hand-
schrift ist es ausschlaggebend, ob wir die getreue
Kopie einer Vorlage zu erwarten haben oder ob wir
mit einer Art Edition durch einen Gelehrten rechnen
müssen. Erwägungen, ob und in welchem Schwierigkeits-
grad in einem Textzeugen Korrekturen und Konjekturen
im Bereich des Möglichen liegen und ob in dem einen
oder anderen Fall Zugang zu wertvollem älteren Hand-
schriftenmaterial bestanden haben mag, wird man öf-
ters anstellen müssen, wie es auch für die divinatio
mitunter nicht unwichtig ist, das persönliche Fehler-
repertoire eines Schreibers zu kennen. Und schließ-
lich sollten die Resultate der reinen Stemmatik im
Regelfall erst dann als gesichert gelten, wenn sich
die äußeren Daten der Kodikologie und KulturgeschiCh-
te mit ihnen ohne Schwierigkeit in Einklang bringen
lassen. Daher kreisen denn auf dem Gebiet der Über-
lieferungsgeschichte die Überlegungen naturgemäß
auch um die Gestalt des Kopisten, des Auftraggebers,
wird nicht auf die
die eine Kenntnis der
des Korrektors usw.
Nun sind zwar nur die wenigsten Manuskripte sub-
skribiert, aber gerade was das 15. und 16.Jh . be-
trifft, ist die Chance, einen Schreiber aufgrund
des paläographischen VergleichS zu identifizieren,
trotz noch sehr unzureichender Hilfsmittell relativ
gelegentlichen Veröffentlichungen
Schriftproben ab. so ist H.Omont,
Sieht man von
von einzelnen
-
70-
günstig. So ist denn im Anhang S.405 -420 der Versuch
unternommen,
die bisher keinem Kopisten
zugewiesenen
aristotelischen
Handschriften
(oder -teile) des 15.
und 16.Jhs. einer entsprechenden
Sichtung
zu unter-
ziehen.
Die überragende Gestalt dieser für die Textüber-
lieferung der griechischen
Schriftwerke
so wichti-
gen Epoche ist Bessarion,
"Latinorum
graecissimus
Graecorum
latinissimus"
(L.Valla). Als römischer
Kardinal in einer einflußreichen
Position
war er
auch der große Patron seiner griechischen
Landsleu-
te, von denen viele bei ihm als Kopisten
arbeiten
konnten.
Die Gesichtspunkte,
nach denen er seine Bi-
bliothek
aUfbaute,
hat er selbst in Worte gefaßt,
und wir können nur bestätigen,
daß er sein großes
Programm erfolgreich
erfüllt hat: "Quamvis
autem
huic rei toto animo semper
tamen studio post
incubuerim,
ardentiori
excidium
et deflendam
By-
perquirendis Graecis libris
omnes meas vires, omnem curam, omnem operam,
facul-
tatem industriamque
consumpsi. Verebar enim et vehe-
mentissime
formidabam,
ne cum ceteris rebus tot ex-
cellentissimi libri tot summorum
virorum sudores
at-
que vigiliae,
tot lumina orbis terrae brevi tempore
periclitarentur
atque perirent
..•
Conati autem su-
mus, quantum in nobis fUit, non tam multos quam opti-
mos libros colligere,
et singulorum
operum singula
Graeciae
zantii captivitatem,
in
Fac-similes de manuscrits grecs des XVe et XVIe
siecles,
Paris 1887, mit 50 Abbildungen
die einzi-
ge größere Beispielsammlung.
-
Ähnliche Faksimile-
Alben mit Schrifttafeln
von Kopisten,
die sich
nicht bei Omont finden, beabsichtige ich in näch-
ster Zukunft zu veröffentlichen.
-
71-
volumina, sicque cuncta fere sapientium Graecorum
opera, praesertim quae rara erant et inventu diffi-
cilia, coegimus."l
Die griechische
Bibliothek des Kardinals war die
größte und reichhaltigste
ihrer Zeit. Aus ihr ver-
schenkte er den größten Teil noch zu seinen Lebzei-
ten im Jahre 1468 an die Republik Venedig, darunter
482 griechische
Bände. Diese Schenkung trug dazu
bei, daß Venedig in der 2.Hälfte des 15.Jhs. und be-
sonders in der 1.Hälfte des 16.Jhs. das Zentrum der
griechischen
Textüberlieferung
und Hauptbüchermarkt
wurde und damit Florenz
und Rom den Rang ablief.
-
Die Bibliothek Bessarions
enthält drei Schwerpunkte:
Platon, Aristoteles
nebst Kommentatoren
und Rhetori-
sches. Die Aristoteles-Handschriften
lassen sich
chronologisch
in drei Gruppen gliedern. Da sind zu-
nächst die zahlreichen
älteren Textzeugen bis ein-
schließlich des 14.Jhs.,
die für die recensio so
manchen Traktats
von hohem Wert sind, zum anderen
die für Bessarion
sowohl noch im Osten als auch in
den ersten Jahren seines Italienaufenthaltes
ge-
schriebenen
Exemplare.
Vor allem hinter dieser Grup-
pe, zu der etwa die Marciani 200, 212 und 216 gehö-
ren, spürt man deutlich jenes Bestreben,
die Litera-
tur in möglichst
weitgehender
Vollständigkeit zu
retten und zu erhalten.
Die dritte Gruppe schließ-
lich mit Manuskripten
aus den 60er Jahren und Texten,
über die Bessarion
bereits verfügte - hier sind z.B .
Aus seinem Schreiben
des Jahres 1468 an die Stadt
Venedig, in dem er dieser die SchenKung seiner Bü-
cher mitteilt; vgl. Migne PG 161, Sp.701,
zuletzt
abgedruckt bei T.Gasparrini Leporace-E .Mioni,
Cen-
to codici Bessarionei, Catalogo di mostra, Venezia
1968, S.101 -102.
-
72-
die Marciani 206, 207, 213 und 215 einzureihen
_
,
zeugt vom philologischen
Interesse
des Kardinals. Es
ging nicht mehr einfach um die bloße Vervielfälti_
gung einer SChrift, sondern um die Herstellung
eines
lesbaren,
durchkorrigierten
Textes.
In den Hand-
schriften
dieser Gruppe wird man immer wieder auf
Kontaminationen
und Konjekturen
stoßen,
von denen
letztere sicherlich häufig auf Bessarion
selbst zu-
rückgehen.
Die 2.Hälfte des Jahrhunderts ist überhaupt durch
die "Editions-Arbeit"
der Humanisten
gekennzeichnet.
Nicht nur Bessarion,
sondern auch andere Gelehrte,
wie z.B. Demetrios Chalkondyles
(etwa in Ambr.E 40
sup. mit EE und Par.2023 mit EN, Pol.,
MM und Oec.)
und Andronikos Kallistos ( etwa im Par.2038
mit
Rhet.,
Rhet.Al. und Poet.), sind in dieser Richtung
tätig. Material für Kontamination
und Diorthosis ist
jetzt in der Regel reichlich
vorhanden.
Man leiht
sich die Handschriften
gegenseitig aus; und auch die
Liberalität der großen Bibliotheken
_
die Vaticana
z.B. verlieh in der Zeit von 1475 bis 1548 allein
387 griechische KOdizes,
davon 308 mit profanen
Autoren1
-
ist zur Genüge belegt. Auch jetzt kehren
noch Sammler von Orientreisen mit zahlreichen neuen
Textzeugen heim, wie z.B . Janos Laskaris, der den
Osten im Auftrage der Medici in Florenz bereiste.
Einen gewissen Impuls für diese neUe Art von Hand-
schriftenstudien hatten im Falle des Aristoteles
Vgl. R .Devreesse, Le pr@t des manuscrits a la Bi-
bliotheque Vaticane de 1475 a 1547, in: BUlletin
de l'Association G.Bude, S~r .2, N03, 5.121 -124,
dort S.124.
-
73-
auch die Übersetzungen1 gegeben, die trotz des Vor-
mittelalterlichen translationes
Jahrhunderts entstanden - oft
Schrift - und sich in
handenseins der
seit der Mitte des
mehrere zu ein und derselben
elegantem Latein auch um das Textverständnis be-
mühten.
Die skizzierte Entwicklung dieser Phase der
Aristoteles-Überlieferung endet im ausgehenden Jahr-
hundert mit der Druckausgabe des Aldus Manutius.
(1495-1498 und
deren Auflagenhöhe
der ans chließend
Nach dem Erscheinen der Aldina
1508 für Rhet., Rhet.Al., Poet.),
relativ groß gewesen sein muß und
rasch nicht nur zahlreiche Spezialausgaben mit ein-
zelnen Schriften oder Gruppen inhaltlich zusammen-
gehörender Traktate, sondern auch Aristoteles-Ge-
samtausgaben (Editio Erasmi prima 1531, secunda 1539,
tertia 1550 etc.) folgten, läßt die Produktion der
handgeschriebenen Texte des Aristoteles naturgemäß
merklich nach. Sind es in dem für die handschriftli-
che Verbreitung der griechischen Literatur so frucht-
baren 15.Jh . weit über 400 Manuskripte allein unter
den heute erhaltenen, so geht diese Zahl im 16.Jh .
auf etwa 200 Exemplare zurück. Von diesen sind außer-
dem etliche nicht mehr Glieder in der Kette der hand-
schriftlichen Überlieferung, sondern stellen bereits
Abschriften von gedruckten Vorlagen dar.
Zu ihnen und den Übersetzern vgl. E .Garin, Le tra-
duzioni umanistiche di Aristotele nel secolo XV,
in: Atti e Memorie dell'Accademia Fiorentina di
Scienze Morali, La Colombaria, vol.16, N.S .II,
Anni 1947-1950 (Florenz 1951), S.55 -104.
-
74-
So sind nach meinen Sondierungen]
z.B. die Regi-
nenses 123, 124, 125, die etwa um 1500 von ein und
demselben
sicherlich
nicht griechischen
Kopisten
hergestellt
wurden,
aus der kurz vorher auf den
Markt gekommenen
Aldina geflossen.
Dabei entspre-
chen in Zusammenstellung
und Abfolge des Inhalts der
Reg.123 dem 2.Band der Editio princeps,
der Reg.124
dem 4.Band und der Reg.125 dem 5. und letzten Band.
Auch im Harburgensis 1,1,40,2 (Rhetorica graece cum
versione latina Joanne Strazelio interprete) und im
Basil.0.III .6 (Mirabilia cum Anonymi latina versio-
ne) - beide offensichtlich ebenfalls von der Hand
eines Westeuropäers - ist der griechische Teil, der
dort nur als Paralleltext zur lateinischen Überset-
zung beigegeben ist, aus einer Edition genommen wor-
den2• Des weiteren konnten von der bisherigen For-
schung auch verschiedene andere Handschriften auf
gedruckte Vorlagen zurückgeführt und damit als Text-
zeugen ausgeschieden werden3. Wieviele Manuskripte
insgesamt unter diese überlieferungsgeschichtlich
wertlosen Druckapographa eingereiht werden müssen,
ist noch nicht zu übersehen.
Diese in der handschriftlichen Tradierung der
griechischen Literatur letzte Etappe des 16.Jhs. un -
Diese basieren auf KOllationen aus Mech. im Reg.
124 und EE im Reg.125 .
2 Abgesehen Von den eindeutigen Kollationen zeigt
sich dies auch in einer kleinen ÄUßerlichkeit:
Die in den Drucken zur Satzgliederung erstmals ver-
wendeten Klammern ( ••• ) sind übernommen worden.
3 Par.2117, Par.Suppl.488, Lond.Burney 64, Athous
Batop.778, Ricc.16, Ferr.II.348 (LobeI); Oxon.
Auct.F .4 .6 (Misc.105) (Foerster); Vat.1896 (Fuhr-
mann); Rav.38l, Buc.59 (Harlfinger-Reinsch).
-
75-
das Corpus Aristotelicum von
Perioden der Überlieferung
nicht nur durch den wegen des Aufkommens der preis-
werten Drucke1 zahlenmäßigen Rückgang der in ihr an-
gefertigten Manuskripte. Der wesentliche und auffäl-
ligste Unterschied besteht darin, daß die aus dem
16.Jh . datierenden Kodizes meist nur einen einzigen
oder ganz wenige Traktate des Aristoteles umfassen.
Bände, in denen nach bestimmten Sammlungsgesichts-
punkten eine ganze Reihe von logischen, physikali-
schen, zoologisch-biologischen oder ethischen Schrif-
ten zusammengestellt oder wie in der überwiegenden
Zahl der Fälle einfach aus den Vorlagen vollständig
übernommen wurden, bilden jetzt nur noch die Ausnah-
me. Handschriften wie der Par.1861 mit 17 meist na-
turwissenschaftlichen Traktaten oder der Lips.24 mit
EN, Pol., Oec. und Rhet., die zudem noch aus der
Zeit um die Wende vom 15. zum 16.Jh . stammen, oder
der Ambr.P 34 sup. mit Rhet., Poet., Phgn., Sign.
und Vent. sind in der Tat recht selten geworden.
Daraus ergibt sich auch, daß durch eine bloße zah-
lenmäßige Gegenüberstellung der Handschriften - d .h .
von handschriftlichem Material, das in einem Band
und unter einer Signatur vereinigt ist - des 15. und
terscheidet sich für
den voraufgegangenen
Für einen Druck mußte man durchschnittlich nur
noch den fünften bis achten Teil des Preises einer
Handschrift ausgeben (vgl. Handbuch der Biblio-
thekswissenschaft, begründet von F.Milkau, 2.Aufl.
hrsg. von G.Leyh, I: Schrift und Buch, Wiesbaden
1952, 5.876 (in Kap.l0: Geschichte des BuchhandelS
von E.Kuhnert». Die 5bändige Aristoteles-Aldina
kostete komplett 11 Dukaten oder 136 2/5 Marcelli,
was in Silber etwa 93, in Gold etwa 128 Francs zu
Anfang des 19.Jhs. entsprach (vgl. A .Firmin-Didot,
AIde Manuce et l'hellenisme a Venise, Paris 1875,
5.115, Anm.l).
-
76-
16.Jhs. über die Häufigkeit der Vervielfältigung
der
einzelnen
Traktate ein falscher
Eindruck
entsteht.
In Wirklichkeit ist nämlich der erwähnte Rückgang
der Handschriftenproduktion
im Laufe des 16.Jhs.
noch viel größer.
Die also im 16.Jh . zahlreicher
werdenden
Spezial-
handschriften
des Aristoteles
mit einzelnen
Trakta-
ten sind nun nicht etwa eine zufällige Erscheinung.
Denn mit dem Aufkommen
von einheitlichen,
gut leser-
lichen und relativ Zuverlässigen
gedruckten
Editio-
nen, die sich Von der Mehrzahl der vergleichbaren
Handschriften
der Zeit unmittelbar
vor der Editio
princeps in der Regel dadurch unterscheiden,
daß
man als Druckvorlage
nicht einen gerade verfügbaren
Kodex allein benutzte,
Sondern halbwegs kritisch den
jeweils bestmöglichen
Text durch Vergleich
und Aus-
wahl aller irgendwie
zugänglichen
Textzeugen
herzu-
stellen versuchtel, ließ das Interesse
der Gelehr-
tenwelt an handschriftlichen
Sammelbänden
als Lese-,
Arbeits_ und Bibliotheksexemplaren
stark nach. In
das Zentrum der Wissenschaftlichen
und bibliotheka-
rischen Bemühungen
im handschriftlichen
Bereich
rückten die Kommentatoren
des Aristoteles.
Die Nach-
frage nach den bis dahin im Vergleich
mit den Origi-
nalschriften
vernachlässigten
Texten der griechi-
schen Aristoteles-Interpreten,
die nunmehr zur Kom-
mentierung
und Klärung Von sachlich-Philosophischen
und textkritischen
Fragen der Originale genauso wie
zu Studien über die peripatetische
SChule und den
Aristotelismus
immer Öfter herangezogen
wurden,
Man hatte dabei freilich nicht immer eine glÜckli-
che Hand.
-
77-
wuchs beachtlich. So ist es auch zu erklären,
daß
der größere Teil aller Kommentar-Manuskriptel
dem
16.Jh . angehört. Bei den bekannten
professionellen
Kopisten machen diese Handschriften
einen nicht ge-
ringen Teil ihrer Arbeit aus: Für Angelos Bergikios
z.B . verzeichnen
schon vogel-Gardthausen2
6, für Ma-
nuel Moros ebenfalls 6, für Camillus Venetus 7 und
für Andreas Darmarios,
den vielleicht produktivsten
griechischen
Schreiber
überhaupt3,
gar 15 verschie-
dene Kodizes;
und wieviele bisher nicht ermittelte
Handschriften
dieser Männer mag es sonst noch geben?
Wir haben darauf hingewiesen,
daß immerhin noch
einzelne Traktate des Corpus Aristotelicum
relativ
häufig in Spezialhandschriften
weiterhin
abgeschrie-
ben wurden.
Darin zeigt sich zweifellos ein vorwie-
gend textkritisches
Interesse an dieser oder jener
Schrift, das von der durch die Aldina und die nach-
folgenden
Frühdrucke geschaffenen
Textgrundlage
of-
fenbar nicht hatte zufriedengestellt
werden können.
Daher entstanden
denn auch verschiedene
emendierte,
erheblich überarbeitete
und kontaminierte Hand-
schriften,
wie etwa Ott.172 mit Col. oder Par.2115
und New Haven, Yalens.Zisk.5
(Phill.7488)
mit Mech.-
Die Initiative
in Verbreitung
und textkritischer
Be-
schäftigung
mit den Schriften des Stagiriten und
seiner Kommentatoren
war in der ersten Hälfte des
Sie finden sich gesammelt - allerdings unvollstän-
dig und oft voller Fehler! - bei A.Wartelle;
vgl.
dazu D.Harlfinger-J .Wiesner
(vgl.oben
5.40, Anm.2).
2 M.Vogel-V .Gardthausen (vgl.unten 5.78, Anm.2), s.v .
3 Ihm hat jetzt O.Kresten eine in der Methode und
der Ausführung vorbildliche Studie gewidmet (vgl.
oben 5.31, Anm.l).
-
78-
neuen Jahrhunderts
immer mehr auf abendländische
Hu-
manisten übergegangen,
ob di3se sich nun als Drucker,
Übersetzer
oder gelehrte Leser und Korrektoren
be-
stimmter Traktate betätigten.
Abschluß
und Höhepunkt jener oben skizzierten
neuen Entwicklung in der Überlieferungsgeschichte
des Aristoteles,
die nach dem Erscheinen
der Editio
princeps einsetzte,
bildet die bisher kaum bekannte,
geschweige denn gewürdigte "Aristotelische Akademie"
von Trientl. Gut 100 Jahre nach dem auch für die Er-
schließung griechischer Literatur so bedeutenden
Konzil von Ferrara/Florenz (1438/39) war es wieder
ein Konzil, das von Trient (1545-1563), welches den
äußeren Rahmen und die günstige Gelegenheit bot.
Der hier versammelte Kreis anerkannter Theologen,
von denen viele auch humanistische Neigungen hegten
und die griechische PhilosOPhie und Literatur schätz-
ten, lockte verständlicherweise auch Buchhändler und
Schreiber nach Trient, unter ihnen den geschäfts-
tüchtigsten aller Kopisten, Andreas Darmarios2•
Ch.Graux, Es~ai sur les origines du fonds grec de
l'Escurial. Episode de l'histoire de la renaissan-
ce des lettres en Espagne, Paris 1880, bietet als
erster und eigentlich als einziger im Vorüberge-
hen einige wesentliche Aspekte dieser kleinen Aka-
demie und hat die Quellen für ihre Rekonstruktion
zugänglich gemacht (5.80 sq., 168 sq.) . Was J.Fre-
senmair, D.Diego Hurtado de Mendoza, ein spani-
scher Humanist des XVI.Jahrhunderts, 1-111, Pro-
gramm d.kgl.Wilhelmsgymnasiums 1881/82 und 1883/84,
dort I, S.27 sq., und A.Gonz~lez Palencia y E.Mele,
Vida y obras de Don Diego Hurtado de Mendoza, I,
Madrid 1941, 11 1942, 111 1943, dort I, S.313-314,
mitteilen, ist nichts anderes als eine Reproduk_
tion der von Graux geäUßerten Gedanken.
2 Vgl. M .Vogel-V.Gardthausen, Die griechischen
-
79-
Aristoteles stand im Mittelpunkt des Interesses
außerhalb des offiziellen theologischen Konzilpro-
gramms, und es mag keine allzu große Übertreibung
sein, wenn das, was sich zu Beginn des Konzils von
Trient herausbildete, von den Teilnehmern als
"Aristotelische Akademie" bezeichnet worden ist:
" ... porque este hibierno tenemos concertada un a
gran academia de hombres muy eruditos, que se dedi-
can todos a entender en Arist6teles, dum sub nivibus
stupet alma te llus, .•. " 1
Die wichtigsten Nachrichten über die Arbeit die-
ser Akademie verdanken wir mehreren Briefen des spa-
nischen Gelehrten Juan P~ez de castr02, der im Som-
mer 1545 zur Teilnahme am Konzil nach Trient gekom-
men war und in den Kreis der Aristoteliker aufgenom-
men wurde3, von denen er ohne Zweifel einer der eif-
rigsten war. Neben ihm muß als eines der bedeutend-
sten Mitglieder der Akademie, wenn nicht überhaupt
als ihr Initiator der berühmte spanische Humanist
und Bibliophile Don Diego Hurtado de Mendoza (1503
Schreiber des MittelalterS und der Renaissance,
Leipzig 1909 (= Zentralblatt für Bibliothekswesen.
Beiheft XXXIII), Nachdruck Hildesheim 1966, 5.17,
wo in mehreren Subskriptionen Trient als Entste-
hungsort der Handschriften genannt ist. Siehe auch
Ch.Graux, 5.288/289 und M.Sicherl, 5.66 . Über
T:ient als Mittelpunkt der Handschriften-produk-
t~on während des KonzilS vgl. A .Dain, S.155(21964).
Juan Paez de Castro in einem Brief vom 9.8 .1545
aus Trient an Geronimo Zurita (Ch.Graux, 5.80,
Anm.l . J .Fresenmair, I, 5.27).
2 ..Uber ihn vgl. auch unten 5.204-207; dort auch Li-
teratur.
3 An das oben zitierte Briefstück schließt unmittel-
bar an: "y han me recibido: en parte creo que ha-
remos gran cosas "
-
80-
bis 1575)1, der Botschafter
Karls V. bei der Sere-
nissima in den Jahren 1539-1547
und offizieller
Ver-
treter des Kaisers beim Konzil, genannt
werden. Über
die möglichen
anderen Teilnehmer
kann beim gegenwär-
tigen Stand der Untersuchungen
nur wenig in Erfah-
rung gebracht werden.
Namentlich bekannt ist sonst
keine Persönlichkeit,
aber man wird vermuten
dürfen,
daß zu dem Kreis vor allem Freunde des Mendoza und
Spanier aus seinem Gefolge gehörten.
So scheinen
vor
allem spanische Humanisten
den wiChtigsten
Beitrag
in dieser kurzen Phase des neu auflebenden
Aristote-
lismus geleistet
zu haben2.
Weiterhin
wird auch der
Flame Arnold Arlenius3, der gelehrte Bibliothekar
Mendozas
während jener Zeit, nicht gefehlt haben.
Die am Rande des Konzils im Sommer 1545 im Hinblick
auf die lange Winterzeit4 geschaffene
Akademie,
de-
ren Betriebsamkeit
zudem dadurch gefördert
wurde,
daß sich die Eröffnung des Konzils verzögerteS,
war
allerdings
nicht von langer Dauer. Es ist anzunehmen,
daß sie sich aUflöste,
als Mendoza im Jahre 1547
nach Rom übersiedelte,
um dort seinen Botschöfter-
Über ihn vgl. Ch .Graux,
5.163-273
und passim,
J.
Fresenmair
und A.Gonzalez
Palencia-E.Mele.
2 Auf der anderen Seite sind auch die Aristotelische
Akademie
und das Tridentinum für die Entwicklung
und den Aufschwung der klassischen
StUdien und die
Kenntnis der griechischen
Literatur im Spanien des
16.Jhs. nicht ohne Einfluß geblieben
(vgl. Ch .
Graux,
S.80).
3 Über ihn vgl.
nten S.198 -202 .
4 Vgl. das oben wiedergebene
Stück aus dem Brief des
paez.
5 Vgl. J .Fresenmair,
I, 5.27 sq.; die Eröffnung fand
schließlich
am 13.Dezember
statt.
-
81-
posten wahrzunehmen.
Die Forschungen
dieses aristotelischen
Arbeits~
kreises zielten im philologischen
Bereich genau in
die Richtung, die wir für das 16.Jh . als charakteri-
stisch erkannt haben.
Man bemühte sich um die Her-
stellung eines möglichst
authentischen
Textes ein-
zelner Schriften
des Corpus Aristotelicum.
Hierzu
bediente man sich in beinahe modernem textkritischen
Verfahren nicht nur der Lesarten verschiedener
Manu-
skripte oder der Konjektur,
sondern berücksichtigte
ebenfalls die Nebenüberlieferung
in den zahlreichen
Die Grundlage
und den Ausgangspunkt die-
bildete die Aldina.
Die Arbeitsbedingungen und die bibliothekstechni-
schen Voraussetzungen in der stillen Provinzstadt
hätten nicht besser sein können. Mendoza stellte
große Teile seiner reichhaltigen
Bibliothek, in der
nach der Theologie am häufigsten
die griechische
fast vollständig die aristote-
Verfügung1
und verlieh
Handschriften
und Druk-
der große Büchermarkt
wo man sich alles Nö-
oder Abschriften
Kommentaren.
ser editoralen
Tätigkeit
Philosophie,
und zwar
lische, vertreten
war, zur
an Interessenten
freizügig
ke2• Eine weitere
Quelle war
der damaligen
Zeit. Venedig,
tige besorgte,
d.h. entlieh,
herstellen
ließ3• Mendoza selbst
kaufte
beschäftigte
un-
Vgl. Ch vGr-aux, 5.168.
2 Vgl. z.B. im Brief des P~ez an Zurita vom 10.8 .
1545 (Ch.Graux,
5.80, Anm.2, und J.Fresenmair,
I,
S. ~ 8): "Tengo La casa llena de quant os libros
qu~ero suyos (Mendozas) impressos y de mano, y
s u s cartapacios.").
3 Paez an Zurita, aus Trient
5.80, Anm.l; J.Fresenmair,
am 9.8 .1545 (Ch.Graux,
1,5.27):
"Lo princi-
-
82-
ter der Leitung des Arlenius
ein ganzes Mitarbeiter_
team von griechischen
Schreibernl,
die ihre Antigra-
pha größtenteils in Venedig, hauptsächlich
in der
Marciana mit den Beständen
der ehemaligen
Bibliothek
Bessarions,
fanden. Insgesamt
24 griechische Hand-
schriften hat Mendoza
zwischen
dem 29.3 .1545
und dem
20.12.1546,
also gerade während
der Zeit des Beste-
hens der Akademie,
in der Marciana
ausgeliehen2.
Un-
ter ihnen befanden
sich drei Aristoteles-Handschrif_
ten, und zwar das wichtigste Organon-Manuskript
in
Venedig, der vetustissimus
Marc.201 (B), und der be-
kannte Marc.214 (Ha), den er Monate lang bei sich
zu Hause hatte, und außerdem der Marc.212 (Ga)3.
Einzelheiten berichtet P~ez nur von seiner eige-
nen Arbeit im Rahmen der Akademie und von der Zusam-
menarbeit mit Mendoza: Die textkritischen Bemühungen
und die Kollation neuen handschriftlichen Materials
haben sich gelohnt. Der in der Aldina edierte Text
pal que yo tengo de traer (aus Venedig nach Trient
zurückkommend) es, Arist6teles de impression de
Aldo, y todos los comentarios griegos que hallar~,
y algunos latinos, que seran Averrois y santo Tho-
mas, porque ... "; es folgen die oben wiedergegebe-
nen Zeilen über die Aristotelische Akademie.
Zu diesem vgl. Ch.Graux, S.189 sq.
2 Das Ausleihregister der Marciana vom 29.3 .1545-18.
11.1548 (und 1551-1559) ist erhalten. Es ist abge-
druckt bei C.Castellani, 11 prestito dei codici
manoscritti della biblioteca di San Marco in Vene-
zia ne' suoi primi tempi e Ie conseguenti perdite
deI codici stessi, ricerche e notizie di "" in:
Atti deI Reale Istituto Veneto di Scienze, Lette-
re ed Arti (Tomo LV), Serie VII, Tomo 8 (Venezia
1096/97), 5.311-377. Die Mendoza betreffenden Ein-
tragungen findet man auch bei Ch.Graux, 5.408-413
(Appendice 8).
3 C.Castellani, S.328, 330, 334.
-
83-
verschiedener Traktate, und zwar die ethischen
Schriften, die Tierschriften, die Problemata und die
kleinen Pseudo-Aristotelica Mir. und Lin., konnte
wesentlich verbessert werden: "Quanto , las obras
de Arist6teles, yo digo , V.M . que es cosa muy gran-
de, porque las mas lacunas en las Morales, Y prin-
cipalmente en lo De mirandis auscultationibus, est'n
llenas. El tratado De lineis insecabilibus es muy
otro: los Problemas tienen cosas nuevas: los De ani-
malibus, muy buenas"l. Zusammen mit Mendoza arbeite-
te er auch an Mech.:
"Agora entendemos en la Mecha-
nica de Arist6teles, demonstrando grandes cosas,
porque ~l la tiene trasladada en romance, Y Ie ha
hecho glossa; creo que Ie ayudar~ en parte."2
Einige Früchte, konkrete Ergebnisse, dieser Ent-
deckungen und Bemühungen sind noch heute greifbar:
Für Lin. der Ott.153, für Mir. der in der Editio 68.
V.12 des Escorial handschriftlich nachgetragene Text,
für beide Traktate wahrscheinlich der Ott.45 und
vielleicht die gemeinsame, heute verschollene Vorla-
Textzeugen, für Mech. der Yalens.Zisk.
schließlich der Ott.147, der Kol-
Corpus Aristoteli-
ge aller drei
5 (Phill.7488) und
lationen zu vielen Schriften des
Paez an Honorato Juan aus Trient am 8.6 .1546 (Ch.
Graux, S.81, Anm.l, und 5.404 (Appendice 6».
2 Paez an Zurita aus Trient am 10.8 .1545 (Ch.Graux,
S.168, Anm.2).
_
Die kastilische Mechanik-Überset-
zung des Mendoza ist in zwei vOllständigen Hand-
schriften auf uns gekommen (Esc.f .III .15 (von der
Hand eines Sekretärs mit Korrekturen des Mendoza)
und f.IlI.27. ein Fragment auch in k.IlI.8; vgl.
Ch.Graux, 5.168, Anm.l, und A.Gonzalez Palencia-
E:Mele, I, 287 sq. Die Übersetzung ist veröffent-
l:cht von R.Foulch~- Delbosc, Mechanica de Aristo-
t~les, in: Revue Hispanique 5, 1898, 5.365-405•
-
84-
cum enthält1•
Des weiteren zeigen mehrere Druckexem_
plare der Aldina und der Erasmiana in der Biblioteca
EI Escorial an ihren Rändern die Spuren der gelehr-
ten Tätigkeit Von Männern wie Mendoza, P~ez und Ar-
lenius.
Es ist schon betont worden, daß man sich zur Wie-
dergewinnung eines möglichst authentischen Textes
der Werke des Aristoteles nicht allein auf die Hand-
schriften verließ. Neben diesen primären Trägern
der Überlieferung Wurden auch die diversen spätanti-
ken und mittelalterlichen Kommentare vor allem im
Hinblick auf ihren Wert für die Herstellung des kom-
mentierten Originaltextes und keineswegs in erster
Linie um ihrer selbst und der durch sie vermittel-
ten Testimonien willen gelesen Und ausgeschöpft.
Eine entsprechende Charakterisierung seiner eigenen
Beschäftigung mit den Kommentatoren findet sich
denn auch in einem Brief des Pa~z, wo außerdem meh-
rere Kommentare genannt sind2.
Beide Hauptvertreter der Aristotelischen Akademie
trugen sich mit dem Plan, das gesamte Werk des
Aristoteles zu erläutern und zu kommentieren. Ob
Mendozas Projekt je zur Ausführung gelangte, ist
noch nicht geklärt. Eine lateinische Paraphrase zu
Phys. befindet sich im Esc.f .II .63, von der jedoch
Zahlreiche Randkorrekturen des Arlenius enthält
der in der Mitte des 16.Jhs. entstandene Ott.172
mit Col.
2 Paez an Honorato Juan, aus Trient am 8.6 .1546 (Ch.
Graux, S.81, Anm.2 und S.404 sq. (Appendice 6».
3 G.Antol!n, Catalogo de los COdices Latinos de la
Real Biblioteca dei Escorial, 11, Madrid 1911, S.
154-156; vgl. auch A.Gonzalez Palencia-E .Mele, I,
-
85-
nicht feststeht, ob sie tatsächlich von Mendoza
stammtl. P ~ez hatte während des Konzils ein großes
Opus über Aristoteles und Platon als eine Art Syn-
these der griechischen Philosophie ins Auge gefaßt
und diese Absicht auch nach seiner Rückkehr nach
Spanien nicht aufgegeben, konnte seinen Plan jedoch
nie ausführen2•
Mit Mendoza und P~ez und ihrer Aristotelischen
Akademie schließt dieser Überblick; nach dem Konzil
von Trient ist das CorpuS Aristotelicum praktisch
nicht mehr handschriftlich verbreitet worden. Die 6
von Mathusalas Macheir zu Beginn der 2.Hälfte des
16.Jhs. im östlichen Mittelmeerraum geschriebenen
und heute in Wien befindlichen Manuskripte3 stellen
eine singuläre Erscheinung dar. Wenn ein gewisser
Josephos Kretikos noch am Anfang des 17.Jhs. für
den damaligen Herzog von Urbino drei Aristoteles-
(Urb.40, 41, 48) schrieb, so kann das
gewertet werden.
Manuskripte
nur als ein Kuriosum
S.286 und 111, S.140.
G.Antolfn schreibt sie a.a .O . Mendoza zu, meldet
aber IV, Madrid 1916, 5.296 (in den Corrigenda)
Zweifel an; vgl. auch A.Gonzalez Palencia-E .Mele,
I, 5.286.
2 Vgl. Ch .Graux. 5 .81 sq.
3V·
~ nd.Phil.l10, 155, 189, 215, 217, Theol.230.
-
86-
111. MATERIALSAMMLUNG
ZU flEPI ATOMON rPAMMON
1. DIE FORSCHUNGS LAGE
Der erste Versuch einer kritischen Edierung der
pseudo-aristotelischen Schrift fiept aT6μwv YPGμμWV
ist in der Aristoteles-Gesamtausgabe der Preußi-
schen Akademie von 1831 unternommen worden. Der
dort (S.968 -972) von I.Bekker pUblizierte Text ist
jedoch nach allgemeinem Urteil in großem Umfang un-
verständlich. Bekker hatte sich offensichtlich gar
nicht erst bemüht - sieht man von unerheblichen
Quisquilien ab - , über die Auswertung der ihm zu-
gänglichen Textzeugen hinaus durch
befriedigenderen Wortlaut
stens, wo nötig,
textkritische
Emendation einen
herzustellen oder wenig-
eine crux zu setzen. Eine wirklich
Bearbeitung unserer Schrift beginnt
erst mit M.Hayduck, dem in einem bedeutenden Auf-
satzl eine ganze Reihe Von glänzenden Konjekturen
gelang. O .Apelt hat dann 1888, sich die Ergebnisse
Hayducks zunutze machend, einen brauchbareren Text
bei Teubner ediert2, nicht ohne eine Vielzahl eige-
ner Konjekturen zu wagen, Von denen er etliche in
den prolegomena näher begründeti diese Ausgabe ist
bis heute die maßgebliche geblieben. Ihr ließ Apelt
drei Jahre später eine deutsche Übersetzung fOI-
M.Hayduck, De Aristotelis qui fertur nEp~ aToμwv
YPGμμwv libello, in: Jahrbücher für classische
Philologie (Fleckeisen), 20.Jahrgang, 1874 (= Neue
Jahrbücher für Philologie und Paedagogik 109),
S.161-171.
2 O.Apelt, Aristotelis quae feruntur .• .
(vgl. oben
S.10, Anm.l), dort S.141-157.
-
87-
gen1, die als solche ein Weiteres zum Verständnis
des Textes beiträgt. Eine englische 'Paraphrase' des
Traktats von H.H .Joachim (1908)2 ist mit ihren unge-
wöhnlich zahlreichen und ausführlichen Anmerkungen
eine Fundgrube wertvoller textkritischer Anregungen
und gediegener Einzelbeiträge zur Erklärung des
schwierigen Textes. Fast ein halbes Jahrhundert spä-
ter hat sodann W. Hirsch3 durch eine "nochmalige Son-
dierung des gesamten philologischen Materials" in
einer Art Bestandsaufnahme der Ergebnisse der älte-
ren Forschung und durch die Heranziehung neuer Hand-
schriften in den textkritischen Fragen unserer
Schrift einen weiteren Schritt vorankommen können.
Ein anderer textkritischer Beitrag stammt von natur-
wissenschaftlich orientierter Seite und muß schon
deshalb die Aufmerksamkeit des Philologen auf sich
ziehen. M .Schramm4 hat in umfangreichen und sorgfäl-
tigen Analysen, wo er sich wesentlich konservativer
O.Apelt, Die Widersacher der Mathematik im Alter-
tum, in: O.Apelt, Beiträge zur Geschichte der Phi-
losophie, Leipzig 1891, 5.253-286, dort S~271-286.
2 H.H .Joachim, De lineis insecabilibus, Oxford 1908,
in der von J.A .Smith und W.D .Ross heraUsgegebenen
Reihe "The Works of Aristotle translated into Eng-
lish" (separat und auch im Bd.VI: Opuscula, Ox-
ford 1913, veröffentlicht).
3 In seiner Dissertation: Der pseudo_aristotelische
Traktat De lineis insecabilibus, Heidelberg 1953
(Maschinenschrift), die sich hauptsächlich mit dem
philosophischen Gehalt der Schrift beschäftigt.
-
Ich danke dem Verfasser für die unbefristete Aus-
leihung seiner Arbeit und die freundliche Überlas-
sung von photographien der Pariser Lin.- Hss.
4 M.Schramm, Zur Schrift über die unteilbaren Linien
a~s dem Corpus Aristotelicum, in: Classica et Me-
d~aevalia 18, 1957, 5.36 -58.
-
88-
zeigt als insbesondere
Apelt,
versucht,
"einen les-
baren Text herzustellen",
und ist dabei nicht selten
zu Lösungen gelangt, die auch schon Joachim vorge-
schlagen hatte. ZUletzt ist schließlich soeben eine
eingehende, auch um das Textverständnis sehr bemüh-
te Untersuchung des Traktats von M.Timpanaro Cardi-
nil erschienen, die zwar den Text Apelts reprodu-
ziert, aber im kritischen Apparat, in der Überset-
zung und im Kommentar die bisherige Konjekturalkri-
tik gewissenhaft auswertet und darüber hinaus eige-
ne Konjekturen vornimmt2•
Vgl.oben 5.10, Anm.l .
2 Wir wollen es in diesem Überblick nicht versäumen,
wenigstens beiläufig auch auf die folgenden Bei-
träge hinzuweisen. In der Didotiana steht Lin. im
4.Bd. (Paris 1857), S.47 -53; sieht man von eini-
gen wenigen Konjekturen Bussemakers ab, so handelt
es sich um den Bekkerschen Text. Einige Textver-
besserungsvorschläge finden sich bei J.L .Heiberg,
Mathematisches zu Aristoteles, Abhandlungen zur
Geschichte der Mathematischen Wissenschaften, 18.
Heft, Leipzig 1904, wo auf S.34-37 Lin. behandelt
ist (Übrigens ist ein sehr frÜher Vorgänger Hei-
bergs für dieses Thema J.Blancanus, Aristotelis
loca mathematica ex universis ipsius operibus co l-
lecta et explicata, Bononiae 1615, bei dem es
5.201-209 auch einen Abschnitt "In libellum De li-
neis insecabilibus, sive individuis" gibt.) . Für
das Textverständnis der Passage 8b4-21 ist jüngst
ein weiterer Fortschritt erzielt worden: K.Gaiser
(vgl.oben S.9, Anm.3), 5.510-511 . Neben den Über-
setzungen Apelts und Joachims gibt es auch eine
in 'The Loeb Classical Library' von W.S .Hett
(Aristotle. Minor Works, London 1936, S.413-447)
auf der Grundlage des parallel mit abgedruckten
Apeltschen Textes veröffentlichte, die Zwar keine
Erläuterungen enthält, aber nichtsdestoweniger
sehr beachtenswert ist. Dies kann man leider von
einer zweiten deutschen Übersetzung _ P.Gohlke,
Aristoteles. Kleine SChriften zur Physik und Meta-
physik, Paderborn 1957, 5.61-76 - ganz und gar
-
89-
Welches handschriftliche Material lag nun den
obigen Editionen und Untersuchungen zugrunde, und
wie wurde es klassifiziert? Um die Ausgabe Bekkers
in dieser Hinsicht beurteilen zu können, sind wir
auf eine nachträgliche Auswertung seines kritischen
Apparates angewiesen. Denn eine praefatio zur Aristo-
tales-Ausgabe, in der er über die Grundsätze seiner
Textgestaltung und über die benutzten Handschriften
Rechenschaft abgelegt hätte, ist von Bekker bekannt-
lich nie veröffentlicht worden. Der Apparat nennt
.
aaaal
vornewegachtKod~zes-LNPQHUWZ
-,
und man könnte nun annehmen, daß deren Varianten im
folgenden sämtlich aufgeführt sind. Eine genaue
..
a
Uberprüfung des Apparates lehrt jedoch, daß Q und U
nur am Anfang des Traktats herangezogen worden sind
a
_
U wird zuletzt 8b17 zitiert (und einmal la2), und
die Lesarten von Q sind überhaupt nur für die aller-
ersten Zeilen bis 8a14 vollständig (danach nur noch
Ba25 und b9) verzeichnet - , daß Ha nur im ersten
Viertel der Schrift kollationiert (zuletzt zu 9a26
genannt) und daß Za obschon für die ersten 30 Zei-
,
len häufiger, im folgenden nur noch ganz sporadisch
(nämlich Ob19, Ob27, la6 und ganz am Ende der Schrift
2b30 und 33) erwähnt worden ist. Bekker hat diese
vier Handschriften also nur ankollationiert, um dann
auf sie "more suo tacitetl2 zU verzichten, da er sie
n~ch~ behaupten; es spricht schon für sich, daß
d~e Ubersetzung nach der überholten Bekkerschen
Edition angefertigt worden ist.
Ein Verzeichnis der Handschriften und der sie be-
zeichnenden Sigel findet sich unten 5.101/102.
2 O.Apelt, Aristotelis quae feruntur, S.VIII . Bekker
hat allerdings das hier von ihm praktizierte Ver-
-
90-
vermutlich
entweder
für zu stark verderbt oder für
Apographa hielt.
Die Bekkersche Ausgabe beruht somit auf den vier
verbleibenden
Kodizes L N p wa, deren Varianten im
Apparat durchweg verzeichnet sind. Diese Textzeugen,
sämtlich aus der Vatikanischen Bibliothek, gehören
mit der einen Ausnahme des Kodex N - wie die früh
ausgeschiedenen zwei Marciani (Q Ha) zu den Bekker-
schen "Stammhandschriften",
dvh , zu den auch bei der
constitutio textus anderer Traktate immer wieder
herangezogenen Exemplaren. Im einzelnen folgt der in
der Akademie-Ausgabe gedruckte Text vorwiegend den
gemeinsamen Lesarten der drei "Stamm-Vaticani" (L P
Wa); hin und wieder hat sich der Editor mit N oder
mit N Wa gegen die anderen Handschriften entschie-
den 1.
Die Ausgabe Apelts bietet, wie schon erwähnt, für
die handschriftliche Grundlage gegenüber der Bekkers
eigentlich nichts Neues. So ist der kritische Appa-
rat der Akademie-Ausgabe vOllständig Übernommen.
Leider hat Apelt jedoch den negativen Apparat Bek-
kers an manchen Stellen zu einem positiven umgestal-
tet, so daß jetzt z.B. für den Kodex Q, den Bekker
fahren anderenorts ausdrücklich als solches gekenn-
zeichnet: "Codices '"
et ab initio .•. "
(Caei. s .
268 und EE S.1214) oder "Codices ..•
et nonnullis
locis •.. "
(ce i • S. 791 und MXG 8.974) oder "Codi-
ces .•.
et hinc inde ... "
(Mech. S.847).
Es scheint, als habe sich Bekker, mit dem Text
seiner Handschriften nicht immer zUfrieden, in der
Vaticana nach einem zusätzlichen Textzeugen umge-
sehen und diesen dann in N gefunden. Aus demselben
Grund hatte er sich vielleicht auch zur Einsicht
in den sonst nicht wieder benutzten Kodex Za der
Laurenziana veranlaßt gesehen.
-
91-
ja nach 8a14 eliminiert hatte, Lesarten angegeben
sind (vgl. z .B . 142,11,142,17; 1"2,22 (Apelt)etc.),
die dieser gar nicht aufweist. Ansonsten ist ledig-
lich der Laurentianus (Za) nun doch von H.RassoW in
Florenz auf Bitten Apelts ganz durchverglichen wor-
denl• Die enorme Menge seiner Sonderlesungen hat
den Apparat der Teubner-Ausgabe nicht unbeträcht-
lich anschwellen lassen.
-
Wenn der von Apelt her-
ausgegebene Text dennoch gegenüber dem seines Vor-
gängers stark geändert und verbessert ist, so liegt
das, sieht man einmal von den Früchten der bereits
erwähnten Konjekturalkritik ab, an einer "richtige-
ren Verwertung der Handschriften,,2. Apelt betraeh- a
tet den Kodex N, dessen Varianten mitunter durch Z
bestätigt werden, als den bei weitem besten Textzeu-
gen und folgt ihm, wo nur möglich, bei der Konstitu-
Textes3• Nach seinen Beobachtungen
P aus einer gemeinsamen
MittelsteIlung zwi-
auf der anderen
ierung seines
stammen die Kodizes L und
Quelle, während Wa und Za eine
sehen L und P auf der einen und N
Apelt hat außerdem, wie schon Bussemaker für die
Didotiana (vgl.dort 5.11), die paraphrase des By-
zantiners Georgios Pachymeres, wenn auch praktisch
ohne jeden Nutzen (vgl. S .XVII), eingesehen. Da
war denn die lateinische Renaissance-übersetzung
des Iulius Martianus Rota von wesentlich größerem
Wert für Apelt, sie scheint, um das schon hier zu
sagen, einigen seiner Konjekturen auch dort Pate
gestanden zu haben wo wir den Namen Rota vergeb-
lich im Apparat su~hen.
2 Vgl. O .Apelt, Die Widersacher (vgl.oben 5.87, Anm.
1), 8.270.
3 O:A~elt, Aristotelis quae feruntur, S.IX: " ...
co-
d~c ~s praestantissimi N, quem praecipuum ducem in
recensendo libro sequendUm censuimus".
-
92-
Seite einnehmenl.
Wie bereits angedeutet, hat W.Hirsch in der Hoff-
nung, die Textkritik unserer
Schrift weiter fördern
zu können,
drei bis dahin nicht eingesehene
Parisini
(i, 1 und 1851) anhand von Photographien
kOllatio-
niert und die Lesarten VOllständig mitgeteilt2.
In
der Tat erbrachte die Heranziehung
voniundI,um
mit Hirsch selbst zu reden,
"insgesamt über 20 Text-
verbesserungen,
die allerdings
schon größtenteils
durch Konjekturalkritiker
eingesetzt
waren,,3. Nach
Hirsch ist der Kodex I über eine korrigierte
Zwi-
schenstufe
aus i geflossen,
während
der Par.1851
"mit Ha und L im wesentlichen
übereinstimmt"4.
_
Es ist das Verdienst Hirschs,
als erster die mittel-
alterlichen
lateinischen
Materialien
für unsere
SChrift, und zwar die Übersetzung des Robert Grosse-
teste und die Paraphrase
des Albertus Magnus,
ausge-
wertet zu haben; von dieser Seite ergab sich so gut
wie kein weiterer
Fortschritt in textkritischen
Fra-
gen S.
Im Rahmen seiner Untersuchung über die griechi-
schen Aristoteles-Handschriften
in Venedig (Udine
und Verona) ist E.Mioni auch auf die Überlieferung
unserer Schrift eingegangen
und hat "post integram
O.Apelt, Aristotelis quae feruntur,
S.VIII -IX .
2 Bei Hirsch (vgl.oben S.87, Anm.3) tragen die drei
Kodizes die Sigel R], R2 und 5; die KOllationen
finden sich S.11 -23 .
3 W.Hirsch, S.24; eine tabellarische
Aufstellung
dieser Textstellen
gibt er S.42.
4 W.Hirsch, S.24-25.
5 W.Hirsch, 5.25-27.
-
93-
et novam recognitionem"
und unter Beifügung ausge-
wählter Varianten
eine Klassifizierung
der fünf Lin. -
Marciani, unter ihnen die bereits von Bekker ankol-
lationierten Kodizes
Ha und Q, versuchtl. Auf seine
Ergebnisse, deren wichtigstes,
fallS es sich bestä-
Einschätzung des Kodex Ha als "in
inspiciendus"
wäre, wird im
im engeren Zusammenhang
tigen ließe, die
futura editione
totus
Verlauf der Arbeit jeweils
eingegangen
werden.
Grundlegende
Voraussetzung
für eine sichere con-
stitutio textus ist die zuverlässigkeit der Kolla-
tionen. Betrachtet
man unter diesem Aspekt die bis-
herigen Arbeiten
zu Lin.,
so ist leider festzustel-
len, daß in ihnen diese Forderung keineswegs erfüllt
ist.
dieser Hinsicht oh-
Fast jeder Gelehrte,
aristo-
Die Autorität Bekkers ist in
nehin oft angegriffen
worden.
der sich zur Vorbereitung
der Edition einer
telischen
Einzelschrift
mit den bereits von Bekker
benutzten
Handschriften
beschäftigte,
mußte eine Un-
menge von Fehlern,
Versehen und anderen Unzuläng-
li chke i ten in den Kollationen
Bekkers entde ck e n .
"In
apparatu
construendo
errori valde obnoxius",
schreibt
z.B . A.Förster
in der praefatio (S.V) seiner De ani-
ma-Ausgabe (Budapest 1912), um hier nur dieses Ur-
t.il über Bekker zu zitieren; p.Siwek2 hat einige
solcher negativen
Äußerungen
auS der Aristoteles-Li-
1 E.Mioni, Aristotelis codices graeci qui in biblio-
thecis Venetis adservantur,
Padua 1958, 5.74 -76.
2 P.Siwek, Les manuscrits greCS des Parva naturalia
d'Aristote,
Rom etc. 1961 (collectio Philosophica
Lateranensis 4), 5.14 -15 .
-
94-
teratur
zusammengetragen.
Wir mÜSsen den großen Edi-
tor Bekker, der im Laufe seines Lebens mehr als 400
Manuskripte kOllationiert
hat], allerdings
zugute
halten,
daß er aus zeitlichen
Gründen bei der Bewäl-
tigung seines gewaltigen
Unternehmens,
der ersten
kritischen
Ausgabe des gesamten
Corpus Aristotelicum,
das zudem nur eines von vielen darstellt,
nicht so
viel Sorgfalt und Akribie aufwenden
konnte,
wie man
es bei der Edition einer Einzelschrift
erwarten
dürfte.
Es wäre mÜßig, nun all die Irrtümer
Bekkers auf-
zuzählen.
Einen hinreichenden
Eindruck
von dem Grad
der ZuverläsSigkeit
seiner Kollationen
vermittelt
wohl auch eine knappe statistische Übersicht: über
30 falsche bzw. fehlende Angaben
im Apparat bei L,
etwa50beiN,etwa55beiP,etwa50beiWaundet-
wa 12 im ersten Viertel der Schrift bei Ha. um diese
Zahlen in der richtigen
Relation
zu sehen, muß man
sich vergegenWärtigen,
daß unsere Schrift nur 312
Zeilen in der Bekkerschen
Ausgabe umfaßt. Diese Er-
rata im kritischen
Apparat sind freilich nur zu
einem gewissen Teil Kollationsfehler
im paläographi-
schen Sinne. Verschiedene
Versehen resUltieren
of-
fensichtlich
auch einfach aus der wohl nachträgli-
chen Verwechslung
von Handschriften
bzw. deren Si-
geln2 oder ähnlichen
technischen
Pannen. Ein be-
Vgl. B .A.van Groningen,
Traite d'histoire
et de
critique des textes grecs, Amsterdam
1963, 5.71.
2 Dieselbe Beobachtung
machte auch K.Bitterauf,
Neue
Textstudien
zum Schlußteil der aristotelischen
Biologie,
Wissensch.Beilage
zum Jahresbericht
des
Gymn.Kempten
1913/14, S.4 -5 .
-
95-
zeichnendes Beispiel
mag genügen: Wa soll laut Bek-
ker am Anfang unseres
Traktats folgende Randnotiz
tragen: ,0 npw,o,unov
ACav Eo~aAμevov.Kat μn ,~~ μOL
μEμ~e,w' Ka~w ~ yap opw, oü,w ypa~w .
In Wirklichkeit
aber steht diese Schreiberformel
nicht hier, sondern
.
a
~ m Kodex V (Urb.108) am oberen Freirand von f.143,
auf dem MXG endet und Mir. anfängt.
Ließ sich für die Unzulänglichkeiten
im Apparat
Bekkers noch so manche Entschuldigung finden, so mu-
tet doch die Nachlässigkeit,
mit der H.Rassow für
Apelt den allerdings
nicht kalligraphierten
Kodex
a
Z , kollationierte
_
VerwechSlUngsmöglichkeiten
gab
es diesmal nicht! _
,
geradezu unglaublich
an. Etwa
70mal stimmen
seine Angaben nicht mit dem wirkli-
chen Befund überein.
-
Die Kollationen
Hirschs aus
den drei Parisini
sind im Vergleich zu denen Bekkers
und Rassows gründlicher,
weisen aber insgesamt im-
merhin über 30 Fehler auf.
-
In der stichprobenarti-
gen Auswahl von Varianten
schließlich, die Mioni
bietet, ist mehr falsch als richtig, was sich nur
zum Teil aus der Übernahme
irriger Lesarten Bekkers
erklärt.
also, die die Notwendigkeit
unterstreicht.
Eine desolate Bilanz
einer neuen Bestandsaufnahme
-
96-
2. TESTIMONIEN UND HEURISTIK
Die in unseren Handschriften
unter dem Namen des
Aristoteles laufende Schrift nEp~
aToμwv ypaμμwv
ist
im Altertum auch dem Theophrast zugewiesen worden.
Sie findet sich im Schriftenverzeichnis des Eresiers
bei Diogenes Laertios V.42, das auf eine ältere
Quelle, letzten Endes wohl Hermippos zurückgehtl.
Sodann gibt es eine bei drei Aristoteles-Kommentato_
ren wörtlich wiederkehrende Notiz, die ausdrücklich
belegt, daß die Zuschreibung an Aristoteles oder
seinen Schüler kontrovers war2. Themistios, In Cael.
P.148,39-149,2 Landauer, Simplikios, In Cael. p .566,
25-26 Heiberg, und Philoponos, In Gener.Corr. p .34,3
Vitelli, verweisen in ihren Kommentaren beiläufig
auf das 'aristotelische' Büchlein über die Atomli-
nien, beeilen sich aber hinzuzufügen ö T~VE ~ Et~
8EO~paaTov ava~EPoua~v3. Vielleicht war es Androni-
kos, der die ursprünglich im Corpus des Theophrast
überlieferte Schrift diesem absprach und sie unter
die aristotelischen Werke einreihte. Denn Lin. fin-
det sich unter den Schriften des Aristoteles erst-
Vgl. H.Usener. Analecta Theophrastea, Bonn 1858
(= Kleine Schriften I, Leipzig-Berlin 1912, 5.50
bis 90), 5.68 sqq., O.Regenbogen, Artikel 'Theo-
phrastos', in: RE SuPpl.VII (1940), Sp.1354-1562,
dort Sp.1367, und P.Moraux, Les listes anciennes
des ouvrages d'Aristote, Louvain 1951, 5.246
(auch Anm.148).
2 Schwankende Zuweisungen dieser Art begegnen öfters,
vgl. O .Regenbogen, Sp.1416, 1449, und P.Moraux,
S.41 sq.
3 Themistios ist nur in hebräischer bzw. lateinischer
Übersetzung erhalten: quem nonnulli Theophrasto
ascribunt.
-
97-
malig in der ptolemaios-Listel,
wichtigen Argumenten im wesentlichen
zurückgeführt hat2•
-
Es bleibt noch zu erwähnen,
daß die Autorschaft des Aristoteles in den knappen
Verweisen auf unsere Schrift bei Simplikios, In Phys.
p.492,3 sqq. Dieis, und bei Philoponos, In Phys.p.
~65,5 sqq.und In Gener.Corr.p .164,10 sqq. Vitelli,
nicht in Frage gestellt ist3.
-
Dies sind, soweit
die P.Moraux mit ge-
auf Andronikos
Vgl. P .Moraux, 5.294, und I.Düring, Aristotle in
the Ancient Biographical Tradition (= studia Grae-
ca et Latina Gothoburgensia V), Göteborg 1957, S.
222. Dort werden 3 BUcher für Lin. angegeben, aber
Moraux hat den Irrtum, dem eine Buchstabenverwechs-
lung (r statt A) zugrunde liegt, aufgeklärt.
2 P.Moraux, S.306 -309 .
Die Verfasserfrage muß vom modernen Standpunkt aus
gesehen als noch ungelöst bezeichnet werden (vgl.
I.Düring, Artikel 'Aristoteles', in: RE Suppl.XI
(:968), Sp.159-336, dort Sp.315). Einig ist man
s~ch heute nur darüber, daß Lin. nicht von Aristo-
teles selbst stammt. An Theophrast denkt E.Zeller,
Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtli-
chen Entwicklung, 11,24, Leipzig 1921, s.90,Anm.1,
und auch P.Moraux, 5.294 und M.Schramm, 5.55 hal-
ten die Autorschaft des Eresiers durchaus für mög-
l~ch. Das in der Zuweisung herrschende schwa~ke~
mogen z.B . folgende Zitate deutlich machen: Zw~ -
schen diesen beiden (sc. Theophrast und Straton)
würden wir demnach die Wahl haben" (o.Apelt, Die
Widersacher, 5.270); "mag es nun Theophrast oder
Straton oder sonst ein Peripatetiker sein, so viel
steht fest, daß es ein Zeitgenosse des Xenokrates
war" (R.Heinze, Xenokrates (vgl.oben 5.9, Anm.2),
5.61); "there are grounds for ascribing it to
Theophrastus: whilst, for all we can tell, it may
have been written neither bY Aristotle nor by
Theophrastus, but by Strato, or possiblY by some
~ ne otherwise unknown" (H.H.Joachim? «r e can hard-
iY ~ave been written by Aristotle h~mself .:. But
t ~s certainly the work of some one belong~ng to
~~e
school" (Th.Heath, A History of Greek Mathema-
~ cs, I: From Thales to Euclid, oxford 1921, S.
-
98-
ich sehe, alle antiken Testimonien für Lin.1•
In mittelbyzantinischer Zeit, noch Vor den ersten
erhaltenen Handschriften unseres Traktats, begegnen
wir ihm im Physik-Kommentar des Michael Psellos
(1018-1079 (?» zweimal2: npOS o~ T ~V O~XOToμCav,
nv O~TO' (sc. napμEVCOns) €~ avayxns €~OCE~ xa~
eOECxvo TO napf EXECVOLS EV $v nOAAa, €VEOCOOOV (sc.
OL KEP~ nAaTwva)noLoOVTES äToμa μEY{~n, KPOS 8 EV
äAAOLS aVTaywVC(;ETaL 0 ~LA6aoqlos "nEp~ aToμwv" ypa-
qlWV "ypaμμ!iiv" (In Phys.I,3, 187a3 sqq.) und s t o~
nAaTWv TCenaL T~S aToμooS ypaμμas, ou XaAEROV aUTaS
342), "written by some author of the Peripatetic
school" (W.S.Hett, S.415); "Als Verfasser kommt
jeder geistig nicht allzu bedeutende Peripatetiker
in Frage ... Man wird daher dem Theophrast und
Strato diesen Traktat nicht zuschreiben dürfen"
(W.Hirsch, 5.122); "vermutlich von Theophrast ...
(wenn •..
nicht noch jünger)" (O.Becker, in: Gno-
mon 27,1955, S.267); "is generally thought to
have been written by a member of the Peripatos of
the first generation, probably under the headship
of Theophrastus" (J.A .Philip. The "Pythagorean"
Theory of the Derivation of Magnitudes , in: Phoe-
nix 20, 1966, 5.32-50, dort 5.39 -40); "Pereib nel-
la fiorente scuola di Teofrasto dovette circolare
il libretto polemico" (M.Timpanaro Cardini, S.38).
Verschiedene Ansichten zum Verfasserproblem refe-
riert auch M.Untersteiner, Zenone. Testimonianze
e frammenti. Introduzione, traduzione e commento
a cura di ... , Firenze 1963, S.102 sq.
Die von E.Diehl im Apparat seiner Edition von Prok-
los In Timaeum (Leipzig 1903/6) auf Lin.8al bezoge-
nen Stellen (vgl. Bd.III, im Index Auctorum 5.360)
sind in Wirklichkeit, wie A.J .Festugiere, Proclus.
Commentaire sur Ie Timee, 11, Paris 1967, S.109,
erkannt hat, Anspielungen auf An.411bS sqq.
2 Ich danke L.Benakis, mir diese beiden Stellen aus
dem Psellos-Kommentar noch Vor seiner Veröffent_
lichung freundlicherweise mitgeteilt zu haben.
-
99-
aV&A&LV OL'gnLXELPnμaTwv, KaeWS Kat KOLEt EV ETEPOLS
ypa~wv ßLßXCOV nEp~ aT6μwv ypaμμwv (In Phys.III 6,
206a9 sqq.) . Niemand wird allein aus diesen allge-
mein gehaltenen Hinweisen schließen wollen, Psellos
schöpfe hier aus der eigenen Lektüre unserer Schrift.
Er kannte natürlich seine Vorgänger unter den Kom-
mentatoren _ zu ebender zweiten PhysiksteIle (206a9
sqq.) gab ja Philoponos (p.465,5 sqq., vgl.oben) den
Verweis - und hat die "bibliographi-
einfach von dort über-
betreffenden
sehe" Angabe wahrscheinlich
nommen.
Sein Schüler Michael von Ephesos (um 1050 - um
1120) hat sich möglicherweise eingehend mit Lin. be-
schäftigt, wenn wir drei Zeugnissen aus spätestens
dem 13./14.Jh . Glauben schenken können, hat er sogar
einen regelrechten Kommentar zu unserer Schrift ver-
faßt. Denn in der Liste der Aristoteles-Kommentato-
ren, die uns im Marc.203, f.2301, im Vat.241, f.62
und im Angel.42, f.4193 überkommen ist, wird eine
Exegese des Ephesiers zu Lin. ausdrücklich genannt.
Ein solcher Kommentar ist bislang nicht aufgetaucht,
aber an der RiChtigkeit dieser Nachricht zu zweifeln,
haben wir eigentlich keine VeranlaSSUng, zumal die
aufgezählten Arbeiten - sieht
ab _ tatsächlich erhalten
anderen für Michael
man von der zu Hist.An.4
~~l. H:Usener, in' Rhein.Mus.20, 19.5, 5.133-13.
_
Kle~ne Schriften, 111, 5.3 -6).
2 V~l. Stephani in librum Aristotelis De interpreta-
t(~one commentarium ed. M .Hayduck, Berlin 1885
= CAG XVIII 3), S.V .
3 Entdeckt von D.Reinsch vgl. die Beschreibung der
Handschrift im 'Aristo~eles Graecus'.
4V'
~ elleicht ist diese schrift einfach automatisch
-
100 -
sind; auch den bisher nicht bekannten
Kommentar
zu
Col.,
den Michael allerdings
selbst (CAG XXIIi, p.
149,15-16 Wendland) angekündigt hat, habe ich anonym
in drei jungen Handschriftenl
gefunden.
Das Fehlen2
des Lin.- Kommentars
ist um so bedauerlicher,
als er
uns wahrscheinlich
geholfen
hätte, eine Tradierungs-
stufe genauer kennenzulernen,
die etwa zwei Jahrhun-
derte weiter zurückliegt
als die ältesten
erhaltenen
Vertreter
unserer handschriftlichen
Überlieferung
(Ha Za), die frühestens
aus der zweiten Hälfte des
13.Jhs. datieren3.
Bei der Erfassung der griechischen
Handschriften,
die den Traktat über die Atomlinien
enthalten,
konn-
te ich mich auf eine im Aristoteles-Archiv
unter
meiner Mitwirkung
erarbeitete Handschriften-Kartei
bei der Aufzählung der Zoologischen
Traktate
mit
angehängt
worden; vgl. K .Praechter,
Rezension
von
CAG XXII 2 ed. M.Hayduck, in: Göttingische
Gelehr-
te Anzeigen 11, 1906, S.861-907, dort S.864, Anm.3.
VgI.oben 5.43, Anm.5 .
2 Beim gegenwärtigen
Stand der Katalogisierungsar_
beiten zu griechischen
Handschriften
ist jedoch
seine Entdeckung
nicht ganz ausgeschlossen.
3 Der VOllständigkeit
halber sei hier auch der auf
Bessarion
weisende Par.2042 aus der Mitte des 15.
Jhs. als Zeugnis der Beschäftigung
mit unserer
Schrift erwähnt, der UROμVnμaTa
xaL EXAoyaL EV
ER~TOμ9 EX TWV uRoyeypaμμEvWV
ap~OToTEAOUs B~BACWV
enthält und in dem wir f.203v folgendes Resurne von
Lin. lesen: EV T~ Rep~ aToμwV ypaμμwv ER~xe~pet
RPWTOV EX TOO EvavTCoU 6e~xvu~ erva~ aToμou~ ypaμ-
μas xal μn eR'
~ Re~POv erva~ 6~a~peTas.
erTa Auoas
TOUS TO~OUTOUS TWV EvaVTCwV AOYOUS aoe~s 6eCxvuo~
6~a RAe~ovWV
ETEPWV ER~xe~PDμaTWV
μn erva~ aTOμOUS
ypaμμas.
-
101 -
stützen. In diesem Zettelkatalog
sind als Vorarbeit
für die Fertigstellung
einer ausführlichen
wissen-
schaftlichen
Beschreibung
der griechischen
Aristote-
les-Manuskripte,
des 'Aristoteles Graecus', alle in
Frage kommenden
Handschriften
auS sämtlichen über
1000 regionalen
Bibliothekskatalogen,
die im R~per-
toire von M.Richardl
aufgeführt
sind, und aus dem
in der Section grecque im Institut de Recherche et
d'Histoire
des Textes vorliegenden
Material erfaßt
ca.l100 ermittelten
Aristoteles-Ko-
27 die Schrift Lin.2:
worden. Von den
dizes enthalten
Berolinensis
Phill.1507
a
Z
Laurentianus
87,21
Matritensis 4563 (olim
Ambrosianus
A 174 sup.
D 124 info
453 Vladimir; 227 Mat-
thaei)
N 26)
I
Ambrosianus
Mosquensis 240 (Savva;
Monacensis gr.502
Parisinus
gr.1851
Parisinus
gr.1860
Pari sinus gr.2032
Vaticanus
gr.253
Vaticanus
gr.258
Vaticanus
gr.266
Vaticanus
gr.905
i
L
N
V
P
Vaticanus
gr.1339
Vaticanus
Ottobonianus gr.45
M.Richard, Repertoire
des bibliotheques
et des ca-
talogues
des manuscrits greCS,
Paris 21958 und
Supplement I (1958-1963), Paris 1964.
2W'
a e bereits oben S.100, Anm.2
~rw .. t:rpt' e:t'lauh:t
auch hier der gegenwärtige sta
..
der i<atalogi~$i~ -
rung kein absolut gesicherteS
X'iel)'Oi~,
was die
Vollständigkeit
angeht.
II
.........:.::1 _
--
-
102 -
Vaticanus
Ottobonianus
gr.153
Vaticanus
Urbinas gr.38
Vaticanus
Urbinas gr.44
Marcianus
gr.200 (coI1.327)
Marcianus
gr.212 (coll.606)
Marci an us gr.214 (coI1.479)
Marcianus
gr.215 (coI1.752)
Marcianus
gr.XI .ll (coI1.1375)
Vindobonensis
Phil.gr.l1
Vindobonensis
Phil.gr.206
Vindobonensis
Phil.gr.231
Der Mut.a .T .9 .21
(olim 76) der Biblioteca Estense in
Modena enthält entgegen
den Angaben
der Kataloge
nicht den pseudo-aristotelischen
Text von Lin.,
son-
dern die entsprechende
Paraphrase
des Byzantiners
Georgios Pachymeres1•
Der von A.Wartelle2 benannte
Laur.87,2 ist keine Handschrift,
sondern ein Druck-
exemplar
des 1497 erschienenen
3.Bandes der Editio
princeps des Aristoteles
von Aldus Manutius.
An Textmaterialien
sind weiter vorhanden
und wur-
den ausgewertet:
die spätbyzantinische
Paraphrase
des Georgios Pa-
chymeres
(Pach.)
die mittelalterliche
translatio des Robert Gros-
seteste (Rob.)
die lateinische Paraphrase
des Albertus
Magnus
(Alb. )
die lateinische Übersetzung des IUlius Martianus
Rota
die Editio princeps des Henricus
Stephanus
(1557)
(H.St .)
Vgl. auch unten 5.346.
2 A.Wartelle (vgl.oben
5.40, Anm.2), 5.40, Nr.581 .
-
103 -
Bearbeitung
unserer Schrift ist bis-
gewordenl
Eine arabische
her nicht bekannt
Die neueste über das arabische Material informie-
rende Untersuchung ist F.E .Peters, Aristoteles
Arabus. The Orient al Translations and Commenta-
ries on the Aristotelian Corpus, Leiden 1968, da-
zu Ergänzungen in der Rezension von H.Daiber, in:
Gnomon 42, 1970, 5.538-547.
-
104 -
IV. DIE FILIATION DER GRIECHISCHEN
HANDSCHRIFTEN
Die 27 erhaltenen
griechischen
Lin. -Handschrif-
ten lassen sich stemmatisch drei Familien
zuordnen,
und zwar 18 ausschließlich
je einer von diesen, die
restlichen
9 (contaminati) mindestens
zweien gleich-
zeitig. Eine eindeutige Abgrenzung dieser Hand-
schriftenfamilien
gegeneinander
ergibt sich aus je-
weils nur in einer Familie nachweisbaren
Spezifika,
unter ihnen etliche Trennfehler.
Diese Merkmale,
die
also alle Glieder einer Familie verbinden,
werden
im folgenden
der Betrachtung der einzelnen
Familien,
die nach ihren Stammvätern
(0. 6 Y) benannt sind,
vorangeschickt, textkritisch ausgewertet jedoch erst
im 5.Abschnitt dieses Kapitels.
1. DIE FAMILIE 0.
Der Stammvater Par.2032 (i) und sein Apographon
Par.1860 (1)
Zur Familie 0. gehören nur zwei Kodizes; der
i
ältere von ihnen, der Par.2032 (i), ist der
Stammvater, d.h . der zweite Kodex, der Par.
1860 (1), geht auf ihn zurück. Von den Stammvätern
der beiden anderen Familien (6 und y) unterscheidet
sich i durch eine FÜlle von Varianten und Besonder-
heiten:
0. (=i)
6y
8a3 om,
'{c
EXe:~
a6
Ba7
a13
a14
a15
a21
b13
b16
b18
b19
b20
b22
b23
b26
-
105 -
0. (=i)
om. e:t OE - a9 μ~KPOV
ax!\μa
tW npc)'t"e:pov
ta a'{o~xe:~a
"0'11
a
auμμe:'{po~
μ&tP~ov
(ut vid.)
pn'{ov OO'{E aAoyOV
'110'11 non
qJaaL
toO &nELpoV~
EXE~V
'{ono~
ypaμμaL' da\ OE
ypaμμaL'
9a 2 o~a(pE(nV
a 8 μ~KPWV
a13 nEnEpaaμEvnv EXOV
o~aLpEa~v
a17 ouo'
a19 add. '{00
npoKE~μlvo\)
post &va~poOa~
a20 '{wV AOYWV
a30 tW
oe:Cte:~V
CYKA (VCH: 6
CYXAC\le:~\I: c
CI.tOμO\)~
K~VE~a~a~
(ut
vid.) &qJ' &xaa'{ov
b10 Ea'{a~
b13 6ELf;e:~~
b23
b25
Y(\lEa~a~
,
,
.
,
EqJ EKaa'{nV
6Y
awμa
yap npOHpa
a,{o~XE ~a
npotEPOV
aUV~E'{O~
μ&'{pOV
pn'{n eör' aAoyO~
'110'11 on
qJuaE~~
tO &ndpov~ EXOV
'{onov
"
"
"
ypaμμa~
e:~a~ ypaμμa~
o~aCpe:a~~
μe:pwv
ne:ne:paaμEva~ EXE~
o~a~p{ae:~~
oto·
..
'{o
Oa12
-
106 -
a (=i)
μEPW\I
a15
ßy
aμEPWV
an~ Tn~ aTOμOU: ß
an~ TOO aTOμOU: E
TETpan>.aa~O\l
Eypa~E\I: ß E
aU\layoL
EE; EVa\lTLa~: s
EE; EVa\lT,: y Cut vLd,)
choμo~:
y (om.ß)
biO add. μ€\I post anaaa
b21 EE;
oux
b27
b32
a17 TETpan>.aaLW\I
a17 Eypaepn: a 6
a18 aU\layayoL
a21 EE; E:\la\lTLW\I
a26
a28
aTOllO~
post aToμo~ add. ET~
EL anaaa ypaμμn napa
Tn~ CtTOμOU
a33
b3
b8
om. T~ μ~xo~
-
b4
aTOμW\I
add. Tl ante oux
,
..
orn , TaUTO
aUVa)(OAOUßE~
a2
1a1
om. Er\IaL
om.
a4/5 ~Eu6Er~
xa~ E\la\lTLOL
6oE;a~~ naaaL~ Tar~
np~~ lICaT~V taxuouaaL~
a5
add. o~V ante ÖTL
a5
add. n ante ypaμμn
.
,
om. EX TOUTW\I
OUX ..
a\l
a6
a6
a6
add. n ante ypaμμn
a9EL~raanEE;apTLwv
d~ aVLC1a
aU\laxo>'OUßnaEL
6€
~Eu6Et~ E\la\lTLaL (+6€:ß)
6oE;aL näaa~ (näaL:ß) TOr~
taxuouaL
np~~ nCaTLv
exh.:
ß
om. EX TOUTW\I ÖTL ou6'
ClV: y
oU6' Cl\l: ß
-
107 -
a (=i)
a19 EXEL
a20 om. aXXnXOLS
a20 ouvcxi'\
a22μn6€n~
a24
a25
a26
a26
a26
a28
a29
iIlaTE oör'
.,
a\l
om. waTE
"
,
n
OUT av
alla\l
öXn öXou äv
add. na\lTn post EtvaL
a29 Ent ßaTEpa
a31 Ta nXECw
b1
b6ax
..
,
xaL E\I
b8
b8
b9
bl0
bl0
bl1
bl1
b12
b14
b19
/20
E:epeE;ouaL
TW )( aL Y<lP
,
1
add. T6n~ post aUT~
"
om. OVTa
npWTW xaL allTEC1~aL
EU~ECa
xat Ti'\ ~
ä~ETaL
Ou6€ ypaμμn\l aU\lTL-
~tvaL
b20 om. nOTE
b24 chXw~
ßy
aUVEXEr~
μn6€ht
E» 6€
ou6' a\\I
,
.,
oux a\l
ÖXW~ vel öXn~
Ti ~(iTEpO\l
nXECW
x6
aHwv: ß, aHw
Eep€E;E L
d6'€:V
lIpWTOV (illTEOeClL
Eu~da
Xelt Tii
anTETaL
ou6' Et\lelL TO\l ypaμμoV
OTqμov
lb27
b31
b31
2a1
a2
-
108 -
a (=i)
T0 EIj)E~TiS 6\v
add. R ante TaS aTLyμa~
add. μn ante E!vaL
(lTOμOS
a5/6
ßy
ClTOltOV
awμaTOS
a8/9 spatium:
om. EltLltEÖOV
EX ypaμμwv EL Ö'E~
~v
a9Ci'
a13
a14
a14
alS
2a16
a17
a17
a20
a22
a22
a22
/23
a23
a23
a7
a7
"
t
'"
om. xaL n aTLYμn μEpOS
T~ awμaTa
alO
spatium:
om. EaTaL
TaOTa aL aTLyμa~
&v
ELnaav (vel ~aav)
spatium:
om. aTOLXEra
(ÖE) OUÖETEpa TW ELÖEL
xa~ yap
EL ÖE
all
om. EVÖEXE Ta L
YLv6μEVOV
μEYE~OS
add. waTE ante EaTaL
OXEP
add. yap post e I
,
om,TO
ypaμμnv
aIj)EAE!V
add. &v ante EvöeXOLTO
ltPWTWV
aAA' 0UÖ•
EL yap
ltpOaTE~EV
E'V CAov
To\ho s :
xa~
TO:
Ee ypaμμfjs f:.VÖeXOL-
ß • xa~ ypaμμfjs f:.y-
XWpEr:
y
-
109- -
desinit mutile 2a24 •. .
xata auμßEßnx6S.
Außerdem begegnen
in i ein paar interlineare Va-
rianten anscheinend von erster Hand, die entweder
gegen die Grundlesung von i mit ß y im Einklang ste-
hen oder aber in der
gulär sind: 8al1 tn~
t,
•
0
Q1tELPOUS EXELV, la14
Lin.- Überlieferung
völlig sin-
EL
'w
'0
Ij)VOLV, 8a24 ~attOV, 8b22 toO
Er
ÖLLEvaL; und la29 liest man
statt μn EOtLV (ß y) post rasuram μn &μa.
-
Die
übrigen Texteingriffe und Varianten stammen von jün-
gerer Hand; auf sie wird im Rahmen der Behandlung
des Apographons
1 eingegangen
werden.
Der Kodex i ist im 14.Jh . entstanden,
und zwar,
nach den in ihm vorhandenen
Wasserzeichen
zu urtei-
lenl,
mit Gewißheit im ausgehenden
zweiten Viertel
dieses Jahrhunderts.
Er ist sorgfältig und sauber
geschrieben
und läßt sich sehr gut lesen. Gegenüber
Handschriften
der Familien ß und y, die ebenfalls
ins 14.Jh . gehören,
weist er einen gleichmäßigeren
und ruhigeren,
zu keinerlei Abnormitäten neigenden
Duktus auf. Dieser Schriftstil ist einer der ty-
pischsten
des byzantinischen
Ostens im 14.Jh .; man
findet ihn in zahlreichen
Handschriften,
zu denen
z.B . auch die hier beiläufig genannten gehören:
Bonon.3635, Ambr.B 95 sup.,
Neap.III .E .1 (323), Vat.
254 (sämtlich Aristoteles-Mauskripte)
oder Mon.545,
ff.l07-129v,
Par.Suppl.1185,
Par.1776, 2003, Vat.
1 ff.IV, 1-7, 56-111
112/119, 120-325: Gewicht,
ähnlich Briquet 12~02 (= Mo~in-Tralji6 6782)
(a.1343), ff.8-55, 115/116: Engel, Briquet ohne
Beleg, ähnlich Mo~in-Traljic 176 (a.1343) und
177 (a.1344).
-
110 -
13651,
Vaticani 704, 11112;
in A.Turyns
großem Al-
bum3 präsentieren die Tafeln 110 und 126 diesen Stil.
Sehr wahrscheinlich identisch ist die Hand unseres
Manuskripts i mit der des Par.2105. von welchem I.
~ ev~enk04 ein Faksimile bietet, und der des Urb.37.
ff.1 -118. Letzterer ist ebenfalls eine Aristoteles-
Handschrift und hat mit i die meisten Traktate ge-
meinsam. Es wird nun, da die Identität der Schrei-
berhände dieser beiden Kodizes ziemlich feststeht,
bestimmt kein Zufall sein, daß auch eine enge stem-
matische Verwandtschaft vorliegt, wie die bisherigen
Untersuchungen - zu Parva naturalia und Col.
-
ge-
zeigt habenS. Die Herkunft dieser Handschriften muß
Von letzteren drei Handschriften finden sich Ab-
bildungen bei I. ~ ev~enko. La vie intellectuelle et
~ olitique ~ Byzance sous les premiers Paleologues.
ttudes sur la pOlemique entre Theodore Metochite
et Nicephore Choumnos, Brüssel 1962 (= Corpus Bru-
xellense Historiae Byzantinae, Subsidia 111), pl.
II-IV .
2 Faksimiles der beiden letztgenannten Vaticani bei
G.Mercati, Notizie di Procoro e Demetrio Cidone,
Manuele Caleca e Teodoro Meliteniota ed altri ap-
punti per la storia della teologia e della lette-
ratura bizantina deI secolo XIV, Citt~ dei Vatica-
no 1931 (= Studi e Testi 56), tav.Xa und XIIb.
3 A.Turyn, Codices Graeci Vaticani saeculis XIII et
XIV scripti annorumque notis instructi "',
Citt~
deI Vaticano 1964.
4 I. ~ ev~enko, pl.VIII .
S Zu den Parva naturalia vgl. die Rubrik 'Bibliogra-
phie' der Beschreibung der Handschrift im 'Aristo-
teles Graecus'; für Col. haben meine eigenen Kol-
lationen zu diesem Ergebnis geführt (beide Hand-
schriften sind aus derselben Quelle geflossen;
beiderseitige Trennfehler).
Vgl. auch F.H .Fobes, Aristotelis Meteorologicorum
libri quattuor. Cambridge/Mass.1919 (Nachdruck
Hildesheim 1967). S .XXXIV, zu der ..
-
111 ~
vorläufig noch ungeklärt bleiben. Wenn sich der Par.
2105 in irgendeine Verbindung mit Nikephoros Chumnos
(um 1250-1327), dessen Schriften er enthält, bringen
ließe1, so wäre das für unsere Handschriften irrele-
vant, zumal sie (zumindest i) wohl nicht mehr zu
Lebzeiten des Chumnos entstanden sind. Lediglich
über das spätere Schicksal von i lassen sich auf-
grund dessen, daß wir den Ursprung seines Apogra-
einige Fakten erschließen
phons 1 genau kennen,
(vg1.unten)•
Der Lin.- Text im Par.2032 (i) bricht leider vor-
zeitig mit 2a24 X~Ta aUμßEßnXOs ab; damit fällt der
Kodex für etwa das letzte Zehntel der Schrift als
Textzeuge aus. Die Ursache für diese Textverstümme-
lung ist keineswegs etwa in den kodikologischen Ge-
gebenheiten von i selbst zu suchen, hört doch der
Text in i auf einem Recto (f.l07r) nach 28 gegenüber
sonst üblichen 30-31 Zeilen auf; f.l07v und die 5
nachfolgenden Blätter blieben leer. Die
seiner Vorgänger die
Erwägungen auch immer
ließ oder
Frage, ob
Schrift
der Kopist oder einer
hier von sich aus - welche
ausschlaggebend gewesen sein mögen - enden
ob er wegen einer mechanischen Beschädigung des
tigraphons dazu gezwungen war, läßt sich anhand
einer Gesamtbetrachtung des äußeren Textzustandes
von i am Ende der Kopie mit einiger Sicherheit be-
An-
antworten.
Auf demselben Recto des Kodex
i, ein paar Zeilen
in einer einzelnen charakteri-
beider Textzeugen
stischen Variante.
I. ~ ev~enko läßt diese Frage unberührt.
-
112 -
vor Jem Abbruch der Schrift, befindet
sich nämlich
eine auffallend große fenestra:
In den Zeilen 16,17
und 18 bricht jeweils etwa in der Zeilenmitte der
Text ab, und es fehlen folgende in ß und y tradier-
te Textstückei:
2a8/9 b: C1IE60\l ~x ypaμμw\I c I 6 ' U~
~ \l2
al0
EOTaL rcüre at
...
..
ELnOa\l (bzw.~o a,,)
oTLyμaL
a\l
all
OTOLXEta ( 6E) OU6ETEpa TW EL6EL
Der gleichmäßige Umfang der ausgesparten
Stücke (et-
wa 25 Buchstaben)
und der regelmäßige
Abstand, in
welchem die Spatien auftreten
(nach ca.30 Buchsta-
ben), zeugen von einer mechanischen Verderbnis des
zugrunde liegenden
Antigraphons,
der drei aufeinan-
derfolgende Zeilen, für die sich somit eine Länge
von ca.55 Buchstaben
erschließen
läßt, etwa zur
Hälfte zum Opfer gefallen sind. Man hat sogar Grund
anzunehmen,
daß auch die drei dieser Lücke unmittel-
bar vorangehenden
Zeilen der Vorlage in ungefähr
gleichem Maße unter dieser Verderbnis gelitten
ha-
ben. Den drei Spatien in unserer Abschrift gehen
nämlich drei weitere nicht kenntlich gemachte Lük-
ken vorauf, deren Umfang und Art der Aufeinanderfol-
ge sowie der Abstand der letzten Auslassung
vom er-
sten Spatium die Folgerung
zulassen,
daß in der Vor-
lage insgesamt
sechs Zeilen hintereinander
etwa zur
Hälfte fehlten.
In den zwei ersten dieser Zeilen er-
setzte der Kopist von i den verlorenen
Text notdürf-
tigst durch irgendwie
mit dem Kontext einen Sinn
schaffende knappe Einfügungen,
und zwar 2a3/4 n
Vgl. auch unten Tafel 9.
2 Die zusätzliche Wendung 2a8/9 aL 6c ypaμμa~ EX
OTLYμW\I in den Textausgaben
ist handschriftlich
überhaupt
nicht belegt (vgl. dazu unten 5.398).
-
113 -
ypaμμn xaT' Ou6ETEpa\l TW\I OTLYμW" aAA' a\la durch TL
aμEPC~, 2a5/6 T~~ μLa~ OTLYμ~~ xwpa TOUTO 6' a6u\la-
TO" durch oTLyμn μEC~W\l. Die Lücke der dritten Zei-
le der Vorlage (2a7 xat n OTLyμn μEpO~)l umging er.
indem er das anschließende
owμaTo~ zu Ta owμaTa ab-
änderte und damit einen Satzzusammenhang
herstellte.
Bei den drei letzten
verstümmelten
Zeilen schließ-
lich war unser Schreiber,
wie es scheint, mit seiner
Kunst am Ende; nun sparte er den Platz für den feh-
lenden Text aus.
Derart großflächige
und totale Beschädigungen
sind, so lehrt die Erfahrung,
nicht auf bloße Ver-
klecksung oder Verwischung der Schrift, auf Stock-
flecken oder Wurmfraß
zurückzuführen,
so daß man
ziemlich sicher sein darf, daß die betreffende Stel-
le des Foliums _ naturgemäß kommt am ehesten der
äußere Blattbereich
in Frage - weggerissen war. Wenn
dem so ist, befand sich der verstümmelte Text im An-
tigraphon
von i nicht auf einem Verso, da sich sonst
die entsprechende
Lücke des Rectos im vorangehenden
Text von i nachweisen
lassen müßte, was nicht der
Fall ist. Geht man davon aus, daß der unmittelbare
Grund für das endgültige Abbrechen des Textes nach
eventuell unversehrten2
10 Manuskript-Zeilen
(2a12
D~ese Auslassung ist zwar in i nicht so lang wie
d:e fünf anderen,
doch hat der Kopist vielleicht
d~e letzten Buchstaben
des vorangehenden
(a\laAV-
OL:O Et~)
oTLyμa~ selbst richtig ergänzt, was bei-
sp~elsweise bei einem in der Vorlage noch z~ le-
senden Wortansatz OT ••• nicht schwierig war. Zudem
k?nnte das betreffende Stück in der Vorlage zufäl-
l~g breiter
(z.B. ohne suspensionen) geschrieben
gewesen sein.
2 Unversehrt,
sofern nicht die ersten in i auf die
-
114 -
bis 2a24) ebenfalls in mechanischer
Beschädigung
zu
sehen ist, so schält sich aus den verschiedenen
Kom-
binationsmöglichkeiten
zur Erklärung der besonderen
Textgestalt in i eine als die plausibelste
heraus:
Es könnte sich in der Vorlage von i um ein Recto ge-
handelt haben, dessen obere rechte Ecke so weit ab-
gerissen
war, daß die ersten sechs Zeilen in der
oben beschriebenen
Weise lädiert waren; die nachfol-
genden Zeilen mögen nahezu unversehrt geblieben
sein.
In der unteren Partie schließlich kann der Blattver-
lust So groß gewesen sein, daß von den restlichen
Zeilen - wenn überhaupt
etwas - zu wenig übrigblieb,
um den Text annähernd
brauchbar
fortzuführen.
Auf
das, was dann noch an Text auf dem Verso, auf dem
der Traktat geendet haben wird, entsprechend
dem
Recto zu lesen war, mag der Schreiber
verzichtet ha-
ber.,
da der Sinnzusammenhang
weitgehend gestört warl.
fenestra
folgenden
Abweichungen
vom Text der Fami-
lien Bund y dadurch zustande gekommen sind, daß
noch vier weitere Male die Zeilen der Vorlage _
hier nur an ihrem äußersten Ende - unvollständig
waren und unser SChreiber, wie auch schon im vor-
angegangenen, nach Gutdünken, allerdings zweimal
grob sinnentstellend, den Text gestaltete (2a13
ch,).'
ouö':
B y -+- )(a~ yiXp, 2a14 c I yiXp E:Vöe:xe:Ta~
a~a ~pe:~~va~:
B y -+- e:t ö? a~a~pe:~nva~,
2a15 TC
~poaTe:~?v:
B y (korrupt) -+ - TC y~v6μe:vov
(Emenda-
tion?), 2a16 ev ö,).ov: B y -+ - μe:ye:~o~). Für diese
Hypothese spricht der Abstand von 50-55 Buchsta-
ben (= etwa eine Zeilen länge der Vorlage) der er-
sten Sonderlesung vom letzten Spatium ur.d der Son-
derlesungen voneinander.
Man ist natürlich zunächst versucht, zwischen Aus-
lassungen und Spatien einerseits und endgültigem
Abbruch des Textes andererseits einen konkreten
direkten Zusammenhang solcher Art zu sehen, daß
sich beide Male - zuerst Recto, dann Verso - die-
selbe (sich auf sechs Zeilen erstreckende) mecha-
-
115 -
am ehesten die er-
Kodex ausgesetzt.
Beschädigungen sind naturgemäß
sten und die letzten Folien eines
Daher liegt der Gedanke nahe, daß sich Lin. in der
Vorlage von i am Ende des Bandes be-
Stellung des Traktats in unserem Kodex
i zwischen den - wenn gemeinsam überliefert - so gut
wie nie getrennten Schriften Phys. und Cael. ohnehin
nicht ererbt ist, macht ein Blick auf den bereits
erwähnten gemellus von i, Urb.37, wahrscheinlich.
Dieser Kodex enthält Phys. und Lin. überhaupt nicht
mit Cael. Man darf also wohl vermuten,
aus einem zweiten Antigraphon
Kopist für die Erweiterung von i
die wahrscheinlich
überlieferten Trakta-
verschollenen
fand. Daß die
und beginnt
daß Phys. und Lin.
stammen, das unser
zusätzlich zur ersten Vorlage,
alle in i und Urb.37 gemeinsam
te enthielt, heranzog.
Situation in i erlaubt eS,
Vorlage Rückschlüsse zu
ziehen. Was die Textmerkmale des Antigraphons an-
geht, so ist in i im Falle der negativen Abweichun-
gen gegenüber den anderen beiden Familien natürlich
Die oben beschriebene
auf den äußeren Zustand der
n~sche Verderbnis ausgewirkt hätte. Wenn dem so
ware, entspräche der Text zwischen der ersten Aus-
lassung (2a3/4) und der AbbruchsteIle in i (2a24)
dem Umfang von genau einer Seite der Vorlage, die
dann ziemlich exakt 16 Zeilen gehabt hätte, und
zwar die sechs lädierten Zeilen plUS - wie in i -
etwa 10 Zeilen für den weiteren noch vorhandenen
T:xt. Die Unhaltbarkeit dieser Hypothese erweist
s~~h jedoch dadurch, daß eine Breite des Schrift-
sp~egels von ca.55 Buchstaben auS buchtechnischen
Gr~nden im Regelfall eine Höhe von mindestens 25
(n~cht 16!) Zeilen verlangt.
-
Abgesehen von die-
sem kodikologischen Argument müßte man sich fra-
gen, wieso dann unser Kopist beim Verso nicht ge-
nauso verfahren wäre wie beim Recto.
-
116 -
nicht mehr Ererbtes von Eigenem zu unterscheiden.
Wenn man sich allerdings vergegenwärtigt, daß die
Auslassung durch Homoioteleuton 8a7-9 ca.ll0 Buch-
staben umfaßt und daß die Homoioteleuta, die 9a19
und Oa28 Dittographien verursachten, ca.60 bzw. 110
Buchstaben voneinander entfernt sind, was im Umfang
einmal einer und zweimal zwei Textzeilen der Vorla-
ge (mit durchschnittlich 55 Buchstaben) recht genau
entsprechen würde, wäre es immerhin sehr wohl denk-
bar, daß ebendiese Fehler dem Kopisten von i unter-
liefen.
Der Pergament-Kodex Par.1860 (I) ist durch
I
die Zusammenarbeit von zwei zeitgenössischen
Kopisten entstanden. Die ff.1 -71v und wohl
auch 73-170v, 237-243v schrieb wahrscheinlich Palla
di Nofri Strozzi (1372-1462)1, der bekannte italie-
nische Humanist und Staatsmann; das ergibt ein Duk-
tusvergleich mit den nachweislich zum Teil von ihm
geschriebenen Parisini 1908, 1909 und 1919.2 Im er-
Über seine Person vgl.unten 5.221 mit Anm.2, wo
die Literatur über ihn und seine Bibliothek zusam-
mengestellt ist; weitere (besonders ältere) Lite-
ratur auch bei M.Vogel-V .Gardthausen, S.456, Anm.2 .
2 Inzwischen habe ich im Sommer 1970 den Urb.32,
der ein Autographon des Leonardo Bruni (Aretino)
(1369-1444) sein soll, flüchtig eingesehen. Die
Ähnlichkeit der Hände des Bruni und des Strozzi
ist verblüffend. Leider fehlen mir mangels ausrei-
chender Schriftproben zur Zeit noch die Kriterien,
den Duktus beider Humanisten voneinander und von
dem ihres Lehrers Manuel Chrysoloras zu unter-
scheiden. Ich werde dem Problem nachgehen. Vorläu-
fig muß im folgenden dort, wo von Palla Strozzi
die Rede ist, damit gerechnet werden, daß es sich
auch um Leonardo Bruni handeln könnte.
-
117
sten Testament des Palla Strozzi (1447), in welchem
er seine Bücher dem Kloster S.Giustina di Padova
Physik-Handschrift "di man di
durchaus mit 1
der ehemaligen Ko-
vermacht, ist eine
Palla" aufgeführt 1; diese könnte
identisch sein, zumal sich viele
dizes des Benediktinerklosters jetzt in Paris befin-
den2. Von der Hand des Palla stammt (aufgrund des
Duktus) auch der zweite Teil des weiter unten stu-
dierten Par.1851. Der zweite Schreiber des Kodex I
steuerte ff.171-236v bei. Er läßt sich wiederum an-
hand der Schrift identifizieren, und zwar als der
byzantinische Gelehrte und Dogmatiker Manuel Kale-
kas (t1410), wie ein Vergleich mit den autographen
Marc.156 und Vaticani 1091 und 1092 - die beiden er-
steren anno 1401 wie der zweite Teil des Par.1851
(dieser anno 1402) im Ambrosiuskloster zu Mailand
geschrieben _ deutlich zeigt3• Kalekas' Interesse
für die Philosophie des Aristoteles ist gut bezeugt.
So bittet er in einem zwischen 1391 und 1396 in Kon-
stantinopel verfaßten Brief einen Freund (Konstan-
tin Asanes?). ihm einen Kodex mit den gesamten lo-
gischen Schriften des Stagiriten auszuleihen, da er
bisher nur einen Teil davon kenne; vor allem an den
Vgl. V .Fanelli (vgl.unten 5.221, Anm.2), 5.64.
2 Vgl. M .Vogel_v.Gardthausen, 5.456, Anm.2 .
-
Der
Kodex I gelangte wie sein Antigraphon i über die
Sammlung des Kardinals Niccolo Ridolfi in die
Bibliotheque Nationale.
3 Ein Specimen aus dem Marc. findet sich als tav.24
bei T.Gasparrini Leporace - E .Mioni (vgl.oben S.
71, Anm.l) und aus dem Vat.l092 bei G.Mercati
(vgl.oben 5.110, Anm.2), tav.3; vgl. außerdem
Mercati, S.81, zur Zuweisung von Marc. und Vat.
1091 an Manuel Kalekas.
-
118 -
Sophistici Elenchi liege ihm sehrl• Sodann enthält
der Vat.486 autographe Scholien dieses Gelehrten zur
Physik des Aristoteles (ff.115 -117v)2.
Der Kodex 1 muß wegen der Beteiligung des Palla
Strozzi im Westen angefertigt worden sein. Da sich
nun Manuel Kalekas nur zwischen 1401 und ungefähr
1403 in Italien aufhielt3, ist in dieser Zeitspanne
die Entstehung von I anzusetzen. Das Manuskript,
das, soweit ich sehe, den ersten Beleg für eine per-
sönliche Bekanntschaft zwischen dem Griechen und
dem Italiener liefert, könnte wie der Par.1851 des
Palla und die Kodizes Marc.156 und Vat.1091 des Ka-
lekas in Mailand geschrieben worden sein. Seine Vor-
lage, die Handschrift i, befand sich also bereits
um die Jahrhundertwende in Italien, wer sie dorthin
gebracht hatte, läßt sich nicht mehr klären. Viel-
leicht war es der hochberühmte Manuel Chrysoloras
aus Konstantinopel (1350-1415), Lehrer des Palla
Strozzi und Freund des Manuel Kalekas, der sich zu
ebender genannten Zeit auch in Mailand~ aufhieltS.
Vgl. R .J.Loenertz, Correspondance de Manuel Cale-
cas, Citt~ deI Vaticano 1950 (= Studi e Testi 152),
S.lll und 181-182 (Brief text); auf den genannten
Kodex kommt er auch in mehreren späteren Briefen
wieder zu sprechen; vgl. Loenertz, S.lll .
2 Vgl. G .Mercati, 5.87, Codices Vaticani Graeci, 11:
Codices 330-603, rec. R .Devreesse, Citt~ deI Vati-
cano 1937, 5.299, und R.J.Loenertz, 5.11 .
_
Merca-
ti, S.91, weist ihm außerdem die ff.143-162 des
Physik-Kommentars des Simplikios im Vat.614 zu.
3 Vgl. R .J .Loenertz, 5.39 -43.
~
Vgl. G.Mercati, 5.81, Anm.3 (auf 5.82).
5 Oder war es vielleicht Kalekas selbst, der die
Handschrift aus dem Osten mitbrachte, oder wußte
sie sich Palla wie viele andere Bücher aus Grie-
-
119 -
Der Kodex 1 ist, wie bereits angedeutet,
aus i abgeschrieben. Lin. stammt von der
Hand des Kalekas. Dieser hat seine Ko-
pierarbeit äußerst sorgfältig durchge-
führt. Nur selten weicht sein Text von
dem des Antigraphons ab, und von den
vorkommenden Besonderheiten sind zudem sehr viele
höchstwahrscheinlich Konjekturen
oft ist das Richtige (mit ß und y oder gar
Vulgata) getroffen. Ein paar Beispiele:
lädierte
Vorlage
Ii
I1
bzw. Korrekturen;
gegen die
i
8a26
-+
b17 ~lEhpo\) : ß y
-+
b26 xaTa -ro üruivt ey
-+
9al/2 i'i ö~ ypaμμn öLaCpE- -+
aLV (-aL!;: ß y)
1
a 4 Tμn~nvaL:
ßy
b24ör.: sy
Oa20 ypaμμn: y
om. xa~'
{xaaTOV
μe:TPOV (recte)
x a~'
J}v (Konj•?)
Tn!; ö~ ypaμμn!; ÖLaLpE-
ocs (Konj•)
-+ TEμEtV (Konj.?)
-+ ön (recte)
- + ypaμμn!;: ß (recte)
- + /iToμO!; (recte)
a26
.
aTOltO!;
In der vorangegangenen Betrachtung des Kodex i
war von Texteingriffen und Varianten einer jüngeren
Hand die Rede; sie ist die des Manuel Kalekas. Kale-
kas selbst war es auch, der seine eigene Kopie (1)
mit ein paar Marginalien und Interlinearien versah,
gleichlautend sind. Das
Grundtext von 1
die zum Teil mit denen in i
Verhältnis von Überarbeitung von i,
chendland zu beschaffen? - Auch an Demetrios Ky-
dones (etwa 1324-1397/8), den Lehrer des Chryso-
loras und des Kalekas der wiederholt in Italien
.
'
we~lte (zuletzt 1390 bis 1396), könnte man denken.
Vgl. auch unten 5.123, Anm.l .
-
120 -
und Varianten
von 1 zueinander
hat im einzelnen
fOl-
gendes Aussehen:
a) Kalekas'
Korrekturen
am Text
vonisindin1
bereits im Grundtext berücksichtigt,
z.B.:
i
Korr.
1
8b21 at ltpiha ~
- + ltpiiiTov
ltPWTOV
o?iv
o?iv oux1
b21 μ~v
,
-+μ€V.
μ€V
OI)X
OI)H
9a 8 μe:pwv: ß y ] μ~xpwv -+ μe:pwv
μe:pwv
μnHOI)S
e:~
μnHe:~
a26
μnHOI)S
a27 ou o\)v lte:1tEpao--+ ou .
,
,
ltEXEpaO-
EV ltEltEpaO- OI)H EV
μcvw xpovw
μcvw Xpovw
μcvw Xpovw
Ob25 n yap
~t
,
yap
-+ Tl yap
e:~
p,corr .
b) Von zwei Korrekturen
sich im Apographon 1
des Kalekas in i findet
keine Spur:
i
Korr.
I
-+ T~ Ef, apxns
TOO EE; apx!iS
0'"
...
-+ Ö~a Tnv
ö~a TTlV
9a24
b21
TOO EE; apxns
ö~a T~V
c) Gleichlautende
ltpai
8bll Tnv TlμCOELav2
eIELTl
bll äv ELTl μETPOV
Varianten in i und I:
und in mg.: yp.ltp~S Ta
avaLpoOo~ :?~ ~~?~~~~~~?~ (Expunktierung)
d) Nur in I vorhandene Varianten:
i I: ox!iμa, I in mg.: Owμa
9a19
8a13
Möglicherweise Sollte das von Kalekas in i supra
lineam eingefügte o~v ursprünglich
nicht Ergän-
zung sein, sondern in voreilig falscher Auslegung
des Gedankengangs das oux ersetzen.
2 In 1 ist ltp~S allerdings nicht supra lineam, son-
dern am Freirand direkt vor Tnv gesetzt.
-
121 -
Clv
asic 1: HVOS eLn
Ob3/4 i I: om. TO μ!ixos &va~pe:~noe:Ta~ n μCOTl Toμn
tW" &tOμWv
1 in mg.: €V äAAO~S OÖTWS / TO μ!ixoS 8'.1 acpa~-
POtTO n μCOTl Toμn tWV aToμwv
TlV
1: ltapa Ta,has
b14
e) Direkt bei der Abschrift konzipierte und in
den Text von 1 eingeschmolzene
Abänderungen: hier-
her gehört der größte Teil der von i abweichenden
Lesungen in 1 (vgl.oben 5.119).
Bevor wir die hier zutage tretende Arbeitsweise
des Manuel Kalekas analysieren, sei die Herkunft
der Varianten und Korrekturen untersucht. Die mei-
sten von ihnen sind weder Früchte eigener textkriti-
scher Überlegungen
des Kalekas noch Entlehnungen aus
irgendeiner der erhaltenen griechischen Handschrif-
ten _ auch unter den verschollenen ist keine ent-
sprechende denkbar. Sie stammen vielmehr großenteils
aus der von Robert Grosseteste (um 1175-1253), dem
gelehrten Bischof von Lincoln, angefertigten latei-
nischen Übersetzung
unseres Traktats, und zwar nicht
aus der Primärfassung,
wie sie im Ambr.lat•E 71 sup.
vorliegt, sondern aus der überarbeiteten Redaktion,
wie wir sie z.B. in den beiden Drucken der transla-
tio aus den Jahren 1482 und 1496 lesenl. Als Rück-
übersetzungen aus dem Lateinischen verraten sich
nämlich besonders anschaulich vier der Varianten:
8bl1 (c) ist Ö~ltA~aLa (bzw.-av) TnV nμCOELav der Vul-
gata lateinisch als duplae ad medietatem wiedergege-
ben; prompt wird denn auch die präposition als ltPOS
1 Vgl. zum einzelnen unten 5.362 sqq.
-
122 -
im Griechischen
ergänzt. Ebenfalls 8bll (c) ist der
Text aller Handschriften
durch die Weglassung
eines
a6LaCpETov
vor ~v (richtig ergänzt
von Martianus Ro-
ta, Hayduck und Apelt) so korrumpiert,
daß Grosse-
teste die Optativ-Partikel
~v
vor Ern als Konjunk-
tion ~v (= Eav) auffaßte und im Lateinischen si sit
übersetzte. Kalekas reagierte mit Et ELn. 9a25/6 (a)
wird μäAAOV ••• Owμa μnHou~ (Gen.comp.) aller grie-
chischen Handschriften in der translatio richtig mit
magis .• .
corpus longitudine (Abl.comp.) wiedergege-
ben. Kalekas erkannte jedoch den Ablativus compara-
tionis nicht als solchen und rückübersetzte ihn ein-
fach mit dem Dativ (μnHEL). Ob3/4 (d) wird das avaL-
pEßnoETat aller codices graeci - der Sinnzusammen-
hang erfordert etwa eine Übersetzung wie "wird sich
wieder einstellen" (Apelt), "will be seen a g a I.n "
(Hett), "we shall here again find" (Joachim). daher
liegt vielleicht eine Korruptel aus aVEuPEßnoETaL
vor (Apelt, Joachim) - im Lateinischen sinnwidrig,
aber buchstabengetreu mit auferetur übersetzt; au-
ferre hinwiederum wurde von Kalekas bei der Ergän-
zung der lacuna ex homoeoteleuto in I (und i) natür-
lich mit a~aLPErV wiedergegeben: &v a~aLporTol.
Auch einige andere Korrekturen und Varianten las-
sen ihre Herkunft aus der translatio (Rob.), und
zwar der zweiten Redaktion (Rob.II), deutlich erken-
nen, da sie sich mit singulären Lesarten dieser la-
Das lateinische Futur hielt er offensichtlich für
einen Ersatz des griechischen Optativs mit ~V;
letzterer wird in den mittelalterlichen lateini-
schen Übersetzungen in der Regel mit utique + Fu-
tur übersetzt.
-
123 -
teinischen Version (gegen die Vulgata der griechi-
schen Kodizes) decken; z.B .:
(a) 8b21 at ~pwTaL 1 primae: Rob.
(b)
TOO E~ apxi\~
Rob.+TOE~
+
-
/
~PWTOV
11
primo: Rob.
1 eo quod ex principio:
apxn~ 1 id quod ex princi-
pio: Rob.Il
9a24
(d) Ob14 ~apa TavTa~ +
~apa Ta~TnV 1 praeter
hanct Rob,
Es leuchtet nun ein, daß auch viele der übrigen
Konjekturen, durch welche Sonderlesungen der Fami-
lie a in Übereinstimmung mit den Lesarten der Fami-
lien ß und y (zur letzteren gehört auch die transla-
tio, wie sich unten zeigen wird) berichtigt worden
sind, anhand der Übersetzung des Robert Grosseteste
vorgenommen wurden. Die Verbesserungen und Konjektu-
ren, die sich handschriftlich nirgends - auch nicht
in der translatio _ belegen lassen und somit Kalekas
zugeschrieben werden dürfen, stellen das hohe Niveau
seiner eigenen textkritischen Leistung unter Beweis
(vgl. z .B . oben 5.119: 8b17, b26, 9a1/2, a4, b24,
Oa26), auch dort, wo wir - aus welchen Gründen auch
immer _ auf seine Vorschläge verzichten können.
Kehren wir zur Anfangsfrage, wie man sich das
diorthotische Vorgehen des Manuel Kalekas in Vorla-
1
ge und Apographon (i und 1) im einzelnen vorstel-
len soll, zurück. Es gibt, wie eS scheint, zwei Mög-
Nebeneinander der fast ausschließ-
Grosseteste basierenden
lichkeiten, das
lieh auf der translatio des
Übrigens spricht auch die Tatsache, daß Kalekas
unbedenklich in seiner Vorlage Korrekturen etc.
vornehmen konnte, für die Provenienz des Kodex i
aus dem Besitz seines Freundeskreises (vgl.oben
5.118, Anm.5).
-
124 -
Korrekturen
im Antigraphon
i, die in 1 berücksich-
tigt sind, einerseits
und der Varianten
in I, die
nur dort und nicht in i begegnen,
andererseits
zu
erklären.
Entweder korrigierte
Manuel Kalekas in
einem ersten Arbeitsgang die Vorlage i anhand eines
Kodex der späteren
Redaktion
der translatio durch,
kopierte dann in einem zweiten
Arbeitsgang den auf
diese Weise gründlich präparierten
Kodex i-dabei
hätte er sich in den zwei Fällen der Gruppe b) letzt-
lich doch für die ursprüngliche
Lesart von i ent-
schieden,
und im Falle der Gruppe c) hätte er schwan-
kend jeweils beide Varianten
beibehalten
-
und revi-
dierte schließlich in einem dritten Arbeitsgang das
neu entstandene
Exemplar
mit Hilfe des lateinischen
Manuskripts
noch einmal (Gruppe d),
oder aber er
hatte sowohl i als auch die translatio aufgeschla-
gen vor sich liegen und verglich in einem einzigen
und entsprechend
mühevolleren
Arbeitsgang beide Vor-
lagen Stück für Stück miteinander
-
vor allem an den
Stellen,
wo es ihm inhaltlich
notwendig erschien
überarbeitete
i und stellte gleichzeitig
Zug um Zug
die neue Kopie (I) her; bei diesem komplizierteren
Verfahren
hätte Kalekas dann einige Male vergessen,
eine in den eigenen Text als Variante
aufgenommene
Abweichung der lateinischen
Quelle auch in das grie-
chische Antigraphon
zu übertragen.
Wie dem auch sei,
die variae lectiones
der Gruppe d) in I müssen di-
rekt aus der translatio übernommen
worden sein.
Im Kodex I bricht der Lin.- Text
nicht wie in i
erst mit 2a24 ab, sondern Manuel Kalekas,
darf man
vermuten,
hat es für besser gehalten,
angesichts
der klaffenden
Lücken der Vorlage 2a8/9, 2a10 und
-
125 -
2al1, der trotz der notdürftigen
Herstellung eines
Zusammenhangs durch den Kopisten von i offenkundigen
unmittelbar
vorangehenden
Passage
aperte corruptus" (Apelt)
Verstümmelung der
(2a3-2a7) und des "locus
(2al/2) - i überliefert:
o,nμn rv'
~
ypaμμn
xaL EnLo,nμn
•••
-
den Text
weiter abzuschreiben
und mit lb31 ouv&Xn enden zu
lassen. Die Motivierung, die Kalekas in margine da-
für gibt (oux ~v nA€OV EV ,w npw,o,o~w),
muß also
cum grano salis verstanden werden.
Der Par.1860 (l) enthält dieselben Aristoteles-
Traktate wie sein Antigraphon, der Par.2032 (i). Of -
fensichtlich ist nicht nur Lin.l,
sondern sind auch
sämtliche anderen Schriften in I aus dieser Vorlage
geflossen2; im Falle von Cael., An., Parva naturalia
und Col. ist dies bereits gesichert3. Allerdings ist
"
,.
".
&,L EL a,oμO$ o,Lyμn EWL-
nicht
W.Hirsch, 5.25, glaubt übrigens, wegen der (selbst-
ve~ständlichen!) Hinzufügung eines Artikels (lb6
xaL ••• o,Lyμn: i + xaL ~
•••
O,Lyμn) und der Ver-
nachlässigung der in i 9a24 (b) vorgenommenen Kor-
rektur von ,00 + ,0 in der Handschrift 1 zwischen
dieser und dem Kodex i eine verschollene Zwischen-
stufe, die ihrerseits von demselben Korrektor wie
i überarbeitet worden wäre, ansetzen zu müssen. Es
dürfte nach obigen Ausführungen klar geworden sein,
~ or~uf derartige "Abweichungen" (sie sind in l"im
ubr~gen ja nicht einmal die einzigen bewußten Ande-
rungen!) zurückgehen.
_
Überhaupt müßten wir bei
grundsätzlicher Anerkennung der stemmatischen Me-
thode Hirschs für die Beziehungen so gut wie aller
Handschriften zueinander mit Zwischenstufen, die
zudem mit Hilfe unbekannter Quellen korrigiert
worden wären, rechnen.
2 Es ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, daß i
am Anfang von Phys.I Scholien von der Hand des
Palla aufweist. der diesen Traktat in 1 schrieb.
3 Vgl. die Rubrik 'Bibliographie' der Beschreibung
der Handschrift im 'Aristoteles Graecus'; für Col.
-
126 -
zu bemerken,
daß Palla Strozzi
und Manuel Kalekas
die wegen der Stellung
von Lin.
zwischen
Phys. und
Cael. und von Col. zwischen
Mete.
und An. unorthodo-
xe Schriftenabfolge
in i, die vermutlich
auf die
Verwendung
von mindestens
zwei verschiedenen
Anti-
grapha
zurückgeht
(vgl.oben
S.115),
entsprechend
der
traditionellen
Reihenfolge
(d.h .:
Phys.,
Cael.,
Ge-
ner.Corr.,
Mete.,
An.,
Parva
naturalia,
Lin.,
Co1.
abgeändert
haben.
haben meine eigenen
KOllationen
zu diesem
Resul-
tat geführt.
-
127 -
2. DIE FAMILIE s
Der Stammvater
ß und seine Apographa
zahl
8a3-5
a7
alO
Die Familie ß wird wie auch die Familie ~
nur von zwei der auf uns gekommenen Hand-
schriften repräsentiert. Diese beiden Ko-
dizes (Vaticani 258 und 266) verbindet
Familien eine Viel-
Vat.258 (N) und Vat.266 (V)
Der
Stamm-
vater
gegenüber den anderen
gemeinsamer
Merkmale:
ß
Textabfolge
wie bei
Bekker und Apelt
yap
TtPOH:pa TOO ÖAO\)
all
om. a,hn
a14
a18
a19
b2
b7
b8
b12
b13
b14
b19
b23
b26
awμaTO!:;
EaT ~ TC aμEpE!:;
add. TOO post TOV
add.
~V post EVOEXETa~
μETpouμEvaL, Ttaaa~
Etat aUμμETPO~
Ttaaa~ μETpn~naov,a~
UlI' aUTi'\!:;
om. aL
xat
.
EV
~
y
om.a3 (TE:a) TtOA~ et
ponit a3/4 xa~ TO μEY~
xat Ta äVT~XECμEV~
TOUTOL!:; TOTE post a5
~OA~
OE: y (om.a)
TOO ÖAO\) ltPOTEpa
awμaT~
.
."
EaTLV aμEpE!:;
aUμμETPO~,
.aa~L
Etat μETPOUμEvaL
μETPn~naOVTa~
.aaa~
l>lt' aUTOO
.
xav
aTtOTOμnV
ÖAW!:;
&V Tot!:; a\)V~lTOL!:;
.
..
aTtOTOμn
ÖAOV
EV Tot!:; a\)μμlTPO~!:;
s
8b26
9a4
c'ineLpoL OL AOYOL
a20
a32/3 E~anTea~aL
Tnv oLa-
VOLav
b8/9 XaTa Tnv EV TOt~
μa~nμaaLv
uno~eaLV
bl0
add. yap post μEv
biO
add. Te post ypaμμnv
(ut vid.)
b12
b13
b14
~a aXOVTa
(ut vid.)
EYMACvaL
b17
b20
nepL~epi'l: N
nepL~ep-:
V
-
128 -
aY
MaL y~p OLa
E~anTea~aL:
a
E~anTea~aL
TWV aneCpwv
Tnv oLavoLav:
Y
MaT~ Tnv uno~eaLv
Tnv
EV TOr~ μa~nμaaLv
MaT~
~ aaMovTe~
EMMACveLv:
a
eYMA Cve LV: c
napanenera~aC
AEyeTaL
äneLpOL OACygL:
a
äneLpOL OALY : Y
a4/5 Tμn~nvaL
ouvaTOv Tnv
Tμn~~vaL
TOV EXLTax-
μn äTOμOV TOV EnLTax-
~EvTa ouvaTOv Tnv μn
~ EvTa
äTOμOV
b23
om. TOLaOTa
b25
om. μn
b26
om. μäAAOV
b27
EM ye
b28/9 Ex TWV o'a'v YEV0LT0
b29
~avepov
b32
om. öpo~
Da1
uno Ti'i~ aToμoU
a5
napaAaμßavoμevov
u.6
alS
'
...
TI'\~ aToμOU
alto
a17
Eypacloev: a e
EM Te
EM TWV OE YEVOLT'&V
~ avep(lhepov
napaßaAAoμevov:
a
(ähnlich auch y)
.
"
,
,
ano aTOμOU:
a
ano TOÜ aToμoU:
e
Eypa~n:
a.
Oa20
a21
a22
a24
a25
a30
b4
b7
bll
-
129 -
ß
ypaμμi'\~
XOLer
add. 6LaLplaeL~
post
x).,eCou~
om. äxaaa - 26 äTOμO~
add. OE post xaaa
om. Ti μlan
.
...
.
aVLaa xaL Laa
ypaμμaL
•••
TO~TOL~
b15
μCa
b21 altaan &aTaL ypaμμ!l
b25
,
y~p
...
e:L
aTLyμn
b26
om. ypaμμn
b27/8 lt&pa~ e:!vaL TWV auv-
e:xwv
b29 OE
b30 add. d post &TL
la4
add. OE ante OO~ClL
a4
ltQaL
a6
add. EX TO~T(i)V post
oi'\).,ov 0'
a6
a6
oU0' &v
add. äTOμO~ .
oi'i).,ov 0&
EX aTLYμwv
e:Ln ypaμμn
post ypaμμn
add. ÖTL ante ao~vaToV
.
"
. ...
.
...
;;,
n -o r Lyμn ypaμμn ypaμ-
n ypaμμn OT LYμ"~
μi'\~
a12
a18
a18
a20
a26
om, &aTL
ypaμμaL
ltOLe:te:V
ay
ypaμμn
€~ &VaVTCwv:
a
&~ EvavT':
y (ut vid.)
ltOLnoe:L
exh.:
y
om. b3-4: a
e:t~ Loa xaL äVLoa
ypaμμn
•••
TO~T(i)V
μa).,LoTa
.,
.
altaOn~ e:aTaL
Ti yap aTqμn
ypaμμ!l~
1t&pa~ tWV ouve:xouowv
te
oux Clv: a (om. y)
lb3
b4
b7
b12
b13
b21
b22
b31
2al/2
a5
al0
all
a13
a22
a23
-
130 -
ß
om. C1UVe:XES
ex C1nyμl'jsl
aHwv
e:tyap
.
,
"
WC1T e:~ e:x
OUÖE
TI'j .e:PLepe:pe:i:'
C1UVe:XWS
e_LC1Tnμns
•••
eXL-
OTnμns
ypaμμa~
a'~
~oav
C1TOLxe:i:'a öe OUÖETe:pa
add. eOTL ante C1TLYμnv
ay
EX C1TLyμliiv
aU.nAwv:
a, aAAW TLVC
:y
s
WC1Te: n EX
OUÖEV
lte:p L epe:pe: Ca
C1uve:xii
EltLC1Tnμn ... EltLC1Tnμn
~ V e:CnC1av: y (spat. a)
C1TOLxe:i:'a OUÖ€Te:pa: y
(spat. a)
öe apxn: a
ö'~v n apxn: y
al'hns' n
Da der Stammvater der Familie a mutile mit 2a24 xa-
Ta OUμße:ßnH6s abbricht, unterscheiden
wir also für
den Rest des Traktats nur noch die Familien ß und y,
deren voneinander
abweichende Lesarten im folgenden
gegenÜbergestellt
sind:
2a25
a26
a28
a30
a31
y
n öe C1T ~Yμ1l
~
μEV o~v ypaμμiis
cC1TaL C1TLYμn μe:Ctwv
.
'"
o aUTos
Et eXLltEÖWV EH ypaμμliiv
EAaxCC1Tn TWV
-
131 -
e
y
2a33
b3
,
e:C1TL
(}iv H&XLC1T6v
om. CI~
b4
n ÖE C1uμ-lac. -
TI'j yp. :Ve:t ÖE C1uμßAnTaV TI'j yp.
n öe -lac.-
TI'j yp.:N
b6/7 Vltapxe:L
b7 om.T~S2
bll EVUltapxe: LV
EVUltapxe:L
C1UμßClAAOμEvns: e:
C1uμßaAA6μe:va: Ö
b18 C1UAAaßoμlvns
b19 OUÖE Tliiv EV
b23
b24
b25
b26
b27
b27
C1T LYμnV aUTllv
XaTa Ta,hns
.
,
OT L OUJ(
ÖUo!v öpos
ÖUO!V ÖPOLV
TO ÖE
om. EC1TL2.
NV
Schon bei der Beleuchtung der Frage nach
der Herkunft des Vat.258 (N) und des Vat.
266 (V) zeichnen sich gewisse Berührungs-
punkte ab, durch die die stemmatische Zusammengehö-
rigkeit der beiden Kodizes einen konkreten Hinter-
grund erhält. Die Entstehungsdaten
müssen ziemlich
dicht beieinander
liegen; aufgrund der Wasserzei-
chen sind beide Handschriften
im ersten Viertel des
14.Jhs. anzusetzenl• Beide Texzeugen stammen somit
Beide Vaticani gehören zu den frühesten griechi-
schen Manuskripten
mit Wasserzeichen.
N: ff.1-8,
159-162, 165-172, 197-228: Name Tinto A (nicht
TIN und VO, wie bei p.Franchi deI Cavalieri, in:
Codices Vaticani Graeci I: Codices 1-329, rec.
Ioannes Mercati et Pius Franchi deI Cavalieri,
Rom 1923, 5.339),
= Mo~in-Tralji6 6563 (a.1324)ö
ff.34-37, 102-125, 134-141. 269-292:Name
Gibio ••
-
132 -
aus der zweiten Hälfte der Regierungszeit
Androni_
kost 11. (1282-1328) und scheinen
in das geistig_
kUlturelle Milieu von Männern
wie Maximos
PlanUdes
(um 1255-1305), Nikephoros
Chumnos
(um 1250-1327),
Manuel Phiies (um 1275-1345), Nikephoros
Gregoras
(1290/1-1359/60)
und Theodoros
Hyrtakenos
(13./14.
Jh.) zu gehören; dafür sprechen
einige Anzeichen.
In dem wohl von drei Schreibern
(I: ff.1 -18, 157r
oben und vielleicht 18v_68; 11: ff.70-155v
oben,
v
v1
157 unten -158 , 111: ff.159-325) hergestellten
Kodex N lesen wir nämlich in MonokondYlien am Schluß
des Bandes (f.325v) auf die übliche Subskriptions_
formel (ETELAELW~n TO .apov BLBAL(OV) 6L~ XELPO~
EμOO) folgend den Namen Johannes Bardales2• Dieser
(?), Briquet und MO~in-Traljic ohne Beleg; ff.17
bis 33, 38-69, 126-133, 157, 158, 163, 164, 172
bis 196, 229-236, 259, 263-266, 293, 299,
300, 301-325: Name Maso T, Briquet und Mo~in-Tral-
jic ohne Beleg (aber Maso P, Briquet 12014 und Mo-
~ in-Traljic 6543, 6544, a.1311); ff.239-242, 295
bis 298: Buchstabengruppe AA NA (?), ähnlich Bri-
quet 9391 (= MO~in-Traljic 5684) (a.1312-13)und
einige unbestimmbare Buchstabenkombinationen.
V: ff.124-240: Kombination von MC,N und Schild mit
Kreuz; Schild ähnlich Briquet 840 (= Mo~in-Traljic
494) (a.1311); MC nur entfernt ähnlich Briquet
9570 (= Mosin-Traljic 5747) (a.1299-1301).
Der Abgrenzung der Hände, wie sie F.H .Fobes (vgl.
oben S.110, Anm.5), S.XXXII, und P.Franchi de' Ca-
valieri, S.339, vornehmen, kann ich nicht zustim-
men.
2 Chr.A .Brandis, Die aristotelischen Handschriften
der Vatikanischen Bibliothek, Sitzungsber.Akad.
Wiss.Berlin 1831, 5.64, und F.H .Fobes (vgl.oben S.
110, Anm.5), S.XXXI, entziffern vom Familiennamen
nur TOO Bapa •••• und P.Franchi deI Cavalieri , S.
340, liest TOO BapaAE ••• Das 6 ist jedoch durch
eine analoge Form im 6L~ derselben Subskription
gesichert.
-
133 -
_
ansonsten ziemlich unbekannt - ist offensichtlich
identisch mit einem der Adressaten des Maximos Pla-
nudes1. Wahrscheinlich sind aus dem Kreis um diesen
Johannes Bardales auch verschiedene andere Aristote-
les-Handschriften hervorgegangen, und zwar die Vati-
cani 92 (?), 253 (enthält auch Lin., vgl.unten),
1950, Pal.260 und Cant.Add.1732. In allen diesen Ko-
dizes begegnet nämlich, wie es scheint, die Hand
des ersten Kopisten von N, und Pal. hat außerdem mit
N ein Wasserzeichen (Name: Tinto A) gemeinsam.
Als Besitzer des Kodex V bezeichnet sich auf
einem Vorsatzblatt wiederum in Monokondylien ein Jo-
hannes Gabras Meliteniotes 0 €~t TOO xav~xAECOV. Der
Titel ("kaiserlicher Tintenfaßbewahrer") gibt ihn
als den Innaber eines hohen Staatsamtes, als Präfek-
ten der SChreibkanzlei2, zu erkennen. Daher ist es
durchaus möglich, daß er der Johannes Meliteniotes
(t 3.11 .1332) ist, der als naher Vertrauter von An-
dronikos 11. im Jahre 1326 an einer Gesandtschafts-
M.Treu, Maximi Monachi Planudis epistulae, Breslau
1890 (NachdrucK Amsterdam 1960), Briefe 10,20,21;
vgl. auch Treu, 5.200, wo er außerdem einen Leon
B. nachweist; auch ±m Brief 14 an Johannes Phakra-
ses wird ein Bardales erwähnt. Desgleichen sind
zwei Briefe des Theodoros Hyrtakenos an einen B.
gerichtet, und schließlich gibt es von Manuel Phi-
les ein für die Textgeschichte des Theophrast in-
teressantes (Philes schrieb Gedichte auf die Eigen-
schaften von Pflanzenl) Gedicht ~po~ TOV Bap6aA~v
ÖTE aVTl~Eμ~EV aVT9 TOV 8E6~paaTov (E.Miller, Ma-
nuelis Philae Carmina 11, 1857, 5.150, zitiert
nach Treu, 5.200).
2 Nikephoros Chumnos z.B . beschloß seinen cursus ho-
norum mit diesem Titel. zur Funktion des 0 E~t TOO
xav~xAECOV vgl. I .Sevöenko (vgl.oben 5.110, Anm.l),
5.5/6 (mit weiterer Literatur) und 5.161, Anm.l .
-
134 -
reise nach Serbien teiln~hml. Ein Johannes Gabras
-
vermutlich der unsrige - ist als Verfasser eines
AOYos ELS Tnv ErOOoov
Tns UWEpayCas OEOKOCVns
~ μ~v
~ EOT6MOU Tnv EtS T& äYLa TWV ayCwv bekannt2, Dieser
oder (sein Bruder?) Michael Gabras ist sicher auch
in einem Brief des Maximos Planudes
an Johannes
Phakrases
in Thessalonike anno 1299 und als Empfän-
ger zweier Briefe des Nikephoros
Gregoras
gemeint,
wo jeweils lediglich der Familienname
genannt ist;
im Briefcorpus des Nikephoros
Chumnos schließlich
existiert
ein Brief T~ raBp~ xaL T~ aOEA~~ aUTo03,
Während sich über das Schicksal des Kodex V in
den zwei Jahrhunderten
zwischen
seiner Entstehung
bzw. seiner Zugehörigkeit
zur Bibliothek des Johan-
nes Gabras Meliteniotes
und seiner wenig vor 1510~
erfolgten
Eingliederung in die Vaticana
nichts Nä-
heres in Erfahrung bringen läßt, sind uns im Falle
des Kodex N der Vorname und die Nationalität
eines
ZwIschenbesitzers
bezeugt; f.III trägt das EXlibris
G.Mercati (vgl.oben S.110, Anm.2}, 5.188. Zu dem
Problem der Identifizierung
Mercati, 5.188, Anm.l:
"Se questo Giovanni possa essere il Giovanni 0
ra.pas ecc. dei Vat.gr.266 ••. , non so."
_
Zum
Cognomen MEALTEVLWTns vgl. Mercati, 5.185, Anm.3 .
2 M.Treu, S.203. Zum Familiennamen Gabras vgl. K .
Krumbacher, S.482. Auch einen Kopisten namens Jo-
hannes Gabras kennt man; vgl. A .Turyn, The Byzan-
tine Manuscript Tradition of the Tragedies of Eu-
ripides, Urbano 1957 (= Illinois Studies in Lan-
guage and Literature 43), S.125, auch Anm.168.
3 Zu all diesen Erwähnungen von Männern namens
Gabras vgl. M .Treu, S.203.
~
Er taucht jedenfalls erst unter Julius 11. im In-
ventarium VOn 1510 auf, vgl. R .Devreesse (vgl.oben
5.63, Anm.l), S.167.
-
135 -
fort.saec .XIV",
deI Cavalieri): ste liber est
Man ist natürlich geneigt, an einen
denken, der unter die-
Nach diesem
(ttmanu
demetri greci.
der bedeutenderen Griechen zu
sem Vornamen in Italien gut bekannt war.
Gesichtspunkt kommt am ehesten einer der bekannten
Männer wie D.Kydones (um 1324-1397/8; reiste mehr-
mals nach Italien), D.Skaranos (hielt sich seit 1404
im Westen auf; t 1426)1 oder D.Chalkondyles (seit
1449 in Italien; t 1511)2 in Frage. Obwohl die Iden-
tifizierung unseres Kodex N mit Nr.296 des Vatikani-
des Platina vom Jahre 14753 eini-
bereitet, steht es außer Zweifel,
bereits vor 1457 in Rom befand,
da Johannes Rhosos ihn für Mete. im Marc.200 (Q)
(vollendet 15.7 .1457) als Vorlage verwendete~.
Das gen aue stemmatische Verhältnis von N und
V zueinander ist durch das Studium der Kol-
lationen schnell bestimmt. Beide Textzeugen
sihd unabhängig voneinander aus derselben Vorlage,
dem Stammvater der Familie ß, kopiert wordenS, da
auf beiden Seiten eine nicht geringe Zahl von Son-
schen Inventariums
ge Schwierigkeiten
daß sich der Kodex
s
(\V
Über ihn vgl. R . _ J,Loenertz (vgl.oben S.118, Anm.
1), S.86 -89 (mit sämtlicher Literatur).
2 Zu ihm vgl.unten 5.224/225.
3 Vgl. R .Devreesse (vgl.oben 5.63, Anm.l), 5.57.
4 Von Rhosos'Hand rühren auch Marginalien und ff.155v
unten -156 in N selbst (= Ergänzung des mutilier-
ten Schlusses von Mete.) . VgI.zum Verhältnis N-Q
auch unten S.189.
5 Es sei dazu vermerkt, daß laut p.Siwek (vgl.oben
5.93, Anm.2), S.81, beide Handschriften auch für
die biologischen Traktate der Parva naturalia stem-
matisch eng verwandt sind und daß sie nach meinen
Beobachtungen außer für Lin. auch für Col. auf
ein und dieselbe Vorlage zurückgehen.
-
136 -
derfehlern
zu verzeichnen
ist, wie
z.B.:
ß(=V+ay)
N
8a14
b25
cl). >. •
9a1
~
a8
6• EaT~
Oa32
o\hws;
lb27
μEV
b31
..
Tl
ß(=N+ay)
v
8a8
9a3
b20
Ob19
lb8
2a20
a'u:CpWV μETa~11
aT~yμwv
EipC~E~ TOltOV
EV Ti) aipaLpou-
μCVTl ypaμμi)
Ti) ypaμμi)
om. xa~
..
.\
om. altaaa av
μETa~11 altECpwv
ypaμμwv
TOllOV EipC~EL
€:v Ti'\ ö>'Tl ypaμμi)
Ti) aipaLpOUμCVTl
Tar~ ypaμμar~
bll
Es gibt in N und V nicht wenige Fehler, deren Ur-
sache unverkennbar in einer falschen Auflösung von
Kompendien der gemeinsamen Vorlage, des Stammvaters
ß, zu suchen ist. Dreimal (9a32, Ob12, lb3) lesen
wir statt des genuinen äpa (a y) in N eaTaL, V
schreibt dafür an den beiden ersten Stellen yap' und
an der dritten Stelle das Zeichen~
•
Auch ohne die-
ses Zeichen - es ist freilich eine willkommene zu-
sätzliche Bestätigung - beweist dieser
in ß jedesmal der nach rechts geneigte
gebräuchliche Abkürzung für äpa gestanden haben
Befund, daß
Anker ~ als
-
137 -
mußl, was von den beiden Kopisten nicht mehr verstan-
den wurde. Geradezu klassisch in der griechischen Pa-
läographie ist die Variante ltap« - 1tEpt2• Sie beruht
auf einer Verwechslung der sich ähnelnden Kompendien
E
..,J
~ !>3
•
It = ltEP~. lt oder lt
=
ltap~ •
Wenn also N a m ganzen
7mal ltEpt statt des richtigen ltap«, das uns V über-
liefert, bietet (Oa5,a7,a8,a26, 2b7,b12,b15), so be-
weist das, daß im Antigraphon ß das besagte Kompen-
dium vorgelegen haben muß. Auch für den Sonderfehler
Erva~ + yap (9a25) in N wird man als plausibelste
Motivierung eine falsche Deutung der Minuskelabkür-
zung für E{va~ annehmen dürfen4•
-
Ob sich auch hin-
ter den Lesarten KEipaAaCwv: N und μovwv: V (9b21),
die an die Stelle des wahrscheinlich richtigen KVK-
AWV (a y) getreten sind, eine verschieden und je-
weils falsch interpretierte Kürzung in der Vorlage
verbirgt? Existieren doch Abkürzungen wie ~E= KEipa-
\
\J.(
0
,
0
-
5
d' st
Aa~ov. ~ =
KvKAO~. μ
=
μova~,
~
=
μOVTl~ , un
~
Vgl. zu dieser Abkürzung O.Lehmann, Die tachygra-
phischen Abkürzungen der griechischen Handschrif-
ten, Leipzig 1880 (Nachdruck Hildesheim 1965), §
49, 5.89 -91, und Tafel 9, sowie G.F .Cereteli, 50-
kra§~enija v gre~eskich rukopisjach preimu~~est-
venno podatirovannym rukopisjam S. _ Peterburga i
Moskvy, St.Petersburg 1904 (Nachdruck Hildesheim
1969), 5.112 -116, und Tabl.IX .
2 In der Lin. - Überlieferung häufig belegt, vgl.auch
M.Sicherl, 5.171-172 mit Hinweis auf weitere Li-
teratur.
3 Vgl. O .Lehmann, § 49, 5.90 -91.
4 Vgl. zu den Kompendien V.Gardthausen II, 5.336;
O.Lehmann, § 50, 5.91-94, § 57, 5.105-106, sowie
besonders die Tafeln 9 und 10, und G.F .Cereteli,
S.20-24, 35-37, sowie besonders Tabl.II und IV.
5 Vgl. V .Gardthausen, II, S.347-348.
-
138 -
doch die Verwechslung Von Hund μ in der Minuskel
keine Seltenheit.
An einer Stelle war der Stammvater
entweder me-
chanisch besChädigt oder nicht entzifferbar,
da 2b4
in N ein Spatium für das ganze Wort aUUßAnTov
und
in V für BAnTov freigelassen
worden ist. Im ganzen
scheint sich V etwas besser bei der Entzifferung
von
B zurechtgefunden
zu haben als N, da ersterer
Kodex
bei drei weiteren fenestrae
Von N, nämlich 1a29 om.
ev, 2a18 om.-ov TE und 2a27 av~ μ{aov ~ av~ x ••• ,
den authentischen
Text überliefert.
In beiden Manuskripten
trifft man auf Spuren
textkrit~scher
Eingriffe.
In N hat z.B. eine zweite
Hand des 14./15.Jhs.
Oa12 die ausgezeichnete
Emenda-
TPOU
tion Apelts um 500 Jahre vorweggenommen:
6~~ μeaou ,
und in einem Randscholion
zu 9b32 eine Definition
der EU~E!Q hinterlassen.
Im KOdex V sind derartige
meist nach Rasur vorgenommene
Korrekturen,
die wahr-
scheinlich
sowohl Vom Kopisten
als auch von einem
nahezu zeitgenössischen
Leser stammenl,
zahlreicher.
Sie übertreffen
alles in den Vergleichbaren
Lin.- Ko-
dizes Gebotene um ein beträchtliches
und können sich
durchaus neben der textkritischen
Leistung der mo-
dernen Gelehrten,
die sich mit der Schrift befaßt
haben, behauPten.
Als Beispiele
seien genannt:
N,V a.corr.
8b21
V p.corr.
ltpiiiTov (recte)2
Die beiden Hände laSsen sich nicht überall unter-
scheiden.
2 So auch von Kalekas in i verbessert. Bessarion
b
.
Ga
"
H
.
Ver esserte ~n
zu n ltPWTQL, woraus
enr~cus
-
139 -
9a27
N,V a.corr.
ou a~v 1tE~EPQaμEVW
bl1 EH XOL\lOV μETPOV
b13 qJaaxOVTQ
b19 OL~ OE Tii~ EU~ECQ~
...
xCvnaLv
b26 01'1 . μäAAOV
2al/2
V p.corr.
~
ltEltEpaaμEVW
(r-ecte)!
~
EV TL HOL\lOV μ{TpOV
(recte): a y
~
ipaa)(OVTE~
TA'
OLa
Ti'I~
xCvnaLv2,
~
d)~ECa~
•••
in mg.oL~ OE
T"\I (recte)
add.s .lin. μäAAOV
(recte): a y
aTLYμ"\I ypaμμii~ Lva
~
ypaμμ"v aTLyμii~
~
Stephanus
n ltPWTOV machte, was alle späteren Edi-
tionen beibehielten.
Vorwegnahme
der Emendation
Apelts.
Apelt Konjiziert.
Hervorragende
2 So auch wiederum
von
-
140 -
3. DIE FAMILIE Y
Der Stammvater
Y und seine Apographa 6 und E
Der gemeinsame
Vorfahr dieser Familie,
der Stammvater
y, ist nicht erhalten,
er läßt sich aber weitgehend rekonstru-
ieren. Seine Deszendenz
ist wesentlich
größer als die der beiden anderen Stamm-
väter: allein 14 Kodizes dieser Familie sind auf
Der
Stamm-
vater
uns gekommen,
und mindestens
S deperditi haben deut-
liche Spuren hinterlassen.
Spezifische
Merkmale des
Stammvaters
X sind nur diejenigen
Lesarten,
die
nicht bei den zwei anderen Stammvätern
oder auch nur
einem von ihnen, wohl aber bei jedem Vertreter
der
Familie Xl wiederkehren.
Folgende Lesungen
erfüllen
diese beiden Voraussetzungen:
Y
aß
Sb13/4 Et aμEpwv
et aμe:TPwv
EXE~V
9a9
EXOV
a24
add. μäAAOV2 post oaw
E~aKTEa~a~
TWV anEC-
pwv TllV ö~avo~av
wS Ti'! E~'
E'
nEp~ veL It
En~ μe:anv
a32
e~anTEa~a~:
a. e ~aKTEa-
~a~ T ~V 6~avo~av:
ß
waTE (waT': ß) E~'
napa
Ex ~ μe:aov
et EvaVTCWV:
a
et E:VaVTCa~: ß
b25
Oa7
alO
a21
,
,
T'
Et Evav (ut vid.)
Mit der Einschränkung,
daß durchaus hier und da
einmal eine solche Lesart bewußt oder unbewußt
verändert Worden sein kann.
Ob3
b14
b26
la4
a6
a12
b7
-
141 -
y
aß
om. EX ante KEP~TTWV
TaOTa
EaTa~ anyμi'\
TClIJTas
EaTa~ o r qμTi
Itaaa~~: a, ltaa~: ß
om. EX TOUTWV: Cl
exh.: ß
,
om, EX TO\JTWV OTL
ouö' t1.v
TOOTO (vel TOUTOU) ,
xa~
xa~
b 8 om. TOltOV
om.
biO
2al0
all
a14
a22
a22
,.
.
av E~naClV
aTo~XE!a Ouöe:TEpa
~V
~a av: ß (spat. a)
aToLXE!a ö~ OuöETEpa:ß
(spat. a)
~ avEpw~i'\VClL
Ö'
~v n apxn
a~ClLpE~i'ivaL
ÖE: apxn: a
Ö'
~v apxn: ß
EL Xpaμμi'\s Evöe:XETaL:a
xat EL ypaμμi'i~ Ev6e:XOL-
TO: ß
Die weiteren
Lesarten der Familie X sind bereits
oben 5.130/131 in der rechten Spalte gesammelt.
wor-
auf hier verwiesen
sei.
Der Stammvater
X ist zweimal abgeschrieben
worden.
Wie er so sind auch diese Kopien
(ö und E) nicht erhalten geblieben.
Diese
Spaltung der Überlieferung innerhalb der Familie y
in zwei voneinander
unabhängige Arme dokumentiert
sich in mehreren
Trennfehlern
auf beiden Seiten. Die
authentische
Lesart des Stammvaters
y ergibt sich
eines der beiden Über-
ÖE
dabei stets durch consensus
lieferungsarme
mitaundß.
-
142 _
Von den beim Kopieren
des Kodex ö Von VI und des
Kodex E Von V entstandenen Sonderlesungen seien
nachstehend ein paar herausgegriffen. Da sich der
Text von Ö nicht ohne die lateinische Übersetzung
des Robert Grosseteste wiedergewinnen läßt2, sind
Klammern beigefügt.
auch die iateinischen Beiege in
y (=E+aß)
8b23 TOltO,,3
.. ..
9a4
....
a31/2e] .
apa TL~
.. ..
2a3
Tμn~naETaL
.. ..
a5
vpaμμa eaTaL
.. ..
(vpaμμa~:
ß)
ö
T6lto~ (locus)3
add. Ma~ (et) post
altELpOL
EL ~pa TLS (si utrum
quis)
Tμn~naovTaL
(dividen-
tur)
vpaμμf'i eaTaL
(in line a eri t)
Man müßte vorsichtiger von den "auf dem Überliefe-
rungswege zwischen V und Ö" entstandenen Abwei-
chungen sprechen, um auch eventuell verlorengegan_
genen Zwischengliedern Rechnung zu tragen. Direk-
te Abhängigkeit ist in jeder Filiation nur dann
mit Sicherheit zu konstatieren, wenn sich zu den
stemmatischen Erkenntnissen auch Beweise aus dem
kUlturgeschichtlichen Bereich hinzugesellen. Ob-
wohl dieser konkrete Nachweis in der vorliegenden
Untersuchung nicht immer erbracht werden kann,
verzichte ich nach dem Grundsatz "non sunt entia
multiPlicanda praeter necessitatem" meist auf die
ausdrückliche Einräumung Von ZWischenstufen.
2 Zu den näheren Einzelheiten vgl.unten 5.153-157.
Der translatio des Grosseteste ist außerdem ein
eigenes Kapitel gewidmet (unten S.361-367).
3 Zwar Schreibt a auch TOltOS, doch ist nur der Ak-
kusativ richtig. Also liegt bei a und ö Koinzi-
denz eines Fehlers vor, der sich psychologisch
sehr leicht durch den Ausgang -o ~ in nächster
Nachbarschaft und die räumliche Entfernung des
Verbs erklären läßt: TaltOV MaC μ€VE~OS
••• A€VOμEV.
-
143 -
V (=E+aß)
ö
2a9
EC ~" npwTw"
Evunap-
....
XOVTWV
EC ~" ltPWTOV EVUltap-
XOVTWV (ex his quae
primum insunt)
ÖELVTI &pxn
(aptum principium)
a22
y (=ö+aß)
8a9
9a15
TCS
bll/2 eTL MOLVOV μlTPOV
om•
TC
MOLVOV μCTPOV eTL
om. n\ μlVE LV
add. näaaL post auμ-
μETPOL
b30
Oa3
la16
a19
.
.
. ...
EaTL TL EM
add.
.
ante n
.. ..
wanEp
apxn
....
ltPWTjV
.. ..
om • oliv
a31
npOTEPOV
b5
2bll
TL EX TOUTWV
EvöEXETaL yap
EVÖEXETaL
Ö€
Vergleicht man die Varianten von Ö und E in ihrer
Gesamtheit, so zeigt sich, daß in ö - die Zahl der
Sonderlesungen ist hier nur halb so groß wie in E -
offensichtlich nur die hinlänglich bekannten unbe-
absichtigten Fehler, wie kleine omissiones von Arti-
kel, Partikel und Endbqchstaben, syntaktische Assi-
milation an den unmittelbaren Kontext, aussprache-
bedingte Abänderungen, Verwechslung der Akzente und
Transposition, begegnen, während in & darüber hin-
aus anscheinend bewußt Veränderungen vorgenommen
wurden. Bei Vertauschungen von Wörtern in & scheint
mitunter das Einfache dem Komplizierten vorgezogen
b23
-
144 -
worden zu sein,und die kleinen, allerdings überflüs_
sigen und zweimal sogar verschlimmbessernden (la16,
la19) Ergänzungen zum Grundtext der Vorlage sollten
offensichtlich zur besseren Verständlichkeit des
Wortlautes beitragen. Wenn schließlich 2al und 2al/2
zweimal die itazistische Korruptel i.LOTnμn(s)
der
gesamten von E unabhängigen Überlieferung zu i~~
OTLYμn(s)
verbessert wurde. womit eine annähernde
Heilung der Stelle gelang, bestätigt sich die Ver-
mutung, daß die Schrift Lin. in E einen ganz leich-
ten Einfluß einer konjizierenden Hand aufweist. Ob-
schon diese Eingriffe vielleicht auch vom Schreiber
currente calamo vorgenommen worden sein können, ist
doch eine Ausbesserung durch denselben nach der Nie-
derschrift oder durch einen Besitzer oder einen son-
stigen Leser am wahrscheinlichsten.
Die getrennt voneinander aus E geflossenen Hand-
schriften n und ~l zeigen zweimal übereinstimmend
eine fenestra mit Textverlust: Sb26 om. ypaμμaC ELOL
und Oal1 om. TETpaywvov.
Demnach war E entweder zu
der Zeit. als n und ~ entstanden, an diesen Stellen
mechanisch beschädigt (etwa durch einen Fleck oder
ein Loch), oder aber die Fenster befanden sich be-
reits von Anfang an so in E. Träfe letzteres zu,
dann wäre entweder die Beschädigung schon im Stamm-
vater y erfolgt. allerdings erst nachdem ö abge-
schrieben worden war, da sich die Lücken dort nicht
finden, womit zugleich die Priorität von ö vor E ge-
sichert wäre; oder es existierte zwischen y und E
noch eine ZWischenstufe, die nun ihrerseits beschä-
Von ihnen wird weiter unten ausführlicher die Re-
de sein.
-
145 -
digt OQer vielleicht auch nur unleserlich gewesen
wäre. -
Mechanische Beschädigung scheint aber nicht
die einzige denkbare Ursache für die fenestrae - zu-
von Oall - zu sein. Wenn man berücksich-
mathematischer Terminus (TETpa-
ywvov) ausgelassen wird. dann fällt das Vorhanden-
sein einer anderen Variante in E um so mehr auf:
9b19 können wir statt des in a und ß einheitlich
überlieferten und unstreitig authentischen EtS TO
nμLxuxALOV
xCvnOLv für das eine Apographon von E
auf EtS TO nμL6ALOV
xCvnOLV (n) und für das andere
Apographon auf EtS TO nμLO spat. xCvnOLV (~) schlie-
ßen. Verbirgt sich dahinter vielleicht die auch
sonst nicht ungebräuchliche mathematische Abkürzung
o für xUXA(os)l.
die wohl als Omikron mißverstan-
den wurde, so daß man einerseits mit dem Wort nichts
mehr anzufangen wußte (~) und andererseits daraus
ein neues griechisches Wort konjizierte (n)? Ebenso
konnte vielleicht auch die dem Kopisten nicht mehr
geläufige Abkürzung CJ für TETpaywvOv2 der Grund
für die Aussparung dieses Wortes gewesen sein. Nach
der Situation in n und ~ zu urteilen, wären dann
die beiden Lücken wohl auch schon in E vorhanden ge-
wesen, so daß sich die mathematischen Zeichen im
Stammvater y3 oder in der möglichen Zwischenhand-
mindest die
tigt, daß hier ein
Sie findet sich z.B . auch in dem Aristoteles-Ma-
nuskript Marc.201 (a.954) (G.Wattenbach und A.von
Velsen, Exempla codicum graecorum litteris minus-
culis scriptorum, Heidelberg 1878, Tafel 5, Zeile
2 der Scholien am oberen Rand), vgl. O .Lehmann
(vgl.oben 5.137, Anm.l), 5.107.
2 Vgl. O .Lehmann, 5.106.
3 Dann wären sie in ö im Gegensatz zu E richtig ver-
standen und aufgelöst worden.
-
146 -
weis
schrift zwischen
y und E (oder auch in
beiden) gefunden hätten. Ob mechanischer
Verlust oder mathematische Abkürzung
(oder beides wegen Sb26), ob Zwischen_
handschrift oder nicht, für keine der
Möglichkeiten kann ein entscheidender Be-
geliefert werden.
y
6~
E
a) 6 und seine Deszendenz
Während zum Zweig E der Familie y insgesamt 13
erhaltene Handschriften gehören, lassen sich auf 6
Dur zwei Zeugen der Überlieferung zurückführen. Die-
ses sind der Laur.S7,21 und die lateinische Überset-
zung unserer Schrift durch RObert Grosseteste. Letz-
tere zeichnet sich - wie bekanntlich die mittelal-
terlichen griechisch-lateinischen Übersetzungen über-
haupt - durch ihre extrem enge Anpassung an den grie-
chischen Text aus, so daß es nicht sChwerfällt, die
griechische Originalvorlage Wort für Wort zu rekon-
struieren.
Der Laur.S7,21 ist eine der interessantesten und
ungewöhnlichsten Handschriften überhaupt. Er ist ein
codex bis rescriptus; ein noch nicht identifizier_
ter griechischer Unzialtext wurde im 11. oder 12.Jh .
Homers Ilias, diese wiederum den Parva naturalia und
der Schrift Lin. geopfert. So lassen sich z.B . vom
"mittleren" Text die ff.27rv/30rv als Ilias I, vv.
91-146 entziffern. Die 64 FOlien unseres KOdex
-
147 -
(= 32 Folien des Homer-Kodex1) umfassen also den
kleineren Teil des ehemaligen Homer-Manuskripts.
Der Laurentianus ist nicht das einzige Aristote-
les-Palimpsest. Außer dem bereits oben 5.47 erwähn-
ten alten Fragment aus Damaskus mit einem Stück aus
Int. (über Unziale mit Sapientia Salomonis) sind z.
B. noch Laur.72,3 (Organon über Johannes Chrysosto-
mos), Laur.72,14 (Ammonios und Cat. über Christlich-
Religiösem?), Magl.II X 59 (Vit. 10), ff.1 -40 (15.
Jh., Rhet. über lateinischem Text), Mon.289 (15.Jh.,
Virt. über italienischen Terzinen), Vat.1855 (Johan-
nes Philoponos und Part.An. über lateinischem Text)
und die offensichtlich von ein und demselben Kopi-
sten herrührenden Vat.316 (unterer Text: vorwiegend
Philon) und Marc.265 (unterer Text: Gregor von Na-
zianz) mit nahezu identischem Inhalt (Johannes Ita-
los und Mu.), außer Magl. und Mon. alle aus dem 13.
oder 14.Jh ., zu nennen2. Während in diesen Manu-
skripten die Aristoteles-Texte stets die jüngeren
waren, befindet sich in Athen (Nationalbibliothek.
Palimpsest 55) eine ursprünglich aristotelische
Handschrift - auf jeden Fall enthielt sie Ammonios'
Kommentar zur Isagoge des Porphyrios und zu den Ka-
tegorien, sodann Photios, nEp~ TW~ oμw~uμw~, viel-
leicht aber auch das Organon selbst oder Teile da-
von - , die jetzt EuayycXLa TOO E~LauTOO ent-
Vgl. zum Näheren die Beschreibung der Handschrift
im 'Aristoteles GraecuS'.
2 Außerdem enthält der Vat.1298 npalimpsestblätter,
auf denen Fragmente der aristotelischen Politik
stehen" (A.Dreizehnter, Untersuchungen zur Text-
geschichte der aristotelischen Politik, Leiden
1962 (= Philosophia antiqua 10), 5.5).
-
148 -
hält]. Was die Provenienz
dieser Palimpseste be-
trifft, bin ich aufgrund
verschiedener
paläographi_
scher Indizien ziemlich
sicher,
daß die Aristoteles_
Texte der beiden Laurentiani
sowie des Vat.316 und
des Marc. in Magna Graecia geschrieben
worden sind.
Ist es mehr als bloßer Zufall, daß sich auch für
unseren codex rescriptus die süditali~nische
Her-
kunft nachweisen
läßt?2 Der Laur.87.21, den jeder
W.Reich, Über die Palimpseste der Universitäts_
und Nationalbibliothek
in Athen,
in: Festgruß
an
H.Heerwagen,
Erlangen
1882, S.91-101.
2 Es fällt auf, daß sich unter den über 40 Aristo-
teles-Handschriften
sÜditalienischer
Provenienz
(vgl.oben S.60, Anm.l) fünf Palimpseste befinden
bzw. daß fünf von acht bzw. neun Aristoteles-Pa_
limpsesten
in Magna Graecia entstanden
sind. Be-
merkenswert
zahlreich
sind auch die Palimpseste
unter den sÜditalienischen
Handschriften,
die bei
R.Devreesse,
Les manuscrits grecs de l'Italie me-
ridionale (Histoire,
classement, paleographie),
Citta deI Vaticano
1955 (= Studi e Testi 183), und
bei A.Turyn (vgl.oben S.110, Anm.3) behandelt wer-
den. "Plusieurs des mss grecs SOus-jacents sont
italo-grecs" (P.Canart, Catalogue des manuscrits
grecs de l'Archivio di San Pietro, Citta deI Vati-
cano 1966 (= Studi e Testi 246), S.67). Das im
Grunde wirtschaftsgeschichtliche Problem, ob und
gegebenenfalls wann wir gerade in SÜditalien mit
einer generellen Knappheit an Pergament zu rech-
nen haben, ließe sich wohl erst in einer aus ver-
schiedenen anderen Gründen nützlichen umfassenden
Studie über (griechische) Palimpseste einer Lö-
sung näherbringen.
-
"L'Italie manquait Ie parche-
min. C'est un fait indiscutable. De la, l'emploi
de peaux de mauvaise qualite, mal preparees; de
la aussi, l'emploi frequent de feuillets pris a
des manuscrits plus anciens".
(M. - L .Concasty, Ma-
nuscrits grecs de l'Italie meridionale conserves
a Paris, in: Atti dello VIII Congresso Intern.di
Studi Bizantini, I, Rom 1953 (= Studi Bizantini e
Neoellenici 7, 1953), S.22 -34, dort S.34).
-
149 -
Kenner der griechischen Paläographie in die erste
Hälfte des 14 •• wenn nicht gar ins 13.Jh . datieren
nämlich nicht nur charakteristische
griechischen Duktus der süditalieni-
schen Kopierzentren, wie sie in den entsprechenden
Faksimiles der Arbeiten von M. - L .Concasty, R.Devre-
esse und A.Turyn2 deutlich zutage treten. Er ent-
hält darüber hinaus am Ende des Bandes den Anfang
des 1.Syntagmas der Abhandlung Tria syntagmata des
Nikolaos (Klostername Nektarios), Abt des 1099 ge-
gründeten Klosters Hagios Nikolaos von Casole bei
Otranto in der Zeit 1219-1235, woraus man mit Recht
auf die Herkunft unserer Handschrift aus ebendie sem
Kloster geschlossen hat3
wird 1, ze igt
Merkmale des
Wenn man also weiß, daß die Handschrift im Scrip-
torium des Klosters, dem Kultur- und Kopierzentrum
von Apulien, angefertigt worden ist, stellt sich so-
dann die Frage nach ihrer Vorlage. Diese oder auch
deren Antigraphon ist natürlich aus dem griechischen
Osten im~ortiert worden; wann und von wem, darüber
ließen sich verschiedene Hypothesen aufstellen. Man
könnte zunächst direkt an den genannten Nikolaos-
Nektarios denken. Er unternahm als päpstlicher Di-
Jahrzehnten des 13.Jhs. ausge-
Thessalonike und Athen
plomat in den ersten
dehnte Reisen, die ihn über
Er gilt bisher allgemein als Kodex des 15.Jhs.
-
Der Duktus ähnelt sehr dem des rescriptus Laur.5,
10 vom Anfang des 14.Jhs.
2
VgI.oben S.148. Anm.2.
3 A.e O.Parlangeli, II monastero di San Nicola di
Casole cent ro di cultura Bizantina in terra d'
Otranto, in: Bolletino della Badia Greca di Grot-
taferrata, N.S .5, 1951, 5.30 -45, dort 5.42.
-
150 -
nach Konstantinopel
fÜhrten1,
und "sumptui minime
parcens quos per universam Graeciam invenire potuit
librorum omnis generis bibliothecam ••.
congessittt2•
Aber auch schon einer der früheren Äbte des Klosters,
Nikolaos (1153-1174), hatte eine reichhaltige Biblio-
thek angelegt3• Unter den damals Von einigen Filial-
klöstern der Umgebung zur Anfertigung von Apographa
entliehenen Manuskripten befand sich z.B . auch ein
Aristoteles-Kodex mit SE4. Außerhalb des Nikolaos-
Klosters von Casole kämen schließlich mehrere biblio-
phile und an der griechischen Literatur, insbesonde-
re der Philosophie, interessierte Persönlichkeiten
SÜditaliens als mögliche Erwerber und Besitzer der
gesuchten Vorlage in Frage, namentlich z.B . die
schon im Kapitel 11 erwähnten Scolario-Saba und Hen-
ricus Aristippus aus dem 11. - 1 2 .Jh .
_
Nach Florenz
Vgl. R .Devreesse (vgl.oben 5.148, Anm.2), S.45;
J.M .Hoeck und R. J .Loenertz, Nikolaos-Nektarios
von Otranto, Abt von Casole, Ettal 1965, S.30 -67
(4.Kap.: Reisen), und N.G.Wilson, The Libraries
of the Byzantine World, in: Greek, Roman and By-
zantine Studies 8, 1967, S.53-80, dort 5.74 .
2 Antonio Galateo von Lecce (um 1500), De situ Iapy-
giae, Basel 1558, p.45, zitiert nach N.G .Wilson,
5.73, der den ganzen sich auf das hier interes-
sierende Kloster beziehenden Abschnitt herausge-
schrieben hat.
3 Handbuch der Bibliothekswissenschaft, begründet
von F.Milkau. 2 .Aufl.hrsg.von G.Leyh, 111: Ge-
schichte der Bibliotheken, Wiesbaden 21955, 5.172
(in Kap.3: Der byzantinische Kulturkreis von V.
Burr ).
4 H.Omont, Le typicon de Saint-Nicolas di Casole
pres d'Otrante, in: Revue des Etudes Grecques 3,
1890, 5.381-391, dort S.390 (5.389 -391: La biblio-
theque de Saint-Nicolas di Casole)j vgl. Handbuch
der Bibliothekswiss.,
S.173, und N.G.Wilson, 5.75.
-
151 -
gelangte unser Palimpsest vermutlich durch Janos
Laskaris (t1535), einen der berühmten griechischen
hatte im Auftrag von Lorenzo deI
Emigranten. Dieser
Medici den griechischen Osten zur Erwerbung von
Handschriften bereist und war 1491/92 wahrscheinlich
im Anschluß an eine solche Reise auch nach Südita-
lien gekommen, wo er sich in Kalabrien und - in un-
serem Zusammenhang besonders wichtig - in der Pro-
vinz von Otranto nachweislich aufhieltl•
Im Laur.87,21 (Za) ist die Textverderbtheit trotz
des relativ hohen Alters des Kodex im Vergleich mit
allen anderen Handschriften fast hoffnungslos fort-
geschritten. Es wimmelt von Fehlern und TextentsteI-
lungen, und zwar nicht nur in der Schrift über die
Atomlinien: "Nous y rencontrons a chaque pas une
teile abondance de le~ons particulieres que l'esprit
en devient encombre", schreibt p.Siwek2 im Hinblick
naturalia; allein für den Traktat
denen sich in kei-
der anderen Manuskripte eine Spur findet. Ob je-
Textzustand nur dem Kopisten
von Za und seiner höchst unvollkommenen Kenntnis
zur Last gelegt werden muß,
dahingestellt. Wir kennen
die direk~e Vorlage des Kopisten nicht - weder für
die Parva naturalia noch für Lin. -
nur, daß Za vermutlich den Endpunkt
auf die Parva
Sens. zählt er 300 Lesarten, von
nem
doch dieser fehlerhafte
der griechischen Sprache
wie P.Siwek meint3, bleibt
, sondern wissen
einer Entwick-
B.Knös, Un ambassadeur d'Hell~nisme - Janus Laska-
ris _ et la tradition gr~co -byzan~ine dans l'huma-
nisme fran~ais, Uppsala 1945, bes. 5 .40-41.
2 P.Siwek (vgl.oben 5.93, Anm.2), S.125 .
3 P.Siwek, S.126.
-
152 -
lung im unteritalienischen
Raum darstellt, in der
wir möglicherweise
mit anderen
verschollenen
Zwi-
schengliedern
in der Texttradierung
zu rechnen ha-
ben. Der Duktus von Za läßt jedenfalls
auf eine ge-
wisse Vertrautheit des Schreibers
mit der griechi-
schen Sprache und Schrift schließen.
Der Text weist
eine grOße Zahl von Ligaturen.
Kompendien
und Sus-
pensionen
auf und wirkt einigermaßen
flüssig ge-
schriebenl•
Aus der langen Liste der Abweichungen
jeglicher
Art des Laurentianus
von 62 sei hier we-
nigstens
hingewiesen
auf die drei längeren
omissio-
nes, zwei davon ex homoeoteleuto:
9a11-13 om. xa~
&.&CpOU~
-
EX&~, la7/8 om. &vayxn - oTLyμnV und
2b4/5 om. EL 6~
-
Ehax~oTov,
und auch eine gewisse
Neigung zur Vertauschung der beiden am häufigsten
vorkommenden
SUbstantive
ypaμμn und oTLyμn gegen
Schluß des Traktats:
2a7 oTLyμn + ypaμμn, 2a13/4
&.~ ypaμμ~~ + ex OT~Yμ~~,
2a27 ex OT~YμWV + EX
OTLY
,
OT~Yuh
•
ypaμμ""
2b3 OTLYμn + ypaμμ~ und auch schon la18 n
,
•
OT~yμn
3
ypaμμn OTLYμ~,
+ n ypaμμnO ~μ~~
(sie) •
Vgl. Tafel 2.
2 Einen gewissen Eindruck vermitteln
Irrtümer die Kollationen
von Za im
Ausgabe ApeIt s ,
trotz vieler
Apparat der
3 Da dies eindeutig singuläre
Lesarten
und Ver-
schreibungen
sind, geht es nicht an, mit M.Schramm,
5.38 . aufgrund
von 2a27 und 2b3 für Lin. auf die
bekannten
von H.Diels (vgl.oben
S.38. Anm.2), S.
19, Postulierten
Kodizes mit Alternativlesarten
an den Rändern und über den Zeilen zu schließen.
-
153 -
Die griechische
Vorlage des Robert Grosseteste
Die Sonderlesungen
von 6 ergeben sich aus dem
consensus des Laur.87,21 (Za) und der lateinischen
Übersetzung des Robert Grosseteste.
Von den soeben
in Kleiner Auswahl dargebotenen
Textverderbnissen
in Za Kehrt keine einzige in der translatio wieder,
so daß es sich tatsächlich
um echte Trennfehler von
a
..
Z handelt. Die Abweichungen
der Ubersetzung
-
so
wie sie mir in einer Photokopie aus dem Ambr.lat.E
71 sup. vorliegt - können in diesem Zusammenhang
außer acht gelassen werden. Denn für die Rekonstruk-
tion des Textes der griechischen
Vorlage des Grosse-
teste haben sie keinen Aussagewert. Sie könnten al-
lesamt Schreibversehen
oder sogar Übersetzungsfeh-
ler des gelehrten
Bischofs von Lincoln sein oder
auch bei der eigenständigen
handschriftlichen
Ver-
breitung der lateinischen
Übersetzung
entstanden
sein. Deshalb sollen zunächst nur Entstehungszeit
der be-
und -ort der Übersetzung
und die Provenienz
nutzten ~riginalvorlage
interessierenl
Für die Übersetzertätigkeit
des Robert Grosse-
teste lassen sich nach E.Franceschini2
vor allem
zwei Perioden
in seinem Leben ausmachen.
In die zwei-
te. welche die Jahre 1240-1253 umfaßt, gehören alle
seine Übersetzungen
von Aristoteles-Schriften.
In-
Der Übersetzung
selbst und ihrer Bezeugung, soweit
sie mir zugänglich
war, ist ein eigener Abschnitt
(unten 5.361-367) gewidmet.
2 E.Franceschini,
Roberto Grossateste
vescovo di
Lincoln e Ie sue traduzioni latine, in: Atti deI
Reale Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti,
a.acad. 1933-34, tomo 43, parte sec.,
5.1 -138,
dort 5.72-73.
-
154 -
nerhalb dieses Zeitraums
hat S.H .Thomson1 die Über-
setzung von Lin. durch sehr ansprechende Kombinatio-
nen recht genau fixieren können. Der älteste Text-
zeuge und zugleich der einzige, der die translatio
dem Bischof zuweist, eben der Ambr.E 71 sup., stammt
nämlich aus der Mitte des 13.Jhs. und ist südfranzö-
sischer Herkunft. Es ist daher sehr wahrscheinlich,
daß Grosseteste die Übersetzung - wie auch diejeni-
ge der Scnrift Virt.
-
während seiner Anwesenheit
beim Konzil von Lyon 1245 angefertigt hat.
Woher bezog Grosseteste die Originalvorlage? Er
wußte sich ohne Zweifel die verschiedensten griechi-
schen Handschriften zu beschaffen2• Bemerkungen wie
"exemplaria nostra greca habebant" oder "ut est in
nostris exemplaribus grecis,,3 sind sicherlich ganz
wörtlich aufzufassen. Wir erfahren z.B ., daß John
of Basingstoke, ein Mitarbeiter Grossetestes bei
dessen griechischen Studien, mit einer Menge grie-
S.H .Thomson, The Writings of
Bishop of Lincoln 1235-1253,
36 und besonders 67-68 .
Robert Grosseteste,
Cambridge 1940, 5.17,
2 R.W .Hunt zählt im Kapitel "The Library of Robert
Grosseteste" des von D.A .Callus herausgegebenen
Essay-Bandes: Robert Grosseteste. Scholar and Bi-
shop, Oxford 1955, S.133-135, ein paar solcher
heute vor allem in Oxford und Cambridge befindli-
cher lat. und griech. Handschriften aus dem Besitz
des Bischofs auf.
-
Für die Erforschung der Über-
lieferungsgeschichte des Aristoteles-Textes ist
es von besonderem Interesse, daß Hunt den berühm-
ten Oxforder Aristoteles-Kodex C.C .C .108 aus dem
9.Jh . mit Grosseteste - wenn auch äußerst vorsich-
tig - in Verbindung bringt: Die Schrift in einem
Inhaltsverzeichnis am unteren Rand der letzten
Seite ähnelt in starkem Maße der des Bischofs im
Bodl.198 (5.135 unter Nr.9).
3 Vgl. E .Franceschini (vgl.oben 5.153, Anm.2), 5.18.
-
155 -
chischer Kodizes von Athen nach England zurückkehr-
tel. Athen war sicherlich nicht der einzige Ort, wo-
her Grosseteste sich griechische Handschriften kom-
men ließ. Von seinen "coadiutores", von denen er
selbst öfters spricht und die laut Roger Bacon zahl-
reich gewesen sind2 stammten viele aus Magna Graecia.
Über einen Nicolaus Graecus aus Süditalien z.B.
gibt es gewisse Vermutungen3. W . L .Lorimer hat die
Möglichkeit erwogen, daß dieser mit Nicolaus Sicu-
lus, dem Übersetzer von Mu., identisch sein könnte4,
und L.Minio-Paluello hat diese Verbindung recht
wahrscheinlich machen könnenS. Nach M.Powicke6 war
Eine andere interessante Notiz über den Aufenthalt
des John of Basingstoke in Griechenland hat uns
Matthew Paris (Matthew Paris, Chronica Maiora V,
5.284-285, vgl. E .Franceschini, 5.15, und D.A .Cal-
lus, S.40) hinterlassen: "Magister Ioannes de Ba-
singstoke ... intimaverat episcopo Lilncolniensi
Roberto quod quando studuit Athenis viderat et
audierat ab peritis Graecorum doctoribus quaedam
Latinis incognita; inter quae ... unde idem epis-
copus misit in Graeciam et, cum ea habuisset,
transtuli t de Graeco in Latinum sermonern" .
2 Vgl. E .Franceschini, S.13 sqq., und D.A .Callus,
5.39 sq. und außerdem R.Barbour, A Manuscript of
Ps. - Dionysius Areopagita copied for Robert Grosse-
teste, in: The Bodleian Library Record 6, 1957/61,
S.401-416, dort S.409-410. J .C .Russell, The Pre-
ferments and 'Adiutores' of Robert Grosseteste,
in: Harvard Theological Review 26, 1933, S.161-172,
bringt für unsere Zwecke nichts Neues.
3 Vgl. D .A .Callus, 5.40.
4A.
:~stoteles Latinus XI 1-2, De mundo, ed. W .L .Lo-
r~mer, Roma 1951, S.10-13.
SAristoteies Latinus XI 1-2, De mundo, ed. W .L .Lo-
rimer, rev. L .Minio-Paluello, ed.alt. Bruges-Paris
1965, S.XXVIII.
6 M.Powicke, Robert Grosseteste and the Nicomachean
Ethics, in: Proceedings of the British Academy 16,
1930, S.22; vgl. auch E.Franceschini, 5.18/19.
-
156 -
es Nicolaus Graecus,
der dem Bischof
eine Hand-
schrift mit den Kommentaren
von Eustratios,
Michael
von Ephesos und Aspasios
zur Nikomachischen
Ethik
des Aristoteles,
welche Gr05seteste
zwischen
1245
und 1247 übersetzte,
mitbrachte.
Da nun im Falle von Lin. die einzige mit Grosse-
testes Vorlage stemmatisch
eng verwandte Handschrift,
der Laur.87,21 (Za), unteritalienischer
Provenienz
ist, besteht kein Zweifel daran, daß auch das grie-
chische Arbeitsexemplar
des Bischofs durch Nicolaus
Graecus oder durch einen der anderen süditalieni-
schen Griechen,
die Grosseteste bei seiner Überset-
zertätigkeit unterstützten,wOhl
um 1245 aus Magna
Graecia nach Lyon mitgebracht
oder herbeigeschafft
worden ist.
Über das Verhältnis dieses Manuskripts
zu Za und
beider zu 6 lassen sich nur Vermutungen
anstellen.
Es ist höchst unwahrscheinlich,
daß die Handschrift
des Grosseteste
auch das Antigraphon
von Za gewesen
wäre. Denn dann müßte man sich vorstellen
_
Za da-
tiert wohl später als die translatio
_
,
daß die
fragliche Handschrift nur eine Leihgabe
war und an-
schließend
den weiten Rückweg von Lyon nach Casole
angetreten
hätte. Wenn diese Handschrift mit ebendem
Exemplar identisch
sein sOllte, das aus dem griechi-
schen Osten nach Unteritalien
gebracht
worden war
und für dessen Wanderung
nunmehr durch die transla-
tio das Jahr 1245 als fester terminus
ante quem er-
mittelt ist, dann müßte Za auf ein noch vor 1245 im
italo-griechischen
Raum entstandenes
Apographon
des-
selben zurückgehen.
Die ansprechendste
Lösung dieses
Problems
ist vielleicht die Annahme,
daß Grosse-
-
157 -
testes Originalvorlage
ebenso wie
der Kodex Za - dieser möglicherwei-
se über eine verschollene
Zwischen-
stufe - ein Apographon jener aus
Griechenland
importierten
und
höchstwahrscheinlich
im Kloster und
Scriptorium
von Casole sorgsam gehüteten Handschrift
(6) ist.
b) E und seine Apographa
nund~
E wurde zweimal abgeschrieben.
Beide Kopien
)\
(n und ~) sind verschollen, lassen sich aber
mit Hilfe ihrer erhaltenen
Abkömmlinge rekon-
n
~
t'
F"· ·
d..LihSdI
s ru~eren.
ur s~e s~n
samt ~c e
onere-
sungen von y und E anzusetzen
und außerdem jeweilS
eigene Fehler und Abänderungen.
~
weicht lediglich in etwa 10 Fällen von der
Vorlage (E) ab und variiert dabei deren Wort-
laut nur geringfügig,
z.B .
E ( =n+6)
e
Oa20
ÖAn~
-+
ÖAW!>
1a25
e\lIJ1tc:iPxolJC1~\I
-+
evu1tapxOUC1Cl~
b21
EU~ErCl
-+
EU~E(Cl
eilto ypClμμiiiv
2a13/4 altO ypClμμn!>
-+
Trotzdem
sind die Sonderlesungen
für die getrennt
voneinander
aus ~ geflossenen
zwei bzw. (bis 9a4)
drei Kodizes (vgl.unten) insgesamt wohl echte Bin-
ausschließen,
sodaß~
ist
defehler,
welche Koinzidenz
gleichgesetzt
werden kann.
~
außergewöhnlich
sorgfältige Kopie
nicht etwa mit E
vielmehr als eine
-
158 -
anzusehen,
die innerhalb der Lin.- Überlieferung
nicht ihresgleichen
hat.
Im Vergleich
mit ~ schneidet das andere Apo-
n
graphon (n) wesentlich schlechter ab. Zahl
und Grad der Divergenzen von der gemeinsamen
Vorlage E sind ungleich beträchtliCher. Wenn man
einmal viele Lesarten, welche nichts anderes als die
üblichen von einer Überlieferungsstufe zur nächsten
entstehenden mechanischen Versehen darstellen (z.B .
8a19 TL -+ TE, Oa13 om. ltAEupa,
la26 μeYE~o ~
- + μeyCl),
ganz außer acht läßt, so bleibt eine Reihe von Vari-
anten, deren Entstehung auf andere Ursachen zurück-
geführt werden kann:
E (=~+ö)
n
8a 8 EV clltClVTL Ultap~EL
-+
,
ältCla~v EVUltap~E ~
EV
9a 8 μEpiiiv
-+
μEyaAWV
b22 ..
..
ClV
-+
XClV
Oal0 auaTCl~r)OETClL
OUOTClLn
,I
-+
ClV
a19 TOr!> €:.v TOr!> μCl~r)-
-+
TOr~
TOLO\hOL~ μCl~r)μClOL
μClO~
b15 d μ~V yap
-+
,
...
yap
EL μn
la28 ÖAn!>
-+
ÖAW!>
b28 EvöeXETClL
-+
EVÖEXOLTO
Während man bei der Beurteilung einiger dieser Stel-
len noch schwanken könnte, lassen sich etwa die Bei-
spiele von Oa19 und la28, vom Kontext her betrachtet.
als bewußte Texteingriffe deuten. Ein gewisser Wil-
le zur sprachlichen und inhaltlichen Glättung anstö-
ßig erscheinender Stellen wird vollends bei den fol-
genden Lesarten offenkundig: Oal0 (vgl.oben) Soll
der vorsichtigere Potentialis das bestimmtere Futur
ersetzen, 2a30 ist TO OTEPEOV
&~ f:.ltLlteÖWV XCl~ TO
-
159-
f:.1tCltEÖOV EX YPClμμiiiv (Emendation Apelts) durch haplo-
graphischen bzw. homoioteleutischen Ausfall bereits
im Archetypus aller Handschriften zu TO OTEPEOV
E~
f:.ltLltCÖWV EX YPClμμiiiv geworden; in n ist nun der Ver-
such unternommen, den verstümmelten Zusammenhang we-
nigstens rein syntaktisch zu heilen, indem EX durch
)(Clt ersetzt wurde. la2 schließlich störte den "Sti-
listen" von n die unmittelbare Wiederholung des Sub-
stantivs (oiiiμa μ€V Y~P XClT' EltCltEÖOV, Elt(ltEÖOV Ö€
)(Clta YPClμμnv).
und deshalb wählte er statt des zwei-
ten Elt(ltEÖOV das Personalpronomen ClUT6.
Cl) n und seine
a
Apographa Vat.253 (L) und Marc.214(H )
n ist der Stammvater von 9 erhaltenen Manuskrip-
dieser Handschriftengrup-
ten. Die ältesten Vertreter
pe, die innerhalb des Überlieferungszweiges von E
durch ihren consensus gegenüber den fehlerhaften Les-
arten von ~ und vor allem durch die gemeinsamen erst-
malig in n aufgetretenen Leitfehler klar gekennzeich-
sind der Vat.253 (L) und der Marc.214 (Ha).
beiden Kodizes zuein-
daß sich auf
net ist,
Das Verhältnis dieser
ander wird dadurch bestimmt,
beiden Seiten Trennfehler finden. Die gegen-
beider Textzeugen ist also aus-
voneinander auf n
seitige Abhängigkeit
geschlossen; sie gehen getrennt
zurück. Einige Beispiele:
n (=L+~)
8b26 aUV~CTW spat. ypaμμCl~l
-+
C1UV~&tW ypaμμClt
1 VgI.oben S.144.
-
160 -
n (=L+~)
Ha
-+
TOμnv
...
tnv
-+
EXELV
-+
Ö6~ELClV
-+
om. sine fenestra
9a5trlVμn
a8EXEL
a24 Ö6~ELEV
Oall
om. TETpaywvov
cum1 fenestra
L
Ob21
-+
om. E ~EL
-
23 TETpaywvov
(ex homoeot.)2
om, yap
ÖLQCjlOPOV
la2
b24
-+
2all
ouvwvuμa
a14/5
-+
OUVWVIJμO~
-+
om. öuvaTov2
-+
1tPOOTE~r)tW3
In L hat außerdem ein Korrektor _ die Hand
scheint in die 2.Hälfte des 15. oder in die 1.Hälf-
te des 16.Jhs. zu gehören - einige Spuren hinterlas-
sen. Mit Hilfe eines anderen Kodex hat er nicht nur
zwei individuelle Auslassungen und eine verdorbene
Lesart Von L berichtigt4,
sondern auch 9a5 Tnv μn
ätoμov zu Tnv TOμnv äTOμOV geändert,
wohl inspiriert
a
von der individuellen Lesart TOμnv Tnv äTOμOV in H
und dessen Abkömmlingen.
Daraus
ergibt
die zweite Handschrift des Korrektors
repräsentierten Überlieferungsarm unseres Traktats
angehört; auch bei der Ergänzung der Lücke Ob21-23
sich, daß
dem durch Ha
VgI.oben S.144.
2 Ein jüngerer Korrektor (zu ihm vgl.unten) hat das
Ausgelassene in margine bzw. supra lineam ergänzt.
3 Am Rand ist die richtige Lesart vom Korrektor ein-
getragen.
4 VgI.oben Anm.2 und 3.
-
161 -
wiederholt der Korrektor eine zuerst bei Ha (gegen
die Vulgata)
eingeführte Variante Ob22 Ö~ClLPEtOV
für ÖLClLPETEOV. Wenn er 2a14 statt CjlClVEpW~nva~ in
einer Marginalie das richtige aCjlCl~PE~nVCl~ beibringt,
lassen sich dadurch der Kreis, aus dem die von ihm
benutzte
zweite Handschrift stammt, und das Datum
der Tätigkeit des Korrektors
noch präziser bestim-
men. Denn diese Lesart findet sich noch nicht in Ha
selbst, sondern ist erst von Bessarion in Ga durch
Korrektur hergestellt worden1• Schließlich hat je-
ner Leser auch eine eigene Konjektur versucht: 2b31
OWμClTL -+ at6μClTL.
Die gemeinsame Vorlage (n) von L und Ha scheint
relativ viele Suspensionen und Abbreviaturen
enthal-
ten zu haben. Diese sind in Ha wohl überall getreu
wiederhOlt, wohingegen in L durchweg deren Auflösung
vorgenommen ist, allerdings
nicht immer richtig, was
beweist, daß die Abkürzungen
nicht erst in Ha ent-
standen sind, z.B.:
n
Ha
L
8bll
-Cl '
ÖLltAaOLOV
ÖLlt~
-+
1a4
,
T,
f:.VClVtCClL
EVClV
-+
a30
...
,
E~
Ta aμeow!>2
T Cl ClIJv-
-+
2b29
ÖL Clf6
-+
ÖLClCjlOPW!>
Auch ltClP~ wurde in n fast regelmäßig als Kürzel ge-
VgI.unten
S.180.
2 Ein Musterbeispiel für die Verlesung der paläogra-
phischen Form der Vorlage: Statt T~ aμEpn auszu-
schreiben,
wählte n (oder schon E) eine Suspen-
sion, in welcher p mit dem üblichen Abkürzungs-
strich verbunden wurde. Das so entstandene
Gebil-
de konnte tatsächlich leicht als das bekannte Kom-
pendium für w!> (~) aufgefaßt werden.
-
162 -
schrieben.
Wieder hat Ha die Form der Vorlage meist
bewahrt, und zwar nicht ganz gleichmäßig,
sondern
entweder als lte (Oa7) oder als lt~ (Oa5,8,26),
wäh-
rend in L immer falsch zu ltEp~laufgelöst ist2. Unter
den tachygraphischen
Abbreviaturen,
die Ha bewahrt
hat, findet sich gleich viermal (9a27, 9b27, Ib14,
2a28) statt urSprünglichem
AOYOS bzw. AOYW" eine
Kürzung (~'
oder ähnlich), deren hochgestelltes
E
durch die entsprechende
Auflösung in L (AE w", AE-
ywv, AEYEL) auch für n gesichert ist. Da es schlech-
terdings undenkbar
ist, daß ein Sch~eiber
das Sub-
stantiv AOYO!; derartig abkürzt,
muß das E ein sekun-
därer Fehler sein. Dieser verdankt
seine Entstehung
offensichtlich
der Mißdeutung
einer bereits in E
vorhandenen
Abkürzung (~' bzw.
~ ?\' oder ähnlich) von
seiten des Kopisten Von n, der dahinter
das entspre-
chende Verb (AEYE~ oder AEYWV) vermutete3•
Hinsichtlich der Datierung
vonnodergarvonE
können beim gegenwärtigen
Stand der Forschung
zur
grieChischen
Paläographie aus dem Auftreten
der Kür-
zungssUspensionen
keinerlei präzise Schlüsse gezo-
gen werden. Denn diese Art von Abkürzungen
ist schon
in Handschriften
des 9.Jhs. bezeugt4. Lediglich
aus
Zu dieser bekannten
Verwechslung
vgl.oben
S.137.
2 Auch Ob14 kann man dieselbe Kürzel in n noch mit
Händen fassen; denn in Ha steht 1tap~,
in L dagegen
wie üblich 1tEP~ .
Umgekehrt hat der Schreiber
von L
9b23 in scribendo
sein ltapa zu einem diesmal rich-
tigen ltEP~ (auch Ha) korrigiert.
3 Daß bereits für E auch andere Abbreviaturen
ange-
nommen werden müssen,
zeigt sich 8bll, wo ÖLlt~a'
(Ha) gleichfalls in zwei Apographa
von~(pund
Mosqu.) wiederkehrt.
4 Vgl. O .Lehmann
(vgl.oben S.137, Anm.l). S .4 (von
-
163 -
der Häufigkeit und
lenfalls nach entsprechenden
Vorarbeiten
neue
rungshilfen
gewinnen.
Vorläufig gibt es keine An-
haltspunkte,
um innerhalb der Minuskel der byzanti-
nischen Zeit verlorengegangene
Textzeugen aufgrund
derjenigen
paläographischen
Gegebenheiten,
die sich
aus dem Schriftbild und den visuellen Fehlern ihrer
zeitlich genauer zu fi-
Verwendungsbreite
ließen sich al-
Datie-
Kopien erschließen
lassen,
xieren. Wir müssen uns also für n allein mit dem
terminus
ante quem begnügen,
der sich durch die Ent-
stehungszeit des älteren der beiden Apographa L und
HaI von selbst ergibt.
Demgegenüber
sind wir dank der Möglichkeit, den
Text von n mit dem seines Antigraphons
E zu verglei-
chen, über die individuelle Textgestalt in n wesent-
lich besser informiert. Ihr auffälligstes Merkmal
ist die oben S.158/9 aufgezeigte Tendenz zu einer
stilistischen
Glättung des authentischen
Textes .. In
diesem Zusammenhang ist es interessant, daß P.Moraux
Neigung zur sprachlichen
entdeckt hat2
in Ha eine ganz ähnliche
Normalisierung
des Textes von An.
Es scheint durchaus möglich, daß auch die "stilisti-
sche ÖLOP~WOL!;" von An. nicht erst dem Kopisten von
Ha, sondern demselben
Gelehrten zuzuschreiben
ist,
der auch für unseren Text verantwortlich ist3,
so
ihm als "currentschriftliche
Kürzung" bezeichnet).
Über deren Datierung
vgl.unten.
2 P.Moraux,
Rezension
von Aristote: De l'äme. Texte
etabli par A.Jannone,
Trad. et notes de E.Barbo-
tin, Paris 1966, in: Gnomon 40, 1968, S.760-765,
dort besonders
S.765.
3 Was seine Person betrifft,
sprechen einige Indi-
zien für Georgios Pachymeres,
wie unten S.356 nä-
-
164 -
daß man ohne weiteres
für Lin. und An. an ein und
dasselbe Antigraphon,
nämlich n, denken könnte. Die
Hinzuziehung des Kodex L hilft in diesem Zusammen_
hang nicht weiter, da dort von An. heute nur noch
das III.Buch vorhanden ist und dieses stemmatisch
zudem einem anderen Überlieferungszweig angehört,
wenn man P.Siwek1 Glauben schenken kann.
Es liegt nun nahe, einen Blick auf die anderen
von Ha und L gemeinsam überlieferten Traktate zu
werfen und zu fragen, ob die für Lin. ermittelte
Verwandtschaftsbeziehung auch bei einigen von die-
sen Schriften vorliegt, so daß man daraus ziemlich
verbindlich auf den weiteren Inhalt der gemeinsamen
Quelle (n) schließen könnte. Sofern dazu Untersu-
chungen vorliegen, wird das Ergebnis in der Tat
teilweise bestätigt. Denn für die Parva naturalia
gehen laut P.Siwek2 beide Textzeugen auf ein und
dieselbe Vorlage zurück, und für Col.3 und Mech. ha-
ben meine eigenen Kollationen zu denselben Resulta-
ten geführt4• Andererseits scheint Ha für andere
her angedeutet werden soll.
1 P.Siwek, Le "De anima" d'Aristote dans les manu-
scrits grecs, Citta deI Vaticano 1965 (= Studi e
Testi 241), passim.
2 P.Siwek (vgl.oben S.93, Anm.2), S.42-46; vgl.auch
E.Mioni (vgl.oben S.93, Anm.l), S.51: "Ha artiore
propinquitatis vinculo codici L quam ceteris con-
iunctus est", der daraus jedoch den Schluß zieht,
daß L aus Ha abgeleitet sein müsse.
3 VgI.auch E.Mioni, S.64: "L totus e x Ha vel e x
eius exemplari pendet".
4 Allein aus diesem Grunde muß E.Mionis Behauptung,
S.103, Ha "in libro, qui Mechanica inscribitur,
est archetypum omnium codicum qui ad hoc tempus
innotuerunt", korrigiert werden.
-
Es ist außer-
-
165 -
Schriften auch Zugang zu einem sehr alten Manuskript
gehabt zu haben. So ist z.B . die Schrift Cael. nach
P.Morauxl aus dem antiquissimus Vind.Phil.100 (J)
geflossen; dennoch ist es interessant, daß nach E.
Mioni2 vor allem das erste Buch von zweiter Hand mit
Hilfe des Kodex L oder dessen Vorlage durchkorri-
giert worden sein soll.
Über die Datierung der bereits unter Nico-
laus V. (1447-1455) in der Vaticana befindli-
chen3 Bombycin-Handschrift L hat man sich
bislang nicht einigen können4• Während sich die
Aristoteles-Editoren früherer Jahrzehnte im großen
und ganzen für das 14.Jh . entschieden, tendiert man
in neuerer Zeit, offensichtlich unter dem Einfluß
des offiziellen Katalogs der Vaticana von G.Mercati
-
P.Franchi de' Cavalieri, immer mehr zu einer Da-
tierung ins 13.Jh . Es ist jedoch am 14.Jh . festzu-
halten. Der Kopist von L, dessen Duktus übrigens
auch dem des Manuel TzykandylesS (datierte Hand-
L
dem zu fragen, ob nicht vielleicht auch bei Spir.
dasselbe Verwandtschaftsverhältnis vorliegt, ob-
wohl Mioni, S.53, L auch hier von Ha abhängen
läßt. Die Authentizität von Ha scheint von ihm
generell überbewertet worden zu sein.
P.Moraux (vgl.oben S.39, Anm.1), S.CLXXIX; vgl.
auch E.Mioni, S.34.
2 E.Mioni, S.34.
3
Vgl. R.Devreesse (vgl.oben S.63, Anm.1), S.28.
Der leichte Zweifel Devreesses hinsichtlich der
Identität des in dem entsprechenden alten Inven-
tarium genannten Kodex mit dem Vat.253 scheint
mir unbegründet.
4
Vgl. die Rubrik 'Bibliographie' in der Beschrei-
bung der Handschrift im 'Aristoteles Graecus'.
5 Schriftproben seiner Hand z.B . bei A.Turyn (vgl.
-
166 -
schriften
von 1358 bis 1374) sehr ähnelt, ist näm-
lich mit dem ersten Schreiber
des oben behandelten
Vat.258 (N) identischl,
der aufgrund
der Wasserzei_
chen in das erste Viertel des 14.Jhs.
zu datieren
ist.
Hinsichtlich des Datums der zweikolumnigen
Ha
Pergament-Handschrift
Ha divergieren
die
Meinungen
der Gelehrten
noch viel stärker2•
Sie bewegen sich in der ungewöhnlich
großen Spanne
von fünf Jahrhunderten:
Der erste gedruckte Katalog
der Marciana gibt das 11.Jh. an3,
und diese Datie-
rung wurde von A.Jannone,
da er den Kodex in der re-
censio sehr hoch einschätzt, gern wiederaufgegrif_
fen4•
Eine diametral
entgegengesetzte
Ansicht ver-
tritt A.Förster;
nach ihm stammt das Manuskript aus
dem 14. oder 15.Jh .S •
Zwischen diesen extremen
Stand-
punkten liegen, um nur einige herauszugreifen,
die
Zeitansätze
E.Mionis (12.Jh .Ende),
K.Hornas
(13.Jh .
Mitte) und Wilamowitz'
(etwa 14.Jh .)6.
oben S.110, Anm.3), Tab.140 und 142; dort S.162
allch die weitere Literatur
zu TzykandYles.
VgI.unten
Tafeln 10 und 11.
2 Zu den einzelnen
DatierungsVersuchen
vgl. die Ru-
brik 'Bibliographie'
in der Beschreibung
der Hand-
schrift im 'Aristoteles Graecus'.
Einen knappen
Überblick über die verschiedenen
Standpunkte geben
auch P.Siwek (vgl.oben S.93, Anm.2), S.30/31,
und
A.Jannone
(vgl.oben S.163, Anm.2), S.XXXII .
3 A.M .Zanetti, Graeca d.Marci Bibliotheca
codicum
manuscriptorum
per titulos digesta
...
,
Venezia
1740, S.115: "saeculo circiter XI".
4 A.Jannone
(vgl.oben
S.163, Anm.2), S.XXXII.
5 A.Förster,
Aristotelis De anima libri tres, Buda-
pest 1912, S.XV.
6 E.Mioni (vgl.oben
S.93, Anm.l), S.102; K.Horna,
-
167 -
Bei dem Versuch einer Datierung von Ha muß not-
wendigerweise die ganze Handschrift einer Betrach-
tung unterzogen
werden.
Entgegen dem Urteil E.Mio-
nis und A.Jannonesl
scheint sie nicht von einem ein-
zigen, sondern von zwei Kopisten geschrieben
zu
sein: A ff.1 -142, B2 ff.142v-238v.
Denn die eklatan-
Schriftstil der beiden Teile dies-
Seitenumlaufs 142r/142v las-
sen sich nur schwer als die innerhalb der Varia-
tionsbreite einer einzigen Hand mögliche Verschie-
denartigkeit interpretieren,
wenngleich auch insge-
Verwandtschaft
im Duktus nicht zu
Kopisten müssen trotz der Tat-
sache, daß der Duktus des zweiten Schreibers zugege-
benermaßen
archaischer
wirkt als der des ersten,
Zeitgenossen
gewesen sein, da der zweite Kopist
oben auf dem Verso dort fortfährt,
wo der erste un-
aufgehört hat. Das bedeutet wie-
Datierung den auf-
schlußreicheren
Duktus des ersten Kopisten zugrunde
legen müssen.
Damit scheidet unweigerlich der frühe
Zeitansatz ins 11.
oder 12.Jh. von vornherein aus3.
ten Gegensätze
im
seits und jenseits des
samt eine gewisse
verkennen ist. Beide
ten auf dem Recto
derum, daß wir zum Zwecke der
Beiträge
zur Überlieferung
der aristotelischen
Rhetorik, in: Wiener Studien 51, 1933, S.31-56,
dort S.32; Wilamowitz'
Datierung nach einer Unter-
suchung in si tu ist wiedergegeben
bei F.Susemihl,
Die Bekkerschen
Handschriften
der Nikomachischen
Ethik, in: Jahrbücher
für classische Philologie
(Fleckeisen), 24.Jahrgang, 1878 (= Neue Jahrbü-
cher für Philologie und Paedagogik 117), S.625
bis 632, dort S.625.
E.Mioni, S.130; A.Jannone,
S.XXXII, Anm.4 .
2
VgI.unten
Tafel 19.
3 In keinem einzigen
Beispiel der von K.und S.Lake,
Dated Greek Minuscule Manuscripts to the Year
-
168 -
Ein jüngeres Alter verraten
denn auch sehr deutlich
beide Kopisten
dort, wo sie vorübergehend
flüchtig
.
vb
vb
schrel.ben: A z.B . f .137
,
B z.B . f.142
•
Anderer_
seits weist die in Ha vorliegende
Minuskel
noch kei-
neswegs die allbekannten
typischen
Schriftmerkmale
des 15.Jhs. auf. Es bleiben
also das 13. und 14.Jh .,
und man wird wohl kaum fehlgehen,
wenn man Ha ir-
gendwann
zwischen etwa 1270 und 1370 ansetzt. Als
paläographisch
annähernd
mit A vergleichbare
Hand-
schriften,
die eine Datierungssubskription
tragen,
können z.B . Par.1186 (a.1306) und Reg.181 (a.1364)
angesehen
werdenl.
Über die Provenienz
von Ha vor der Eingliederung
in die Bibliothek des Kardinals Bessarion
(im Vor-
satz befindet sich sein übliches Exlibris) ist bis-
lang nichts bekannt geworden.
Zur Erhellung
kann je-
doch die stemmatische
Abhängigkeit J -+ Ha im Falle
von Cael. ein weSentliches Faktum liefern. Denn der
1200, 10 Bde., Boston 1934-193~ veröffentlichten
Faksimiles aus Manuskripten dieser Jahrhunderte
läßt sich auch nur die geringste Ähnlichkeit mit
Ha beobachten.
-
Der Verdacht drängt sich auf, daß
die bei profanem Inhalt nur ganz selten belegte
und oft auf hohes Alter weisende Zweispaltigkeit
in unserem KOdex zu der Frühdatierung mit beige-
tragen hat.
-
Mir sind außerdem sechs weitere
Aristoteles-Handschriften mit zwei Kolumnen pro
Seite bekannt. Von ihnen ist Patm.413 wegen der
parallelen lateinischen Übersetzung so angelegt;
Brix.A IV 3 (a.1449), Oxon.40036 (Byw.4) (a.1418/
19), Dubl.C .l .10 und der Exzerpt-Kodex Leid.Periz.
F 6 stammen aus dem 15.Jh .; lediglich Marc.IV .53
(zweikolumnig allerdings nur bis f.32v) hat ein
hohes Alter.
Vgl. die Faksimiles bei H.Omont, Fac-similes des
manuscrits grecs dates de la Bibliotheque Natio-
nale du IXe au XIve siecle, Paris 1891, pl. LXXVI,
und A.Turyn (vgl.oben S.110, Anm.3), Tab.138.
-
169 -
laut Iri goin 1 im 9.Jh . in Konstantinopel entstande-
ne Vindobonensis wurde erst von Augerius von Busbeck,
dem Botschafter Ferdinands II. am Hof von Soliman II.
Jahren 1555-1562, in Konstantinopel erworben
gebracht2•
in den
und im Jahre 1562 nach Wien
Ha scheint sich schon im Jahre 1432
befunden zu haben. Denn von ebendiesem Kodex ist
wohl in zwei Briefen des Ambrogio Traversari (1386
bis 1439) an Niccolo Niccoli (um 1364-1437) die Re-
de. Aus ihnen sei hier ausführlicher zitiert: "Ex
Urbe.III .Martii 1432. Petrus ille Calaber volumen
habet Aristotelis, quod modo est apud me, continens
libros LV. sed isti inter eos praecipui: Cleomedis
Meteora libri IV, in quibus plerumque Aristotelem
carpit, et Metaphysicorum libri XII. cetera communia
sunt. conabor in hac parte Caroli nostri voluntati
satisfacere, tentaboque, an illud vendere forte ad-
quiescat. volumen ce~te gratum est in membranis et
optimis literis, licet minutis,,3. -
"1432 Romae V
Kalendas Maii •••.
Nescio quo pacto ereptum est mihi,
ne proxime rescriberem de Aristotelico illo volumine,
quod hactenus est penes met de quo et Carolus noster,
antequam proficiscerer a vobis, verba mihi fecerat
in Italien
~ . Irigoin, L'Aristote de Vienne, in: Jahrbuch der
Osterreichischen Byzantinischen Gesellschaft 6,
1957, S.5 -10, dort S.8 -9 .
2 Vgl. außer J.Irigoin, a.a .O ., auch A.Gercke, Aris-
toteleum, in: Wiener Studien 14, 1892, S.146-148,
und H,Hunger, Katalog der griechischen Handschrif-
ten der Österreichischen Nationalbibliothek, I,
Wien 1961, S.209.
3 Ambrosii Traversarii Camaldulensis Latinae episto-
lae a P.Canneto in libros XXV tributae ••• (edente
L.Mehus), Firenze 1759, Ep.VIII, 42, Sp.407/8.
-
170 -
et tu ardentissime
plane iam secundo
scripsisti.
rem
factu difficillimam
fore existimo:
quia vir ille sa-
ne eruditus
multi illum aestimat, tantique ut nihil
fere magis. est tamen mihi magna cum illo familiari_
tas: neque desistam tentare omnia, ut amicissimi
nostri votis fiat satis. quod si emere illum non da-
bitur; mecum tamen feram acceptum
mutuo, ut trans-
scribi apud nos possit '"
nam plurimum
ille dili-
git me: facileque adducetur, ut librum permittat fi-
dei meae"l.
Daß die hier erwähnte Handschrift des Petrus Ca-
laber (Pietro Vitali2) mit dem Marc.214 (Ha) iden-
tisch ist, darf außer Zweifel stehen. Denn erstens
existieren m.w . abgesehen Von dem jüngeren MarC.200
(Q) nur zwei KOdizes mit einer ungefähr entsprechen-
den Anzahl (55) einzelner Bücher: der berühmte Par.
1853 (E) und Ha. Zweitens enthält unter den Aristo-
teles-Handschriften nur Ha (ff.151-170v) auch des
Kleomedes Schrift De motu circulari corporum cae-
lestium, und diese ist dort tatsächlich in vier und
nicht, wie sonst üblich, in zwei Bücher eingeteilt.
Drittens kommen wir in der Tat auf genau 55 Bücher
in Ha, wenn wir die Zählung des teilweise erhalte-
nen griechischen Pinax aus der ersten Hälfte des
15.Jhs. zugrunde legen und fortführen. Dieser ver-
zeichnet sorgfältig Schrift für Schrift und Buch
Ep.VIII,44, Sp.410.
2 Über ihn vgl. R .Sabbadini (vgl.oben S.63, Anm.2),
S.56 und Appendice c (S.70); M.E .Cosenza, Biogra-
phical and Bibliographical Dictionary of the Ita-
lian Humanists and of the World of Classical
Scholarship in Italy 1300-1800, 6 Bände, Boston
21962, 1967, dort IV, S.3701 und V, Karte 1902.
-
171 -
für Buch mit Titel und Incipit und zählt die einzel-
nen Bücher fortlaufend durch. Auf diese Weise ist
mit einschließlich Div.Somn. das Fußende des Versos
des zur Aufnahme des Index vorgehefteten Blattes und
die Zahl 44 (μö) erreicht, wobei ein Buch für den
von Rhet. nur überlieferten Anfang des I.Buches
ebenso wie für Mem., Somn. und Div.Somn. zusammen
gerechnet worden istl• Ein zweites Indexblatt, auf
dem die Bücher 45-55 aufgezählt gewesen sein werden,
ist (wahrscheinlich beim Neubinden des Kodex in der
Marciana) verlorengegangen. Jene 11 noch fehlenden
Einzelbücher finden sich denn auch im Kodex Ha im
Anschluß an Div.Somn. auf ff.184-238v, und zwar Mot.
An. (1), Long. (1), Juv.Respir. (1, da ohne Zwi-
schentitel ineinander übergehend), Col. (1), Lin.
(1), Mech. (1), Spir. (1) und Cael. (4). Nur das
Vorhandensein dieses Pinax mit fortlaufender Buch-
zählung erklärt auch die an sich recht ungewöhnli-
che Angabe der Gesamtbücherzahl in dem oben zitier-
ten Brief. Das Datum dieses Briefes (1432) ist da-
her der terminus ante quem für die Aufstellung des
Pipax, der durchaus von der Hand des Vorbesitzers
Pietro Vitali stammen könnTe. Pietro Vitali hatte
sich vor 1432 zum Studium in Konstantinopel aufge-
halten2, und man wird annehmen dürfen, daß er selbst
es war, der unseren Kodex dort erwarb und in den
Westen mitbrachte.
Die Metaphysik um faßt - mit Trennung von A und Cl
EAClTtov - die traditionellen 14 Bücher. Somit muß
bei der Angabe "libri XII" im oben zitierten er-
sten Brief des Traversari irgendein Lapsus vor-
liegen.
2
Vgl. R .Sabbadini (vgl.oben S.63, Anm.2), S.56.
-
172 -
Wie und wann genau die Weitergabe des KOdex, an
dem Pietro Vitali, wie aus dem zweiten
Brief zu ent-
nehmen ist, so sehr hing, an Kardinal Bessarion er-
fOlgte, ist kaum noch in allen Einzelheiten
zu re-
konstruieren.
Doch haben diese beiden Männer wohl
seit dem Konzil Von Ferrara-Florenz
(1438-39) in en-
gen Beziehungen
zueinander
gestanden.
Pietro Vitali
war 30 Jahre lang (1432-1462) Abt von Grottaferrata
und Bessarion
spätestens
seit 1446 Protektor
der
dortigen Basilianermönchei.
Und als Vitali 1463 als
Archimandrit des Klosters
S.Salvatore
nach Messina
beordert
wurde, löste er Bessarion
ab, der diese
Stellung seit 1456 innegehabt hatte.
Ha wird übrigens
nicht in dem Verzeichnis der
Schenkungsurkunde
vom Monat Mai des Jahres 1468, mit
der Bessarion
seine Bibliothek
offiziell der Stadt
Venedig vermachte2,
aUfgeführt. Die Handschrift ist
deshalb entweder noch bis April 1469, dem Datum des
Transports der Bücher von Rom nach Venedig, in das
munus aufgenommen
worden3
oder aber erst nach dem
TOde des Kardinals (1472) in VOllstreckung
seines
Testaments in die Lagunenstadt gelangt. Es ist auch
sonst bekannt, daß Bessarion
nach 1468 SOwohl Hand-
Vgl. L .Mohler,
Kardinal Bessarion
als Theologe,
Humanist und Staatsmann.
Funde und Forschungen,I:
Darstellung, Paderborn
1923, S.254.
2 Sie ist öfters publiziert
worden (vgl. E .Mioni, S.
103, Anm.1, und M.Sicherl, S.96, Anm.3),
zuletzt
bei T.Gasparrini Leporace
_
E.Mioni (vgl.oben
S.
71, Anm.l), S.99-148.
3 Im Frachtbrief
zu den Bücherkisten
bei ihrer Ver-
sendung (vgl. Migne PG 161, 702-712) tau~ht sie
jedoch auch nicht auf.
-
173 -
schriften
zurückbehalten
als auch weiter gesammelt
hat1•
Die Deszendenz von Ha
Während L im Hinblick auf die erhaltenen Lin. -
Handschriften steril war, hat Ha die größte Nachkom-
menschaft. Von den 27 existierenden Manuskripten
gehen allein 7 auf diesen Kodex zurück und scheiden
damit als Variantenträger für die Textkritik selbst-
verständlich aus. Direkt von Ha stammt jedoch nur
ein einziger Kodex ab, der Marc.212 (Ga)L; die 6 an-
deren Handschriften sind nur durch seine Vermittlung
auf Ha zurückzuführen.
Vgl. M .Sicherl, S.102.
-
Eine bibliotheksgeschicht-
liche Arbeit über die Handschriften Bessarions,
in wel~her unter Auswertung der in den Exlibris
erwähnten (je nach der Zeit der Eintragung ver-
schiedenen) Titel des Kardinals, der tono!>-Signatu-
ren seiner Hand, der Schenkungsurkunde, des
Frachtbriefes und anderer Gegebenheiten eine an-
nähernde Chronologie der Entstehung und der Wei-
tergabe der Bibliothek des Humanistenkardinals ge-
lingen müßte, ist ein großes Desideratum, dessen
Verwirklichung wir von L.Labowsky erwarten dürfen.
Eine solche Untersuchung dürfte auch für die For-
schungen zur Überlieferungsgeschichte manches
griechischen Autors von beträchtlichem Nutzen
sein.
2 Dahingehend muß also das vorsichtige Urteil E.Mi-
onis präzisiert werden, der S.76 folgendes aus-
führt: "Si concedas scribas ipsos, qui satis dcc-
ti videntur, quandam rationem criticam adhibuisse,
Ga Ha e codice manare, qui locum medium inter Ha
p (= Vat.1339) fortasse habet, .. , satis adparet".
-
174 -
Der wie auch Ha aus der Bibliothek des Kardinals
Bessarion stammende Marc.212 (Ga) bildet, was die
stemmatische Herkunft der in ihm enthaltenen Schrif-
ten und die kodikologische Seite betrifft, kein ho-
mogenes Ganzes. Für die einzelnen Traktate sind zu-
meist verschiedene Vorlagen herangezogen worden:
eine für EN, eine andere für die naturwissenschaft_
lichen Traktate Cael., Gener.Corr. und vielleicht
auch Mete.I , eine weitere für Hist.An.I _IX, nämlich
der Marc.2082, und schließlich noch
Anzahl - unter ihnen auf jeden Fall
für den Rest der Schriften. Dem Wechsel der Vorla-
gen entspricht die jeweilige mit a neu einsetzende
separate Lagenzählung4.
eine unbekannte
der Vat.2613 _
Abgesehen Von diesen
chen Unterschieden der
chronOlogische
überlieferungsgeschichtli_
Herkunft besteht auch eine
Diskrepanz in der Fertigstellung der
Für EN hat E.Mioni keine Vorlage namhaft machen
können; für Cael. und Gener.Corr. stellte er enge
Verwandtschaft zu Ha fest (S"34,35) _ für erste-
ren Traktat gelangte P.Moraux (vgl.oben S.39,
Anm.1) zu demselben Ergebnis (S.CLXXIX) _ , wäh-
rend für Mete. laut Mioni (S.38/9) enge Beziehun-
gen zum Vat.l027 und manchmal auch zum Marc.211
bestehen.
2 E.Mioni, 8.54; meine KOllationen haben ebenfalls
den Marc.208 post correcturam als Antigraphon er-
mittelt.
3
Nach E.Mioni (S.59,60,61) für Mot.An., Inc.An.
und Gener.An.
4 Zu den Details vgl. die Beschreibung des Kodex im
'Aristoteles Graecus'. Zum generellen Zusammen_
hang zwischen Lagenzählung und Vorlage vgl.oben
S.28-31.
-
175 -
einzelnen Traktate innerhalb von Ga. Während die
Masse der Schriften etwa um 1430I aus der Feder von
zwei vermutlich zeitgenössischen Kopisten desselben
Ateliers geflossen ist2, stammen das X.Buch von
Hist.An. (ff.338v-341v), die ursprüngliche ausgelas-
sene und dann hinzugefügte Partie 565b20-567b26 der-
.
v
v
v
v
selben Schr~ft (ff.341 -342 ), An. (ff.412 ,413
bis 424) und Lin. (ff.498-499v) von einer dritten,
jüngeren Hand. Als nachträgliche Einschübe erweisen
sich diese Teile der Handschrift durch die Lagenver-
hältnisse (ff.340-343 sind in einen schon bestehen-
den Quaternio eingefügt worden), durch die Wasser-
zeichen3, die etwa um 1440 und damit später als die
Filigrane des ursprünglichen Teils des Kodex bezeugt
sind, und durch marginale Bemerkungen Bessarions am
Ende des IX.Buches von Hist.An.(f.338)4. Hier teilt
Bessarion zunächst mit, daß ihm das X.Buch des Trak-
tats im griechischen Original bisher nicht begegnet
Nach dem Duktus und den ca.20 verschiedenen Was-
serzeichen zu urteilen, die zum Teil im Vat.905
und im Berol.Phill.1582 (zu ihnen vgl.unten S.266)
ähnlich wiederkehren; zu den Einzelheiten hier wie
im folgenden verweise ich auf die Beschreibung des
Kodex im 'Aristoteles Graecus'.
2 Kopisten: A ff.1-262,346-406v; B ff.265-338 (außer
ff.296 unten-297 oben), 407-412 oben, 425-497v (B
ist identisch mit dem Schreiber des gleichformati-
gen Marc.529, ff.49-124V); die von E.Mioni, S.128
vorgenommene Verteilung auf 3 Hände muß entspre-
chend korrigiert werden.
3 ff.340-343: Blume, sehr ähnlich Briquet 6306 Ca.
1438, mit Varianten 1438-1454); f.415: Dreiberg,
Briquet ohne Beleg, ähnlich Par.1919 (a.1442);
ff.416-424,498: Glocke, ähnlich Briquet 3984 (a.
1435, mit Varianten 1436-1444).
4 Sie sind bei Bekker, S.633 im Apparat und bei E.
Mioni, S.54, herausgeschrieben.
-
176 -
sei, um später jedoch hinzuzufügen:
aAAa vuv f:.VEtU-
XOμEV
aUt~ )(Cl~ EV t~ EAAnVL)(~ KavTaü~Cl f:.VEYPQ~aμEv
und die Abschrift dieses Buches auf ff.338v_341v
durch den dritten
Schreiber
zu veranlassen.
Daß die-
se Supplemente im Auftrag Bessarions
eingefügt wur-
den, wird auch dadurch eVident, daß zwei kürzere
Stücke am Anfang Von An.
selbstl geschrieben
unten-413)2.
anscheinend
vom Kardinal
sind (ff.412 oben-412voben;
412v
Von diesen Ergänzungen
sind das X.Buch der Tier-
geschichte
aus dem Vat.262 (Mioni, S.54), An.
_
hier
bestätigen
meine BeObaChtungen
diejenigen
Mionis (S.
43) - und die uns interessierende
Schrift über die
Atomlinien,
wie bereits erWähnt,
aus Ha kopiert wor-
den. Da sich Ha spätestens
seit 1432 in Italien be-
fand, wie oben S.169-173
dargelegt
worden ist, und
andererseits die Supplemente Von Ga kaum vor diesem
Zeitpunkt datieren,
müssen letztere
demnach in Ita-
lien geschrieben
worden sein. Berücksichtigt
man,
daß der Initiator
jener Einschübe,
Kardinal Bessa-
rion, erstmalig 1438, anläßlich des Konzils
von Fer-
rara-Florenz,
italieniSChen
Boden betrat und daß
auf der anderen Seite einer
im Falle
Marc.200
a
der Abkömmlinge
von G
von Lln. und weiteren
Traktaten,
nämlich
(Q), im Jahre 1457 fertiggestellt
wurde,
Der Duktus des Bessarion
ist allerdings
nicht im-
mer leicht Von dem seines librarius Theodoros
(im
Sinait.2124, für Bessarion
angefertigt)
zu unter-
scheiden.
-
Der dritte Kopist in Ga Sowie Bessa-
rion wechseln
sich auch im Marc.261 auf engstem
Raum ~ehrmals
ab.
2 Des weiteren
stammen
von ihm ff.296 unten _ 297
oben.
-
177 -
so gewinnt man damit die extremen Daten, innerhalb
derer der dritte Kopist gearbeitet haben muß. Wei-
ter eingrenzend
werden wir aufgrund der Wasserzei-
chen aus dieser Zeitspanne
(1438-1457) eher die er-
sten Jahre ansetzen
dürfen, also vermutlich die
Zeit, in welcher sich Bessarion bei der Kurie in Flo-
renz aufhielt (1438-1443). Es ist schon darauf hin-
gewiesen worden,
daß sich Bessarion und Pietro Vita-
li, der Vorbesitzer
von Ha, wahrscheinlich
auf dem
Konzil kennengelernt
haben. Genauso wie der kalabri-
sche Theologe
seinen wertvollen
Kodex Ha einige Jah-
re zuvor an den Camaldulenser-General
Ambrogio Tra-
versari ausgeliehen
hatte, so mag er ihu auch jetzt
Bessarion
für Kopien zur Verfügung gestellt haben.
Es ist nicht einmal ausgeschlossen,
daß sich der Be-
sitzerwechsel
schon zu dieser Zeit vollzog.
a
.
..
In der Textgestalt
von G
muß man zwe~ Vber-
lieferungsstadien
scharf voneinander trennen:
erstens
die "jungfräuliche Abschrift" aus Ha,
in der sich alle Eigentümlichkeiten
der Vor-
lage wiederfinden,
in die aber auch zahlreiche eige-
ne Fehler Eingang gefunden habenl, und zweitens den
durch die öL6p~wo~!> des Bessarion2 geschaffenen
Text,
I:G
in dem nicht nur viele Versehen des Kopisten besei-
tigt, sondern auch mehrere aus der Vorlage ererbte
Fehler korrigiert
worden sind.
Fast keine Abschrift ohne Auslassungen,
um nur
Von diesen sind einige wenige anscheinend
vom Ko-
pisten selbst nach Rasur verbessert
worden.
2
Daß es Bessarion,
der Eigentümer
des Kodex, war,
der den Text überarbeitete,
steht aufgrund des
Duktus außer Frage; vgl. auch E.Mioni, S.128.
-
176 -
diese zu nennen,
-
so auch Ga, und zwar in besonde_
rem Maße. Während Ib27 nur ein Wort (o~v) fehlt,
finden sich an gleich 4 Stellen Musterbeispiele für
das Überspringen
von längeren
Textteilen aufgrund
von Homoioteleuton.
In allen Fällen stehen nämlich
in der Vorlage Ha die betreffenden gleichlautenden
Wörter, von denen eines samt dem dazwischen liegen-
den Text weggefallen
ist, im Abstand von einer oder
gar zwei Zeilen exakt untereinander:
6a4/5 )(a~
om.
TO - oACyov,
om.
Ob14/15 EV μ~v
_
..
I
EOTaL , om.
OTOLXEra.
(ltOμo!> - YPCljJμrj, om. 2all Owμatwv
1 a5/6
Die direkte Abhängigkeit unserer Handschrift von
Ha läßt sich sogar bis in paläographische Einzelhei-
Len hinein verfolgen.
Die getreu aus Ha übernommenen
Kompendien
und SUspensionen
machen deutlich,
wie
weit die rein mechanische Nachahmung gehen kann. Es
ist freilich zu berücksichtigen,
daß die Frage, ob
und in welchen Fällen dabei die Unfähigkeit,
diese
zum Teil mehrdeutigen
Abkürzungen
richtig aufzulösen,
oder die Absicht, die authentische
Schreibung des An-
tigraphons
zu übermitteln,
eine Rolle gespielt ha-
ben, schwer zu entscheiden
ist. Auf jede positive
a
oder auch nur bewußte Abänderung des Textes von H
hat der Schreiber
Von Ga verzichtet.
Dafür, daß er
"satis doctus"2 gewesen wäre, gibt es in unserem Text
kein Anzeichen.
Der ursprüngliche
Text von Lin. hat in Ga durch
die Überarbeitung des Bessarion,
wie oben angedeu-
tet, an mehreren
Stellen ein neues Aussehen
erhal-
Ha bietet Ob15 eOTaL, nicht EOTLV.
2 Wie E.Mioni meint (vgl.oben
S.173, Anm.2).
-
179 -
ten. Die Konjekturen,
die der Kardinal suo Marte
vornahm, können naturgemäß
nicht mehr gegen die aus
anderen Textzeugen
hergeleiteten
Verbesserungen
ab-
gegrenzt werden.
Mit beiden Quellen muß man jedoch
rechnen. Denn einem Gelehrten wie Bessarion, den
darüber hinaus die Schrift über die Atomlinien sehr
interessierte,
was die unten näher analysierten
autographen
Marginalien
und Randeinteilungen
zum In-
bereitete es keine Schwie-
und
halt der Schrift beweisen,
rigkeit, von sich aus Itazismen,
orthographische
grammatische
sowie bestimmte inhaltliche Anstöße zu
beseitigen.
Während durch die meisten Korrekturen
die Lesun-
gen der Vulgata hergestellt
worden sind, gelang ihm
zweimal eine Konjektur
gegen die Vulgata, die sich
seitdem in der handschriftlichen
Überlieferung durch-
gesetzt und auch in den Text aller Druckausgaben,
einschließlich
der modernen kritischen Editionen,
Eingang gefunden
hat: 8a7 avayxn tO E!VClL aμEPE!> μe-
YE~O!> -+ avayxn tL E!VClL aμEP€!> μEYE~O!> und 8b21 Clt
ltPWtClL -+ n ltpiiiTClLl
Bessarion
hat gleichwohl
auch einen fremden Text-
nach den aus ihm geschöpften
Lesarten
nicht zur hier behandelten
Familie y
gehört, zu Rate gezogen und mit dessen Hilfe einige
zeugen, der
zu urteilen
Die Autopsie hat erbracht, daß auch an der Endung
von ltpiiiTaL radiert und zu korrigieren
versucht wor-
den ist. Nur lese ich nach wie vor ltpiiitClL, wie
übrigens
auch die Abkömmlinge
von Ga; allenfalls
käme auch ltpiiitCl in Frage. Das ltpiiitov aller unserer
Ausgaben seit der Editio princeps, das sich zeit-
lich vor Ga schon in i,l und V (allerdings überall
nach Korrektur
aus npiiiTaL) findet, kann es jeden-
falls nicht sein. Das n bezeugt erstmalig Ga.
-
180 _
weitere individuelle
oder ererbte
Ga ausgemerzt, Z.B. Ob29 ÖLOLOEL:
2a14 Cjla\lEPW~DVClL:
Verderbnisse Von
n -+ TL Ö~OLOE~,
Y ~ aCjlaLPE~DVaL: a B. Auch Von den
bei der Abschrift aus Ha entstandenen lacunae ex ho-
moeoteleuto hat er drei am Rand ergänzt (8a4/5,
1a5/6, 2all). Hingegen
ist ihm die Auslassung von
o~v (lb27) und der homoioteleutisch bedingte Text-
verlust Ob14/15 beim Vergleich
mit dem hinzugezoge_
nen KOdex nicht aufgefallen.
Da auch Lesarten,
die für die ganze Familie y
charakteristisch
sind, korrigiert wurden,
kommt the-
oretisch nur eine Handschrift der Familie Cl oder ß
(also i, 1 oder N, V) oder Von den contaminati _ bei
zUsätzlicher
Beachtung der Chronologie
_
nur der
Vat.905 als KOllationsexemplar in Frage, wenn man
nicht noch mit einem verlorenen
Manuskript rechnen
will. Die Handschriften
der Familie a scheiden
je-
doch als Korrektivexemplar aus, denn aus ihnen hätte
die Lücke 2all nicht ergänzt
werden können,
daini
das betreffende Textstück
mutile und in I überhaupt
nicht vorhanden
ist. Jener Von Bessarion
benutzte
zweite Textzeuge kann sehr wohl der Vat.258 (N) ge-
wesen sein, wie schon Mioni vermutetel.
Dieser war
dem Kardinal sehr wohl bekannt, da Johannes
Rhosos
aus ebendem KOdex in seinem Auftrag für den Sammel-
band Marc.200 (Q) Mete. abschrieb2
Sämtliche Spuren der Überarbeitung Bessarions
finden sich in allen Abkömmlingen
von Ga ebenso wie-
E.Mioni, S.76: "Ga, POstquam
Bessarion
eius exemplari
ipsum correxit,
"
2 VgI.unten
S.189.
exNvel
-
181 -
der wie die nunmehr als spezifische Leitfehler auf-
tretenden
Auslassungen
von Ib27 und Ob14/15, die
Bessarion
übersehen
hatte. Terminus ante quem für
die Beschäftigung Bessarions
mit Lin. in Ga ist dem-
nach das Jahr 1457, aus welchem Q, das vermutlich
älteste der erhaltenen
Apographa,
datiert.
Bessarion
hat sich in Ga aber nicht nur textkri-
tisch als Korrektor
betätigt. Er hat unsere Schrift
über die Atomlinien
auch inhaltlich gründlich stu-
diert. An den Rändern ist nämlich von seiner Hand
eine sorgfältige Gliederung der Schrift vorgenommen,
die zeigt, daß der Kardinal den Aufbau des Traktats
richtig erkannt hat: Die 5 Thesen der Vertreter der
Atomlinientheorie
(8al-b21) sind am Rand mit Cl (zu
8a2 sqq.), B (zu 8a9 sqq.), y (zu 8a14 sqq.), Ö (zu
8a18 sqq.) und E (zu 8b4 sqq.) hervorgehoben; die Wi-
derlegung dieser Argumente durch den Verfasser der
Schrift (8b21-9b28) ist zu 8b21 mit der marginalen
Bemerkung E\lTEO~EV Clt AU(OEL~) eingeleitetl,
worauf
die Angaben npo!> tO Cl (zu 8b21), ltpo!> TO ß (zu 9a17),
ltpo!> TO y (zu 9a21), ltpo!> tO Ö (zu 9a26) und ltpO~
tO E (zu 9b6) folgen. Alle weiteren Gegenargumente
der Widerlegung (9b28-2b33) sind dann nach dem pro-
grammatischen
Hinweis ÖTL oux aVCl(Y)(ClrOV) at6μou!>
EtVClL YPClμμa!> (vgl.9b27/28) von Bessarion mit 1-30
(Cl-A) durchnummeriert
worden.
Das mathematisch-naturwissenschaftliche
Interesse
des Humanistenkardinals ist auch sonst gut bezeugt.
Schon in seiner Jugend widmete er sich in Konstanti-
Bis hierher findet sich dieselbe Einteilung
auch
im Vat.258 (N), was ebenfalls für die Benutzung
dieses Kodex als Korrektivexemplar
spricht.
-
182 -
nopel dem Studium der Mathematikl.
Authentische Be-
lege für diese Neigung stellen
auch die eigenhändi_
gen Marginalien
in seinen Handschriften
von Euklids
Optik, Marc.304,
und von ArChimedes,
Marc.305, dar.
Noch in hohem Alter (1470) erörterte
er die Frage
des astronomisch
richtig berechneten
Osterfestes2.
a3
.
Der Kodex G
war, so darf man fOlgern,
das prl-
vate Hand- und Arbeitsexemplar
Bessarions
für eine
Reihe von aristotelischen
Schriften.
Seine Lemmata,
Scholien und Korrekturen
begleiten
auch die übrigen
v
Traktate,
Mete. ausgenommen.
Zu EN (ff.1 -94 ) hat
Bessarion
sogar die Paraphrase
des Georgios Pachyme-
res auf den Freirändern
hinzugefügt (ff.1-44). Da
die oben erwähnten
auf seinen Wunsch hin vorgenomme-
nen Erweiterungen
der Handschrift,
zu denen auch Lin.
gehört, aus den allerersten
Jahren seines Aufent-
halts in Italien datieren,
war Ga ohne Zweifel einer
der ersten Bände seiner später so großen Bibliothek.
Man könnte sogar vermuten,
daß die Handschrift in
ihrem urSprünglichen
Umfang bereits
vor dem Floren-
tinum in Bessarions
Besitz war und von ihm selbst
in den Westen mitgebracht
wurde. Möglicherweise
war
sie auch in seinem Auftrag geschrieben
worden; die
Entstehungszeit
des Hauptteils der Handschrift (um
1430) und die Tatsache,
daß der Kardinal
noch einen
Vgl. L.Mohler
(vgl.oben
S.172, Anm.l), Kap.V: Bes-
sarion als Humanist, S.325 sqq.,
dort S.334.
2 Vgl. L .Mohler,
S.300,334.
3 Er befindet
sich übrigens
unter den in der Schen-
kungsurkunde
an die Republik Venedig aUfgeführten
ManUSkripten
(vgl. hierzu oben S.172 mit Anm.2)
und trägt dort die Nr.383 .
-
183 -
weiteren Kodex genau gleichen Formats besaß (Marc.
dem der zweite Kopist von Ga mitgearbeitet
529), an
hatl,
würden gut dazu passen.
Marc.200 (Q)
Wir wollen in der Bibliothek Bessarions bleiben
und von den Kodizes,
die sämtlich dieselbe aus Ga
ererbte Lücke Ob14/15 aufweisen,
als ersten den
Marc.200 (Q) betrachten.
Dieser mächtige Foliant, den einer der bekannte-
sten und vielbeschäftigtsten
Kalligraphen
des 15.Jhs.,
Johannes
Rhosos2,
anno 1457 in Rom im Auftrage und
auf Kosten des Kardinals Bessarion geschrieben hat,
enthält bis auf das Organon sämtliche auf uns gekom-
menen Schriften
des Corpus Aristotelicum3
-
ein in
der Überlieferungsgeschichte
des Aristoteles einma-
liger Fall. Es war dabei zweifellos Bessarions Ab-
sicht, eine einbändige
nahezu vollständige Gesamt-
ausgabe des aristotelischen
Corpus sein eigen nennen
zu können.
Nicht zuletzt befriedigten
die elegante
Kalligraphie und die dekorative
Ausstattung dieses
Pergament-Kodex
die bibliophilen
Ansprüche des Kar-
dinals4•
Es ist eine sehr plausible Vermutung von
VgI.oben
S.175, Anm.2 .
2-
Uber die Rolle dieses professionellen
Schreibers
bei der handschriftlichen
Verbreitung des Corpus
Aristotelicum
vgl. oben 5.67.
3
Dazu die fast immer zusammen mit Vent. überliefer-
te pseudo-theophrastische
Schrift Sign.
4
Im Schenkungs verzeichnis der Bibliothek Bessarions
wird die Handschrift unter Nr.359 wie folgt be-
-
184 _
Lotte Labowskyl, daß dieser Aristoteles_Kodex
und
der ebenfalls Von Rhosos' Hand stammende Marc.184
mit Platons VOllständigen
SChriften
Von Bessarion
als "companion pieces"
geplant
ben worden sind. Labowsky
Traktate im Marc.200
und in Auftrag gege-
hat auch der Anordnung der
durch Bessarion
einige interes-
sante Zeilen gewidmet; die Annahme
eines Einflusses
der Schriftenfolge
des Marc. auf die Aldina vermag
allerdings
nicht zu überzeugen2
Der Marc. 200 (Q) ist, was Lin. betrifft, ein
direkter
Abkömmling des Marc.212 (Ga) in
seiner durch Bessarions Überarbeitung
gege-
rQ
benen Form.
Die meisten Spezifischen
Merkmale
von Ga tauchen
getreu wieder auf. Abgesehen
von der besprochenen
schrieben:
"liber novus et PUlcherrimus
in perga-
meno, continens
omnia opera Aristotelis,
praeter
logicam eius" (vgl.oben
S.172, Anm.2),
und im Ko-
dex selbst steht im eigenhändigen
EXlibris des Kar-
dinals die Bemerkung: ßLßALOV äPlOtOV.
L.Labowsky, Aristoteles De Plantis and Bessarion.
Bessarion Studies II, in: Mediaeval
and Renaissance
Studies 5, 1961, S.132 -154, dort S.148-151.
2 Auch die Erklärung für das Weglassen
der logischen
SChriften
ist meiner Meinung nach vielleicht
etwas
zu kompliziert
und weitreichend:
" ...
may indicate
that he (Bessarion)
shared the opinion of those
who jUdged the logical works to constitute
a pre-
parat ion for, rather than apart
of philosophy"
(S.151). Es liegt vielleicht
näher, den Grund da-
für statt in einer PhilosOPhischen
Überzeugung
vielmehr in dem einfachen
Umstand
zu suchen,
daß
Bessarion
vier ältere OrganOn-Handschriften
besaß
(Marciani 201, 202, 203, 204), Wobei freilich u~ -
geklärt bleibt, ob sich alle bereits 1457 in sel-
nem Besitz befanden.
-
Zum Rückgang der Verviel-
fältigung VOn Oraganon-Kodizes
im lS.Jh. überhaupt
vz i . oben S.53.
-
185 -
Auslassung
Ob14/15 fehlt ebenfalls Ib27 o~v . Die Ab-
hängigkeit geht so weit, daß Rhosos sogar solch of-
fenkundige Verschreibungen
wie laS ~COTnv und 2a30
woa~To~ mechanisch übernimmt. Auch die meisten schon
aus Ha ererbten
Suspensionen
werden ohne den Versuch
einer Auflösung beibehalten.
Alle Korrekturen
Bessa-
rions in Ga sind sorgfältig beachtet und VOllständig
berücksichtigt
worden.
Andere Versehen hat Rhosos
selbst currente
calamo richtiggestellt.
Trotz der eindeutig direkten und völligen Abhän-
gigkeit des Marc.200
von Ga stoßen wir in dem jünge-
ren Manuskript allenthalben
auf Lesarten, die sich
in Ga weder im Grundtext
noch in Interlinearien
oder
Marginalien
belegen lassen. Damit sind keineswegs
diejenigen
normalen
Sonderfehler
gemeint, die in
dieser Form mehr oder weniger häufig in jeder hand-
schriftlichen
Kopie vorkommen,
wie Auslassungen
einzelner
Buchstaben
und Partikel, Itazismen, Akzent-
fehler oder Verwechslung
von Nominativ und Dativ im
Singular. des Femininums.
Es sind vielmehr völlig
neue Varianten
und Hinzufügungen,
die in der sonsti-
gen, von Q unabhängigen
Überlieferung
nicht begegnen.
Sie alle beruhen jedoch nun nicht etwa auf Konjektur
oder dem Einfluß einer nicht näher definierbaren
Texttradition,
sondern ausschließlich
auf eindeuti-
gen Lesefehlern
des Kopisten Johannes Rhosos. Meist
sind undeutlich geschriebene
oder verwischte zwei-
deutige Stellen der Vorlage Ga der Grund für die Ver-
lesungen gewesen.
Aus einem in seinen Anfangsbuchstaben
in Ga ver-
schriebenen
und im Wort selbst von Bessarion berich-
tigten Tμn~nOETa~
(2a3; vgl.Tafel 18, Zeile 8 von
-
186 _
unten) ist in Q das Völlig unsinnige xa~ )(An8~aEtaL
a
hervorgegangen. Vor allem der Hang von G zu krumm"
und gebogenen
BUChstaben
hat im Text Von Q große
Verwirrung
angerichtet.
Das in seiner unteren Hälf-
te nach links abgebogene
L wurde oft gänzlich Ver-
kannt und immer wieder falsch gelesen.
Besonders in
der Verbindung mit T im Indefinitpronomen
TL_das
Wort sieht tatsächlich einem TL nicht mehr sehr ähn-
lich - las Rhosos statt dessen la16 xa~,
la21 f:.OtL
USW.
Das ParadebeisPiel freilich für die Verlesung der
paläographischen Form der Vorlage findet sich 2a20/
21. Gegen die VUlgata schreibt Q nämlich statt Ee
TOO öAov aCjlaLPOuμevou xa~ n apXD xa~ T~ nepa~ aCjloL-
PELtOL ypaμμn!>: Ga fOlgenden
Text: EL TOÜ ÖAOV a~ClL-
PErTClL xa~ n apxn xo~ T~ 1tEPCl~ aYPQμμns.
Was veran-
laßte Rhosos, aus aCjlaLPouμevou aCjlaLPErTaL und aus
·.·,p<r,., YP.uuo, da, 'innlo'e aYP.uuij, zu machen?
Ein Blick in die Handschrift Ga offenbart des
Rät'el, Lö,ung. Der er'te Teil de, fraglichen Satze,
'teht dort nämlich in der letzten Zeile de, Recte,
499, und zwar so, daß die Normalzeile
mit dem An-
fangs_a Von aCjlQLPELTQL abschließt und das Von diesem
Wort nOch fehlende ~a ~PErTaL
unterhalb der letzten
Zeile hinter einem in Solchem Falle üblichen
AUßenrand hin geÖffneten
(vgl. Tafel 18). Der
zum
rechten Winkel ergänzt
wird
Zufall will es, daß dabei nicht
unter aCjlClLPOUμEVOU zu stehen
nOch dazu die Vertikale des Win-
in etwa die Verlängerung des ~ -Senkrechtstrichs
nach unten darstellt. Rhosos glaUbte also,
~ aLpou-
μevou durch ~aLPErTClL ersetzen
zu Sollen Und schrieb
nur CjlClLPErTClL direkt
kommt, Sondern daß
kels
-
187 -
daher aCjlaLpErTClL. Das nunmehr am Zeilenende übrigge-
bliebene a (vom eigentlichen
aCjlClLPErTClL) verband er
sodann mit YPClμμn~,
dem ersten Wort auf dem neuen
Verso, zu aYPClμμn~ .
Der Marc.200 ist eine der bekanntesten
Aristote-
les-Handschriften
überhaupt. An Volumen von keinem
anderen Kodex erreicht,
an kalligraphischer
Ausstat-
tung nur mit wenigen
vergleichbar,
genoß dieser li-
ber pulcherrimus
in der modernen Textforschung des
Aristoteles
viel mehr Aufmerksamkeit und größere
Autorität als er in stemmatischer
Hinsicht eigent-
lich verdient. Denn E.Mionil konnte für die meisten
der in Q enthaltenen
Traktate die direkten Vorlagen
-
unter ihnen auch Ga - ermitteln.
Vor allem Marcia-
ni und Vaticani
machen den Großteil der Antigrapha
aus. Die einen konnte der Auftraggeber
Bessarion aus
seiner eigenen Bibliothek,
manchmal bereits korri-
giert, zur Verfügung
stellen, die anderen fand er
oder Rhosos in der bedeutendsten
Bibliothek Roms2•
Aus der Bibliothek
seines Auftraggebers
dienten
dem Kalligraphen
laut E.Mioni verschiedene
Hand-
Schriften
als Vorlage:
Wie bei Lin. war es auch bei
Mot.An.,
Inc.An.,
Gener.An.,
Col. (womit meine Beob-
a
achtungen übereinstimmen)
undENderKodexG.Aus
E.Mioni, S.100 und passim.
2
Da Q datiert ist, ergibt sich bei diesen Vaticani
somit das Jahr 1457 als terminus ante quem für ih-
re Eingliederung in die päpstliche Bibliothek
oder
doch wenigstens
für ihr Vorhandensein in Rom. Eine
kleine zusätzliche Möglichkeit neben der Auswer-
tung alter Inventarien
und Bibliotheksdokumente
also, um die Geschichte
einer Handschriftensamm-
lung zu erhellen.
-
188 -
dem im Jahre 1445 für Bessarion
von Johannes Skuta_
riotesl geschriebenen
Marc.216 .
welcher
seinerseits
seine Hauptvorlage
im Marc.IV.58
hat, stammen Phgnf,
MXG, Plant. und Mu.3
ebenso wie Mir. und Mech.; mei-
ne eigenen KOllationen
aus den zwei letzten Trakta-
ten haben zu demselben
Ergebnis geführt. Gehörten
die beiden genannten
Vorlagen
der ersten Hälfte des
15.Jhs. an, so diente der ältere
einige andere SChriften
über die
und Marc.216
auch der Großvater
von Q ist, als di-
rekte Vorlage für Phys.,
Cael.,
Spir. und vielleicht
Gener.Corr.4
und Parva naturaliaS.
Des weiteren kom-
men laut E.Mioni der Marc.205
für Metaph.
und der
Marc.IV.58 für Sign. und Vent. als Quellen
in Frage.
Letzterer
ist allerdings
nach den neuesten
Beobach-
+"-gen6
n"l"> ;_. >: _
Kodex Ha, der für
ZWischenglieder Ga
nur ~IIQ.l.reKt über die Vermittlung des bei
anderen SChriften bereits angefÜhrten Marc.216 für
Identifizierung (zu ReCht) Von N.G .Wilson, The Ma-
nuscripts of TheoPhrastus, in: Scriptorium 16,
1962, S.96 -102, dort S.101.
2 Der Text ist allerdings Von Rhosos selbst durch-
korrigiert worden, und zwar nach R.Foerster (vgl.
oben S.62, Anm.3), S.XLVI, mit Hilfe des Harleia-
nus 5635, nach E.Mioni, S.64, mit Hilfe des
gleiChfalls Von Rhosos geschriebenen Marc.263.
3 E.Mioni, S.41, rechnet hier aber auch den Par.2381
(Z bei Lorimer) zu den Quellen.
4 Hier läßt E.Mioni, S.36, die Wahl zwischen Ha und
Ga: "ex Ha Ga omnino procedat".
5 E.Mioni, S.51, weist aber auf einen Zusätzlichen
Einfluß des Marc.209 hin, während P.Siwek (vgl.
oben S.93, Anm.2) für die biologischen Traktate in
Ha (S.35,38), für die PsychOlogischen Traktate
hingegen im Vat.260 (S.51 -53) die Vorlage sieht.
6 Vgl. D .Harlfinger - D .Reinsch (vgl.oben S.28, Anm.
1), S.47 .
-
189 -
den Text verantwortlich. E .Mioni nennt außerdem für
Rhet. den Marc.215 (Na) - dieser ist jedoch nach-
weislich jünger als unser Kodexl - und den Marc.208
für Hist.An., wo allerdings meine Kollationen die
a
Abfolge Marc.208 -+ G
- + Q sehr nahelegen.
Drei weitere Vorlagen stammen nach E.Mioni aus
der Vaticana: der damals bereits etwa 4 Jahrhunderte
alte Vat.260 für An.2 und Part.An. sowie teilweise
für Inc.An.3 und laut P.Siwek für die psychologi-
schen Schriften unter den Parva naturalia4; sodann
der Vat.258 für Mete. und schließlich der Vat.1342
für MMS. Aus einem weiteren Vaticanus (2384) soll
Rhet.AI . abgeschrieben worden sein6• Die Behauptung,
daß Rhosos und sein Auftraggeber die Vat.258 und 260
benutzten, läßt sich überdies durch andere Feststel-
lungen stützen. Im Vat.258 ist das Ende von Mete.
(f.156) ein Supplement von Rhosos' Hand, und der
Vat.260 gehört wahrscheinlich zu den Büchern, die
Bessarion aus der Vaticana entliehen und am 14.3 .
1458 (Q .wurde am 15.7 .1457 vollendet!) zurückgege-
Vgl. unten S.310/311.
2 P.Siwek (vgl.oben S.164, Anm.l), S.93,99, bestä-
tigt diese Filiation für das I.Buch; die Bücher
II und III führt er über ein verlorenes Zwischen-
glied auf Ha zurück (S.79).
3 E.Mioni, S.60: "Rhosus Ga usus est, sed in priore
parte perspexit etiam codicem U" (= Vat.260).
4
Vgl. oben S.188, Anm.5 .
5 E.Mioni, S.89, während er S.100 MM zu den Schrif-
ten zählt, für welche er keine Quelle namhaft ma-
chen konnte. Es wäre zu prüfen, ob nicht viel-
leicht der Rav.210, die Vorlage im Falle von EE
(vgl.unten) auch hier in Frage kommt.
6
M.Fuhrmann (vgl.oben S.19, Anm.3), S.73
-
190 _
ben het!.
Die direkte Vorlage im Falle von EE ist der Rav.
2102, der durch Bessarions
Hände ging und auch eine
Abschrift Von MM, 1442 Von Athanasios Chalkeopulos
fertiggestellt,
enthält. Für die übrigen in Q ent-
haltenen
Traktate konnten
bislang die direkten Anti-
grapha nicht nachgewiesen
werden.
Im Falle von Poet.
scneint ein codex deperditus die unmittelbare
Vor-
lage zu sein3,
und der Text Von ProbI. läßt sich
wohl nur apprOXimativ mit dem des vetustissimus
Par.
2036 Vergleichen4•
Die Auswahlkriterien,
nach welchen
Bessarion
(und
Rhosos) die Vorlagen
für den riesigen
Sammelkodex Q
aUSSUChten,
scheinen
nach dem bis jetzt Bekannten
nicht in allen Einzelheiten
erhellt werden zu kön-
nen. Immerhin lassen sich drei Fakten festhalten,
wenngleich
wir auch nicht wissen,
ob wirklich in je-
dem Falle die Möglichkeit der Wahl zwischen
mehreren
Zugrunde
zu legenden
Textzeugen
bestand. Von dem an
Alter die übrigen Handschriften
überragenden
Vat.260
sind verständlicherweise
sämtliche
enthaltenen
Tex-
te, Part.An.,
Inc.An.,
An.,
Sens.,
Mem.,
Somn.,
In-
Vgl. R .Devreesse
(vgl.oben
S.63, Anm.1), S.40.
2 Vgl. D.Harlfinger
(vgl.oben
S.27, Anm.2), S.17 .
3 Vgl. E .Lobel (vgl.oben
S.19, Anm.3), S.20-24,
und
D.Harlfinger
-
D.Reinsch (vgl.oben
S.28, Anm.l),
S.41 .
4-
G.Marenghi, La tradizione
manoscritta dei Proble-
mata physica Aristotelici,
in: Bolletino
deI Comi-
tato per la preparaZione
della edizione
nazionale
dei classici greci e latini 9, 1961, S.47 -57, dort
5.49/50:
"da ya (= Par.2036) pill 0 meno diretta-
mente ..
· "i E.Mioni, S.73, ist zuverSiChtlicher:
"Dect:a linea ex ya '"
Na Q manant".
-
191 -
somn.,
Div.Somn.,
übernommen
worden. Gleich eine
ganze Reihe von kleineren
Traktaten hat Rhosos en
bloc aus dem Marc.216 (ff.5 -110v)
abgeschrieben:
Phgn.,
Sign.,
Vent.,
Mir.,
Mu.,
MXG, Mech. Der Marc.
212 (Ga) schließlich
mag wegen der Diorthosis des
Bessarion
als Textvorlage herangezogen
worden sein,
und zwar für Mot.An.,
Gener.An.,
Col.,
Lin. und EN.
Ottoboniani 45 (Ua)
und 153
Der Kodex Q diente seinerseits anderen Handschrif-
ten als Quelle. Seine obengenannten
charakteristi-
schen Lesarten
aCjla~pErtClL statt aCjlClLPOUμevou und
aYPClμμn~ statt aCjlClLPELTClL ypaμμ~!> (2a20/1) sowie XCl~
)(An~nOETClL statt Tμn~r)oETClL (2a3) kehren ebenso wie
die anderen Eigentümlichkeiten
des Manuskripts in
den jüngeren
Ottoboniani 45 (Ua)
und 153 wieder.
Die Abhängigkeit dieser beiden Handschriften
von
Q zeigt sich schon bei einem Blick auf den Titel.
Johannes
Rhosos, der Kopist von Q, pflegte die von
ihm angefertigten
Bücher in ihrer äußeren Ausstat-
tung mit viel kalligraphischem
Dekor und der Über-
sichtlichkeit dienenden
formalen Besonderheiten,
wie
laufenden
Titeln,
TeAo~ - Formeln
usw.,
pedantisch ge-
nau zu versehen.
So fügte er, wie in allen anderen
in Q enthaltenen
Schriften
und überhaupt in vielen
seiner Manuskripte,
hinter den Titel nEp~ &t6μwv
YPClμμiiiv eine Angabe über die Buchzahl, ACYO!> Er!>,
und über den Umfang des Textes, Cjl~AACl ß, hinzu. In
a
U und im Ott.153 taucht denn auch die Ergänzung
ACYO!> Er!> wieder auf. In Ua liest man außerdem so-
gar ~dAACl ß. Während aber diese Angabe in Q den Ge-
~:n 1.!' ... 1 ..
eme
.:.
.3'. :
3
.... I"
1's
-s-
.
-+-
.
g
~
C
i.-. ,_ ,
~
C
tt.153
1
. 153
111 c-
,~a
uj
auf jeden FaLL unabhängig voc Ott.153 ent-
da letzterer
zahlreiche
:rennfehler auf-
n der Ha~Ptsache
wohl auf
m~olt Und Unkonzentriertheit des Kopisten
zurilck-
~ ufnhren sind, wie z.B .:
;'01
,
di
e Unaufmerk-
qVa
I~~O
laovTCIL
r'b 37
~po
FI
Am ßl'&V 1 e T'Qnd
n LUOy.on
dUT'oh
Tc) μtya, 9013.1 -3 J
Ott.153
äYOVTClL
ÖPCl~
om. n' öAov TLv6~
n sind im Ott.153 die
Homoioteleuton:
9al0/11
OI)X eaTLV _
fünf gro-
ClltECpoUS
6Lavo~av,
Oa8-15 ETL
-
193 -
,
cL
1tpO~
aT6μoul, Ob24/25 EOtClL - OtLYμn und 2b20/21
EAaXLotov.
Auf der anderen Seite kennzeichnen
aber auch Ua
mehrere Trennfehler gegenüber
dem Ott.153, so daß
letzterer ebensowenig unmittelbar
aus Ua geflossen
sein kann wie umgekehrt. Ein paar Beispiele:
Q Ott.153
Oa22
b9
la12
a27
bll
2a22
aμEPl'I
EAeYX~n
aÖl1VClTOV
aμEpOrV
cA{x~n (recte)
öllvClTov
om. öAovl
om. EU~ErCl
OtLyμnv
Von den anderen Sonder lesungen in Ua hat ein Kor-
rektor einige berichtigt •
Die Filiation
der Handschriften
Ua und Ott.153
ist also dur~n die gemeinsamen
Bindefehler gegenüber
Q und die beiderseitigen
Sonderfehler
~
Ua Ott.153
festgelegt. Beide Abschriften gehen ge-
sondert auf ein heute verlorenes Manu-
skript zurück, das seinerseits ein Ab-
kömmling
von Q ist.
Lin. ist in Ua nicht die einzige Schrift,
die überlieferungsgeschichtlich
einen Kodex
aus der Bibliothek Bessarions
zum Vorfahren
hat. Unter den im ersten Teil des Konvoluts Ua2 ent-
~ ies ist die bei weitem umfangreichste Auslassung
1m Bereich der Lin.- Überlieferung.
20'
1e Handschrift besteht kodikologisch gesehen
(nach Format, Wasserzeichen,
Kustoden, Kopisten
und Inhalt - zum einzelnen
vgl. die Beschreibung
-
194 _
haltenen
Texten ist
bis 13v) direkt
TheoPhrasts
De sensibus (ff.l
aus dem Marc.263
kopiert
der wie Q VOn Rhosos' Hand stammt2
Kopist des TheoPhrast-Traktats auch Damascii in De
caelo parecbolae (ff.23_42v) geschrieben, und es ist
kaum wahrscheinlich, daß er anstatt ebenfalls den
Marc.263, der auch die Parekbolai des Damaskios ent-
hält, zu verwenden, sich dafür eine andere Vorlage
gesucht hätte. Für das OpUScUlum rrEp~ Xpovou des Za-
a
charias VOn Chalkedon (f.45) sind bisher außer U
nur noch zwei Handschriften, eine davon ein Bessa-
rion-Kodex (vetustissimus Marc.258), bekannt gewor-
den3; es spricht nichts gegen die Abhängigkeit des
Ott. Von diesem Marc.
Der Traktat Lin. in
kannten librarius Johannes Mauromates geschrieben
worden4; trotz fehlender SUbskription kann es auf-
grund der Übereinstimmung des SChriftbildes mit dem
wordenI,
In Ua hat der
ua (ff.15-19) ist von dem be-
im 'Aristoteles GraeCUS') aus mehreren Teilen zu
wiederum mehreren Fa,zikeln, Von denen hier nur.
die bis f.83 interessieren. Das weitere ist zwe1
Kopisten zUZuweisen: ff.84-139v Valeriano Albini,
ff.140-257 JOhannes Mauromates.
Vgl. J .B .McDiarmid (vgl.oben S.51, Anm.1), S.ll .
2 Zwar ohne SUb'kriPtion,
aber E.Mioni (S.138) und
J.B .McDiarmid schreiben Rhosos den KOdex mit Recht
zu.
, Vgl. K .Oehler, Zacharia, von Chalkedon über die
Zeit, in: Byzantinische Zeitschrift 50, 1957, S.
31-38, wiederabgedruckt in: K.Oehler, Antike Phi-
losophie (vgl.oben S.36, Anm.3), S.300 -308. Den
zwei dort genannten Manuskripten (Ua Und Marc.258)
ist der Havn.Fabr.88 _80 hinzuZufügen.
4 Al, Kopi,t der Mir. - Kapitel auf ff.20/21 läßt ,ich
Petros Karnabaka identifizieren.
-
195 -
subskribierter Manuskripte dieses Kopisten1 keinen
Zweifel an der Identität geben. Die Kopistentätig-
keit des aus Korfu stammenden Griechen2 ist nach dem
Zeugnis der datierten Handschriften mindestens für
die Zeit zwischen 1541 und 1565, und zwar (in chro-
nologischer ReihenfOlge) für die Städte Venedig (26.
1.1542, 1543), Rom (17.3 .1548 - 3 .2.1553 und Aug.
1559), Florenz (16.5 .1554) und Bologna (11.8 .1554,
15.2 .1555) belegt. Es liegt auf der Hand, daß Ua aus
der frühesten Periode dieser Schaffenszeit stammt,
da alles, wie wir sahen, darauf hindeutet, daß die
Vorlagen für Ua aus der ehemaligen Bibliothek Bessa-
rions kommen, also in Venedig oder in der weiteren
Umgebung der Stadt kopiert wurden.
Die Datierung von Ua in die erste Hälfte oder um
die Mitte der vierziger Jahre des 16.Jhs. wird auch
durch andere Indizien gestützt. Von den Wasserzei-
chen des hier interessierenden Teils ist das erste
-
Anker im Kreis mit Stern und Gegenmarke S~C (ff.l
bis 14, 23-45,53) - ähnlich Briquet 517, welches a.
1544 belegt ist, und deckungsgleich mit dem Wasser-
Ein Faksimile findet sich bei Ch.Graux - M.A .Mar-
tin, Fac-similes de manuscrits grecs d'Espagne,
Paris 1891, Nr.58, bei P.Canart (vgl.oben 5.31,
Anm.l), pl.14, und bei K.A.de Meyier (vgl.unten
S.405, Anm.2), pl.31a.
2-
Uber ihn vgl. M .Vogel-V .Gardthausen, S.177/178 und
(die bibliographischen Angaben vgl.unten S.405, 2)
Ch.G .Patrinelis, S.97, P.Canart, Scibes, S.65, P.
Canart (vgl.oben S.31, Anm.l), S.209/10 (zu Mauro-
mates als Mitarbeiter des Emmanuel Provataris),
K.A .de Meyier, S.260. Wir dürfen eine Studie über
Mauromates von P.Canart erwarten, der (vgl. seine
Ankündigung, Provataris, S.209, Anm.98) zahlreiche
neUe Kopien dieses Mannes in der Vaticana entdeckt
hat.
-
196 _
zeichen
des Esc. 'f. Ir. 2, den Petros Karnabaka am 12.
5.1546 vollendet hat. Die Armbrust im Kreis mit Li-
lie (ff.15/22, 18/19, 46-52 e t c • ) (entfernt ähnlich
Briquet 761, a.1533-34) begegnet im Esc.y .I .14, in
den zusammengehörenden Esc.'f.I .9 und 'f.I .10, die al-
le Von Johannes Mauromates _ ersterer 1542 in Vene-
dig, letzterer 1543 - geschrieben Worden sind, und
im Esc. ~ . I .I0, der 1542 zum größten Teil Von Niko-
laos Murmuris (ff.1 -127v,
144-231), aber unter Mit-
wirkung Von Johannes Mauromates (ff.128-143 ein-
schließlich Zeile 7)1 und Petros Karnabaka (ff.143,
Zeile 8 - 143a) fertiggestellt worden ist. Die Buch-
stabenkombination 3-B (ff.16/21, 17/20, 64/67 e t c , )
schließlich kehrt nicht nur im genannten Esc.y .I .14,
Sondern auch im ~ . I .5 (ff.1-116, a.1543 von Karnaba-
ka geschrieben) und im 'f.I .6 wieder, der Ende 1545
Von Petros Karnabaka
Die
angefertigt wurde2•
Identifizierung der manus adnotatrix im Lin.-
Text von Ua dürfte - nicht zUletzt wegen der unten
zu besprechenden VerWendung dieses KOdex samt seinen
Korrekturen als indirekte Vorlage für die Editio
princeps des Henricus Stephanus (1557) _ für die Er-
kundung der Umstände der Entstehung dieses Manu-
skripts und für die Erhellung
nicht geringer Bedeutung
stammen in Ua nämlich
seiner Geschichte von
sein. Von derselben Hand
auch viele Marginalien zu Mir.
Entgegen G.de Andres, Catalogo de los codices grie-
gos de la Real Biblioteca de EI Escorial, II, Ma-
drid 1965, S.17, der ff.128-143a ganz Von Petros
Karnabaka geschrieben glaubt.
2 Zu sämtlichen Escorialenses vgl.
Anm.1 genannten mOdernen Katalog
II, Madrid 1965; III, 1967.
auch den oben
Von G.de Andres,
-
197 -
(z.B . f.20), zu den Parekbolai des Damaskios (z.B .
ff.28,31) und zu den Mete. -Scholien der ff.54-76
(z.B . f.62v); bei Theophrast De sensibus entspricht
sie der von McDiarmidl als 04 bezeichneten Hand, und
schließlich hat sie ff.78-82 die EXOALCl Et!> t~ toO
'Ap~otoTeAou~ METEwpoAoYLxa oltopaönv zusammengetra-
gen; ff.26 und 41v schreibt sie auch lateinische Be-
merkungen. Die marginalen und interlinearen Notizen
nebst dem eigenhändig kopierten Text weisen den da-
für Verantwortlichen nicht als flüchtigen Leser,
sondern als gelehrten, an Textverbesserungen und
- erweiterungen und, wie es scheint, an peripateti-
scher Philosophie interessierten Auftraggeber, Vor-
besitzer oder leitenden Bibliothekar aus. Die an
sich naheliegende Vermutung, Henricus Stephanus kön-
ne der gesuchte Humanist und Besitzer zumindest der
Faszikel bis f.83 in Ua sein, stellt sich bei einem
Vergleich schon mit der lateinischen Hand des ge-
lehrten Druckers in zwei autographen Briefen an U.
Fugger im Pal.lat.1902, ff.58-61, und vollends bei
einer Heranziehung der ihm zugewiesenen griechischen
ManUSkripte Pal.4212 und Par.2889 als unhaltbar her-
aus.
Nun begegnet dieselbe marginale Hand auch häufig
in solchen Escorialenses graeci, die aus der Biblio-
J.B .McDiarmid (vgl.oben S.51, Anm.l), S.14 sqq.
2E.
,
.
s ~st allerdings höchst interessant, daß ~n d~e -
Sem Pal. neben anderen auch die Hand unseres ge-
suchten Gelehrten an den Rändern - meist mit dem
Zeichen * - griechische und lateinische Bemerkun-
gen beifügt. Wenn außerdem ff.226 und 367v sogar
auf H(enricus) St(ephanus) verwiesen wird, so be-
deutet das möglicherweise, daß zwischen beiden
Männern Beziehungen bestanden haben.
-
198 _
thek des Don Diego Hurtado de Mendoza
stammenl. Da
Mendoza selbst sicherlich
ausscheidet
_
seine Hand
in einigen Von G.de Andres benannten
Frühdrucken2
sieht der unsrigen
nicht ähnlich _
,
kommt eigent-
lich nur noch sein Bibliothekar
Arnold Arlenius in
Frage. In der Tat war es die gelehrte Tätigkeit die-
ses Humanisten,
welcher sich um die Vermittlung
und
Wiedergewinnung
der antiken Literatur
sehr verdient
gemacht hat3, die auch in Ua ihre Spuren hinterlas-
Exempli gratia nenne ich: Esc. T .II .l, Y.I .I0,
y.I .I0, y.I .12, y.I.14,
~ .I .I0,
~.I .15, X.I .4,
~.I.6,
~.I.9,
~. I .I0, n.I .l1, Editio 25.III .ll
und Editio 69.VI.2.
-
Über den Fonds Mendoza in
der Biblioteca EI Escorial
vgl. die immer noch
unübertroffene
Darstellung bei Ch.Graux (vgl.oben
S.78, Anm.l), S.163 sqq.
2 Vgl. G .de Andres (vgl.oben S.196, Anm.l), III,
S.260 sqq.
3 Dieser noch nicht sehr bekannten, aber in der euro-
päischen Gelehrtenwelt des 16.Jhs. bedeutenden
Persönlichkeit ist eigentlich erst in jüngerer
Zeit größere Aufmerksamkeit geschenkt worden: M.
SChanz, Über Arnold Arlenius Peraxylus, in: Zeit-
schrift für die Österreichischen Gymnasien 35,
1884, S.161-185; G.Mercati, Un indice di codici
greci posseduti da Arnoldo Arlenio, in: Studi Bi-
zantini 2, 1927, S.111 -120; G.J .Hoogewerff, Arnol-
dus Arlenius PeraxYlus, een brabantsch Humanist,
in: Meededeelingen Van het Nederlandsch Historisch
Institut te Rome, tweede Reeks I, 1931, S.117-144;
Nieuw Nederlandsch Biogr.Woordenboek, Bd.9, Sp.247
bis 250, s.v . Arnout van Eynthouts; P.Tentori, in:
Dizionario biografico degli Italiani 4 (Roma
1962), S.213-214; B.R.Jenny, Arlenius in Basel,
in: Basler Zeitschrift für GeschiChte und Alter-
tumskunde 64, 1964, S.5 -45; interessante Einzel-
heiten über diesen Mann finden sich auch bei Ch.
Graux, S.185-189 (Arlenius als Organisator der Bi-
bliothek Mendozas); vgl. außerdem J.Fresenmair
(vgl.oben S.78, Anm.l), I, S.16-18; A.Gonzalez Pa-
lencia y E.Mele (vgl.oben S.78, Anm.1), I, S.257
bis 259 (IIArnoldo Arlenio, bibliotecario de Men-
-
199 -
Gewißheit darüber schafft ein
Autographon, dem Basil.F .
in Photokopie vorliegtl.
sen hat.
Arlens griechischem
von dem mir f.212rv
Aus der Lebensgeschichte des Flamen Arnoldus Ar-
(um 1510 - etwa 1574), der als
Bibliothekar, Buchkorrektor
in Bologna, Venedig und Flo-
renz wirkte2, dürfte hier wegen der zur Provenienz
von Ua bereits ermittelten Fakten besonders seine
Zeit in Venedig interessieren. Er weilte dort von
Ende 1542 bis 15473 als Bibliothekar und Organisator
einer ständig anwachsenden und vorwiegend griechi-
schen Bibliothek im Dienste des großen spanischen
Don Diego Hurtado de Mendoza, des Bot-
der Republik Venedig (1538
fügen sich ausgezeichnet in
Vergleich mit
I.as,
lenius Peraxylus
Handschriftenhändler,
und Verleger vor allem
Humanisten
schafters Karls V. bei
bis 1547). Diese Daten
doza"); H.Gerstinger, Johannes Sambucus als Hand-
schriftensammler, in: Festschr.d .Nationalbiblio-
thek in Wien, hrsg. zur Feier des 200jährigen Be-
stehens des Gebäudes, Wien 1926, S.251 -400, S.333
(Arlenius als Vorbesitzer bzw. Verkäufer von Vin-
dobonenses graeci); M.Sicherl, S.58-62.
Es sei an dieser Stelle Herrn Dr.M .Burckhardt,
dem Konservator der Handschriften der Öffentl.
Bibliothek der Univ.Basel für seine Freundlichkeit
gedankt, mir diese Specimina auf meine Bitte hin
zugeschickt zu haben. Die Handschrift gehört zu
den mindestens 10. Basilienses , in denen B. R. Jenny
(vgl. die vorangehende Anm.), S.26/27 (nebst Anm.
59), die Hand des Arlenius nachweisen konnte. Ein
Specimen der Hand des Arlenius - diesem dort al-
lerdings nicht zugewiesen - ist publiziert von I.
Lana, Progimnasmi di Elio Teone, I, La storia deI
testo, Turin 1959, tav.5 (Oxon.Auct.F .I .6).
2
Zu den genauen Einzelheiten vgl. die oben S.198,
Anm.3 genannten Arbeiten.
3
Zu den Daten vgl. vor allem B.R .Jenny, S.22/23.
-
200 _
den Rahmen der anhand der Wasserzeichen
und anderer
Kriterien
ermittelten
Entstehungszeit Von Ua• Es
darf gefolgert
werden,
daß die ff.1 -83 (vielleicht
auch ff.84-139) der Handschrift
zwischen
1542 und
1547 in Venedig oder Umgebung im Auftrage des Arle-
nius entstanden.
Dieser rührige Gräzist wird nicht
nur Abschriften
für die Bibliothek
Mendozas
vermit-
telt, sondern auch auf eine eigene Handschriften_
sammlung
großen Wert gelegt haben,
die seinen per-
sönlichen
wissenschaftlichen
Plänen entsprach
und
auch kommerziellen
Zwecken
dienen konnte.
Es über-
rascht nicht, daß er ebendieseIben
Kopisten
für sich anstellte (z.B .
Johannes
Mauromates
und Petros Karnabaka), deren Ar-
beit er ohnehin im AUftrage Mendozas
beaufsiChtigte.
professionellen
im Falle von Ua
Seine literarischen
und editoralen
Interessen
Spiegeln
sich denn auch in dem nicht etwa zufälligen
Inhalt VOn Ua wider. So sind die Scholien
zur Meteo-
rOlogie des Aristoteles
(ff.54 _76v
und 78-82) nicht
ohne besonderen
Grund in den KOdex aufgenommen;
Con-
rad Gesner,
der Arlenius
sehr sChätzte,
nennt näm-
lich in seiner Bibliotheca
universalis unter den be-
absichtigten,
aber nicht ausgeführten
Arbeiten phi-
lOlogischer
Art des Arlenius
auch die folgende:
Olympiodori
magni PhilosoPhi Platonici
et Peripate-
tici commentarios
ad Aristotelis Meteoral; auch mit
Damaskios (ff.23 _42v) hat sich Arlenius öfters be-
sChäftigt2•
Vgl. M .Schanz
(vgl.oben
S.198, Anm.3), S.169.
2 So im Basil.F .II.la;
vs i . B .R .Jenny (vgl.oben
S.
198, Anm.3), S.26 .
-
201 -
Die von M.Schanz
und B.R .Jenny eingeleitete Beur-
teilung des Arlenius
als eines Philologen und Hand-
schriftensammlers
könnte durch eine Untersuchung be-
sonders der Manuskripte,
die außerhalb der Sammlung
Mendozas durch Arlenius'
Hände gingen, entscheidend
erweitert werden.
Es steht außer Zweifel, daß seine
Tätigkeit in einer weit größeren Anzahl griechischer
Kodizes als bisher bekannt deutliche Spuren hinter-
lassen hat. In den meisten heute existierenden
grie-
chischen Handschriftenbibliotheken,
sofern diese
auch Bestände besitzen,
die in der Zeit zwischen et-
wa 1530 und 1575 im oberitalienischen
Raum mit sei-
nen Schreibateliers
und Büchermärkten
ihren Ursprung
nahmen oder weitergegeben
wurden, werden wir nicht
selten, besonders
in den Marginalien
auf die zierli-
che, aber doch energische Hand des Arlenius stoßenl.
a
Es spricht einiges dafür, daß der Kodex U
ur-
sprünglich
nicht so, wie er uns heute vorliegt. von
Arlenius angelegt
war. Der relativ umfangreiche letz-
te Teil (ff.140-237) ist zwar auch von Johannes Hau-
romates kopiert
worden,
aber gerade weil sich sein
Duktus hier wesentlich
von dem in Lin. unterschei-
det, z.B . größerer
Wortabstand, flüchtigere Schrift,
insgesamt dem von P.Canart beigebrachten
Faksimile
aus dem Ott.446 viel ähnlicher2, ist er wohl nicht
gleiChzeitig mit den übrigen Stücken entstanden. Man
wird mit einer Datierung dieses Teils in das sechste
Jahrzehnt des 16.Jhs. wohl kaum fehlgehen, da die
Ich bereite einen Aufsatz über Arlenius_als
k
'
~-.
"
"
re tor und Kopist griechi~cher
Kod1~es
~OP,
~n
zahlreiche Handschriften
nachgewi~~
werden.
2
P.Canart (vgl.oben
S.31, Anm.l),
-
202 _
Wasserzeichen I
und der in der
zwischen 1550 und 1556 belegt sind
Schrift vergleichbare Ott.446 etwa
aus der Zeit zwischen 1551 und 1559 stammt2• Ob die-
Ser Teil ebenfalls für Arlenius angefertig~ wurde
bzw. aus seiner Bibliothek kommt _ Bemerkungen Von
seiner Hand sind nicht vorhanden _ oder ob erst ein
Späterer Besitzer die beiden getrennten Teile ver-
einigte, ist schwer zu ermitteln3. Mindestens bis
etwa zum Jahre 15574 befanden sich jedenfalls die
ff.1-83 (vielleicht auch ff.84-139) im Besitz des
flämischen Humanisten. Unter welchen Umständen die
Handschrift zu dem großen italienischen Theologen
und Humanisten Guglielmo Sirleto (1514-1583)5 ge-
langte, läßt sich beim gegenwärtigen Stand der Arle-
nius- und Sirleto-ForSchung6 nicht genau klären.
Eines Von ihnen entspricht P.Canart, Nr.5 (S.274).
2 Vgl. P .Canart, Tableau I, Nr.l01 (S.269).
3 Der Einband ist der übliche der Ottoboniani mit
dem Wappen VOn Pius IX. (1846-78), und das Vor-
SatZblatt, das kaum datierbar ist (Wasserzeichen:
Menschl.KoPf im Kreis, nur entfernt ähnlich Bri-
quet 15658, a.1553), hilft nicht weiter, zumal es
als Schutzblatt SOWohl des Bandes im jetzigen Um-
fang als auch des sicher aus Arlenius' Besitz
stammenden Teiles gedient haben könnte.
4 Zum Näheren vgl.unten S.388/389.
5 Über ihn vgl. D .Taccone-Gallucci, Monografia deI
card. G .Sirleto, Roma 1909; F.Lo Parco, II cardi-
nale G.Sirleto. Notizie bio-bibliografico COn la
PUbblicazione deI SUo testamento inedito, NapOli
1919.
6 Insbesondere was die Beziehungen zwischen Arlenius
und dem römischen Kardinal und die Vorgeschichte
der Bibliothek Sirletos betrifft.
-
203 -
Der Ott.153 ist ein mit dem üblichen Ein-
band der Ottoboniani versehenes Konvolut
mit 18 Einzelfaszikeln, die von beinahe
ebensovielen verschiedenen Schreibern ko-
piert1 sind und aus dem 15. und 16.Jh . stammen. Von
Ott.
153
diesen heterogenen Stücken interessiert hier nur der
8.Faszikel, der die Schrift über die Atomlinien ent-
hält. Der separate Quaternio (ff.75-82) stammt von
einer Hand, die in den anderen Teilen dieses Sammel-
bandes nicht wieder auftaucht. Die zahlreichen und
verschiedenartigen oben S.192-193 in Auswahl ange-
führten Sonderlesungen sind nicht die einzigen Feh-
ler, die dem Kopisten unterlaufen sind. Neben aus-
sprachebedingten Versehen, die im Ott.153 häufiger
begegnen als in allen übrigen Textzeugen von Lin~
kommen auch solche Flüchtigkeitsfehler vor wie v.a .
Auslassung von Buchstaben im Wortinnern oder wie
2b15 YPClμμa!> -+ XPClμμa!>. Diese kleinen, aber in ih-
rer Menge auffälligen Eigentümlichkeiten nebst öf-
ters fehlenden oder falschen Akzenten und Spiritus,
häufigen Verschreibungen, die in scribendo korri-
giert wurden, und einem solchen orthographischen
Lapsus wie die Verwechslung von ~ und t (9a16 μEYE-
emv -+ μEYEtmV)
erwecken ganz den Eindruck, als sei
der Kopist des Textes nicht mit der griechischen
Sprache aufgewachsen und als bereite ihm die etymo-
logische Unterscheidung bestimmter Wörter einige
SChwierigkeiten. Ebenso verrät der Gesamtcharakter
Folgende konnte ich identifizieren: ff.83 -95v:
Konstantin Mesobotes, ff.96 -152, 213-221v: Theodo-
r?s Gazes, ff.153-158v: Camillus Venetus, ff.166
~ ~ s 172~: Manuel Moros, ff.260-274v: Librarius
lorent1nus; zum Kopisten von Lin. vgl.unten.
-
204 _
des SChriftbildes'
-
man beachte z.B . die Art der
Majuskelinitialen bei Eigennamen und am Anfang ne u ,
er Abschnitte
(meist ET L) - die Hand eines Westeuro_
päers. Da somit ein professioneller Schreiber wohl
nicht in Frage kommt',
darf man hinter jener Hand
einen Humanisten und GräZisten des 16.Jhs.
ver"t",
Daher macht sich denn auch trotz aller Flüchtig.
keiten eine leichte Tendenz zur Verbesserung de,
Textes im Ott.153 bemerkbar, überall dort nämlich,
wo gegen
die LeSungen
Von Q und Ua der Versuch
einer
Emendation unternommen warden ist, z.B . 9a13 &,.,t,
+ &"", 9b25 W. Tij + .aTc, Obl om .•• t post Ou('
OELQV, Ib31 YPQμμn
- + YPQμμnv,
2b13 ÖVTW~
-+ ÖVto!>.
Es ist mir gelungen,
den DUktus
im Ott.153
als
den des bedeutenden spanischen Gelehrten Juan P~e,
de Castro' (t1570) zu identifizieren. Ein im Esco.
rial befindliches Exemplar des 3.Bandes (a.1497)
der Aristoteles_Aldina, Editio 6B.V.12, welches
einst Paez gehörte, enthält nämlich auf f.Brv, di,
Vgl. Tafel 16.
, Ein Lateiner mit Griechischkenntnissen paßt in der
Regel nicht gUt in die Ralle eines einfachen Kop i «
steno
3..
)S
Uber ihn Vgl. Ch.Graux (vgl.oben S.7B, Anm.l,
'
79-101 und passim; J.Fresenmair (vgl.oben S.7B,
Anm.l), r, 5.20/21, 26.2 .; A.Gonzalez Palencia .
E.Mele (vgl.oben S.7B, Anm.l), I, 5.314-326 ("Paez
de Castro Y Oon Diego" ); c. GUtierrez, Espanoles en
Trento, Valladolid 1951, 5.663-669; •. Sicherl, 5,
66/67. Eine umfassende biographische Würdigung
dieses Humanisten ist ein wichtiges Desideratum
(vgl. Gonzalez Palencia - Mele,r, 5.326); wie mir
G.de Andres (EI Escorial) mitteilt, bereitet er
eine AUsgabe
nOch unverÖffentlichter
Briefe des
Paez vor.
, Das Blatt gehört zur Editio, ist aber zum größeren
-
205 -
vom Besitzer
selbst
Kap.152 -163.4 .9.5.164-169
ren Aristoteles-Band,
dem
handschriftlich
eingetragenen
von Mir.l . In einem weite-
Kodex New Haven, Yalens.
Zisk.5 (Phill.7488)
mit Mech. lassen sich viele Ver-
besserungen
nach Rasur und Marginalien
(meist Vari-
anten) aus der Feder
des Spaniers
nachweisen;
und
schließlich
stammt
von seiner
Hand der gesamte Ott.
147 mit Kollationen
zu Aristoteles-Schriften2
Abgesehen
von der paläographischen
Evidenz
ist
die Beschäftigung
des Paez mit Lin. sowie mit Mir.,
Traktaten
aus dem Corpus Aristote-
bezeugt. Am 8.Ju-
am 19.Konzil
Mech. und anderen
licum ausdrücklich
von ihm selbst
ni 1546 berichtet
er aus Trient,
wo er
(1545-1563)
teilnahm,
in einem Brief an Honorato
Juan (1507-1566)
über seine Beobachtungen
und Ergeb-
nisse zu Texten
des Aristoteles
u.a.:
"las mas de
las lacunas
...
principalmente
en lo De mirandis
auscultationibus,
estan
llenas.
EI tratado De lineis
insecabilibus
es muy otro,,3. Diese Aussagen
werden
Bedeutung
vor dem Hintergrund
der
Manutius'
Editio princeps der
(1495-1498)
und den nachfol-
Mitte des 16.Jhs. fehlen
von Mir.4,
und statt der
in ihrer ganzen
Aldina klar.
In Aldus
Werke des Aristoteles
gen den Editionen
bis zur
nämlich die Kap.152
sqq.
oben,
wo der Schluß der
Teil unbedruckt
(außer
8r
praefatio
steht).
Vgl. G .de Andr~s (vgl.oben
S.196,
S.259.
2 V gl. D .Harlfinger
(vgl.oben
S.27, Anm.2), S.21,
Anm.62.
3V1
.
6g . Ch.Graux,
S.81, Anm.1,
und 5.404 (Append~ce
). Zum weiteren
Text des Briefes
vgl.oben
Kap.II.
4
Vgl. dazu ausführlicher
unten S.209 sqq.
Anm,2), III ,
-
2(;6 _
pseudo-aristotelischen
Schrift über die Atomlinien
is t i rrtümli eh die Paraph rase de s byzantinischen Ge-
lehrten Georgios Pachymeres abgedruckt wordenl• Ein
anderer Brief. und zwar Vom 10. August 1545 ebenfalls
aus Trient an Ger6nimo Zurita, berichtet von P~ez'
und Mendozas Arbeit an der Mechanik: "Agora entende-
m o s e n la Mechanica de Arist6teles"2. Wir sind damit
mitten in den wissenschaftlichen Bemühungen der so-
genannten Aristotelischen Akademie Von Trient 1545/
46, die am Rande des Konzils Von einigen dort ver-
sammelten gelehrten Theologen ins Leben gerufen wor-
den war und deren Arbeiten und Pläne S.78-85 dieser
Arbeit ausführlicher beleuchtet worden sind. Die
Vermutung liegt nahe, daß der Lin.- Text des Ott.153
während dieser Zeit in Trient (oder auch im nahen
Venedig) Von P~ez geschrieben worden ist3• Es läßt
sich allerdings kaum eindeutig feststellen, ob der
Ott.153 sein Arbeitsexemplar war, Was nicht zuletzt
wegen des Fehlens jeglicher Merkmale einer Überar-
beitung fraglich ist, oder ob die Handschrift nicht
eher eine einfache Kopie des bisher noch nicht im
Druck Vorliegenden Textes für seine eigene Biblio-
thek oder für die eines anderen Gelehrten darstellt.
Die beiden Lin. - O t toboniani sind also etwa zur
Näheres dazu unten S.345/346, 380/381.
2 "gI. Ch .Graux, S.168, An •. 2; J.Fresenmair (vgl.
oben S.78, An•. l), S.28. Zur Charakterisierung
dieser BemÜhungen vgl.oben S.83, wo der weitere
Brief text wiedergegeben ist.
' Das .it Hilfe des Wasserzeichens _ Engel i. Kreis
mit Stern und Buchstaben Bund Gegenmarke A,
recht ähnlich Briquet 670 (dort allerdings ohne
Gegenmarke), a.1543 - erschließbare Datum paßt
niCht sChlecht zu dieser HYPothese.
-
207 -
gleichen Zeit (um 1545) in Trient oder Venedig aus
ein und derselben Vorlage geflossen. Dieser unmit-
telbaren Nähe in Stemma und Herkunft entsprechen die
Beziehungen zwischen den mit diesen Handschriften in
Verbindung zu bringenden Personen. P ~ez, der Freund
und Mitarbeiter Mendozas, ist der Schreiber des
einen Manuskripts; Arlenius, der Bibliothekar des
spanischen Gesandten, ist Auftraggeber oder doch
Korrektor der anderen Handschrift, Johannes Mauroma-
tes, einer der ständigen Kopisten Mendozas, deren
Schreiber. In diesem Kreis und im inoffiziellen Be-
reich des Konzils war die Aufmerksamkeit unter ande-
rem auch auf Lin. gelenkt worden. In derselben Umge-
bung kann man sich auch am ehesten die verschollene
gemeinsame Vorlage entstanden denken. Es ist müßig
zu überlegen, ob diese Vorlage außer Lin. noch ande-
re der in Ua vorhandenen Schriften enthalten haben
wird, die großenteilS, wie wir gesehen haben, auf
Marciani zurückgehen. Sie konnten ebensogut einzeln
in Venedig oder nach Ausleihe in Trient direkt ab-
geschrieben worden sein.
Ein Streiflicht sei nur auf den Traktat
Mir. geworfen. Auch hier kommen wir ohne
eine verlorene Zwischenhandschrift nicht
ausdenB'd
.
'l'
,
n
~ n efehler auf der einen und Jewe~ ~ge
Sonderf hl
f" Ua
e er auf der anderen Seite verlangen ur
,
EscEdit]
.'
V
.
~
10 68.V .12 und Ott.147 e~ne geme1nSame or-
lage. Zudem stammen Esc. und Ott.147 wie Ott.153
Von der Hand des P~ez, so daß wir bei Mir. sowohl
hinsichtl'
.
~ ch der Filiation als auch der Proven~enz
Wiederholung der Überlieferungs-
drängt sich daher
Mir.
eine ziemlich exakte
lage Von Lin. vor uns haben. Es
-
208 -
die ypot
i
f,
eSe
aß es sie
ei
er verscnol.l.ene
Vor
S'te
e iGer
mde
raJetate
sel..~ e
e ndel
aben kÖnnte. Die Vor
deperditus seinerseits ist aue
der Harc.2CO (Q)l,
we
schließlich; der leichte E'
rion-Kode~,
des Marc.215 (
bar, z.B.: 845b35 .3 ~ld'E
Ottoboniani Esc. A
ci,ese
eocex
wiede
.ir.
aue
auS-
eines
a)2, iST:
a::lcere-
:ieutlic
Bes-
~..:..g •
. ..-
lta-; .:~ci~E
St:el. ~en :t.at: ce!"
z~ vermeicen.
drc.2!5
Die '.dchtigsten
Esc. sind:
845b33
T,1a';a
Bindefen.ler
Von Ottcboniani.
b33/4 6~6, spat. aUTo:Na
6La~ x spat. OE a'
0:
-+ 6~o~ spa-:.6€
b3
o?i
Der als lopist dieses Tei.ls
Petros Y.arnaba~a hat
bungen
a.
~
ZuschUlden
ko
r.oAoTuxoL ~n~ 846a32
des Juan "af;.z in
zum grÖßten Teil
i'pische Fehler':
Von
sich nur zwei
e n lassen: 8
enrifiziert:e
Kleine Verschrei-
6a29 r;nA6TultoL ~
öwv 3.
Lsc.Editio 68.V .12 und Ott.147 sind
für einen Nicht-Griechen besonders
846a9 arTVn -+ l~vn, a12 YEpovTa~
-+
öCiv -+
ie Irrtümer
Lesart ist Ober die Editio des Henricus
(vgl.unten
S.388) in den gedruckten
Text
n und hat sich trotz der anderslauten_
ung der VUlgata (μwöäv) hartnäckig in allen
rncn Ausg~ben gehalten.
-
209 -
Y&POVtCl, a13 aUTiiiv -+ aut ...... ,b16 ÖiiyμCl
nige andere mehr.
ö!1)(μa und WA-
Bei dieser Gelegenheit mag endgültig eine Fehl-
kombination beseitigt werden, der seit A.Westermann1
alle Editoren
von Mir. zum Opfer gefallen sind. Die
isolierte Überlieferung der Kapitel 152-163.4 .9.5.
164-176.1 (bis 830a12).177 .178.33 in Ua beweist kei-
neswegs, wie behauptet wird, daß diese unabhängig
von den übrigen
abgefaßt und erst später beigefügt
worden sind. Es liegt vielmehr auf der Hand, daß in
a
U nur die in der Editio princeps des Aldus Manu-
tius nicht vorhandenen bzw. vollkommen anders lau-
tenden Abschnitte sekundär herausgeschrieben
sind2.
Die Situation
in der Aldina freilich ist auf die
allgemeine Überlieferungslage
zurückzuführen,
die
sich in ihren wesentlichen Zügen folgendermaßen
skiz-
zieren läßt:
Marc.IV.58
IMarc.216
Die Filiation des Traktats
Mir. wird von zwei (nicht
vier, wie bisher angenommen)
unabhängigen
Familien gebil-
det. Die erste Familie über-
liefert folgende Kapitel
der Bekkerschen
Ausgabe in
dieser Reihenfolge: 152-163.
4.9 .5 .164-176.1 (bis 830a12).
Ambr.A Marc. Marc.
1745Up.
2X':
Esc.Ed.
U
Ott .147
Scriptores
rerum mirabilium
graeci, BrunSvigae
1839, S.IV, XXVI
2
•
Daß diese Ergänzung in Ua,
Ott.147 und Esc.Ed.68.
V.12 (letzterer
Textzeuge bricht mit Kap.169 ab)
auf die textkritische Arbeit der Aristotelischen
Ak~demie von Trient zurückzuführen
ist, wurde be-
re~ts oben S.83 eingehend besprochen.
-
210 _
177.178.32-75 .77 .76.78_151 .
Ihr Hyparchetypus ist
der Marc.Iv.58; das obige Stemma
veranschaUlicht
seine Deszendenz.
Die zweite Familie umfaßt demge_
genüber die Kapitel 1-1511•
Sie ist in zwei unabhän_
gige Überlieferungsarme
geSpalten,
deren einer (a)
durch die Laurentiani
86,32 und 60,19, auf die der
Havn.Fabr.60 _4°
und der Ambr.c 4 sup. zurückgehen,
und deren anderer
(b) durch den gegen Ende der
Schrift mutile abbrechenden
Londin.Lamb.Pal.1204
und
den Vat.1302 repräsentiert
wird. Letzterer
ist der
Stammvater
der Voneinander
unabhängigen Urb.l08,
Pal.162 und schließlich Bern.402,
welcher
seiner-
seits das Antigraphon
des Leid.Voss.Q 25 darstellt3•
Die beiden Familien
unterscheiden
sich am auffäl-
ligsten dadurch Voneinander,
daß die ersten 31 Kapi-
tel der Schrift inhaltlich
nicht übereinstimmen;
erst ab Kap.32 überliefern
beide Familien
denselben
Text4,
Dieser Umstand ist im Überlieferungsarm a be-
Auf die Kenntlichmachung
ganz vereinzelter Auslas-
Sungen und unbedeutender
Umstellungen
heterogener
Art innerhalb der Handschriften
dieser Familie
sei verzichtet.
2 Im Laur.86,3 ist die abhanden
gekommene
zweite
Hälfte Von einer wesentlich Späteren
Hand, wohl
der des Camillus Venetus, ergänzt, die einen Kodex
aus dem gleich zu nennenden
Überlieferungszweig b
als Vorlage benutzte.
3 Auch die Aldina hat ihre Vorlage aus diesem Zweig
der Überlieferung
genommen.
4 Eine inhaltliche Analyse muß zeigen,
ob beide An-
fänge authentische Teile der Schrift sind Und mög-
licherweise hintereinander
in den Text gehören
oder ob wir es mit Zwei verschiedenen
FaSsungen,
welcher Herkunft sie auch immer sein mögen, zu tun
haben.
-
Es sei hier nur beiläufig darauf hinge-
wiesen,
daß sich der fragliche Text auf beiden
-
211 -
merkt worden und hat dazu geführt, daß die Kapitel
152 ... bis ••• 178 an den Schluß des Textes (hinter
Kap.151) mit der folgenden
Bemerkung (vgl.Laur.60,
19, Havn. und Ambr.C
4 sup.) angefügt wurden: EV
äAAW aVTLypa~W n ltPOXELμEvn aPXn ltaOCl twV ltClpaö6~wv
axouoμatwv CAELltEV äxp~ TOi) "Ev ßL~UV(Cl oe ti'i!> ~pa-
xn!> EV Tot!> μETaAAO~!>" (=832b27),
~ oClV 0€ avt'EXEC-
vwv t~ UltOTETClYμEVCl: - Wenn hier statt 832b21 (= Be-
ginn von Kap.32) erst 832b27 als der Beginn des über-
einstimmenden
Textes angegeben wird, so hat das of-
fensichtlich
seinen Grund darin, daß die übereinstim-
menden dazwischen
liegenden
Stellen wegen einiger ab-
weichender Lesarten
-
so ergänzt die erste Familie
z.B . ltEpt TWV EX yn~ aVClCjlUOμeVwv ltUPWV direkt vor
(xa~) f:.V ßL~UV(Cl •. •
-
nicht als solche
dem zitierten
gesehen wurde.
Wir kehren zur Lin. -Überlieferung
zurück. Mit
den in diesem Abschnitt behandelten
Ottoboniani ist
vom Stammvater
der Familie y ausgehend die achte
Handschriftengeneration
in gerader Linie erreicht.
Zum Schluß mag deshalb eine tabellarische Übersicht
Idee von J.Mogenet1 die von Stufe zu Stu-
Textkorrumpierung
zahlenmäßig
einzelne Überlieferungs-
nach einer
fe fortschreitende
veranschaUlichen.
Für jede
Seiten in genau 31 Kapitel gliedert, jeweilS ge-
danklich gut zum Anschluß paßt und mit denselben
Wort
•
,-
•
en endet:
•••
Tn!> ~apaxoltn~, E~nOEV EXE~VOV
aUt~ TOV Xp6vov
nÖLoTa ßEßLiiio~ClL (= Kap.31, 832b
20/21 und Kap.178, 847b9/10).
J.Mog~net, Autolycus de pitane. Histoire du :exte,
LOuvaln 1950 (= Universite de Louvain. Recue~l de
Travaux d'Histoire
et de Philologie,
3e S~rie,
Fasc.37), S.67 sqq.
-
212 -
stufe wird die Zahl der größeren
Auslassungen
(meist
ex homoeoteleuto)
= A, der kleineren Auslassungen
von Silben, einzelnen
Wörtern
oder Wortgruppen
=a,
der sonstigen
Fehler verschiedener Art = F, der
Transpositionen
= T, der Ergänzungen
=Eundder
itazistischen
oder sonstwie
aussprachebedingten Ab-
weichungen
=
I notiert; daneben
sind auch die Kor-
rekturen
und Überarbeitungen
jeglicher Herkunft
=K
durch welche in fünf Textzeugen
Fehler
verSChiedensten
Generationen
wieder geheilt wor-
den sind:
verzeichnet,
der
A
a
F
E
7
17
In
5
33
la
3
11
H
la
4
1
10
G
IQ
4
19
I
3
10
•
UaQ53
0/4 6/10 9/10
T
E
I
2
1
7/9
K
6
4
2
4
1
5
22
3
3
3
4/0
-
213 -
Vind.Phi1.206, Par.1851 und Urb.38 (Qa)
Wir müssen noch einmal zum "Urgroßvater"
der so-
eben behandelten
Ottoboniani, dem Marc.212 (Ga), zu-
rückkehren. Denn aus ihm sind unabhängig von Q auch
drei andere Handschriften geflossen.
Alle seine spe-
zifischen Merkmale kehren wie in Q auch in Vind.
Phi1.206, Par.1851 und Urb.38 (Qa) wieder. Auch bei
diesen Abkömmlingen
fand die Übernahme erst statt,
nachdem der Kodex von Bessarion
überarbeitet worden
war, da die meisten
seiner Korrekturenl
und margina-
len Ergänzungen
Berücksichtigung
gefunden haben.
Ein Blick auf die Kollationen aus den
drei Handschriften
läßt erkennen, daß
Vind. und Par. viel enger miteinander
verwandt sind als mit Qa und daß die eine
Seite nicht die andere beeinflußt haben kann, da wir
Par.
sowohl hier wie dort komplizierte
Trennfehler fin-
den. Auf beiden Seiten begegnen
die zur Genüge be-
kannten Kategorien
von Sonderlesungen,
vor allem
Auslassungen jeglicher
Art - von Buchstaben, Wörtern
und Wortgruppen
-
,
aber auch Hinzufügungen,
Trans-
POSitionen, Itazismen,
orthographische
Verschieden-
heiten usw.,
wobei oftmals bewußte Versuche einer
Emendierung vorzuliegen scheinen.
Ein paar Beispie-
le aus den langen Variantenlisten
zur Illustration:
Vind.Par.
Ba:l
triv q)\lo LV
ti; e!\JOEL
ZIl en Ausnahmen
vgl. unten 5.216.
Ga Qa
8b7
-+
9a17
ta~ aTOμOu!>
-+
Oa4
,
ri
-+
EL
a22/3
-+
a24/5
-+
Ib24
öAw!>
-+
Ga
Vind.Par.
a24
b16
Oa8
Ga
8bll
9b24
6{ TLVCl
Oa16
Ti'js
la23
ötav Y~P
2b15
E»
Verbindende
-
214 _
Vind.Par.
om.
öoaL - μETPO~μEvaL
(ex homoeot.)
ln6)Jou~
Die Vorlage,
Von welcher Qa einerseits und Vind.
Par. andererseits unabhängig voneinander
abstammen,
kann nicht mit Ga selbst identifiziert
werden,
da
die drei jüngeren Handschriften
auch gemeinsame
Bin-
defehler gegenüber
Ga zeigen,
wie etwa:
,
t
ELU
orn ,
om. ÖLa TO - OUVEXE~
(ex homoeot.)
ÖAW~ ÖAOU (Konj.?)
ErvaL ÖLltAaat.'avl
-+ EXEL (recte)
-+ 66~ELEV
(recte)
,
-+ om, TCl
-+ add. μn post EL
(Konj.?)
Qa Vind.Par.
om.
"av
Ör) TLva
TOÜ
yap μn (Konj.?)
gemeinsame
Merkmale
sind auch mehrere
Offensichtlich
der Versuch, die Auflösung der
pension mit einer Korrektur
zu kombinieren.
Sus-
-
215 -
gelungene Konjekturen
und orthographische Verbesse-
rungen (mit der Vulgata meist gegen Ha und dessen
Abkömmlinge) • z , B.
Ga (Ha)
Qa Vind.Par.
8a9
YPClμμS~
-+
YPClμμi'j!>
,
A6yo~
9a27
V
-+
1all
OTqμn
-+
OT LYμn
2a19
oTLyμn
-+
otLYμnv
a29
OTEPPOO
-+
OTEPEOO
Es ist nunmehr
sicher, daß unsere drei
Textzeugen
indirekt über ein vermitteln-
des Zwischenglied
auf Ga zurückgehen. Da
diese vermittelnde
Handschrift mit keiner
der erhaltenen
gleichgesetzt
werden kann,
Par.
muß sie verlorengegangen
sein. Ihre Textgestalt läßt
sich jedoch aufgrund
der Existenz zweier getrennter
Abschriften mit großer Genauigkeit rekonstruieren.
Überall dort, wo erstens
Qa, Vind. und Par. gemein-
same Fehler gegenüber
Ga aufweisen und zweitens Ga
entweder mit Qa oder mit Vind. und Par. zusammen-
geht, werden wir ebendiese Lesarten auch für den
Text des deperditus ansetzen
dürfen.
Fertiggestellt
in der Zeit zwischen der Entste-
hungs.
a
e~ner Vorlage G
oder vielmehr der Korrektu-
ren Bessarions,
die ja größtenteilS berücksichtigt
sind, und des älteren
seiner drei Apographa, stellt
dieser verschollene
Kodex eine ungewöhnlich
sorgfäl-
tige und gewissenhafte
Abschrift dar. Von der hohen
Qualit"t d'
.
E'
a
~ e se s Textzeugen
bekommt man e~nen
~n-
druck
'
t
,
wenn man sich vor Augen führt, daß ~nsgesam
-
216 _
sieben kleinen
Versehenl, VOn denen zudem das eine
oder andere als Versuch einer Konjektur aufgefaßt
werden könnte, eine fast doppelt
so große Zahl Von
gelungenen
Emendationen
gegenübersteht, durch die
die Lesart der VUlgata gegen eine Verderbnis der
eigenen Familie wiederhergestellt
worden ist. Auch
an die Auflösung
einiger
Abbreviaturen hat sich der
'
,
T'
,
,
Kop~st herangetraut,
z.B. la4 Evav
-+ EVaVtLClL,
b
EP,
_
_
Ö.
1 21 ltEPLf
- + ltEPLCjlEPELa und 2b29 öLa~o ltWS -+
La-
<popov 1tW~ .
Wie schon erwähnt, lagen dem Schreiber dieses Ma-
nuskripts die Korrekturen
Bessarions
in Ga bereits
vor. Dennoch fehlen in allen drei Apographa
ebenso
wie im Grundtext VOn Ga die Wörter 2al1 owμaTwv
aTOLXEra,
eine Auslassung durch Homoioteleuton,
die
der griechische Kardinal
am Rand nachgetragen
hatte.
Es gibt zwei Möglichkeiten,
diese Tatsache
zu erklä-
ren: Entweder wurde die Marginalie bei der Abschrift
Übersehen,
oder Bessarion
ergänzte
sie erst bei
einer späteren
Revision, die also nach der Fertig-
stellung des verschollenen
KOdex, aber auf jeden
Fall nOch Vor 1457 st~ttgefunden
haben mUßte, da
Rhosos die Ergänzung bereits in Q eingearbeitet
hat.
Analog verhält es sich mit einer anderen Korrektur
Bessarions
(9a20/1): Der übergeschriebenen
(kaum zu
Cl•
n
entdeCkenden)
Variante tiii ECÖEL in Ga, durch die
der riChtige WOrtlaut entsprechend
der VUlgata her-
a
gestellt wird, ist bei Q Rechnung getragen,
bei Q
Unter ihnen kein einziger
wirklich gravierender
Fehler, aUch keine längere AUSlassung, Was in der
Tradierung Von Lin. eine höchst seltene Leistung
darstellt.
-
Theoretisch könnte die Handschrift
natürlich
aUch durchkorrigiert
worden sein.
-
217 -
run g wird man
über das exakte
Kodex nichts Näheres
einer sicheren Klä-
Problems, zumal
und Vind./Par. hingegen nicht. Zu
hinsichtlich dieses
Entstehungsdatum
des verschollenen
auszumachen
ist, nicht gelangen
können.
zur mühelos
und
rekonstruierbaren
Text-
äußere Gegebenheiten
in Erfahrung
bloße Ver-
Im Unterschied
form läßt sich über Anlage
des codex deperditus
nicht mehr viel
bringen. Immerhin dürfte es mehr als eine
mutung sein, daß hier die Schrift An. dem Text von
Lin. voranging,
wenn man sich vergegenwärtigt, daß
sowohl in Vind./Par.
als auch in Qa, den unabhängig
voneinander aus jenem Kodex geflossenen Abschriften,
gerade diese Traktate
aufeinander
folgen. Vielleicht
darf man auch eine vorsichtige Hypothese über die
Zeilenlänge jener Handschrift äußern. Sie mag durch-
schnittlich etwa 35 Buchstaben
umfaßt haben, wenn
man von der ziemlich gleichmäßigen
Länge der drei
AUslassungen du~ch Homoioteleuton
im Überlieferungs-
zweig von Vind./Par.
(8b7 = 39, Oa22/23 = 36 bzw.
431, Oa24/25 = 302 Buchstaben)
ausgeht3•
Die enge Verwandtschaft
des Vind. und des
Par. wird eindeutig durch zahlreiche Binde-
Vind.
Par.
J: nachdem,
ob man Oa22 tnV öAnV mitrechnet oder
n~cht. de
h"
.'
W'd
h
'
nn auc
hLer w~rd letztl~ch die ie er-
olung'
..t
'
..(
-
(0
OU ltOL'I0EL μE(~W (Oa22)/oU ltOL'I0EL μE~~OV
a23) zum Ausfall des Stückes geführt haben.
2. Ohne Oa24 öLClLpeoEL~
was in Ga und Qa und somit
auchid
','
3
n
em verlorenen
zw~schengl~ed fehlt.
Das A
d
.
~ ge des Kopisten
gleitet am ehesten ab, wenn
~e
s~h
.
b'
d
c
w~ederholende gleiche Buchstabenver
~n-
ung etwa untereinander steht. Daher machen lacu-
naeexh
'
Z'
I
omoeoteleuto
oft ziemlich genau e~ne
e~-
e des zugrunde liegenden
Textes auS.
-
218 -
fehler gegenüber
ihrem Vorfahren
Ga und ihrem Sei-
tenverwandten
Qa bewiesen.
Im Verhältnis der beiden
Textzeugen
zueinander
scheint
von den drei stemmati_
schen Grundtypen
eine Möglichkeit.
nämlich die di-
rekte Abhängigkeit des Par. vom Vind •• dadurch aus-
geschlossen
zu sein, daß die Wiener Handschrift et-
wa ein halbes Jahrhundert jünger ist als der Par.,
wenn man einer SChreibernotiz
im letzteren
Glauben
schenkt. Der Vind. datiert selbst bei vorsichtiger
Auswertung der Wasserzeichen,
die ähnlich für 1460-
62 belegt sindl,
aus dem dritten Viertel des 15.Jhs.,
während die SUbskription
des Pariser
Pergament-Ko-
dex das Jahr 1402 angibt. Doch diese Datierung des
Par. ist aus zWei Gründen mehr als problematisch:
Erstens weist der paläographische
Befund den Duktus
des ersten Teiles des ManUskripts
(ff.1 -22; Lin.:
ff.18v_21) nicht der Wende Vom 14. zum 15.Jh •• son-
dern vielmehr der zweiten Hälfte des 15.Jhs.
zu,
Und zweitens schließt die relative
Chronologie der
Filiation.
Wonach der seinerseits erst nach 1438
entstandene2 Marc.212 (Ga) geradliniger
Vorfahr im
zweit(~ Glied Von Qa Vind.Par.
ist, diesen frühen
Zeitansatz gänzliCh aus.
Zur Lösung des Problems führt die kOdikologische
ff.l-10: Ochsenkopf
mit Blume, recht ähnlich G.
Piccard, OChsenkoPf-wasserzeichen,
3 Teile, Stutt-
gart 1966, XII,431 (a.1461/62), jedoch Stange kür-
zer und Blume größer (Briquet 14759, so bei Hunger
(vgl.oben
S.169, Anm.2), S.316, kommt kaum in Fra-
ge); ff.11 -52: Dreiberg im Kreis mit Kreuz, ähn-
lich Briquet 11883 (a.1460), jedoCh etwas weiterer
Abstand der BOdendrähte (Briquet 11895, so bei
Hunger, kommt kaum in Frage).
2 Vgl. oben S.176-177 .
-
219 -
Untersuchung des Par. Dieser besteht aus zwei Tei-
len - a) An. und Lin.: ff.1-22
= 2 Lagen (1 Quinio
und 1 Senio). nur die erste (mit Cl) signiert; b)
Themistios, In An. comm.: ff. 23 -76 = 6 Lagen (2 Qui-
nionen, 3 Quaternionen,
1 Quinio) Cl-E, die letzte
nicht signiert
-
,
die von zwei verschiedenen Kopi-
sten geschrieben
sind. Die erwähnte Subskription
steht am Ende des zweiten Teiles (f.75v)
und stammt
von der Hand des betreffenden
zweiten Kopisten. Aus
diesen Beobachtungen
ergibt sich, daß im Par.1851
zwei Teile verschiedener Herkunft und verschiedenen
Alters vereinigt worden sind, deren erster aus der
zwei ten Hälfte des 15. Jhs. stammt und deren zweiter
im Jahre 1402 fertiggestellt
wurde. Dabei sind na-
türlich inhaltliche Gesichtspunkte für die Zusammen-
legung der Originalschrift
An. (und Lin.) mit dem
dazugehörigen
Kommentar
des Themistios ausschlagge-
bend gewesen.
Wie es scheint, hat sogar der jüngere
Kopist den älteren
Kommentarteil vor sich gehabt und
seine eigene Arbeit als Supplement im Hinblick auf
die beabsichtigte
Vereinigung in einem einzigen Band
angelegt. So jedenfalls läßt sich wahrscheinlich die
äußerliche Übereinstimmung deuten: jeweilS 39 ge-
pro Seite und gleiches Format des
195x130) im ersten Teil und
schriebene Zeilen
Schriftspiegels
(ca. mm
im erste Q'
,
n
u~n~o des zweiten Teiles.
Die Subskr-i
,
.
'I
t
r~pt~on
am Ende des alteren Tel eS nenn
zwark.
e~nen Schreibernamen,
wohl aber außer dem Jahr
auch d
.
en gen auen Ort der Entstehung; sie lautet w~e
fOlgt (f
v
,
'
. 7 5 ): EypaCjln E» μEÖ~OAavw Tii~ ALyuoHxi'\~ c v
tiii μO\)ClOTll '
.,'
'
""",.
PLW TO~ ClYLOU ClμßPOOLOU KClL EtEAELwvn EtEL
tf\!> XÜ 0
'
,
Ö
axpwaEws
X~ALOOTW TETpaxOoLootW ÖEUTCPW E-
-
220 -
HEBpCou
X~:
-
Jahr, Ort und Kloster bringen unSe-
ren KOdex in auffallende Nähe zu zwei von G.Mercati
identifizierten Autographa des Manuel Kalekas
(t1410), und zwar zum Vat.l091 mit der Schrift "De
fide deque principiis fidei catholicae" des Kalekas
und zum Marc.156 mit der Schrift seines Lehrers und
Freundes Demetrios Kydones "De processione Spiritus
Sancti", die im September bzw. Januar des vorange-
gangenen Jahres 1401 in ebendemselben Kloster ge-
schrieben wurdenl. Mit seiner unübertroffenen Ge-
lehrsamkeit und Kombinationsgabe hat Mercati, der
anhand einer Photographie feststellte, daß die ma-
nus des Par. nicht die des Kalekas ist, aus verschie-
denen Indizien den Schluß gezogen, daß die Hand un-
seres Textzeugen "quasi certamente di un latino"
stammt2• und hat darüber hinaus vermutet, daß wir es
vielleicht mit einem SchÜler des berühmten Manuel
Chrysoloras3 (um 1350-1415), der ein Freund des Ka-
Vgl. G .Mercati (vgl.oben S.110, Anm.2), S.81; ebd.,
Anm.l, diskutiert Mercati die Lokalisierung des
Klosters.
-
VgI.auch oben S.117.
2 G.Mercati, 8.81, Anm.3 (auf S.82): "Avevo creduto
dapprima che la permanenza deI frate (= Kalekas)
a Milano potesse essere attestata anche per il 29
dicembre 1402 ( ... ) dall'Aristotele Parisino gr.
1851 ... , ma Una fotografia '"
mi ha dimostrato
cio che Ie gravi varianti nella denominazione di
Milano edel monastero e nell' uso deI era volga-
re (in den beiden Kalekas-Handschriften heißt es
nämlich: f:.\1 TOr~ MEÖLoAavoLS tv T~ μov~
•••
lTOU~
,qA() facevano sospettare, e cioa che la scrittu-
ra a di una mano affatto diversa, quasi certamen-
tedi un 1atin0 ,
...
".
3 Ober diesen für die Geistesgeschichte der Renais-
sance so bedeutenden byzantinischen Gelehrten vgl.
vor allem G.Cammelli, I dotti bizantini e Ie ori-
gini delI' umanesimo, I: Manuele Crisolora, Firen-
ze 1941.
-
221 -
lekas war und sich damals in Mailand aufhielt, zu
tun haben1 .
Mit beiden Vermutungen behält Mercati recht. Denn
der Schreiber des zweiten und älteren Teiles des
Par.1851 ist Italiener und zudem des Manuel Chryso-
loras Schüler und Freund: Palla di Nofri Strozzi2
(1372-1462), wie ein Vergleich mit den subskribier-
ten Parisini 1908.1909 und 1919 lehrt3• In den von
L. A . Ferrai, V. Fane lli und G. Fiocco veröffentlichten
Inventarien der Bibliothek des Palla Strozzi, die
G.Mercati, loc.cit.:
"Uno scolaro del Crisolora
a Firenze? a Milano ( ••• ) 0 a Pavia?".
2 ..V ~:r ~eine Person vgl. A .Fabroni, Pallantis Stroc-
t~~ v ~ta, Parma 1802; G.Fiocco, La casa di Palla
Strozzi, in: Memorie dei Lincei, Classe scienze
morali~ serie VIII, vol.V, fasc.7, 1954, 5.361
- 382. Uber Palla Strozzi als Humanisten und För-
derer griechischer Bildung kurze Bemerkungen bei
G.Voigt, Die Wiederbelebung des classischen Al-
terthums, Berlin 1859, S.152; E.Ferrai, L'Ellenis-
mo nello studio di Padova, Padova 1876, S.26 sqq.;
G:Cammelli, S.57-60 und passim (vor allem über
d~e Beziehungen zwischen Chrysoloras und Strozzi);
G.Cammelli, I dotti bizantini e Ie origini dell'
umanesimo, II: Giovanni Argiropulo, Firenze 1941,
S.21 sqq. und passim. Über seine Bibliothek han-
deln L.A .Ferrai, La biblioteca di S.Giustina di
Pad
.
.
I
ova, Kap.II, als Appendix zu G.Mazzat~nt~,
n-
Ventario dei manoscritti Italiani delle bibliote-
c~e .di Francia, II, Roma 1887, S.566-574; R:Sabba-
d7n~ (vgl.oben S.63 Anm.l), S.55; V.Fanell~, I
~~ bri di messer Palia di Nofri Strozzi (1372-1462),
~n: Convivium 1 1949 S 57-73' G.Fiocco, La bi-
bl'
"".
.
'
~ oteca di Palla Strozzi
in: Studi d~ b ~bl~o -
grafia e di storia in ono;e di Tammaro de Marinis,
III, 1964, 5.289-310.
_
Eine umfassende Darstel-
lun d
.
.
t
e .g ,es W~rkens dieses bedeutenden Huma~~s e ~
.
~ ~ st~ert, wenn ich richtig informiert b~n, n~cht,
s~e
..
ware ein dringendes Desideratum.
3 V gl. jedoch oben S.116, Anm.2 .
-
222 -
zumindest
von den griechischen
KOdizes,
die er im
Laufe seines langen Lebens sammelte,
nur einen Bruch_
teil erfaßt zu haben scheinen,
ist diese Handschrift
nicht aUfgeführt.
Der Name des jüngeren
Kopisten,
also desjenigen
des ersten und hier hauptsächlich
interessierenden
Teiles des Par.1851, ist mir unbekannt
geblieben.
Auch E.Lobel, der hervorragende
Kenner griechischer
Schreiberhände
der Renaissancezeit,
vermochte den
Kopisten
des Laur.60,14 (Poet.), der meiner Ansicht
nach mit dem des Par. sicher gleichzusetzen
ist,
nicht namhaft zu machenl. Dieser Schreiber
muß eine
enorme Menge griechischer
ManUSkripte angefertigt
haben. Schon Lobel hat außer dem Laur. sechs weitere
Kodizes aUfgefÜhrt,
und allein unter den Aristoteles-
Handschriften
ist mir seine Hand etliche Male begeg-
net2•
Lobel hat m.E. sehr überzeugend
dargelegt, daß
dieser Schreiber
-
wir Wollen ihm nun wegen seiner
Produktivität
und Bedeutung
einen Namen geben: Li-
brarius Florentinus
-
in Florenz
tätig war und den
Laur.60,14 dort zwischen 1473 und 1492 (oder sogar
spätestens
1483) geschrieben
hat3. Auf die Verbin-
E.Lobel (vgl.oben S.19, Anm.3), S.53 (= Appendix
VI ): "I have not sUcceeded in identifying this
scribe, but it is reasonably certain that he
worked in Florence".
Er ist sicher nicht identisch
mit Demetrios Chalkondyles, Wenngleich mit ihm in
Beziehung stehend (vgl.unten), wie A.Diller, The
Manuscripts of Pausanias, in: Transactions and
Proceedings of the Amer.Philol.Ass.88, 1957, S.169
bis 188, dort S.176, Anm.42, vorsichtig vermutet.
2 Vgl. unten Anhang, S.417 (Anonymus 1).
3 E.Lobel, S.14/15 und 53.
-
223 -
Florenz weist auch das Wappen
ihm geschriebenen Mon.1511
(Li) und die nicht zu übersehende Tatsache, daß die
meisten der ihm zuzuweisenden Kodizes sich in der
Laurenziana zu Florenz befinden2, wobei seine Re-
staurierungen im Laur.C .S .AF 2604 (192) möglicher-
weise auf offizielle Bibliothekstätigkeit hindeuten.
dun g des Kopisten mit
der Medici in dem von
einem Artikel zur
causis plantarum3
Briefen des Ambro-
Traktats von der
Nun hat jüngst A.Colonna in
Textgeschichte von Theophrasts De
zu beweisen versucht, daß eine in
gio Traversari erwähnte Kopie jenes
Hand des Paolo dal Pozzo Toscanelli (Paulus medicus
bzw. physicus) (1397-1482) sich heute im Laur.85,3
wiederfinde, der ganz von eben unserem Librarius
Florentinus geschrieben ist. Die Gleichsetzung des
berühmten Mathematikers und Astronoms, des Brief-
partners von Columbus, mit diesem Schreiber, dessen
Duktus schwerlich der eines Lateiners sein kann, muß
jedoch mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Denn
Paolo dal Pozzo Toscanelli, der den besagten Theo-
Dieser Kodex mit Kommentaren des Alexander von
Aphrodisias und Michael von Ephesos zu den Parva
~ ~ t ~ra~ia wurde von Clemens VII. (Giuliano dei Me-
~C1) ~m Jahre 1532 dem deutschen Humanisten und
Klassischen Philolo$en Johann Albrecht widmann-
stetter geschenkt.
2 Die Reihe der mir bekannten nicht_aristotelischen
~anuskripte dieses Schreibers in der Laurenziana
~ st noch wesentlich stattlicher.
3 A.Colonna, Per una edizione critica deI Oe causis
plantarum di Teofrasto, in: Bolletino dei comit~to
per la preparazione della edizione nazionale de~
classici greci e latini N.S .14, 1966, S.1-12,
dort S.6 -7 .
'
-
224 -
phrast-Kodex
im Jahre 1431 schriebI,
war bereits
seit zwei Jahrzehnten
tot, als der Matr.4578 (N41),
an dem der Librarius
Florentinus
mitwirkte,
ent-
stand2•
Der Schreiber
der Lin. -Handschrift
Vind.Phil.206
ist, wie ein Vergleich
mit dem von H.Omont3 publi-
Zu den Einzelheiten
vgl. die Beschreibung des
Laur.85,22 im 'Aristoteles Graecus',
wo ich die
Vermutung äUßere. daß ebendieser
Kodex das Auto-
graphon des Toscanelli
sein könnte.
2 Der Matr.4578 (mit Oec. und POl.) ist zum größten
Teil von Konstantin Laskaris im Alter von 66 Jah-
ren im Jahre 1501 und etwas später geschrieben;
er enthält f.97v eine lange SUbskription
des Ge-
lehrten:
'"
f:." μEaOn"n T~~ OLXEAt.'as ETEL QltO ~EO-
yovt.'as
aCjlCl T~ μev otxovOμLXa
npo ltOAAOO XCl~ TLva
Tiiiv ltOALTLXiiiv,
Ta Ö€ TEAEUTara
UOTEPOV xa~ ltpo!>
T~ T€AEL TOO ßt.'ou ••• Vom Librarius
Florentinus
stammt nur ein einziger
Quinio (ff.54-63v)
mit
eigenem Wasserzeichen
(Adler = Briquet 90, a.1503),
der genau mitten in einen Quaternio des Laskaris
(ff.50 -53v,
64-67v)
eingefügt ist, so daß insge-
samt eine Lage mit 18 Blättern entstanden
ist. Da
der laufende Text an allen Nahtstellen
lückenlos
und völlig gleichmäßig (d.h .gleiche SChriftdichte,
Zeilenzahl
etc.) ineinander
übergeht, handelt es
sich nicht um die sekundäre
Einfügung
von etwas
Ausgefallenem
oder Ausgelassenem.
sondern um die
FortfÜhrung der von Laskaris f.53v unterbrochenen
Arbeit auf einer Extralage,
an die wiederum
Las-
karis seinerseits später anknüpft; er verwendet
dabei ab f.64 viel dunklere Tinte als vorher:
T~
öe TE\EUtarCl UOTEPOV?
3 H.Omont (vgl.oben S.69, Anm.l), pl.16 aus dem Par.
2783. Diesen KOdex will D.C .C .Young.
A Codicologi-
cal Inventory
of Theognis Manuscripts,
in: Scrip-
torium 7, 1953, S.3-36, dort S.3, Anm.l, eher Ja-
nos Laskaris Zuweisen:
"No.16, ascribed to Chal-
condylas,
seems rather to be a good sampIe of J.
Lascaris."
Aufgrund des Vergleichs
mit Par.2023
(vgl. M .Vogel-V .Gardthausen,
S.107) bin ich jedoch
VÖllig sicher, daß wir in dem von Omont veröffent-
lichten Specimen sehr wohl Demetrios Chalkondyles'
-
225 -
zierten Specimen und mit dem Aristoteles-Kodex
Par.
2023 lehrt, kein anderer
als der bekannte byzantini-
sche Humanist Demetrios Chalkondyles I (1424-1511),
der dritte bedeutende
Inhaber des Lehrstuhls für
Philosophie und griechische
Literatur in Florenz
nach Hanuel Chrysoloras
und Johannes
Argyropulos.
Zwischen ihm und dem Librarius
Florentinus
hat eS
offensicht li ch gewisse Verbindungen
gegeben; unter
den Marginalien des Par.1851
sind nämlich auch eini-
ge (z.B. ff .15v,61v,66v)
von der Hand des Chalkondy-
lesL. Es leuchtet daher ein, daß in der im Vorsatz
des Par. befindlichen
Notiz des EinbandmeisterS
über
eine Auftragsausführung
nur der gelehrte Byzantiner
gemeint sein kann: Dominus Demetrio / cop(er)to tut-
t o , So war er es offensichtlich,
der den Librarius
Florentinus mit der oben besprochenen
Erweiterung
des jetzt zweiten Teiles des Par.1851 (ThemistioS,
In An. comm.) um die OriginalS chrift deS Stagiri ten
(plus Lin.) betraute
und dann die beiden Teile in
einen Band binden ließ. Weiterhin ist ZU bemerken.
Hand vor
scheinen u~s haben. Youngs Identifizierungen
,
m~r auch
'
~stzBd'
sonst etwas problematlSch: So
••
aeH
dd
eine Sch'f
an
es Pal.102•
von der er pl.9.e
die des ~' tprobe beibringt. mit Sicherheit nicht
chael L ~manuel Atramyttenos. sondern die deS Mi-
yg~zos.
G.Cammelli,
I dotti bizantini e Ie
Firenze 19
umanesimo•
rrr, Demetrio Calcondila.
ten aus d 54.
-
Mehrere aristotelische Handschrif-
rung auf er Feder des Chalkondyles (rdentifizie-
aUfgeZählgrUnd des Duktus) sind unten im Anhang
t.
Über ihn vgl.
origini delI'
2"
'
Ahnliche Fälle der zusammenarbelt
Männer in ein und demselben
Kodex
ger; darüber andernortS.
-
226 -
daß sich die enge stemmatische
Beziehung der vom Li-
brarius
Florentinus
und Von Demetrios ChalkondYles
gefertigten
Kopien von Lin. auch in der Filiation
von Poet. analog wiederholt.
Die direkte Vorlage des
Vom Librarius
Florentinus
geschriebenen
(obengenann_
t e n ) Laur.60,14 ist nämlich laut E.Lobel der von ihm
zu Recht dem Demetrios ChalkondYles zugewiesene
Ambr.o 52 s up i I , Es wird sich zeigen, ob auch im Fal-
le von Lin. das Manuskript des byzantinischen Gelehr-
ten (Vind.Phi1.206) die Quelle des vom Librarius Flo-
rentinus geschriebenen Par.1851 gewesen ist.
In diesem Par. entspricht der den Librarius Flo-
rentinus kennzeichnenden Tadellosigkeit der Ausfüh-
rung auch die hOhe Qualität der Kopie, was ihre
Treue gegenüber dem Text der Vorlage betrifft. Nur
die fOlgenden spezifischen Merkmale lassen sich auf-
sPüren. Drei kleine Weglassungen: 9bl0 om. μ€V, Ib29
OUö€V -+ ouöe, 2a32 EvunapXoVTWV -+ ultapXovTWV, ein
orthographisches Versehen in der Vokallänge: 8bl
Xp6vw
-+ Xpwvw
und drei (zum Teil völlig sinnändern-
de) VerwechSlungen von Buchstaben: 9a28 wö~
-+ wöe
Oa22 Tnv ÖAnv -+ Tnv ÜAnv, Ib8 TOO M -+ TOO n.
Damit steht trotz der relativ geringen Fehleraus-
beute fest, daß der Par. nicht die Quelle des Vind.,
der diese Eigentümlichkeiten nicht aUfweist, gewe-
sen sein kann2. Berücksichtigt man nun, daß es im
Vgl. E .Lobel, S.14/15, 44/45, 53.
2 Zu demselben Ergebnis fÜhrt auch eine andere klei-
ne Beobachtung. Das aus Ha an Ga weitervererbte
Kürzel lte- (Oa7) begegnet ähnlich auch im Vind.
(n~), nicht aber im Par., wo zu ltEP~ aUfgelöst
ist. Da sich in der chronologiSchen Entwicklung
der späten Minuskel eine Tendenz zur AUflösung
-
227 -
Vind. gegenüber dem Par. keinen einzigen echten
Trennfehler gibt, so liegt es nahe, daß vielmehr der
Par. vom Vind. abgeschrieben ist. Denn ein geschwi-
sterliches Verhältnis zwischen den beiden Textzeu-
gen, wobei dann nur zufällig im Wiener
Manuskript kein Trennfehler entstanden
wäre, scheint bei dem zwar kurzen, aber
zu Fehlern geradezu ständig Gelegenheit
bietenden Text von Lin. so gut wie ausgeschlossen.
Die einzige negative Abweichung des V Ln d- gegen-
über dem Par. findet sich 8a4, wo μLXTOV statt μL-
XPO\) stehtl. Doch die richtige Lesart im Par. ist
auf jeden Fall eine Konjektur - im TextzUsammenhang
sehrI'
"
......
o'v
e~cht zu finden: T6 tE OALYOV KClL tO μLXP
_
, da das fehlerhafte μLKTOV schon in Ga2 vorhanden
war; und das, was im Großvater (Ga) und im Enkel
(Vind.) belegt ist, muß auch im Vater (dem verschol-
lenen Manuskript) gestanden haben. Dieselbe sich an-
bietende Emendation gelang übrigens auch dem anderen
Enkel (Qa) und dem Vaterbruder (Q).
Vind.
\
Par.
von Abk"
(d
urzungen, nicht aber zU deren Neuschöpfung
zuema
seLb .. us gere chnet
an einer Stelle,
an der das+
ve he Kurzel eine bzw. zwei überlieferUngsstufen
or er (Ga)
"ß
.
t
d
'
auch vorhanden war) bemerken la t, ~s
~e Abh"
.
,
ang,gkeit
de'
Vind.
vom Par.
au,ge'ChlO'-
a
en:
Ein Beweis mehr dafür welche Bedeutung der-
rtage u
h"
.
nsc e~nbare BeObachtUngen neben Textvar~-
anten S h
.
d
.
,c
re,bver,ehen
etc
-
und er,t
recht,
wenn
~ese
.
h
•
'
,
n~c t vorhanden sind - in der Stemmat~k ge-
w~nnen können.
Inei.
dI
n~gen anderen Fällen hat DemetriOs Chalkon-
yesei
.
..
~n
~hm unterlaufenes Versehen selbst kor-
ragi.er-t
•
2DerFhl
"
E..e
er unterlief
Be"arion i n der marg,nalen
rganzung einer Auslassung durch Homoioteleuton.
-
228 _
Nachdem
die Sukzession
Vind.
-+ Par. sehr wahr-
scheinlich gemacht ist, erhebt sich natürlich die
Frage nach dem Verhältnis zwis chen den Verderbnissen
im Par. und den paläographischen Gegebenheiten im
Vind. Es ergibt sich in der Tat, daß die Schriftei_
gentümlichkeiten im letzteren die Ursache der Buch-
stabenänderungen im ersteren gewesen sind. Denn
9a28 hat im Vind. das L in wö~, Vor allem wegen des
in einem kleinen Bogen hochgezogenen unteren Teils,
die Form einer schmalen 6 angenommen, so daß zugege-
benermaßen leicht ein E darin gesehen werden konnte.
Oa22 bemerkt man bei T~\I ÖAnv über dem v von Tnv
zwei ziemlich waagrecht nebeneinander angeordnete
Pünktchen, die den Librarius Florentinus vielleicht
mechanisch-unbewußt zu einem v in ÜAnv statt ÖADV
verleitet haben. Schließlich konnte Ib8, wenn auch
ein Vergleich mit den SOnst gebräuchlichen Buchsta-
benformen klarstellt, daß wir es im Wiener Kodex mit
dem Buchstaben K zu tun haben, jener Buchstabe nur
zu leicht als ein unziales n gedeutet werden (TOU )(
-+ TOO n), zumal er nicht Teil eines Wortes ist, son-
dern als EinzelbuChstabe einen geOmetrischen Ort be-
.
h
I
ze~c net • Es darf nUn als sicher gelten, daß der
Par. aus dem Vind. geflossen ist.
Die Qualität der Abschrift des Demetrios Chalkon-
dYles, der kein professioneller Kopist war, sondern
wohl nur für seinen eigenen Gebrauch kopierte, läßt
zu wünSchen übrig. Sämtliche Abweichungen in Vind./
Die VerweChSlung dieser beiden BUChstaben als Ein-
zelzeichen kommt im übrigen auch sonst häufig vor;
z.B. wiederholt in Mech. oder auch Lin. Ib6 TOO
(TO) K: VUlgo + T~ n (Ha?) Ga etc.
-
229 -
mehrere umfang-
Fehler,
jP
..b
a
a
ar. gegenu er G und Q , darunter
reiche Aus lassungen und andere gravierende
scheinen allein auf sein Konto zu gehen. Insgesamt
hat man den Eindruck, daß Demetrios ziemlich rasch
und infolgedessen auch flüchtig gearbeitet hat.
Es scheint, als ob sich die lange Wanderung des
Lin. - Kodex des Demetrios Chalkondyles bis in die
ehemalige Hofbibliothek zu Wien lückenhaft rekon-
struieren läßt. Denn die Bibliothek des byzantini-
schen Gelehrten gelangte nach seinem Tode (1511) an
Schwiegersohn, den Humanisten Aulo Giano Par-
Ct1521), der seine Handschriften und Drucke
an den Kardinal Antonio Seripando (t1563) vererbte2
Die~er deponierte sie in der von seinem Bruder Gi-
rolamo Seripando errichteten Bibliothek im Kloster
S.Giovanni a Carbonara zU Neape13• Dort wird der
Ph'
~ lologe und Handschriftensammler Johannes Sambu-
cus das Manuskript, in dem sich mehrere Marginalien
seinen
rasio!
Über ihn
1
"
St d'
,vg. F .Lo Parco, Aulo G,ano parra,'o,
2 u ~o b~ografico-critiCO, Vasto 1899•
Vgl, da, EXlibri, in einem Ari,totele,-Manu,kriPt
met Rh~t ., Cant.Ff.V.,
(129'l, f.l0'v, Antonii Se-
rK~pand~ ex Jani Parrhasii testamento. Auch dieser
ode
.
Ch x g,ng vorher durch die Hände de' DemetriO'
alkondyles, denn er enthält Marginalien von des-
sen Hand (z.B. f .3v 14 52 60v, 61v etc.) ·
3
'
,
,
~ u allem v,l. M .vogel_v .GardthaU,en, 5.107, Anm.2;
. Gerstinger, Johannes Sambucus als HandSchriften-
~ammler, in' Fe,t,chrift der Nationalbibliothek
~ n Wien, hrsg. zur Feier deS 200jährigen Bestehens
~ e, Gebäude', Wien 192., 5.251-400, dort 5.323,
nm.2, 337, Anm.6; G.Guerrieri, 11 catalogo dei
manoscritti greci della Biblioteca Nazionale di
Napol'
,
'
NS
a , a n : Atti del1a Accademia pontan~ana,
..
,
vol.X11, 1962/63, S.309 -312, dort S.310 sq.
-
230 _
von seiner Hand befinden
(z.B. f.14,15,44)I,
während
seines Neapel-AUfenthaltes
1562/63 erworben haben,
wie z , B. auch den ebenfalls
aus dem Besitz des Par-
rhasius stammenden
Vind.lat.3101
oder die ehemali_
gen Pontanus-Manuskripte2.
Heute gehört der Kodex
zu den nahezu
600 SambucUs-Handschriften
der Öster-
reichischen
Nationalbibliothek.
Beide Handschriften,
der Vind.Phil.206
und der Par.1851,
enthalten
in gewiß
nicht zufälligem
Zusammentreffen
auf den
FOlien vor Lin. die Schrift An.; dieselbe Zusammen-
De
anima
stellung - allerdings
mit weiteren
Traktaten
vor
An. und hinter Lin.
-
begegnet
auch in Qa. Man wi~
zunächst
apriori
vermuten,
daß auch für An. dassel-
be Abhängigkeitsverhältnis
Vorliegt. Demgegenüber
hat P.Siwek in einer der handschriftlichen
Überlie-
ferung Von An. gewidmeten
Untersuchung3
zwar auch
die enge Verbindung bei der Textzeugen
festgestellt,
jedoch beiderseitige
Trennfehler
aUfgeführt, die
eine Abhängigkeit des Par. Vom Vind. natürlich
aus-
schließen
Würden. Eine Überprüfung
aller von Siwek
benannten
Sonderlesungen
im Vind. hat jedoch die
Ungenauigkeit
seiner Beobachtungen
erwiesen.
Entwe-
der entsprechen
diese überhauPt nicht den textli-
chen Gegebenheiten
im Vind.4, oder sie berücksichti-
Vgl.auch H.Hunger (vgl.oben S.169. Anm.2), S.316.
2 Zum Neapel-Aufenthalt und zu den Handschriften des
J.J .Pontanus vgl. H.Gerstinger (vgl.oben S.229,
Anm.3), S.320-322; zum Vind.lat.3101 vgl. Gerstin-
ger, S.323 sq.
3 P.Siwek (vgl.oben S.164, Anm.l), S.120 sq.
4 426b17: Beide in der Zeile vorkommenden Infinitive
-
231 -
gen nur den primären und nicht den durch anschlie-
ßende Verbesserung von Demetrios Chalkondyles selbst
hergestellten endgültigen Textzustand1, oder sie
übersehen, daß der Par. dieselben Besonderheiten
zeigt2• Was bleibt, ist der weggelassene Artikel vor
ataßnCH!; (424a22)3; doch niemand wird bestreiten wol-
len, daß die Ergänzung des n im Par. eine Selbstver-
ständlichkeit darstellt.
Auch die meinerseits für An.
pr ob e n" widersprechen nicht der
vorgenommenen Stich-
Annahme, daß auch
M'
PLVE~V sind als solche vorhanden (f.31V); 433al:
doch M~VErTCl~
(nicht MLVE't),
mit der gebräuchli-
chen Abkürzung der Endung durch HochsteIlung des
t mit Abwärtsschleife (f.40); 435al1: tE doch vor-
handen (f.43).
412a12/13: die Dittographie tClOtCl - apxCl~ durch
Unterpunktierung getilgt (f.ll); 416a3: ltaOL tO
supra lineam (f.16V). 416a29' das nach mClot einge-
f"
,.. .
ugte μEV durch Unterstreichung getilgt (f.17);
~ 1Ba24' ,a r, ,. am Rand ergänzt (L19v l; 420a","
~ ber der Zeile ergänzt (f.22l (übrigenS lassen
:nd. und Par. EtVCl~ aus); 421b7: das vor boμn~
e~ngeschobene tnv durch unterstreichung getilgt
(f.24). Wenn laut siwek (S.121) fünf andere Hand-
schriften des engeren verwandtschaftskreises neben
dem V'
'
d
~nd. eine vermutlich von Marc.209 her ~n en
T:xt geratene längere Glosse (435b24) aufweisen.
d:ese jedoch im Vind. durch unterstreichung ge-
t~lgt ist und im Par. von Anfang an gar nicht,auf-
t~ucht, drängt sich die Sukzession Vind.(korr1-
g~ert) -+ Par. förmlich auf.
2A
'
uch im Par. fehlen 424a27 YE und 430b2 EV,
3E'
."
'h
~ ne weitere Auslassung des ArtikelS n laßt s:c
wegen einer falschen Stellenangabe (412b8?) nlcht
verifizieren.
4 ':h habe in den betreffenden Handschriften.(a~ßer.
V~nd.Par. auch Qa) folgende Stellen kollatlOnlert.
406al-408b34 und 424b22-427a7. Außerdem si~d auch
d~e von P.Siwek (S.120) für den par. angefuhrte~
Sonderfehler dort und im Vind. verifiziert worden.
-
232 -
diese SChrift des Par. aus dem Vind. geflossen ist;
im Gegenteil,
sie bestätigen diese Filiation
eindeu_
tig. Sonderfehler des Par. sind wie im Falle von Lin.
selten,
aber vorhanden:
407bl aUTn~
-+ ClUT~,
b20 om.
AEYELV, b33 om. oIov, 425b19 opiiiv -+ opav. Gewisse
Sonderlesungen sind sogar gerade oder nur dann
leicht zu erklären,
wenn der Vind. die Vorlage war,
und zwar diejenigen,
bei denen die paläographische
Form dieses KOdex tatsächlich
Mißverständnisse her-
vorrufen konnte,
wie z.B.I 403b24 ltPO~Eo~aL -+ ltpO-
o
~EO~W, 419b27 altWO~n
- + altW~n; auch heterogene Vari-
anten und Hinzufügungen
des Par.,
die im Vind. auf
interlinearem
oder marginalem Wege Wohl erstmalig
in die Überlieferung gelangt sind: z.B. 415a28
(ltOLnOaL2) -+ YEVVnoaL; 425a15 add. μn ante KClTa;
426a30 Cjl~E'PEo~aL -+ Cjl~E(PELV; b26 add. TOTE ante
xa~3; 431a23 add.
~v post apL~μiii sprechen für unse-
re These.
Die wenigen kleinen Besonderheiten des Vind. ge-
genüber dem Par. sind derart offenkundige Verschrei-
bungen,
daß sie vom Kopisten
des Pariser Manuskripts
(Librarius
Florentinus) im Satzzusammenhang ohne
weiteres
richtiggestellt
werden konnten:
407a28
avaKaVaXaμlttouoL
+ avaxaμnTouoL,
a32 nOLKEV -+ €OLXEV,
426b31 wö~ T~V KLVEr tnv aLo~.
-+ wöt KLVEr tnv ClLOa.,
427al MCl~ D Tnv va~oLV + Ma~ Tnv vanoLv,
a7tOöe
E!vaL -+ Tiii öe E!VClL.
Ich verzichte hier auf die genaue Beschreibung der
paläographischen Lage im Vind.
2 Das ~OLnoClL der VUlgata fehlt im Vind. gänzlich.
3 Übrigens
auch in T laut Bekker.
-
233 -
In einem wesentlichen Punkt unterscheidet
sich
freilich der Vind. vom Par. und allen anderen Text-
zeugen. Demetrios Chalkondyles hat im LBuch von An.
r
f,7 unten mit 407b34 K~vEtv aufgehört
1
und für den
fehlenden Rest des Buches die Folien 7v _10v freige-
lassen. Der Par. weist dagegen das vollständige I.
Buch auf; folglich muß der Librarius Florentinus
einen zweiten Kode,x zur Ausfüllung der Lücke hinzu-
gezogen haben. Die Einwirkung eines anderen Textzeu-
bei genauer Betrachtung
auch sonst:
hat bisweilen am Rand oder
eingetragen,
von wel-
findet: 406a9, a26,
gen zeigt sich
Der Librarius Florentinus
zwischen den Zeilen Lesarten
chen sich im Vind. keine Spur
427a6.
Über die Gründe,
die für die Fortlassung des letz-
ten Te' I
~
es des I.Buches im wiener Kodex ausschlagge-
bend gewesen sein könnten, ließen sich verschiedene
Speku1at'
'
~onen anstellen.
Eine einigermaßen
s~chere
Erkläru k
.
ng
ann freilich höchstens
im Rahmen e~ner
umfass d
'
A
en en Untersuchung der Texttradierung
von
n.
gefund
'
h
en werden.
Dort wäre der Ort, die stemmat~SC e
Stellung d
'
es V~nd. und die seiner Vorfahren ZU eru-
ieren H'
ß
.
~er soll lediglich angedeutet werden, da
V'
~nd. und Par. in der Tat, wie p.Siwek2 herausgear-
beitet h
'1'
r
at, zu Beginn der Schr~ft eng zur Fam~ ~e
die auch in ver-
hat noch ein
408a26 'wo\)
Eine s ..
sChiedPenatere Hand (des 16.Jhs.),
en Ma'
'
Stück d
rg~nal~en wiederkehrt,
nachgetes anschließenden Textes bis
2p,
ragen t s ,»>, 8roben) .
. S~wek (
die, all vgl.oben 5.16', Anm.1), 5.16" Er hat
das' B erd,ng, nur .Ir den Par. geltend gema•ht'
ni'ht'buc~ im Vind. hat Siwek an,cheinend gar
erucksichtigt.
-
234 -
gehören,
während sie sonst eher der Familie 1t fOl-
gen. Warum sich der Übergang jedoch ausgerechnet
bei 407b9I Vollzogen haben soll, ist nicht recht
einzusehen. Meine Kollationen aus dem Laur.87,22
(Siwek: Bd), einer Handschrift der Familie t. schei-
nen eher darauf hinzudeuten, daß dieser Wechsel ge-
nau mit dem Beginn der Lücke im Vind. (407b34) zu-
sammenfällt2•
Man muß sich also fragen, ob nicht
vielleicht die AUssetzung des Textes im Vind. mit
dem Wechsel der Vorlage in irgendeine Verbindung zu
bringen ist.
Es ist also im Unterschied zu Lin. alles andere
als eine "jungfräuliche" Überlieferung, die für An.
in Vind. und Par. evident ist. Zu den Vorfahren die-
ser Manuskripte scheint allerdings neben Vertretern
der Familie T und der Familie 1t _ bei letzterer ma-
chen einige Indizien den Marc.2093 wahrscheinlich _
auch Ha, möglicherweise wie im Falle von Lin. über
die Vermittlung von Ga, zu zählen. Die in Ha von
zweiter Hand am Rand hinter 424b25 EXOμEV hinzuge-
fügte Wendung ~avTw~ EMaoTn OUX a1tOAE~Cjl~DaEta~ OUÖE-
v~s Tiiiv OtMECWV kehrt nämlich in Ga Vind.Par. sowie
auch in Qa4 im normal fortlaufenden Text wieder.
Vgl. P.Siwek, S.161,163.
2 Übrigens reproduziert Laur.87,22 in der ebenfalls
überprüften KOlumne 408a verschiedene der von Bek-
ker für T (= Vat.256) angegebenen Trennfehler.
Nach Siwek (S.95 u.ö .) ist T aber Repräsentant
einer ganz anderen Familie (~) .
3 Es fällt auf, daß eine von Bessarion im Marc.209,
f.lav am Anfang Von Buch II marginal hinzugefügte
Glosse auch im Vind. als Randbemerkung (mit klei-
nen Varianten) wieder auftaucht.
4 Qa. für Lin. auf dieselbe Vorlage zUrückgehend wie
-
235 -
Der Urb.38 (Qa) ist ganz von dem bekannten
Handschriftenkopisten und _händler Michael
Apostolios geschriebenl. Seine Subsription
μ~xaliAO(; a.1tooT6Ans; ßUz;;6.v'r 1.0S; H;{ypClq,EV lesen wir auf
f.211 am Ende der schrift Cael. Aber auch das daran
anschließende I I. Buch von plant. stammt von dersel-
ben Hand.
a
Q befand sich bereits gegen Ende des 15.Jhs. in
der B'bIi
1 i ot he k von Urbino, die Federigo I da Monte-
feltro (um 1410-1482), der Schüler deS berühmten
V'
i ct o r i n u s FeItrensis, in der zweiten Hälfte deS 15.
Jhs. mit'
,,'
e~nem Kostenaufwand von 40000 Dukaten ~m
Wetteife
'
'
d
r m~t Corvinus von Ungarn, den Med~ceern un
S'
i xt us IV. , ,2 gegründet hatte. Wir begegnen dem Kodex
vecchio",
dem Inventarverzeichnis
ausgehenden 15.Jh . zusammen-
(sic) (saeculi XV exeuntis)
nämlich im "indi ce
der Bibliothek. das im
gestellt, im Urb.lat.1761
der Vind
.
Ie die,eibze,gt auch in der Schrift über die See-
auch in d.en Merkmale und i,t von p.Siwek (5.1'4)
ae Famil'
.
Üb
' a e • e,ngeordnet worden.
. er die Kopi
,,'
'
M.chael A
't~ntat,gke't und da' scriptorium de'
M.Wittek p~stOI'OS vgl. die MateriaI,ammiUng von
~ tude d'
a~uscrits et codicoIOgie. 4' pour une
u scr~pto'
d
'
..
sorts'
r~um
e M~chel Apostoles et con-
,
~n' S
'
auch weit. cr:ptorium 7. 1953. 5.'90-,97 (dort
Michael Aere L.teratur). Derselbe Gelehrte widmete
Dissert tPo,tOI'OS und de,sen Krei' auch sein-
ren Ver~f ~on (~gI. Gymna,ium 77. 1970. 5 .430). de-
wartet E.entI:chUng man mit großem Interesse er-
chael ~ a n e "ngehende Studie mit dem Titel ".i-
COilectPostOliS. Byzantine copyist and ManU,cript
haLtsr-
~ r a n crete" findet sich auch in dem in-
Iar, i:'~he~ Buch von D.J .GeanakopIO" Greek Scho-
2V
en,se. Cambridge (Mas',) 196,.5.73-110.
gl.FBI
111 S. 5 ume. Iter Italicum. I -IV . Berlin ,.,4-36,
Anm:,)' 3/54, vgl. C.Gua,ti (vgI.unten 5.'36,
, 6, S.128.
-
236 -
überliefert
und von Stornajolol publiziert
worden
ist. Er befindet
sich dagegen anscheinend
nicht in
einem anderen Inventarium,
zusammengestellt
Von dem
Bibliothekar
Federicus
Veteranus,
das C.Guasti2 ver-
öffentlicht hat. Die Frage der Priorität in bezug
auf die beiden Verzeichnisse
ist noch nicht endgül-
tig geklärt3.
Qa wird also schon im 'indice vecchio'
aufge-
fÜhrt, nur birgt der vorsichtige
Identifizierungs_
versuch C.Stornajolos4
entweder
mit Nr.15 oder mit
Nr.275 des alten Index beträchtliche
SChwierigkeiten
in sich. Beide Möglichkeiten
_
die Beschreibung
lautet von Nr.15: Aristotelis philosophorum
princi-
pis physicae
auscultationes
Libri octo. Idem de Cae-
lo. In pupureo,
und Von Nr.27: Aristotelis
metheorum
C.Stornajolo,
Codices Urbinates Graeci Bibliothe-
cae Vaticanae
descripti, Rom 1895, S.LV sqq.(S.CLX
bis CLXXV die griechischen
Handschriften).
2 C.Guasti, Inventario della libreria Urbinate
com-
pilato nel secolo XV da Federigo Veterano
biblio-
tecario di Federigo I da Montefeltro
duca d'Urbi-
no, in: Giornale storico degli Archivi Toscani 6
(Florenz
1862), S.127 -147,
und 7 (Florenz
1863),
S.46-55, 130-154 (Graeci: 6, S.149 -152
=
laufende
Nummern 608-700).
3 C.Stornajolo,
S.XXIV, möchte den Katalog des Fede-
ricus früher ansetzen.
Die Tatsache,
daß Qa noch
nicht dort, wohl aber im 'indice vecchio'
er-
scheint - wenn ich richtig sehe, gilt das auch für
die Aristoteles-Handschriften
Urb.42 und 43 _
,
dürfte für seine Hypothese sprechen.
Qa ist also
wahrscheinlich
in der Zeit zwischen
den beiden Ka-
talogen in den Besitz des Herzogs Federigo ge-
langt.
4 Mit Fragezeichen
versehen
in seiner Konkordanz,
S.
CLXXVII und CLXXVIII.
5 C.Stornajolo,
v.CLXI und CLXII.
-
237 -
eUro reliquis. In azurro - befriedigen
nicht recht,
da jeweils nur teilweise
eine inhaltliche Überein-
stimmung mit Qa gegeben
ist. Hingegen liegt eine an-
dere Identifizierung
zunächst
viel näher: Unter den
"Libri Graeci in Armario"l befindet sich nämlich
folgende Beschreibung
(Nr.168):
(A)Ristotelis meteororum quint .12.
a'f(:)μwv ypClμμiiiv
.
"
,.."
Ligati in
~ nc~p~ens
E~~ ön tO
quint.14
Aristotelis x e o t
(A)Ristotelis o p u s
viridi
(A)Ristotelis de plantis liber secundus
(A)Ristotelis opus incipiens
~EP t CjlUOEWS
Abgesehen von An. sind hier alle in Qa enthaltenen
Aristoteles-Traktate
aufgezählt.
Denn bei dem opus
incipiens Eltt ön TO handelt e s sich ohne zweifel um
die Physik (inc.:
'E~E~ön tO),
wie schon StornajolO
hatte.
In Qa fehlt tatsächlich der
die Schrift nur mit ihrem in-
falls man sie nicht
Worten n&pt
gemeint (inc.:
Titel nebst
die im indi-
richtig bemerkt
Schrifttitel, so daß
ciit'
,
pi
zitiert werden konnte,
kannte. ,Mi t dem Traktat, der mit den
,UOEW!> einsetzt, ist eindeutig Cael.
.
..
a
H ltEPL CjlUOEW!;); hier fehlt in Q der
Initiale. Was die Schrift An. betrifft,
ce fehlt, so wird der Schreiber
deS Verzeichnisses
d'
durch-
lesen Text einfach übersehen
haben, indem er
bl"
An
wohl
atternderweise den Übergang
von Mete. ZU
.
Diese Rub r i
Handschcif~k (C.StocnajolO, S.CLXXII-CLXXV, unsere
des grI
.
S .CLXXV) umfaßt die Nummern 131-168
Lechischen T .
"
'
hI<
Sozusa
e"es dec damal,gen .,bl,ot e ,
"Gce c i, ~en als Nach tcag zu den unter dem Ti tel
schrift vochec aufgezählten 130 griechischen Hand-
libri en. Stocnajolo hat füc die meisten dieser
h
graeci in'
'
'
lt
eutig
armar~o keine Identif~z ~erung
ml
en Urb'
~nates mehr versucht.
-
238 -
nicht bemerkt und die drei Bücher den vieren des er-
sten Traktats
einfach hinzugezählt
hat. Wenn die
ermutung
zutrifft, daß mit der Bezeichnung 'quint.
12' bzv,
'quint.14' Lagen schlechthin gemeint s i n d l ,
haben wir eben darin auch den endgültigen Beweis für
die Identität dieser Handschrift' mit Qa. Die Schrif-
ten Mete. und An. umfa~sen zusammen nämlich 12 La-
gen (a-Lß = ff.1 -96; die letzten vier Blätter der
12.Lage enthalten außerdem den Traktat Lin., dessen
Schluß auf den Zwei ersten Blättern eines weiteren,
sonst unbeschriebenen Binios = Ly angefügt ist),
die Schriften Phys. und Cael. zusammen 14 Lagen (a-
LO = ff.101-212).
In diesem Zusammehhang sei jedoch darauf hinge-
wiesen, daß die Von C.Stornajolo als mögliche Ent-
sprechung für Qa genannten Nummern 15 und 27 des al-
ten Index mit keinem anderen heutigen Manuskript der
Bibliothek identifiziert
werden können2. Wenn wir
nicht mit ~em Verlust dieser Texte rechnen wOllen,
So könnte man auf die Idee kommen. daß sowohl mit
den Nummern 15 plus 27 als auch mit dem unter den
Büchern in armario beschriebenen KOdex (Nr.168) ein
und dasselbe handschriftliche Material, eben unser
QUint. ist die Abkürzung für qUinternus oder quin-
ternio (= Lage Von 5 Doppelblättern. sonst auch.
Quinio genannt). Es handelt sich im KOdex Qa fre~ -
lieh nicht um QUinionen, sondern um Quaternionen.
Dazu muß bemerkt werden. daß überall. Wo in der
Sektion 'Libri Graeci in Armario' eine Angabe über
die Zahl der Lagen gemacht wird. diese stereotyp
mit quint. bezeichnet werden.
2 Denn der möglicherweise in Frage kommende Urb.37
entspriCht eindeutig Nr.17. der Urb.36 entspricht
Nr.16.
-
239 -
i
e Be hreib
1gen
Be
~eme Ln t ist.
ann nur zwei aufei.nan
lio-:heksinternen Entwicklung wi
Prozeß einer gewissen Umgruppierun5t
:'.!sammenlegung und eines Neubindens von Handschrif-
t e n sicht, bar machen. Die beiden ursprünglich ge-
:renn~ existierenden Teile Nr.27: Aristotelis meth--
c rcm CUID reliqc.is Cd.h . Met:e •• An •• Lin. = Urb.
ff.!-lCQ)
und Nr.15: Phys. und Cael. (= Urb.3o.
ären somit erst: sekundär z u einer Buchein-
nei: verbunden worden. Dieser Gedanke wird dadurch
ntermauert, daß Qa kodikolOgiscb gesehenl in d
.at aus zwei gesonderten Hauptteilen besteht. di
mit den Nummern 15 und 27 de~ 'indice vecchio'
:r.cex
I'
n
er
n
en
gena
korrespondieren.
Nun enthält Qa am SchlU
nocn eine mit ß signierte Lag
Plant., das auch in der oben zitierten
der Handschriften in armario (Nr.168)
ist2• Die naheliegende Vermutung. daß
des ~odex hinter cael.
mit dem II.Buch von
Bp-schreibun
n
Uhrt
f'e h-:
u
ni
1 D ..n . nach der getrennten La
teilung und Datierung der Papl
schiedlichen Zeilenzahl usw.
(vgl.
bung des Kodex im 'A~istotcl~A Gra
2
-
240 _
lenden Lage a das I.Buch Von Plant. gestanden
haben
mÜßte, das schon zur Zeit der ersten Iuventarisie_
rung der Handschrift nicht mehr vorhanden
war, da
der 'indice vecchio'
ausdrücklich
nur liber secundus
nennt, hat sich bestätigt.
In unmittelbarer
Stand_
ortnähe Von Qa (Urb.38),
und Zwar im Urb.39,
am Ende
des Manuskripts
ff.125 -132v,
fand C.Stornajolo
(S.
46) die vermißte Lage a mit dem vermißten
Text. wie
ß (II.Buch) Von Michael ApostOlios geschrieben und
mit denselben kOdikologischen Merkmalen (Zeilenzahl,
Schriftspiegel und Wasserzeichen).
Um festzustellen, Wo sich die beiden Bücher von
Plant., die heute getrennt voneinander an den Schluß
der Urbinates 38 und 39 angehängt sind, ursprünglich
befanden, betrachten wir diejenige Beschreibung im
'indice vecchio' näher, in der der Urb.39 wiederzu-
erkennen ist; sie lautet wie fOlgtl:
Aristotelis de animalibus historiae ex alia bi-
bliotheca non ligatus sed factus ligari a me cum
alio opere Aristotelis incipiente: n€p~ ö~ XPD-
oCμwv2: Item de Plantis. De Animalibus. De parti-
culis animalium. De longitudine vitae animalium.
De Iuventute et Senectute Vita et morte animalium.
rium dadurch zu jener seltsamen Textabfolge gekom-
men, daß der Verfasser die SChrift Cael. (wie
schon An.) zunächst übersehen, dann aber am Schluß
nachgetragen hat.
c.Stornajolo, ~ . CLXII, Nr.24.
2 c.Stornajolo. S .CLXII, Anm.l: "Esse 0PuSculum
Aristotelis de motu Animalium constat." Er irrt;
es handelt sich um Inc.An. Auch seine Beschrei_
bung des Urb.39 (S.47) muß entsprechend geändert
werden.
-
241 -
In Rubro. (U; iiHns; ß.)l.
Beschreibung. die uns expressis verbis den
erschlossene Zusammenlegen
und Neubinden bestimmten handschriftlichen Materials
liefert. sind nicht nur alle heute im Urb. 39 enthal-
tenen Schriften aufgeführt - Hist. An. findet sich
von der Hand eines Mitarbeiters des Apostolios, näm-
lich Georgios Tzangaropulos2 auf ff.1-973• während
von der Hand des Chefs selbst Inc.An. sowie Long.
und Juv.'+ sich ff.l01-122 anschließenS -
•
sondern
darüber hinaus wohl noch eine weitere Kopie von
Hist.An.6 und die Schrift Part.An., zwei Traktate,
In dieser
Beleg für das oben nur
Zu "ex alia bibliotheca" b z w . "ef; c'iAAns; ß(~ßA~O-
e~xns;)" vgl. C.Stornajolo. S.XVIII: "Ducem Fride-
r~cum non unam vel non uno loco bibliothecam suam
constituisse"; es folgt der Hinweis auf die besag-
ten Bemerkungen, dann: "Quas duo bibliothecas in
unam coactas fuisse mortuo Friderico verisimile
est."
2 Zu diesem Kopisten vgl.v .a . M.Vogel_v .Gardthausen,
5.84/85; J.E.powell. The Cretan Manuscripts of
Thucydides. in: Classical QuaterlY 32. 1938, 5.103
bis 108, dort S.107/108; M.Wittek (vgl.oben S.235,
Anm.l), S.292.
3 Dieses Stück weist interessanterweise zahlreiche
Marginalien von der Hand des Demetrios Chalkondy-
les auf (z.B .ff .4,9V,15.18V,87V,96V), der, wie wir
gesehen haben. den Vind.Phil.206, den stemmati-
schen Bruder deS Urb.38, schrieb.
'+ Von Plant. wird gleiCh noch die Rede sein.
S Vereinigt werden alSO, wie wir schon im Falle von
Qa beobachtet haben, Traktate desselben Autors in
Handschriftenteilen gleicher Provenienz, ähnlichen
Formats und einander entsprechender buchtechni-
scher Anlage der Texte.
6 Um diese schrift wird es sich bei "De Animalibus"
am ehesten handeln. Oder sollte Gener.An. ge-
meint sein?
-
242 -
die im heutigen Bestand der Bibliothek nicht nachzu-
weisen sindl. Außerdem ist auch Plant. genannt. und
es gibt kein Indiz dafür, daß damit etwa nur das I,
Buch und nicht die VOllständige Schrift in zwei Bü-
chern gemeint ist. Der Traktat gehörte also ur-
Sprünglich2 zu dem handschriftlichen Material, aus
dessen Vereinigung der Urb.39 hervorgegangen ist3•
Es ist vOrstellbar, daß die Schrift Plant. zusammen
mit den ganz verlorengegangenen tierkundliehen
Schriften aus diesem Konglomerat zunächst herausge-
löst, aber bald danach - auseinandergerissen in ih-
re jeweils genau eine Lage umfassenden zwei Bücher _
an die Urbinates 38 und 39 hintangefügt worden ist.
Was die Datierung unseres KOdex Qa betrifft, so
deuten die Wasserzeichen für den hinteren Teil des
Bandes (ff.101-212, Nr.15 im 'indice vecchio', und
ff.213-222) Ungefähr auf die Mitte der 60er Jahre
des 15.Jhs.4 und für den vorderen Teil (ff.1 -100,
Urb.40 mit Part.An. ist weSentlich jünger als das
Invental'i um.
2 Noch Vor der Fertigstellung der Beschreibung, die
sich unter den "Libri Graeci in Armario" findet.
3 Im Urb.39 stellen allerdings Inc.An., Lang. und
Juv. etc. eine kOdikologische Einheit dar (ff.l0l
bis 124 = a-y VOn der Hand des Kopisten). Dagegen
sind im 'indice vecchio' hinter Inc.An. (ff.l0l
bis 108 = a) die Traktate Plant., Hist.An. (2.
Kopie) und Part.An. eingefügt. Die LÖSung dieses
Widerspruchs liegt vielleiCht in unsystematischem
Vorgehen des betreffenden Bibliothekars bei der
Inventarisie~ung.
4 ff.l01-118,123-135,138_156: BUChstabe S mit Kreuz.
ohne Beleg (Typ Briquet 9056, a.1459-61),
=
Urb.39,
ff.10l-108j ff.119-122,136,137,157_212: Dreiberg
mit Kreuz, ohne Beleg, = Urb.39, ff.109-124;
ff.213-222: Griechisches Kreuz mit Blume, ähnlich
-
243 -
Nr.27 im 'indice vecchio'), der auch Lin. enthält,
ziemlich genau auf die Mitte der zweiten Hälfte des
15.Jhs. hin1• Es spricht vorläufig nichts dagegen,
Teil von Qa tatsächlich um diese Zeit
entstanden ist. Ungelöst bliebe dann
freilich die Frage, auf welchem Wege und aufgrund
welcher näheren Umstände die heute verschollene Vor-
lage von Qa, die, wie wir gesehen haben, etwa 15
(ca.1460/2) in Italien dem Demetrios
als Vorlage für den Vind.Phil.206 ge-
gelangte3
daß dieser
auf Kreta2
Jahre vorher
Chalkondyles
dient hatte, nach Kreta
Briquet 5554 (a.1464, mit Varianten 1466,1468);
vgl. des weiteren unten S.267 zum Urb.44 (Wa).
-
Auf die Wichtigkeit einer Studie über die von den
kretischen Schreibern verwendeten papiersorten ha-
ben bereits mehrere Gelehrte aufmerksam gemacht;
M.Wittek (vgl.oben S.235, Anm.l), S.296; er ver-
weist Anm.122 auf C.Wendel, Die Überlieferung der
Scholien zu Apollonios von Rhodos, in: Abh.d .Ge-
sellsch.d.Wissensch.zu Göttingen, Philöhist.Kl.,
3.Folge, 1, 1932, 5.16, und A.Dain (vgl.oben S.31,
Anm.l), 5.60 (11949).
ff.1 -96: Waage im Kreis mit Stern, ähnlich Briquet
2453 (a.1475, mit Varianten 1475-77); ff.97-100:
Waage im Kreis, ähnlich Briquet 2493 (a.1473, mit
Varianten 1475).
-
Zu der um etwa 10 Jahre diffe-
rierenden Datierung der beiden Handschriftenteile
paßt eine Notiz im 'indice vecchio' unter Nr.27:
habitus post inventarium.
2 Michael könnte den Kodex allerdings
eines seiner Aufenthalte in Italien
haben.
3 Brachte sie Michael selbst oder einer seiner Ge-
währsmänner oder Mitarbeiter aus Italien mit?
Kaufte oder entlieh er sie, oder fertigte er an
Ort und Stelle eine heute ebenfalls nicht erhalte-
ne Kopie von ihr an, die dann ihrerseits im kreti-
schen Scriptorium als Vervielfältigungsexemplar
gedient hätte? Schickte sie ein Gelehrter oder
eine andere Persönlichkeit, deren Klient Michael
auch während
geschrieben
-
244 _
Wenn Michael ApostOlios den KOdex Qa direkt und
nicht über eine Zwischenstufe,
die anzusetzen
es
eigentlich keinen Grund gibt, aus dem auch von Deme-
trios ChalkondYles benutzten
Manuskript abgeschrie_
ben hat, ist es ohne weiteres
möglich, die Qualität
seiner Arbeit zu beurteilen,
da er in diesem Falle
ja selbst für alle Abweichungen gegenüber der ver-
schollenen Vorlage (rekonstruiert aus der Überein-
stimmung Von Ga und Vind.) verantwortlich ist. Er
hat Lin. relativ gewissenhaft angefertigt; negative
Abweichungen sind meist geringfügiger Art und insge-
samt ziemlich selten. Dagegen hat er kleinere auf
der Hand liegende Fehler nach Gutdünken korrigiertl
und auf diese Weise bei sechs vermutlich bewußten
Eingriffen viermal richtig den Text der VUlgata wie-
derhergestellt2.
war, nach Kreta? Könnte der mögliche Transport
nach Kreta die Ursache für ihren späteren Verlust
sein? - Oder erübrigen sich alle diese Fragen,
weil Qa eben doch in Italien entstanden und die
Vorlage also nie das Land verlassen hat?
Die Frage nach den Vorlagen scheint mir über-
.
haupt zu den interessantesten und wichtigsten Kap~-
teln bei der Analyse und Beurteilung jenes Schreib-
ateliers auf Kreta zu gehören. Bis heute ist zu
diesem Problem nur sehr wenig Konkretes bekannt.
Für die ThukYdides-Überlieferung hat J.E .Powell
(vgl.oben S.241, Anm.2) als Stammvater aller kre-
tischen Manuskripte einen von Michael in Konstan-
tinopel erstandenen Kodex ermittelt.
_
Von der
Veröffentlichung der Studie M.Witteks (vgl.oben
S.235, Anm.l) dürfen wir vermutlich nähere Aus-
künfte zu diesem Problemkreis erhOffen.
Dieselbe Beobachtung hat auch J.Irigoin. Histoire
du texte de Pindare, Paris 1952, S.365/366, ge-
macht.
2 Ein paar Beispiele oben 8.214.
-
245 -
Unter den 165 griechischen Urbinates, von denen
nur ein gutes Drittel ins 15.Jh . zu datieren ist,
befindet sich eine auffallend große Zahl von Hand-
schriften, die ganz oder teilweise von der Hand des
Michael Apostolios herrührenl. Auch die Zahl derje-
nigen Manuskripte, die, ohne seine eigene Hand auf-
zuweisen, aus seinem Schreibatelier auf Kreta her-
vorgegangen sind, scheint nicht gering ZU sein2
Wenn man außerdem alle diejenigen Urbinates des 15.
Jhs. außer acht läßt, die nicht aus der zweiten
Hälfte des Jhs. stammen, als Herzog Federigo seine
Handschriften-Sammlung aufbaute3, so stellt sich
einwandfrei heraus, daß auS der zeitgenössischen
griechischen Handschriftenproduktion Michael Aposto-
lios der Hauptlieferant für die Bibliothek von Urbi-
no gewesen ist. Diese Tatsache ist leicht zu verste-
hen, wenn man sich vor Augen hält, daß Michael Apo-
stolios ohnehin einer der bedeutendsten und produk-
tivsten Kopisten in der zweiten Hälfte des 15.Jhs.
war und daß sein Patron Bessarion bis zu seinem To-
de (1472) freundschaftliche Beziehungen zu Federigo
unterhielt und in entscheidendem Maße zu Belebung
und Blüte der griechischen Studien am Hof von Urbi-
C.StornajolO, 5.318 (im Index 111: Scribae) zählt
11, davon 3 mit Fragezeichen, auf.
2 Vgl. hierzu weitere Einzelheiten in
theksgeschichtlichen Abriß über den
binates im 'Aristoteles Graecus'.
3It•••
tenendo per molti anni a Urbino, a Firenze e
in altri luoghi, da trenta 0 quaranta scrittorilt,
C.Guasti (vgl.oben S.236. Anm.2), 6, S.128. Damit
werden wohl vorwiegend lateinische und italieni-
sche Kopisten gemeint sein.
dem biblio-
Fonds der Ur-
no beigetragen
hatl.
Speziell über
rigo von
Sektion
-
246 -
die Interessen
und Pläne des Fede-
Montefeltro
beim Aufbau der griechischen
seiner Bibliothek
weiß der Zeitgenosse
Ves-
pasiano Bisticci
aus Florenz
zu berichten2:
"volle
avere tutti i libri greci s I trovavano, tutte le ope-
re di Aristotele in greco"3. Was das Corpus Aristo-
telicum betrifft, so hat er dieses Ziel für einige
Traktate gleich mit mehreren Exemplaren bei weitem
erreicht4•
während andere, zum Teil wichtige Schrif-
ten unter seinen Nachfolgern in die Bibliothek ge-
langtenS und drei kleinere Texte im Fonds der Urbi-
nates üherhaupt nicht belegt sind6•
Zu letzterem vgl. C.H .Clough, Cardinal Bessarion
and Greek at the Court of Urbino. in: Manuscripta
8, 1964. S .160-171.
2 Vite di uomini illustri del secolo XV, scritte da
Vespasiano Bisticci, Firenze 1859.
3 Usw., eine stattliche Reihe von profanen und theo-
logischen SChriftstellern; die ganze Passage ist
Von C.Stornajolo, S.XXII -XXIII, herausgeschrieben.
4 Cat. und EN 4mal; Int. 3mal; Anal.Pr., Phys ••
Cael., Mete. und Lin. 2mal.
5 In Handschriften des 16.
An., Gener.An., Metaph .•
plar mit Part.An. war ja
6 Inc.An., Phgn. und Vent.
oder 17.Jhs.: Spir. ,Part.
Virt. Ein älteres Exem-
abhanden gekommen.
-
247 -
ß) & und seine Apographa
Vat.1339 (p),Berol.Phill.1507,MOSqu.240,Mon.502
Nach der Darstellung des von n ausgehenden Über-
lieferungsarmes innerhalb der Familie Y gilt es nun,
die Deszendenz von ~, dem stemmatischen Bruderkodex
von n, einer ausführlichen Betrachtung zu unterzie-
hen.
Vier Handschriften sind es, die durch die für ~
gegenüber dessen Vorlage E erschlossenen Sonderle-
sungen (vgl.oben S.157) charakterisiert werden: Vat.
1339 (P), Berol.Phill.1507, Mosqu.240 (Savva1; 453
Vladimir) und Mon.502•
Die drei letzeren stellen auch aufgrund chronolo-
gischer, kodikologischer und kulturgeschichtlicher
Kriterien eine eng zusammenhängende Gruppe dar: Als
Schreiber des MosqU. und der letzten Folien (350,
Zeile 13 _ 353v) des Berol. konnte ich Matthaios Ka-
mariotes ermitteln2; der Kopist der ff.292-309 des
Berol. ist identisch mit dem des Mon. und ebendie seI'
Die heutigen Standortsignaturen im Istori~eskij Mu-
zej in Moskau sind die des älteren Katalogs von
Savva•
2 Specimina seiner Hand finden sich bei Ch.Astruc,
La fin in~dite du Contra Plethonem de Matthieu Ca-
marioteS, in: Scriptorium 9. 1955, S.246-262, pl.
30a,b, 31b, und Ch.AstruC, Manuserits autographes
de Matthieu camariotes. in: scriptorium 10, 1956,
S.100-102, pl.12a.
-
Die Identifizierung kam beim
Vergleich der im Photo-Archiv der Kommission für
Byzantinistik der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften zu Wien vorliegenden Schriftproben
zustande. Herrn Prof.Dr.H.Hunger sei an dieser
Stelle für die Erlaubnis zur Einsichtnahme in die-
se Materialien herzlichst gedankt.
-
248 -
SChreiber,
den ich fortan Anonymus KB nennen werde,
hat in den eine Einheit bildenden Aristoteles_Hand_
schriften Vind.Phil.213 und 214 mit Kamariotes zu-
sammengearbeitet1. Ein zweiter Mitarbeiter des Ka-
mariotes im Berol. (ff.1 -50v etc.) ist als Andreas
Joannu Arnes zu identifizieren, ein dritter (ff.
205-211 etc.) begegnete mir im Laur.69,15 (a.1455),
und ein vierter schließlich (ff.51 _58v etc.), von
dessen Hand auch Lin. stammt, ist im Esc.E .I .13,
v
ff.46-59 , 74-80, bezeugt.
Autographa des Matthaios Kamariotes2. μ&ya~ pntwp
und Rektor der Patriarchatsschule nach der Eroberung
Konstantinopels durch die Türken, sind in letzter
Zeit Gegenstand dreier AUfsätze im 'Scriptorium' ge-
wesen3, deren Autoren, Ch.Astruc und D.H .Saffrey, zu
den bis dahin bekannten zwei4 noch fünf weitere Ma-
nuskripte ans Licht gezogen haben, darunter auch den
Par.SuPPl.652, der U.a . die aristotelische Pol. und
die Oec. enthält. Nunmehr kann also die Zahl der
Autographa um die vier obengenannten Manuskripte
Matthaios Kamariotes schrieb Vind.Phil.213, ff.l
bis 16v,
69V-80V,
107-128v und Vind.Phil.214 ganz;
Anonymus KB schrieb Vind.Phil.213, ff.33-69v, 81
bis 107.
2 Ober ihn vgl. F .Fuchs, Die hÖheren Schulen von
Konstantinopel im Mittelalter, 1926 (Byzantini-
sches Archiv, Heft 8), Nachdruck Amsterdam 1964,
S.75/76; A.Biedl, Matthaeus Camariotes. Specimen
Prosopographiae Byzantinae, in: Byz.Ztschr.35,
1935, S.337-339; TusCulum-Lexikon (1963),S.274/275.
3 Die beiden oben S.247, Anm.2 genannten Beiträge
von Ch.Astruc sowie H.D .Saffrey, Nouveaux manu-
scrits copies par Matthieu Camariotes, in: Scrip-
torium 14, 1960, S.340-344.
4 Vgl. M .Vogel-V .Gardthausen, S.295.
-
249 -
unter den Aristote-
(zum Teil), deI'
und der Par.1921
noch neun Kodizes,
höchstwahrschein-
überar-
vermehrt werden, zu denen sich
les-Handschriften der Laur.86,19
Athous Ib.209, der Taur.B VII 23
(nur Marg.) gese llen • Somit zeugen
oder teilweise
Gebrauch schrieb (bzw.
Interessen
die Kamariotes ganz
lich zum persönlichen
bei tete), von den aristotelischen
Studien dieses Gelehrten.
Der Anonymus KB muß zweifellos auch in Konstanti-
nopel, und zwar in der Umgebung des Kamariotes, ge-
sucht werden. Man darf annehmen, daß auch sein Name
eines Tages ermittelt werden kann, da er ein vielbe-
schäftigter Kopist gewesen zu sein scheint. Außer an
den drei obengenannten Manuskripten war er an zwei
weiteren Aristoteles-Handschriften, dem unten behan-
delten Marc.215 (Na) und dem Mon.490, beteiligt.
Zur näheren Bestimmung der Person des Anonymus
KBI bietet insbesondere der Marc. wichtige Anhalts-
punkte. So steht nämlich fest, daß er in Italien im
Auftrag Bessarions geschrieben worden ist und daß an
seiner Herstellung auch Demetrios Triboles beteiligt
war2, dessen Aufenthalt in Rom durch zwei Subskrip-
tionen für die Jahre 1469 und 1472 belegt ist3• Dar-
aus ergibt sich nicht nur, daß sich AnonymuS KB et-
wa seit den 60er Jahren des 15.Jhs. in Italien auf-
und
E.Mioni hält ihn laut mündlicher Mitteilung für
Demetrios Sguropulos; dieser Identifizierung kann
ich mich nicht anschließen.
2 Er schrieb ff.1 -35v (Identifizierung aufgrund des
Duktus). vgl. P.Henry. Etudes plotiniennes, 11:
Les manuscrits des Enneades, Brüssel 21948, S.208.
3 Vgl. M .Vogel-V .Gardthausen, S.106. 1465 schrieb
er noch auf Kreta.
-
250 -
hielt, Sondern auch ein terminus
ante quem für die
Entstehung der gemeinsam
mit Kamariotes
angefertig_
ten Manuskripte.
Denn die Priorität der Tätigkeit
dieses Anonymus in Konstantinopel gegenüber seinem
AUftauchen in der Nähe Bessarions liegt auf der
Hand. Er wird wie viele seiner Landsleute bald nach
den Ereignissen um 1453 seine Heimat verlassen ha-
ben und nach Italien emigriert sein, wo Bessarion
auch ihn in seine Dienste nahm (Anonymus KB als Mit-
arbeiter Von K(amariotes) und B(essarion». Es
braucht in diesem Zusammenhang nur an Männer wie den
byzantinischen Rhetor Johannes DOkeianos, der um die
Jahrhundertmitte in Konstantinopel wirktel und spä-
ter in Italien für Bessarion arbeitete2, oder auch
wie den erwähnten Demetrios Triboles oder Charitony-
mos Hermonymos
U.a .m. erinnert zu werden.
Die hier interessierenden KOdizes des Kamariotes
und Anonymus KB sind. wie nicht verwunderlich, ziem-
lich gleichzeitig entstanden. Ihre zahlreichen Was-
serzeichen3 - einige kommen sogar jeweils in zwei
Manuskripten vor, nämlich Ochsenkopf und Schere in
Mon. und Berol. sowie Hufeisen in Mosqu. und Berol.
-
ermöglichen eine Datierung ziemlich genau in die
Mitte des 15.Jhs. oder kurz danach. Dementsprechend
sind die bisherigen Datierungen des Berol. im Kata-
log Von W.Studemund-L .Cohn (tt16.Jh.tt) und des Mosqu.
Vgl. K .Krumbacher, S.497.
2 Vgl. D .C .C .Young, A COdicological Inventory ,f
Theognis Manuscripts, in: Scriptorium 7, 1953, S.
3-36, dort S.8 .
3 Vgl. die Handschriften-Beschreibungen
im 'Aristo-
teies Graecus'.
-
251 -
(tt17.Jh .tt) zu korrigieren.
zeitliche Fixierung
zu behandelnden
dieser umfang-
in allen drei Katalogenl
Ein echtes Problem stellt die
des VQ~. 1339 (P), des vierten hier
Lin. -Kodex, dar. Die Entstehungszeit
reichen Pergament-Handschrift war bereits Gegen-
stand zahlreicher Erörterungen. Das fatale Gesamter-
gebnis ist der immense Zeitraum von 5 Jahrhunderten
(11. - 1 5.Jh .), auf den sich die verschiedenen Meinun-
gen verteilen. Zu den einzelnen Standpunkten verwei-
se ich auf die Beschreibung der Handschrift im
'Aristoteles GraecuS'.
Zusammenfassende Übersichten
über den Stand der Diskussion finden sich bei W.L .
Lorimer2 und p.Siwek3. Besonders verwundert ist man
über die extrem divergierenden Ansichten solcher Ex-
perten der griechischen paläographie wie p.Maas und
G.Mercati. Während Maas den Kodex P im 12.Jh . an-
setzt4, gibt Mercati in einem Brief an Lorimer fol-
1 Die hier zutage getretene grobe Ungenauigkeit der
Datierung in den Moskauer Bibliothekskatalogen ist
übrigens keine Ausnahme. Zahlreiche der von mir im
Original untersuchten griechischen Handschriften
(darunter mehrere mit Texten aus dem Bereich der
Klassischen Philologie) sind nämlich zu einem mit-
unter wesentlich früheren Zeitpunkt entstanden,
alS in den Handschriften-Katalogen angegeben wird.
deren Datierung wohl großenteils auf der Autori-
tät deS Katalogs (des Jahres 1733) des Athanasios
Schiada auS Korfu (Professor an der griechisch-
hellenischen Schule in Moskau) beruhen.
2 W.L .Lorimer, The Text Tradition of pseudo-Aristo-
tle 'De mundo' ., ., Oxford 1924 (St.AndrewS Uni v.
Publ.18), S.5, Anm.1 .
3 p.Siwek (vgl.oben S.93, Anm.2), S.129/130.
4 Laut H.J .Drossaart Lulofs, Aristotelis De genera-
tione animalium, recogn •••. , Oxford 1965,
S. VII.
-
252 -
gendes Urteil abI: " •.•
La preparazione
della perga-
mena e il carattere
artefatto
e bastardo della
scrittura,
insomma l'aspetto
esterno
deI MS. lascia
a me. e cos ~ al Collega Sr Comm. Pio Franchi de' Ca-
valieri, l'impressione ehe il codice edel Rinasci-
mento. Pero non Scenderei di molto oltre la met~ del
secolo XV".
Es hatte den Anschein, als ob nunmehr I.Düring
die Frage der strittigen Datierung von der Hand-
schriften-Filiation her endgültig entschieden hätte:
P soll nämlich dem Vat.261 (Y), der anhand der Was-
serzeichen etwa um 1300 angesetzt werden kann2,
überlieferungsgeschichtlich und damit zeitlich vor-
angehen3• Die Diskussion läßt sich jedoch mit neuen
Argumenten fortsetzen.
Die Aufmerksamkeit gilt nun dem Kopisten des Ko-
dex p. einem - nach der communis opinio, zu der wei-
ter unten noch Stellung genommen werden soll _ ge-
lehrten Mann. Seine Subskription auf f.460 der Hand-
schrift lautet fOlgendermaßen: EAa߀ nEpa~ €VTaÜ~a
n ß'ßAO~ öLa X€LP~~ TOO €V μOvaXor~ OLxTPoTaTou; es
fOlgt eine Rasur. mit welcher, wie so häufig, der
Schreibername gelöscht worden ist. Nach der Länge
der Rasur zu urteilen, muß der Name etwa 5-7 Buch-
staben (nebeneinander gerechnet) umfaßt haben. Nir-
gends in der textgeschichtlichen Spezialliteratur
Vgl. W .L .Lorimer, a.a.O .
2 Vgl. die Beschreibung der Handschrift im 'Aristo-
teles Graecus'.
3 I.Düring, Aristotle's De partibus animalium. Cri-
tical and Literary Commentaries. Göteborg 1943,
S.3a.
-
253 -
zu Aristoteles. die sich sehr häufig mit P beschäf-
tigt hat, ist ein Entzifferungsversuch unternommen
worden. Nichtsdestoweniger existiert bereits seit
1909, in der Fachwelt völlig unbemerkt, ein solcher
Leseversuch von Marie Vogel in ihrem (und V.Gardt-
hausens)1 verdienstvollem Buch "Die griechischen
", S. 221, auch Anm . 3: "Der Schreiber-
mehr deutlich zu erkennen; am ehesten
raten. , ,2
Schreiber
name ist nicht
würde man auf 'Iwcrn~
Ich muß gestehen, daß mir selbst mit Hilfe von
eine vollständige Verifizierung
möglich war. Dennoch läßt sich
Recht hatte. Es ist mir
einigem Suchen gelungen, ein zweites
von demselben Schreiber angefertigtes Manuskript zu
finden. Dies ist der Pergament-Kodex Vind.Hist.16
mit der Chronik des Niketas Choniates (t1213), der
f.478 folgende Subskription trägt: &ypa~€L xaL TOOTO
X€POL μ€μOAUoμevaL~ &x nOAAWV aμapTCWV TOO 'Lwacra~.
Zwar ist auch hier der Schreibername ausgekratzt, er
kann jedoch ohne größere Schwierigkeiten mit UV-
ultraviolettem Licht
dieser Lesung nicht
beweisen, daß Marie Vogel
nämlich nach
"Das Werk wird geWÖhnlich unter beiden Namen zi-
tiert. stammt aber von Marie vogel, während Gardt-
hausen einzelne Zusätze und ein Vorwort beigesteu-
ert hat, in dem er sich von der Grundkonzeption
distanziert."
_
bemerkt zutreffend K.Treu, Grie-
chische Schreibernotizen als Quelle für politi-
sche, soziale und kulturelle Verhältnisse ihrer
Zeit, in: Byzantinobulgarica 11 (Sofia 1966),
5.127-143, dort 5.128, Anm.10.
2 Dieser ~ine F~ll zeigt deutliCh, wie wichtig in
e~ner neuerdings öfters angeregten Neubearbeitung
d~eses grundlegenden Werkes ein index codicum
wäre.
-
254 -
Licht sichtbar
gemacht werdenl. Die Person,
die sich
hinter diesem Namen verbirgt, ist allerdings
noch
in Völliges Dunkel gehÜllt.
Immerhin gewinnen
wir aus dem Vind. einen siche-
ren Beweis für die Datierung der Schreiberhand.
Die
erste Seite des Kodex (f.lr) ist für die Beurteilung
des Duktus äUßerst aufschlußreich.
Hier verrät sich
der Kopist für einen kurzen Augenblick,
und sein
DUktus bietet das durchaus normale Bild einer jungen
Schrift des 14.Jhs.2,
um dann ziemlich
rasch in eine
erstaunlich gelungene
Imitation
einer wesentlich
ar-
chaischeren
Schrift überzugehen,
in welcher
auch die
gesamte Handschrift P gehalten
ist. Mir Scheinen die
jungen Züge der Handschrift, die hinter dem "caratte-
re artefatto e bastardo della scrittura" (Mercati)
sichtbar werden, sogar eine Datierung in die zweite
Hälfte des 14.Jhs. Zuzulassen. Das Manuskript wird
aber m.E . dem Rinascimento keineswegs in dem Sinne
angehören, daß es auch in Italien und gar in Flo-
renz, wie K.Horna meint3• geschrieben worden wäre.
Vielmehr sprechen gute Gründe aus dem stemmatischen
Vgl. H .Hunger (vgl.oben S.169, Anm.2), S.20.
2 So hat denn auch H.Hunger den Kodex diesem Jahr-
hundert zugewiesen.
3 Er hat den Kodex für L.Dittmeyer untersucht; vgl.
L.Dittmeyer, Aristotelis De animalibus historia,
Leipzig 1907, S.XII -XIII . AUch K.E .Bitterauf, Der
Schlußteil der aristotelischen Biologie. Beiträge
zur Textgeschichte und Textkritik der Schrift "De
generatione animalium", Wissensch.Beilage zum Jah-
resber.d .kgl.humanist.Gymn. Kempten 1912/13,
S.15, hat sich für diese LOkalisierung ausgespro-
chen.
-
255 -
Bereich dafür, daß die Handschrift wie die drei an-
deren jüngeren Textzeugen aus dem Kreis des Matthai-
os Kamariotes ebenfalls in Konstantinopel entstan-
den ist. Diese Provenienz wird entscheidend durch
die Tatsache gestützt, daß eine Marginalie in P
(f.192) wohl von der Hand des dort wirkenden Geor-
gios Scholarios, des Lehrers von Kamariotes, stammt.
Die Datierung von P widerspricht zwar der von I.
Düring vertretenen Priorität der Handschrift gegen-
über dem Vat.261 (Y), es fragt sich aber, ob nicht
vielleicht der umgekehrte Einfluß von Y auf P oder
ganz andere verwandtschaftliche Beziehungen vorlie-
dieser Arbeit auf dieses Problem nä-
jedoch nicht möglich.
gen. Im Rahmen
her einzugehen, ist
Wie nun verhalten sich die vier Lin. - Handschrif-
ten zueinander? Obwohl zwei von ihnen heute nur noch
Fragmente darstellen - der Mosqu. bricht schon Bb12
~ t μeTpouμevaL
mit dem Ende der letzten erhaltenen
Lage ab, während der ebenfalls mechanische Verlust
einer Lage im Mon. den Text mit 9a4 öneLpoL
oACya
aufhören läßt - kann man feststellen, daß keine der
jüngeren Handschriften vom älteren Kodex P abhängt.
Denn P weist bereits in dem Stück bis Bb12, das al-
len Manuskripten gemeinsam ist, einen
,
•
.,'
'C
auf: Ba21 TO nμLOU + enL TW n~·
Die
von P mehren sich dann im weiteren Text, wo frei-
lich nur noch die Lesarten des Berol. zum Vergleich
herangezogen werden können.
Zwischen Mon. und Mosqu. besteht zweifellos eine
engere Beziehung, z.B .:
Trennfehler
Sonderfehler
-
256 _
Ba
a7
P Berol.l'j
(ucCpw!:
TO
Mon. Mosq .....
TO
O:JlJaTa: P
ow~ : Bero
P6TCPOV
(IlPoTE, : Berol.)
Eine Abh:ngigkeit ces Mosq~ .
Vom Mon. scheidet
egen der Trennfehler des letzteren aus: 8a5 add.
"
'1
'.
0"
O%€6o~
ante oux.
8a9 om. TO
und ea15 lJl1öc\I ~ OU C\I.
Im Mosqu.
kommen keine solchen
Versehen
der möglichen Abhängigkeit des Mon. Vom Mosqu. ist
aber in diesem falle auch eine gemeinsame Vorlage
für beide Handschriften denkbar,
da eine völlig kor-
rekte Abschrift des Kamariotes im Hosqu. für das
kurze Stück bis 8b12 nicht ausgeschlossen zu sein
SCheint. Um zu einer sicheren Entscheidung zu kom-
men, habe ich meine KOllationen der von beiden Kodi-
Zes gleichfalls überlieferten
Schrift Col. (Bekker
791a-793b und 798a-799b) mit ausgewertet. Das
nie en~Spricht genau demjenigen
für
von Lin.: Trennfehler,
wenn auch in sehr geringer
Zahl, auf der Seite des Münchner KOdex, keine nega-
tiven Merkmale gegenÜber
dem Mon. auf seiten der
Moskauer Handschrift.
Damit ist die Sukzession
Mosqu. ~
Mon. ziemlich gesichert. da eine
VÖllig fehlerfreie Kopie über ganze 6 Bek-
kerseiten
nach meinen Erfahrungen sehr
unwahrscheinlich
ist.
In dem kurzen StÜCk, das uns im Mon. über den
Textabbruch im Mosqu.
hinaus noch erhalten
ist (8b12
4), SCheint sich w~iterhin die leichte kriti-
al
er ' :XTO!ö
21
vor.
~ ~eben
Ergeb-
das Fragment
bi
-
257 -
tische Beschäftigung mit dem Text der Schrift fort-
zusetzen, die sich in den gegen die eigene Familie
abgeänderten
Lesarten vom Anfang des Traktats (vgl.
oben 8a4, 8a7 und 8a14) andeutet. Letztere gehen si-
cherlich auf die Initiative des Matthaios Kamariotes
im Mosqu. zurück und bieten genau das, wofür sich
auch die modernen Editoren entschieden haben. So
wird denn auch der Konjekturversuch 9a3 änaera n Toμn
ätoμo!> non, den heute freilich nur noch der Mon. des
Anonymus KB bezeugt, auf den byzantinischen Gelehr-
ten zurückgehen.
An der Heilung derselben
Stelle.
die von L Ha als änaoa n μn äTOμO!> von P als änaoa
n μn äTOμO!> ~v überliefert wird, hat sich auch der
Schreiber
des Berol. versucht: änaoa n μEV (aus μn
korrigiert) äTOμO!> E!va~.
Was nun das VerhältniS von P, Berol. und Mosqu.
zueinander betrifft,
so hat sich bereits erwiesen,
daß P die beiden anderen Kodizes nicht beeinflußt
haben kann; der umgekehrte Fall ist schon allein auS
chronol9gischen Gründen auszuschließen.
Ebenso ist
der Mosqu. ohne Einwirkung
auf den zeitgenössischen
Berol. geblieben.
denn von den oben angeführten
Cha-
rakteristika des Moskauer Kodex, unter welchen 8a21
ein echter Trennfehler
ist, findet sich im Berliner
Manuskript keine Spur. Es bliebe noch die Möglich-
keit, daß der Mosqu. vom Berol. abhängig wäre; dem
widersprechen
jedoch die zahlrei-
e
Asqu.
Berol.
\
Mon.
chen Trennfehler
des letzteren.
Da
die drei Handschriften
also vonein-
ander unabhängig entstanden
sind,
müssen sie auf eine gemeinsame
ver-
schollene
Vorlage, nämlich den co-
dex deperditus e, zurü~kgehen.
-
258 -
Die Zahl der individuellen AbweiChungen der KOdi-
zes P und Berol. von dieser gemeinsamen Quelle ist
erstaunlich hoch und die Skala der vorkommenden Feh-
lertypen ziemlich breit. Besondere Sorgfalt haben
weder Joasaph noch der Kopist aus dem Kreis des Ka-
mariotes bei dieser Abschrift walten lassen. Davon
zeugt die aUßergewöhnlich lange Liste von Sonderfeh-
lern, VOn denen nachstehend einige herausgegriffen
sind.
Der Varianten-Katalog mit alles in allem ungefähr
100 Sonderlesungen, davon die Mehrzahl auf seiten
des Berliner Manuskripts, innerhalb eines Traktats
von nur etwa 300 Bekkerzeilen demonstriert auf ekla-
9all
b23
b24
2a13
9b28
la12
Ob28
lb29
2b19
8a13
b22
9a17
a32
b7
rbzs
2b30
Tl Berol.
p
tw
\
to
tE:~E:WPTlta~
oföv tE:
~E:WpE:LTaL
OfOVtaL
om, )(a~
OUO~ TO h
TC (recte)
E:VOEXE:ta~ (ex homoeot ••
cf.2b22)
TlP
E:1tCltE:Oov: Mosqu•
Mon.
Berol.
,
,
E:1tE:1tE:OE:V
oL0'h
voriOE:LE:V
... .
om. μn
.. ..
ouo~v
....
VOnoE:~
.
ws
....
om. WS ÖtL
,\
ä1tTE:O~a~
.. ..
om, Tl
.. ..
OLO OLOp~PW!;
-
259 -
tante Weise, welchen Wandlungen ein Text schon von
einer Überlieferungsstufe zur anderen ausgesetzt
sein kann. Wie schwer wäre es, die verderbten Stel-
len zu heilen, wenn die Texttradierung der Schrift
erst bei einem der beiden Kodizes als ArchetypuS
(bei Verlust des anderen) einsetzen würde!
In den Reihen der modernen Aristoteles-Editoren
ist man allgemein vom hohen Wert des Textzeugen P
überzeugtl, sei es, daß man den Kopisten (alSO Joa-
saph) für einen gelehrten Mann hält, der sich selb-
ständig um eine Rezension des Textes bemühte2, sei
es, daß man _ vor allem die Verfechter einer jungen
Datierung des Kodex - mit einer vorzüglichen Text-
quelle für P rechnet3 und dabei sogar so weit geht,
eine Unzialhandschrift als Vorlage anzunehmen4• Für
die Schrift Lin. hat sich diese Beurteilung in kei-
ner Weise bestätigt. Im Gegenteil, weder ist hier ~
Die einzige nennenswerte Ausnahme bildet L.Ditt-
meyer (vgl.oben S.254, Anm.3), S.XIII: "Is codex
quo magis gloriola vetustatis privatuS est, eO
minus mireris eum omnis generis scatere vitiis."
2 Es seien hier nur zwei urteile angeführt, z.B . H .
Rabe, De anima, liber B, Berlin 1891,5.9: "li-
brarius quidam admodum doctuS ... "; I. Düring (vgl.
oben S.252, Anm.3), S.38: "The Ms. is written by
a learned man who earnestly devoted himself to a
recension of the t ext ">
3 Vgl. z.B . K .E .Bitterauf (vgl.oben S.254, Anm.3),
5.21 .
4 P.Louis, Aristote. Les parties deS animaux, Paris
1956, s.XXXIII -XXXIV: "Le scribe, quel que soit
le siecle ou il a v~cu, a eu a sa disPosition un
manuscrit ancien, probablement ~crit en onciale
•.. ".
Diese Ansicht hat derselbe Gelehrte in et-
was modifizierter Form auch für Hist.An.
wieder-
holt, Aristote. Histoire deS animaux, I, Paris
1964, S.LI .
-
260 _
die Vorlage Von P, oder auch E, die Vorlage Von ~.
eine besonders gute Textquelle und schon gar nicht
ein Unzialkodex, noch besteht aufgrund der vorlie_
genden Abschrift irgendeine Berechtigung, Joasaph
als einen Gelehrten zu charakterisieren. Wie dem
auch sei, man darf natürlich nicht vergessen, daß
sich diese konträren Beobachtungen auf die Filiation
jeweils anderer Traktate beziehen; die Oberliefe_
rungslage ist sicherlich nicht überall die gleiche.
Es handelt sich jedoch für alle Schriften in P um
ein und denselben Schreiber. Daher dürfte der per-
sönliche Anteil des Kopisten an der Textgestaltung
der Schrift über die Atomlinien, der abgesehen von
drei relativ einfachen BeriChtigungen nur aus Ver-
sehen, Fehlern und FlÜchtigkeiten besteht, auch für
die Übrigen Traktate des KOdex durchaus repräsenta-
tiv sein.
Ich habe meine Kollationen auf die Schriften Col.
(davon verglichen: Bekker 791a-793b und 798a-799b),
Mech. (847a-849b und 857a-858b), Hist.An. (496a-b
und 567a-570b) und Part. An. (vereinzelte Stichpro-
ben aus einigen Manuskripten) ausgedehnt. Sie geben
keinen Anlaß, die oben vertretene Ansicht irgendwie
zu reVidieren. Bei allen herangezogenen Traktaten
existieren mit dem KOdex P stemmatisch eng verwand-
te, aber Von ihm VÖllig unabhängige Textzeugen. So
läßt sich auch dort die Leistung des Kopisten ziem-
lich exakt beurteilen; sie entspricht genau dem be-
reits Festgestelltenl. Überdies verliert sich P wie
Für Col. finden sich bei P Sogar Zwei längere Aus-
lassungen durch Homoioteleuton. die in keinem an-
deren KOdex wiederauftauchen: 791b12/13 om.
~wS _
-
261 -
im Falle von Lin. so auch im Stemma von Col. und
Mech. in einem von mehreren Oberlieferungszweigen
einer bestimmten Familie, wohingegen die Handschrift
für die beiden überprüften Tierschriften tatsächlich,
wenn auch gemeinsam mit anderen unabhängig von ihr
entstandenen Textzeugen, einem textkritisch recht
beachtenswerten Oberlieferungsarm anzugehören
scheint. Ein gutes Beispiel für die Möglichkeit
einer von Schrift zu Schrift entsprechend der Quali-
tät und Breite der sonstigen Bezeugung variierenden
textkritischen Relevanz eines Kodex.
Alle in diesem Abschnitt behandelten Handschrif-
ten gehören nach der Filiation wenigstens einiger
der in ihnen enthaltenen Traktate und nach ihrem
kulturgeschichtlichen Hintergrund ZU den Gxemplaren,
die auf der oben 5.55 -57 erwähnten vielleicht auf
Nikephoros Gregoras zurückgehenden Gesamtausgabe des
Corpus Aristotelicum basieren. MÖglicherweise waren
es Früchte dieser editoralen Tätigkeit, wodurch der
hohe tex~kritische Wert jener Manuskripte in der
Überlieferung der Tierbücher zustande kaml•
xpwμa und 799a3-5 om. na~Ta - onAO~ OE. Auch die
Zeilenüberspringung in Part.An. 665a19/20 xaC -
xEta~a ~ wiederholt sich nicht in dem ansonsten
auch für diesen Traktat nah verwandten Mosqu.
1 Für Hist.An•
besteht engste stemmatische Verwandt-
schaft zwischen P Mosqu. Berol. und dem Par.1921,
einem der Bände der Neuauflage auS dem dritten
Viertel des 14.Jhs. von jener älteren Gesamtaus-
gabe. Zur Gruppe der Kodizes dieses Ursprungs ge-
hören für Hist.An. außerdem Vat.506, Vat.905 und
Urb.39 .
-
Für Part.An. fehlen mir noch die Kolla-
tionen aus einigen Textzeugen, zumal aus Par.1921;
die beiden neuesten Editoren der Schrift (I.Düring
und P.Louis) haben allerdings auch hier auf die
-
262 _
4. DIE KONTAMINIERTEN
HANDSCHRIFTEN
Die bisher behandelten,
in drei Familien geglie-
derten Handschriften
tragen das Merkmal
absOluter
"JUngfräulichkeit",
d.h. sie basieren allesamt nur
auf je einer Vorlage.
Daneben gibt es eine Reihe
Von KOdizes - die restlichen
9 unseres
Traktats _ ,
deren Text aus mehr als einer Quelle zusammenge_
stellt ist. Diese COntaminati zerfallen
wiederum in
drei Gruppen vOllkommen
verschiedenen
stemmatischen
Ursprungs.
Wir haben somit in der Textüberlieferung
Von Lin. drei verschiedene
Kontaminationen
zu unter-
sCheiden.
a) ~ und seine Deszendenz
Mehr als die Hälfte dieser kontaminierten
~
Handschriften,
nämlich 5 (Urb.44 (Wa), Vat.
905, Vind.Phil.231.
Ambr.A 174 sup. und
Matr.4563) lassen sich auf ein und denselben
ver-
schollenen
Vorfahren,
der ~ genannt sei, zurückfüh-
ren. In diesem KOdex, dessen Text sich aus zwei er-
haltenen
Apographa Wiedergewinnen
läßt, wurde eine
der drei nachweisbaren
Kontaminationen
Vorgenommen.
In der ersten Hälfte des Traktats
sind allerdings
noch keineswegs Lesarten unterschiedlicher
Herkunft
Zusammengehörigkeit
Von p und Par.1921 hingewie-
sen. (Es dürfte sich aber kaum bewahrheiten,
daß
der Par.1921 eine Abschrift aus P ist, wie Düring
meint; Louis erschließt eine gemeinsame
Vorlage
für die beiden KOdizes.)
-
263 -
diesem
direktes
miteinander verschmolzen,
sondern
~
ist in
Textstück
wie n und ß ausschließlich
Wir finden hier nämlich erstens
Lesarten
von y gegenüber
Trennfehler
von &, je-
n oder ß.
die Übereinstim-
& selten (z.
gegenüber μ&-
la4 EV~vTCa~ 06 -
66~a ~~
~ äaa~~:
~.
tauchen plötzlich
ersten
Apographon von &.
sämtliche kennzeichnenden
a und ß, zweitens
sämtliche
doch nicht die Trennfehler von
Ziemlich genau ab Oa29 wird dann
mung mit den Charakteristika
von y und
B. Obi9 T~V aT~yμ~v EaTa~ μ&T~~~:
&~
Ta~~ T~V aT~Yμwv EaT~~:
~
ß0 und
~a~
~äa~~: y ~ gegenüber
EV~VTCO~
cvavTCa~ OE oo~a~ näa~: ß), und es
Lesarten der Familie ß aufl,
wie z.B.:
c (y)
Oa29
a30
..
.
xoi, coc
b7
bll
biS
lalB
TOUTWV:
~
μaA~aTa
exh.: a
μCa: a
om , EaT~
a20
Ta vOv: a
ypaμμa~
om. a\)v&XE~
exh.: a
Im letzten Teil der Schrift. insbesondere
etwa ab
lbl, bildet dann die Familie ß die fast alleinige
Quelle für tö der Text von & bleibt aber weiterhin
präsent, was durch die Vermeidung
einiger Varian-
ten der Familie ß zum Ausdruck kommt, wie z.B .:
b3
nur an einer einzigen
Stelle: Oa22 ~o~n-
gegenüber
.o~&!:ß ~
•
Vor Oa29
<1&~: a Y
-
264 _
e: (y) F,;
Ob27/8 TWV OUVe:XOUOWV:
a
b30
s
2b4
e:C OE oUμßXnTQV
TD
YP.
e:rva~ TWV ouve:xwv
add. eL post eH
,;OEspat,Tfjn.: N
,; OE ouu spar , TTj yp.:
V
Im Kodex F,;
handelt es sich also mit Ausnahme des
Mittelteiles
nicht so sehr um eine Kontamination
in
dem Sinne, daß er ständig aus zwei Quellen gespeist
worden wäre, sondern vielmehr
um einen Vorlagenwech_
sel: e: diente als Quelle bis Oa29, und zwar aus-
sChließlich,
und eine Handschrift aus der Familie ß
lag ab etwa Ibl vor; nur hin und wieder wurde im
letzten Stück auch die beiseite gelegte
erste Vorla-
ge zu Rate gezogen.
Lediglich im Mittelstück
zwi-
s~hen Oa29 und Ibl wechseln
sich Lesungen
aus beiden
Familien ständig ab. Man hat den Eindruck, daß der
Kopist, dem zwei Lin. -Kodizes
zur Verfügung
standen,
zunächst den einen Von ihnen (e:) abzuSchreiben
be-
gann, aber nach etwa der Hälfte der SChrift mit sei-
ner Vorlage nicht mehr zufrieden
war und deshalb
häufig die zweite Handschrift einsah,
um sich
schließlich (etwa ab 1bl) ganz für sie als Antigra-
phon zu entscheiden
Und erstere Vorlage nur noch in
Ausnahmefällen,
wie Z.B . beim 'locus fenestratus'
2b4, heranzuziehen.
'V
Es ist durchaus
möglich, den zweiten zu-
grunde
liegenden
Kodex, nämlich den aus der
Familie s , zu bestimmen.
Dieser ist we de I'
F,;
mit dem
Stammvater
s selbst noch mit dem
Vat.266 (V) , Sondern
zweifelsfrei
mit dem Vat.258
(N) des Johannes
Bardales identisch,
wiederholt doch
der KOdex F,; mehrere der individuellen
Sonderfehler
-
265 -
vonN,z,B.:
Vulgo
N F,;
....
add. n post aTav
... .
cy ..
..
..
....
T~V~ T~VOS
.. ..
OAW
....
ltcpL'
Oa32
b5
u
OTe:
1a27
TC TLVOS
b7
oXou
2b7
ltapa
b15
Auch einige negative
Antigrapha e: und N sind
Sonderlesungen
gegenüber
den
in F,; nicht ausgeblieben,
so
etwa:
..
N
8a2
alS
a16
WS
OOOEV
add. Tnv ~UOLV post
ltpoT .. pa
b17
Te:Tayμcvnv
xaL'
WpLOμEvnv
1ato
b6
~
ltEpaS - oTLyμn
(ex homoeot.)
2a25
-27
om.
b27
,
cL
Der Zeitraum,
in dem der Kodex F,; entstanden
sein
muß, läßt sich auf etwa 100 Jahre begrenzen.
Den ter-
minus post quem bildet dIe Entstehungszeit
von N,
der zweiten Vorlage von F,;, die, wie oben erläutert,
im ersten Viertel des 14.Jhs. anzusetzen
ist; der
terminus ante quem liegt um das Jahr 1430, dem ap-
proximativen
Datum des ältesten Apographons
von F,;,
nämlich des Vat.905. Auch zur geographischen
Her-
kunft der Handschrift F,; lassen sich am ehesten aus
-
266 -
der Provenienz
der Apographa,
auf die jetzt einge-
gangen werden soll, gewisse Anhaltspunkte
gewinnen.
Die Apographa Von t: Vat.905 und Urb.44 (Wa2
.:
•
Wa
905
Vom Kodex ~ sind uns zwei Abschriften er-
halten, die eine, der Vat.905, wie be-
reits erwähnt, um 14301, die andere, der
Urb.44 (Wa), etwa 35 Jahre später entstan-
den.
Der Kopist des Vat.905 ist identisch mit dem des
Berol.Phill.1582 (Medizinische Texte) und hat dort
in MonokondYlien als Demetrios subskribiert2• Diese
beiden Handschriften sind auch sonst in kodikologi-
scher Hinsicht verwandt. Da der Einband des Berol.
nach Griechenland weist - laut I.Schunke3 nach Jo-
annina - , wird auch der Vat. in Griechenland ent-
standen sein. Auch dürfte somit die Vorlage ~ östli-
cher Provenienz sein, zumal auch ihr Antigraphon N
a
und vermutlich ihr zweites Apographon, nämlich W ,
aus dem byzantinischen Osten stammen.
Wa ist Von Georgios Tzangaropulos geschrieben,
Zu den Einzelheiten hier und im folgenden vgl.die
Beschreibung des Kodex im 'Aristoteles Graecus'.
2 Das zweite Wort der Unterschrift konnte ich bisher
nicht eindeutig entziffern: 0 paAAa (?) (jedoch
nicht identisch mit Dem.Rhaul Kabakes); W.Stude-
mund und L.Cohn, Verzeichnis der griechischen
Handschriften der kgl.Bibliothek zu Berlin, Ber-
lin 1890, S.78 lesen Ö ypa~a ~ .
3 I.Schunke, Die griechischen Einbände aus der Hand-
Schriften-Sammlung Meerman-Phillipps in Berlin,
in: Philobiblon 8, 1964, 8.108-128, dort S.123,
127.
-
267 -
wie ein Vergleich mit verschiedenen von ihm subskri-
bierten Handschriften zeigt1• Tzangaropulos war Mit-
arbeiter des Michael Apostolios, und es gibt gute
Gründe für die Annahme, daß Wa im scriptorium des
letzteren wohl auf Kreta entstanden ist. Das einzige
.
a
lnW
vorkommende Wasserzeichen - Dreiberg mit Stan-
ge _ kehrt im Urb.117, ff.1 -88 und 169-236, wieder,
der unter Beteiligung des Tzangaropulos im Jahre
1464 auf Kreta geschrieben wurde2• Damit steht also
auch das Datum des Urb.44 (Wa) ziemlich genau fest.
Beide Apographa des Kodex ~ sind keine besonders
sorgältigen Abschriften. Neben den hinlänglich be-
kannten Fehlertypen,wie AuslassUngen, Itazismen, Un-
Akzentuierung der Endung des femi-
a
Nominativ und Dativ, fällt in W
Silbe vor allem zweisilbi-
Eine Auswahl auS der Liste
sicherheit in der
ninen Singulars bei
die Weglassung der ersten
ger Wörter besonders auf.
der Sonderfehler:
9a3
Oa26
b22
Der 8chreibstil des Tzangaropulos (über ihn vgl.
die oben S.241, Anm.2 genannte Literatur) ist
nicht einheitlich; der Duktus in Wa entspricht dem
der Schriftprobe bei A.Komines. nCvax&~ XPovoAoyn-
μ €VwV naTμ~ax~v
xwöCxwv.
Athen 1968, 44.
2 Am Urb.117 haben außer Andreas (ff.169-234V) (Sub-
skription) fOlgende kretische Schreiber mitgear-
beitet (identifiziert aufgrund deS Duktus): Geor-
gios Tzangaropulos (ff.1 -64v, 159-168V), Michael
Lygizos (ff.65-70v, 71v_112V),
Georgios Tribizias
(:f.237-264).
_
Das genannte Wasserzeichen findet
slch auch im Tzangaropulos-Teil des Urb.39 (zu die-
sem vgl.oben S.241 und 242 mit Anm.2).
-
268 -
Ob3/4
om.
TO μ~HO~
-
aTOμwv
(ex homoeot.)
E!Ta - ypaμμ!)
(ex homoeot.)
b16
om,
Ib16
Von den Sonderfehlern
des Vat.905, wie z.B.:
8b1
b26
Oal/2
Vat.905
d
1 a12
b15
b19
/20
b20/1 apμoaEL
om. EaovTa~
-
aUμμETpO~
(ex homoeot.)
om.
aT~yμnv - änTEa~aL
Ce x homoeot.)
sind die beiden merkwürdigen Verlesungen 8b26 und
2b20 besonders zu erwähnen. Daß letztere nicht blo-
ßer UnaUfmerksamkeit zugeschrieben werden kann, be-
weist ihre Wiederholung in einer durch Homoioteleu_
ton verursachten und nachträglich getilgten Ditto-
graphie Von 2b19 - b20/1.
Sowohl der Vat.905 als auch Wa enthalten außer
Lin. verschiedene andere aristotelische Traktate,
darunter beide Mech. Wie schon zu vermuten war, ha-
ben KOllationen ergeben, daß beide Kodizes auch im
Falle von Mech. unabhängig voneinander derselben
verschollenen Vorlage entstammen (gemeinsame Binde-
fehler, beiderseitige Trennfehler). An der
dieses verlorengegangenen Manuskripts mit
kein Zweifel bestehen.
Identität
, dürfte
-
269 -
Ambr.A 174 sup. und Vind.Phil.231
Aus dem Vat.905 sind die drei jüngeren Handschrif-
ten Ambr.A 174 sup., Vind.Phil.231 und Matr.4563 ge-
flossen. Von diesen AbKömmlingen sind der Vind. und
der Ambr. ihrerseits wiederum enger miteinander ver-
bunden. wie ihre gemeinsamen Bindefehler beweisen,
deren Entstehung sich zum Teil besonders leicht
durch die paläographischen Gegebenheiten der Vorlage
(Vat.905) erKlären läßtl,
z.B.:
Vat.905
Ambr.Vind.
Bb15
aUμμETpO~2
äna + fenestra: Ambr.
änä':
Vind.
om. oμoCw~
-
0~a ~pEaE~~4
nEpa~ μblS
9a3
änaaa (ut vid.)3 ~
aB/9
In solchen Fällen wird in AnmerKungen zu der nach-
folgenden Auswahlliste der Bindefehler entspre-
chend ~arauf hingewiesen.
2 Fehlerquelle war offensichtlich eine durch die Li-
gatur von -'[pa bedingte "zweiteilige" Schreibung
des a mit einem nach unten verlängerten Schluß-
schnörkel: ~.
3 Im Vat.905 ist -aa in unleserlichen SchnörKeln
hochgestellt (äna~)
und daher nicht entziffert
bzw. nicht beachtet worden.
4 Durch Homoioteleuton bedingte Auslassung; der Vat.
hat folgende tückische Textanordnung:
&xe:~ o~a~
&Xov 6~a~
pEae:~~ oμoCw~
•• ••• ••• •••• ••• •••• •••
p{ae:~~
...
5 Die Schreibung des Wortes im Vat. mit Worttrennung
wegen Zeilenendes und tachygra~hischem Zeichen
für die Endung -a ~ (nE.~aa/μE~') konnte bei flüch-
tigem Hinsehen die Verlesung bewirken.
Oa6
b28
2b2
-
270 -
Vat.905
Ambr. Vind.
llCUOLa(as: Vind.!
u {pas
om.
,
oux
Wie verhalten
sich
ander? Eine erste
an sich möglichen
herein durch die
Der Ambr. ist
fähr um 14702 geschrieben
Jahre jünger
der Ambr. und der Vind. zuein-
Einschränkung
der drei stemmatisch
Beziehungen
ergibt sich von vorn-
Entstehungsdaten
beider Kodizes.
mit größter Wahrscheinlichkeit
unge-
worden und damit einige
als der nach einer Subskription
im Jah-
re 1458 entstandene
Vind. Aber auch das Wiener Ma-
nuskript kann seinerseits
nicht die Vorlage des
Ambr. gewesen sein, da wir in ihm
Anzahl von Sonderlesungen,
Trennfehler,
stoßen,
z.B.:
liehe
echte
8b19
auf eine beträcht-
darunter
etliche
Vat.905
Vind.
OUOEμ(a
9al0/1 ),{YOLTO
a25
Oa6
a22
lall
a31
b6
2a32
awμa μnxous (μn-
+
xou: Ambr.)
nOEμ(a
),{YOL T~
awμa )( + fenestra
· PoaTE~E't'aa
aTLyμi'\
om. a1t~ Ti'\S
a
_
:2.Hd.
llpoaTEX~ELaCl
aTLYμn
ÖV
,\
OV
y6
TWV EvullapxovTWV
Der Schreiber
des Ambr.
nige Silbe llClL- - ihren
weg, notiert sie jedoch
2 Vgl. dazu die Belege
läßt kritisch die unsin-
Platz im Text aussparend
für alle Fälle am Rand.
unten S.273.
-
271 -
Da demnach die gegenseitige
Beeinflus-
sung der beiden Handschriften
ausge-
schlossen
ist und andererseits auf-
grund ihrer Bindefehler
gegenüber
dem
Vat. die Möglichkeit direkter Abhän-
gigkeit von diesem ausscheidet,
müssen sie unabhän-
gig voneinander
aus einer gemeinsamen
heute ver-
schollenen
Vorlage geflossen
sein, die ihrerseits
auf den Vat.905 zurückgeht.
Auch der Ambr. ist wie sein Wiener "Bruder"
ge-
genüber jener verlorenen
Vorlage natürlich
nicht von
Irrtümern
und Versehen
verschont
geblieben,
z.B.:
Vat.905
Ambr.
8b26
ypaμμat
-+
ypaμμ(is
Oa2
at ouvaμEL
-+
at ouvaμELS
alS
'
..
TOO aToμOU
'
..
aToμOU
allO
-+
allO
a30
-+
om. μEv μn llCiaa OE
2a6
oLaLPO't'T
,
,\
6L<lLpEL-rClL
..
aV
-+
av
Hinsichtlich
der Qualität der in Vind. und Ambr.
geleisteten
Kopierarbeit schneidet der Mailänder
Ko-
dex wesentlich günstiger
ab. Allein die zahlenmäßi-
ge Gegenüberstellung
der jeweilS vorhandenen
nega-
tiven Besonderheiten,
die sich hier wie dort in Art
und Grad der Fehlerhaftigkeit
im großen und ganzen
kaum unterscheiden,
zeigt auf seiten des Vind. dop-
pelt so viele Irrtümer und Abweichungen.
Ambr.
Im nicht subskribierten
Ambr.A 174 sup.
ist der Traktat Lin. von Johannes Rhosos
geschrieben,
wie schon E.Martini
und D.Bassi1 rich-
1 E.Martini-D .Bassi,
Catalogus
codicum graecorum
Bi-
-
272 -
tig gesehen haben. Sie bemerkten
aber nicht oder
hielten es nicht für nötig, darauf hinzuweisen,
daß
jedoch nur ein paar kleine Abschnitte des Kodex von
Rhosos' Hand stammen,
nämlich ff.1_2v,
9-16v,
99
Mitte - 102v (Lin.), 158-182 (An.) und 209-218v
(Mech.), während alle übrigen Teile des ManUSkripts
einem zweiten Kopisten
zuzuweisen
sind, dessen Duk-
tus sich nicht unerheblich
von dem des Rhosos unter-
scheidet. Dieser Schreiber
ist unzweifelhaft
iden-
tisch mit dem von Konstantin Laskaris
so genannten
Manuel ~a ~nTn~l . der mehrere Madrider
Handschriften
für oder gemeinsam
mit Laskaris geschrieben
hat2,
unter ihnen den weiter unten zu behandelnden
Lin. -
Kodex. Von seiner Hand stammen aufgrund
des Duktus
auch mehrere andere Aristoteles-Handschriften3.
Die Person dieses Schülers
und Mitarbeiters
des
Konstantin Laskaris bleibt allerdings
ziemlich im
Dunkeln. Er ist bereits in der Mailänder
Periode des
Laskaris (1458-1465) in dessen Umgebung
zu finden
und hat seinen Lehrer offensichtlich
auch für be-
stimmte Zeit nach Messina begleitet,
wie wir aus den
bliothecae Ambrosianae,
1-11 . Milano 1906, I, S.
80: ttManu Joh.Rhositt.
Zu dem zum größten Teil von Konstantin Laskaris
kopierten Matr.4676 findet sich folgende Subskrip-
tion des Gelehrten: K6no~ KaL KTn~a KwvoTavTCvoo
AaoKapEw~
'"
Ta μ?v E~ aUTOO, Ta o? EH MavovnAOU
μa~nTOO (vgl. J .M . Fern&ndez Pomar, La colecci6n
de Uceda Y los manuscritos griegos de Constanti-
no Lascaris, in: Emerita 34, 1966, S.211 -288,
dort S.228, Anm.1); Manuel schrieb ff.54-57v und
102-145v des Matr.4676.
2 Vgl. J .M .Fernandez Pomar, S.240, Anm.5 .
3 Vgl. unten Anhang S.414.
-
273 -
Zeit- und Orts angaben einiger Subskriptionen des Las-
karis in den fraglichen Handschriften schließen dür-
fenl, falls alle Teile dieser Manuskripte wirklich
zur gleichen Zeit entstanden sind. Zeitweilig muß
sich Manuel auch in Rom, möglicherweise im Auftrage
seines Meisters, aufgehalten haben, wie aus einer
Subskription von der Hand des Laskaris im Matr.4636
(MavoonA EV 'PWμ? €tlypa~E) hervorgeht.
Rom kommt wohl auch am ehesten als Entstehungsort
unseres Ambr. in Frage2; die Entstehungszeit dürfte
um 1470 anzusetzen sein. Denn das einzige Wasserzei-
chen (Horn mit Kreuz, sehr ähnlich Briquet 7834) ist
Rom 1470 in Archivalien belegt und und deckt sich
mit dem in Par.1910 (Simplikios, In Cael.comm.) und
Laur.55,9 (Theodoros Gazes), die beide ganz von Jo-
hannes Rhosos, dem zweiten Schreiber der Mailänder
Handschrift, in Rom 1471 geschrieben wurden3• Der
Ambr. ist vielleicht unter der kalligraphischen Lei-
tung des RhosoS hergestellt (er schrieb die ersten
zwei Blätter vor und beteiligte sich im weiteren nur
für kurze Partien). Auf jeden Fall dokumentiert das
Manuskript die zusammenarbeit des Manuel mit dem
wohl bekanntesten griechischen Kopisten seiner Zeit.
Der mögliche Auftraggeber und die späteren Eigentü-
1 Matritenses 4692: Mailand 1460; 4676: Mailand
1462; 4630: Mailand 1464; 4563: Messina 1470;4689:
Messina 1488; vgl.J .M .Fernandez Pomar, S.284-287.
2 Dazu würde passen, daß der Ambr. laut P.Siwek
(vgl.oben S.93, Anm.2), S.80, eng zum Vat.258 ge-
hört und daß er für Col. nach meinen Kollationen
auS dem Vat.253 geflossen ist.
3 Dasselbe Wasserzeichen begegnet auch im Manuel-
Kodex Ricc.13.
-
274 -
mer des mit einigen kunstvoll
ornamentierten
GOld-
initialen
ausgestatteten
liber pulcherrimus
vor des-
sen Auftauchen
in der Bibliothek des Caesar Rovi-
diusl (im 16.Jh .) sind nicht bekannt; mit Konstantin
Laskaris ist er anscheinend nicht in Verbindung zu
bringen.
Die von Rhosos bei der Abschrift von Lin. gebote-
ne Arbeit ist, wie bereits erwähnt. wesentlich bes-
ser als die seines Kollegen im Vind., und sie über-
trifft an Sorgfalt auch die eigene Leistung im Mam-
mutwerk Marc.200 (Q) aus den ersten Jahren seiner
beruflichen Tätigkeit. Die Kopie läßt keine über den
Rahmen des Üblichen hinausgehende Anfälligkeit für
bestimmte Fehlerarten erkennen. Rhosos hat sich hier
seiner Aufgabe gewissenhaft gewidmet und zeigt sich
als "bon copiste" im Sinne A.Dains2, wenn er Oa63
und 9b34 unleserliche und unverständliche Wortteile
wenigstens in margine getreu reproduziert. Eigene
Konjekturversuche finden sich so gut wie gar nicht.
Der Kopist des Vind.Phil.231 hat seinen Na-
Vind. men in einer längeren Auslassungskryptogra_
phieS mitgeteilt: Emmanuel 0 KaAOUμ€VO~
Zu seiner Person vgl. E .Martini-D .Bassi (vgl.oben
S.271, Anm.l). I, S.XII -XIII . Er erbte die Biblio-
thek seines Lehrers Octavianus Ferrarius, zu wel-
cher vielleicht auch schon unser Kodex gehörte.
2 A.Dain (vgl.oben S.31, Anm.l), 21964, S.17-18.
3 Vgl.oben S.270, Anm.l .
4
"
~
"
μ€T €.~cr~ ~
Vat.905 + μET €n~crT + fenestra,
am Rand:
~v...
5 Zur EntZifferung und zum Typ dieser Auslassungs-
kryptographie vgl. in einer speziellen Arbeit J.
Bick, Die kryptographische sUbscriptio im cod.
-
275 -
~ voK6μnAO~ (?);
er hat den Kodex am 20.Januar 1458
in Neapel beendet. Über seine Person wissen wir
sonst überhaupt nichts; M.Vogel_v .Gardthausen notie-
ren für ihn nur unseren Kodex. Vom Duktus her könnte
man einerseits geneigt sein. eine Gleichsetzung mit
der Hand des Kreters Emmanuel Atramyttenos1 im Pal.
115 vorzunehmen. Andererseits existieren beachtliche
Unterschiede im Schriftbild - jedoch nicht nur des
Vind., sondern auch des Pal.115
-
gegenüber der von
H.Omont2 veröffentlichten Schriftprobe und dem auto-
graphen Mon.321, die allerdings aus einer späteren
Lebensperiode datieren könnten. Außerdem ist über
einen so frühen Aufenthalt des Kreters in Italien
nichts bekannt.
Was die Qualität anlangt, so ist das Schreibpro-
dukt unseres Kopisten nicht besonders hochstehend.
allgemeinen keine groben Entstellun-
verzeichnen, aber der
und Uneben-
Es sind zwar im
gen und größeren Irrtümer zu
Text steckt voller Flüchtigkeitsfehler
heiten. Der ziemlich ungelenke Duktus gibt zudem im
elementar_orthographischen Bereich ein sehr ungün-
Vind.Phil.Gr.231, in: Wiener Studien 36, 1914,
S.332-337•
Zu seiner Person vgl. M .Wittek (vgl.oben 5.235,
Anm.l), S.292 (dort wird auch ältere in diesem Zu-
sammenhang interessierende Literatur genannt);
p.Lehmann, Eine Geschichte der alten Fuggerbiblio-
theken. 1 .Teil, Tübingen 1956 (Schwäb.Forschungs-
gem. bei d.Komm.f.Bayer.Landesgesch., Reihe 4,
Bd.3; Studien zur Fuggergesch.12), S.135, und I.
Maier, Les manuscrits d'Ange politien. Catalogue
descriptif, Genf 1965 (= Travaux d'Humanisme et
Renaissance 70), S.371, Anm.1 (mit reichen Litera-
turangaben.
2 H.Omont (vgl.oben S.69, Anm.1), pl.19.
-
276 -
stiges Bild ab. Der Text ist angefÜllt mit Verschrei_
bungen, die in scribendo verbessert sind, und
schwankt häufig in der Setzung und Differenzierung
der verschiedenen Akzente und Spiritus.
Dieser negative Eindruck, den man aus KOllation
und Lektüre von Lin. gewinnt, bestätigt sich im vol-
len Umfang auch in den übrigen Traktaten des Vind.
Daher wäre es nur konsequent, sich dem harten Urteil
anzuschließen, das Foersterl im Hinblick auf die
Schrift Phgn. gefällt hat: "Vind.231
mendosissi-
me ab homine graecarum litterarum parum gnaro •••
scriptus".
In keiner der uns erhaltenen Lin. - Handschriften
finden sich derart viele Marginalien und interline-
are Bemerkungen wie im Vind. Es sind Korrekturen und
Varianten in Griechisch und Latein. die nur bei den
Traktaten Mech. und Phgn.2 fehlen. Bei diesen adno-
tationes sind mehrere Hände zu unterscheiden, doch
ist für die überwiegende
Mehrzahl von ihnen ein
einziger Korrektor verantwortlich. Von diesem stam-
men die meisten lateinischen wie auch griechischen
Notizen zu Mir .•
Mu., Spir., MXG und Lin. Zu Lin.
sind sie sicherlich in einem Arbeitsgang entstanden,
was gleiche Federstärke und Tintenfärbung nahelegen.
Die Provenienz der Randbemerkungen zu Lin., unter
denen die lateinischen weit zahlreicher sind, läßt
sich genau bestimmen. Textgrundlage war die lateini-
sche Übersetzung des Traktats von Robert Grosse-
R.Foerster, Scriptores Physiognomonici. I, Leip-
zig 1893, S.XLI/XLII.
2 Abgesehen von einigen wenigen Spuren.
-
277 -
testel. Der gelehrte Korrektor hat demnach den grie-
chischen Text der Handschrift mit dem der Überset-
zung Grossetestes durchverglichen. Überall dort, wo
er im Vind. auf negative Abweichungen stieß, hat er
den Wortlaut der lateinischen Version am Freirand
oder zwischen den Zeilen notiert, wobei er oft ein
"i.L ." (in Latina translatione oder in Latino exem-
plari) hinzufügte2• Bisweilen findet sich auch eine
griechische Variante mit dem Vermerk li.L ."; hierbei
haben wir es dann offensichtlich mit Rückübersetzun-
gen vom Lateinischen ins Griechische zu tun3•
Bei dieser Art der Textvergleichung wurden viel-
fach nicht nur die Sonderfehler des Vind., sondern
auch viele der bereits ererbten Korruptelen, z.B .
die diversen großen Auslassungen ex homoeoteleuto,
richtiggestellt, und zwar innerhalb der Grenzen, die
Unternehmen durch die stemmatische Stellung
der griechischen Filiation und
durch die eigenen Überlieferungsmerkmale des der
diesem
der translatio in
1 Zu dieser Übersetzung vgl. ausführlich unten S.361
bis 367. Auch die lateinischen Marginalien zur
Schrift Mu. (ff.71v-I05V)
sind auS einer mittelal-
terlichen lateinischen Übersetzung, der translatio
anonyma. übernommen (vgl. G .Lacombe, Aristoteles
Latinus, I, Bruges-Paris 1957, S.29a, Nr.140).
2 Im griechischen Grundtext bezeichnen meist zwei
nebeneinander liegende Punkte die betreffende
Stelle.
3 Das läßt sich auch deutlich an zwei Kleinigkeiten
zeigen: Vind. hat 2b12 x~~ Ta~ yp~μμa~ ausgelas-
sen, der Korrektor ergänzt x~~ yp~μμa~.
da er bei
et lineas natürlich keinen Artikel vorfindet.
-
Den ace. Graecus aal1 Tnv ~va ~v gibt die transla-
tio richtig mit secundum naturam wieder; nun sieht
sich aber der Korrektor bemüßigt, ein xaTa auch
im griechischen Text zu ergänzen.
-
278 -
Überarbeitung
zugrunde liegenden
Manuskripts ge-
steckt waren. Wie bei allen (byzantinischen
und) hu-
manistischen
OLop~waELs
dieser Art sind freilich
auch hier dem Korrektor
verschiedene
Fehler entgan-
gen. die mit Hilfe der Übersetzung
hätten ausgemerzt
werden können.
Anhand etlicher
Lesarten
lassen sich auch über
die genauere
Position des benutzten
Kodex innerhalb
der Tradierung der Übersetzung
Aussagen
machen. Es
muß hier diejenige Textredaktion
vorliegen,
die sich
auch in den beiden Drucken der translatio aus den
Jahren 1482 und 1496 wiederfindet!
und sich vor al-
lem durch eine evidente philologische
Bearbeitung
des Textes von der im Ambr.lat.E 71 sup. enthaltenen
Fassung abhebt. So lesen wir im Wiener Manuskript
Varianten. die in den genannten Drucken, nicht aber
in der Mailänder lateinischen Handschrift belegt
sind, z.B. 8a5 post OACyOV add. xa~ μLXPOV (et par-
v um ) (om.: Ambr.), 8a8 post EV clnav'tL a d d , quanto
(om.: Ambr.), 8b21 at npihaL μev + primo quidem
(primae quidem: Ambr.), 9a15 quaedam (quidam: Ambr.),
laS post ypaμμn ä'toμos add. manifestum autem quod
non ex punctis erit linea (om.: Ambr.), Ib18 non
possibile (non est impossibile: Ambr.), 2a26 secun-
dum (quam: Ambr.), 2bl0 post awμa add. neque linea
(om.: Ambr.) .
Einige der griechischen Varianten lassen sich
handschriftlich nicht in den mir bisher bekannten
lateinischen Textzeugen belegen und sind daher wahr-
scheinlich als Emendationsversuche des Bearbeiters
1 Vgl. dazu unten S.362 sqq.
-
219 -
anzusehenl: 9a24 add. Ö'tL ante öaw, bl0 add. 'tw ante
.a aav,
Oa12 oLa μlaou + oLaμETPoo2
(recte), a32 in
mg. Et, b6 add. Et post waTE, b32 add. oe ante OUX,
"
la14 o~ E!vaL + transire otLEvaL3 (recte), 2b6 x~t,
bl1 Et~4 (recte?), b25 ~TL (recte).
Die Konjekturen sind durchweg sehr beachtenswert
und treffen bisweilen sogar das Richtige. Sie zeugen
von den textkritischen Fähigkeiten eines gelehrten
Humanisten und sollten in einer künftigen Edition
der Sc'hrift im Auge behalten werden. Es könnte sich
lohnen, auch die Glossen zu den anderen Traktaten im
Vind., wie z.B . zu MXG, wo sie um so interessanter
zu sein scheinen, als es keine mittelalterljche la-
teinische Übersetzung gibt, die als Überarbeitungs-
auf ihren textkriti-
grundlage gedient haben könnte,
sehen Wert hin zu überprüfen.
Beim Versuch der Identifizierung des Korrektors
führen verschiedene Indizien auf die Person des be-
deutenden Staatsmannes und berühmten Humanisten Gio-
vanni Gioviano Pontan05 (1426-1503), den Besitzer
Drei von ihnen kommen zwar in anderen griechischen
Textzeugen vor (vgl.gleich unten zu Oa12, la14,
2b17). Doch die zusätzliche Kenntnis dieser Kodi-
zes oder auch nur eines von ihnen hätte ganz ande-
re Konsequenzen hinsichtlich des Umfangs der dann
möglichen Korrekturen nach sich ziehen müssen.
2 Damit wird Apelts Emendation bereits zum zweiten
Mal (erstmals im Kodex N von 2.Hand) vorweggenom-
men.
3 6LLlvaL
auchiniund1.
4 Et lesen wir auch in Za, Ambr.A 114 sup., Ambr.D
124 inf., Marc.XI .11, Vind.Phil.l1•
5 Über diesen Schiller des Antonius Panormita vgl.
E.percopo, Vita di Giovanni Pontano, Napoli 1938.
-
280 -
es Kodex. Das entsprechende
Exlibris
muß beim Neu-
binden der Handschrift durch Gerard
van Swieten im
Jahre 1754 verlorengegangen
sein; denn noch in den
alten Katalogen von Nessel (1690) und Lambeck-Kollar
(1766-82) ist die VorbesitzerSChaft des Pontano aus-
drücklich bezeugtl.
Ein Vergleich mit dem lateini-
schen Autographon Pontanos im Vind.lat.3413 und mit
Schriftproben aus dem Berol.Ham.4712 schafft ziemli-
che Gewißheit, daß Pontano die marginalen und inter-
linearen Anmerkungen geschrieben hat. Es ist durch-
aus möglich, daß die Handschrift auf seine Bestel-
lung hin angefertigt wurde; ihre Entstehung in Nea-
pel im Jahre 1458 spricht dafür: Dort könnte sie von
Sambucus (Marginalien von seiner Hand) während sei-
nes Neapel-Aufenthaltes 1562/1563 erworben worden
sein. Der Kodex ist allerdings nicht in der Liste
der Bücher enthalten, die Pontanos Tochter Eugenia
im Jahre 1505 der Kirche S.Domenico Maggiore in Nea-
pel vermachte3• Doch scheint Pontano wesentlich mehr
ManUSkripte als nur die in jenem Verzeichnis erwähn-
ten besessen zu haben, über deren Verbleib nichts
Vgl. H .Gcrstinger (vgl.oben S.229, Anm.3), S.321-
322, und H.Hunger (vgl.oben S.169, Anm.2), 5.341.
2 Vgl. F .~unari, Il codice Hamilton 471 di Ovidio
(Ars amatoria. Remedia amoris. Amores); In Appen-
dice: B.L .Ullman, Pontano's Marginalia in Berlin,
Hamilton 471, Roma 1965 (= Note e discussioni eru-
dite 9), tav.II, 111, IV, VI.
3 "I libri di Messer Gioviano Pontano donati alla
Biblioteca di S.Domenico Maggiore di Napoli", auf-
geführt bei G.Filangieri, Documenti per la storia
Ie arti e le industrie delle Provincie Napoleta-
ne, 111, Napoli 1885, S.50-58, und E.percopo (vgl.
oben S.279, Anm.5), S.313-314 (uber die Bibliothek
Pontanos: S.119-135).
-
281 -
Näheres bekannt ist1•
Während die Beschäftigung des italienischen Huma-
nisten mit der römischen Literatur in verschiedenen
Handschriften von hohem bibliophilen und textge-
schichtlichen Rang mit Verken von Properz, Tibull,
Tacitus und _ jüngst entdeckt - Ovid2 konkret in Er-
scheinung tritt, haben wir im Vind., soweit ich se-
he, erstmalig einen Textzeugen der griechischen An-
tike vor uns, in welchem die philologische Tätig-
keit des Pontano ihre Spuren hinterlassen hat. Auf-
auch kurzen Schriftzeug-
zahlreichen, wenn
griechischen Hand des Pontano in unserem
Kodex war es möglich, andere griechische Aristoteles-
Handschriften namhaft zu machen, die gleichfallS
durch seine Hände gegangen sind und von seiner Be-
schäftigung und Vertrautheit mit den Schriften des
Stagiriten - so stützt sich etwa auf dessen einschlä-
gigen Traktat seine eigene astrologische Abhandlung
Meteorum3 _ zeugen; sie sind unten im Anhang aufge-
führt. Das Interesse des Pontano für griechische
Handschriften4 offenbart sich z.B . in einem Brief
(ohne Jahr) an seinen Lehrer Antonio Beccadelli
Panormita (1394-1471). in welchem es um eine kleine
griechische Bibliothek geht, die irgendwO auftauch-
grund der
nisse der
Vgl. auch E.percopo, S.124.
2 Vgl. die oben S.280, Anm.2 zitierten Arbeiten von
F.Munari und B.L .Ullman.
3 Vgl. E .percopo, S.216.
4I
.
n dem oben 8.280, Anm.3 genannten Inventar~um
eines Teils seiner Bibliothp.k sind mit Sicherheit
drei Handschriften griechisch: Ilias, Odyssee und
Xenophons Kyrupädie.
-
282 -
te und dann in die Vaticana
eingegliedert
wurde1•
Die
verschollene
Kaum eine verschollene Handschrift
läßt sich so genau nach Inhalt, Da-
tierung, Entstehungsort und Filiation
rekonstruieren wie die gemeinsame
Vorlage
Vorlage von Ambr. und Vind. Was ihren Inhalt be-
trifft, wird man zunächst einmal von der Arbeitshy-
pothese ausgehen, daß sie am ehesten die in beiden
Abschriften gemeinsam tradierten Traktate enthalten
haben könnte, also Phgn., Vent., Mir., Mu., Mech.,
Lin. Dazu kommt, wenngleich nur im Ambr. vorhanden,
die pseudo-theophrastische Schrift Sign., denn die-
se war ursprünglich auch im Vind. enthalten und ist
später durch eine mechanische Beschädigung, der drei
Quaternionen und drei Einzelblätter zum Opfer ge-
fallen sind2, verlorengegangen. Der Verlust dieser
ganzen Schrift mitsamt dem Schluß von Phgn. und dem
größeren ersten Teil von Vent., und zwar in der
Stellung zwischen den beiden Aristotelica, wird
stringent augenscheinlich durch die Beobachtung, daß
E.P ~rcopo. Lettere di Giovanni Pontano a principi
ed amici, Atti della Accademia Pontaniana 37, Se-
rie 11. Vol.XII, Napoli 1907, S.79: "Codices grae-
ci, quos mihi denotasti, iam Romam adlati ponti-
ficia bibliotheca servantur, sed a Jano (ob Janos
Laskaris?) audivi, omnes recentiores sese, et
paucis abhinc annis descriptos, praeter vetustis-
simam variorum epigrammatum cOllectionem, quae
antiquissima et pretiosissima erat. Sed ego viro
amicissimo Romam scripsi, ut, si possibile est,
eam nobis fideliter exscriptam quam citissime
mittat."
2 Es fehlen zwischen ff.23v und 241': das letzte
Blatt des mit ß signierten Quaternios (ab f.17),
die Lagen y 0 E vollständig und die ersten beiden
Blätter des Quaternios ~ (bis f.29).
-
283 -
die drei Traktate Phgn., Sign. und Vent. meist ge-
meinsam in ebendieseI' Reihenfolge überliefert sind.
Es ist dies eine charakteristische Anordnung, die
nicht erst seit dem Marc.IV .58, dem ältesten erhal-
sondern sehr wahrschein-
Par.1741 laut des-
tenen Textzeugen, be~teht,
lieh bereits einmal im berühmten
sen Pinax verwirklicht warl•
Der
nebst dem der fehlenden Stücke von Phgn.
umfaßt ca.600 Bekkerzeilen, wodurch sich bei gleich-
bleibender durchschnittlicher Beschriftung eines Fo-
liums mit ca.23 Bekkerzeilen nahezu exakt die fehlen-
den 27 Folien erschließen lassen2.
Text von Sign.
und Vent.
Systematische Teilkollationen aus Phgn., Mir. und
Mech.3 haben ergeben, daß Ambr. und Vind. auch in
diesen Fällen getrennt voneinander aus ein und der-
selben nicht erhaltenen Vorlage geflossen sind, die
ihrerseits auf den Marc.216 zurückgeht. Der Textver-
Sign. und Vent. in Marc.216 und Ambr.
Verwandtschaft dieser beiden
Mailänder gegenüber
gleich von
zeigt ebenfalls die
Textzeugen (mit Trennfehlern des
dem Venezianer Kodex). Da sich auch die noch übrig-
bleibende gemeinsam überlieferte Schrift Mu. im
Marc.216 findet, darf man annehmen, daß wiederum
dieselbe filiation vorliegt. Damit ergibt sich also
für Phgn., Sign., Vent.4, Mir., Mu. und Mech. fol-
1 Vgl. D .Harlfinger _ D .Reinsch (vgl.oben S.28, Anm.
1), S.28-50, dort S.34, 43/44.
2 Zu den rechnerischen Details vgl. die Beschreibung
des Manuskripts im 'Aristoteles GraecuS'.
3 Kollationiert wurden von mir: B05ab, 830a-832b,
845a-849b, 857a-858b.
4 Zu Phgn., Sign. und Vent. vgl. auch D.Harlfinger -
D.Reinsch (vgl.oben S.28, Anm.l), 5.47/48.
-
284 -
gendes Stemma:
.
h Lin.:
Vat 1905
VergLeLc e
/'\_
b
Vind.
Am r.
Es leuchtet ein, daß die verschollene Vorlage der
sechs Traktate sicherlich mit dem codex deperditus,
aus welchem Lin. abgeschrieben wurde, identisch
ist1• Damit wäre nun ein Kodex erschlossen, in dem
mehrere kleine apokryphe Traktate des Corpus Aristo-
telicum zusammengestellt waren. Zunächst übernahm
der Schreiber die meisten dieser Traktate aus dem
Marc.216, dessen Abfolge der Schriften er zumindest
bis einschließlich Mu. (also Phgn., Sign., Vent.,
Mir., Mu.) beibehielt, wie die Übereinstimmung mit
der Reihenfolge des Vind. nahelegt 2. Sodann fügte
er aus dem Vat.905 Lin. hinzu3•
Außer den auch in der verlorenen Vorlage nach-
weisbaren Traktaten enthält der Vind. MXG und Spir.
Da diese beiden Schriften auch im Marc.216 vorlie-
gen, würde die bei einem Textvergleich festgestell-
Andernfalls hätte man zu erklären, wie es kommt.
daß zwei verschiedene Kopisten zu verschiedener
Zeit und an verschiedenen Orten dieselben sieben
Schriften aus denselben zwei Vorlagen in der glei-
chen Auswahl abgeschrieben haben.
2 Im Ambr •• dem Ergebnis der Zusammenarbeit zweier
Kopisten. die ihn durch zahlreiche andere Aristo-
teles-Texte erweiterten, ist die genuine Schrif-
tenabfolge nicht gewahrt worden.
3 Daß der Marc.216 vor dem Vat.905 benutzt wurde.
läßt sich wohl auch daraus ableiten, daß Mech.
nicht aus dem Vat .•
sondern aus dem Mare. übernom-
men wurde. Auch Mu. ist im Vat. vorhanden.
-
285 -
te etwaige Herkunft des Wiener Kodex aus dem Marc.
216 mit großer Wahrscheinlichkeit darauf schließen
lassen. daß sie ebenfalls in der verschollenen Zwi-
schenstufe zu finden waren. Dasselbe würde auch für
die nur in Ambr. und Marc.216 überlieferten Proble-
mata gelten.
Entstehungszeit und -ort der verlorenen Vorlage
lassen sich recht genau ermitteln. Terminus post
quem ist der 4.11.1445, das Abschlußdatum des Anti-
graphons Marc.216, terminus ante quem der 20.1.1458,
das Datum des ältesten Apographons, des Vind. Der
Entstehungsort ist höchstwahrscheinlich dort zu su-
chen, wo sowohl der Vat.905 als auch der Marc.216
dem Kopisten zugänglich waren. Es muß Rom gewesen
sein, wo wir Bessarion, den Auftraggeber und Besit-
zer des Mare. seit 1445 mit zeitweiligen Unterbre-
chungen antreffen. In Rom hat unser Kodex um 1470
auch dem Ambr. als Vorlage gedient, während er etwa
12 Jahre vorher von Pontano oder dem Kopisten Emma-
nuel für die Abschrift des Vind. nach Neapel ent-
liehen worden war. Welche Umstände zu seinem Ver-
lust geführt haben, bleibt ungeklärt.
Matr.4563
Vat.
905
IMatr.
Aus dem Vat.905 ist auf direktem Wege der
Matr.4563 (olim N26) geflossen. Letzterer
wiederholt alle charakteristischen Merkma-
le des Vat. und bietet ein paar eigene Son-
derfehler, weist aber auch eine stattliche Anzahl
von Emendationen auf. Wenn man sich vergegenwärtigt,
daß dieser Kodex von Konstantin Laskaris (1434-etwa
-
286 -
1501), dem gelehrten byzantinischen Humanisten, Pro-
fessor des Griechischen und Autor einer viel benutz-
ten griechischen Grammatik, geschrieben worden ist,
bedarf der Ursprung der zahlreichen Korrekturen zu
Orthographie, Grammatik und Gedankengang keiner wei-
teren Erklärung. Einige Beispiele nur:
Vat.905
Matr.
8a4
..
(ante aXe:oo\l) .. €XO\l
e:aXo\l
b26
T0lohW\I ClT6jJW\I
..
rodrev TW\I ClT6jJW\I
9b5
ltpoataTtcuä\l
..
Ttpoae:taTtcuä\l ( ut v Ld , )
b26 ÖH
..
..
e:T~
la26
ltOLe:'i:e:\I
..
ltO~OLe:\I
b6
TO\) x OE
..
TOO )(-0
b29
äHa
+
äHo
2b19 ojJo(W!; OE
..
ojJo(W!; OE )(a~
Diese positiven Abänderungen des Textes der Vor-
lage, die mit ganz wenigen Ausnahmen in scribendo
vorgenommen worden sind, zeugen nicht allein an den
Stellen, wo sie auf Anhieb die genuine Lesung der
Vulgata treffen. von dem guten Textverständnis des
Konstantin Laskaris. Im Gegensatz zu den meisten pro-
fessionellen Schreibern war Laskaris ganz allgemein
fähig und souverain genug, um gewisse Verderbnisse
auch über Elementargrammatisches hinaus zu heilen.
Mit seinen Konjekturen wird sich die Textkritik aus-
einanderzusetzen haben.
Natürlich ist auch die Abschrift des Laskaris
nicht von Fehlern verschont geblieben. Doch halten
sich diese in ungewöhnlich engen Grenzen. Beispiele
sind:
-
287 -
Vat.905
Matr.
8a20
Ob6/7
TjJnßnae:TCH
(ex homoeot.)
2al0
b12
aWjJClTW\ll
ypajJjJch
Von der Hand des Konstantin Laskaris stammt nur
der hintere Teil des Kodex (ab f.135), den er auch
mit einer Subskription versehen hat. Diese besagt,
daß das Manuskript von ihm 1470 in Messina geschrie-
ben wurde. Der erste Teil des Kodex (ff.3-133) kann
aufgrund der Schriftzüge seinem Schüler Manuel zuge-
wiesen werden2. Da zwei der drei Hauptwasserzeichen
in beiden Teilen begegnen. ist auch die Datierung
der von Manuel kopierten Hälfte gesichert. Man wird
vielleicht annehmen dürfen. daß dieser Manuel, der
sich etwa um die angegebene Zeit auch in Rom aufge-
halten hat3, den Vat.905 dort entlieh4 und nach Mes-
sina mitbrachte.
Wenn dem Laskaris der Vat.905 nun einmal in Mes-
sina vorlag, ist es einleuchtend, daß er die Gele-
genheit ergriff und gleich alle darin enthaltenen
Ex homoeoteleuto (aTo~xe:ta)
mit dem Auge für einen
Moment eine Zeile tiefer (nach 2al0/l) geraten.
2 Vgl. J .M .Fernandez Pomar (vgl.oben S.272, Anm.l),
S.240. Anm.5 .
-
Zu diesem Manuel vgl. auch oben
S.272/273.
3 Vgl. dazu oben S.273.
4 Zum ersten Mal bezeugt für die Vaticana ist der
Vat.905 allerdings erst in dem von Bartolomeo Pla-
tina und dessen Schüler Demetrio Guazzelli ange-
fertigten Inventarium des Jahres 1481, noch nicht
aber in dem von 1475 (vgl. R .Devreesse (vgl.oben
S.63, Anm.l), S.102).
-
288 -
Aristotelica,
von denen er noch kein handschriftli_
ches Exemplar besaß, kopierte.
So finden sich denn
auch in unserem Matr. hinter Lin. noch Mech. und
Hist.An.I -V (dieselbe Abfolge wie im Vat.) . Wie
nicht anders zu erwarten,
bestätigen
die von mir für
Mech. vorgenommenen
Kollationen
(847a-849b, 857a
bis 858b) die Abhängigkeit des Madrider
Kodex vom
Vat.; im Falle von Hist.An. ist ein zusätzliches In-
diz darin gegeben, daß beide Handschriften nur die
ersten fünf Bücher überliefern. Einzig Mu. ist aus
dem Vat. nicht übernommen worden; denn hiervon be-
saß Laskaris bereits eine autographe Kopie aus dem
Jahre 1464 (Matr.4630, olim N109). Von den anderen
im Matr. gesammelten Traktaten sind die Parva natu-
ralia und An. laut P.Siwek aus dem Marc.214 (Ha) ge-
flossenl. Dieselbe Abhängigkeit liegt nach meinen
Feststellungen auch bei Col. vor. Was wir bezüglich
der Geschichte jener Bessarion-Handschrift (Ha)
sonst erschließen konnten2, läßt sich durchaus mit
diesen Beobachtungen zur Filiation vereinen. Sie ge-
langte nicht mit den meisten anderen Kodizes des
Bessarion im Jahre 1468, sondern wohl erst nach dem
Tode des griechischen Kardinals (1472) aus Rom nach
Venedig und kann daher sehr wohl wie vielleicht auch
der Vat.905 in Rom im Jahre 1470 oder kurz vorher
von Manuel, von dessen Hand die besagten Traktate
stammen, nach Messina3 ausgeliehen worden sein.
P.Siwek (vgl.oben S.93, Anm.2), S.38, und P.Siwek
(vgl.oben S.164, Anm.1), S.77/78.
2 Vgl. die Einzelheiten oben S.172.
3 Oder soll man sich vielleicht vorstellen, daß Ma-
nuel an Ort und Stelle in Rom im Auftrag des Las-
karis eine Abschrift vom Marc.214 anfertigte (vgl.
-
289 -
Konstantin Laskaris besaß eine reichhaltige grie-
chische Bibliothek, von der er viele Bücher selbst
geschrieben hattel. In ihr sind auch die meisten
Schriften des Corpus Aristotelicum vertreten; auf-
fällig ist aber das Fehlen eines Organon-Kodex. Im
Gegensatz etwa zu Bessarion und den Päpsten, die
ganz andere Mittel besaßen. stets über einen ganzen
Schreiberstab verfügten und deshalb häufig bestimm-
te Autoren und Texte zwei- oder mehrfach anschaff-
ten, beschränkte sich Laskaris darauf, wie das Bei-
spiel der Abteilung 'Aristoteles' in seiner Biblio-
thek deutlich lehrt, jeweils nur ein Exemplar einer
Schrift sein eigen zu nennen. Eine Ausnahme bilden
nur die in dem aus dem 14.Jh . datierenden Matr.4684
(N 54) vereinten Werke, von welchen auch Kopien des
Laskaris (und Manuels) existieren. Vielleicht darf
man so weit gehen, daraus zu schließen, daß Laskaris
erst in den Besitz des Kodex gelangte, nachdem er
z.B . des Laskaris Vermerk im Matr.4636: MavovnA
€v 'PWμ? e~Eypa~E; dazu auch oben S.273) und die
Abschrift sowie den Vat.905 mitsamt einer Sendung
Papier, von welchem er bereits etwas für seine
Arbeit genommen hatte, an seinen Lehrer nach Mes-
sina schickte? Das wesentliche Problem bei der
Einschätzung der prinzipiellen Möglichkeit dieser
hypothetischen Verknüpfung ist die Identität des
von Laskaris und Manuel verwendeten Papiers. Es
zu lösen, bedürfte einer weitreichenden Kenntnis
von Papierfabrikation und -handel im Italien je-
ner Zeit. Wäre es absurd gewesen. Papier aus Rom
nach Messina zu liefern?
Sie befindet sich heute fast geschlossen in der
Madrider Biblioteca Nacional.
-
Jüngst hat J.M .
Fern&ndez Pomar eine kodikologisch ausgerichtete
Studie zu den Handschriften des Laskaris veröf-
fentlicht (vgl.oben S.272, Anm.l), in der auch
die ältere Literatur zu dessen Person zitiert und
ausgewertet ist.
-
290 -
sich bereits der Mühe einer eigenhändigen
anderwei_
tigen Abschrift jener Texte unterzogen
hatte.
Die sieben Aristoteles-Handschriften
von Laska-
ris' Hand sind großenteils während der Mailänder Jah-
re des Gelehrten (1458-1465) entstanden. In Messina
wurde außer unserem Lin. - Kodex auch der Matr.4578
(N 41) (etwa 1501) angefertigt. Die Ausstattung der
Papier-Manuskripte ist schlicht, dem Verwendungs_
zweck als Lese- und Arbeitsexemplare und nicht als
Bibliotheksprunkstücke entsprechend. Was die Vorla-
gen für seine Kopierarbeit betrifft, so bemühte er
sich um sie zunächst an Ort und Stelle. Daher las-
sen sich z.B . mit Hilfe von Stichprobenkollationen
für EE im Matr.4627 (N 65)1 und für Rhet. im Matr.
4687 (N 58) zwei Antigrapha aus dem Besitze des da-
mals am Mailänder Hof weilenden Francesco Filelfo,
nämlich die heutigen Laur.81,20 und 60,18, ausfin-
dig machen. Auch diese Texte zeigen dem Leser, der
ihre Vorlage kennt. sehr SChnell, daß die Kopien
des Konstantin Laskaris auch für die moderne Text-
kritik von Wert sein kö~nten.
b) ~ und seine Apographa
Ambr.D 124 inf., Marc.XI .l1, Vind.Phil.l1
Von den 5 jüngsten, im 16.Jh . entstandenen grie-
chischen Textzeugen unserer SChrift, die sämtlich
als separate "Spezialausgaben" gelten können. erwei-
sen sich neben den beiden bereits oben untersuchten
eng zusammengehörenden Ottoboniani auch die drei
1 Vgl. D .Harlfinger (vgl.oben S.27, Anm.2), S.12 .
-
291 -
verbleibenden Handschriften, nämlich der Ambr.D 124
inf., der Marc.XI .ll und der Vind.Phil.ll als nah
miteinander verwandt. sowohl in stemmatischer als
auch in kodikologischer Hinsicht.
Der Ambr. und der Marc.1 sind von ein und demsel-
ben Kopisten geschrieben. In beiden Fällen fehlt
eine Subskription; es steht m.E . jedoch außer Zwei-
fel, daß dieser Schreiber mit BartOlomeo Zanetti aus
Brescia zu identifizieren ist, dessen Hand mir aus
vielen Phillippici der Deutschen Staatsbibliothek
Berlin bekannt ist2• Genaueres zur Person dieses in
den biographischen Nachschlagewerken nahezu unbe-
kannten Mannes hat man erst in jüngerer Zeit in Er-
fahrung gebracht: Er ist der Vater des bekannten und
vielbeschäftigten Kalligraphen Camillus Venetus (Ca-
millo Zanetti)3 und nicht, wie früher angenommen
Und zwar Teil 111, ff.1 -8 (Lin.) und ff.33 -41.
2 Vgl. den Index 11 "Nomina librariorum" in: W.Stu-
demund und L.Cohn (vgl.oben S.266, Anm.2), S.119,
wo s.v . Bartholomaeus de Zanettis diesem Kopisten
die Beteiligung an der Herstellung von 18 Kodi-
zes (nur Phill.1630 und 1639 sind subskribiert)
zugeschrieben wird. Die Liste ist fast exakt:
Phill.14~7 und 1554 sind jedoch zu streichen,
Phill.1610 (ff.28-31V) ist hinzuzufügen.
3 Das hat zuerst R.Cessi, Bartolomeo e Camillo Za-
netti, tipografi e ca~ligrafi deI '500, in: Ar-
chivio Veneto-Tridentino 8, 1925, S.174-182, nach-
Zuweisen versucht. In einem neu veröffentlichten
Dokument findet sich dafür die einwandfreie Bestä-
tigung: Am 24.2 .1546 entleiht Guilelmino Guidi aus
der Biblioteca Vaticana einen Kodex mit Diophan-
tos' Arithmetica und schreibt in das Ausleihregi-
ster der Vaticana: " ••• quale libro a dato a Ca-
millo Vinitiano. figlio di Bertolomeo Bresciani,
a copiare ••• " (vgl. M .Bertala, I due primi regi-
stri di prestito della Biblioteca Apostolica Va-
ticana. Codici Vaticani Latini 3964, 3966, Citt~
-
292 -
wurde, mit diesem identischl.
Bartolomeo Zanetti
(geb.1486 oder 1487), Von Beruf Buchdrucker2, ließ
sich nach Zwischenstationen in Florenz und Rom vor
1528 in Venedig nieder und gründete eine eigene
Druckerei. die zwischen 1535 und 1541 unter Mitwir_
kung seiner beiden Söhne Cristoforo und Camillo ihre
größte Aktivität entfaltete. Schon gegen Ende dieser
Periode scheint er außerdem ein Schreibatelier ge-
leitet zu haben, dem er sich nach dem Bankrott sei-
ner Buchdruckerei (wohl 1541) in verstärktem Maße
widmete. Zanettis finanzielle Lage scheint sich je-
doch in der ersten Hälfte der 40er Jahre des Jhs.
nicht wesentlich gebessert zu haben, so daß er in
Florenz neu Fuß zu fassen versuchte. Doch auch dort
hatte er kein Glück und begab sich daher nach Rom3.
Hier finden wir seine Spur in den Ausleihregistern
der Vaticana wieder. In der Funktion eines Angestell-
ten der Bibliothek hat er mehrere Male, zuletzt am
18.4 .1547. mit seiner Unterschrift die Ausleihe von
Handschriften an fremde Personen abgezeichnet bzw.
del Vaticano 1942. S.74).
So bei E.Martini, Chi era il copista Camillo Vene-
to?, in: Atti R.Accad.Arch.Lett.Belle Arti, N.S ••
11. 1910. S .269-277 (mit 4 Abbildungen); schon M.
Vogel-V .Gardthausen, S.227, Anm.4, hatten diese
Gleichsetzung erwogen.
2 Vgl. auch P.Lugano, Del tipografo bresciano Barto-
lomeo de Zanettis al servizio di Camaldoli e della
"Regula vite eremite" stampata a Fontebuona nel
1520. in: Bibliofilia 14. 1912/13, S.177-183. 210
bis 227, 285-?94, 338-344.
3 "Da questo punto di lui perdiamo ogni traccia",
R.CesSi. S .179. Die Daten aus dem Leben des Barto-
lomeo Zanetti hat Cessi, S.177-179, herausgearbei_
tet.
-
293 -
die Rückgabe der Bücher quittiertl• Ob Bartolomeo
bis zum Ende seines Lebens in Rom2 blieb oder wieder
nach Venedig zurückkehrte, entzieht sich wie das To-
desdatum selbst unserer Kenntnis.
BartOlomeo war, wie die Liste der von ihm gefer-
tigten Manuskripte3 deutlich zeigt, an der Herstel-
lung vieler dieser Handschriften nur beteiligt, was
eindeutig auf eine Gemeinschaftsarbeit innerhalb
eines Schreibateliers hindeutet. Nichts spricht da-
gegen, daß es in vielen Fällen das von ihm geleitete
gewesen ist4• Über die Mitarbeiter des Bartolomeo
läßt sich noch wenig sagen. Bislang konnten Nikolaos
Aulotes (Phill.1426, ff.195-229v; Phill.1552 . ff .57
bis 164), Michael Maleas (Phill.1443 gegen Ende) und
Nikolaos Choniates (Phill.1513, ff.1 -179) aufgrund
des Duktus mit ziemlicher Sicherheit namhaft gemacht
werden.
Vgl. M .Bertola (vgl.oben 8.291, Anm.3), S.64,69,
101,104,105,109,114 und 115. und die entsprechen-
den Tafeln mit den Autographa.
2 Dorthin scheint ihn sein Sohn Camillus Venetus be-
gleitet zu haben, vgl. R .Cessi, S.179; dafür
spricht die oben S.291, Anm.3 zitierte Notiz im
Ausleihbuch; 1552 hat Camillus in Rom für Mendoza,
Kardinal von Burgos, Teile des Matr.4715 (0 37)
geschrieben, vgl. Ch .Graux (vgl.oben S.78, Anm.l).
S.78. und M.Vogel-V .Gardthausen, S.228.
3 Vgl. M .Vogel-V .Gardthausen, 8.49; von meinen Er-
gänzungen sind diejenigen aus dem aristotelischen
Bereich unten im Anhang S.417 genannt.
4 Unter den Berliner Handschriften bestätigt sich
diese Vermutung z.B . schon durch die schreibtech-
nische Anlage des im Jahre 1542 entstandenen
Phill.1518: Bartolomeo hat den drei anderen Kopi-
sten des ManUSkripts durch das Vorschreiben der
ersten Seite (f.lr) ein Muster für ihre Arbeit an
die Hand gegeben.
-
294 -
-
295 -
Wichtigster
Mitarbeiter
des Bartolomeo
Zanetti
war zweifellos
sein Sohn, Camillus Venetus.
Von des-
sen Hand stammt denn auch der Lin. -Text des dritten
hier zu behandelnden
Kodex, des Vind.Phil.ll1,
was
ein Vergleich
mit Schriftproben
aus sUbskribierten
Handschriften2
nahelegt; auch die ff.11 -31 des Mare.
XI.ll sind ihm zuzuweisen.
Die unten im Anhang S.409
erfaßten Aristoteles-Handschriften
des Camillus ge-
ben einen ausschnittartigen
Eindruck davon, was für
eine Flut von griechischen
Kodizes wir seiner bisher
bekannten
enormen Produktion3 letztlich
werden hin-
zurechnen
müssen.
gleichformatigel' SChriftspiegel
(etwa 170xl00 mm)
und nahezu gleicher Seitenumlauf1. Die in diesen Ko-
dizes verwendeten Papiersorten und ihre Wasserzei-
chen ermöglichen sodann einen Vergleich in bezug auf
die Datierung der drei Handschriften.
Das einzige Wasserzeichen des Ambr., P~3, begeg-
net auch in den beiden anderen Manuskripten. Der
(als Hauptwasserzeichen zu P~3 gehörige?) Anker im
Kreis mit Stern des Mare. findet sich auch im Vind.
wieder. letzterer Kodex hat noch weitere Papiermar-
ken2• Die Wiederkehr gleicher Wasserzeichen in allen
drei Lin. - Handschriften, d.h . die Verwendung dersel-
ben Papiersorte(n), ist, zumal es sich um dasselbe
Schreibatelier handelt, ein ziemlich sicherer Hin-
weis auf in etwa ein und dieselbe Entstehungszeit
dieser Kodizes3• Zusätzlich zu Briquet, wo P~3 NI'.
9674 (a.1548-56), Anker mit Gegenzeichen P~3 Nr.523
(a.1551) und Anker allein Nr.485 (a.1547, 1553) ent-
spricht, ermöglicht ein Vergleich dieser Filigrane
mit sOlchen. die sich in exakt datierten oder auf-
grund anderer Kriterien approximativ datierbaren
Handschriften des gleichen Herkunftsmilieus wieder-
finden, eine ziemlich gen aue Datierung. Sowohl P~3
als auch Löwe mit Gegenzeichen 3a (letzteres im
Vind., ff.58 sqq.) begegnen nämlich auch im datier-
v(
v
ten Mon.75. dessen ff.~13-332
ff.297-332: Rhet.
Die gemeinsame Herkunft der drei Lin. - Handschrif_
ten aus dem Atelier des Bartolomeo Zanetti darf nach
obigen Ausführungen als sicher gelten. Es ist des-
halb kein ZUfall, daß ebendiese Provenienz auch in
verschiedenen paläographischen Einzelheiten zutage
tritt: dieselbe Art der Illumination am Anfang des
Textes sowie in Mare. und Ambr. jeweils 26 Zeilen,
ff.252 -256v,
außerdem ff.1 -145v.
2 Specimina finden sich veröffentlicht bei E.Marti_
ni (vgl.oben S.292. Anm.l). tav.l,2,3 (Taf.4 gibt
nicht, wie Martini glaubt, eine SChriftprobe des
Sohnes, sondern des Vaters Bartolomeo); mir liegen
außerdem vor eine Kopie des von E.Martini-D .Bassi
(vgl.oben S.271, Anm.1) dem Camillus zugewiesenen
Ambr.D 4742inf. und dank der freundlichen Unter-
stützung VOn P.Moraux einige SChriftproben aus dem
sUbskribierten Matr.4715 (0 37), in welchem die
ff.320-455v von einem zweiten Kopisten geschrie-
ben sind.
3 Vgl. M .Vogel-V .Gardthausen, S.227-230. Sieben wei-
tere Handschriften hat P.Costil, Andre Dudith. Hu-
maniste Hongrois (1533-1589). Son oeuvre et ses
manuserits grecs, Paris 1935, S.297, Anm.3, iden-
tifiziert.
Der Vind. hat ein größeres Format und damit auch
eine andere Zeilenzahl und einen anderen Schrift-
spiegel.
2 Zu allen näheren Einzelheiten über die Wasserzei-
chen vgl. die Beschreibungen im 'Aristoteles Grae-
cus'.
3 Vgl. in diesem ZU3ammenhang oben S.31 sqq.
-
296 -
Al.) von Petros Karneades
am 26.3.1550 fertigge_
stellt wurden (Subskription
f.332v)l.
Es scheint
sich damit eine annähernde Datierung der drei Lin. -
Handschriften recht genau um die Mitte des 16.Jhs.
anzubieten.
Eine zusätzliche Möglichkeit, die Entstehungszeit
weiter einzugrenzen, liefert im Falle dieser drei
Handschriften die mit Hilfe der Stemmatik aufstell_
bare relative Chronologie: Der Marc.XI .ll enthält
ff.11 -31 Theophrasts Schrift De sensibus, die sich
auch in einer zweiten Lin. - Handschrift, dem Ott.45,
ff.1-13v, wiederfindet. Wie McDiarmid2 nachgewiesen
hat. sind, anders als im Falle Von Lin., diese bei-
den Textzeugen eng miteinander verwandt. Der Ott.,
den wir oben in der ersten Hälfte oder um die Mitte
der 40er Jahre des 16.Jhs. angesetzt haben, ist da-
nach stemmatisch der "Urgroßvater" des Mare. Von den
zwei vermittelnden Zwischengliedern ist die direkte
Vorlage des Mare., nämlich der Mon.81 (ff.443-457v),
erhalten. Laut einer Eintragung von späterer Hand
(f.458) wurde der Theophrast-Text des Mon. am 24.4 .
1552 von Michael Sophianos durchkorrigiert E& TO ap-
XETVKOV aVDHEOTW&
Sv OLE~eapμcvov3. Zwar scheint die-
Auch im Mon.l02. der U.a . Virt. und Mu. enthält
und dessen ff.1-199v Johannes Mauromates im Jahre
1549 geschrieben hat. finden wir ff.200-260b P~3 .
2 J.B .McDiarmid (vgl.oben S.51, Anm.1), S.1 -32.
_
Ein weiterer handschriftlicher Textzeuge des Trak-
tats, der McDiarmid nicht bekannt sein konnte, be-
findet sich übrigens in Mendozas Druckexemplar der
bei J.Oporinus (Basel 1541) veranstalteten Theo-
phrast-Ausgabe (Escorial, Editio 68.VI.12). und
zwar hinter f.271 auf 14 eingeschobenen Blättern
(vgl.G .de Andres (vgl.oben S.196, Anm.2).III,S.260.
3 Vgl. J .B .McDiarmid. 8.4 .
-
297 -
se Hand nicht mit der sonst bekannten des Michael
Sophianos identisch zu seinl, dennoch wird man das
Datum der Korrektur als terminus post quem für die
Entstehung des Marc., der diesen Verbesserungen Rech-
nung getragen hat, ansetzen dürfen. Der Mon. bietet
aber nun nicht nur für die Bestimmung der Entste-
hungszeit. sondern auch für die des Entstehungsorts
des Marc. einen Anhaltspunkt. Da er aus der Biblio-
thek des berühmten Kaufmanns Johann Jakob Fugger
stammt, dessen Sammlung griechischer Handschriften
in Venedig zusammengetragen wurde2,
wird er vermut-
lich ebendort dem Marc. als Vorlage gedient haben.
Bartolomeo Zanetti hat also die gemelli Marc.XI .
11 und Ambr.D 124 info im Alter von etwa 65 Jahren
vermutlich bald nach dem 24.4 .1552 in Venedig ge-
schrieben, wo etwa um dieselbe Zeit, wahrscheinlich
unter seiner Aufsicht, auch der Vind.Phil.l1 ent-
stand. Mit dieser zeitlichen und örtlichen Determi-
nierung gewinnen wir zugleich ein neues biographi-
sches patum für Bartolomeo Zanetti, so daß über das
bisher letzte "Lebenszeichen" (18.4 .1547)3 hinaus
mindestens fünf weitere Lebensjahre mit Wahrschein-
lichkeit erschlossen werden können.
Auf weitere Aspekte, die sich durch die Identifi-
zierung von Korrektoren und Kopisten schon aus die-
sem begrenzten Bereich der Tradierung von Lin. und
der Theophrast-Schrift De sensibus ergeben, kann
Vgl. J .B .McDiarmid, S.13, das deckt sich mit mei-
nen Beobachtungen in Autopsie.
2 Vgl. P .Lehmann (vgl.oben S.275, Anm.l), passim.
3 Vgl. oben S.292.
-
298 -
hier nur beiläufig hingewiesen
werden.
Wenn man sich
vergegenwärtigt.
daß einerseits Arnold Arlenius
nicht nur ff.78-82 und verschiedene
Marginalien
im
Ott.45, sondern auch zahlreiche Randnotizen
im Mon.
81 geschrieben
hat und daß andererseits
Bartolomeo
Zanetti als Schreiber
oder Ateliersleiter
nicht nur
an Marc.XI .l1, Ambr.D 124 info und Vind.Phil.ll
mit-
gewirkt, sondern auch ff.443-457v (Theophrast De sen-
sibus) und ff.459-479 im Mon.81 fertiggestellt hat.
so bekommt man einen Eindruck davon. wie komplex mit-
unter die Zusammenhänge gewesen sein mögen, die die
handschriftliche Vervielfältigung griechischer Texte
um die Mitte des 16.Jhs. kennzeichnen.
Es Überrascht nicht, um nun auf die Filiation von
Lin. zurückzukommen, daß der engen kodikologischen
Zusammengehörigkeit der drei in diesem Kapitel be-
handelten Handschriften eine nahe stemmatische Ver-
wandtschaft entspricht. Es gibt nur relativ gerinfü-
gige Abweichungen im Text dieser KOdizes untereinan-
der, aber erhebliche gegenüber allen anderen Lin. -
Manuskripten. Das Verhältnis der drei Textzeugen zu-
einander läßt sich durch die Sonderfehler eines je-
den Kodex, die im fOlgenden auszugsweise aufgeführt
sind, genauer bestimmen:
Ambr. Vind.
Mare.
o t AOLJtO~
)(6
TWV
Ambr.
om. AEYOμEV
om. lv
Oa16
Ib13
2a19
yo
Marc.Vind.
8b24
9a12
-
299 -
Marc.Vind.
Ambr.
Ob29
la8
C1T~yμn ypaμμi'\s;
TEμvnTa~
O'T~yμn O'TLyμns;
TEμvETaL
Ambr. Mare.
Vind.
C1UY)(E~VTaL
8b14
9al1
-13
Ob 28
T~
om. EXELV
-
~ EJtEpaC1μEvas;
(ex homoeot.)
Ta
2b18
b32
AEYELV
Aus diesen Abweichungen ist er-
daß alle drei Hand-
sichtlich,
schriften unabhängig voneinander
aus derselben Vorlage, sie sei p
abgeschrieben wurden. Die
unbeabsichtigte, größ-
be-
genannt,
jeweiligen Besonderheiten sind
tenteils leichtere Versehen der üblichen Art, so
sonders Fehler, die durch die Aussprache bedingt
sind, Auslassungen von einzelnen meist kurzen Wör-
tern und Änderungen aufgrund des assimilatorischen
Einflusses der näheren textlichen Umgebung. Die Feh-
lerquote ist in Ambr. und Mare. verglichen mit den
meisten anderen Lin. - Handschriften gering, was über
die Qualität der Kopierarbeit des Bartolomeo Zanetti
Aufschluß gibt. Er hat sich bemüht, den Text der
vervielfältigen. Auch im
Vorlage pein liehst genau zu
Vind. ist nirgends eine bewußte Textänderung vorge-
nommen worden; der Kopist des Kodex, Camillus Vene-
tus, hat allerdings etwas unkonzentrierter gearbei-
tet als sein greiser Vater, wie die größere Zahl von
Abweichungen gegenüber der Vorlage und eine längere
-
300 _
Auslassung zeigen.
Die gemeinsame Vorlage (p) von Ambr., Mare.
P
und Vind. ist heute nicht mehr erhalten, läßt
sich jedoch rekonstruieren. Ihr authentischer
Text ergibt sich mühelos aus der Übereinstimmung Von
mindestens zwei ihrer Apographa. Er ist kontinuier_
lich aus zwei Quellen kontaminiert, und zwar aus
einer Handschrift der Familie a und aus einer Hand-
schrift der Familie y. Es wäre müßig und unproduk_
tiv, hier den jeweiligen consensus mit der einen
oder der anderen Vorlage Von Fall zu Fall zu be-
schreiben. Insgesamt gesehen scheint das Manuskript
der Familie a die Primärquelle gewesen zu sein, d.
h. aus ihm wurde zunächst einmal der Grundtext von
p geschöpft. Entsprechende Indizien kann man darin
erblicken, daß an weit mehr als der Hälfte der Stel-
len, wo a und y divergieren, P die Lesart von a wie-
dergibt, was nicht allein auf einer selektiven Be-
vorzugung Von a beruhen dürfte, und vor allem darin,
daß diejenigen marginalen und interlinearen Varian-
ten in P, die einen anderen Ursprung als die betref-
fenden Lesungen des Grundtextes haben, ohne Ausnahme
aus der Familie y stammen; denn es wird einleuchten.
daß Lesarten am Rand und zwischen den Zeilen letzt-
lich immer eine sekundäre Schicht verkörpern. Eini-
ge Beispiele:
P - Grundtext
8b13
P - in margine
9a4
0\1:
y
O).(yaL:
a
a8
1.IE:pw\I: a in mg.
YPol.ILKPW\I: i
lu:ya).w\I:
TJ
-
301 -
p - Grundtext
P - in margine
9b19
n~L)(~)(>'LO\l: a
2a16/7 ~EY€~O ~
no~€tv:
a
yp.n>'L6).LOV: TJ
YP.tv ö>.ov nOL€~V: Y
Schon durch die
rechten Spalte der
Lesarten 9aB und 9b19 aus der
obigen Tabelle ist der Kreis der
Handschriften, aus dem die der Familie y angehören-
de sekundäre Vorlage von p kommt, eingeengt; denn
diese Varianten sind erst mit der Handschrift TJ in
die Überlieferung von Lin. eingedrungen. Ganz ähn-
lich verhält es sich auch bei einer Lesung des Grund-
textesvonp,Ob15€t~€Vyap: aß0~
+
€t ~n
yap: TJ +
€t yap ~n: p, übrigens ein anschauliches
Beispiel dafür, wie ein einmal entstandener Fehler
(TJ) eine weitere (bewußte) Abänderung (p) nach sich
zieht. Wenn sodann in p Sonderlesungen von Ha, dem
Apographon von TJ, vertreten sind - z.B . 9a5 TnV ~n:
TJ
+
To~nv TnV: Ha+ Deszendenten - und schließlich
auch ein Spezifikum von Ga, dem Apographon von Ha,
auftaucht - 8b21 a~ npwTaL: Ha Vulgo
+
~,PWTO'V
: a pscor-r, Caleca:
.
+
~
npwTov:
p
TJ npIiiTa~: Ga p.corr. Bessar~on~s
, so ist die Zahl der als sekundäre Vorlage von p
in Frage kommenden Handschriften auf Ga und seine
Deszendenz beschränktl:
Vind.
Phil.
206
p.L,.
1851
~
(_v
I
1 Sofern wir letzteres Spezifikum für a~schlagge-
-
302 -
Von diesen 9 Kodizes scheiden
wiederum
Ua und Ott.
153 (beide aus der Mitte des 16.Jhs.)
aus chronolo-
gischen Gründen von vornherein
aus, da auf den Kodex
p bereits der etwa um 1470 geschriebene Marc.215
(Na) zurüCKgreift (vgl.unten). Vermutlich kommen
auch Qa, Vind.Phil.206, Par.1B51 und deren verlore-
nes Antigraphon nicht als Quelle in Betracht. In ih-
nen ist nämlich 2b27 aus der verderbten Lesung o~aC-
pea~v μäAAOV ihres Vorfahren Ga, die in dessen Vor-
lage Ha erstmalig auftaucht, das o~aCp€a~s
μäAAOV
der älteren Vertreter der Familie yl hergestellt.
Die Lesart in p aber - eine augenfällige Konjektur:
o~aCpea~v
μäAAOV anμaCve~
-
kann eigentlich nur von
o~aCpea~v
μaAAov ausgehend zustande gekommen sein.
Es bleiben also noch drei Handschriften der Fami-
lie y als mögliche Zweitquelle des contaminatus p
übrig: Ga, Q und dessen verlorenes Apographon. Unter
ihnen ist nun die tatsächliche Vorlage nicht mehr
ausfindig zu machen. Immerhin läßt sich jetzt die
Entstehungszeit von p bzw. die Zeit der Einarbeitung
der aus der Familie y übernommenen Lesungen recht
genau fixieren. Als terminus ante quem ist, wie be-
reits erwähnt, durch die Datierung des Kodex Na, der
p voraussetzt. ungefähr das Jahr 1470 gegeben; der
terminus post quem liegt aufgrund der wohl nachträg-
bend erachten und nicht annehmen wollen, daß der
Kontaminator unabhängig von Bessarion at zu n ver-
bessert hat. Andernfalls müßte auch Ha als Vorlage
im Gespräch bleiben.
ß überliefert o~aCpeaCs Ea.~
μäAAOV,
was auch die
authentische Lesart des Archetypus unserer Hand-
schriften gewesen sein dürfte; das Zeugnis von a
fehlt infolge der mechanischen Beschädigung.
-
303 -
lichen Korrekturen Bessarions in Ga zwischen ca.1440
(approximative Entstehungszeit von Ga) und 1457, dem
Datum des aus Ga geflossenen Apographons Q, in dem
die Korrekturen des Kardinals berücksichtigt sind.
Da weiterhin der Lin. - Text von Ga im Auftrag Bessa-
rions in Italien geschrieben wurde, gibt es auch an
der italienischen Provenienz von p keinen Zweifel.
Die Primärquelle unseres contamina-
tus p war, wie oben festgestellt,
eine Handschrift der Familie a.
Die erste marginale Variante zu
9aB in der obigen Liste deutet
schon darauf hin, daß nicht 1, sondern i das Anti-
graphon gewesen ist, da die Lesart μ~xpwv lediglich
in i erscheint; und es ist nicht das einzige Mal,
daß in p eine völlig singuläre Lesung oder Korrektur
des Kodex i wiederkehrt, die in dessen Apographon 1
nicht vorh anden ist:
9b21 o~~ .nv: Vulgo + 6~a
.~v:i+o~aTC':p
Oa12 .
-
Vulgo + μepwv: i p
aμepwv:
2a1
"
Vulgo + (hoμo~: i p
cronov:
Das letzte Beispiel stammt bereits aus dem Textstück
in i, das Manuel Kalekas, der Kopist von l, wegen
der totalen Verderbtheit von sich aus gar nicht erst
mitabgeschrieben hatte. In dieser ganzen Passage
(2al-2a24) basiert p weiterhin bis zum letzten Mo-
ment hauptsächlich auf i. Daß der Schreiber von p
die marginalen und interlinearen Korrekturen, die
Kalekas in seiner Vorlage i eigenhändig mit Hilfe
der redigierten translatio Robert Grossetestes ange-
bracht hatte, schon vorfand, ergibt sich nicht nur
aus der Überlegung, daß p einige Jahrzehnte jünger
-
304 -
ist als diese zwischen 1401 und 1403 datierenden
Überarbeitungen,
sondern manifestiert
sich auch in
concreto darin, daß einige
Kalekas übernommen
wurden,
.. s o9S,
,
8bl1 Tnv n~~aE~a ~:
~
.
yp.ltpOS TO nμLau:
~
dieser Texteingriffe des
z,B•
bll "
• Ei. ELn
av E~n
i
...
...
v
ltpoS TO nu~C1V: p
YP.ltp~S Tl)V riμ(-
C1ELav: p inmg.
~
EL ELn: p
~
mg.
in
Der Kontaminator des Kodex p hat sich seine Auf-
gabe. einen verständlichen Text zu schaffen, nicht
leicht gemacht. Er richtete sein Bemühen nicht nur
darauf, Lesungen der einen Vorlage durch ihm rich-
tiger erscheinende der anderen zu ersetzen, sondern
ging so weit, zwei divergierende Lesarten seiner
Quellen miteinander zu einer neuen kombinierend zu
verschmelzen, und sah sich mitunter sogar veranlaßt,
auf beide angebotenen Varianten zugunsten einer
eigenen, d.h . VÖllig neuen Lesung zu verzichten, wie
z.B.:
P
ETL • TO TETpaywvov:
Oa11
EL
i
ETL d
~
ETL .
..
TO spat. : Ga
EltL TOU TETpayw-
bzw.Desz. 1
\lOU: Na
la3
cltd MaL: i
hd' H : Ga bzw.Desz.
~
CltEL oliv2: Na
bll ltpC.lTW
llPWTa
MaL ällTEa~aL: i
ällTEa~aL: Ga
bzw.Desz.
~
llpWTa
2a7
ELS aTLyμa!; Ta awμa-
Ta MaL Ti aTLYμ~ μc-
PO!; TOU awμaTO!; ELltEP
Mit
und
2 Vgl.
what
Desz(endenten) sind hier und im folgenden Q
dessen verschollenes Apographon gemeint.
Joachim Zur Stelle: ItWe should expect a some-
stronger particle than OE in a3 to introduce
-
305 -
2all
/12
waTE auvwvuμa
spat.
~ avEpov:
i • waTE auv-
wvuμa aTOLXEta OUO{-
TEpa TW ELOEL ~avEpov:
Ga bzw.Desz.
p
OuocTEpa TW ErOE~ .
~
waTE OUOE auvwvuμa
~avEpov
Die Kontaminationen und Konjekturen verraten zum
großen Teil das souveräne Urteilsvermögen und die
Sprach- und Sachkenntnis eines gelehrten griechi-
schen oder italienischen Humanisten.Unter Berück-
sichtigung der Grenzen. die dem Kontaminator z.B .
durch die verglichen mit der modernen Textkritik be-
scheidenen philologischen Hilfsmittel und Methoden
gesteckt waren, läßt sich die Arbeit dieses Gelehr-
ten, wie mir scheint, mit selectio und divinatio im
modernen textkritischen Sinne annähernd vergleichen.
Die divinatio handhabte er recht großzügig, zwar oh-
ne viel Respekt vor der Überlieferung, aber oftmals
nicht ohne Erfolg. Daß die Sonderlesungen des Kodex
p, von denen nachstehend weitere herausgegriffen
sind, bei weitem nicht alle bloße Versehen sind,
sondern ein Großteil von ihnen dem Willen zur Ver-
besserung des Textes entspringt, läßt sich unschwer
erkennenl.
i, Ga bzw.Desz.
p
8bl0
~
..
"
TLVO!; av
a summing-up of this kind: but it is difficult to
make a convincing emendation. It
In der Liste sind unter p auch die Kodizes ver-
merkt, in denen sich dieselbe Lesung findet. Es
handelt sich dann stets - eine Ausnahme bildet der
Kodex Na, da er u.a . auf p basiert, vgl.unten - um
Koinzidenz des Fehlers oder der Konjektur.
2 Das &v ist in 1 von Manuel Kalekas supra lineam
hinzugefügt.
-
306 -
-
307 -
L, Ga bzw.Desz.
Ga bzw.Desz.
P
p
Oa23
add, eL post l'n
(recte,
Apelt): Na
-+
W~ oux EOTa~
-+
n OTLYJ.ln J.ll'ixo~ Ti
EnCneoov
~
oTEpeaV -+
EX TOUTWV T~: Vulgo
WOT' oux EOTa~ (recte):ß
Ti oT~yμn, Ti μl'ixo~,
Ti EnC-
neoov Ti oTepEaV ~ EX TOU-
TWV TL (recte, Hayduck)
J.lnXO~,
~
EnL~&veLa,
Ti
OTepeaV (recte, Hayduck)
ETL er TO cXaX~OTOV (et~
- +et: Apelt, Za Ambr.A174
sup. Vind.Phil.231p.corr~
μn (recte?, Hayduck)
Ta o~ (recte): ß
2b3
b 33 Owμa OUH eOTLv
-+
eL oe owμa OUH eOTLv: Na
(eoTaL: Ga bzw.Desz.)
(owμa ot OUH COTLV: H.St.
Apelt)
b8
/9
la18
Ha~ n ypaμμn OTLy-
μii~
J.lI'iHO~ n En~~ave~a
oTepEaV: Vulgo
ETL et~ 8 EXax~o-
-+
T6v TL: Vulgo
b14
-+
OTLYμn ypaUJ.lii~
(recte): E,;
a30
b17
.
om,e~
b19
/20
ouoe T?iV ypaμUnv
eIvaL
OTLYl-nv
b18 J.lnTe: Vulgo
-+
b27noe
-+
-
a
b29 0~a~6 nw~: G bzw.
Desz.(o~a~opa
nw~:ßj
b30
-+
Besonders
genial sind die Konjekturen
unseres
Kontami~ators
im letzten Teil der Schrift. Wo er we-
gen des vorzeitigen
Abbrechens
des Kodex i einzig
auf jene junge Handschrift (Ga bzw.Desz.) der Fami-
lie y angewiesen
war. Dort gelang es ihm nicht nur,
dreimal die in der anderen (ihm nicht bekannten) Fa-
milie ß bewahrte genuine Lesart des Archetypus
aller
unserer HandsChriften
wiederherzustellen; ihm glück-
te sogar eine ganze Reihe ausgezeichneter Verbesse-
rungen von Korruptelen
der VUlgata unserer Überlie-
ferung. Mit diesen nahm er die Emendationen eines
Hayduck und Apelt um mehrere Jahrhunderte vorweg.
Ga bzw.Desz.
oLa~6pw~
nw~
om. Ta (recte, Hayduck,
Joachim)
Man könnte angesichts dieser Fülle von treffli-
chen Konjekturen
zunächst geneigt sein zu glauben,
der gelehrte Humanist unseres contaminatus
p habe
all die Verbesserungen
in einer Handschrift der un-
abhängigen
Familie a gefunden,
in welcher der Schluß
der Schrift (im Gegensatz
zu i) noch vorhanden
war;
dieser Hypothese
wird jedoch der Boden entzogen,
wenn man sich wieder vergegenwärtigt,
daß p ja ein-
deutig,
wie oben bewiesen,
die von Kalekas speziell
in i eingearbeiteten Lesungen voraussetzt. Die Kon-
jekturen
und Emendationsversuche
der verschollenen
Handschrift sind also-Früchte der textkritischen
Er-
wägungen
ihres Kontaminators.
p
o~ ye n{pa~ (fort. recte)
(O~ Ta ncpa~: Apelt)
post OT~YJ.ln add. nEpa~
ypaμμn~
et μ~v o~v ypaμμii~
2a24 OUTe n{pa~: Vulgo
-+
a25
a26
Ein letztes Beispiel gestattet besonders
anschau-
lich einen Einblick in die Arbeitsweise
unseres Kon-
jekturalkritikers:
2b21-25 lautet die Argumentation
des Verfassers
unserer Schrift in Übersetzung
folgen-
dermaßen:
"Ferner,
wenn etwas, was nicht im Hause
a28
Ha~ €n~ TI'i~ TOμI'i~
(recte): ß
-
308 -
sich befindet,
nicht das kleinste derjenigen Dinge
sein kann, die sich im Hause befinden,
und ebenso in
allen anderen Fällen, und wenn es möglich ist (ev-
6cXETaL OE: ß 0 Joachim,
Schramm;
nicht wie Apelt
und Timpanaro
Cardini mit E: €VOeXETaL yap), daß ein
Punkt isoliert für sich (OTLyμnv aUTnv xa~'auTnv:
ß,
y schreibt falsch aUTnv ypaμμnv
xa~'auTnv)
existiert,
so ist es nicht richtig,
von diesem (xaTa TQUTnS: ß,
xaTa TauTnv: y) zu sagen, daß er das kleinste in
einer Linie ist. Ferner aber ist der Punkt auch
nicht . •. " Dem Kontaminator
vonplagnuninGabzw.
Desz. ein in verschiedenen
Punkten anders lautender
Text vor. Da er aUTnv ypaμμnv
statt oTLyμnv
aUTnv
las, konnte er in XQTa TauTn~ (sc. oTLyμn~
bzw. xaTa
TauTnV, sc. oTLyμnv)
nicht mehr das logische Subjekt
der Apodosis erkennen,
änderte also neutral zu xaTa
TOOTO (in mg. TauTnv) und ergänzte
als nunmehr unbe-
dingt notwendiges Subjekt oTLyμn hinter 2a24 EAaXLo-
Tovi die anderen von ihm an dieser Stelle vorgenom-
menen Konjekturen
geben sich dem Betrachter,
der den
nachstehenden
Text von p mit dem von Ga bzw.Desz.,
welcher wie der Bekkers lautet (außer 2b24 TauTnv:
Ga bzw.Desz.),
vergleicht,
als solche ohne weiteres
zu erkennen:
(2b23-25)
Et.ErV xaTa TOÜTO ÖTL TO EV ypaμμn EAaXLoTov
oTLyμn,
ouo' a~ ÖTL n oTLyμn &p~pov
Die Person jenes gelehrten
Konjekturalkritikers
und Kontaminators
ist leider nicht mehr zu ermit-
teln. Seine Kontaminationsmethode selbst ist wahr-
scheinlich keine simultane,
sondern eine sukzessive,
d.h. er benutzte i und die andere Handschrift (Ga
bzw.Desz.) kaum gleichzeitig nebeneinander,
sondern
-
309 -
arbeitete in das vielleicht
von ihm selbst aus i ab-
geschriebene
Manuskript p die ihm wertvoll erschei-
nenden Abweichungen
der zweiten Vorlage nachträglich
ein und ergänzte den in i nicht vorhandenen
Schluß.
Möglicherweise war es gerade dieses Fehlen des
Schriftendes,
das den Anstoß dazu gab, ein zweites
Textexemplar
heranzuziehen,
welches dann zur Korrek-
tivhandschrift
für den gesamten Traktat wurde.
-
Die näheren Umstände,
wie Bartolomeo
Zanetti, der
für die drei Apographa1 von p verantwortliche
Kopist
bzw. Schreibateliersleiter,
an jenes wertvolle Anti-
graphon,
das man als die erste kritische Edition un-
serer Schrift zu bezeichnen
versucht sein könnte,
gelangt ist, sind nicht mehr nachzuzeichnen.
Ebenso
können wir über die Gründe, die zu dem Verlust die-
ses Kodex geführt haben, nur Vermutungen
anstellen2•
c) Marc.215 (Na)
Der Marc.215 (Na) ist stemmatisch
ein Einzelgän-
ger; es gibt unter den erhaltenen
sowie den bisher
durch Kombination
rekonstruierten
Lin. -Handschriften
keine, die ihm annähernd
verwandt wäre. Na ist ein
Über den textkritischen
Wert des Marc.XI.ll fällt
E.Mioni (vgl.oben S.93, Anm.l), S.76, fOlgendes
Urteil:
"nihil bonum elici pot est !",
Angesichts der
Tatsache,
daß p, das Antigraphon
des Marc.,
zum
einen seinerseits in erster Linie die Lesarten des
in den bisherigen
Editionen
unserer Schrift nicht
berücksichtigten unabhängigen
Überlieferungszwei-
ges a präsentiert
und zum anderen eine Fundgrube
kluger Konjekturen
darstellt, ist diese negative
Einschätzung unberechtigt.
2 Vgl. unten S.317/318.
-
310 -
überaus stark kontaminierter
Kodex; er weist jedoch
kein einziges äußerlich
sichtbares
Merkmal,
wie etwa
Rasuren,
Tilgungen,
interlineare
und marginale Vari-
anten oder Hinzufügungen,
auf, das den Vorgang der
Ineinanderarbeitung
des Textes mehrerer
Vorlagen er-
kennen ließe. Daraus ergibt sich zwangsläufig
die
FOlgerung, daß die Verschmelzung
der verschiedenen
Antigrapha
nicht unmittelbar
im Kodex Na vollzogen
wurde, sondern vielmehr in dessen heute verscholle-
ner Vorlage erfolgt sein wird.
Na selbst ist ein im Auftrag des Kardinals Bessa-
rion - er trägt dessen Exlibris - vermutlich in Rom
gefertigter Pergament-Kodex. Nach Ga und dem riesi-
gen Folianten Q ist Na somit das dritte Lin. - Manu-
skript, das auf die Initiative des Humanistenkardi_
nals hin entstand. An der Handschrift waren vier Ko-
pisten beteiligt, von denen keiner sUbskribiert hat.
Aufgrund paläographischer Evidenz läßt sich jedoch
der erste Teil (ff.1 -35v) Demetrios Triboles zuwei-
sen, während das anschließende Stück (ff.36 -185) und
somit auch Lin. (ff.168-172) Von jenem noch unbekann-
ten Kopisten stammt, der auch den oben behandelten
Mon.502 - diesen allerdings noch in Konstantinopel,
wohl in der Umgebung des Matthaios Kamariotes _
schrieb und den wir Anonymus K(amariotes) B(essarion)
genannt haben. Das Entstehungsdatum Von Na liegt in
der Zeitspanne zwischen 1465 und 1472: Bessarion
starb am 18.11.1472, und Demetrios Triboles ist bis
mindestens 1465 noch im griechischen Osten (zuletzt
auf Kreta) weilend bezeugt1• Damit ist auch E.Mionis
Zu den Details und Belegen vgl. die Beschreibung
der Handschrift im 'Aristoteles Graecus' (Rubrik
"Provenienz"). wo auch die Möglichkeit einer wei-
-
311 -
Zeitansatz1 -
"Marcianus 215 (=Na) Romae, in Biblio-
theca Bessarionis, meo iudicio, ante annum 1457,
quod in Marc.200 describendo Rhosus ex eo quasdam
opellas excerpsit, exaratus est."
-
nicht haltbar,
und seine Ausführungen zur Filiation können nicht
zutreffen. In der Tat zeigen stichprobenartige Kol-
lationen aus Rhet.
-
auf diese Schrift haben sich
die quaedam opellae Mionis bei genauer Überprüfung
seiner Einzelergebnisse reduziert - , daß nicht.
wie Mioni angibt, Q (Marc.200) aus Na abgeschrieben
wurde2, sondern beide Handschriften gesondert letzt-
lich auf eine gemeinsame Quelle zurückgehen; Trenn-
fehler von Na: z.B . 1419a16 om. ex homoeot. n ~~ μ~v
~~
o'oü, 1419a19 om. ÖT~ μaA~aTa, 1419b17 om. ex ho-
moeot. 0 O'ÖT~
-
a~Aws; Trennfehler von Q: z.B . 1419
a33 om. 0 o~, 1419b21/2 om. ex homoeot. Ta ~&~pay-
μiva - )(a~ yap.
Das verlorene Antigraphon von Na in der Tradie-
rung unserer Schrift über die Atomlinien ist von
drei Richtungen her kontaminiert: aus einer Hand-
schrift der Gruppe t, aus p und aus einer Handschrift
der Gruppe ~.
Da t wie auch p ihrerseits kontami-
niert sind, ersterer Kodex aus & und N, letzterer
aus i und Ga bzw.Desz., finden sich in Na bzw. sei-
ner Vorlage schließlich Lesarten aus allen drei Fa-
milien vertreten3; Na ist also sozusagen ein conta-
teren Eingrenzung der Entstehungszeit erwogen wird.
E.Mioni (vgl.oben S.93, Anm.l), S.103.
2EM'
.
Q
descr I
'
.
~on~, S. 95: " •••
codex
•..
ascr-Lptus ex ~p-
so Na iudicandus nobis est".
3 E.Mioni hat bei dem handschriftlichen Material,
dessen er sich bedienen konnte und dessen Lesarten
-
312 -
minatus in Potenz.
Die Handschrift aus der Gruppe ~
bildet die Primärquelle - insofern als der weitaus
überwiegende Anteil relevanter Lesarten aus ihr
stammt - für etwa das erste Viertel der Schrift (bis
ca.9all) (a), anschließend bis etwa la20 dominiert
der Einfluß von p (b), und im letzten Drittel tritt
dann die Handschrift aus der Deszendenz von ~ an die
erste Stelle (c). Jeweils ein paar spezifische Bei-
spiele mögen genügen, um diese Verteilung der Ein-
flußbereiche zu dOkumentieren:
a)
Vulgo
Ba 2 WC1lte:p
alS ~no~v
a16
-+
W!;
-+
ouo~v
-+
add. TDV
~ O C1~V post ltp6-
Te:pa
b17 Te:Tqy~{vnv xa~
-+
WP~C1~{vnv xa~ Te:Tay~€ -
WPLC1~Evnv
vnv
b) Fälle, in denen Na die Sonderlesungen (meist Kon-
jekturen) von p aUfgreift, sind bereits im vorherge-
henden Abschnitt (S.304 und 306) vermerkt; aus p
hat Na natürlich außerdem sOlche Lesarten geschöpft,
die ersterer aus dem Grundtext von i oder aus den
dortigen Korrekturen des Manuel Kalekas übernommen
hatte. In diesem Zusammenhang sei dem möglichen Ein-
wand begegnet. es könne ebensogut umgekehrt p von
er in den kritischen Apparaten von Bekker und
Apelt vorfand. was Na betrifft, gar nicht so un-
recht. wenn er feststellt (S.76): It •••
GaNa e co-
dice manare, qui locum medium inter Hap fortasse
habet ••• It;
denn p gehört zur Deszendenz von e
und Ha zu der von e: und ist außerdem direktes An-
tigraphon Von Ga; entsprechend dem letzteren Ab-
hängigkeitsverhältnis muß freilich Mionis Beobach-
tung zur Filiation von Ga korrigiert werden.
-
313 -
Na beeinflußt sein. Die Tatsache, daß von den charak-
teristischen Lesarten des Kodex i im Text der Hand-
schrift p bedeutend mehr vertreten sind als in Na,
beweist, daß p unabhängig von Na auf i zurückgeht.
Da sich in Na keine einzige auf i zurückzuführende
Variante findet, die nicht auch in dieser Form in p
wiederkehrt, ist es weiterhin kaum wahrscheinlich,
daß Na unabhängig von
c)
Vulgo
p aus i gespeist wurde.
eNa
-+
EVUltapXOUC1a~
-+
äUw T~VC: y
-+
cpave:pwenva~: y
la25 EVUltapxOUC1~V
aAATP..wV: a
clAAWV: ß
b7
2a14 &cpa~pe:~nvaL
Innerhalb der genannten Haupteinflußbereiche der
drei Vorlagen stellt man darüber hinaus Nebeneinwir-
kungen fest, bei a) aus p, bei b) und c) aus ~; d.h .
e ist nicht in a) und b) herangezogen worden bzw.
hat dort für den Text nichts hergegeben, und das
gleiche gilt für p in c).
Dies alles läßt bezweifeln, daß wir es mit einer
streng systematisch durchgeführten Kontamination zu
tun haben, bei welcher, entweder von einem bereits
aus einem bestimmten Antigraphon abgeschriebenen
Grundtext und zwei zur Überarbeitung hinzugezogenen
nebeneinander bzw. nacheinander ausgewerteten Kor-
rektivvorlagen oder aber von drei bei der Herstel-
lung des neuen Textes gleichzeitigl eingesehenen
Vorlagen ausgehend, die dem Kontaminator bzw. den
Fall als richtig erschei-
Kontaminatoren von Fall zu
nende Lesart im Text beibehalten bzw. aufgenommen
1 Oder auch zwei gleichzeitig und die dritte später.
-
314 -
worden wäre. Wenn man nicht gerade annehmen will, in
einen zunächst aus einer einzigen Vorlage kopierten
vollständigen Text seien später über bestimmte grö-
ßere Partien hin die Lesarten aus zwei anderen Hand-
schriften derart eingearbeitet worden, daß sie die-
sen Teilen des Traktats VÖllig das fremde Gepräge
mitsamt den beim Vergleich leicht erkennbaren Feh-
lern aufgedrückt hätten, so wird man wohl nicht um-
hinkönnen, die Entstehung des Na zugrunde liegenden
Kodex im weSentlichen durch einen Wechsel der Haupt-
vorlagen zu erklären. Die nachträgliche (vielleicht
auch gleichzeitige) Einsichtnahme in die jeweils se-
kundär verwendeten Handschriften verlief sodann
nicht sehr gründlich1, so daß etliche Fehler des
Grundtextes nicht ausgemerzt werden konnten.
Welche Handschriften im einzelnen
-
~
und ~ oder einer ihrer Deszen-
denten - außer P dem verschollenen
contaminatus vorgelegen haben,
läßt sich nicht mehr eruieren. Was ~ und seine Ab-
kömmlinge betrifft, gibt es nämlich in Na keine ein-
zige Lesart, die sich mit einer gravierenden Sonder-
lesung eines diesem Zweig der Überlieferung angehö-
renden Manuskripts decken würde; es lassen sich heu-
te allerdings nur noch P und Berol. vergleichen. da
in Mosqu. und Mon. der größte Teil unserer Schrift
mechanisch abhanden gekommen ist2• Daß Berol. und
Es wäre nicht das einzige Mal, daß bei einer Re-
vision eines Textes verschiedene Fehler und Abwei-
chungen einfach übersehen wurden. Ich verweise
nur auf die Überarbeitung von Lin. im Kodex Ga
durch Bessarion.
2 Der Mosqu. kommt als Vorlage ohnehin nicht in Fra-
-
315 -
Na als einzige 2b24 xaTa TaOTa bieten. reicht kaum
aus, um sie stemmatisch miteinander in
bringen. Auch die Tatsache. daß sowohl
Mon. von der Hand des Anonymus KB stammen, will noch
nichts besagen, da Na selbst lediglich ein Apogra-
phon der hier in Frage kommenden kontaminierten Hand-
schrift ist. Betrachtet man auf der anderen Seite ~
und seine Deszendenz, so findet sich zwar auffälli-
gerweise in Matr. und Na ein und dieselbe homoiote-
Auslassung Ob6/7 om. waTE - Tμn~naETa~,
des Faktums, daß der Matr.
und dort
Verbindung zu
Na als auch
leutische
doch wird man
im Jahre 1470
angesichts
in Messina geschrieben wurde
verblieb, während unser verlorengegangener contami-
natus erstens an einem Ort gefertigt wurde, wo alle
drei Quellen zugänglich waren, also sicherlich nicht
um dieselbe Zeit be-
in Messina1,
und zweitens etwa
reits dem Kodex Na in Rom vorlag, mangels anderer
Indizien vielleicht auf Fehlerkoinzidenz schließen
dürfen2• Aus diesem negativen Ergebnis bei der nähe-
ren Bestimmung der aus der Gruppe t und der Gruppe ~
benutzten Kodizes mit Hilfe von eindeutigen Leitfeh-
lern resultiert bei einer kontaminierten Hand-
schrift, in welcher solche Fehler leicht beseitigt
werden konnten, freilich auch nicht unbedingt, daß
diese nun aus den Vorfahren t und ~ selbst abge-
schrieben wurden.
ge: Er befand sich nie im Westen
wohingegen unser contaminatus in
den ist.
(vgl.oben S.57),
Italien entstan-
Allerdings hätte der Matr. aus Messina
Besitzer Konstantin Laskaris entliehen
sein können.
bei seinem
worden
2 Im Matr. auf der einen Seite, im contaminatus
oder in Na auf der anderen Seite.
-
316 -
Immerhin haben wir in p wenigstens eines der drei
Antigrapha ermitteJt. Das wiederum ermöglicht eine
approximative Datierung unseres contaminatus. Für
diesen gilt wie auch für p etwa das Jahr 1440 (unge-
fähr frühstmögliches Datum der Korrekturen Bessari-
.
a
ons~nG,
die p zugrunde liegen) als terminus post
quem und etwa das Jahr 1470 (ungefähres Datum des
Apographons Na) als terminus ante quem. Da p in Ita-
lien geschrieben wurde und ebendort auch um die Mit-
te des 16.Jhs. den im vorigen Abschnitt untersuch-
ten Ambr .•
Mare. und Vind. als Quelle diente, ist
auch für unseren contaminatus die italienische Pro-
venienz gesichert; der Kopist der Handschrift Na,
der Anonymus KB, schöpfte aus ihm, wie bereits an-
gedeutet, offensichtlich in Rom.
Eine Untersuchung der Abhängigkeitsverhältnisse
der COl. -Handschriften zeigt, daß Na wie auch Ott.
172. letzterer aus der Mitte des 16.Jhs. und von Ar-
nold Arlenius durchgängig mit Hilfe einer fremden
Quelle überarbeitet, gesondert aus einer verscholle-
nen Handschrift abgeschrieben worden sind, die ih-
rerseits den KOdex i Zur Vorlage hattel. Eine ge-
wisse Parallelität der Filiation von Col. und Lin.
ist mithin nicht zu übersehen. Der codex deperditus
p hat also möglicherweise auch Col. enthalten:
Lin.:
i
Col.:
ly
~
"a
Ambr.Marc.V ~nd.
N
E.Mionis Festellung (S.64): "reeta profecto linea
codex Na ex Ha effluxit" trifft also nicht zu.
-
317 -
Es bleibt noch übrig, für unseren Traktat ein
Merkmalen in Na zu notieren, die
vorgegeben waren. Eine
Na als
paar von denjenigen
in keiner der drei Quellen
Verteilung dieser Sonderlesungen sowohl auf
auch auf das verlorene Antigraphon ist zwar anzuneh-
men, kann aber im einzelnen (Oa12 ausgenommen) nicht
mehr nachvollzogen werden. 8a14 awμaTa: a y , awμa-
TOS: ß ~ awμaT~,
8b9 μEpn μeTpou ~ μETpa μepn, 8b13
μETPOU ~ XEVTPOU, 8b26 a d d , ChOμOL post aUVTE~W (=
(= Heilungsversuch; ähnlich Joachim), 8b26 AEYETa~
~
AEy6μEva~,
9a31-33 om. EL äpa - o ~avo~av,
9b29
~avEpwTEPOV ~ ~avEp~v:
ß1, Oa12 o~a μeaou ~ o~a μE-
TPOU p.corr.(recte): N2 Apelt, Ib4 EX aT~Yμwv ~ EX
aT~yμns:
ßI, Ib29 T~ o~
~
μn OE.
-
Unter den zahl-
reichen Abweichungen vom Text der Vorlagen scheinen
Konjekturen der Schreiber (des ver-
Na) oder eher
nicht wenige als
lorenen contaminatus und des Kodex
des Kontaminators angesehen werden zu dürfen.
Am Schluß der Untersuchung der kontaminierten
Handsch~iften fällt dem rückblickenden Betrachter
auf, daß keiner der Prototypen der drei aufgezeig-
ten Redaktionen, in denen mehrere Vorlagen ineinan-
dergearbeitet wurden, d.h . keines der drei Kontami-
nationsoriginale (~, p, Antigraphon von Na), auf
uns gekommen ist. Es scheint sich dabei nicht um
eine zufällige oder isolierte Feststellung zu han-
deln; so haben z.B., um im Corpus Aristotelicum zu
9b29 und Ib4 sind die Lesarten von Na mit denen
von ß identisch; entweder liegt Koinzidenz vor,
oder - was unwahrscheinlicher ist - das Antigra-
phon von Na war zusätzlich einem Einfluß aus vier-
ter Richtung (nämlich von N oder V her) ausgesetzt.
-
318 -
bleiben,
E.Lobel und M.Fuhrmann
in der Überlieferung
von Poet. und Rhet.Al. derartige Redak~ions_
und Re-
visionsoriginale
rekonstruieren
könnenl. Man kann
die Kurzlebigkeit
solcher Handschriften
vielleicht
folgendermaßen
erklären:
Kontaminierte
oder gründ-
lich überarbeitete
handschriftliche
Exemplare
eines
Textes sind gleichsam
Editionen,
und wie die Verlu-
ste unter den Handschriften,
die einem Druck zugrun-
de lagen, besonders
hoch sind, weil man diese, falls
sie nicht gerade bibliophile oder archaische Raritä-
ten oder fremdes Eigentum darstellten,
nach dem Er-
scheinen des Drucks, der sie als Leseexemplare
über-
flüssig machte, bisweilen
zu vernachlässigen
oder zu
vernichten
pflegte,
so werden auch viele contaminati
-
durch Rasuren, Korrekturen, Überschreibungen, Er-
gänzungen u.dgl. äUßerlich nicht sehr ansehnlich und
nicht ohne weiteres fließend lesbar _ nicht mehr ge-
hütet worden sein, nachdem eine saubere Reinschrift
aus ihnen angefertigt worden war. Falls sich diese
Hypothese nach Heranziehung von umfangreicherem Ver-
gleichsmaterial im weSentlichen bestätigen sOllte,
dürfte man in vielen Fällen dieser Art vermutlich
voraussetzen, daß die Entstehung der rekonstruierba_
ren Vorlage bzw. der Kontamination selbst und die
des sauberen Apographons, das also Sozusagen die Rein-
schrift wäre, nicht allzu weit auseinanderliegen2.
Im Falle von Rhet.AI . scheint mir die Ansetzung
eines verlorenen vOllständigen Antigraphons für
den Par.2038 Unumgänglich; Fuhrmanns Alternativ_
erklärung, der Korrektor habe "sich mit dem Schrei-
ber durch skizzenhafte AUfzeichnungen, einzelne
Hinweise u.dgl. verständigt" (S.60). würde. so-
weit ich sehe, allen Gepflogenheiten der Hand-
schriftenpraxis widersprechen.
-
Anm.2 s. S .319 ~
-
319 -
5. DAS VERHÄLTNIS DER STAMMVÄTER ZUEINANDER
Wir haben uns bislang nur mit den einzelnen Ver-
tretern der drei Familien - ob erhalten oder nicht -
beschäftigt und müssen uns nun fragen. wie sich die
drei Familien, oder besser die Stammväter (a ß y)
zueinander verhalten.
Es ist bereits (S.104) angedeutet worden. daß al-
le drei Familien stemmatisch voneinander unabhängig
sind. Als unumstößlicher Beweis dafür genügt die
Tatsache, daß jeder der drei Stammväter eigene,
durch Konjektur nicht zu beseitigende Trennfehler
aufweist und daher nicht Vorlage oder sonstiger Vor-
fahr der anderen oder eines der anderen gewesen sein
kann. Entsprechendes Belegmaterial läßt sich un-
schwer den oben zusammengestellten Listen mit Spezi-
fika jeder einzelnen Familie (a: S.104-108, ß: S.127
bis 131. y: S.140/141 und 130/131) entnehmen. In die-
ser Hinsicht völlig eindeutige Belege sind natürlich
die Auslassungen von inhaltsnotwendigen Textstücken
und Wörtern.
Das kennzeichnendste negative Merkmal des Par.
2032 (i), des Stammvaters der Familie a, ist sein
frühzeitiges Abbrechen mit 2a24, das ererbt ist.
2 (zu S.318) In der Tradierung von Lin. trifft letz-
teres allerdings für t nicht zu. sofern Vat.905
und Wa (Mitte der ersten und Mitte der zweiten
Hälfte des 15.Jhs.) unmittelbar auf diesen conta-
minatus zurückgehen. Auch im Falle von P (etwa 3.
Viertel des 15.Jhs.) haben wir von der Existenz
einer Reinschrift, die wesentlich früher als die
direkten Abkömmlinge Ambr., Marc •• Vind. (16.Jh.
M.) datiert, keine Kenntnis.
-
320 -
Durch eine mechanische
Beschädigung
der Vorlage ver-
ursacht sind auch die drei ausgesparten Lücken 2aB/9,
2al0 und 2all und höchstwahrscheinlich ebenso die
Auslassungen bzw. Verkürzungen ab 2a3/4 (vgl.oben S.
112/113). Nicht weniger ins Gewicht fallen die bei-
den lacunae ex homoeoteleuto 8a7-9 und Ob3/4. Im ge-
meinsamen Antigraphon von N und V, dem Stammvater ß,
finden sich folgende Auslassungen als in der Mehr-
zahl echte Trennfehler: 9b26 om. μäAAOV, 9b32 om.
ÖPO&, Oa25/26 om. anacra
und lb3 om. crUVEX~&. Beim Stammvater y schließlich
springen die Fehler Zwar nicht so sehr ins Auge _
.
,
)d'
-2
d~e Auslassungen von EX (Ob3), Tonov (lb8 un aUTW
(lbl0) hätte zudem ein aufmerksamer Schreiber oder
Leser selbst ergänzen können - , dennoch sind Spezi-
fika wie etwa la6 om , U:x TOlhwv) ÖT~ oU6'a'v, lb7
aAAnAwv: a Hayduck (äAAWV: ß) + äAAW T~V' und viel-
leicht 2a14 a~a ~PE ~nva~
+ ~avEPW~nva~
wirkliche
Trennfehler.
Nachdem also feststeht, daß keiner der drei Stamm-
väter die Vorlage eines der beiden anderen darstellt,
ist nun zu fragen, welcher der damit auf vier redu-
zierten möglichen Stemmatypenl in der Überlieferung
der Schrift Lin. vorliegt. Stammen a, ß und y direkt
aus derselben gemeinsamen Quelle, dem Archetypus w,
oder lassen sich zwei Familien gegenüber der dritten
wegen bestimmter Bindefehler (mit trennender Kraft)
nur über eine Zwischenstufe ~ auf W zurückführen?
1 Vgl. P .Maas, Textkritik, 41960, 5.28.
-
321 -
1)
2)
3)
4)
W
w
w
w
a~y
/\~I /\ {\y
rßA/'ß
a
y
Im Falle 1) würde an Variantenstellen der consen-
sus zwischen zwei beliebjgen Stammvätern gegenüber
dem dritten in der Regell den authentischen Text des
Archetypus gewährleisten, und die in den obigen Li-
sten mit Familienspezifika aufgeführten Lesarten wä-
ren, sofern sie sich einer einheitlichen Lesung in
den beiden anderen Familien gegenübersehen, sämtlich
als nicht im Archetypus belegte Sonderfehler zu be-
trachten. Doch dieser für die constitutio textus
günstigste Fall scheidet ohne jeden Zweifel aus. Die
mehreren Stellen allein
Familie ß bietet nämlich an
die absolut richtige Lesart gegenüber einer meist
gleichlautenden Korruptel in a und y. Die folgende
Gegenüberstellung mag dies verdeutlichen; eine je-
weilige philologische Erörterung dürfte sich auch
angesichts der communis opinio sämtlicher modernen
Alternativlesarten aus den Ap-
waren, erübrigen:
Kritiker2, denen die
paraten Bekkers und Apelts bekannt
a y (Bindefehler)
om.a3 (TE:a) nOA~ et
ponit a3/4 xa~ Ta μeya
xat Ta aVT~XE'μEva
TO~ -
TO~& TOTE post a5 nOA~
ß (recte)
8a3-S Textabfolge wie bei
Bekker und Apelt
Ausnahmen könnten sich
lern ergeben.
2 Zum Bibliographischen
5.86 -88 .
durch Koinzidenz von Feh-
für das folgende vgl. oben
-
322 -
s (recte)
8a14
crwμaTO&
a18
EcrT~ TC aμEp~&
9a4
o L AOYO~
b27
.
EX YE
Oa24
bll
TOUTO~S
b15
μCa
b2S
d yap crTLYμn
b27
nepas Erva~l
la6
a12
a Y (Bindefehler)
crwμaTa
.
'
...
EcrT~V aμEpEs
bACya~:
a, 6A~Y': Y
om. 6 ~a ~pe:crE~S
TO~TWV
μaA~crTa
nyap orLyμn
nepas
orn , EX TOlhwv
om.
v
OT~
Aufgrund dieser einzig Vom Stammvater
ß gebotenen
authentischen
Lesungen2 würde man unter Zugrundele-
gung normaler
stemmatischer
Konstellation die Über-
lieferungslage
unseres Traktats nunmehr durch den
drittgenannten
der obigen Stammbäume
darstellen:
ß
auf der einen Seite und ~n. die gemeinsame
Vorlage
der gesonderten
Abschriften
a und y, auf der anderen
Seite wären unabhängig voneinander
aus dem Archety-
pus w geflossen.
Beiden Abschriften
blieben selbst-
verständlich
Fehler nicht erspart. Die gravierend-
Diese Lesart von ß (= N V) ist bisher unbekannt ge-
blieben,
da sie Bekker in N entging; sie ist sehr
wahrscheinlich
als authentisch in den Text aufzu-
nehmen,
vgl. Joachim zur Stelle "sc.e!vaL"
und in
gewisser Weise auch Schramm,
5.45 .
2 Ansonsten
begegnet
unter den Spezifika
von ß noch
die eine oder andere Lesart, die nicht unbedingt
hinter der entsprechenden
Lesung in a Y zurückste-
hen muß; Sicherheit über die Authentizität
ist je-
doch in solchen Fällen nur schwer zu erlangen,und
ein Beweiswert für unsere Zwecke ist daraus erst
recht nicht abzuleiten.
-
323 -
sten Versehen
von ß, die omissiones,
wurden bereits
genannt (5.320); die übrigen Fehler verschiedenster
Ar~ sind der Variantenliste
S.127 -131
zu entnehmen.
Die soeben aufgezählten
Bindefehler
von a y wären
dem Kopisten
von ~n (und seinen potentiellen
Vorgän-
gern bei eventuellen
Zwischengliedern)
anzulasten.
Unter ihnen befinden
sich die hinlänglich bekannten
Kategorien
von Versehen:
Auslassungen
(8a18 Haplo-
graphie, Oa24, Ob27, la6, la12), Itazismus (Ob2S),
Assimilation (8a14; an nachfolgendes
crToLXE~a), Ver-
wechslung lautlich verwandter
Wörter (9a4; gleicher
Konsonantenbestandl),
wie auch die geläufigen Vari-
anten YE - TE (9b27). Für die Versetzung des Text-
stückes 8a3/4 hinter 8aS nOA~ könnte etwa folgende
Erklärung beigebracht werden. In der originalen Wort-
abfolge,
wie sie ß bewahrt hat,
EL yap oμoCws unapXE~
TOTE nOA~ xat TO μeya xat
Ta aVTLXELμEva
TO~TO~S TOTE OACyOV xat TO μLXPOV
Ta 6'anELpous
crXE60v 6~aLpecrE~S EXOV oux EcrTLV
OALYOV aAAa noA~.
~aVEPOV ÖT~ nenEpacrμeVas
E~e ~ TaS 6LaLpecrELS Ta OALYOV xat TO μLxp6v
sind zunächst,
wie ich vermuten möchte, die Wörter
nOAu bis TOTE (bzw. TOTE bis TO~TOLS) durch Homoio-
teleuton
(zweimal TOTE) übersprungen
worden2. Später
Möglicherweise
begünstigte außerdem eine Suspen-
s~on gie Verwechslung;
vgl. die Lesart von Y
(CALY ) und oben S.162 die für n rekonstruierbare
und in Ha bewahrte,
wenn auch schon verfälschte Ab-
kürzung
für AOyOS. Außerdem steht kurz vorher μL-
xpa(v).
womit OALY- in unserer Schrift häufig ver-
bunden wird; das konnte gleichfalls
verleiten.
2 Der oben angeführte Text soll die mögliche Text-
situation
der Vorlage auch optisch veranscnauli-
chen.
-
Derartige Auslassungen
durch Homoioteleu-
ton sind auch am Anfang einer Schrift, der natur-
-
324 -
ist dann der ausgelassene Text am Rand nachgetragen
worden. Als nun jene korrigierte Handschrift ihrer-
seits als Vorlage herangezogen wurde. setzte der be-
treffende Kopist die am Rand ergänzten Wörter. deren
Position der Korrektor nicht unmißverständlich be-
zeichnet hatte, in seinem Text an die falsche Stelle,
wobei er offensichtlich
rein mechanisch nOA~,
das
erste Wort am Rand, als stichwortartigen Hinweis auf
das ~OA~ des verbliebenen Grundtextes (8aS) als An-
schlußstelle auffaßte und das in der Marginalie fol-
gende xa~ TO μeya etc. einfach hinter nOAu in den
Text einfügtel.
Ist die Entstehungstheorie für diesen eklatante-
sten Fehler in ~rr richtig, so dürfte wohl _ voraus-
gesetzt, daß jener am Rand korrigierte
KOdex nicht
mit dem Archetypus W identisch ist, was allerdings
durchaus möglich erscheint, - eine kleine MOdifizie-
gemäß Sorgfältiger kopiert wird, keine Seltenheit;
man Vergleiche die Lücken in Ga (8a4/S) und in i
(8a7-9).
Es liegt nahe, daß der auf diese Weise in ~rr neu
entstandene Textablauf, der nunmehr selbstver_
ständlich keinen befriedigenden Sinn ergab (Trotz-
dem hat er sich in a, wenn man von der Auslassung
des TE (8a3) in i absieht, und 6 erhalten!), in
der Deszendenz Von ~n zu Konjekturen geradezu her-
ausforderte. So versuchte man in e, den Text durch
die Tilgung VOn TO vor μcya und von xa~ hinter
μcya wenigstens einigermaßen verständlich zu ge-
stalten. Ein übriges tat der Redaktor (Rob.II)
der Übersetzung des RObert Grosseteste (zu Einzel-
heiten vgl. unten), indem er hinter 8as OACyOV/
paucum ein et parvum einschob. Es spricht für die-
Se Korrekturen, wenn W.Hirsch (S.27/8) sich täu-
schen ließ Und dem aus e und Rob.II hergestellten
Text gegenüber dem authentischen von ß. wie er
auch von Bekker und Apelt geboten wird, den Vor-
zug gab.
-
325 -
rung des aufgestellten Stemmas vonnöten sein. Da
nämlich die Gleichsetzung der korrigierten Hand-
schrift mit ~n nicht recht befriedigt - a und y wä-
ren wohl kaum beide auf dieselbe verfehlte Placie-
rung des marginalen Nachtrags innerhalb ihres Grund-
textes verfallen, es sei denn, sie hätten z.B . in
~n bereits ein an der falschen Stelle befindliches
Verweiszeichen o.ä . vorgefunden - , müß-
te man den fraglichen Textzeugen zwi-
schen w und ~n ansetzen. Seinem Kopisten
wäre also, als er aus w abschrieb, die
homoioteleutische Auslassung unterlau-
fen, und ~n hätte das später am Rand hinzugefügte
Textstück an falscher Stelle eingeschoben.
-
Sicher-
heit hinsichtlich der Identifizierung entweder mit
w oder mit diesem möglichen Zwischenglied läßt sich
freilich nicht gewinnen.
Die im Verhältnis unserer drei Familien zueinan-
der sich anbietende Filiation, nämlich das gleichbe-
rechtigte Nebeneinander von ß und a y (=~H) als Va-
riantenträgern, erweist sich nach stemmatischer Ge-
setzmäßigkeit dann als absolut gesichert, wenn nach-
stehende Maxime mit der Textsituation in a, ß und y
im Einklang steht: consensus zwischen ß und a gegen-
über y und zwischen ß und y gegenüber a gewährlei-
stet im Normalfall die Lesung des Archetypus unserer
Demnach könnten die Sonderlesungen
der Familie Y - außer
originalen Text bie-
Handschriften.
der Familie a und diejenigen
niemals den
in Ausnahmefällen
ten.
Die Überprüfung sämtlicher
Stammvaters y bestätigt diesen
Sonderlesungen des
Grundsatz in der Tat.
-
326 -
-
327 -
Keines der in der auf S.140/141 zusammengestellten
Liste angeführten Spezifika Von Y. von einer Ausnah-
me abgesehen (vgl.unten), besitzt eine inhaltliche
Berechtigung; es handelt sich stets um sekundäre Ab-
weichungen vom originalen Wortlaut. Dazu gehören
nicht nur die bereits (S.320) hervorgehobenen Auslas-
sungen, sondern auch andere Fehlerarten, wie Unsi-
cherheit in der Akzentuierung des Nominativs
und des
Dativs im Singular des endbetonten Femininums (Ob26)
und Verwechslung der Kompendien für napa und nEpC
(Oa7). Einer gewissen Tendenz zur sprachlichen Nor-
malisierung und inhaltlichen Glättung verdanken of-
fensichtlich die beiden Ergänzungen (9a24,9a32) ihr
Entstehen; ganz eindeutig ein stilistischer Eingriff
schließlich ist 2a22 die Austauschung des originalen
€:V6cXETal (bzw. EV6cXOLTO) gegen EYXWPEL.
um eine
Wiederholung im Ausdruck (vgl. 2a23 EV6cXOLTO) zu
vermeiden.
-
Lediglich einmal scheinen wir, wie be-
reits angedeutet, der Lesart in y den Vorzug gegen-
über der Von a ß überlieferten geben zu mÜSsen:
8b13/4 ist nämlich nicht mit E~ aμcTpWV (a ß), son-
dern offensichtlich mit E~ aμepwv (y) das Richtige
gegeben. Das Zusammengehen von a und ß bedeutet hier
nichts anderes als Fehlerkoinzidenz. Der vorangehen-
de Kontext mit seiner ständigen Wiederkehr von Wör-
tern des Stammes μeTp- macht sie begreiflich. Allen-
falls wäre auch die Möglichkeit einer Emendation in
y nicht ganz auszuschließen.
einer Reihe von Fällen ganz allein die wahrschein-
lich oder sogar zweifelsfrei authentische Lesartl ge-
genüber und trotz consensus von ß und y. Es ist hier-
bei beeindruckend, wie oft die Konjekturalkritik
eines Hayduck, dem die Vertreter der Familie a nicht
nachträglich eine glänzende Bestäti-
bekannt waren,
gun g erfährt 2 :
ß y (Bindefehler)
a (recte)
ypaμμnv2 (Hayduck)
6L~ivaL (Hayduck)
änav vielleicht richtig
(Hirsch mit Hinweis
auf Phys.231b2, und
Timpanaro Cardini)
öAn öXou (Hirsch; man
öXws vel öXns
erwartet eher öXn öXns)
äv änToLTo (Hayduck)
änToLTO
Beweisganges ist so, wie er
verderbt. Die Fami-
Ab-
ypaμμT!
iaio
a14
a26
a28
a28
lb4 sqq.: Der Text des
bei Bekker steht, in hohem Maße
lie a schafft ohne Zweifel in mehreren Punkten
hilfe: lb6 erfordert die Gedankenführung statt n &V
T~ K~ crTLyμn (ß Za n) mit a (Rob.)
~ 3 den Wortlaut
Es versteht sich auf der anderen Seite, daß sehr
viele der Spezifika von a nichts anderes als
Schreiberversehen darstellen, auf deren Aufgliede-
rung nach den zur Genüge bekannten Typen hier ver-
zichtet sei.
2 In der folgenden Zusammenstellung werden die be-
reits als Konjekturen vorgeschlagenen und häufig
in den Text aufgenommenen Varianten durch Nennung
des betreffenden Gelehrten (fast ausschließlich
Hayduck!) gekennzeichnet; desgleichen wird ver-
merkt, wenn als erster Hirsch sich für eine Lesart
von a entschied.
3 Der unerwartete consensus zwischen a (Rob.)
~
ist
kaum stemmatologisch begründet. sondern offensicht-
Unterzieht man nun auch die spezifischen Varian-
ten Von a (S.104-108) einer entsprechenden textkri-
tischen Bewertung, so erweist sich jene Maxime als
hinfällig. Die Familie a überliefert nämlich in
-
328 -
nEVT~AKxa~n(nom.i)EVT~ K~crTLYμn, den
bereits Bussemaker gemäß dem Kodex P in die Didotia-
na aufgenommen hatte, und Hayduck (5.167) sowie
Apelt und die anderen Gelehrten natürlich
haben.
-
lb7 ergeben die Lesarten aAA~
aAAwv (ß) absolut keinen Sinn; Hayduck
Begründung S.168) hat zu Recht aAAnAwv
chim: aAAnAoLv) konjiziert. was denn auch die Fami-
lie a überliefert.
-
Als Subjekt des mit wcrTe (lb8)
beginnenden Satzes sind offensichtlich n EV TÖ AK
xa~ n €:V Tij K~ crT~Yμn (vgl.la6) aUfzufassen, was Hay-
duck (S.168), Joachim und Timpanaro Cardini _ und
auch schon Martianus Rotal - richtig erkannt haben.
(Wenn Apelt, Hett und Gohlke TO aμepcs
aus dem un-
mittelbar vOrangehenden Satz als Subjekt betrach-
ten, so gibt dies höchstens insofern einen Sinn und
gedanklichen Fortschritt, als mit Ta aμepe& in con-
creto natürlich die genannten crTLyμaC gemeint sein
müssen (vgl.auch la27/8 n 6~ crT~Yμn aμEpn&), denn
nur sie qua aμEP€S,
nicht TO aμep€s schlechthin,
nehmen denselben Platz ein wie K (TOV aUTov Tonov
T~ K); für den syntaktischen Zusammenhang erscheint
aber ein solcher gedanklicher Umweg zu umständlich.)
Mithin erklärt sich der Singular des Verbs E~e ~E ~,
wie schon ä~eTa~
(lb6), durch die gesonderte Anfüh-
rung der einen wie der anderen crT~yμn, oder aber man
setzt mit a den Plural E~€~OUcrL in den
gleich sich dahinter auch der
ak zeptiert
TLV~ Cy) bzw.
(vgl. seine
(Apelt, Joa-
Text, wenn-
bewußte Eingriff eines
lich
lich
Über
zufälliger Art; in ~ (und Rob.) liegt vermut-
eine Konjektur vor.
seine Lin.- Übersetzung aus dem 16.Jh . vgl.
unten S.371-379.
-
329 -
Schreibers vermuten ließe.
-
lb8 ist T~ K (a) viel
besser als TOO K (ß y); der Dativ war im übrigen
auch schon von Apelt (in den Prolegomena und im Ap-
parat, nicht im Text selbst). Joachim und Schramm
(5.47) konjiziert worden.
-
Schließlich ist lb11 aus
a auch npwT~
-
nur durch dieses neue Element unter-
scheidet sich der Satz Ta yap - avayxatcv
gedanklich
von dem vorhergehenden. den er begründen soll, -
statt npwTov
(ß Za) (npwTa: E) zu übernehmen, was
ebenfalls bereits von Hayduck (5.168) und Joachim
postuliert und von Timpanaro Cardini übernommen wor-
den ist; Joachim hat unter Hinweis auf zwei Paral-
lelstellen in der Physik (209a33 und 226b22) die Be-
deutung von ev T~ aUT~ Ton~ ~PWT ~ überzeugend dar-
gelegt.
Trotz dieser Änderungen ist der Text ab lb4 immer
noch nicht in Ordnung. Joachim hat den Gang der Ar-
gumentation richtig erkannt: Der Verfasser unserer
Schrift zeigt. daß die genannten zwei Punkte in Be-
rührung mit einem dritten Punkt K (1b6), da diese
Berührung öXov öXou (1b7) stattfindet, denselben
"continent place" wie K (lbB) und deshalb auch un-
tereinander (lb9) einnehmen und infolgedessen auch
miteinander in Berührung stehen (lbl0, 1blO/ll; vgl.
auch lb7 wcrTe xat aAAnAWV als AUSgangsbehauptung).
Joachims Erweiterung der Lesung xat an~oμEvaL
~T ~y-
μaL (lb8/9) in ß y zu xat TOO K anTOμ&va~
GL ~~~y -
μaC, der sich Timpanaro Cardini anschließt, ist da-
her voil gerechtfertigt; auch Apelts Heilungsver-
such (in den Prolegomena und im Apparat) ist im
Grunde ähnlich. In G nun lesen wir einen anderen
Text, den Hirsch (5.38) für "ohne weitere Änderungen
-
330 -
durchaus
verständlich"
ansieht; er lautet im Zusam-
menhang fOlgendermaßen: (lb8 sqq.)
waTe TOV aOTOV
t~e~OUcrL Tonov T~ K.aL yap anToμeva~
crT~yμat EV T~
aUT~ TOX~ aAAnAa~s.
xaLEL(stattEeö'inßy)€v
T~ aUT~ TOX~ .
xa~ änTovTa~ .
T~ y~p €:V T~ aÖT~ TOX~
XPWT~ Ha~ äXTEcr~a~ avayxaLov
•••
Ich kann indessen
diesem Wortlaut keinen befriedigenden Sinn entneh-
men: Denn daß die sich berührenden Punkte _ K inbe-
griffen oder nicht - sich miteinander auf derselben
Stelle befinden, ist doch gerade eine Folgerung, die
sich aus der Berührung ö~ov ÖAOU von Punkten als un-
teilbaren Einheiten
ergibt, und keineswegs eine Be-
gründung (y&p!) ebendafür oder für den schon im un-
mittelbar vorangehenden Satz (wcrTe _ T ~ K) daraus ge-
zogenen Schluß.
-
Ich kann mich des Eindrucks nicht
erwehren, daß wir es in a mit einem verfehlten se-
kundären Texteingriff, auch was MaL EL statt eL ö'
(lb9) betrifft, zu tun haben.
a (recte)
ßy
lb12/3 xat T~~ K r (Joachim)
b24
QAAWS (Hayduck)
xa~ TnKr
b27
b31
T0 E~E ~i'jS 6'v
R μn Erva~ (Bonitz,
vgl. Apelt im Apparat)
,
,
~
TO E~C~i'js av
n' CrvcL
2alS ist das Von ß y gebotene Ta npocrTe~ev ohne Zwei-
fel falsch. Apelt (ihm schließen sich Joachim,
Hirsch und Timpanaro Cardini an) konjiziert daher
Ta ~ xpocreTe~n, was inhaltlich allerdings nur befrie-
digt, wenn man damit gleichsam das Endprodukt (TO ~
xpoae,e~n
+ TO XPOcrTE~ev) vor Augen hat; dieser Sinn
läßt sich jedoch jener Konjektur Apelts kaum entneh-
-
331 -
dessen liberlieferte Ta y~vo-
jenes Endprodukt gut bezeich-
net wäre, bietet demgegenüber keinen Anstoß dieser
Art und sollte vielleicht in den Text aufgenommen
werden2, der Gen.comp. TOij et BPX~S (alS/16) müßte
dann freilich "als das ursprüngliche Quantum" und
nicht "als es ursprünglich war" (Apelt; so auch Jo-
achim, Hett und Timpanaro Cardini) übersetzt werden.
menl•
Das von a statt
μEVO~,
mit dem gerade
2a17
a (recte)
WcrTC EcrTaL3 (Hirsch)
(Hayduck: EcrTa~ apa)
E t yap (Hayduck)
tVÖeXETaL
ßy
a20
a22
,
EL
EVÖEXOLTO: ß
hXWPE~:
y
add. ypaμμnv
post Evöe-
XETaL (vgl. Hayduck)
"
•
1
(
av cVÖ~XO~TO
Hayduck)
Ziehen wir das Fazit auS dieser Untersuchung über
die Bedeutung der von den einzelnen Familien bzw.
den Stammvätern dargebotenen Lesarten für die consti-
tutio textus: Die Familie Y ist zwar so gut wie nie
alleiniger Träger des authentischen Textes, dennoch
von den beiden anderen Familien völlig unabhängig;
a22/3
a23
Vgl. auch den Einwand von Schramm (5.48), der zu
Recht darauf hinweist, daß Ta ~ npocrETE~n ja mit
jenem &~ &PX~S (2a16) identisch ist; er unternimmt
im übrigen einen anderen Heilungsversuch.
2 Es ist allerdings nicht ganz auszuschließen, daß
wir es hierbei in a mit einer Konjektur zu tun ha-
ben; vgl.oben 5.113, Anm.2 .
3 Die dichte Aufeinanderfolge von waTC (a16 und a17)
ist zwar stilistisch etwas hart, gerade deshalb
~ ber kein Grund, dahinter eine behelfsmäßige Kon-
Jektur zu vermuten.
-
332 -
die Familien
a und ß überliefern jede für sich eine
stattliche Reihe originaler Lesungen gegenüber je-
weils meist gleichlautenden Korruptelen in den bei-
den übrigen Familien.
Das Stemma
von dem oben wegen der nur in ß vorhandenen richti-
gen Lesarten zunächst ausgegangen worden war, hat
sich somit als unzutreffend erwiesen, da es den so-
eben aufgeführten authentischen Spezifika von a
nicht gerecht wird. Letztere Postulieren vielmehr,
für sich allein betrachtet, das oben an zweiter Stel-
le wiedergegebene Stemma
wobei ~r für die genannten Bindefehler von ß y ver-
antwortlich wäre, die größtenteils in die üblichen
Fehlerkategorien einzureihen sind (insbesondere Aus-
lassungen von Endbuchstaben: lal0, lb12/13, Silben:
lb7 und Wörtern: la28, lb6, lb31, 2a17, 2a20, 2a22
/23, 2a23; und auch ein itazistisches Versehen:
la14). Dieser AUfspaltung der Verwandtschaftsbezie_
hungen widersprechen natürlich die authentischen Le-
sungen von ß.
Wir stehen damit vor einer stemmatischen Aporie.
Das Verhältnis der drei Familien bzw. Stammväter zu-
einander läßt sich mit den Gesetzmäßigkeiten eines
jungfräulichen Stemmas nicht in Einklang bringen.
Die Annahme einer Kontamination bleibt als einzige
befriedigende Erklärung übrig.
-
333 -
Falle allerdings drei grund-
Möglichkeiten der Kontamina-
daß für dieses frü-
Es gibt in unserem
sätzlich verschiedene
tion, und es liegt auf der Hand.
he Stadium der handschriftlichen Überlieferung unse-
rer Schrift eine definitive Entscheidung zugunsten
drei Vorschläge mangels positiver Krite-
gefällt werden kann. Den zwei ersten Er-
liegen im Prinzip die beiden
zugrunde:
eines der
rien nicht
klärungsmöglichkeiten
zuletzt besprochenen Stemmata
a)
b)
~
~
a
Y
Im ersten Fall (a) wären die dem Grundschema wider-
sprechenden richtigen Lesarten von a auf dem Wege
der Kontamination aus einer von w unabhängigen Vor-
lage ~ geflossen, während im zweiten Fall (b) aus
jener Quelle ~ die authentischen Lesungen von ß kon-
taminie~t worden wären. Entspräche eine dieser Lö-
sungen den tatsächlichen Gegebenheiten der Überlie-
ferung, so hätten wir mit ~ die Existenz eines erst-
rangigen Textzeugen erschlossen; denn es steht fest,
daß dieser Kodex neben w durchaus selbständig wäre,
und darüber hinaus müßte ernsthaft die Möglichkeit
in Betracht gezogen werden, daß ~ sogar die Vorlage
oder ein Vorfahr von w gewesen sein könnte.
Im falle a) müßte, da in i selbst keinerlei
äußere Spuren einer Überarbeitung sichtbar sind, ein
Vorfahr von i jener contaminatus gewesen sein. Bei
diesem könnte es sich möglicherweise gleichzeitig
auch um jenes später mutilierte Antigraphon von i
ß
-
334 -
handeln.
Beides wiederum,
den mutilatus
und den con-
taminatus,
könnte - in der Spekulation ist auch das
möglich - der Kodex ~n in sich vereinigen, wenn wir
annehmen, daß y aus ~rr vor dessen Kontaminierung und
Verstümmelung abgeschrieben worden wäre. Analog läge
natürlich auch im Falle b) die Gleichsetzung der kon-
taminierten Handschrift mit ~I im Bereich des Mög-
lichen.
-
Die beigefügten Zeichnungen können nicht
gleiChzeitig allen diesen verschiedenen Möglichkei-
ten Rechnung tragen; sie sollen nur das Grundschema
verdeutlichen helfen.
SOllte man nicht statt der Kontamination aus
einer zusätzlichen Textquelle mit der Möglichkeit
einer Emendationstätigkeit von seiten eines Schrei-
bers, Redaktors oder Lesers in a bzw. ß selbst rech-
nen? Dies ist zugleich eine Frage nach dem Stand und
den Fähigkeiten
der Konjekturalkritik nicht nur zu
jener Zeit. Und da ist denn auch die Hypothese einer
entsprechenden Diorthosis in ß von vornherein zu ver-
werfen; insbesondere eine Entdeckung und Richtig-
stellung jener Versetzung des Textstückes 8a3/4
(vgl.oben 5.323) ist höchst unwahrscheinlich. Etwas
anders könnte man hingegen die Lage in a einschätzen.
Der größere Teil der dort gebotenen richtigen Lesun-
gen ist so oder ähnlich auch von der modernen Text-
kritik ohne Kenntnis einer Handschrift der Familie
a konjiziert worden. Doch welcher "mittelalterliche
Hayduck" - oder welche Byzantiner, wenn es mehrere
Gelehrte gleichzeitig oder nacheinander gewesen wä-
ren - konnte schon seinen modernen Nachfolger nebst
Bonitz, Apelt und Joachim, die modernen philologi_
schen Hilfsmittel nicht zu vergessen, in vielen Fäl-
-
335 -
len ersetzen und außerdem mehrfach sogar
treffen? Die Kontaminationsthese scheint
doch das Nächstliegende.
weit über-
mir also
Methodik und Modalitäten einer Kontamination sind
nur in wenigen Fällen heute rational ganz greifbar.
Daß dabei gemessen an moderner Textkritik häufig
ziemlich unsystematisch vorgegangen wurde, dafür fan-
auch in der Textgeschichte unseres Traktats
(vgl.oben S.264 und 313/14). Demgegenüber
tritt das bei der vorliegenden Kontamination ange-
wandte Verfahren ziemlich offen zutage, wenn man von
der Verteilung der jeweiligen authentischen Spezifi-
ka in a und ß ausgeht. Diese reichen nämlich in ß
lediglich bis la12 und setzen in a erst ab lal0 einl•
In welchem der beiden Stammväter auch immer die Kon-
tamination vollzogen worden wäre, beide Male befän-
de sich etwa lal0-12 die Nahtstelle, an welcher im
Falle von a (a) der Kodex ~ mit herangezogen worden
wäre bzw. vielleicht sogar die bisherige Textgrund-
lage (~rr) vollkommen ersetzt hätte oder an der im
Falle von ß (b) die zusätzliche Einsichtnahme in ~
aufgehört hätte bzw. vielleicht sogar die bis dahin
alleinige Tex~vorlage (~) Zugunsten von ~J aufgege-
den sich
Beispiele
ben worden wäre.
der Vorlage an
eines
Über die Gründe für den Wechsel
dieser Nahtstelle bzw. für die Mitauswertung
zweiten Textzeugen nur bis zu oder erst ab diesem
Punkt lassen sich nur Vermutungen anstellen. Jene
Nahtstelle stimmt, was den Inhalt des Traktats be-
1 Man
nen
vergleiche die in diesem Abschnitt beigegebe-
Variantenlisten •
-
336 -
trifft, fast genau mit dem Übergang von der allge-
meinen Abhandlung über die Atomlinien zur Appendix
über den Punktatomismus (la6 sqq.) überein. Sollte
vielleicht hierin irgendeine kausale Beziehung zur
Austauschung bzw. Ergänzung der einen Textvorlage
durch die andere zu suchen sein? Sollte man viel-
leicht im Falle von ß (b) den zweiten Kodex (~) an
der besagten Stelle wieder beiseite gelassen haben,
weil man sich vornehmlich für d~n Hauptteil unserer
Schrift interessierte, oder sollte im Falle von a
(a) erst für den Anhang über die Punkte, der dem Be-
treffenden besonders am Herzen gelegen haben mag,
eine zusätzliche Quelle (~) zur Korrektur des Textes
herangezogen worden sein? Derartige Überlegungen
mÜSsen aber wohl als heute nicht mehr entscheidbar
auf sich beruhen bleiben, zumal, wie bereits ange-
deutet. noch mit einer dritten generellen Möglich-
keit der Kontamination im Verhältnis der drei Fami-
lien zueinander gerechnet werden muß.
Diese dritte hypothetische Lösung, die ich für
die wahrscheinlichste halten möchte, kommt ohne die
Postulierung einer zusätzlichen von w unabhängigen
Hilfsquelle aus. Sie geht davon aus, daß jener codex
contaminatus in der Textgeschichte unserer Schrift
nicht etwa a oder ß, sondern y war:
c)
a
s
bis
lal0/2
y
-
337 -
Zwischen a und w sowie zwischen ß und w wäre je eine
Zwischenstufe (~n,
~I) anzusetzen. Die Handschrift
y ginge nun bis etwa lal0-12 auf das Antigraphon von
a (<pn:)
und danach auf das Antigraphon von ß (~I) zu-
rück. Auf diese Weise fänden die bis zur genannten
Nahtstelle reichenden Bindefehler von a und y gegen-
über den authentischen Lesungen in ß und die danach
einsetzenden Bindefehler von ß und
richtigen Lesarten in a eine natürliche
y gegenüber den
Erklärung.
könnte z.B . die inhaltliche
Hauptteil und Abhandlung
schrift
Auch in diesem Falle
Zäsur zwischen allgemeinem
über den Punktatomismus innerhalb unserer
mit ein Anlaß für den Wechsel der Vorlage durch den
Kopisten von Y gewesen sein. Gegenüber den beiden
erstbehandelten Kontaminationsmöglichkeiten böte
jedoch auch ein anderes Motiv an. Es könn-
gewesen sein, der jene starke Muti-
der schrift Lin. aufwies, von der
plötzliche Abbrechen mit 2a24
in i Zeugnis ablegen. Falls auch y diesen Zustand
von <pU vorfand, konnte vielleicht dies der Grund ge-
wesen sein, sich rechtzeitig eine zweite Textquelle
(~I) zu beschaffen. Die oben beobachtete leichte
Tendenz einer sprachlichen und inhaltlichen Glättung
im Kodex y bescheinigt ja dem Kopisten oder dem Auf-
traggeber ein gewisses Sonderinteresse an unserem
sich hier
te der Kodex ~n
lierung am Ende
die fenestrae und das
Traktat.
Die Frage, welche der drei möglichen Kontamina-
tionen in der Textüberlieferung unserer Schrift vor-
ist für das Schlußstück ab 2a24
Da hier das ZeugniS der Familie
stehen sich ohnehin allein ß
gelegen haben mag,
nahezu irrelevant.
a vOllständig fehlt,
-
338 -
und y als gleichberechtigte Variantenträger gegen-
über. Im Hinblick auf die drei oben skizzierten Mög-
lichkeiten der Filiation ergeben sich Unterschiede
nur insofern, als im ersten Fall (a) der Archetypus
W die gemeinsame Quelle Von ß und y darstellen wür-
de, auf die letzterer freilich nur indirekt über ~H
Zurückginge, während bei (b) und (c) jene gemeinsa-
me Vorlage eine ÜberlieferungSstufe tiefer mit ~I,
dem Apographon Von w, zu identifizieren wärel•
Die voneinander abweichenden Lesarten Von ß und y
in diesem letzten Textstück sind oben 8.130/131
vOllständig zusammengestellt. Die Fehler Vertei_
len sich ziemlich gleichmäßig auf beide Familien;
Fehler Von ß: z.B. 2a2S, b4, b6/7, bll, b26,
Fehler von y: z.B. 2a31, b3, b23, b27.
-
339 -
6. DER ARCHETYPUS
Im Rahmen einer Untersuchung über die handschrift-
liche Überlieferung eines Werkes pflegt das Kapitel
über den Archetypus eines der wichtigsten und inter-
essantesten zu sein. In unserem Fall jedoch sind
äußere Gestalt, Schicksal und all die anderen Daten,
welche zur Beurteilung dieses für die constitutio
textus maßgeblichen Zeugen von hoher Bedeutung sind,
in tiefes Dunkel gehüllt. Was sich über den Archety-
pus der Schrift Lin. mitteilen läßt, sind entweder
nur Selbstverständlichkeiten oder ganz approximative
Werte. Außerdem ist der ArchetypuS in unserem Falle
keine stemmatisch genau lokalisierbare Größe; das
hängt eng mit dem nicht definitiv zu lösenden Pro-
blem der soeben besprochenen Kontamination im Ver-
hältnis der drei Stammväter zueinander zusammen.
Sollte unser codex contaminatus aus jenem frühen und
überwiegend nur durch Rekonstruktion zu gliedernden
Bereich der Tradierung unserer Schrift mit ~ (a)
oder mit ß (b) zu identifizieren sein. dann müßte
man, wie wir gesehen haben, außer dem Kodex w noch
einen weiteren Textzeugen (~) ansetzen. Während sich
jedoch w in seiner Textform einigermaßen genau er-
frei-
und
ob
schließen läßt. wären von ~ lediglich Spuren
lich gegenüber dem Text von w nur positive - ,
zwar entweder ab 1al0 oder bis la12, je nachdem
(a) oder (b) zutrifft, nachzuweisen. Das exakte Ver-
hältnis von w und ~ zueinander entzöge sich jedoch
für immer unserer Kenntnis. Fest steht nur, daß ~
von w unabhängig wäre; es bliebe demnach folgende
~
ili
stemmatische Alternative:
-
340 -
Nur im dritten Fall (c), wenn also y jener contami_
natus wäre, hätten wir in w den Archetypus unSerer
gesamten Überlieferung vor uns.
-
Schließlich sei
unter Hinweis auf den letzten Absatz des vorangehen-
den Abschnitts noch einmal festgehalten, daß nach
2a24, wo die Familie a schweigt, in den Fällen b)
und c) der ArChetypus unserer Handschriften nicht w,
sondern ~I, das Apographon des uns hier in seinen
Textmerkmalen unbekannten Kodex w, wäre.
Wie dem auch sei, sowohl der Kodex wals auch die
potentiellen Textzeugen ~,
~I und ~H sind im grie-
chischen Osten, höchstwahrscheinlich in Konstantino-
pel, entstanden; das darf nicht zUletzt aufgrund un-
serer sonstigen Kenntnis von den Überlieferungsgege_
benheiten der griechischen Literatur als sicher gel-
ten. Nicht einmal annähernd genau bestimmen läßt
sich dagegen die Entstehungszeit des Archetypus. Ir-
gendwann in den ersten vier bis fünf Jahrhunderten
der Minuskel wird er geschrieben worden sein. Nichts
deutet darauf hin, daß wir in der Überlieferungsge_
schichte unseres Traktats mit einem doppelten μeTa-
xapaHTnp~crμos
zu rechnen und somit einen Archetypus
in Unziale anzunehmen hätten. Das Fehlen der einzi-
gen positiven Belege für eine mehrfache Translitera-
tion, nämlich jeweils nur in einer Handschriftenfa_
milie aUftauchende typische Unzialfehler, kann an-
gesichts des geringen Umfangs unserer Schrift aller-
dings nicht als Beweis für einen Archetypus in Mi-
nuskel gelten. Das älteste greifbare Datum in der
Oberlieferungsgeschichte unserer Schrift, der termi-
nus ante quem für den Archetypus, ist das Jahr 1245;
damals übersetzte Robert Grosseteste den Traktat ins
-
341 -
Lateinische. Die griechische Vorlage des Grosseteste
ist, wie wir gesehen haben, vielleicht mit 6, eher je-
doch mit einem Apographon dieser Handschrift gleich-
zusetzen. Zwischen der Mitte des 13.Jhs. und dem Ar-
chetypus liegen also mindestens drei Handschriften-
nämlich 6, y und ~.
Wie groß die Zeit-
ArchetypuS und lateinischer Überset-
war. läßt sich daraus freilich
generationen,
spanne zwis chen
zung absolut gesehen
nicht ableiten.
Was den Inhalt des ArchetypuS betrifft, so steht
es wohl außer Zweifel, daß in ihm neben Lin. auch
andere Schriften des Corpus Aristotelicum anzutref-
fen warenl. Aufgrund der schriftenzusammenstellun-
gen in den uns erhaltenen Kodizes könnte man am ehe-
sten vermuten, daß unser Traktat im ArchetypuS zu-
sammen mit Col. und Parva naturalia tradiert war.
Hinaufverfolgen bis zum ArchetypuS läßt sich diese
mögliche überlieferUngsgemeinschaft jedoch nicht;
sie kann nur für ß und E angesetzt werden. (Für &
ist da~über hinaus durch consensus von HaL mit P
die Schriftengemeinschaft Col. -
Lin. -
Mech. -
spir.
(in dieser Abfolgel) gesichert.) Schon für y, das
Antigraphon von e. ist der Inhalt nicht mehr sicher
zu eruieren; falls Za den authentischen Zustand von
ö, dem zweiten Apographon von y, bewahrt hat, so wä-
re immerhin ein Teil der Parva naturalia in Y vor-
auszusetzen. Der Kodex i schließlich, der Stammva-
~aß Lin. ursprünglich einmal in einer fremden
u~erlieferUngsgemeinschaft. etwa in einer mathema-
t~schen Sammelhandschrift, tradiert worden wäre,
h~lte ich für wenig wahrscheinlich, verdankt doch
d:e Schrift überhaupt ihre Erhaltung offensicht-
l~ch der Einverleibung in das aristotelische corpus.
-
342 -
ter der Familie a, SCheint, wie oben vermutet, seine
Schriften aus zwei getrennten Quellen zusammengetra_
gen zu haben - möglicherweise sind gerade Lin. einer-
seits und Col. sowie Parva naturalia andererseits
verschiedener Herkunft - , so daß aus ihm keine
Schlüsse gezogen werden können. Da eine absolute Ge-
wißheit über die inhaltliche Zusammensetzung des Ar-
che~ypus nur durch einen consensus in a, ß und y ge-
wonnen werden kann, der jedoch nicht vorliegt, müs-
sen wir die Frage auf sich beruhen lassen.
Werfen wir nunmehr einen Blick auf die Textform
des Archetypus. In ihm haben sich zahlreiche Korrup-
~ elen, eigene und aus der älteren Überlieferung er-
erbte, angesammelt. Die Kollationen haben gezeigt,
welche Arten von Fehlern es sind, die in den Hand-
schriften immer wieder auftauchen. Die Textmerkmale
des Archetypus bilden da keine Ausnahme. Ich greife
nur solche Fälle heraus, die nach der communis opi-
nio als überzeugend geheilt gelten:
Wortauslassungen (oft haplographischer Natur)
Archetypus
8bll
a6~vaTOv
aö~aCPETOV
~
aöuvaTov
(Rot a Hayduck)
9b19
T~V Tfi~ (V s .lin.
~
Tn&
Apelt )
Oa23 EHd,
(p Apelt)
~
ET~
,
EX
EX
b2S
Ta ecrxaTov,
w
TO ecrxaTOV
ecrxaTOV
+
(Rota Bussemaker)
2a26 ypaμlJ~ ypaμμ!1s (Apelt ) ~
ypaμμn: ß
ypaμIl!'i!;: y
a30
E~~~{ÖWV
...
TO EXC-
~
€nllteÖWV
xa~
xE60v (Rota Apelt)
(insbesondere von Flexionsendungen)
+
pnTaL xat aXoyo~ aL
npri)Ta~ μg'l)
-
343 -
2b8/9
b14
Assimilationen
8b21 pnTaL xaL &XOYOL n
nprilTOV μ~' J (p Rota
Editionen; cf.Vp.corr.
i et 1 p.corr. Rob.II
Gap. corr.)
9a27 ou cruμßLßQ~eL WS €'1)
nEnEpacrμEVw
(V p.corr•
Apelt)
lb20
ypaμμn'l) o r qμw'J
(Hayduck)
klangliche Angleichungen
Oa12 öLaμETpOU
EμnEcro~crns
(N2 Vind.Phil.231 in
m g , Rota Apelt)
b12 äxXo xaL o~ (Rota
Bekker)
Archetypus
+
+
sonstiger Art
+
ö~a μecrou EμltEaO~an&
+
O~
griechischen Textgeschichte
belegte Varianten
+
EnE~ön 1
und andere in der
auch sonst häufig
8bl1 eneL ö~ (Rota Apelt)
Oa24 YLVETa~
(Rota Apelt)
eT~ (Vind.Phil.231 s. +
lin. Hayduck)
b29 eTL (t Rota Apelt)
2b2S
+
+
ön
Bei allen aufgeführten Fehlern läßt sich nicht
entscheiden, ob sie in der Minuskel- oder schon in
1"F
.
requens varia lectio", Bon~tz,
licus, p.266b2/3 (vgl. W .Hirsch,
Index Aristote-
S. 29).
-
344 -
der Majuskelzeit in die Überlieferung eingedrungen
sind. Majuskelverderbnisse liegen aber vielleicht
zugrunde bei 8b19 AYNAMEIPHTAI + NYN~HEIPHTAI: Arch.,
falls diese Konjektur Schramms (S.40) im Anschluß
an einen Vorschlag Apelts (6uvaμELs) richtig istl,
und bei 2b21 ETIEI (Apelt) + EITEI: Arch.2 . Spezifi-
sche Minuskelkorruptelen lassen sich im Archetypus,
soweit wir es bis jetzt beurteilen können, nicht
nachweisen3•
K.Gaiser (vgl.oben S.9, Anm.3), 8.511, konjiziert,
einen Vorschlag Von Wilamowitz mOdifizierend,(ws)
vOv 6~~pnTa~; in diesem Falle wäre der Fehler un-
serer Handschriften itazistischer Art.
2 Die Verlesung 8b19 änoToμ~ n (Apelt) + anoTOμnv:
Arch. ist sicherlich kein spezifischer Unzialfeh_
ler.
3 Es sei denn, man entscheidet sich mit Apelt,
Hirsch und Timpanaro ~ardini in 9a8 für aXoyoV
statt für evxoyoV der Handschriften (Verwechslun_
gen von eU-Ligatur und a sind für die Minuskel ty-
pisch; vgl. Z.B . M.Sicherl, S.168). Joachim und
Schramm (5.41/42) erwägen jedoch die Rückkehr zur
Lesart unserer KOdizes.
-
345 -
V. DIE PARAPHRASE DES GEORGIOS PACHYMERES
Georgios PachymereS (1242-um 1310), byzantini-
scher Philosoph, Historiker und Inhaber hoher kirch-
licher und staatlicher Ämter, den K.Krumbacher den
größten Polyhistor seiner Zeit genannt hatl, verfaß-
te u.a . ein exegetisches Kompendium der Philosophie
(~~XOao~La) in 12 Büchern. Dieser
Philosophie, der unS in
zahlreichen Handschriften überliefert ist2, umfaßt
die folgenden Teile: Prooemium, I: Organum, 11:
Phys., 111: Cael., IV: Gener.corr., V: Mete., VI:
Part.An., VII: AN., VIII: Parva naturalia, IX: Ge-
ner.An., X: Metaph., XI: EN, XII: co i . ,
Lin., Mech.
des Aristoteles
Abriß der aristotelischen
Von dem Kompendium ist, sieht man von Lin. ab,
bisher nur der erste Teil, die Logik, ediert worden,
und zwar vollständig zuerst in Paris 15483• Das Ge-
samtwerk ist nur in der lateinischen Übersetzung von
D.Ph.Becchius (Basel 1560) publiziert. Die Paraphra-
se von Lin. liegt in mehreren griechischen Drucken
vor4• 8ie nimmt in den ersten 60 Jahren der Geschich-
K.Krumbacher (vgl.oben 5.43, Anml), S.289.
2 Allein bei A.Wartelle (vgl.oben S.40, Anm.2) sind
30 Kodizes für das gesamte Werk aufgeführt; die
Zahl dürfte in Wirklichkeit noch höher liegen; so
ist z.B. der Alex.23 nachzutragen, und der Mon.604
enthält nicht nur die Phys. _ paraphrase (so Wartel-
le 5.84), sondern Buch lI-XII des Kompendiums.
3 Zu weiteren Ausgaben der Logik vgl• K.Krumbacher,
S.290.
4 Vgl.unten 5.380 und 389. Neben den
mir als handschriftliche Textgrundlage
Ham.S12 (zu ihm vgl.unten S.3S7 Sqq.)·
Drucken diente
der Berol.
-
346 _
te des gedruckten
Aristoteles-Textes
sogar den Platz
unserer pseudo-aristotelischen
Schrift ein; denn in
der Sbändigen
von Aldus Manutius
veranstalteten
Edi-
tio princeps des Aristoteles findet sich im 3.Band
v
"
(1497), ff.426
-4 35, unter dem Titel APIETOTEAOYE,
rr(E)PI ATOMnN rPAMMnN ebendiese Paraphrase
des Pa-
chymeres
verÖffentlicht.
Erst im Jahre 1557 edierte
Henricus Stephanus
das pseudo-aristotelische
Origi-
nal.
Wie konnte es zu dem irrtümlichen
Abdruck der Pa-
raphrase in der Aldina kommen? Es gibt m.E. nur eine
einzige ErklärungSmöglichkeit:
Aldus Manutius
nahm
den Text selbstverständlich
nicht aus einer Hand-
sChrift, die das gesamte Kompendium des Byzantiners
enthielt,
sondern aus einer Vorlage,
in der die Pa-
raphrase
zu dem Traktat über die Atomlinien
aus der
~~ Aocro~La herausgelöst
und ohne den Verfassernamen
des Pachymeres,
vielleicht zusammen
mit echten
Schriften
aus dem Corpus Aristotelicum,
enthalten
war. Ein in dieser Hinsicht Vergleichbarer
Kodex ist
der Mut.a.T.9 .21 (76). Er enthält neben authenti_
schen Aristoteles-Schriften
ff.122 -134 die Lin. -Pa_
raphrase des Pachymeres
mit der Überschrift TLTAO&
-os
-ov
-ovl
",
ßxea
~ EPL aToμwv ypaμμwv ohne Verfasseran_
gabe2•
Der Mut. selbst kann allerdings
nicht jene
Druckvorlage gewesen sein, da er längere,
durch Ho-
moioteleuton
verursachte Auslassungen
gegenüber
der
Pachymeres
hat sein gesamtes Kompendium in T'TAC~
und He~aAa~a eingeteilt; Lin. ist nach Col. der
zweite "Titel" im 12.Buch.
2 Was im Mut. als letzter Traktat fOlgt, ist auch
nicht die Mech. des Corpus Aristotelicum,
Sondern
die betreffende
Paraphrase
des Pachymeres.
-
347 -
Aldina aufweist 1 •
Die Kommentierungsmethode
des Georgios Pachymeres
in dessen Bearbeitung
der aristotelischen
Werke ent-
spricht weitgehend jenen Grundsätzen,
zu denen sich
der Mönch Sophonias im Proömium seiner An. -Paraphra-
se bekannt, die er theoretiSch dargelegt2 und an-
schließend in praxi auch konsequent
verwirklicht
hat3.
Die wesentlichen
Gedanken und Erörterungen
des
Stagiriten werden,
obschon nicht immer als solche ge-
kennzeichnet, im Wortlaut herausgeschrieben4.
Die
eigene Leistung des Exegeten besteht in der Auswahl
der Zitate und in der Schaffung
eines einheitlichen
Ganzen durch passende Überleitungen
und Verbindungen,
durch zusammenfassende
oder auch weitschweifige Wie-
dergabe der ausgelassenen
Passagen und durch gele-
gentlich eingefügte
verdeutlichende
Erklärungen
Auch in der Aldina (f.430v,
Zeile 1 von unten) gibt
es eine lacuna ex homoeoteleutO:
Von dem Satz (vgl.
Bekker 969aS/6) ETL TO μlya EX μLXPW~ TL~WV a~yxeL-
1:ClL
'\
'J:
,...
•
1"
-
-
,
n OUV OU~EV ecrTaL TO μ~ya, EL eX TWV μLXPWV
ouy~eLTClL, &Toμa 6~ .. •
ist hier die zweite Hälfte
ab n o~v bis cr~yxELTaL ausgelassen.
Dieser Text-
verlust in der Paraphrase
des Pachymeres ist übri-
gens in allen nachfolgenden
Editionen nicht mehr
vorhanden,
was zeigt, daß man die Aldina keines-
wegs einfach mechanisch
nachdruckte.
2 50phoniae in libros Aristotelis De anima paraphra-
sis, ed. M.Hayduck,
Berlin 1883 (= CAG XXIII 1),
p.1-3 (besonders
p.2, 28-38).
3 Vgl. F.Littig, Die ~LXocro~Ca des GeorgioS Pachy-
meres, Programm
des Maximilian-Gymnasiums
München
1891, S.89 -98, dort 5.97.
4 So hat Sophonias
z.B . einen großen Teil der ersten
dr'
.
.
h.ft
e~ Kap~tel der pseudo_aristotel~schen
Sc r~
Col. in seiner Paraphrase
zitiert: CAG XXIII 1,
p.79,36
_
82,35 Hayduck (vgl. H.B .Gottschalk,
The
De coloribus
and its Author,
in: HermeS 92, 1964,
5.59 -85, dort 5.59).
-
348 -
und umschreibende
Erweiterungen
des Gesagten.
Im Falle der Lin.-Paraphrasel
wirkt sich das so
aus, daß Pachymeres
nach einer längeren
allgemeinen
Einleitung den Inhalt der pseudo-aristotelischen
Schrift zu referieren
beginnt,
wobei den Kern der
Ausführungen
die wörtlichen
Zitate bilden.
Diese
werden entweder
in längeren,
in einem Stück zusammen-
hängenden
Exzerpten
des Originaltextes
geboten,
wie
z.B. 9a33-9b16,
oder in lauter kürzeren
Einzelglie-
dern und Sätzen, die vom Text des Pachymeres
durch-
setzt sind, aber aneinandergereiht
einen zusammen-
hängenden
Primärtext
ergeben.
Es versteht sich aller-
dings, daß bei letzterem
Verfahren
die eine oder an-
dere authentische Satzkonstruktion
u.dgl. mit dem
neuen Text syntaktisch
verknüpft werden mUßte, so
daß es zu leichten Umformulierungen
und Abändp.rungen
kam. Sieht man von kleineren
Lücken ab, so sind fol-
gende größere Gesamtpartien
unserer Schrift in die
Paraphrase
eingegangen:
8a14-8bl0, 8b13-9b16, 9b27
bis Oa3 und Obll-lal. Wie diese Aufstellung
verrät,
werden die Wörtlichen
Übernahmen
in der zweiten Hälf-
te des Traktats, also etwa in dem Teil, wo nach der
systematisch durchgeführten
Widerlegung der 5 Argu-
mente der Vertreter
der Atomlinien
weitere Gegenar-
gumente ab 9b28 beigebracht werden,
und vor allem in
den Erörterungen
über die Punkte ab la6, zunehmend
-
349 -
durch eigene sinngemäße
Formulierungen,
die zudem
stark komprimiert
sind, ersetztl; am Schluß ist die
Passage über das Verhältnis
von OTLyμn und &pßpov
(2b2S-33) ganz fortgelassen2.
-
Insgesamt gesehen
weist die Paraphrase
des PachymereS einen größeren
Textumfang auf als die Originalschrift
selbst.
Zwei Beobachtungen,
die sich bei der Sichtung des
wörtlich Zitierten
machen lassen, verdienen beson-
ders hervorgehoben
zu werden. Zunächst zeigt sich,
daß Pachymeres
mit verschiedenen
Textstellen seiner
Originalvorlage
offensichtlich
überhaupt nichts an-
zufangen wußte.
Denn eS ist bestimmt kein Zufall,
wenn er inmitten
ausgiebiger
Zitate gewisse kleinere
Textstücke
unterschlägt,
und zwar gerade auch solche,
die bereits im ArchetypuS
unserer Handschriften oder
wenigstens
in einem Teil der Textzeugen restloS ver-
derbt waren; so überspringt er z.B . 8b1B/19 das
sinnlose OÖTE TWV _ erpnTa~,
dessen annähernde Hei-
lung erst Apelt gelungen
ist, oder 8b10-12 WOTe -
aUTOU,
~a3/4 CVLa~
_
ot xoyo~ u.a.m.
-
Sodann findet
man inmitten
wörtlich
wiedergegebener
Passagen den-
noch gelegentlich heterogene
kleine Abänderungen,
Zusätze und Einschiebsel
in Form von einzelnen Wör-
tern, kurzen Relativsätzen
oder ähnlichem. Diese des
leichteren Verständnisses
wegen eingefügten Erläute-
rungen geben sich nicht ohne weiteres als solche zu
Über ihren inhaltlichen
Wert hat O.Apelt, S.XVII,
ein niederschmetterndes
Urteil gefällt:
"Vilissi_
mus est commentarius
in nostrum librum confectus
a Pachymere
quodam ••• Quod oPuSculum
ut verborum
copia, ita rerum exilitate paene risum movet ••. "
Er hat offensichtlich
andere Maßstäbe angelegt
als die soeben für Sophonias dargelegten.
~~
wörtlich wiedergegebenen Passagen sind nach lal
u erhaupt nur noch folgende Stellen zu notieren:
la16/17, 20, 22/23; lb3-S, 21-26; 2a6-13; 2b17
bis 21.
2 Abe
.
r auch schon vorher waren gewisse Argumentat~O-
nb:n vollkommen
übersprungen
worden. z.B . Oa26
~ s Ob10.
-
350 _
erkennen.
Im Gegenteil,
sie scheinen auf den ersten
Blick einen glatteren Text, eine bessere Überliefe_
rung zu bieten.
So kommt es denn auch, daß die gedruckten Lin.-
Editionen,
um dieses Faktum schon hier vorgreifend
zu erwähnen,
bis auf den heutigen
Tag 'pachymerische
Fremdkörper'
enthalten.
Sie sind in relativ großer
Zahl über die Editio princeps in den gedruckten
Text
eingedrungen und Von Bekker nur teilweise wieder be-
seitigt worden.
Das Von Bekker Eliminierte habe ich
unten 5.386 und die in den modernen Ausgaben
(Bek-
kers, Apelts, Hetts und Timpanaro Cardinis) in Un-
kenntnis der wahren Zusammenhänge mitgeschleppten
geistigen
Produkte des Pachymeres
unten S.398 voll-
ständig aufgezählt. Es sei hier nur am Rande erwähnt,
daß ähnliche paraphrastische Interpolationen des Pa-
chymeres auch in den kritischen
Editionen von Mech.
bis heute unerkannt dem Originaltext einverleibt
sind.
Für die aristotelische
Textgeschichte
ist die Pa-
raphr-se des Georgios Pachymeres
ihrer vielen wört-
lichen Zitate wegen
insgesamt ist Von unserem Trak-
tat etwa die Hälfte im Wortlaut herausgeschrieben
von nicht geringem Wert; sie kann gleichsam
als
"halber"
Textzeuge der Schrift Lin. angesehen
werden.
In jedem Falle Vor 1310, dem ungefähren
TOdesdatum
des Pachymeres,
entstanden,
wird dieser Textzeuge
an
Alter, wenn überhaUPt,
nur Von Zwei der erhaltenen
Handschriften,
dem Marc.214 (Ha) Und dem Laur.87,21
(Za), übertrOffen;
lediglich die recht genau rekon-
struierbare
griechische Vorlage des RObert Grosse_
teste muß, wie wir gesehen haben, mit Sicherheit
-
351 -
früher, und zwar vor 1245, angesetzt werden.
Die Frage der stemmatischen Klassifizierung des
Aristoteles-Manuskripts,
das Pachymeres als Textquel-
le diente, läßt sich eindeutig klären. Dieses Manu-
skript gehört ohne jeden Zweifel zur Familie y, was
Wiederkehr aller Charakteristika dieser
gleichzeitigen Fehlen jeglicher spe-
Familien a und ß im wörtlich
Die mit y gemeinsamen Lesar-
aufgezählt:
sich aus der
Familie und dem
zifischen Lesart der
zitierten Text ergibt.
ten seien vollständig
y pach.
aß
Bb13
9a2~
a32
Oal0
2a10
b18
b19 ou6~ TWV EV: ß1
Des weiteren wird
te deutlich, Jaß jenes
sentierten Überlieferungs arm
an den Textmerkmalen
der zita-
AntigraphOn dem von & reprä-
entstammt:
& pach.
aß0
9b3C
Ob19
von a fehlt bekanntliCh am Ende der
1 Das Zeugnis
Schrift.
-
352 -
aßö
Ob33 EcrT~V
la16 EcrTlV
,
ex
b21 EcrTLV EU~Era
E Pach.
EcrT~ T~ EX: E
€crTa~ T~ EX: Pach.
EU~Era €crTaL: n Pach ,
(EU~ECa EaH:~)
EcrT~ TaÜTa
2al0 EcrTaL TaUTa (spat.a) +
Wie schon die Variante
von lb21 zeigt, läßt sich
der Kreis der Handschriften, die innerhalb des Über-
lieferungsarmes E dem Byzantiner als Quelle zur Ver-
fügung gestanden
haben könnten,
noch weiter einen-
gen. Der gesuchte KOdex wies nämlich zweifelsfrei
die mit n, dem einen Apographon von E, erstmalig in
die handschriftliche Bezeugung eingegangenen Sonder-
lesungen auf, die sich sämtlich bei ~,
dem anderen
unabhängigen
Apographon
Von e, nicht finden; nach-
stehende Eigentümlichkeiten des Kodex n kehren bei
Pachymeres
wieder:
aßö~
8a22
b4
9a2
a8
alteC'pous
μEPWV
n Pach.
-+
ecrTaL
-+
om. TL!;
-+
aneC'pws
-+
μEyaAwv
crucrTaC'Tl "
-+
av
-+
e:crTcu
TauTOV
ouvaXOAOu~er
Oa9/10 crucrTa~ncreTa~
blS
EcrTlV
b27
b32
TauTO (om. a)
cruvaXOAOU~ncre~:
(cruvaxOAou{jer:
lcrT~V
ßö~
a)
lb21
Welches war nun dds Manuskript, das
chymeres benutzte? Von den beiden uns
schriften
des KOdex Tl scheidet der
Georgios Pa-
bekannten
Ab-
wahr-scheinli ch
_
353 -
nach 1310 entstandene Vat.2S3 (L), wenn nicht allein
schon aus chronologischen Gründen,
so doch mit Be-
stimmtheit deshalb aus, weil er eine große lacuna ex
homoeoteleuto (Ob21-23) an einer Stelle aufweist, wo
sich in der Paraphrase fast der volle Wortlaut fin-
det. Aber auch der zweite Abkömmling, der Marc.214
(Ha), der zeitlich eventuell in Frage kommen könnte,
ist aufgrund eines Trennfehlers
gegenüber n L Pach.,
9aS TnV μn
•
..
.. ..
Ha
s
~TOμOV -+ Toμnv TnV aTOμOv:
,au-
zuklammern•
Bleibt also als einzig
mögliche Quelle deS Pachymeres der
codex deperdituS Tl; denn einen an-
deren spurlos verloren gegangenen
Textzeugen
anzuset-
zen, haben wir keinen Anlaß.
Der gelehrte Byzantiner hat sich im übrigen nicht
sklavisch
an die Lesarten
seiner vorlage n gehalten
und in einigen Fällen fehlerhafte Abweichungen meist
des Kopisten
von n, aber auch etwa desjenigen von Y
heilen können, z.B.:
pach.
8b21 at npwTa~:
aßY
9a7
nenEpaoμ~va:
n
a 9 lxov:
Y
a20/1TW ECÖEL: n
b27 \~
ve1 XtYOlv: Tl
Oa1/2 ltacra ••• μeTPn~ncrE-
Ta~: n
n npWTOV: Editionenl
nenEP~Oμ~vas:
aßö~
EXe~v: a ß
Ta döTl:
aeöe
).oyOlV:
aßö~
naoa~. "
μeTPn~naovTaL:
~
ßö~
-+
"n:aßö~
b19~vel1i:n
oben 5.164 nachzuweisen
Der Kodex Tl enthielt,
wie
1 Vgl. auch oben S.343.
-
354 -
versucht
wurde, höchstwahrscheinlich
auch die Parva
a
naturalia und die Schriften Col. und Mech.; denn. H
und L, die beide diese Traktate aUfweisen, gehen
auch hier auf dieselbe gemeinsame Vorlage zurück. Es
liegt deshalb nahe, daß des Pachymeres Paraphrasen
zu den soeben genannten Schriften gleichfallS auf
dem Text des Kodex n basieren. Während eine entspre-
chende Überprüfung des Kompendiums der Parva natura-
lia noch aussteht, ist diese Vermutung durch meine
Kollationen für Col. und Mech. bestätigt worden;
a
schon die übereinstimmende Schriftenabfolge in H L
und bei Pachymeres, nämlich COl.Lin.Mech.l, läßt
kaum noch einen Zweifel. Was die Lesungen betrifft,
bereitet die Analyse von Col. und Mech. überhaupt
keine SChwierigkeiten. Denn der Text des byzantini-
schen POlyhistors ist ein regelrechter Zeuge der
Überlieferung dieser beiden pseudo-aristotelischen
Traktate. Was Georgios Pachymeres als seine Paraphra-
se anbietet, ist wortwörtliCh der fortlaufende und,
wie es sCheint, nahezu vollständige authentische
Text der Originale; nur hin und wieder schiebt er
eigene erklärende Zusätze und erläuternde Gedanken
in seine Kopien ein2• Hier ein paar herausgegriffene
Lesarten, durch die das Stemma
n
auch für
L~Ch.
Col. und Mech. belegt wird:
Diese Reihenfolge ist Teil einer Schriftenzusammen_
stellung, die sich bis e zurückverfOlgen läßt.
2 Weglassungen Von Originaltext habe ich bei den bis-
her überpr6ften Stücken (791a-793b, 798a-799b für
Col. und 847a-849b, 8S7a-8S7b für Mech.) nur in
der "Paraphrase" von COl., und zwar selten und le-
diglich über ziemlich kurze Strecken hin, fest-
stellen können.
_
355 -
wiederkehrende Sonderlesungen von n,
bei L Ha Pach.
L Ha Pach.
wie
Vulgo
μEV o~v: p MosqU. X
Coisl.323 Sophonias
μEV:EiM
791a 2
add• EXOV et xat
6~a
~a
~oö~o μ6vov
ano~np~V ~€v~es
yCvov~a ~
TW Xpwμa~~
5~EaTnxaToV
Trennfehler von L gegen Ha und Pach. und
gegen n, wie z.B . 847a22 ~~xpav ~ ~~xpa:
nep~exouan ~ napaoxouan:
L, und schließlich Trenn-
fehler von Ha gegen L und Pach. und somit auch ge-
b8
b8/9
792a 2
somitauch
L, 847b23
847b2S
gen n, wie
Vulg.(L Pach. etc.)
eoa~vonTa gX TO~TWV
μeXa~voμeVW
~ ewpnμa~a
~ auμaaLW~€P~S
Was die provenienz der ältesten Handschriften der
Fami1 .
b
.
~ey
etr~fft, so kann man entsprechend der
ziemli h .
a'
c s~cheren Herkunft von H auS Konstant~no-
pellauhd'
....
.
Kd
.
c
a e nachsten Verwandten" d~eses
0ex~n
der Hauptstadt lokalisieren. Durch die Einbeziehung
der Paraphrase des GeorgioS pachymereS in die Unter-
überlieferUngsverhältniSse unsereS Trak-
Bestätigung dieser Annahme.
pachymeres kam nämlich
791all
792blO
EX TOVTWV EUOUVon~a
μeAa~vOμ€V(l)V
~ ewpn~(hwv
~a\)μaOLwTEPO\)
847a26
b17
suchung der
tats gewinnen wir eine
Der 1242 in Nikaia geborene
1Zuden
171.
entsprechenden Indizien vgl.oben S.168/169,
-
356 -
im Jahre 1261 nach der Vertreibung
der Lateiner
zu-
sammen
mit Georgios
Akropolites
und anderen
nach Kon-
stantinopel
und bekleidete
alsbald hohe kirchliche
und staatliche
Ämter1;
ebendort,
wo ihm die benötig-
ten handschriftlichen
Materialien
in verschiedenen
öffentlichen
und privaten
Bibliotheken
zugänglich
waren,
verfaßte er auch seinen
Abriß der aristoteli-
schen Philosophie.
Anläßlich
der Analyse der Sonderlesungen
des Ko-
dex n (oben 5.158/159 und 163/164) stellten
wir eine
gewisse Tendenz
zur stilistischen
Glättung
und
sprachlichen
Normalisierung
des aus E übernommenen
Textes fest. Wenn wir nunmehr
erwägen,
ob nicht viel-
leicht Georgios
Pachymeres
für jene stilistische
Überarbeitung
in n verantwortlich
sein könnte,
so
hat das seinen
Grund darin,
daß dieser
byzantinische
Gelehrte,
wie erwähnt,
unseren
KOdex n wahrschein-
lich in Händen
gehabt hat und man ihm ohne weiteres
derartige
Eingriffe
zutrauen
möchte2.
Dennoch
kann
dies kaum mehr als eine Vermutung
sein,
zumal man
in diesem Falle z.B. fragen mÜßte,
warum Pachymeres
die obengenannten
Textkorrekturen,
die er in seinem
Kompendium
vornahm,
nicht auch im Grundtext
seiner
Vorlage
n eingetragen
hätte. Es bedarf
in erster
Li-
nie einer PUblikation3 der gesamten
Paraphrase
des
Zur Vita des Pachymeres
vgl. Martini Hankii De By-
zantinarum
rerum scriptoribus
graecis liber,
Lip-
siae 1677, 5.566 -577: Georgios
Pachymeres.
2 Wenn dem so wäre, dann hätten
wir aus den Lebens-
daten des Pachymeres
einen sicheren
Beweis für die
GÜltigkeit
des oben 5.168 angegebenen
ungefähren
terminus
post quem (um 1270) für die stark
um-
strittene
Datierung
von Ha.
3 Diese gehört
zu dem Programm
_
357 -
Georgios Pachymeres
und einer gründlichen
Überprü-
fung des Textes der anderen
von L und Ha gemeinsam
Uberlieferten
Schriften,
um eventuell
mit Hilfe an-
derer Indizienl
die Identifizierung
deS Korrektors
von n mit Pachymeres
vollziehen
ZU können.
Die Vorarbeiten
für eine solche Edierung
der ~L-
Acac~Ca des pachymeres2
können
trotz der oben er-
wähnten relativ
starken
handschriftlichen
Bezeugung
. uf ein Minimum beschränkt bleiben. da ich das Ori-
ginal bzw. die beiden
originalen
Fassungen
des
Autors ausfindig machen konnte"
Berol.Ham.512 und
Aristoteles-Archivs geplanten Fortsetzung der 'com-
mentaria in Aristotelem Graeca' unter BerückSiCh-
tigung aller byzantinischen Aristoteliker bis ein-
schließlich
des 14.Jhs.
Als ein solches Indiz könnte gegebenenfallS einmal
gewertet werden. daß in Mech. (B.7b2' hinter ."n-
,.v). sowohl in L als auch in der paraphrase. ein
vielleicht "pachymeriSches" Scholion von etwa 5
Manuskriptzeilen
in den Text eingegangen
ist.
2
Den Bemerkungen f.Littigs (vgl.oben 5.3.7• Anm.3).
S:9B. über die Bedeutung einer solchen Ausgabe ist
n i cb t s hinzuzufügen,
"Eine Erörterung über die von
Pachymeres sonst noch benutzten Schriften. eine
Kennzeichnung
seiner
Stellung
als vorläufer
der
Renaissance. die Erörterung über Eigentümlichkei-
ten seines StilS und seines wortschatzes. all das
sei einer kritischen Ausgabe der PhilOSophia vor-
behalten. die der Verfasser dieser Studie nicht
bloß im Hinblick auf die Textkritik deS ,ristote-
les und die Geschichte der überlieferUng seiner
Werke. sondern auch um ihrer selbst willen als
eines hochbedeutsamen KultUrdenkmals aUs dem Mit-
telalter als höchst wünschenswert bezeichnen möch-
te."
3 Vorerst beiläufig
weise ich hier darauf hin, daß
a
h
-
'
uc das Autographon seines E~v'oyμo ,.v ,.ooo,.v
μo'oμ&'.v erhalten ist' Angel•3B (C.3.7).
den G.
Mercati (vgl. V.Laurent• pr~face. 5 ••••
11•
Anm.' .
zu p.Tannery_E .St ~phanoU, Quadrivium
de Georges
-
358 -
Par.1930 . Ersteres
Manuskript ist mit Hilfe seiner
vielen Wasserzeichen in die allerletzten Jahre des
13.Jhs. zu datieren und muß somit noch zu Lebzeiten
des Pachymeres entstanden sein. Der von einer einzi-
gen Hand geschriebene Kodexl zeigt auf Schritt und
Tritt, daß er nicht rein mechanische Abschrift eines
professionellen Schreibers ist. Es handelt sich viel-
mehr um eine Manuskript-Fassung im modernen Sinne
des Wortes. Man findet darin überklebte Stellen, an
denen offensichtlich ein ursprünglicher Entwurf
durch einen zweiten ersetzt wurde (vgl. z .B. Tafel
26, obere Hälfte). Sehr häufig begegnen _ stets von
der ersten Hand - Verbesserungen nach Rasur oder
durch Überschreibung und interlineare oder marginale
Ergänzungen und dgl. mehr (vgl. z.B. Tafel 25). Es
versteht sich beinahe von selbst, daß sich diese
äußerlich sichtbaren Überarbeitungsspuren fast aus-
schließlich in den Passagen finden, die keine wört-
lichen Zitate des Aristoteles_Textes sind, sondern
eigene Gedanken oder Wendungen des Pachymere3 brin-
gen2• Wo inmitten eines Zitates vereinzelt insbeson-
dere Interlinearien dennoch vorkommen, handelt es
sich stets um sekundäre Eingriffe des Byzantiners;
Pachym~re ••• , Citt~ del Vaticano 1940 (= Studi e
Testi 94» von Theodoros Meliteniotes geschrieben
glaubt.
Er ist am Anfang und am Ende mutiliert; den Schluß
hat Bartolomeo Zanetti ergänzt.
2 Ein instruktives Beispiel zeigt Tafel 25. Die er-
sten 6 Zeilen zitieren wörtlich Mech. 849a9 8 öo-
~ er - 849a18 ~ EAaTTWV ~tpeTa~ .
Die 7.Zeile und
der Anfang der 8.Zeile stellen einen Einschub des
Pachymeres dar; er weist denn auch die erwähnten
äußeren Überarbeitungsmerkmale zur Genüge auf.
_
359 -
so z.B . im Falle einiger in den gedruckten Lin. - Text
eingegangener Ergänzungen und Abänderungen
dem Text der Vulgata: Ba24 add. XpO\lW s.lin.,
add. OUμμe:TPO\l
in mg., 9b12 ET~: L Ha + dva~ p .ras.
Nach all dem ist klar, daß wir im Berol. ein Autogra-
phon des Georgios Pachymeres vor unS haben. Ob eS
die allererste Fassung war, wissen wir nicht.
Der Berol. ist jedenfalls nicht das
ginalexemplar. Auch im Par.1930, der zum
ben Wasserzeichen aufweist wie der Berol., stammen
ff.221-236v von der Hand des GeorgioS Pachymeres•
Der insgesamt von mehreren Kopisten geschriebene Par.
ist offensichtlich eine unter der Aufsicht deS Pa-
chymeres fertiggestellte Kopie des Berol.,
wie aUS
einer GegenüberstellUng der beiden Textzeugen hervor-
"ht. B,sonders aufschlußreich ist der Vergleich deS
von PachymereS selbst geschriebenen Stückes im Par.,
welches das 11. und den größten Teil des unS hier
,orwiegend interessierenden 12.Buches deS Kompendi-
ums umfaßt, mit dem entsprechenden im Berol.l •
Die
meisten Zusätze und Korrekturen der Berliner Hand-
schrift sind bereits in den Grundtext des Par. inte-
griert'. sie beweisen eindeutig die posteriorität
des Pariser Manuskripts. Es begegnen im Par. auch,
meist äußerlich als Korrekturen leicht erkennbar,
Stellen, wo der wortlaut über den Berol• hinauS ab-
geändert worden ist3; sie zeigen, daß pachymeres
gegenüber
9bl1
einzige Ori-
Teil diesel-
Bei .
)
sp,elshalber ist zu Tafel 25 (Berol.Ham.512
, das Pendant auS dem Par. als Tafel 2" bei,e,eben.
~~"
z:B. Bero1.(Tafe1 25) zeile 15 mit par.(Tafel
) Ze"e 13 (._t), Berol.Z .16 mit par.Z.1" (-)
3 und Berol.Z.19 mit Par.Z•17 (_0,0)'
V".
z.B . Par.(Tafel 2') Z.5 (Anfang) mit Berol.
-
360 -
sich nicht mit dem einmal Formulierten zufriedeng~,
sondern auch in der neueren Kopie am Text weiterfeil_
te • Schließlich kommt es gar nicht selten vor, daß
er in beiden Textzeugen dieselben nachträglichen Ab-
änderungen und Berichtigungen angebracht ha t l • Diese
werfen natürlich die Frage nach der generellen Ar-
bei tsmethode des Pachymeres auf2. Korrigierte
er bei-
de Exemplare nach der Fertigstellung des zweiten
gleichzeitig durch? Oder nahm er die Verbesserungen
während der Anfertigung des Par.
vor, indem er die
betreffenden Stellen unmittelbar nach ihrer zunächst
unveränderten Übernahme doch noch in Vorlage und Ko-
pie überarbeitete? Dann könnte er auch die nur im
Berol. als nachträgliche Abänderungen kenntlichen
Eingriffe unmittelbar bei der Anfertigung des Par.
konzipiert und in diesem neuen Exemplar bereits im
Grundtext berücksichtigt haben. Letzterem wider-
spricht allerdings, daß derartige Fälle ohne Unter-
schied auch in den Teilen der Paraphrase vorkommen,
die im Par. Von fremder Hand stammen; oder sollte
hier Pachymeres aus dem Berol. diktiert und dabei
hin und wieder korrigiert haben? Wie dem auch sei,
das Arbeitsverfahren des Pachymeres wird sich erst
nach einem gründlichen und vollständigeren Vergleich
der beiden originalen Textzeugen, der aber den Rah-
men der vorliegenden Arbeit sprengen würde, analy-
sieren lassen. Vielleicht wird man dann zu wesent-
lich differenzierteren Schlußfolgerungen gelangen.
(Tafel 25) Z.6/7.
Vgl. z .B . Berol.(Tafel 25) Z.7,8 und 9 mit Par
(Tafel 24) Z.5,6 und 7, Berol.Z .1S mit Par.Z.13
(Orμal) und Berol.Z .24 mit Par.Z.23 (&μa).
2 Es ist vielleicht nützlich, hier auf den oben
-
361 -
VI. DIE LATEINI SCHEN TEXTMATERIALIEN
1. DIE TRANSLATIO DES ROBERT GROSSETESTE
Das Verdienst, den Traktat fiEpt QTOμW~ ypaμμW~
erstmalig dem lateinischen Westen in einer Überset-
zung zugänglich gemacht zu haben, gebührt Robert
Grosseteste (um 1175-1253), Bischof von Lincoln• Ihm
konnte die bis dahin als anonym geltende translatio
graeco-latina in den 30er Jahren unseres Jhs. zuge-
wiesen werden, als unabhängig voneinander M.ussanil,
S.H.Thomson2 und F.Pelster3 folgende Notiz im Ambr.
lat.E 71 sup. entdeckten: Aristotelis de lineis in-
liber incipit translatuS ab episcoPo
in latinum.
divisibilibuS
Linconiensi de greCO
Die Beschäftigung des gelehrten
pliziertem mathematischen Stoff dieser
keineswegs eine Ausnahme in seinem Schaffen dar.
Grossetestes reges Interesse an mathematisCh-physi-
S.123/124 dargelegten Versuch einer Analyse des
Verfahrens des Manuel Kalekas in i und 1 zum Ver-
gleich zurückzuverweisen.
Im Zusammenhang mit den untersuchungen zum 'Aristo-
teles Latinus'; vgl. M.ussani, in: Relazione dell'
anno accademico 1930-31 (Roma 1931), S.15 ( in
zwei weiteren publikationen wiederholt); dazu vgl.
auch E.Franceschini (vgl.oben 5.153, Anm.2), S.62,
2SH
. • Thomson
A Note on Grosseteste's Work of Trans-
Lat i
'
.
at~on, 11, in: Journal of TheolOgical Stud~es 34,
1933, S.Sl/S2.
3
F.Pelster, Beiträge zur Aristotelesbenutzung Al-
bt
.
.
.er , de' Grossen
".
Der übersetzer von De "ne's
Lndi . .'
.'
p .,v,s'bi1ibUS und De passionibUS an,mae, ,n'
h~losophisches Jahrbuch 47, 1934, S.SS-57.
BischofS mit kom-
Art stellt
Anm.l .
-
362 -
kalischen
fragestellungen
wird durch eigene Traktate,
wie Compotus,
~e quadratura
circuli, De compositione
chilindri, De sphera und De lineis angulis et figu-
ris, hinreichend
bezeugt]. Die Übersetzungen
und Kom-
mentare
zu Schriften
des Aristoteles
und zu Pseudo-
Aristotelica
nehmen einen bedeutenden
Platz im Werk
Robert Grossetestes
ein; uns sind Kommentare
aus
seiner feder zu den Schriften
SE, Anal.Post.
und
Phys. und, abgesehen
von unserem Traktat, Übersetzun-
gen der Schriften
EN, Cael. und Virt. bekannt2•
Die Übersetzung des Traktats über die Atomlinien
hat seit ihrer Entstehung in der Mitte des 13.Jhs.
eine wesentlich größere handschriftliche
Verbreitung
erfahren - im 'Aristoteles Latinus'
von G.Lacombe
und L.Minio-Paluello
zählt man 67 Manuskripte
_
als
das griechische Original
selbst; sie ist sogar in
zwei Inkunabeln
aus dem Jahre 14823 und 14964 zusam-
Vgl. auch S.H.Thomson,
S.Sl/52.
2 Zu den Übersetzungen
vgl. die ausführliche
Abhand-
lung mit Untersuchungen
zur Technik der Überset-
zung von E.Franceschini
(vgl.oben
5.153, Anm.2);
zu den Kommentaren
vgl. S .12 sqq. des von D.A.
Callus verfaßten
Kapitels
'Robert Grosseteste
as
SchOlar'
im oben 5.154, Anm.2 genannten
Essay-Band.
3 Opera Aristotelis de naturali philosophia impressa
Venetiis Duce inclito Ioanne Mocenico per magis-
trum Philipum (sic) Venetum eiusque impensis dili-
gentissime
emendata:
Anno domini Millesimo
CCCCL
XXXII pridie Nonas Aprilis.
-
Diese Inkunabel (oh-
ne FOliierung bzw. Paginierung;
Lin. etwa in der
Mitte des Bandes) war mir in der Biblioteca Mar-
ciana in Venedig (Signatur: Inc.Ven.444) zugänglich.
4 Aristotelis
opera, Latine. Venetiis per Gregorium
de Gregoriis expensis Benedicti Fontanae.
Anno ..•
MCCCCXCVI. Die Vero XIII Julii.
-
Diese Ausgabe
habe ich in der Bayerischen
Staatsbibliothek
Mün-
chen (Signatur:
20Inc.c.a.3293)
eingesehen.
_
363 -
men mit anderen Schriften
anonym publiziert worden.
Verbindliche und endgültige
Aussagen zum genauen
Text der translatio,
über deren griechische Vorlage
(= Apographon von 0), Entstehungszeit
und -ort (etwa
1245 in Lyon) bereits oben S.153 -1S7 gesprochen wur-
". ,ind erst nach Sichtung der eigenständigen Filia-
tion der Übersetzung möglichl. Doch läßt sich immer-
hin ,chan jetzt feststellen. daß wir - wie ,0 häufig
bei den mittelalterlichen
lateinischen
Übersetzungen
des Aristoteles _ mit einer älteren (Rob.) und einer
jüngeren Redaktion
(Rob.II)
ZU rechnen haben. Der
oben erwähnte Ambr.lat.E
71 sup. verkörpert die er-
,t, Redaktion; seine EntstehUngszeit (13.Jh .M.)
und
Provenienz
(Südfrankreich)
lassen darauf schließen,
daß der von ihm gebotene Text auf die Originalfas-
,ung des Robert Grosseteste zurückgeht. Die b,iden
genannten Druckausgaben sowie alle von mir bislang
in Stichprobenkollation
überprüften
Kodizes,
näm-
lich Vat.lat.20B3. Mon.lat.B003. par.lat.160BB. Mar-
ciani lat.234, VI.49, VI.33, zuzüglich der von Ma-
nuel Kalekas zur Korrektur von i und 1 und von Gio-
vanni Gioviano Pontano zur gründlichen überarbeitung
des Vind.Phil.231 benutzten Manuskripte. überliefern
den Te<t der späteren Revision. Die,e Revision. di'
schon sehr bald nach dem Bekanntwerden der primär-
fas'ung veranstaltet worden sein muß - d,r Vat.20B3•
einer ihrer ältesten vertreter. datiert vom Jahr'
12B4 _ und sich dann auch alS Vulgata durchgesetzt
zu haben scheint,
stellt allerdings nur eine ganz
leichte Überarbeitung des ursprünglichen Te<tes dar;
1 Diese Vorarbeiten
für eine
im Rahmen des 'Aristoteles
bereits begonnen
worden.
Edierung der translatiO
LatinuS' sind von mir
-
364 -
sie wird als solche greifbar,
wenn man beispielswei_
Se die fOlgenden
Änderungen
analysiert:
+ primo quidem (recte)
a
ßy)
eo quod ex princi_ +
pio (TOO E~ apxns:
aßy)
Von den beiden ZUsätzen
ist der erste (8a5) um der
logischen
EntspreChung
willen innerhalb eines durch
Textvertauschung
gestörten
Zusammenhangsl
eingefügt,
also eine typische durch einen vorangegangenen
Feh-
ler hervorgerUfene
Abänderung,
während
der zweite
(8a8) eine bloße inhaltliche
Verdeutlichung
dar-
stellt. In 8b21 haben wir eine Emendation
zu sehen,
die auch in griechischen
Handschriften
wiederkehrt,
und in 9a24 eine Konjektur,
die übrigens
Manuel Ka-
lekas akzeptiert
und im KOdex i eingeführt hat, aus
welchem sie in den KOdex P und seine drei Apographa
gelangte;
ebenso konjizierte
auch Georgios Pachyme_
res, auf dem die Lesart aller gedruckten
(auch der
modernen) Ausgaben basiert.
Die vier oben
des Primärtextes
Rob.
8a5
non est paucum sed
multum et magnum
(OUH EcrT~V oXCyoV
aXAa nOAU xaL (TO)
μ{ya: a y)
in omni existet
+
(€:V äxavT~ unap~e~:
ßy)
a8
b21 primae quidem
(aL ltPWTa~ μ~v:
9a24
aUfgeführten
sind Früchte
Vgl. dazu
im einzelnen
oben 5.323/324.
Rob,II
+ non
est paucum et parvum
sed multum et magnum
in omni quanto existet
id quod ex principio
bewußten
Änderungen
philologisch-kriti_
_
365 -
scher Erwägungen.
Ob dem Redaktor außerdem ein grie-
chisches Kollationsexemplar
zur Verfügung stand, und
.. enn ja, ob dieses eine andere Handschrift war a Ls
die für oder von Robert Grosseteste importierte ita-
lo_griechische, so daß sich eventuell bereits im 13.
h. eine zweite griechische
Handschrift unseres
Traktats im Westen befunden
hätte, kann beim gegen-
wärtigen Stand der entsprechenden
Vorarbeiten nicht
endgültig entschieden
werden.
Das Fehlen jeglicher
Abweichung in Rob.II
von Rob. bzw. Ii bei gleichZei-
tiger Übereinstimmung
mit einem der anderen Überlie-
ferungsarme des griechischen
Originals macht dies
von vornherein
sehr unwahrscheinlich.
Falls sich al-
lerdings herausstellen
sollte, daß die handschrift-
lichen Zeugen der revidierten
übersetzung
echte Nach-
fahren ebenjenes
Ambr.lat.E 71 sup. sind, der die
erste Fassung repräsentiert,
wäre eS unumgänglich,
eine zusätzlich herangezogene
griechische oder we-
nigstens eine vom Ambr. unabhängige lateinische Kor-
rektiv-Handschrift
anzusetzen;
denn im Ambr. findet
sich eine nicht eben geringe Zahl negativer sonder-
lesungen gegenüber
dem Vulgatatext der jüngeren Re-
daktion, wie z.B.: 8b24 om. μLXPOV/parvum,
9a3 6~a ~-
pcoe~s/divisiones
~
dicens,
Oa26 om. Et ä~ac~/si om-
nis, Oa29 om. TEμveT~L/dividitur,
laS add•
eX punc-
'i, po,' .,,",,/indivi,ibili',
,.,9om•••t "
"p"
let terminus,
1b18 μn 6uva~ov/non
possibile ~ non
est impossibile,
lb26 om .
~
än~EO'~a~/vel tangere,
lb30 om. altToμevwv/tangentibUS,
2b27/B om. ETL n
yp~μμn/amplius
linea - EOOvTa~/erunt.
Viell . h
e~c t aber deuten gerade diese eklatanten
'ehler
(.
.
me~st AuslassUngen)
eher darauf hin, daß w~r
-
366 -
es im Ambr. mit irgendeiner
flüchtig hergestellten
Kopie einer maßgeblicheren VervielfältigungsVOrlage
zu tun haben, auf die denn auch der handschriftli_
che Prototyp der revidierten Fassung direkt oder in-
direkt zurückzuführen wäre. Diese maßgebliche Vorla-
ge wäre aber gewiß nicht mit der (autographen?) Ori-
ginalfassung der translatio gleichzusetzen, sondern
höchstens mit ihrer mechanisch gefertigten Rein-
schrift. Im Ambr. wie auch in
Rob.
l(d;cte~dece)
Ro(,I"Sbr.
den Manuskripten der zweiten
Redaktion existiert
nämlich der
gleiche typische lateinische
Kopistenfehler: 8b19 ~V vOv ön
erpnTa~: ß Y + earum quae nunc utique dec~ sunt. Ro-
bert Grossetestes Übersetzung lautete zweifellos
dicte sunt; bei der erwähnten Kopie aber mißdeutete
man eine entsprechende Abbreviatur (vgl. Ob9 EA€x~n
/dcm est; lb30 AeYOμEV/dms) als decem.
Ein anderer Sonderfehler aller von mir bisher
konsultierten lateinischen KOdizes, lbl μn EX6VTWV
+ non entium, ist dagegen ambivalent; er kann durch
Silbenauslassung (vgl. zudem das unmittelbar voran-
gehende OVTwv/entium) ebenso in der lateinischen
Tradierung (habentium ~ entium) wie auch in der grie-
chischen (EXOVTWV + ÖVTWV), d.h. also etwa in der
Originalvorlage des Grosseteste, Zustande gekommen
sein. Wenn allerdings 2a15/6 TcQ E~ apxns als non
ex principio
wiedergegeben ist, übersetzte der ge-
lehrte Bischof Von Lincoln offensichtlich ein cu
(statt TOÜ) seiner Vorlage.
Damit sind wir nun auch bei denjenigen Abweichun_
gen vom Wortlaut des Archetypus der griechischen
_
367 -
beim Übertra-
verschuldet
Quelle
Handschriften, die entweder Grosseteste
gen von der einen Sprache in die andere
hat oder zum Teil auch in seiner griechischen
vorgefunden haben mag. Während man in einigen Fäl-
len noch mehr oder weniger mit beiden Möglichkeiten
rechnen muß, und zwar bei Oa32/3 e~ TWV apT'WV + ex
impartibilibus (das wäre: E~ aμepwV) statt e x per-
fectis (so kurz vorher in Oa31), bei Ob2lt yap + erit
höchstwahrscheinlich liegt hier paläographische
Verlesung eines tachygraphischen Zeichens für yap
vorl _ und bei 2a16 OU~EV + neque unum (das wäre:
cu6'tv) statt nihil, entpUppen sich zwei Stellen
ziemlich augenfällig als regelrechte Übersetzungsfeh-
ler Grossetestes: 8b11 ~V Etn + si sit - die optativ-
partikel ~v wurde also als Konjunktion !v (= eav)
aufgefaßt2 _ und besonders evident 9b3 TC yap ap~~-
μe~v COT\ Ta μET'En~OTGOCG~ (bzW•
- oew~) + numerare
enim est quod cum scTa (= scientia) - Verwechslung
von cnLoTnμn und E~~oTaoCa (bzw•
-OLS) -
•
Schließ-
lich sei der einzige positive Texteingriff des Ro-
bert Grosseteste hervorgehoben: 8a11 öLaLPETn: Vulgo
+ indivisibilis, womit er die allgemeiL gebilligte
Emendation Hayducks (&Ö~GLPETOS) lange v~rwegnahm.
1
Vgl. ganz ähnlich oben 5.136/137 die Fehlauflösun-
g~n de' Kompendiums für äp. a1' ,0'·' und ,ap so-
w~ed'V
,
,e
erwechs1ung von .!v.' und ,ap.
Vgl h'
.
~erzu auch oben 5.122.
-
368 -
2. JIE PARAPHRASE DES ALBERTUS MAGNUS
Albertus
Magnus (um 1193-1280) hat in der ersten
Schrift seiner Aristoteles-Paraphrase,
der sicher
vor 1258 entstandenen
Physikl,
hinter das sechste
Buch,
n welchem sich Aristoteles
eingehend
mit dem
Problem der unteilbaren
Größen auseinandersetzt,
die
Paraphrase
des Traktats Lin. als gesonderte
Abhand-
lung eingefügt:
"Liber de indivisibilibus lineis,
qui facit ad scientiam
libri sexti physicorum,,2. Der
von Albertus Magnus gebotene
Text besteht zu einem
guten Teil aus Wörtlichen
oder leicht abgewandelten
Zitaten aus dem Traktat selbst. Durch eingeschobene
kurze Erklärungen
und ZUSätze,
durch Textumstellun-
gen und -wiederholungen,
durch Verweise
auf andere
Werke des Stagiriten
(meist eben auf das 6.Buch der
Physik) und mitunter
durch längere Exkurse hat die
Schrift jedoch einen stark paraphrastischen
und kom-
mentierenden
Charakter
erhalten.
Sie ist außerdem
in
gesonderte Kapitel mit Extraüberschriften
eingeteilt.
Von urkundlichem
Wert für die Textkritik von Lin.
is" die Paraphrase
des Albertus allerdings
nicht.
Sie gibt nämlich unschwer die translatio des Grosse-
teste als ihre Quelle zu erkennen3;
zu den charakte-
ristischen
Übereinstimmungen
gehören z.B.:
Vgl. F.Pelster
(vgl.oben S.361, Anm.3), 5.55.
2 B.Alberti Magni opera omnia, ed. A .Borgnet, Vol.
III, Paris 1890, S.463 -481.
3 Die Formulierungen
W.Hirschs,
5.25/26, der die
translatio textkritisch
ausgewertet hat, lassen
darauf SChließen,
daß er glaubt, Albertus Magnus
habe sich einer griechischen
Vorlage bedient.
_
369 -
Bbll
&" c Ln μl"tpov:
a
-+
ßY
9a32d&paTI.S:aßE-+
si sit mensura: Rob.
si ••• sit mensura:
Alb.
Et Ap~ tl.S: 6 Isi utrum
quis: Rob.,
(dubitatiO
enim est) utrum (etiam)
quis: Alb.
&pl.~ μEtV eo"t\ Ta
,.
'
μeT E1tl.cr"tCloOI.CIoS
(-oeCils): a ß Y
2a15/6 TO\) et &PXI'\S: a
ßY
est quod
Rob.Alb.
numerare enim
cum scientia:
non ex principio:
b3
Rob.
Alb.
6EI."~
&PX~: 6 I aptum
-+
principium:
Rob.,
ap-
tum ••• principium:
Alb.
Ball ist evident, daß der Paraphrase
die Emendation
6~a~peTn -+ indivisibilis
des Grosseteste
zUgrunde
li,gt, d,s weiteren hat Albertu' wi, Grosseteste 1b1
non entium statt griechisch μn eX6v"twv. Schließlich
verraten gleich zwei Formulierungen
ZU Bb19, daß er
den oben S.366 erwähnten
lateinischen
Kopistenfehler
dicte sunt -+ decem sunt bereits vorfand: et hoc mo-
do dividuntur lineae in decem ordines in geometria
sowie et sie de aliis decem differentiiS linearum.
Was die stemmatische Klassifizierung d,r lateini-
sch,n Vorlage des AlbertuS KagnuS betrifft. so ist
dies' auf j,den Fall völlig unabh.ngig vom Ambr•lat.
E 71 sup. mit der prim'rfassung der translatiO deS
Grosseteste,
da sich an den im wortlaut nachprüfba-
r,n Ste",n d,r Paraphrase die sond,rfehler des "ai-
länder Manuskripts. wie z.B. di, AUslassung,n oa2'
om. un .'v/nihil. Oa2. om •• ( & •••• /si omnis• 2b27/'
om. ET~ n ypaμμn/amplius
linea - EGOVTCIoI./erunt,
oder d
.
.
.
er Kopistenfehler
9a3 6I.aI.PEGel.s/d~V~s~ones
• dicens. nicht wiederhol,n. Hing,g,n geht die Vor-
lage des AlbertuS eng mit der zweit,n Redaktion der
a22
-
370 -
translatio (Rob.II)
zusammen,
wie sich an folgenden
übereinstimmenden Textmerkmalen leicht ablesen läßt:
Rob.
Rob. I I Alb.
primo quidem:
Rob.II
(dicamus) primo (ad pri-
mum respondentes):
Alb.
lineae autem
8b 21 primae quidem
(aL npWTa~ JJ~v:
-+
aßy)
9a 1 linea autem
(n 6~ ypaμμn:
6)
eo quod ex princi_
a24
pio (TOO E~ apxns:
+
id quod ex principio
aßy)
War also der bisherige terminus
ante quem für die
Revision der translatio des Grosseteste das Jahr
1284 (Datum des Vat.lat.2083;
vgl.oben
S.363), so
dürfen wir diesen nunmehr
wohl um ein Vierteljahrhun-
dert, nämlich bis zum Jahre 1258, dem spätest mögli-
chen Entstehungszeitpunkt der Phys. -Paraphrase des
Albertus
(vgl.oben),
vorverlegen.
Die griechisch-la-
teinische Übertragung unseres Traktats durch Robert
Grosseteste (um 1245), deren einziger,
wenn auch
durch mechanische
KOPistenversehen verderbter Vertre-
ter vorläufig der Ambr.lat.E 71 sup. ist, und ihre
ReViSion,
die offenbar
Von den meisten anderen Kodi-
zes repräsentiert
wird, liegen Somit zeitlich
sehr
nahe beisammen.
-
SOllte vielleicht Albertus Magnus
selbst der Spiritus
rector der Revision gewesen
sein?
Rob. (um 1245)
(dicte -+ dece)
Rob.I~
Ambr. (13.Jh.M.)
Alb. (vor 1258)
_
371 -
Die Umschreibungen
und Interpretationen
des Alber-
tus MagnUS sind, soweit ich sehe, für die Konjektu-
ralkritik unserer Schrift nur in einem Fall von Nut-
zen, und zwar Oa12 ö~a \lEOO\) Eμ1teoouondper
mediam
incidentem -+ diametrum incidentem:
Alb.,
S.471a,
Zeile 25 von unten,
wo er den Sinn einer korrupten
Stelle richtig erfaßt hat. Bei der Wiederholung des-
selben Gedankens
ein paar Zeilen später - et diame-
ter in e o indivisibilis producatur per lineam inci-
dentem eum per medium (S.471a, Z.3/4 v.u.)
-
zeigt
e r jedoch, daß er dabei die in ••• "<nou/per mediam
liegende Korruptel (statt ö~a\ll"(pou/diametrum) als
solche nicht erkannt hat 1 •
3. DIE
ÜBERSETZUNG DES IULIUS MARTIANUS ROTA
lateinische Übersetzung unseres TraktatS von
Iulius Martianus Rota2 wurde erstmalig 1552 im 7.
Band (ff.B6-90) der lateinischen Aristoteles-AUSgabe
'pud Juntas (Venedig 1550-1552) veröffentlicht" Sie
Die
W:Hirsch, S.26 und 34 hält demgegenüber
diametrum
fur
.
'
..
e i.n e authent i e che LeS art der vorlage und aUs-
druck 1ich nicht für das " Ge danken gut de s Albertus"
'Flo
.
.
.
ru~t
~ m 2.Viertel deS 16.Jhs.; ZU ihm vgl. dle
~ urze Notiz in' Chr.G .JÖcher, Allgemeines Gelehr-
Menlexikon, Bd.ll1, Leipzig 1751, Sp.22'"
und
D.E .cosenza (vgl.oben 5.170, Anm.2), Bd.1V, 5.3100.
:~
"medicus" 1.M .Rota, ein bisher kaUm bekannter
e ehrter, scheint sich vor allem alS Herausgeber
verdi
(2 ,ent gemacht zu haben; er edierte Galens opera
Oer Jahre), Boethius
(1556) und auch den Kommen-
tar d
'k
(
es Johannes Philoponos
zur zweiten Analytl
1558).
im III.Band der Bekker-
und im IV.Band der Dido-
3 Zuletzt wieder abgedruckt
schen Ausgabe, 5.474 -476,
-
372 -
wird dort Abschnitt für Abschnitt durch entsprechen_
de Einschübe in Petit-Druck
aus dem ebenfalls über-
setzten Kompendium des Georgios Pachymeresl
unter-
brochen.
Das Ganze trägt den folgenden
Titel: Aristo-
telis liber de lineis insecabilibus,
apud latinos
nondum visus: nec non Georgii Pachymerii
eadere
compendium,
hactenus
falso Aristoteli
ascriptum:
nunc vero fidelissime
e graeco in latinum sermonem
conversum:
IUlio Martiano
Rota interprete2.
Der stol-
ze Hinweis auf die Erstmaligkeit
ist allerdings
nicht
korrekt,
war doch die redigierte
Fassung der trans-
latio des Robert Grosseteste bereits 1482 und dann
wieder 1496 pUbliziert
worden.
Die Übertragung des I.M .Rota ist eine typische
Schöpfung der Renaissance.
In relativ eleganter
Form
ist hier der schwierige
und nüchterne
mathematische
Stoff literarisch
ansprechend
wiedergegeben.
Die
freiere und vom Wortlaut der griechischen
Vorlage
tiana (1857), S.47 -S3 parallel
zum griechischen
Text.
Rota Übersetzte die Paraphrase
des Pachymeres
aus
der Aldina; denn auch in seiner Übersetzung
fehlt
das dort wegen Homoioteleuton
ausgelassene
Text-
stück (vgl.oben S.347, Anm.l).
2 Ähnlich heißt es auch im Vorwort zum 7.Band, f.10:
•••
Iuxta hos libellus est Aristotelis de lineis
insecabilibus
Georgiique
Pachymerii
Super eundem
compendium,
quae ambo IUlius Martianus
Rota nunc
primum accuratissime
latina fecit, et ad pristi-
num candorem redegit; ex quo hominum suspitio de-
leta est, qui ante Georgii compendium Aristotelis
eSSe putaverant: propterea
Verus germanusque
ip-
sius liber minime reperiebatur;
oder auch im an-
schließenden
Index, f.17: ..•
De lineis insecabi_
libus liber, numquam antea, nec graece, nec la-
tine impressus
'"
1.M.Rota medico interprete.
_
373 -
weitgehendst gelöste Art der Wiedergabe kann am be-
sten ein Vergleich
mit der übersetzung
"verbum de
verbo" des Grosseteste
und mit der paraphrase des 1\1-
bertus MagnuS veranschaulichen;
ein kleines Beispiel
mag genügen:
Der Satz WO'T:' ou μO'llOV EV TOLS vonTO~S
."a K.t ," ,ot, .to.",ot, ,0,C (,.) •• ,pl, (8a17/18)
lautet bei dem mittelalterlichen
übersetzer: quare
non solum in intelligibilibus
sed in sensibilibUs
est impartibile,
bei dem mittelalterlichen
paraphra-
sten: ergo, sicut dictum est, non solum in intellec-
tibus mathematicis
sunt indivisibilia prima, sed
etiam in sensibilibus,
und bei Rota: quare non solum
in rebu' qua' cogno,cimu' intellectu, verum etiam in
his quae sensu percipimus,
quippiam erit, quod par-
te' non habet. Rota hat an ,einer Über,et,ung offen-
,ichtlich mit be,onderer Sorgfalt und einigem ,tili-
,ti,chen Ehrgei' gearbeitet. GelegentliCh finden wir
noch die Spuren von ver,chiedenen Fa"ungen. zwei
,ich inhaltlich genau ent,prechende, aber ,tili,ti,ch
und 'trukturell unterschiedliche Ober,et,ung,entwür-
fe von nicht gerade kur,en Text,tücken, nämlich 9b26
bi, 33 und Obl0-14,
,ind wahr,cheinliCh ver,ehent-
lich hintereinander in den gedruckten Text geraten'
Als Beispiel sei hier der größte Teil (9b26-31)
der ersten Doppelfassung angeführt; der Text der
rechten Spalte folgt bei Rota dem der linKen:
q~amvis autem ex confuta-
manife,tum est igitur
tis nup
.'
.'
t"
er rat~on~bus
ap-
eX anted~ct~S ra ~on~-
par,at, ut neque neces-
bUS, quod neque nece'-
s~r .um, neque probabile
sariu., neque prob~i -
s.t lineas ullas indivi-
le sit linea, in,eca-
duas e
h'
..
xstare, tamen e x
bile' eSse· ex rs
~~s
eti
b'
.
~ am, quae deinceps
autem,
quae SU ~c ~en-
sub'
. u~gam, multo magis
tUr, manifestum adhuC
persp.cuum evadet, et
magi' fieri possit ac
-
374 -
W.Hirsch
(S.26) ist der Ansicht,
daß die Überset_
zung des Rota für textkritische
Zwecke "meistens oh-
ne jeden Belang" sei. M .Hayduck
und O.Apelt, um nur
sie zu nennen, scheinen jedoch vom Gegenteil über-
zeugt gewesen zu sein, da sie nicht selten eben mit
Hilfe oder im Einklang mit dieser Übersetzung den
Text unserer Schrift entscheidend
verbessert haben.
Verschiedene
der nachstehenden
in dieser Hinsicht
relevanten
Lesarten (8all, Oa12, Oa28, Ob3/4, Ob12,
Ob25, 2a30) müssen als Rotas persönliche textkriti-
sche Leistung gewertet werden, da sie sonst nirgends
(Oa12 ausgenommen) bezeugt sind:
Rota
8bl1
quoniam Vero hoc
fieri nequit, indi-
visibilis eSSe men-
sura debet
diametro protracta
Oa12
a21/2 una linea alteri
cOpulata
a28
dividua fiet inse-
cabilis linea
b 3/4 redibit
primo quidem per ea,
quae Mathematici
demonstrant,
atque
addiscenda proponunt,
quae mutare non decet,
nisi probabiliores
rationes habeamus.
EnELÖn (+E~et ö~: Apelt)
ToüT'aö~vaTov,
(aöLaCpe-
TOV) ~V Ern μe:TPOV (Hay-
duck Apelt)
ÖLa μecrou EμnEcroucrns +
Ö~aμ€TPOU EμnEcroucrns
(Apelt)
ypaμμD (ypaμμÖ) npocrTE~EL-
cra (Apelt nach Pachymeres)
WcrT'aö~aCpeTos n äTOμOS
~
EcrTa~ ö~aLpeTn (öLa~pE-
Tas: Didotiana) n aToμos
(Hayduck Apelt)
ava~PE~ncrETa~
+ a~ eupE~n-
OETQL (Apelt app.crit.) /
aveupe~ncreTaL (Joachim)
primo quidem per ea.
quae in mathematicis
demonstrata
sUPposi_
taque sunt,
quae iustum non est
aliter quam certioribus
rationibus amovere.
_
375 -
Rota
äxXou + BAAO (Bekker Apelt)
Ob12 non
~O &aXa~ov, <EaXa~ov) 6~
(Didotiana Apelt)
B.Te~a ~ OÜT& .lpa~ + &.~ &-
Ta~ O~ Ta .lpas (Apelt)
xat <~a &.' .&60V) &x ypaμ-
μWV (Apelt)
μ~xo~ n &.L~ ~V&La a~&pEOV
+ μ~XO~ n E.L ~aV&La n a~e-
P&OV (Hayduck Apelt)
μnT& + μn (Hayduck)
Einige dieser Lesungen sind bereits geeignet, die
Frage nach den Rota zur Anfertigung der übersetzung
unserer Schrift zugänglichen
Materialien beantworten
zu helfen. Es liegt zunächst auf der Hand, daß Rota
zur Kontrolle des Grundtextes die paraphrase deS Ge-
orgios Pachymeres, die er ja gleichzeitig übersetzte,
einsah. So stammen denn auch die Lesarten Oa21/2 und
Ob12 offensichtlich aus dem Kompendium des Byzanti-
ners. Noch ein weiteres Beispiel mag ausreichen, die-
sen nicht unerheblichen Einfluß endgültig aufzudek-
ken, 9b30 (8 ., •••• v ~ "iv<"
~
•• a,.,i, •• , ,6Y'"
~
•• v<tv) hat pachymeres den durch den Ausfall von n
μcveLv
in E widersinnig gewordenen zusammenhang
durch die Einfügung der Negation .6 vor ., ••••• wie-
der einigermaßen repariert. Die übersetzung deS Rota,
die an dieser Stelle sogar in DoppelfassUng vorhan-
den ist, entspricht e.akt dem neuen Te.t deS Byzan-
t'
..
1ners' quae mutare non decet, nisi probab1110res
rat'
l't
~ ones habeamus und: quae iustum non eSt a ~ er
b2S extremum est, ex-
tremum vero
tangit illud
cuius est finis
et superficies
e lineis
vel longitudO
vel superficies
vel corpus
2a24
a30
b14
b18 non
Die beiden Varianten
fassung begründet.
sind in der erwähnten Doppel-
-
376 -
quam certioribus
rationibus
amovere.
Die eigentliche
Textquelle
des Rota ist jedoch ~
originalhandschriftlichen
Bereich
unseres
Traktats
zu suchen.
Die obigen Lesarten
2a24, 2b14 und 2b18
geben
zu erkennen,
daß sich Rota einer Handschrift
aus der durch den Kodex p und dessen
drei Apographa
gebildeten
Gruppe bedientel.
Daneben
lag ihm aber
noch eine andere
Originalhandschrift vor; denn oft-
mals bietet Rota eine andere
Lesung
als p. Vier
zifika am Schluß des Traktats
zeigen
denn auch,
gesamt betrachtet,
daß diese andere
Vorlage
ein
dex der Gruppe
~
gewesen
sein muß:
2b19
ouö~ TO cv ypaμμn
EXaXLcrTOV:
yp
b23
rap:ep
b29
Ö TL:
ßyp
b31
E TL:
ßyp
ouö~ TWV EV ypaμμn CAa-
XLcrTOV:
ß~1nihil eor~
quae sunt in linea mini-
mum: Rota
ö~:ßÖ~1autem:
Rota
ETL:
~
/ praeterea:
Rota
ET~ ö~:
~
1 postea
vero:
Rota
Diesen
die
Lesarten
darf man höchstwahrscheinlich
folgende
Ergänzung
beiordnen:
8a16 npoTepa:
aßyp;.npoTepa
auch
Tnv ~UcrLV:
~
1 natu-
ra priores:
Rota
p oder
~
oder
Wir haben somit je ein Manu-
Dvesz.
Desz.
Skript aus den Gruppen
p und
~
sowie die Paraphrase
des
Pachymeres
als Quellen
der
Rota
_
Ubersetzung
des r.M.Rota
er-
mittelt.
Eine Überprüfung
sämtlicher
Lesarten
der
Renaissanceübersetzung
ergibt, daß sich
1 Jene Lesarten
hatten
sich oben
jekturen
des Kontaminators
von
Pach.
in der Tat
S.306/307
als Kon-
perwiesen.
Spe-
_
377 -
alle Lesungen
bei Rota (sof€rn handschriftlich
über-
haupt belegbar)
hinreichend auS irgendeiner
dieser
drei Quellen
erklären
lassenl.
Der von Rot~ gebotene
Text ist alsO,
zumal seine Hauptquellen
(p oder DesZ.,
t oder Desz.)
selbst kontaminiert
sind, ein ausge-
sprochener
mixtus.
Rota vollzog
die Konstituierung
seines Textes keineswegs
etwa mechanisch,
sondern
wählte ganz offensichtlich
von Fall zu Fall nach
wohlüberlegten
philolOgischen
Gesichtspunkten
auS.
Wie schon öfter
innerhalb
dieser Arbeit bei anderen
Kontaminatoren
beobachtet,
so bleibt auch bei Rota
das eine oder andere
Übersehen
einer richtigen
Le-
,ung oder gar Fehlurteil nicht au" So hätte er z.B.
an der obenerwähnten Stelle 9b30, wo er den Text de'
Pachymere' über,etzt, da' au,gela"ene ~ μluc'u in
der Gruppe P le,en können', oder auch la14 über,etzt
Rota mit< und De'z. 'n clu."
während in p und Oe'z.
das richtige ÖLLlvaL steht; die Beispiele ließen
sich vermehren.
Welcher
Handschriften
sich Rota nun im einzelnen
bediente,
ist nicht mit Gewißheit
ZU entscheiden,
da einerseitS weitergehende individuelle Textmerkma-
Wenn Rota ebensO wie der RedaktOr der übersetzung
des Gros,eteste (Rob.11) BaS hinter o,(vou I pau-
eum ein parvum ergänzt (non e,t paucum et parvum'
Rob.",
ne,ue paueum ne,ue parvum e,t' Rota), da'
be' dem korrupten Text der familien • und V (ent-
gegen dem richtigen Text bei ß) durchauS ,innvoll
und notwendig ist ,cheint das nicht zwang,,·ufig
d~e (allerdings m;gliehe) zusätzliche Benutzung
e,ner entsprechenden lateiniSchen vorlage voraus-
zusetzen.
2
Rota befindet sich hier "brigens in guter Gesell-
schaft, auch Bekker hat die richtige Le,art in
den Apparat
verbannt.
ins-
Ko-
erse.L
en re
erartlger
arf, aß
,e
sgangshandschrif_
n jene
ie
arer. Ar grapna
ware ....
ct1t-
ene-
gefer'"tig
adt der Drue
afür s?rie~~ Cer Umsta
aß die-
8
er
Dersetz 6 is-
ad da
. ier im Jahre 15~5 aus der
arciana Dersö
°ch
inen Ale%ander Von Tralleis_
dex,
en Marc.295,
ntliehl. Dazu fUgt sien ausgezeicnne
itte des Jhs., alse zu e~ender Zei
daß in der
als Rota sei-
ne UDerBetzung fGr den Druck von 1552 anfertigte,
im venezianischen Schreibatelier des Bartolomeo Za-
netti die A
~ Rrc.%1 .11
Bchrif~en des ~odex p. Ambr.D 124 inf.,
nd Vind.Phil.l1, entstanden. Eines die-
~ ier Manuskripte benutzte, wie wir sahen, Rota,
nd wir können nun vielleicht aufgrund dessen zwi-
ehen ihm und Bartolomeo Zanetti irgendeine Bezie-
hung 'lermuten. -
Wenn wir voraussetzen wollen, daß
Rota auch die Handschrift aus der Gruppe ~ in Vene-
dig einoah und sie nicht aus einer anderen Stadt
ntlieh, was allerdings nicht auszuschließen wäre,
o scheint in diesem Falle nur der Ambr.A 174 sup.
oder
in und des Vind.Phil.231 verschollenes Anti-
phon, Ubep depen damaliges Schicksal nichts be-
kannt ia~_
Als potentielle Textquelle angesehen
Denn nur unoep Übrrsetzer kann mit "Martial Rotta,
phiaicho" im Ausleihregister der Marciana
moint sein; vgl. C .Castellani (vgl.oben S.82,
Anm.2), 8.328/329.
a
_
379 -
dürfen. Denn die übrigen Handschriften auS
befanden sich in jener Zeit, das ist
fernab von Venedigl.
Nachdem nun die handschriftlichen Grundlagen der
Übersetzung des Rota bekannt sind, herrscht auch
Klarheit über ihren textkritischen Wert; sie liefert
keine neuen authentischen Lesungen. Nichtsdesto.eni-
.er wird man diese übersetzung, derer sich "ayduck
und Apelt in Unkenntnis des Textes der Familie • und
der hauptsächlich auS dieser Familie geflOSSenen
Gruppe p an mancher Stelle mit Erfolg bedienen konn-
ten, auch heute noch, nicht zuletzt .egen zahlrei-
cher beigefügter ZeichnUngen mit Nutzen für daS Ver-
ständnis des schwierigen Textes zur Hand nehmen.
werden zu
der Gruppe F;
ziemlich gewiß,
1 Zu Einzelheiten vgl. die BeschreibUngen dieser
Handschriften im 'Aristoteles Graecus' und ihre
Behandlung oben 5.262-290.
-
380 -
VII. DIE TEXTAUSGABEN
1. DIE EDITIO PRINCEPS
DES HENRICUS
STEPHANUS
(1557)
Die Geschichte des gedruckten
griechischen
Lin. -
Textes beginnt
mit einem peinlichen
Irrtum.
Aldus
Manutius
veröffentlicht
1497 im 3.Band (ff.426v-435)
der Editio princeps des Gesamtwerkes
des Aristote-
lesl,
wie bereits
erwähnt,
unter
dem Namen
des Sta-
giriten
fälschlicherweise
die Paraphrase
des Byzan-
tiners
Georgios
Pachymeres2.
Auch die drei folgenden
Renaissance-Editionen,
die Ausgabe der naturhistori-
schen Schriften
des Aristoteles
...
omnia ex exem-
plaribus
N.Leonici
Tomaei
..
emendata
..
Florentiae
per haeredes
Philippi Juntae Vom Jahre 15273 sowie
die erste und die zweite Auflage der von Erasmus
veranstalteten
Aristoteles-Gesamtausgabe
von 1531
bzw. 1539: APIETOTEAOYE
AITANTA per Des. Erasmum
Ro-
terodamum.
Basileae
apud Jo. Beb.4,
sind Opfer die-
ses Irrtums
und bieten
statt des originalen
Textes
die Paraphrase.
Erst in der verbesserten
Editio Erasmi
tertia
vom
Jahre 1550 gilt Aristoteles
nicht mehr als Autor
Sbändig in den Jahren
1495-98 in Venedig herausge-
geben.
2 Diese Verwechslung
ist um so peinlicher,
als in
der Paraphrase
z.B . des öfteren
mit 0 ~~X6cro~os
auf Aristoteles
angespielt
wird.
3 lbändig; die Paraphrase
des Pachymeres
steht
ff.300 -30SV•
4 2bändig; die Paraphrase
des Pachymeres
steht im
1.Band ff.327v-330V;
in der 2.Aufl. S .S84-589 .
_
381 -
di,'"
Komp,ndium,.
Dennoch druckt man " wi,d,r ab
(5.559-564), und zwar mit nach'tehendem Titel' UEPI
ATOMON rPAMMON ToilT' EoHU, !n ou, EOT' y,aμμn &TO-
μ,s, dem in einem untertitel folgende Erklärung bei-
g,'ügt Ls t : 0 ypa.e~S,
,OT C, ,0TC
wu (ou ya, 'Ap ,OTO-
lEAns ye, E~E ~ön lots ~XXOLS ~Lxoo6~0~s,
Ta TO~
. A,,",OT<Aou, "aß,ß"'WU, ,"X<"eO
TnU 'A' ,OTOT'-
AO\)!; 66~a\l toX\)pCr;;E~,
ÖT~ OU ö~\laTaL
etvaL μCye~O!;
a6L~CPE10V, &XA'elS
~ ~EL pa ÖL~CpeTO\l.
griechischel
Ausgabe des pseudo-aristo-
besorgte
endlich im Jahre 1557 Hen-
"Aristotelis
et Theophrasti
scripta
,uaedam, quae vel nunquam antea, vel minu' emendata
,uam nunc, edita ,unt. E . officina Henrici Stephani
Pari'ienoi' typOgraph;' An. MDLVII" 2. In dem petru'
Victoriu' gewidmeten Geleitwort konnte ,ich der ge-
lehrte Editor einer ironischen Bemerkung über ,eine
Vorgänger nicht enthalten, "Mirum e,t vero ..titi"e
ullo' homine' tam ,axe,',
ut, qUUm uaxuμ"Cou para-
phra,in in librum Ari'totelis ",t .,,μwu y,aμμOU
haberent, ipsum se AristoteliS librum habere, omnino
,ibi persuaderent. Quam multa enim vel in ipso limi-
ne reperiuntur, e. quibU' id a lectore etiam dormi-
tante deprehendi facile poterat? quae certe apud ho-
mine' adeo .ax""
uti di.i, A,"Oμ"O' e.plicare me
pudeat, verbum igitur hac de r-e non addam".
Ober die Hand,chrift, welche ,einer Au,gabe zu-
i Nachdem bereits drei lateinische Editionen (1482
und 1496 die redigierte tran"atiO deS Robe,t Gro'-
,eteste, 1552 die freie Ober,etzung d'S Iul'U' Mar-
t'
~anus Rota) erschienen
waren.
, Lin. steht s.58-67. Stephanus hat die paraphrase
des Pachymeres
weggelassen.
Die erste
telischen
Textes
ri cus Stephanus:
-
382 -
grunde lag, hat sich Henricus
Stephanus
in der an
Petrus
Victorius
gerichteten
Briefpraefatio
mit kei-
nem Wort geäußert.
Es darf jedoch
als sicher
gelten.
daß es der junge Ott.45 (Ua) gewesen
ist. In der
Editio princeps
finden
wir nämlich den überwiegenden
Teil der Sonderlesungen
des Kodex Ua und aller sei-
(
a
a
).
ner Vorfahren
Y.e,n,H,G
,
Q, cod.deperd.
w~e-
der. Als Belege
seien hier einige der in der Edition
des Henricus
Stephanus
(H.St.) bezeugten
negativen
Spezifika
nur der drei jüngsten
Glieder
(Q, cod.de-
perd.,
Ua) jener langen
Ahnenreihe
beigebracht;
zu-
nächst
ein paar der hauptsächlich
als Lesefehler
er-
wiesenen
Divergenzen,
die Johannes
Rhosos,
dem
Schreiber
des Kodex Q, zur Last gelegt werden
müssen:
Vulgo
Ob1
+
la16
EcrTL
,
TLEX:e
-+
a21
μEYE~OS TL
+
a2S
Evunapxoucr~v
+
2a3
Tμn~ncrETa~
+
a20/1 a~a ~pouμEVOU
+
a21
,
a~a ~pELTa~
ypaμ -
-+
μi'is
Q Ua H.St.
add.
post nμLcre~av
.
EcrT~
,
EX
μeYE~OS E:crT~
EV uxapXoVTL
xa~ XAn~ncreTa~
aipaLpeLTa~
aypaμμi'is
Von den Sonderlesungen
des Kodex Ua bzw.
seiner
verschollenen
Vorlagel gingen
u.a . folgende in den
Text der Editio princeps
ein:
Q
8b24
Als Fehler
dieser
Vorlage haben diejenigen
zu gel-
ten, die auch im Ott.153, dem stemmatischen
Bru-
der von Ua,
wiederkehren.
_
383 -
Q
9a~μ~l!Pa
-+
Oa12 cμneoouon.;
-+
1a1
-+
a27
-+
b11
-+
2a28
...
.
,
...
-+
l!CH 0 E1t~
μo,xpa: Ott.153
Eμeoo~ons:
Ua -+ μ&Oouons:
H.St.
add.
~W ante aU~W: Ott.1S3
.\
..
n o~V(μal.
b1
Der Korrekturen. die Arnold Arlenius. der Besit-
zerdeKda'
s ° ex U • angebracht hatte. konnte "ch Hen-
bereits bedienen. so z.B . der Erg'n-
Wörter:
EAa~~oVL (Ob2), aOTOV
ricus StephanuS
zungen ausgelasSener
(1b8), &μepES
~ ol) (1b23).
Die Editio princeps de' TraktatS aber die Atomli-
nienist.d
d
,e och kein mechanischer Abdruck der Han -
schrift Ua H" f'
k.kt
.
au ,g hat HenricuS Stephanus on,e u-
ralindeT
.
.
W·
n
ext e,ngegriffen und auf d,e,e e,se
zahlrei h
k"
.
d
ce
le,ne (me,st orthOgraph"che un gram-
mati,che) fehler. die sich von Stufe zu Stufe der
handsch' ft
.
<\
•
r,
"chen uberlieferung in den Te.t e,nge-
scnLi
•
,chen hatten. völlig im Einklang mit den an d,a-
sen St II
.
h.t
e en unverderbten Hanuskripten ber'c t,g •
und zwar z.B . 8a2. '0 •• ,.,'0: Ga ~ '0.""'" Oa17
":,h: Q ~ ü" •• Ob' ,a.•n: Ua ~ ".n. Ob2•• "y.~l:
U ~ ."y.n. Ob2••••• ,.: Ua ~ μ.c •••• 1a•• n"· .'
."
y~
.~"
••
'ö". 1a12 .~••',., Ua ~ ••~••" ••
2a15 ",."Bl.""
cod.deperd.
~
."."Bl."'· 2a1'
o r I..,,μ .... Ha
a
-
2b27
•
n.
~
."yμn •• 2b13 6.'." U ~ ,.'0"
. '."'0'.: Ha ~ .,.C, •• ". An anderen Stellen tun
seine K
.
G"
d~
orrekturen zwar der Grammat"
enuge ° e·
_
385 -
-
384 -
zeigen, daß die Verderbnis
als solche
erkannt
worden
ist, treffen
jedoch
nicht das überlieferungsmäßig
Richtige,
wie etwa: Oa7 öCno:
cod.deperd.
~
önxou:
(,
)
,\
-
H.St.
Ö~ROUV:
Vulg.,
öLnXnv:
Apelt , la26 av socet :
a
,\
,I
»
M'
U ~ av no~ij: H.St. (av no~o ~ev (recte:
Vulgo • it-
unter ändert der gelehrte
französische Drucker
den
Text auch gegen eine (meist) einheitliche Bezeugung
der drei Stammväter
(a ß y) und somit auch gegen den
ArChetypus
aller unserer
Handschriften, und man kann
ihm eine gewisse Effektivität
seiner
Konjekturen
nicht absprechen:
Vulgo
H.St.
+
add. d post
.
(recte) :
eT~
Rota
+
äRTEcr~a~l
+
ön2
+
TWV an03
+
add. Öt post crwμa (Apelt)
+
TOlhwv
~
TWV xa~
9a5
a28
clnTETaL
b24 ö~
Oa6Ta
,
...
aRO
b33
la12
TOUTOLS:
as
TOl.ltOU: n
a31 TWV yap
Der Infinitiv
findet
sich auch in der translatio
des Grosseteste
und ist von dort als interlineare
Variante
in die Handschrift
i geraten
(durch Manu-
el Kalekas)
und sodann
in deren Apographa
in den
Grundtext
gesetzt
worden.
-
Nach Bekker
und Apelt
(beide kannten
wohlgemerkt
i und 1 nicht) gilt
auch diese Lesung
als handschriftlich
gesichert:
Bei Bekker
steht sie sogar im Text; Apelt hat sie
zwar zu Recht aus dem Grundtext
verbannt,
aber in
den Apparat
(ä~Tecr~a~ ceteri!) aufgenommen.
2 So auch in einigen
Handschriften
in eigener
Regie
konjiziert.
3 So auch bei Bekker
im Text; Apelt emendiert
T~
a~a (im Apparat:
...
TWV ceteri).
H.St.
Vulgo
~
Ta E~e ~n~
QRTea~aL
(Bekker Apelt)
Doch auch der Text der Editio princeps ist nicht
mechanischen Fehlern
verschont
geblieben:
la17 AE(ELV ~ AEyeL,
lb12 om.
~
.
Neben den erwähnten oft positiven Änderungen ge-
genüber dem Text der handscnriftliChen Quelle exi-
stieren in der Editio princeps noch etliche andere
.
a
,n U nicht belegte. beträchtliCh abweichende Lesar-
ten. Es ist kaum denkbar. daß ,etztere auf rein kon-
jekturalem Wege in die AUSgabe Eingang gefunden ha-
ben. zählt doch ZU ihnen z.B. auch die richtige Er-
gänzung des in Ga und seiner Deszendenz (alSO auch
a
U ) ausgelassenen Verbs ,,0vJ,' (,a25). Eine grund-
sätzliche an den Leser gerichtete Bemerkung deS Ste-
p hanuS i führt zur Klärung dieses prob lem" "Quod
autem attinet ad Aristotelis librUm ."t ."u·v Y'ou-
noxuu"C,u in eUro '0",,0°" ( ... ). eX
castigare
poteris:
dum caetero-
meliore aliquO exemplari eXpec-
lb27
&. v (o\v: a)
ä.R1:Ea~a.L
ganz von
9aS om. TWV,
exstat
l6coS nonnullos
rum castigationem
a
tabis"
.
Henricus Stephanus hat sich also die Hühe
den Text deS Kodex Ua mit Hilfe der paraphrase
Georgios pachymeres• die ihm ja seit der Aldina
gleich in mehreren Editionen zur VerfÜgung stand.
vor der Drucklegung seiner AUSgabe vollständig zu
überprüfen. Auf diesem Wege konnte er denn auch ein
paar korrupte Stellen der Originalvorlage berichti-
gen. z.B .' 'a25 add• "avJ" (om· Ua etc.).
'b21 ~
μWV,
qua
gemacht,
deS
1 5.151:
-
386 -
~pWTaL: U a
.\
-
22'
-
Ua
1.
etc.
- +- n ltPWTOV, Oa
aμEpOLV:
+ a;μEp~ .
In vielen anderen Fällen gelangten jedoch auch
heterogene
Lesarten,
erläuternde Zusätze und Um-
sChreibungen
des Pachymeres
unberechtigterweise in
den Originalwortlaut der pseudo-aristotelischen
Schrift. Es war einfach nicht immer möglich, bei Pa-
chymeres Paraphrastisches und Authentisches vonein-
ander zu unterscheiden,
zumal dann, wenn der Byzan-
tiner inmitten
eines langen wörtlichen Zitats aus
dem Original ein kleines Wort oder eine kurze Wen-
dung u.dgl. eingeschoben
bzw. eine leichte Änderung
vorgenommen
hatte. Erst Bekker,
dem umfangreicheres
handschriftliches Material
zugänglich war als dem
französischen
Humanisten,
hat verschiedene dieser
sekundären
Ingredienzien
mit Recht wieder eliminiert,
und zwar:
VUlg.(Bekker)
Pach. H.St .
8b9/10
Ta μtPI1 μCTPOU
Ta μepn TOUTOU
,
μe:TPOU
+
OU
TLVOS
TLVOS
9a3
add. WS ante n
...
-+-
μn
a5
-+-
add. AOYOV post EltLTax-
~e:vTal
a16
-+-
add. ap~ßμo& post äneL-
pos
a3?
xa~ VoncrELEV
-+-
EvvorfcrELev
,
...
TOO ~EPOμcvou:
Pach.
.
~epoμcvwv
EnL
b1
n TWV
+
,
...
TWV ~epoμe:vwv: H.St .
enL
Oa23
-+-
add. TO ltpchepov post
μe~r;ov
b20
-+-
add. äpa ante ypaμμn
b23
add. apa ante
.
-+-
eTL
Von Bekker eliminiert, in Apelts Grundtext (I)
wieder zu Ehren gekommen.
_
387 -
pach. H.St .
add.o~a~pETOV post TeTpaywVOV
Dennoch blieben mehrere jener nicht authentiSchen
Elemente bis heute, d.h . einschließlich der immer
noch maßgeblichen kritischen AuSgabe von Apelt, fest
i. Te.t unserer Schrift verankert'.
Sie machen die
unten S.39B als Interpolationen im gedruckten Te.t
,ufgezählten Lesungen aus, deren Herkunft auS der
des byzantinischen
Aristotelikers
bereits
festgestellt worden ist. HenricuS Stepha-
nuS war also derjenige, der sie in den Originalte.t
Vulg.(Bekker)
Ob23
Paraphrase
oben 5.350
Was die technische Vorbereitung der Edition be-
trifft, legen eS die vielfältigen oben aufgeführten
Abwei h
.
a
c ungen vom Te.t deS Manuskr,ptS U nahe, daß
diese
.
h
.
5 n'c t unmittelbare Druckvorlage ge.esen se,n
wird. In der Tat fehlen in Ua die in solchem ralle
"b
u lichen umbruchvermerke und Spuren von Drucker-
schwärze. Wir können vermuten, daß HenricuS Stepha-
nus de
.h'
a
.
l'ß
n ~ m vorl~egenden Kodex U kop~eren
~e
(oder vielleicht sogar selbst abschrieb) und in die-
Abschrift seine eigenen .onjektUren und die auS
des pachymeres
gewonnenen Korrek-
turen einarbeitete,
um dann dieseS
neue E.emplar alS direkte Vorlage für
seinen Druck ZU verwenden.
Nach der
Fertigstellung der Edition
eins chmolz•
se
der Paraphrase
1
Nur.an einer einzigen Stelle hat Apelt den inter-
pol,erten Te.t Bekkers entSprechend dem ZeugniS
der Ha d'
.
.
.' 6'
,\'
n schr,ften korr,.,ert' 9b30 0 , •• ,ou n ",-
veev· ' ·
,."
•
•
n.aß6Apelt+Q6Cxa~ovn:E+aOUo~-
xa~o
,\
v n: Fach. H .St. Bekker•
-
388 -
Abschrift
-
durch die Überarbeitung
und die Abnut-
zung in der Druckerei
zudem
unansehnlich
_
überflüs_
sig geworden
und ist vielleiCht
deshalb wie so viele
Druckvorlagen
nicht erhalten
geblieben.
Die Edition
des Stephanus
enthält
u.a. wie auch
die ihr im Falle von Lin. mittelbar zugrunde liegen-
de Handschrift
Ua einen
Teil der Mirabilien
(Kap.152
sqq.)
und Theophrasts
De sensibus,
und die Vermutung,
es könnten
auch bei diesen beiden
Schriften
analoge
Abhängigkeitsverhältnisse
vorliegen,
drängt sich
nach den vorangegangenen
Feststellungen
geradezu
auf.
So hat denn auch McDiarmidl
die enge Verbindung
zwi-
schen den zahlreichen
Korrekturen
in Ua von vierter
Hand (bei ihm 04), die wir Arnold Arlenius
zuweisen
konnten,
Und Lesarten
der Druckausgabe
des Stepha-
nus aUfgezeigt,
und meine
eigenen
KOllationen
haben
bestätigt,
daß auch im gedruckten
Text
von Mir. die
mit der Bemerkung
'IcrTeov ÖTL ROXXa TWV naxaLWV av-
T~ypa~wv
eup~crxETaL EV ors oux exeCvn
ecrTLV n apx~
TOÜ Rep~ ~auμacrCwv axOUcrμaTwv
~v TE~ELxaμEV,
aXX'
aÜTn (S.13S)2 eingeleiteten
Kapitel 152 sqq. den
7ext des Kodex Ua reproduzieren.
Wie aber gelangte
der Kodex Ua des Arnold Arle-
nius in die Hände des Henricus
Stephanus?
Daß beide
Gelehrte
in wissenschaftlichen
Beziehungen
zueinan-
der standen,
ist absolut
sicher.
Arlenius
scheint
sich nach seinem
Aufenthalt
in Basel,
wo er Ende De-
zember
1555 eingetroffen
war, nach Paris begeben
zu
haben.
Dort veranstaltete
Stephanus
nämlich
auf sei-
_
389 -
ne V<ranla,sung hin eine Ausgabe des Maximos !yrioS I
und zwar im Jahre
1557; dies ist auch das Jahr der
Editio princeps
von Lin. Die "Aristotelis
et Theo-
phrasti scripta quaedam
.,.
e x officina Henrici st e -
An.MDLVII"
sind ein weiteres
wichtiges
zusammenarbeit
zwischen
A.Arlenius
nähere
untersuchUng2
ein in-
in der Gelehrtengeschichte
deS
phani .. ,
Zeugnis für die
und H. 5tephanus,
deren
teressantes
Kapitel
16.Jhs. erhellen
könnte.
2. DIE
NACHFOLGENDEN
EDITIONEN
BI5 1619
Von den auf die Editio princeps folgenden
TextauS-
gaben habe ich die sechs ersten bis zum Jahre 1619
verglichen,
und zwar die Editionen
von F.5ylburg
(158.- 1 587)3. I.Casaubonus (1590)'. J .pacius (1597)5.
S.Crispinus (1605)6. p .de la Roniere (1607-1608)7
Vgl. B.R.Jenny
(vgl.oben
5.198, Anm.3), 5.28.
2
VgI.
~ uch B.R .Jenny. s .28. Anm.63' "EbensO bedür-
fen d,e Beziehungen Arlens ZU •• Stephanus in paris
I Genf der untersuchUng."
3
8d.III. S .16-26' Linol S.26-",' paraphrase deS Pa-
chymeres.
4
N~chgedruckt 1596 und 1597; S.7 .3-' ·'
Lin·; S.7.5
b's 752' paraphrase deS pachymeres mit paralleler
lateinischer übersetzung deS JacobuS scekchius.
5 N~chgedruckt 1607; Bd.II• S.1173-77' Lin.; S.1177
b's 1193' Paraphrase deS pachymereS .it paralleler
lateinischer übersetzung deS JacobuS scekchius.
, S.d.I. S .925-29' Lin. mit paralleler lateinischer
Ubersetzung des I.M . Rota; S.930 -38, par;phrase de'
Pachymeres mit paralleler lateiniScher Ubersetzung
des Jacobus
5cekchius.
7 F~st identiSch mit der Editio pacii; Bd.11• s.1173
b~s 1177: Lin.; 5.1177-93: paraphrase
deS Pachyme-
J.B.McDiarmid
(vgl.oben
5.51, Anm.1),
S.16 sqq.
2 Zum Problem
der zwei VÖllig divergierenden
Fassun-
gen des Anfangs der Schrift vgl.oben
S.210/211.
-
390 -
und G.du Val (1619)1.
Sie sind für die Geschichte des gedruckten
Lin.-
Textes jedoch
ohne jegliche
Bedeutung,
da in ihnen
der Text des Henricus
Stephanus
einfach
nachgedruckt
ist. Lediglich
die Zeichensetzung
ist bisweilen
ge-
ringfügig
geändert
worden.
Textverbesserungen
sind
ganz selten;
ich habe nur eine bei Casaubonus
Evunapxoucr~ richtig mit den besten
Handschriften
statt cv u~apXoVT~ (la2S) - bemerkt.
Ansonsten
fin-
den sich an Abweichungen
nur noch Druckfehler,
wie
z.B . bei Pacius
aμEp~S + aμEPoS (8a2), Xoyov
~
AO-
ywv (9b17) und bei Casaubonus
om. TOUS (9b16),
a+w
(lb6), ET~ + ÖTL (lb26).
Erst die wissenschaftliche
kritische
Gesamtausga-
be des griechischen
Aristoteles-Textes
durch I.Bek-
Ker (1831) stellt in der Geschichte des gedruckten
Lin.- Textes
die entscheidende
Zäsur dar.
res mit paralleler
lateinischer
Übersetzung
des
Jacobus
Scekchius.
Nachgedruckt
1629, 1639, 1654; Bd.I, S.1221 -27:
Lin. mit paralleler
lateinischer
Übersetzung
des
I.M.Rota,
5.1228 -40:
Paraphrase
des Pachymeres
mit
paralleler
lateinischer
Übersetzung
des Scekchius.
_
391 -
VIII. ERGEBNISSE
1. STEMMA
Vorbemerkung:
0 bezeichnet
die erhaltenen
Hand-
schriften (und Textmaterialien)
und * die verschol-
lenen, aber einwandfrei
rekonstruierbaren.
wir das Zahlenverhältnis
von erhalte-
nen und codices deperditi,
so stehen den 27 auf unS
.,komm,nen griechischen Handschriften mindestens 17
verlorene
gegenüber.
Darüber
hinaus
muß man anneh-
men, daß viele Minuskel_Handschriften
zUgrunde ge-
gangen sind. ohne eine sichtbare Spur zu hinterlas-
sen. Sollte diese proportion
für das gesamte Corpus
Aristotelicum repräsentatiV sein. so müßten .ir bei
,a.ll00 vorhandenen Manuskripten mit ca.700 verlore-
Vergleichen
nen rechnenl.
Ind
..
er Uberl' f
hältnis 3'
"erung
der EE allerdings ist daS ver-
baren T
.1. 21 erhaltene gegenüber 7 rekonstruier-
Anm.2) e~tzeugen. Vgl.D .Harlfinger (vgl.oben s.27.
sehen T
.' .0 (Stemma). Es scheint in der griechi-
verhälte~tuberlieferUng jedOch noch viel e.tremere
ne 'Kn,sse zu geben alS das für Lin. erschlosse-
de; h~ ~tter. Die überlieferung der Pege gnOseOS
Teilko~loh~nnes von DamaskoS. Ettal 1959. ist nach
dieses wat,one~ auS sämtlichen 759 Hands'hriften
gekomm erke~ uberzeugt. daß die zahl der abhanden
tem Übenen ~,e der e.istierenden Kodizes bei .ei-
mata e~st"gt (S. 23.)' .. Oie zerklüftung der Stem-
rÜCkg:~ auf ei~en Verlust der Bindeglieder zU-
ehe'
en und läßt vermuten. daß der ursprüngli-
betrae,tand an Hss ein Mehrfaches vom erhaltenen
gen hat."
w
e)
a)l
W
ab la
v<::,
a
a
Par.
2032
Ci)
Vat.
258
CN).
Vat.
266
CV)
Par71860
(1)
I
r. Mare.
D124 XLii
info
H.St.
CEd.prine.)
_
393 -
2. ZUR NEUKONSTITUIERUNG DES TEXTES
Die constitutio textuS der Schrift LiD. hat vom
ArchetypuS auszugehen. Seinen Text gilt es also je-
weils zu bestimmen, bevor dieser seinerseits Gegen-
stand der weiteren examinatio wird. Er ist gemäß den
oben im Kapitel IV,S dargelegten Frühspaltungenvon c ,
grundsätzlich sichergestellt bei 1) consensus
ß und y, 2) consensus von a und ß gegen y, 3)
con-
sensus von ß und y gegen a im ersten Textteil bis
lalO-12 und 4) consensus von a und y gegen ß im fol-
genden Textteil, zwischen la10-12 und 2a24; im letz-
ten Textstück nach Abbrechen von a (2a24) ist er
durch 5) consensus von ß und Y gewährleistet. zwei
Varianten stehen zur Wahl, wenn keine dieser Über-
einstimmungen gegeben ist, also a y gegen ß im er-
sten Textteil bis lal0-12 und ß y gegen a im folgen-
den Textteil zwischen lal0-12 und 2a24, zusammenge-
hen und ß und y im SchlußstüCk nach 2a24 divergie-
renl• In diesen Fällen muß die LeSung des Archety-
pus mit-Hilfe der selectio ermittelt werden- Die
Überprüfung der Varianten zeigt. daß dabei keine der
Seiten etwa grundsätzlich den Vorzug verdient; eben-
sowenig läßt sich irgendWO eine abnorme Tendenz zu
einer bestimmten Fehlergattung beobachten2. Derar-
1 Wo a, ß und y drei verschiedene Lesungen bieten,
was naturgemäß ziemlich selten vorkommt, werden
sich in der Regel zwei von ihnen wegen wesentlich
engerer verwandtschaft im Vergleich mit der drit-
ten im Grunde auf eine einzige reduzieren lassen,
so daß von ebenden genannten Grundsätzen ausgegan-
gen werden kann.
2E'
.
,n'ge Beispiele für die üblichen Fehlertypen in
den Variantenträgern sind oben in Kapitel IV,S
gesammelt worden.
-
394 -
tiges war aber bei der Kürze der Schrift
Lin. ohne-
hin nicht zu erwarten.
-
Bei sämtlichen
soeben auf-
geführten
Bedingungen
für die Ermittlung
des Textes
des Archetypus
ist es irrelevant,
welche der drei
stemmatischen
Möglichkeiten
im Verhältnis
der Stamm-
väter
zueinander
(Kap.IV,5)
der Wirklichkeit
ent-
spricht;
sie gelten
ohne Einschränkung und Modifizie-
rung gleichermaßen
bei a), b) und c). Nur kann der
Archetypus
niemals
ein und derselbe
Kodex
in allen
drei Fällen
sein,
wie oben in Kap.IV,6
angedeutet
worden
ist.
Durch die recensio
unserer
Schrift ist eine gan-
ze Reihe von Textzeugen
ans Licht gekommen,
die we-
der direkt noch über Zwischenstufen
von einer erhal-
tenen Vorlage
abstammen,
und zwar i, N,
a
a
V,Z,H,
L, P, Berol.,
Mosqu.
und die translatio
des Robert
Grosseteste
sowie die Paraphrase
des Pachymeres;
hin-
zuzufügen
sind eigentlich
auch Vat.905
und Wa (sowie
vielleicht
Na), da sie auf verlorene
contaminati
zu-
rückgehen,
die ihrerseits
wenigstens
teilweise
nicht
aus vorhandenen
Handschriften
schöpfen.
Sie alle
helfen
gemäß den aUfgezeigten
Spaltungen,
die Text-
form von a, ß und y exakt zu erschließen.
In ihrer
Authentizität
und Bedeutung
hinsichtlich
der recen-
sio sind sie allerdings
von höchst
unterschiedli_
chem Rang. So sind z.B.,
um die Extreme
hervorzuhe-
ben, die Lesungen
von i gleichzusetzen
mit denen
von
a, während
L und Ha oder auch P, Berol.
und Mosqu.
von y durch zwei Zwischenstufen
getrennt
sind.
Von den in den kritischen
Editionen
Bekkers
und
Apelts bisher
als Grundlage
herangezogenen
acht Hand-
schriften
(NZaHaLPQUaWa)gehören
zwei (Q Ua)
_
395 -
zum Kreis der codices descripti.
Diese hat Bekker
mit sicherem
Blick nach wenigen
Zeilen ausgeschieden.
Eb"'O eliminierte er s cb on bald die Kodize' Za und
a
H , ersteren
wohl wegen
der Unmenge der in ihm \olU-
ehernden Sonderfehler,
letzteren
offensichtlich
\ole-
gen seiner Bindung
zu L. Za ist jedoch von Apelt
("apparet non spernendum e"e auxilium codici' Za ad
textum const i tuendum",
S .IX) durch vollständige
Ko L>
lotionen im Apparat, und Ha von Mioni ("totu, in,pi-
ciendus est,,)l rehabilitiert
\olorden. Ein Blick auf
das Stemma in der vorliegenden
untersuchung
läßt er-
kennen, daß Apelt das Verhältnis
seiner fünf Haupt-
handschriften
(N L P Za Wa) zueinander
durchauS
richtig beurteilt
hat, \olenn er schreibt:
"LetP
arctissime
inter se cohaerere,
ut ex unO fonte eOS
fluxisse
verisimile sit; a quO fonte longissime
d.
a
~stat N .••
Medium inter N et LP locum tenent W
et Za modo cum his, modo cum illo facientes, ita ta-
men, ut ips i quoque inter s e ,.epe dissent iant."
Die
"gemeins ame Que 11e" von L und p i,t C; der Text von
a
W (über Vermittlung
von ~) ist tatsächlich
aUS e
a
.
h•
und N kontaminiert
und der KodeX Z , der s'c
.,e
,
C ,chließlieh auf y zurückführen läßt, geht überall
dort nicht mit c, sondern mit N zusammen, .0 c ,eine
1E.Mioni(1b
.
k.
t
.
vg .0
en S.93, Anm.l), 5.76. p i e text rl.-
~sch E'
.
d
.
e ~genbedeutung dieses Kodex hat er aller-
a.n g
"b
. s u erbe.ertet ("etiam optimas lectiones su"
exh~bet")
.
.
.
Td
.
' .,. überhaupt bei ihm d,e en enz zu
eaner'
wi
.
.
Hhh"t
,
e es sche,nt, unberecht,gten oe sc a -
zung v
Ha'
.
T
on
auch ,n bezug auf versch,edene andere
Kradktate auffällt. Eine ähnliche Überhe.ertung de'
oexHaf'd
.'
AJ
v
,n en .,r ,n der neue,ten von • annone
pe~an'talteten Edition der schrift An.,
.ie
.i oraux (in' Gnomon .0, 1968, 5.763-765) nachge-
esen hat.
e
::'e
:. e!" -.!.i.e ':e-
~'e-= - :-
zeug~n
ieder
a) r~ur
ch or,
Hni
f
der
n erg Lbr
a
rec9nsio
der SchrifT
Ober die
ich also die NotwendigkeiT
eugestaltung
des TexTes
r wird Von der bisher
In vielen
Punk
t"om-
einer
um-
Der künftige
maßgeblichen
Ausgabe
en nicht
unerheblich
abweichen
Edi
Apel
u
n,
Um mit dem apparatus
criticus
zu beginnen:
hier
llgemeinen
nur sämtliche
Lesarten
von a
ß und y zu verzeichnen~
in wenigen
begründe-
n Auonahmefällen,
z.B.
vor allem
wenn sich ß oder
nd 1m
(" 1).
lßcklich in seinem
Urteil
war E.Mioni,
der die filiation
der Marciani,
außer der
12kelt Ga • 0, gründlich
verkannt
hat.
_
397 -
Y ,icht mit Gewißheit rekonstruieren lassen (Subva-
ria,t.' I , sind die Lesarten von N und V oder' und
e (oder sogar n, ~, Rob. und Za) anzuführen.
Es
li.gt auf der Hand, daß ein neuer variant.napparat,
b.fr.it von all dem Ballast an isolierten sonderle-
,u,gen der Apeltschen fünf Hauptzeugen (N L P Za ,al
u,d d.r rekonstruierbaren Vorfahren dies,eitS von Y,
,icht nur hinsichtlich der kritischen Substanz ein
völlig anderes Aussehen alS bei Bekker und Apelt er-
halten wird. er wird auch wesentliCh knapper, über-
,chaubarer und Systematischer in der Anlage sein.
Nichtsdestoweniger wird er seine vorgänger an Leben-
digkeit übertreffen. Mehrere moderne Emendationen
(insbesondere die HayduckSI finden sich in der Ober-
li.ferung bestätigt, viele kluge KonjektUren sind
in Mittelalter und Renaissance vorweggenommen, und
auch manch interessante Te.tveränderung in den Hand-
schriften wäre erwähnenswert; auch die MögliChkeit,
verschiedene dieser KonjektUren mit dem Namen ihreS
Urhebers zu verbinden, stellt eine Bereicherung des
apparatuS dar. Schließlich sollte der kritiSche Ap-
parat in unserem falle auch die fu,ktion haben, den
Leser über die wahre Natur und Herkunft etlicher
Lesarten und einzelner Bestandteile deS bisher edier-
ten Te.teS, die aufgrund der recensio nicht alS ori-
ginal gelten können und daher aufZUgeben sind, zu
unterrichten.
Damit kommen wir nun zum Te.t selbst'. Aus dem
gedruckten Te.t entfernt bZw •• ntSprechend der uber-
1
reh beziehe mich für die te.tkritiSchen D.tails
~ u n mehr auf die heute maßgebliche AuSgabe von
pelt.
-
398 -
lieferung
modifiziert
werden müssen
folgende Lesun-
genl:
1. Die über die Editio princeps in die modernen
Ausgaben eingedrungenen Interpolationen des Pachy-
meres2:
Pach. Apelt
8a24
Xpovw3
b5
ypaμμn3
9a5
Xoyovlt
alS
<\
TW\l apL~μWV apxn E(1T~
0
a19
ö~ , iliv
a23
AaμBavoucr~v
a25/6 crwμa Kat μnxos
a29 yap
bll
crUμμeTpov
bl1/2 xo~vav μeTPOV elvaL
ci~LOi}v
2a8
crwμa E~ En~neöwv
a8/9 aL öt ypaμμa~
EX crT~y-
μwv3
aßy
om.
om.
om.
om.
om.
crwμa μnxous5
ö~
om.
€TL XOLVOV μeTPOV
a~~oüv:
aßö,XOL-
...,
.
vov μETPOV ETL
a~~oQv:
E
crwμa EnCnEöov
om.
Die examinatio hat allerdings auch hier zu prüfen.
ob das Überlieferte als authentisch angesehen wer-
den darf. Koinzidenz von Fehlern kommt ja gelegent-
lich vor, und mitunter mögen auch die im folgenden
aufgeführten Lesarten durchaus Konjekturalwert ha-
ben; vgl. z .B . in der ersten Liste 9bll, 2a8, in
der Liste 2a) 8b26, lb21, 2d) Oa32, 2e) 9b24.
2 Vgl.oben 5.350 und 386/387.
3 Als Zusatz auch von M.Schramm, 8.39, bezeichnet.
It Von Apelt aus der Editio princeps ergänzt, von
Hirsch, S.32, gutgeheißen, von Joachim und Schramm,
5.41, jedoch verworfen.
5 Für diesen Text entschied sich später auch Apelt
in seiner Übersetzung (Die Widersacher •..• S.275,
_
399 -
2. Die nach dem Grundsatz der eliminatio lectio-
num singularium zu verwerfenden sonderlesungen
a)vonn
n Apelt
EV\)~clp~e ~
(om.a)
Ba8
b26
Oa4
orn-
a5
n
Apelt
lb21 EOTClL
b)vonc
E Apelt
aßö
9alS
Oa3
b19
lb13
2b23
c)vony
y Apelt
aß
om.
9a24
a32
μä.XXOV2
TWV aneCpOlV
OalO
μconV
Anm.l), und so liest auch Schramm, S.42.
1
~ o konjizieren auch J,L,Heiberg (vgl,oben S,BB,
nm,2), S,3S, Anm'
und J C,Wil'OO, On the GoO-
metri
'
.'
'
>cal problem in PlatO"
Meoo• B6e s.", W>th
a Not
'
..'
e 00 a passage io the Treat>se De l>ne>s ,n-
slecabilibuS (970aS)
in' Journal of PhilolOgy 28,
903
'
•
2
'
S.222-240, dort S.240.
Vgl. auch oben S.308 .
-
400 -
Y Apelt
EYXWPEtl
d)VonN
aß
2a22
N Apelt
ltOAAaxi'i
x ~vn~i'iva~: Za
n2
ayV
9blS
b22
Oa32
la27
nOAAaxws
XLVn~n2
om.
T~V~ T~Vas
e) von einzelnen anderen Handschriften
Apelt
aßY
8b14 TO 6'aUTa
(Ta 6'aUTO 6~ sic: Wa)3
a
T~vas:
Z Lp.corr.(?)
Haa.corr. Ga
crT~yμi'is
(Ex crT~yμl'jS: H.St .)
9b18
T~va
2a28
Entscheidend profitiert die constitutio textus
durch die volle textkritische Auswertung des neu
hinzugekommenen Variantenträgers i (Familie a). Et-
liche Male überliefert allein er den genuinen Wort-
einzelnen Stellen sind oben 5.327-331 auf-
Einige dieser Lesungen hatte allerdings
laut; die
geführt 5.
Vgl. zur Beurteilung dieser Lesart oben S.326.
2 Für diese Lesart Plädiert auch Schramm, S.43.
3 Bekker, auf den sich Apelt stützt, hat seine Le-
sung sicher aus Wa abgeleitet, obschon er im Ap-
parat für diesen Kodex (und zwar nur für ihn) die
Lesart der VUlgata angibt (Sigelvertauschung).
~
So liest mit Za auch Joachim (vgl. zur Stelle).
5 In verschiedenen anderen Fällen müssen die variae
_
401 -
sr.e r-
die Konjekturalkritik gefunden. Es sind etwa -
Ien , an denen die von Apelt gebotenen durch
tisch erscheinende Lesarten auS dem Kodex i ersecz~
werden müßten.
So wird denn, insgesamt gesehen, bei einer neuen
Konstituierung der Text Apelts allein aufgrund der
recensio an fast 50 Einzelstellen korrigiert werden
müssen. Statistisch betrachtet läuft das bei unsere~
kurzen Traktat auf eine Änderung in durchschnittliCh
beinahe jeder 6. Bekkerzeile hinaus.
Dennoch bleibt der vorliegende Text der Schrift
Lin., in den die Konjekturalkritik schon so viel Mü-
he und Können investiert hat, in vielen Einzelheiten
alles andere als befriedigend. Man ahnt in etwa,
welches Ausmaß die Textkorrumpierung im ArchetyPUS
unserer Manuskripte erreicht haben mag, wenn man die
Textgeschichte unserer Schrift in der Zeit der er-
haltenen Manuskripte entsprechend analysiert. Hier
hat ~ich fast durchweg gezeigt, in wie erschrecken-
dem Umfang Korruptelen aller Art von Stufe zu Stufe
der Tradierung, von einer HandschriftengeneratiOn
zur anderen, auftreten, sich summieren und potenzie-
ren. Und mit dem ArchetyPuS befinden wir unS bereits
im hohen Mittelalter. Wie viele direkte Vorfahren
mag er gehabt haben!
Sucht man nach den Gründen, die den Traktat über
die Atomlinien zU einem der verderbtesten des cor-
pus Aristotelicum und seine einzelnen erhaltenen
Handschriften zu Sammelbecken von sonderfehlern ge-
lectiones von i noch auf ihre
tät hin überprüft werden.
-
402 _
macht habenl, so scheinen sie im Charakter der
Schrift selbst zu liegen. Ihre Skizzenhaftigkeit,
ihr Konzeptcharakter2 gepaart mit Abruptheit des
Ausdrucks (vor allem gegen Ende), Brachylogien, El-
lipsen, einem aufs knappste begrenzten Wortschatz,
vielen stereotypen oder kaum abgewandelten Formu-
lierungen, parallelen und antithetischen Argumenten,
all das konnte nur zu leicht und immer wieder zu
Auslassungen insbesondere durch Homoioteleuton, zu
Haplographien, Assimilationen vor allem von Worten-
dungen, Transpositionen, unwillkürlichen Zusätzen
und Wiederholungen und Schreibfehlern ähnlicher Art
führen3•
Hinzu kommt, daß auch die Materie selbst
in ihrer Sprödigkeit und Schwierigkeit keineswegs
günstige Voraussetzungen für eine weitgehend heile
handschriftliche Weitergabe bot. Die einzelnen psy-
chOlogischen Phasen des Kopiervorgangs4 waren also
durch Form und Inhalt unseres Traktats beträchtlich
erschwert. Es mag in diesem Zusammenhang erlaubt
sein, eine These zu formUlieren, die natürlich durch
weitere Belege gestützt werden müßte: Je schwieriger
und unverständlicher eine Schrift in sprachlich-sti-
listischer und stofflicher Hinsicht, desto größer
die Textverschlechterung bei der Tradierung.
Ein Vergleich mit KOllationen aus verschiedenen
anderen Traktaten des Corpus zeigt eine ungewöhn-
liche Fehlerfrequenz in den Lin. - Manuskripten.
2 Vgl. O.Regenbogen (vgl.oben S.96, Anm.1), Sp.1542,
1559.
3 F.Dirlmeier, Aristoteles. Eudemische Ethik, über-
setzt und kommentiert, Berlin 21969, S.111, hat
ähnliches für die EE vermutet.
4 Vgl. hierzu A.Dain (vgl.oben S.31, Anm.1), 21964,
S.40 sqq.
-
403 -
Trotz aller Einsicht in die Textgeschichte unse-
nach Auswertung sämtlichen verfügbaren
also angesichts des schlechten Ober-
lieferungszustandes auch bei einer Neuedierung der
divinatio eine besondere Bedeutung zu. Mitunter mö-
gen ihr bei der Heilung der Korruptelen jenseits
des ArchetypuS die Erfahrungen von Nutzen sein, die
sich aus der Beschaffenheit der Fehler und dem Ver-
derbnisprozeß diesseits des ArchetyPuS gewinnen las-
sen. Einen Beitrag zur Lösung dieser schwierigen
Aufgabe werden auch die Humanisten-Konjekturen ver-
schiedener Textzeugen leisten.
r e r Schrift
Materials kommt
-
403 -
Trotz aller Einsicht in die Textgeschichte unse-
rer Schrift nach Auswertung sämtlichen verfügbaren
Materials kommt also angesichts des schlechten Ober-
lieferungszustandes auch bei einer Neuedierung der
divinatio eine besondere Bedeutung zu. Mitunter mö-
gen ihr bei der Heilung der Korruptelen jenseits
des Archetypus die Erfahrungen von Nutzen sein, die
sich aus der Beschaffenheit der Fehler und dem Ver-
derbnisprozeß diesseits des ArchetyPuS gewinnen las-
sen. Einen Beitrag zur Lösung dieser schwierigen
Aufgabe werden auch die Humanisten-Konjekturen ver-
schiedener Textzeugen leisten.
-
405 -
ANHANG
Neuidentifizierte
Kopisten
griechischer
Aristoteles
Handschriften
der Renaissance
Von der Gesamtheit der erhaltenen
griechischen
Aristoteles-Handschriften
datieren etwa 700 auS dem
15. und 16.Jh. Die Durchsicht dieser Manuskripte hat
gezeigt, daß auf dem Felde der Kopisten-Identifizie-
rung nicht geringe Fortschritte
möglich sind. Das
Ergebnis sind über 600 Identifizierungen
für 105 na-
mentlich bekannte
und 52 anonyme Kopisten (Griechen
und Westeuropäer)l.
Wenn auch dabei zu beachten ist,
daß an ein und derselben
Handschrift vielfach zwei
oder mehr Schreiber
oder Korrektoren
beteiligt wa-
ren, wird in etwa deutlich,
wie weit man mit syste-
matischen
Untersuchungen2
zu den Schreibern der über
Unabhängig von meiner Arbeit haben sich meine Kol-
legen am Aristoteles-Archiv
ebenfalls mit der Iden-
tifizierung
von Kopisten beschäftigt: U.Victor -
J.Wiesner,
Griechische Schreiber der Renaissance,
Nachträge
zu den Repertorien
von Vogel_Gardthausen,
Patrinelis,
Canart, de Meyier, in: Rivista di stu-
di bizantini
e neoellenici N.S .8, 1971 (im Druck).
Ein Teil ihrer Ergebnisse bestätigt hier vorgenom-
mene Zuweisungen.
2
Nach dem grundlegenden
Handbuch von M.Vogel -
V.Gardthausen,
Die griechischen
Schreiber des Mit-
telalters
und der Renaissance,
Leipzig 1909 (=Zen-
tralblatt für Bibliothekswesen.
Beiheft 33), Nach-
druck Hildesheim 1966, hat Ch.G .patrineliS,
wEXXn-
vc~ xWÖLXoypa~oL
~wv Xp6vwv ~~~ av~ycvvnOCw~,
in:
'E~c ~npt~
~oO Mco~LWVLXoO
'APXCCoU 8-9, 1958/9
(Athen 1961), 5.63 -125,
auS sämtlichen
ihm bekann-
ten Handschriften-Katalogen
und überlieferungSge-
schichtlichen
Arbeiten der dem Repertoire
von Vo-
gel-Gardthausen
nachfolgenden
50 Jahre ca.500 wei-
tere Handschriften(teile)
für 84 Kopisten (griechi-
scher Herkunft) zusammengestellt.
p.Canart,
-
406 -
40000 heute noch existierenden griechischen Manu-
skripte gelangen könntel. Es liegt auf der Hand,
welchen Nutzen neben der Paläographie und der Text-
kritik der Autoren (vgl.oben S.69) auch die Geistes-
und KUlturgeschichte (oder im speziellen etwa auch
die Familiengeschichte) des byzantinischen Mittelal-
ters und der Renaissance aus einem solchen Unterneh-
men ziehen würde2.
Nachstehende Liste3, die zunächst die namentlich
bekannten und sodann die noch anonymen, aber mehr-
fach bezeugten Kopisten verzeichnet, mußte in diesem
Rahmen im wesentlichen auf die bloße Anführung des
Scribes grecs de la Renaissance. Additions et cor-
rections aux repertoires de Vogel-Gardthausen et
de Patrinelis, in: Scriptorium 17, 1963, S.56-82,
und K.A .de Meyier, Scribes grecs de la Renaissance.
Additions et corrections aux repertoir~de Vogel-
Gardthausen, de Patrinelis et de Canart, in: Scrip-
torium 18, 1964, S.2S8-266, trugen (nur zum Teil
aus zweiter Hand) ca.1S0 bzw. 90 Zuweisungen an
59 bzw. 3S Schreiber nach. Über 20 Hss. und 8 Ko-
pisten sind sodann genannt bei B.L .Fonki~,
Gre~es -
kie piscy epochi vozro~denija, in: Vizantijskij
Vremennik 26, 1965, S.266-271, und 28, 1968, 5.283
bis 285. Victor-Wiesner (vgl.oben Anm.l) schließ-
lich ergänzen ca.l00 zum größten Teil eigene Iden-
tifizierungen für 3S Kopisten; davon betreffen die
allermeisten Aristoteles-Kodizes und finden sich
fast ausnahmslos auch in meiner Liste.
Wenn es Zeit und finanzielle Voraussetzungen erlau-
ben, werde ich eine neue umfassende Sammlung grie-
chischer Kopisten des Mittelalters und der Renais-
sance auf lange Sicht vorbereiten; neben den hier
gebotenen liegen bereits an Umfang vergleichbare
Materialien zu nichtaristotelischen Handschriften
vor.
2 Vgl. auch J.Bick, Die Schreiber der Wiener griechi-
schen Handschriften, Wien etc. 1920, 5.12 .
3 In ihr sind auch einige wenige Kodizes mit Aristo-
teles-Kommentaren enthalten.
_
407 -
Schreibernamens und der Handschriftensignaturenl be-
schränkt bleiben2, obschon z.B . die Nennung der in
den Kodizes enthaltenen Traktate sicherlich so man-
chen Schreiber als regelrechten spezialisten auf
einem bestimmten Arbeitsgebiet (einzelne Schriften,
Traktatgruppen, "Gesamtausgaben",
Überarbeitungen
etc.) ausweisen würde3•
-
Die Identifizierungen ba-
sieren auf der Einsichtnahme in subskribierte Hand-
schriften in Autopsie, Mikrofilm, PhotokOpie und
einschlägigen publikationen.
1 Diese sind, nach Bibliotheken gegliedert, in den
index codicum (vgl.unten) aufgenommen,
2DO
~ e betreffenden Folien sind manchmal schon des-
halb nicht genannt worden, weil das Aristoteles-
Archiv bei Miszellan_Handschriften nur über AuS-
züge im Film verfügt; entsprechende Einzelheiten
werden jedoch im 'Aristoteles Graecus' erscheinen.
Falls mir zu einzelnen Kopisten veröffentlichte
Specimina bekannt sind, nenne ich diese, sofern
nicht bereits bei vogel_GardthaUsen, patrinelis,
Canart und de Meyier auf schriftproben hingewie-
sen ist.
3 Das hätte auch eine Einbeziehung der subskribier-
ten und bereits früher identifizierten Aristote-
les_Handschriften vorausgesetzt.
-
Immerhin sei
beispielshalber erwähnt, daß sich die Tätigkeit
deS Arnold Arlenius insbesondere auf das Korrigie-
ren von Handschriften erstreckte, daß Georgios
H~rmonymos ein Fachmann für kleine prunkausgaben
m~t lateinischer übersetzung von Virt. war und daß
es unter den Schreibern mehrere poet._ spezialisten
gab.
-
408 -
Acciaioli, Zenobio ?: Mon.289
Agallianos,Theodoros: Lips.Rep.I 68a; Ambr.A 160
sup.; Par.1919 (ff.124-163V); Vat.1777
Albini, Valeriano: Ott.45 (ff.84-139V)
Alexandru, Georgios1: Esc.Y .III .l0 (ff.38 -47V, 107,
126V); Oxon.Auct.T .3 .21 (Misc.238) (ff.51-92V,
95-157V); Par.1888; Marc.222 (ff.22 -307); 604
(ff.180-199V, 210-219V)
Alphonsos Athenaios: Par.1818 (ff.1 -81) ?
Andreas (Urb.117): Esc.T .II .21; Par.1848 (f.63rv)
Antonios (Mut.a .V .7.5 , olim 176): Par.2652
Antonios Athenaios: Laur.81,20 (ff.33-125V)
Apostolides, Aristobulos: Lips.24 (ff.1 -77); Mut. ~.
V.6 . 5 (198) (ff.58-102V); a.V .6 .12 (210) (ff.2
bis 176V); Neap.Gerol.MCF 3.16 (XVI.XVI) (ff.l
bis 313V) ?; Marc.IV,8 (ff.1 -157V); IV,9; IV,12
ApostOlios, Michae12: Ambr.M 41 sup. (ff.90 -97);
Par.2938 (f.183rV); Vat.72 (teilw.)3; Urb.50
(Marg. )
Argyropulos, Johannes: Laur.81,16 (Marg.f .61); Par.
1818 (ff.83 -152); 1858; 1910 (Marg.); 1921 (Marg.);
1971 (SuPPl.); 2900 (PP.203-216) ?; Utin.VI,2
(Marg.); Vat.252; 259 (lauf.Titel); Barb.208;
Marc.IV .6; IV.13; IV.14; IV.15; IV.16; IV.17;
IV.18; IV.19; IV.20
Arlenius, Arnold4: Esc. ~ . I.l0 (Korr.rf.128-143a);
Vat.1302 (Marg.ff .203 sqq.); Ott.45 (ff.78-82 und
~ lrg.); 172 (ff.1 -23 und Marg.)
Arnes, Andreas Joannu: Berol.Phill.1507 (ff.1-50V,
59-78v,
87-204V)
Ihm ist auch der Jamblich-Hyparchetypus Marc.244
zuzuweisen, aus dem M.Sicherl, Die Handschriften,
Ausgaben und Übersetzungen von Iamblichos De myste-
riis, Berlin 1957, Tafel VIII, eine Schriftprobe
bietet.
2 Zu ihm vgl.oben S.235 sqq.
3 Vgl. F .W .Köhler, Textgeschichte von Hierokles'
Kommentar zum Carmen aureum der Pythagoreer, Diss.
Mainz, Münster 1965, S.69/70.
4 Zu ihm vgl.oben S.198-202 und unten Tafel 15.
_
409 -
Atrapes, Manuell: Laur.60,16 (ff.27-47V); Lond.Harl.
5635 (ff.1 -38, 138-201v, 203-215V); Vat.263; Vind.
Phi1.64 (teilW., z.B .ff .9v sqq.)
Barbaro. Ermolao: Neap.III D 35 (319) (Marg.); Oxon.
Bodl.40036 (Byw.4) (Marg.); par.Suppl.1285 (Marg.);
Marc.IV .53 (Marg.)
Bembaines, Emmanuel: Vallic•75
Bergikios, Angelos: NeW Haven, Coll.Ewart Marston 1;
Oxon.Barocc.145 (ff.179-206aV) ? (oder Christoph
Auer); Auct.F .4.5 (Misc.104) (pp.379-395)
Bessarion2: Marg. und Notizen ZU zahlreichen Marcia-
ni; sodann Berol.Ham.41 (Marg.); Bruxell.11270-75
(ff.99v•
101v,
103rv) ?; Esc.t •I•12
(ff.54-56);
Lond.Harl.5697 (ff.109V-l10); Matr.4553 (N15)
(Marg.); Ambr.A 168 s up- (Marg.f .1); Neap.IIl ES
(327) (Marg.); Oxon.N .C .233 (Marg.); par.20~1
(ff.1-215V); 2042 (ff.1-62, 69-181, 183v_192,
199 sqq.); Suppl.767 ; Sinait.2124 (Marg.; teilw.
Text?); Marc•202 (ff.307_308); 212 (ff.412-413 zum
Teil); 216 (f.77); 508 (ff ••. - 130V)
Bitzimanos• Thomas: Harv.17 (ff.39- ~ 6); Laur.72,2 7;
Par.2938 (ff.189-232); Salm.M 54 (ff.1 -15v,
~2
bis 105V); Vat.1908 (ff.bis ~4); pal.370
Blastos, Nikolaos: par.1862
Buonamico, Lazzaro: Ambr.I 22~ info (teilW.)
Camill~s VenetuS3, Laur.l0,21 (ff.l05-109V, 124-155V);
31,37 (Suppl.); 71,19 (ff.1 -71V); 71,31 (Restaur.);
Ein Specimen dieseS Kopisten bei T.GaSparrini Le-
porace _ E .Mioni, Cento codici Bessarionei. Cata-
logo di Mostra Venezia 19.'
tav.30 (dort fälsch-
10
'
,
~ ch Bessarion zugewiesen).
2 Schriftproben seiner Hand, die sich mitunter nur
schwer von der seines librarius Theodoros (vgl.un -
ten) unterscheiden läßt, sind öfters publiziert,
z.B . T .Gasparrini Leporace - E.Mioni (vgl.oben
Anm.l), tav.1, 13, 2811, 29, 31, 37.
3 Zu ihm vgl.oben S.29~, dazu unten Tafel 21.
-
Trotz gewisser unterschiede im DuktUS der hier
aufgezählten Handschriften - unter diesen bilden
die Laurentiani eine homOgene Gruppe - halte ich
zunächst an nur einem Kopisten (camilluS V.)
fest.
-
410 -
72,1 (ff.1 -59V,
65-66, 83-87, 183-262V); 72,3
(ff.4 -5v,
24-34v,
98-111V); 72,10 (ff.1-7V,
36v,
197rv,
204-205V,
211-216v,
225-237V); 72,11 (ff.
71-80V);
72,15 (SuPPl.); 72,17 (Suppl.); 72,19
(ff.60 -65); 72,26 (ff.9-25V, 34-46v, 92-93);
85,3 (Titel); 85,21 (Restaur.); 85,22 (Titel);
85,27 (ff.1 -26, 187-188); 86,3 (ff.190-204V,
226rv,
232rv); 87,10 (ff.68 -87V); 87,12 (Restaur.
und Schol. zu ff.485V-593); 87,14 (f.144 Restaur.);
87,16 (ff.372-384V); 87,17 (ff.245V-256V, 337
bis 341, 358rv,
391-393); 87,18 (ff.l05-106V);
87,19 (ff.150V-152V); 87,20 (f.241); Ricc.l0
(ff.328-335); Ott.153 (ff.153-158V); 172 (ff.25
bis 150V, 159-205, 207-233V); Marc.XI .ll (ff.ll
bis 31); Vind.Phil.ll (ff.1 -145V, 252-256V)
Carteromachus, Scipio (Scipione Fortiguerri): Vat.
1326 (Marg.)
Chalkeopulos, Athanasios ?l: Bruxell.11270-75 (ff.
104-105V); Ambr.B 96 sup.; Vat.2384
Chalkondyles, Demetrios2:
Cant.Ff.5 .8 (1298) (Marg.);
Laur.31,14 (Marg.); 58,20 (Marg.); 60,14 (ff.83
bis 113); 71,3 (Marg.); 72,12 (Marg.); 81,S
(Marg.); 81,7 (Marg.); C.S. AF 2755 (47) (Korr.);
Ricc.13 (Marg.); Havn.Fabr.60 _40 (ff.1 -30; 140
bis 164 ?); Harl.5635 (ff.248-252); Ambr.A 174
s up , (Marg.); E 40 sup.; L 117 sup.; Mon.330
(Marg.); Neap.III D 4 (288) (Marg.) ?; III D 5
(289) (Marg.)?; III D 6 (290) (Marg.)?; III E 2
(324) (Marg.); 111 E 19 (341) (fast alles); Oxon.
N.C .226; Par.1851 (Marg.); 1919 (Marg.)?; Suppl.
333 (ff.79-222V); Vat.2183 (Marg.); Pal.160
(Marg.)?; 255 (Marg.); Urb.39 (Marg.); Marc.IV .8
(ff.159-295); Vind.Phil.206
Chionopulos, Johannes: Par.1852; 2372
Chrysokokkes, Georgios: Laur.60,18 (ff.1 -196); Ambr.
G 86 sup.?; Taur.C I 9 (56)
Der Duktus der hier genannten Manuskripte hat auch
Ähnlichkeit mit dem des Demetrios Sguropulos und
dem des Anonymus 30 (vgl.unten).
2 Zu ihm vgl.oben S.224 sqq., dazu unten Tafel 22. -
Seine Hand läßt sich, namentlich in kurzen Margi-
nalproben, nicht immer eindeutig von denjenigen
des Kaisar Strategos, des Harmonios Athenaios oder
des Zenobio Acciaioli unterscheiden.
_
411 -
Damilas, Antonios: Laur.85,27 (ff,65-84v, 135-166V);
Mut. ~ . V.8 .13 (189) (ff.57a-58); ~. Q .4 .13 (235)
(ff.83 -102v, 183-253v, 259-266V)
Dekanaleus, Paulos: Mon.493
Demetrios (Berol.Phill.1582)1: Vat.905
Dokeianos, Georgios: Laur.81,20 (ff.1 -32V); Vat.265
DonoS, Andreas ?: Lond.Harl.6301 ?; Neap.II E 1
(136) ?; Oxon.Barocc.70 (ff.1-182v, 191-Ende);
Barocc.117; Vat.1386 ?
Effimanuel aus Konstantinopel: par.2030 (ab f.37);
2056
Eparchos, Antonios: Berol.Phill.1599 (Marg.) ?;
Esc.Y .III .7 (ff.1-4V) ?; Y.III .10 (ff.99 -106)
Feliciano, Bernardo: oxon.gr.class.C 13 (ab f.167)
Filelfo, Francesco ?: Laur.28,45 (Marg.); 60,21;
81,4 (Marg.); 81,15 (Marg.); 81,20 (Marg.);
Acqu.' (Marg.); par.20," (Marg.); Ott.260 (Marg.);
Urb.45 (Marg.)
Gaze', Theodoros2, Laur.81,20 (ff.126-131); Perus.1
108 (ff.351-354); Ott.153 (ff.96 -152, 213-221V)
Gerardos aus patras3: Laur.72,18; Lond.Add.140BO;
Mut.Q.T .8 .3 (100) (ff.5 -61V); par.2024; vat.1388;
1904 (ff.230-259V); 2183; pal.148 (ff.1 -52V)
Gregoropulos, Georgios"'
Laur.87,ll; Lond.Harl.62957;
Mut.o .U.9 .3 (5') (ff.1-66 etc.)?; 0.T.8 .5 (135)
(ff.3-115V); Mon.200 (ff.1 _173)?; par.Suppl.5 .'
(bis f.154V); pa1.209?; Marc.IV .51?
Zu ihm vgl.oben S.266, dazu unten Tafel 13.
2 Eine Schriftprobe bei p.Franchi deI cavalieri :
J.Lietzmann, specimina codicum graecorum, Berl~n
21929, Tafel 60.
3 Zwei Faksimiles seiner Hand sind - allerdings anO-
nym _ publiziert von A.Severyns, Recherches sur
la Chrestomathie de procloS, 111, paris 1953, pl.
IX und XII.
~
Die Hand des GeorgioS GregoropUlOS ist oft nur
schwer von der seines Sohnes Manuel zu unterschei-
den; hier wäre zunächst subtile paläOgraphische
Vorarbeit vonnöten (Stammen z.B . Subskriptionen
und Text überall von derselben Hand?).
-
412 -
Gregoropulos,
Manuell: Berol.Phill.1508
?; Vratisl.
Hagd.l069; Harv.17 (ff.47-54); Esc.L .III.2;
Laur.
85,27 (2.Hd. ab f.27); Ricc.14; Lips.24 (ff.79
_
Ende); Mut.a.P .5 .8 (118)?; Par.1861 ?; Marc.604
(ff.1 -122) ?
Gremisus,
Vitantonius
?: Oxon.Can.l07; Ver.1560
Harmonios Athenaios: Laur.87,27
Hermonymos (Par.Maz.7): Par.1974 (teilw.)
Hermonymos, Charitonymos2: Vind.Phil.86
Hermonymos, Georgios: Darmst.2773 (Marg.); New York
P.L.59; Oxon.Auct.F .4 .5 (Misc.l04) (pp.160-208,
353-370)
Hieronymos (Pal.78) ?: Ambr.R 119 sup.; Mut. ~ . Q.4 .13
(235) (ff.254-258V,
267-272); Vat.1396 (ff.l0l
sqq.); Pal.134
Honorios, Johannes: Neap.III D 7 (291) (Restaur.);
111 D 31 (315) (Restaur.); III E 1 (323) (Restaur.),
Vat.261 (Restaur.) ?
Hypsilas, Petros: Oxon.C .c .c.112; C.C .C .113
Johannes (Bruxell.11281)3: Laur.58,2 (ff.2 -45, 104
bis 144V); Matr.4549 (Nl0); 4612 (N80) (ff.61
bis 69); Vat.2173
JOhannu, Markos: Laur.60,10; Vat.2215 (Restaur. )
Kabakes, Demetrios Rhau14: Voss.Q .51; Mut. ~. T .8 .12
(144) (ff.114, 119-122 etc.); Perus.G . 715; Vat.
1378; Ott.151; 188
Vgl.oben 5.411, Anm.4 .
2 Zwei Faksimiles seiner Hand bei A.Diller, Three
Greek Scribes working for Bessarion: Trivizias,
Callistus, Hermonymus, in: Italia Medioevale e
Umanistica 10, 1967, pl.XXVII und XXVIII.
3 Ein Specimen dieses Kopisten bei M.Wittek, Album
de paleographie grecque, Gand 1967, pl.40.
4 Eine interessante, wenn auch knappe Schriftprobe
bei M.Bert~la, I due primi registri di prestito
della Biblioteca Apostolica Vaticana. Codici Vati-
cani latini 3964, 3966, Citt~ deI Vaticano 1942,
f.25 (Vat.lat.3964).
5 Die Handschrift ist dem Kabakes zugewiesen auch
von A.Dreizehnter, Aristoteles' POlitik, Eingel.,
krit.hrsg •..•
, München 1970, S.XXXI .
_
413 -
I(alekas, Manuell: Par.1860 (ff.171-236V); 2032 (Korr.)
Kallierges, Zacharias: Laur.87,22; par.1847; Taur.B
117 (85); Vat.1294 (ff.249 sqq.)
Kallistos, Andronikos2: cant.li,5.44 (1879) (ff.85a
bis 85d, Marg.)?; Erl.89 (1227); Laur.60,16 (H.
92-97); Ambr.I 56 sup.; D 78 info (Restaur.);
Mut. ~ .T .9 .1 (38); ~ . U.9 .3 (54) (f,119v, Marg.,
Kustoden); a.T.8 .3 (100) (Marg.); ~ . P.5 .20 (109)
(Korr.ff.1,16); Mon.332 (Marg.); par.1852 (Marg.):;
2069; 2086 (Restaur.)?; Supp1.541 (ff.155 sqq·,
Marg.); Vat.249; 257; 2201 (Marg.); Ross.l025
Kamariotes, Matthaios3: Athous,Ib.209; Berol.Phill.
1507 (ff.350-353V); Laur.86,19 (teilw.); Mosqu.
240 (453); Par.1921 (Marg.); Taur.B VII 23 (345);
Vind.Phil.213 (ff.1 -16V, 69v-80v,
107-128V); 214
Karnabaka, Petros4: Vat.1302 (ff.203 Sqq.); Ott.45
(ff.20-21, 54-76V); 76 (ff.27-66)
Karneades, Petros: Mon.48 (ff.1 Sqq·); 102 (ff.200
bis 260V)
Kyathos, Laurentios: Barb.139 (ff.1 -155V)
Ky ... kos, Theodoros: Sinait.1677
Kykandyles, Demetrios5, Lond.Burn.1DO; Perus.F 5';
Tub.Mb 15 (1.Hd.)
Matthaios Sebastos: Vind.Phil.127
Jüngere: urb.45
Lampudes,
Lapus Castellunculus der
1Zu°h
~
m vgl.oben 5.117-126, dazU unten Tafel 8.
2 Specimina seiner Hand sind öfters publiziert, z.B .
A.Diller (vgl.oben S.412, Anm.2), pl.XXV, XXVI,
oder T.Gasparrini Leporace _ E .Mioni (vgl.oben S.
. 0 9, Anm.l), tav.3 (die dortige Legende ist ent-
sprechend zu ändern).
3Zu°h
~
m vgl.oben 5.247-249 dazU unten TafelS.
4
'
Ei~e Schriftprobe (nicht identifiziert) bei,G.Bal-
la,ra, La storia del testO del n,pt t.· ,.p . on-
μ~o.""
oxnμ.t .' del retore Tiberio, in' Bolle-
t:no del Comitato per la preparazione della edi-
z~one
°
°
1°°N5
naz~onale dei classici grec~ e at~n ~,
.'
5 11, 1963, S.33 -90, tav.V11 (oxon.Auct.F .I .6).
~ in Specimen bei J.Bick (vgl.oben 5 ••
06,
Anm.')'
afel XXXIV.
-
414 -
Laskaris, Janos: Par.l038 (Harg.)?; 2080 (Harg.)
Laskaris,
Konstantinos1:
Hatr.4684 (N54) (Karg.);
Ambr.C 6 sup.; H 41 sup. (ff.32V-34V);
Oxon.Laud.
5 (ff.1 -36, 110-161V); Par.2028 (ff.1 -70V)
Lygizos, Hichae12: Laur.Acqu.65; Acqu.68; Hatr.4571
(N35) (ff.1-80V); Ambr.H 41 sup. (ff.1 -32v, 36
bis 87V, 122-157v, 166-198, 202-209); Par.2031;
Casan.1386 (f.l04); Utin.VI,2; Vat.259
Kalaxos, Hanue13:Ott.302; Vind.Hed.27
Halaxos, Nikolaos ?: Par.Suppl.1090; Vat.1735
Hamunas, Harkos4: Angel.47 (f.VIIV)
HanuelS, Schüler des Konstantin Laskaris: Ricc.13;
Havn.1628-40; Hatr.4557 (N19); 4563 (N26) (ff.3
bis 133); 4687 (N58) (ff.86v, 87, 94-120); Ambr.
A 174 sup. (ff.3 -8v, 17-99, 103-157v, 183-208v,
219-338); Neap.III D 30 (314) (ff.1 -149V); Oxon.
Laud.45 (ff.36v-ll0); Ang.78
Mauromates, Johannes6: Esc.~ . I .l0 (ff.128-143); Par.
2021; Ott.45 (ff.15-19, 140-237); 172 (ff.153-157)
Melanchroinos, Nikolaos: Esc.E .I .12 (ff.68 -70V)
Hesobotes, Konstantinos7: Par.1891 (ff. bis 172);
Ott.153 (ff.83 -95V)
Zu ihm vgl.oben S.28S-290, dazu unten Tafel 3.
2 Ein Specimen seiner Hand z.B . bei M.Wittek (vgl.
oben S.412, Anm.3), pl.36 .
3 Ein Faksimile seiner Hand bei P.Canart, Les manu-
scrits copies par Emmanuel Provataris (1546-1570).
Essai d'etude codicOlogique, in: Melanges E.Tisse-
rant VI, Vatikan 1964, S.173-287, dort pl.15 .
4 Vgl. M .Vogel-V .Gardthausen (vgl.oben S.405, Anm.2),
S.290.
S Zu ihm vgl.oben S.272/273, dazu unten Tafel 4.
_
Die beiden ersteren Matritenses zuerst identifi-
ziert von J.M .Fern§ndez Pomar, La colecci6n de
Uceda y los manuscritos griegos de Constantino
Lascaris, in: Emerita 34, 1966, S.211 -288, dort
S.240.
6 Zu ihm vgl.oben S.194 sq., dazu unten Tafel 15.
7 Ein Specimen dieses Schreibers bei M.Wittek, pl. 52 .
_
415 -
Moros, Manuel: Ott.153 (ff.166-172V)
Moschos, Demetrios: Harv.17 (ff.2-38); Esc.E .III .19
(ff.1 -65V); ~ . I V .1; Ambr.A 62 sup.; oxon.Auct.T .
3.21 (Misc.238) (ff.1 -50); Taur.C 111 5 (316);
Marc.604 (ff.133-178V); Vind.Phil.27
Moschos, Georgios: Esc.Y .III .7 (ff.5-10)
Nikodemos (Monachos) (Laur.59,11): Lips.Rep.I 44C,
Oxon.Can.121
Nukios, Andronikos1: Mon.200 (ff.174-237V)
Okko, Adolf: Mon.323; Tub.Mb 15 (2.Hd.)
Paez de Castro, Juan2: NeW Haven, Yalens.Zisk.5
(7488) (Marg.); Ott.147; 153 (ff.75-82)
Paulos (Paolo Bombasio?) ?: Harv.17 (ff.55 -173);
Par.1887 (ff. bis 80v, 194-204V); 1893 (ff.135
bis 196); 1911; 1916; 1919 (ff.165 Sqq.)
Petros Kretikos: oxon.Barocc.216 (ff.200-208)
PlusiadenoS, Johannes' Esc.Y .III.7 (ff.53V_163V);
Par.2992
poliziano, Angelo: Par.1387 (f.213V)?
Pontano, Giovanni Gioviano3: Vind.Phil.75 (Marg.);
231 (Marg.); dazu die von victor-Wiesner unter
"Anonymus Vindobonensis" zusammengestellten
Vind.Phil.66 (Marg.); 134 (Marg.); 152 (ff.89
bis 102v und Marg.); Neap.III.D.30 (314) (ff.
150-151v und Marg.)
Rhentios, Theodoros: Mon.456
Rhosos, Johannes"
Laur.72,12 (f.7rv) 7; Lond.aarl.
6295 7; Mut .••
U.9•3
(5') (ff.113-119. 121 -132);
Neap.III B 9 (233) (teil•. ); 000 •• N .C .227 ~; 5'-
nait.1720; Vat.258 (f.156 und Marg.); 2370;
5
Marc.IV,3
M.Sicher1 (vgl.oben 5.408,
1EO
~ ne Schriftprobe bei
Anm.l), Tafel IV.S .79-85, 204-208, dazU unten Ta-
3 Zu ihm vgl.oben S.279-282, dazU unten Tafel 23.
4 Zu ihm vgl.oben 5.183-187, 271-274, dazU unten
Tafel 4.
5DO
~e Hand des Vat.2370 und deS Marc. als die des
Rhosos identifiziert auch von A.Dreizehnter (vgl.
oben 5.412, Anm.5), 5.XXXIII und XXXVI.
2 Zu ihm vgl.oben
fel 16.
-
416 -
Rhusotas,
Emmanuell:
Esc.Y .III.7 (ff.12 -53); Laur.
81,9; Voss.F .63; Neap.III E 4 (326)
Rufus, Christophorus: Brix.C 11 20 ?; Ferr.II 348
Sagundinos, Nikolaos: Cant.Dd.4 .16 (191)
Scholarios, Georgios2: Laur.72,12 (Marg.)?; Matr.
4684 (N54) (ff.3,5v; Marg.); Par.1417 (ff.1 -7v,
8v,
186V-188V; Schol.); 1941 (f.146rV); Vat.998?;
1339 (Marg. f.192).
Serbopulos, Johannes: Par.Suppl.333 (ff.1-75V, 223
bis 244)
Sguropulos, Demetrios3: Laur.28,45; Marc.604 (ff.220
bis 303) ?
Skutariotes, Johannes: Laur.81,5(ff.1-69V);89,sup.77;
Acqu.4 (ff.l0V-126V); C.S . AF 2739 (25); C.S . AF
2902 (23); Ricc.46 (ff.1 -5V); Matr.4809; Mon.332;
Neap.III D 33 (317); Par.1850 (ff.60V-70V, 77-91);
2832; TOlet.94-12; Barb.147 (ff. bis 43V); Urb.34;
Vind.SuPP1.35
Sozomeno da Pistoia: Laur.81,17; Lond.Harl.6874
Strategos, Kaisar: Esc.E .III.19 (ff.66 -237) ?; Laur.
72,24; 85,27 (ff.85-134V)
Strozzi, Palla4: Laur.81,18 (ff.1 -2V); Acqu.4 (ff.l
bis 10)5; Par.1851 (ff,23-75V); 1852 (Marg.);
1860 (ff.1-170V, 237-243V); 2032 (Marg.)
SUliardos, Michael: Esc.n .IV .22 (ff.133-138V);
Hei-
delb.132 (ff.150 sqq.); Meteoron Metam.91; Mon.
287; Oxon.Auct.F .4 .5 (Misc.l04) (Pp.76-137); Vat.
1326; Ott.192; Vind.Phil.172
Zu Vergleichen ist auch die Hand des Frankiskos
Vitalios (Specimen bei J.Bick (vgl.oben S.406,
Anm.2), Tafel LI).
2 Eine Schriftprobe z.B . bei P.franchi deI Cavalieri
-
J.Lietzmann (vgl.oben S.411, Anm.2), Tafel 59. -
Vgl. auch Anonymus 18.
3 Vgl.oben S.410, Anm.l . Eine SChriftprobe bei T.
Gasparrini Leporace - E .Mioni (vgl.oben S.409,
Anm.l), tav.28III.
4 Zum Problem der Identifizierung vgl.oben S.116,
~ n m .2 . Zu Palla Strozzi vgl.oben S.116-118.
5 So auch A.Dreizehnter (vgl.oben 5.412, Anm.5),
S.XXIV.
-
417 -
Theodoros (Sinait.2124): Urb.l08, Marc.206 (ff.282
bis 291); Marc.220 (ff.440-540V)
Toscanelli, Paolo dal pozzo1: Laur.85,22 ?
Tribizias, Georgios: Par.1919 (ff.51 -123V); 2042
(ff.192-198V); Pal.255; Marc.219 (ff.4 -319v, 340
bis 354); 222 (ff.1-21V)
Triboles, Demetrios: Marc.207 (ff.1-229V); 213 (ff.
6v-276); 215 (ff.1 -3SV); 219 (ff.319V-339V); 221
(ff.94-96v, 100-116v etc.)
Tzangaropulos, Georgios2: Urb.39 (ff.1 -97); 44
Valla, Georgius: Mut. ~ . T .9.1 (38) (f.1V); ~ . U .9 .3
(54) (Marg.); ~ . T .9 .21 (76) (Marg.); ~ .P .5 .20
(109) (Marg.); ~ . V .7 .14 (149) (Marg.); Vat.1314
(f.2V)
Zacharides, (Emmanue1?)3: Mut. ~ . V .7.14 (149); Oxon.
N.C .234 7; Par.Coisl.324 (ff.22 -67)
Zanetti, Bartolome04: Berol.Ham.512 (ff.233-234);
Ambr.D 124 inf.; G 115 inf.; I 224 info (ff.136
bis 167); oxon.Auct.T .3.20 a,b (Misc•237)
?; Par.
1867; Vat.1902 (ff.37 sqq.); Ott.76 (ff.1 -25);
Marc.XI .l1 (ff.1-8, 33-41)
Anonymi
1. Librarius FlorentinusS: Laur.60,14 (ff.1 -8 ~;
72,11 (ff.1-70v, 81-288); 81,5 (ff.69v-77V); 85,3;
C.S . AF 2604 (192) (ff.1rv, 146rv); Havn.Fabr.60
_ 40 (ff.50-139V); Matr.4578 (N41) (ff.54-63V);
Ambr.C 4 sup.; Mut. ~ . W .2 .8 (75) (ff.186-200);
Neap.III E 2 (324); Par.1851 (ff.1 -21); Vat.1890
(ab f.254); Barb.22; 215 1; Ott.153 (ff.260-274V)
1 Vgl.oben 5.224, Anm.1 .
2 Zu ihm vgl.oben S.266/267,
3 E 0~ne Schriftprobe bei M.Wittek
Anm , 3), pL; 47.
4 Zu ihm vgl.oben 5.291 sqq., dazU unten Tafel
5 Zu ihm vgl.oben 5.222 sqq., dazU unten Tafel 7.
dazU unten Tafel 17.
(vgl.oben S.412,
20.
-
418 -
2. Anonymus KBl: Berol.Phill.1507
(ff.292 -309);
Laur.71,33 (f.187 Marg.); Mon.490 (ff.319-333V);
502; Marc.215 (ff.36-185)2;
Vind.Phil.213
(ff.33
bis 69v,
81-107)
3. Alexandria 87; Mosqu.6 (450); 8 (451); 239 (449)
4. a) Athen.l067; Constant.39;
Par.1974 (teilw.),
Barb.85; Marc.205 (teilw.);
b) (Barb.85) Vind.Phil.213
(ff.17 -28V)
5. Bern.402; Par.2043
6. Bonon.3637 (ff.83-134); Lond.Harl.5697
(ff.1-56V,
65-134V);
Matr.4553 (N15) (ff.1-17)
7. Cant.Add.1732
(ff.140-141);
Ang.47; Vind.Phil.157
8. Crem.160; Ese.E .I .12 (ff.60-67V); Constant.19;
Vat.266 (Vorsatz)
9. Dresd.DA 4 (Marg.); Laur.81,8 (f.VIv; Marg.);
87,26 (Marg.); Matr.4684 (N54) (Marg.); Mut.a .V .
8.13 (189) (Marg.); Par.1850 (ff.70V-76V;
Marg.);
1865 (ff.1 -20V;
Marg.)
10. Esc.E.II.7; Ambr.A 80 sup.; Par.1603; Parm.6;
Vat.l002 (ff. bis 135), Vat.1305 (ff.21-207)
11. Laur.7,35 (teilw.); 59,17; Ambr.E 118 s up , (Re-
staur.); Par.1874 (Restaur.); Vat.l021 (ff.ll
sqq. )
12. Laur.56,18; 60,19, 81,10; 87,19 (ff.1-150);
87723 (fast alles); Par.2042 (ff.62v-68, 181v
bis 183v,
231 sqq.); Marc.215 (ff.185-208V)
13. Laur.71,12; 72,8
14. Laur.72,12 (ff.145-150 und Marg.); Magl.X 1159
15. Laur.81,153; Par.Suppl.212 (ff.1 -7V); Vat.1580
16. Laur.81,16; Mut. ~ . T.8 .3 (100) (ff.64-76)?; Par.
1856
1 Zu ihm vgl.oben 5.248-250,310, dazu unten Tafel 6.
2 H.D .Saffrey, in: Studi e Testi 233 (1964). 5 .290,
hält die Hand zu Unrecht für die des Demetrios
Sguropulos (vgl. auch oben S.249, Anm.l).
3 Speeimina bei D.Harlfinger, Die Überlieferungsge-
schichte der Eudemischen Ethik, in: Untersuchun-
gen zur Eud.Ethik, hrsg. von P.Moraux und D.Harl-
finger. Berlin 1971, S.1 -50, dort Tafeln IIIa und
IIIb.
_
419 -
17. Laur.81,21; Rav.210 (pp.l01-207); Urb.43; ~6
181 Laur.86 .19 (teilW.); Mut.a .T•9.13
(50) (ff.l0
sqq.); Par.1941 (ff. bis 145V); Suppl.652 (teilW.)
19. Laur.87,17 (ff.1-245v,
257-336v,
3~2 -358); voss.
Q.42i Ambr.E 6 sup. (ff.226V-234V); oxon.BarocC.
87 (ff.95-351)i Auct.T .4 .23 (Misc.261) (ff.1 -12 ~);
Auct.T .4 .24 (Misc.262); Par.2281
20. Magl.XXI,109 (3); XXI.ll0 (46)
21. Ricc.81 (ab f.19); Marc.IV,45
22. Leid.Periz.F .6 (ff. bis 10V), Mon.490 (ff.l, 4
bis 157v ete.); ~95 (ff.23rv• 38-39 etc.)
23. Leid.Periz.F .6 (ab f.l1); par.963; 1739
2~.
Leid.Misc.16 (ff.2-10v, 18-26); Oxon.N.C .233
25. Lond.Harl.5635 (ff.38-42v etc.); Vind.Phil.64
(ff.219 sqq.)
26. Lond.Harl.5635 (ff.43-51, 52-62); Marc.212 (ff.
338v-342v,
412v,
413v-424, 498_ ~9 9V)2?; Vind.
Phil.64 (ff.453-499V)
27. Lond.Roy.16 C XXV (ff.2 -61V,67); Ott.372
28. Lond.Add.6790; Ambr.C 46 sup.; Chis.32 (ff.1-27,
29-30v, 31-94V)
29. Matr.4553 (N15)
bis 406V)3
30~ Ambr.B 96 sup.;
(f.67); Marc.212 (ff.1 -262, 346
B 105 sup.; par.1863 (ff.58-60V)
Neap.III E 19 (3~1) (ff.1rv,
10
(ff.27-112, 115-118V); Marc.
182V-209V, 210V);
31. Ambr,M 52 sup•;
bis 11v etc.)
Mut.a .T.8 .12 (144)
220 (teilw.)
Mut.a .V .6.2 (195) (ff.1-181V,
a.V .6 .5 (198) (ff.2-57V)
32.
33.
in Verbindung zu bringen.
vgl.oben 5.175 sqq., dazU
1 MO~t Georgios Scholarios
2 Zu dieser Hand im Mare.
unten Tafel 18.
3 Eine Schriftprobe auS diesem Kodex bei T.Gaspar-
rini Leporace _ E .Mioni (vgl.oben S. ~ 0 9, Anm.l),
tav.29.
4 Vgl.oben 5.410, Anm.1•
-
420 -
34. Mut.a.V.6 .5 (198) (ff.l04-115);
Ott.76 (ff.219
sqq.)
35. Mut. ~. V .6 .12 (210) (ff.178-267v
etc.); Neap.III
C 8 (266); Par.1941 (ff.147 sqq.); Salm.M 54
(ff.16-41V)
36. Mon.90; Neap.Gerol.MCF
3.16 (XVI.XVI) (ff.314
bis 515V); Casan.1386 (f.l03V)?
37. Mon.490 (ff.172-193); 495 (ff.24-37v
etc.)
38. Neap.III 0 29 (313) (ff.1-20); 111 D 35 (319)
(ff.1 -73)
39. Neap.III E 5 (327); Sen.H IX 9 ?
40. Neap.Gerol.MCF
2.11 (XXII.I) (ff. bis 410V);
Vat.260 (Vorsatz); Marc.205 (teilw.)?; 206 (ff.
178-282)
41. Neap.~ erol.MCF
3.16 (XVI.XVI) (ff.1 -313V)?;
Par.
1892
42. New Haven, Yalens.Zisk.7
(6764);
43. Oxon.Barocc.152;
Par.1864
44. Par.1417 (ff.8V,
9-71V, 73-186), Casan.1325 ?
45. Par.2114; 2120
46. Vat.1481; Ott.153 (ff.43-74)
47. Vat.1733 (teilw., z.B . f .72V); 2141 (teilw.,
z.B . ff .308v/9)
48. Vat.1770 (ff. bis 111); 1908 (ab f.45)
49. Vat.1878 (ab f.327); 1890 (ff. bis 253V)
SO. Vat.1902; Ott.200 (ff.4 -6V)
51. Vat.2170bis; 2201 (ff.51 -149V)
52. Vat.2271; Ott.172 (ff.236-249)
Laur.C .S. AF
2755 (47)
Tafel 1
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Deutsche staatsbibliothek Berlin: a2rol~
Phi11. 1507, f. 223
2a29-b34 und St);.i.r .
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481a1-5
15.Jh.Mitte
Tafel 2
Florenz,
Biblioteca
Medicea Laurenziana:
Laur.87,21 (Za), f.54v
9b14-0a6
13./14.Jh. (Palimpsest)
Tafel 3
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A 174 sup.,
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Phys• 267b14-26 und
Bal-lB
um 1470
Kopisten: Manuel,
Schüler d.Konstantin Laskaris (oben);
Johannes Rhosos (unten)
Tafel 5
Tafel 6
München,
Bayerische Staatsbibliothek:
Mon.S02, f.l09v
8aS-9a4
lS.Jh .Mitte
Kopist: Anonymus
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Tafel 8
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Paris, Bibliotheque Nationale: Par.1860
(1), f.233v
8a1-b14
zwischen 1401
und 1403
Kopist: Manuel Kalekas
Tafel 9
Tafel 11
Tafel 10
Biblioteca
Apostolica
Vaticana:
Vat.253
(L), f.244
Ob4-31
14.Jh .l .Hälfte
Tafel 13
Tafel 12
Biblioteca
Apostolica
Vaticana:
Vat.266
(V), f.8
Col.799b2-20
und
8al-l0
14.Jh .l .Viertel
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Apostolica Vaticana:
vat.~O ~
um 1430
Kopist: De,l'Ietri~r
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Biblioteca
f.30
8a1-24
Tafel 15
Tafel 14
Biblioteca
(P), f.280
Joasaph
Apostolica Vaticana:
Ob28-1a29
14.Jh.
Vat.1339
Kopist
Tafel
Biblioteca Apostolica
f.81v
2a30-b17
um
Paez de Castro
Vaticana:
Ott.153,
1545
Kopist: Juan
,
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Tafel 17
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BiblioteCa Apostolica
(Wa), f.65v
8a1-b20
GeorgioS Tzangaropulos
Vaticana:
um 1464
Tafel 18
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Venedig, Biblioteca
(Ga), f.499
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Marciana:
Ob22-2a21
Marc.212
um 1440
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Tafel 21
Tafel 20
Venedig, Biblioteea
Mareiana:
Mare.Xl.ll,
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8b16-9al0
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Kopist:
Bartolomeo
Zanetti
Tafel 23
Tafel 22
Wien, Ös.terreiChische
Nationalbibliothek:
Vind.Phil.206,
f.45
8b17-9a14
15.Jh.
3.Viertel
Kopist: Demetrios
Chalkondyles
Wien, österreichische Nationalbibliothek:
Vind.Phil.231, f.189v
lal0-21
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Kopist: Emmanuel ,0",60n"0< (?)
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Adnotator: Giovanni Gioviano pontt"'o
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Briquet, C.M .: Les filigranes. Dictionnaire histo-
rique des marques de papier d~s leur apparition
vers 1282 jusqu'en 1600, Leipzig 21923. The New
Briquet, Jubilee Edition ... , Supplementary Ma-
terial, Amsterdam 1968.
Canart, P.: Les manuscrits copies par Emmanuel Pro-
vataris (1546-1570). Essai d'etude codicologique,
in: Melanges Tisserant, vol.VI, Citt! del Vati-
cano 1964, S.173-287 (= Studi e Testi 236).
Cosenza, H.C.: Biographical and Bibliographical Dic-
tionary of the Italian Humanists and of the World
of Classical Scholarship in Italy 1300-1800,
6 Bde., Boston 21962, 1967.
Dain, A.: Les manuscrits, Paris 11949, 21964.
Devreesse. R .: Introduction ! l'etude des manuscrits
grecs, Paris 1954.
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Buchwesen im Altertum und im byzantinischen Hit-
_
423 -
,ei.~,er. Leip,i' '19".
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zant~n~schen Mittelalter, Leipzig 21913.
G"~ akopi.o s , O. J ., Greek Scho iars in s e« i,e. Studie'
,n ,~e Oi"e.ina'ion of Gre.k Learnin• fron ., -
,.n"um '0 v."ern Europe. c.mbrid•e
'Ha"') 19'2.
Ge,ohioh'e der Te.tüberiieferUng der .n,iken und
. ~" .i'i,eriiohen Li,era,ur •• d.l' An'ik.' und
m~,'eiai,eriiohes 'uch- und SOhrif,.·, ·n . Ober-
l~eferungsgeschichte der antiken Literatur. von
H.Hun.er• o.s,e.müiier ••• Erb,e. H.l .hof. < .• ,ch-
ner, H. _G.Beck, H.Rüdiger, zürich 1961.
Grau•• Ch.' E,s.i ,ur ie' ori.ine, du fond' .reo de
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Reiches (527-1453), München 21897.
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Hero.,i. G.'
. o,i,ie di proooro e Oe.e,riO Cidone•
Manueie Caieca e Teodoro •• ii,.nio'"
. d ai,ri
appun'i per i' .,or" deiia ,.oio"·
• d.iia i.'-
,.r.,ura b".n,in. d.i ,.ooio xlV. Ci'" d.i V.-
ticano 1931 (= Studi e Testi 56)0
.0 g.n."
J.' Au" i,Cu'
ö e Pi,.oo·
Mi' ,oire dU ,oxte
.. ,. Louvain 1950.
omon'. M.' F.c_,'mii" d ••• nu,cri"
.r.o' deo xV·
., xVI•• i'cl."
r.,rodui"
. n PhO'Oii'ho.r,phi.
d'.pr" ie' originaux d. la 'ib1i'h,que Na,io-
nale, PariS 1887.
pu quali. G .' "oria d. tla tradiS,ooe • ori<i c a d.i
testo, firenze 219520
,.yno1'" L.O .- Vil.on ••• G.' Soribe' and Scholar•.
A Guide '0 ,he Tran.m,•• ion of Greek an' La,in
Literature, Oxford 1968.
-
424 -
Sabbadini, R.: Le scoperte dei codici latini e greci
ne' secoli XIV e XV, Firenze 1905.
Sicherl, M.: Die Handschriften,
Ausgaben und Über-
setzungen von Iamblichos De mysteriis. Eine kri-
tisch-historische Studie, Berlin 1957 (= Texte u.
Unters.z .Gesch.d.altchristl.Lit.62).
Turyn, A.: Codices Graeci Vaticani saeculis XIIlet
XIV scripti annorumque notis instructi, Citt~ del
Vaticano 1964 (= Codices e Vaticanis selecti quam
simillime expressi ."
vol.28).
Vogel, M.
-
Gardthausen, V.: Die griechischen Schrei-
ber des Mittelalters und der Renaissance,
Leipzig
1909 (Zentralblatt für Bibliothekswesen,
Beiheft
33)
INDICES
1. Index Aristotelicus
An.: De anima
Anal. Post. = Analytica posteriora
Anal. Pr.
: Analytica priora
cael. = De caelo
Cat. = categoriae
Col.=
De coloribus
Div.somn .=
De divinatione per somnium
EE = Ethica Eudemia
EN = Ethica Nicomachea
Gener. An. =
De genel'atione animalium
Gener.corr. =
ne generatione et
""o,'ion.
. ""An,~
.i"ori •• nim.'ium
Inn,An,~ D. in-
cesSU animalium
Insomn.=
De insomniis
Int.=
De interpre-
~"i,n. Juv,' De iov.n'u'•• ' ,.n.n,u,e Lin,' De ,in.i,
lnsecabilibus
Long.=
De longitudine
et brevitate vitae
Mech.=
Mechanica
Mem. =
De memoria et reminiscentia
M~,.,h,' •• ,.,hy,'n.
. e'.'~ •• ,eoro,ogin' Mir,~ .ir••
i-
llum auscultationes
MM = Magna moralia
Mot.An. =
De motu
,~'m"iom
.u,~ De mundo
. xG ~ De •• 1i,'0 Xeno,haneGor-
gla
Oec.=
Oeconomica
part.An.=
De partibUs animalium
Phgn," Phy,iognomom'n. Phy'" phy,in. Plan"~ D . ,l.n'"
Poet.=
Poetica
pol. =
Politica
probl.=
problemata
Re-
"i,,~ D. re,pir.'ione
Rhe"~ Rhe,orin. Rh."Al,· Rh.'o-
"~no .d Alex.ndrum
s.n"" D. , .n'u ., , .n,i.ili.o,
Sign,
",D. ,igni, somo,Vig,'D. ,omno .' vigili'
SE ~ Sophi,ri-
".'enchi
spir,~ De ,p'ri'o ToP'" Top,na Ven"~ D .
v.n'o,um,i'u ., nomini•o'
v'r"~ De v,r,ori.o, e' v"i,e
a) Stellen
Phys.209a33: 329; 226b22:
329; 231b2: 327
A~.4 11b 5 sqq.: 98,1
Mlr.832b20/21: 210,4;
846a32: 208; 847b9/10:
210,4
Lin. nur textkritiSCh oder
sonst relevante Stellen;
vgl.darüber hinaus die Va-
riantenlisten der Stammvä-
ter: 104-108, 127-131,
140-141
8a3/4: 323f.; 8a3-5: 321.
323f.; 8a5: 323f.; 8a7:
179; 8a8: 399;
8al0 Sqq·:
9,2; 8al1: 367.369;
8a14: 322; Ba18: 322;
8a24: 398; 8b5: 398;
8bl1: 122.342.343; 8b13
/14: 326; Bb14: 400;
Bb19: 344.344,2; 8b21:
179,1.343;
Bb26: 144f.399;
9a4: 322; 9a5: 398; 9a8:
344,3;
9a15: 398.399;
9a19: 398; 9a23: 398;
9a24: 326.399;
9a25/6:
39B; 9a27: 343; 9a28:
384,1; 9a29: 39B; 9a32:
326.399;
9bl1: 39B;
9bl1/2: 39B; 9b15: 400;
9b18: 400; 9b19: 145.342;
9b22: 400; 9b27: 322;
9b32: 138; Oa3: 399;
Oa4: 399; Oa5: 399;
oa7: 326; oal0: 399;
oa12: 13B.343.371;
oa23:
342; oa24: 322.343;
oa25: 342; Oa32: 400;
Ob3/4: 122; Obl1: 322;
Ob12: 343; Ob15: 322;
Ob19: 399; Ob25: 322;
Ob26: 326; Ob27: 322;
la6: 322; lal0: 327;
lal0-12: 335; la12: 322;
1a14: 327; la26: 327;
la27: 400; la28: 327;
lb4-12: 327-330; lb12/3:
330; lb13: 399; lb20:
343; 1b21: 399; lb24:
330; 1b27: 330; lb31:
330; 2al/2: 144; 2a8:
398; 2a8/9: 112,2.398;
2a15: 330f.; 2a17: 331;
2a20: 331; 2a22: 326.331.
400; 2a22/3: 331; 2a23:
331; 2a26: 342; 2a28:
400; 2a30: 342; 2b8/9:
343; 2bl1: 344; 2b14:
343; 2b21-25: 307f.;
2b23: 399; 2b25: 343;
2b29: 343
Philoponos,Johannes
In Phys.p.465,5 sqq.: 97.
99
In Gener.Corr.p.34,3: 96;
p.164,10 sqq.: 97
Psellos,Hichael
In Phys.I3,187a3 sqq.: 98;
III6,206a9 sqq.: 99
Simplikios
In Phys.p .492,3 sqq.: 97
In Cael.p .566,25-26: 96
Sophonias
In An.p.1 -3: 347,2; p.79,
36-82,35: 347,4
Themistios
In Cael.p .148,39-149,2: 96
b) Überlieferung/Handschriften
a) fo!y~s_A ~i~t~t~llc~m
allgemein: 12.13 .38
Ausgabe d.Andronikos: 36
mittelalt.Gesamtausgaben:
55-58.262
in d.Renaissance: 63ff.
Schicksal: 36
Standorte: 40
süditalienische Hss.: 60-62.
148f.
syrische Provenienz: 47
Textgestalt: 37
vetustissimi: 48ff.
im Westen: 60ff.
Zahl: 40
einzelne Schriften:
Organon: 49.50.52f.56.59,1.
67.117.147.289
Cat.: 37.48.147.246,4
Int.: 37.47.147
Anal.Pr.: 246,4
SE: 40.118.150
Physikal.Schriften: 48.50f .
55f.
Phys.: 39,1.51 .56.59,1.63 .65.
115.125f .188.236-239 .246,4
Cael.: 30.39,l.51 .115.125f.
165.168.174 .188.237-239.
246,4
Gener.Corr.:
29.30 .39,1.51.
126.174.188
Hete.: 29.30.39,1.51.126 .135.
174.180.189 .236-239.246,4
Hu.: 30.62f.147.188.i91.276f.
282-284.288
-
426 -
-
lat.Übers.: 155.277,1
An.: 55.65.125f.163f.175f .
189.190 .217.219 .230-234.
237ff.246,5.288 .395,l
Parva naturalia: 29.55f.110 .
125f.135,5.146.151 .164.
188.189 .190f .273,2.288.
341f.354
Div.Somn.: 65
Long.: 51.241
Juv.: 241
Spir.: 51,2.188.246,5.276 .
284f.341
Biolog.-z oolog.Schriften:
49
Tierschriften: 51.55.83
Hist.An.: 30.48.51,2.54.65.
174.175f.189 .241.259-261 .
288
Part.An.: 30.51,2.65.147 .189.
190.241 .246,5.259-261
Hot.An.: 174,3.187 .191
Inc.An.: 30.51,2.174,3.187.
189.190 .240,2.241.246,6
Gener.An.: 51,2.174,3.187 .
191.246,5
Col.: 12.29.46,l.62f .77 .110.
125f.135,5.164.187 .191.
256.260f.273,2.288.316.
341f.347,4.354f.
Phgn.:27f. 49. 51,3.54. 62f .188.
191.246,6.276 .282-284
Plant.: 29.188.237ff.
Mir.: 12.62f .65 .74.83.95.188 .
191.196f .205f .207-211.276.
282-284.388
Mech.: 12.30 .54 .65 .74,1.77 .
83.164.188 .191.205f .228,l.
260f.268 .276.282 -284.288 .
341.350.354f.357,l
kastil.Übers.:
83,2
Probl.: 27,l.50 .59,1.62f .83 .
190.285
Vent.: 27f.49.51,3.54 .188.
191.246,6.282 -284
Sign.: 27f.49.51,3.62f.188 .
191.282-284
MXG: 95.188.191 .276.279 .284f .
Hetaph.: 29.39,l.48 .49 .55f.
59,1.65.66.188.246,5
Ethische Schriften: 83
EN: 30.49 .51 .55f.65.67.72.
174.187.191 .246,4
HH: 49.51 .55f.62f .65 .72 .189.
190
EE: 27.54 .62 .65 .72 .74,1.290.
391,1
Virt.: 47.49.147 .246,5.407,3.
-
transl.d.Grosseteste:
154
-
427 -
Pol.: 54.55f.65.67.72.147,2.
224,2
54.55f.62.65.67.72.
oec.:
224,2
Rhet.: 49.51,3.59,1.63.65.72.
74.147.189.229,2.290.311
Rhet.Al.: 27.54 .65 .72 .189.
318
Poet.: 51,3.53f.72.190 .226.
318.407,3
ß) !o~m~n.!.a~0.Ee!l_
_
allgemein: 66.71 .76
Alexander von Aphrodisias
In Parva naturalia: 223,1
Ammonios: 147
Aspasios
In EN: 156
Damaskios
In Cael.: 194.197
Eustratios
In EN: 156
Kalekas ,Manuel
In Phys.: 118.125,2
Mete.-Scholien: 197.200
Michael von Ephesos
In Parva naturalia: 223,1
In Hist.An.: 99
In EN: 156
Olympiodor
In Mete.: 200
Pachymeres,Georgios
s.Index 3a
Photios
In Cat.: 147
Simplikios
In Phys.: 118,2
In Cael.: 273
Themistios
In An.: 219.225
c) Sonstiges
Akademie,Aristotelische
von
Trient, s.Index 4
Aldina: 73f.75,l.81.B2.1B4.
204.205f.209.210,3.346.3BO
Aristoteles
Beliebtheit in byz.Zeit:
41f .52f .
__
bestimmter Schriften
(_gruppen): 52f.60,1.117f .
Kommentatoren: 37.42-46.99
s.auch Index 3a: Pachyme-
reS und Index lbß
nichtkommentierte Schrif-
ten: 54f.
_
nicht ins Lateinische über-
setzte Schriften: 55
Übersetzer: 60
s.auch Index 3a:(Albertus
Hagnus) Grosseteste,Rota
Übersetzungen
_
mittelalterl.verschie-
densprachig: 37f.
Renaissance - : 73
Vorlesung in Renaissance:
66
Aristoteles-Archiv: 5.6.100 .
356,3.405,1.407,~
'Aristoteles Graecus': 5.6 .
29,1.30,1.33 .57,3.99,3.101.
110,5.125,3.147,1.165,4.
166,2.174,4.175,1.193,2.
224,1.239,1.245,2.250,3.
251.252,2.266,1.295,2.
310,1.379 .407,2
'Aristoteles Latinus': 362.
363,1
Aristotelismus: 42.46
'commentaria in Aristotelem
Graeca': 43,1.45,1.356,3
Didotiana: BB,2.374f.
Erasmiana: 73.3BOf.
Lin.
_
Autorschaft: 96f.
_
Bedeutung: 9
inhaltl.Gliederung in Ga:
lBl
_
Textzustand: 10.401f .
ptolemaios,schriftenVerzeich-
nis: 97
-
428 -
2. Index codicum
Lin.-
deperditi
Archetypus w: 320ff.339 -344 .
393f.401
: 333-336 .339 .
.: 320ff.
Vorlage von i (a): 112-116 .
333f.337
ß: 127-131 .263 .319ff.393.396
y: 130-131 .140 -141 .145f .319ff.
341.351 .393 .395f .399f.
6: 141-146 .156f .397
c: 141-146 .260 .263 .324,1.341 .
351f.395 .397 .399
griech.Vorlage d.Grosseteste:
153-157 .341 .350
Vorlage von za: 149-151 .156f .
n: 144.157 -165 .302.352_357.
397.399
~: 144.157f .247 .259 .311 _315 .
397
~
Berol.Ham.41: 43,5.409; Ham.
512: 345,4.357-360 .417
und Tafeln 25.26
Berol.Phillippici: 291;
Phill.1417: 291,2; 1426:
293; 1443: 293; 1507:
23.101 .247 -250 .255 _258 .
261,l.314f .394 .408 .413 .
418 und Tafel 1; 1508:
412; 1513: 293; 1518:
293,4; 1552: 293; 1554:
291,2; 1582: 175,1.266 .
411; 1599: 411; 1610:
291,2; 1630: 291,2;
1639: 291,2
Bern
Bern.402: 210.418
t: 262-266.268.311-315 .318,1.
376
Bologna
p: 299-309 .311 -316 .318,1.364.
376-378
Bonon.3635: 109; 3637: 418
Vorlage von Vind.Phil.206
und Qa: 214-217 .302
Vorlage von ua und Ott.153:
192.207 .208 .302
Vorlage von Ambr.A 174 sup.
nd Vind.Phil.231: 271.
282-285 .378f .
Vorlage von Na: 311-317
Druckvorlage des Henricus
Stephanus: 387f.
Alexandria
Alex.23: 345,2; 87: 56.418
~,Nationalbibliothek
Athen.1067: 418; Palimpsest
55: 147f.
Athos
Atnous Batop.778: 74,3; Ib.
209: 249.413
Basel
Basil.F .I .8b: 199; f.II.1a:
200,2; O.III .6: 74
Brescia
Brix.A IV 3: 60,1.167,3;
CII20:416
Breslau
Vratisl.Magd.1069: 412
Brüssel
Bruxell.11270 -75: 409.410;
11281: 412; 114944: 60,1
Bukarest
Buc.59: 74,3
Cambridge
Cant.Dd.4 .16 (191): 416;
ff.5 .8 (1298): 229,2.410;
IL5.44: 60,1.62 .413;
Add.1732: 133.418
Cambridge (Ma~~ . )
Harv.17: 409.412 .415 (2mal)
_
429 -
Cremona
Crem.160: 418
Damaskus
Int. _ Palimpsest: 47.147
Darmstadt
Darmst.2773: 412
Dresden
Dresd.DA 4: 418
~
Dubl.C .l .l0: 167,3
Erlangen
Erl.89 (1227): 413
Escorial
Esc.E.I .12: 414.418; E.I .13:
248; E.II .7: 418;
E.III.2: 412; E.III.19:
415.416; T.ll.1: 198,1;
T.II .21: 408; t.l.S: 196;
t.l.10: 196.198,1.408 .414
t.I .1S: 198,1; y.I .l0:
198,1; y.III .7: 411.415
(2mal).416; y.III.l0: 408.
411; y.I.l0: 198,1;
y.I.12: 198,1; y.I.14:
196.198,1;
X.I.4: 198,1;
~ .I .6: 196.198,1; ~ . I.9:
196.198,1;
f.I .l0: 196.
198,1; f.II .2: 196;
~ . I V.l: 415; 0.1 .11: 198,
1; 0.IV .22: 416
Esc.EditiO 25.111 .11: 198,1;
68.V•12:
83.204 .207 -209;
69.V1•2:
198,1
~
ferr.11 .348: 74,3.416
~
Laur.5,10:
149,1; 7,35: 418;
10,21: 409; 28,45: 411.
416; 31,14: 410; 31,37:
409; 55,9: 273; 56,18:
418; 58,2: 60,1.412;
58,20: 410; 59,11: 415;
59,17: 418; 60,10: 412;
60,14: 222.226.410 .417;
60,16: 409.413; 60,18:
65.290 ~10;69,19 :210f418;
60,21: 411; 69,15: 248;
71,3: 410; 71,11: 60,1;
71,12: 418; 71,19: 409;
71,31: 409; 71,33: 418;
71,35: 60,1: 72,1: 410;
72,2: 409; 72,3: 60,1.
147f.410; 72,8: 418;
72,10: 410; 72,11: 410.
417; 72,12: 410.415 .416 •
418; 72,14: 60,l.147f .;
72,15: 410; 72,16: 60,1;
72,17: 410; 72,18: 411;
72,19: 60,1.410; 72,22:
60,1; 72,24: 416; 72,26:
410; 81,4: 411; 81,S:
410.416.417; 81,7: 410;
81,8: 418; 81,9: 416;
81,10: 418; 81,11: 49;
81,15: 27.65 .411 .418;
81,16: 408.418; 81,17:
416; 81,18: 416; 81,20:
65.290 .408 .411 (2mal);
81,21: 419; 85,3: 223.
410.417;
85,21: 410;
85,22: 224,1.410 .417;
85,27: 410.411.412 .416;
86,3: 210.410; 86,19:
249.413 .419; 87,10: 410;
87,11: 411; 87,12: 410;
87,14: 410; 87,16: 410;
87,17: 410.419; 87,18:
410; 87,19: 410.418;
87,20: 51,1.410; 87,21
(Za): 10,3.23.25,3.60,1.
89.91 .95 .100 .101 .146 -152 .
153.156 .341 .350 .394ff .400
und Tafel 2; 87,22: 234.
413; 87,23: 418; 87,26:
418; 87,27: 412; 89, sup.
77: 416
Acqu.4: 416 (2mal); 65:
414; 68: 414;
C.S .Af 2604 (192): 223.
417; 2739 (25): 416;
2755 (47): 410.420; 2902
(23): 416
Maglo II X 59 (10): 147.418;
XXI.l09 (3): 419; XXI.l10
(46): 419
Ricc.l0: 410; 13: 273,3.410 .
414; 14: 412; 16: 74,3;
46: 53.416; 81: 419
Harb.I,l,40,2: 74
Heidelberg
Heidelb.132: 416
Istanbul
Constant.19: 418; 39: 418
Hieros.S.Sep.150: 56
openhagen
Bavn.1628 -40: 414;
Fabr.60-40: 210f.410.417;
88-80: 194,3
Leiden
Leid.Periz.F 6: 167,3.419
(2mal)
Voss.F 63: 416; Q 25:
Q 42: 419; Q 51: 412;
Hise.16: 419
Sea1.26: 43,5
Leipzig
Stadtbibliothek
Lips.Rep.I 44 e: 415;
I68a:408
Universitätsbibliothek
Lips.24: 75.408 .412
Lesbos
Lesb.Leim.58: 60,1
London
Lond.Burn.64: 74,3; 100: 413
Harl.5635: 188,2.409.410 .
419 (2mal); 5697: 409.418 .
6295: 411.415; 6301: 411;
6874: 416;
Roy.16 CXXV: 419
Add.6790: 419; 14080: 411
Lond.Lamb.Pal.1204: 210
Madrid
Matr.4549 (Nl0): 412; 4553
(H15): 409.418 .419; 4557
-
430 -
(N19): 414; 4563 (N26):
101.262.269 .273,1.285-288 .
315.414 und Tafel 3;
4571 (N35): 414; 4578
(N41): 224,2.417; 4627
(N65): 290; 4630 (N109):
273,1.288; 4636 (N115):
288,3: 4676 (N9): 272,1.
273,1; 4684 (N54): 289f.
414.416 .418; 4687 (N58):
290.414; 4612 (N80): 412;
4689 (N56): 273,1; 4692
(N62): 273,1; 4715 (037):
293,2.294,2; 4809: 416
Mailand
---
210;
Ambr.A 62 sup.: 415; A 80
sup,. : 418; A 110 sup.:
60,1; A 160 sup.: 408;
A168sup,.:409;A174
sup.: 25,1.101 .209 .262 .
269-274 .282.285 .378f .410.
414 und Tafel 4; B 95 sup.:
109; B 96 sup.: 410.419;
B105sup,:419; C4sup.:
210f.417; C 6 sup.: 414;
C46sup.:419; C97sup,:
60,1; D 47 sup.: 60,1;
D48sup.:60,l;
E6sup.:
419; E 26 sup.: 60,1;
E 40 sup.: 72.410; E 118
sup.: 418; G 86 sup.: 410;
I 56 sup.: 413; L 76 sup.:
27; L 93 sup.: 37.49;
L 117 sup.: 410; M 41
sup.: 408.414 (2mal);
M 52 sup.: 419; 0 52 sup.:
226; P 34 sup.: 75;
R 119 sup.: 412; C 233-
234 inf: 43,S; D 78 inf.:
413; D 124 inf.: 101.291.
294-300.378 .417; D 4742
inf.: 43,5.294,2; G 115
int.: 417; I 224 inf.:
409.417
Meteoron,Metam.91: 416
Modena
Mut.a .P .5.8 (118): 412; a.P .
5.20 (109): 413.417; a.Q .
4.13 (235): 411.412; a.T .
8.3 (100): 411.413 .418;
3.T .8.5 (135): 411;
_
431 -
n.T .8.12 (144): 412.419;
n.T .9 .1 (38): 413.417;
n.T .9 .13 (50): 419;
n.T.9 .21 (76): 102.346.
417; a.U.9.3 (54): 411.
413.415.417;
a.V•6•2
(195): 419; a.V .6.5 (19B):
408.419.420; a.V .6 •12
(210): 408.420; a.V.7 •5
(176): 40B; a.V•7.14
(149): 417 (2mal); a.V .B .
13 (189): 411.418; a.W .2.
8 (75): 417
Mosquenses
_
Datierung: 251,1
Provenienz: 57
Mosqu.6 (450): 56.41B;
7 (448): 56,2; 8 (451):
56.41B; 239 (449): 56.
418; 240 (453): 101.
162,3.247-250 .255-257 .
261,1.394.413 und Tafel 5;
394 (231): 47.49
München
Mon.48: 413; 81: 296f.298;
90: 420; 102: 296,1.413;
151: 223; 176: 60,1;
200: 411.415; 287: 416;
289: 147.408; 321: 275;
323: 415; 330: 410; 332:
413.416;
456: 415; 490:
249.418 .419.420; 493:
411; 495: 419.420;
502:
30.101 .247_250 .255f .418
und Tafel 6; 545: 109;
604: 345,2
Neapel
Neap.ll E 1 (136): 411;
111 B 9 (233): 415;
111 C 8 (266): 420;
III D 4 (288): 410;
111 D 5 (289): 410;
III D 6 (290): 410;
111 D 7 (291): 412;
111 D 29 (313): 420;
111 D 30 (314): 414.415;
111 D 31 (315): 412;
111 D 33 (317): 416;
111 D 35 (319): 409.420;
111 E 1 (323): 109.412.
111 E 2 (324): 410.417 ~
111 E 4 (326): 416;
111 E 5 (327): 409.420;
111 E 19 (341): 410.419
Gerol.MCr 2.11 (XXII.I): 420;
HCr 3.16 (XVI.XVI): 408.
420 (2mal)
Coll.Ewart Harston 1: 409
Yalens.Zisk.4 (Phill.7717):
60,1; 5 (748B): 77.83•
205.415;
7 (6764): 420;
8 (6445): 60,1
NeW Yo~
P.L .59: 412
~
oxon.Baroee.70: 411; 87:
419; 117: 411; 145: 409;
152: 420; 216: 415
can.107: 412; 121: 415
Laud.45:
414 (2mal)
gr.elass.c 13: 411
Auet.r .I .6: 199,1.413;
F.4.5 (Mise.104):
409.412;
416; F.4 .6 (Hise.l05):
74,3; T.3 .21 (Mise•238):
408.415;
T.3.20a,b (Mise.
237): 417; T.4.23 (Mise.
261): 419; T.4.24 (Mise.
262): 419
Bodl.40036 (BYW.4): 167,3.
409
oxon.C.C .C .108: 49.51,2.154,2;
112: 412; 113: 412
oxon.M .C•15:
60,1
oxon.N .C.226: 410; 227: 415;
233: 409.419; 234: 417
par.963: 419; 1038: 414;
1186: 168; 1387: 415;
1417: 416.420; 1603: 418;
1739: 419; 1741: 27.49 •
51,3.53 .54 .283; 1776:109;
1818: 408 (2mal); 1847:
413; 1848: 408; 1850:
416.418;
1851: 29.92 .101.
117f.213 _215.217 -228.230 -
234.302 .410.416 .417 und
Tafel 7; 1852: 410.413 •
416; 1853: 39,1.49.51 .
170; 1856: 41B; 1858:408;
Parm.6: 418
Patmos,Patm.413: 60,1.167,3
-
432 -
Perugia
Perus.F 54: 413
G 71: 412; I 108: 411
Ravenna
Rav.210: 189,5.190.419;
381: 74,3
Angel.42: 99; 47: 414.418;
78: 414
Casan.1325: 420; 1386: 414.
420
Vallie.75: 409
Salamanca
Salm.2747: 60,1;
420
M 54: 409.
Sen.H IX 9: 420
Sinait.1677: 413; 1720:
2124: 176,1.409.417
Toledo
415;
Tolet.94-12: 416
Tübingen
Tub.Mb 15: 413.415
Taur.B I
B VII
(56):
415
17 (85): 413;
23: 249.413;
410; C!II 5
CI9
(316):
Vatikan
Vat.72: 408; 92: 133; 238:
60,1; 241: 99; 249: 413;
252: 408; 253 (L): 89-92.
94.101.133.159-166 .273,2.
353-35S.357.394f.400 und
_
433 -
415 (2mal).417.420 und Ta-
fel16;
172: 77.84,1.316.
408.410.414.420; 178:
60,1; 188: 412; 192:
416; 200: 420; 302: 414;
335: 60,1; 372: 419;
446: 201
pal.78: 412; 102:
115: 275; 134:
411;
160: 410;
209: 411; 255:
260: 133; 370:
197
Reg.123: 74; 124: 74; 125:
74; 181: 168
Ross.1025:
413
urbinates: 245f•
Urb.32: 116,2; 34: 416; 35:
43,3.49;
36: 238,2; 37:
110.115.238,2; 38 (Qa):
25.29f .l02.213-215.217.
234.285-302; 39: 240-242•
261,1.410.417; 40: 85.
242,1.408;
41: 85; 42:
236,3; 43: 236,3.419; 44
(Wa): 25,3.89_91.94f.l02.
262.266_268.394ff .400.417
und Tafel 17; 45: 413;
46: 419; 48: 85; 108:
95.210.417; 117: 408.267
Tafel 10; 254: 109; 256
(T): 232,3.234,2; 257:
413; 258 (N): 25,3.89-91 •
94.101.127 -139.166.180.
181,1.189.264f .273,2.
322,1.394ff.400.415und
Tafel 11; 259: 408.414;
260: 188,5.189.190.420;
261: 174.252.255.412;
262: 176; 263: 409; 265:
411; 266 (V): 101.127-
139.394 .396 .418 und Tafel
12; 316: 60,l.147f.;
486: 118; 506: 261,1;
614: 118,2; 704: 110;
905: 30.101.175,1.261,1.
262.265.266-271.284.285-
288.394 .411 und Tafel 13;
998: 416; 1002: 418;
1019: 60,1; 1021: 418;
1027: 174,1; 1091: 117.
220; 1092: 117; 1111:
110; 1134: 60,1; 1294:
413; 1298: 54.147,2;
1302: 210.408.413; 1305:
418; 1314: 417; 1326:
410.416; 1339 (p): 89-91 •
94.101.162,3.247.251-261.
394ff.416 und Tafel 14;
1342: 60,1.62.189; 1365:
110; 1378: 412; 1386:
411; 1388: 411; 1396:
412; 1481: 420; 1580:
65.418; 1689: 65; 1733:
420; 1735: 414; 1770:
420; 1777: 408; 1855:
147; 1890: 417.420;
1896: 74,3; 1902: 417.
420; 1904: 411;
1908:
409.420;
1950: 133;
2141: 420; 2170bis: 420;
2173: 412; 2183: 410.411;
2201: 413.420;
2215: 412;
2271: 420; 2370: 415;
23811: 189.1I10
Barb.22: 1I17; 75: 60,1; 811:
435.
85: 1I18; 87: 1I9;
139:'1I13; 1117: 1I16; 208:
1I08;
215: 1I17
Chis.32:
'119
Ott.L15 (Ua): 25.29.83.89.102
191_202.208.209.296.298.
382_384.387.3911.1I08(2mal).
1I13.4111
und Tafel 15; 76:
1I13.1I17.1I20; 1117: 83.205.
207_209.1I15; 151: 412;
153: 25.83 .102.191-193.
203_207.382f.410.411.414.
1860 (1): 92.101.104.116-
126.363.1I13.416und Ta-
fel 8; 1861: 29.75.1I12;
1862: 409; 1863: 419;
1864: 420; 1865: 418;
1867: 417; 1874: 418;
1887: 415; 1888: 408;
1891: 414; 1892: 420;
1893: 415; 1908: 116;
1909: 116; 1910: 273.408;
1911: 415; 1916: 415;
Rom
1919: 116.408.410.415.417; ---
1921: 51,l.55f.249.261,l.
408.413; 1930: 358-360
und Tafel 24; 1941: 416.
419.420; 1971: 408;
1973: 60,1; 1974: 412.
418; 2003: 109; 2019:
60,1; 2021: 414; 2023:
72.224,3; 2024: 411;
2028: 414; 2029: 60,1;
2030: 411; 2031: 414;
2032 (i): 92.101.104-116.
117,2.118-121.123,1.124-
126.138,2.303ff.313.316.
319ff.363f.394.396.400f .
413.416 und Tafel 9;
2035: 29; 2036: 27,1.49.
190; 2038: 72.318,1.409;
2041: 409; 2042: 100,3.
417.418; 2043: 418;
2056: 411; 2069: 413;
2080: 414; 2086: 413;
2105: 110; 2114: 420;
2115: 77; 2117: 74,3;
2120: 420; 2281: 419;
2342: 55,1.57,2; 2372:
410; 2381: 188,3; 2652:
408; 2783: 224,3; 2832:
416; 2889: 197; 2900:
08; 2938: 408.409;
2992: 415
Coisl.161: 55.57; 166:
55; 324: 417
Suppl.212: 418; 333: 410
416; 488: 74,3; 4151:
411 .413; €.43: 60,1; 652 :
248.419; 767: 409; 1090: Udine
414; 1156: 4&.49.51,2.54.
---
55; 1185: 109; 1285:
Utin.VI,2: 408.413
409; 1362: 40
Maz.7 (4456): 412
224,3;
412; 148:
162: 210;
410.417;
409; 421:
~
Mare.156: 117.220; 1811: 184;
200 (Q): 15.50,1.53,1.71 .
89f.93.102.135.170.176.
183_193.208.209.216.302f.
311.382f.395; 201: 38.1I9.
82.1811,2;
202: 1811,2.lI09;
203: 99.1811,2; 201l: 60,1.
1811,2;
205: 188.1I18.420;
206: 72.417.420; 207: 72.
417; 208: 174.189; 209:
188,5.231,1.234; 211:
174,1; 212 (Ga): 15.30 •
71.82.93.102.161.173-183.
188f.191 .213-216.234.301-
303.409.419 (2mal) und Ta-
fel 18; - oder Deszendenz:
306-308;
213: 72.417;
214 (Ha): 15.82.89f.92f.
94.100.102.159-173 .178.
188.208.234.288.301.350 .
353_355.356,2.357.394f.
400 und Tafel 19; 215
(Na): 72.93.102.189.209.
249.302.309 -311.417.418
(2mal); 216: 71.188.191.
209.283-285.409; 219:417
(2mal); 220: 417.419;
221: 417; 222: 408.417;
244: 408,1; 258: 194;
261: 176,1; 263: 188,2.
194; 265: 60,1.147f.;
304: 182; 305: 182; 508:
409; 529: 175,2.183;
604: 408.412.415.416;
1V.3: 415; IV.6: 66,1.
408; IV.8: 408.410;
1V.9: 408; 1V.12: 408;
IV.13: 66,1 .408; IV.14:
66,1 .408; IV.15: 66,1.
408; IV.16: 66,1.408;
IV.17: 66,1 .408; IV.18:
66,1 .408; IV.19: 66,1.
408; IV.20: 66,1.408;
IV.45: 419; IV.51: 411;
IV.53: 167,3.409; IV.58:
63.65.188.209f .283;
XI.ll: 93.102.291.294 -300.
309,1.378 .410.417 und Ta-
fel 20
~
ver.1560: 412
~ ien
Vind.Hist.16: 253
Hed.27: 414
Phil.2: 60,1; 4: 60,1;
11: 102.291 .294-300.378.
410 und Tafel 21; 27:
415; 29: 60,1; 41: 60,1;
64: 409.419 (2mal); 66:
60,1 .415; 75: 65.415;
86: 412; 100: 39,1 .48.49 .
-
434 -
52.55.165.168f.;
110:
85,3; 127: 413; 134:
415; 152: 415; 155:
85,3; 157: 418; 172:
416; 189: 85,3; 206: 25.
35.102.213-215.217 -218.
224-234.243.302.410 und
Tafel 22; 213: 248.413.
418 (2mal); 214: 248.413;
215: 85,3; 217: 85,3;
230: 31; 231: 25,1.28.
102.209.262.269-271.274 -
283.284f .363.415 und Ta-
fel23;
300: 60,1; 311:
60,1
Theol.230: 85,3
Suppl. 35: 416
Wolfenbüttel
Guelf.Gud.24: 65
nicht-griechische Hss.
Berol.Ham.471 (lat.): 280
Esc.f .II.6: 84; f.III .15:
83,2; f.l11.27: 83,2;
k.III.15: 83,2
Ambr.lat.E 71 sup.: 121.153f.
278.361.363.365.369f.
Mon.lat.8003: 363
Bodl.198: 154,2
Par.lat.16088: 363
Vat.lat.2083: 363.370
Pal.lat.1902: 197
Urb.lat.1761: 235
Marc.lat.234: 363; VI.33:
363; V1.49: 363
Vind.lat.3101: 230; 3413:
280
3. Index nominum
a) ant~ke Autoren,Byzantiner
ü~anisten,Kopisten etc.
Acciaioli,Zenobio: 408.410,2
Agallianos,Theodoros: 408
Akropolites,Georgios: 356
Albertus Hagnus: 92.102.368 -
371.373
Albini, Valeriano: 193,2.408
Alexander von Aphrodisias:
9,2
Alexander von Tralleis: 378
Alexandru,Georgios: 408
Alphonsos Athenaios: 408
Alusianos: 45
Ammonios: 48
Andreas: 267,2.408
Andronikos 11.:
132
Andronikos von Rhodos: 36.97
Anonymus KB: 248-250.310.315f.
418
Antonios: 408
Antonios Athenaios: 408
Apostolides,Aristobulos: 408
Apostolios,Michael: 29.67 .
235.240-245 .267.408
Arat, - Überlief.: 42
Archimedes, - Hss.: 182
_
435 -
Emmanuel auS Konstantinopel:
411
Emmanuel ~vo~6μnhO~ (7):
274f.285
'
Eparchos,Antonios: 411
tphraim: 49
Eudoros: 37,2
Euklid,
-
Hss.: 182
tustratios: 43
tutokios, - Hss.: 57,2
federicuS veteranus: 236
federigo da MontefeltrO, Her-
zog v.Urbino: 67.235 .241 ,1 .
24Sf.
feliciano,Bernardo: 411
ferdinand IIJ 169
filelfo,francesco: 64f.290.
411
fUgger,Johann Jakob: 297
fUgger,UldaricuS: 197
Gabras,Johannes,
s. Helite-
niotes
Gabras,Hichael: 134
Galateo,Antonio: 150,2
Gazes,Theodoros: 203.1.411
-
OberlieL/Hss.:
273
Georgios (syr.Obers.): 38
Gerardos aus Patras: 411
Gesner,Conrad: 200
Gregor von Nazianz: 147
Gregoras,Nikephoros: 57.132.
134.261
Gregorios Aneponymos: 43
Gregoropulos,Georgios: 411
Gregoropulos,Hanuel: 411,4.
412
Gremisus,Vitantonius: 412
Grosseteste,Robert (Lin.-
translatio, auch redigier-
te Fassung): 60.92.102.
121ff.142 .146.153 -157.
276-278 .303.324,l.340f .
361-367 .368-370 .372f .394
Guarino Veronese: 64f.
Guazzelli,Demetrio: 287,4
Guidi,Guilelmino: 291,3
Harmonios Athenaios: 410,2.
412
Henricus Stephanus {Editio
princeps von Lin}: 102.
138,2.197.346 .380-389
Hermippos: 96
Hermonymos: 412
Hermonymos,Charitonymos:
250.412
Hermonymos,Georgios: 407,3.
412
Hesiod, - Überlief.: 42
Hieronyrnos: 1112
HOlobolos,Hanuel: 114
Homer, llias, - Hss.: 1116L
281,4
Honorato,Juan: 83,1.84,2.205
Honorios,Johannes: 412
Hunain ibn lshaq: 47
Hypsilas,Petros: 412
Hyrtakenos,Theodoros: 132.
133,1
Isidcr von Kiev: 66
Jaccbus Venetus: 60
Jakob (syr.Obers.): 38
Joasaph: 253f.259f.
Johannes: 412
Johannes Damaskenos,
-
Hss.:
41.391,1
-
436 -
Johannes Italos: 43
-
Oberlief./Hss.:
147
Johannu,Harkos: 412
John of Basingstoke: 154f.
Josephos Kretikos: 85
Julius 11. {Papst}: 134,4
Kabakes,Demetrios Rhaul:
266,2.412
Kalekas,Hanuel: 65.117-126 .
138,2.220.303f.307 .312.
360,2.363f .413
Kallierges,Zacharias: 413
Kallistos,Andronikos: 65.72 .
413
Kamariotes,Hatthaios:
56.58 .
247-250.256f.310 .413
Karl V.{Kaiser}: 80.199
Karnabaka,Petros: 194,4.196.
200.208.413
Karneades,Petros: 296.413
Kleomedes,
-
Hss.: 170
Kyathos,Laurentios: 413
Kydones,Demetrios: 118,5.135.
220
Ky •. . kos,Theodoros: 413
Kykandyles,Demetrios: 413
Lampudes,Hatthaios Sebastos:
413
Lapus Castellunculus d Jünge-
re: 413
Laskaris,Janos: 72.151.224,3.
414
Laskaris,Konstantin: 31.60,1.
65.224,2.272-274.285-290.
315,1.414
autographe Grammatik: 31
Bibliothek: 289f.
Leon (Philosoph): 39.48
Librarius Florentinus: 203,1.
222-226.228 .232f .417
Ps.-Longinos,
ßEpt ü~ov ~,
-
Archetypus: 27,1
Lygizos,Hichael: 224,3.267,2.
414
Hacheir,Hathusalas: 85
Hagentinos,Leon: 44
Hagistros,Thomas: 42
Halaxos,Hanuel: 414
Halaxos,Nikolaos: 414
Haleas,Hichael: 293
al-Hamun, Kalif: 46
Hamunas,Harkos: 414
Hanuel, Schüler des Konstan-
tin Laskaris: 272f.287 .
288.414
_
437 -
ManutiuS,Aldus: 73.346;
s.
auch Aldina (Index 1C)
Kauromates,Johannes: 193,2.
194_196 .200.201f.296,1.414
Kaximos TyrioS (Edi t Lo de s
Henr.Steph.): 389
Kedici: 72.223.235
_
, Lorenzo de': 151
Kelanchroinos ,Nil<olaos: 414
Keliteniotes,JOh.Gabras: 133f.
KelitenioteS, Theodoros:
357,3
Kendo7.a, Kardinal v , Burgos:
293,2
Mendoza,Diego HurtadO de:
79_85.198 -200.207
Mesobotes,Konstantin: 203,1.
414
Metochites,Theodoros: 44
Michael Ephesios: 43.99f•
(Lin. _Komm.).100 (col. -
Komm. )
Moros,Manuel: 77.203,1.415
MoschopuloS ,Manuel: 42
Moschos,Demetrios: 415
Moschos,Georgios: 415
Murmuris,Nil<Olaos: 196
-
438 -
Serbopulos,Johannes: 416
Seripando,Antonio: 229
Seripando,Girolamo: 229
Sguropulos,Demetrios: 249,1.
410,1.418,2.416
Simplikios: 63.96f .
Sirleto,Guglielmo: 202
Sixtus IV. (Papst): 235
Skaranos,Demetrios: 135
Skutariotes,Johannes: 67f.416
Soliman 11.: 169
Sophianos,Michael: 296f.
Sophonias: 44.46,1.347 .348,1
Sozomeno da Pistoia: 416
Stephanos: 46
Stephanus, s. Henricus St.
Strabon 13,54, p.608: 36,1
Strategos,Kaisar: 410,2.416
Strazelius,Johannes: 74
Strozzi,Palla di Nofri: 66.
116-118.125,2.126 .221f .416
Stylianos: 47
Suliardos,Michael: 416
Sylburg,F.: 389
Tacitus,
-
Hss.: 281
Themistios: 46.96
Theodoros: 176,1.409,2.417
Theophrast: 96f.
,Characteres,
-
Hss.: 27f.
51,3
,Metaph. Fgt.,
-
Überlief.1
Hss.: 39,1.51
,Pflanzenschriften,
-
Über-
lief./Hss.: 133,1
,De causis plantarum: 223f.
,De sensibus,
-
Hss.: 51,1.
194.197.296ff .388
Ps.-Theophrast, Sign., s. In-
dex lba
Thomas v.Aquin: 81,3
Tibull, - Hss.: 281
Tomaeus,N.Leonicus (Editio):
380
Toscanelli,Paolo dal Pozzo:
223f.417
Tragiker,
-
Überlief.: 42
Traversari,Ambrogio: 66.169f.
171,1.177 .223
Tribizias,Georgios: 267,2.417
Triboles,Demetrios: 249f.310.
417
Triklinios,Demetrios: 42
Tzangaropulos,Georgios: 241.
266f.417
Tzetzes,Johannes: 30.44
Tzykandyles,Hanuel: 165f.
Val,G.du: 390
Valla,Georgios: 417
Valla,Lorenzo: 66.70
Vespasiano da Bisticci: 67
Victorinus Feltrensis: 235
Victorius,Petrus: 381
Vitali,Pietro,
s. Petrus Ca-
laber
Vitalios,Frankiskos: 416,1
Vittorino da Feltre: 66
Widmannstetter,Johann
Al-
brecht: 223,1
Wilhelm von Moerbeke: 60
Xenokrates,
-
Atomlinienthe-
orie:9
Xenophon, Kyrupädie,
-
Hss.:
281,4
Zacharias von Chalkedon,
n&P~ Xp6vov,
-
Hss.: 194
Zacharides (Emmanuel?): 417
Zanetti,Bartolomeo: 291-294.
297-300.309 .358,1.378 .417
Zanetti,Camillo,
s. Camillus
Venetus
Zanetti,Cristoforo: 292
Zurita,Ger6nimo: 79,1.81,3.
83,2.206
b) moderne Autoren
Aland,K.: 41,1
Andres,G.de: 6.196,1.196,2.
198.204,3.205,1
Antolrn,G.: 84,3.85,1
Apelt,O.: 10.86f .89,2.90 -92.
97,3.122.138.139,1.139,2.
152,2.279,2.306.321.324,1.
328-331.334 .342-344.348,1.
349f.374f.377,2.379 .384f .
386,1.394ff .398ff.
Astruc,Ch.: 6.247
Aubineau,M.: 41,2
Ballaira,G.:
413,4
Barbour,R.: 155,2
Bassi,D.: 271.274,1.294,2
Bekker,I.: 10.14.16.86.89f .
93ff.175,4.321.322,1.343.
350.377,2.384,1.384,3.
385.386 .387.390 .394ff.
Becker,O.: 97,3.308
Benakis,L.: 98,2
Bert~la,H.: 291,3.293,1.412,4
Guerrieri,G.:
229,3
Guti~rrez,C.: 204,3
Hankius,H.: 356,1
Harlfinger,D .:
27,2.28,1 .
40,1.51 ,3.6 ~,2 .74,3.77,1.
188,6.190,2 .190 ,3.205,2.
283,1.283,4 .290,1.391,1.
418,3
Hayduck,H.: 86.99,2.122.306-
308.320.327 -331 .334.342f.
347,2.347,4 .367 .374f.379.
397
Heath,Th.: 97,3
Heiberg,J.L.: 43,4.56,2 .57 ,2.
88,2.399,1
Heinze,R .: 9,2 .97,3
Henry,P.: 11,2 .34.249 ,2
Hett,W.S .: 88,2.97 ,3.328.331 .
350
Hirsch,W .: 87.92.95.97,3.
125,1.324,1 .327. 329f.
343,1.344,3 .368,3.371,1.
374.396.398 ,4
Hoeck,J.H.: 62,1.150,1
Hoogewerff,J .:
198,3
Horna,K.: 254
Hunger,H .: 6.26,2.28,3.31 .
169,2.218,1 .230,1.247,2.
254,1.254,2
Hunt,R.W .: 154,2
Immisch,O .: 43,S
Irigoin,J.: 34,1.48 .48 ,1.169.
244,1
Irmscher,J.: 47,2
Jaeger,W.: 51,1
Jannone,A.: 166f.395,l
Jenny,B.R.: 198,3.199,1.199,3 .
200,2.201.389,1.389,2
Joachim,H.H .: 87f.97,3.304 ,2.
308.322 ,1.328-331.334.344 ,
3.374.398,4 .400 ,4
JÖcher,Chr.G.:
371,2
Kley,W.: 62,3
Knös,B.: 151,1
Köhler,F .W.: 15,1.408,3
Kollar,A.r.: 280
Komines,A.: 267,1
Kotter,B .: 41,3.391,1
Kresten,O.:
28,3.31,1.77,2
Krumbacher,K.:
43,1 .44,1.
44,2.134,2 .250,1.345
Kuhnert,r.: 75,1
Labowsky,L .:
61,1.173,1.184
-
440 -
Lacombe,G .: 277,1.362
Lake,K.u.S.: 49.167,3
Lambeck,P.: 280
Lana,I.: 199,1
Laurent,V.: 357,3
Lehmann,O.: 137,1.137,3 .
137,4.162,4
Lehmann,P.: 275,1.297,2
Lietzmann,J.:
411,2.416,2
Littig,r .: 347,3.357,2
Lobel,E.: 19,3 .74,3.190,3 .
222.226 ,1. 318
Loenertz,R.J .:
62,1.118,1.
118,2.118,3 .135,1
Lo Parco,F .: 61,1.202,5 .
229,1
Lorimer,W.L.:
155.251.252,1
Louis,P.: 259,4.261,1
Lugano,P .: 292,2
Maas,P.: 15,1 .16.18.19.24.
251.320 ,1
Haier,I.: 275,1
Harenghi ,G .: 190,4
Hartin,M .A.: 195,1
Hartini,E.: 271.274 ,1.292,1.
294,2
McDiarmid,J .B.:
51,1.194,1.
197.296 .297 ,1.388
Hehus,L.: 169,3
Mele,E.: 78,1 .80,1.83,2.84,3.
85,1.198,3 .204 ,3
Hercati,G.: 110,2.117,3.118,
2.118,4 .134,1.165 .198 ,3.
220f.251.254
Heyier,K.A.de: 195,1 .195 ,2
405,2.407,2
Hinio-Paluello,L.:
38,1 .47,1.
155.362
Hioni,E.: 6.71 ,1.92f.95.
117,3.164,2.164,3 .164 ,4.
165.166f.172,2.173,2.
174,1.174,2.174,3 .175 ,2.
175,4.176.177,2.178,2 .180 .
187-189 .190,4.194 ,2.249,1 .
309,1.310f .316 ,l.395.
396,1.409,1.409,2 .413 ,2.
416,3.419,3
Mogenet,J.:
55,1.56 ,2.57,2 .
211
MOhler,L.: 172,1.182,1 .182,2
Moraux,P .: 5.11,1.37,1.37 ,2.
39,1.47 ,2.56,1 .96,1.96,2.
97.163 .165 .174,1.294,2.
395,1
Ho~in,V .A.:
34,1.109,1.131 ,1
Munari,f.: 280,2.281,2
_
441 -
Nessel, D. de: 280
Oehler,K .: 36,3 .43 ,1.47 ,1.48.
53,1.63 ,2.194,3
Omont,H.: 69,1.150,4.168,1 .
224.275
Pacl<,R.A.: 36,1
papadOpouloS-KerameUs
,A.:
59,1
Parangeli,A.U.D.:
149,3
Pasquali,G.:
15,1 .19.21.24.
39,1
patrineliS,Ch.G.:
195,2.
405,2.407,2
Pelster,f.:
361.368 ,1
percopo,E.:
279,5.280,3.281,1.
281,3.282,1
Peters,f.E.:
103,1
Philip,J.A.:
97,3
piccard,G.:
34,1.35,1.218 ,1
Pines,S .: 9,2
powell,J .E.:
241,2.243,3
powicl<e,M.: 155
praechter,K.:
99,4
Rabe,H.: 259,2
Rassow,H .: 91.95
Regenbogen,O.:
96,1.96,2.
402,2
Reich,W .: 148,1
Reinsch,D.: 28,1 .51 ,3.74,3 .
99,3 .188 ,6.190,3.283,1 .
283,4
ReynoldS,L .D.: 63,2
Richard,M.: 6.101
Rüdiger,H.: 63,2
Russell,J.C.: 155,2
sabbadini,R.: 63,2.65,1.
170,2.171 ,2 .221 ,2
saffrey,H.D .: 418,2
savva,Archimandrit: 247,1
~6epl<ina,M.V,: 6
Schanz,M.: 198,3.200 ,1.201
SChiada,Athanasios: 251,1
Schramm,M.: 87f.97,3.152,3 .
322,1.331,1.344.398 3
398,4.400,2
'
•
Schunl<e,I.: 266
~ e vl!enl<o,r.: 110 . 111 1
133,2
'
•
severyns,A .: 40,1 .411,3
Sicherl,M.: 11,2.14.15,1 .
19,3.23,1.31,1.34 .41,4.
42,1.78 ,2.137,2.172,2 .
173,1.198,3 .204 ,3.344 3 .
408,1 .415,1
'
Siwel<,P.: 93.135,5 .151 .164.
166,2 .188,5.189 .230 .231,1.
231,4 .233 ,2.234.251 .273 ,2.
288
Stornajolo,C.:
236.237 ,1 .238 .
240.241 ,1.245,1.246,3
Studemund,W.: 250.266,2.291 ,2
susemihl,f.: 166,6
swieten,G.van:
280
Taccone-GallUCci,D .:
202,5
Tatal<is,B.: 43,1
Tentori,P.: 198,3
Thomson,S .H.: 154.361.362,1
Timpanara cardini,M.: 10,1.
88.97,3.308.327 -331 .344,3.
350
Tralji6,S.M.: 109,1.131,1
Treu,K.: 47.253,1
Treu,M.: 133,1.134,2 .134 ,3
Tuilier,A.: 36, ~.38 ,3
Turyn,A.: 110.134,2.148,2 .
149.165,5.168,1
Ullman,B.L .: 280,2 .281 ,2
untersteiner,M .:
97,3
usener,H .: 96,1 .99 ,1
ussani,M.: 361
Victor,U.: 56,3.62,2.405,1.
405,2.415
Vogel,M .: 77.78,2.116 ,1.117,2.
195,2.229,3.241,2 .248 ,4.
249,3 .253 .275 .292,1.293,2.
293,3 .405,2.407 ,2.414,4
Voigt,G.: 221,2
Voll<,O.: 58,1.58 ,2.58,3
wartelle,A.: 40.41,2.43 ,1.
77,1 .102.345,2
Wells,R.: 41,5
Wendel,C.: 242,4
Westerinl<,L.G .: 43,3 .49,1
Westermann,A.:
209
Wiesner,J.: 40,1.77 ,1.405,1.
405,2 .415
Wilamowitz-Moellendorff,U.v .
:
166.344,1
Wilson,J.C.: 399,1
Wilson,N .G.: 41,5.63,2.150 ,1.
150,2.150,4 .188 ,1
winter ,U.: 6
Wittel<,M.: 31,1.235,1.241,2 .
242,4.243,3.275,1 .412 ,3.
414,2.414 ,7.417,3
young,D.C .C.:
224,3.250,2
Zanetti,A.H.: 166,3
-
442 -
Zeller,E.
97,3
4. Index rerum
Adnotatores (Korrektoren,Auf-
traggeber): 11.69 und pas-
sim
Akademie, Aristotelische
von
Trient: 78-85 .206f.209,2
Akademie (Platon): 9
Akzentfehler: 143.185 .203 .
276
Alexandria: 36
Ambrosiuskloster Hailand:
117.219f.
Antiochia: 36
apparatus criticus: 12.90f.
396f.
Archetypusfrage: 38f.
Assimilationen (meist Endun-
gen): 19.22 .142 ,3.143.299.
323.343.402
Athen: 36.149.155
Athos: 57f.
Auslassungen (Buchstaben,
Silben,Wörter): 22.24 .143.
178.185.203.212.213 .226 .
267.299.320.323.332 .342f.
365
(Homoioteleuton,Zeilen-
sprung): 19.21.116.152.
159.178.192f .212.217,3.
227,2 .260,1.269 ,4.287,1 .
320.323.346.347,1.402
Ausleihe von Hss.: 72.82.292f.
Autographa, byzantinische: 45
Autopsie von Hss.: 5.14
Beschädigung, mechanische
von Hss.: 111-116 .144f.320
Bindefehler: 19.22.24.25 und
passim
Binden (Neu-) (Zusammenlegen
von Hss.): 239.241.280
Bologna: 195
'bon copiste': 274
Buchbinder: 26.225
Buchpreis : 75,1
Buchstabenverwechslung: 97,1.
226
Büchermarkt: 71.78.81
Byzanz, s . Konstantinopel
Casole bei Otranto: 62.149f .
1S6f.
contaminati, Schicksal d. -
:
31H.
Damaskus: 47
Datierung von Hss.,
anhand d.Duktus: 11
-
anhand von Wasserzeichen:
11.33-35, s.auch Wasserz.
deperditi (allgemein): 13f.
391, s.auch Index 2
Dittographie: 116.231,1 .268
divinatio: 403
S.Domenico Haggiore in Nea-
pel: 280
Druckapographa: 73f.
Druckvorlage: 346.387f.
Editionsarbeit (Mittelalter
und Renaissance): 39.72.
81-84.318, s .auch Index
3a, s .v. Henr.Steph.
Einband (griech.): 266
Eingriffe, textkritische
späterer Hände: 109.119ff.
138f.160f.177 .178 -181.
196-199.205.216.276ff.
eliminatio lectionum singula-
rium: 399
iAA~vLaμ6~,
ÖC~TCPO~:
36.47
Emigration von Byzantinern
nach Italien: 65f.67.68
Epistolarien: 59
examinatio: 393.396.398,1
cuac~a: 138
Fehler, aussprachebedingte:
143.212.226.299,
s.auch
Itazismus
,
charakteristische für
Nicht-Griechen: 208f.
,
visuelle: 163
häufigkeit: 16
repertoire eines Schreibers:
69
typologie: 7.17
übernahme trotz Korrektur-
möglichkeit,
s. Revision,
-
Gründlichkeit
wahrscheinlichkeit:
16
fenestra (spatium): 112.138.
144f.320
Ferrara, s. Konzil
Filiation: 14f. und passim
Florenz: 40,3.65 .71 .150 .177 .
195.222f.254,
s.duch Konzil
Foliierung: 26,3
&e::.
-
_ l1a=..l. ~1:€XI:
a~sare:a: q7.49
'a!!!graphische Ausstattung:
'~:3.!87.191
. : ~ ~;lc(oU.a l.t TOO, 133
~ !Öster, byzantinische: 58
~odi~olOgle, s . Kulturgesch.
~inzidenz von Fehlern: 18-
25.142,3.315 .317 ,1.321,1.
32&.399,1
(.ollatlonsn: 14.19.83.93-95.
205
Kolumnen, zwei - in Hss.:
167. J
Kompendien (Abbreviaturen,
Ligaturen,Suspensionen)
und deren (falsche) Auf-
lösUng: 136f.145.15?
161_163.178.185.?14,1.
216.226.323,1 .326.367
Konjekturen (Korrekturen,
Emendationen,Diorthosis):
15.16.22.23,2.69.72.112 t",
114,1.119.123.125,l.138f.
143f.145 .158f.177.178-181 .
185.196f .204 .212.213.21~.
216.227.244.257.278f .2851.
302.304-308.317.324,l.32b.
327,3.331,2.334.353.364f .
r,
8
\ f\-
"u
r j_, ,:1
.
""ntn-
"
Madrid:
,ailand: 40,3.65 .118
Majuskelexemplare: 3S.39,l.
40.50
Marciana: 82
Marginalien / Interlinearien:
1C9.119.138f.160f .177ff.
197.232.276ff. und passim
Hessina: 272f.288.315
μETaxapaMTnp~aμ6~,
s. Trans-
literation
Mikrofilme und Photokopien:
6.14.15
Hinuskelexemplare (- überlie-
ferung): 39.40 .46 .50
Minuskelverlesungen: 138.228.
344,3
Mönchstum, byzantinisches: 58
Monokondylien: 132
Mutiiierung: 111-116
achahmung (Übernahme), me-
chanische - von paläogr.
Eigentümlichkeiten d.Vor-
lage: 178.185 .191.274
Neapel: 275.285
ebenüberlieferung: 14.81 .84
Nikolaos-Kloster
von Casole
bei Otranto: 62.149f.
Orthographica: 19.179.213.275
Otranto: 62.149 -151
Oxford: 40,3
Paläographie, griech.: 162
Palimpseste: 47.54.146 -149
-
, codex bis rescriptus: 146
-
und Stiditalien: 148
Papst-Biblithek: 63
Paris: 40,3.388f.
Peripatos: 9
Philologen, byzantinische: 42
Philosophenschulen: 36
Philosophie, arabische: 46
-
, byzantinische: 42.43,1
Platonische Schule, Atomli-
nientheorie: 9
Provenienz von Hss.: 12.13.26.
46f.und passim
Punktatomismus: 336f.
Rasuren: 179,1.252
Reinschrift: 318
Reklamanten: 26,4
Renaissance, photianische:
36.47ff.
Revision (DiorthoSis), Gründ-
lichkeit d.-
: 22,3.180 .
278.377
-
444 -
Rom: 36.40,3.71 .135.195 .249.
273.285.288.292f .315
Rückübersetzung: 121f.277
S.Salvator-Kloster Messina:
172
Sammlerreisen in d.Osten: 61.
64f.72.149f.151
Scriptorium (Schreibatelier,
Schreibschule): 49.62.149.
292ff.
, kretisches: 67.243,3.245.
267
Schrift, archaisierend: 254
Schriftenabfolge (-gruppie-
rungen) in Hss.: SO-52.
115.126 .184.354,
s.auch
Überlieferungsgemeinschaft
Sekundärfehler: 301.324,2.364
Sigelvertauschung: 94f.400,3
Skepsis, Keller von - : 36
Sonderfehler: 7.15 .16.18-25
und passim
Spanien, klass.griech.Studien:
80,2
Spezialhss. im 16.Jh.: 73ft.
Stemmata (außer Lin.): 209.
284.316
Stemmatik, Verbindung mit Ko-
dikologie und Kulturgesch.
s. Kulturgeschichte
Subskriptionen: 132.219f .224,
2.235.252.253.273.274 .287
Süditalien / Sizilien (Pro-
venienz): 60-62.148 -151.
155-157
Textglättung (sprachl.Norma-
lisierung): 158f.163f.326.
337.356
Textkorrumpierung, fort-
schreitende: 211f.,
s .auch
Sekundärfehler
Gründe für - : 401f.
Textverlust in Hss.: 26ff.282f .
Thessalonike: 149
Traktatausfall: 27
Transliteration: 39f.47.50
-
,
zweifache: 39,1.340
Transposition: 143.213.402
Trennfehler: passim
Trient: 206f.,
s.auch Akade-
mie und Konzil
Oberlieferungsgemeinschaft:
12.50-52.217 .219.230 .268.
282ff.341f.388,
s.auch
Schriften abfolge
Übersetzungsfehler: 153
umayyaden-Moschee (Damaskus):
47
Unterpunktierung, Tilgung
durch - : 231,1
Unzialhandschriften,
s.Ma-
j uske lexemplare
Unzialfehler: 39,1.340 .344
-
vorlage: 259
Urbino: 67.85.245f.
Bibliothek
von - : 235ff.
245f.
-
,
'indice vecchio':
235 ff.
_
Inventarium d.Federicus
Veteranus: 236ff.
UV-Licht: 253f.
Variante ypaμμn
-
aT~yμn:
152
Varianten, typische: 136f.
161f.323 .326
kodizes (Alternativlesar-
ten): 38.152,3
prüfung: 14.319ff .393
Vaticana: 72.292f.
-
445 -
Venedig: 71.81f .92.172.195f.
199f.207 .292f .378
Verlesungen d.paläogr.Form
d.Vorlage: 15.161,2.185-
187.228.232 .269f.
Verschlimmbesserungen: 144
Verwechslung von Nominativ
und Dativ Fem.Sing.: 22.
185.267 .326
Vorlagenauswahl: 190f.
Wasserzeichen als Bestimmungs-
und Datierungshilfe, sowie
einzelne - : 31-35.56.109 .
131.133.166 .175.177 .195f.
202.206,3.218.224,2.242f.
250.252.267.273.287.295f.
358f.
kartei G.piccard: 34
Wien: 40,3
ünaTo~ TWV
~ ~ Aoa6~wv:
42
Zeilenlänge: 114,1.116 .217
Zwischenglieder, verlorene:
allgemein: 142,1; einzelne
_
, s. Index 2 (deperditi)